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Handysucht: 9 Anzeichen dafür, dass Sie ein Handy-Junkie sind

Nur weil man sein Smartphone ständig bei sich trägt, leidet man nicht gleich an Handysucht. Aber ab wann ist man abhängig? Es gibt neun Warnsignale.

Die Nomophobie geht um. Noch nie davon gehört? Vielleicht leiden Sie selbst darunter. So nennen die Briten die Angst, ohne Mobiltelefon zu sein. Der Begriff setzt sich zusammen aus „no mobile phone“ und „phobia“.

Aber woher rührt diese Angst? Wir haben uns daran gewöhnt, via Smartphone am Leben anderer teilzuhaben: Wird diese Verbindung gekappt, fürchten wir, etwas zu verpassen. Heute wird gechattet und gepostet statt auf dem Dorfplatz getratscht und geklatscht. Laut einer Studie der Universität Bonn aktivieren Smartphone-Nutzer durchschnittlich 53 Mal am Tag ihr Handy.

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„Das Smartphone kann abhängig und unproduktiv machen“

Das Problematische dabei: Das Handy raubt unsere Aufmerksamkeit. Immer wenn es klingelt, vibriert oder aufleuchtet, reißt es uns aus Gedankengängen, lässt es uns unsere Arbeit oder Gespräche unterbrechen. Jede dieser Unterbrechungen kostet Zeit. Einmal rausgerissen, fällt es den meisten schwer, sich wieder auf ihre ursprüngliche Aufgabe zu konzentrieren. Bis zu 25 Minuten kann das laut einer amerikanischen Studie dauern.

„Wenn das mal passiert, ist das unproblematisch. Doch auf Dauer ist das ein enormer Stressfaktor“, sagt Detlef Scholz vom Kompetenzzentrum für exzessive Mediennutzung und Medienabhängigkeit der ESM in Schwerin. „Eine ständige Unterbrechung durch das Smartphone kann unproduktiv, abhängig und unglücklich machen.“

Handysucht – gibt es das überhaupt?

Aber warum springen viele auf jede Regung ihres Handys an? Fehlt es ihnen an Selbstdisziplin? Nicht unbedingt. Apps sind meist so programmiert, dass sie unser inneres Belohnungssystem aktivieren. Wenn etwa eine Nachricht auf dem Display erscheint, sorgt das für einen Überraschungsmoment. Unser Körper reagiert darauf und schüttet Dopamin aus. Der Botenstoff hat einen motivierenden Effekt: Wir wollen mehr davon.

Auch wenn Smartphones suchtähnliches Verhalten fördern können – eine offiziell anerkannte Krankheit ist die Handysucht nicht. In den offiziellen, international gültigen Diagnosekriterien wie dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM) taucht die Handysucht nicht auf, sondern nur die „Internet Gaming Disorder“ (Online-Spielsucht). Allerdings sind sich Experten einig, dass sich die folgenden neun Kriterien für die Online-Spielsucht auf andere Internetanwendungen, also auch aufs Handy, übertragen lassen. „Wenn fünf dieser Kriterien in den vergangenen zwölf Monaten erfüllt wurden, kann man von einer Abhängigkeit sprechen“, sagt Scholz. Er geht allerdings davon aus, dass auch schon nach einem Zeitraum von sechs Monaten ein problematisches Verhalten vorliegt.

1. Starke gedankliche und emotionale Eingenommenheit

Gibt es längere Phasen, in denen Sie mehr darüber nachdenken, Whatsapp-Nachrichten oder Facebook-Post zu schreiben, als sich auf die Arbeit zu konzentrieren? Dann ist das ein Warnzeichen.

2. Entzugserscheinungen

Handy zuhause liegen gelassen oder Akku leer – das macht die meisten Handybesitzer nervös. Gibt es aber körperliche Auswirkungen wie Unruhe, Nervosität, Schweißausbrüche, wenn Sie Ihr Smartphone nicht nutzen können, ist das ein deutliches Alarmzeichen.

3. Steigerung der Häufigkeit

Früher haben Sie nur ab und zu mal nach Ihrem Handy gegriffen, um zu schauen, was es Neues gibt; heute haben Sie ständig den Drang, es zu tun? Wenn es Sie extrem unzufrieden macht, diesem Drang nicht nachzugeben, ist auch das ein Anzeichen für eine Abhängigkeit.

4. Erfolglose Einschränkungsversuche

Eigentlich wissen Sie, dass Sie zu viel Zeit am Handy verdaddeln? Und eigentlich wünschen Sie sich schon länger, das zu ändern, aber schaffen es nicht? Dann ist auch das ein möglicher Hinweis auf eine Handysucht.

5. Wenig Interesse an anderen Aktivitäten

Wenn sich die Freizeitgestaltung wegen des Handys verändert, sollte auch das eine Warnung sein. Treffen Sie sich weniger mit Freunden, weil Sie lieber mit Ihrem Handy auf der Couch sitzen und sich durchs Internet klicken? Oder gehen Sie nicht mehr regelmäßig einem Hobby nach, weil es für Sie verlockender ist, via Smartphone zu chatten?

6. Exzessive Nutzung trotz negativer Konsequenzen

Sie merken, dass es körperliche Auswirkungen hat, wenn Sie sich zu viel mit Ihrem Handy beschäftigen – und können es dennoch nicht zur Seite legen. Zum Beispiel surfen Sie bis spät am Abend durchs Netz, obwohl Sie völlig übermüdet sind und normalerweise ins Bett gehen würden.

