Greifreflex BEI neugeborenen

Reflexe und ihre Auswirkung auf Motorik und Wahrnehmung

Einleitung

In den letzten Jahren stieg trotz allen Bemühungen die Anzahl der Kinder mit Verhaltens- und Lernproblemen sowie mit Bewegungs- und Wahrnehmungsstörungen. Den Fachleuten ist der Zusammenhang längst bekannt. Die Zahl der Kinder mit Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Aggressivität, Rechen- sowie Lese-/Rechtschreibschwächen wird von ihnen auf bis zu 20% geschätzt. Auch nehmen Essstörungen, Kopfschmerzen und psychosomatische Störungen zu. Bei Untersuchungen stellte man fest, dass ein großer Prozentsatz der 6 – 7 Jährigen nicht mehr die natürlichen Bewegungen Balancieren, Hüpfen und Ballfangen beherrschen.

Eine Folge von zu wenig Bewegung im Kleinkind- und Grundschulalter. Daraus ergibt sich auch, das mittlerweile fast ein Drittel der Kinder übergewichtig ist. Die Tendenz ist leider steigend. Umfragen haben ergeben, dass die Kinder in den Kindergarten und in die Schule (auch wenn sich die Einrichtungen gleich um der nächsten Ecke befinden) gefahren werden. Sie dürfen sich nicht ausprobieren, sie könnten sich ja schmutzig machen und die motorischen Fähigkeiten werden unterbunden weil die Kleinen sich verletzen könnten. Erschwerend kommt noch hinzu, dass durch das lange Sitzen in der Schule und zu Hause es Verspannungen des ganzen Körpers und eine Verkürzung der Oberschenkelmuskulatur nach sich zieht. Die Folgen sind Koordinations- und Konzentrationsstörungen, Einschränkung bei Ausdauersportarten wie Laufen, Springen und Schwimmen und Rückenschmerzen durch Hohlkreuz und Rundrücken.

So leiden z.B. 41% der Mädchen und 35% der Jungen an Allergien. Ein Drittel der Grundschulkinder leiden unter Kopf- und Rückenschmerzen, 7% davon über ständige Rückenschmerzen. Bei älteren Kindern ist der Anteile mit ca. 44% noch höher.

Einen gewissen Prozentsatz der Kinder und Jugendliche kann man als psychisch auffällig bezeichnen und 10% – 15% sogar als grenzwertig auffällig.

Von ihrer Altersgruppe ausgegrenzt und abgelehnt fühlt sich ein erheblicher Prozentsatz aller Kinder und Jugendlichen und 45% davon äußerten Probleme mit dem Elternhaus. Gelegentliche Konzentrationsschwierigkeiten haben 41% der befragten Kinder, unter dauernden Konzentrationsschwierigkeiten leiden 12%. Auch hier sind die Anteile bei den Viertklässlern höher als bei Schulanfängern. Über gelegentliche Kopfschmerzen klagen 57% aller befragten Kinder. 14% der Schüler gaben an, fast immer Kopfschmerzen zu haben. Zwischen 40% und 60% der Grundschulkindern klagen zumindest gelegentlich, 10% der Kinder klagen dauernd über Beschwerden und Störungen, wie Übelkeit, Zittern, Schweißausbrüche, Müdigkeit, Nervosität, Gereiztheit oder Schlaflosigkeit.

Die Analysen einzelner Motorikbereiche bestätigt die Tendenz, dass sich die motorischen Leistungen und Fähigkeiten in einzelnen Bereichen gegenüber früher zum Teil deutlich verschlechtert hat.

Eine Untersuchung in einer Grundschule im Jahre 2002 ergab eine alarmierende Zahl von auffälligen Kindern. Bei einer Großzahl der 6 – 11 jährigen fanden sich Restsymptome frühkindlicher Bewegungsmuster. Diese Kinder hatten auch Störungen der Wahrnehmung und der Motorik. Die Ausprägung einer Störung ist aber von verschiedenen Faktoren und den Kompensationsleistungen eines Kindes abhängig.

Durch die Auswertung von Fragebögen wurde herausgefunden, dass 15% – 40% der Schüler/innen von den Eltern und Lehrern als auffällig befunden wurden. Diese Kinder, unabhängig ob Jungen oder Mädchen, hatten eine Häufung von Auffälligkeiten des Zusammenspiels von Sinnesorganen und Muskeln.

Bei Tests „Förderdiagnostik zum Schulanfang“ wurden die motorischen Leistungen der Kinder überprüft. Z.B. wurde der Stand auf einem Bein mit geschlossenen Augen vor 35 Jahren im Durchschnitt für 10 Sekunden gehalten. In den neuesten Untersuchungen stellte man fest, dass der größte Teil der Kinder diese Übung im Durchschnitt nur noch 5 Sekunden halten können.

Leider ein erschreckendes Ergebnis, das auf einen erheblichen Bewegungsmangel im Kleinkind- und Vorschulalter hinweist. Dieser Bewegungsmangel und Bewegungsträgheit setzt sich unerfreulicherweise bis in spätere Jahre fort. Deshalb sind selbst bei Jugendlichen und Erwachsenen verstärkt beträchtliche motorische Einschränkungen zu beobachten.

In meiner langjährigen Unterrichtspraxis in Taijiquan, Qigong und Gesundheitssport stelle ich immer wieder fest, das Erwachsene große Probleme mit einfachen motorischen Übungen haben. Diese resultieren nicht nur aus Verletzungen oder Krankheiten. Meistens ergeben sich diese Schwierigkeiten durch den relativ großen Bewegungsmangel oder aus sehr einseitigen, anatomisch schädlichen Bewegungsmustern.

Förderung durch Bewegung

Die Wahrnehmung und die Motorik bilden das ganze Leben lang die wesentliche Grundlagen für das Lernen. Eine sehr effektive Förderung bei Kindern und Erwachsenen ist über die Bewegung möglich. Nach dem Motto, in einem gesunden Körper steckt auch ein gesunder Geist.

Die Steuerung, Kontrolle und damit verbunden das enge Zusammenspiel von Sinnessystem und motorischen System, macht das Beobachten, Nachahmen, Mitfühlen und Mitleben (Miterleben) erst möglich, z.B. zwischen Auge und Ohr und der gezielten Steuerung von Arm- und Fußbewegungen beim Rad fahren.

Anfangs kann man feststellen, dass Sensorik und Motorik eine enge Einheit bilden. Dann, dass im Laufe der Entwicklung beide sich verselbstständigen. Es kommt aber immer wieder zur Zusammenarbeit beider, die trotzdem zu einer immer größeren Selbstständigkeit von Sensorik und Motorik führt.

