Inkontinenz in der schwangerschaft

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Blasenschwäche: So beugen Schwangere vor

In der Schwangerschaft

Bewegen: Aktive Schwangere haben einen starken Beckenboden. Allerdings eignet sich nicht jede Sportart. Hebamme Friese-Berg empfiehlt sanfte Bewegungen wie Yoga, Gymnastik, Walken oder Tanzen, am besten mehrmals pro Woche. „Dabei bringen die Frauen ihren Körper ins Gleichgewicht und bauen Stress ab“, sagt sie. Intensive Bewegungen wie Springen sollten werdende Mütter meiden.

Beckenboden trainieren: „Ab der Frühschwangerschaft ist Beckenbodentraining ein effektives Mittel, um den Beckenboden zu stärken“, rät Reisenauer. Wer regelmäßig übt, hat gute Chancen, nach der Geburt nicht unter Inkontinenz zu leiden. Entscheidend für ein erfolgreiches Training ist, dass es professionell angeleitet wird. In Kursen lernt man auch beckenbodenschonendes Verhalten für den Alltag, zum Beispiel den Beckenboden anzuspannen, bevor man etwas Schweres hebt. Friese-Berg: „Auch eine sanfte Sexualität hat eine stärkende Wirkung auf den Beckenboden.“

Verstopfung vermeiden: Viele werdende Mütter kennen eine träge Verdauung, verbunden mit Völlegefühl und Blähungen. Verstopfung und Pressen beim Toilettengang sind jedoch Risikofaktoren für eine Inkontinenz. „Wer dazu neigt, sollte darauf achten, viel zu trinken und sich ballaststoffreich zu ernähren“, empfiehlt Friese-Berg. Floh- oder Leinsamen regen die Verdauung genauso an wie Bewegung.

Die 35. Woche schwanger: rund und inkontinent?!?

In dieser Tagebuchfolge ist alles drin! Von akuten Putzanfällen, Nabelsuch-Aktionen bis hin zu gemeinen Anschlägen der Blase auf die geistige Gesundheit. Aber: Daniela nimmt es mit Humor!

35. SSW – wilde Nestvorbereitung fürs Küken

So, die erste Woche Mutterschutz war rum. Fazit: herrlich. Was ich die ganze Woche so getrieben habe? Ganz klar: Geschlafen, geschlafen und nochmals geschlafen! Ich fühlte mich wieder wie ein richtiger Mensch! Ich hatte so einiges an Schlaf nach zu holen und setzte das als allererstes in die Tat um. Plus: Ganz in Ruhe frühstücken, spazieren gehen, genüsslich Mittagessen kochen, Serien gucken, Nachmittags-Nickerchen machen … Das Leben wie es sein sollte!

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35. SSW – Der Fundus auf dem Höchststand

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Das machte ich die ersten zwei Tage lang. Danach fing es aber auch schon wieder an, mich innerlich zu kribbeln. Ich musste irgendetwas tun. Energiegeladen wie ich war, kam, was kommen musste – das große „klar Schiff machen“. Ich räumte, ich wurschtelte und ich putzte im ganz großen Stil. Jede Ecke, jede Spalte, jeder noch so kleine Fleck in der Wohnung wurde bearbeitet. Eine Art wilde Nestvorbereitung für das kleine Küken. Man hört ja immer wieder davon, dass Schwangere in den letzten Wochen plötzlich einen Rappel bekommen und putztechnisch durchdrehen. Es werden dann im dicksten Winter die Fenster geputzt, der Mülleimer von innen geschrubbt oder Teppiche gekämmt. Das war bei mir anscheinend der Fall. Hätte mich mein Freund nicht aufgehalten, hätte ich wahrscheinlich die komplette Wohnung neu gestrichen oder Wände eingerissen. Ich war so voller Tatendrang, ich hätte ein ganzes Haus bauen können. Nach diesem Extrem war ich dann aber wieder fix und alle und musste mich ausruhen.

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Ganz fertig wurde ich mit meiner Wohnungsattacke aber nicht: Überall fanden sich danach kleine Sortierberge, an die mit System und Bedacht rangegangen werden musste. Das würde Stunden in Anspruch nehmen. Aber das hatte plötzlich wieder gaaanz lange Zeit. Ich war viel zu fertig. Da saßen wir nun in meinem fabrizierten Chaos. Berge hier, Kisten da, ausgeräumte Schränke überall. Zum Glück habe ich ja noch ganze fünf Wochen Zeit, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Mein Freund nahm es relativ gelassen, er musste die Schwangerschaft über Schlimmeres ertragen. Außerdem kennt er meine explosionsartigen Ausbrüche, alles verändern zu wollen, nur zu gut. Tiefentspannt lud er mich auf eine Runde Eis ein. Meine neueste und sensibelste Schwachstelle, was ungehemmte Schwangerschaftsgelüste anging. Ich konnte nicht genug davon bekommen. Für Eis und Kuchen hätte ich töten können. Also gönnten wir uns fast jeden Tag das ein oder andere Kügelchen Eis beim obligatorischen Frischluftspaziergang.

Aktuellstes Körperthema derzeit: Wo ist mein Nabel?

Mittlerweile hatte ich eine ziemlich stattliche Kugel. Dementsprechend verabschiedete sich mein Nabel langsam aber sicher ins Nirwana. Er lag im Moment auf einer Ebene mit der Bauchhaut. Nur noch ein undefinierbares Strichlöchelchendingens war vorhanden. Ich weiß auch nicht warum, aber die Nabelsache beschäftigte mich. Ich hatte Bilder von Nabeln gesehen, die in der Schwangerschaft komplett rauskamen. Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen, ich fand die Vorstellung erschreckend. Mein Nabel sollte bitte da bleiben, wo er die letzten 29 Jahre war. Jeden Morgen war das Erste was ich tat, den Bauchnabel checken. Finger rein und prüfen, ob er noch da ist. Wenn das so weiter geht, ploppt er am Ende noch raus. Ich kann es fühlen. Hilfeeeeee! Ich weiß, ich weiß … habe ich keine anderen Probleme? Doch, auch, aber ich hatte nun mal sehr viel Zeit in der letzte Woche, um über genau solche Dinge nach zu denken.

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Der Fundusstand: Babyglück nach Maß

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Rund und inkontinent? Juhu!

