Guten abend gute nacht songtext

BR-KLASSIK

Geheimbotschaft an Bertha Faber „Guten Abend, gut Nacht“

03.01.2013

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Bildquelle: picture-alliance/dpa

Mittagsmusik extra

Deutsche Volkslieder – Guten Abend, gut Nacht

Musik und Text

Die Musik des berühmten „Wiegenlieds“ ist von Johannes Brahms. Komponiert hat er das Lied im Sommer 1858 in Bonn, es ist zu finden als viertes Lied in den „Fünf Liedern für Singstimme mit Klavierbegleitung“ op. 49.

Den Text zur ersten Strophe hat Brahms aus der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ genommen. Die zweite Strophe mit dem Christbaum und dem Paradies stammt von dem bayerischen Philologieprofessor und Volksliedsammler Georg Scherer. Er hat dieselben „Wunderhorn“-Verse einige Jahre vor Brahms in einer eigenen Kinderlieder-Sammlung vertont und dazu eine zweite Strophe gedichtet, die dann von dem Verleger Simrock auch ins Brahmssche „Wiegenlied“ eingefügt worden ist.

Entstehungsgeschichte

Das „Wiegenlied“ war ein Geschenk von Brahms an Arthur und Bertha Faber in Wien zur Geburt ihres zweiten Sohnes Hans im Jahr 1858. Brahms hatte Bertha Faber neun Jahre zuvor in Hamburg kennen gelernt, sie hatte dort einige Wochen in dem von ihm geleiteten Frauenchor gesungen.
Brahms schrieb an Bertha Faber, sie würde erstens sofort erkennen, dass er das Lied eigens für sie und ihren Kleinen geschrieben habe, und zweitens stelle er sich vor, sie würde zuhause das Wiegenlied ihrem kleinen Sohn vorsingen, während der Gatte sie am Klavier begleite und dabei „ein Liebeslied“ murmle. Und sie würde das ganz in Ordnung finden. Eine seltsame Bemerkung. Die Lösung liegt in der Klavierstimme des Lieds. Sie enthält eine geheime Botschaft.
Brahms hatte in seiner Hamburger Zeit die hübsche Bertha offenbar ein wenig angegraben, und wir stellen uns vor, dass sie ihm ihren Korb auf mitfühlend musikalische weise gegeben hat, mit einem volkstümlichen Lied des Wiener Komponisten Alexander Baumann. Titel: „’s is anderscht“, Textanfang: „Du moanst wohl, du moanst wohl, die Liab laßt si zwinga“. Die Melodie des Lieds hat Brahms sich offenbar gemerkt, und in der rechten hand der Klavierbegleitung des „Wiegenlieds“ spielt er melodisch und rhythmisch ganz eindeutig auf dieses Lied an. Kein Wunder, daß Brahms sich sicher war, daß seine alte Bekannte Bertha erkennen würde, daß er’s eigens für sie komponiert hatte.
Mit Rosen bedacht, mit Näglein besteckt: Viele Leute fragen sich, was diese beiden rätselhaften Textzeilen wohl bedeuten mögen. Eine hervorragende Erklärung bietet Jürgen Schulz-Grobert, Professor für Mittelalterliche Philologie in Marburg. Er hat im Jahr 2004 einen Aufsatz geschrieben zu dem schönen Thema „Mittelalterliche Liebesbriefverse und ihre Aktualisierung in der Romantik“. Darin hat Schulz-Grobert darauf aufmerksam gemacht, dass die beiden Blumenbilder „mit Rosen bedacht und mit Näglein besteckt“ literarische Versatzstücke sind aus spätmittelalterlichen gereimten Liebesbriefen. Ein Beispiel:
„Gott gebe euch ein guete Nacht,
von Rosen ein Dach,
von Lilien ein Bett,
von Veilchen eine Deck,
von Muschkat ein Tür,
von Nägelein ein Rieglein dafür.“
Dazu muss man noch wissen, dass man Gewürznelken damals wegen ihrer ätherischen Öle als Schutz vor Ungeziefer und Krankheiten eingesetzt hat. Ärzte hatten in Pestzeiten ganze Ketten aus Nelken um den Hals hängen. Die „Näglein als Riegel an der Tür“ im Liebesbrief waren also der Wunsch, dass Krankheiten aus dem Zimmer des Geliebten draußenbleiben sollen.

