Immunsystem nach antibiotika

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Immunsystem: Antibiotika lähmen den natürlichen Mix im Darm

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Dass Antibiotika bei vielen Menschen Verdauungsprobleme verursachen, ist allseits bekannt. Aber die wiederholte Einnahme solcher Medikamente verändert einer Studie zufolge auch die natürliche Bakterienvielfalt im Darm über längere Zeit. Zwar weiß niemand, ob dies langfristig größere Probleme auslöst. Aber immer mehr Untersuchungen zeigen, wie wichtig der individuelle Bakterienzoo eines Menschen für seine Gesundheit ist. Demnach könnte eine ungünstige Mikrobenmixtur im Verdauungstrakt zu etlichen Beschwerden beitragen – von Fettleibigkeit bis zu entzündlichen Darmerkrankungen.

Manche Forscher vermuten, dass insbesondere die Einnahme von Antibiotika in der frühen Kindheit Immunstörungen wie Allergien oder Asthma auslösen kann. Denn die Medikamente sind grundsätzlich nicht wählerisch: Sie töten nützliche Bakterien ebenso ab wie die üblen Keime, gegen die sie verordnet werden.

David Relman von der Universität Stanford wollte ermitteln, wie lange die Mikrobenvielfalt im Darm braucht, um sich wieder zu erholen. Daher ließ er drei gesunde Frauen, die länger keine Antibiotika verwendet hatten, wiederholt im Abstand von sechs Monaten das vergleichsweise milde Präparat Ciprofloxacin für die Dauer von jeweils fünf Tagen einnehmen.

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Im ersten Durchgang klagte zwar keine der Frauen über Durchfall oder Übelkeit. Aber Stuhlproben enthüllten, was sich unter der vermeintlich ruhigen Oberfläche tat. Ein Drittel bis die Hälfte der Bakterienarten verschwand nahezu ganz, dafür drängten andere Mikroorganismen in die frei gewordene Lücke. Nach einer Woche hatte sich die ursprüngliche Bakterienverteilung aber bei zwei der drei Frauen wieder eingestellt. Nur bei der dritten Probandin waren die Keimkolonien noch ein halbes Jahr später verändert.

Der zweite Antibiotika-Durchgang setzte den Darmkeimen anfangs wieder in ähnlichem Maße zu. Aber diesmal normalisierte sich – anders als zuvor – die Darmflora bis zum Ende der Studie zwei Monate später bei keiner der drei Frauen.

Die Untersuchung zeigt exemplarisch das fragile Gleichgewicht, das der Mensch mit seinem Mikrobiom teilt – also jenen Billionen Mitbewohnern, die sich etwa auf der Haut oder in der Nase tummeln. Viele sind von ihnen sind nicht nur nützlich, sondern gar extrem wichtig. Dies gilt vor allem für die Bakterien des Darms, deren Rolle jahrelang unterschätzt wurde. “Die Gemeinschaften des Verdauungstraktes sind grundlegend für die Entwicklung unseres Immunsystems“, betont Relman, dessen Studie im renommierten Fachblatt “PNAS“ veröffentlicht wurde. “Wir sollten sie nicht für garantiert nehmen.“

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Der Forscher will nun klären, welche Wirkung Antibiotika in den ersten beiden Lebensjahren haben – also genau dann, wenn Kleinkinder ihre ureigensten Keimkolonien aufbauen. Möglicherweise steigern die Medikamente in dieser Phase das Risiko für spätere Probleme des Immunsystems.

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Infektionskrankheiten

Denn jeder Mensch kommt mit einem mehr oder weniger sterilen Verdauungstrakt zur Welt. Der wird binnen Tagen von verschiedensten Keimen besiedelt. Die stammen von den Eltern, aus der Umgebung, von der ersten Nahrung. Nach und nach steigt die Vielfalt im Darm eines gesunden Menschen auf Hunderte Mikrobenarten, von denen viele der Verdauung und dem Immunsystem nützliche Dienste erweisen.

Forscher wissen etwa, dass fettleibige Menschen andere Darmkeime tragen als schlanke Personen. Schon eine Diät kann die Keimkolonien verändern. Zudem könnten veränderte Bakterienkolonien auch an Erkrankungen beteiligt zu sein, etwa an der Entstehung von Polypen, einer Vorform von Darmkrebs.

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Zwar sollten Antibiotika ohnehin grundsätzlich sparsam verwendet werden, allein schon wegen der Gefahr, dass bakterielle Krankheitserreger Resistenzen dagegen entwickeln. Aber die neue Studie zeigt, dass sie auch nützlichen Bakterien zusetzen, mit unabsehbaren Risiken für die spätere Gesundheit.

“Wir sollten anfangen, mehr darauf darauf achten“, sagt der Mikrobiologe Martin Blaser von der Universität New York, der nicht an der Studie beteiligt war. “Der Einsatz von Antibiotika hat auch aus biologischer Sicht seinen Preis.“

Darmflora aufbauen und sanieren: Nach Antibiotikum-Einnahme besonders wichtig

Ob Allergie, Erkältung, Rheuma oder Krebs – Eine gestörte Darmflora kann Ursache vieler Krankheiten sein. Wir sagen Ihnen, mit welchen Lebensmitteln Sie Ihre Darmflora aufbauen können und was Ihrem Darm sonst noch gut tut.

Was ist die Darmflora?

Spätestens seit dem Bestseller der Medizinstudentin Giulia Enders „Darm mit Charme“ wissen wir: Dieses Organ spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit des gesamten Körpers – physisch wie psychisch. In ihm leben um die 100 Billionen Bakterien, die unsere Verdauung auf Trab halten. Die Gesamtheit der Darmbakterien, die vor allem den Dickdarm besiedeln, nennt man Darmflora, oder auch Mikrobiom.

Die Darmflora sorgt aber nicht nur dafür, dass die Nährstoffe, die über die Nahrung in den Körper gelangen, aufgenommen werden, sondern vermeidet auch die Ansiedlung von krankheitserregenden Keimen im Darm, produziert wichtige Vitamine und stimuliert das Immunsystem. Immerhin befinden sich rund 80 Prozent aller Immunzellen des Körpers in der Darmschleimhaut. Kein Wunder also, dass eine intakte Darmflora so wichtig für unsere Gesundheit ist.

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Aber wann ist die Darmflora „intakt“? Es gibt über 1.000 verschiedene Bakterienarten. Umso vielfältiger die Zusammensetzung des Mikrobioms ist, desto gesünder bleiben wir. Je nach Alter und Ernährung unterscheidet sich die Darmflora von Mensch zu Mensch. Verschiedene innere und äußere Faktoren können die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen. Vor allem die Einnahme von Antibiotika wirkt sich negativ auf den Darm aus. Mit bestimmten Lebensmitteln lässt sich die Darmflora jedoch positiv beeinflussen.

Darmflora aufbauen mit Probiotika und Präbiotika

Beim Aufbau einer gesunden Darmflora helfen Probiotika und Präbiotika. Sie befinden sich in verschiedenen Lebensmitteln, können aber auch als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. Wer seine Darmflora aufbauen will, sollte regelmäßig probiotische und präbiotische Lebensmittel essen, um die Darmtätigkeit dauerhaft zu verbessern.

1. Probiotika: Bei Probiotika handelt es sich um lebende Mikroorganismen, die eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Darm haben. Sie enthalten „gute“ Bakterienstämme, wie Bifidobakterien oder Milchsäurebakterien (Lactobacillus), die sich im Darm ansiedeln, dort schädliche Bakterien bekämpfen, die Darmbewegung stimulieren und das wichtige Vitamin K produzieren. Die „guten“ Bakterien müssen sehr resistent gegen die Magensäure sein, da sie nur lebend die Darmflora unterstützen können.

Darmflora des Dünndarms: Hier tummeln sich verschiedene Mikroben wie Bifidobakterien, Laktobazillen, Enterococcus and Escherichia coli. (Quelle: Dr_Microbe/Getty Images)

Natürlicherweise kommen Probiotika vor allem in Lebensmitteln, wie Joghurt, Kefir, Buttermilch und Sauerkraut, vor. Probiotika gibt es aber auch in Form von Probiotikum-Kapseln und -Tropfen, die oft rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind.

Probiotische Lebensmittel:
• Naturjoghurt
• Kefir
• Buttermilch
• Quark
• Käse
• Sauerkraut
• Kimchi
• Apfelessig
• Miso
• Hefe

2. Präbiotika: Probiotika sind keine Mikroorganismen, sondern Ballaststoffe, die den „guten“ Darmbakterien, wie den Bifidobakterien, hochwertige Nahrung bieten. Sie sind sozusagen das Kraftfutter der Probiotika. Präbiotika sind in viele Lebensmitteln enthalten, hauptsächlich in Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Auch wenn diese Lebensmittel die Darmflora verbessern, können sie bei übermäßigem Verzehr unangenehm werden, denn bei der Verwertung der Präbiotika durch die Mikroben entstehen Gase und das kann zu Blähungen und Bauchschmerzen führen.

Präbiotische Lebensmittel:
• Vollkornprodukte
• Äpfel
• Bananen
• Spargel
• Artischocken
• Brokkoli
• Leinsamen und Flohsamen
• Schwarzwurzel
• Chicorée
• Zwiebeln
• Knoblauch

Neben den natürlichen Probiotika gibt es noch Flüssigprobiotika, Kapseln und Pulver mit probiotischen Bakterienkulturen.

