Gleichgewicht trainieren kind

Den Gleichgewichtssinn trainieren

Das vestibuläre System gibt uns Informationen über Bewegung und die Position unseres Kopfes und spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Gleichgewicht, Koordination, Augenkontrolle und Aufmerksamkeit. Es ist sowohl für Orientierung im Raum als auch für die Aufrechterhaltung des Körpers zuständig und hilft uns dabei, uns gegen die Schwerkraft zu bewegen und uns dabei zuverlässig und sicher zu fühlen. Gerade sehr kleinen Kindern ist das Gefühl der Sicherheit ganz wichtig. Bei Bedarf suchen sie deshalb die stützende Hand einer erwachsenen Bezugsperson.

Hierbei erwähnenswert ist, dass die vestibuläre Wahrnehmung nicht alleinig für ein gutes Gleichgewicht zuständig ist. Wie bei den meisten Sinneswahrnehmungen, spielen all unsere Sinne eine Rolle. Wenn es um das Gleichgewicht geht, arbeitet das vestibuläre System sehr eng mit dem propriozeptiven System (Tiefensensibilität) zusammen und nur das einwandfreie Zusammenspiel beider Sinne garantiert uns ein sicheres Gleichgewicht.

Der Gleichgewichtssinn entwickelt sich bereits während der Schwangerschaft

Der Gleichgewichtssinn, auch vestibuläre Wahrnehmung genannt, setzt sich aus mehreren Einzelkomponenten zusammen: Der visuellen Wahrnehmung, der Tiefensensibilität (Propriozeption) und der vestibulären Wahrnehmung, die Auskunft über Schwerkraft, Lageveränderungen und Beschleunigung gibt. Das Gleichgewichtsorgan (vestibulärer Apparat) befindet sich im Innenohr und leitet Informationen an das Gehirn weiter, die dann widerrum an die Muskeln und Augen weitervermittelt werden. So können wir uns gegen die Schwerkraft aufrichten, das Gleichgewicht halten und uns im Raum orientieren. Geben die Sinne widersprüchliche Informationen an das Gehirn weiter, wie zum Beispiel Lesen beim Autofahren, so kann dies zu Schwindel und Übelkeit führen.

Forscher sind sich einig: Die Entwicklung des vestibulären Systems beginnt bereits in der neunten Schwangerschaftswoche und ist bis zum fünften Monat ausgebildet. Deshalb ist es wichtig, dass sich die werdende Mutter im Rahmen ihrer Möglichkeiten möglichst viel bewegt. Lageveränderungen des Bauches übertragen sich auf das ungeborene Kind und stimulieren sein Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Der Fötus stimuliert seinen eigenen Gleichgewichtssinn durch das Strampeln im Mutterleib.

Auch Neugeborene sollten daher möglichst unterschiedliche Bewegungsreize erhalten, indem sie in der Wiege, in der Hängematte oder mit der Mutter gemeinsam im Schaukelstuhl schaukeln. Auch kleine Übungen, wie etwa das Baby hochzunehmen, um es frei im Raum zu halten, sind bestens geeignet, den Gleichgewichtssinn des Kindes möglichst früh zu fördern.

Viel Bewegung fördert bei Kindern den Gleichgewichtssinn

Hüpfen, Schaukeln, Rollen, Balancieren, Gleiten

Wer Kinder beim Spielen beobachtet, wird schnell feststellen, dass sie sich selbst viele vestibuläre, also das Gleichgewicht ansprechende Reize suchen.

Sie drehen sich förmlich in der Welt, bis sie einen „Drehwurm“ haben, schaukeln hoch hinaus und alles was federt, wie Matratzen oder Sofas wird kurzerhand zum Trampolin umfunktioniert.

Ständig sind Kinder damit beschäftigt, bezüglich ihrer Motorik und Koordination nach neuen Herausforderungen zu suchen.

Eltern können sie darin aktiv unterstützen, indem sie den Kindern genügend Bewegungsfreiheit lassen sowie geeignetes Spielzeug und Spielideen anbieten. Hier einige Anregungen:

Ideen für die Kleinsten

Bereits mit acht bis zwölf Monaten sind Babys von Rutschfahrzeugen und -tieren begeistert. Später lernen sie mit dem Laufrad, ihre Bewegungen noch besser zu koordinieren und die meisten sind innerhalb kürzester Zeit wahre Meister in der Nutzung dieser wertvollen Spielzeuge.