7. Täuschung anderer

Weil Sie selbst merken, dass Sie zu viel Zeit am Handy verbringen: Versuchen Sie das vor anderen zu verheimlichen, beispielsweise vor Ihrem Partner?

8. Negativen Stimmungen entkommen

Wenn Probleme Sie quälen oder schlechte Gedanken Sie auf Trab halten, greifen Sie zum Handy, um davor zu fliehen?

9. Gefährdung des Berufs- oder Privatlebens

Hat Ihre Handynutzung über längere Zeit dazu geführt, dass Sie ernsthafte Probleme mit Ihrem Partner, Ihrer Familien, Ihren Freunden oder Mitarbeitern hatten? Auch das ist ein Signal für eine Sucht.

So testen Sie sich selbst

Scholz empfiehlt, sich selbst zu testen: „Man kann am Wochenende ausprobieren, was passiert, wenn man das Handy einen Tag lang ausschaltet und weglegt. Wenn man gut damit umgehen kann, ist alles im grünen Bereich. Reagiert man mit körperlichem Unwohlsein, können das Entzugserscheinungen sein.“ In diesem Fall rät der Experte dazu, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Anlaufstellen lassen sich über die Webseite des Fachverbandes Medienabhängigkeit finden.

Strategien gegen die Handysucht

Gibt es Strategien, um den Handy-Zwang einzudämmen? Scholz empfiehlt zum Beispiel, eine Armbanduhr zu tragen: „Wenn ich jedes Mal aufs Handy schaue, wenn ich wissen will, wie spät es ist, checke ich automatisch auch, ob neue Nachrichten eingegangen sind oder jemand angerufen hat. Wenn ich eine Uhr am Handgelenk trage, habe ich keinen Vorwand zum Smartphone zu greifen.“

Ein weiterer Tipp des Therapeuten und Pädagogen: „Richten Sie sich bewusst Zeitfenster für das Smartphone ein.“ Es sei sinnvoller, zum Beispiel zweimal am Tag bewusst das Handy für Facebook oder SMS zu nutzen, als ständig darauf herumzutippen. Denn wenn Sie jedes Mal darauf reagieren, wenn das Handy vibriert oder blinkt, werden Sie ständig unterbrochen – bei der Arbeit, bei einem Gespräch, bei einem Gedankengang. Wenn Sie sich feste Handy-Zeiten setzen, können Sie sich effektiver Ihren aktuellen Aufgaben widmen.

„Es hilft auch, das Handy beispielsweise ab 18 Uhr nicht mehr für berufliche Zwecke zu nutzen“, sagt Scholz. Es gehe darum, sich bewusst Ruheräume zu schaffen und Zeit für Entspannung zu finden. Mehr Tipps für einen bewussten Umgang mit dem Smartphone finden Sie in unserem Artikel Digital Detox: 7 Tipps für eine digitale Entgiftungskur.

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Handysucht: So erkennen Sie, ob Sie abhängig sind

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Chatten, surfen, spielen, shoppen oder den Partner fürs Leben suchen: Mit dem Smartphone ist so einiges möglich. Das kann allerdings zum Problem werden: Wer nicht aufpasst, wird zum Sklaven seiner Nutzungsgewohnheiten. Denn so, wie Glücksspielautomaten oder Games manche Menschen abhängig machen, kann auch die Smartphone-Nutzung überhandnehmen.

Was dabei passiert, erklärt der Informatiker Alexander Markowetz, der an der Universität Bonn zum Thema digitaler Burn-out geforscht hat: „Ich führe eine Handlung aus, und dann gibt es eine Überraschung.“

Das macht die heutige Jugend in ihrer Freizeit

Was machen Kinder am Liebsten? Wie verbringen sie ihre Freizeit? Antworten auf diese Fragen gibt eine aktuelle Verbraucher-Analyse über Kids. Natürlich auch zum Thema Smartphone und Internet.

Quelle: N24

Die Handlung ist der Knopfdruck zum Aktivieren des Displays, die Überraschungen können vielfältig sein: Hat sich schon jemand mein Partyfoto angesehen? Gibt es Neuigkeiten? Das Warten auf die nächste Nachricht von Freunden, auf einen neuen Like bei Facebook oder das nächste Level beim Online-Game bestimmen dann den Rhythmus.

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Der Körper schüttet dabei das Glückshormon Dopamin aus. Es sorgt dafür, dass wir immer wieder zum Display greifen. „Das ist maximale Belohnung mit minimalem Aufwand“, erklärt Michael Knothe, Pressesprecher beim Fachverband Medienabhängigkeit, den Mechanismus.

„Es gibt bestimmte Risikofaktoren“

Doch ist man gleich abhängig, nur weil man häufig auf sein Smartphone schaut? „Nein“, sagt Kai Müller, der als Psychologe in der Spielsucht-Ambulanz des Mainzer Uniklinikum arbeitet. „Es gibt bestimmte Risikofaktoren, die Menschen mitbringen.“

Manche nutzen das Smartphone etwa zur Ablenkung in Stresssituationen oder drücken sich damit vor unangenehmen Aufgaben. „Sorgen machen sollte man sich dann, wenn sich alles ums Handy dreht und man auch schöne Tätigkeiten unterbricht, um aufs Display zu gucken“, so Müller.