Ernährung für eine gesunde Darmflora: Diese Lebensmittel tun dem Darm gut

  • Milchprodukte: Die Milchsäurebakterien in Joghurt, Kefir, Quark oder Buttermilch haben eine probiotische Wirkung. Sie stärken das Immunsystem im Darm.
  • Hefe: Hefe zählt ebenfalls zu den Probiotika. Die darin enthaltenen Pilze sind nützlich, da sie andere Pilzstämme, die Krankheiten auslösen können, verdrängen. So wachsen nur die Pilze im Darm, die einen positiven Effekt für die Darmtätigkeit haben.
  • Fermentierte Produkte: Fermentierte Lebensmittel, wie Sauerkraut oder Kimchi, enthalten ebenfalls Milchsäurebakterien, die bei der Fermentation entstehen. Sie helfen daher ebenfalls beim Aufbau einer gesunden Darmflora.
  • Äpfel und Apfelessig: Äpfel enthalten Pektin, eine Fruchtsäure, die als Ballaststoff fungiert und die Vermehrung der Darmmikroben fördert. Es ist wichtig, den Apfel mit der Schale zu essen, da sich darin das Pektin befindet. Auch Apfelessig ist gut für den Darm, denn im Gärungsprozess bilden sich Milchsäurebakterien.
  • Ballaststoffreiche Lebensmittel: Ballaststoffe sind die Nahrung „guter“ Darmbakterien und sorgen für ein artenreiches Mikrobiom. Neben Vollkornprodukten sind Leinsamen und Haferflocken ebenso ballaststoffreich und leichter bekömmlich.
  • Gemüse: Gemüse ist ebenfalls ballaststoffreich. Bestimmte Gemüsesorten, wie Chicorée, Topinambur, Artischocken, Schwarzwurzel, Zwiebeln und Knoblauch, enthalten zudem Inulin, ein wichtiger präbiotischer Ballaststoff, der das Wachstum nützlicher Bifidobakterien anregt.
  • Kalte Kartoffeln: Ebenfalls präbiotisch wirkt die Stärke aus kalten Kartoffeln. Kühlen Sie nach dem Kochvorgang ab, verändert sich die Stärke so, dass sie resistent gegen die Verdauung im ersten Darmabschnitt wird und stattdessen von den nützlichen Bakterien im Dickdarm verstoffwechselt wird.

IIn europäischen und amerikanischen Leitlinien zur Ernährung gibt es derzeit keine Empfehlungen zur Einnahme von Prä- oder Probiotika bei gesunden Menschen. Präbiotika sind in einigen Lebensmitteln natürlicherweise vorhanden oder werden künstlich hinzugegeben. Fruktane (Frukto-Oligosacharide), Galaktane und Inuline gelten als darmsanierende Nahrungszusätze,

Was bewirken Fruktane, Galaktane und Inuline?

Ein Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation WHO nannte in einer Veröffentlichung 2017 folgende Moleküle als nachgewiesen präbiotisch wirksam:

  • Fruktane (Frukto-Oligosachardide)
  • Galaktane (Galakto-Oligosachardide)
  • Inuline

Der gesundheitsfördernde Effekt liegt bei den Fruktanen vor allem im erhöhten Wachstum der Bifidobakterien im Darm. Enthalten sind sie reichlich in Topinambur, Knoblauch, Artischocken und Zwiebeln. Galaktane dagegen befinden sich in Muttermilch und passieren Mund, Magen und Dünndarm. Dann erst werden sie von Bifidobakterien und Laktobazillen im Dickdarm verstoffwechselt. Inuline sind eine Untergrupppe der Fruktane und sind in ähnlichen Pflanzen wie Fruktane enthalten, beispielsweise in essbaren Wurzelknollen und Chicorée.

Ursachen und Symptome einer gestörten Darmflora

Stress, Magen-Darm-Erkrankungen, eine einseitige Ernährung oder Medikamente können für ein Ungleichgewicht in der Darmflora sorgen. Vor allem die Einnahme von Antibiotika wirkt sich negativ auf den Darm aus. Zudem gibt es Lebensmittel, die dem Darm schaden.

  • Tierisches Fett: Eine fettreiche Ernährung wirkt sich negativ auf die Vielfalt des Mikrobioms aus. Vor allem rotes Fleisch sowie geräucherte und gepökelte Fleischwaren sollten nur selten verzehrt werden. Entscheidend ist auch die Qualität des Fleischs: Insbesondere Fleisch aus Massentierhaltung weist oft Spuren von Antibiotika auf, die dann in unserem Darm landen.
  • Alkohol: Zu viel Alkohol schadet der Darmflora und bringt die Verdauung aus dem Takt. Und nicht nur das. Auch das Risiko für Darmkrebs steigt bei regelmäßigem Alkoholkonsum. Es lohnt sich also, auch mal dankend abzulehnen und alkoholfreie Tage einzulegen. Männer sollten maximal einen halber Liter Bier oder einen Viertelliter Wein (etwa 20 Gramm Alkohol) pro Tag trinken, Frauen nicht mehr als die Hälfte.
  • Zucker: Auch Zucker gehört zu den Feinden einer gesunden Darmflora, da dieser die Nahrungsgrundlage für krankmachende Bakterien und Pilze darstellt. Viel Zucker führt, genau wie Antibiotika, zu einer Veränderung der Darmbesiedlung und auch zu einer Veränderung der Darmschleimhaut. Dadurch kann der Darm seine Aufgabe nicht mehr richtig erfüllen.

Eine Störung der Darmflora, auch Dysbiose genannt, geht mit verschiedenen Symptomen einher. Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihre Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder einen Gastroenterologen. Der Arzt wird nach der Anamnese gegebenenfalls eine oder mehrere Stuhlproben ins Labor schicken. Die Analyse des Keimspektrums zeigt, wie die Situation Ihrer Mikroorganismen im Darm ist und ob eine Darmsanierung nötig ist.

Symptome einer gestörten Darmflora:

  • Blähungen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Verstopfung
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Darmsanierung: Darmflora aufbauen nach Antibiotika

Medizinische Antibiotika sind die stärkste Waffe gegen bakterielle Erkrankungen. Sie hemmen das Wachstum der Mikroorganismen. Die Einnahme von Antibiotika beeinflusst jedoch auch die natürliche Zusammensetzung der Darmbakterien negativ, denn das Medikament schwächt nicht nur die bakterielle Abwehr und die Verdauung, sondern begünstigt auch die vermehrte Entstehung von unerwünschten Darmpilzen.

Besser ist es deshalb Krankheitserreger im Darm auf schonende Weise mit natürlichen Stoffen anzugehen. Dazu gehören Oregano und Kapuzinerkresse. Sie bekämpfen Krankheitserreger im Darm und unterstützen so die darmeigene Immunabwehr. Auch Honig zählt mit seiner antibakteriellen Wirkung zu den Bio-Antibiotika. Er lindert Entzündungen im Darm. Heidelbeeren haben ebenfalls eine desinfizierende Wirkung und können getrocknet sogar Durchfall stoppen.

Um eine gestörte Darmflora zu reparieren, braucht es meist keine aufwendigen Therapien oder Arzneimittel. Oft hilft bereits eine Veränderung der Ernährungsweise. Es gibt, wie oben beschrieben, eine Vielzahl von Lebensmitteln, die beim Aufbau einer gesunden Darmflora helfen.

Manchmal ist die Darmflora allerdings soweit geschädigt, dass der Aufbau durch die Probiotika-Einnahme allein nicht ausreicht. Dann kann nach Absprache mit dem Arzt auch eine mehrwöchige Kur sinnvoll sein, um den Darm zu sanieren. Bei einer Darmsanierung wird das Verdauungssystem entgiftet und gereinigt. Ablagerungen, Giftstoffe und verhärteter Kot werden entfernt, wodurch den schädlichen Darmbakterien eine wichtige Lebensgrundlage genommen wird. Natürliche Hausmittel zur Darmreinigung sind zum Beispiel Flohsamenschalenpulver und Bentonit, eine Mineralerde.

  • Darmsanierung: Wie die Darmreinigung mit Hausmitteln funktioniert

Darmflora und Haut

„Unsere Haut ist durchaus auch ein Spiegel unseres Darms“, sagt Dr. Hans-Georg Dauer, Hautarzt aus Köln und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). „Wird die Darmflora negativ beeinflusst, lässt sich das oft am Zustand der Haut erkennen.“ Ist die Darmflora gestört – zum Beispiel nach der Einnahme von Antibiotika – kann es passieren, dass der Darm wichtige Nährstoffe nicht mehr aufnehmen und an den Körper weitergeben kann. „Darunter leidet dann der gesamte Organismus, auch die Haut“, sagt Dauer. „Es kann zu trockener, stumpfer Haut kommen, aber auch zu eingerissenen Mundwinkeln, Ekzemen, Nagelveränderungen mit Aufsplittern der Nagelplatte sowie Haarausfall.“

Ein kranker Darm hat aber nicht nur Probleme mit der Aufnahme wertvoller Nährstoffe. Auch krankmachende Darmbakterien und Pilze können sich vermehren und Giftstoffe produzieren. Diese bringen nicht nur die Verdauung aus dem Gleichgewicht, sondern können auch die Haut beeinflussen. Hautkrankheiten wie Akne, Neurodermitis und Schuppenflechte sowie Allergien werden immer wieder mit einer kranken Darmflora in Verbindung gebracht.

Doch wie kann man feststellen, ob ein kranker Darm hinter den Hautproblemen steckt? „In der Dermatologie werden bestimmte Enzyme und Antikörper des Magen-Darm-Kanals untersucht, die Hinweise auf Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln geben“, erklärt der Dermatologe. Dadurch kann der Arzt beispielsweise eine Glutenunverträglichkeit, eine Histaminintoleranz oder eine Allergie gegenüber bestimmten Eiweißstoffen in der Nahrung erkennen.

