In der schwangerschaft rauchen

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Zigarettenrauchen

Raucherinnen gehen während Ihrer Schwangerschaft, sowohl passiv als auch aktiv, ein grosses Gesundheitsrisiko für sich selbst und ihr Baby ein. Der gesunde Start ins Leben ist gefährdet.

Rauchen zügelt nicht nur den Appetit auf gesunde Lebensmittel und die Verwertung wichtiger Vitamine, sondern hat noch eine ganze Reihe anderer schädlicher Auswirkungen auf das ungeborene Kind. Durch die gefässverengende Wirkung des Nikotins wird die Sauerstoffversorgung des Mutterkuchens und damit Ihres Babys beeinträchtigt. Nikotin kann ungehindert über die Plazenta auf das Ungeborene übergehen und dort direkt Wirkungen zeigen, z.B. den Herzschlag beschleunigen. Darüber hinaus enthält Zigarettenrauch viele andere schädliche Substanzen, wie z.B. Teer, Arsen, Benzol, Cadmium, Blausäure, Blei und Kohlenmonoxid.

Auch das „Dampfen“ mit E-Zigaretten oder das Rauchen einer Wasserpfeife (Shisha) ist für das Ungeborene keinesfalls unschädlich.

Interview

Experten-Interview mit Verena El Fehri: Frauen und Rauchen

Raucherinnen muss dringend empfohlen werden, das Rauchen aufzugeben und sich in rauchfreier Umgebung aufzuhalten, sobald die Schwangerschaft festgestellt wird. Lassen Sie sich nicht erzählen, die Entwöhnung müsse sehr langsam geschehen, da das Ungeborene sonst mit Entzugserscheinungen auf die Welt käme. Diese dumme Behauptung gehört eindeutig in die Welt der Märchen.

Beim Rauchstopp zählt jede einzelne Zigarette, die Sie weniger rauchen, als Bonuspunkt für Ihr Baby. Denn die negativen Auswirkungen des Rauchens sind umso schlimmer, je mehr Zigaretten pro Tag geraucht werden.

Wichtig ist auch der Zeitpunkt, wann mit dem Rauchen aufgehört wird: Mediziner in Neuseeland untersuchten, wie sich ein Rauchstopp der Mütter in den ersten 15 Schwangerschaftswochen auf den Geburtstermin sowie auf das Geburtsgewicht auswirkt und verglichen die Resultate mit Nichtraucherinnen. 2’504 Frauen, welche ihr erstes Kind erwarteten, nahmen an der Studie teil. Die Frauen wurden in drei Gruppen eingeteilt: Nichtraucherinnen, Raucherinnen, die vor der 15. Schwangerschaftswoche aufgehört hatten und Raucherinnen, die weiter rauchten. Die Mediziner beobachteten dabei den Geburtstermin sowie das Geburtsgewicht im Zusammenhang mit dem Rauchen respektive Nichtrauchen. 80% der Frauen waren Nichtraucherinnen, zehn Prozent waren Raucherinnen und nochmals zehn Prozent stoppten das Rauchen innerhalb der ersten 15 Schwangerschaftswochen. Bei Nichtraucherinnen und Frauen, die das Rauchen in der Frühschwangerschaft unterliessen, bestand bezüglich Frühgeburten und Leichtgeburten kein Unterschied. Raucherinnen hingegen, die während der ganzen Schwangerschaft rauchten hatten im Vergleich zu Nichtraucherinnen deutlich häufiger Frühgeburten (10% respektive 4%) sowie mehr leichtgewichtige Kinder (17% respektive 10%). (Quelle: BMJ 2009;338:b1081 – McCowan LM et al.)

Seit der Einführung der Anti-Rauch-Gesetze sei die Zahl der Frühgeburten und die der Neugeborenen, die für ihr Alter viel zu klein seien, um 10% zurückgegangen, heisst es in der Untersuchung der Universität Glasgow, die im Fachjournal „PLoS Medicine“ veröffentlicht wurde. Ein Zusammenhang zeige sich sowohl bei rauchenden als auch selbst nicht rauchenden Müttern – was zeige, wie gefährlich auch das Passivrauchen sei.

Wichtig deshalb: Auch der werdende Vater sollte in Gegenwart seiner schwangeren Frau auf die „Zigi“ verzichten, denn passives Rauchen schadet der Gesundheit ebenfalls. Von dem gesamten Rauch einer Zigarette wird nur etwa ein Viertel inhaliert. Der grössere Teil des Rauches verbreitet sich in der Raumluft. Das gilt vor allem natürlich für kleine Räume, z.B. in einem Auto. Diese Luft enthält zum Teil noch höhere Konzentrationen giftiger Substanzen als die direkt durch die Zigarette eingesaugte Luft. Säuglinge und kleine Kinder leiden besonders darunter, weil ihr Organismus noch extrem empfindlich auf diese Schadstoffe reagiert. Selbst bei intensivem Lüften bleiben diese Schadstoffe noch lange im Raum. Es hilft also nicht, nur dann zu rauchen, wenn Schwangere und Kinder nicht im Zimmer sind.

Schwangere, die ihren Arbeitsplatz mit Rauchern teilen müssen, haben oft ein Problem. Das zur Zeit gültige Arbeitsgesetz garantiert zwar keinen rauchfreien Arbeitsplatz, verpflichtet jedoch den Arbeitgeber, „im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass die Nichtraucher nicht durch das Rauchen anderer Personen belästigt werden.“ Beratung und Hinweise, wie Sie Ihr Recht durchsetzen können, falls dies „betrieblich möglich“ ist, finden Sie unter www.proaere.ch

Und fangen Sie nach der Schwangerschaft am besten gar nicht erst wieder an: Die schädlichen Substanzen aus den Zigaretten gehen in die Muttermilch über, vermindern ihre Qualität und auch ihre Menge.

Häufige Fragen zum Thema

Wie viele Zigaretten pro Tag sind in der Schwangerschaft noch vertretbar?

Werden durch Rauchen auch körperliche Fehlbildungen beim Ungeborenen verursacht?

Wegen meiner unregelmässigen Zyklen ist die Schwangerschaft erst in der 7. Woche diagnostiziert worden. Ich habe bis dahin geraucht und auch mal mehr als ein Glas Wein getrunken. Jetzt mache ich mir grosse Sorgen.

Sind Nikotinpflaster in der Schwangerschaft erlaubt?

Mein Mann meint, es reiche, wenn ich in der Schwangerschaft nicht rauche. Er will nicht damit aufhören.

Wissen

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Newsticker

Die unterschätzte Gefahr | 08.09.2019

In der Schweiz werden jedes Jahr ca. 200 Babys mit schweren geistigen Behinderungen durch das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) geboren – und über 1000 mit etwas weniger ausgeprägten Gesundheitsstörungen durch die Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD). Zum „Tag des alkoholgeschädigten Kindes“ am 9. September fordern Fachleute daher mehr Aufklärung. Vielen Schwangeren ist nicht bewusst, wie schwer sie ihr Kind durch Alkoholkonsum schädigen können – mehr noch als durch Rauchen! Eine unbedenkliche Menge gibt es nicht, auch wenn der Grad der Schäden mit dem Konsum ansteigt. Das Spektrum reicht von leichten neurologischen Anomalien wie Verhaltensauffälligkeiten oder verminderter Intelligenz bis hin zu schweren geistigen und körperlichen Behinderungen mit Wachstumsstörungen, Herzfehler, Sprachstörungen, Hyperaktivität, Konzentrationsbeschwerden und verstärkter Aggressivität. Die meisten Kinder mit FAS sind lebenslang auf fremde Hilfe angewiesen.

Die Zigi im Freien | 20.09.2017

Dass Passivrauchen Kindern schadet, ist inzwischen Allgemeinwissen. Aber auch Eltern, die ausserhalb der Wohnung rauchen, müssen nach neuesten Forschungsergebnissen damit rechnen, dass ihre Kinder häufiger unter Bronchitis oder Asthma leiden. Denn jeder Raucher schleppt in seinen Haaren und in der Kleidung Nikotin und krebserzeugende Substanzen, lungengängige Partikel und weitere giftige Stoffe in die Wohnung. Raucher atmeten zudem noch bis zu 90 Sekunden nach dem letzten Zug Rauchpartikel aus. Auch an den Händen bleiben Bestandteile des Tabakrauchs. Betroffen sind v.a. Babys und Kleinkinder, die häufig auf den Arm genommen werden. Gefahr besteht auch, weil kleine Kinder alles in den Mund nehmen und ablutschen. Grundsätzlich reagieren Kinder besonders empfindlich auf die im Tabakrauch enthaltenen Giftstoffe, weil sich ihre Organe noch in der Entwicklung befinden. Die Lunge zum Beispiel kann schnell erheblich geschädigt werden.

Nikotin und Schizophrenie | 15.11.2016

Rauchen in der Schwangerschaft bedeutet ein erhöhtes Schizophrenie-Risiko bei den Kindern. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher aus New York und Finnland. Sie verglichen fast 1.000 Kinder mit und ohne Schizophrenie, die zwischen 1983 und 1998 in Finnland geboren worden waren. Die Ergebnisse zeigen, dass ein höherer Nikotinwert im Blut der Mutter mit einem erhöhten Schizophrenie-Risiko beim Nachwuchs einherging. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, als Faktoren wie die psychiatrische Vorgeschichte der Eltern, der sozioökonomischen Status und das Alter berücksichtigt wurden. Nikotin gelangt in das Blut des Fötus und beeinflusst vor allem die Entwicklung des Gehirns.

Weniger Frühgeburten dank Rauchverbot: Einer Studie aus Schottland zufolge führt ein Rauchverbot zu weniger Frühgeburten. Seit der Einführung der Anti-Rauch-Gesetze sei die Zahl der Frühgeburten und die der Neugeborenen, die für ihr Alter viel zu klein seien, um 10% zurückgegangen, heißt es in der Untersuchung der Universität Glasgow, die im Fachjournal „PLoS Medicine“ veröffentlicht wurde. Ein Zusammenhang zeige sich sowohl bei rauchenden als auch selbst nicht rauchenden Müttern – was zeige, wie gefährlich auch das Passivrauchen sei. (swissmom-Newsticker, 10.4.12)

IRIS hilft …Alkohol und Zigaretten in der Schwangerschaft können schwerwiegende Schäden beim ungeborenen Kind zur Folge haben. Trotzdem hören viele schwangere Frauen nicht damit auf. Ein Online-Angebot des Universitätsklinikums Tübingen unterstützt nun dabei: IRIS II (www.iris-plattform.de/). Das Programm ist kostenlos und dauert zwölf Wochen. Die Teilnehmerinnen können zwischen einem speziellen Tabakprogramm, einem Alkoholprogramm oder einem Programm bei kombiniertem Konsum wählen. Sie erhalten wöchentlich persönliche E-Mail-Unterstützung durch einen professionellen E-Coach. Dabei werden bewährte und in ihrer Wirksamkeit gut untersuchte (psycho-) therapeutische Techniken angewandt. Zudem wird einem Rückfall vorgebeugt und der Partner eingebunden. (swissmom -Newsticker, 26.8.15)

Letzte Aktualisierung : 16-07-19, BH

Rauchen in der Schwangerschaft – so schädlich ist es wirklich fürs Baby

Rauchen ist nicht gesund. Jeder weiß das. Rauchen während der Schwangerschaft ist schädlich für das ungeborene Baby. Auch das weiß jeder.