Zwei Probleme, was mir immer mehr zu schaffen machte, waren Rückenschmerzen und Wassereinlagerungen in den Beinen. Längeres Sitzen war problematisch. Längeres Laufen ebenso. Also versuchte ich so oft wie nur möglich, die Beine hochzulegen. Nachts legte ich die Beine auf ein paar Kissen, damit diese erhöht liegen und sich nichts staute. Tagsüber versuchte ich langes Sitzen zu vermeiden. Nasenbluten gehörte nach wie vor zu meinen täglichen Lastern, genau wie die Toilettenrennerei. Bis zu 14 Mal am Tag zählte ich mittlerweile. Ich glaube aber, dass es da noch schlimmere Fälle gibt. Es war jedoch jedes Mal ein erleichterndes Gefühl, es bis zur nächsten Toilette geschafft zu haben. Denn es konnte auch anders kommen!!! An dieser Stelle viele liebe Grüße an meinen desaströsen Beckenboden*. Ich möchte mich herzlichst für die vielen peinlichen Momente der letzten Wochen bedanken!
Mädels, Hand aufs Herz und Fakten auf den Tisch! Ein Thema, das man nicht verschweigen sollte. Denn es ist leider etwas, das fast jede Schwangere irgendwann mitmacht. Tröstet euch, ihr seid nicht alleine. Mich hat es auch erwischt: Ich bin rund und inkontinent. Wenn es heißt „jetzt“, dann ist „sofort“ gemeint. Nicht „gleich“, nicht „später“, sondern: „SOFORT!“ Es gab letzte Woche eine Situation, da sagte die Blase „Jetzt“, ich sagte „Kann grad nicht, muss an der Kasse bezahlen“ und der Beckenboden sagte „Nö, nicht mit mir!“. Da war es passiert! Ich stand tatsächlich an der Supermarktkasse und habe mir in die Hose gemacht. Dank schwarzer Hose und langem Mantel fiel es nicht weiter auf. Ich schämte mich trotz allem in Grund und Boden. Bitte lächeln – Sie werden gerade von der versteckten Kamera gefilmt! Was ein Horror kann ich euch sagen. Mir war kurzzeitig nach Heulen zu Mute, dann musste ich selbst kurz über mich lachen, dann wollte ich wieder heulen. Schlussendlich ließ ich mir nichts anmerken und düste auf dem schnellsten Weg nach Hause.

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Ein paar Tage später, ich kam wieder aus dem Supermarkt (die Kasse hatte ich diesmal trocken verlassen), bahnte sich das nächste Drama an. Ich lief mit zwei großen Tüten in der Hand nach Hause und musste – na ratet mal – niesen!!! Den Rest könnt ihr euch ja denken. Ich war fassungslos. Sollte das jetzt immer so gehen, sobald ich das Haus verlasse? Unglaublich! Peinlich berührt, lief ich wieder gaaaaanz schnell nach Hause. Was ein Theater, kann ich euch sagen. Mein Freund amüsierte sich köstlich darüber. Ich hingegen fand die ganze Angelegenheit gar nicht witzig. Als Strafe dafür, musst er für mich loslaufen und „Einlagen“ besorgen. Ihr wisst, wovon ich spreche. Da verging auch ihm der Spaß. Die wurden von jetzt an konsequent getragen!
Eine ebenfalls schwangere Freundin tröstete mich mit ihrer Geschichte. Sie erzählte mir, dass sie vor kurzem Besuch hatte und sie alle bei sich auf der Couch saßen. Plötzlich musste sie stark husten und Schwupps, da war es auch ihr passiert. Nun, so hatten wir wenigstens beide was zu erzählen. Schlussendlich blieb uns nichts anderes übrig, als einfach darüber zu lachen. In diesem Sinne, ihr lieben Schwangeren da draußen, nehmt es mit Humor und macht das Beste draus! Ihr seid nicht alleine!
Alle Folgen meines Schwangerschaftstagebuchs findet ihr auf der Themenseite „Schwangerschaftstagebuch“ hier bei familie.de. Und natürlich freue ich mich über jeden einzelnen Kommentar, ob direkt hier oder bei Facebook!

Eure Daniela

*So funktioniert der Beckenboden:

Inkontinenz während und nach der Schwangerschaft

Man lacht, hustet oder niest und plötzlich verliert man die Kontrolle über seine Blase. Eine peinliche Situation, die nicht nur Schwangere häufig durchleben müssen. Auch nach einer Geburt ist eine Inkontinenz durchaus normal.

Für den weiblichen Körper ist eine Schwangerschaft und die anschließende Geburt eine ziemliche Belastung. Auch danach dauert es, bis alles wieder so ist, wie vorher. Dass der Bauch noch eine Zeit lang schwabbelig ist, der Busen vielleicht neuerdings etwas mehr Stützpolster braucht und der Frau die Haare ausgehen, daraus wird schon lange kein Geheimnis mehr gemacht.

Dass man aber nach einer Geburt häufig unter einem Kontrollverlust über seine Blase leidet, dieses Thema wird doch lieber ausgespart. Wer gibt schon gerne zu, dass er beim letzten Lachanfall in der Mädelsrunde in die Hose gemacht hat?

Schwangerschaftskalender – Das passiert nach der Befruchtung

Schwangerschaftskalender
Das passiert nach der Befruchtung

Manchmal gibt es Prominente, die mit gutem Beispiel voran gehen: So hat beispielsweise Kate Winslet in einer Talkshow ungewohnt offen darüber gesprochen, das sie seit der Geburt ihrer drei Kinder häufig an Inkontinenz leidet. Was aber ist die Ursache dafür?

Die Gene spielen bei Inkontinenz eine Rolle

„Der Grund ist eine Überdehnung des Gewebes mit Schädigung von Nerven, Muskeln und Bindegewebe“, erklärt Ursula Peschers vom Beckenboden Zentrum München. „Es gibt einen Zusammenhang mit dem Kopfumfang und der Länge der Austreibungsperiode. Aber es gibt auch Frauen, die haben ein kleines Kind schnell und unkompliziert geboren und trotzdem Probleme. Eine genetische Bindegewebsschwäche scheint hier eine Rolle zu spielen.“

Man geht allgemein davon aus, dass der Grund für den Kontrollverlust über die Blase vor allem darin liegt, dass der Beckenboden noch geschwächt ist. Schwangerschaft und Geburt haben das Gewebe gedehnt und lockerer gemacht, die Stützfunktion lässt nach und der Verschlussmechanismus der Blase verliert an Kraft.

