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Mein Kind hört nicht und provoziert nur! 10 Wege aus der Krise

Dein Kind hört nicht und provoziert nur. Du kommst dir vor, als würdest du vollständig ignoriert. Das macht dich wütend und ungeduldig. (Lies auch hier)

Du sagst alles 20 Mal und nichts passiert. Und wenn du “Stop” schreist, gibt dein Kind erst Recht noch Gas.

Dein Mann oder deine Schwiegermutter sind überzeugt: Du hast das Kind verzogen, wenn es nicht hört und provoziert! Das tut weh. Und nervt. Und dagegen werden wir hier und heute etwas tun!

Mein Kind hört nicht auf mich und provoziert!

Wenn du willst, dass dein Kind immer und sofort auf dich hört, musst du Stock und Rute wieder einführen. Denn geschlagene Kinder hören aufs Wort. Immer.

Wenn also Tante Gertrude der Ansicht ist, deine Kinder hören nicht und provozieren nur, dann kannst du sie ab jetzt anlachen und stolz verkünden: “ja, das liegt daran, weil ich sie nicht schlage. Das ist nämlich Gewalt. Und die ist schlimm und verboten außerdem!”

Jedes einzelne Mal, wenn dein Kind also auf dich hört, dann tut es das, weil es sich für dich entscheidet, es hört aus Liebe zu dir. Mach dir das ganz stark bewusst!

Was ist eigentlich provozieren?

Du bist Mama. Ich muss dir nicht beschreiben, wie das aussieht, wenn ein Kind nicht hört sondern provoziert. Wir kennen das alle! Es macht uns rasend.

Aber was ist das eigentlich, wenn ein Kind provoziert? Kinder haben ein sehr feines Gespür für Kommunikation und Beziehung. Warum?

Weil sie schon von Geburt an davon abhängig sind, dass der Erwachsene ihnen gegenüber gut gestimmt ist, ihnen Nahrung und Wärme gibt, sowie Zuwendung und Liebe. Denn Kinder/Babys/Menschen sterben, wenn sie diese nicht erhalten.

Und was hat das mit Provozieren und nicht hören zu tun? Ist das nicht widersprüchlich?

Wenn etwas in eurer Beziehung also schief läuft, dann zeig dir dein Kind das sofort mit seinem Verhalten.

Kinder wissen aber nicht, wie sie es in Worte fassen sollen, sondern fangen an ein Verhalten zu zeigen, das eigentlich ihre Angst ausdrückt, ihre Verletzung und ihre Wut darüber, wie es gerade läuft.

Wir werden uns gleich ansehen, was passiert, bevor ein Kind anfängt zu provozieren. Und du wirst sehen, dass diese Provokation eigentlich ein tieferliegendes Gefühl zeigt. Ein Gefühl, dass dein Kind noch nicht ausdrücken kann. (Ich werde die Botschaft deines Kindes im folgenden Text Fett markieren, dann ist es noch klarer)

Darum hört dein Kind nicht auf dich und provoziert nur:

1. Seine Integrität ist von deinen Worten verletzt worden

“Ständig machst du dich schmutzig, pass doch einmal auf”. Das ist ein normaler Satz, den wir an ganz normalen Tagen zu unseren Kindern sagen könnten, oder?

Bildnachweis: , distel2610

Versuche einmal dir vorzustellen, dein Partner würde genau diesen Satz zu dir sagen. Wie fühlst du dich? Du willst dich bestimmt verteidigen. “Gar nicht immer!” Und fühlst dich davon getroffen und verletzt.

So geht es deinem Kind auch. Deshalb springt es dann erst recht in die Pfütze. Es kann nicht anders, denn es will seine innere Integrität (seine Heilheit, seine Ganzheit) schützen. Und dir etwas wichtiges mitteilen: “Du hast mich verletzt!”

Besser wäre: “Geh um die Schlammpfütze herum, wir brauchen deine Hose heute noch!”

2. Du hast es provoziert (ja, echt!)

Eigentlich denken wir, nur Kinder provozieren, oder? Aber in Wirklichkeit gibt es leider unheimlich viele unbewusste Momente, in denen wir unsere Kinder stark provozieren.

Beispiel: “Du isst wie ein Ferkel!” Oder noch schlimmer: (Im Gespräch mit der Freundin) “Mein Kind isst wie ein Ferkel!”

Aus dieser Abwertung heraus, fällt es deinem Kind unheimlich schwer, nachgiebig und großzügig zu reagieren und sich zu bemühen, ab jetzt schöner zu essen. Du machst es mit diesem Spruch (am besten noch vor fremden Personen am Tisch) nahezu unmöglich. Jeder gesunde und starke Mensch würde jetzt seinen Kopf in den Teller stecken und möglichst laut und eklig schmatzen, oder?

Botschaft: “Du hast mich verletzt und bloßgestellt!”

Besser: (geflüstert, damit es keiner hört, außer das Kind): “Soll ich dir die Spaghetti schneiden? Die verspritzen sonst alles!”

3. Seine Bedürfnisse stehen dem “Gehorchen” im Weg und deshalb hört dein Kind nicht auf dich und provoziert

Selbstbestimmung ist ein Grundbedürfnis. Wirksamkeit auch. Diese beide inneren Bedürfnisse sind nicht nur bei Kindern ernst zu nehmende Bedürfnisse und wenn sie zu lange weg geschoben werden, führen sie zu Trauer und Zorn.

Du wirst jetzt bestimmt schon grinsen. Natürlich weißt du, was ich damit meine: Dein Kind möchte selber bestimmen. Und es möchte, dass das, was es tut, einen Effekt hat. Es möchte Selbstwirksam sein, also wichtig.

Darum hört dein Kind dann nicht: es hat sein Bedürfnis zu lange weg geschoben und kann einfach nicht mehr!

Botschaft: “Ich habe mich wirklich bemüht, lange bemüht, auch wenn du es nicht siehst. Aber jetzt kann ich nicht mehr!”

4. Deine Worte und deine Gedanken passen nicht zusammen (Kinder sind kleine Hellseher)

Das ist kein Witz. Wenn du denkst: “Ach, ist doch eigentlich gar nicht so schlimm” oder “naja, ist halt ein Kind” – und gleichzeitig verlangst: “Iss mit Messer und Gabel und nicht mit den Fingern”, spürt dein Kind das.

Es spürt also, dass da zwei widerstreitende Anweisungen in dir sind. Einmal, dass du es gar nicht so unverständlich findest, dass dein Kind mit den Fingern isst. Und dann deine eigene Erziehung, die verlangt, dass man nicht mit den Fingern isst.

Auf was soll es also hören? Auf dein Gefühl (nicht so schlimm) oder auf deine Worte? Kinder sind kleine Hellseher, du kannst sie nicht veräppeln. Sie merken das! Oder um Bellatrix Lestrange aus Harry Potter zu zitieren: “Du musst es auch wirklich wollen!”

Botschaft: “Jetzt bin ich verwirrt. Was soll ich tun?”

5. Könntest du das bitte aufräumen? Okay?

“Nicht fragen, sondern Anweisen!” (Das sagt sich auch Hera Lind in “Superweib” ständig)

Bildnachweis: : Ben_Kerckx

“Könntest du bitte aufhören, deine Schwester zu hauen? Okay?” Hm. Nö. Keine Lust. Danke der Nachfrage:-)

Wenn du unsicher, dünn oder fragend klingst, dann ist das ähnlich wie bei den Worten, die nicht zu deinen Gedanken passen: dein Kind bekommt verschiedene Informationen von dir. Einmal die unsichere Haltung, das Fragen, einmal die Worte.

Wonach soll es sich jetzt richten?

Botschaft: “Das verunsichert mich. Was willst du von mir? Soll ich die Führung übernehmen?”

5. Das Wort “Nicht” hört ein Kind nicht

Negierungen verarbeitet dein Gehirn nicht gut. Und das von Kindern erst recht nicht. (Diese Information stammt aus “Das Gewünschteste Wunschkind aller Zeiten, treibt mich zum Wahnsinn”).

Du sagst: “Nicht den Ofen anfassen!”

Dein Kind hört: “Den Ofen anfassen!”

Klar, was es macht? Es hört. Und fasst den Ofen an. Autsch!

Besser ist also: “Komm her!” oder: “Geh ins Wohnzimmer zu deinem Bagger!”

6. Dein Kind hat die Manipulation durchschaut und fühlt sich betrogen

Ich weiß, es gibt Erzieher oder Pädagogen, die manipulieren. “Du bist doch schon groß und stark, oder..? Dann kannst du doch den Müll schon raustragen” oder: “Oma würde es total freuen, wenn du ihr einen Kuss geben würdest!” Es funktioniert vielleicht. Solange dein Kind das nicht durchschaut.

Aber in meinen Augen ist es ein Betrug, der deine Beziehung zu deinem Kind belastet. Und damit dein Kind auf dich hört brauchst du eine saubere und unbelastete Beziehung.

Kinder sind keine Idioten. Sie spüren versteckte Manipulationen und fühlen sich betrogen. Irgendwann werden sie darauf nicht mehr hereinfallen oder sich sogar stark verletzt fühlen. Allerspätestens in der Pubertät fliegt euch das um die Ohren.

Botschaft: “Ich spüre, dass da eine Lüge ist. Das verletzt mich sehr!”

7. Die andere Motivation ist gerade extrem stark

Ähnlich wie mit den Grundbedürfnissen nach Selbstbestimmung gibt es Motivatoren, die sehr stark ziehen. Eis. Ferngesteuertes Auto. Babykatze. Dem Bruder eine reinhauen.

Es kann sein, dass diese Motivation gerade so stark ist, dass sie dein Rufen gerade einfach ausschaltet. Das Gehirn eines Kindes arbeitet noch längst nicht so kontrolliert wie unseres. Hier ist die emotionales Seite sehr viel stärker (Der Präfrontale Kortex ist noch nicht fertig ausgebildet).

Und selbst bei uns gibt es doch Motivationen, die stärker ziehen als die Stimme der Vernunft. Die Schokolade. Der Liebesfilm. Das Ausschlafen.

Botschaft: “Tut mir leid. Aber das MUSS ich jetzt tun”

8. Deine Worte sind nicht glaubhaft

“Wenn du nicht sofort aufhörst, dann dreht der Pilot um und fliegt zurück!” Michael Mittermayer, der Kabarettist machte sich schon vor Jahren über uns Eltern lustig.

Natürlich sind wir Eltern in diesen Augenblicken einfach hilflos und uns ist nicht nach Lachen zumute, aber wann immer wir Eltern uns hier diesen Satz sagen “…und der Pilot dreht um und fliegt zurück”, dann müssen wir ein bisschen lachen und können diesen Pädagogenscheiß wieder zurück nehmen.

