Ich bin eine schlechte mutter

Ich bin es leid! Ständig machen wir Mütter uns verrückt, wegen dem größten Quatsch! Für alles gibt es scheinbar eine Richtlinie, wie sich eine gute Mutter zu verhalten hat. Und wenn wir uns nicht schon selbst genug Nerven kosten, dann richtet sicher die sprichwörtliche Müttermafia hinter vorgehaltener Hand über uns. Was wir uns und unseren Kindern mit diesen unrealistischen Ansprüchen antun, ist dabei nebensächlich. Hauptsache, wir stehen gut da. Oder nicht?!

Mir reicht’s! Ich spiel das Theater nicht mehr mit und deswegen mache ich jetzt eine Gute-Mutter-Detox-Kur. Was das heißen soll? Ich entgifte mich von all den das „muss so und so gemacht, werden sonst bist du keine gute Mutter“-Gedanken und entscheide selbst, was für diese gute Mutter hier das Richtige ist!

Manchmal muss man eingefahrene Routinen und Handlungen einfach überdenken und sie ändern, wenn es nicht mehr gut funktioniert. Und das habe ich gemacht und zwar ganz radikal. Und ich habe für mich fünf Punkte gefunden, die ich einfach so nicht mehr mitmachen möchte. Raus mit diesen giftigen, unnötig stressigen Pseudo-Gute-Mutter-Aktionen und rein mit der Gelassenheit!

Hier sind die 5 Sätze, die für eine gute Mutter einfach keine Gültigkeit mehr haben…

Die Kinder müssen essen!

Nein, das müssen sie nicht. Bereits vor Jahren schrieben einige Blogger schon darüber warum ihre Kinder nicht aufessen müssen. Es geht darum, ihnen nicht das natürlich angeborene Sättigungsgefühl abzuerkennen. Und vor allem wollen wir unseren Kinder ihr Sättigungsgefühl nicht systematisch abtrainieren. Wir zwingen unsere Kinder nicht den Teller leer zu essen und dieser logische Gedanke ist – zumindest in meinem Umfeld – bei den meisten Müttern auch angekommen. Allerdings spuken überall noch die Sätze rum, die es mir mittlerweile kalt den Rücken runterlaufen lassen:

„Du musst wenigstens probieren!“

„Wenn du fünf Bissen Brokkoli gegessen hast, darfst du Nachtisch essen!“

Diese und ähnliche Sätze, teilen das Essen für die Kinder in gute und schlechte Lebensmittel ein. Damit sagen wir eigentlich: Wenn du Summe X vom ekligen Gemüse gegessen hast, belohne ich dich mit Süßigkeiten. Wer mit einem Vierjährigen schon mal diskutiert hat, was als Bissen gezählt werden kann und was nicht weiß zudem, dass es kaum anstrengenderes gibt. Warum also bestehen wir darauf?! Klar, der Gedanke, der dahinter steckt leuchtet mir ein und ich bin oft genug in dieselbe Falle getappt. Zu häufig habe ich die Sätze selbst als Kind gehört und schon als Mutter wiederholt.

Aber jetzt ist Schluss damit. Hier muss niemand aufessen, eigentlich muss hier niemand überhaupt irgendwas essen! Wenn auf ein Gericht die typische Reaktion „Bah, das mag ich nicht! Das ist ekelig!“ kommt, dann sagen wir einfach im ruhigen Ton „das musst du nicht essen“ und fertig. Keine weiteren Kommentare, keine Diskussionen. Stattdessen widme ich mich dem Baby oder noch besser meinem eigenen Teller und genieße.

Für den Sohnemann gibt es allerdings auch keine Alternativen! Er kann sich die Bestandteile rauspicken, die er mag und wenn er fertig ist war’s das. Meistens gibt es von allem genug, so dass er sich auch einzelne Komponenten nachnehmen kann. Einen Nachtisch gibt es in der ausgereiften Form bei uns eigentlich nie. Zum Abschluss des Mittagessens mögen wir gerne eine süße Kleinigkeit. Zwei, drei Weingummi/ein paar Rosinen/ Apfelringe sowas halt. Das liegt schon während des Essens neben dem Teller und ist somit eine gleichwertige Komponente und kann jederzeit gegessen werden. Meistens isst er natürlich das Obst oder Süße als erstes. Aber dann widmet er sich voller Appetit dem eigentlichen Essen.

Wir kochen frisch und abwechslungsreich. Wir besprechen die Wochenpläne gemeinsam und ich bin da ganz offen für Vorschläge. Manchmal gibt es etwas, das die Kinder gerne mögen und manchmal das was wir gerne mögen. So lernen die Kinder immer wieder neue Kombinationen und Geschmäcker kennen und können sich aussuchen, was sie essen wollen.

Wie bei den meisten Kindern, dauerte es auch bei uns einige Tage bis der kleine Münsteraner wusste wie es läuft. Und ich musste mich zu Beginn der Umstellung auch sehr disziplinieren sein Essverhalten nicht zu kommentieren! Aber ganz schnell wird einem dann klar, wie viel entspannter die Mahlzeiten ablaufen und wieviel experimentierfreudiger und offener die Kinder auf Lebensmittel reagieren, die sonst absolut tabu gewesen waren.

Die Kinder müssen jeden Tag gewaschen werden!

So ein ausgewachsener Schwachsinn. Und so ein unnötiger Stress jeden Abend zu versuchen einem Kleinkind die Haare zu waschen! Die arme Haut! Mein armer Rücken…

Klar im Hochsommer wird abends der Sand abgeduscht und die Sonnencreme abgewaschen. Aber das restliche Jahr über reichen ein bis zwei Badeeinheiten pro Woche völlig. Davon bin ich fest überzeugt und zum Entspannen und Runterkommen gibt es nun wirklich genug Alternativen. Baden ist kein angemessenes Abendritual für uns.

