Grippe kindern symptome

Köln –

Ab Herbst wird geschnieft. Wird es im Winter richtig kalt, folgt die jährliche Grippe-Welle, mal mehr, mal weniger heftig. Doch wie erkennt man, dass es sich um eine echte Grippe handelt, die behandelt werden muss, und man nicht einfach erkältet ist? In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe starker Grippewellen. Aufgrund der Kälte zog sich die Grippesaison im Winter 2017/2018 zum Beispiel bis Mitte April hin – ungewöhnlich lange.

Grippe sollte man ernst nehmen

Hat die Grippe einen erwischt, ist es zu spät für eine Impfung. Doch wie erkennt man, dass es sich um eine echte Grippe handelt und man nicht einfach erkältet ist? Grippe (Influenza) und Erkältung (wird auch als grippaler Infekt bezeichnet) sind beides Viruskrankheiten, die jedoch von verschiedenen Viren hervorgerufen werden. Verläuft die Erkältung in der Regel harmlos, sollte man eine Grippe ernst nehmen. 5000 bis 8000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr daran.

Typisch für die Grippe ist, …

… dass sie heftig und eher plötzlich beginnt. Man fühlt sich auf einmal krank, weil oft mehrere Symptome gleichzeitig auftreten. Etwa Kopf- und Gliederschmerzen, hohes Fieber, Schüttelfrost und Husten. Das hohe Fieber kann mehrere Tage anhalten. Mit der Grippe einher geht eine starke Erschöpfung, auch der Appetit schwindet. Und es dauert wesentlich länger als bei einer Erkältung, bis man nach einer echten Virusgrippe tatsächlich wieder fit ist.

Typisch für eine Erkältung ist…

… ein eher schleichender Beginn. Die Symptome treten häufig nacheinander auf oder lösen sich sogar ab. Oft kratzt zunächst der Hals, dann läuft die Nase und anschließend entwickelt sich ein Husten. Fieber ist eher selten und wenn hält es nicht so lange an. Wahrscheinlich ist eher ist die Temperatur erhöht. In der Regel sind die Symptome nach zwei Wochen ausgestanden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Viele Menschen haben bei nasskaltem Herbst- und Winterwetter mit Erkältungen zu kämpfen. Nicht immer müsse man dann einen Arzt aufsuchen, sagte Klaus Schäfer vom Hausärzteverband in Hamburg. „Bei einer unkomplizierten Erkältung sollte es nicht unbedingt erforderlich sein.“ Bei klarem und glasigem Schnupfen sei in der Regel von einer Erkältung auszugehen, sagt Schäfer. „Wenn es dick gelb-grün rauskommt, sollte man schon einen Arzt aufsuchen.“

Deuten die Symptome jedoch auf eine Grippe hin, ist ein Arztbesuch ratsam. Wenn der Mediziner, auch wenn die Erkrankung eher schwer verläuft, von einer grippeähnlichen Erkrankung spricht, sollte man sich nicht wundern „Dieser Begriff ist so gewählt, weil man ausdrücken möchte, dass die Erkrankung zwar so ähnlich ist wie eine Grippe, aber nicht jede grippeähnliche Erkrankung ist eine Grippe. Eine Grippe ist letztendlich mit Sicherheit nur durch einen Labortest nachzuweisen“, heißt es auf den Influenza-Seiten des Robert-Koch-Instituts.

Was kann ich zu Hause gegen die Symptome tun?

So oder so sollte man sich zu Hause schonen, Sport und andere Belastungen vermeiden. Um die Erkältungssymptome zu bekämpfen, empfiehlt Hausarzt Klaus Schäfer eine Nasenspülung mit Salzwasser, Salbe für die Nasenschleimhaut oder Tee mit Honig. Bei erhöhter Körpertemperatur muss man sich zunächst keine Sorgen machen. „Fieber ist eine Abwehrreaktion“, sagt Schäfer. „Bei einer erhöhten Temperatur arbeitet die Abwehr besser.“ (ef, dpa)

Bei jeder Grippewelle fallen in Deutschland auch Kinder den Folgen einer Influenza zum Opfer. Obwohl solche Todesfälle bei jungen Menschen im Vergleich zu alten Menschen sehr selten sind, dürfen Ausbrüche in Krippen, Kindergärten oder Schulen auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden.