Botschaft: “Meinst du das jetzt ernst? Willst du mir Angst machen?”

Besser: “Oh man, ich weiß grad einfach nicht weiter. Wie soll ich dich davon abbringen, das zu machen? Verkitzeln?” Mein größter Sohn würde mir inzwischen grinsend vorschlagen das Taschengeld zu erhöhen oder ihm ein Eis zu kaufen. Aber die Liebe zu uns ist groß genug: er hört dann trotzdem damit auf.

9. Zu viel Blabla

“Lass das endlich mal sein, mich nervt das so, dein Bruder bekommt schon Kopfweh davon, ich kann es einfach nicht leiden, außerdem wird deine Hose davon ganz schmutzig, dann muss ich wieder waschen, dazu habe ich keine Lust, dann lasse ich ab jetzt dich die Wäsche aufhängen und außerdem reicht das Geld nicht um stäääändig neue Hosen zu kaufen…”

Blabla.. was?

Dein Kind hat wahrscheinlich Erfahrung mit diesen verbal-Ergüssen von dir und schaltet nach dem 2. Wort ab.

Botschaft: “Ähm.. was?”

Besser: “Hör auf. Jetzt”.

Bildnachweis: : 28703

10. Nur über meine Leiche!

Es gibt “Neins” oder Ansagen, die sind uns unheimlich wichtig. Wirklich, wirklich wichtig. Nach und nach finden wir heraus, was uns wichtig ist.

Mir ist es zum Beispiel wichtig, dass meine Kinder lernen, ihre Sachen aufzuräumen. Nicht mal unbedingt das Spielzeug, sondern Kleinigkeiten wie einen Pullover, der ihnen gerade nicht mehr gefällt und einfach, ganz frisch rausgezogen und in eine Ecke gepfeffert wird.

Hier bestehe ich darauf, dass dieser Pullover aufgeräumt wird. Und zwar mit einer Überzeugung die in meinem Inneren ungefähr so klingt: “du wirst diesen Pullover aufräumen und wenn es das Letzte ist, was wir heute tun! Was wir jemals tun!”

Du kannst nach und nach diese Dinge, die dir wichtig sind, zu den Wenigen machen, auf die dein Kind wirklich hören muss. Und dafür ein paar läppische und halblebige: “Sowas macht man aber nicht”-Blablas weglassen.

Eine starke Beziehung ist die beste Voraussetzung dafür, dass dein Kind auf dich hört!

Wenn du versuchst deine “Man macht das nicht” – Sätze möglichst auf einen 0 Punkt zu reduzieren und deinem Kind wie einem Menschen zu begegnen, dann wird es auch auf dich hören.

Das ist aber abartig schwer. Denn wir sind schließlich noch mit viel Erziehung aufgewachsen. Unsere Eltern waren oft noch stark der Meinung, man müsse uns erziehen, sonst würden wir nichts werden.

Deshalb sind auch die automatischen Mama-Sprüche sehr stark in uns drin und brechen bei jeder Gelegenheit aus uns heraus. Und dann hört dein Kind nicht und provoziert.

Wie mache ich das denn? Mein Kind wie einen Menschen zu behandeln?

1. Wir sind in der Trotzphase

Es ist schön, dass so viele Eltern sich stark für die Entwicklung ihrer Kinder interessieren. Daraus ist aber in meinen Augen ein Selbstläufer entstanden.

Kinder werden generell in irgendwelche vorgefertigten “Phasen” eingeteilt. Das ist eine neue Art der Abwertung: anstatt das Kind als Menschen mit Bedürfnissen zu sehen, ist es gerade eine “Trotzphase”.

Vielleicht ist es ja auch ganz anders? Vielleicht sind Kinder mit 3 gar nicht in der Trotzphase, sondern Eltern noch immer nicht mit ihrer neuen Selbständigkeit einverstanden? Vielleicht hat Mama eigentlich die “Trotzphase”: sie will das Kind noch immer so stark bevormunden, wie als Säugling und hat Mühe mit der schnellen Veränderung ihres Kindes mitzuhalten?

2. Ernst nehmen

Der Zorn, der also als “Trotzphase” abgetan wird, ist ehrlich, echt und sollte ernst genommen werden. “Natürlich ärgert dich das, wenn ich dir verbiete, Sandalen anzuziehen. Sie gefallen dir viel besser als die Gummistiefel”.

Auch wenn es manchmal lustig ist oder uns sehr hilflos macht, wie zornig das Kind auf uns reagiert, ist es wichtig, es nicht als Phase abzutun, sondern ernst zu nehmen.

Wichtig: das bedeutet nicht, wenn ich es ernst nehme, muss ich jetzt machen, was mein zorniges Kind verlangt! Sandalen bei Regen sind nicht adäquat! Aber der Zorn absolut verständlich und ernsthaft.

3. Strafe

Um ein Kind wie einen Menschen zu behandeln, ist es wichtig, nicht zu strafen. Wir strafen ja auch unseren Partner nicht, weil er die Socken nicht aufgeräumt hat, oder?

Wie würdest du dich fühlen, wenn du dir ungefragt ein Buch kaufst und zur Strafe streicht dir dein Partner das Geld für den nächsten Monat? Ziemlich schlecht und wütend, oder?

Eine Strafe bringt euch weiter auseinander wie den Bodensee von China. Und damit dein Kind auf dich hört, ist das zwar im ersten Moment total effektiv, aber sobald deine Beziehung leidet, wird dein Kind nicht mehr freiwillig auf dich hören. Echt.

Bildnachweis: : ParentRap

4. Logische und echte Konsequenzen dürfen

Strafen mag ich gar nicht. Und sie führen nur dazu, dass du dich von deinem Kind entfernst. Um aber echt und menschlich zu sein, ist es sehr wohl sinnvoll deinem Kind deine eigenen Grenzen mitzuteilen.

Beispiel: “Ich bin total müde, wenn du dich jetzt nicht schnell umziehst, lese ich dir nicht mehr vor” – oder noch besser: “Zieh dich jetzt schnell um, dann kann ich dir noch gut vorlesen. Ansonsten bin ich nämlich bald viel zu müde dafür”.

Das ist eine logische Folge daraus, das meine Kraft am Abend begrenzt ist und ich irgendwann wirklich nicht mehr lesen mag. Das ist keine Strafe, es ist menschlich. Es ist nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe.

Außerdem zeigt es deinem Kind eine gute Motivation auf, zu hören: “Wenn ich mich beeile, liest Mama mir noch vor!”

Beispiel

“Solange die Kontrollinstanz in deinem Gehirn noch nicht so gut gereift ist, werde ich dich an der Straße durch das Halten deiner Hand kontrollieren – da es mir ohne sonst zu gefährlich ist”

Natürlich kannst du das weniger kompliziert formulieren: “An der Straße gehst du an meiner Hand. Bis du auf mich hörst”.

Hier handelt es sich um eine logische Konsequenz: Es ist keine Strafe, um deinem Kind weh zu tun, sondern eine Maßnahme, um Schmerzen zu verhindern.

5. Lob

Viele Pädagogen sagen, man solle möglichst viel loben. Lob, das nicht von Herzen kommt ist in meinen Augen eine Manipulation und die ist unecht und wird irgendwann vom Kind durchschaut (siehe: 6. Dein Kind hat die Manipulation durchschaut und fühlt sich betrogen)

Lob sagt auch: “dies ist gut” – und damit bist du “Gott” und entscheidest im Leben deines Kindes was gut und was schlecht ist. Es stellt dich über dein Kind und das macht deine menschliche Beziehung zu ihm dünner.

Besser ist: “Wow, das gefällt mir aber super gut!” (Dies ist eine subjektive Aussage und absolut ok: mir gefällt das)

Mein Kind hört nicht und provoziert- obwohl Jesper Juul sagt, jedes Kind will kooperieren!

Kooperation ist ein ganz besonderes Kapitel: Jesper Juul, der berühmte Familientherapeut hat diesen Satz geprägt: “Jedes Kind will kooperieren” und da stimme ich voll zu. Doch als ich es zum ersten Mal hörte, dachte ich: “Ja, jedes vielleicht, aber meins nicht!”

Um diesen Willen bei deinem Kind wirklich zu sehen, bedarf es einiger Übung. Aber er ist da. Auch bei deinem Kind. Versprochen.

Kooperation bedarf der Freiwilligkeit. Wenn du alles aus dem Kapitel “Darum hört dein Kind nicht auf dich” beachtest, dann wird dein Kind kooperieren. Echt.

Oft ist aber das Kooperationsfass schon leer

Und dann funktioniert einfach gar nichts mehr. Wenn du dir den Willen zur Kooperation bei deinem Kind wie ein Fass vorstellst, dann schöpft jedes Kooperieren ein bisschen davon ab.

Wenn dein Kind z. B. in die Schule geht, kooperiert es in der Regel den ganzen Morgen lang. Auch im Kindergarten wird oft mehr Kooperation gefordert, einfach wegen der großen Gruppen. Und dann kommt es heim und sein Fass ist einfach leer.

Es will ja. Aber es kann einfach nicht mehr kooperieren. Sonst würde es sich selbst nicht mehr spüren, wäre nicht mehr da. Jetzt müssen erst viele eigene Bedürfnisse erfüllt werden, bevor das Fass sich wieder füllt.

Wenn du das bei deinem Kind spürst, kannst du Rücksicht darauf nehmen

Deshalb ist es gar kein Problem, wenn du dein Kind aus der Schule abholst und ihm beim Heimkommen die Jacke aufhängst, auch wenn ein Schulkind das ja wohl schon selber kann.

Wenn du deinem Kindergartenkind den Rucksack vom Kindergarten trägst.

Denn es kann einfach nicht mehr, es fühlt sich müde und ausgelaugt und braucht einige Zeit, um sich wieder zu “füllen”, wieder zu sich zu finden und es selbst zu sein. Und das kann es am besten zu Hause in Ruhe und mit deiner Hilfe.

Doch wenn das Kind scheinbar trotzdem nicht kooperiert?

Dann kann es gut sein, dass eine gegengleiche Kooperation vorliegt: Deine Worte stimmen nicht mit deinem Inneren überein und dein Kind kooperiert eher mit deinem Inneren, als mit deinen Worten.

