Jugendamt hilfe für eltern

Jugendamt bietet Hilfe für Eltern

Das Jugendamt in Stadt und Land ist eine Anlaufstelle für Eltern bei überraschend vielen Fragen – ein Überblick.

Vom Jugendamt hört man meist nur im Zusammenhang mit schwerwiegenden Problemen, mit denen selbst die Super Nanny nicht fertig wird – aber das vermittelt bei Weitem keinen vollständigen Eindruck vom vielfältigen Spektrum an Angeboten, mit denen das Jugendamt von Städten und Gemeinden Familien Hilfe leistet.

Das Jugendamt berät und hiflt

Im Mittelpunkt stehen erzieherische Hilfen für Eltern, Kinder und Familien, und das heißt vor allem: persönliche Unterstützung und Beratung. Das Jugendamt ist damit die erste Anlaufstelle und Wegweiser für weiterführende Angebote zur Hilfe – von der Frühförderung bis zur Gesundheitsberatung. Natürlich ist das Jugendamt eine Behörde, aber gerade in den Städten gehörten diese Dienststellen zu den ersten, die sich im Sinne einer Serviceorientierung neu organisiert haben. Viele Eltern merken das, wenn sie mit dem Jugendamt in Sachen kommunaler Kita, Krippe oder Kindergarten zu tun haben und sich die Mitarbeiter um unbürokratische Lösungen bemühen. So vermittelt das Jugendamt auch Tagesmütter vermittelt.

Jugendamt und Unterhalt

Das Jugendamt ist außerdem für die „wirtschaftliche Jugendhilfe“, also staatliche Unterstützungsleistungen sowie Zahlungen als Unterhaltsvorschussm zuständig. In einigen Kommunen kümmert sich das Jugendamt auch um das Elterngeld.

Hilfe bei Adoption

Wer überlegt, Pflegekinder bei sich aufzunehmen oder eine Adoption erwägt, ist ebenfalls beim Jugendamt an der richtigen Adresse. Das Jugendamt gewährt zudem juristische Unterstützung, die sogenannte „Beistandschaft“, wenn es etwa darum geht, Unterhaltsansprüche des Kindes festzustellen und durchzusetzen.

Eltern in der Krise

1. Das Wichtigste in Kürze

Kinder bedeuten meist großes Glück, oft aber auch große Herausforderungen. Neue Verantwortungen, schwere Entscheidungen, Krankheiten, finanzielle Mehrbelastungen, Erziehungsprobleme und Streitigkeiten sind einige Beispiele für Aufgaben, denen sich viele Eltern stellen müssen.

Wenn die Probleme dauerhaft nicht zu lösen sind, können Ängste, depressive Phasen oder die Flucht in Abhängigkeiten die Folge sein.

2. Unterstützungsmöglichkeiten

Stellt sich das Gefühl ein, alleine die persönlichen und/oder familiären Probleme nicht mehr in den Griff zu bekommen, ist es ratsam sich frühzeitig Hilfe zu holen. Je länger man wartet, desto mehr verfestigen sich die Schwierigkeiten und desto problematischer ist es, sie wieder los zu werden.

2.1. Beratungsstellen

Beratungsstellen bieten Unterstützung durch Gespräche und Informationen. Die Berater helfen die eigenen Probleme überschaubar und von einer anderen Sichtweise anzugehen und unterstützen bei der Entwicklung und Umsetzung von Lösungsmöglichkeiten.

Das Unterstützungsangebot umfasst z.B. Hilfestellung bei Erziehungsproblemen, Partnerschaftskonflikten, Lebenskrisen, schweren Entscheidungen, finanziellen Schwierigkeiten oder Sucht.

2.2. Selbsthilfegruppen

In Selbsthilfegruppen tun sich Menschen zusammen, die vor dem gleichen Problem stehen oder unter derselben Krankheit leiden. Gemeinsam wollen sie ihre Lage verbessern, sich gegenseitig unterstützen und zusammen aktiv etwas verändern.

