Ich schreie mein kind an

Kinder nicht mehr anschreien: So klappt’s

Mit Bildern arbeiten

Ein guter Trick, die Kleinen an unseren Zeitplan zu gewöhnen, ist, eine Uhr mit einem Pfeil zu basteln. Statt Zahlen malt man darauf Bilder, die für die unterschiedlichen Tagesabläufe stehen: aufstehen, Zähne putzen, anziehen, frühstücken, Schuhe anziehen, in die Kita fahren. Nach der Kita: heimkommen, Hände waschen, Abendessen, Schlafanzug anziehen, Zähne putzen, vorlesen, schlafen gehen. So können Eltern mit dem Kind den Pfeil auf die richtige Position drehen. Anhand der Bilder sehen die Kleinen, wo sie sich gerade befinden und was als Nächs­tes kommt. Mit der Zeit lernen sie, sich zu orientieren.

Klare Anweisungen geben

Besonders sauer werden wir, wenn wir das Gefühl haben, dass die Kleinen etwas mit Absicht machen. Stichwort: Apfelschorle. „Kinder sind kleine Forscher, die alles ausprobieren wollen – auch, ob sie mit Apfelschorle den Boden wischen können“, erklärt Frankenberger. „Daher ruhig bleiben, die Flasche wegnehmen und sagen: Wenn du forschen willst, dann besser mit Wasser auf dem Balkon.“ Wichtig sind klare, positiv formulierte Anweisungen. Wenn wir sagen „Bitte wirf die Spaghetti nicht auf den Boden!“, denkt sich ein Kind: „Das wäre eine gute Idee!“ „Aus der Hirnforschung wissen wir: Die Verneinung einer Aussage verstehen kleine Kinder noch nicht“, sagt die Expertin. „Hinzu kommt, dass Eltern viel zu oft Erwachsenen­sprache verwenden: ‚Iss ordentlich‘ versteht kein Kind. Besser konkret: ‚Iss die Nudeln so, dass sie in deinem Mund landen oder auf dem Teller bleiben.'“

Frust auch mal aushalten

Nehmen wir mal an, das funk­tioniert alles. Wie sieht es dann in einer akuten Gefahrensituation aus? Zum Beispiel, wenn man zwei Kinder abholt, eines gerade anschnallt und das andere Richtung Straße läuft? Dann möchten Eltern mit ihren Anweisungen unbedingt gehört werden. „Es ist ein Irrglaube, dass Anweisungen stärker werden, wenn wir schreien. Wir werden nur lauter“, sagt allerdings die Familientherapeutin. „Besser: Beide Kinder bis zum Auto an die Hand nehmen und während das eine angeschnallt wird, an das andere Kind eine deutliche Ansage richten: ‚Halte dich am Türgriff fest‘ oder: ‚Bitte hilf mir, indem du dich schon allein ins Auto setzt.'“

Wenn das gesprochene Wort nicht gehört wird: Kontakt herstellen – das Kind am Arm nehmen, dann merkt es: Es ist einem ernst. Und wenn es schreit, seinen Frust aushalten. Wichtig ist, dass wir selbst ruhig bleiben und nicht zurückschreien. Wenn alle schreien, ist das die perfekte Eskalationsspirale! Eltern korri­gieren und maßregeln viel zu viel, das mögen Kinder nicht. Und es führt auch nicht zum Erfolg.

Wie du dich verhalten solltest, wenn du dein Kind angeschrien hast

Niemand wird gerne angeschrien. Und dennoch passiert es selbst den besten Eltern, dass sie einmal die Nerven verlieren und ihr Kind anschreien. Kein Weltuntergang, aber es ist wichtig, sich als Elternteil gegenüber dem Kind jetzt richtig zu verhalten.

Die meisten Eltern müssen es sich wohl eingestehen: Bevor das Kind geboren wurde, hatte man sich so viel vorgenommen. Es gab so vieles, was man nicht oder unbedingt machen wollte … Und dann ist der Nachwuchs auf der Welt und viele guten Vorsätze sind plötzlich verschwunden (glücklicherweise kommen dafür andere gute Dinge dazu, von denen man vorher noch gar nicht wusste, dass man sie braucht und kann). So geht es vielen Mamas und Papas auch beim Thema „Schreien“.

Die wenigsten wollen ihr Kind anschreien. Aber manchmal stürzt einfach so viel auf uns Eltern ein: Stress im Job, der Partner hat vergessen die Spülmaschine auszuräumen, die beste Freundin ist sauer, weil wir keine Zeit für sie haben, die Kumpels fragen sich, warum du nicht mehr Bouldern kommst, der Nachbar ist doof und die Milch sauer – ihr wisst schon, was wir meinen – und dann knallt uns die letzte Sicherung durch und wir schreien unser Kind an. Hinterher tut uns dieser Ausrutscher der verbalen Gewalt sofort leid. Aber da ist das Kind namens elterliches Nervenkostüm bereits in den Brunnen gefallen.

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Wie schlimm ist es, sein Kind anzuschreien?

