Halsschmerzen in schwangerschaft

Halsschmerzen in der Schwangerschaft: Das hilft und schont

Allgemeine Ursachen für Halsschmerzen

Die Auslöser für Halsschmerzen können vielfältig sein. Die Schleimhautentzündungen im Mund- oder Rachenraum werden durch virale Erreger verursacht. Sie gehören zu den typischen Erkältungssymptomen. Als Auslöser für das lästige Kratzen im Hals kommen aber auch bakterielle Infektionen (z. B. eine Mandelentzündung) oder Reaktionen auf Staub und Rauch infrage.

Behandlung von Halsschmerzen in der Schwangerschaft: Welche Medikamente sind erlaubt?

Wer nicht schwanger ist, greift bei Halsschmerzen häufig zu rezeptfreien Medikamenten aus der Apotheke. Allerdings sind viele Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen) und Halstabletten für schwangere Frauen nicht uneingeschränkt empfehlenswert. Nehmen Sie bei Halsschmerzen in der Schwangerschaft daher nicht einfach Ihre gewohnten Medikamente. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Mittel nun für Sie geeignet und unbedenklich sind. Möglicherweise wird er Ihnen zum Beispiel die Einname von Paracetamol erlauben. Teilen Sie auch bei einem Besuch in der Apotheke unbedingt mit, dass Sie schwanger sind. Bei schweren, lang anhaltenden Halsschmerzen, die ggf. mit Fieber verbunden sind, sollten Sie direkt Ihren Arzt aufsuchen. Ist eine bakterielle Infektionen mit Eiterbildung die Ursache für Ihre Halsschmerzen, müssen Sie eventuell mit Antibiotika behandelt werden.

Die besten Hausmittel bei Halsschmerzen in der Schwangerschaft

Hausmittel bei Halsschmerzen in der Schwangerschaft

Um Ihre Halsschmerzen in der Schwangerschaft zu lindern, können verschiedene Hausmittel helfen. Trinken Sie viel Wasser, um Ihre Schleimhäute feucht zu halten. Lutschen Sie Pastillen aus der Apotheke – vorzugsweise zuckerfrei, um Karies vorzubeugen. Außerdem sind folgende Hausmittel hilfreich:

  • Heiße Zitrone trinken: Pressen Sie den Saft einer Zitrone aus und übergießen Sie diesen mit heißem Wasser. Fügen Sie zum Süßen einen Teelöffel Honig hinzu.
  • Mit Salbeitee gurgeln: Salbei beruhigt die Schleimhäute, lindert Schmerzen und bekämpft Bakterien. Zerkleinern Sie acht frische Salbeiblätter, gießen Sie diese mit 200 Milliliter Wasser auf und lassen Sie die Mischung 15 Minuten lang ziehen. Benutzen Sie den Salbeitee alle ein bis zwei Stunden zum Gurgeln.
  • Mit Salzwasser gurgeln: Geben Sie einen halben Teelöffel grobes Meersalz in ein Glas und übergießen Sie es mit lauwarmem Wasser und gurgeln Sie dann öfters damit. Das desinfiziert und lindert Schmerzen.
  • Zitronenhalswickel: Pressen Sie den Saft einer Zitrone aus und mischen Sie ihn mit einer Tasse warmen Wasser in einer Schüssel. Tränken Sie ein dünnes Baumwolltuch darin, wringen Sie es aus und legen Sie es sich um den Hals, darüber wickeln Sie einen Schal. Nehmen Sie den Wickel nach 30 bis 60 Minuten ab und halten Sie Ihren Hals weiterhin mit einem Schal warm.

Halsschmerzen in der Schwangerschaft: Homöopathie bei Halsweh

Auch der Einsatz von homöopathischen Mitteln ist bei Halsschmerzen in der Schwangerschaft möglich. Die Präparate können sich nach den verschiedenen Ausprägungen der Halsschmerzen richten: Sind die Beschwerden zum Beispiel plötzlich nach kaltem oder trockenem Wind aufgetreten? Fühlt sich der Hals trocken an? Wie ist er gerötet und haben Sie Schluckbeschwerden? Da Homöopathie in der Schwangerschaft vorsichtig angewandt werden sollte, sprechen Sie hier zur Sicherheit mit einem Experten über Ihre Möglichkeiten. Auch Apotheker und Hebammen können Ihnen weiterhelfen.