Selbsthilfegruppen haben unterschiedliche Organisationsformen. Im Regelfall treffen sich etwa 6 – 12 Teilnehmer regelmäßig ( z.B. einmal in der Woche oder einmal im Monat) über längere Zeit. Sie bestimmen gemeinsam, wie lange die Treffen dauern, wo sie stattfinden, welche Ziele sie verfolgen und wer welche Aufgaben übernimmt.

2.3. Therapeutische Angebote

Psychotherapie hilft seelische Probleme in den Griff zu bekommen. Sie unterstützt z.B. bei Depressionen, Ängsten, Süchten, Zwängen, Essstörungen oder wenn man problematisches Verhalten verändern möchte. Die Behandlungsform ist meist ein Gespräch, kann jedoch durch therapeutische Interventionen (z.B. Entspannungsverfahren, Verhaltenstrainings) erweitert werden.

2.4. Jugendamt

Das Jugendamt unterstützt Eltern, aber auch direkt Kinder und Jugendliche, in Krisensituationen und in allen Fragen der Erziehung, Betreuung und Bildung. Übersicht und Links zu den vielen Angeboten des Jugendamts unter Kinder- und Jugendhilfe.

3. Wer hilft weiter?

  • In der Bundeskonferenz der Erziehungsberatung haben sich deutschlandweit Mitarbeiter der Erziehungsberatungsstellen zusammengeschlossen. Eltern können sich unter https://eltern.bke-beratung.de von ihnen online beraten lassen. Rund um die Themen Kinder und Familie stehen Einzel-E-Mail-Beratung, Einzelchat, Gruppenchat oder ein Forum zur Verfügung.
  • Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. (DAJEB) bietet unter www.dajeb.de > Beratungsführer online eine bundesweite Suche nach Ehe-, Familien- und Schwangerenberatungsstellen. Auch Adressen von Krisen-, Sucht-, Schulden- oder Lebensberatungsangeboten sowie Notdiensten und Frauenhäusern sind hier zu finden.
  • Das Sorgentelefon OSKAR ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 8888 4711. Es berät und informiert zu allen Fragen, die mit lebensverkürzend erkrankten Kindern zu tun haben. Weitere Informationen unter www.oskar-sorgentelefon.de.

4. Verwandte Links

Jugendamt

Schwangere in Not

Notfall und Beratungsnummern

Kinder krebskranker Eltern

Kinderbetreuungskosten Reha

Tod und Trauer > Kinder

Leistungen für Eltern, Kinder und Jugendliche

Kinder – und Jugendhilfe – Wofür gibt’s das Jugendamt?

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Die Kinder- und Jugendhilfe, oder wie es früher hieß „das Jugendamt“ – ist zuständig, wenn Kinder und Jugendliche in Umständen leben, die nicht okay sind oder wenn Kinder und Jugendliche in ihrer Familie von Gewalt betroffen sind.

Die Kinder- und Jugendhilfe ist eine Behörde und gleichzeitig ein Service der Bundesländer. Der richtige Name ist „Kinder- und Jugendhilfe“.

Es ist u. a. dafür zuständig, „die Entwicklung Minderjähriger zu fördern und zu sichern“. Das bedeutet: Wenn das „Wohl“ eines Kindes oder Jugendlichen bis 18 Jahren gefährdet ist, das Kind also nicht so betreut wird, wie es für seine Entwicklung und sein Wohlergehen gut ist, muss das „Jugendamt“ etwas anbieten.

Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe, die MAG ELF, erklärt sich selbst so: „Wir wollen, dass Kinder frei von Angst und frei von Gewalt leben können. Wir helfen Kindern und Jugendlichen, ihre Probleme wieder hinzukriegen. Und wenn es ganz schlimm ist, aus Gewalt und Terror in der Familie rauszukommen.“

Da gibt es mehrer Möglichkeiten

Was die Kinder- und Jugendhilfe anbietet

Entweder Deine Eltern bekommen Unterstützung, damit sie lernen, wie sie ihre Aufgaben als Eltern besser machen können. Wenn Deine Eltern selbst einsehen, dass sie Hilfe brauchen, so können diese sich in Wien an die Eltern-Kind-Zentren wenden.