Durch ständiges Üben und Wiederholen von Bewegungen werden die Nervenbahnen immer wieder aktiviert, verbunden und die Synapsen verstärkt. Die Systeme werden durch Anregungen weiter ausgebaut und es werden weitere Vernetzungen gebildet (auch in späteren Jahren). Häufig wiederkehrende Reize, Empfindungen und Bewegungen führen zur Verschaltung und Automatisierung. Dadurch werden Informationen schneller übertragen ohne lange nachdenken zu müssen. Das Lernen wird erleichtert und dauerhafter. Daher ist bei Kindern der beste Zugang zum Lernen die Bewegung. Denn die Motorik hat einen entscheidenden Anteil an Wohlbefinden, Selbstbewusstsein, positives Körpergefühl, Zufriedenheit, Koordination, Kondition und Sicherheit.

Durch die Förderung von mehr Bewegung und mehr Bewegungszeiten könnten sich zum Beispiel auch Pausenunfälle verringern.

Die Basis für Bewegungen sind die Reflexe. Die Motorik (Bewegung) wiederum ist Basis für Hörsinn und Gleichgewicht, sie macht durch Vorstellung von Handlungen aufmerksam und kreativ, und beugt Stress vor. Die Motorik ist auch die Grundlage der Kommunikation durch Haltung, Bewegung, Mimik, Sprache und Schrift. Des weiteren tragen differenzierte motorische Erfahrungen zur Entwicklung von Motivation und Neugier bei. Eine intakte Halte- und Stützfunktion ist die Voraussetzung für die Aufrichtung der Wirbelsäule und des Kopfes und die Stabilität und der Rotation des Rumpfes. Die motorische Entwicklung fördert den psychischen, physischen und emotionalen Entwicklungs- und Lernprozess.

Reflexe sind die Grundlage für Bewegung, die Bewegung ist Grundlage für die Wahrnehmung, die Wahrnehmung ist die Grundlage der Emotionen.

Reflexe und Reaktionen

Reflexe sind schnelle, automatische, beliebig wiederholbare, zweckgerichtete Reaktionen auf einen auslösenden inneren oder äußeren Reiz. Man unterscheidet folgende Reflexarten:

Angeborene Reflexe sind entweder bereits mit Geburt eines Lebewesens voll ausgebildet oder entwickeln sich im Verlaufe seiner Entwicklung bis zur Geschlechtsreife und dem Ende des Wachstums.

Eigenreflexe werden Reflexe genannt, bei denen der auslösende Reiz und die Reflexantwort im selben Muskel stattfinden.

Fremdreflexe sind Reflexe, bei denen der reizwahrnehmende Muskel nicht der ist, der die Reflexantwort ausführt.

Erworbene Reflexe sind reflexartige Reaktionsweisen, die nicht angeboren sind, sondern erlernt wurden.

Von koordinierten Reflexbewegungen spricht man, wenn auf einen Reiz eine kleine oder größere Gruppe von Muskeln aktiviert wird.

Frühkindliche oder primitive Reflexe sind typische, reproduzierende Reaktionsmuster auf gezielte äußere Reize. Diese Reflexe laufen ohne Beteiligung des Großhirns ab, dienen der Nahrungssuche und -aufnahme sowie dem Selbstschutz. Sie sind in den ersten Lebenswochen- und Monaten eines Kindes zu beobachten und werden dann nach und nach im Rahmen der Entwicklung des Großhirns durch höhere Funktionen unterdrückt, aufgelöst.

Dann gibt es noch Reflexformen wie die statischen und statokinetischen Muskelreflexe. Zu den statische Muskelreflexen gehören die Steh- und Stellreflexe, die durch eine Körperhaltung ausgelöst werden.

Die Stehreflexe ermöglicht es dem Menschen und den Tieren die Spannung jedes einzelnen Muskels so zu steuern, das die jeweilige Körperhaltung zuverlässig gehalten werden kann z.B. das aufrechte Stehen. Steh- und Stellreflex werden auch als statische Reflexe bezeichnet, da sie von einer Haltung ausgelöst werden.

Die Stellreflexe ermöglichen es dem Menschen und den Tieren aus einer ungewöhnlichen Stellung heraus wieder die normale Körperhaltung einzunehmen. Dabei sind viele Reflexe wie in einer Kette hintereinander geschaltet.

Die statokinetischen Reflexe werden durch eine Körperbewegung ausgelöst. Sie ermöglichen dem Körper bei jeder Bewegung (Laufen, Springen, im Aufzug, beim Radfahren usw.) das Gleichgewicht zu halten und die jeweils entsprechende Körperhaltung zu finden. Sie sind z.B. dafür verantwortlich, dass eine Katze sich im Sprung oder Fall immer so dreht, dass sie immer richtig landet.

Statische und statokinetische Muskelreflexe sind das ganze Leben lang auslösbar.

Auswirkungen bestehender Frühkindlicher Reflexe

Leben und Bewegung, Bewegung und Leben sind untrennbar miteinander verbunden. Ein Mensch (jedes Lebewesen) muss sich schon im Mutterleib bewegen, um sich entwickeln zu können. Dieses Zusammenspiel von bewegen und entwickeln hält ein Leben lang an.

Schon im Mutterleib nehmen Embryos ihre Umwelt über Bewegung wahr. Vom Säugling an erlernen wir über Bewegung soziales Verhalten und bauen unser Selbstwertgefühl auf. Die Bewegung ist eine der ersten Ausdrucksformen des Kleinkindes. Noch bevor es sprechen kann, drückt es damit seinen Gefühlszustand und seine Emotionen aus.

Jeder Mensch wird mit bestimmten frühkindlicher Reflexe geboren. Diese primitiven Reflexe dienen dem Überleben des Kindes.

Ein Baby hat vor und bei der Geburt und in den allerersten Lebensmonaten noch keine Kontrolle über seine Bewegungen. Es reagiert auf Reize und Stimulation der Umgebung durch seine primitiven Reflexe, die sich als automatische immer gleichen Bewegungen äußeren. Sie sind die Basis für die späteren Reaktionen.

Diese primitiven Reflexe (frühkindliche Bewegungsmuster) werden in der Schwangerschaft entwickelt. Es sind einfache integrierte Schaltkreise zwischen zuleitenden und ableitenden Nervenbahnen. Sie sind vernetzt mit Muskelzellen und ermöglichen die Reflexe. Diese Bewegungserfahrungen werden über die Nervenbahnen dem Gehirn zurückgemeldet und gespeichert.

Die frühkindlichen Bewegungsmuster bilden die Zug- und Druckkräfte für das Wachstum, sie verhindern Gewebeverklebungen und trainieren Bewegungsmuster vor und nach der Geburt.

Primitive Reflexe sind für die Muskelspannung und das Mobilisieren der Nerven auch schon vorgeburtlich aktiv. Sie bereiten die Bewegungsmuster vor und sorgen so für ein Repertoire an Bewegungserfahrungen. Durch das ständige Wiederholen von einfachen Bewegungen kann sich das Zusammenschalten von verschiedenen Muskeln zu Muskelketten ausbilden. Aus denen können sich dann automatisierte Bewegungen mit fließenden Bewegungsübergängen entwickeln.