Und dennoch – alle, die einmal selbst Raucher waren oder es noch sind, wissen, wie schwer es ist, gegen diese Sucht anzukommen und – zumindest während der Schwangerschaft – nicht zu rauchen.

Es ist wirklich schwer. Trotzdem sollte man alles daran setzen, es zu schaffen. Denn so geht es Deinem Baby im Mutterleib, wenn Du während der Schwangerschaft rauchst:

Wie fühlt es sich für Dein Ungeborenes an, wenn Du rauchst?

Die Universitäten Durham und Lancaster haben in einer Studie aufgezeigt, wie das Baby im Mutterleib darauf reagiert, wenn Mama raucht. Ihre Studie haben sie mit 4D-Ultraschall-Bildern untermauert. Die Ergebnisse sind so interessant wie schockierend.

Die Ungeborenen zeigen eine deutlich erhöhte motorische Aktivität, wohl bedingt durch den negativen Einfluss von Nikotin auf das zentrale Nervensystem. Die Babys sind nicht so entspannt wie Babys von Nichtrauchern, sie greifen sich häufig mit den Händen ins Gesicht, wirken gestresst und verkrampft und verziehen oft den Mund.

9 große Gefahren für Dein Baby durch das Rauchen während der Schwangerschaft

Diese 9 großen Gefahren ergeben sich für Dein Kleines, wenn es während der Schwangerschaft Nikotin ausgesetzt ist:

Durchblutungsstörung der Plazenta

Nikotin sorgt dafür, dass die Plazenta schlechter durchblutet wird. Das Ungeborene wird daher oftmals mit weniger Sauerstoff und Nährstoffen versorgt – daher sind Babys von starken Raucherinnen auch oft kleiner und leichter als Babys von Nichtraucherinnen.

Vorzeitige Plazentaablösung

Durch die schlechtere Versorgung der Plazenta kann es vorkommen, dass sie sich früher ablöst. Eine Frühgeburt oder sogar eine Fehlgeburt drohen.

Schlechte APGAR-Werte

Die Gesundheitswerte von Babys von Raucherinnen sind allgemein deutlich schlechter. Dieses zeigt sich auch direkt beim sogenannten APGAR-Test. Dieser Test wird im Rahmen der Erstversorgung direkt nach der Geburt durchgeführt. Untersucht werden hier die Bereiche Atmung, Puls, Reflexe, Hautfarbe und Muskeltonus.

Angeborene Herzfehler

Statistiken zeigen, dass Babys, die während der Schwangerschaft Nikotin ausgesetzt waren, häufiger an angeborenen Herzfehlern leiden.

Erhöhtes SIDS-Risiko

Auch das Risiko, am plötzlichen Kindstod (SIDS) zu sterben, ist erhöht. Wenn Du mehr über SIDS lesen möchtest, schau doch auch mal in unseren Ratgeber zu diesem Thema.

Wachstums- und Entwicklungsstörungen

Das Rauchen während der Schwangerschaft kann weitreichende Folgen haben. Kinder von Raucherinnen haben auch später oft noch Entwicklungs- und Wachstumsstörungen.

Verminderte Konzentrationsfähigkeit

Kinder von Raucherinnen haben häufig eine verminderte Konzentrationsfähigkeit und manchmal auch Lernprobleme in der Schule. Auch Hyperaktivität kommt häufiger vor.

Asthma

Da sich die Lunge des Babys in der Schwangerschaft nur sehr langsam entwickelt, kann es auch hier zu dauerhaften Schäden kommen. So sind Asthma-Erkrankungen nicht selten.

Größeres Suchtpotential

Durch das Rauchen während der Schwangerschaft kann es beim Baby zu Entzugserscheinungen kommen. Und oftmals ist die Gefahr, selbst später einmal süchtig zu werden, damit ebenfalls deutlich größer.

„Aber ich habe das Rauchen doch deutlich reduziert …“

Zunächst einmal: Weniger ist auf jeden Fall besser, als es gar nicht zu versuchen, während der Schwangerschaft nicht zu rauchen.

Dennoch: Du solltest in jedem Fall versuchen, während der Schwangerschaft gar nicht zu rauchen. Denn selbst wenn Du z. B. „nur“ noch eine halbe Schachtel Zigaretten am Tag rauchst, statt einer ganzen – so wird Dein Baby bis zum Ende der Schwangerschaft dennoch jede Menge Zigaretten mitrauchen. Und diese werden ihm schaden.

Tipps, wie Du das Rauchen leichter aufgeben kannst

Du siehst: Rauchfrei zu leben – wenigstens während der Schwangerschaft – ist es wirklich mehr als wert. Du tust es für Dein Kind.

Hier ein paar Tipps, die Dir die Umstellung möglicherweise erleichtern können:

Das Sparschwein

Der Standard-Tipp, aber so effektiv: Stecke das Geld, das Du sonst für eine Schachtel Zigaretten ausgegeben hättest, in eine Spardose. Am Ende der Schwangerschaft kaufst Du dann etwas Schönes für Dich – oder vielleicht schaffst Du es nach mehreren Monaten „Abstinenz“ ja auch, dauerhaft rauchfrei zu bleiben.

Teile Dich mit

Teile Deinen Vorsatz, Nichtraucher zu werden, möglichst vielen Menschen in Deiner Umgebung mit. Das baut einen „gesunden Druck“ auf, auch wirklich dranzubleiben.

Räume auf

Erkläre Deine Wohnung zur rauchfreien Zone. Entsorge alle Utensilien, die Du mit dem Konsum einer Zigarette verbindest (Feuerzeuge, Aschenbecher etc.). Wasche alle Deine Klamotten, damit sie nicht mehr so sehr nach Rauch riechen.

Such Dir Beschäftigung

Such Dir eine ausgleichende Beschäftigung für Deine Hände. Du kannst vieles probieren: Knetbälle, Murmeln, Anti-Stress-Bälle … Vielleicht fängst Du das Stricken an und probierst Dich mal an Babysocken.

Rauchen in der Schwangerschaft: Das sind die wahren Risiken

„Eine Zigarette wird schon nicht schaden“, „Früher war das normal, heute sind alle hysterisch“ – tatsächlich gibt es immer noch einige Irrglauben zum Thema Rauchen in der Schwangerschaft. Wer einige Zeit selbst Raucher war, weiß , wie schwer es sein kann, von den Zigaretten los zu kommen. Für werdende Mütter ist das aber besonders wichtig, Nikotinkonsum gefährdet nicht nur ihre Gesundheit, sondern die eines weiteren kleinen Menschen.

Finnische Forscher fanden heraus: Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben, leiden häufiger an der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS). Das Risiko wird umso höher, je mehr die Frauen rauchen. Die Kinder von Müttern mit dem höchsten Zigarettenkonsum bekamen drei Mal so häufig ADHS, wie die von schwangeren Nichtraucherinnen. Das ergab eine Langzeit-Studie der Universitätsklinik von Turku mit mehr als 2.000 Frauen und ihrem Nachwuchs. Die Wissenschaftler vermuten, dass Rauchen in der Schwangerschaft Auswirkungen auf die Gehirn-Entwicklung des Fötus hat.

Wie wirkt sich Rauchen in der Schwangerschaft aus?

Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte Deutschland, erlebt in seiner Praxis in Hannover regelmäßig, dass Frauen sich gar nicht klar sind, was Rauchen in der Schwangerschaft anrichten kann. Seine eindeutige Nachricht: Keine Anzahl von Zigaretten ist sicher, jede ist eine zu viel! Hier erklärt er die Folgen von Nikotinkonsum für Baby und Mutter:

„Zunächst haben werdende Mütter natürlich die gleichen gesundheitlichen Risiken wie alle Menschen, die rauchen. Nikotin schädigt die Blutgefäße, Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen bei Rauchern häufiger vor. Schwangere Frauen haben allerdings noch ein zusätzliches Risiko für gesundheitliche Probleme, wie z. B. Thrombose oder Diabetes, die wiederum durch das Rauchen verstärkt werden“, so Dr. Albring. Die möglichen Auswirkungen auf das heranwachsende Kind sind noch deutlich drastischer. Mögliche Störungen sind u. a.:

  • Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, versorgt über die Nabelschnur den Embryo bzw. Fötus mit allen lebenswichtigen Nährstoffen. Nikotin verengt aber die Blutgefäße. Im schlimmsten Fall kann es zu Infarkten der Plazenta kommen, wenn einzelne Blutgefäße komplett verstopfen. Das kann – wenn nicht bemerkt – zu einer Fehlgeburt führen.
  • Rauchen in der Schwangerschaft verursacht, neben zahlreichen Fehlbildungen, oft eine Mangel-Entwicklung des Babys, was sich u. a. durch ein geringes Geburtsgewicht und Frühgeburt äußern kann. Auch das Risiko für Totgeburten und den plötzlichen Kindstod in den ersten Lebensmonaten ist für die Kinder rauchender Müttern eindeutig erhöht.
  • Im späteren Leben zeigen „Raucher-Babys“ häufiger ein auffälliges Verhalten, sind z. B. hyperaktiv oder in ihrer geistigen Entwicklung hinterher. Es ist anzunehmen, dass Rauchen in der Schwangerschaft die Hirnreifung verzögert.

Dr. Albring weiter: „Studien haben außerdem gezeigt, dass schon ‚leichte‘ Raucherinnen viel häufiger einen Vitamin-D-Mangel haben.“ Gerade vor und in der Schwangerschaft ist es aber dringend notwendig, optimal mit Vitamin D (sowie allen weiteren Vitaminen) und Folsäure versorgt zu sein. Mängel bei der Mutter können beim Baby zu schweren Behinderungen, wie einem offenen Rücken (Spina bifida) oder einem Wasserkopf, führen. Auch Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten kommen bei Babys von Raucherinnen deutlich häufiger vor.