Die Kinder- und Jugendhilfe kann Eltern aber auch dazu verpflichten, Beratungen aufzusuchen oder z. B. eine „Mobile Familienbetreuung“, die zu euch nach Hause kommt und Unterstützung anbietet, anzunehmen.

Für betroffene Kinder gibt es Unterstützung durch „Entwicklungsförderung“, Hilfe bei Unterbringung in einen Kindergarten oder –hort oder die Vermittlung von Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Regionalstellen – Soziale Arbeit mit Familien

Für jeden Wiener Gemeindebezirk gibt es eine „Regionalstelle – Soziale Arbeit mit Familien“ der MAG ELF. Dort arbeiten SozialarbeiterInnen, die für das Grätzl, in dem du wohnst, zuständig sind. Du kannst in den Öffnungszeiten dort hingehen und sprichst mit der oder dem diensthabenden Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter.

Anders als in einer Beratungsstelle, kannst Du Dir also nicht aussuchen, mit wem Du sprichst. Die MitarbeiterInnen der Regionalstelle nehmen sich Zeit für ein Gespräch mit Dir. Du kannst natürlich auch einen Freund oder eine Freundin als Vertrauensperson mitnehmen.

Da die Kinder- und Jugendhilfe auch eine Behörde ist, sind die MitarbeiterInnen verpflichtet, etwas zu unternehmen, wenn sie den Verdacht haben, dass Du gefährdet bist.

Das heißt sie müssen Gespräche mit Deinen Eltern führen und unter Umständen auch eine Anzeige bei der Polizei machen.

Hilfe für Eltern mit schwierigen Kindern

Die Erziehung der Kinder ist eine der zentralen Aufgaben der Eltern. Diese müssen dafür Sorge tragen, dass der Nachwuchs adäquat aufwächst. Hierzu gehört unter anderem auch eine angemessene Schulausbildung. Aber auch in anderen Bereichen ist die Einflussnahme der Eltern von großer Bedeutung, schließlich benötigen heranwachsende Kinder Leitung und Unterstützung. Ist all dies gegeben, können die Kinder zu wertvollen Mitgliedern der Gesellschaft heranwachsen und erfolgreich ins Leben starten. So reibungslos läuft es in der Familie jedoch nicht immer ab, denn im Laufe der Jahre gibt es immer wieder Probleme. Bei besonders schwierigen Kindern sind die Eltern aber mitunter überfordert und wissen sich einfach keinen Rat mehr. Vor allem pubertierende Kinder widersetzen sich häufig ihren Eltern, verweigern teilweise die Schule und verschließen sich auch ansonsten oftmals vollkommen.

Die Probleme können natürlich auch schon weitaus früher beginnen und die Eltern mehr oder weniger zur Verzweiflung bringen. Kleinere Schwierigkeiten und Streitereien sind noch kein Grund zur Beunruhigung. Wendet sich das Kind aber über einen längeren Zeitraum hinweg mehr und mehr von der Familie ab, sodass die Eltern in gewisser Hinsicht den Kontakt verlieren, besteht Handlungsbedarf. Die Eltern selbst sind in einer solchen Situation aber häufig ratlos und wissen einfach nicht, was sie tun sollen. In einem solchen Fall sollte man nicht davor zurückschrecken, sich seine Schwierigkeiten offen einzugestehen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.Es gibt eine ganze Reihe von psychologischen Beratungsstellen, welche Hilfe und Unterstützung bieten. Ebenso wurden in Deutschland Erziehungsberatungsstellen eingerichtet, an die man sich wenden kann.