Die Haut der Kinder ist kerngesund und überhaupt nicht trocken, rot oder rissig und der Kinderarzt hat uns auch bei der letzten U bestätigt, dass diese Hygieneroutine sehr gut funktioniert. Fragt ruhig euren Arzt! Wahrscheinlich wird er sogar sagen, dass es für die Haut eurer Kinder so tausendmal besser ist, als die tägliche Schrubberei. Wenn die Kinder älter sind und vom Sport „duften“, muss das natürlich wieder anders laufen. Aber bis dahin sind‘s ja bei uns noch ein paar Jahre.

Eine gute Mutter muss geduldig sein und immer die Ruhe bewahren!

Ich versuche es so sehr, aber manchmal (zum Glück eher selten) kann ich mich einfach nicht mehr beherrschen.

Es gibt Momente in denen der Kleine ununterbrochen jault, nur weil ich ihn fünf Sekunden nicht auf dem Arm halten kann, das Telefon klingelt immer im richtigen Moment, der Große bewegt sich wieder in Slow-Motion und redet in einer Tour, während er eigentlich seine Hände waschen soll und ich versuche bei dem ganzen Lärm seinen Unfall im Bad wegzuputzen und gleichzeitig das Essen auf dem Herd eine Etage tiefer nicht anbrennen zu lassen. (Ganz im Ernst! Slow Motion hat dieser kleine Mensch perfektioniert! Ihr kennt die Kugelhagel-Szene aus The Matrix? Wenn der Film nicht vor der Geburt des kleinen Münsteraners gedreht worden wäre, hätte ich gewettet, sie hätten ihn am Waschbecken beobachtet!)

Ja, irgendwann reißt mir die Hutschnur und ich werde laut.

Aber es ist doch so: Es ist nicht gut für Kinder unendlich geduldige und immer engelsgleich lächelnde Mütter zu haben. Denn die Welt ist einfach nicht unendlich geduldig und entspannt! Jeder normale und gesunde Mensch rastet bei zu viel Lärm, Scheiße und Stress irgendwann aus.

Es ist gut für Kinder schon früh die verschiedenen stressbedingten Symptome und Stadien eines herannahenden Donnerwetters kennenzulernen und zu erkennen. Das wird Ihnen sicher auch da draußen im Umgang mit anderen Menschen hilfreich sein.

Das Haus muss immer vorzeigbar sein!

Ja, klar. Definiere „vorzeigbar“!

Seit ich Mutter bin, bin ich auch irgendwie gleichzeitig zur Ordnungstante mutiert. Ständig wische ich die Arbeitsplatte ab, sammel Essensreste vom Boden auf, kratze Flecken mit meinen Fingernägeln von den Wänden und räume Spielzeug in Kisten. Letzteres in der Stunde bestimmt acht Mal! Abends merke ich dann, dass der Fernseher staubig ist und der Spiegel im Eingang kaum noch spiegelt. Obwohl ich mich den ganzen Tag wie eine Putzhilfe gefühlt habe, sieht das Haus nicht sauber aus. Ich könnte aus dem Stand mindestens 10 Ecken aufzählen, in die besser niemand einen Blick riskiert und die mich seit 10 Monaten (der Geburt des Münsterbabys) verfolgen. Das ist wirklich extrem frustrierend und genau deswegen ist jetzt Schluss damit. Alle dürfen mithelfen!

Der Große ist alt genug seine Spielsachen jeden Abend selbst einzuräumen und seine Wäsche nicht vorm Bett auf den Boden, sondern einen Raum weiter in den Wäschekorb zu legen. Auch Jungs sollten doch lernen, dass man Ihnen nicht alles hinterher trägt.

Natürlich ist das Haus so nicht besonders sauber und es würde schneller gehen, wenn ich es selbst mache. Aber sie sollen ruhig ein paar tägliche Handgriffe verinnerlichen.

Er ist stolz und fühlt sich wichtig, wenn Mami ihn braucht und er Verantwortung übernehmen darf. Und er lernt, dass man mit ein paar kleinen täglichen Maßnahmen größeres Chaos verhindern kann.

Und ich? Ich mach mir keinen Kopf mehr, was Besucher – besonders andere Mütter – von mir denken, wenn es nicht picobello ist hier. In den Kleinkindjahren ist Ordnung eben nicht das halbe Leben, sondern nur maximal 30 %. Stattdessen weiß ich, desto größer sie werden, desto mehr Zeit werde ich wieder für den Haushalt haben und desto weniger Dreck werden sie machen. Bis dahin spar ich mir hin und wieder das Putzen und geh mit in den Sandkasten, eine Burg bauen!

Die Kinder sind mein Ein und Alles!

Manchmal vermisse ich die Zeit vor den Kindern. Nein, ich vermisse MEINE Zeit vor den Kindern. Ich bin jemand der gut und gerne Zeit allein verbringen kann. Ich habe es geliebt vor mich hinzukritzeln, dabei den Fernseher laufen zu lassen und gleichzeitig meine Fingernägel drei Mal umzulackieren. Total sinnlos und doch so entspannend!

Diese Zeit in der mein Hirn komplett verantwortungslos und entspannt war, war so eine Art Neustart mit Update für meine innere Ausgeglichenheit. Und auch wenn ich meine Kinder über alles liebe, sind sie auch ganz schön kräftezehrend manchmal. Da würde mir ein Neustart hin und wieder ganz gut tun!

Heute ziehe ich eine Stunde Sport oder einen Friseurbesuch vor, aber der Effekt ist der Gleiche. Hinterher freue ich mich auf meine Familie, habe wieder Kraft und neue Ideen!

Wenn ich im Mai in den Job zurückkehre, wird es noch schwieriger Me-Time zu organisieren. Aber ich werde sie mir nehmen! Und sei es, damit meine Kinder lernen, dass sie für Mami zwar das größte Glück bedeuten, aber sie nicht dafür sorgen müssen, dass Mami glücklich ist. Ich sorge selbst für mich und bin eigenständig genug, dass ich auch zufrieden und gut allein sein kann. Meine Kinder sind mein Herz, aber nicht mein ganzes Leben. Und das müssen sie auch nicht sein, denn das wäre eine Last.