Die Einbindung und Ablösung der primitiven Reflexe erfolgt nach einem genauen Plan. Es ermöglicht nach einer Phase der Einübung, die Herausbildung der Reaktionen und die Entwicklung bewusster Bewegungen. Danach können wir alle Bewegungsmuster und Körperfunktionen mühelos und ohne Überlegung automatisiert durchführen und diese bleiben uns ein Leben lang erhalten.

In den ersten Lebensmonaten beginnt sich auch das zentrale Nervensystem zu entwickeln. Mit fortschreitender Entwicklung der Gehirnreife werden frühkindliche Reflexe gehemmt oder abgelöst und in so genannte Haltungsreflexe umgewandelt.

Die anfänglichen primitiven Reflexe werden also immer mehr von den Halte- und Stellreaktionen (-reflexen), die für die Kontrolle der bewussten Bewegungen zuständig sind, ersetzt. Erst wenn das geschieht beginnt das Kleinkind schnell Kontrolle über seinen Körper und seine Körperbewegungen zu entwickeln. Die Kontrolle über die ursprünglichen Reflexe legen den Grundstein für immer neuere kontrollierte Bewegungen.

Bei Kindern, bei denen einige der primitiven Reflexe erhalten bleiben, sie nicht vollständig integriert oder abgelöst werden, kann es nicht nur zu motorischen Entwicklungsstörungen sondern auch zu Lern- und Verhaltensstörungen kommen, z.B. Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Aggressivität, Rechen- sowie Lese- und Rechtschreibschwächen.

Die primitiven, frühkindlichen Reflexe die am Anfang die Entwicklung vorangetrieben haben, müssen unterdrückt, integriert oder abgelöst werden. Würden sie weiter bestehen bleiben würden sie die weitere Entwicklung der Haltungsreflexe und Stellreaktionen behindern. Denn wenn die Haltungsreflexe und Stellreaktionen sich nicht völlig entwickeln können, haben die Kinder enorme Schwierigkeit mit bewussten Bewegungen. Bleibt also eine Restsymptomatik der frühkindlichen Bewegungsmuster erhalten, werden zum Beispiel die Muskelketten, die zur Aufrichtung und Ausrichtung des Körpers beitragen, nicht ausreichend automatisiert. Es bleiben Übungen im Sitzen schwierig weil das Kind zuviel Aufmerksamkeit in das aufrechte Sitzen lenken muss. Auch wird die Entwicklung des Gleichgewichtssystem gestört.

Diese bestehenden frühkindlichen Reflexe beeinflussen auch die sensorischen, visuelle und auditive Wahrnehmungen des Kindes und beeinträchtigt die Automatisierung bestimmter Bewegungen. Daher ist es nicht überraschend, dass diese Kinder auf außerordentliche Schwierigkeiten in der Schule stoßen, oder das Erwachsene schlecht mit Stress verschiedenster Art fertig werden.

Primitive Reflexe

Wenn das Baby in der Handinnenfläche eine Berührung spürt, schließt es aus einem Reflex heraus die Finger. Dieses Schließen der Finger um einen Gegenstand, der Greifreflex, soll erreichen dass diese fundamental wichtige Bewegung sehr oft geübt wird. Durch das ständige Üben und Wiederholen werden bestimmte Bewegungsabfolgen so einstudiert, dass sie irgendwann einfach vorhanden sind. Das Bewegungsmuster Greifen, wurde im Gehirn gespeichert. Damit man aber bewusst zugreifen kann, muss man auch wieder loslassen können. Erst dann können wir Gegenstände greifen, transportieren und ablegen. Wie alle frühkindliche Reflexe muss auch der Greifreflex wieder aufgelöst werden wenn er seine Bestimmung erfüllt hat.

Zu den wichtigsten frühkindlichen (primitiven) Reflexen zählen der Moro-Reflex (nach seinem Endecker benannt), Asymmetrischer Tonischer Nackenreflex (ATNR) und der Symmetrische Tonische Nackenreflex (STNR).

Der Moro Reflex dient dazu dass das Kind im Mutterleib die Arme breit macht wenn die Nabelschnur zu nahe kommt, um von ihr nicht eingewickelt, umschlungen zu werden. Bei der Geburt ist diese primitive Abwehr/Kampf/Flucht-Reaktion komplett vorhanden und sollte bis zum 4. Lebensmonat durch den Erwachsenen Schreckreflex ersetzt worden sein. Bleibt der Moro Reflex vorhanden weil er nicht abgebaut werden konnte, kann sich das negativ auf das Verhalten des Menschen auswirken z.B. durch Wutanfälle, Gleichgewichtsprobleme, Ängste vor Tieren und Höhen, wenig Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsdefizite (kann sich nicht auf eine Sache konzentrieren).

Betroffene ältere Babys und Kinder biegen sich bei Wut oder Hunger richtig nach hinten durch. Sie zeigen leichte Reizbarkeit, da sie ständig unter Anspannung und innerer Unruhe stehen und können Kritik schwer annehmen. Phasen übermäßiger Aktivität werden abgelöst von Phasen schneller Ermüdung. Spontane Aktionen sind schwierig denn das Kind verlangt nach Ritualen. Seine durch den Reflex geschärften Sinne registrieren alles. Gleichzeitig wird seine Wachsamkeit durch die Stresshormone noch verstärkt. Das Kind steht deshalb so unter Spannung, dass es sich kaum auf ruhige Aufgaben konzentrieren kann. Jedes Geräusch, jede Bewegung, jedes geflüsterte Wort, alles wird sofort registriert immer bereit zur Abwehr/Kampf/Flucht-Reaktion, um der Gefahr zu entgehen. Aber konzentriertes Arbeiten und sich in die Aufgabe vertiefen ist dadurch fast unmöglich.

Der Asymmetrische Tonische Nacken Reflex ATNR wird durch Drehen des Kopfes zu einer Seite ausgelöst. Wenn der Kopf gedreht wird, strecken sich Arme und Bein auf der gleichen Seite mehr, während sich die Gliedmaßen der Gegenseite mehr beugen. Der Reflex sollte im sechsten Lebensmonat im wachen Zustand integriert sein. Wenn er weiter nachweisbar vorhanden ist, können folgende Verhaltensweisen negativ beeinflusst werden z.B. die Koordination von Hand und Arm beim Schreiben, die Entwicklung der Sehmotorik, Augenfolgebewegung (sie ist notwendig für lesen und schreiben), die Aufrichtung gegen die Schwerkraft wird sehr erschwert, fast unmöglich, die Gleichgewichtskontrolle, die Wahrnehmung, Verhindert Symmetrie, Drehen und Stützen.

Der Symmetrische Tonische Nacken Reflex STNR bewirkt das beim Beugen des Kopfes die Arme gebeugt und die Beine gestreckt werden. Beim Strecken des Kopfes werden die Arme total gestreckt und die Beine gebeugt. Es ist die Voraussetzung zum Krabbeln. Er ist bei normaler Entwicklung ungefähr bis zum 11. Monat vorhanden. Wenn er weiterhin präsent ist, kann er folgende Entwicklung negativ beeinflussen: z.B. den Vierfüßlerstand und damit verbunden das Aufrichten zum Sitzen, schlechte Augen Hand Koordination, die Verkrampfungen im Hals-, Nacken- und Schultermuskel Bereich (dadurch verkrampfte Schreibhaltung), den Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht.