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Anschreien ist verbale Gewalt

Was also jetzt tun, wenn du dein Kind angeschrien hast? Schreien ist verbale Gewalt und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint, kann auch diese Art der Aggression gegenüber einem anderen Menschen zu psychischen Verletzungen führen. Deshalb solltest du die Situation nicht einfach ignorieren und so tun als hättest du dein Kind nicht angeschrien. Genauso wie dein Kind für seine Fehler einstehen muss, musst auch du, als der Erwachsene, dein Fehlverhalten erkennen und entsprechend handeln. Du musst dich jetzt aber nicht verrückt machen, wenn du dein Kind einmal angeschrien hast. Ein isolierter Fall hat normalerweise keine schlimmen Folgen. Wer aber feststellt, dass er sehr häufig an die Decke geht und sein Kind anschreit, für den haben wir Tipps, wie du am besten mit einer solchen Situation umgehst:

Hilfe, ich habe mein Kind angeschrien! Was kann ich jetzt tun?

  1. Atmen! Wenn wir wütend sind, schaltet unser Körper in den Überlebensmodus: Der Adrenalinspiegel steigt an, der Blutdruck geht hoch, der Atem wird schneller, der ganze Körper spannt sich an und wir können keinen klaren Gedanken mehr fassen außer “Flucht oder Angriff”. Wenn du merkst, dass du in diese Stress-Zone kommst, ist es wichtig, erst einmal zu erkennen: Oh je, ich bin wütend/gestresst und kann nicht mehr klar denken. Als nächstes solltest du atmen: Atme tief ein- und aus und sammle deine Gedanken. Tue oder sage nichts, bevor du nicht mindestens vier tiefe Atemzüge genommen hast und das Gefühl hast, dass du dich wieder etwas beruhigt hast.
  2. Vermeide Trigger. Du magst dich vielleicht wieder etwas beruhigt haben, aber so kurz nach einem Stressanfall genügt schon ein kleiner Trigger, um das Stress-System wieder in Gang zu setzen. Dann fällt man leicht in alte Verhaltensmuster zurück und fängt an, sein Kind wieder anzuschreien. Lass dich also gar nicht erst auf eine erneute Diskussion ein, sondern gehe direkt zu Punkt drei über.
  3. Übernimm die Verantwortung. Es ist egal, was dein Kind gemacht hat oder wer angefangen hat. Du bist der Erwachsene. Du musst deinem Kind beibringen, Verantwortung für eigenes Fehlverhalten zu übernehmen – indem du dies selber tust. Entschuldige dich bei deinem Kind: „Es tut mir Leid, dass ich dich gerade so angeschrien habe. Ich wollte nicht so laut werden, da hat mich meine Wut überrannt.“ Lege den Fokus auf dein eigenes Verhalten und versuche nicht, die Schuld auf das Kind zu schieben („Du hättest das wirklich nicht machen sollen“ oder „Du warst zu laut“).
  4. Erkläre deinem Kind deine Gefühle. Manchen von uns mag es schwer fallen, aber es ist wichtig, über die eigenen Gefühle sprechen zu können. Vor allem auch mit Kindern, schließlich sollen sie von Mama und Papa ja lernen, dass sie offen über das, was sie fühlen und denken, sprechen können. Erkläre deinem Kind also, dass du wütend warst und warum du wütend warst. Hier ist dennoch kein Platz für Anschuldigungen. Hilf deinem Kind besser zu verstehen, dass nicht (nur) das, was es getan hat, dich zum Schreien gebracht hat, sondern auch deine eigenen Emotionen und Befindlichkeiten
  5. Probiere es noch einmal. Gib dir und deinem Kind die Chance auf einen Neuanfang. Sage: „Ok, ich probiere das jetzt noch einmal ohne zu schreien“ oder „Ich war vorher so wütend, dass ich dir gar nicht richtig zugehört habe, möchten wir nochmal von vorne anfangen?“ Wenn du wieder wütend wirst, mach bewusst eine Pause und versuch es später wieder.
  6. Wieder gut machen. Wenn du aus Wut verbale Gewalt, wie das Sagen von verletzenden Dingen oder das Verhängen von zu strenge Strafen, angewendet hast, kann es sein, dass dein Kind sich verunsichert fühlt. Nun ist es deine Aufgabe, die Beziehung zu deinem Nachwuchs wieder zu kitten. Oft verliert man als Elternteil die Nerven, weil man den Bezug zu seinem Kind verloren hat. Suche also Anknüpfungspunkte und verbringe bewusst Zeit mit deinem Kind, indem du ihm zuhörst und auf das eingehst, was es sagt.
  7. Finde den Auslöser. Versuche das Geschehene nicht unter den Teppich zu kehren, sondern nimm dir – wenn du dich beruhigt hast – Zeit, über die Situation nachzudenken. Was genau macht dich wütend? Meist sind wir nicht wegen unserer Kinder selbst gestresst, sondern wegen uns umgebenden Lebenssituationen. Ein trotziges Kind ist dann nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, aber nicht der eigentlich Grund für unser hohes Stresslevel.
  8. Hole dir Hilfe. Du wirst immer häufiger wütend und es fällt dir schwer, deine Wut wieder abzulegen? Wenn du das Gefühl hast, mit deiner Wut bzw. dem zugrundeliegenden Stress nicht mehr klar zu kommen, könnte es angebracht sein, Hilfe von außen zu suchen. Denn genau das ist es, was gute Eltern ausmacht: Sie tun alles für das Wohl ihres Kindes. Hilfe findest du z. B. beim kostenlosen und anonymen Elterntelefon von der Nummer gegen Kummer unter 0800- 111 0550

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Praktische Tools gegen elterlichen Stress und angestaute Wut