Sind Halsschmerzen in der Schwangerschaft gefährlich?

Viele Frauen sorgen sich bei eigenen Beschwerden automatisch um die Gesundheit Ihres Babys. Halsschmerzen in der Schwangerschaft haben in der Regel aber keine negativen Auswirkungen auf das Ungeborene. Um die Beschwerden der Mutter in den Griff zu bekommen und ihren Körper nicht zusätzlich zu belasten, sollten die Halsschmerzen in der Schwangerschaft aber gut beobachtet und gelindert werden. Handelt es sich um eine normale Erkältung und ein leichtes Kratzen im Hals, ist das nach einiger Zeit wieder ausgestanden. Halten die Beschwerden an oder werden sogar schlimmer, sollten Sie nicht zögern zum Arzt zu gehen. Einige Schwangere haben Angst, dass die Halsschmerzen in der Schwangerschaft ein Anzeichen für eine Toxoplasmose sein könnten. Lymphknotenschwellungen gehören neben Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen – also den typischen Grippebeschwerden – zu den Symptomen dieser Infektion. Sollten Sie hier tatsächlich Bedenken haben und diesen Verdacht hegen, kontaktieren Sie Ihren Arzt.

Halsschmerzen in der Schwangerschaft vorbeugen

Werdende Mütter sind häufig besonders anfällig für Erkältungskrankheiten. Schnupfen, Husten und Halsschmerzen in der Schwangerschaft halten sich oft sehr hartnäckig. Ihr Immunsystem ist in dieser Zeit nämlich vor allem damit beschäftigt, Ihr Baby zu schützen. Einer Erkältung kann man leider nicht immer aus dem Weg gehen, aber mit ein paar Tricks halten Sie Ihr Immunsystem auf Trab und beugen Halsschmerzen in der Schwangerschaft vor.

  • Viel trinken: Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit Wasser, Früchte- und Kräutertees.
  • Nicht stressen lassen: Stress ist schlecht fürs Immunsystem und macht Ihren Körper angreifbar und anfällig für Krankheiten. Gönnen Sie sich genügend Pausen.
  • Sportlich sein: Sport ist gut für die Abwehrkräfte. Bewegen Sie sich also – am besten an der frischen Luft. Das macht zusätzlich auch noch gute Laune und vertreibt die Müdigkeit in der Schwangerschaft.
  • Gesund und ausgewogen ernähren: Obst und Gemüse sollte jetzt besonders oft auf Ihrem Speiseplan stehen. Auch Vollkornprodukte sind sehr gesund – sie enthalten viele Ballaststoffe.

Mandelentzündung: Hausmittel und Tipps gegen Angina tonsillaris

Seitenstrangangina in der Schwangerschaft richtig behandeln

27. März 2012 5 Min.

Wenn das Immunsystem geschwächt ist oder bereits eine von Viren ausgelöste Erkältung vorliegt, kann es durch das Eindringen weiterer Erreger zu einer Seitenstrangangina kommen – einer akuten Form der Rachenentzündung. Gerade in der Schwangerschaft sollten Frauen, die an einer Seitenstrangangina erkrankt sind, einige Dinge beachten.

Symptome der Seitenstrangangina in der Schwangerschaft

Eine Seitenstrangangina (Pharyngitis lateralis) ist — nicht nur während der Schwangerschaft — oft die Folgeerkrankung einer Erkältung. Wenn das Immunsystem durch Viren bereits geschwächt ist, haben andere Erreger leichtes Spiel und es kann zu einer Superinfektion kommen. Hierbei befallen Bakterien – beispielsweise Streptokokken, Staphylokokken oder Pneumokokken – die schon durch Viren angegriffene Schleimhaut. Eine anschließende Abwehrreaktion des Körpers führt zu der Entzündung der lymphatischen Seitenstränge, die seitlich im hinteren Rachen verlaufen.

Betroffene Patientinnen klagen dann über:

  • Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • Fieber (über 38 Grad Celsius)1
  • Husten
  • Abgeschlagenheit
  • druckempfindliche Lymphknoten

Gerade in der Schwangerschaft fragen sich viele Frauen, wie sie die belastenden Symptome der Seitenstrangangina am besten lindern können, ohne ihrem Kind zu schaden.