Bei ständigen Hautproblemen ist neben dem Besuch bei einem Hautarzt auch der Gang zu einem Gastroenterologen ratsam. Ist ein kranker Darm die Ursache für die Beschwerden, greifen Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen aus der Dermatologie und der Gastroenterologie für die Therapie ineinander.

  • Schlankmachende Darmbakterien: Wie die Darmflora das Gewicht beeinflusst
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  • Darmsanierung bei Pilzbefall: So funktioniert die Candida-Diät
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  • Test und Ernährungstipps: Wie Sie einen Reizdarm erkennen und behandeln

Darmflora und Gehirn

Nicht nur der Kopf hat ein Gehirn, auch der Darm! Er verfügt über viele Millionen Nervenzellen, die ähnlich agieren wie jene im Gehirn – Fachleute sprechen deshalb auch vom Darm- oder Bauchhirn bzw. der Darm-Hirn-Achse. So kann eine gestörte Darmflora die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen oder sogar zu psychische Störungen und neurologische Erkrankungen führen. Menschen mit einer Darmerkrankung wie dem Reizdarmsyndrom oder Morbus Crohn leiden deshalb nicht selten auch unter Angststörungen oder Depressionen. Umgekehrt kann das Mikrobiom auch die Entstehung von Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Parkinson begünstigen.

Darmsanierung nach Antibiotika-Einnahme

Darmsanierung ist eine alternativmedizinische Methode zur Stärkung der Darmflora und diese ist essentiell für unsere Gesundheit. Daher soll die Darmsanierung helfen, nach Antibiotika-Einnahme schädliche Bakterien auszuscheiden und gesundheitsfördernde Bakterien wieder anzusiedeln. Diese Idee klingt logisch, aber die Vorgänge im Darm sind sehr komplex. Dieser Artikel stellt von der Wissenschaft akzeptierte Ergebnisse zum Zusammenspiel von Antibiotika und Darmflora dar. Wir beleuchten die Schnittpunkte der Schul- und alternativen Heilmedizin und erklären, welche Patienten von einer Darmsanierung nach Antibiotika-Einnahme profitieren können.

Wie wirken Antibiotika auf die Darmflora?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn unser Wissen über die Darmflora ist bis heute sehr begrenzt. Jeder von uns trägt mehr als 35.000 verschiedene Spezies und insgesamt über 100 Billionen Bakterien in sich. Die bedeutendsten Veränderungen der Darmflora erleben wir während der Kindheit und des Alters. Allerdings sind diese Veränderungen schwer messbar und Langzeitdaten fehlen. Einige Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass unter Antibiotikagabe die Bakterienvielfalt (Diversität) abnimmt. Allerdings ist bisher unklar, welche langfristigen Auswirkungen das auf unseren Körper hat. Man geht aber davon aus, dass eine verringerte Bakterienvielfalt in der Darmflora die Gesundheit negativ beeinflusst. Deshalb sollten Antibiotika sehr verantwortungsvoll und nur in Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden.

Welche Risiken bergen Antibiotika für die Darmflora?

Resistenzen und Darmentzündungen durch Antibiotika

Antibiotika töten nicht alle Bakterienstämme gleichermaßen. Abhängig vom Wirkmechanismus werden gezielt Bakterien mit bestimmten Eigenschaften angegriffen. Breitspektrum-Antibiotika töten besonders viele Bakterienstämme und werden eingesetzt, wenn der Erreger Resistenzen aufweist oder gar unbekannt ist. Von Resistenzen spricht man, wenn nur noch wenige oder keine Antibiotika gegen ein Bakterium wirken. Breitspektrum-Antibiotika erhöhen außerdem das Risiko für eine Infektion mit dem Bakterium Clostridium difficile. Normalerweise führt Clostridium difficile im Dickdarm zu keinen Beschwerden. Nur bei starker Dysbalance überwuchert das Bakterium plötzlich und verursacht zum Teil lebensgefährliche Durchfälle und Darmentzündungen (pseudomembranöse Kolitis). Das Risiko einer solchen Infektion ist bei älteren oder abwehrgeschwächten Menschen nach Krankenhausaufenthalten und mehrwöchiger Antibiotika-Einnahme am höchsten. In manchen Fällen wirken hier nur noch riskante Stuhltransplantationen (FMT).

Übergewicht, Asthma und Allergien durch Antibiotika

In Tierexperimenten hat man gezeigt, dass Dysbalancen (Dysbiose) in der Darmflora mit Übergewicht, Allergien, psychischen Erkrankungen und Darmproblemen in Verbindung stehen. In gängigen Erklärungsansätzen spielt unser Abwehrsystem eine zentrale Rolle, denn eine veränderte Darmflora sendet neue Signale an ihre Umgebung. Abwehrzellen bekommen andere Informationen und aktivieren Entzündungsprozesse. Die genauen Mechanismen sind wenig verstanden. Beim Menschen ist eine solche Ursache-Wirkungs-Beziehung bisher nicht eindeutig erwiesen.

Übergewicht

Die Darmflora hilft bei der Verdauung und Resorption von Nahrungsbestandteilen. Sterile Labormäuse ohne Darmflora nehmen weniger an Gewicht zu als ihre Artgenossen. Bei Menschen sind sowohl eine Gewichtszunahme als auch -abnahme durch Antibiotika möglich. Einzelne Wissenschaftler probieren derzeit ausgewählte Antibiotika als therapeutische Maßnahme bei schwer unterernährten Kindern. Ziel ist eine veränderte Darmflora, die vermehrt Nährstoffe aufnimmt.

Asthma und Allergien

Patienten mit Asthma und Allergien reagieren durch ungewollte Aktivierung ihres Abwehrsystems. Man unterscheidet das angeborene und erworbene Abwehrsystem, die miteinander kommunizieren. Zellen des angeborenen Abwehrsystems reagieren unspezifisch auf ihre Umgebung, indem sie Entzündungsmediatoren ausschütten, wenn sie etwas als fremd erkennen. Das erworbene Abwehrsystem wird spezifisch geschult und lernt zuerst die ungefährliche Umwelt kennen. Die Zellen haben über den Darm, die Lunge und die Haut Kontakt zur Umwelt – alle drei Organe besitzen eine Bakterienflora. Wie ein Antibiotikum über den Darm diese komplizierten Interaktionen beeinflusst, darüber können Wissenschaftler derzeit nur spekulieren.

Wer braucht eine Darmsanierung?

Unter der Annahme, dass Antibiotika die Darmflora schädigen, empfiehlt die alternative Medizin eine Darmsanierung. Schulmedizinisch wird eine Darmsanierung nach Antibiotika-Einnahme nicht empfohlen, da ihre positiven und negativen Effekte nicht ausreichend untersucht sind. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse gehen davon aus, dass bei Gesunden folgende Faktoren Einfluss auf die Zusammensetzung der Darmflora haben:

  • Genetik
  • Ernährung
  • Umwelt
  • Frühe Lebensereignisse
  • Medikamente (nicht nur Antibiotika)

Bei Patienten mit Dysbalance der Darmflora empfiehlt die Schulmedizin in erster Linie eine Ernährungsumstellung.

Antibiotika können als Nebenwirkung Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen. Ein Arzt wechselt dann das Medikament oder setzt es ab. Dies ist jedoch nicht immer möglich, denn eine gefürchtete Komplikation bakterieller Infektionen ist die Blutvergiftung (Sepsis). Bakterien gelangen ins Blut und rufen eine schwere Abwehrreaktion des gesamten Körpers hervor. Dann kann die Behandlung mit Antibiotika lebensrettend sein und darf nicht ohne Abwägung aller medizinischer Risiken beendet werden.

Können Kinder von einer Darmsanierung nach Antibiotika-Einnahme profitieren?

Bei beschwerdefreien Kindern sollte keine Darmsanierung durchgeführt werden. Der Nutzen einer solchen Maßnahme nach Antibiotikagabe ist auch bei Kindern zu wenig erforscht. Generell werden Medikamente und medizinische Eingriffe an Kindern zurückhaltender eingesetzt, da die Risiken wesentlich schwerer abzuschätzen sind als beim Erwachsenen.

Wichtig für eine gesunde Darmflora ist eine ausgeglichene Ernährung mit genügend Vitaminen, Mineralstoffen und möglichst wenig Zucker. Zur Gewichtsreduktion bei Kindern zeigen Ernährungsumstellung und Bewegung die besten Ergebnisse. Unsere zertifizierten Ernährungsberater bieten Kurse für alle Altersgruppen an. .

Wie verändert Ernährung die Darmflora?

Eine qualifizierte, darmfreundliche Ernährung ist die beste und schnellste Methode, die Darmflora wieder in Balance zu bringen. Nahrungsbestandteile fördern und hemmen das Wachstum von Bakterien in unserem Darm. Die gesunde mediterrane Ernährung fördert das Wachstum folgender Bakterienstämme:

  • Bifidobakterien
  • Bakteroides
  • Laktobazillen
  • Eubaktierien
  • Prevotella

Auch die westliche Ernährung (mehr tierische Proteine und Fette, weniger Ballaststoffe) begünstigt Bakteroides. Andere bekannte Bakterienstämme nehmen hingegen ab:

  • Bakteroides
  • Enterobakterien
  • Bifidobakterien ↓
  • Laktobazillen ↓
  • Eubakterien ↓

Experten diskutieren die gesundheitsschädlichen Auswirkungen der Zusammensetzung der Darmflora bei der westlichen Ernährungsweise.

Die folgende Tabelle stellt die aktuellen Erkenntnisse zum Einfluss der einzelnen Nahrungsbestandteile auf das Bakterienwachstum dar. Welche biologischen Konsequenzen sich daraus ergeben, ist nicht abschließend geklärt. Allein die Identifikation von Bakterienstämmen ist nicht ausreichend zur Beurteilung von gesund und ungesund.