Sie können aber auch selbstgemachtes Bällchenbad herstellen, indem ein aufblasbares Planschbecken mit kleinen, leichten Plastikbällen gefüllt wird.

Darin dann das Kleinkind unter Beaufsichtigung spielen lassen. Oder alternativ einen Bettbezug mit Plastikbällen gefüllt auf den Boden legen und das Kleine drüberkrabbeln lassen.

Eine Babyschaukel im Türrahmen zu besfestigen oder eine Hängematte ca. 30 cm über dem Boden aufzuhängen und als Sicherheit eine weiche Matte darunter zu legen, sind ebenfalls gut geeignete Maßnahmen, um schon bei den Kleinen das vestibuläre System anzuregen.

Die instabile Fläche des Trampolins fordert beim Hüpfen die Kontrolle des Gleichgewichtsinns permanent heraus. Zusätzlich trainiert das Kind die Reaktionsfähigkeit und stärkt seine Muskulatur.

Ermutigen Sie Ihr Kind, als „Grashüpfer“ verschiedene Sprungvarianten auf dem Trampolin oder von einem Minitrampolin auf eine Matte auszuführen.

Achten Sie beim Kauf eines Trampolins auf eine gute Federung (dem Gewicht Ihres Kindes entsprechend) sowie auf notwendige Sicherheitsvorkehrungen, wie zum Beispiel ein Netz bei größeren Trampolinen.

Hindernisparcours

Hierbei ist besonders das Laufen auf unterschiedlichem Untergrund hilfreich sowie das Balancieren auf verschiedenen Gerätschaften. Auch das drüber- und drunterklettern, durch einen Tunnel krabbeln und über eine Matte rollen, fördert den Gleichgewichtssinn.

Gleichgewichtstraining für Kinder?

Bei Kindern wird der Gleichgewichtssinn ständig automatisch aus Neugierde und Spielbedürfnis trainiert. Grundsätzlich wird jedes Hindernis wie zum Beispiel kleine Mauern, Bordsteine und Bäume zum Balancieren genutzt. Dabei ist es für die positive Entwicklung des Kindes wichtig, den Gleichgewichtssinn durch Gleichgewichtstraining zu trainieren.

Gleichgewichtstraining für Kinder ist wichtig für die Entwicklung

Der sogenannte Gleichgewichtssinn ist zuständig für die Körperhaltung und Orientierung. Da hier mehrere Sinne eine große Rolle spielen um miteinander interagieren zu können, setzt sich der Gleichgewichtssinn, der für Deine Balance zuständig ist aus mehreren einzelnen Sinnen zusammen. Diese Sinne spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung Deines Gleichgewichts im Körper, Deiner Koordination, die Aufrechterhaltung Deines Körpers und auch Deiner allgemeinen Aufmerksamkeit. Besonders bei kleinen Kindern kann gut beobachtet werden, wie sie oft aus der Balance geraten und sich an Gegenständen und stützenden Händen festhalten.

Das Gleichgewichtstraining beginnt sehr früh

Der Gleichgewichtssinn entwickelt sich bereits während der Schwangerschaft und kann bei Bewegung der Mutter positiv beeinflusst werden. Ist das Kind auf der Welt, kann das Gleichgewichtstraining für Kinder bei Neugeborenen zum Beispiel durch entsprechende Bewegungsreize durchgeführt werden. Dazu gehören Bewegungen, die durch das Wiegen (zum Beispiel in einer Wiege, auf dem Arm der Mutter oder in einer Hängematte), den Gleichgewichtssinn des Kindes fördern.

Viel Bewegung als Gleichgewichtstraining für Kinder

Beim Gleichgewichtstraining für Kinder ist in den meisten Fällen kein strikter Trainingsplan nötig. Da sich Kinder beim Spielen mit Schaukeln, Hüpfen, Balancieren und Co. oft von alleine bewegen, wird der Gleichgewichtssinn als positiver Effekt aus den Bewegungen heraus trainiert. Sie sind ständig damit beschäftigt nach neuen Herausforderungen für die Entwicklung ihrer Balance, Motorik und Koordination zu suchen. Aber auch die Eltern, Tanten und denen, die sich gerne mit Kindern beschäftigen, können Kinder aktiv bei der Entwicklung des Gleichgewichts- und Koordinationssinnes unterstützen. Wichtig ist dabei immer, dass den Kleinen genügend Bewegungsfreiheit eingeräumt und geeignetes Spielzeug und Spielideen angeboten werden.