Die Muskulatur muss erst wieder gestärkt werden und es gibt Situationen, in denen es besonders schwer ist, den Urin zu halten. Dazu gehören Lachen, Husten oder Niesen. Selbst das Heben des Kindes kann Probleme bereiten, genau wie bestimmte sportliche Betätigungen.

Etwa 20 Prozent der Frauen sind betroffen

„Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich jahrelang nicht getraut, mich irgend jemandem anzuvertrauen, weil ich mich in Grund und Boden geschämt habe. Stattdessen habe ich immer Binden getragen, um das Schlimmste zu vermeiden“, erzählt die 34-jährige Jana Reuter, bei der bereits während der Schwangerschaft mit ihrem zweiten Kind die ersten Probleme dieser Art auftauchten.

„Ich war mir ganz sicher, ich sei die einzige mit diesem Problem und ich war ziemlich erstaunt, als ich irgendwann feststellte, dass eine ganze Menge anderer Frauen ebenfalls unter Inkontinenz nach der Geburt leidet.“

Peschers, deren Schwerpunkte die Urogynäkologie sowie die rekonstruktive Beckenbodenchirurgie sind, bestätigt diese Vermutung. „Je nach Definition sind bis zu 50 Prozent aller Frauen betroffen. Ich persönlich denke, dass 20 Prozent realistisch sind. Nach einer Geburt ist es mindestens jede Zehnte. Es wäre wünschenswert, dass sich die Frauenärzte aktiver um das Thema kümmern würden.“

In der Regel verbesserten sich nach einer Geburt die Beschwerden innerhalb der ersten Wochen. Ist das nicht der Fall, dann solle man auf jeden Fall im Rahmen der Nachuntersuchung seinen behandelnden Frauenarzt darauf ansprechen.

Anhaltende Inkontinenz sollte medizinisch abgeklärt werden

Beckenbodenübungen gehören zur normalen Rückbildung dazu, aber einmal in der Woche für fünf Minuten die klassische „Aufzugübung“ zu machen, reicht nicht aus. Letztendlich muss man die entsprechenden Übungen langfristig in den Alltag einbauen, um tatsächlich Erfolge zu erzielen. Dazu gehört das richtige Heben, das entsprechende Atmen und das Vermeiden falscher Körperhaltung.

„Sollten sich nach der Rückbildungsgymnastik die Beschwerden nicht bessern, ist es sinnvoll, eine speziell ausgebildete Physiotherapeutin aufzusuchen“, erklärt Spezialistin Peschers. „Der Frauenarzt oder auch der Urologe können die Physiotherapie verordnen. Gegebenenfalls ist aber auch eine weiterführende Abklärung notwendig.“

Kann ein Kaiserschnitt Inkontinenz vorbeugen?

Die Tatsache, dass es nach einer spontanen Geburt nicht nur zu einem Kontrollverlust über die Blase, sondern auch über den Stuhlgang kommen kann, ist für so manche Frau ein weiteres Argument für einen geplanten Kaiserschnitt. Doch davon rät die Münchner Chefärztin für Gynäkologie ab: „Ein Kaiserschnitt ist keine Lösung. Er schont zwar den Beckenboden, birgt aber andere Probleme.“

Auch im Deutschen Ärzteblatt äußert man sich kritisch: „Vor dem Hintergrund veränderter Wertvorstellungen in einer Gesellschaft, in der die Lebensqualität eine zentrale Stellung einnimmt, verwundert es nicht, dass Frauen den Kaiserschnitt auf Wunsch als Alternative zur natürlichen Geburt ansehen, zumal zunehmend über die Auswirkungen der vaginalen Geburt auf den Beckenboden berichtet wird, und falsch verstandene Begriffe wie ’sanfte Sectio‘ dem Laien eine Bagatellisierung dieser Operation suggerieren.“

Gerade wenn man sich aus einem solchen Grund für einen Kaiserschnitt entscheidet, sollte man noch einmal gut über seinen Entschluss nachdenken und die Vor- und Nachteile einer spontanen Geburt für sich selbst und für das Kind gründlich abwägen.

Richtiges Vorgehen bei Inkontinenz

Schließlich ist Inkontinenz kein unlösbares Problem. Einige Physiotherapeuten arbeiten bei einer Beckenbodenschwäche mit einem Biofeedback-Gerät, das dem Patienten zwar nicht das Üben abnimmt, dafür aber anzeigt, ob er richtig übt.

Biofeedback ist ein lernstrategisches Verfahren, das aus der Psychologie kommt. Körperfunktionen, die unbewusst ablaufen, werden hier mithilfe von akustischen oder auch optischen Signalen hör- beziehungsweise sichtbar gemacht.

Wenn gar nichts hilft, dann gibt es immer noch die Möglichkeit einer Operation, bei der zum Beispiel ein Band unterhalb der Harnröhre eingearbeitet wird, das eine Straffung des Gewebes ermöglicht, bei Belastung ein Absenken verhindert und damit dem lästigen Tröpfeln ein Ende bereitet.

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Inkontinenz in der Schwangerschaft

Inkontinenz in der Schwangerschaft gehört zu den „normalen“ Schwangerschaftsbeschwerden: Besonders beim Lachen, Husten oder Heben kann leicht etwas Urin abgehen. In solchen Situationen hilft das bewusste Anspannen des Beckenbodens oder das Übereinanderschlagen der Beine. In den allermeisten Fällen verschwindet die Inkontinenz nach der Schwangerschaft von ganz allein, sobald der Beckenboden wieder stärker wird. Rückbildung ist im Hinblick auf die Vorbeugung späterer Inkontinenz eine wichtige Präventionssäule.

Was verursacht Inkontinenz in der Schwangerschaft?

Verursacht wird Inkontinenz durch die schwangerschaftsbedingten Veränderungen des Beckenbodens und den zunehmenden Druck auf die Harnblase, der durch das wachsende Baby im Bauch entsteht. Bestimmte Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit eines ungewollten Urinabgangs, bei manchen Schwangeren gehen auch ungewollt Winde oder (seltener) Stuhl ab.