Besonders bedroht sind natürlich Heranwachsende mit chronischen Krankheiten. Ein Fall aus dem vergangenen Winter in Baden-Württemberg zeigt jedoch, dass auch bisher gesunde und normal entwickelte Kinder in kürzester Zeit an Influenza-Komplikationen sterben können.

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Assoziiert mit dem aktuellen Todesfall im Januar war ein Ausbruch in einem Kindergarten, wie ein Team um Dr. Monika Spannenkrebs vom Gesundheitsamt Biberach berichtet (Epi Bull 2018; 22: 205). Dabei waren 24 von 27 Kindern und 3 von 7 Mitarbeitern erkrankt.

Unterschiedliche Symptome

Die Betroffenen zeigten dabei sehr verschiedene Symptome, die von leichtem Husten ohne große Beeinträchtigungen bis zu schweren Verläufen mit hohem Fieber reichten. Ein Geschwisterkind eines Patienten, das selbst noch nicht in der Kita betreut worden war, starb in dieser Zeit.

Das Opfer hatte am Vorabend seines Todes unspezifische Symptome eines beginnenden Infekts gezeigt und war mit einem Antipyretikum behandelt worden.

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Die Obduktion ergab später eine hämorrhagische Pneumonie mit respiratorischem Versagen als Todesursache. Zudem wurden in Abstrichen von dem toten Kind sowie von Kindern und Personal der Kita und Familienangehörigen Influenza-A(H1N1)pdm09Viren nachgewiesen.

Dieser Virussubtyp hatte 2009 die Schweingrippe-Pandemie verursacht und zirkuliert seither weltweit bei den Grippewellen. Im vergangenen Winter hatte er in Deutschland einen Anteil von 28 Prozent an den isolierten Virustypen gehabt.

Nach Studiendaten kommt es besonders bei diesem Erreger auch bei jungen Erwachsenen und Kindern zu schweren Erkrankungen und Todesfällen. Die meisten Sterbefälle im Kindesalter treten bei Säuglingen im ersten Lebensjahr auf, wie eine Analyse der Todesfälle bei der Schweingerippe in Deutschland ergeben hat (Euro Surveill. 2010;15(49):pii= 19741).

Trivalenter Impfstoff hat Subtyp gut abgedeckt

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Weitere Analysen im aktuellen Fall zeigten, dass der Subtyp sehr gut von dem trivalenten Impfstamm der vergangenen Saison abgedeckt wurde. Die Effektivität der Grippe-Impfung ist zudem bei jungen Menschen deutlich höher als bei Senioren.

Im vergangenen Winter war eine Schutzwirkung von 61 Prozent bei Kindern im Alter bis 14 Jahre ermittelt worden (Epi Bull 2018; 6: 69). Allerdings war die Mehrheit der am Ausbruch beteiligten Personen, und zwar sowohl Kinder als auch Kita-Mitarbeiter und Angehörige, nicht geimpft worden.

Außer der Analyse von Infektionsketten mit den infektiologischen Untersuchungen musste das zuständige Gesundheitsamt die Beteiligten beraten und Ärzte im Kreis sowie die Öffentlichkeit informieren.

Die Kita war während der Ereignisse nicht geschlossen worden. Allerdings wurden Eltern gebeten, kranke Kinder zu Hause zu lassen. Auf Hygienemaßnahmen und die Impfung wurde hingewiesen.

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Insgesamt waren in Baden-Württemberg im vergangenen Winter zwei laborbestätigte Grippetodesfälle bei Kindern registriert worden. Dies ist aber wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs. Belastbare Zahlen zu Todesfällen bei Kindern mit Grippe in Deutschland gibt es nicht.