Z. B. wenn eine Mutter absolut nicht die Führung zu Hause übernimmt, ihre Anweisungen wie Fragen klingen und sie sofort einknickt, wenn etwas nicht funktioniert:

Dann übernimmt das Kind oft die Führung, denn es spürt, dass du es nicht tun willst und einer muss ja. Um das Kooperieren jetzt noch zu erkennen, braucht es manchmal einen Blick von Außen und hier kann ich dir mit meinem “Familiensupport” sehr gerne helfen und zur Seite stehen.

Mein Kind hört nicht und provoziert – oder merke ich es nur nicht?

Bildnachweis: : sasint

Oft hören Kinder nicht sofort. Machen aber trotzdem, was gesagt wurde.

Oft hören Kinder nicht genau auf die Weise, wie wir sie uns vorstellen!

Achte genau auf dein Kind, beobachte es, schreibe vielleicht sogar mal einen Tag lang auf: finde eine Situation, in der es auf dich gehört hat. Und freue dich daran!

Erwarte nicht, dass dein Kind wie ein Automat funktioniert. Denn das tun nur Kinder, die geschlagen werden und das ist schlimm und macht dein Kind kaputt.

Beobachte mit Liebe: du wirst garantiert mindestens eine Sache am Tag finden, wo dein Kind macht, was du sagst. Und dann erhöhe auf Zwei!

Deine Susanne

Mein Kind provoziert mich – Aus dem Alltag einer Mutter Teil 2

Vor einigen Tagen habe ich Euch ein wenig vom aktuellen Alltag bei uns erzählt. Das Chaosmädchen steckt in dieser Phase fest. Mein Kind provoziert. Und manchmal stoßen wir Eltern tatsächlich sehr an unsere Grenzen. Wir wissen nicht immer, wie wir mit dem Chaosmädchen umgehen sollen und manchmal reizt sie uns so sehr, dass wir die Fassung verlieren und den falschen Ton anschlagen.

In meinem zweiten Teil wird es heute sehr persönlich und ich erzähle Euch ein wenig mehr, wie es manchmal bei uns abläuft. Aber lest selbst.

Extremsituationen – mein Kind provoziert mich

Vor 2 Wochen habe ich die Türe geknallt und mein Kind angeschrien. Darauf bin ich nicht stolz. Im Gegenteil. Aber es ist das wahre Leben. Und es passiert. Wichtig ist, zu erkennen, dass man das nicht möchte und zu überlegen, wie es anders laufen kann. Befremdlich finde ich viel mehr, dass dem Internet oft nur zu entnehmen ist, wie liebevoll und bedürfnisorientiert alle Welt ihre Kinder erzieht. Ohne aus der Hose zu springen. Ohne auch mal am Ende der Kräfte zu sein. Aber wir sind auch nur Menschen. Keine Maschinen.

Ich habe das Chaosmädchen auf dem Klo sitzen gelassen. Außerdem habe ich ihr gesagt, sie solle sich alleine bettfertig machen. Ich war einfach fix und fertig mit den Nerven. Die Türe wurde geknallt und der Raum verlassen.

Kaum war die Türe zu, fühlte ich mich hundeelend und die Tränen liefen. Ich wusste mir einfach nicht mehr zu helfen und nein, ich konnte wirklich nicht mehr ruhig bleiben. Denn das war ich den ganzen Rest des Tages. Ich habe alles gegeben, alles ertragen, doch egal, was ich tat oder sagte, es war einfach nicht genug. Ich war nicht genug. Sie reizte mich permanent, bis schließlich alles mit mir durchging.

Ich habe mich auf mein Bett gesetzt und geweint. Nach einigen Minuten ging es mir ein wenig besser. Ich ging zurück ins Badezimmer. Das Chaosmädchen saß immer noch auf der Toilette, schaute mich traurig an und sagte “Ich dachte schon, ich muss das jetzt alles alleine machen!”. Ich nahm sie in den Arm und sagte “Natürlich nicht! Aber es ist auch nicht schön, wie es läuft. Mama war gerade richtig wütend und traurig. Das kennst Du ja von Dir auch. Deshalb habe ich die Türe geknallt und bin raus gegangen. Es tut mir leid mein Schatz.” Wir haben uns fest in die Arme genommen. Alles schien gut.

Aber das ist es nicht. Denn oft nagt diese Hilflosigkeit an mir. Ich weiss nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich übe mich sehr lange in Geduld. Wirklich lange. Ich rede in aller Ruhe und sehr höflich mit ihr. Immer und immer wieder. Aber: Nichts hilft!

Es ist wichtig, dass Kinder auch erkennen, wie Mama sich fühlt. Sie müssen sehen, wenn etwas nicht in Ordnung war und verstehen, dass auch Mama mal nicht mehr kann. Auf der anderen Seite sind es eben Kinder und sie haben ihre Phasen. Sie wollen sich mitteilen. Es ist nicht einfach. Für keinen von uns.

Auswirkungen auf die Eltern

Tatsächlich ist es nicht einfach. Und das Kinder das Leben als Paar nicht leichter machen haben wir am Wochenende zu spüren bekommen. Unsere Laune war miserabel, das Chaosmädchen spielte uns nicht aus, aber sie trieb ihre Spielchen mit beiden von uns. Beide waren wir ratlos und das ist nicht besonders hilfreich. Schließlich erwartet man vom Partner oft irgendwie eine Hilfestellung. Die kam aber nicht. Die Tage waren furchtbar anstrengend. Egal, was man dem Chaosmädchen sagte. Sie hörte nicht.

“Darf ich auf dem Sofa springen?” “NEIN!”.

Zwei Minuten später:”Guck mal Mama, was ich kann” rief es und führte halsbrecherische Turnübungen vor. Springend auf dem Sofa. Sie hörte auch nicht auf, als ich es mit “Bitte mein Schatz, hör auf zu springen. Ich habe Dir doch erklärt, dass ich das nicht möchte! Ich habe Angst, dass Du Dir weh tust”. Es interessiert sie nicht.

Manchmal tänzelt sie um mich herum, wie eine Katze. Grundsätzlich kein Problem. Nur war ich in der Küche gerade am Kochen, lief ständig hin und her. Ich musste Töpfe aus Schränken holen, am Herd stehen, Dinge schneiden, zum Kühlschrank gehen. Ich fragte, warum sie nicht woanders spielt, aber sie gab keine Antwort. Oder das übliche “Weil ich das nicht möchte!”. Alles klar! Wenn das Kind doch nur alles akzeptieren würde, was ich nicht möchte.

Ich musste also bei jedem Schritt aufpassen, sie nicht über den Haufen zu laufen und mir dabei nicht selbst den Hals zu brechen. Sie krabbelte wirklich zwischen meinen Beinen durch die Küche. Und ich bin sicher: Sie wollte mich provozieren! Das schlimme dabei ist: Es klappt! Denn nachdem ich sie mehrfach freundlichst aufforderte, die Küche zu verlassen und mir ein wenig Platz zu geben, damit ich mich frei bewegen kann, passierte ihrerseits nichts. Ich bot ihr auch an, mir beim Kochen zu helfen. Auch das wurde abgelehnt. Glaubt mir, ich versuchte Vieles. Und ich habe auch immer noch keine Ahnung, was sie mir eigentlich sagen wollte.

Und genau dann passierte es wieder: Ich wurde laut!

Ich möchte nicht schreien!

Ich möchte keine Mutter sein, die ihr Kind anschreit. Ich hasse mich dafür, dass ich nicht länger die Ruhe bewahren kann und ich finde es grauenvoll zu sehen, wenn das Chaosmädchen sich die Ohren zuhält, weil ich laut werde. Es macht den Anschein, als habe sie Angst vor mir. Welche Mutter möchte das schon? Das Schlimme aber daran ist, dass sie diese Situation bewusst herbeiführt. Und nicht weiß, wann Schluss ist. Ich bin sicher, dass sie bei dem, was passiert genau weiss, was meine Reaktion sein wird. Sie muss es nur lange genug ausreizen. Und das schafft sie.

Dem Umstand ist natürlich auch geschuldet, dass ich in den letzten Wochen unter starkem Schlafmangel litt, weil die Miniqueen einfach schlecht geschlafen hat. Mit mehr Schlaf sind sicherlich auch die Geduldsfäden etwas dehnbarer. Auch private Sorgen oder Probleme, die uns Erwachsene beschäftigen sorgen dafür, dass wir sensibler und angreifbarer sind. Auch Janina hat einen schönen Artikel geschrieben zum Thema “Warum Eltern manchmal schreien.”

Wir haben einfach oft nicht mehr die Kraft, die es erfordert, den Kindern gerecht zu werden und immer die Ruhe zu bewahren. Ich habe mich auch zu diesem Thema im Internet ein wenig umgeschaut und einige interessante Beiträge gefunden.

Ratschläge aus dem Netz

Im Netz wimmelt es nur so von Ratschlägen, Beiträgen und Buchempfehlungen zum Thema. Da hab ich mich mal ein wenig durchgeklickt.

Aber ehrlich, als ich diesen Artikel hier las, musste ich lachen. Laut und herzhaft. Es geht um das Buch von Sheila MCCraith welches da heißt “Erziehen ohne Auszurasten – Wie ich aufhörte, meine Kinder anzuschreien – und wie Sie das auch schaffen.”

Das komplette Buch habe ich nicht gelesen, nur den oben genannten Beitrag dazu. Vielleicht sollte ich das aber mal tun. Dort heißt es zum Beispiel:

Mache Liegestützen, wenn du schreien willst. Sport baut Adrenalin ab.

Ich finde das ehrlich gesagt nicht besonders realitätsnah. Ich sehe mich schon im Supermarkt, wenn mein Kind kein Überraschungsei an der Kasse bekommt und mache erstmal Liegestütze. Das entspannt bestimmt. Nicht unbedingt die Menschenschlange hinter mir, aber mir könnte es helfen.

Lasse dein Handy alle 30 Minuten sagen: „Du willst ruhig bleiben.“

Ich würde mich riesig freuen, wenn in meinem Alltag, der sowieso oft sehr stressig ist, alle 30 Minuten mein Handy sagt “Nicht schreien!” Vermutlich würde ich mein Handy auf den Boden werfen und zertreten. Tatsächlich also auch eine Lösung.

Stelle an konfliktträchtigen Orten Babybilder deiner Kinder auf. Das erinnert dich daran, wie zerbrechlich sie sind.

Konfliktträchtige Orte? Welche sollen das sein? Flippen unsere Kinder nicht immer wieder an Orten aus, die wir nicht erwartet hätten? Ich soll also die halbe Stadt mit den Babyfotos meiner Kinder plakatieren? Durchaus hilfreich.

Laufe auf der Stelle, um den Körper in Bewegung zu bringen.