„Harninkontinenz tritt häufig nach einer Schwangerschaft oder mit fortschreitendem Alter auf“, berichtet Dr. Michael Stephan-Odenthal, Urologe und Geschäftsführer des Ärztenetzwerks Uro-GmbH. „Oft stellen wir aber auch einen Zusammenhang mit Übergewicht oder schwerer körperlicher Arbeit fest.“

In der Schwangerschaft werden das Gewebe rund um den Beckenboden sowie der Beckenboden selbst weicher. Dieser Vorgang ist natürlich und eine wichtige Vorbereitung auf die Geburt, denn das Gewebe muss nachgeben, damit das Kind bei der Geburt durch das Becken kommt. Ausgelöst wird dieser Vorgang durch Schwangerschaftshormone. Aus dem gleichen Grund kommt es in der Schwangerschaft auch häufig zu Rückenschmerzen. Ebenfalls unter hormonellem Einfluss nimmt die Spannung in der Harnröhre ab und es wird mehr Urin produziert.

Gleichzeitig wird die Gebärmutter mit dem Kind im Laufe der Schwangerschaft immer schwerer und drückt auf die Blase. Das kann nicht nur zu Harninkontinenz führen – viele Frauen müssen dadurch auch viel häufiger zur Toilette. Gerade gegen Ende der Schwangerschaft führt dieses „Platzproblem“ im Becken bei vielen Frauen zu Inkontinenz – also dazu, dass ungewollt Urin abgeht, meist bei plötzlichem Druck, der durch Lachen, Husten, Niesen oder beim Bücken entsteht.

Wesentlich seltener als Harninkontinenz tritt eine Stuhlinkontinenz in und nach der Schwangerschaft auf. Dabei tritt unvermittelt Stuhl aus oder es kommt zu plötzlichem Druckgefühl – betroffene Schwangere haben das Gefühl, dass sie sofort ihren Darm entleeren müssen. Manche Schwangere können gelegentlich Gase nicht zurückhalten. Auch Stuhlinkontinenz wird durch einen schwachen Beckenboden in der Schwangerschaft verursacht.

Tipps bei Inkontinenz während der Schwangerschaft

Obwohl es auf den ersten Blick unlogisch erscheinen mag: Ausreichend Wasser trinken ist auch bei Inkontinenz wichtig. Gerade in der Schwangerschaft ist ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig. Zu wenig trinken kann zudem zu einer Verstopfung führen. Das starke Pressen beim Stuhlgang schwächt wiederum den Beckenboden zusätzlich.

Beckenbodentraining oft wirksam bei Inkontinenz

Ergänzend trägt gezieltes Beckenbodentraining dazu bei, die Beschwerden einzudämmen oder schon im Vorfeld zu verhindern. Oft reichen kleine Übungen, die sich ganz diskret nebenbei durchführen lassen, um die Körpermitte zu stärken. Zum Beispiel: Den Urinstrahl beim Toilettengang kurz unterbrechen. Denn genau dabei kommen der Schließmuskel der Harnröhre und die Beckenbodenmuskulatur zum Einsatz. Anspannen, kurz halten, entspannen – und das möglichst häufig am Tag.

Auch beim Treppensteigen wird der Beckenboden automatisch mittrainiert. Wer trotz regelmäßigen Trainings die Kontrolle über seinen Harndrang verliert, sollte sich trotz aller Scham nicht scheuen, einen Urologen aufzusuchen. „Inkontinenz ist kein unabänderliches Schicksal, sondern lässt sich fast immer erfolgreich behandeln“, betont Dr. Stephan-Odenthal.

Beckenbodentraining speziell für Schwangere hilft auch, einer Inkontinenz nach der Geburt vorzubeugen. Solche Übungen sind Teil der meisten Geburtsvorbereitungskurse.

Weitere Tipps zum Umgang mit Inkontinenz in der Schwangerschaft:

  • Mit Slipeinlagen oder Binden geht man auf Nummer sicher, falls unverhofft Urin abgeht.
  • Beim Toilettengang die Blase vollständig entleeren. Leichtes Nach-vorne-beugen auf der Toilette unterstützt die Entleerung der Blase.
  • Bei Husten, Niesen, Bücken oder Lachen den Beckenboden leicht anspannen oder die Beine überschlagen.
  • Nicht zu lange auf einer Stelle stehen, lieber öfter leicht bewegen.

Was sind die Risikofaktoren für Inkontinenz in der Schwangerschaft und wie kann man vorbeugen?

Ob eine Schwangere zu Inkontinenz neigt, ist auch Veranlagung. Kam zum Beispiel bei der eigenen Mutter bereits Inkontinenz während der Schwangerschaft vor, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie bei einem selbst auch auftritt. Frauen, die einen schwächeren Beckenboden haben, können ebenfalls unter Inkontinenz in der Schwangerschaft leiden. Was hier hilft: Beckenbodentraining, und zwar am besten schon vor der Schwangerschaft.

Ein weiterer wesentlicher Risikofaktor für Inkontinenz ist das Rauchen. Wer schwanger werden möchte, sollte daher bereits vor der Schwangerschaft auf das Rauchen verzichten. Übergewicht kann bei Schwangeren ebenfalls zu Inkontinenz führen.

Körperliche Inaktivität während der Schwangerschaft kann Inkontinenz begünstigen. Bewegung an der frischen Luft oder auch Gymnastik oder Yoga können zu einem kräftigeren Beckenboden beitragen. Vermieden werden sollten jedoch Sportarten mit abrupten Bewegungsabläufen oder Stoßbewegungen, die in der Schwangerschaft jedoch nicht üblich sind.

Inkontinenz nach der Schwangerschaft

Eine (vorübergehende) Inkontinenz nach der Entbindung kommt häufig vor. Der Beckenboden ist nach der Geburt noch recht schwach. Daher ist Rückbildung nach der Schwangerschaft auch im Hinblick auf die Inkontinenz wichtig: Unterstützt durch die Stärkung des Beckenbodens verschwindet die Inkontinenz einige Wochen nach der Schwangerschaft bei den meisten Frauen von allein. Auch Geburtsverletzungen (Muskel- oder Nervenverletzungen) durch Dammriss oder Dammschnitt oder die Überdehnungen von Muskelbändern können zu Inkontinenz von Blase und Darm nach der Geburt führen. In aller Regel erholen sich Bänder und Nerven nach einigen Wochen wieder.

Hält die Inkontinenz länger an, ist es ratsam, noch einmal den Frauenarzt aufzusuchen. Eventuell kann eine spezielle Physiotherapie hier weiterhelfen. Der Frauenarzt kann diese verschreiben.