Gleichgewichtstraining für Kinder schon im Babyalter

Für Kinder im ganz jungen Alter bietet der Spielzeugmarkt genügend Alternativen um das Training von Koordination und Gleichgewicht spielend zu erlernen. Rutschfahrzeuge, Laufräder, Babyschaukeln und Hängematten führen dazu, dass auch im kleinsten Alter das Gleichgewichtsorgan positiv beeinflusst wird.

Besonders Spielplätze eigenen sich hervorragend zum Gleichgewichtstraining für Kinder. Es gibt eine Vielzahl an Geräten, wie Schaukeln, Wippen, Klettergerüste und andere Spielgeräte, die die Balance trainieren lassen. Auch Ausflüge in den Wald können dem Gleichgewichtstraining für Kinder positiv entgegen spielen. Kinder, die bereits laufen können, trainieren ihre Balance bei diversen Spielsportarten wie zum Beispiel Trampolinspringen, Seiltanzen, Stelzenlaufen und klassisches Balancieren auf einem Barren, Baumstamm oder auf anderen Möglichkeiten. Zudem kommen mit zunehmendem Alter immer mehr Sportarten hinzu, die neben vielen anderen positiven Eigenschaften auch das Gleichgewicht fördern. Darunter wären Sportarten wie beispielsweise Reiten, Fahrradfahren (Einradfahren besonders), Turnen und Kindergymnastik, Klettern und Tanzen – um nur ein paar davon zu nennen.

Gleichgewichtstraining für Kinder bei Problemen mit dem Gleichgewicht

Wenn bei einem Baby oder Kind Auffälligkeiten in Form von Unsicherheiten, Koordinationsschwierigkeiten, Langsamkeit und Gleichgewichtsstörungen sichtbar werden, kann das ein Indiz dafür sein, dass das Gleichgewichtsorgan nicht richtig entwickelt ist. Sofern Auffälligkeiten bestehen, sollte zur Untersuchung der Kinderarzt hinzugezogen werden. Eine Therapiemöglichkeit bei Gleichgewichtsproblemen besteht dann in der Teilnahme an Ergo- oder Physiotherapie.

Fazit zum Gleichgewichtstraining bei Kindern

Der Gleichgewichtssinn ist zuständig für die Körperhaltung, Balance und Orientierung. Dieser entwickelt sich bereits in der Schwangerschaft und sollte soweit es geht immer gefördert werden. Die positive Entwicklung beim Gleichgewichtstraining für Kinder ist davon abhängig ob ausreichend Bewegungsfreiheit und geeignete Übungsmöglichkeiten vorhanden sind. Dazu zählen Bewegungen aller Art, Spielzeuge, Spielgeräte und Gruppenübungen. Bei Kindern mit Gleichgewichts- und Koordinationsproblemen sollte zur Beurteilung und Behandlung immer ein Kinderarzt hinzugezogen werden.

Wir hoffen, Dir die wichtigsten Fragen rund um das Gleichgewichtstraining bei Kindern beantwortet zu haben. Weitere Informationen zum Balancetraining findest Du links oben im FAQ.

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Balance und Geschicklichkeit

Gleichgewicht – was ist das?