Das würde meine Kinder sicherlich aus dem Konzept bringen. Und vermutlich könnte ich auch nicht mehr schreien. Ich wäre ja mit atmen beschäftigt. Außerdem würde es fit halten.

Trommel auf die Brust wie ein Gorilla und bleibe dabei ernst.

Echt jetzt? Ich habe nicht das Gefühl, dass meine Kinder mich dann noch ernst nehmen.

Mein Fazit

Tatsächlich habe ich zunächst viel gelacht und die Sache sehr ins Lächerliche gezogen. Je mehr ich aber ernsthaft darüber nachdenke, desto mehr leuchten mir Dinge ein. Es geht in erster Linie darum, unter keinen Umständen zu schreien. Und das wird man mit diesen Tipps sicherlich erreichen.

Natürlich geht nicht jede Reaktion in jeder Situation. Kein Mensch wird an der Supermarktkasse mit Liegestützen anfangen. Zumindest habe ich das noch nicht erlebt. Und ich schätze, so sind die Ratschläge auch nicht gedacht.

Was ich mich hingegen frage ist, ob die genannten Handlungen nicht hinderlich sind in der Klärung der einzelnen Situationen. Sie sind doch viel mehr eine Flucht aus der Situation heraus. Das Kind wird abgelenkt und vergisst vermutlich das Trotzen, Schreien, Provozieren.

Es wäre aber doch sinnvoll, die Sache mit dem Kind zu besprechen, wenn es sich beruhigt hat, oder?

Es wird einen dritten Teil zu dieser Reihe geben, weil es einfach ein so wichtiges Thema ist und ich Euch noch ein wenig mehr erzählen mag…..über tolle weitere Blogbeiträge und ein Buch, das ich nun endlich zum Thema lesen werde.

Eure Chaos & Queen

Dass Mütter und Väter in der Erziehung jede Menge falsch machen, ahnten wir ja längst. Nicht nur, dass ihre Kinder an der Süßigkeitenschranke der Supermarktkasse durch unmögliches Verhalten auffallen. Berge von Erziehungsratgebern und Sendeformate wie die „Super Nanny“ legen nahe: Ohne Expertenhilfe kommen Eltern heutzutage kaum klar.

Der deutsche Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann erklärt sich die Probleme mit einer tiefreichenden Verunsicherung: „Die modernen Eltern sind in Erziehungsfragen unentschlossener, als es je eine Generation vorher war. Sie wissen unheimlich viel, und sie wissen nichts.“

Elternschaft ist auch deshalb so schwierig, weil sie, als eigener Lebensabschnitt, recht neu ist. Noch vor hundert Jahren lebten in einer Familie fünf Kinder. Wer erwachsen war, war selbstverständlich auch Mutter oder Vater. Doch die Geburtenzahlen sind gesunken, Familien werden immer später gegründet. Elternschaft ist damit zu etwas Besonderem avanciert, zu einem eigenen Lebensabschnitt, der an intuitiver Selbstverständlichkeit verloren hat. Im diffusen Feld zwischen ultraliberalem Laisser-faire und rohrstockgestützter Steinzeitpädagogik haben sich über die Jahrzehnte etliche Missverständnisse verfestigt.

Die Frage nach der richtigen Erziehung ist eine Dauerdebatte um die Entscheidung: Freiheit, oder nicht Freiheit? Die Begeisterung an der antiautoritären Erziehung ist bereits in den 70er Jahren geschwunden – auch wenn diese, zurecht, an so manchem Grundfest gerüttelt hat. 79 Prozent der Deutschen glauben einer aktuellen Studie zufolge, dass Kinder in den letzten zehn Jahren „eher zu liberal“ aufgewachsen sind. Was also ist richtig? Und vielmehr, was ist falsch? Eine kleine Anleitung zum Glücklichsein.

Lob motiviert.

In manchen Fällen kann Lob auch kontraproduktiv sein, wie eine Studienreihe an der FU Berlin gezeigt hat. Schüler, die für gute Leistungen gelobt und gleichzeitig darauf hingewiesen wurden, wie stolz der Lehrer auf sie sei, lernten anschließend weniger als ihre Klassenkameraden. Ähnlich erging es Mädchen, die für ihre besonderen Leistungen im „Jungenfach“ Physik Lob erfuhren. Die Studienautoren folgern, dass Lob nur dann etwas bringt, wenn es den – auch von den Jugendlichen selbst internalisierten – Stereotypen nicht widerspricht: Schüler wollen vom Lehrer autonom sein, Mädchen wollen nicht in Jungenfächern glänzen – und umgekehrt.

Trennungskinder haben schlechtere Karten.

Zahlreiche Forschungsprojekte an US-Universitäten belegen, dass Kinder von Soloeltern an sich keine negativen Konsequenzen für ihre Entwicklungen zu tragen haben. In den Bereichen Eigenverantwortung und Flexibilität würden sie sogar häufig höhere Fähigkeiten an den Tag legen. Kinder, die ständig dem Stress einer kaputten Elternbeziehung ausgesetzt sind, sind gefährdeter für psychische Störungen als Trennungskinder, wo Eltern einen klaren Schnitt gesetzt haben und die Modalitäten klar ausgehandelt haben, so die einhellige Meinung von Kinderpsychologen. Egal, in welchem Ausmaß ein Besuchsrecht vereinbart wurde, wichtig ist dabei eine klare Strukturierung und Regelmäßigkeit – Spontaneität und wechselnde Modalitäten sind Gift.

Man soll sich seinen Kindern total widmen.

Ja. Aber am besten nur 30 Minuten lang. Das ist besser, als den ganzen Tag widerwillig mit halber Aufmerksamkeit bei ihnen zu sein. Lassen Sie die Kinder planen, was in dieser halben Stunde passieren soll. Und: Lassen Sie sich helfen, auch wenn Schwiegereltern oder wohlmeinende Freunde noch so sehr dagegen sein mögen: Entlasten Sie sich, indem Sie Kinderkrippen und Spielgruppen nutzen, bei denen Kinder etwas anderes erleben als immer nur das eigene Zuhause. Das befördert die Selbstständigkeit des Kindes. Gleiches gilt übrigens auch für die Berufstätigkeit von Müttern. Zahlreiche Studien haben bewiesen: Ist ein Kind nicht völlig auf die Mutter fixiert, sondern baut zu weiteren Bezugspersonen eine Vertrauensbasis auf, profitiert davon seine soziale Kompetenz.

Mithilfe verdient Belohnung.

Damit Kinder als gleichberechtigte Familienmitglieder aufwachsen, darf und soll man von ihnen erwarten, ihrem Alter entsprechend zur alltäglichen Hausarbeit beizutragen. Wenn ein Sechsjähriger morgens Brötchen holt, ist das kein Grund, dass er sich dafür beim Bäcker einen Lutscher kaufen darf. Auch eine Vierjährige braucht man nicht mit der Aussicht auf ein Eis zu ködern, damit sie nach dem Essen ihren Teller in die Küche trägt. Auf diese Weise werden sie Handgriffe im Haushalt nie als selbstverständlich begreifen.

Ein Löffelchen für Mami . . .

Finger weg! Problematische Essgewohnheiten entstehen paradoxerweise meist nur, wenn sich Eltern mit der Ernährung ihrer Kinder übertriebene Mühe machen. Wer auf Mäkeleien zu sehr eingeht, tagtäglich Extrawürste brät und Spatzenesser mit Tricks zum Essen überlistet, brockt sich einen Machtkampf ein, der Eltern auf den Magen schlägt und Kindern den Appetit verdirbt. Die Eltern entscheiden, was sie ihrem Kind wann und wie anbieten. Ob und wie viel es davon essen will, bestimmt hingegen allein das Kind.

Eltern sind wie gute Freunde.

Gerade junge Eltern malen sich gerne aus, wie sie mit ihren Kindern eines Tages durch die Discotheken ziehen. So schön und verständlich der Wunsch nach solch einem Freundschaftsverhältnis ist: Kinder wären damit überfordert. Sie wollen in ihren Eltern keine Kumpel sehen, sondern Beschützer, auf deren Stärke sie sich verlassen können. Auch in der Pubertät wünschen sie sich häufig – wenn auch versteckt -, dass ihre Eltern noch die „Großen“ bleiben. Wenn Eltern und Kinder jetzt noch ständig gemeinsam auftreten, ist diese Symbiose selten im Interesse des Kindes entstanden. Meist kann hier ein Elternteil schlicht nicht loslassen und drängt sich aus dieser Angst auf.

In harmonischen Familien streiten die Kinder weniger.

Wenn sich Geschwister oft streiten, ist das eher ein Indiz dafür, dass sie sich Zuhause geliebt und geborgen fühlen. Weil Reibereien mit Bruder oder Schwester das soziales Kompetenztraining sind, streiten sich liebevoll betreute Geschwister im Durchschnitt 30 Prozent ihrer gemeinsam verbrachten Zeit. Fühlen sie sich hingegen unsicher oder werden ihnen harte Strafen angedroht, halten Geschwister fast immer zusammen. Wenn die Kinder ein Herz und eine Seele sind, ist das zwar für die Eltern angenehm, aber es ist gesünder, wenn sie sich auch mal verbal verhauen.

Langeweile ist schädlich.

In der schlimmen Ahnung, im Kampf gegen ein gelangweiltes Kind ohnehin den Kürzeren zu ziehen, schlagen Eltern allerlei sinnvollen Zeitvertreib vor („Spiel doch mit den Bauklötzen, den Barbies, räum doch mal dein Zimmer auf…“) oder erkaufen sich ihre Ruhe mit der Erlaubnis fernzusehen. Falsch. Denn Langeweile auszuhalten, lohnt sich. Aus ihr entstehen oft die besten Ideen, weil das Unterhaltungs-Vakuum Kinder zur Kreativität zwingt. So erreichen Eltern einen gewaltigen Entwicklungssprung: die wertvolle Fähigkeit, sich selbst zu beschäftigen.

Kinder sollen stillsitzen.

Die Erfindung des Stuhls bescherte Familien ein Dauerthema: Eltern wollen, dass darauf still und möglichst aufrecht gesessen wird. Kinder hingegen nutzen das Ruhemöbel lieber zum Kippeln und Hampeln. Fachleute finden: Die Kinder haben Recht. Eine Studie der Universität Frankfurt mit 1000 Grundschülern ergab: Schulkinder (die täglich bis zu neun Stunden sitzen müssen), reagieren auf das Ausbremsen ihres natürlichen Bewegungsdrangs nicht nur mit Nervosität, sondern auch mit Haltungsschäden.

Starkes Selbstbewusstsein ist das Ergebnis guter Erziehung.