Rauchende Frauen in der Schwangerschaft oft uneinsichtig

„Ich erlebe es in der Praxis leider regelmäßig, dass Frauen nicht einsehen wollen, wie schädlich Rauchen in der Schwangerschaft wirklich ist,“ erzählt Dr. Albring. Die Gefahren von Alkohol werden mittlerweile wenigstens ein bisschen ernster genommen. Aber es gebe durchaus Frauen, die in der Schwangerschaft zwar auf Alkohol, allerdings nicht auf Zigaretten verzichten.

„Als Arzt ist es meine Pflicht, werdende Mütter danach zu fragen und sie über mögliche Folgen aufzuklären. Allerdings dringt man nicht zu jeder durch. Da kommen dann Ausflüchte wie ‚ich rauche nicht täglich‘ oder ’nur sechs bis sieben am Tag‘ – wenn das wirklich so ist, sind sie nicht abhängig, ein Rauch-Stopp wäre also relativ unkompliziert möglich,“ so Albring weiter.

Im besten Fall ist das Umfeld mit an Bord, z. B. der Partner hört auch auf zu rauchen. Außerdem sollte Passiv-Rauchen in der Schwangerschaft ohnehin vermieden werden, selbst Nikotin-Ablagerungen in der Wohnung oder auf der Kleidung wirken schädlich. Und: Nikotin-Pflaster oder E-Zigaretten sind übrigens nicht ungefährlicher als Zigaretten-Rauchen in der Schwangerschaft. Nikotin ist ein Giftstoff, egal wie er aufgenommen wird. Wer plant, schwanger zu werden und noch raucht, kann evtl. mit solchen Hilfsmitteln aufhören, das sollte aber vor der Empfängnis passieren.

Ein weiterer Irrglaube: Wenn Nikotin oder Alkohol den Embryo geschädigt hätten, wäre es schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft zu einem Abgang gekommen. Dr. Albring stellt klar: „Das stimmt nicht. Zwar erhöhen diese Giftstoffe das Risiko für Schäden des Embryos und damit Fehlgeburten, aber ein geschädigter Embryo kann sich auch weiterentwickeln. Schadstoffe können bei Menschen schon im Mutterleib zu genetischen Mutationen führen. Man hat festgestellt, dass Rauchen in der Schwangerschaft nicht nur in den Genen der Kinder, sondern sogar in denen der Kindeskinder Spuren hinterlassen kann. Wer nicht auf Zigaretten verzichtet, schädigt damit unter Umständen sogar seine Enkel!“

Spezielle Online-Hilfe bei Rauchen in der Schwangerschaft

Werdende Mamis, die von Zigaretten wegkommen wollen, finden bei ihrem behandelnden Frauenarzt oder dem Hausarzt Hilfe und weitere Infos. Es gibt sogar eine spezielle Online-Beratung: Das IRIS-Projekt ist ein anonymes, kostenloses Online-Coaching der Uni-Klinik Tübingen, das über Alkohol und Rauchen in der Schwangerschaft aufklärt und beim Aufhören hilft. Ausgerichtet ist die Beratung auf Frauen, die schon schwanger sind, aber noch nicht komplett auf Alkohol und Zigaretten verzichten können und diejenigen, die zwar abstinent sind, aber merken, wie schwer es ihnen fällt durchzuhalten.

Prof. Dr. Anil Batra, Leiter der Sektion Suchtmedizin und -forschung an der Uni-Klinik Tübingen, rät Schwangeren, die mit dem Verzicht hadern, zunächst zur Bestandsaufnahme: „Vor allem sollten Sie sich selbst fragen: Welche Funktion hat der Konsum? Dient er der Entspannung, der Selbstbelohnung oder der Überwindung von Langeweile? Dann gilt es, Alternativen zu finden.“ Wer mit dem Rauchen in der Schwangerschaft evtl. sogar psychische Probleme – wie etwa Depressionen oder Ängste – kompensiert, sollte nicht zögern, sich psychologische Hilfe zu suchen.

„Natürlich kann die Schwangerschaft Stress bedeuten. Sie bringt eine große Umstellung für Alltag und Leben mit sich. Ich kann absolut nachvollziehen, dass jemand durch das Rauchen oder den Genuss von Alkohol Anspannung und Stress bewältigen möchte“, so Prof. Batra. Aber auch er stellt noch einmal klar: Alkohol und Rauchen in der Schwangerschaft sind nicht gesundheitsverträglich für das Baby und auch nicht für die Mutter.

Er macht ausdrücklich Mut: „Es lohnt sich immer, den Verzicht zu wagen. Der langfristige Gewinn, ein gesundes Kind zu haben, ist ein lohnenswertes Ziel!“

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Rauchen in der Schwangerschaft: Aufhören ist wichtig

Die Handlungsempfehlungen sind klar: Schwangere sollten nicht rauchen und sich auch nicht in Räumen aufhalten, in denen geraucht wird. Denn auch durch Passivrauchen wird das Baby im Mutterleib vielen schädigenden Einflüssen ausgesetzt.

In diesem Artikel lesen Sie:

  • Folgen fürs Kind
  • Folgen für die Schwangerschaft
  • Rauchen schadet der Fruchtbarkeit
  • E-Zigaretten sind keine Alternative
  • Rauchen in der Frühschwangerschaft
  • Wenig rauchen?
  • Hilfe beim Aufhören

Rauchen in der Schwangerschaft: Folgen fürs Kind

Durch das Rauchen von Zigaretten und somit Nikotin setzt sich nicht nur die Schwangere dem Risiko aus, Herz- und Gefäßerkrankungen, Krebs oder andere Krankheiten zu bekommen. Auch das Ungeborene wird durch Rauchen in der Schwangerschaft geschädigt und kann unter den Folgen leiden. Die im Tabak enthaltenen Stoffe Nikotin und Kohlenmonoxid gelangen in der Schwangerschaft über die Plazenta in den Kreislauf des Kindes. Dort verengen sie die Blutgefäße und reduzieren den Sauerstoffgehalt in seinem Blut.

Raucht die Mutter regelmäßig, wird das Ungeborene nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nahrung versorgt und bleibt in seinem Wachstum zurück. Darüber hinaus setzen rauchende Mütter ihre Kinder verschiedenen Risiken und Spätfolgen aus.

  • Ein niedriges Geburtsgewicht: Kinder von Raucherinnen wiegen im Durchschnitt etwa 200 bis 300 Gramm weniger als Kinder von Nichtraucherinnen.
  • Die Lungen des Kindes sind bis zur Geburt nicht vollständig entwickelt.
  • Die Lungenkapazität kann auch in späteren Jahren noch geringer sein als normal.
  • Die Gehirnentwicklung ist schlechter.
  • Es kommt häufiger zu einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG).
  • Das Risiko für Hyperaktivität oder die Entwicklung einer Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADHS) steigt.
  • Das Risiko eines plötzlichen Kindstodes (SIDS) nimmt zu.
  • Erkrankungen wie Allergien und Asthma treten in späteren Jahren häufiger auf.
  • Kinder von Raucherinnen haben ein größeres Risiko für angeborene Herzfehler.
  • Kinder von Raucherinnen haben ein erhöhtes Krebsrisiko.

Wie Rauchen in der Schwangerschaft dem Kind schadet

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Folgen des Rauchens für die Schwangerschaft

Die allgemeinen schädigenden Auswirkungen des Rauchens bleiben auch in der Schwangerschaft bestehen. Vor allem die Verengung der Blutgefäße kann zu einer mangelnden Versorgung des Babys führen. Gleichzeitig steigt der Blutdruck, was das Risiko für Bluthochdruck und weiteren, ernsten Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie oder Gestose erhöht. Auch das niedrigere Lungenvolumen von Raucherinnen kann ihnen in der Schwangerschaft durchaus zu schaffen machen, denn viele Schwangere fühlen sich ohnehin „kurzatmig“ – eine Folge des vergrößerten Blutvolumens und des erhöhten Sauerstoffbedarfs während der Schwangerschaft. Gleichzeitig erhöht sich mit Fortschreiten der Schwangerschaft der Druck auf das Zwerchfell, sodass das Lungenvolumen ohnehin etwas niedriger ist. Raucherinnen spüren diesen Effekt oft verstärkt.

Außerdem haben Raucherinnen oft einen Mangel an bestimmten Mikronährstoffen wie Vitamin C. Das Rauchen kann die Verfügbarkeit der essentiellen Vitamine D, B6, B12 und Beta-Carotin verringern.

Das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen bis hin zum vorzeitigen Ende der Schwangerschaft erhöht sich durch das Rauchen stark:

  • Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Fehlgeburt und Totgeburt kommt, ist erhöht.
  • Die Möglichkeit einer Frühgeburt nimmt zu.
  • Es kommt häufiger zu einer vorzeitigen Plazentaablösung.
  • Die Fehlbildungsrate ist insgesamt erhöht.
  • Es kommt häufiger zu einer Plazenta Praevia.

Rauchen aufhören: Tipps für den Rauchstopp

Rauchen schadet bereits vor der Schwangerschaft

Frauen und Männer mit Kinderwunsch sollten wenn möglich auch schon vor einer geplanten Schwangerschaft das Rauchen aufgeben, denn vor allem die Fruchtbarkeit leidet unter Nikotin und den Giftstoffen aus dem Tabak: Spermienqualität und -anzahl rauchender Männer ist wesentlich niedriger als die von Nichtrauchern. Auch die Fruchtbarkeit von Raucherinnen ist herabgesetzt. Sie haben häufiger Zyklusstörungen und die durch das Rauchen ausgelöste Minderdurchblutung des ganzen Körpers wirkt sich auch direkt auf die Fortpflanzungsorgane aus.

So konnte beispielsweise bei einer im Rahmen von künstlichen Befruchtungen (In-Vitro-Fertilisation und ICSI) durchgeführten Studie festgestellt werden, dass die Dicke der Gebärmutterschleimhaut von Raucherinnen wesentlich geringer war als die von Nichtraucherinnen – und zwar unabhängig von der Anzahl der gerauchten Zigaretten.

Ist das Rauchen von E-Zigaretten unbedenklich für Schwangere?