Nahrungsbestandteil Bakterien-Wachstum Bakterien-Rückgang Konsequenz
Ungesättigte Fettsäuren Streptokokken
Laktobazillen
Bifidobakterien
Akkermansia muciniphila
? Cholesterol und LDL-Werte sinken
Gesättigte Fettsäuren Bakteroides
Bilophila
Faekalibakterium prausnitzii
? Insulinsensitivität sinkt
Pflanzliche Proteine Laktobazillen
Bifidobakterien
Bakteroides
Clostridium Perfringes
Stärkung der Darmbarriere, entzündungs-hemmend
Tierische Proteine Bakteroides
Bilophila
Alistipes
Ruminococcus
Bifidobakterien Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Reizdarmsyndrom
Zucker und Kohlenhydrate Bifidobakterien
Laktobazillen (nur Laktose)
Clostridien (nur Laktose) Verbessterte Laktoseverdauung
Süßstoffe Bakteroides Bifidobakterien
Clostridien
Laktobazillen
Insulinsensitivität sinkt
Ballaststoffe Laktobazillen
Bifidobakterien
? Stärkung der Darmbarriere
Polyphenole Bifidobakterien
Laktobazillen
Klostridien
Salmonella typhimurium
Staphylokokkus aureus
?

Tab. 1: Nahrungsmittelbestandteile und ihre Wirkung auf die Darmflora

Wer eine Ernährungsumstellung anstrebt, kann ein kostenloses Erstgespräch mit unseren zertifizierten Beratern vereinbaren. Der Therapiekurs wird von den Krankenkassen erstattet, wobei der Eigenanteil bei nur 16,40€ pro Sitzung liegt. .

Welche Mittel werden zur Darmsanierung nach Antibiotika-Einnahme eingenommen?

Substanz / Extrakt Mechanismus
Flohsamenschalen
Leinsamen
Zeolith
Bentonit
vergrößert Stuhlvolumen durch Aufquellen in Wasser
Probiotika siedelt gesundheitsfördernden Bakterien im Darm an
Präbiotika (nach WHO) dient als Nahrung von gesundheitsfördernden Bakterien
Verdauungsenzyme bauen Nahrungsbestandteile ab
Bromelain (in Ananas)
Kamille
wirkt anti-entzündlich und fördert Verdauung
Echtes Süßholz wirkt anti-entzündlich und hat beruhigenden Effekt auf schleimproduzierende Zellen der Darmwand
Klettenwurzel verbessert Leber- und Verdauungsfunktion
Purgier-Kreuzdorn fördert Stuhlgang
Gentian Bachblüte fördert Abgabe von Verdauungssekreten
Ingwer fördert Verdauung und Blutfluss zu den Bauchorganen
Mariendistel hilft bei Leberentgiftung, fördert Gallenfluss
Kurkuma wirkt anti-entzündlich, schützt vor Zellstress, fördert Leber- und Verdauungsfunktion
Krauser Ampfer Cereinigt Blut, fördert Leberfunktion, hat leicht abführende Wirkung, wirkt anti-entzündlichll
Artischockenblatt fördert Gallenfluss und hilft bei Leber-Entgiftung

Tab. 2: Häufig eingesetzte Mittel zur Darmsanierung in der Alternativmedizin und ihre Wirkmechanismen

Abführmittel nach Antibiotika-Einnahme

Der Mensch braucht seinen Stuhlgang zur Ausscheidung von Nahrung und Stoffwechselprodukten. Die bekanntesten Abführmittel aus der Alternativmedizin sind Flohsamen, Flohsamenschalen und Leinsamen. Das sind Quellstoffe, die das Volumen im Darm vergrößern und folgende Effekte haben:

  • harter Stuhl wird weicher
  • flüssiger Stuhl wird fester

In der Schulmedizin finden sie Anwendung bei unterschiedlichen Erkrankungen und Symptomen:

Flohsamenschalen

  • (chronische) Verstopfung
  • Reizdarmsyndrom mit Durchfall

Leinsamen

  • (chronische) Verstopfung
  • Reizdarmsyndrom mit Verstopfungen
  • Reizmagen
  • Erkrankungen, die weichen Stuhl erforderlich machen (z.B. Hämorrhoiden)

Bei der Einnahme muss auf eine ausreichende Trinkmenge und auftretende Nebenwirkungen geachtet werden. Flohsamen sind bei Kindern erst ab zwölf Jahren, Leinsamen ab sechs Jahren zugelassen. Bei Schwangeren und Stillenden sind Leinsamen sogar kontraindiziert. Die Medikamente sind nach Antibiotika-Einsatz bei Patienten ohne Magen-Darm-Beschwerden nicht empfohlen.

Probiotika nach Antibiotika-Einnahme

Gebräuchliche Probiotika sind Laktobazillen, Bifidobakterien und Trockenhefe. Sie stellen eine Therapieoption für Erwachsene und Kinder bei Verstopfung, Durchfall und Reizdarmsyndrom dar. Der Einsatz von Probiotika bei anderen Erkrankungen ist noch umstritten, da aufgrund der Studien-Designs meist keine Empfehlung zu konkreten Präparaten, Dosierungen und Einnahmedauer gegeben werden kann. Gleiches gilt für die gemeinsame Verschreibung von Probiotika und Antibiotika, obwohl erste positive Effekte nachgewiesen sind. Unklar ist, welche Patienten für eine „Kombi-Therapie“ aus Antibiotika und Probiotika geeignet sind.

Präbiotika nach Antibiotika-Einnahme

Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) definiert Präbiotika als nicht-verdaubare Nahrungsbestandteile, die das Wachstum gesundheitsfördernder Mikroorganismen fördern. Sie veröffentlichte 2017 eine Liste an Molekülen, die sie als Präbiotika anerkennt:

  • Galakto- und Frukto-Oligosacharide
  • Polydextrose
  • Laktulose
  • Inulin

Ein gesundheitsfördernder Effekt nach Antibiotikaeinnahme ist auch für Präbiotika nicht nachgewiesen. Zudem fehlt es – wie bei den Probiotika – an Studien, um konkrete Empfehlungen auszusprechen. Präbiotische Marktprodukte enthalten häufig Substanzen, die nicht zur WHO-Definition passen, darunter weitere Pflanzenstoffe, körpereigene Verdauungsenzyme und Mineralerden. Sie sind in wissenschaftlichen Fachkreisen umstritten, da ihre gesundheitsförderdenden Wirkungen nicht ausreichend belegt sind.

Was sind die Methoden der Zukunft?

Spezifischere Antibiotika

Fünf neue Antibiotikaklassen wurden in den letzten 15 Jahren in Deutschland zugelassen. Sie richten sich ausdrücklich gegen meist im Darm angesiedelte Problemkeime (resistente Bakterien), bei denen andere Antibiotika nicht mehr wirken. Diese Problemkeime können ihre DNA-Stücke an andere Bakterienstämme weitergeben, wodurch neue resistente Bakterien entstehen. Nach Antibiotika-Einnahme sind Problemkeime verhältnismäßig stärker vertreten und die Entstehung neuer Resistenzen wird somit begünstigt. Neue Forschungsansätze versuchen daher spezifischere Antibiotika zu entwickeln: Sie sollen gezielter das krankheitserregende Bakterium an seinem Schädigungsort bekämpfen und weniger die Darmflora angreifen.

Stuhltransplantation

Die Stuhltransplantation wird bei der Therapie von Clostridium-Difficile-assoziierter Diarrhö eingesetzt, wenn andere Maßnahmen unzureichend wirken. Die Darmflora dieser Patienten ist durch Antibiotika so geschädigt, dass unerwünschte Bakterien, die Clostridien, übermäßig heranwachsen konnten. Klassischerweise wird der Stuhl eines gesunden Spenders verflüssigt, gefiltert und anschließend in den Darm des Patienten eingeführt. Die Therapie zeigt hohe Erfolgsraten und wird bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ebenfalls versucht. In Deutschland laufen zudem Studien mit Patienten, die schluckbare Kapseln einnehmen, die aufbereiteten Stuhl enthalten. Das macht die Übertragung von Darmflora leichter. Da man die Darmflora nur in Ansätzen verstanden hat, kann man heute noch nichts über die übertragenen Risikofaktoren und Langzeitfolgen von Stuhltransplantationen sagen. Deshalb ist abzuwarten, ob sie in Zukunft eine breitere Anwendung finden.

Quellen

Gesundheits-Irrtümer: Wie sich die Abwehrkräfte wirklich stärken lassen

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Es gibt Menschen, die im Winter nackt in einen See steigen und dadurch offensichtlich nicht krank werden. Man sagt, sie seien abgehärtet. Andere schwören auf regelmäßige Saunabesuche, um alles auszuschwitzen. Und die Werbung verspricht optimistisch, dass süße Molkegetränke die Abwehrkräfte aktivieren.

Der Wunsch scheint groß zu sein, den Körper mit allerlei Tricks und Helfern widerstandsfähiger zu machen. Aber lässt sich das, was wir Immunsystem nennen, überhaupt so leicht beeinflussen?

„Das Immunsystem besteht aus verschiedenen Zellen und löslichen Faktoren, die Krankheitserreger und Tumorzellen abwehren“, erklärt Hajo Haase vom Institut für Immunologie an der Uniklinik der RWTH Aachen.

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Wenn Krankheitserreger die natürlichen Barrieren des Körpers wie Haut oder Schleimhäute überwinden, sorgen Immunzellen dafür, dass sie unschädlich gemacht werden und sich nicht vermehren.