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Die Beschäftigung mit dem Handy darf also nicht das Hobby beeinträchtigen oder soziale Kontakte ersetzen. Wer zwar stundenlang chattet, aber weiter in den Sportverein geht und die Schule schafft, habe eher kein Suchtproblem.

Übermäßige Nutzung birgt Nachteile

Anders als etwa Daddelautomaten oder Gaming-PCs kann man Smartphones überall mit hinnehmen. Es gibt also keine natürlichen Pausen mehr. Deshalb gilt: „Es ist wichtig, konkrete Auszeiten zu definieren“, rät Psychologe Müller.

Denn auch wenn es keine Sucht ist: Übermäßige Nutzung birgt Nachteile. „Wenn ich alle 20 Minuten auf mein Handy sehe, leiden meine Produktivität und mein Glücksempfinden“, warnt Alexander Markowetz, der eine App namens Menthal entwickelt hat, die auf Handys das Nutzungsverhalten misst.

„Wenn ich alle 20 Minuten auf mein Handy sehe, leidet meine Produktivität und mein Glücksempfinden“, warnt der Informatiker Alexander Markowetz, der eine App namens „Menthal“ entwi…ckelt hat, die das Nutzungsverhalten auf Handys misst Quelle: dpa-tmn Anzeige

Die Auswertungen sind nicht repräsentativ, haben aber eine gewisse Aussagekraft, weil die App auf 300.000 Smartphones läuft. Demnach sieht ein Nutzer im Schnitt 88 Mal täglich aufs Display, und in 53 Fällen folgt dann auch eine Aktion.

Folge: Die ständigen Unterbrechungen torpedieren die Konzentration, und die Arbeit fällt schwer. Anti-Yoga nennt Markowetz das: „Beim Yoga begibt man sich in eine orthopädisch wertvolle Position und fokussiert den Geist. Beim Smartphone-Surfen nehmen viele Menschen eine orthopädisch absurde Haltung ein und suchen die Zerstreuung.“

Achtsamkeit und Selbstkontrolle

Um die Nutzung in den Griff zu kriegen, braucht es also mehr Achtsamkeit und Selbstkontrolle. „Man kann ein Konsumtagebuch führen und aufschreiben, was man früher gern gemacht hat und gerne wieder mehr machen würde“, schlägt Michael Knothe vor. Das hilft einzuschätzen, wie viel Raum das Handy einnimmt und welche Alternativen es gibt.

So vermeidet man den „Handynacken“

Wer viel auf sein Smartphone oder Tablet starrt, kann schnell Verspannungen im Nacken bekommen – den sogenannten Handynacken. Mit diesen einfachen Tricks kann man dem steifen Hals vorbeugen.

Quelle: N24

Psychologe Müller empfiehlt, Offline-Tage einzulegen, an denen man die mobile Datennutzung ausschaltet. Und ins Bett oder an den Esstisch gehörten Handys sowieso nicht. Auch Apps können helfen: Neben Menthal geben zum Beispiel Anwendungen wie Checky, Offtime, Hypnobeep oder Qualitytime Rückmeldung über die Nutzungsgewohnheiten. Wer bestimmte Auszeiten einhält, bekommt eine Belohnung.

Markowetz rät außerdem, den Griff zum Smartphone möglichst umständlich und überflüssig zu machen. Das bedeutet zum Beispiel: Armbanduhr und Wecker statt der entsprechenden Handyfunktionen nutzen und das Smartphone unterwegs in den Rucksack statt in die Hosentasche stecken.

Wer die Probe aufs Exempel machen will, versucht am besten, einen ganzen Tag ohne das Gerät auszukommen, schlägt Kai Müller vor. Wenn das gut klappt, sei die Nutzung im Rahmen.

Kindern Handy-Alternativen bieten

Statt das Chatten und Surfen einfach zu verbieten, sollten Eltern ihrem Nachwuchs Alternativen anbieten – etwa in Form von Aktivitäten oder Ausflügen, rät Michael Knothe vom Fachverband Medienabhängigkeit. Dann falle Kindern und Jugendlichen der Verzicht leichter.

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Gleichzeitig dürften Eltern aber auch nicht lebensfremd handeln: Wenn etwa alle Klassenkameraden über WhatsApp kommunizieren, sei der eigene Nachwuchs ohne Smartphone oder mit Messenger-Verbot schnell außen vor.

„Eltern sollten auf die Vielfalt im Leben ihrer Kinder achten“, fasst Knothe zusammen – und Vorbild sein: Wer beim Familienausflug selbst ständig am Handy hängt, wird sein Kind kaum zur digitalen Abstinenz bringen.

Smartphone-Sucht: Dieser einfache Trick kann bei Handy-Sucht helfen

Geben wir es zu: Viele von uns leiden an einer gewissen Smartphone-Sucht. Oder wann habt ihr das letzte Mal euer Handy eine Woche lang ausgeschaltet? Eben. Jetzt haben wir einen Trick gefunden, der helfen soll.

Handy-Sucht ist kaum erforscht, doch die Symptome kennt jeder: Wann immer wir uns wenige Sekunden langweilen, nutzen wir die Zeit nicht mehr, um uns zu entspannen oder mal über uns und die Welt nachzudenken – sondern wir checken Whatsapp & andere Messenger auf neue Nachrichten, suchen News auf Facebook, scrollen durch endlose Instagram-Bilder oder posten selber Fotos.