Sind Hausmittel besser als Medikamente?

Wer in der Schwangerschaft an einer Seitenstrangangina erkrankt ist, sollte eines bedenken: Medikamente, die eingenommen werden, gelangen über die Nabelschnur in den kindlichen Blutkreislauf. Je nach Wirkstoff kann dies unter Umständen schwere Folgen für die Entwicklung des Babys haben. Daher ist es äußerst wichtig, jede Behandlung mit dem betreuenden Frauenarzt abzusprechen — er kann Ihnen geeignete Medikamente empfehlen. Da eine Seitenstrangangina in der Regel von alleine abheilt, ist es sinnvoll, in der Schwangerschaft erst einmal zu Hausmitteln zu greifen, um die Begleiterscheinungen zu reduzieren.

In Frage kommen beispielsweise:

  • Kräutertees: Die Wärme eines Tees wirkt schmerzlindernd und beruhigend auf die gereizte Rachenschleimhaut. Geeignet sind bei einer Seitenstrangangina in der Schwangerschaft vor allem Kamillen-, Thymian- und Salbeitee.
  • Wadenwickel: Sie dienen der Fiebersenkung und werden für gewöhnlich ab einer Temperatur von 38,5 bis 39 Grad Celsius angewendet. Die Wickel sollten etwa ein bis fünf Grad unter der Körpertemperatur der Fiebernden liegen.2
  • Halswickel: Warme und kalte Halswickel beruhigen den schmerzenden Hals. Ein in kaltes oder körperwarmes Wasser getauchtes Baumwolltuch wird um den Hals gelegt und mit einem trockenen Tuch sowie einem Schal abgedeckt. Der Wickel kann so lange am Körper verbleiben, wie er als angenehm empfunden wird.

Gönnen Sie Ihrem Körper ausreichend Ruhe — der Organismus kann sich im Schlaf am besten regenerieren. Zudem sollten Sie bei Fieber unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Als Faustregel gilt:

Trinken Sie für jedes Grad über 37 Grad Celsius etwa 500 Milliliter Wasser zusätzlich zur normalen täglichen Menge von 1,5 Litern.3

Husten bei einer Seitenstrangangina in der Schwangerschaft

Häufig kommt es aufgrund der gereizten Rachenschleimhaut bei einer Seitenstrangangina zu Husten. Viele schwangere Frauen befürchten, dass die ruckartigen Erschütterungen dem Baby im Mutterleib schaden könnten — dies ist jedoch nicht der Fall. Dank des Fruchtwassers und der mütterlichen Bauchmuskulatur wird der beim Hustenstoß entstehende Druck problemlos ausgeglichen.

Fazit: Die Bedeutung der Seitenstrangangina für die Schwangerschaft

Die Seitenstrangangina selbst ist für das Ungeborene in der Regel völlig ungefährlich. Lediglich das Auftreten von hohem Fieber kann für den kindlichen Organismus belastend sein. Ab einer Temperatur von 38,5 Grad Celsius sollten fiebersenkende Medikamente zum Einsatz kommen4. Ihr Gynäkologe empfiehlt Ihnen gerne ein unbedenkliches Präparat.

In der Regel kann eine Seitenstrangangina während der Schwangerschaft jedoch allein mit Bettruhe und Hausmitteln auskuriert werden. Letztere stellen für das Kind im Mutterleib in den meisten Fällen kein Problem dar. Trotz allem ist der Rat eines Arztes oder Heilpraktikers vor der Anwendung angeraten. Einige Kräuter – wie beispielsweise Anis oder Fenchel — können in großen Mengen die Gebärmutter stimulieren und so zu frühzeitigen Wehentätigkeiten führen. Als Küchengewürze und Tees sind sie in der Regel jedoch unbedenklich. Auch von einem wohltuenden heißen Erkältungsbad wird in der Schwangerschaft abgeraten. Temperaturen von über 38,5 Grad Celsius wirken belastend auf den Kreislauf und können ebenfalls das Risiko für vorzeitige Wehen erhöhen. Bäder bei bis zu etwa 38 Grad Celsius gelten jedoch als unproblematisch.5

Wenn Sie zu Medikamenten aus der Apotheke greifen, sollten Sie beachten, dass einige Mittel — wie beispielsweise Hustensäfte – häufig Alkohol enthalten. Fragen Sie vorher bei Ihrem Apotheker nach, welche Mittel geeignet sind.