„Immunzellen sind ein Abwehrmechanismus gegen alles Körperfremde“, erläutert Karsten Krüger vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Gießen. Und Prof. Stefan Meuer, Direktor des Instituts für Immunologie an der Universität Heidelberg, ergänzt: „Das Immunsystem ist wie die Polizei, die Streife laufen muss.“

Ein gutes Immunsystem sorge dafür, dass der Mensch nicht krank wird, sagt Haase. Außerdem greift es keine harmlosen Fremdkörper und körpereigenen Strukturen an – es reagiert sozusagen nicht über. „Wenn es gut gesteuert ist, bekämpft es nur echte Angreifer.“

Immunsystem ist sehr robust

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Immunologe Meuer belächelt das allzu verbissene Ringen um gute Abwehrkräfte: „Die Leute sollten sich nicht so viele Sorgen um das Immunsystem machen, das ist sowas von robust.“ Und die Wissenschaft verstehe noch zu wenig davon, um ganz gezielt Einfluss zu nehmen.

Dass die Ernährung eine Wirkung auf die Abwehrkräfte hat, ist jedoch unstrittig. „Eindeutig ja, aber wir wissen noch nicht wie“, sagt Meuer. Im Darm jedes Menschen säßen Billionen von Bakterien, die die Nahrung verstoffwechseln. Die Zusammensetzung der Bakterien – das sogenannte Mikrobiom – sei aber von Mensch zu Mensch verschieden.

„Gezielte Veränderungen durch die Ernährung lassen sich erst erfassen, wenn man das Mikrobiom entschlüsselt hat.“ Das kann noch ein paar Jahre dauern. „Derzeit sind die meisten Geheimtipps zur Ernährung reine Spekulation.“

Hühnersuppe wirkt nur kurzfristig

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Eine gesunde Ernährung ist dennoch wichtig für gute Abwehrkräfte – nur lässt sich durch einzelne Lebensmittel kein gezielter Einfluss nehmen. Beispiel Hühnersuppe: Der Körper bekommt Nährstoffe, Salz und etwas Warmes. „Man fühlt sich in dem Moment besser“, sagt Haase. „Aber Hühnersuppe wirkt sich eher kurzfristig auf den Allgemeinzustand aus – das Immunsystem wird davon nicht beeinflusst.“

Wie der restliche Körper auch müsse das Abwehrsystem bestimmte Nährstoffe bekommen, erläutert Haase. „Lassen Sie zum Beispiel Zink weg, dann sehen Sie ganz klar, welche Zellen fehlen und welche Abwehrmechanismen ausfallen.“

Auch Kupfer, Eisen oder Vitamine wie A, C, D und E seien wichtig – im Prinzip das, was zu einer ausgewogenen Ernährung gehört. „Sicher ist, dass normale Mischkost einen maximalen Effekt auf das Immunsystem hat“, sagt Krüger.

Abhärten hat keinen Einfluss

Und wie sieht es mit dem sogenannten Abhärten durch Saunieren, kalte Bäder oder Spaziergängen im Nieselregen aus? Die Mediziner winken ab: „Es gibt keine einzige wissenschaftliche Untersuchung, die belegt, dass das Abhärten einen Einfluss auf das Immunsystem hat“, stellt Meuer fest.

Ein positiver Effekt lässt sich trotzdem erzielen: „Wer regelmäßig in die Sauna geht oder Kaltwasserbäder nimmt, bekommt eine bessere Thermoregulation“, erklärt Krüger. Dadurch kühle der Körper im Sommer leichter ab und schone im Winter seine Wärmekapazitäten. „Dazu gehört aber mehr, als im Regen spazieren zu gehen. Der Effekt wird wissenschaftlich erst sichtbar, wenn man in die Extreme geht.“

Ebenfalls unstrittig ist der positive Einfluss von Sport auf die Abwehrkräfte: „Moderates Training – also Schwimmen, Radfahren oder Joggen – stärkt das Immunsystem unabhängig von Regen, Schnee oder Sonne“, sagt Sportmediziner Krüger.

Training stimuliert Immunsystem

„Wir gehen davon aus, dass wir mit jedem Training das Immunsystem ein bisschen reizen und dadurch stimulieren. Dann funktioniert es besser.“ Das lasse sich an einzelnen Immunzellen zeigen, aber auch an der Infektrate.

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„In den Lymphknoten treffen die Immunzellen auf die Erreger“, erklärt Haase. Lymphflüssigkeit werde aber nur durch die Muskelbewegungen transportiert. „Inaktivität ist deshalb schlecht. Konstante 22 Grad und Sitzen sind vollkommen atypisch und nicht der Normalzustand, für den das Immunsystem entworfen wurde.“

Vor allem zwei Faktoren lassen sich also steuern, um den Körper fit gegen Krankheitserreger zu machen: ausgewogene Ernährung und körperliche Bewegung. Einen wichtigen Effekt auf die Immunabwehr hat auch die Psyche.

Bei dauerhaftem Stress schütte der Körper vermehrt Kortisol aus, was das Immunsystem unterdrückt, erläutert Meuer. „Psychisches Wohlbefinden ist deshalb sehr wichtig.“

Eine kurzfristige Verbesserung des Immunsystems lässt sich dagegen nicht mit Erkältungspillen aus der Apotheke erzielen. „Einige pflanzliche Wirkstoffe können sehr effektiv sein, aber es gibt keine einzelne Pflanze, die man über ein Mittelchen aufnimmt, und dann geht es dem Immunsystem besser und man wird seltener krank“, stellt Haase klar. „Aber der Placebo-Effekt ist unglaublich machtvoll.“

Wie Babys Immunsystem funktioniert

Pollen, Bakterien, Viren: Schon Babys müssen sich wehren – dabei hilft ihnen das Immunsystem. Wir zeigen Ihnen, wie der natürliche Schutzwall funktioniert

In den ersten Monaten ist es noch unvorstellbar: Wie kann dieser quietschfidele, rotbackige Wonneproppen überhaupt krank werden? Natürlich weint er auch mal, aber nur, weil er Hunger hat oder müde ist. Und dann, plötzlich, mit zehn Monaten: die Nase läuft, das Baby ist quengelig und fiebert. Und kaum ist das überstanden, kommt die nächste Erkältung beim Baby – und die Eltern werden über Nacht zu Experten im Fieberzäpfchen- und Nasentropfenverabreichen.

Das Gedächtnis des Immunsystems

Alles ganz normal. Denn wenige Monate nach der Geburt hat das Baby keinen Nestschutz mehr, das heißt, die Antikörper, die es von der Mutter mitbekommen hat, sind „aufgebraucht“. Jetzt beginnt das Training fürs eigene Immunsystem. Das kann – vor allem für die Eltern – hart sein. Bis zu zwölf leichte Infekte wie Schnupfen oder Husten beim Baby pro Jahr sind normal. „Wenn die sich auf die kalte Jahreszeit konzentrieren, kann der Eindruck entstehen, das Kind sei immer krank“, sagt Dr. Carsten Speckmann von der Uniklinik Freiburg. Dabei trainiert es „nur“ seine Abwehr.
Bei der Geburt ist für sie zwar alles angelegt, aber ihr „Gedächtnis“, also die Immunität, fehlt noch. Und die sorgt dafür, dass man nicht an einem Erreger zweimal erkrankt. Denn über diese Gedächtnisfunktion werden schon einmal bekämpfte Erreger, seien es Bakterien oder Viren, erkannt und unschädlich gemacht.

Das Immunsystem muss lernen

„Das Immunsystem muss lernen“, sagt Speckmann. Und das kann es nur, wenn es mit vielen Antigenen aus der Umwelt in Kontakt kommt. Das heißt, mit Keimen in Hausstaub, Bakterien im Matsch und Viren anderer Kinder. „Salopp kann man sagen: Dreck macht Speck“, erklärt Prof. Werner Solbach vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene der Uniklinik Schleswig-Holstein.

Gesundheit

Babykrankheiten: Tipps, wenn das Baby krank ist

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Manchmal bemerken wir gar nicht, wenn sich das Immunsystem gegen Erreger wehrt: Dann treten trotz Infektion keinerlei Symptome einer Krankheit auf. Experten sprechen auch von der „stillen Feiung“, einer Immunisierung ohne Krankheitsanzeichen. Das Immunsystem hat also ganz im Stillen wieder etwas dazugelernt. „Über 95 Prozent der Infektionen bemerken auch wir Erwachsene nicht. Zum Beispiel wird beim Zähneputzen regelmäßig die Mundschleimhaut verletzt, und es dringen Keime ein. Und das Immunsystem bildet Antiköper dagegen“, sagt Solbach.

So erkennen Sie Abwehrschwächen

Ist das Baby immerzu krank, kann eine Abwehrschwäche die Ursache sein. Woran Sie die erkennen.

So erkennen Sie eine Abwehrschwäche beim Baby

Was aber angeboren sein kann: eine Abwehrschwäche. „Doch diese Fälle sind selten“, versichert Speckmann. „Meistens haben Kinder mit einer Abwehrschwäche oft Infekte, die einen Krankenhausaufenthalt nötig machen. Ein Alarmzeichen kann zum Beispiel sein, wenn ein Kind im ersten Lebensjahr wiederholt schwere Erkrankungen wie eine Lungenentzündung hatte.“ Oft kann es sich aber auch nicht um einen Immundefekt, sondern um ein anatomisches Problem handeln. „Ein Hinweis dafür ist, wenn ein Kind immer wieder gleiche Erkrankungen durchmacht – z.B. eine Mittelohrentzündung immer nur auf einer bestimmten Seite.“
Lesen Sie mehr in unserem Lexikon: Kinderkrankheiten.