  1. Spielerisch Dampf ablassen. Dein Boss, deine Mutter, dein Zahnarzt nerven dich. Aber da du gegen andere Erwachsen in den seltensten Fällen verbale Gewalt anwenden kannst (auch wenn du das manchmal gerne tätest), schreist du stattdessen dein Kind an, weil es sein Zimmer nicht aufräumen will. Unser Tipp: Sag deinem Kind es soll aufräumen, geh aus dem Kinderzimmer, setz dich aufs Sofa und lass deinen aufgestauten Frust an deinem Handy ab. Nein, du sollst es nicht gegen die Wand klatschen – darüber würdest du dich später nur wieder ärgern und der Kreislauf von vorne beginnen. Zerstöre dein Handy stattdessen doch einfach in einem Game, z. B. im kostenlosen Spiel “Handy zerstören – Haue auf den Bildschirm”. Das baut Aggressionen jeder Art ab, ohne wirklich etwas kaputt zu machen – schon gar nicht das Verhältnis zu deinem Kind!
  2. Lies dich entspannt. Obwohl ich nicht die größte Ratgeber-Leserin bin, hat mir das Buch “Erziehen ohne Schimpfen” von Nicole Schmidt, erschienen im GU Verlag, ca. 17 Euro*, sehr geholfen. Es gibt dir Tipps an die Hand, typische Eltern-Kind-Situationen zu entschärfen, bevor sie überhaupt entstehen. Jetzt bekomme ich mein Kind morgens endlich ohne Geschrei angezogen und wir schaffen es stressfrei und pünktlich in die Kita (zumindest immer öfter).

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Das Kind schreit, steht mit hochrotem Kopf da, die Hände sind zu kleinen Fäusten geballt, aus den Augen kullern Tränen.

Der Auslöser des Wutanfalls? Nicht der Rede wert.

In solchen Momenten wollen Eltern manchmal so reagieren, wie ihre Kinder: Einfach auf den Boden schmeißen und laut „Nöööööö“ brüllen.

Glaubt man manchen Mamas, hören Kinder auf zu schreien, wenn Eltern zurückbrüllen. ABER: Ist das wirklich der richtige Weg? Oder gibt es andere Tipps, die Eltern WIRKLICH beherzigen sollten?

BILD weiß Bescheid.

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„Nein, Zurückschreien ist weder bei Babys noch bei Kleinkindern eine gute Idee“, weiß die Erziehungsberaterin Martina Leibovici-Mühlberger.

Wieso wir unsere Babys nicht anschreien sollten!

„Babys können nicht sprechen, weshalb das Brüllen der einzige Weg ist, den Eltern ihre Bedürfnisse mitzuteilen. Jede Mama weiß, dass es verschiedene Schreiarten gibt. Das Schreien aus Hunger, das Schreien bei Schmerz, das Schreien wegen nasser Hose“, erklärt Leibovici-Mühlberger.

„Fängt ein Kind an zu brüllen, signalisiert es uns, dass es uns braucht. Schreien wir einfach zurück, ignorieren wir seine Bedürfnisse und verlieren sein Vertrauen. Es bekommt Angst, wird schreckhaft und bekommt häufig Schluck- oder Verdauungsbeschwerden“, warnt Leibovici-Mühlberger.

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„Schreit ein Kind und die Eltern brüllen zurück, geben sie ihren Kindern eine falsche Message mit auf den Weg. Nämlich, dass sich Gewalt durchsetzt, weil der Lautere, der Stärkere gewinnt“, weiß Leibovici-Mühlberger.

Und was sollen Eltern stattdessen tun?

„Das hängt ganz von der Situation ab. Wenn ein dreijähriges Kind in einer typischen Wut-Phase steckt, sollten Eltern kurz abwarten. Es in den Arm nehmen und fragen, warum es weint. Ein Achtjähriges hingegen kann seine Emotionen bereits durch Worte ausdrücken. Fängt es im Supermarkt an zu brüllen, weil es keinen Schokoriegel bekommt, sollten Eltern nicht nachgeben. Stattdessen sollten sie das Kind in seine Schranken weisen. Ein typischer Satz könnte sein:

►Du bist acht Jahre alt. Du kriegst diesen Schokoriegel nicht. Das ist mein letztes Wort!“, schlägt die Erziehungsexpertin vor.

Manchmal überstrapazieren Eltern auch die Nerven ihrer Kinder, beispielsweise wenn sie den ganzen Tag unterwegs sind und das Kind keinen Mittagsschlaf halten kann. Leibovici Mühlberger: „Abends ist es dann nur noch eine Kleinigkeit, die das Fass zum Überlaufen bringen kann. Ich kann Eltern nur ans Herz legen, in solchen Situationen stärker auf die Bedürfnisse des Kindes zu hören und Kinder auch mal Kind sein zu lassen.“

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Ein «Ortswechsel»

Manchmal steht man so da, vor seinem lauten, schreienden, tobenden Kind und denkt:
„Oh mein Gott. Was mach ich hier eigentlich?“
„Was tut mein Kind da? Womit hab ich das verdient?“
„Leute, hört bitte auf so mitleidig zu gucken!“
„Das nächste Mal geh ich wieder ohne Kind.“
„Hilfe!“
Und dann geht man zu seinem Kind hin, packt es am Arm und zischt ihm ziemlich unfreundlich ein paar saftige Drohungen ins Öhrchen:
„Jetzt hörst du sofort auf sonst, ist Mami ganz böse, darfst du heute Abend nicht TV gucken, gibt es kein Zvieri, kannst du daheim grad ins Bett!“
Oder man schmeisst noch ein paar ungenaue Anweisungen hinter her:
„Es reicht jetzt!“
„Jetzt benimm dich nicht so blöd!“
„Paatriiiziiiaaaa!“
Oder man stellt ein paar merkwürdige Fragen:
„Hörst du jetzt auf?“
„Warum benimmst du dich immer so unmöglich?“
„Was soll das?“