Mein Mann und ich werden da wohl bald einen neuen Weg finden müssen für jeden von uns diese Auszeit zu organisieren. Ähnlich wie die Angestellten in Downton Abbey kriegt dann jeder von uns einen halben Tag in der Woche „frei“. Ich freue mich schon sehr aufs sinnlose rumpröddeln und er sicherlich auch!

Fallen euch noch mehr Sätze ein, die für eine gute Mutter keine Gültigkeit haben sollten? Lasst uns unter #dieguteMutter sammeln!

Eure Münstermama

Eine Therapeutin erklärt, woran sie gute Mütter erkennt

Die Bloggerin Constance Hall hält sich für eine schlechte Mutter. Doch eine Therapeutin gibt ihr einen entscheidenden Tipp: Es ist ein gutes Zeichen, wenn du genervt von deinen Kindern bist!

Es gibt diese Momente, in denen uns unsere Kinder einfach in den Wahnsinn treiben. Momente, in denen wir genervt und sauer sind. Und oft sind es Momente wie diese, in denen wir uns schuldig fühlen, uns Vorwürfe machen: Als gute Mutter dürfte ich von meinen eigenen Kindern nicht genervt sein, oder?

Ehrliche Worte einer Kindertherapeutin

Diese Selbstzweifel kennt auch die australische Bloggerin und Autorin Constance Hall. Sie selbst hat drei Kinder. In einem Facebook-Post gesteht sie, dass sie sich nicht für eine gute Mutter hält. Zu oft würde ihr der Geduldsfaden reißen. Ein Gefühl, mit dem sich wohl jede Mutter identifizieren kann. Und deswegen hat Hall diese Geschichte öffentlich gemacht. Sie wurde inzwischen fast 200.000 Mal geteilt:

Neulich traf ich mich mit einer befreundeten Kindertherapeutin zum Essen. Sie beobachtete meine Kinder eine Weile und sagte dann: „Du bist so einen gute Mutter!“
Ich fühlt mich in diesem Moment wie eine richtige Betrügerin und da platzte es aus mir heraus: „Ich fühle mich aber nicht, als wäre ich eine gute Mutter. Die Kinder treiben mich so sehr in den Wahnsinn, dass ich oft die Beherrschung verliere. Nachts schlafe ich ein und frage mich ernsthaft, wie ich nur die Geduld für den neuen Tag aufbringen soll.“
Daraufhin antwortete meine Freundin etwas, das ich nicht vergessen werde…

„Babys weinen, so kommunizieren sie mit uns. Kleinkinder schreien, Kinder brüllen und Teenager beschweren sich. Und Mütter flüstern in sich hinein ‚verdammt nochmal‘ bevor sie antworten. So kommunizieren wir.

Und weißt du was Constance? Das ist viel besser als Stille.
Ein Haushalt voller schreiender Kinder, streitender Teenager und genervte Eltern, das ist für mich ein guter Haushalt. Ich mache mir um die stillen Kinder Sorgen, um die verängstigten Kleinkinder, um die Teenager, die nicht mehr nach Hause kommen und um die Eltern, die überhaupt nicht mit ihren Kindern kommunizieren.

Und deine Kinder machen dich nicht verrückt, das warst du schon davor. Deswegen hast du dich ja entscheiden, welche zu bekommen.“

„Tief durchatmen. Ihr macht einen guten Job“

Mit diesen Worten schaffte es die Therapeutin, Constance’s Zweifel zu verwischen. Denn wir müssen gar nicht die Bilderbuchmutter sein, die jeden Tag grinst wie ein Honigkuchenpferd. Wir dürfen genervt von unseren Kindern sein. Mutter sein ist nicht einfach und keiner erwartet Perfektion. Das Wichtigste ist es, dass wir eine Beziehung zu unseren Kindern haben – in guten, wie in schlechten Tagen.

„Tief durchatmen. Ihr macht einen guten Job“, sagt Constance noch und beendet so ihren Post. Das sollten wir auch viel öfter zu uns selbst sagen. Und heute fangen wir damit an!

Familienleben

„Gute Mutter sein“ – was bedeutet das?

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„Ich war eine schlechte Mutter“: Späte Erkenntnis

Es fühlt sich an, als habe ich mein Kind verloren, das tut schrecklich weh.

Die 69-jährige Rentnerin aus der Nähe von Trier spricht von ihrem jüngeren Sohn Thomas*. Sie hat kaum noch Kontakt zu ihm. Er schreibt ihr zu Weihnachten eine Mail, treffen möchte er sie nicht. Sie hat seine Entscheidung akzeptiert, sie versteht ihn. „Es ist sein Umgang mit der Vergangenheit“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Es ist meine Schuld. Ich war eine schlechte Mutter. Ich habe mich nicht gut um ihn und seinen Bruder gekümmert. Und ich habe sie nicht beschützt vor meinem Mann, der so hart zu ihnen war.“

Sie redet langsam, etwas bedrückt wirkt sie, aber auch gefasst. Sie hat sich viele Jahre lang
 gefragt, warum sie so war, wie sie war „so schwach und blind“. Es ist ihr nicht leichtgefallen, darauf Antworten zu finden und sich von den Schuldgefühlen zu lösen. Ganz befreit hat sie sich davon immer noch nicht, aber sie hat etwas Klarheit und Abstand gewonnen. Und sie hat gelernt, mit dem Schmerz zu leben.

Mutter und Hausfrau – weil der Ehemann es so wollte

Marianne hat jung geheiratet,
 mit 21, ihre erste große Liebe – die beiden hatten sich als 14-Jährige kennengelernt. Sie bekamen zwei Söhne, Olaf * wurde 1970 geboren, Thomas fünf Jahre später. Eigentlich war alles gut. Aber sie empfand den Familienalltag als bedrückend und frustrierend. Die Beziehung kühlte ab, ihr Mann konzentrierte sich mehr und mehr auf seinen Beruf. Und sie war nur Hausfrau und Mutter – eine klare Rollenverteilung, weil er es so wollte.