Hilfe vom Jugendamt

Eltern, die mit ihren Kindern nicht mehr zurechtkommen und zunehmend Probleme im Alltag haben, schämen sich aufgrund dessen häufig und versuchen, die Schwierigkeiten zu verbergen. Dies ist jedoch keineswegs im Sinne des Kindes, denn nur wenn dieses adäquate Unterstützung erhält, kann es sich optimal entwickeln. Eltern mit schwierigen Kindern oder in schwierigen Lebenssituationen sind keine Versager, sollten ihren Scham hinter sich lassen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Das örtliche Jugendamt ist in solchen Angelegenheiten stets der richtige Ansprechpartner. Viele Menschen glauben, das Jugendamt würde ihnen sofort das Sorgerecht für die Kinder aufgrund der Bestimmungen im Familienrecht (SGB VIII) entziehen, wenn sie sich mit Problemen an die Behörde wenden, doch dem ist keinesfalls so. Die zentrale Aufgabe der Jugendämter besteht darin, Eltern, Kinder und Familien zu unterstützen. Vor allem erzieherische Hilfen stehen hierbei im Vordergrund. Eltern schwieriger Kinder finden im Jugendamt somit häufig eine kompetente Beratungsstelle, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht. Darüber hinaus hält die Behörde noch weiterführende Angebote bereit und lässt Hilfe suchende Eltern nicht im Regen stehen. Ob Frühförderung, Unterhalt oder auch Gesundheitsberatung, das Jugendamt unterstützt Eltern umfassend in sämtlichen Lebenslagen.

Sofern kein schwerwiegender Fall vorliegt, bei dem von einer Kindeswohlgefährdung auszugehen ist, wird das Jugendamt jedoch nur selten von alleine aktiv. Überforderte Mütter und Väter müssen demnach selbst aktiv nach Hilfe suchen und sollten sich bei anhaltenden Problemen mit dem Nachwuchs durchaus an das Jugendamt wenden. Oftmals hilft es aber auch, Rat bei den Lehrern zu suchen. Außerdem sollte zunächst abgeklärt werden, ob das Verhalten möglicherweise eine medizinische Ursache hat.

Auch wenn Kinder und Eltern kein gutes Verhältnis zueinander haben, so bleibt die Unterhaltspflicht bestehen. Diese ist ein fester Bestandteil der gegenseitigen Fürsorge. In jungen Jahren die Eltern für die Kinder und später schließt sich daran auch eine Unterhaltspflicht der Abkömmlinge für die Eltern an.

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Beratung Jugendamt

Eine Beratung durch das Jugendamt richtet sich an (alleinerziehende) Mütter und/oder Väter sowie an Kinder, Jugendliche und junge Volljährige. Inhalt der Beratung kann z.B. partnerschaftliches Zusammenleben, Trennung oder Fragen zu Unterhaltsansprüchen sein.

2. Grundsätzliches

Die Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) sieht verschiedene Formen der Beratung vor.

Auf die nachfolgend genannten kostenlosen Beratungen und Unterstützungen des Jugendamts besteht ein Rechtsanspruch.

3. Mütter und/oder Väter

Beratung von Müttern und/oder Vätern, die für ein Kind (0 bis noch nicht 14 Jahre) oder einen Jugendlichen (14 bis noch nicht 18 Jahre) zu sorgen haben, vorwiegend in folgenden Bereichen:

  • Aufbau eines partnerschaftlichen Zusammenlebens in der Familie
  • Bewältigung von Konflikten und Krisen in der Familie
  • Unterstützung bei Trennung und Scheidung

4. Alleinerziehende Mütter oder Väter

Beratung und Unterstützung von Müttern oder Vätern, die allein für ein Kind (0 bis noch nicht 14 Jahre) oder einen Jugendlichen (14 bis noch nicht 18 Jahre) zu sorgen haben, vorwiegend in folgenden Bereichen:

  • Beratung und Unterstützung bei der Ausübung der Personensorge, Näheres unter Sorgerecht
  • Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen
  • Amtsvormundschaft
    Ledige minderjährige Mütter/Väter erhalten automatisch einen Amtsvormund für ihr Kind, d.h. ihnen sowie dem Amtsvormund steht die Personensorge gemeinsam zu. Bei Meinungsverschiedenheiten geht die Meinung des minderjährigen Elternteils in der Regel vor. Aufgrund ihrer beschränkten Geschäftsfähigkeit können sie ihr Kind jedoch nicht gesetzlich vertreten. Die Amtsvormundschaft endet mit der Volljährigkeit des ledigen Elternteils oder kann auf Antrag in eine Beistandschaft übergehen.
  • Beistandschaft
    Ein Hilfsangebot des Jugendamts, das freiwillig angenommen werden kann. Das Jugendamt erhält vom Standesamt die Informationen über die Geburt jedes nichtehelichen Kindes für das keine Vaterschaftsfeststellung vorliegt und informiert den Sorgeberechtigten dann schriftlich über seine Hilfsangebote.