Schwarzweiss-Trick gegen Handy-Sucht

Die New York Times titelte, mit-dem-Smartphone-aufhören sei das neue mit-dem-Rauchen-aufhören. Nun haben wir eine spannende Idee bei treehugger gefunden: Gegen Smartphone-Sucht helfe, einfach das Smartphone auf den Schwarzweiß-Modus zu schalten.

Klingt zunächst ein bisschen lächerlich. Das soll der ganze Trick sein?

Und doch ist was dran: Wird das Smartphone ohne Farbe betrieben, sieht alles darauf „grau“ aus. Das Handy büßt deutlich an Attraktivität ein. Denn Farbe hat im wahrsten Sinne des Wortes Signalwirkung auf uns. Farbiges sticht hervor und macht klar: Das ist wichtig! Daher erscheint vielen in der bunten Welt des Smartphones alles immerzu wichtig.

Wir haben es selbst ausprobiert, obwohl wir uns nicht für Smartphone-süchtig halten und den simplen Trick anfangs auch irgendwie nicht sonderlich ernst nehmen konnten. Doch die typischen Kommentare unserer Schwarzweiß-Umsteller lauteten stets: „Neee, irgendwie mag ich mein Smartphone so jetzt nicht mehr“. Gut so! Denn genau darum geht es ja.

Werden wir einfach heimlich wieder auf Farbe umstellen? Bestimmt. Daher wäre es vielleicht klug, sich ganz gezielt „Grau-Tage“ gegen die Smartphone-Sucht zu verschreiben. Du könntest zum Beispiel unter der Woche auf Schwarzweiss umstellen und dir nur am Wochenende „Farbe gönnen“ … nur eine Idee.

Grau-Modus aktivieren

Schwarzweiß-Modus aktivieren – so geht es:

  • Android: Einstellungen / Eingabehilfe / Sehhilfe und dort Graustufen anschalten (kann je nach Modell variieren).
  • iPhone: Einstellungen / Allgemein / Bedienungshilfen / Display-Anpassungen / Farbfilter auf Ein schalten (Vorgabe: Graustufen).

Handy auf grau stellen: links Android, rechts iPhone (Screenshot: Utopia.de)

Smartphone-Sucht: noch 10 Tipps, die helfen

Nicht alle Tipps mögen auf den ersten Blick sinnvoll erscheinen, manche klingen sogar unangenehm oder undurchführbar. Probier doch einfach mal einige aus und prüfe selbst, was für dich in Frage kommt:

  1. Schalte es stumm. Ein Schritt gegen die Smartphone-Sucht: reduziere die Signaltöne des Smartphones. Dazu schaltest du die Hinweise der verschiedenen Apps ab bzw. entziehst ihnen die Erlaubnis, Hinweise geben zu dürfen – auch die Vibration solltest du abstellen. Jeder Hinweiston verführt uns nur, wieder zum Smartphone zu greifen.
  2. Reduziere Apps. Whatsapp, Snapchat, Hangouts sind ja nur die eine Seite – hinzu kommen die ganzen News-Apps, Mail-Apps, Dating-Apps, Facebook & Instagram … Abspecken hilft: weniger Apps erzeugen auch weniger Ablenkung. Brauchst du wirklich vier Messenger, reicht nicht auch einer, und nur ein Social Network?
  3. „Verlege“ dein Handy. Aus den Augen, aus dem Sinn – das gilt auch für die Handy-Sucht. Warum nicht einfach das Handy in der Tasche lassen, statt es neben dich auf den Tisch zu legen, wo es stets in der Lage ist, dich aus der Konzentration zu reißen?
  4. Schaffe Smartphone-freie Zonen. Bad und Schlafzimmer wären ein Anfang, bei Familien das Kinderzimmer: Du könntest einfach für dich beschliessen, dass ein Smartphone in diesen Räumen nichts zu suchen hat. Es wäre ein erster Schritt gegen die Handy-Sucht.

Lies auch: Digital Detox: bewusst offline gehen

Nimm dir hin und wieder bewusst eine Auszeit vom Bildschirm. (Foto: christophe papke / photocase.de)

  1. Geh mal offline. Auch definierte Zeiten ohne Handy sind eine gute Idee. Einfach mal ausschalten – und keine Angst vor „Nichterreichbarkeit“ haben: Wer dir bis 8 Uhr abends nicht mitteilen konnte, wird damit auch bis zum nächsten Tag warten können.
  2. Richte „Sprechstunden“ ein. Es mag manchem ein Trost sein, dass wir früher nicht Smartphone- sondern Mail-süchtig waren. Was bei Mails half empfiehlt sich auch beim Messenger: Begrenze die Zeit, in der du Mails und Nachrichten beantwortest, auf eine bestimmte Stunde. Das ist deine Sprechstunde – außerhalb dieser Zeit bist du nicht zu sprechen. Aus, basta.
  3. Informiere („erziehe“) Freunde. Viele antworten bei Nachrichten per Whatsapp, Snapchat oder anderen Kurznachrichtendiensten sofort – und erwarten das auch umgekehrt. Das macht uns zwangsläufig zu Sklaven des Messengers. Freunden, Verwandten, dem Büro klarzumachen, dass man über diese Kanäle nicht oder nur zu bestimmten Zeiten erreichbar ist, hilft gegen Smartphone-Sucht.
  4. Suche Uhren. Viele Menschen haben heute keine Uhr mehr. Weil sie ja ein Smartphone haben. Dort aber die Uhrzeit zu checken führt nur dazu, dass man auf dem Display die lockenden Hinweise auf Nachrichten sieht – und dann doch nachschauen möchte. Einfaches Mittel ist daher eine simple Uhr in Sichtweite – sie erspart den Blick auf das Handy und seine Verführungen.