Aber irgendwann hatte sie genug. Es waren die 70er-Jahre, Aufbruch lag in der Luft, und es gab ein neues Scheidungsrecht, das die Schuldfrage nicht mehr stellte. Viele ihrer Freundinnen trennten sich damals, träumten von Freiheit jenseits des öden Ehealltags, verführerische Möglichkeiten taten sich auf. „Das war irgendwie schick“, sagt sie.

Bei der Scheidung dachte keiner an die Kinder

1977 ließen sich Marianne und ihr Mann scheiden. Über die Folgen für die Kinder hat sie nicht nachgedacht, so wie sie vieles entschied, ohne lang abzuwägen.

Die gelernte Drogistin arbeitete als Verkäuferin, Vollzeit, aber das fand sie nicht schlimm. Sie war so froh, dass sie nicht mehr nur Hausfrau war, dass sie nicht bemerkte, wie schwer sich ihre kleinen Söhne damit taten, dass ihre Mutter tagsüber nicht mehr für sie da war, wenn sie ihre Fürsorge brauchten. Olaf und Thomas mussten plötzlich ganztags in den Hort gehen, verbrachten die Tage bei den Großeltern oder blieben alleine zu Hause, der Kontakt zu ihrem Vater brach fast vollständig ab.

Die neue Liebe machte alles noch schlimmer

Schon bald mussten sie sich auch noch an einen neuen Mann an der Seite ihrer Mutter gewöhnen. Marianne verliebte sich im Jahr nach der Scheidung und zog wenig später mit den Söhnen zu ihrer neuen Liebe.

Helmut* war fast zehn Jahre älter, sehr charmant, klug und belesen, er gab ihr viel Bestätigung. Und er wusste genau, was er wollte. Das gefiel ihr. Aber es gab schon früh erste Anzeichen, dass er dominant und cholerisch war. Das steigerte sich im Laufe der Zeit, er wurde sofort laut, wenn etwas nicht nach seinem Willen lief, er beschimpfte und schlug ihre Söhne, wenn sie nicht pünktlich, ruhig und brav waren. Wenn sie ihm sagte, dass er damit aufhören soll, gelobte er Besserung, und sie glaubte ihm nur zu gern. Und heiratete ihn sogar wenig später.

Ich war furchtbar naiv. Ich wollte nicht wahrhaben, wie sehr er meine Kinder und mich unterdrückte

Helmut wurde unerträglich, dennoch: Sie verdrängte und verharmloste die vielen strengen Regeln, die er aufstellte, sein Schimpfen und seine Brutalität. Weil eine Ohrfeige damals nichts Ungewöhnliches war. Weil er doch auch so liebevoll sein konnte. Weil sie sich nicht noch mal trennen wollte. Und weil sie so viel arbeitete, dass ihr gar keine Zeit zum Hinterfragen blieb.

Helmut hatte ein paar Jahre zuvor Konkurs gemacht. Alles, was er danach verdiente, wurde gepfändet. Sie war diejenige, die als Verkäuferin das Leben für ihn und die Kinder finanzierte. Da ihr Gehalt kaum ausreichte, hatte sie unter ihrem Namen ein Buchantiquariat aufgemacht, in dem ihr Mann arbeiten konnte. Für Angestellte fehlte das Geld, also half sie selbst nach Feierabend mit, kümmerte sich um Rechnungen und die Buchhaltung.

Auch ihre Söhne mussten mit anpacken. Wenn andere Kinder spielten, standen sie im Geschäft und sortierten Bücher. Marianne Ksionek hatte jetzt überhaupt keine Zeit mehr für ihre Kinder. Wenn sie nach Hause kam, war sie so erledigt, dass sie nur noch ihre Pflicht erfüllen konnte – Tisch decken, Essen hinstellen, Wäsche waschen. Arbeit und Geldsorgen bestimmten das Leben, ständig waren Gerichtsvollzieher im Haus, sie und ihr Mann stritten sich oft.

Unser Leben war arm und anstrengend

„Ich war davon so erschöpft und müde, dass ich auf die Bedürfnisse meiner Kinder überhaupt nicht mehr eingehen konnte“, sagt Marianne. Erst als ihre Söhne ausgezogen waren und sich kaum mehr bei ihr meldeten, erwachte sie langsam aus diesem Leben, in dem sie nur noch blind funktionierte. Das war Mitte der 90er-Jahre, sie war Ende 40.

Eine heftige Fructose-Allergie machte ihr in dieser Zeit zu schaffen, ihr Mann hatte Affären, die Kinder waren weg, sie fühlte sich ungeliebt und allein, dachte viel nach, auch über ihre eigene Kindheit.

Sie machte als Mutter die gleichen Fehler wie ihre Eltern

„Mir wurde langsam klar, wie viel Angst ich als junger Mensch hatte, wie vielen Zwängen ich unterworfen war.“ Ihre Mutter war chronisch krank gewesen – offene Tuberkulose, Herzmuskelentzündung, Nierenschwäche, Allergien. Die ersten fünf Jahre nach der Geburt von Marianne verbrachte sie die meiste Zeit in Sanatorien, die kleine Marianne wuchs bei ihrer Oma auf.

Nach deren Tod kam die Mutter nach Hause. Fortan wurde Marianne zu vielen Ärzten mitgenommen, die ihr einbläuten, dass sie ihre Mutter schonen müsse und keinen Dreck machen dürfe. Jeden Nachmittag gab es Schweigestunden, da durfte die Mutter nicht sprechen, wegen ihrer Lunge und dem Herzen, und auch Marianne hatte still zu sein. Wenn sie nicht gehorchte, wurde sie geschlagen.

Eine Kindheit ohne Spaß und Liebe

Ein Kind, das kein Kind sein darf und regelmäßigen Misshandlungen ausgesetzt ist, lernt, dass es sich fügen und funktionieren muss, egal wie es sich fühlt. Marianne hat gelernt, ihre Gefühle abzuschalten, um das Leben zu ertragen. Und hat ihren Kindern angetan, was ihr selbst angetan wurde.