Fazit ist: Wenn Kinder aber auch Erwachsene ständig gegen den Reflex anarbeiten müssen, müssen sie sich für eine Sache z.B. das Schreiben, etwa drei mal soviel anstrengen.

Primitive Reflexe beim Erwachsenen

Diese neurologischen Entwicklungsverzögerungen sind nicht nur auf Kinder begrenzt. Die frühkindlichen Reflexe bleiben das ganze Leben lang bestehen wenn sie nicht ausreifen, abgelöst und integriert werden können. Es zeigen sich im laufe des Lebens spezifische Probleme wenn Kombinationen von primitiven Reflexen vorhanden sind. Die Folgeerscheinungen von bestehenden frühkindlichen Reflexen, die im Zusammenhang mit Kindern beschrieben werden, sind dann auch unterdrückt bei Erwachsenen zu finden.

Auch Erwachsene können dann ihre Fähigkeiten nicht voll entfalten. Sofern diese Reflexe nur gering ausgeprägt sind, können sie aber meistens ausgeglichen werden. Es vermittelt den Eindruck, das man sich in Schule und Alltag gut damit arrangieren kann. Trotzdem kann der Mensch unter Nachteilen leiden, da der Ausgleich nur durch Einbußen in der emotionalen Entwicklung, dem Selbstbewusstsein und dem Umgang mit Stressfaktoren erreicht wird. So können die Bewegungsmöglichkeiten, die Emotionalität und Kreativität eingeschränkt und mit fortscheitendem Alter können durch ausgleichende Halte- und Bewegungsmuster Verspannungen und/oder Schmerzen im ganzem Körper hervorgerufen werden.

Dr. Lawrence Beuret, der sich auf diesem Gebiet mit Erwachsenen und Studenten befasst, stellte fest, das Menschen oft Probleme bekommen, wenn sie größeren Anforderungen ausgesetzt werden. Das Zusammenspiel, Elternhaus verlassen, neue Freunde suchen und eine große Menge an Unterrichtsstoff durch zu lesen, zu erarbeiten und zu erlernen, bringt die Schwierigkeiten, die bis dahin gut kaschiert werden konnten an die Oberfläche. Nach der Bearbeitung und Korrektur der frühkindlichen Reflexe konnten Studenten ihre berufliche Laufbahn erfolgreich fortsetzen.

Zwischen 1979 – 1980 entdeckten Blythe und Mc Glown, das fast 75% aller Patienten, bei denen Platzangst diagnostiziert wurde, ein Defekt im zentralem Nervensystem aufweisen. Dieser Defekt deutete auf eine Gruppe fortbestehender frühkindliche Reflexe hin, die eng mit Gleichgewichtsproblemen und Ängstlichkeit verknüpft sind.

Das grundlegende menschliche Gefühl Angst, das jeder Mensch ein paar mal in seinem Leben erfährt, ist ein wichtiger und nützlicher Faktor zur Motivation, als Schutz oder zur Anpassung. Übermäßige Angst führt zur Isolation, verhindert ein angemessenes Gefühlsleben und wird als hohes Stresspotenzial empfunden.

Es gibt viele Forschungsergebnisse der Gehirnforschung die zeigen, wie durch Bewegung Gehirnaktivitäten auf andere Gehirnareale verlagert werden können. Wenn zum Beispiel nach einem Schlaganfall ein Gehirnbereich ausfällt, kann ein gezieltes Bewegungstraining die Nervenbahnen und Synapsen wieder aktivieren, verbinden und verstärken. Die Systeme werden dadurch weiter ausgebaut und es werden weitere Vernetzungen gebildet und neue Gehirnareale aktiviert. Diese können dann die Aufgaben der weggefallenen Bereiche übernehmen. Durch das ständige Üben und Wiederholen von gezielte Bewegungsabläufen können nicht ausgereifte und abgelöste primitive Reflexe behandelt und aufgelöst werden. Mittels neuer Nervenverbindungen können Erwachsene (und Kinder) für sich und in sich neues Potential entdecken und entwickeln. Das teilweise Abbauen von Verspannungen und die Erweiterung von Bewegungserfahrungen hat eine sehr positive Auswirkung auf körperlicher, geistiger, emotionaler und seelischer Ebene.

Bewegung und Bewegen hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung von Organen, Muskeln, Knochen, Nervensystems und auch auf die Gehirnreifung (Entwicklung).

Der Einfluss der Reflexe und Bewegung reicht über die körperliche Entwicklung bis hin zur geistigen und emotionalen Entwicklung. Aber eine gesunde Entwicklung ist nur dann möglich, wenn ein Entwicklungsabschnitt beendet ist und der nächste auf dem abgeschlossenen Entwicklungsabschnitt aufbauen kann.

Im Taijiquan können diese Entwicklungen positiv beeinflusst werden.

Durch das ständige sehr langsame und konzentrierte Wiederholen von Bewegungsabläufen und einzelner Bewegungssequenzen im Taijiquan hat man auch als Jugendlicher und Erwachsener die Möglichkeit, seine Leistungen und Fähigkeiten in einzelnen Bereichen zu steigern.

Die beim Taijiquan verstärkte Zusammenarbeit von Sensorik und Motorik verbessert nach einiger Zeit des Übens die Wahrnehmung, was die unterschiedlichsten psychischen, physischen und emotionalen Entwicklungen und Lernprozesse positiv beeinflussen kann. Die Verspannungen im ganzen Körper nehmen ab und dadurch ergibt sich ein sehr förderlicher Einfluss auf Muskeln, Knochen, Sehnen, innere Organe und auf das ganze Nervensystem. Dadurch nehmen unter anderem Konzentrations- und Koordinationsstörungen, Gereiztheit, Aggressivität, Migräne, Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit und psychosomatische Störungen ab. Die körperliche und emotionale Ausgeglichenheit (Balance) wird verbessert.

Wie schon erwähnt, die Basis jeder Bewegung sind aber die Reflexe. Sie werden durch das Üben von Taijiquan kultiviert, was im Tui Shou und in der Anwendung deutlich zum tragen kommt. Es ist aber kein Einüben von bestimmten Abwehrbewegungen auf einen bestimmten Angriff. Sondern es wird dabei das natürliche Reflexverhalten im Unterbewusstsein angesprochen und geschult. Erst durch diese Schulung wird es uns ermöglicht im Tui Shou und bei der Anwendung erfolgreich zu sein.

In den Taijiquan Formen und Übungen gibt es sehr viele Bewegungsabläufe und Bewegungssequenzen, die das Ablösen und Integrieren von noch vorhandenen und nicht ganz ausgereiften frühkindlichen (primitiven) Reflexen unterstützen.