Unter “Gleichgewicht“ versteht man die Fähigkeit, den Körper im Gleichgewicht zu halten bzw. dieses während oder nach Körperverlagerungen beizubehalten oder wiederherzustellen.
„Gleichgewicht“ gehört neben Reaktion, Geschicklichkeit oder Gewandtheit zur Gruppe der “koordinativen Fähigkeiten“. Letztere benötigt man vor allem um Alltagssituationen, auf die man schnell und zielgerichtet reagieren muss, optimal zu meistern. Koordinative Fähigkeiten sind auch aus prophylaktischer Sicht, z. B. zur Vermeidung von Zusammenstößen oder Stürzen sehr wichtig. Ein gutes Gleichgewicht verbessert nicht zuletzt auch die Bewegungskontrolle.
Die Gleichgewichtsfähigkeit entwickelt sich bereits sehr früh und sollte daher schon ab dem Kleinkindalter ausreichend gefördert werden. Besonders geeignet sind alle Arten von Balancierübungen, aber auch Radfahren, Skaten oder Eislaufen. Wichtig: Fertigkeiten die bereits im Kindesalter erlernt werden, können auch lebenslang genutzt werden.
Das dynamische Gleichgewicht ist vor allem von der Funktionstüchtigkeit des Vestibularorgans (Steuerungsorgan) im Innenohr abhängig, da dieses die Bewegungen des Kopfes registriert. Diese Fähigkeit ist im Alter, auf Grund von neurologischen und durchblutungsbedingten Erkrankungen, aber vor allem auch durch Inaktivität, oftmals eingeschränkt. Inaktivität führt letztlich auch zur Verschlechterung der allgemeinen Leistungsfähigkeit, da sich der Organismus mangels entsprechender Herausforderungen nach unten nivelliert. Gezielte Belastungsreize hingegen – durch viel Bewegung im Alltag aber auch durch Training – fördern wiederum die Verbesserung der Leistungsfähigkeit und damit auch die Lebensqualität.
Das IMSB-Austria hat im Zuge seines „Business in Motion-Programmes“, welches in zahlreichen Betrieben und Gemeinden erfolgreich umgesetzt wurde, festgestellt, dass etwa 75 % der untersuchten Personen über ein mangelhaftes, um nicht zu sagen schlechtes, Gleichgewicht verfügten.
Es besteht daher dringender Handlungsbedarf.

Wie funktioniert das Gleichgewichtssystem?

Unser Körper hat mehrere Wahrnehmungssysteme, deren Informationen in Gehirn und Rückenmark zusammenlaufen. Sie sind letztlich die Grundlage der Gleichgewichtsfähigkeit.
Ein typisches Wahrnehmungssystem ist unser Auge. Es informiert uns z. B. über die Stellung des Körpers im Raum. Wichtig dabei ist das Erkennen des Horizontes und die Unterscheidung von “oben” und “unten”. Wie bedeutend unsere Augen für das Gleichgewicht sind, kann man selbst leicht testen. Man schließt die Augen und sofort wird der Stand deutlich unsicher. Auch das Gehen fällt sofort wesentlich schwerer. Unsicherheit tritt auf.
Ein anderes Wahrnehmungssystem ist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr. Es informiert über Drehbewegungen und Beschleunigungen des Körpers. Ein Gefühl, das man z. B. im Aufzug verspüren kann, wenn er rasch nach oben beschleunigt. Ein anderes Beispiel wäre die plötzliche Lageveränderung beim Aufstehen oder man dreht sich ein paar Mal um die eigene Achse.
Das Zentralnervensystem erhält aber darüber hinaus noch viele weitere Informationen – und zwar aus den unterschiedlichsten Regionen des Körpers. Dynamische Rezeptoren wie z. B. die Propriozeptoren liefern uns Informationen über die Druckverteilung an den Fußsohlen (besonders wichtig wenn man sich auf einer unebenen Fläche bewegt). Weitere Messfühler gibt es in den Muskeln. Sie registrieren die bei Bewegungen typischen Spannungsveränderungen in der Muskulatur. Bewegungsrezeptoren gibt es auch in den Gelenken. Ihre Aufgabe ist es wiederum die Stellung und Belastung der Gelenke laufend zu registrieren, um im Bedarfsfall sofortige Gegenmaßnahmen (Schutzmechanismen) setzen zu können.
Im Zentralnervensystem (Rückenmark, Gehirn) werden schließlich alle Informationen gesammelt, verarbeitet und bei Notwendigkeit entsprechende Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts gesetzt. Als typische Reaktion wird dann die Muskulatur so eingesetzt, dass wir das Gleichgewicht halten können.

Wie verändert sich das Gleichgewicht im Alter?