Lies auch: Achtsamkeit: Von der Schwierigkeit, im Hier und Jetzt zu sein

Übe Achtsamkeit. (Foto: © Flügelfrei – photocase.de)

  1. Sichere dein Handy kompliziert. Das Smartphone per Passwort zu schützen ist ohnehin sinnvoll. Und es kann bei Handy-Sucht helfen: Statt es dir mit simpler PIN, Entsperr-Muster oder bequemen Fingerabdruck leicht zu machen, stellst du bewusst auf ein möglichst kompliziertes Passwort um. Das hält dich davon ab, ständig zu checken, ob es was Neues gibt. Sicher kein Tipp für alle …
  2. Smartphone-Apps gegen Smartphones: Klingt absurd, gibt es aber – zum Beispiel die App Realizd: Sie informiert dich darüber, wann du wieviel Zeit mit deinem Smartphone verbringst. Noch besser gefällt uns Forest: Diese App läßt in einer frei bestimmbaren, dann also „suchtfreien“ Zeit einen (zunächst leider nur virtuellen) Baum wachsen – und dieser geht ein, sobald du die App beendest (weil du eine andere aufrufst). Die App zwingt einen also auf zwanglose Weise, die Finger vom Handy zu lassen – damit der Baum wächst. Erfolgreiche virtuelle Bäume bringen virtuelle Münzen, die dann auch gegen echte Baumpflanzungen tauschbar sind. (Auch für den Chrome-Browser nutzbar, dort lassen sich Webseiten wie Facebook sperren …)

Ist Smartphone-Sucht überhaupt ein reales Problem oder nur wieder Hype? Wie man es nimmt: Nicht jeder von uns fühlt sich Smartphone-süchtig – aber auch die meisten Raucher halten sich ja nicht für abhängig.

Doch rund die Hälfte aller „Millennials“ (Generation der zur Jahrtausendwende Geborenen) checkt nach einer Studie (B2X) mehr als 50 Mal am Tag ihr Smartphone, 25% der Millennials verbringen mehr als fünf Stunden am Tag mit ihrem Handy.

Wir wollen niemandem das Smartphone vermiesen, immerhin lesen uns etwa 70 Prozent aller Besucher auf Utopia.de per Mobiltelefon. Daher die Frage: Wie geht ihr mit eurem Handy um, um nicht süchtig zu werden – was ratet ihr anderen? Schreibt uns in den Kommentaren!

Weiterlesen auf Utopia:

  • Weg mit dem Smartphone! 7 Strategien, Kinder sinnvoll zu beschäftigen
  • Studie: Smartphones müssen nachhaltiger werden
  • Goood: ein „sozialer“ Mobilfunkanbieter
  • Die Smartphone Diät: Wie sie funktioniert und was sie bringt

Bitte lies unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen.

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn es gibt bisher keine allgemeine, einheitliche Definition.

Suchtartiges Verhalten zeichnet sich dadurch aus, dass der Betroffene seine Internetaktivitäten nicht mehr beeinflussen kann und der Umgang mit dem Internet so großen Einfluss auf sein Leben hat, dass andere Bereiche wie Familie, Hobbies, Beruf, Hygiene etc. beeinträchtigt werden.

Der Übergang von einem normalen Nutzungsverhalten hin zu einer suchtgetriebenen Aktivität tritt dabei meist schleichend ein und ist nur schwer zu erkennen. Von einer internetbezogenen Störung ist erst dann die Rede, wenn mehrere Symptome über mindestens 12 Monate auftreten.

Warum wird das Internet immer häufiger genutzt?

Hier spielt die Verfügbarkeit eine große Rolle: Der Zugang zum Internet ist heute von (fast) überall aus möglich. Gerade junge Menschen sind daher meist mehrere Stunden am Tag online.

Hinzu kommt: Das Internet mit seinen vielfältigen Möglichkeiten hat für uns einerseits einen rein funktionalen Nutzen, anderseits aber auch einen emotionalen. Während der funktionale Nutzen vor allem praktische Vorteile bringt, weil das Internet die Informationssuche oder organisatorische Tätigkeiten vereinfacht, birgt der emotionale Nutzen viel Suchtpotenzial. Denn das Internet bietet durch Social Media-Angebote, Rollenspiele etc. viele Möglichkeiten, Anerkennung zu bekommen. Darüber hinaus verleiten derartige Aktivitäten, alltäglichen Problemen und negativen Emotionen zu entfliehen.

Wie und warum sich internetbezogene Störungen entwickeln, wird derzeit noch in der Wissenschaft diskutiert. Als mögliche Bedingungsfaktoren gelten neben Ängstlichkeit und Depressivität unter anderem auch Unzufriedenheit mit sich selbst und ein geringes Selbstwertgefühl. Über Ursache und Wirkung liegen jedoch noch keine Erkenntnisse vor.