Oder man beschimpft das Kind als Person:
„Du bist heute wieder unmöglich!“
„Du bist so ein Trotzkopf, ein sturer Bock, ein Schreihals!“
Und das bringt?
Rein gar nix.
Im Gegenteil.
Das Kind brüllt noch lauter, lässt sich zu Boden fallen, es strampelt, stampft und hat einen hochroten Kopf.
Wenn es älter ist kommen noch ein paar sehr nette Schimpfworte dazu…

Der Stresspegel steigt und steigt

Man beginnt auf das Kind einzureden, vielleicht packt man es noch ein bisschen mehr am Arm, oder vor lauter Verzweiflung auch mal am Ohr.
Oder man verspricht Dinge wie:
„Wenn du jetzt aufhörst, kriegst du noch die Gummibäärli, die ich in der Tasche habe.“
„Dann bringt dir der Samichlaus auch ganz bestimmt keine Rute.“
„Dann scheint morgen die Sonne.“
Ach.
Man würde einfach alles tun, damit es aufhört.

So sitzt, kniet oder kauert man da im Supermarkt, auf dem Spielplatz, im Treppenhaus, am Kindergeburtstag, im Schwimmunterricht, an Omas 70. Geburtstag, am Spielgruppen-Schnuppertag und fühlt sich einfach nur überfordert. Man hat doch alles probiert.

Zuckerbrot und Peitsche, aber nix hat geholfen.

Aber WARUM?
Warum hilft weder drohen, schimpfen, predigen, noch Versprechungen machen?
Ich sag’s euch:

Weil zu viel reden, schimpfen, drohen, besserwisserische Kommentare abgeben, zischen, säuseln, schreien und auf das Kind „einschnattern“ alles nur noch schlimmer macht.
Manchmal hilft einfach nur noch eines:

Nicht dass ihr jetzt grad auf einen anderen Kontinent ziehen müsst.
Nein.
Oft hilft es einfach, wenn man mit dem Kind kurz aus der Situation rausgeht.
(Manchmal muss man es auch kurz tragen…)
Am besten schon bevor es den ganzen Laden zusammen brüllt.

Also, wenn ihr merkt, dass ihr beide in der Situation so ein bisschen gefangen seid, versucht die Situation etwas aufzulösen:

Am besten aus dem Zimmer gehen
Weg vom Spielplatz
Raus aus dem Geschäft und draussen zusammen kurz auf die Treppe sitzen
Mit dem Kind rasch ins Auto gehen
Die Geburtstagsfeier schnell verlassen

Oder mit anderen Worten:
Versucht die Situation kurz zu unterbrechen, wechselt den Ort/Raum und wartet dann bis der Sturm vorüber ist.
Warten, das heisst: Nicht aufs Kind einreden, ruhig atmen, es nicht zu persönlich nehmen.
Wenn sich das Kind schon wieder etwas beruhigt hat, dann hilft oft auch ABLENKEN ganz gut. Sprecht von einem spannenden Thema, verwickelt sie wieder in eine Tätigkeit.

Je weniger Aufsehen ihr darum macht, kommentiert und referiert, umso schneller ist es wieder vorbei.
Nach dem Anfall, am besten nicht gleich wieder alles aufwärmen und davon sprechen oder am Schluss auch noch fragen:

„Warum hast du dich jetzt so daneben benommen?
Das sag ich dann dem Papi heute Abend.
Oder dem Samichlaus.“

Heute war ich mit meinen Kindern einkaufen. An der Quengelkasse wollte mein kleiner Sohn unbedingt einen Schokoladenriegel haben – und ich kaufte ihn nicht. Daraufhin tat er seinen Unmut laut kund. Sehr laut. So laut, dass eigentlich alle Menschen sich umdrehten. Ich sah Kopfschütteln. Eine Frau hinter mir in der Schlange gab mir den nett gemeinten Rat: „Nun kaufen Se dem Kleenen doch die Schoki!“ und ein Mann an einer anderen Kasse brüllte herüber, mein Sohn solle sich augenblicklich beruhigen.

1. Anschreien

Stellen wir uns die Situation einmal anders herum vor: Es gibt etwas, was wir unbedingt wollen oder eben gerade nicht wollen. So sehr, dass es für uns gar keinen anderen Weg zu geben scheint. Das, was wir aber zu erreichen suchen, ist unerreichbar. Aus Wut über das Unvermögen und Frustration wissen wir uns nicht anders zu helfen und können nichts anderes tun als zu schreien. Weil wir uns übergangen fühlen, weil wir etwas wollen oder nicht wollen und ein anderer Mensch oder eine Situation uns das vorenthält. Wir sind erzürnt, traurig, wütend uns haben keine Möglichkeit, unsere Frustration in andere Bahnen zu lenken. Eine der letzten Sachen, die wir wollen, ist, dass uns ein anderer Mensch dafür anschreit. Denn: Wir können ja nichts dafür. Wir sind selber überfordert und brauchen niemanden, der uns nun zusätzlich noch eine Lastaufbürdet.