Beim freien Stand ist geringfügiges Wackeln auch bei jungen und gesunden Menschen durchaus normal. Diese leichten Schwankungen werden in der Regel durch entsprechende muskuläre Aktivitäten ausgeglichen und somit das Gleichgewicht wiederhergestellt.
Ältere Menschen können aber oft auf Grund körperlicher Probleme (z. B. Gelenksprobleme, aber auch Muskelschwäche) nicht mehr so rasch und effektiv gegensteuern und laufen so Gefahr das Gleichgewicht zu verlieren und zu stürzen.
Bei heftigerem Schwanken wenden jüngere und vor allem gesunde Menschen meist durch einen schnellen (Ausfall)Schritt den Sturz ab. Bei älteren Menschen kommt dieser Schritt leider oft zu spät oder die erforderliche Kraft reicht nicht aus, um einen Sturz zu verhindern. Darüber hinaus neigen ältere Menschen in solchen Situationen oft dazu durch gleichzeitiges Anspannen von Beuge- und Streckmuskulatur (kann auch durch Angst ausgelöst werden) zu verkrampfen. Dies beeinflusst die Beweglichkeit zusätzlich negativ und steigert somit die Sturzgefahr.
Neben der altersbedingten Abnahme der Sehfähigkeit kann auch eine verlangsamte Übermittlung der Wahrnehmung (z. B. des Untergrunds) für das schlechtere Gleichgewicht verantwortlich sein. Oft ist auch die geschwächte Muskulatur einfach nicht mehr in der Lage, den Körper im Gleichgewicht zu halten.
Ein mangelhaftes Gleichgewicht im Alter ist aber oft auch bloß die Folge eines eher passiven Lebensstils. Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die auch im Alter noch sehr aktiv sind, wesentlich seltener Probleme mit dem Gleichgewicht bekommen als jene, die sich unzureichend bewegen. Ein regelmäßiges Gleichgewichtstraining ist daher – altersunabhängig – unbedingt ratsam.
1. Merke: Die Gleichgewichtsfähigkeit ist – genauso wie Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit – lebenslang trainierbar.

Warum sollen wir unser Gleichgewicht trainieren?

Spätestens wenn wir bei alltäglichen Aufgaben ins Schwanken geraten oder uns unsicher fühlen, sollten wir mit einem Gleichgewichtstraining beginnen. Völlig falsch wäre es, wenn man versucht wegen dieser Unsicherheit alle möglichen Situationen zu vermeiden, in denen das Gleichgewicht gefordert werden könnte. Dies wäre im wahrsten Sinne des Wortes ein „Teufelskreis“ – denn der Körper würde sich – mangels adäquater Reize – sehr rasch daran gewöhnen keine Gegenmaßnahmen setzen zu müssen. Die sowieso schon mangelhafte Gleichgewichtsfähigkeit würde sich daher noch weiter verschlechtern.
Eine sinnvolle Ergänzung zum Gleichgewichtstraining ist übrigens ein gezieltes Krafttraining, denn schließlich soll ja die Muskulatur die Ausgleichbewegungen ausführen. Aus der Sicht des Gleichgewichts ist dabei besonders das Training der Beinmuskulatur und der Rumpfmuskulatur wichtig. Günstig ist es Kraft- und Gleichgewichtsübungen zu kombinieren.
Gleichgewicht kann und soll auch vorbeugend trainiert werden. Man muss nicht warten bis die ersten Probleme entstehen.
2. Merke: „Unsere Muskulatur ist unser lebendiges Gleichgewicht!“
Autor:
Helmut Brunner-Plosky
Balance-Coach
IMSB-Austria
Homepage: www.imsb.at

Übungen zum Training des Gleichgewichts … (555.9 KB)

‌ Zuletzt aktualisiert am 29. Oktober 2019

Kinder lieben bereits von Geburt an die Bewegung und stimulieren ihr Gleichgewichtssystem auf unterschiedliche Weise, wie durch schaukeln, wippen, rollen oder drehen. Im Mutterleib erfahren wir durch die Bewegungen der Mutter eine Stimulation des Gleichgewichtssystems und bekommen ein erstes Gefühl für Oben und Unten.

Die Funktionen des Gleichgewichtssystems

Der Vestibularapparat bzw. die Gleichgewichtsorgane des Menschen sind ein Teil des inneren Ohres und haben eine Vielzahl von unterschiedlichen Funktionen.