So kann auch bei Jugendlichen und Erwachsenen durch das regelmäßig wiederholte Üben von ausgesuchten Bewegungsabläufen aus einer Taiji-Form der Moro Reflex, der Asymmetrische Tonische Nacken Reflex usw. korrigiert werden. Das wiederum hat Einfluss auf die Entwicklung von Körper, Geist und Emotionen, was die eigene Lebensqualität und Lebensfreude verbessert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Reflexe eine entscheidende Rolle in unserem und für unser Leben spielen. Sie sind für die erste Bewegung eines Embryos verantwortlich und für dessen Überleben entscheidend. Erst Reflexe machen jede Art von Entwicklung, auch die eigene Entwicklung, unabhängig ob körperlich, geistig oder emotional möglich. So begleiten und beeinflusse die verschiedensten Reflexe uns und unsere Umwelt ein ganzes Leben lang.

Ohne Reflexe keine Bewegung, ohne Bewegung kein Leben, ohne Leben keine Reflexe.

Robert Waag

Was haben frühkindliche Reflexe mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten zu tun?

Warum leiden immer mehr Kinder in Kindergärten und Grundschulen an motorischer Unruhe, Wahrnehmungsstörungen, Konzentrationsproblemen, Sprach-, Lern- und Verhaltensauffälligkeiten, obwohl ihre Intelligenz oftmals gut bis sehr gut ausgeprägt ist?

Als IPE-Kinder- und Jugendcoach löse ich bei meinen jungen Klienten Lernblockaden, unterstütze sie dabei, ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen, ihre Stärken zu erkennen und in die wahre Motivation zu kommen. Doch oft muss ich zunächst woanders ansetzen, nämlich bei den frühkindlichen Reflexen. Diese sind bei vielen Kindern noch aktiv und beeinträchtigen sie stark beim Lernen und in ihrem Verhalten, sodass ein normaler Familien- und Schulalltag oft nur schwer möglich ist. Häufig bekommen diese Kinder viel zu schnell den Stempel AD(H)S, Lernschwäche, Zappelphilipp usw. Das Resultat sind unglückliche Kinder, verzweifelte Eltern, gestresste Mitschüler und Lehrer.

Statt sie in ihrer Entwicklung zu fördern, werden diese Kinder heutzutage zusehends mit Medikamenten ruhiggestellt. Eine sehr erschreckende Tendenz!

Was sind frühkindliche Reflexe und wofür sind sie überhaupt gut?

Reflexe sind durch unser Stammhirn gesteuerte, biologisch festgelegte, unwillkürliche Bewegungsmuster. Das Wort „unwillkürlich“ drückt es schon aus – auf diese Bewegungsmuster kann der Mensch nicht willentlich Einfluss nehmen. Im Mutterleib und während des ersten Lebensjahres haben diese unwillkürlichen Bewegungsmuster, die frühkindlichen Reflexe, eine enorm wichtige Bedeutung für die Entwicklung des Kindes.

Zum einen sorgen sie für den Aufbau von stabilen Verknüpfungen zwischen den einzelnen Gehirnarealen, die zum Zeitpunkt der Geburt noch kaum miteinander verknüpft sind. Erst wenn stabile Nervenverbindungen zwischen den einzelnen Gehirnbereichen entstanden sind, können wir unser Gehirn vollumfänglich nutzen, also unsere Bewegungen koordinieren, still sitzen, mit Gefühlen gut umgehen, uns konzentrieren, vorausschauend denken u.v.m.

Des Weiteren sorgen die frühkindlichen Reflexe für den Aufbau des nötigen Muskeltonus (Muskelspannung) im Körper, die wir benötigen, um mit der Schwerkraft umzugehen, eine gute Körperwahrnehmung und einen guten Gleichgewichtssinn zu entwickeln, damit wir zu aufrecht stehenden und gehenden Menschen heranwachsen.

Erst wenn beides, also die Verknüpfung der Gehirnareale und der Aufbau des Muskeltonus störungsfrei vonstattengegangen sind, hat ein Kind die neuromotorische Reife erlangt, die für einen erfolgreichen Schulbesuch erforderlich ist.

Jeder frühkindliche Reflex hat also eine oder mehrere wichtige Aufgaben in der Entwicklung des Kindes zu erfüllen. Sobald ein Reflex seine Aufgaben erfüllt hat, muss er sich zurückbilden, da das Kind in seiner Gehirnreife nun schon weiter fortgeschritten ist und zunehmend willentliche Bewegungen und Aktionen ausführen kann. Noch fortbestehende frühkindliche Reflexe haben dann negativen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Kindes, da es unter anderem ständig gegen diese unwillkürlichen Bewegungsmuster ankämpfen muss. Je stärker die bleibende Reflexaktivität ist, desto mehr können Funktionsgebiete beeinträchtigt sein, die Grundlage für Lernen und Verhalten sind, wie z. B.:

  • grob- und feinmotorische Koordination
  • Wahrnehmung (visuell, auditiv, sensorisch)
  • Impulskontrolle
  • Still sitzen können
  • Gefühlsverarbeitung
  • Konzentration
  • Kognition
  • Ausdrucksvermögen

Aber warum sind bei so vielen Kindern noch frühkindliche Reflexe aktiv?

Gründe gibt es dafür viele. Neben schwierigen Schwangerschafts- und Geburtsverläufen, z. B. Kaiserschnitt, liegen viele Babys zu wenig auf dem Bauch, haben zu wenig Bewegung, überspringen wichtige Entwicklungsschritte wie das Krabbeln. Auch zu langes Liegen im Maxi-Cosi und Lauflernhilfen beeinträchtigen die natürliche Entwicklung.

Wie kann diese Entwicklungsverzögerung aufgeholt bzw. beseitigt werden?

Der Schlüssel liegt in der Reflexintegration, einer sehr effektiven Alternative zu Medikamenten, um den Kindern ein glückliches Aufwachsen und einen erfolgreichen Schulalltag zu ermöglichen.

Als Begründerin der Reflexintegration gilt Sally Goddard Blythe, die schon vor 40 Jahren in Chester, England, erfolgreich mit Bewegungsprogrammen die neuromotorische Reife bei Kindern förderte bzw. nachholte.

Der schwedische Arzt Dr. Harald Blomberg hat das Bewegungstraining RMT (Rhythmic Movement Training) entwickelt. Seit 25 Jahren behandelt er damit erfolgreich geistig und körperlich behinderte Kinder sowie die Symptome von AD(H)S und Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten.

Das Sieber & Paasch Institut, München, hat mit der RIT®-Reflexintegration das Reflexintegrationstraining um Komponenten erweitert, um die neuronale Reifung noch effektiver zu unterstützen. Dadurch werden der Aufbau stabiler Nervenbahnen zwischen den Funktionsbereichen des Gehirns beschleunigt und die noch aktiven frühkindlichen Reflexe zurückgebildet.

Wie sieht so ein RIT®-Reflexintegrationstraining nun aus?