Eltern haben zwar Einfluss auf die Selbstwertentwicklung ihrer Kinder, besonders in den ersten fünf Lebensjahren. Forschungen haben aber gezeigt, dass mindestens 50 Prozent der Persönlichkeitsmerkmale, die mit dem Selbstwertgefühl zusammenhängen, genetisch bedingt sind. Auch ist der Satz „Je stärker das Selbstbewusstsein, desto größer der Erfolg in Schule und Beruf“ in vielen Fällen ein Irrglaube. Es gibt auch ein Zuviel an Selbstbewusstsein. So sind Menschen mit einem sehr starken Selbstwertgefühl nicht unbedingt Überflieger. Sie neigen vielmehr dazu, ihre Leistungen zu überschätzen sowie auf Kritik aggressiv zu reagieren – und kommen damit oft nicht gut an.

Schmutzige Ausdrücke muss man unterbinden.

Kinder sind begeistert, welch große Wirkung sie mit „Pipi, Kacka, Popo“ erzielen können. Auch wenn sie den Sinn ihrer Sprüche kaum oder noch gar nicht verstehen, reizt es sie, Tabus zu verletzen. Dabei lässt sich das Treiben am ehesten beenden, wenn man sich – auch wenn es schwer fällt – gar nicht darüber aufregt. Kindergärten machen heutzutage gute Erfahrungen damit, ein „Schimpfzimmer“ einzurichten, in dem Kinder Schmuddelwörter sagen dürfen. Schlagartig verlieren sie die Lust daran. Indem Kinder Zoten reißen, signalisieren sie aber auch Interessen – und zwar an Aufklärung. Provoziert ein Kind über einen längeren Zeitraum mit seinen Ausdrücken, sollte man dem Bedürfnis nach Aufklärung nachkommen.

Auf Provozieren reagieren: Wie Sie es richtig tun

Jede Familie hat bestimmte Situationen, in denen die Beteiligten regelmäßig und intensiv aneinander geraten. Der Ablauf dieser Auseinandersetzungen ähnelt einem eingeschliffenen Ritual, das sich mit genau verteilten Rollen, einer bestimmten Dramaturgie und vorauszusehendem Ausgang vollzieht:

  1. Die Eltern bestehen auf Regeln, die die Heranwachsenden anders sehen.
  2. Die mehr oder minder expliziten Anforderungen der Eltern lösen bei den Jugendlichen Blockaden aus. Sie verweigern sich nach dem Motto „Jetzt erst recht!“ oder „Jetzt nicht!“
  3. Viele Eltern lassen sich nun schnell in die Rolle des Gegners drängen, reagieren dann mit fast kindischem Trotz – wie unter der Überschrift: „Wir wollen doch mal sehen, wer hier gewinnt!“
  4. Die Pubertierenden denken hingegen: „Ich habe den längeren Atem!“

Mit solchen Gefühlen und ihrem hilflosen Verhalten steht diese Mutter eines heranwachsenden Sohnes nicht alleine da. Konflikte dieser Art sind nicht selten, wenn die Kinder in die Pubertät kommen. Doch wie können Sie sich als Mutter oder Vater in solchen Situationen richtig verhalten? Wie können Sie „cool“ reagieren, sich nicht provozieren lassen, und die Situation produktiv entschärfen?

Eltern verkörpern Wissen, das Pubertierende erst erwerben müssen.

Es gibt aber auch Eltern, die in solchen Situationen rasch nachgeben oder die sich mit einem schlechtem Gewissen belasten: „Hab ich nicht zu viel verlangt?“ – „Mein Gott – autoritär sein, das ist das Letzte, was ich sein möchte.“ Ihre heranwachsenden Kinder spüren schnell, wenn Sie sich nicht wohl fühlen in Ihrer Rolle als Vor- oder Leitbild.

Gleichwertigkeit in der Beziehung zu pubertierenden Kindern bedeutet aber keineswegs Gleichrangigkeit oder „Gleichmacherei“ – Sie, die Eltern, sind Ihrem pubertierendem Kind in mancherlei Hinsicht an Erfahrung und Wissen überlegen. Sie können Gefahren abwenden, vorausschauend handeln. Dieser Hintergrund kann konstruktiv wirken, aber auch hemmend, wenn der elterliche Erfahrungsüberschuss als Besserwisserei missverstanden wird.

Eltern bieten Bindung und damit Sicherheit. Pubertierende fühlen um diese Qualität des „Mehr“, sie verlangen dieses „Mehr“ geradezu von ihren Eltern – wenn auch nicht kritiklos. Kritik und Widerstand zeugen von Selbstbewusstsein Bedenken Sie: Wenn Heranwachsende Ihre Aussagen nicht widerspruchslos hinnehmen, dann zeugt das auch von Selbstbewusstsein.

Für mich sind diese Reibungen natürlicher und altersgemäßer als Reaktionen, die elterliche Anweisungen mit einem„Jawohl, Mama!“ oder „Jawohl, Papa!“ beantworten. Pubertierende verrennen sich in bestimmte Sichtweisen: „Ich muss immer machen, was ihr wollt.“ – „Ich darf nie.“ Doch ist das nicht ihr Vorrecht, auch Erwachsene entwickeln nicht selten eine Sicht der Dinge, die nur schwer zu verändern ist.

Reflektieren Sie Ihre eigenen Vorstellungen!

Mir ist es wichtig, in der Beratung nicht allein nach den Gründen von Fehlhandlungen Pubertierender zu fragen, sondern von dem Umstand auszugehen, dass Jugendliche so handeln, wie sie es tun, und ihre Eltern diese Handlungen bewerten.

Dabei fällt auf: Es sind häufig nicht die Handlungsmuster, die Eltern verunsichern. Es sind vielmehr die elterlichen Vorstellungen von diesen Handlungsmustern, die beunruhigen.

Wie können Eltern zu einer angemesseneren Sicht der Dinge kommen?

Sarah B. hatte Stress mit ihrem 12-jährigen Lasse. Das Thema waren die Hausaufgaben, die jedes Mittagessen zur Hölle machten.

„Ich frage ganz friedlich nach der Schule und den Hausaufgaben. Dann geht das Theater schon los. Er mault über das Essen, provoziert, wo er nur kann. Es ist ehrlich gesagt, zum Kotzen.“

Lasse bestätigt dies: „Ich komme nach Hause. Und schon kommt die erste Frage: ‚Was habt ihr auf?‘ Und wenn ich dann was antworte, stellt sie schon fest: ‚Na, nicht so viel. Dann kannst du es ja gleich nach dem Mittagessen machen.‘ Und wenn ich dann dieses freundliche Gesicht von meiner Mutter sehe. Aber es ist ja nicht freundlich. Wenn ich nicht mache, was sie will, jault sie rum oder ist beleidigt!“

Ich unterhalte mich mit Lasse.

„Was, glaubst du, wäre anders“, frage ich, „wenn du nach Hause kommst, und es ist ein Wunder geschehen. Deine Mutter ist verzaubert. Woran würdest du das merken?“ „Daran, dass sie freundlich lächelt, mich in den Arm nimmt und von sich erzählt“, meint Lasse. „Und woran würde deine Mutter bemerken, dass sich bei dir etwas verändert hat?“, will ich wissen. „Ich lass mich in den Arm nehmen und meckere nicht über das Essen!“

Als ich der Mutter diese „Wunderfrage“ stelle, die auf den Therapeuten de Shazer zurückgeht, meint sie:

„Lasse brüllt nicht ‚Mistessen‘ oder so etwas, wenn er die Haustür öffnet, oder: ‚Hier riecht es wieder so eklig!“ „Und woran bemerkt er Ihre Veränderung?“ Sie überlegt. Dann: „Ich frage nicht sofort nach der Schule!“

Ich vereinbare mit beiden, am nächsten Tag so zu tun, als sei ein Wundertag.

Als Lasse nach der Schule die Haustür öffnet, findet er die Mutter nicht, die ansonsten im Flur steht und wartet, um ihre Fragen loszuwerden. Sie sitzt im Wohnzimmer, liest, sieht von der Zeitung auf und sagt: „Na, schön, dass du da bist.“ Lasse sagt: „Scheiß Hausaufgaben. Was gibt’s zu essen?“ „Spaghetti!“ „Deshalb riecht es so gut!“

Diese Situation verdeutlicht eine ungewöhnliche Methode.

  • Viele Eltern bewerten nicht die Handlungen, die sie sehen, sie bewerten die Handlungen auf der Grundlage von Meinungen, die sie von diesen Handlungen haben.
    So hatte Lasse kaum Chancen, sich dem mütterlichen Beobachtungsraster zu entziehen. Positive und soziale Persönlichkeitsanteile ihres Sohnes konnte die Mutter aufgrund der Fixierung auf das eine Thema gar nicht mehr wahrnehmen.
  • Es geht bei der Veränderung der Wirklichkeitssicht nicht darum, Schuld anders zu verteilen – nach dem Motto: „Nicht das Kind hat die Probleme, sondern die Erwachsenen.“ Vielmehr möchte ich Eltern veränderte Handlungsperspektiven zeigen. Wenn man versucht, die Wirklichkeit anders, das heißt angemessener zu betrachten, kann es gelingen, neue Lösungen für problematische Konfliktsituationen zu finden.

So kann Dich Dein Kind nicht mehr provozieren

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Warum provozieren Kinder?

Alle Kinder wollen die Aufmerksamkeit ihrer Eltern, am besten in Form von Anerkennung. Wenn sich die Eltern aber zu wenig Zeit für ihr Kind nehmen, reagiert dieses oft mit schwierigem Verhalten. Es bockt, quengelt, schreit und weint. Dadurch erreicht das Kind, dass sich seine gestressten Eltern ihm zuwenden und seine Wünsche erfüllen.

Oft geht dem aufmüpfigen Verhalten eine Phase voraus, in der die Eltern zu wenig Interesse an ihrem Kind zeigen. Wenn ein Kind ein paar Mal die Spielkiste anschleppt und sich die Eltern immer neue Ausreden ausdenken, warum sie jetzt nun wieder nicht mit ihm spielen können, dann fühlt sich jedes Kind zurückgewiesen. Und irgendwann merkt es dann, wie sich die Aufmerksamkeit der Eltern auf andere Weise gewinnen lässt: etwa, indem man nicht auf sie hört, das Essen verschmäht oder aggressives Verhalten zeigt. Zwar schimpfen die Eltern dann, was dem Kind eigentlich nicht gefällt, aber immer noch besser ist, als gar nicht beachtet zu werden.