In größeren Mengen kann Salbei während der Schwangerschaft stimulierend auf Gebärmutter und Hormonhaushalt wirken. Im Extremfall können dadurch Frühwehen ausgelöst werden. Außerdem empfiehlt sich Salbei kurz vor dem Geburtstermin sowie in der Stillzeit nicht, da es die Milchproduktion hemmen kann.

Allerdings ist gegen eine gelegentliche Tasse Salbeitee, das eine oder andere Salbeibonbon oder kleine Mengen Salbei als Küchengewürz auch in der Schwangerschaft nichts einzuwenden. Von der Verwendung von Salbeiöl sollten Sie jedoch absehen, wenn Sie ein Kind erwarten oder stillen. Das ätherische Öl ist in diesem Fall hoch konzentriert und gilt daher als gesundheitlich bedenklich. Beim Abstillen kann Salbeitee wiederum unterstützend wirken.

Wenn Sie in der Schwangerschaft erkältet sind und Salbei gegen Halsschmerzen oder Entzündungen verwenden möchten, können Sie mit Salbeitee gurgeln. Auf diese Weise nutzen Sie die heilende Wirkung der Pflanze, ohne sie zu konsumieren und sind in jedem Fall auf der sicheren Seite. Bei Zweifeln und Fragen sollten Sie im Vorfeld stets Ihren Frauenarzt zurate ziehen oder sich umfassend in der Apotheke informieren.

Was tun bei Halsweh während Schwangerschaft oder Stillzeit?
Halsschmerzen gehören zu den typischen Erkältungssymptomen. Im Herbst und Winter haben solche grippalen Infekte wieder Hochsaison. Schwangere haben ein höheres Risiko für Infektionen und Halsschmerzen. Gleichzeitig müssen vor allem schwangere, aber auch stillende Frauen sparsam mit Medikamenten umgehen. Was also tun, wenn der Hals kratzt und schmerzt?
In der Regel sind Halsschmerzen – auch für das Baby – harmlos, aber lästig. Zur Linderung kann man zu Hausmitteln greifen, zum Beispiel Kamillentee oder Salbeitee. Mit den Tees sollte man aber nur gurgeln und sie nicht trinken. Denn beim Trinken von Kräutertees sollten Schwangere und Stillende vorsichtig sein. Viele Kräuter stimulieren nämlich in großer Menge die Gebärmutter. Dazu gehören unter anderem Fenchel, Kamille, Pfefferminze und Salbei. Salbei kann darüber hinaus die Milchbildung während der Stillzeit hemmen. Gänzlich unbedenklich ist dagegen das Gurgeln mit Salzwasser.
Ebenfalls unbedenklich sind zwei andere Hausmittel aus Omas Zeiten – Topfenwickel und Kartoffelwickel. Für den Topfenwickel streicht man zimmerwarmen Topfen ungefähr einen Zentimeter dick auf ein Baumwolltuch, schlägt die Ränder ein, legt die Unterseite des Tuches auf den Hals und spart dabei die Wirbelsäule aus. Das Ganze wird etwa mit einem Geschirrtuch möglichst eng umwickelt. Nach 20 bis 40 Minuten ist der Topfen eingetrocknet, und man sollte den Wickel abnehmen.
Für einen Kartoffelwickel kocht man zwei bis drei kleine Kartoffeln weich, breitet ein Baumwolltuch aus und legt Küchenpapier in die Mitte. Darauf legt man die heißen Kartoffeln, bedeckt sie mit Küchenpapier und schlägt das Tuch ein, so dass ein Päckchen entsteht. Dann zerdrückt man die Kartoffeln, bis das Päckchen etwa eineinhalb Zentimeter dick ist. Das Ganze lässt man etwas abkühlen. Die optimale Temperatur lässt sich am Handgelenk testen. Das Päckchen kommt dann mit der Unterseite auf den Hals und wird etwa mit einem Geschirrtuch befestigt. Den Wickel idealerweise eine Stunde einwirken lassen.
Natürlich können betroffene Frauen auch zu Lutschtabletten oder Sprays aus der Apotheke greifen. Die meisten dieser Mittel befeuchten die Schleimhaut und betäuben lokal den Rachenraum. Allerdings ist nicht jeder Wirkstoff während der Schwangerschaft oder der Stillzeit geeignet. Betroffene Frauen sollten sich deshalb in der Apotheke beraten lassen. Für Schwangere und Stillende sind bei bestimmungsgemäßem Gebrauch Sprays, Lutschtabletten und Gurgellösung mit Benzydamin geeignet. Dieser Wirkstoff hat den Vorteil, dass er eine vierfache Wirkung hat. Benzydamin wirkt antiseptisch, entzündungshemmend, schmerzstillend und lokalanästhetisch – so werden Schluckbeschwerden rasch gelindert.
Wenn allerdings die Beschwerden zunehmen oder nach etwa einer Woche nicht besser werden, sollten betroffene Frauen aber zum Arzt gehen. Dann könnte zum Beispiel ein bakterieller Infekt dahinterstecken, der eventuell mit Antibiotika behandelt werden sollte. Wer eine eitrige Angina hat, dem helfen Lutschtabletten allein kaum noch.
Bildcredit: APA (dpa/Maurizio Gambarini)