4.1. Antrag auf Beistandschaft

Sorgeberechtigte ledige oder in Trennung oder Scheidung lebende volljährige Mütter/Väter können einen Antrag auf Beistandschaft stellen. Der Antrag kann auch schon vor Geburt des Kindes gestellt werden. Sie erhalten dann Unterstützung bei der Durchsetzung ihrer Unterhaltsansprüche oder der Unterhaltsersatzansprüche für das Kind und Hilfe bei der Vaterschaftsfeststellung. Die Aufgaben der Beistandschaft richten sich nach den Wünschen der/des Sorgeberechtigten. Das Sorgerecht wird durch die Beistandschaft nicht eingeschränkt.

4.2. Ende der Beistandschaft

Die Beistandschaft endet bei

  • Schriftlichem Antrag der/des Sorgeberechtigten
  • Volljährigkeit des Kindes
  • Adoption des Kindes
  • Beendigung der vereinbarten Aufgabenunterstützung durch das Jugendamt

5. Kinder, Jugendliche und junge Volljährige

Kinder, Jugendliche und junge Volljährige bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, in Ausnahmefällen bis zum 27. Lebensjahr, können sich ebenfalls vom Jugendamt beraten und unterstützen lassen: in allen Angelegenheiten, die ihre Erziehung und persönliche Entwicklung betreffen. Das Jugendamt ist verpflichtet, den Anliegen von Kindern und Jugendlichen ernsthaft nachzugehen und mit ihnen und ihren Sorgeberechtigten angemessene Lösungen zu finden. In Not- und Konfliktlagen haben Kinder und Jugendliche auch einen Anspruch auf Beratung, ohne dass ihre Eltern darüber informiert werden.

Bei jungen Volljährigen gilt die Hilfe vorwiegend bei der Geltendmachung von Unterhaltsansprüchen, z.B. zur Höhe des Unterhalts. Darüber hinaus kann eine Nachbetreuung (Hilfe für junge Volljährige) in Frage kommen.

6. Verwandte Links

Jugendamt

Kinder- und Jugendhilfe

Unterhaltsvorschuss für Kinder

Erziehungsberatung

Sorgerecht

Umgangsrecht

Familienberatung > Adressen – Hilfen – Infos

Tochter dem Jugendamt übergeben: Eine Mutter berichtet

Linda igelte sich immer mehr ein, kam kaum noch aus ihrem Zimmer und war wohl generell sehr unglücklich. Auch bei mir gab es depressive Phasen, es war eine schwere Zeit. Dazu kam, dass Lindas Regelblutungen extrem lange und heftig waren. Sie litt unter einem Eisenmangel und wurde dann ins Krankenhaus eingeliefert, um sie einmal richtig durchzuchecken. Aber körperlich war alles in Ordnung mit ihr. Uns wurde der Vorschlag unterbreitet, sie stationär auf der psychosomatischen Jugendstation aufzunehmen, um ihre Probleme einmal anzugehen.

Die Therapeutin auf dieser Station begleitete uns als Familie und gab uns den Rat mit auf den Weg, dass wir einfach mehr Zeit mit Linda verbringen sollten, dann würde alles andere sich schon richten. Wir haben uns bemüht und versucht, die Tipps umzusetzen. Außerdem haben wir Linda von der weit entfernten IGS abgemeldet und sie in der Realschule angemeldet, die deutlich näher an unserem Wohnort lag. Sie war allerdings nur ein paar Tage dort, denn dann stand erst einmal ein Praktikum an.