Es findet ein konstanter Impulsfluss vom Vestibularapparat zu den vestibulären Kernen im Hirnstamm statt. Dort werden die vom Innenohr aufgenommenen Informationen verarbeitet und durch die Weiterleitung zum Rückenmark ein konstanter Muskeltonus (Muskelspannung) und das Halten von Gleichgewicht ermöglicht. Hierbei ist insbesondere der Streck-Tonus, der den Körper in einer aufrechten Position hält, von Bedeutung. Diese aufrechte Position ermöglicht uns eine gute Konzentration und Aufmerksamkeit.

Eine weitere Aufgabe des Gleichgewichtssystems ist das unbewusste Wahrnehmen der Bewegungen und der Position des Organismus im Raum, um z.B. zu erkennen, ob sich entweder ein Gegenstand vor unseren Augen oder unser Kopf bewegt. Dabei wird dem Gehirn zwar mitgeteilt, ob sich der Kopf bewegt bzw. schief steht, aber es werden keine Informationen darüber abgegeben, wie sich z.B. die räumlichen Beziehungen zwischen Gegenstand, Kopf und Körper verhalten. Zum Abschätzen von räumlichen Beziehungen und der Raumlage bedarf es einer guten Zusammenarbeit von Stellungs- und Lageempfinden des eigenen Körpers, tiefensensibler Wahrnehmung sowie des Gleichgewichts.

Durch die enge Verbindung des Gleichgewichtssystems zu dem visuellen System wird uns das stabile Gesichtsfeld ermöglicht indem die Augen sich bei einer Kopfbewegung entsprechend anpassen. Um die Bewegungen des Kopfes ausgleichen zu können, bedarf es somit einer guten Augen-, Hals- und Kopfstabilität.

Unser Gleichgewichtssystem sorgt ebenfalls für wichtige Haltungs- und Gleichgewichtsreaktionen. Dabei handelt es sich um die Haltungsstabilisierung ( den Körper bei einer Lageveränderung im Gleichgewicht halten), Kokontraktionen (bei Druck und Zug auf den Körper das Gleichgewicht halten) sowie die Abstützreaktionen (das Ausstrecken der Arme bei einem Fall zum Schutz des Körpers).

Störung des Gleichgewichts

Nachdem was unser Gleichgewicht leistet ist es nicht verwunderlich, dass sich eine Störung der Wahrnehmung in diesem Bereich vielfältig auswirken kann. Kinder mit Problemen in der vestibulären Wahrnehmungsverarbeitung sind oft ängstlich und unsicher oder können schlecht Gefahren einschätzen und verletzen sich oft. Sind die Kinder übersensibel hinsichtlich von Gleichgwichtsreizen wirken sie zurückhaltend und meiden sämtliche Gleichgewichtsreize. Sind die Kinder dagegen untersensibel, suchen sie verstärkt die Bewegung, wirken hyperaktiv, wild und rennen eventuell oft gegen Ecken und Kanten.

Gleichgewichtsstörungen wirken sich in beiden Fällen auf das Lernen und Verhalten aus. Den Kindern fällt es, aufgrund der räumlichen Problematik, oft schwer in den Linien zu schreiben und die Abstände zwischen den Wörtern und Buchstaben einzuhalten, Dinge von der Tafel ins Heft zu übertragen oder sich räumlich zu orientieren. Aufgrund eines nicht angepassten Muskeltonus kommt es zu Problemen im Schreibfluss. Häufig ist zu beobachten, dass die Kinder über dem Tisch „lümmeln“, sich also mit der freien Hand den Kopf abstützen und förmlich über dem Tisch hängen. Ebenso ist eine kompensatorische Selbstfixation durch Erhöhung der Muskelspannung möglich, welche eine Verkrampfung der Muskulatur zur Folge hat. Der Schreibfluss wird stockend und abgehackt.

Letztendlich wirkt sich eine Störung auf das psychische Befinden wie auf die allgemeine Befindlichkeit, Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, Selbstkontrolle und Kognition aus.