Mandelentzündung

Die akute Mandelentzündung (Tonsillitis oder Angina tonsillaris) ist ein Krankheitsbild, das gerade in der kalten Jahreszeit bei Kindern häufig vorkommt. Die Tonsillen (Tonsillae palatinae oder Gaumenmandeln) sind im hinteren Abschnitt der Mundhöhle, links und rechts neben dem Zäpfchen zu finden. Sie sind stark eingefurcht, um ihre Funktion zu vergrössern, denn sie nehmen in den ersten Lebensjahren vor allem Abwehraufgaben wahr. Kommt der Mensch nun in Kontakt mit Viren oder Bakterien, müssen diese zuerst die Gaumenmandeln passieren. Dabei funktioniert die Mandel mit ihren Abwehrzellen als Frühwarnsystem für den menschlichen Körper.

Die Gaumenmandeln sind nicht das einzige Organ in der Mundhöhle, das diese Aufgabe übernimmt. Es gibt noch viele andere wie die Zungenmandel (Tonsilla lingualis), die Seitenstränge oder die Rachenmandel (Tonsilla pharyngea oder Polypen). Allerdings sind die Gaumentonsillen das am häufigsten erkrankte Organ dieser Gruppe.

Interview

Dr. med. Neuner Thomas zum Thema:

Mandelentzündung bei Kleinkindern und Kindern

Vergrösserte Gaumenmandeln – ohne akute Entzündung – sind bei Kindern sehr häufig. In einigen Fällen kann dies zu Atem-, Schluck- und Sprachproblemen führen. Als Folge treten bei den betroffenen Kindern vermehrt Appetitlosigkeit, Entwicklungsstörungen oder Mittelohrentzündungen auf.

Eine akute Tonsillitis zeichnet sich durch eine stark schmerzhafte Schwellung und Rötung der Tonsillen aus. Häufig finden sich auch eitrige Beläge. Das Kind hat Halsweh, Schluckbeschwerden und mitunter Mundgeruch. Häufig besteht Fieber. Eine solche Mandelentzündung verheilt in den allermeisten Fällen folgenlos, wenn sie gut behandelt wird. Eine einfache Tonsillitis ohne Fieber kann mit Halswickeln und schmerzstillenden Lutschtabletten gelindert werden. Sind allerdings Bakterien wie Streptokokken im Spiel, ist ein Antibiotikum angezeigt.

Tritt die akute Entzündung mehrmals im Jahr auf, so spricht man von einer chronischen Tonsillitis. Sie kann meist nicht mehr allein mit Medikamenten, sondern nur noch durch die chirurgische Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) behandelt werden. Diese operative Entfernung ist vor allem dann zwingend erforderlich, wenn die Mandeln ständig vergrössert sind und somit zu Atem oder Schluckbeschwerden führen, wenn eine chronische Entzündung vorliegt oder mehr als drei Erkrankungen pro Jahr auftreten, oder wenn es durch die Streuung der Bakterien im Körper bereits zu einer Beteiligung von Herz, Nieren oder Gelenken gekommen ist.