Vorbeugung Internetsucht

Außerdem ist es sinnvoll, dass Eltern klare Regeln zum Umgang mit der Internetnutzung festlegen und gleichzeitig auf eine Freizeitgestaltung mit Aktivitäten ohne Internet achten. Regeln umfassen – vor allem bei Kindern – die Zeit, die das Kind pro Tag online sein darf oder eine Regel, dass Nachrichten nur in bestimmten Abständen gecheckt werden. Zum anderen sollte festgelegt werden, in welchen Situationen das Smartphone / Internet tabu ist: etwa im Schulunterricht, beim Zusammensein mit Familie oder Freunden, bei den Hausaufgaben, beim gemeinsamen Essen, vor dem Schlafengehen und in der Nacht während des Schlafens. Es können auch handyfreie Tage eingeführt werden – vor allem dann, wenn das Kind oder der Jugendliche das Internet bereits exzessiv nutzt. Bei älteren Kindern und Jugendlichen ist es vor allem wichtig, sie zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Internet und Smartphone anzuleiten.

Applikationen wie die App „Menthal“ von Forschern der Universität Bonn können dazu beitragen, das Nutzungsverhalten bewusster zu gestalten. So zeigt die App die tägliche Nutzungsdauer an und welche Anwendungen besonders häufig verwendet werden.
Weiterhin sollten Kinder und Jugendliche über die Kosten der Handy- oder Internetverträge (etwa Kosten für Gespräche, Nachrichten, Datenvolumen) Bescheid wissen und sich auch an diesen Kosten beteiligen, damit sie lernen, verantwortungsvoll mit Internetnutzung und Kosten umzugehen.

Allerdings sollten Eltern sich nicht zu schnell Sorgen machen, dass ihr Kind internetsüchtig sein könnte. So nutzen viele Jugendliche Internet und Smartphone (zumindest zeitweise) sehr intensiv, ohne dass eine Abhängigkeit vorliegt. Erst wenn mehrere der oben genannten Kriterien zusammen kommen – zum Beispiel, wenn der Internetkonsum immer mehr zunimmt und deshalb Schule oder Kontakte zu Freunden und Familie vernachlässigt werden – kann das auf die Entwicklung einer Internetabhängigkeit hindeuten.

Der Bielefelder Kinderarzt Uwe Büsching begegnet dem Anfang allen Übels in seiner eigenen Praxis. Es ist der Vater, der seinem Kind, wenn es Angst vor einer Spritze hat, kein Spielzeug mehr in die Hand gibt – sondern sein Handy und darauf ein Video abspielt. Oder die Mutter, die beim Stillen mit einer Hand ihr Kind hält und mit der anderen ihre E-Mails liest.

Büsching ist im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. 79 seiner Kollegen haben im vergangenen Jahr in 15 Bundesländern 5600 Patienten untersucht und sie mit ihren Eltern gefragt, wie sie Smartphones und Tablets nutzen. Das Ergebnis ist eine erste umfangreiche Studie zu den gesundheitlichen Folgen des modernen Medienkonsums, in Auftrag gegeben von der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU).

Demnach gelten in Deutschland mittlerweile 600 000 Jugendliche und junge Erwachsene als internetabhängig und zweieinhalb Millionen als problematische Internetnutzer. 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen das Handy der Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich, 90 Prozent von ihnen werden dabei nicht weiter kontrolliert. Dabei wirke sich Mutters Smartphone schon bei Kleinkindern auf die Gesundheit aus.

Für einen Zusammenhang zwischen Fütter- und Einschlafstörungen bei Säuglingen und der Nutzung digitaler Medien der Eltern habe der beauftragte Kölner Medizinökonomie-Professor Rainer Riedel „signifikante Hinweise“ gefunden. Auch Bindungsstörungen könnten in diesem Alter entstehen. „Wir müssen die gesundheitlichen Risiken der Digitalisierung ernst nehmen“, sagte Mortler.

Handyfreies Mittagessen, Fernsehen nur in Begleitung

Bei Kindern zwischen zwei und fünf Jahren bringen die Wissenschaftler Hyperaktivität sowie Konzentrations- und Sprachstörungen mit ihrer Mediennutzung in Verbindung. Die Antworten der Eltern zeigen, dass sich knapp 70 Prozent der Kinder nur maximal zwei Stunden ohne digitale Medien selbst beschäftigen können. Bei den älteren Kindern machten die Forscher zudem auf einen erhöhten Genuss von Süßigkeiten bei der Mediennutzung aufmerksam. Ein nennenswerter Teil der befragten Jugendlichen habe angegeben, „Probleme zu haben, die eigene Internetnutzung selbstbestimmt zu kontrollieren“.

Kinderarzt Büsching empfiehlt deshalb klare Regeln: Fernsehen bis zum sechsten Lebensjahr nur in Begleitung, kein eigenes Handy vor dem zwölften Geburtstag. Eltern sollten Geräte mit Zeitabschaltung einführen und handyfreie Mittagessen. Der nationale Drogen- und Suchtrat dringt zudem auf eine „verstärkte Forschung“ bei internetbezogenen Störungen. Allerdings wollen derzeit weder Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) noch Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) eine langfristige Studie finanzieren. Aus dem Familienministerium heißt es, dies müsse man prüfen.

Dem Autor der Arbeitsblätter wurden für einen Zeitschriftenbeitrag einige Fragen zum Thema Internetsucht bei Kindern und Jugendlichen gestellt, die ergänzend zu den eigenen Webseiten zur Thematik hier wiedergegeben werden sollen, da sie einige zentrale Fragen von Eltern betreffen.

Welche Anzeichen sollten Eltern aufmerksam werden lassen, wenn es um den Internetkonsum des Kindes/Teenagers geht?