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Es entsteht ein Teufelskreis

Eltern und Kind sind also in einem Teufelskreis gefangen. Das Kind möchte Aufmerksamkeit von seinen Eltern und bekommt diese, indem es sich schwierig verhält. Die Eltern glauben, dass das Kind sie nur ärgern und provozieren will und rasten schließlich aus, das heißt umgekehrt, sie belohnen das Kind mit Aufmerksamkeit.

Provokationen vorbeugen: Loben statt Anschreien

Wie bricht man nun aus diesem Teufelskreis aus? Oft vergessen Eltern, ihren Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, wenn diese sich eigentlich gut benehmen. Loben wir das Kind etwa, wenn es seine Jacke aufhängt und seine Schuhe ins Regal stellt? Erkundigen wir uns häufig nach der Schule, wenn alles gut läuft?

Dein Kind wird positiv darauf reagieren, wenn Du, anstatt nur Fehler und Regelverstöße zu bemerken, auch darauf achtest, was Dein Kind richtig und gut macht. Es gibt am Tag viele Gelegenheiten bei denen Du Dein Kind loben kannst. So freue Dich ruhig und zeige das Du stolz bist, wenn sich Dein Kind selbstständig ein Glas Saft eingießt. Verliere nicht gleich die Nerven, wenn dabei etwas daneben geht. Ermutigung hilft Deinem Kind, Selbstvertrauen zu gewinnen und dazuzulernen.

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Das Beste für alle Beteiligten

Ungeteilte vertrauensvolle Aufmerksamkeit ist das Beste, das Du Deinem Kind geben kannst. Die Länge ist dabei nicht entscheidend, wichtig ist, dass das Kind sich auf regelmäßige Zuwendung verlassen kann. Gerade wenn beide Eltern viel beschäftigt sind, ist es sehr wichtig, dass das Familienleben reibungslos funktioniert. Gelegenheiten für gemeinsame Spiele und gegenseitige Zuneigung geben allen Kraft.

Immer wieder erlebe ich Eltern, die verunsichert sind, ob und wie sie ihren Kindern gegenüber Grenzen setzen dürfen. Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie schwierig es sein kann, Grenzen zu setzen. In diesem Artikel erfahren Sie, warum Grenzen setzen wichtig ist und was Ihnen dabei helfen kann.

Warum Grenzen setzen wichtig ist

Kinder (alle Menschen) handeln ihren Bedürfnissen entsprechend.

In den ersten Lebensmonaten eines Kindes ist es fundamental wichtig die Bedürfnisse nach Schutz, Nahrung und Zuneigung eines Kindes bedingungslos zu befriedigen. Nicht nur, damit Kleinkinder überhaupt überleben können, sondern auch, damit sie sich sicher fühlen und ein (Ur)Vertrauen in die anderen Menschen aufbauen können.

Diese kindlichen Bedürfnisse müssen absolut verlässlich und zunächst vollumfänglich befriedigt werden, damit sich ein Kind gesund entwickeln kann. Die Bedeutung der frühen Kindheit und wie wichtig es für die lebenslange Entwicklung ist, die Bedürfnisse der Kleinkinder zu befriedigen können Sie hier nachlesen.

Erst nach und nach können Kleinkinder lernen, dass andere Menschen auch Bedürfnisse haben oder Dinge gefährlich sein können und es (daher) Grenzen gibt.

Das heisst: Kinder müssen lernen, ihre Bedürfnisse aufzuschieben, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen und die Grenzen anderer und auch eigene Grenzen zu respektieren. Dies ist ein langer Weg!

Manch Erwachsener hat noch Mühe angemessen die Bedürfnisse anderer Menschen oder auch die eigenen wahrzunehmen und zu berücksichtigen!

Grenzen sind dann nötig, wenn noch zu wenig für sich selber oder andere Verantwortung übernommen werden kann.

Sobald mit sich selber, einer Situation (z.B. Strasse überqueren) oder anderen Personen verantwortungsvoll umgegangen werden kann, braucht es keine äussere Vorgaben und Hilfestellungen mehr.

Was klare Grenzen bieten

Damit Menschen die Bedürfnisse von sich und anderen angemessen wahrnehmen können und einen guten Umgang damit lernen, brauchen sie klare Grenzen.

Grenzen geben Kindern Sicherheit.

  • Das können Sie tun, wenn ein Kind nicht (mehr) gehorcht
  • Grundlagen für ein möglichst straffreies Erziehen
  • 6 wertvolle Alternativen zu Strafen

Holen Sie sich meinen Ratgeber und lernen Sie Grenzen zu setzen ohne zu bestrafen.

Klare Grenzen sind aus folgenden Gründen wichtig und wertvoll:

  • Grenzen bieten Schutz. Bei fehlenden oder ungenügenden Grenzen sind Kinder gefährdet sich selber oder jemandem anderen zu schaden. Kinder können noch nicht das volle Ausmass ihres Handelns abwägen.
  • Grenzen geben Halt und Sicherheit. Auf Eltern, die angemessene Grenzen setzen, kann sich ein Kind verlassen, da diese im richtigen Moment die Verantwortung übernehmen und reagieren.
  • Grenzen sind notwendig um die Ordnung aufrechtzuerhalten, das Zusammenleben zu sichern und gemeinsam Regeln verbindlich zu machen.
  • Grenzen zeigen den Handlungsspielraum auf (von hier bis hier hast du Freiraum, ab hier bestimme ich). Dadurch bekommen Kinder eine Orientierung im Leben.
  • Eltern übernehmen Ihre Verantwortung und zeigen auf, dass sie verantwortungsbewusst und aus der Erfahrung einer erwachsenen Person heraus handeln und entscheiden. Dies kann auch sehr entlastend für ein Kind sein (ein Kind kann dann zum Beispiel sagen: “Ich mache nicht mit, weil Mama hat gesagt, ich darf nicht!”).

Grenzen setzen: Das sollten Sie wissen

1. Grenzen müssen altersentsprechend angepasst werden.

Von Aussen als ErzieherIn Grenzen zu setzen und Vorgaben zu machen, macht so lange Sinn wie etwas NOCH zu wenig selbständig und verantwortungsvoll gelöst werden kann.

Damit Lernprozesse und Entwicklungsschritte gemacht werden können, muss gleichzeitig aber auch ein gewisses Mass an Eigenerfahrung unbedingt zugelassen werden (vgl. Artikel Verantwortung übernehmen ist schwer – Verantwortung abgeben umso mehr).

– Niemand lernt etwas, wenn er nicht auch selber Erfahrungen machen kann oder ausprobieren darf. Es ist klar, je älter ein Kind wird, umso mehr kann es einen verantwortungsvollen Umgang lernen, umso mehr darf und soll ihm zugetraut werden, weil es die Welt auch kognitiv besser versteht, mehr wahrnehmen kann, mehr Erfahrungen hat, selbständiger wird,…

2. Jedes Kind braucht andere Grenzen!

Was erfahrene Eltern bereits lange wissen, ist im Schulalltag leider oft noch nicht wirklich angekommen: Man kann nicht jedes Kind gleich erziehen; Kinder brauchen unterschiedliche Erziehungsmethoden, da sie unterschiedlich schnell lernen und verstehen.

Und Kinder haben unterschiedliche Ziele, die sie noch erreichen müssen usw. Es ist daher nicht berechtigt für alle Kinder die gleichen Grenzen zu setzen. Ein Kind ist vielleicht schon sehr selbständig, und man kann sich auf das Kind verlassen.

Ein anderes braucht mehr Grenzen um es zu schützen und hat daher auch noch nicht die gleichen Privilegien. Da spielt nicht nur das Alter des Kindes eine Rolle, sondern auch seine Persönlichkeit und seine Reife. Grenzen müssen also je nach individuellen Stärken und Schwächen und je nach Entwicklungsstand des Kindes gesetzt werden.

Für das Familienleben bedeutet das auch ganz klar, dass man nicht alle Kinder gleich behandeln kann. Dies wird dann von den Kindern teilweise als ungerecht empfunden. Ich bin aber der Meinung, dass man dies den Kindern auch gut erklären kann (vgl. auch unten).

3. Aushalten!

Kinder brauchen und suchen die Erfahrung von Grenzen. Wenn wir als Eltern dem Kind Grenzen setzen, wird es sich auch dagegen auflehnen und alles daran setzen seine Bedürfnisse und seinen Willen durchzusetzen.

Nicht weil sie mich als Mutter schikanieren wollen, sondern einfach, weil sie etwas anderes wollen als ich. Dabei ist es wichtig, dass ich das Verhalten des Kindes und seine Emotionen und Ablehnungen nicht persönlich nehme. Ich muss die Frustration und Wut des Kindes aushalten.

Manchmal sind Eltern ihren Kindern gegenüber nicht mehr klar genug, weil sie Angst vor einer schlechten Stimmung oder gar Angst haben, die Liebe des Kindes zu verlieren.

Wenn uns das geschieht, dann verlieren wir mit der Zeit jedoch die Glaubwürdigkeit unserer Erziehung, geben dem Kind nicht mehr den nötigen Rahmen und letztlich auch zu wenig Halt.

Liebe geben heisst auch Halt und Grenzen bieten!

Und:

Das Kind muss das nicht immer gleichermassen einsehen wie wir. Das können wir nicht erwarten (jedenfalls noch nicht im Moment). Es gehört also zu unserer Erziehungsaufgabe auch Wut, Frustration, Ablehnung, Kämpfe,… auszuhalten.

4. Perspektivenwechsel

Wie bereits angesprochen, handeln Kindern Ihren Bedürfnissen entsprechend. Wenn ich das Bedürfnis bzw. den Wunsch oder das Anliegen des Kindes anerkenne, kann es mir helfen das schwierige (trotzende, wütende) Verhalten des Kindes besser zu verstehen und auszuhalten.

Wenn ich sehe, wie legitim der Wunsch des Kindes im Grunde ist, kann ich dem Kind auch besser verständlich machen, warum es trotzdem nicht so geht, wie das Kind es will.

Ein Beispiel:

“Ich kann gut verstehen, dass du keine Mütze tragen möchtest, wenn die anderen Kinder das auch nicht tun, dennoch ist es für dich im Moment sehr wichtig, da du erst noch gestern Ohrenschmerzen hattest. Vielleicht können wir für dich eine besonders tolle Mütze aussuchen…”

Unser Buch “Was Kinder brauchen und Eltern geben können” hilft Ihnen die Bedürfnisse von Kindern besser zu verstehen und gibt Ihnen, wie dieser Artikel, hilfreiche Tipps, wie Sie darauf reagieren und das Kind adäquat leiten und begleiten können.