Infekt-Tagebuch verschafft Überblick

Ein Tipp des Mediziners, der in der Immundefektambulanz Freiburg arbeitet: Wenn Sie denken, Ihr Kind habe zu viele Infekte, führen Sie ein Infekt-Tagebuch. „Darin sollte stehen: Welche Symptome hat mein Kind? Hat es Fieber? Trinkt es schlecht?“ Wichtig ist auch, nach Erkrankungen in der Familie zu forschen. Hat jemand Asthma? Kann es sein, dass die häufigen Bronchitis-Erkrankungen mit einer Neigung zu Asthma zusammenhängen? Solche Fragen können mit dem Kinderarzt gemeinsam geklärt werden. „Häufig ist es dann aber doch der Fall, dass das Kind in den normalen Bereich von acht bis zwölf leichten Infektionen pro Jahr fällt.“ Dazu gehört, dass das Kind etwa jeweils vier bis fünf Tage Husten und Schnupfen hat. Die Krankheiten können auch von Fieber begleitet sein. „Das muss aber nicht immer schlimm sein. Es gibt Kinder, denen es mit 39 Grad Fieber noch gut geht. Zum Kinderarzt sollte man gehen, wenn das Kind unter einem Jahr ist oder einen schlappen Eindruck macht.“

Dem Immunsystem schaden Antibiotika nicht

Viele Eltern scheuen den Einsatz von Antibiotika bei Ihrem Kind, aus Angst vor schädigenden Wirkungen. In manchen Fällen bleibt dem Kinderarzt aber keine andere Möglichkeit, als die Behandlung mit einem Antibiotikum.

Viele Infekte werden mit Antibiotika behandelt, zum Beispiel eine Mittelohrentzündung. Können die Medikamente das Immunsystem schwächen? „Vernünftig eingesetzt: nein. Aber zu viel Antibiotika, vor allem unbegründet eingesetzt, führen zur Züchtung resistenter Bakterien“, sagt Volker Wahn. Und gegen die helfen Antibiotika nicht mehr. Sein Rat: „Man sollte sie daher nur zur Behandlung von sicher durch Bakterien verursachten Infektionen einsetzen.“
Allerdings bleibt oft nicht viel anderes übrig, als sich auf die Diagnose des Kinderarztes zu verlassen. „Meist hat der aber genug Erfahrung, um die Notwendigkeit von Antibiotika sicher einschätzen zu können“, erklärt Speckmann. Eine geplatzte eitrige Mittelohrentzündung etwa sollte immer mit einem Antibiotikum behandelt werden. Ebenso Scharlach, gegen das es keine Impfung gibt. Die Infektion mit Streptokokken kann sonst zu Herz- und Nierenschäden führen.
Die Behandlung stört das Immunsystem aber nicht. Im Gegenteil: „Die Antibiotika töten Erreger und helfen so dem Immunsystem“, erklärt Werner Solbach. Und Volker Wahn betont: „Jede durchgemachte Infektion beim Immungesunden führt über das immunologische Gedächtnis zu bleibendem Schutz, der oft viele Jahre anhält.“ Auch eine Infektion, die mit Antibiotika behandelt wurde. Aber: Sie können die Darmflora schädigen und zu Durchfall führen. Wenn Antibiotika-Behandlungen über zwei oder mehrere Monate ohne Effekt bleiben, kann das auch ein Hinweis auf eine Immunschwäche sein, also ein Warnzeichen, das mit dem Kinderarzt besprochen werden sollte.

Das Immunsystem muss reifen

Das Immunsystem muss reifen, wie die meisten Organe auch. Dafür braucht es Infekte, um sich mit verschiedenen Viren, Bakterien und Pilzen auseinandersetzen zu können. Und es braucht viel Zeit. „Kinder haben deshalb mindestens bis zum Schulalter mehr Infekte als Erwachsene“, sagt Carsten Speckmann von der Uniklinik Freiburg. Kein Wunder – gibt es doch immer wieder neue Krankheitserreger, mit denen der Körper konfrontiert wird.

Was dem Immunsystem schadet und was ihm nützt

Hier lesen Sie, warum Rauch und Feinstaub Babys Immunsystem und seine Organe belasten und warum sich Impfungen positiv auf das Immunsystem auswirken.

Feinstaub und Zigarettenrauch schaden Babys Immunsystem

Wenn schon nicht ganz sicher ist, was dem Immunsystem hilft, so kann man doch sagen, was ihm schadet. Zigarettenrauch und Feinstaub zum Beispiel. Wobei sich diese eher direkt auf die Organe als aufs Immunsystem auswirken. „Feinstaub oder Rauch kann in die Lungenbläschen eindringen und zu Entzündungen führen“, erklärt Werner Solbach. „Wenn zu viel Rauch eingeatmet wird, funktioniert auch der Schleimtransport von Bakterien nach außen nicht mehr richtig. Deshalb können leichter Infekte auftreten“, ergänzt Speckmann. Daher sollte wenigstens zu Hause und im Auto nicht geraucht werden!
Auch Schimmelpilze in der Wohnung können die Gesundheit beeinträchtigen, wenn die Sporen eingeatmet werden, und die Lunge schädigen. Auch hier ist zwar nicht das Immunsystem direkt betroffen, aber wenn es noch nicht vollständig ausgereift ist, ist es auch anfälliger für Schadstoffe.
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin rät, die Wohnung regelmäßig ausreichend zu lüften, die Raumtemperatur im Schlafzimmer des Kindes auf 18 Grad zu drosseln und täglich für eine halbe bis eine Stunde mit dem Kind an die frische Luft zu gehen.

Impfen wirkt sich positiv auf das Immunsystem aus

Impfungen fördern das Immunsystem. „Das ist Immunjogging. So wird das Immunsystem auf Trab gehalten“, sagt Werner Solbach. Denn mit der Impfung wird eine milde Infektion simuliert, gegen die das Abwehrsystem einen Schutzschild entwickelt. Der Vorteil: Die starken Krankheitssymptome bleiben aus. „Und eine schwere Krankheit trainiert das Immunsystem auch nicht besser als eine Impfung“, erklärt Carsten Speckmann.

Von Anfang an beste Voraussetzungen

Wie gesagt: Jeder Mensch ist bei der Geburt mit allen Anlagen ausgestattet, die das Immunsystem zum Reifen braucht. Aber wie kommt es, dass manche Kinder häufig Infekte haben, andere kaum? Kann es zum Beispiel sein, dass ein Kind mit mehr Fresszellen, die Keime unschädlich machen können, geboren wird? „Bei den sogenannten Normalwerten gibt es zahlenmäßige Schwankungen, die sich aber nicht klinisch auswirken“, sagt Volker Wahn von der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Immunologie. Das bedeutet: „Manche Kinder haben 2000 Zellen, andere 5000 – aber die mit 5000 müssen nicht gesünder sein“, sagt Carsten Speckmann. Es gibt eben Kinder, die zwölfmal im Jahr erkältet sind, und andere, die nur fünfmal pro Jahr krank werden. Warum das so ist, weiß man nicht: Beide Gruppen haben ein gleich intaktes Immunsystem.

Zusammen spielen fördert das Immunsystem

Ein bisschen Schmutz schadet nicht, so sagt man. Aber stimmt das? Ja, denn nur ein beschäftigtes Immunsystem lernt, mit Krankheitserregern umzugehen. Lese Sie hier mehr dazu.

Also heißt das erste Gebot: Babys ruhig früh mit anderen Kindern, mit Sand und Dreck in Kontakt kommen lassen. „Denn genauso wie man Kinder mental fördert, kann man auch ihr Immunsystem fördern. Indem man es möglichst viele Erfahrungen machen lässt – aber in dosierter Art und Weise. Das Immunsystem saugt die Informationen dann auf wie ein Schwamm.“
Das bedeutet auch: Zu viel Hygiene schadet dem Immunsystem eher. Und kann sogar die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass eine Allergie entsteht. Weil das Immunsystem dann plötzlich Stoffe abwehrt, die dem Körper eigentlich nicht schaden, wie Blütenpollen oder Tierhaare.

Ein beschäftigtes Immunsystem schützt vor Allergien

Zudem belegt eine Studie, dass Kinder aus der ehemaligen DDR, die früh eine Kinderkrippe besucht haben, nach der Wende weniger Asthma und Allergien hatten. Das kann also bedeuten: Wenn ein Kind viele Infekte durchmacht, wird sein Immunsystem „sinnvoll“ beschäftigt, sodass Allergien ausbleiben.
Für die Eltern heißt das auch: Keine Desinfektionsmittel verwenden. Milde Allzweckreiniger reichen für die Wohnung aus. Die Wickelauflage beispielsweise sollte nur mit Wasser gereinigt werden. Ist sie stark verschmutzt, kann man auch verdünnten Essig nehmen.

Stress stört die Balance des Immunsystems

Im Sommer hilft ein Platz im Schatten dem Immunsystem. Denn zu viel Sonnenbestrahlung überfordert es. „Bei langem Aufenthalt in der Sonne entstehen tote Zellen, die vom Immunsystem ,weggeräumt‘ werden müssen“, erklärt Werner Solbach. Und das bringt die empfindliche Balance des Systems durcheinander.
Ein gestörtes Gleichgewicht ist ein Grund, warum auch Leistungssportler oft kein robustes Immunsystem haben: „Wenn sie zu viel des Stresshormons Cortisol im Blut haben, kann die Balance zwischen guten und schlechten Immunreaktionen gestört werden. Das Mittelmaß ist deshalb das Beste“, sagt der Mediziner. „Vielfältigkeit, was die Auseinandersetzung mit Erregern betrifft, und eine ausgewogene Lebensweise unterstützen das Immunsystem optimal.“ Das gilt natürlich auch schon für die Allerkleinsten.

Diese Ernährung stärkt das Immunsystem

Lesen Sie hier, warum stillen so wichtig für Babys Immunsystem ist und welche Lebensmittel sich für die erste feste Kost eignen.