Anders in den USA: Dort wurden in den Wintern von 2010/11 bis 2015/16 pro Jahr im Schnitt 113 an Influenza gestorbene Kinder und Jugendliche im Alter unter 18 Jahren gemeldet, dies entspricht einer Rate von 0,15 Todesfällen pro 100.000 Kinder und Jugendliche.

Jedes achte Kind starb schon am ersten Tag

Jedes dritte der an Grippe gestorbenen Kinder in den USA war höchstens sechs Monate alt, berichten Forscher um Mei Chang von den Centers for Disease Control and Prevention (Pediatrics 2018; 141: e20172918).

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Insgesamt 65 Prozent der Betroffenen starben binnen sieben Tagen nach Einsetzen der Symptome, 13 Prozent sogar am ersten Tag. Ursache waren Pneumonie, Sepsis oder akutes Atemnotsyndrom (ARDS).

Die Erkrankungen verliefen völlig unberechenbar: Die Hälfte der Kinder hatte vor der tödlichen Krankheit keinerlei gesundheitliche Beeinträchtigungen gehabt. Die andere Hälfte hatte vor allem neurologische Krankheiten wie Entwicklungsstörungen, Krampfleiden, Chromosomen-Verteilungsstörungen oder Zerebralparesen.

Außerdem häufig waren Lungenleiden wie Asthma und Herzerkrankungen. Nur jedes dritte Kind im Alter über sechs Monate war gegen Grippe geimpft worden, was in den USA empfohlen wird.

Was ist zu tun? Die US-Experten sprechen sich für Maßnahmen zur Verbesserung der Impfraten bei Kindern aus. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) bisher nur chronisch kranken Kindern den Grippeschutz, über eine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder wird seit Jahren diskutiert. In Risikogruppen und vor allem auch bei Kita-Personal und Eltern ließen sich die Impfraten außerdem noch deutlich verbessern.

Besteht bei Kleinkindern und chronisch kranken Kindern ein Verdacht auf Influenza, ist zudem unverzüglich eine Therapie mit Neuraminidase-Hemmern zu beginnen; ebenso bei anderen Kindern mit schweren Verläufen. Untersuchungen bei dem toten Kind in Baden-Württemberg haben gezeigt, dass Oseltamivir und Zanamivir gegen den assoziierten Virustyp wirksam sind.

Grippe und Erkältung bei Kindern – Symptome, Diagnose und Therapie

Das Immunsystem von Kindern hat gerade in den ersten Lebensjahren viel zu tun. Denn es gibt viele Erreger, die eine Erkältung auslösen können. Die gute Botschaft für Eltern, die den kranken Nachwuchs uns meist später auch sich selbst pflegen müssen: Mit jeder Keiminvasion lernt die Körperabwehr dazu, das Kind wird nach und nach gegen viele Viren und Bakterien immun. Je älter die Kinder werden, desto besser sind sie durch ihr Immunsystem geschützt, desto weniger Erkältungen müssen sie durchmachen.

Wenn Kinder krank sind, handelt es sich oft um eine sogenannte Erkältungskrankheit der oberen Atemwege. Besonders häufig schniefen und husten sie im Herbst und im Winter, doch auch im Frühjahr und Sommer kommt es vor. Oft haben sie sich mehrmals hintereinander eine Erkältung, Kleinkinder bis zu zehn mal im Jahr. Vor allem Kindergartenkinder sind sehr oft erkältet. Denn das Immunsystem von Kindern reift noch und muss erst lernen, mit den vielen Keimen zurechtzukommen.

Es gibt mehr als 200 verschiedene Erkältungsviren

Ausgelöst wird eine Erkältung überwiegend durch Viren, allen voran durch Rhinoviren. Allein von diesen Erregern gibt es mehr als 100 verschiedene Typen. Aber auch Adeno-, Myxo-, Paramyxo-, Echo-, Coxsackie- und Parainfluenzaviren können die Entzündung in Nase und Rachenraum verursachen. Insgesamt sind mehr als 200 verschiedene Viren bekannt – aber mit Sicherheit gibt es sehr viele mehr, die man heute noch nicht kennt -, die Erkältungen auslösen können. Sie werden beim Sprechen, Niesen, Schnäuzen oder Kuscheln übertragen, finden sich dann auf Spielsachen, Taschentüchern oder Händen und werden so munter weitergegeben.