5. Erklären

Erklären Sie Ihrem Kind, warum Sie an dieser Grenze festhalten. Sie können aber nicht unbedingt erwarten, dass das Kind das gerade auch versteht oder sogar damit einverstanden ist.

Aber Erklärungen ermöglichen dem Kind längerfristig Lernprozesse. Immer wieder stelle ich fest, dass ein Kind oft sehr viel später zum Beispiel dem jüngeren Geschwister praktisch in meinen Worten erklärt, warum dies oder jenes so nicht geht…

Im Artikel Kindererziehung: 7 Gründe, warum Sie mit Ihrem Kind möglichst viel sprechen sollten! – Und warum das bereits im Babyalter wichtig ist! gehe ich noch mehr auf dieses Thema ein.

6. Klarheit

Es ist wichtig, dass wir klar zu unseren Grenzen und Erziehungsvorstellungen stehen können. Kinder spüren unsere Unsicherheit sofort und testen dann umso stärker, ob es uns ernst ist.

Ganz problematisch wird es dann, wenn ich aufgrund des schwierigen Verhaltens des Kindes von meiner eigenen Grenze abweiche. In diesem Fall lernt das Kind: Ich muss mich nur genügend stark “querstellen”, dann bekomme ich schon, was ich will. Das darf auf keinen Fall geschehen!

Aber als Mutter erlebe ich schon auch, dass ich durch die Proteste meiner Kinder unsicher werde, ob ich etwas wirklich so durchziehen will. Dann muss ich vielleicht auch für mich oder zusammen mit meinem Mann überprüfen, ob diese Grenze (z.B. Schlafenszeit) verändert werden muss.

Es ist also ok oder sogar wichtig, dass ich ab und zu etwas wieder überprüfe. Dennoch sollte ich in dem Moment, wo ich etwas verlange auch möglich sicher sein, dass ich das so will und selber überzeugt sein, dass ich diese Erwartung an das Kind stellen kann.

Dann kann ich auch mit Klarheit und Standhaftigkeit die Grenze durchziehen. Und das muss ich in dem Moment unter Umständen auch.

7. Kompromisse sollen möglich sein!

Halten Sie nicht einfach starr an einer Grenze fest (vgl. oben). Ich höre sehr oft von Eltern die Angst, dass sie „die Kontrolle verlieren“.

Mit Kompromisse eingehen ist nicht gemeint, von den eigenen Erziehungsprinzipien abzuweichen, sondern nicht in einem Machtkampf mit dem Kind zu enden. Wenn Sie merken, dass es eigentlich nicht mehr um die Sache selber geht (z.B. warm genug anziehen oder Gemüse essen), sondern nur noch darum, ob Sie oder das Kind „das letzte Wort“ haben oder sich durchsetzen, dann wäre es wichtig wieder zum eigentlichen Ziel zurückzukehren.

Die Botschaft muss dabei klar bleiben. Z.B. „Es schneit und wenn du nach draussen gehen willst, möchte ich, dass du dich warm genug anziehst“. Der Kompromiss zeigt sich dann vielleicht darin, dass das Kind entscheidet, ob Mütze oder Kapuze, ob drin bleiben oder nach draussen gehen, ob …

Insbesondere bei kleineren Kindern finde ich die Methode sehr hilfreich dem Kind gewisse Dinge vorzugeben und gleichzeitig auswählen zu lassen (vgl. Artikel Verantwortung übernehmen ist schwer – Verantwortung abgeben umso mehr).

Zum Beispiel die Frage:

„Möchtest du lieber Salat, Rohkost oder Gemüse zu deinen Teigwaren?“ – Das Kind hat somit eine Entscheidungsmöglichkeit, kann seinen Willen einbringen, und ich als Mutter erreiche, dass es auch zu Vitaminen kommt.

8. Weniger ist oft mehr!

In der Erziehungsberatung empfehle ich den Eltern öfters, sich gut zu überlegen, welche Erziehungesziele wirklich wichtig sind und welche Grenzen sie setzen möchten. D.h. es ist auch wichtig zu überprüfen, ob wir nicht zu viel von den Kindern verlangen.

So kann es schnell geschehen, dass wir nur noch am Kontrollieren oder Schimpfen sind. Das kann die Eltern-Kind-Beziehung sehr belasten und fühlt sich sowohl für die Eltern (fühlen sich nur noch als Polizisten) und für die Kinder (werden ständig gemassregelt) schlecht an.

Was ist uns wirklich wichtig? Der Artikel Erfolgreiche Kinder gibt Ihnen hilfreiche Tipps, wie Sie Ihr Kind stärken können.

Zudem haben wir für Sie 20 Reflexionsfragen zusammengestellt, die Ihnen helfen können, sich mit der eigenen Erziehung auseinanderzusetzen und in der Erziehungsaufgabe zusammen mit dem Kind zu wachsen.

Die Forschung zeigt: Der Lernprozess beim Kind ist besser, wenn wir mit ihm an einigen wenigen Erziehungszielen arbeiten, dafür richtig. Kann es etwas gut, gehen wir zum nächsten Schritt über.

9. Das muss ich mir erst noch überlegen!

Durch unseren ältesten Sohn (17 Jahre) wurde ich mit seinem zunehmenden Alter immer öfter mit Wünschen konfrontiert, die bei mir zuerst nur Ablehnung oder auch mütterliche Angst ausgelöst haben (z.B. als er zum ersten Mal fragte, ob er bis um Mitternacht ausgehen darf).

Bisher waren die Grenzen klar und meine erste Intention war, an dieser Grenze festzuhalten. Bisher sprachen auch alle vernünftigen Überlegungen dafür. Ich habe aber immer wieder erlebt, dass es manchmal sinnvoll ist, nochmals über alles in Ruhe nachzudenken und mit meinem Mann über unsere Regeln zu sprechen (vgl. oben).

Sehr empfehlenswert sind auch Familienkonferenzen (vgl. Gordon Modell) zu denen wir als Familie gemeinsam an den Tisch sitzen und jeder seine Vorstellung und Wünsche einbringen kann.

Als erste Reaktion auf eine Anfrage habe ich mir den Standardsatz:

„das muss ich mir erst noch überlegen!“ eingewöhnt.

Dieser Satz ermöglicht Zeit zum Nachdenken und Besprechen; nimmt Druck aus der momentanen Situation. Und spannenderweise erledigt sich ab und zu auch ein Anliegen bzw. Bedürfnis des Kindes von selbst, ohne dass ich etwas verändern muss (z.B. weil die Freunde auch noch nicht so lange ausgehen dürfen).

Grenzen setzen ist wichtig – was hilft Ihnen dabei?

Ihre

Sara Michalik

Kindern Grenzen setzen

Ab wann braucht ein Kind Grenzen?

Ein Baby ist in den ersten Lebensmonaten noch hilflos, entwickelt sich aber zusehends und erkundet die Umgebung schon bald aktiver. Alles Greifbare wird in die Hände genommen und in den Mund gesteckt.

Idealerweise liegt deshalb in der Wohnung nichts herum, was zu Verletzungen führen könnte. Ist das aber doch einmal der Fall und Ihr Kind beschäftigt sich damit, müssen Sie einschreiten.

Sobald sich Ihr Kind also eigenständig fortbewegen kann und sein Aktionsradius größer wird, beginnt auch die Zeit, in der Grenzen zu setzen sind. Die Situationen werden mehr, je agiler Ihr Kind wird. Sobald es laufen kann, ist auch außerhalb der Wohnung eine besondere Umsicht der Eltern wichtig, wie zum Beispiel „auf der Straße“.

Es geht jedoch beim Grenzensetzen aber nicht nur darum, das Kind vor Gefahren zu schützen, sondern auch, aufzuzeigen, dass es im Umgang mit anderen nicht immer seinen Kopf durchsetzen kann. Weder soll es einem anderen Kind das Spielzeug wegnehmen noch vor Wut mit einer Schaufel hauen.

Uns sicher möchten Sie selbst auch nicht, dass Ihr Kind Ihnen zu Hause oder unterwegs auf der Nase herumtanzt. Bereits Zweijährige können sich dabei sehr einfallsreich zeigen. Und dann ist Klarheit und ein gewisses Maß an Strenge erforderlich.

Was bedeutet eigentlich „streng sein“?

Eigentlich bedeutet Strenge lediglich, Grenzen zu setzen und gegebenenfalls Regeln aufzustellen und deren Einhaltung konsequent durchzusetzen. Diese Regeln umfassen natürlich auch Freiräume. Verhält sich Ihr Kind auf dem Spielplatz gegenüber anderen Kindern angemessen, kann es sich dort nach Herzenslust vergnügen.

Gefährdet es aber andere Kinder, muss dies eine Konsequenz haben, die es versteht und die in direktem Zusammenhang mit der Situation steht.

Ein strukturierter Tagesablauf kann grundsätzlich bei der Einhaltung von Regeln und Ritualen helfen. So gibt es zum Beispiel immer zu bestimmten Zeiten Essen und insbesondere die jeden Tag gleiche Gestaltung der Bettgehzeit kann hilfreich sein.

Vor dem Schlafengehen müssen vielleicht noch die Spielsachen aufgeräumt werden danach gibt es eine Gutenacht-Geschichte. Möchte Ihr Kind nicht aufräumen oder trödelt es dabei allzu sehr herum, ist eine Bestrafung nicht sinnvoll.

Insbesondere die gute Nacht Geschichte zu streichen ist nicht klug, da es eine Abweichung von der Regel .wäre und von Ihrem Kind als Liebesentzug empfunden wird. Sie selbst tun sich damit ebenfalls keinen Gefallen, da es für Ihr Kind im Zweifel schwieriger ist einzuschlafen. Als wenn das abendliche Ritual eingehalten würde.

Besonders Kinder bis zum 3 Lebensjahr sind noch nicht regelmäßig in der Lage alleine auf- bzw. wegzuräumen. Gerade das Aufräumen sollte nicht zum Machtkampf ausarten.Kleine Kinder haben ein anderes Zeitgefühl und verlieren sich gegebenenfalls auch beim Aufräumen noch im Spiel. Seien Sie deshalb möglichst geduldig und lassen Sie Ihrem Kind sein Tempo. Planen Sie in der Gestaltung des Abends von vornherein genügend Zeit ein. Dies gilt entsprechend auch für den Morgen, um zeitliche Engpässe und Stress zu vermeiden.

Zwischen Grenzen und Freiräumen

Indem Sie Ihrem Kind Grenzen setzen, erfährt es, was von ihm erwartet wird. Das gibt ihm Sicherheit. Und diese benötigt es ebenso wie die zur Entwicklung erforderlichen Freiräume.