Das RIT®-Einzeltraining erstreckt sich in der Regel über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten. Nach einer ausführlichen neuromotorischen Untersuchung und Feststellung der noch aktiven frühkindlichen Reflexe, kommen die Klienten einmal im Monat in meine Praxis. Hier löse ich die entsprechenden Reflexmuster durch isometrischen Druck aus, begleitet von einer beidseitigen Gehirnhälftenstimulation. Um stabile neuronale Verknüpfungen aufzubauen, ist es dann von großer Bedeutung, dass das Kind täglich ein etwa zehnminütiges Bewegungstraining zu Hause durchführt.

Um möglichst viele Kinder zu erreichen, wurde vom Sieber & Paasch Institut ein Gruppentraining für Kindergärten und Grundschulen entwickelt, das sich über acht Monate erstreckt und sich mit einem geringen täglichen Aufwand von 15 Minuten gut in den Kindergarten- bzw. Schulalltag integrieren lässt.

Warum mir das Thema so am Herzen liegt

Immer wieder darf ich in glückliche und erleichterte Gesichter meiner kleinen Klienten und ihrer Eltern schauen, die endlich mit Freude und Zuversicht ihre Schullaufbahn wie alle anderen durchlaufen können und denen nun Stigmatisierung, Selbstzweifel und eine stressige Schulzeit erspart bleiben. Häufig kann die Medikamentengabe reduziert oder ganz abgesetzt werden.

Leider ist die Reflexintegration in Deutschland noch nicht so bekannt, obwohl es zahlreiche internationale wissenschaftliche Studien gibt, die auf die Zusammenhänge von frühkindlichen Reflexen und Lern- und Verhaltensauffälligkeiten hinweisen. So haben Kinder mit AD(H)S-Symptomatiken zu 94 % den „Spinalen Galant“ und den „Spinalen Perez“ noch aktiv.
Quellen: Untersuchungen von Svedlana Masgutova und dem Sieber & Paasch Institut: Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwä- che haben zu 75 % den „symmetrischen tonischen Nackenreflex“ (STNR) noch aktiv

Das Thema muss einfach in die Öffentlichkeit und gerade Erziehern (immer m/w) und Lehrern zugänglich gemacht werden, da es deutliche, auch für Laien sichtbare Anzeichen für noch aktive frühkindliche Reflexe gibt. Das sind unter anderem:

  • Tollpatschigkeit (häufiges Umwerfen von Gegenständen)
  • schlechte Körperhaltung
  • das Kind stützt den Kopf ständig ab
  • es kann keinen Purzelbaum machen
  • Verknoten der Beine um die Stuhlbeine
  • das Heft wird zum Schreiben schräg gelegt, sodass eher von unten nach oben statt von links nach rechts geschrieben wird
  • das Kind fängt in der Mitte des Blattes an zu schreiben
  • schlechte Stifthaltung, zu viel Druck auf dem Stift
  • der Mund wird beim Schreiben mitbewegt

Ich hoffe, dass ich mit meinem Beitrag das Interesse für die Reflexintegration wecken konnte und etwas mehr Öffentlichkeit geschaffen habe.

Wer sich weiter informieren möchte, findet im Internet mit den Schlagwörtern „frühkindliche“ oder auch „persistierende“ Reflexe zahlreiche Publikationen und Studien.

Literatur

Birgit Lubos
Heilpraktikerin für Psychotherapie, Praxis für Potenzialentwicklung in Mönchengladbach, Expertin für Reflexintegration, IPE-Kinder- und Jugendcoach professional, IPE-Lerncoach, IPE-Schulpotenzialtrainerin
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Die Neugeborenenreflexe

Das Neugeborene hat angeborene Reflexe oder sogenannte Primitivreflexe die meistens seinem Selbstschutz dienen und bei einem entsprechenden Reiz instinktiv ausgeführt werden. Sobald das Baby lernt, seine Muskeln zu kontrollieren, verlieren sich diese Reflexbewegungen allmählich.

Der Greifreflex: Bis zum Alter von etwa 3 Monaten umschliessen die Finger des Babys automatisch alles, womit seine Handflächen in Berührung kommen. Dabei können sie so fest zugreifen, dass sie ihr eigenes Körpergewicht halten können.

Ein ähnlicher Reflex wird ausgelöst, wenn man die Fusssohlen streichelt. Der Fuss krümmt sich nach innen, als wolle das Kind damit etwas umklammern.

Der Moro-Reflex: Der Moro-Reflex, ein Schreckreflex, bezeichnet die unwillkürliche Reaktion von Neugeborenen und jungen Säuglingen, wenn sie mit lauten Geräuschen konfrontiert werden oder das Gefühl haben zu fallen. Sie strecken Arme und Beine aus und krümmen den Rücken, als wollten sie sich an etwas fest halten. Dann “rollen” sie sich ein und ballen die Händchen zu Fäusten.

Der Suchreflex: Wenn Sie die Wange Ihres Kindes sanft streicheln, wird es den Kopf zur gestreichelten Seite hin wenden und mit geöffnetem Mund Ihre Brust suchen.

Der Reflex bleibt bis etwa zum 3. oder 4. Lebensmonat erhalten, bei manchen Babys lässt er sich im Schlaf aber auch noch zu einem späteren Zeitpunkt auslösen.

Der Saugreflex: Babys haben einen starken Saugreflex, der zum Stillen unerlässlich ist. Wenn Sie mit einem Finger behutsam gegen den Gaumen des Babys drücken, fängt es an, intensiv zu saugen. Der Reflex hält auch noch eine Weile an, nachdem Sie den Finger zurückgezogen haben.

MAM Nuggis

Für den natürlichen Saugreflex

Schon ab 14. SSW saugen Babys instinktiv an ihren Fingern. Mehr über die kiefergerechten MAM Nuggis: hier

Der Schluckreflex: Babys werden mit einem ausgeprägten Schluckreflex geboren, da sie bereits im Mutterleib Flüssigkeit zu schlucken gelernt haben. Das ist wichtig, damit sie gleich nach der Geburt trinken können. Babys verfügen auch über einen starken Würgereflex, der verhindert, dass sie sich verschlucken.

Der Schreitreflex: Hebt man ein neugeborenes Baby hoch und hält es aufrecht über eine Oberfläche, so dass seine Füsse mit dieser in Berührung kommen, wird es kleine Schreitbewegungen ausführen, als wolle es laufen. Dieser Reflex setzt kurz nach der Geburt ein und verliert sich nach ca. 2 Monaten. Er ist nicht mit dem eigentlichen Laufen zu verwechseln.

Der Galantreflex: Man bestreicht in Bauchlage des Säuglings die Haut neben der Wirbelsäule mit dem Finger. Es erfolgt eine Beugung der Wirbelsäule zur Seite des Reizes hin. Der Reflex ist in der Regel etwa bis zum sechsten Lebensmonat nachweisbar.

Letzte Aktualisierung : 04-11-19, BH

Bewegungsentwicklung: Wie lernt das Baby Greifen?

20. Januar 2020 6 Min.

Mit etwa vier Monaten kann ein Baby gezielt nach Dingen greifen. Bis dahin ist es jedoch ein spannender Weg. Die Bewegungsentwicklung durchläuft einige wichtige Phasen, in denen das Baby dem eigenständigen Greifen stets ein Stückchen näherkommt.