Stillen stärkt Babys Immunsystem

Das Beste, was eine Mutter für das Immunsystem ihres Babys tun kann, ist: Stillen. Besonders die Vormilch, die in den ersten 36 Stunden nach der Geburt gebildet wird, enthält einen hohen Anteil an Abwehrstoffen, die das Immunsystem der Mutter gegen Krankheiten gebildet hat und somit auch das Baby schützen. Diese Antikörper sind vor allem darauf spezialisiert, gegen Mikroorganismen vorzugehen, die die Schleimhäute befallen. Die Inhaltsstoffe der Muttermilch sorgen außerdem dafür, dass die Darmschleimhaut mit Bifidus-Bakterien besiedelt wird. Diese Bakterien schützen wiederum vor Magen-Darm-Infektionen. Auch aus diesen Gründen rät die Weltgesundheitsorganisation, Babys sechs Monate lang voll zu stillen.

Spurenelemente in fester Kost wichtig fürs Immunsystem

Aber auch wenn das Baby später feste Kost, die sogenannte Beikost, bekommt, sollte man auf die Ernährung achten. „Sie sollte viele Vitamine und Spurenelemente enthalten“, rät Prof. Volker Wahn, Leiter des ImmundefektCentrums der Charité in Berlin. Wichtige Spurenelemente fürs Immunsystem sind etwa Eisen, Zink und Selen. Eisen ist unerlässlich für die Bildung roter Blutkörperchen, unterstützt aber auch die Fresszellen dabei, Krankheitserreger abzuwehren. Somit stärkt es den ersten Schutzschild des Körpers.
Eisen steckt vor allem in Fleisch, aber auch in Getreide wie Hirse oder Roter Bete, Brokkoli und in Hülsenfrüchten. Zink hilft dem Körper, Antikörper zu produzieren. Es ist in Fleisch, Fisch und Vollkornprodukten enthalten. Selen schließlich unterstützt das Immunsystem dabei, Schwermetalle und Schadstoffe abzubauen. Es steckt zum Beispiel in Thunfisch und Getreideprodukten.
Damit sich das Immunsystem langsam an die neuen Nährstoffe und Eiweiße gewöhnen kann, sollte mit Beginn der ersten Breimahlzeit nur ein neues Lebensmittel pro Woche gegeben werden, etwa in der ersten Woche nur Karotte, dann Karotte und Kartoffel, später darf auch Fleisch darunter gemischt werden.

Äpfel, Karotten und Getreide schmecken auch dem Immunsystem

Eines der besten Argumente dafür, Kindern reichlich frisches Obst und Gemüse zu geben, ist, dass die enthaltenen Vitamine gut fürs Immunsystem sind. Vitamin C etwa hilft dem Körper dabei, Infekten vorzubeugen. Äpfel und Orangen sind also sinnvolle Zwischenmahlzeiten. Ein weiterer Vorteil des Vitamins: Es fördert die Eisenaufnahme. Gerade zu eisenhaltigen Speisen sollte daher ein Glas Saft gehören. Hilfreich für eine gesunde Abwehr ist daneben das Vitamin A in Karotten und Milch. Genauso wie VitaminE, das z.B. in Getreidekeimen und Pflanzenölen vorkommt.
Ähnlich positive Effekte werden probiotischen Joghurts nachgesagt. Zu Recht? „Ihre Wirkung ist nicht belegt“, sagt Carsten Speckmann. „Die Herstellung ist nicht so streng geregelt wie etwa bei Arzneimitteln. Stichproben zeigen, dass es erhebliche Schwankungen in der Zusammensetzung der Produkte gibt. Eine systematische Untersuchung ist daher nicht möglich.“ Außerdem sind wahrscheinlich nur wenige sogenannte Probiotika wirklich effektiv. „Bisher hat sich nur gezeigt, dass bestimmte Präparate die Dauer von Durchfallerkrankungen abkürzen können. Hierbei handelt es sich um Medikamente, die bei einer akuten Erkankungen gegeben werden – und nicht um dauernd einzunehmende Nahrungsergänzungmittel.“ Ob die überhaupt das Immunsystem stärken, werde noch wissenschaftlich untersucht, erklärt Experte Volker Wahn.

Das Immunsystem stärken ist manchmal leichter gesagt als getan, denn das kindliche Immunsystem kann mit einer naturgegebenen Infektionsneigung beschrieben werden. Während der Wachstumsphase eines Kindes, trainiert das Immunsystem ständig daran leistungsfähiger zu werden um sich gegen Viren und Bakterien zu wehren. Dabei können Eltern entscheidend Einfluss nehmen, den Körper zu stärken um für Schule, Sport und Hobby fit zu sein. Die Frage ist aber bleibt es bei einem Schnupfen und vielleicht nur etwas erhöhter Temperatur? Oder bekommt das Kind jedes Mal eine Mittelohrentzündung oder Bronchitis dazu? Braucht es regelmäßig Antibiotika? Doch niemand braucht ganz tatenlos zu zusehen, wenn das Kind wieder erkrankt. Schon einfache Maßnahmen helfen, das Immunsystem des Kindes fit zu halten.

Das Immunsystem stärken – Ernährung und ein Extra

Durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung können wir unseren Nährstoffbedarf gut abdecken und so das Immunsystem stärken. Das Angebot mit frischen und vitalstoffreichen Lebensmitteln ist reichhaltig und bietet viele Möglichkeiten für einen abwechslungsreichen Speiseplan. Hier muss jeder für seine Familie prüfen, ob die Versorgung optimal für sich und die Kinder gegeben ist. Denn es ist in der Tat nicht immer leicht im Alltag alles unter einen Hut zu bringen. In solchen Situationen ist es auch kein Problem mal zu einer Fast Food Variante zu greifen, und Kinder lieben diese Momente. Sie sollten nur eine besondere Ausnahme bleiben.

Allerdings steht dass Thema Ernährung nicht umsonst ganz oben in der Liste. Kinder bauen ihr Immunsystem erst auf. Säuglinge bekommen über das Stillen automatisch ihren perfekten Mix an Vitalstoffen und Schutzstoffen über die Muttermilch und können so ihr Immunsystem stärken. Soweit ist alles noch sehr einfach. Sobald zugefüttert wird geht es ins Detail.
Durch Bewegung und Wachstumsphasen ist eine kontinuierliche Zufuhr aller notwendigen Nährstoffe tagtäglich wichtig, denn eine ganzheitliche basische Ernährung kann nicht nur die Abwehrkräfte, sondern auch die Lernfähigkeit und Konzentration entscheidend verbessern.

Diese Nährstoffe sind kritisch bei Kindern

Studien zeigen insgesamt einen zusätzlichen Bedarf an Folsäure, Vitamin D, Calcium, sowohl bei Kindern als auch bei Jugendlichen. Sowie Vitamin A und E bei Kindern und Eisen bei Mädchen.
Auch die Ballaststoff Zufuhr ist zu gering. Demgegenüber ist zu Zufuhr von Zucker und zuckerhaltigen Getränken zu hoch und führt zu Übergewicht. Bei den guten Fetten sind die mehrfach ungesättigen Fettsäuren, wie Omega 3 nicht optimal versorgt.

Und wenn wir ehrlich sind, ist kaum eine Generation ohne eine zusätzliche Unterstützung von außen ausgekommen. Viele erinnern sich noch an den vielgeliebten Lebertran. Heute gibt es aber neue natürliche Möglichkeiten der Ergänzung in Bioqualität, die für Kinder perfekt geeignet sind und auch noch richtig lecker schmecken, wie das pflanzliche Multitaleen oder die Bio Beerenmischung Antioxidantien.

Immunsystem stärken heißt die Darmflora stärken

Das Immunsystem eines Kindes muss erst lernen, sich gegen feindliche Eindringlinge wie Viren und Bakterien zu wehren. Der wichtigste Grundstein ist die Darmflora, denn sie unterstützt das Immunsystem, indem sie verhindert, dass sich über die Nahrung aufgenommene Krankheitserreger im Darm ausbreiten und ins Blut übergehen. Mehr noch: Im Darm werden 80 Prozent aller Abwehrzellen gebildet. Da die Verdauung bereits im Mund beginnt ist auch gutes Kauen der Nahrung wichtig.

Diese Lebensmittel stärken die Darmflora

  • Ballaststoffe wie Obst und Gemüse
  • Kohlenhydrate mit Inulin aus der Topinambur, prebiotisch und verbessern die Ansiedelung der guten Bakterien im Darm
  • Kefir ist leichter verdaulich als Joghurt und hat wenig Laktose
  • Sauerkraut und milchsauervergorenes Gemüse
  • Koriander und Anis
  • Buttermilch
  • Hefe und Hefeflocken, probiotisch
  • Sprossen und gekeimtes Getreide
  • Polyphenole aus dunklen Beeren oder dunkler Schokolade

Trinken

Ausreichend trinken. Denn bei Flüssigkeitsmangel steigt die Infektionsgefahr und das Immunsystem wird schwächer. Viren und Bakterien können durch trockene Haut und Schleimhaut leichter in den Körper gelangen, dadurch wird das Immunsystem überwunden. Auch Harnwegsinfektionen und Verstopfung können die Folge sein. Die besten Durstlöscher sind Mineralwasser, Fruchtsaftschorlen und ungezuckerte Früchtetees. Diese Getränke können nicht nur das Immunsystem stärken, sondern sind auch richtig lecker. Zum Thema Trinken mehr erfahren.