Das zu begreifen war ein schmerzhafter Lernprozess. Immer deutlicher verstand sie, warum sich ihre Söhne von ihr abgewendet hatten. Weil sie in einer ähnlich freudlosen Atmosphäre aufgewachsen waren wie sie selbst. Weil sie wie kleine Erwachsene behandelt wurden, viel zu hart und streng. Weil sie diese Erinnerungen und die Menschen, die damit zu tun hatten, nicht mehr an sich ranlassen wollten.

Die Clown-Ausbildung war ihre Rettung

In den nächsten Jahren löste sich ihr altes Leben Stück für Stück auf. Ihr Mann trennte sich von ihr, sie gab das Buchantiquariat auf, sie erlitt zwei Bandscheibenvorfälle, verlor ihren Job als Verkäuferin und rutschte 2002 in das „Tal der Tränen“, so nennt sie es.

Monatelang konnte sie nichts tun, außer zu weinen. Sie weinte, weil sie kein glückliches Kind hatte sein dürfen und ihren Söhnen keine gute Kindheit ermöglicht hatte. Weil sie die Fehler ihrer Eltern wiederholt hatte und sich so schuldig fühlte. Sie weinte alles raus, so sehr, dass es sie manchmal schüttelte.

Irgendwann in dieser Zeit las sie von einer Ausbildung zum Clown. Die Vorstellung, wieder lachen zu lernen, weckte in ihr eine tiefe Sehnsucht. Ihre Ausbildung zum Clown begann sie Anfang 2004. „Das war meine Rettung“, sagt Marianne lebhaft.

Dabei muss man intensiv an sich selbst arbeiten, sich von falschen Denkmustern und Blockaden befreien, um zum wahren Ich vorzudringen

Sie hat in dieser Zeit viel über sich und ihre Vergangenheit gelernt. Hat sich lösen können von der Trauer und den Selbstvorwürfen. Hat etwas Frieden geschlossen mit den Fehlern ihrer Eltern und den eigenen.

„Meine Kinder wurden in den Strudel meines Lebens reingerissen, das war hart für sie. Aber jeder Mensch hat die Aufgabe, sich von seiner Kindheit irgendwann zu befreien. Man kann nicht für immer den Eltern die Schuld geben.“ Sie wirkt jetzt wieder sehr gefasst, wenn sie das sagt.

Die Erkenntnis ist da – leider zu spät

Dennoch: Abgehakt ist das Thema für sie noch nicht. Mehrmals hat sie versucht, mit den Söhnen über ihre Fehler zu sprechen. Sie haben sich ihre Erklärungen und Entschuldigungen angehört, aber abgeblockt. „Lass gut sein, das ist vorbei“, sagen sie beide. Vielleicht, denkt die Mutter, verdrängen sie das, was geschehen ist. „So wie ich es jahrelang gemacht habe: Ertragen durch Abschalten.“

Marianne würde ihre Söhne gern einmal wiedersehen, doch der Ältere lebt mit seiner Familie in Amerika. Und Thomas hat ihr zu Weihnachten geschrieben, dass er sie zwar lieb habe, aber nicht treffen möchte. „Ich muss das so hinnehmen“, sagt sie. „Zwischen uns ist alles gesagt, er weiß, dass es mir sehr leidtut.“

Hat sie noch Hoffnung, dass sie sich wieder annähern? Sie weiß es nicht. „Irgendwann vielleicht. Warten wir mal zehn Jahre.“ Sie versucht zu lächeln, doch die Traurigkeit in ihren Augen, die geht nicht ganz.

Ich habe das Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein – jetzt denke ich um

Ich bin die schlimmste Schwangere, die du je getroffen hast. Ich hasse einfach jeden Aspekt an einer Schwangerschaft – abgesehen davon, dass man am Ende ein Baby hat. Ich bin dankbar für meine Schwangerschaften – aus tiefstem Herzen dankbar dafür, dass Gott es mir geschenkt hat, drei wundervolle kleine Jungs und ein Mädchen austragen zu dürfen. Das ist nicht selbstverständlich. Aber jeder einzelne Aspekt einer Schwangerschaft setzt mir zu.

Die Wehen sind das Schlimmste

Doch als das wundervolle Ereignis schließlich geschah, war ich in Ekstase. Erstens, weil ich endlich Jackson Cage kennenlernen konnte – unser Wunschkind, dessen Namen wir schon vor Jahren bei einer Reise quer durchs Land festgelegt hatten. Zweitens, weil ich meinen Körper nun wieder für mich allein haben würde. Ich war euphorisch, dass ich die Wehen überstanden hatte, die ich offen gesagt für das Schlimmste am Muttersein halte.

Aber als wir mit Jackson in seiner ganzen Pracht zu Hause ankamen, traf mich völlig unvorbereitet das Gefühl, als frisch gebackene Mama vollkommen ungeeignet zu sein. Ich liebte ihn unbändig. Und ich hatte Angst um ihn. Ich konnte nachts kaum schlafen, weil ich mir sicher war, dass er aufhören würde zu atmen. Das Stillen war schwierig und schmerzhaft und ich produzierte nie genug Milch, um diesen gigantischen Nachwuchs satt zu kriegen. Mein Mann war immer mein bester Freund und mein Lieblingsmensch auf Erden, aber ich erinnere mich noch an die Zeit, in der Jackson anderthalb Monate alt war, und ich Dave ansah und ernsthaft dachte, ich würde ihn hassen. Aus tiefster Seele hassen.