Die Neue Kinderlieder Sammlung

Hintergrund

Eines der bekanntesten deutschen Schlaflieder, das im Gegensatz zu „Der Mond ist aufgegangen“ auch in der englischsprachigen Welt äußerst beliebt ist (vgl. Brahms Lullaby). Dies liegt sicherlich auch an der Popularität des begnadeten Komponisten Johannes Brahms. Das Lied entstand 1849. Der Originaltext klingt heute etwas sperrig und erschließt sich auch deutschen Muttersprachlern nicht ohne weitere Recherche. Das Wort “Näglein” bezieht sich nicht auf „Nägel“ (glücklicherweise) sondern auf „Nelken“. Auch Wörter wie “bedacht” finden heute kaum noch Verwendung im Deutschen. Ähnliches gilt für grammatikalische Konstruktionen wie „schau im Traum‘ s Paradies“ anstelle von „schau im Traum das Paradies“. Darüber hinaus empfinden heute viele Menschen die Zeile „morgen früh so Gott will wirst du wieder erwacht“ als bedrohlich (was ist, wenn er nicht will?) Man sollte den Text einfach als das betrachten, was er ist: Ein Zeitdokument aus einer vergangenen Epoche.
Mehr Informationen zu Marcos Manzanedo, dem Interpreten unserer Version gibt es hier: Bunt sind schon die Wälder.

Herkunft und Entstehung

Guten Abend, gut‘ Nacht gehört zu den bekanntesten Schlafliedern; als Wiegenlied wird es gern kleinen Kindern zum Einschlafen vorgesungen.

Den ersten Vers führen Volksliedforscher auf eine niederdeutsche Fassung des 15. Jahrhunderts zurück; in hochdeutscher Form ist er als Gutenachtwunsch seit dem 18. Jahrhundert belegt (so Ernst Klusen, Deutsche Volkslieder, 2. Auflage 1981, S. 822; Heinz Rölleke, Das große Buch der Volkslieder, 2015, S. 139).

Der niederdeutsche Text wurde von Clemens Brentano (1778 – 1842) in die uns noch heute bekannte hochdeutsche Fassung übertragen, ein Grund, weshalb er in manchen Liederbüchern und online-Veröffentlichungen fälschlicherweise als Autor genannt wird. Veröffentlicht wurde der erste Vers mit dem Titel Gute Nacht, mein Kind 1808 im dritten Band der von den romantischen Schriftstellern Achim von Arnim (1781 – 1881) und Clemens Brentano herausgegebenen Volksliedersammlung Des Knaben Wunderhorn.

In vielen Liederbüchen wird als Verfasser der zweiten Strophe Georg Scherer (1828 – 1909) angegeben. Diese Angabe geht auf den Philologieprofessor und Volksliedsammler Scherer selbst zurück, der in seiner Kinderliedersamlung Alte und neue Kinderlieder (1849) im Inhaltsverzeichnis zu Gute Nacht, mein Kind „Wdhr. Scherer“ aufführt (vgl. Xaver Frühbeis BR-Klassik, 3.1.2013). Hinsichtlich „Scherer“ halten die Liedersammler Theo Mang/Sunhilt Mang (Der Liederquell, 2015, S. 142) diese Angabe für wahrscheinlich. Volksliedforscher wie Klusen (S. 822) und Rölleke (S. 139) sind der Auffassung, dass diese Anmerkung allein eine Autorenschaft Scherers nicht belegt. Sie meinen, der wahre Verfasser des zweiten Verses: „Guten Abend, gut‘ Nacht, von Englein bewacht …“ sei nicht bekannt.