Harndrang in der Schwangerschaft

Harndrang ist ein häufiges Symptom, das während einer Schwangerschaft auftreten kann. Der Harndrang tritt oft früh, etwa um den dritten Monat, in Erscheinung sowie im letzten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon). Einer der wesentlichen Gründe für den Drang ist die Gebärmutter, die auf die Harnblase drückt. In der Schwangerschaft bilden die Nieren allerdings auch mehr Urin als zu anderen Zeiten. In der Nacht kann sich der Harndrang besonders bemerkbar machen, die Betroffenen müssen mehrmals zur Schlafenszeit die Toilette aufsuchen. Doch der vermehrte Drang zum Wasserlassen besteht auch tagsüber. In einigen Fällen kann es auch zu einem unkontrollierten Harnabgang (Inkontinenz) kommen. Zumeist ist der Harndrang harmlos, nur selten hat er krankhafte Ursachen.

Mögliche Ursachen für den Harndrang in der Schwangerschaft

In erster Linie ist der Druck auf die Blase von außen als Ursache für den Harndrang anzusehen. Die Gebärmutter muss sich vergrößern, um dem Kind Platz zu schaffen, was die anderen Organe im Bauch abdrängt. Die Harnblase hat daher eine geringere Möglichkeit, sich bei ihrer Füllung auszudehnen. So entsteht schneller das Gefühl, dass sie gefüllt ist. Dies gilt vor allem für die letzten Monate der Schwangerschaft.

Hinzu kommt, dass die Nieren mehr Urin produzieren als vor der Schwangerschaft. Der Grund hierfür ist unter anderem, dass der Stoffwechsel des Kindes mit dessen Abfallprodukten bewältigt werden muss und auch das Fruchtwasser erneuert werden muss. Die Blutmenge im Körper der Mutter ist ebenfalls vermehrt und sorgt für eine erhöhte Nierenaktivität.

Ein weiterer Grund für den Toilettendrang ist, dass sich die Muskulatur aufgrund des Schwangerschaftshormons Progesteron allgemein entspannt. Das Hormon wirkt sich mit diesem Effekt auf den Blasenverschlussmuskel aus und begünstigt damit das häufige Bedürfnis, Wasser zu lassen.

Wie äußert sich der Harndrang bei Schwangeren?

Der Druck auf die Blase kommt in der frühen Schwangerschaft, oft etwa im dritten Monat, vor. Meist wird der Harndrang im zweiten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon) schwächer und nimmt im dritten Schwangerschaftsdrittel noch einmal zu. Der Harndrang wird besonders in der Nacht als störend empfunden. Die Schwangere muss mehrmals pro Nacht die Toilette aufsuchen. Der Drang, öfter Wasser lassen zu müssen, zeigt sich allerdings auch tagsüber.

Ist der Harndrang sehr unangenehm, dann wird oft von einer Reizblase gesprochen. Bei manchen schwangeren Frauen kommt es zu einem leichten Abgang von Harn, ohne dass sie dies verhindern können (Inkontinenz). Der Harnabgang kann vor allem beim Husten, Niesen oder Lachen passieren, also bei Ereignissen, die kurzzeitig den Druck im Bauch noch erhöhen.

Häufiger Harndrang

Bereits in der Früh-Schwangerschaft (schon ab der sechsten Woche) bemerken fast alle Schwangeren, dass sie häufiger zum WC gehen müssen, eventuell sogar mehrmals in der Nacht.

Dabei ist die Blase, die 300 bis 500 ml fassen kann, noch relativ wenig gefüllt. Der verstärkte Harndrang ist vor allem auf eine Hormonwirkung zurückzuführen, denn das jetzt vermehrt produzierte Progesteron hat eine entspannende Wirkung auf die Blasenmuskulatur. Die gesteigerte Durchblutung regt die Nierentätigkeit an, weshalb mehr Urin produziert wird. Ausserdem drückt die sich im kleinen Becken vergrössernde Gebärmutter auf die Harnblase.

Hebammentipp

Erste Hilfe bei Blasenbeschwerden

Bei vielen Frauen nimmt die Blasenschwäche im zweiten Trimenon im Vergleich zum ersten Schwangerschaftsdrittel ab, was daran liegt, dass die Gebärmutter sich mittlerweile aufgerichtet und nach oben ausgedehnt hat und der Druck auf die Blase nachlässt. Ab dem Ende des zweiten Trimenons wandert der Kopf des Kindes aber wieder nach unten und drückt auf die Blase. Der Harndrang nimmt dann wieder zu. Zusätzlich entspannt sich die Beckenbodenmuskulatur zur Vorbereitung auf die Geburt.

Geht beim Lachen, Niesen oder Husten ungewollt eine kleine Menge Urin ab (dies wird als Stressinkontinenz bezeichnet), können Sie spezielle Übungen machen, um die Muskulatur des Beckenbodens gezielt zu stärken. Hierzu kann Ihnen Ihr Frauenarzt, Ihre Frauenärztin oder Ihre Hebamme weitere Ratschläge geben. In diesem Zusammenhang wird aber auch sicherheitshalber kontrolliert, ob es sich nicht um Verlust von Fruchtwasser bei vorzeitigem Blasensprung handelt.

Durch die Entspannung der glatten Harnwegsmuskulatur sind Sie während der Schwangerschaft anfälliger für Blasenentzündungen. Achten Sie deshalb unbedingt auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Sollte es bei Ihnen trotzdem zu einer Dranginkontinenz kommen, die sich hauptsächlich durch fast ständigen Harndrang äussert, benachrichtigen Sie Ihren Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin.

Wenn Sie nicht nur ständigen Harndrang, sondern auch Schmerzen oder ein Brennen beim Wasserlassen, ein Schwächegefühl und Schwitzen haben, wenn der Urin ungewohnt riecht oder Blut enthält, informieren Sie am besten sofort Ihren Frauenarzt, Ihre Frauenärztin. An einer Urinprobe, die zu jeder Routineuntersuchung in der Schwangerschaft gehört, kann man feststellen, ob eine bakterielle Infektion vorliegt. Selbst wenn Sie „nur“ Bakterien im Urin und sonst keinerlei Beschwerden haben, kann eine Behandlung mit (auch in der Schwangerschaft erlaubten) Antibiotika erforderlich sein.