Elternwerden ist ein Schwindel

Jackson war sechs Wochen alt – was übrigens genau die Zeit ist, in der ungetrübter Hass am häufigsten auftritt – und wachte nachts immer noch auf. Es ist wichtig an dieser Stelle die Worte immer noch zu betonen, denn mein junges, ahnungs- und kinderloses Ich hatte gedacht, am Ende des ersten Monats hätten wir alles überstanden und befänden uns auf bestem Wege ins elterliche Paradies. Ach, mein reines, unschuldiges Herz …

Elternwerden ist ein großer Schwindel. In den ersten Wochen schwimmt man auf der großen Euphoriewelle. Liebe Menschen bringen einem Aufläufe vorbei, die Mama ist noch da und hilft und man hat diesen wundervollen kleinen Engel. Aber dann vergehen die nächsten zwei Wochen und man gerät in eine Zombieroutine. Die Brüste tropfen durch die Kleidung und man hat schon eine Woche nicht gebadet. Die Haare sehen so schlimm aus wie nie zuvor – egal. Du schaffst das schon.

In mich reingefressen

Aber nach sechs Wochen ist die Luft raus. Man denkt: Warum bin ich so erschöpft? Warum sehe ich immer noch so aus, als wäre ich im fünften Monat schwanger? Warum mache ich immer noch nichts anderes außer stillen?

Nach sechs Wochen war ich ein wenig … äh … frustriert darüber, wie sehr ich damit beschäftigt war, mich ums Baby zu kümmern. Ich hatte das Gefühl, dass Dave nicht sehr viel dazu beitrug und fand die Verantwortung, das meiste allein stemmen zu müssen, ziemlich erdrückend. Aber ich sagte kein Wort zu ihm. Ich wickelte das Gefühl fest ein und schluckte es ganz tief hinunter, wo es niemandem in die Quere kam. Eines Tages unterhielten wir uns über irgendetwas, als die Bombe platzte. „Ich bin müde.“ Das war es, was er sagte. Das waren seine Worte. Meine Welt wurde aus den Angeln gerissen, und meine Augen nahmen das Achtfache ihrer normalen Größe an. Aber er war zu sehr mit Reden beschäftigt: „Ich bin todmüde, weil ich heute Morgen so früh aufgewacht bin … blablabla … weitere falsch verstandene Worte.“

Komplett ausgerastet

Ich rastete komplett aus. Ich weinte, ich lachte, ich überlegte, wer dieses Baby aufziehen würde, wenn ich Dave mit dem Plastikschlauch meiner Milchpumpe erdrosselte. Und um eins der berühmtesten Zitate unserer gesamten Ehe zu wiederholen: „Bei unserer Hochzeit hätte ich nie gedacht, dass ich dich einmal so sehr hassen könnte wie jetzt!“ Das war sicher nicht meine Sternstunde. Aber zu meinem Glück stecken Beziehungen voller Chancen für Gnade.

Selbst als das Baby anfing, durchzuschlafen (und wir auch), war ich ein Wrack. Ich liebte Jackson, aber ich hatte das Gefühl, keine richtige Bindung zu ihm zu haben. Ich hatte solche Angst, etwas falsch zu machen, dass ich mich nie entspannte. Ich war so darauf bedacht, den Haushalt zu erledigen und dafür zu sorgen, dass sein Strampler fleckenfrei blieb, dass ich es nie einfach nur genoss, eine junge Mutter zu sein. Ich glaube, ich hatte solche Angst, ihm gegenüber zu versagen, dass ich mir selbst gegenüber versagte.

Ich habe vergessen, wer ich bin

Weil ich so sehr darauf bedacht war, wie wir als Familie wirkten, hatte ich mir nie die Zeit genommen, eine Verbundenheit zu spüren. Und weil ich das Gefühl hatte, keine gute Mutter zu sein – die eine Sache, die man doch von Natur aus beherrschen sollte –, war ich mir sicher, restlos zu versagen. Im Rückblick erkenne ich, dass meine Wahrnehmung von Bildern aus dem Internet und aus Zeitschriften geprägt war. Ich verschwendete so viele Sorgen daran, irgendeinem Pinterest-Standard nicht zu entsprechen, dass ich komplett vergaß, wer ich eigentlich war.

Die einzig wahre To-do-Liste

Das hier ist wichtig für junge und werdende Mamas: Hör zu! Du brauchst nicht schon vorher alles geplant zu haben. Du brauchst auch nicht alles zu wissen. Die Handgriffe, die ein Neugeborenes am Leben erhalten, sind ziemlich simpel: füttern, kuscheln, liebhaben, feuchte Windeln wechseln, warmhalten, wieder kuscheln.

Die tägliche To-do-Liste einer frischgebackenen Mama sollte auf zwei Punkte zusammengestrichen werden:

1. Sich um das Baby kümmern.

2. Sich um sich selbst kümmern.

Peng. Ende.

Mist, du hast die Wäsche heute nicht gemacht? Guck auf deine Liste: Hast du dich um das Baby gekümmert? Ja. Hast du dich um dich selbst gekümmert? Auch ja. Na also, ich glaube, du hast die Mamasache drauf. Ich schätze, die Wäsche kann warten.

Wie bitte? Du bist traurig, weil du die Kilos von der Schwangerschaft noch nicht wieder runter hast? Nimm dir deine prima-praktische To-do-Liste mit den exakt zwei Punkten noch mal zur Hand. Lebt das Baby noch? Super. Was ist mit dir – atmest du noch ein und aus? Na dann – es klingt, als seist du die beste Mama überhaupt. Mach weiter!

Keine Angst vor dem Versagen

Pinterest ist klasse, und das Kinderzimmer in perfekt aufeinander abgestimmten Farben zu dekorieren, ist der halbe Spaß am Kinderkriegen. Durch Instagram surfen? Klar, ich sehe immer noch gern bei den ganzen schwangeren Insta-Frauen vorbei, immer auf der Suche nach tollen Outfits, die zur Kugel passen! Es ist gut, über den Tellerrand zu blicken, wenn wir unsicher sind, weil Neues anbricht – und selten sind wir so unsicher wie als junge Eltern. Aber lass mich dir eins sagen:

Der Gott, der Mond und Sterne und Berge und Meere geschaffen hat, glaubte, dass du und dein Baby zusammenkommen sollten. Das heißt nicht, dass ihr perfekt zusammenpasst. Das heißt nicht, dass du nicht auch Fehler machen wirst. Das heißt aber, dass du keine Angst vor dem Versagen haben brauchst, denn es ist unmöglich, in einer Aufgabe zu versagen, für die du geschaffen wurdest.