Die Melodie im Dreivierteltakt, die im Jahr 1868 von Johannes Brahms komponiert wurde, machte aufgrund „ihrer innigen Schlichtheit“ das Lied bald zu einem Volkslied. Grundlage für die von Brahms komponierte Gegenstimme zur Klavierbegleitung war eine Volksweise des oberösterreichischen Ländlers Du moanst wohl die Liab last sich zwinge. (vgl. Mang, S. 142). Unter dem Titel Brahms Lullaby wurde das Lied in späteren Jahren weltberühmt.

Wie aus dem Liebeslied ein Kinderlied wurde

Bereits im 15. Jahrhundert war der erste Vers als Gutenachtwunsch, den ein Mann seiner Liebsten sagte, bekannt. Einige Vorläufer wurden aus spätmittelalterlichen Liebesbriefen überliefert; hier ein Beispiel (vgl. Mang, S. 142):

Ich wünsche dir eine gute nacht
von rosen ein dach
von liligen (Lilien) ein bett
von feyal (Veilchen) ein deck (eine Decke)
von muschgat (Muskatnussbaum) ein duer (eine Tür)
von negellein (Nelken) ein rigel darfür (ein Riegel dafür).

In einer anderen Version lautet die erste Zeile: „Got geb euch eine gute nacht“.

Heißt es hier „von rosen ein dach“, so lautet der hochdeutsche Text „mit Rosen bedacht“, wobei bedacht bedeckt bedeutet (Rölleke, S. 139). In beiden Fällen wird metaphorisch die Zuneigung ausgedrückt. Im Mittelalter galt die Rose als bewährtes Liebesmittel. In späteren Jahrhunderten und noch heute betrachtet man die Rose, vor allem rote Rosen, als Zeichen der Liebe, die als Werbung oder als Bestätigung einem geliebten Menschen überreicht werden.

Auch heute noch sind vor allem weiße Lilien Symbole der Hochachtung und Zuneigung. Weniger bekannt ist, dass rote Nelken für Erotik und rosa Nelken für innige Liebe stehen. Veilchen symbolisieren meistens Hoffnung; sie können aber auch Treue und Liebe ausdrücken. So zeigen die Blumensymbole Rose, Lilien, Nelken und Veilchen eindeutig, dass es hier um ein Liebesgedicht geht.

Bei der Übertragung der niederdeutschen Fassung „Godn Abend gode Nacht“ ins Hochdeutsche und der Übernahme in die Volksliedersammlung Des Knaben Wunderhorn unterlief den Herausgebern ein Fehler, indem sie das Lied unter „Kinderlieder“ in den Anhang zum dritten Band (1808) einordneten.

Seit der angebliche Verfasser der zweiten Strophe Scherer 1849 das Lied in seine Sammlung Alte und neue Kinderlieder aufnahm, gilt es endgültig und noch heute als Schlaf- bzw. als Wiegenlied (vgl. auch Brahms Lullaby). Verständlich wird diese Einordnung durch die Verwendung der kleinkindlichen Sprache, z.B. „Englein“, „Christkindlein“. Wieso der weihnachtliche Bezug – „Christkindleins Baum“ – in die zweite Strophe kam, ist nicht bekannt.

Rezeption

Nach der Vertonung durch Johannes Brahms 1868 wurde das Lied bald in ganz Deutschland und darüber hinaus auch in Österreich und in der Schweiz populär. In Großbritannien, den USA und vielen anderen Ländern wurde es im Laufe der Zeit als Brahms Lullaby bekannt.

In Deutschland nahmen es zahlreiche Schulliederbücher auf. Eines der ersten war Deutsche Schulgesänge für Mädchen (4. Auflage 1884). Gebrauchsliederbücher wie Kindergarten, 1.Teil – Sammlung älterer und neuerer Lieder (4. Auflage, 1900) folgten.