Vorbeugung und erste Behandlung einer Blasenentzündung

Fruchtsaft und Milch schützt vor Blasenentzündung

Häufige Fragen zum Thema

Ich muss wegen ständiger Blasenentzündungen immer wieder Antibiotika einnehmen. Schadet das meinem Baby nicht?

Im Gegenteil. Die Behandlung ist sehr wichtig, denn ein unbehandelter Harnwegsinfekt kann zu einer Fehlgeburt und später einer Frühgeburt führen.

Allerdings sollten die in der Schwangerschaft bewährten Antibiotika (Penizillin, Cephalosporine und Erythromycin) eingesetzt werden. Auf Trimethoprim…

vollständige Antwort lesen Seitdem ich schwanger bin, könnte ich jede halbe Stunde zur Toilette laufen. Habe ich eine Blasenentzündung?

Wahrscheinlich nicht. Häufiger Harndrang gehört oft zu den ersten Symptomen einer Schwangerschaft – und zwar bei Tag und Nacht. Verantwortlich ist auch hier der erhöhte Spiegel des Hormons Progesteron, das eine entspannende Wirkung auf die Blasenmuskulatur hat. Die verstärkte Durchblutung im Becken…

vollständige Antwort lesen Stimmt es, dass häufige Blasenentzündungen eine Frühgeburt auslösen können?

Während jeder Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft wird eine Urinprobe auf Eiweiss und Nitrit sowie weisse Blutkörperchen (Leukozyten) untersucht. Ausserdem wird eine Urinuntersuchung mit einem Teststreifen durchgeführt.

Nicht selten, vor allem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft,…

vollständige Antwort lesen Meine Gebärmutter ist etwas nach hinten abgeknickt. Was bedeutet das für die Schwangerschaft?

Normalerweise neigt sich die Gebärmutter nach vorne zum Schambein hin, sie kann aber auch etwas nach hinten „abgeknickt“ sein. Im Verlauf der Schwangerschaft streckt sich die Gebärmutter. Ein vorher nach hinten gerichteter (retrovertierter) Uterus sieht dann genauso aus wie ein nach vorne…

vollständige Antwort lesen Wie kann ich Fruchtwasser von Urin unterscheiden?

Da können Sie eigentlich nur relativ sicher sein, wenn sich beim Blasensprung das Fruchtwasser schwallartig ergiesst. Es ist praktisch farblos und riecht süsslich, nicht wie der typische Urin.

Wenn es sich dagegen um sehr wenig Flüssigkeit handelt, können Sie das nicht sicher unterscheiden. Dann…

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Newsticker

Nicht immer gleich Antibiotika | 03.06.2016

Braucht es unbedingt Antibiotika, um Blasenentzündungen zu heilen oder reicht eine Behandlung mit Schmerzmitteln aus? Eine deutsche Forschergruppe hat dies jetzt wissenschaftlich untersucht. Das Ergebnis: Rund zwei Drittel der Frauen mit einer unkomplizierten Harnwegsinfektion wurden auch nur mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln wieder gesund. Bei sonst gesunden Frauen mit leichten bis mittelschweren Symptomen ist das Risiko von Komplikationen gering. Es reicht, die Beschwerden zu lindern. Antibiotika brauchen nur dann gegeben werden, wenn sich die Symptome verschlimmern. Das vermeidet die Anpassung der Krankheitserreger gegen das Antibiotikum (Resistenz). Eine Blasenentzündung in der Schwangerschaft stellt eine Ausnahmesituation dar: Um Komplikationen zu vermeiden, ist eine antibiotische Therapie in den meisten Fällen nicht zu umgehen. So vermeiden Sie eine Blasenentzündung…

Letzte Aktualisierung : 14-05-18, BH

BERGEN/HERLEV. Dr. Stian Wesnes, Universität Bergen, und Dr. Gunnar Lose, Uniklinik Herlev, haben die einschlägige Literatur in puncto Harninkontinenz und Schwangerschaft gesichtet.

Demnach machen 17-54% der Frauen während einer Schwangerschaft erstmals Bekanntschaft mit einer Harninkontinenz (Int Urogynecol J 2013; 24: 889-899).

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Wesnes und Lose haben einige Hinweise darauf gefunden, wie man einer Inkontinenz bereits vor der Schwangerschaft vorbeugen kann. Dazu zählt der Verzicht aufs Rauchen.

Auch sollten Frauen versuchen, ein normales Gewicht zu halten. Und man sollte mit dem Kinderkriegen nicht zu lange warten, da pro Jahr 1% der quergestreiften Muskulatur an der Urethra verloren geht.

Stuhlverstopfung und das damit verbundene Pressen beim Stuhlgang wirken sich negativ auf das Inkontinenzrisiko aus und sollten daher vermieden werden. Dass Schwangere nicht rauchen sollten, leuchtet schon aus anderen Gründen ein, senkt aber auch die Inkontinenzgefahr.

Nützlich ist es, sich einige Male pro Woche mit leichter Intensität körperlich zu betätigen. Empfohlen wird auch ein Beckenbodentraining.

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Wärmepackungen helfen

Keine begründbaren Ratschläge, jedenfalls hinsichtlich des Auftretens einer Inkontinenz, gibt es zum Kaffeekonsum, zum Husten mit überkreuzten Beinen, zum Blasentraining, zur Restriktion der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und zu Perinealmassagen.

Als einzige Maßnahme, die während des Geburtsvorgangs helfen kann, späterer Inkontinenz vorzubeugen, haben sich perineale Wärmepackungen erwiesen.

Alle anderen Vorschläge – etwa zum Pressen, zum Einsatz oder Nichteinsatz epiduraler Analgesie, zum Thema „Dammschnitt oder nicht“ – werden als nicht verlässlich eingestuft.

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Auch die Sectio könne nicht zur Prophylaxe der Harninkontinenz empfohlen werden. Postpartal sollte die Mutter ein Beckenbodentraining betreiben, auch wenn sich aus der Literatur keine Hinweise darauf ergeben, welches sich am besten eignet. Gewichtsreduktion und das Vermeiden von Verstopfung sollen das Inkontinenzrisiko senken. (rb)

Blasenschwäche nach der Schwangerschaft

Antwort: Ob dieses abgekürzt TVT genannte Operationsverfahren infrage kommt, ist stets vom Untersuchungsbefund abhängig. Ein Grund zur Anwendung dieses Verfahrens wäre beispielsweise ein unwillkürlicher Harnabgang während des Hustens.