Für Babys, vor allem ehemalige Frühgeborene, und jüngere Kinder nicht ganz ungefährlich sind Respiratory-Syncytial-Viren. Sie führen häufig zu Entzündungen der Bronchien und der Lunge. Älteren Kindern und Jugendlichen können diese Erreger hingegen nicht mehr viel anhaben, sie bekommen dann nur eine harmlose Erkältung.

Liebe und Zuwendung

Als Eltern können Sie nur wenig aktiv tun, um Ihr Kind zu schützen. Sorgen Sie für einen geregelten Tagesablauf und eine gesunde Ernährung. Halten Sie Stress von Ihrem Kind fern. Und geben Sie ihm viel Liebe. All das stärkt das Immunsystem – der wichtigste Schutz gegen die Erreger. Ob das ständige warme Einpacken die Erkältung verhindert, ist sehr umstritten. Natürlich sollen Kinder nicht frieren, aber es ist nicht die Unterkühlung, die die Kinder krank macht, sondern es sind die Krankheitserreger. Insofern ist der Begriff Erkältung, der sich fest in den Sprachgebrauch eingefügt hat, eigentlich falsch. Auch die echte Grippe fordert das Immunsystem von Kindern heraus – sogar mehr, als eine Erkältung dies vermag. Denn die Grippe-Erreger können dem Gewebe sehr viel mehr schaden als Erkältungsviren. Daher können Kinder bei Grippe schwer krank werden. Insbesondere Kleinkinder müssen wegen schwerer Komplikationen häufig ins Krankenhaus.

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (STIKO) empfiehlt Eltern, Kinder gegen Grippe impfen zu lassen, wenn diese chronisch krank sind. Zum Beispiel wenn sie chronische Bronchitis, Asthma, Stoffwechselstörungen, Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems oder der Niere haben. In anderen Ländern wird die Grippeimpfung sogar für alle Säuglinge empfohlen.

Symptome

Ist das Kind krank, fällt das anfangs vielleicht gar nicht auf. Vielleicht ist es nur stiller als sonst oder zieht sich zurück. Vielleicht weint es auch oder hat keinen Appetit. Kein Wunder, denn zu Beginn einer Erkältung fühlt man sich nun mal matt und niedergeschlagen. Bald entwickeln sich dann die typischen Symptome: Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen. Die Nasenschleimhaut schwillt an, die Nase läuft und produziert zunächst wässrig-klaren, dann schleimig-eitrigen Schleim. Deshalb fällt das Atmen schwer. Der Hals schmerzt und fühlt sich kratzig an. Die Augen sind gerötet, die Lymphknoten geschwollen.

Den Unterschied zwischen einer Erkältung und einer Grippe erkennen Sie daran, wie schnell und wie heftig sich die Symptome entwickeln. Eine Erkältung kommt meist langsam und heilt von selbst aus. Eine Grippe beginnt meist plötzlich und mit hohem Fieber über 39 Grad Celsius, das dann über mehrere Tage anhält. Weitere Symptome der echten Virus-Grippe sind: schwere Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein trockener, starker Reizhusten.

Bei einer normalen Erkältung besiedeln die Viren die Nasen- und Rachenschleimhaut. Ist die Immunabwehr geschwächt, wandern sie unter Umständen weiter zu den Bronchien oder Nasennebenhöhlen. Dort sorgen sie ebenfalls für entzündetes Gewebe. Die Folge: eine Bronchitis oder eine Nasennebenhöhlenentzündung. In manchen Fällen besiedeln anschließend auch noch Bakterien die entzündeten Gebiete. Eine solche Mischinfektion kann weiteren Ärger verursachen.