Es muss soziale Kompetenzen im Umgang mit anderen Menschen entwickeln und lernen, Gefahrensituationen einzuschätzen.

All diese Lernprozesse sind notwendig. Zu viele Einschränkungen wirken dabei kontraproduktiv: Freiräume sind notwendig, um die eigenen Fähigkeiten zu erleben und anzuerkennen.

Ebenso wie die Umwelt entdecken Kinder auch sich selbst. Dadurch lernen sie einerseits, sich abzugrenzen, andererseits aber auch zu interagieren. Einem Kind, das kaum etwas darf, wird diese Möglichkeit genommen, worunter Selbstwahrnehmung und Selbstwertgefühl leiden.

Zu viele Verbote können dazu führen, dass sich Kinder nicht angenommen fühlen. Sie verlieren den Anschluss an andere Kinder, die unbeschwert herumtoben und spielen können.

Grenzen sollten sich also auf Notwendigkeiten beziehen und einen Rahmen zur Orientierung geben, nicht aber die Entwicklung beeinträchtigen.

Umgang mit Überschreitungen

Ein- bis zweijährige Kinder verstehen noch keine Erklärungen, warum sie etwas nicht dürfen. Sie lassen sich von ihren Sinnen und Emotionen lenken. Dennoch lernen sie schnell, was ein klares „Nein“ bedeutet.

Nehmen Sie einen verbotenen Gegenstand mit einem begleitenden „Nein“ weg und bieten Sie eine Alternative an.

Mit drei Jahren sind Kinder wesentlich aufnahmefähiger, aber auch eigenwilliger. Außerdem neigen sie gelegentlich zu Wutanfällen. Das kann die Nerven bisweilen strapazieren.

Lautes Schimpfen führt aber in den meisten Fällen nur dazu, dass sich die Emotionen hochschaukeln. Es ist sinnvoller, Ihr Kind aus einer Situation herauszuführen und zu warten, bis es sich beruhigt hat. Anschließend können Sie ihm erklären, warum sein Verhalten nicht in Ordnung war.

Rituale und Traditionen strukturieren das Jahr und helfen, dass sich ihr Kind zurechtfindet.

Neue Regeln werden sich mit den Entwicklungsschritten der Kinder verändern. Dieser Veränderungen sind anstrengend, bist sich die Neuerungen integriert haben. Jedoch helfen Regeln und man kommt weniger in die Verlegenheit mit dem Kind zu diskutieren warum es bei Tisch nicht elektronische Geräte bedienen darf, zu einer gewissen Uhrzeit schlafen soll, usw.

Kindergarten- und Schulalter

Schon im Kindergarten muss sich Ihr Kind zwischen anderen Kindern zurechtfinden und behaupten. Es muss seine eigenen Ansprüche durchsetzen können, aber auch die der anderen Kinder akzeptieren. Das fällt umso leichter, je eher ihm sinnvolle Grenzen aufgezeigt wurden.

Nach der Einschulung ist es dann noch mehr gefordert. Die Unterrichtszeiten sind einzuhalten, es muss sich konzentrieren und Hausaufgaben erledigen.

Hat es frühzeitig gelernt, sich an geltende Regeln zu halten, ohne in seiner Entwicklung eingeschränkt zu werden, kommt es damit besser zurecht.

Mut zum NEIN – Grenzen setzen

Nein-Sagen und Grenzen setzen gehört zweifellos zu den unangenehmen Seiten des Eltern-Daseins! Dazu gehört, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren – und es erfordert Klarheit und Standfestigkeit.

Wenn wir uns ein wenig in der Geschichte der Pädagogik umschauen, hat jeder Erziehungsstil so seinen eigenen Umgang mit der Grenzsetzung.

Der autoritäre Stil – Grenzen ohne Freiheit
Das eindeutige Erziehungsziel des autoritären Stils ist Gehorsam. Es hat das zu geschehen, was die Eltern wollen – Kritik oder Selber-denken ist nicht gefragt! Die Methoden der Wahl sind Bestrafung und/oder Belohnung, die Beziehung ist streng hierarchisch.

Kinder, die autoritär erzogen werden, sind oft angepasst, fast ängstlich, reagieren dafür in der Pubertät häufig rebellisch. Sie haben die Welt strikt in schwarz und weiß, gut und böse sowie richtig und falsch eingeteilt kennengelernt und sind auch im Erwachsenenalter immer wieder auf der Suche nach einer Autorität.

Der antiautoritäre Stil – Freiheit ohne Grenzen
Hier lautet das oberste Erziehungsziel: individuelle Selbstentwicklung! Modern wurde dieser Stil in den 60ern des letzten Jahrhunderts im Zuge der Studentenbewegung – dem Kind ist alles erlaubt, denn es soll sich frei entfalten können. Bei kindlichen Wünschen ist elterliches Nachgeben gefragt – wenn die elterliche Geduld dann nicht ausreicht, kippen selbst strikt antiautoritär erziehende Eltern doch in autoritäre Muster!

Auf den ersten Blick scheint dieser Erziehungsstil für das Kind recht angenehm, doch gerade so grenzenlos erzogene Kinder machen sich in ihrer scheinbar maßlosen Art auf die Suche nach Grenzen, in der Pubertät manchmal sogar auf selbstgefährdende Weise.

Beide Stile werden und wurden natürlich nicht in „Reinform“ gelebt, meist ist es ein Schwanken zwischen diesen Polen.

Die partnerschaftliche Eltern-Kind-Beziehung – Freiheit innerhalb von Grenzen
Sozial-Integrativ, demokratisch, autoritativ, partnerschaftlich – viele Bezeichnungen finden wir hier, sie alle pendeln sich etwa in der Mitte der beiden oben genannten Stile ein.

Der Umgang von Eltern und Kindern ist am besten von Respekt geprägt und partnerschaftlich, doch Achtung, hier passiert oft ein Missverständnis – mein Kind als gleichwertigen Mensch zu sehen, heißt nicht, dass dieses Kind auch gleichberechtigt ist. Wir Eltern haben mehrere Jahre Lebenserfahrung voraus und bei uns liegt die Entscheidung, welche Rechte und Verantwortung wir dem Kind gemäß seinem Alter, seiner Entwicklungsstufe, seinem Temperament und seinen Talenten überlassen.

Wo muss ich nun Grenzen setzen und wo nicht?Elternbildung

Eine gute Übung ist es, einmal zu überlegen: Was ist mir/uns wichtig? Welche Werte wollen wir unserem Kind vermitteln?

Oft liest und hört man den Ratschlag, so wenig Grenzen und Regeln wie möglich zu setzen bzw. aufzustellen – das ist bestimmt theoretisch richtig!

Bedenkt man jedoch, wie viele Regeln und Grenzen schon bei einer einzigen Mahlzeiten einzuhalten sind – beim Tisch sitzen, ruhig sitzen, mit Besteck essen, warten, bis alle fertig sind, Pommes nur ins Ketchup, nicht aber in Saft oder Nase stecken, … – merkt man schnell, wie schwierig dieser Rat umzusetzen ist.

„Von Kindern kann man ungeheuer viel lernen. Zum Beispiel wie lange es dauert, bis man seine Geduld verliert.“ (Franklin P. Jones)
Viele Mütter und Väter haben Angst, die Liebe ihres Kindes zu verlieren, wenn sie ihm Wünsche verwehren. Doch gerade bei materiellen Wünschen verkraften Kinder ein berechtigtes NEIN gut. Jenseits des Babyalters ist es eine wesentliche Lernerfahrung, dass nicht jedes Bedürfnis sofort und auf der Stelle erfüllt werden kann und dass auch auf die Bedürfnisse der Mitmenschen Rücksicht genommen wird.

Wichtig ist, dass Grenzen und Regeln eingebettet sind in ein liebevolles Miteinander und in verantwortliches Handeln, dass Eltern Werte nicht nur einfordern, sondern auch vorleben. Nicht ok ist es, eigene Ausraster oder willkürliche Machtdemonstrationen mit „Kinder brauchen eben Grenzen“ zu rechtfertigen!

Klassische Falle

Der Inhalt einer Botschaft macht nur 7% aus, ganz wesentlich sind daneben die Stimme und die Körpersprache. Kinder erkennen, ob das NEIN der Eltern ernst gemeint ist oder ob sie es „gefahrlos“ überhören können.

Wenn zum Beispiel das NEIN in eine Frage oder Bitte verwandelt wird: „Glaubst Du nicht auch, dass du schon genug Süßes gegessen hast?“ Nur wenige Kinder werden antworten: „Da hast Du recht, Mama!“ Sinnvoller wäre hier ein bestimmtes:“Ich finde, das waren genug Süßigkeiten für heute – ich möchte, dass du nun aufhörst zu naschen!“

Hilfreich ist es, vor einem NEIN einmal durchzuatmen und sich folgende Fragen zu stellen:

  • Ist das NEIN jetzt wirklich notwendig?
  • Besteht die Gefahr, dass jemand verletzt wird?
  • Besteht die Gefahr, dass etwas irreparabel beschädigt wird?
  • Habe ich die Kraft und Zeit, das NEIN auch durchzusetzen?

Denn dass sich ein NEIN unter Einsatz eines Trotz- oder Wutanfalls in ein JA verwandeln lässt, lernen Kinder recht schnell.

Fundamentalopposition

Es gibt eine Phase im Leben der Kleinkinder, in der es für sie kein JA zu geben scheint – Fundamentalopposition ist angesagt! NEIN selbst auf die Frage: „Magst Du ein Eis?“ Diese Zeit ist für Eltern manchmal schwer auszuhalten und nagt mitunter am eigenen Selbstwert. Aber so kann man gut nachfühlen, wie Kinder sich manchmal fühlen, wenn sie zu viele NEINs hören müssen.

Denn manchmal neigen wir Eltern dazu, schon „sicherheitshalber“ jede Frage der Kinder mit Nein zu beantworten – hier noch drei Tipps, um das eine oder andere NEIN zu vermeiden:

  • Ja, später! – Wenn wir beispielsweise nicht prinzipiell gegen den angefragten Keks sind, aber halt nicht fünf Minuten vor dem Mittagessen!
  • Moment, bitte! – Ein paar Atemzüge lang drüber nachdenken, wie wichtig ist das jetzt? Ist das Nein wirklich notwendig (und hab ich die Kraft, es auch durchzuziehen)?
  • Überzeuge mich! – Die Alternative für etwas ältere Kinder, die mit der Sprache umgehen können – das geht übrigens schon recht gut mit Vier- bis Fünfjährigen, einfach ausprobieren! Und – sich von guten Argumenten überzeugen zu lassen, hat nichts mit Nachgeben zu tun!

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