Bewegung und frische Luft

Kinder, die sehr behütet aufwachsen und kaum mit Krankheitserregern in Berührung kommen, sind besonders anfällig für Krankheiten. Daher ist ein gesundes Maß an Abhärtung wichtig, um die körpereigenen Abwehrkräfte aufzubauen.
Wer sich hingegen auch bei Kälte viel draußen an der frischen Luft aufhält, stärkt sein Immunsystem . Kinder brauchen überhaupt viel Bewegung. Beim Rennen, Klettern und Toben können sie Stress und überschüssige Energie abbauen und dabei noch jede Menge Spaß haben. Insgesamt profitiert das Herz-Kreislaufsystem, aber auch Haltungsstörungen und Übergewicht werden so vorgebeugt.
Kälte und die frische Luft sorgen für seine gute Durchblutung der Lungen und eine sanfte Abhärtung. Durch Bewegung werden die viele Bereiche im Gehirn angesprochen und das Immunsystem aktiviert. Am besten bei jedem Wetter nach draußen gehen und darauf achten, dass Kinder nicht zu dick eingepackt sind. Wer schwitzt, kühlt aus und erkältet sich leichter!

Raumklima

Auch wenn wir es in der Wohnung gern kuschelig und warm mögen, so trocknet Heizungsluft die Schleimhäute aus. Dies erleichtert es Erkältungsviren in den Körper einzudringen, zumal die Zahl der Viren in geschlossenen Räumen leicht ansteigen kann. Daher 3-4 Mal die Räume für 10 Minuten gut durchlüften, das sorgt für ein gesundes Raumklima. Idealerweise sollte die Raumtemperatur nicht über 20° C liegen. Die optimale Luftfeuchtigkeit ist bei 40 – 60 %. Es lohnt sich besonders im Winter diesen Wert zu überprüfen.

Ruhephasen im Alltag

Manche Kinder stehen heute unter regelrechtem Dauerstress. Das beginnt oft schon bei der Frühförderung, danach folgen Termine für Musik und Sport und vieles mehr. Stresshormone schwächen das Immunsystem und lassen Kinder schneller krank werden. Weniger ist dabei mehr. Kinder brauchen auch viel freie Zeit für eigenes kreatives Spielen. Eine Auszeit zum Ausruhen, ein Spielnachmittag mit Freunden, oder gemeinsam Zeit verbringen um einen Kuchen zu backen oder ein basisches Brot gemeinsam selber backen sind wichtig für die gesunde Entwicklung und kann das Immunsystem stärken.

Schlafen

Ausreichend Schlaf ist für die Abwehrkräfte sehr wichtig. Die Hormone, die in der Nacht ausgeschüttet werden, sorgen für die Regeneration des Gewebes und können so das Immunsystem stärken. Kleinkinder brauchen etwa 10 bis 12 Stunden Schlaf, Schulkinder sollten mindestens 8 bis 10 Stunden Schlaf kommen. Während dieser wichtigen Ruhephase kann sich das Gehirn weiterentwickeln, Erinnerungen verarbeiten, aber auch Energiereserven auftanken. Besonders aktiv wird im Schlaf das Immunsystem unterstützt, es werden hier unter anderem wichtige Antigene für die Immunabwehr gebildet. Durch einen Mittagsschlaf wird nicht nur das Immunsystem unterstützt. Kleine Kinder können erlerntes auch besser speichern.
Wichtig ist auch das Lüften vor dem Schlafen in den Kinderzimmern. In der Nacht sollte die Zimmertemperatur in Schlafräumen nicht mehr als 18° Celsius betragen.

Händewaschen

Kleinkinder und Schulkinder sind besonders gefährdet sich eine Grippe oder Erkältung einzufangen, weil sie in der Schule, im Hort, im Sportverein mit anderen engen Kontakt haben. Das erhöht die Möglichkeit drastisch, sich mit Viren anzustecken. Viren sind in der Regel Auslöser für Erkältungen. Richtiges Händewaschen unterbricht diesen Infektionsweg. Mit Seife eine halbe Minute lang gründlich einseifen, auch zwischen den Fingern und am Handgelenk. Fertig!

Gefühle beeinflussen das Immunsystem

Es gilt als erwiesen, dass glückliche und zufriedene Menschen und hier auch besonders Kinder deutlich weniger krank werden. Wer sich geliebt fühlt und Zuwendung und Zärtlichkeit erhält aktiviert das Immunsystem positiv. Bei Kindern ist es wichtig Ihnen ganz besonders Zeit zu schenken, zuhören und sich mit ihm ausgiebig beschäftigen, alle diese Dinge helfen, stark und gesund groß zu werden.

Stress vermeiden

Schon Kinder haben einen Terminplan, der leider sehr oft zu voll gestopft ist und es bleibt nicht genügend Zeit für das freie Spiel, eine Verabredung oder die wichtigen Entspannungsphasen. Aber auch die Schule kann durch den ständig wachsenden Leistungsdruck zum Problem werden. Daher ist es wichtig den Alltag stressfrei zu gestalten um auch das Immunsystem aktiv zu unterstützen.

Multitaleen – das Extra nicht nur für starke Kinder

Natur pur, in Bioqualität. Lebensmittel im wahrsten Sinne des Wortes, mit einem natürlichen und konzentrierten Anteil an starken Vitalstoffen.

  • Vitamin B – Komplex mit Folsäure
  • Vitamin C
  • Mineralstoffe
  • Pre- und Probiotika
  • Aminosäuren

Mit Multitaleen – dem fruchtig leckeren Multitalent können Sie sich und der Familie ein vitales Immunsystem schenken und dem Alltag mit seinen Belastungen fit und leistungsfähig begegnen.
Bio, vegan und mit den Vitalstoffen aus der Natur- fruchtig frisch in Joghurt, Müsli oder Smoothies.

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Antibiotika-Nebenwirkungen bei Kindern nicht unterschätzen

Fieberhafte Infekte gehören im Säuglings- und Kleinkindalter dazu wie das Amen in der Kirche. Schließlich muss sich das Immunsystem der Kleinen erst schrittweise an die Umweltkeime gewöhnen. Da meist Viren hinter den Infekten stecken, sind Antibiotika in diesen Fällen vollkommen wirkungslos. Doch die Sorge von Kinderärzten und Eltern, etwas Schlimmes zu übersehen, ist oft stärker als die Vernunft: Antibiotika gehören zu den Medikamenten, die Kindern am häufigsten verschrieben werden.

Studien hatten bereits zeigen können, dass mehr als ein Drittel der Antibiotika-Verschreibungen für Kinder überflüssig ist. Nun zeigt eine Studie des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC), wie riskant diese Praxis ist. Demnach müssen in den USA jedes Jahr tausende Kinder wegen Nebenwirkungen von Antibiotika in Notaufnahmen behandelt werden.

Krank durch Amoxicillin et al.

Für ihre Analyse haben die Wissenschaftler landesweite Schätzungen zu Verschreibungen von Antibiotika außerhalb von Krankenhäusern sowie Daten über Aufenthalte in Notaufnahmen von Kindern unter 19 Jahren ausgewertet. Im Untersuchungszeitraum 2011 bis 2015 wurden 70.000 Kinder aufgrund unerwünschter Wirkungen in Notaufnahmen eingeliefert. In den meisten Fällen handelte es sich mit 86 Prozent um allergische Reaktionen wie Hautausschlag, Juckreiz oder Flüssigkeitsansammlungen unter der Haut und damit starken Schwellungen.

Die Analyse zeigte weiter, dass Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern unter zwei Jahren am häufigsten die amerikanischen Notaufnahmen aufsuchten. 41 Prozent der Betroffenen gehörten zu dieser Altersgruppe. Unterschiede gab es auch bei den verschiedenen Antibiotika. Das Antibiotikum Amoxicillin war bei Kindern unter neun Jahren am häufigsten für die Nebenwirkungen verantwortlich. Die Wirkstoffe Sulfamethoxazol und Trimethoprim führten dagegen bei den 10-bis 19-jährigen am häufigsten zu einem Besuch in der Notfallambulanz.

Risiken im Auge behalten

Die im „Journal of the Pediatric Infectious Diseases Society“ publizierten Ergebnisse weisen darauf hin, dass unerwünschte Wirkungen bei Antibiotika weit verbreitet, klinisch signifikant sind und für die kleinen Patienten gesundheitliche Folgen haben. „Unsere Studienergebnisse sollten Eltern und Ärzte daran erinnern, dass Antibiotika zwar bei richtigem Einsatz Leben retten, dass sie Kinder aber auch schädigen können und daher nur eingesetzt werden sollten, wenn es wirklich nötig ist“, erklärt Forschungsleiterin Maribeth C. Lovegrove.

Auswirkungen auf die Darmflora

Akute Nebenwirkungen, wie sie in der aktuellen Studie dokumentiert werden, sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Es ist auch bekannt, dass Antibiotika bei viralen Infekten kontraproduktiv sind und die Darmflora angreifen. Kürzlich hatte eine Studie von Forschern der Universität Helsinki gezeigt, dass der Einsatz von Antibiotika im Kleinkind-Alter die Entwicklung der Darmflora behindert. Danach dauert es in der Regel rund ein Jahr, bis sich die Darmflora von einer Antibiotika-Behandlung erholt.Werden zwischendurch wieder Antibiotika eingenommen, kann sich die Darmflora nicht regenerieren.

Da im Darm ein großer Teil des Immunsystems sitzt, wird die Abwehr zumindest vorübergehend geschwächt. Darum ist der häufige Einsatz von Antibiotika im Kleinkind-Alter mit einem erhöhten Risiko von immunvermittelten Erkrankungen wie entzündlichen Darmerkrankungen und Asthma sowie Übergewicht assoziiert.

Last but not least fördert jede einzelne Antibiotikagabe die Entstehung von Resistenzen. Die wichtigste Waffe gegen bakterielle Infektionen wird somit mehr und mehr wirkungslos.

Foto: DAK/Wigger

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