Verschleppt sich die Erkältung, weil die Keime wandern, kann Ihr Kind unter weiteren Beschwerden leiden. Die häufigsten Komplikationen sind:

  • Eine Mittelohrentzündung: In diesem Fall hat Ihr Kind stechende, klopfende Schmerzen im Ohr. Kleinkinder empfinden sie allerdings oft zusätzlich auch im Bauch. Die Schmerzen entstehen, weil die Schleimhaut des Mittelohres entzündet ist.
  • Eine Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung): Hierbei ist die Schleimhaut der Nasennebenhöhlen betroffen. Klassische Beschwerden sind eine verstopfte Nase, ein eitriger Schnupfen sowie Kopfschmerzen.
  • Eine Bronchitis: Bei diesem Infekt leidet das Kind unter Schnupfen, trockenem Reizhusten und Fieber, bei Kleinkindern kommen oft Bauchschmerzen hinzu. Bei älteren Kindern lässt sich eine akute Bronchitis nicht von einer schweren Erkältung unterscheiden. Nur selten entwickelt sich daraus eine Lungenentzündung. Wenn auch die feinsten Äste des Bronchialbaums entzündet sind und zuschwellen, kann das lebensgefährlich werden. Fachleute nennen diese Erkrankung Bronchiolitis.
  • Eine Kehlkopfentzündung: Sie macht sich bemerkbar durch Heiserkeit, trockenen Reizhusten und Kratzen im Hals. Betroffen sind meist Schulkinder. Bei Kleinkindern ist eine Sonderform der Kehlkopfentzündung häufiger: der Pseudo-Krupp.

Zum Arzt, wenn es richtig weh tut

Husten und Schniefnase sind meist harmlos. Wenn Sie jedoch merken, dass Ihr Kind Ihnen schwer krank vorkommt oder besonders leidet, sollten Sie mit ihm zum Kinderarzt gehen – wenn also Fieber, Schmerzen oder Husten sehr stark sind oder wenn Sie einen auffälligen Hautauschlag oder gar kleine Einblutungen in die Haut entdecken. Scheint Ihnen das Kind apathisch und abwesend zu sein, ist das ebenfalls ein Grund, zum Kinderarzt zu gehen. In der Regel gilt: Auch alles, was länger als zehn Tage dauert, ist ein Fall für den Mediziner.

Bei folgenden Problemen sollten Sie umgehend eine Arztpraxis aufsuchen:

  • Das Kind trinkt nicht mehr ausreichend.
  • Es hat Atemprobleme.
  • Es hat hohes Fieber und starke Kopfschmerzen.
  • Es wirkt teilnahmslos.
  • Es bekommt einen steifen Nacken.
  • Es ist berührungsempfindlich.

Diagnose

Der Kinderarzt wird Sie zunächst nach den Beschwerden Ihres Kindes befragen und das Kind dann untersuchen.

Mit einem Blick in den weit geöffneten Mund und Rachen betrachtet der Arzt die Mund- und Rachenschleimhaut: Sie ist oft gerötet, wenn sie von Viren oder Bakterien befallen ist. Weiße Beläge auf den Gaumenmandeln sprechen eher dafür, dass Bakterien die Mandeln entzündet haben. Der Arzt macht dann gegebenenfalls einen Abstrich vom Rachen. Mit den Händen tastet er unterhalb des Kiefers den Hals seitlich abwärts. Geschwollene Lymphknoten können ebenfalls auf eine Entzündung der Gaumenmandeln hinweisen.

Mit dem Stethoskop hört der Arzt die Lunge ab: So kann er eine Lungenentzündung feststellen. Er betrachtet auch die Haut am gesamten Körper, um Hautauschläge zu erkennen. Wenn der Arzt nach der körperlichen Untersuchung einen Verdacht auf eine ernste Erkrankung hat, wird er Ihnen für Ihr Kind weitere Untersuchungen empfehlen, etwa eine Röntgenaufnahme der Lunge oder eine Blutabnahme, denn die Blutwerte können Hinweise auf ernste Störungen oder auf Erkrankungen bestimmter Organe liefern.