Eine absolute Grenze zwischen gesundem und ungesundem Internetkonsum lässt sich schwer ziehen, doch geht man davon aus, dass zwei Stunden pro Tag guter Durchschnitt und noch üblich sind. Häufig entwickelt sich der Internetkonsum schleichend, denn das Netz wird immer ein wenig länger genutzt und gewinnt immer mehr Bedeutung für das tägliche Leben eines Jugendlichen, wobei irgendwann der Gedanke, einige Zeit nicht ins Internet zu können oder am Online-Spiel teilzunehmen zu dürfen, für Unruhe und Ängste sorgt. Intensives Surfen ist allein noch kein Anzeichen für eine drohende Sucht, doch wenn ein Jugendlicher unruhig, nervös, reizbar oder aggressiv wird, sollte man wachsam sein. Ein Zeichen ist ständige Müdigkeit und nachlassende Leistungen in der Schule, insbesondere in eigentlich starken Fächern. Häufig ziehen sich die Jugendlichen auch von Freunden und Klassenkameraden zurück oder streiten sich auffällig häufig. Eltern können die Internetsucht bei Mädchen an den gleichen Anzeichen erkennen wie bei männlichen Jugendlichen, zum einem am Kontrollverlust, d.h., die Jugendlichen können nicht mehr kontrollieren, wie lange sie im Internet bleiben. Zweites Merkmal ist die Toleranzentwicklung, d.h., Mädchen tolerieren bewusst, dass sie wegen ihres Verhaltens Probleme mit den Eltern bekommen oder schlechtere Noten in der Schule.
Kleiner Fragebogen für Eltern zur Internetsucht: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SUCHT/InternetsuchtTest.shtml

Wie gehen Eltern richtig vor, wenn sie erste Anzeichen erkennen?
Wie bekommen Sie das Kind / den Teenager, das vielleicht noch nicht süchtig im engeren Sinne ist, weg vom Internet? Vor allem die Teenager, die sich oft gegen die Ratschläge der Eltern sträuben.

Es ist in der Tat ein Problem, gerade bei Jugendlichen die richtige Ansprache zu finden. Wichtig für Eltern ist daher, das Internet bzw. die neuen Medien nicht generell zu verteufeln, sondern das Internet altersgemäß mit seinen Kindern schon früh gemeinsam zu entdecken und die Kinder zu begleiten, wobei man vor allem bei jüngeren Kindern klare Regeln festlegen und es auch immer Tage geben sollte, an denen der Computer nicht genützt wird. Wichtig ist bei solchen Regel natürlich, ausreichend andere Freizeitangebote zur Verfügung zu haben. Eltern sollten sich generell dafür interessieren, was das Kind am Computer und im Internet macht, sich zeigen lassen, was dem Kind gefällt und versuchen zu verstehen, was ein Kind daran begeistert, denn ein Kind, das sich verstanden fühlt, wird eher bereit sein, sich an Vereinbarungen zu halten bzw. eine Reglementierung zu verstehen. Wichtig ist auch die Hilfe bei negativen Erfahrungen, denn wenn Kinder oder Jugendliche mit verstörenden Bildern oder Erlebnissen wie Mobbing, Pornographie oder Gewalt im Internet konfrontiert werden, brauchen sie jemanden, der für sie da ist.

Wann, bei welchem Vehalten des Kindes sollte professionelle Hilfe geholt werden? Welche Hilfe ist hier professionell?

Wenn die Kinder einen subjektiven Zwang oder ein unwiderstehliches Verlangen spüren, bestimmten Online-Aktivitäten nachzugehen, also wenn die Kinder mehr Zeit im Internet verbringen, als sie sich selbst vorgenommen haben oder wenn Versuche, das Nutzungsausmaß zu reduzieren oder die Nutzung zu unterbrechen, erfolglos bleiben. Wenn im Laufe der Zeit immer mehr Online-Konsum stattfinden muss, um kurzfristig zufrieden zu sein, und Entzugserscheinungen wie Unwohlsein, Nervosität, Gereiztheit, Aggressivität oder Schlafprobleme auftreten. Wenn schulische oder berufliche Leistungen abfallen, Verlust des Ausbildungsplatzes oder der Lehrstelle, Vereinsamung, Konflikte in der Familie, finanzielle Schwierigkeiten.
Professionelle Hilfe

Worauf sollen Eltern achten, wenn es darum geht, das Internet in das Leben des Kindes zu lassen?
Welche Umstände verringern das Risiko einer falschen, süchtig machenden Entwicklung?