Auch in der Zeit des Nazi-Regimes ist das Brahmsche Wiegenlied in viele Schulliederbücher ebenso aufgenommen worden wie in Liederbücher des Bundes Deutscher Mädel und der Deutschen Frauenschaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam als erstes Liederbuch mit Guten Abend, gut‘ Nacht das Volksliederbuch zur demokratischen Erneuerung Deutschlands (1. Folge 1945) in der damaligen sowjetischen Besatzungszone heraus, dem in der späteren DDR weitere Liederbücher folgten. Von den zahlreichen Gebrauchsliederbüchern in der Bundesrepublik Deutschland sollen hier nur die auflagestarken erwähnt werden, wie Deutscher Liederschatz (Weltbild 1988, Band 3) und das Taschenbuch des Moewig Verlags Die schönsten Lieder am Lagerfeuer (1992).

Betrachtet man die große Anzahl der Schulliederbücher, in denen nach dem Zweiten Weltkrieg Brahms Wiegenlied zu finden ist, so scheint die Beliebtheit, das Lied auch in der Schule zu singen, ungebrochen.

Das Deutsche Musikarchiv (DMA) weist in seinem Katalog im Vergleich zu Abend wird es wieder (220 Tonträger) nur knapp 50 Tonträger von Guten Abend, gut‘ Nacht aus. Zu den Interpreten des Liedes gehören u.a. bekannte Schlagersänger wie Heintje, Nana Mouskouri, Nena und Roger Whittaker und sogar der Bariton Peter Schreier. Die Mehrheit der Tonträger und der Partituren beziehen sich auf Chöre, vor allem auf Kinderchöre wie die Schaumburger Märchensänger oder der Nymphenburger Kinderchor.

Angesichts der hohen Anzahl der mir in Privatbibliotheken und Online-Archiven zugänglichen Liederbücher und der im DMA annähernd 100 vorhandenen Partituren kann man sagen, dass das zum Volkslied gewordene Wiegenlied viel häufiger gesungen als angehört wird.

Georg Nagel, 25.05.2018

Nana Mouskouri

Guten Abend, gut‘ Nacht Songtext

Künstler Nana Mouskouri Titel Guten Abend, gut‘ Nacht Typ Liedertext
Guten Abend, gut‘ Nacht
Mit Rosen bedacht
Mit Näglein besteckt
Schlüpf unter die Deck‘
Morgen früh, wenn Gott will
Wirst du wieder geweckt
Morgen früh, wenn Gott will
Wirst du wieder geweckt
Guten Abend, gut‘ Nacht
Von Englein bewacht
Die zeigen im Traum
Dir Christkindleins Baum
Schlaf nun selig und süß
Schau im Traum ’s Paradies
Schlaf nun selig und süß
Schau im Traum ’s Paradies
Guten Abend, gut‘ Nacht
Mit Rosen bedacht
Mit Näglein besteckt
Schlüpf unter die Deck‘
Morgen früh, wenn Gott will
Wirst du wieder geweckt
Morgen früh, wenn Gott will
Wirst du wieder geweckt

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Wiegenlied mit Missverständnissen

Eines der bekanntesten Schlaflieder in deutscher Sprache ist das „Wiegenlied“ von Johannes Brahms. Den meisten ist es besser bekannt unter „Guten Abend, gut’ Nacht“. So wie auch die ersten Zeilen des Wiegenlieds lauten. In heutiger Zeit wird der Liedtext jedoch häufig als gruselig oder morbide missinterpretiert. Das geht hauptsächlich auf die, aus heutigem Sprachgebrauch, missverständliche erste Strophe zurück:

Guten Abend, gut’ Nacht,
mit Rosen bedacht,
mit Näglein besteckt,
schlüpf unter die Deck:
Morgen früh, wenn Gott will,
wirst du wieder geweckt.