2. Schütteln

Weder Babys noch Kinder dürfen geschüttelt werden. Sie schreien, weil sie müde sind, weil sie überreizt sind, weil die etwas haben wollen oder nicht. Manchmal wissen wir nicht einmal, was genau Auslöser der Situation war. Und gerade bei frischen Eltern, die übermüdet sind und hilflos und die sich wirklich wünschen, dass ihr Baby aufhört zu schreien ist es immer wieder wichtig zu sagen: Schütteln beruhigt nicht, es verletzt oder tötet. Wer sein Kind schüttelt, bringt es in Lebensgefahr durch Verletzungen am Gehirn.

3. Schlagen

Größere Kinder werden seltener geschüttelt, sondern eher geschlagen. Aber Schlagen ist niemals ein Weg, um ein Kind zu beruhigen oder es zu erziehen. Schlagen ist eine Verletzung des Körpers und der Seele.

4. Drohen

Auch Drohungen helfen Kinder in Situationen, in denen sie außer sich sind, nicht weiter. Weder dei Androhung von Gewalt noch von anderen Maßnahmen wie „kein Nachtisch“, „kein Fernsehen“ oder sonst etwas. Denn oftmals sind die Kinder gar nicht in einer Situation, in der sie sich auch noch weitere Gedanken machen können über weitere Konsequenzen. Je nach Alter sind sie gerade im konkreten Erleben und fühlen nur, dass die jetzt gerade aus ihrer Perspektive ungerecht behandelt werden. Langfristiges Vorausschauen ist jetzt nicht möglich. Zudem ist es auch pädagogisch nicht sinnvoll, Dinge zu verbieten, die vielleicht mit der aktuellen Situation gar nichts zu tun haben.

5. fremde „gute“ Ratschläge

Es ist vollkommen egal warum das Kind weint und schreit – es gibt nie einen Zeitpunkt, an dem Kommentare von Fremden und gut gemeinte oder belehrende Argumente angebracht werden. Denn dadurch wird neben dem schon in Problemen steckenden Kind auch noch die anwesende Bezugsperson unter Stress gesetzt, was sich in einen Teufelskreis entwickeln kann.

6. Bestechung

Neben der Bedrohung „Wenn Du jetzt nicht aufhörst, gibt es auch kein Eis nachher!“ ist die Bestechung manchmal ein Versuch, die Situation aufzuklären: „Wenn Du Dich jetzt beruhigst, bekommst Du eine Süßigkeit!“ Funktioniert bei kleinen Kindern, die gerade akut in einer für sie schwierigen Situation sind, meist mit mäßigem Erfolg. Bei größeren Kindern sollte man sich die Frage stellen, was man damit eigentlich erreichen möchte und welche Situationen man damit vielleicht in Zukunft herauf beschwört.

7. Stehen lassen

Gerade in den Situationen, in denen Kinder unterwegs in eine solche Situation kommen, kann man immer wieder beobachten, dass ihnen gesagt wird: Jetzt komm weiter oder ich geh allein. Ich habe an anderer Stelle schon einmal ausführlich darüber geschrieben. Deswegen hier nur kurz: Nein, Stehenlassen ist keine Alternative. Denn wir müssen uns immer wieder vor Augen führen: Das Kind ist gerade in einer schwierigen Situation und weiß selber nicht weiter. Es ist ganz von seinen Gefühlen eingenommen und braucht nun nicht noch weitere Konflikte.

8. Babys: Schreien lassen

Mit dem Stehen lassen verbunden ist bei Babys natürlich auch das Schreinen lassen: Baby schreit und statt ihm Nähe und Trost zu signalisieren lässt man es schreien mit der Hoffnung, es möge sich selbst beruhigen. Diese Annahme ist aber grundlegend falsch. Nicht nur, dass Babys, die schreien gelassen werden unruhiger und ängstlicher sind, sie haben auch zahlreiche weitere Probleme, die sich auch auf den Körper und die zukünftige gesundheitliche Entwicklung erstrecken.

9. Auslachen

Da steht also ein Kind und hat ein Problem. Vielleicht ist es für uns nicht klar, warum genau es ein Problem ist oder wie man Abhilfe schaffen könnte oder ob überhaupt. Und ja: Manchmal gibt es auch Situationen, die von außen betrachtet lustig aussehen oder eine gewisse Situationskomik besitzen. Von außen. Von innen aber nicht. Denn egal was wir von dem Problem denken oder ob wir es für nicht existent halten: Für das Kind ist es jetzt und hier ein Problem. Und wer ein Problem hat, möchte nicht beschämt und ausgelacht werden.

10. Nachmachen

Mit dem Auslachen und nicht Ernst nehmen verbunden ist auch das Nachmachen: Das Kind weint, schluchzt und schreit. Wir alle kennen die für uns lustige Werbung aus dem Fernsehen, bei der sich eine Mutter im Supermarkt auf den Boden schmeißt und schreit. Aber mal ehrlich: Ist das wünschenswert? Müssen wir dem Kind einen Spiegel vor halten in dieser Situation, wenn es gerade mit sich selbst nicht klar kommt und ihm genau das zeigen? Schafft es dadurch besser mit der Situation klar zu kommen? Nein. Wir ja auch nicht, wenn wir in einer ähnlichen Situation sind. Oder wer mag es im Streit mit seinem Partner, wenn dieser einen nachäfft?