Wenn eine Allergie wie eine Erkältung aussieht

Oft stecken hinter den Erkältungssymptomen andere Krankheiten. Husten oder Schnupfen treten auch auf bei:

  • Einer echten Virus-Grippe. Zwar beginnt sie meist plötzlich und geht mit hohem Fieber über 39 Grad einher. Sie kann aber auch milder verlaufen und einer Erkältung ähnlich sehen.
  • Keuchhusten oder Masern. Auch diese klassischen Kinderkrankheiten beginnen zunächst wie eine Erkältung. Später treten die für die Krankheit typischen Symptome auf.
  • einer Bronchiolitis. Das sind entzündete Bronchien, besonders in den ganz kleinen Verästelungen der Lunge. Besonders bei Säuglingen ist die Verwechslungsgefahr groß. Schwere Atemnot, eine stark beschleunigte Atmung, manchmal Husten und ein pfeifendes Atemgeräusch sind die Folgen einer Bronchiolitis.
  • einem allergischer Schnupfen. Er wird am Anfang oft mit Erkältung verwechselt.

Therapie

Ist Ihr Kind erkältet, können Sie nur die Beschwerden lindern. Die Ursache – die Viren – können Sie nicht bekämpfen. Generell sollten Sie darauf achten, dass Ihr Kind viel trinkt. Bei Fieber verbraucht der Körper viel Flüssigkeit. Geeignet sind Kräutertees und stille Mineralwässer. Packen Sie Ihr Kind nicht allzu warm ein, besonders dann, wenn es hohes Fieber hat. Bieten Sie Ihrem Kind Essen an, das es mag und das viele Vitamine enthält.

Lüften Sie das Kinderzimmer regelmäßig oder gehen Sie mit Ihrem Kind an die frische Luft. Verzichten Sie auf das Rauchen, denn das reizt die Schleimhäute. Versorgen Sie Ihr verschnupftes Kind regelmäßig mit frischen Taschentüchern und legen Sie gebrauchte Taschentücher nicht auf den Tisch, sondern entsorgen Sie sie.

Trinken, gurgeln, wickeln

Gegen Erkältungssymptome gibt es viele pflanzliche Mittel. Das Erfahrungswissen darüber wird von Generation und Generation weitergegeben.

  • Dampf-Inhalationen mit einer Wasser-Kochsalz-Lösung lassen die Nasenschleimhäute abschwellen und erleichtern das Atmen. Auch Thymian, Kamille oder Engelwurzelbalsam eignen sich gegen Schnupfen. Aber denken Sie daran, Ihr Kind nie mit dem heißen Wasser allein zu lassen! Sie können auch eine Nasenspülung mit Salz versuchen, allerdings erst bei Kindern ab vier Jahren.
  • Hat Ihr Kind Halsschmerzen, lassen Sie es mit Salzwasser, Salbei- oder Kamillentee gurgeln oder geben Sie ihm Lindenblütentee zu trinken. Auch Halswickel können wohltun, zum Beispiel ein warmer Kartoffel- oder Zwiebelwickel oder ein kalter Quarkwickel. Ein Luftbefeuchter oder feuchte Tücher im Kinderzimmer lindern das Kratzen im Hals.
  • Stillen Sie den Husten mit pflanzlichen Tees, die Thymian- oder Efeuextrakte, Holunderblüten, Salbei oder Eibisch enthalten. Warme Milch mit Honig bei Kindern ab zwei Jahren wirkt als Schleimlöser.
  • Bei Ohrenschmerzen wirken Zwiebelwickel entzündungshemmend und schmerzlindernd.

Medikamente nur in Absprache mit dem Kinderarzt

In der Apotheke gibt es jede Menge Arzneien gegen Erkältungen. Doch seien Sie vorsichtig: Manche Substanzen sind für Kinder nicht geeignet, zum Beispiel Acetyl-Salicyl-Säure (ASS). Andere lösen bei längerem Gebrauch zusätzliche Probleme aus, beispielsweise Nasentropfen, welche die Schleimhäute abschwellen lassen. Bevor Sie Ihrem Kind Medikamente geben, sollten Sie mit Ihrem Kinderarzt darüber sprechen.