„Ich habe sie angeschrien“

Zuhause war die Stimmung trotz aller Bemühungen schlecht. Linda war absolut nicht bereit, irgendetwas im Haushalt zu tun. Ich war schwanger und mit zwei kleinen Kindern ziemlich am Limit und habe an einem Tag die Nerven verloren und sie angeschrien. Daraufhin ist Linda aus dem Haus gelaufen und verschwunden. Sie hat sich versteckt und nur meine Mutter wusste, wo sie war. Meine Mutter hat sich geweigert, mir zu sagen, wo Linda steckte. Deshalb habe ich die Polizei gerufen und gemeinsam mit den Beamten habe ich Linda zurück nach Hause geholt.

Zu der Zeit machte Linda das Praktikum und ich bekam nach wenigen Tagen einen Anruf von der Lehrerin. Sie sagte mir, sie habe Linda auf der Praktikumsstelle besucht und Linda habe ihr gegenüber gesagt, dass sie nicht mehr nach Hause wolle.

Ich habe mich mit der Lehrerin und Linda in der Praxis von Lindas betreuender Psychiaterin treffe. Dort hatten wir ein Krisengespräch. Es wurde vereinbart, dass wir am Nachmittag alle zusammen (also die Psychiaterin, die Therapeutin, mein Mann und ich) ein Gespräch mit Linda auf der psychosomatischen Station führen sollten. Ich war wie versteinert und bei den beiden Expertinnen kam es wohl so an, als wäre ich emotional nicht beteiligt. Dem war aber nicht so. Ich war nervlich am Ende.

„Mein Mann und ich waren total überfordert“

In diesem Gespräch fühlte ich mich so hilflos. Ganz am Ende hat Linda dann noch darum gebeten, dass ich rausgehen soll, damit sie frei sprechen kann. Dann hat sie gesagt, dass sie Angst hat vor mir und davor, dass ich sie schlagen würde. Was natürlich nie passiert ist. Meinen Mann hat das auch alles sehr mitgenommen. Er war für Linda immer eine sehr wichtige Person (und ist es noch, mittlerweile nennt sie ihn auch Papa). Er war immer der Gute und ich immer die Böse. Auch das ist wohl heute noch so. Jedenfalls war mir nach dem Gespräch klar, dass es so nicht mehr weitergeht.

Und auch Linda hat mehrmals in dem Gespräch gesagt, dass sie auf keinen Fall mit nach Hause gehen will. Also wurde vereinbart, dass sie in dieser Nacht auf der Station bleiben soll.

Mein Mann und ich waren wirklich total überfordert und am Ende. Wir wussten einfach nicht mehr weiter. Zunächst hatte ich aber große Angst, das Jugendamt einzuschalten und zu sagen, dass wir nicht mehr können. Schließlich hatten wir noch zwei Kinder und ich war schwanger. Ich dachte: Was, wenn das Jugendamt meint, wir wären mit allen Kindern überfordert? Was würde dann mit den Kindern passieren?

Linda kam von der Klinik in eine Mädchenwohngruppe

Mein Mann und ich hatten direkt am nächsten Morgen einen Termin mit unserer zuständigen Sachbearbeiterin im Jugendamt. Wir waren schrecklich aufgeregt. Doch was soll ich sagen – die Frau war einfach toll! Sie hörte sich alles an und meinte dann, dass es kein Wunder sei, dass wir überfordert sind. So eine therapeutische Leistung könnte man zuhause gar nicht allein leisten. Und dass sie uns auf jeden Fall unterstützen wird.

Zuerst einmal hat sie zugesagt, dass sie Linda aus dem Krankenhaus abholen und in eine Mädchenwohngruppe bringen wird. Das ist dann auch so passiert und Linda wurde direkt aus dem Krankenhaus in Obhut genommen.

„Tausend Kilo schweres Gewicht von unseren Schultern genommen“

Zum einen war es natürlich schrecklich, das eigene Kind gehen zu lassen. Aber ich muss gestehen, dass in dem Moment bei meinem Mann und mir die Erleichterung überwogen hat. Es war, als sei ein tausend Kilo schweres Gewicht von unseren Schultern genommen worden. Vor allem für mich war es gut, die Verantwortung nicht mehr tragen zu müssen. Nicht mehr alles entscheiden zu müssen, sondern einige Sachen anderen zu überlassen.