Manchmal ist es nicht einfach, sich diese Dinge vor Augen zu führen – schon gar nicht in der konkreten Situation. Und besonders nicht, wenn man auch noch sozialen Druck verspürt irgendwo in der Öffentlichkeit. Auch mich führen solche Schreisituation immer wieder zu Konflikten mit mir selbst, in denen ich mir sagen muss, dass die oben genannten Punkte wirklich nichts bringen – und viele besonders längerfristig nichts erreichen. Was mir hilft? Durchatmen, tief durchatmen, kurz die Augen schließen und einfach da sein. Trösten, wenn es geht. Sprechen, wenn es geht. Erklären, wenn es machbar ist und man überhaupt versteht, was das Problem ist. Und eben einfach annehmen. So ist es eben. Wie ein Kurzschluss, ein Orkan, ein Durcheinander im Gefühlsleben des Kindes. Es wird vorbei gehen. Das Kind wird sich beruhigen. Die anderen Menschen einfach sein lassen. Vielleicht einmal anmerken, dass sie mein Kind und mich in Ruhe lassen sollen. Und danach darüber in Ruhe sprechen. Sich Gedanken machen, wie man zukünftig solche Situationen vermeiden kann oder woran es gehapert hat.

Wir alle sind Menschen. Und wir sollten unsere eigenen Wünsche an Respekt und Freundlichkeit im Umgang auch unseren Kindern gegenüber zeigen.

Eure

“Warum schreit das Kind?”

Die Tochter kam auf die Welt und schrie und schrie und schrie, gute fünf Monate lang.

Ein Grund war für uns nicht erkennbar, wir versuchten alles und fühlten uns schnell als die schlechtesten Eltern dieses Planeten. Warum schrie unser Kind immer wieder wie verrückt, während alle anderen Kinder ruhig und zufrieden waren?

Was genau übersahen wir?

Wir fuhren mit ihr zum Osteopathen, trugen sie in der Trage, fuhren sie mit dem Kinderwagen oder saßen einfach nur weinend mit ihr auf dem Sofa oder im Bett. Sie ist unser erstes Kind und so blieben die Ratschläge der erfahrenen Eltern natürlich nicht aus. Sicherlich wollten viele nur helfen und so wurde uns gesagt, wir müssen das Kind nur mal hochnehmen (ernsthaft?), es nicht so viel stillen, es noch mehr stillen, zufüttern, es wärmer anziehen, nicht so warm anziehen, es im eigenen Zimmer schlafen lassen und noch viel mehr.

Babys schlafen doch noch viel, dachte ich

Bevor die Tochter zur Welt kam hatte ich die Vorstellung, dass so ein Baby relativ viel schläft in den ersten Monaten. Dass ich sie alle zwei oder drei Stunden stille, eine frische Windel rum mache und sie dann glücklich und zufrieden ist. Ich dachte, ich würde mit anderen Müttern gemütlich beisammen sitzen, die Kinder auf der Decke liegend, Kaffee trinken, lachen.

Die Realität sah anders aus, schon die eine Stunde Rückbildung war für mich jedes Mal ein Spiel mit dem Feuer.

Ich hatte das Glück, dass die Tochter auf dem Weg dorthin im Auto einschlief und ich sie mit der Babyschale einfach neben die Matte stellen konnte. Die Tochter wurde im tiefsten Winter geboren, hatte also warme Kleidung an, eine Mütze und eine dicke Decke obendrauf.
Und genau das habe ich in dem warmen Gymnastikraum so gelassen, bloß nichts verändern, damit ich meine Stunde turnen kann. Die anderen Babys liesen sich alle auspacken, lagen auf Decken und rollten fröhlich durch den Raum. Wurde meine wach, schrie sie alles zusammen und lies sich kaum beruhigen.

Ich kam mir wie eine Versagerin vor.

Mir war das irgendwann unangenehm und so wollte ich mich auch gar nicht mehr mit anderen Müttern treffen. Denn immer wieder wurde ich gefragt, was die Tochter denn hätte. Ob ich schon dies oder jenes probiert hätte. Und immer wieder kam ich mir wie ein Versager vor, ich war die Mutter, die es nicht schaffte ihr Kind glücklich und zufrieden zu machen. Das machte leider auch sehr einsam.

Was waren nur die Bedürfnisse meiner Tochter, die so viel schrie?

Ich habe das große Glück Freundinnen zu haben, die wie ich überzeugt sind, dass ein bedürfnisorientierter Umgang mit dem Kind das Beste ist. Doch wie konnte ich die Bedürfnisse meiner Tochter erkennen? Sie schrie ja immer nur, egal, was ich versuchte. Und zu erkennen, ob das nun ein Hungerweinen oder ein Näheweinen oder was auch immer war, gelang mir nicht. Ich fragte mich lange, ob ich vielleicht zu blöd für den bedürfnisorientierten Ansatz bin.

Heute weiß ich, dass ich nichts machen konnte und mit meinem Mann das Beste gegeben habe, damit unsere Tochter sicher und geborgen ist. Sie ist nun 1 ½ Jahre alt und immer noch ein besonderes Kind. Wenn sie will, wickelt sie innerhalb von ein paar Minuten die ganze Nachbarschaft um ihren Finger. Sie ist eine kleine Persönlichkeit und weiß genau, was sie will. Und das setzt sie auch durch, wir stecken voll in der Autonomiephase und freuen uns über jeden Schritt, den sie alleine geht und über jede neue Fähigkeit, die sie entwickelt.

Aber auch heute gibt es noch Schreizeiten, wenn sie völlig übermüdet ist oder überreizt. Und auch heute ist es noch schwer, in solchen Momenten an sie ran zu kommen.