  • Ibuprofen oder Paracetamol senken das Fieber und stillen die Schmerzen. Die Dosierung richtet sich nach dem Gewicht des Kindes.
  • Nasentropfen, die abschwellend wirken, erleichtern das Atmen durch die Nase. Die Tropfen sollten jedoch nicht länger als fünf Tage verwendet werden, da sie bei dauernder Anwendung die Nasenschleimhaut schädigen können. Für Kinder eignen sich Nasentropfen oder -sprays auf Meer- oder Kochsalzbasis.
  • Schleimlösende Hustenmittel wie Acetylcystein, Ambroxol oder Bromhexin schaden zwar nicht, aber dass sie wirken, ist auch nicht belegt.
  • Hustenblocker, sogenannte Antitussiva, sollten Sie Ihrem Kind nur in Ausnahmefällen bei quälendem trockenen Husten und nach Absprache mit dem Kinderarzt geben, da diese meistens Substanzen enthalten, die dem Morphin chemisch verwandt sind. Außerdem ist es in der Regel nicht sinnvoll, den Husten zu blockieren, denn er ist ein natürlicher Mechanismus des Körpers, Schleim aus den Bronchien zu entfernen.

Antibiotika sind bei Bronchitis oft sinnlos

Nur wenn Ihr Kind eine schwere Mittelohrentzündung hat oder wenn es sehr klein ist, können Antibiotika sinnvoll sein. Trinkt Ihr Kind hingegen ausreichend und sind die Ohrenschmerzen nur mäßig ausgeprägt, können Sie zwei bis drei Tage abwarten. Sie können ihm solange leichte Schmerzmittel wie Ibuprofen geben. Wärme, zum Beispiel durch Rotlicht oder eine Wärmflasche, oder pflanzliche Mittel wie ein Zwiebel- oder Kamillesäckchen helfen auch. Ob wirklich ein Antibiotikum notwendig ist, sollten Sie gemeinsam mit dem Arzt entscheiden. Ohrentropfen sollten Sie erst einträufeln, wenn der Arzt das Trommelfell untersucht hat.

Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Kind an einer Bronchitis leidet, können Sie versuchen, den Husten mithilfe von pflanzlichen Hustentees, mit Thymian-Brustwickeln oder – bei Kindern ab zwei Jahren – mit der altbewährten Honigmilch zu lindern. Antibiotika sind sinnlos, weil die Beschwerden meist durch Viren bedingt sind. Antibiotika töten aber nur Bakterien ab.

Tipps

Viren können mehrere Stunden auf der Hautoberfläche überleben. Deshalb sollten Sie Ihr Kind dazu anhalten, sich jedes Mal nach dem Naseputzen gründlich die Hände zu waschen.

Stärken Sie das Immunsystem Ihres Kindes mit Bewegung, frischer Luft und gesunder Ernährung.

Expertenrat

Stern.de-Experte Professor Reinhard Berner von der Universität Freiburg beantwortet Ihre Fragen:

Wie kann ich das Immunsystem meines Kindes stärken?

Bei der Geburt ist das Immunsystem eines Säuglings noch nicht ausgereift. Wenn Sie Ihr Kind jedoch im ersten halben Jahr stillen, erhält es über die Muttermilch bestimmte Abwehrstoffe von Ihnen und ist so zumindest teilweise geschützt. Später unterstützt eine ausgewogene Ernährung und Lebensweise die eigene Abwehr am besten.

Können Vitamine das Immunsystem stärken?

Bei einer ausgewogenen Ernährung sind Vitamintabletten völlig überflüssig. Sorgen Sie stattdessen dafür, dass Ihr Kind regelmäßig an die frische Luft kommt und sich bewegt – auch bei schlechtem Wetter.

Was halten Sie von Grippemitteln bei Kindern?