Du bist gut

Irgendwo denkt eine zynische Leserin gerade an all die Eltern, die dennoch versagen. Es gibt viele Mütter, die schlechte Entscheidungen treffen, die sich selbst oder ihren Kindern Verletzungen zufügen. Als frühere Pflegemutter weiß ich aus eigener Erfahrung, dass gerade jetzt in diesem Moment Säuglinge misshandelt und vernachlässigt werden, und selbst wenn ein heiliger Plan sie zu ihren Müttern brachte, ist es für sie vielleicht nicht das Beste, auch dort zu bleiben.

Aber über diese Mütter rede ich hier nicht. Ich spreche mit dir. Lass dich nicht von der Sorge zermürben, ob dein Kind einem festen Schlafrhythmus folgt, nur Bio-Gläschen isst oder schnell sitzen lernt. Ich spreche mit derjenigen, die all die Bücher und Artikel liest und sich überfordert fühlt bei der Frage, was denn das Richtige ist, wenn man doch so viele falsche Entscheidungen treffen kann. Allein, dass du dir so viele Gedanken machst, zeigt doch schon, dass du voll bei der Sache bist und das Beste erreichen willst. Das zeichnet die besten Eltern aus. Und der Rest regelt sich dann schon von allein.

Was mir geholfen hat:

1. Eine Clique finden. Suche dir eine Gruppe von Frauen, die wissen, was es bedeutet, eine junge Mutter zu sein. Solidarität ist eine große Kraft. Es tut gut, sich mit einer Frau zu unterhalten, deren Baby ihr auch aufs Shirt spuckt.

2. Mich von Pinterest fernhalten. Aus Liebe zu allem, was mir heilig ist – niemand sollte nach einem großen Lebensereignis Zutritt zu Pinterest haben. Warum? Weil man entweder das Gefühl hat, etwas zu verpassen oder das eigene Leben, Kinderzimmer oder Gewicht dem anpassen zu müssen, was man im Internet sieht. Achte einmal darauf, was dir Angst macht und wodurch du an dir zweifelst. Wenn es die Sozialen Medien sind, tu deinem Herzen einen Gefallen und lege eine Pause ein. Ich verspreche dir, dass sie noch da sind, wenn du mehr Schlaf bekommst und emotional stabiler bist.

3. Aus dem Haus gehen. Jeden. Tag. Wieder. Das Beste, was du für dich selbst, deine Gesundheit und dein Kind tun kannst, ist, den Ort des Verbrechens zu verlassen. Verabschiede dich für eine Weile von dem Ort mit dem Geschirr in der Spüle und dem überquellenden Windeleimer. Pack dein Kind in die Trage oder Karre und spaziere durchs Viertel. Steck dir Kopfhörer ins Ohr und höre Beyoncé oder Adele oder einen Podcast über Firmenethik. Tu, was nötig ist, damit du nicht vergisst, dass ein Leben außerhalb deines Nestes existiert und dass du immer noch dazugehörst.

4. Mit jemandem über meine Gefühle sprechen. Lügen lassen sich wirksam aufdecken, wenn wir sie vor jemandem laut aussprechen. Egal, ob du dir dafür deinen Mann, deine Freundin oder eine liebe Verwandte aussuchst: Zu erzählen, dass du zu kämpfen hast, kann dir die notwendige Unterstützung verschaffen, um all die Irrtümer aufzuklären, die dein Leben bestimmen.

Rachel Hollis ist die Gründerin der Website The-ChicSite und Geschäftsführerin von Chic Media. Mit ihrem Mann und ihren vier Kindern lebt sie in Austin, Texas. Dieser Text ist ein Auszug aus ihrem Buch „Schmink’s dir ab. Lass die Lügen los und lebe“, das gerade bei SCM Hänssler erschienen ist.

Dieser Artikel wurde verfasst von Rachel Hollis

…und wenn du das nicht tust, bist du eine schlechte Mutter!

Alle Mütter haben Kinder, aber jede Mutter meistert diesen – knochenharten- Job anders. Im Prinzip ist das auch nicht schlimm, bis es aber Freundschaften auflöst. Ja, richtig gelesen. Ich habe mich mit einigen Müttern über Konsum, Erziehung und Ernährung unterhalten und nicht nur die Meinungen gehen dabei auseinander, sondern manchmal auch Menschen.

Unterschiedliche Meinungen sind okay:
„Mein Sohn bekommt alles was er will“, sagt eine der Mütter und hat damit meine volle Aufmerksamkeit auf sie gelenkt. Sie erklärt wieso es so ist :“ Ich stamme aus einer sehr armen Familie, ich hatte nichts als Kind. Mein Mann verdient dagegen aber nicht schlecht und ich möchte meinem Sohn (3 J.) nichts vorenthalten, was er haben kann. Das klingt nach verwöhnen, ist es aber nicht. Ich habe heute als Erwachsene noch Minderwertigkeitskomplexe, weil ich immer nur gebrauchte Kleidung und Spielzeug als Kind bekommen habe. So etwas prägt dich für immer und wer das nicht durchgemacht hat, der versteht es auch nicht. Und ich frag´ mich auch oft, wieso ich ihm etwas vorenthalten soll, wo ich es mir doch leisten kann? Das wäre doch unfair.“
Eine andere Mutter fügte hier hinzu:“ das ist ganz und gar nicht unfair, sondern Erziehung. Man kann ihnen doch nicht alles was ihr Herz begehrt nachwerfen. Heute ist es vielleicht ein Spielzeug, das ich mir leisten kann, morgen aber schon ein Motorrad, das ich mir nicht so leicht leisten kann?! Ich kaufe schon manchmal auch Gebrauchtes für meine Tochter (2 J.) und sie bekommt sicher nicht alles was sie will, denn so läuft das Leben nun einmal auch nicht. Sie soll nicht mit der Idee aufwachsen, dass sie alles bekommt, nur weil sie schreit, oder es eben in diesem Moment haben will“, sagt sie und wirft der Mutter mit der ersten Aussage einen tadelnden Blick zu.
Und hier fällt es mir zum ersten Mal auf: Wieso tun wir Mütter das? Wieso werfen wir einander strafende Blicke zu, sind grob zueinander, nur, weil andere Mütter einiges eben anders machen als wir es gern hätten?