Oft werden elektronische Zigaretten, die sogenannten E-Zigaretten, als weniger bedenkliche Alternative zu herkömmlichen Zigaretten eingestuft, weil sie nicht die typischen Verbrennungsprodukte und Substanzen aus dem Tabakrauch enthalten. Bei E-Zigaretten wird eine Flüssigkeit, als Liquid bezeichnet, verdampft. Liquids bestehen aus einer Trägerflüssigkeit sowie Nikotin, Aromen oder anderen Geschmacksstoffen. Laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) kann die Inhalation solcher Liquids die Gesundheit schädigen. Neben Nikotin können sie zahlreiche, gesundheitliche Zusatzstoffe enthalten: Zum Beispiel chemische Vernebelungsmittel wie Propylenglycol, die zu Reizungen der Atemwege führen und die Lungenfunktion beeinträchtigen können. In Tierversuchen wurden nach häufiger Inhalation von Propylenglykol Veränderungen im Blutbild nachgewiesen. Welche Folgen das auf lange Sicht hat, konnte bislang noch nicht erforscht werden.

Beim Rauchen von E-Zigaretten entsteht ein sichtbarer Dampf/Nebel. Es empfiehlt sich, in der Schwangerschaft auch das Passivrauchen dieses Dampfes zu vermeiden. Obwohl er aufgrund der meist enthaltenen Duft- oder Aromastoffe nicht so riecht wie „echter“ Zigarettenrauch, kann er aufgrund der enthaltenen Chemikalien trotzdem gesundheitsschädlich sein. So wurde beispielsweise bereits das als krebserregend eingestufte Formaldehyd im Dampf von E-Zigaretten nachgewiesen.

Rauchen vor und in der frühen Schwangerschaft

Auch wenn viele Raucherinnen im Verlauf ihrer Schwangerschaft das Rauchen aufgeben, rauchen zum Zeitpunkt der Geburt noch 18 bis 25 Prozent von ihnen. Da die meisten Fehlbildungen bei Ungeborenen während der Embryonalphase in den ersten drei Monaten entstehen, dürfte vor allem das Rauchen in der Frühschwangerschaft schädlich sein. Leider ist das ausgerechnet die Phase, in der viele Frauen ihre Schwangerschaft noch gar nicht bemerken.

Raucht eine Schwangere täglich zehn Zigaretten, wird das Ungeborene während einer gesamten Schwangerschaft 2.700 Zigaretten „mitrauchen“. Die Bedingungen für das Baby können entscheidend verbessert werden, wenn Frauen bereits mit bestehendem Kinderwunsch und vor der Geburt aufhören zu rauchen. Auch ein Rauchstopp innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate kann das Risiko für Komplikationen verringern. Daneben verbessert sich auch der Gesundheitszustand der werdenden Mutter.

Ist wenig rauchen eine Alternative?

Jede Zigarette schadet Ihrem Kind und Ihrer Schwangerschaft. Sie brauchen auch keine Entzugserscheinungen durch den Rauchstopp befürchten. Das Weiterrauchen ist wesentlich schädlicher. Bedenken Sie aber beim Aufhören: Nikotinkaugummis und Co. sind ebenfalls nicht geeignet, wenn Sie schwanger sind. Manchen Schwangeren fällt es sogar relativ leicht, mit dem Rauchen aufzuhören, sie verspüren einfach keine Lust mehr auf Zigaretten.

Egal, ob Sie dazugehören oder nicht, sprechen Sie sobald wie möglich mit Ihrem Arzt, wenn Sie schwanger sind und das Rauchen aufgeben möchten.

Professionelle Hilfe beim Nicht-Rauchen für Schwangere

Die Geburtsmedizin der Berliner Charité bietet beispielsweise den Kurs „Rauchfrei für Mutter und Kind“ an. Hier können Schwangere, die Unterstützung beim Aufhören mit dem Rauchen suchen, professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Auch bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung steht eine Broschüre zum Download bereit. Interessierte können sich „rauchfrei in der Schwangerschaft – Ich bekomme ein Baby“ herunterladen.

Hier finden Schwangere Unterstützung, Tipps und Hilfe beim Aufhören

  • Rauchfrei Info: Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
  • IRIS: Onlineberatung für Schwangere (Portal des Universitätsklinikums Tübingen)
  • Nichtraucherbund Berlin-Brandenburg e.V.

Manche Krankenkassen unterstützen die Rauchentwöhnung durch die Bezuschussung spezieller Kurse oder Verhaltenstherapien. Informieren Sie sich darüber am besten direkt bei Ihrer Krankenkasse.

Tipps, um mit dem Rauchen aufzuhören:

  • Kaugummi kauen, Wasser trinken, tief durchatmen
  • Gedanklich die nächste Zigarette immer und immer wieder verschieben
  • Bei Lust auf eine Zigarette: Stellen Sie sich bildlich vor, dass Ihr Baby mitraucht und welche Risiken dadurch entstehen.
  • Schauen Sie sich im Internet Videos an, wie Kinder im Mutterleib mitrauchen
  • Sagen Sie sich immer und immer wieder, dass Sie Ihrem Baby den bestmöglichen Start bieten möchten

Sie haben einen weiteren Tipp, wie Sie mit dem Rauchen in der Schwangerschaft aufgehört habe? Dann schreiben Sie uns an [email protected]

Rauchen in der Schwangerschaft – Folgen für das Baby

Die Problematik des Zusammenhangs von der Einnahme der Pille und Rauchen hat Dich in jungen Jahren nicht davon abgehalten, den Zigaretten abzuschwören. Die Jahre sind ins landgezogen, Du hast nicht mit dem Rauchen aufgehört und nun bist Du schwanger? Doch rauchen und schwanger, passt das zusammen?

Rauchen in der Schwangerschaft – Folgen

Das Rauchen in der Schwangerschaft geht an dem Ungeborenen nicht spurlos vorbei. Rauchen und schwanger sollte daher auf keinen Fall sein. Stellt man sich vor, dass die Schwangere pro Tag zum Beispiel 20 Zigaretten raucht, so hat ihr Baby bis zur Geburt bereits 5600 Zigaretten intus. Das sind knapp 200 Schachteln! Das verdeutlicht klar, dass diesen Babys kein normaler Lebensstart möglich sein kann.
Jede Zigarette, die Du rauchst, macht sich bemerkbar. Rauchen in der Schwangerschaft hat also unmittelbare Folgen. Der Embryo ist von der ersten Minute an über die Nabelschnur direkt mit dem Kreislauf der Mutter verbunden. Darüber bekommt es aber nicht nur die guten, für das Wachstum notwendigen Nährstoffe aus dem Essen ab. Die Nabelschnur kann nämlich nicht zwischen guten und schlechten Stoffen filtern. Daher landet auch das schädliche Nikotin aus dem Zigarettenrauch direkt im Kreislauf des Ungeborenen. Wehren kann sich das Baby dagegen nicht. Daher sind Schwangerschaft und rauchen einfach nicht vereinbar. Im Übrigen gelangen all diese Giftstoffe später beim Stillen auch in die Muttermilch. Rauchen und Stillen gefährdet also direkt Dein Kind und ist ebenso gefährlich wie die Kombination rauchen und schwanger.

Kannst Du den Rauchausstieg überhaupt schaffen? Teste hier kostenfrei Deine Erfolgschance:

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Rauchen in der Schwangerschaft hat zahlreiche negative Auswirkungen auf das Kind. Durch das Nikotin kommt es zu Durchblutungsstörungen der Plazenta, wodurch der Fetus schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Dies führt zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen bei Schwangerschaft und rauchen. Die Gewichtszunahme gelingt nur mühsam. Zudem erhöht es die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt sowie von Missbildungen deutlich. So treten unter anderem häufiger Symptome wie angeborene Herzfehler auf. Außerdem kommen Babys von rauchenden Schwangeren häufiger als Frühchen zur Welt. Studien zeigen, dass Babys von Raucherinnen kleiner und leichter sind, da sie durch das Nikotin in ihrem normalen Wachstum beeinträchtigt sind. Bei Schwangeren, die mindestens 10 Zigaretten täglich inhalieren, erhöht sich die Gefahr, dass das Baby mit zu niedrigem Geburtsgewicht zur Welt kommt deutlich. So wiegen diese Säuglinge im Durchschnitt 200 g weniger. Dabei macht es generell auch keinen Unterschied, ob die Schwangere selbst Raucherin ist oder dem Zigarettenrauch durch Passivrauchen ausgesetzt ist. Zum Beispiel in der Raucherkleidung setzt sich der Rauch stark fest. Es ist daher nicht nur wichtig selbst dem Glimmstängel Lebewohl zu sagen, sondern auch den rauchenden Partner von einer Rauchentwöhnung zu überzeugen.

Hohes Risiko für Spätfolgen

Rauchen gefährdet Gesundheit des Ungeborenen

Nach der Geburt erleiden Raucherbabys sehr viel häufiger einen plötzlichen Kindstod als Babys von Nichtraucherinnen. Bereits bei einem geringen Zigarettenkonsum ist eine deutliche Gefährdung auszumachen. Wird während der Schwangerschaft mindestens eine Schachtel Zigaretten am Tag geraucht, so erhöht dies das Risiko sogar um das mindestens 7-fache im Vergleich zu nichtrauchenden Schwangeren. Dabei wäre dieses Risiko so einfach zu reduzieren, indem Du einfach auf den Glimmstängel verzichtest.
Passivrauchen und Kinder ist ein heikles Thema. Außer der Gesundheit setzen rauchende Schwangere und Mütter durch jede einzelne Zigarette und den damit verbundenen Passivrauch auch die Intelligenz ihres Kindes aufs Spiel, wie wissenschaftliche Studien zeigen. Rauchen und schwanger zu sein ist damit auch für die Intelligenz Deines Kindes verheerend. Rauchende Schwangere haben doppelt so häufig geistig zurückgebliebene Kinder. Der Intelligenzquotient von Kindern rauchender Frauen war laut amerikanischen Untersuchungen durchweg niedriger als der von Kindern nichtrauchender Mütter. Er war dabei umso niedriger je mehr Zigaretten die Frauen pro Tag rauchten. Auch Konzentrationsschwächen und Sprachstörungen treten beim Nachwuchs von Raucherinnen etwa doppelt so häufig auf. Die Wahrscheinlichkeit für Symptome wie Hyperaktivität, ADHS sowie aggressives Verhalten und damit einhergehende Lern- und Anpassungsschwierigkeiten im Schulalter ist sogar um das Dreifache höher.
Auch weitere Spätfolgen sind bekannt. So zeigen Langzeitstudien, dass Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben, im Erwachsenenalter häufiger an Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Übergewicht leiden. Außerdem können bereits Neugeborene aufgrund des Rauchens Symptome von Entzugserscheinungen aufweisen. Das Suchtpotential ist also deutlich gesteigert. Dies führt zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit, dass das Kind später selbst zum Raucher wird. Rauchen in der Schwangerschaft muss nicht sein. Rauchen und schwanger sein sollte keinesfalls kombiniert werden.