Der Markt an Hustenmitteln, Nasentropfen, Grippemedikamenten sowie an abwehrstärkenden Mitteln ist unüberschaubar groß. Die meisten Präparate halten jedoch nicht das, was sie versprechen. So ist beispielsweise die Wirkung so genannter schleimlösender Medikamente nicht nachgewiesen. Sie schaden zwar nicht, bringen aber auch nichts. Auch Echinacea-Präparate kann man sich sparen. Sie wirken zwar auf das Immunsystem. Den Krankheitsverlauf beeinflussen sie aber nicht in relevanter Weise: Weder verkürzen sie die Krankheit, noch lindern sie die Beschwerden.

Forschung

Kleinkinder können nun auch gegen Grippe geimpft werden: mit einem Nasenspray. Der sogenannte nasale Impfstoff enthält abgeschwächte, lebende Viren. Sie vermehren sich nur in Nase und Rachen. Dort rufen sie eine Immunreaktion hervor, ohne die Krankheit selbst auszulösen. In den USA dürfen Ärzte seit Mitte 2007 Kinder ab zwei Jahren mit dem Spray impfen. In Deutschland steht das Präparat seit der Influenzasaison 2012/2013 zur Verfügung. Er ist für Kinder zwischen 2 und 17 Jahren zugelassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, ihn bei Zwei- bis Sechsjährigen bevorzugt zu verwenden.

Grippe – Anzeichen und Verlauf

Typisch für eine Influenza ist der plötzliche Beginn der Erkrankung – ohne Vorwarnung treten z.B. bei sonst gesunden Menschen hohes Fieber (bis zu 41°C), Abgeschlagenheit, Schüttelfrost, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und Hustenreiz auf. Meist kommen noch Lichtscheu und Geräuschempfindlichkeit hinzu. Aber auch schon einzelne Symptome wie hohes Fieber und unproduktiver Husten können auf eine Grippe hinweisen. Lediglich erhöhte Temperatur (< 38,5°C) und Schnupfen sprechen hingegen eher für eine Erkältung.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der ersten Krankheitsanzeichen, beträgt bei der Grippe meist nur ein bis zwei Tage. Bereits infizierte Menschen, die noch keine Symptome zeigen, sind trotzdem schon ansteckend.
Die Influenza ist eine akute Infektion der Atemwege. Neben den anfänglichen Symptomen kommen häufig Appetitlosigkeit, Atemnot, Schwindel, Muskel-, Gelenk- und Augenschmerzen hinzu. Es besteht ein starkes allgemeines Krankheitsgefühl.

Das Fieber kann 3 bis 4 Tage andauern. Ein erneuter Fieberanstieg um den 3. Krankheitstag weist auf den Beginn einer zusätzlichen bakteriellen Infektion hin. Der quälende Reizhusten kann über einige Wochen anhalten. Die Krankheitsdauer beträgt in der Regel 7 bis 14 Tage. Fast alle an Grippe erkrankten Menschen sind nicht arbeits- bzw. schulfähig und sollten auch aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr daheim bleiben.

Der Verlauf einer Grippe hängt einerseits vom Typ des Influenza-Virus selbst ab, und andererseits vom gegenwärtigen Zustand des Abwehrsystems des Patienten. Für einen an sich gesunden Organismus mit einem intakten Immunsystem stellt die Grippe in der Regel kein lebensbedrohendes Problem dar. Die Mehrzahl der Grippe-Infektionen vergeht mit einer völligen Gesundung des Patienten. Doch häufig dauert die Heilung mehrere Wochen mit einem ständigen und bisweilen quälenden Reizhusten an. Noch Wochen nach Abklingen einer Influenza leiden die Patienten oft an einer ausgeprägten allgemeinen Leistungsschwäche, Appetitlosigkeit und Unwohlsein.

Besonders bei älteren Menschen, Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren oder Personen mit bereits bestehender Vorerkrankung der Atemwege, der Nieren oder des Herzens sowie bei immungeschwächten Patienten können Komplikationen auftreten, die schlimmstenfalls zum Tode führen können.

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