Dabei wird ein kleiner Muskelbereich des Beckenbodens unterstützt, indem das Geweberings um den Muskel gerafft wird, so dass es zu einer Hebung der Harnröhre kommt. Dadurch wirkt der Druck von der Blase und vom Bauchraum nicht mehr direkt auf die Harnröhre. Ein spezieller Winkel zwischen Blase und Harnröhre wird verändert.

Die Lokalanästhesie ist deswegen Grundlage der Operation, weil die Patientin mit den Operateuren zusammenarbeiten muss. Während des Eingriffes ist Husten oder Pressen erforderlich. Das Gewebe wird so lange gerafft, bis schließlich beim Husten und Pressen kein Tropfen Urin mehr abgeht.

Zunächst erfolgen Desinfektion und Einlage eines Katheters in die Blase für die Dauer der Operation. Im Rahmen des Eingriffs wird die Harnröhre von der Scheide aus aufgesucht und ein kleiner Schnitt in die Scheidenhaut gemacht. Durch diese Öffnung wird eine lange Führungsnadel neben der Harnröhre durchgeschoben, so dass sie auf der Bauchdecke durch kleine Einschnitte herauskommt. Danach muss kontrolliert werden, ob die Harnblase unverletzt ist. Derselbe Vorgang wird auf der anderen Seite durchgeführt. So liegt also eine Schlinge um die Harnröhre, die Enden ragen aus der Bauchdecke nahe des Schambeins heraus.

In weiterer Folge wird die Schlinge so lange unter Mithilfe der Patientin angezogen, bis kein Urin mehr unwillkürlich abgeht. Dafür wird die Blase immer wieder mit Wasser aufgefüllt. Liegen keine Verletzungen vor, entfernt man den Katheter, versorgt die kleinen Einschnitte und die Patientin wird verlegt. Eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika wird angeraten. Zur Kontrolle wird der Restharn in der Blase bestimmt. Ebenfalls sollten eventuelle Blasenentleerungsstörungen untersucht werden, weil sich bei der Operation Blutergüsse bilden können.

Für die Zeit nach der Operation wird empfohlen, nicht mehr als drei Kilogramm Gewicht zu heben. Darüber hinaus sollte auf Vollbäder, Badbesuche, Saunagänge und – zumindest für drei bis vier Wochen – auf Sex verzichtet werden. Nach sechs bis acht Wochen sollten sich die Fäden in der Scheide aufgelöst haben oder abgefallen sein. Es empfiehlt sich, zusätzlich Östrogencremes in der Scheide zu verwenden.

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Dr. Britta Bürger, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe

Inkontinenz bei meiner Tochter

Frage: Meine dreijährige Tochter scheidet seit einigen Monaten – neben dem normalen Wasserlassen – tagsüber drei- bis viermal einige Tropfen Urin … zur Antwort

Harnverlust und Spermaverlust – was dagegen tun?

Frage: Ich (männlich/25 Jahre alt) verliere mehrere Minuten nach dem Wasserlassen immer noch etwas Urin. Auch kurze Zeit nach einem Samenerguss … zur Antwort

Ursache für Urinverlust bei Niesen oder Lachen

Frage: Wir sind eine Gruppe Frauen, alle über 55 Jahre. Einige von uns verlieren immer mal wieder ein paar Tröpfchen Urin, wenn sie niesen oder … zur Antwort

Inkontinenz nach Schwangerschaft: Tabu-Thema Blasenschwäche: Diese Übungen schützen Frauen davor

  • Sechs bis acht Millionen Menschen in Deutschland sind inkontinent.
  • 75 Prozent davon sind Frauen – ein Grund dafür ist ein geschwächter Beckenboden nach der Geburt.
  • Doch gezielte Übungen helfen Frauen schon in jungen Jahren vorzubeugen.

Kate Winslet ist eine der Schauspielerinnen, die trotz Oscar-Prämierung immer recht bodenständig geblieben. Ganz offen sprach die „Titanic“-Schönheit nicht nur darüber, wie sie Unterwäsche-Probleme auf dem roten Teppich löst. Sondern auch, dass sie inkontinent ist, hat Kate Winslet gerade gestanden.

„Ich kann nicht mehr auf Trampolinen springen“, erzählte Kate Winslet in der „Graham Norton Show“. „Ich mache mich nass. Es ist schrecklich. Vor allem, wenn Du einen Rock trägst.“ Ähnlich gehe es ihr, wenn sie mehr als zwei Mal niese. Schuld daran seien die , erklärte die 40-Jährige.

Schwangerschaft belastet die Beckenbodenmuskulatur

Mit diesem Problem ist sie als Mutter nicht allein. Manche Frauen verlieren bereits während der Schwangerschaft ungewollt Urin. Meist bessert sich das nach der Geburt. Nur sechs Prozent der Frauen leiden weiter unter Inkontinenz.

Etwa 25 Prozent aller Frauen zwischen 25 und 35 Jahren leiden als Folge von Schwangerschaft und Entbindung vorübergehend an Blasenschwäche. Anschließend ist die Beckenbodenmuskulatur vieler Frauen erschlafft und der Schließmechanismus der Blase geschwächt. Mediziner sprechen in diesem Fall von Belastungs- oder Stressinkontinenz. Es ist die häufigste Form der Blasenschwäche von Frauen.

Bereits mit Alltäglichem wie Lachen, Husten, Niesen, Heben oder Tragen von Lasten steigt der Druck im Bauchraum und damit auf die Blase. Dadurch verlieren vor allem Frauen, die gerade ein Kind zur Welt gebracht haben, kleinere oder größere Mengen Urin.

Das hilft gegen Inkontinenz nach der Schwangerschaft

Ganz unabhängig davon, um welchen Inkontinenz-Typ (Drang-, Überlauf-, Belastungsinkontinenz) es sich handelt, empfiehlt Heinz Kölbl, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Gynäkologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde des AKH Wien und der MedUni Wien, zunächst immer eine konservative Therapie. Dazu gehört vor allem das Beckenbodentraining, um die Muskulatur wieder zu straffen.

Außerdem können Betroffene auf Elektrostimulation kombiniert mit Biofeedback zurückgreifen. Erst wenn diese Methoden nicht zum gewünschten Erfolg führen, ziehen Mediziner Medikamente oder Operationen in Betracht.