EIn schreiendes Baby triggert die Menschen sehr

Die Gesellschaft erwartet heute leider immer noch, dass die Eltern ihre Kinder im Griff haben. Ein Kind darf nicht auffallen, es hat leise zu sein und freundlich und nett. Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, die sehen, dass Kinder nun eben mal Kinder sind und den Drang haben, sich auszuprobieren, nicht die Geduld mitbringen ruhig auf einem Stuhl zu sitzen oder überhaupt einfach ruhig und unauffällig zu sein. Doch was auch heute immer noch schwer ist, in allen Kreisen, ist ein schreiendes Baby.

Schreit ein Baby, löst das bei vielen Menschen, besonders bei Frauen, etwas aus. Uns ist von der Natur mitgegeben, dass unsere Babys nicht schreien sollen, denn dann bringen sie sich in Gefahr. Irgendwo sind wir alle noch Steinzeitmenschen, die Angst vor dem Säbelzahntiger haben. Und so ist es oft für viele Menschen nicht erträglich, wenn ein Baby schreit. Viele wollen dann helfen, so ging es uns auch. Das ist nett gemeint, ist manchmal aber gar nicht schön und oft leider auch keine Hilfe sondern eher eine Verschlimmerung der Lage.

Finde deinen Weg

Wir haben es geschafft, auch in solchen Situationen einen guten Mittelweg zu finden. Wir haben die Hilfe angenommen, von der wir wussten, dass sie uns gut tut. Wir haben um die Hilfe gebeten, die wir dringend brauchten. Und wir haben die Hilfe nett, aber bestimmt abgelehnt, von der wir wussten, dass sie uns nur zusätzlichen Stress bringt und der Tochter nicht gut tut.

Und wir haben gelernt, uns nicht schuldig zu fühlen und haben nach und nach sehr langsam das Gefühl abgelegt, falsch zu sein oder etwas falsch zu machen. Das war ein langer Weg und ist uns sicherlich nur gelungen, weil uns liebe und verständnisvolle Menschen begleitet haben.

Mehr von Clara bernhard kannst du auf dem Blog Herzenswege lesen.

Hier kannst du ihr auf Facebook folgen.

Über den Gastautor:

Ich bin 33 Jahre alt, verheiratet und Mutter einer 1 1/2 jährigen Tochter. Zur Zeit arbeite ich noch Vollzeit in der IT-Beratung, bin aber seit Anfang diesen Jahres artgerecht-Coach und baue gerade mit meiner lieben Freundin Melanie unsere Familienbegleitung Herzenswege auf. Zu finden ist unser Angebot unter: https://herzenswege.blog/. Außerdem schreiben wir beide einen Blog, in welchem es vor allem um ein unerzogenes und bedürfnisorientiertes Leben mit Kindern geht.
Und natürlich auch um mein Herzensthema, das Schreibaby. Zu finden ist der Blog unter: https://herzenswege.blog/blog/. Wenn ich nicht arbeite oder mich um Herzenswege kümmere, lese ich sehr viel, vor allem schnulzige Liebesromane von Indie-Autorinnen.

Hilfe – ich schreie mein Kind an

Keine Ohrfeige und kein kleiner Klaps – gewaltfreie Erziehung verzichtet auf Strafen von körperlicher und psychischer Gewalt. Dies bedeutet auch einen Verzicht auf das Anschreien. Werden Kinder angeschrien, verletzt dies ihr Selbstwertgefühl. Selbst gelegentliches Anschreien kann später zu Ängsten führen. Solltest du die Fassung verlieren, dann übernimm die Verantwortung. Entschuldige dich bei deinem Kind und achte darauf, nicht mehr in diese Situation zu kommen.

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Ursachen finden und Ruhe bewahren

Schreibe dir am besten auf, wann du laut geworden bist. Das hilft dir, typische Stress-Situationen zu erkennen, Auslöser zu finden und zu überlegen, warum dich bestimmte Dinge so auf die Palme bringen. Das Schreiben gibt dir die Möglichkeit, deine Gedanken zu ordnen und Wege zu finden, dich das nächste Mal anders zu verhalten. Ein einfacher Trick kann dir helfen, den Impuls zum Schreien zu unterdrücken: Zählen. Wenn dein Kind gerade die frisch gestrichene weisse Wohnzimmerwand bunt bemalt hat, die teure Vase umgeschmissen oder das Ledersofa mit Nudeln beschmiert hat, dann halte kurz inne und zähle von 10 rückwärts auf null. Sprich erst dann. Dein Kind will dich nicht ärgern und will auch nicht böse sein, sondern es denkt einfach in anderen Kategorien als Erwachsene.

Die anstrengende Situation kurz verlassen

Reicht es nicht, sich innerlich zurückzunehmen und zu zählen, kannst du auch kurz rausgehen. Verlasse die Situation und sage deinem Kind, dass du einen kurzen Moment brauchst und gleich wieder da bist. In dieser kurzen Pause kannst du nachdenken: Ist es wirklich so tragisch? Ist es schlimm, dass dein Kind sich selbst die Haare kurz geschnitten hat? Ist es furchtbar, dass dein Kind das Sofa bemalt hat? Oft wirst du dann denken: „Es ist nicht schön, aber auch kein wirkliches Drama“. Wenn du für dich allein bist und die Wut nicht weniger wird, dann powere dich aus, etwa indem du eine Treppe schnell hoch läufst. Dein Körper erschöpft dann und die Stresshormone werden abgebaut.