Kinder und Jugendliche wachsen heute mit digitalen Medien auf, sodass eine alters- und entwicklungsgerechte Medienauswahl zu treffen für Eltern und Erziehende zunehmend schwieriger geworden ist, zumal ihnen Kinder in dieser Hinsicht auch meist voraus sind. Auch hat das Smartphone und das Tablet den Computer bei der Nutzung des Internet weitgehend ersetzt, wobei bei diesen Geräten die permanente “Verfügbarkeit” hinzukommt. Experten raten, Geräte altersangemessen auswählen, d. h., ein eigenes Handy nicht vor dem 9. Lebensjahr, ein eigenes Smartphone und eigener Computer nicht vor dem 12. Lebensjahr. Allerdings sollte man sich als Eltern vor der Illusion hüten, dass Kinder dem Druck der Gleichaltrigen gelassen gegenüberstehen können. Besser als strikte Verbote sind daher klare Regeln und vor allem, das Gespräch mit den Kindern bzw. auch das echte Interesse an den Medienaktivitäten der Kinder. Kindersicherungen können zwar hilfreich sein, auch wenn Kinder heute leicht einen Weg finden, diese zu umgehen. In diesem Fall gilt, dass ein rechtzeitig aufgebautes Vertrauensverhältnis am besten ist. Dennoch einige von Experten empfohlene Faustregeln: 3- bis 6-Jährige sollten nicht länger als 30 Minuten täglich Medien konsumieren, 6- bis 10-Jährige nicht mehr als 45 Minuten und 10- bis 13-Jährige nicht länger als 60 Minuten täglich. Wenn Eltern schon Regeln vorgeben wie keine Mobiltelefone beim gemeinsamen Essen, über Nacht ausschalten oder bewusste Zeiten ohne Handy, dann müssen sie das auch vorleben.

Wissenschaftlerinnen der Pädagogischen Hochschule Heidelberg haben 2018 das Programm „Professioneller Umgang mit technischen Medien“ – PROTECT – entwickelt, das die Internet- und Computerspielabhängigkeit bei Jugendlichen signifikant reduzieren kann. Dabei lernen die Schülerinnen und Schüler den funktionalen Umgang mit Alltagsproblemen und werden befähigt, technische Medien kritisch zu beurteilen. Das Ziel dieses Programms ist es, den schädlichen, exzessiven Umgang mit Online-Angeboten zu verringern, der sich dadurch auszeichnet, dass er trotz negativer Konsequenzen fortgeführt wird, dass er mit einer verminderten Kontrolle über das Spielen einhergeht und dass die Internetaktivität Vorrang vor allen anderen Interessen und alltäglichen Tätigkeiten hat.
Details dazu finden sich hier: Programm gegen Internetsucht: PROTECT.

Spielen, Kontakte pflegen und Videos ansehen – bei vielen Jugendlichen spielt sich ein wichtiger Teil ihres Lebens im Internet ab. Jeder Fünfte verbringt samstags sechs Stunden im Netz. Eltern fällt es oft schwer, eine Internetsucht zu verhindern.

„Das Internet bietet Kindern und Jugendlichen große Möglichkeiten und Chancen. Gleichwohl dürfen die Risiken nicht unterschätzt werden“, warnt Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Eine aktuelle Studie des Forsa-Instituts gibt ihr recht. Das Meinungsforschungsinstitut interviewte über 1000 Eltern zum Internetkonsum ihrer 12- bis 17-jährigen Kinder. Den Auftrag erhielt sie von der DAK Gesundheitskasse und dem Deutschen Zentrum für Gesundheitsfragen.

Durchschnittliche Internetnutzung liegt samstags bei 4 Stunden

Laut Auskunft ihrer Eltern begannen die meisten Kinder ab einem Alter von 12 Jahren selbstständig im Internet zu surfen. Nur jedes zehnte Kind navigierte bereits in jüngeren Jahren unbeaufsichtigt durch das Netz. Insgesamt bringen es die Jugendlichen wochentags auf 2,5 Stunden, samstags und sonntags auf 4 Internetstunden. Jungen nutzen das Internet bevorzugt zum Spielen, Mädchen zum Chatten.

Internetverhalten vieler Jugendlichen zeigt Auffälligkeiten

Viele Jugendliche zeigen Indizien einer beginnenden Internetsucht. Knapp die Hälfte überschreitet ein selbstgesetztes Zeitlimit. Jeder Fünfte reagiert launisch, gereizt oder ruhelos auf eine Einschränkung seines Internetkonsums. 15 Prozent belügen ihre Eltern hinsichtlich der Zeiten, die sie tatsächlich im Internet verbringen. Jeder Zehnte scheitert beim Versuch, seinen Internetkonsum unter Kontrolle zu bringen. 10 Prozent der Jugendlichen versuchen beim Surfen persönliche Probleme zu vergessen. Bei sieben Prozent leiden Schule, Ausbildung und soziale Kontakte. Vier bis fünf Prozent sind tatsächlich internetsüchtig.

Eltern fällt es schwer eine Internetsucht zu verhindern

„Unsere Studie zeigt, dass bei vielen Eltern offenbar eine große Verunsicherung bei der Internetnutzung ihrer Kinder herrscht“, berichtet Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. In jeder dritten Familie ist das Internet ein häufiges Streitthema – besonders wenn sich unter den Mitgliedern 12- bis 13-Jährige befinden. Aber nur wenige Eltern setzen dem Internetkonsum ihrer Kinder konkrete Grenzen. 71 Prozent bestimmen den Ort, 51 Prozent die Dauer und 32 Prozent die Art der Internetnutzung ihrer Kinder. Doch nur 42 Prozent der Erziehungspersonen bestehen auf die konsequente Einhaltung dieser Regeln.

Experten setzen auf Aufklärung

„Wir nehmen die Ergebnisse zum Anlass, um die Prävention beim Thema Internetsucht zu verstärken und den Betroffenen neue Hilfsangebote aufzuzeigen“, erläutert DAK-Vorstandchef Rebscher. In den Aufklärungsbroschüren der Krankenkasse finden Jugendliche, Eltern und Lehrer neben Hintergrundinformationen zum Thema Internetsucht Beispiele und einen Selbsttest.

Autoren

15.12.2015 | Susanne Schmid/ DAK Gesundheit

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