Diese fünf Übungen stärken den Beckenboden

Der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz hat einige Übungen zusammengestellt, um die Kontrolle über die Blase zurückzugewinnen. Mütter klären am besten mit ihrem Arzt oder ihrer Hebamme ab, ob und welche Übungen geeignet sind. Dann brauchen Sie lediglich eine weiche Unterlage, bequeme Kleidung und einen Stuhl:

Hilfe – ich bin nicht mehr ganz dicht! Gibt sich das von alleine wieder?

Unwillkürlicher Harnverlust bei Anspannung, also z.B. beim Heben, Niesen, Husten, aber auch beim Lachen, ist in den Wochen und Monaten nach der Geburt ganz normal. Vor allem, wenn Sie stillen, ist eine leichte Inkontinenz (Blasenschwäche) nicht aussergewöhnlich, weil auch die Muskulatur der Harnwege durch die Stillhormone schlaff gehalten wird.

Meist handelt es sich nur um ein paar Tropfen Urin. Mit einer Slipeinlage können Sie Ihre Unterwäsche schützen und das Malheur schnell beheben. Verzichten Sie vorerst auf Belastungen des Beckenbodens (schwere Lasten heben, z.B. ein älteres Kind) und auf Sportarten, die Bauch und Becken beanspruchen (z.B. Joggen)

Wenn Ihr Baby ein Dreivierteljahr alt ist und Sie nicht mehr stillen, sollte aber der alte Zustand wiederhergestellt sein. Wenn nicht, berichten Sie am besten Ihrem Frauenarzt oder Ihrer Frauenärztin über das Problem. Durch einfache Untersuchungen und gezielte Behandlung (vor allem Beckenbodengymnastik) kann er oder sie Ihnen sicher helfen.

Inkontinenz in der Schwangerschaft: Ursachen und Vorbeugung

Was du gegen Inkontinenz tun kannst

Inkontinenz musst du auch in der Schwangerschaft nicht einfach hinnehmen. Auch wenn sie sich vielleicht nicht ganz abstellen lässt, die Symptome können sich mit den richtigen Methoden deutlich bessern. Die nächsten Tipps verraten wie.

  • Beckenbodengymnastik
    Das beste Mittel gegen Inkontinenz in der Schwangerschaft ist Beckenbodengymnastik und das am besten schon vor der Schwangerschaft. Es ist aber nie zu spät, damit zu beginnen. Bei den sanften Übungen auf dem Gymnastikball oder im Stehen wird der Beckenboden gezielt gestärkt. So kann er die Organe viel besser stützen bzw. unterstützen. Wenn du Anregungen für Übungen brauchst, lies unsere Artikel zum Thema Beckenbodentraining oder Schwangerschaftsgymnastik.
  • Bewegung
    Auch wenn du kein Sport-Fan bist, längere Spaziergänge auf weichen Untergründen oder zumindest mit gut gefederten Sohlen stärken den Beckenboden ebenfalls und verbessern die Körperhaltung.
  • Über die Seite husten/niesen
    Wenn du erkältet oder Allergiker bist, schwächen häufiges Husten oder Niesen den Beckenboden recht schnell und Urin geht besonders leicht ab, da sich der Bauch jedesmal kurz anspannt. Dem kannst du durch Husten oder Niesen über die Schulter vorbeugen. Denn dann werden lediglich deine seitlichen Bauchmuskeln belastet und der Beckenboden bleibt, wo er ist. Probier es aus!
  • Vor dem Belasten anspannen
    Wann immer du den Bauch beim Heben, Husten etc. belastest, spürt das auch dein Beckenboden. Wenn du ihn kurz vorher bewusst fest machst, wirst du merken, dass auch die Blase besser dicht hält.
  • Blase öfter leeren
    Meist hat Belastungsinkontinenz zwar wenig mit dem Füllstand der Blase zu tun. Du kannst das Risiko eines Überlaufens aber verringern, wenn du den Toilettengang nicht unnötig hinauszögerst. Mach die Blase einfach etwas öfter leer als sonst.
  • Slipeinlagen oder Binden benutzen
    Der ein oder andere Tropfen wird auch mit den besten Tipps daneben gehen. Damit das keiner merkt und du nicht ständig den Slip wechseln musst, denk über Slipeinlagen nach. Wenn es richtig schlimm ist, helfen auch Inkontinenzbinden. Denk immer daran, es geht wieder vorbei. Du musst es ja keinem sagen.
  • Nässeschutz für die Matratze
    Manche Frauen haben vor allem nachts Probleme, wenn sich die Blase langsam füllt, ohne dass sie es merken. Kommt dann noch Husten dazu, bekommt oft auch die Matratze etwas ab. Hier helfen Nässeschutzauflagen. Denn dringt wiederholt Feuchtigkeit in die Matratze ein, kann das nicht nur unangenehm riechen, sondern es kann auch zu gefährlicher Schimmelbildung kommen.
  • Genug trinken!
    Versuch lieber nicht, dein Inkontinenz-Problem in den Griff zu bekommen, indem du weniger trinkst. Das geht nach hinten los. Denn zum einen brauchen du und dein Baby in der Schwangerschaft besonders viel Flüssigkeit, damit der Kreislauf stabil läuft. Und zum anderen kommt es durch Flüssigkeitsmangel zu Verstopfung. Das Pressen auf der Toilette schwächt wiederum den Beckenboden enorm.
  • Ballaststoffreiche Ernährung
    Gegen oben genannte Verstopfung helfen neben Wasser auch viele Ballaststoffe. Mittlerweile gibt es die meisten Teigprodukte auch in der durchaus schmackhaften Vollkornvariante. Greif also lieber öfter zu Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Vollkornreis etc. statt zu Weißmehl. Viel Gemüse und Obst sind ebenfalls gut für die Verdauung. Wenn nichts hilft, sind eingeweichte Leinsamen oder auch Flohsamen aus der Apotheke ein gutes Mittel, um den Stuhl aufzuweichen.
  • Rückbildung
    Wenn du die Schwangerschaft hinter dir hast, verhindert regelmäßige Rückbildungsgymnastik, dass die Blasenprobleme bestehen bleiben. Nimm die angebotenen Kurse daher besser wahr, sonst verstärken sich die Probleme spätestens in der nächsten Schwangerschaft.

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