Rauchstopp als einzige Lösung

In der Tat hören viele Frauen während der Schwangerschaft auf zu rauchen oder reduzieren ihren Zigarettenkonsum zumindest. Immer noch jeder 5. werdenden Mutter gelingt dies aber nicht. So raucht etwa jede zehnte Frau während der Schwangerschaft. Und das obwohl mögliche Risiken bekannt sind. Der Zigarettenrauch enthält über 5000 teilweise schädliche und krebserregende Stoffe. Damit schadet sie ganz bewusst ihrem Kind! Natürlich will keine Frau ihrem Kind vorsätzlich schaden. Die Sucht hat sie einfach zu fest im Griff. Aber keine Sorge, niemand ist hier allein gelassen. Professionelle Hilfe zur Rauchentwöhnung hilft Dir und Deinem Baby.
Mit einem Rauchstopp tust Du Deinem Kind und Dir nachhaltig etwas Gutes. Nicht nur während der Schwangerschaft bewirkt er eine höhere Durchblutung der Plazenta und damit auch eine bessere Sauerstoffzufuhr und daher bessere körperliche und geistige Entwicklung Deines Kindes. Auch ein Leben lang wird sich der Rauchstopp positiv auf Dein Kind bemerkbar machen. Die Anfälligkeiten für Asthma und Allergien aufgrund des Rauchens können dadurch gesenkt werden, um nur ein Beispiel zu nennen. So haben Kinder von Raucherinnen nämlich ein 30 % erhöhtes Risiko Asthma im Jugendalter zu entwickeln. Du siehst: Schwangerschaft und rauchen kann niemand verantworten.

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Macht ein Rauchstopp in der Schwangerschaft Sinn?

Rauchstopp als einzige Lösung in der Schwangerschaft

Hartnäckig hält sich die Annahme, dass ein plötzlicher Rauchstopp und damit einhergehender Nikotinentzug in der Schwangerschaft schädlich für das Baby sei. Diese Annahme ist aber längst überholt. Wissenschaftliche Studien zeigen allesamt das Gegenteil. Ein Rauchstopp während der Schwangerschaft wirkt sich sogar nachhaltig positiv auf das Ungeborene aus. Daher wird empfohlen das Rauchen so früh wie nur möglich in der Schwangerschaft aufzuhören. Als Nebeneffekt tut sich natürlich auch die Frau selbst durch das Aufhören jede Menge Gutes, nicht nur für ihre Gesundheit, sondern auch für ein befreites Leben. Im Idealfall solltest Du Dich schon bei Kinderwunsch beim Blick auf den Schwangerschaftskalender von der Zigarette befreien und nicht erst, wenn Du die ersten Ultraschallbilder in der Hand hälst oder der Geburtstermin vor der Tür steht. Denn Rauchen sowie im Übrigen ebenso Passivrauchen senkt auch die Wahrscheinlichkeit überhaupt schwanger zu werden. Ebenso treten die Giftstoffe des Zigarettenrauchs auch in die Muttermilch über, was beim Stillen eine Rolle spielt. Rauchen und Stillen ist also nicht gefahrlos ohne Weiteres möglich.
Hole Dir professionelle Hilfe, um möglichst gut mit der Rauchentwöhnung zurecht zu kommen. Auch Hilfe und Unterstützung von Partner, Familie, Freunden und Bekannten sind Goldwert.

Fazit

Rauchen in der Schwangerschaft ist angesichts der zahlreichen Risiken von Tabakrauch für das Kind und natürlich auch für die Frau selbst regelrecht verantwortungslos. Am besten ihr sagt dem Glimmstängel bereits bei Kinderwunsch Lebewohl und nicht erst beim Anblick der ersten Ultraschallbilder. Rauchen und schwanger ist keine sinnvolle Kombination. Denn Rauchen sowie Passivrauchen beeinflussen minimieren die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit. Aber auch selbst das schwanger werden, kann durch das Rauchen erschwert werden. Zum Beispiel Rauchen und Menstruation hängen nämlich auch zusammen und führen zu einem hormonellen Durcheinander. Die Liebe zu Deinem Kind sollte größer sein als die Sucht! Schwangerschaft und rauchen kann keiner verantworten. Auch Du kannst das Aufhören schaffen und komplett rauchfrei durchs Leben zu gehen. Hole Dir professionelle Hilfe ins Boot und Du wirst sehen, dass der Rauchstopp schon fast zum Kinderspiel wird. Das Geld, das Du mit jeder nicht gekauften Zigarettenschachtel sparst, steckst Du lieber in ein Sparschwein. So könnt Ihr Euch und dem Baby am Ende etwas Schönes kaufen und Euch etwas gönnen.

Rauchen während der Schwangerschaft: Neue Erkenntnisse zum Einfluß auf den Fetus und das neugeborene Kind

Mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft beeinflußt den Fetus und das neugeborene Kind negativ. Als gesichert gilt heute ein erhöhtes Risiko spontaner Aborte, vorzeitiger Plazentalösungen und einer intrauterinen Dystrophie. Der Zusammenhang zwischen mütterlichem Rauchen und der Entwicklung kindlicher Krebserkrankungen wird hingegen noch immer kontrovers diskutiert. Neue Erkenntnisse haben diesbezüglich jedoch einen wissenschaftlichen Durchbruch erbracht, der eine neue Bewertung mütterlichen Rauchens notwendig macht. Wir geben eine Übersicht neuer Erkenntnisse, wobei insbesondere der Nachweis tabakspezifischer Karzinogene im Urin von Neugeborenen rauchender Mütter Beachtung findet. Damit ist es nämlich gelungen, das biologisch-toxikologische Bindeglied zu neuesten Entdeckungen aus dem vergangenen Jahr herzustellen, die charakteristische Mutationen im HPRT-Gen von T-Lymphozyten bei Neugeborenen passivrauchender Mütter haben nachweisen können. Die pränatale Aufnahme relevanter Mengen erwiesenermaßen transplazentar wirksamer Karzinogene läßt erhebliche toxikologische Konsequenzen erwarten.
Schlüsselwörter: Tabakspezifische Karzinogene, Rauchen, Schwangerschaft, Karzinogenese, Neugeborenes

Smoking During Pregnancy
Today maternal smoking is regarded as a risk factor for spontaneous abortion, placental abruption and intrauterine dystrophy of the fetus. In contrast, the correlation between maternal smoking and the development of childhood cancer is still under discussion. New data require a reassessment of the medical importance of maternal smoking.The detection of tobacco-derived carcinogens in the urine of neonates born to smoking mothers should receive special attention. These findings present the link to recent discoveries that show mutations in the HPRT gene in cord blood T-lymphocytes associated with passive maternal smoking. Prenatal uptake of toxicologically relevant amounts of transplacental carcinogens is expected to have serious adverse sequelae on the fetus.
Key words: Tobacco-specific carcinogen, smoking, pregnancy, carciogenesis, newborn