Mit Näglein besteckt …

Zugegeben: Mit Näglein besteckte Kinder, die von Gottes Willen abhängig sind, wecken keine angenehmen Assoziationen. Die Deutung der „Näglein“ als Sargnägel liegt auf den ersten Blick nahe. Doch klingt die erste Strophe von „Gut Abend, gut‘ Nacht“ brutaler als tatsächlich gemeint. Bei den im Text angesprochenen „Näglein“ handelt es sich um eine sprachlich veraltete Bezeichnung für Gewürznelken, die aus dem modernen Sprachgebrauch fast vollständig verschwunden ist und sich nur noch vereinzelt in einigen Dialekten findet.

Zu Brahms Zeit setzte man diese ein, um geliebte Menschen mit den ätherischen Ölen der Nelken vor Insekten und Krankheitserregern zu schützen. Diese im Allgemeinwissen nicht mehr verankerte Pflanzenmetaphorik führt heute verständlicherweise zu Missverständnissen.

… und wenn Gott nicht will?

Die zweite oft kritisch interpretierte Textstelle befasst sich mit der Einschränkung „Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“. Hier wird dem Autor des Textes heute häufig unterstellt, dass er Gott eine Willkür einräumt, den Schlafenden am nächsten Tag wieder aufstehen zu lassen. Doch vor dem Hintergrund der für die christlich geprägte, mittelalterliche Entstehungszeit üblichen Demutshaltung relativiert sich die vermeintlich schauerliche Aussage. Das Leben im Allgemeinen liegt bei der Weltsicht zur Entstehungszeit von „Guten Abend, gut‘ Nacht“ noch in Gottes Hand.

Romantisch – die Geschichte der ersten Strophe

Ganz und gar nicht morbide, sondern sogar sehr romantisch wurde die erste Strophe noch im 15. Jahrhundert gelesen: In dieser Zeit wurde sie nicht als Schlaflied für Kinder gebraucht, sondern als Gute-Nacht-Wunsch in Liebesbriefen.

Die deutschen Schriftsteller Achim von Arnim und Clemens Brentano veröffentlichten den Text erstmals im Jahr 1808 als Kinderlied in der Volksliedsammlung „Des Knaben Wunderhorn“. Darin trägt es zunächst noch den Titel „Gute Nacht, mein Kind“. Im Juli des Jahres 1868 arrangierte schließlich der deutsche Komponist Johannes Brahms sein „Wiegenlied“ auf der Basis dieses Textes. Fortan war das „Wiegenlied“ mit seinem ursprünglich liebevollen Gute-Nacht-Wunsch eines der bekanntesten Schlaflieder im deutschsprachigen Raum.

Die oft vergessene zweite Strophe

Das Schicksal vieler zweiter Strophen ist es, dass sie in Vergessenheit geraten. Die zweite Strophe des berühmten Wiegenlieds stellt leider keine Ausnahme dar.

Guten Abend, gut’ Nacht,
von Englein bewacht,
die zeigen im Traum
dir Christkindleins Baum.
Schlaf nun selig und süß,
schau im Traum’s Paradies.

Diese Strophe ergänzte den ersten Abschnitt von „Guten Abend, gut’ Nacht“ und stammt von dem Volksliedsammler Georg Scherer, welcher das Lied nach der Vertonung durch Brahms 1849 in seine Sammlung „Alte und neue Kinderlieder“ aufnahm. Scherers Text passte sich jedoch nicht der Melodie von Brahms an und so musste der Komponist für diese Unstimmigkeit eine zufriedenstellende Lösung finden. Erst im Jahr 1873 fügte er die erste und zweite Strophe zu einer musikalischen Einheit zusammen. Im Jahr darauf wurde das Lied endlich veröffentlicht, und ist bis heute in seiner damaligen Form überliefert.

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