Etwas für dich selbst tun

An manchen Tagen geht es dir vielleicht nicht so gut. Du hast schlecht geschlafen, bist übermüdet, genervt, gestresst und fühlst dich nicht wohl. Dann kann es schnell passieren, dass du empfindlich reagierst und laut wirst. Reflektiere dich in solchen Momenten selbst und verzichte auf weitere Aktivitäten, die dich noch mehr stressen. Tue dir etwas Gutes: Geniesse in Ruhe eine Tasse Tee oder Kaffee oder nimm ein entspannendes Bad oder verabrede dich mit einer Person, die dir gut tut. Hier findest du weitere Tipps für deine Nerven.

Manchmal brauchst du möglicherweise Hilfe, um im Alltag wieder entspannter zu sein. Hab keine Hemmungen und trau dich, deine (Schwieger)Eltern, Freunde oder gute Kollegen zu fragen, ob sie dir an bestimmten Tagen etwas abnehmen können. Auch ein Gespräch mit der Mütter-Väterberaterin oder evtl. eine Erziehungsberatung kann dich unterstützen. Du musst nicht alles alleine schaffen und bist keine schlechte Mutter, kein schlechter Vater, wenn du dir Hilfe holst.

Fazit – Verhalten erkennen und ändern

Werden Kinder häufiger angeschrien, kann dies ihr Selbstwertgefühl beeinträchtigen und später zu Ängsten oder Depressionen führen. Dies belegt eine Schweizer Studie des Forschers Bernd Herrmann. Damit du nicht die Fassung verlierst, kannst du dich innerlich bewusst zurücknehmen, belastende Situationen kurz verlassen und darauf achten, dass es dir selbst gut geht.

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Darf ich mein Kind anschreien?

Wenn bei Eltern der Zorn überkocht, steckt also oft mehr dahinter als die Weigerung des Kindes, seine Regenjacke anzuziehen, oder der umgeworfene Apfelsaft, der vom Tisch herunterläuft. Vielmehr entlädt sich fast immer ein schon länger angestauter Frust. Und den kann man vermeiden:

  • Keine zu hohen Erwartungen haben: Oft erwarten Eltern von ihrem Kind Dinge, die es noch nicht leisten kann: dass es schon früh durchschläft, sich allein beschäftigt, nicht beim Essen matscht, sich nicht in Gefahr begibt, sich Regeln merkt. Doch Vieles davon können Kinder frühestens ab dem Kindergartenalter und auch nur allmählich lernen. Es entlastet, die Fähigkeiten des Nachwuchses nicht zu überschätzen.
  • Unnötige Machtkämpfe meiden: Es gibt Tage, da geht nichts von selbst, gegen alles hat das Kind Einwände. Das nervt und endet leicht in elterlichem Gebrüll. Wenn ein Kind in Machtkampf-Laune ist, heißt dies aber nicht, dass Eltern sich in dieselbe Stimmungslage begeben müssen. Sie dürfen verbale Attacken einfach mal überhören, einen Trotzanfall von selbst abebben lassen, oder bei weniger wichtigen Dingen auch mal nachgeben.
  • Nicht zuviel mit dem Kind allein sein: Vor allem Mütter sind oft für viele Stunden oder gar Tage allein mit dem Kind. So können sie kaum Kraft schöpfen. Wenn möglich, hilft es sehr, dem Partner (notfalls auch einem Babysitter) das Kind zu abgesprochenen Zeiten zu übergeben, um Zeit zum Durchatmen zu haben. Wichtig ist, dem Anderen dann aber auch zuzutrauen, dass er auf seine Weise genauso gut fürs Kind sorgt wie man selbst.
  • Dem Nachwuchs ein Nein zumuten: Viele Eltern lösen Konflikte mit ihrem Kleinkind, indem sie es ablenken und beschwichtigen. So lernen die Kleinen nicht, ein Nein zu akzeptieren und neigen zu endlosem Quengeln. Experten empfehlen, kleine Kinder nicht zu oft von Konflikten abzulenken, sondern sie das elterliche Nein auch mal aushalten zu lassen.
  • Weniger erklären und ermahnen: Kleine Kinder schalten bei langen Erklärungen einfach ab, weil sie sich noch nicht lange konzentrieren können. Besser sind klare, recht knappe Ansagen, die mehrmals wiederholt werden.
  • Gut auf sich selbst achten: Kein Baby gibt seinen Eltern von sich aus die Erlaubnis, sich auszuruhen. Mutter oder Vater müssen sich diese Erlaubnis selbst geben: „Ich dusche jetzt / trinke jetzt einen Kaffee, gleich bin ich wieder für dich da.“ Selbst wenn ein Baby weinend protestiert, darf dies für einige Minuten einfach mal sein. Gut auf sich zu achten kann auch heißen, nicht mehr zu stillen, wenn man das eigentlich nicht mehr möchte. Oder wieder arbeiten zu gehen, wenn einem zu Hause die Decke auf den Kopf fällt und das Kind in eine gute Betreuung zu geben.
  • Nicht für jedes Gefühl des Kindes verantwortlich sein: Viele Eltern glauben, wenn sie alles richtig machten, gehe es ihrem Kind ununterbrochen gut. Weint das Kind oft oder wirkt unzufrieden, fühlen sie sich schlecht – offenbar machen sie irgendetwas falsch. Dieses Gefühl frustriert und macht irgendwann auch wütend. Doch auch kleine Kinder haben gute Tage und schlechte. Eltern dürfen über Stimmungstiefs und Unleidlichkeit auch mal hinwegsehen, ohne sie persönlich zu nehmen.

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