Ein Neugeborenes kann eigentlich noch nicht nach Gegenständen greifen. Allerdings werden Säuglinge von Mutter Natur mit einem ausgeprägten Greifreflex ausgestattet: Drückt man leicht auf die Handinnenflächen, beugen sich die Finger nach innen. Das Baby greift teils so kräftig zu, dass sich die kleinen Knöchel weiß verfärben. Den gleichen Reflex kann man auch an den Füßchen beobachten.

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Der Greifreflex ist ein Überbleibsel aus vergangener Zeit, als es für Babys noch lebensnotwendig war, sich an ihrer Bezugsperson festzuhalten. Bei Affenbabys gibt es diesen Greifreflex entsprechend auch. Der Greifreflex lässt nach etwa drei Monaten nach und wird von einem gezielten Greifen abgelöst.

Vor dem Greifen: Die Hand-Mund-Koordination

Babys erkunden ihre Händchen schon sehr früh. Bereits im Mutterleib saugen sie am Daumen und stecken sich die Hände in den Mund. Kein Wunder also, dass Neugeborene recht geschickt darin sind. Oft signalisiert das Baby damit Hunger, in vielen Fällen ist das Saugen an der Hand auch einfach beruhigend.

Später steckt ein Baby alle möglichen Gegenstände in den Mund. Dieser ist ein wichtiges Sinnesorgan, mit dem das Kind Dinge kennenlernen kann. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Die sogenannte Hand-Mund-Koordination ist nur ein erster Schritt, bis das Baby wirklich gezielt greifen kann.

Auf dem Weg zum Greifen: Das Baby erkundet seine Hände

Auf diese Phase folgt die Hand-Augen-Koordination. Schon im zweiten und dritten Monat kann man beobachten, wie das Baby ganz andächtig die eigene Hand vor dem Auge hin und her bewegt. Dieser Teil der Bewegungsentwicklung ist wichtig für das Greifen. Bei blinden Kindern beispielsweise wirkt sich das Fehlen dieser Phase negativ auf die Entwicklung des gesteuerten Greifens aus.

Mit drei bis vier Monaten führt das Kind beide Hände zusammen. Es ertastet die Finger und beobachtet genau, was die Hände tun. Von da an ist es nicht mehr weit, bis das Baby richtig greifen kann.

Baby, Baby ̶ greif zu!

Ab dem vierten bis fünften Monat lernt das Baby gesteuert nach Gegenständen zu greifen – und das lernt ein Kind ganz von alleine. Es wird nicht, wie viele andere Fähigkeiten, durch Nachahmen erlernt, sondern ist ein natürlicher Reifungsprozess. Das frühe Greifen verläuft so: Das Baby nähert sich konzentriert dem Objekt der Begierde an und greift dann beherzt mit beiden Händen zu. Dies nennt man das beidhändig palmare Greifen.

Insgesamt unterscheidet man vier Griffe:

  • beidhändig palmares Greifen
  • einhändig palmares Greifen
  • Scherengriff
  • Pinzettengriff

Das einhändig palmare Greifen erlernt das Baby erst ab dem sechsten Lebensmonat. In der ersten Zeit kann man noch beobachten, wie die zweite, nicht greifende Hand den Bewegungsablauf leicht mitmacht oder ein wenig unterstützt.

Später lernt das Kind, die Hände unabhängig voneinander zu öffnen und zu schließen. Dann kann es einen Gegenstand auch von einer in die andere Hand übergeben. In dieser Phase greifen die Kinder noch mit der gesamten Hand. Dabei sind alle Finger gleichzeitig aktiv. Nach und nach verlagert sich das Greifen jedoch Richtung Daumen.

Mit sieben oder acht Monaten wird die Greifbewegung des Kindes gezielter. Es kann nun mit Daumen und Zeigefinger kleinere Spielzeuge halten. Allerdings wird nicht die Kuppe des Daumens verwendet, sondern eher die Basis (Ulnarseite). Man nennt dies den Scherengriff. Erst mit neun oder zehn Monaten ist das Baby in der Lage, kleine Gegenstände mit der Daumen- und Zeigefingerkuppe zu greifen. Wenn dieser sogenannte Pinzettengriff erlernt ist, haben viele Babys große Freude daran, kleinste Gegenstände wie Brotkrumen vom Boden aufzulesen. Einmal ergriffen lassen sie ihre Schätze meist direkt wieder fallen. Sie interessiert in dieser Phase lediglich das Greifen als solches, nicht die gewählten Gegenstände.

In der späteren Greifentwicklung: Loslassen fällt schwer

Zum Ende des ersten Lebensjahres sind viele Kinder bereits sehr geschickt darin, Gegenstände gezielt zu greifen und festzuhalten. Überraschenderweise fällt es Kleinkindern aber schwer, sie wieder loszulassen. Dies drückt sich oft in sehr heftigen Handbewegungen aus. Auf Erwachsene wirkt es so, als würde das Kind mit Dingen um sich werfen. Dabei sind viele Kinder erst mit zwei Jahren in der Lage, Gegenstände bewusst und sorgfältig abzulegen.

Ist mein Kind Rechts- oder Linkshänder?

Man geht davon aus, dass die Händigkeit bereits in der Schwangerschaft festgelegt ist – und bereits im Mutterleib ersichtlich ist. Die Hand, an dessen Daumen das Baby lieber nuckelt, bleibt auch nach der Geburt meist die bevorzugte Hand.

Während der ersten Jahre lässt sich die Händigkeit allerdings nur schwer erkennen. Kinder ergreifen Gegenstände wahlweise mit der einen oder mit der anderen Hand. Bieten Sie Spielzeuge und Besteck mittig an, sodass das Kind die Hand frei wählen kann. 90 Prozent der Kinder bevorzugen übrigens die rechte Hand.

Babys Reflexe

Kontrolle der frühkindlichen Reflexe

Im Rahmen der ersten Untersuchungen des Babys kontrolliert der Kinderarzt bestimmte Reflexe. Mithilfe dieser Tests, kann der Arzt die altersgemässe Entwicklung des Kindes überprüfen. Fehlen die Reflexe, so kann dies ein Anzeichen für eine neurologische Erkrankung sein. Verschwinden die frühkindlichen Reflexe allerdings nach einigen Monaten nicht, kann dies zu Entwicklungsstörungen führen. Mit gezielter Physiotherapie kann der Störung in vielen Fällen entgegengewirkt werden.

Wurde beispielsweise der Moro-Reflex (Klammerreflex oder Umklammerungsreflex) in der frühen Kindheit nicht abgebaut und besteht weiter, kann dies im Laufe der kindlichen Entwicklung zu Problemen führen. Anzeichen können Lern- und Verhaltensstörungen, aber auch motorische Entwicklungsstörungen sein.