Förderung im Alltag

Fördermöglichkeiten für Eltern wären:

  • Legen sie ihr Kind in eine Wiege oder in ein Hängenest als Baby
  • Tragen sie ihr Kind viel auf dem Arm oder in einem Tragetuch
  • Spielen sie mit ihrem Kind Kniereiterspiele wie Hoppe, Hoppe Reiter…etc.
  • Tragen sie ihr Kind Huckepack
  • Gehen sie mit ihrem Kind ins Mutter-Kind Turnen oder Kinderturnen bzw Kindertanzen
  • Bieten sie ihrem Kind Dinge wie Schaukeln, Hängematten, Körperkreisel, Schaukelpferde etc. an.
  • Lassen sie ihrem Kind Möglichkeiten sich auch im Haus zu bewegen indem sie eine Hüpfmatratze (siehe passend zum Thema) bereit stellen, ein kleines Trampolin anbieten usw.
  • Lassen sie ihr Kind auf Bordsteinen, umgekippten Baumstämmen im Wald, niedrigen Mauern, Steinen etc. balancieren.
  • Machen sie Spiele für die Körperkoordination (Hüpfekästchen) oder Brain-Gym
  • Fahren sie Karussell oder laufen sie Schlitt- oder Rollschuh
  • fahren sie viel Fahrrad oder anfangs Laufrad mit dem Kind
  • Gehen sie in den Wald und lassen sie das Kind über unebene Untergründe laufen oder klettern
  • Gehen sie ins Schwimmbad und lassen das Kind im Wasser spielen

Möglichkeiten zur Förderung im Kindergarten:

  • Brain-Gym Übungen
  • Turnspiele mit Hüpfen und Gleichgwichtselementen wie einen Balancierbalken oder einer Kletterwand
  • Waldtage und Erlebniswanderungen
  • Kreis-und Bewegungsspiele zum Drehen und Hüpfen
  • Tanzen
  • Rollbrett fahren
  • Trampolin springen
  • Schaukel- und Hängemattenspiele
  • Spiele mit geschlossenen Augen
  • Gummitwist-Spiele
  • Hüpfekästchen oder Sackhüpfen
  • Laufrad fahren
  • ein Sinnesparcour (Barfußpfad) mit unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit

Kinder in Balance! – Tolle Ideen, mit denen Sie den Gleichgewichtssinn bei Kindern fördern

Sie werden es sicherlich von Kindern kennen: Immer und immer wieder klettern sie über eine kleine Kiste. Laufen unermüdlich eine schräge Ebene herauf und herunter. Balancieren konzentriert auf dem Sandkastenrand. Sie können nicht genügend Anreize für ihren Gleichgewichtssinn bekommen. Greifen Sie diese innere Motivation auf.

Tipp 1: Beobachten Sie die Kinder, und greifen Sie ihre Bedürfnisse auf

Kinder suchen sich genau die Sinnesreize, die sie für ihre Entwicklung benötigen. Sie sind ununterbrochen damit beschäftigt, neue Herausforderungen zu suchen. Wenn alles reibungslos gelingt, folgt ein weiterer Schritt. Beobachten Sie die Kinder. Welche Gleichgewichtsreize brauchen sie? Lassen Sie die Kinder möglichst viel ausprobieren und ihre eigenen Grenzen erkennen. Bietet die Umwelt genügend Gleichgewichtsreize? Sie soll die Kinder anregen, aber nicht aufregen.

Tipp 2: Mit Badhockern können Sie eine Bewegungslandschaft bauen

Die kleinen Hocker erleichtern Kindern das Händewaschen. Sie kosten rund 3 € (z. B. „Försiktig“ von IKEA). Die Trittfläche ist rutschfest und dadurch für Kleinkinder gut geeignet. Ganz leicht schaffen Sie tolle und abwechslungsreiche Herausforderungen für den Gleichgewichtssinn. Die Kinder können: œ

  • mehrere Hocker hintereinanderstellen und darüber balancieren. Die große Trittfl äche und die geringe Höhe erleichtern den Kleinkindern das Balancieren.
  • zwischen den Hockern kleine Lücken lassen und von Hocker zu Hocker steigen.
  • auf die Hocker klettern und herunterspringen, um neue Anreize zu bekommen.
  • über 2 auseinanderstehende Hocker ein Brett legen. Auf der Brücke lässt sich wunderbar balancieren.
  • auf einen Hocker ein Brett legen. Beim Hoch- und Herunterlaufen wird der Gleichgewichtssinn vor neue Herausforderungen gestellt.
  • die Hocker unter einen Teppich legen. Der unebene Untergrund regt zu vielseitigen Reizen an.
  • die Hocker umgedreht aufstellen und von einem in den anderen Hocker klettern. Eine noch größere Herausforderung ist es, wenn Sie die umgedrehten Hocker mit unterschiedlichem Dingen wie z. B. Watte, Stoff oder Korken füllen.
  • die Hocker mit Stühlen kombinieren und abwechselnd unter den Stühlen hindurchkriechen und über die Hocker klettern.
  • die Hocker mit Kissen, Seilen, Kartons ergänzen. Schon haben sie einen tollen Parcours.
  • Gegenstände über die Hocker transportieren (für die älteren Kinder).
  • Sicherlich werden die Kinder noch viele andere Ideen entwickeln. Achten Sie bei den Aufbauten darauf, dass diese ungefährlich sind.