Die Tonsillektomie ist für den HNO-Arzt eher ein kleinerer Eingriff, und Mandeloperationen gehören bei uns zu den häufigsten chirurgischen Massnahmen. So kurz die Operation aber auch dauern mag, in der Folgezeit ist sie bis zu mehrere Wochen sehr schmerzhaft. Ausserdem kommt es in bis zu 5% der Fälle zu einer Komplikation, meist Nachblutungen. Gerade bei kleinen Kindern kann schon ein geringer Blutverlust gefährlich werden. Zudem sind es nicht immer Massenblutungen, die zu befürchten sind. Bei so genannten Sickerblutungen können grosse Blutmengen unbemerkt verschluckt werden und dann zum schwallartigen Bluterbrechen und/oder Kollaps des Herz-Kreislaufsystems führen.

Aus diesen Gründen sollte die Entscheidung für eine Mandeloperation gut überlegt sein und mit dem Hals-Nasen-Ohren-Arzt ausführlich diskutiert werden. Insgesamt sind die Ärzte heute zurückhaltender geworden. Werden die Mandeln zu früh entfernt, kann das eine geschwächte Immunabwehr zur Folge haben. Die Operation wird vor dem vierten Lebensjahr meist nur vorgenommen, wenn ein medizinischer Grund (s.o.) vorliegt. Früher wurde auch zur Vorbeugung vor Folgeerkrankungen operiert.

Seit Ende der 1990er werden Jahre zunehmend Teilentfernungen, sogenannte Tonsillotomien, mittels Laser vorgenommen. Bei dieser Technik erhält der Operateur die Tonsillenkapsel und schont die grösseren zuführenden Gefässe. Dadurch ist das Blutungsrisiko deutlich geringer und der Patient hat weniger und kurzfristiger Schmerzen. Ein Krankenhausaufenthalt ist in der Regel nicht notwendig.

Wissen

Rachenmandeln überlegt operieren

Halsschmerzen bei Kindern – und wie man sie behandelt

Mandelentfernung kann auch krank machen | 07.06.2019

Die Mandeln, egal ob im Rachen oder am Gaumen, sind ein Teil unseres Immunsystems und helfen uns, Krankheitserreger frühzeitig abzuwehren – sind sie häufig im Einsatz und dauerhaft vergrössert (Mandelentzündung), können sie u.a. Atemprobleme und Dauerschnupfen verursachen. Hier kann es sinnvoll sein, die Mandeln ganz oder teilweise zu entfernen. Eine aktuelle Untersuchung aus Dänemark an 1,2 Mio. Kindern zeigte nun, dass die Entfernung der Mandeln auch langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben kann. Besonders deutlich (bis dreifach erhöhtes Risiko) war das bei Erkrankungen der oberen Atemwege, Asthma und chronischen Lungenerkrankungen. Bindehautentzündungen und Mittelohrenzündungen traten etwa doppelt so oft nach Mandeloperationen auf. Langfristig scheint also eine Mandelentfernung ihr Ziel, chronische Infektionen einzudämmen, oftmals zu verfehlen und sollte deshalb wohl überlegt sein.

Nutzen fraglich | 25.07.2018

Die Entfernung von Gaumenmandeln oder Polypen wird häufig bei Kindern durchgeführt, um chronische Mandelentzündungen, Mittelohrentzündungen oder Atembeschwerden zu behandeln. Als Teil des sich noch entwickelnden Immunsystems schützen sie aber sowohl direkt als auch indirekt vor Krankheitserregern, indem sie andere Immunreaktionen stimulieren. Wirkt sich die frühe Entfernung von Mandeln oder Nasenpolypen deshalb negativ auf die spätere Gesundheit aus? Eine Forschergruppe wertete die Daten von 1.2 Mio. dänischen Kindern aus: Wurden bei den Kindern bis zum neunten Lebensjahr die Mandeln oder Polypen entfernt, stieg ihr Risiko für spätere Atemwegserkrankungen, Infektionen und Allergien auf das fast Dreifache an. Eine Entfernung von Polypen ergab ein etwa doppelt so hohes Risiko für eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Erkrankungen der oberen Atemwege und Bindehautentzündungen. Im Gegensatz dazu seien die langfristigen Vorteile einer Operation meist gering gewesen.

Letzte Aktualisierung : 23-01-20, BH

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