Von Kaiserschnitt und Sandliebhabern…

Es fängt schon mit der Geburt an:“ Ich habe mein zweites Kind per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht und ich habe meine Entscheidung nicht bereut. Das erste Mal war vaginal und es dauerte drei Tage. Zwei Tage lang wurde versucht die Wehen einzuleiten und dann noch einmal über achtzehn Stunden Wehen bis einmal die Presswehen angefangen haben. Der Kaiserschnitt ist definitiv kein Entkommen von den Schmerzen, aber ich hatte mein Kind schneller im Arm. Für viele Mütter bin ich jetzt ´keine richtige Mutter´, aber wer einen Kaiserschnitt hinter sich hat, der weiß es eben besser.“ Was kommt nach der Geburt? Stimmt! Das große Thema „Stillen“. „Ich habe meinen Sohn schon gestillt, aber er hatte mit 4 Monaten schon zwei Zähne und hat mich immer gerne in den Nippel gebissen. Einmal war es so schlimm, dass ich geblutet habe. Das klingt jetzt wahrscheinlich nicht arg, aber er hat dann immer dieselbe Stelle gebissen. Wieder und wieder. Danach gab es für ihn nur noch Pre-Nahrung und ich habe keine Gewissensbisse. Bin ich deswegen eine schlechte Mutter?“ Eine überzeugte Stillmutter antwortete hier:“ Nein, eine schlechte Mutter bist du sicher nicht und du brauchst auch von niemandem eine Bestätigung, aber ich denke es hat auch mit der Situation zu tun. Mein Sohn ist fast 10 Monate alt, hat noch keine Zähne, kratzt mich aber trotzdem liebend gern, wenn ich ihn gerade stille. ich hasse es, aber ich mag das Stillen an sich sehr gern. Ich fühle die Verbindung zwischen ihm und mir dann ganz besonders. Das ist unser `Knuddelmoment`.“ Alle nicken zustimmend.
Es hört dabei leider nicht auf, denn ab dem 6. Monat kommt auch noch die Beikost und da gingen auch schon Freundschaften kaputt, so eine Mutter:“ Ich bin überzeugte Schlemmerin, meine ehemalige beste Freundin dagegen ist sehr gesundheitsbewusst, was ihre Ernährung betrifft. Wir hatten miteinander keine Probleme diesbezüglich, aber als wir dann Mütter wurden, kommentierte sie ständig die Ernährung meiner Kinder. Sie baut alles bei ihr am Feld an, was ihre Familie und sie essen. Ich kaufe auch einmal die Breigläschen und sage es ehrlich, dass ich nicht immer und alles selber koche, was meine Kinder bekommen. Sie meinte ich würde es mir leicht machen und nicht auf die Gesundheit meiner Kinder achten. Ich sei eine Rabenmutter und verantwortlich, sollten meine Kinder einmal `fett und ungesund` sein, obwohl ich um einiges schlanker bin als sie. Sie hat mich damit sehr verletzt und ich habe den Kontakt abgebrochen, ohne etwas darauf zu sagen.“

Um die Stimmung aufzulockern werfe ich ein :“Meine Tochter isst vom Boden, da hätt´ deine Freundin keine Freude mit mir.“ Alle lachen. „Mein kleiner Mann isst Sand“, sagt eine weitere Mama und zeigt uns ein Beweisfoto vom süßen Sandliebhaber. Ich werfe einen Blick zu der Mutter, die mit ihrer Freundin keinen Kontakt mehr hat, merke, dass sie in Gedanken vertieft ist und nicht mit uns lacht. Schade, einfach nur schade, wenn eine Freundschaft in die Brüche geht, wenn das der Grund war.

„Bin ich deswegen eine schlechte Mutter?“
Ich habe mir diese Frage schon sooooooo oft gestellt und zwar mehrmals täglich. Bin ich eine schlechte Mutter, weil meine Tochter manchmal Schokolade darf? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich ihr einmal etwas Gebrauchtes kaufe? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich das Stillen nicht so toll finde? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich sie manchmal weinen lasse, da ich grad am Klo sitze und nicht zu ihr kann? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich die Zeit ohne sie auch genieße? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich ihr etwas Teures gönne? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich manchmal mein altes Leben vermisse? Meine Tochter hat keinen teuren Kinderwagen, bin ich deswegen keine „Fashionista-Mama“? Und ist das schlimm, wenn ich keine „Fashionista-Mama“ bin? Ist es schlimm, wenn ich nicht immer vorkoche, sie aus dem Gläschen füttere und es ihr sogar schmeckt? Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich Hilfe zu Hause habe, weil ich es mir mit meinem Baby oft zu viel wird? Und vor allem:
Wer entscheidet, ob ich eine schlechte Mutter bin?

Mein Tipp:

Mir ist sehr wohl bewusst, dass sich daran nichts ändern wird. Es wird immer Mütter geben und vor allem meckernde Mütter wird es immer geben, die andere Mütter anmeckern, ohne zu verstehen, wieso wer wie handelt.. Also diese Tatsache, kann leider keiner ändern, aber mich selbst kann ich sehr wohl ändern. Wenn mich eine andere Mutter nach meiner Meinung fragt, sage ich ihr ehrlich was ich denke, OHNE ihr ein schlechtes Gewissen, oder Schuld einzureden, nur weil sie anders denkt/handelt als ich.

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