Tipp 3: Reizvolle Spiele für den Gleichgewichtssinn

Beim Spielen können Sie die Kinder anregen, neue Gleichgewichtsreize zu suchen. Beziehen Sie gezielt Kinder mit ein, die solche Herausforderungen meiden. Wenn Sie die Spiele durch spannende Bewegungsgeschichten begleiten, vergessen sie ihre Befürchtungen schnell.

Tipp 4: Nutzen Sie die Möglichkeiten der Natur

Nirgendwo gibt es mehr Gleichgewichtsanreize als im Garten oder bei Spaziergängen:œ

  • Balancieren auf Bordsteinkanten – Ermutigen Sie die Kinder, auf Bordsteinkanten (natürlich nur an kaum befahrenen Straßen) oder niedrigen Mauern zu balancieren.
  • Unebene und unterschiedliche Böden: Wie wäre es, wenn Sie mit den Kindern einen Ausflug in den Wald oder auf eine Wiese machen? Laufen Sie mal ein kleines Stück neben den schon eingetretenen Wegen. Dort gibt es viele Gelegenheiten, den Gleichgewichtssinn zu trainieren. Auf dem weicheren und oftmals unebenen Boden müssen die Kinder sich mehr ausgleichen.

Gestalten Sie Ihren nächsten Spaziergang einfach nach dem Motto: „Schritt für Schritt im Gleichgewicht“. Stellen Sie den Gleichgewichtssinn in den Mittelpunkt des Ausfl ugs. Er soll Wagnisse ermöglichen und eine Herausforderung darstellen. Die Gefahr, dass etwas passieren kann, sollen Sie aber möglichst vermeiden. Weisen Sie die Eltern gezielt auf den pädagogischen Hintergrund hin. So werden sie Ihr Angebot noch mehr wertschätzen.

So fördern Sie den Gleichgewichtssinn Ihres Kindes

Der Gleichgewichtssinn führt ein rechtes Mauerblümchendasein, obwohl er den Grundstein für die Entwicklung vieler körperlicher, geistiger und sozialer Fähigkeiten darstellt.

Das Ohr: Organ für unseren Gleichgewichtssinn

Egal, welche Bewegung wir machen – ob springen, rennen, drehen oder rollen – ohne Gleichgewichtssinn läuft nichts! Auch wenn es spielend leicht aussieht, unser Körper vollbringt jedes Mal eine Meisterleistung. Alleine schon der aufrechte Gang erfordert jede Menge an Abstimmung zwischen Körper und Gehirn.
Sicher zu gehen und zu stehen ist nur möglich, weil das Gleichgewichtssystem jede Bewegung von Kopf und Körper registriert und sofort Ausgleichsbewegungen veranlasst, die uns in der aufrechten Position halten. Dafür haben wir in jedem Innenohr ein Gleichgewichtsorgan. Seine Sinneszellen registrieren die kleinste Erschütterung oder Bewegungsänderung und leiten diese Information ans Gehirn weiter. In der Schaltzentrale Gehirn werden diese Informationen mit anderen Sinneseindrücken verglichen und entsprechend verarbeitet. Sehen und Hören liefern wichtige Informationen, doch auch der Tastsinn (z. B. der Fußsohlen) oder Daten aus dem Körperinneren werden berücksichtigt. So weiß das Gehirn ganz genau, welcher Muskel in Bewegung ist oder welche Sehne gerade angespannt wird. Je nachdem, was die Rezeptoren in den Gelenken, Muskeln, Sehnen und Bändern ans Gehirn melden, gibt dieses sofort das Kommando für eine ausgleichende Reaktion.

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