Für Linda war es wohl ein ziemlicher Schock, dass die Dame vom Jugendamt sie im Krankenhaus abgeholt und in die Wohngruppe gebracht hat. Ich bin nachmittags dorthin gefahren und habe ihr einige Kleidungsstücke und sonstige Sachen gebracht und Linda sah ziemlich verloren aus. Die Betreuerinnen der Wohngruppe haben sich zwar Mühe gegeben, aber es ist eben doch eine Gemeinschaftseinrichtung, die nicht unbedingt den größten wohnlichen Charme hat.

Linda hatte suizidale Gedanken – und kam in die geschlossene Jugendpsychiatrie

Wir hatten regelmäßigen Kontakt, haben telefoniert und irgendwann durfte Linda uns auch über das Wochenende besuchen kommen. Regelmäßig fanden mit den Betreuerinnen und der Jugendamtsmitarbeiterin Hilfeplangespräche statt, in denen Ziele vereinbart wurden.

Wir haben offen darüber geredet, warum Linda nicht mehr bei uns wohnt, wo sie jetzt ist und wie es ihr geht. Die Geschichte war durch den Auszug noch nicht beendet. Es folgten einige Aufenthalte in der geschlossenen Jugendpsychiatrie, meist nur übers Wochenende, weil Linda suizidale Gedanken hatte.

Erst durch die Trennung verbesserte sich das Verhältnis

Zuhause ist es ruhiger und harmonischer geworden. Das Verhältnis zwischen Linda und mir wurde durch die Trennung erst einmal besser. Vor allem dann, als wir beide endgültig den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen haben. Erst da wurde mir richtig klar, wie sehr meine Mutter Gift verspritzt hatte.

Meine Tochter ist nicht wieder nach Hause gekommen. Sie blieb eine ganze Weile in der Wohngruppe, zeitweise auch in einer eigenen Außenwohnung. Aber das hat zu der Zeit nicht gut funktioniert. Sie war auch immer wieder in der Psychiatrie, ich weiß noch, dass wir sie an ihrem 18. Geburtstag dort besucht haben.

Sie ist dann irgendwann in die Erwachsenen-Wohngruppe einer Behinderteneinrichtung gezogen. Bei ihr wurde ein Borderline-Syndrom diagnostiziert und sie hat mittlerweile dadurch eine anerkannte seelische Behinderung. Sie hat einige Zeit in dieser Wohngruppe gelebt und ist dann mit ihrem damaligen Freund zusammen gezogen. Allerdings ging das nicht lange gut. Mittlerweile hat sie einen neuen Freund und lebt 300 Kilometer von uns entfernt. Im April wurde mein Enkelkind geboren.

„Ich selbst bin sehr gewachsen an allem“

Es geht uns recht gut. Ich kämpfe immer noch mit depressiven Phasen und bei beiden meiner Söhne wurden Lernbehinderungen diagnostiziert, aber damit werden wir fertig.

Meinen Mann und mich hat die ganze Situation mit Linda, die ständige Angst und das ständige Kümmern müssen, sehr eng zusammengeschweißt. Was wir alles zusammen durchgemacht haben und womit wir fertig werden mussten, ist schon eine ganze Menge. Aber wir sind uns immer noch sehr nah.

Er hat nach wie vor immer noch ein besseres Verhältnis zu Linda als ich. Das wird sich wohl nie ändern. Ich merke aber auch, dass das Verhältnis zu meinen anderen Kindern ganz anders gelagert ist, weil sie nie meiner Mutter ausgesetzt waren. Ich selbst bin auch sehr gewachsen an allem, kann mich mittlerweile behaupten und bin selbstbewusster.

Ich würde immer dazu raten, sich Hilfe zu holen. Auch wenn es schwer ist. Aber unsere Erfahrungen mit dem Jugendamt waren durchweg positiv. Keiner hat uns verurteilt, weil wir mit der Situation nicht mehr klargekommen sind. Allen lag nur das Wohlergehen meiner Tochter im Sinn und wir haben uns immer gut betreut gefühlt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf stadtlandmama.de.

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