Die Folgen des Tabakkonsums, insbesondere des Zigarettenrauchens, gelten heutzutage in den meisten industrialisierten Staaten als die führende vermeidbare Todesursache (48). Nach Erhebungen des Centers of Disease Control mußten von 1990 bis 1994 in den USA insgesamt über 2 Millionen Todesfälle, ein Drittel davon bei Frauen, dem Konsum von Tabakprodukten zugeschrieben werden (14). Das entspricht knapp 20 Prozent aller Todesfälle in diesem Zeitraum. An erster Stelle der zugrunde liegenden Erkrankungen stehen beim Erwachsenen das Bronchialkarzinom, gefolgt von der koronaren Herzkrankheit und den chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen.
Bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts galt Rauchen für Frauen als sozial unakzeptabel. Nur schätzungsweise zwei Prozent aller Frauen rauchte zu dieser Zeit (28). Mit progredienter Umwerbung der Zielgruppe „Frau“ durch die Tabakindustrie sowie im Rahmen der Emanzipationswelle mußte vor allem bei jüngeren, im Berufsleben stehenden Frauen ein deutlicher Anstieg des Zigarettenkonsums verzeichnet werden. Ihr Anteil liegt heute in manchen Ländern mit 30 Prozent höher als bei Männern vergleichbaren Alters (23). Im Rahmen dieser Entwicklung zeichnete sich innerhalb der letzten 20 Jahre dann auch zunehmend ab, daß passive Tabakrauchexposition nicht erst bei Erwachsenen, sondern auch bereits im Mutterleib beim Fetus, später dann bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern einen entscheidenden Faktor aktueller und verzögerter Morbidität und Mortalität darstellt (3).
Bereits 1992 erklärte die amerikanische Umweltbehörde Passivrauchen, im Englischen treffender „environmental tobacco smoke“, zu einem humanen Karzinogen der Klasse A, das heißt einer Stoffgruppe mit nachgewiesener Karzinogenität beim Menschen (23). Diese Einschätzung stellt gerade für Kinder aufgrund der engen häuslichen und persönlichen Bindung und Abhängigkeit von den Eltern ein erhebliches Problem dar und erlangt besondere Bedeutung für den Fetus, der aufgrund der fetomaternalen Einheit und dem transplazentaren Stoffaustausch sozusagen als Passivraucher par excellence zu werten ist (48). Trotz dieser Erkenntnisse beenden nur knapp 40 Prozent aller Schwangeren das Rauchen (26) und es wird geschätzt, daß allein in den USA jährlich rund 1,5 Millionen Kinder bereits intrauterin den schädigenden Einflüssen des Zigarettenrauchens ausgesetzt sind (11).
Allgemeine Wirkungen
Erste Berichte über negative Auswirkungen mütterlichen Rauchens auf den Fetus und das neugeborene Kind stammen aus dem Jahre 1957, als erstmals der Zusammenhang zwischen Frühgeburtlichkeit und mütterlichem Rauchen während der Schwangerschaft beschrieben wurde (52). Wenngleich diese Assoziation noch immer kontrovers diskutiert wird, und gerade größere epidemiologische Untersuchungen aus den USA bei Raucherinnen allenfalls eine geringfügig verkürzte Schwangerschaftsdauer ohne per definitionem erhöhte Inzidenz der Frühgeburtlichkeit haben nachweisen können (22), gelten heutzutage vor allen Dingen drei Komplikationen beziehungsweise Folgeschäden als gesichert: a) Eine höhere Inzidenz spontaner Aborte (33), wobei das relative Risiko mit zunehmendem Alter der Mütter ansteigt (17), und das Gesamtrisiko signifikant mit der Zahl gerauchter Zigaretten pro Tag korreliert (22). b) Eine intrauterine Dystrophie (56), die ebenfalls eine deutliche Dosisabhängigkeit sowie eine Zunahme der Problematik mit steigendem Alter der Mütter aufweist (1, 10, 44, 58).
c) Eine um 20 bis 30 Prozent erhöhte Häufigkeit einer Placenta praevia und einer vorzeitigen Plazentalösung (5).
Neben diesen Einzelproblemen ist auch die perinatale Gesamtmortalität (Summe der Tod- und Lebendgeborenen, die während der ersten sieben Lebenstage versterben) bei Kindern rauchender Mütter deutlich erhöht (42). Das Mortalitätsrisiko steigt dabei dosisabhängig um 25 Prozent bis 50 Prozent an (38). Ob und inwieweit väterliches Rauchen beziehungsweise mütterliches Passivrauchen während der Schwangerschaft in diesem Zusammenhang einen schädigenden Einfluß auf den Fetus ausübt, wird nach wie vor kontrovers diskutiert (15). Andererseits häufen sich Hinweise darauf, daß gerade mütterliches Passivrauchen mit einer erhöhten Inzidenz kindlicher Krebserkrankungen verbunden ist.
Transplazentare Karzinogene
Während die oben beschriebenen allgemeinen Auswirkungen mütterlichen Rauchens auf den Fetus als gesichert angesehen werden können, herrscht weitestgehende Unklarheit über Art, Umfang und die Bedeutung der transplazentaren Übertragung von kanzerogenen Substanzen im allgemeinen und tabakspezifischen Karzinogenen im speziellen. Ältere Untersuchungen konnten Hämoglobinverbindungen mit dem Kanzerogen 4Aminobiphenyl (46) sowie DNA-Addukte mit den Kanzerogenen Benzpyren (43), O6-Methyldeoxyguanosin (27) und 8-Oxodeoxyguanosin (20) im fetalen Blut nachweisen. Dabei zeigten jedoch lediglich die 4Aminobiphenylverbindungen eine positive Korrelation mit dem mütterlichen Zigarettenkonsum, wobei gerade diese Kanzerogene andererseits nicht tabakspezifisch sind (20).
Die im Tabak vorkommenden Alkaloide Nikotin, Nornikotin und Anabasin sind sekundäre beziehungsweise tertiäre Amine, die durch N-Nitrosierung sogenannte Nitrosamine bilden (45). Dabei enthalten grüne Tabakpflanzen kaum Nitrosamine. Der größte Teil entsteht erst durch die jeweilige Verarbeitungsmethode beziehungsweise durch Pyrosynthese bei dem Verbrennen von Tabak (2, 8). Im Jahr 1974 gelang Hoffmann und Mitarbeitern erstmals die Isolierung von N’-Nitrosonornikotin (NNN), einem tabakspezifischen kanzerogenen Nitrosamin, zunächst aus Tabak, später auch aus Zigarettenrauch (34). Vier Jahre später konnten Hecht und Mitarbeiter 4-(Methylnitrosamino)-1-(3-Pyridyl)1-Butanon (NNK, Nicotine-derived Nitrosamino Ketone) im Tabak nachweisen (31). Die Grafik gibt den entsprechenden Abbauweg des Nikotins beziehungsweise des NNK im menschlichen Organismus wieder. Insgesamt gelang es im Laufe der Jahre, sieben tabakspezifische Nitrosamine zu isolieren, wobei NNN, NNK und dessen Hauptmetabolit im menschlichen Organismus, 4-(Methylnitrosamino)-1-(3-Pyridyl)1-Butanol (NNAL), im Tierexperiment starke Karzinogene darstellen. NNK und NNAL sind dabei hochpotente, auch transplazentar wirksame Karzinogene, die bei Hamstern und Mäusen in geringster Dosierung verschiedenartige Tumore des Respirationstrakts, des Pankreas (signifikant verstärkt bei gleichzeitigem Äthanolkonsum) und der Nebennieren hervorrufen (4, 49, 50). Darüber hinaus scheint NNK eine entscheidende Rolle bei der Induktion des Bronchialkarzinoms aktiver Raucher zu spielen (32).
Ebenfalls der Arbeitsgruppe um Stephen Hecht gelang es 1993 erstmals, NNK und NNAL im Urin von zunächst erwachsenen Aktivrauchern, später auch von Passivrauchern nachzuweisen (12, 30). Ausgehend von der Vorstellung des Fetus als einen Passivraucher par excellence untersuchten wir in der Folge den Urin von Neugeborenen rauchender Mütter auf diese tabakspezifischen Karzinogene (Tabelle). Dabei fanden wir nach Durchführung einer Pilotstudie (39) bei Neugeborenen rauchender Mütter in 71 Prozent der Fälle einen positiven Nachweis von NNAL beziehungsweise dessen Hauptmetabolit im menschlichen Organismus, NNAL-Glucuronid (NNAL-Gluc), während bei Neugeborenen nichtrauchender Mütter in keinem Fall eine dieser Substanzen nachgewiesen werden konnte (40, 41). Dabei korrelierte die NNAL-GlucKonzentration signifikant mit der Anzahl während der Schwangerschaft pro Tag gerauchter Zigaretten.
Diskussion
Die Ergebnisse unserer Arbeitsgruppe demonstrieren eindeutig den Nachweis der beiden NNK-Metabolite NNAL und NNAL-Gluc im Urin von Neugeborenen rauchender Mütter. Dabei handelt es sich um den ersten Nachweis der fetalen Aufnahme eines transplazentaren tabakspezifischen Karzinogens und/ oder seiner Metabolite bei Rauchern. 4-Aminobiphenyl, das einzige weitere Karzinogen, dessen Aufnahme durch den Fetus bei mütterlichem Rauchen bewiesen ist, stellt kein transplazentar wirksames Karzinogen dar (21).
Dabei sind zwei Übertragungs- und Metabolisierungswege dieser tabakspezifischen Karzinogene denkbar: Erstens die fetale Aufnahme von NNK oder NNAL und Verstoffwechselung dieser Substanzen zu NNAL beziehungsweise NNAL-Gluc durch den Fetus; oder zweitens die Metabolisierung von NNK zu NNAL und NNAL zu NNAL-Gluc durch die Mutter und Übertragung der Endprodukte auf den Fetus. Tierexperimentelle Untersuchungen konnten zeigen, daß NNK und NNAL transplazentar auf den Fetus übertragen werden (4, 6, 19, 49, 50). Auch wenn es bislang keine Untersuchungen über den fetalen Metabolismus von NNAL zu NNAL-Gluc gibt, so sind doch bereits in der fetalen Leber entsprechende UDP-Glucuronyltransferasen ausgebildet (9).
Darüber hinaus ist, in Analogie zu Untersuchungen über Retinoinsäure (18), die transplazentare Übertragung von NNAL-Gluc unwahrscheinlicher als die von NNAL, so daß wir im Fall einer ausschließlichen Übertragung von NNAL-Gluc von der Mutter auf den Fetus ein niedrigeres Verhältnis von NNAL-Gluc zu NNAL erwarten würden, als bei Probanden, die diese Substanzen direkt aufnehmen. Das Verhältnis von NNAL-Gluc zu NNAL beträgt bei Neugeborenen 3,5 ± 1,3 (40, 41), ein Wert, der dem erwachsener Raucher entspricht (3,7 ± 2,2) (13). Somit liegt nahe, daß NNK und/oder NNAL transplazentar auf den Fetus übertragen und von diesem zu NNAL beziehungsweise NNAL-Gluc verstoffwechselt werden. Die Tabelle gibt eine vergleichende Übersicht der Konzentrationen von NNAL plus NNAL-Gluc bei aktiven Rauchern, Passivrauchern und Neugeborenen rauchender Mütter wieder. Daraus wird ersichtlich, daß die Konzentrationen dieser Substanzen bei Neugeborenen rauchender Mütter eine Größenordnung von fünf bis zehn Prozent der Konzentrationen aktiver Raucher erreichen und damit sogar deutlich höher liegen als bei erwachsenen Passivrauchern.
Diese Erkenntnisse sind unter zwei Gesichtspunkten von besonderem, aktuellem Interesse: Zum einen gibt es in der internationalen Literatur bislang nur wenige Arbeiten, die sich erfolgreich mit dem Zusammenhang zwischen mütterlichem Rauchen während der Schwangerschaft und der Inzidenz maligner Erkrankungen bei den Nachkommen im späteren Leben befassen. Ein Hauptproblem ist dabei die schier unmögliche Trennung zwischen den potentiellen Folgen prä- und postnataler Tabakrauch- beziehungsweise Karzinogenexposition. Epidemiologische Untersuchungen erbrachten demzufolge sehr unterschiedliche Resultate. Während ältere Arbeiten bei Kindern rauchender Mütter ein zum Teil statistisch signifikant erhöhtes Risiko für die spätere Entwicklung insbesondere hämatologisch-onkologischer Systemerkrankungen fanden (24, 55), konnten zwei neuere Metaanalysen entsprechender epidemiologischer Untersuchungen diesen Trend nicht bestätigen (53, 57). Auch neueste Erhebungen für Deutschland konnten keinen Zusammenhang zwischen mütterlichem Rauchen und dem Auftreten kindlicher Leukämieerkrankungen nachweisen (37). Der in diesem Bericht beschriebene umgekehrte, sozusagen protektive Effekt mütterlichen Rauchens macht gleichzeitig die Schwierigkeiten solcher epidemiologischer Erhebungen deutlich. Auf der anderen Seite häufen sich aber in den vergangenen Jahren Hinweise darauf, daß mütterliches Passivrauchen durchaus mit einer erhöhten Inzidenz kindlicher Krebserkrankungen, insbesondere Leukämien und Lymphomen, verbunden ist (36, 51, 53), wobei es bislang keine biologisch-pathologisch plausible Erklärung für diesen Befund gab.
Zum anderen gelang Finette und Mitarbeitern 1998 erstmals der Nachweis charakteristischer Mutationen im HPRT-Gen von T-Lymphozyten bei Neugeborenen passivrauchender Mütter, die mit entsprechenden Veränderungen in diesem Gen bei kindlichen Leukämien und Lymphomen übereinstimmen (25). Tabakspezifische Karzinogene führen unter anderem zu einer Hypomethylierung des Östrogen-Rezeptor-Gens und CYP2E1-Promotorgenregionen in Lungentumoren, sowohl im Tierexperiment als auch beim Menschen (7, 35). Diese Hypomethylierung wird, im Fall von HPRT-Deletionen, von der VDJ-Rekombinase vermittelt, einem Enzymsystem, das genetische Rearrangements in solchen Genregionen bewirkt, die die Entstehung von genetischen Variationen im T-ZellRezeptor und den Immunglobulinen, und damit die vielfältige Antigenerkennung des Immunsystems möglich machen (25). Eine Hypomethylierung des Genoms sich aktiv replizierender T-Lymphozyten würde daher zu einem Anstieg der VDJ-Rekombinaseaktivität in diesen Zellen führen, ein Phänomen, das nun von Finette und Mitarbeitern nachgewiesen werden konnte. Darüber hinaus wurden VDJ-Rekombinase-vermittelte Mutationen bereits früher mit genetischen Veränderungen bei kindlichen Leukämien assoziiert (16, 29). Der Nachweis transplazentarer tabakspezifischer Karzinogene bei Neugeborenen rauchender Mütter stellt nun das Bindeglied dar, daß eine biologisch plausible Erklärung der Entdeckungen von Finette und Mitarbeitern ermöglicht (54).
Vor diesem Hintergrund läßt die Aufnahme pharmakologisch-toxikologisch relevanter Mengen erwiesenermaßen transplazentar wirksamer Karzinogene erhebliche toxikologische Konsequenzen erwarten. Die meisten Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, setzen dieses Verhalten auch nach der Geburt des Kindes fort, so daß der bereits intrauterin belastete kindliche Organismus auch postnatal weiterhin den Karzinogenen des Tabakrauchs ausgesetzt bleibt. Das stellt ein potentiell inakzeptables Risiko dar, und diese neuen Erkenntnisse und Hypothesen sollten unter anderem dazu beitragen, die leidige Diskussion um mütterliches Rauchen während der Schwangerschaft auf eine argumentativ noch bessere Basis zu stellen.

Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1999; 96: A-2080-2083

Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis, das über den Sonderdruck beim Verfasser und über die Internetseiten (unter http://www.aerzteblatt.de) erhältlich ist.

Anschrift für die Verfasser
Dr. med. Gerd-Michael Lackmann
Zentrum für Kinderheilkunde
Heinrich-Heine-Universität
Moorenstraße 5
40225 Düsseldorf

Beispiel einer aktuellen Tabakwerbung

Abbauweg des Nikotins und Entstehung tabakspezifischer Karzinogene im menschlichen Organismus (31)

Tabelle
Vergleichende Übersicht der Konzentrationen von NNAL plus NNAL-Gluc im Urin
Konzentration tabak spezifischer Karzinogene
(NNAL plus NNAL-Gluc;
pmol/ml Urin)
Aktive Raucher
(nach Stephen Hecht,
persönliche Mitteilung
1998) 19 6 1,1
Passivraucher (47) 0,059 6 0,028
3,1%*
Neugeborene rauchender 0,19 6 0,14
Mütter (40, 41) 10%*
? Die Angaben geben den Prozentsatz der Konzentration im Vergleich zu der aktiver Raucher wieder.
?

Rauchen in der Schwangerschaft: Das sind mögliche Folgen

Der Körper der Mutter bietet dem ungeborenen Baby Schutz und versorgt es mit allem, was für seine Entwicklung nötig ist. Im Idealfall zumindest. Dieser Körper kann aber auch zur Falle für das Ungeborene werden – zum Beispiel, wenn die Schwangere raucht. Schutzlos ist das Baby den Giften ausgeliefert. Dass das schädlich ist, steht auf vielen Zigarettenpackungen schwarz auf weiß. Mediziner schätzen jedoch, dass jede fünfte Schwangere trotzdem raucht. Eine Untersuchung der Universität Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern kam vor einigen Jahren zu dem Ergebnis, dass 40 Prozent aller Raucherinnen nicht aufgehört hatten, obwohl sie ein Kind erwarteten.

Zigarettenrauch: „Eine Form der Kindesmisshandlung“

Wissenschaftler schätzen, dass schwangere Raucherinnen im Durchschnitt 13 Zigaretten pro Tag konsumieren. Über neun Monate verteilt kriegen ihre Babys somit Schadstoffe aus rund 3640 Zigaretten ab – noch bevor sie ihren ersten Atemzug getan haben. Kinderarzt Hansjosef Böhles findet daher klare Worte: „Rauchen in der Schwangerschaft ist eine Form der Kindesmisshandlung.“

Die Liste der möglichen Schäden ist lang. Einer Studie der Universität Bristol zufolge ist das Rauchen in und nach der Schwangerschaft das Hauptrisiko für den Plötzlichen Kindstod. Würden Eltern auf den Zigarettenkonsum verzichten, ließen sich 60 Prozent der Todesfälle verhindern. „Zehn Zigaretten am Tag erhöhen das Risiko um das Fünffache, bei 20 Zigaretten steigt es um das Achtfache“, sagt Kinderarzt Ekkehart Paditz. Wer schwanger ist und trotzdem raucht, riskiert zudem eine Frühgeburt, Fehlgeburt oder Totgeburt sowie eine Ablösung der Plazenta und ein geringeres Geburtsgewicht des Kindes. 21 Zigaretten am Tag verringern das Gewicht des Neugeborenen um rund 350 Gramm. Schuld daran sei Sauerstoffmangel, sagt Paditz. Zum einen verdrängt das Kohlenmonoxid im Rauch den Sauerstoff im Blut. Zum anderen verengen sich durch das Nikotin die Gefäße im Kapillarbereich und der Plazenta, was ebenfalls dazu führt, dass weniger Sauerstoff beim Ungeborenen ankommt. „Das ist fast so als würde man einem Taucher unter Wasser die Luftzufuhr abdrücken“, sagt Paditz.

Intelligenz wird beeinträchtigt

Das schlägt auch auf das Gehirn. Rauchen führt nicht nur zu neurologischen Schäden des Babyhirns, sondern auch zu einer geringeren Hirnsubstanz, was die Intelligenz des Kindes beeinträchtigen kann, so Paditz. Zudem zählen Sprach- und Verhaltensstörungen wie etwa Hyperaktivität zu den möglichen Folgen des Rauchens, ebenso wie Asthma, Atemwegsinfektionen und Fehlbildungen an Fingern, Händen oder Beinen. Babys, deren Mütter geraucht haben, haben sogar ein höheres Krebsrisiko. Auch auf die Spermienqualität eines Mannes wirkt es sich negativ aus, wenn seine Mutter in der Schwangerschaft geraucht hat.

Niedriges Geburtsgewicht

Wiegt ein neugeborenes Kind weniger als 2500 Gramm, spricht man von niedrigem Geburtsgewicht bzw. low birth weight (LBW). Betroffene Kinder haben nach der Geburt, aber auch im späteren Leben ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Das gilt beispielsweise für Diabetes Typ 2, Bluthochdruck, Herzerkrankungen oder Lungenschäden. Auch auf die Intelligenz wirkt sich ein niedriges Geburtsgewicht negativ aus. Zudem leiden Betroffene relativ häufig an Depression oder Angststörungen. Neueren Studien zufolge haben sie auch ein erhöhtes Suizidrisiko.

Viele dieser Erkenntnisse sind seit Jahren bekannt. Wie kann es da sein, dass es noch immer Schwangere gibt, die rauchen? „Tabakrauchen ist eine Sucht“, sagt Paditz. „Davon wegzukommen ist für viele sehr schwer.“ Studien hätten gezeigt, dass Appelle oft nicht ausreichten. Es kommt sogar vor, dass Frauen mehr rauchen, wenn sie ein Kind erwarten. „In manchen Fällen setzen die Schwangerschaft und die Lebensumstände die Frauen unter so großen Druck, dass dies sogar zum Anstieg des Rauchens führt“, sagt Diplom-Psychologin Christin Pundrich.

Der rauchende Partner spielt eine wichtige Rolle

Dass neben der biologischen Abhängigkeit auch das soziale Umfeld eine Rolle spielt, hat der Psychologe Wolfgang Hannöver von der Universität Greifswald festgestellt. Mit seinen Kollegen befragte er fast 3000 Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern, die ein Kind zur Welt gebracht hatten. 40 Prozent der Raucherinnen hatten ihr Laster nicht aufgegeben. Er fand heraus: Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, haben meistens einen Partner oder mindestens eine Bezugsperson, die ebenfalls raucht. Auch der soziale Status spielt eine große Rolle. Einige der Frauen, die die Wissenschaftler zu Hause besuchten, lebten in schwierigen finanziellen Situationen. Zudem hatten vor allem junge Mütter in der Schwangerschaft geraucht.

Selbst ein starker Kinderwunsch scheint keine Garantie dafür zu sein, dass eine Raucherin die Qualmerei sein lässt. Bei der Befragung war sogar eine Frau dabei, die sich so sehr ein Kind wünschte, dass sich künstlich hatte befruchten lassen. Dennoch konnte sie nicht aufhören zu rauchen. Sie war offensichtlich stark abhängig.

Unwissen und Mythen

Überrascht waren die Wissenschaftler auch darüber, wie wenig die Frauen tatsächlich über die gesundheitlichen Gefahren und genauen Zusammenhänge wussten. Dass Raucherbabys kleiner sind und weniger wiegen, wussten viele, doch nicht alle konnten daran etwas Schlechtes finden. Ein häufiges Argument, das die Forscher zu hören bekamen, war: Ist doch gar nicht so schlecht, wenn das Baby kleiner wird, damit die Geburt nicht so schwer wird. Außerdem stießen sie auf einen unerfreulichen Mythos, der sich noch immer zu halten scheint: Mehrere Frauen berichteten, ihr Frauenarzt hätte ihnen davon abgeraten das Rauchen ganz aufzugeben, um beim Kind keine Entzugserscheinungen hervorzurufen. Die Forscher überprüften diese These vor einigen Jahren, konnten jedoch keine Studie finden, die das habe verifizieren können.