Die wichtigsten Reflexe beim Baby – ein Überblick

  • Suchreflex: Babys sind von Geburt an mit einem Suchreflex ausgestattet, der ihnen hilft, die Brust der Mutter oder die Milchflasche zu finden. In den ersten 30 Minuten nach der Geburt ist dieser Reflex besonders ausgeprägt. Jungen Müttern wird deshalb auch empfohlen, ihr Baby gleich an die Brust anzulegen. Ein sanftes Streicheln der Wange genügt als Reiz, damit das Baby seinen Kopf zur Nahrungsquelle dreht, seinen Mund öffnet und mit dem Saugen beginnt. Nach einigen Monaten verschwindet dieser Reflex von ganz alleine.
  • Saug- und Schluckreflex: Der Saugreflex gehört zu den wichtigsten angeborenen Reflexen überhaupt, da er das Überleben des Neugeborenen sichert. Sobald der Gaumen des Babys berührt wird, beginnt es kräftig zu saugen und schluckt die Nahrung herunter. Dieser Reflex ist erst in der 36. Schwangerschaftswoche vollständig entwickelt und kann bei Frühchen für Trinkprobleme verantwortlich sein. Nach etwa 6 Monaten ist das Baby in der Lage, die Saugbewegungen selbstständig zu steuern.
  • Palmarer Greifreflex: Beim Greifreflex beugen sich die Finger des Babys zu einer Fausthaltung, sobald es an der Handfläche berührt wird. Mithilfe dieses Reflexes übt das Baby immer und immer wieder das Zugreifen. Nach etwa fünf Monaten wird dieser Reflex durch gezieltes Greifen ersetzt.
  • Plantarer Greifreflex: Ein ähnliches Phänomen wie bei den Händen kann an den Füsschen beobachtet werden: Bei leichtem Druck auf die Fussballen des Babys krallen sich die Zehen zusammen und spreizen sich, wenn man an der Aussenkante der Fusssohle entlangfährt. Dieser Reflex bleibt bis zum ersten Lebensjahr bestehen.
  • Atemschutzreflex: Die Atemwege des Säuglings verschliessen sich automatisch, wenn Mund und Nase mit Wasser in Berührung kommen. Durch diesen Schutzreflex gelangt kein Wasser in die Lunge. Auch dieser Reflex verschwindet bereits nach wenigen Monaten.
  • Moro-Reflex: Der sogenannte Klammerreflex wird durch plötzliche laute Geräusche, Licht oder Bewegung ausgelöst. Bei diesem Reflex streckt das Baby plötzlich seine Arme und Beine von sich, wirft den Kopf nach hinten, schreit und zieht seine Beine und Arme dann an sich (Klammerhaltung). Bereits nach dem 3. Monat ebbt der Moro-Reflex langsam ab, bis er mit der zunehmenden Reifung des Nervensystems ganz verschwindet.
  • Labyrinthstell-Reflex: Dieser Reflex entwickelt sich zwischen dem 1. und 2. Lebensmonat. Bei Veränderung der Körperlage des Babys, bringt es seinen Kopf in Normalstellung. Dies ermöglicht ihm zusätzlich das Kopfheben in Bauchlage.
  • Schreitreflex: Um die altersgerechte Entwicklung des Babys zu kontrollieren, testet der Kinderarzt beim Neugeborenen den sogenannten Schreitreflex. Das Baby macht Gehbewegungen, sobald es aufrecht gehalten wird und mit den Fusssohlen Kontakt zu einer festen Unterlage hat. Nach spätestens zwei Monaten ist der Schreitreflex wieder verschwunden.
  • Asymmetrisch Tonischer Nackenreflex (ATNR): Dieser Reflex wird auch Fechterstellung genannt und dient dazu, die Muskeln aufzubauen und die motorische Entwicklung zu fördern. Wird der Kopf des Säuglings zum Beispiel nach rechts gedreht, streckt es das rechte Bein und den rechten Arm aus, die Extremitäten auf der linken Seite werden angezogen.

Der Moro-Reflex

Was ist der Moro-Reflex?

Der Moro-Reflex ist ein, nach dem Kinderarzt Ernst Moro benannter, frühkindlicher Überlebensreflex. Er beschreibt ein reflexhaftes Verhalten auf eine bedrohliche Situation, das nicht nur beim Menschen, sondern auch bei einigen anderen Säugern auftritt.

Ein plötzlicher, äußerlicher Reiz, durch den das Kind sich erschrickt, löst den Moro-Reflex aus. Der Mund öffnet sich, das Kind atmet heftig ein, Arme und Beine werden ruckartig gestreckt, die Finger werden abgespreizt. Beim Ausatmen werden die Arme wieder an den Körper angelegt und die Hände zu Fäusten geballt.

Dieser Bewegungsablauf erfolgt blitzschnell und ermöglicht dem Neugeborenen den ersten Atemzug, wenn es zu ersticken droht. Entwicklungsgeschichtlich diente der Moro-Reflex dazu, durch das Nachgreifen bei Gefahr, einen sicheren Halt im Fell der Mutter zu bekommen. Man kann dies bei anderen Primaten auch heute noch gut beobachten.

Der andauernde (persistierende) Moro-Reflex des Babys

Normalerweise wird der Moro-Reflex durch die neuronale Entwicklung zwischen dem 2. und 4. Lebensmonat durch den erwachsenen Schreckreflex ersetzt. Manchmal bleibt der Moro-Reflex aber auch über diesen Altersabschnitt hinaus bestehen. Man spricht dann von einem persistierenden (verharrenden) Moro-Reflex.

Die davon betroffenen Kinder sind sehr schreckhaft und werden dadurch nachts häufig aus dem Schlaf gerissen. Tatsächlich kann der Moro-Reflex manchmal selbst bei Erwachsenen noch nachgewiesen werden.

Ein persistierender Moro-Reflex hat für das Kind häufig eine ganze Reihe unangenehmer Folgen. So kommt es zu Wahrnehmungsproblemen und in der Folge zu erhöhter Ängstlichkeit, Koordinationsstörungen, Gleichgewichtsproblemen, Lichtempfindlichkeit, schneller Ermüdung der Augen und zur Überempfindlichkeit auf Geräusche. Aber auch rezidivierende Infekte im Hals-Nasen-Ohren-Bereich lassen sich auf den persistierenden Moro-Reflex zurückführen.

Moro-Reflex: Was kannst du tun?

Bei einem persistierenden Moro-Reflex kannst du deinem Baby helfen, indem du – durch festes Einwickeln in eine weiche Decke oder eine Puckhilfe – verhinderst, dass dein Baby aufgrund der unkontrollierten Schreckbewegungen aus dem Schlaf gerissen wird.

Die meisten Babys schrecken ebenfalls nicht auf, wenn sie im Schlaf in leichter Bewegung sind, zum Beispiel auf dem Arm der Eltern oder in der NONOMO® Federwiege.

Die Begrenzung seiner Bewegungen erinnert dein Baby an die Zeit im Mutterleib, in der es von der Gebärmutter fest umschlossen war.

Auf viele Babys hat das Pucken eine sehr beruhigende Wirkung.

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