Rauchen in der Schwangerschaft: Drohungen helfen nicht

Zum Unwissen kommt manchmal auch das Verdrängen hinzu. Manche würden ihr Wissen über die schädigenden Auswirkungen offenbar ausblenden, sagt Psychologin Pundrich. „Sehr häufig liegt diesem Verhalten eine starke diagnostizierte Nikotinabhängigkeit zugrunde“, erklärt sie. Pundrich hat früher Entwöhnungskurse für Schwangere am Elternkolleg der Charité gegeben. Sie ist überzeugt: „Mit schockierenden Szenarien und Drohungen ist den Frauen nicht geholfen.“ Viele würden dann auf ihrem Stuhl zusammensinken und Stress empfinden. „Und wenn sie rausgehen, rauchen sie womöglich gleich die nächste Zigarette.“ Sie versuche daher den Frauen behutsam zu vermitteln, wie positiv es für das Baby wäre, wenn es nicht mehr mitrauchen müsste. „Ich muss positiv motivieren“, sagt sie. Schließlich wolle sie, dass die Frauen wiederkämen.

Eine Hotline gegen das Stigma

Einen anderen Weg hat Ekkehart Paditz in Sachsen gewählt. Er hat ein Beratungstelefon für rauchende Schwangere eingerichtet. „Zur Suchtberatung gehen viele Frauen nicht, weil das zum Teil als stigmatisierend empfunden wird. Bei unserer Hotline fällt diese Hemmschwelle weg“, erklärt Paditz. „Die Schwangerschaft ist die stärkste Motivation, um mit dem Rauchen aufzuhören, stärker als ein Herzinfarkt oder Krebs“, so der Mediziner. Allerdings bräuchten einige dabei eben kompetente Hilfe.

Sie haben einen Kinderwunsch oder sind bereits schwanger und planen, mit dem Rauchen aufzuhören? Rat und Hilfe rund um das Thema Rauchstopp gibt es bei der Initiative „Rauchfrei“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Die Babys von Rauchern können sich aufgrund des durch das Nikotin verursachten Sauerstoffmangels nicht so gut entwickeln. Denn Nikotin geht direkt von der Plazenta auf das Ungeborene über und lagert sich nicht nur im mütterlichen Blut ab, sondern auch in der Gebärmutterschleimhaut. Dort tritt es sogar mit einer 10- bis 20-mal so hohen Konzentration wie im Blut auf. Aber auch die Lunge des Kindes speichert die im Rauch enthaltenen Toxine. Die Erkrankungen, unter denen Babys von Raucherinnen leiden, werden unter dem Fachbegriff „fetales Tabaksyndrom“ zusammengefasst.

Folgende Schädigungen sind möglich:

  • Es kann zu Wachstumsstörungen und Schäden an der kindlichen Lunge kommen.
  • Das Risiko, mit einem sehr geringen Geburtsgewicht auf die Welt zu kommen, ist doppelt so hoch. Studien zeigen, dass Kinder im Schnitt mit 200 bis 400 Gramm weniger auf die Welt kommen.
  • Kopfumfang und Körperlänge sind meist um einen Zentimeter kürzer bemessen als bei Kindern von Nichtraucherinnen.
  • Es gibt Hinweise darauf, dass Rauchen Missbildungen verursachen kann, wie etwa Lippen-Kiefer-Gaumenspalten oder Herzfehler.

Im ersten Lebensjahr ist die Sterberate bei Säuglingen von rauchenden Eltern höher als bei nichtrauchenden Eltern. Das Rauchen während der Schwangerschaft ist für ein Drittel der Fälle an plötzlichem Kindstod (SIDS) verantwortlich. (Risiko Plötzlicher Kindstod allgemein: 0,04, also sind 4 Kinder von 10.000 betroffen.)

Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, erkranken häufiger an:

  • Infektionen, da ihr Immunsystem schwächer ist
  • Atemwegserkrankungen wie Lungenentzündungen, Bronchitis und Asthma
  • Allergien
  • Krebs, wie z.B. Blut- oder Nierenkrebs
  • Das Risiko, an Diabetes mellitus Typ II zu erkranken, ist erhöht
  • Augenerkrankungen wie Schielen
  • Mittelohrentzündungen
  • Mentale Entwicklungsverzögerungen, Verhaltensauffälligkeiten wie ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und andere psychiatrische Erkrankungen.

Das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden, ist bei einer Raucherin etwa doppelt so hoch wie bei einer Nichtraucherin. Unter anderem ist die durch die Zigaretten entstandene Schädigung der DNA ein Problem. In weiterer Folge wird eine Einnistung entweder gleich verhindert oder es kommt frühzeitig zu einer Fehlgeburt. Raucherinnen müssen aber auch häufiger mit einer Plazentaablösung rechnen, die ebenfalls zu einer Fehlgeburt führt.

Schwangere Raucherinnen sind während der Schwangerschaft und im Wochenbett nicht nur thrombosegefährdeter, sie leiden auch häufiger an Komplikationen wie etwa einer Eklampsie, einer schweren Erkrankung im letzten Schwangerschaftsdrittel. Diese beginnt mit der Vorstufe, einer Präeklampsie, die sich durch Wassereinlagerungen und Bluthochdruck äußert. Danach folgen Krampfanfälle, die sich durch heftige Kopfschmerzen und Übelkeit ankündigen und bis zum Verlust des Bewusstseins gehen können.

Folgen und Gefahren: Rauchen in der Schwangerschaft

„Seit ich schwanger bin, rauche ich nur noch fünf Zigaretten am Tag.“ Solche Sätze waren in der Generation unserer Mütter noch normal – ja man war sogar stolz auf die eigene Disziplin. Heute hat es sich zum Glück herumgesprochen, dass Rauchen in der Schwangerschaft nicht nur der Mutter selbst schadet, sondern auch dem Kind in ihrem Bauch.
Dennoch werden die Risiken immer noch von vielen Frauen unterschätzt. Schließlich ist Rauchen eben auch eine starke Sucht, die man nicht so einfach überwinden kann.
Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wie wirkt sich Rauchen auf die Schwangerschaft aus?

Tatsächlich hat Rauchen schon vor einer Schwangerschaft gesundheitliche Auswirkungen auf Paare mit Kinderwunsch. Es verschlechtert die Qualität der Spermien und kann die Chancen der Frau verringern, schwanger zu werden, wie Studien zur künstlichen Befruchtung zeigen.
Und auch auf das ungeborene Kind wirkt sich der Tabakrauch negativ aus. Nikotin verengt die Gefäße der Raucherin, weshalb das Kind im Bauch schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Und über die Plazenta gelangen die giftigen Substanzen, die über den Tabakrauch inhaliert werden, direkt in den Blutkreislauf des Kindes. Die Schäden, die dadurch erzeugt werden können, nennt man auch fetales Tabaksyndrom.
Der Einfluss des Rauches ist auch sichtbar: Für Aufsehen sorgten vor einiger Zeit die 4-D-Ultraschallbilder der Durham University, die ihr oben im Video seht. Deutlich zu erkennen: Derr Fötus einer Frau, die raucht, unten der Fötus einer Nichtraucherin. Während das untere Kind friedlich schläft, sieht das oben unruhiger, ja fast gestresst aus.

Welche Folgen hat Rauchen für das ungeborene Kind?

  • – Kinder von Raucherinnen sind oft kleiner und haben ein geringeres Geburtsgewicht als Kinder von Nichtraucherinnen.
  • – Das Risiko für Frühgeburten / Totgeburten steigt, ebenso wie das Risiko für den Plötzlichen Kindstod.
  • – Das Kind hat ein höheres Risiko, später an Allergien und Asthma</Strong> zu erkranken.
  • – Die Gefahr von Fehlbildungen ist erhöht. Eine umfassende Studie der University of London von 2011 hat gezeigt: Das Risiko von Hand- und Fußfehlbildungen steigt um 26 Prozent, das von Klumpfüßen um 28 Prozent, Fehlbildungen des Schädels sind um 33 Prozent häufiger. Auch das Risiko einer Spaltbildung an Lippe, Kiefer oder Gaumen steigt um 28 Prozent. Die Gefahr eine Gastroschisis zu bekommen, eine Fehlbildung der Bauchwand mit dem Vorfall von Teilen des Magens oder Darms, ist sogar um 50 Prozent erhöht.
  • – Laut neueren Studien kann Tabakrauch auch zu Verhaltensauffälligkeiten führen. Joachim Heinrich vom Institut für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München sagt in einer Mitteilung von 2010: „Wir konnten zeigen, dass Kinder, die während der Schwangerschaft und den ersten Lebensjahren Tabakrauch ausgesetzt sind, im Schulalter gehäuft Verhaltensauffälligkeiten entwickeln.“ Dazu gehören Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite oder Störungen in der Beziehung mit Gleichaltrigen.

Wieviel darf man als Schwangere rauchen?

Hier gibt es leider keine Toleranzgrenzen. Jede gerauchte Zigarette ist eine zu viel. Aber natürlich steigen die Risiken, je mehr Zigaretten die Mutter raucht.

Was hilft mir beim Aufhören?

Eine Statistik von 2005 zeigte, dass in Deutschland 13 Prozent der Schwangeren zu Beginn ihrer Schwangerschaft noch rauchten. Nur etwa ein Viertel von ihnen schafft es, im Verlauf der Schwangerschaft aufzuhören. Dabei lohnt es sich zu jedem Zeitpunkt!
Wenn es euch sehr schwerfällt, sprecht mit eurem Arzt über Behandlungsmöglichkeiten. Hilfreich sind auch Raucherentwöhnungskurse, die viele Krankenkassen anbieten, fragt bei eurer Kasse nach Angeboten in eurer Nähe. Empfehlenswert ist auch das BRIGITTE-Nichtraucher-Programm. Das Buch „Endlich Nichtraucher“ von Allen Carr hat auch schon vielen Rauchern dabei geholfen, sich von der Sucht zu befreien.
Wichtig ist auch, dass das Umfeld mitzieht. Wenn der Partner einfach weiter qualmt, macht es das der Schwangeren unnötig schwer, abstinent zu bleiben und den Rauchstopp durchzuhalten. Im besten Fall hört er gleich mit auf, oder raucht zumindest nicht mehr in Gegenwart der werdenden Mutter. Schließlich schadet auch Passivrauchen dem ungeborenen Baby.

Darf ich nach der Geburt wieder anfangen?

Auch hier gilt: Verzichtet euch und euren Kindern zuliebe auf Zigaretten, auch nach der Geburt – vor allem, wenn ihr stillt! Denn die giftigen Stoffe des Rauches gelangen auch in die Muttermilch und werden dann beim Stillen vom Säugling aufgenommen. Das Rauchen sorgt zudem dafür, dass weniger Milch gebildet wird.
Und auch nach der Stillzeit solltet ihr die lange Pause nutzen und einfach gar nicht mehr mit dem Rauchen anfangen. Damit das Kind auch später keinem Rauch ausgesetzt ist – und nicht zuletzt natürlich für eure eigene Gesundheit.

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