Gefühle BEI kindern

Gefühl

Dieses Baby freut sich, weil seine ältere Schwester es anfasst und leicht kitzelt.

Ein Gefühl ist ein Zustand des Menschen. Wer fühlt, erinnert sich an etwas, dass er erlebt und erfahren hat. Manchmal kommt das Gefühl aus uns selbst heraus, manchmal durch einen Reiz von außen. Gefühle empfinden wir oft als etwas Schlechtes oder als etwas Gutes.

Manchmal kommt ein Gefühl daher, dass mit dem Körper etwas los ist. Wenn das Gehirn nicht richtig funktioniert, dann ist jemand zum Beispiel immer sehr traurig. In bestimmten Fällen kann der Arzt Medikamente verschreiben, die helfen.

Vom Bauchgefühl spricht man, wenn man ohne Nachzudenken sofort auf etwas reagiert. Das kommt beispielsweise durch ein Unbehagen. Es kann auch bedeuten, dass man etwas für ganz normal und richtig hält.


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Grundwissen kindgerecht, alles leicht verständlich und gut für Referate in der Schule. Mehr Wissenswertes über „Gefühl“ haben die Blinde Kuh und Frag Finn.

Warum haben wir Gefühle?

Auch Professor Stachel hat Gefühle, die ihm unangenehm sind. Wichtig ist, wie wir damit umgehen.

Uh, ist das dunkel! Professor Stachel bleibt auf der Kellertreppe stehen. „Mach das Licht an, mir ist mulmig“, sagt er. Ben Bär lacht ihn aus: „Du Angsthase!“ Da wird der Igel wütend: „Ich habe eben Angst im Dunkeln. Mach dich nicht über mich lustig!“

Recht hat er. Es gibt keine „falschen“ Gefühle. Was man fühlt, ist richtig. Angst gehört zu den unangenehmen Gefühlen, so wie Wut, Trauer oder Enttäuschung. Angenehme Gefühle dagegen haben mit Zufriedenheit, Freundschaft oder Liebe zu tun.

Es gibt ganz viele unterschiedliche Gefühle. Manchmal ist es für Kinder schwer, sie zu unterscheiden. Aber es gibt einen Trick: Beobachten Sie mit ihrem Kind seinen Körper! Fühlt es sich leicht und hat ein Lächeln im Gesicht? Schön, dann geht es ihm gut. Schlägt das Herz sehr schnell und es hat feuchte Hände? Dann macht es eine Situation oder ein Mensch nervös.

Es ist wichtig, die eigenen Gefühle zu kennen und sie zu zeigen. Nur wenn Ihr Kind sagt, wie es ihm geht, können sich andere mit ihm freuen – oder ihm helfen. Behält es unangenehme Gefühle für sich, können sie es traurig und krank machen. Vielleicht kommt sich Ihr Kind blöd vor, weil es sich vor Dingen fürchtet, die seinen Freunden nichts ausmachen. Na und?Jeder Mensch fühlt anders.

Wir kommen aus verschiedenen Familien und Ländern. Wir haben unterschiedliche Vorbilder. Vielleicht ist Ihr Kind schüchtern und sein Freund ist abenteuerlustig. Beides ist okay. Wichtig ist nur zu wissen, dass unsere Art zu fühlen nicht die einzige ist. „Tut mir leid“, brummt Ben Bär und nimmt den Igel an die Pfote. Zusammen gehen sie in den Keller, um ein Glas Honig zu holen.

Hallo, wie geht’s?

An manchen Tagen fühlt man sich rundum wohl, an anderen ist man düsterer Stimmung. Professor Stachel beschreibt die Welt der Gefühle.

Schöne Überraschung: Die Freunde haben ein Geburtstagslied für das Mädchen einstudiert.

Blauer Himmel, bunte Drachen und der Junge ist mit Freunden zusammen – da kommt Freude auf!

So ein Ärger! Dein kleiner Bruder hat der Puppe des Mädchens die Zöpfe abgeschnitten.

Oh je! Die Freundin des Mädchens zieht in eine andere Stadt. Abschied nehmen macht traurig.

Ist da wer? Im Dunkeln kann man schon mal Angst bekommen!

Grundgefühle

Klar, die Menschen sind verschieden. Doch einige Grundgefühle sind auf der ganzen Welt gleich: Freude, Überraschung, Ärger, Traurigkeit, Furcht und Ekel. Man kann diese Gefühle auch am Gesichtsausdruck von Menschen aus anderen Ländern erkennen. Sie lächeln, haben heruntergezogene Mundwinkel oder Zornesfalten, egal, ob bei uns, in China oder Afrika.

Wenn Du richtig wütend bist – wie fühlt sich das an? Wie ein Erdbeben? Zittern deine Hände? Wirst du rot und möchtest ganz laut schreien? Wut ist ein unglaublich starkes Gefühl. Wenn man wütend ist, bekommt man ungeheure Kraft. Und es wird einem alles egal – man will die Wut nur los werden. Kleine Kinder schlagen einfach zu, wenn sie wütend sind. Das ist wie ein Reflex: Zack, ist die Schaufel auf dem Kopf des anderen. Je älter Kinder werden, desto besser können sie ihre Wut beherrschen. Sie suchen dann eher nach Worten und können noch nachdenken, obwohl sie wütend sind. Aber das ist nicht immer so. Kinder, denen es zu Hause sehr schlecht geht, können auch später ihre Wut nur schwer zügeln. Dann schlagen sie auch noch als Jugendliche schnell den anderen. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Rainer Sturm, Pixelio)

Wie Wut entsteht

Es gibt viele Möglichkeiten, wie Wut entsteht. Oft entsteht Wut dann, wenn man daran gehindert wird, das zu tun, was man gerade will. Wenn man schnell nach Hause möchte, aber Autos die Straße verstopfen, wird man wütend. Wenn man zum Klo muss und nicht gehen kann, weil der Lehrer es verbietet, wird man auch wütend. Wenn das kleine Nachbarskind gerade die rote Schaufel hat, obwohl man sie selbst haben möchte, kommt Wut auf.

Wenn man nicht verstanden wird

Oft wird man wütend, wenn andere einen nicht verstehen oder nicht ernst nehmen. Wenn der andere etwas völlig Falsches von einem denkt, dann macht einen das wütend. Stell dir vor: Du willst dich gerade hinsetzen, um Hausaufgaben zu machen. In dem Moment sagt deine Mutter: „Nun mach‘ endlich deine Hausaufgaben! Wenn ich dich nicht immer daran erinnern würde, dann würdest du sie gar nicht machen.“ Hier denkt die Mutter etwas Falsches über dich. Denn du wolltest dich ja gerade an die Hausaufgaben machen. Man hat selbst daran gedacht, doch die Mutter glaubt einem nicht. Dann fühlt man sich völlig ungerecht behandelt.

Wenn man erkannt wird

Man kann wütend werden, wenn einen jemand zu wenig kennt, aber auch, wenn ein anderer einen „zu gut“ kennt. Jeder hat Seiten an sich, die er gerne versteckt. Wenn ein anderer aber an einem etwas entdeckt, das man lieber versteckt gehalten hätte, dann kann das auch wütend machen. Man hat dann das Gefühl, dass einem der andere zu nahe kommt und dass man selbst ein Stück Freiheit verliert. Das, was man vorher bei sich „geheim“ gehalten hatte, hat der andere entdeckt – und das macht wütend. Kennst du das Märchen vom „Rumpelstilzchen“? Das kleine Männlein namens „Rumpelstilzchen“ hält seinen Namen geheim. Doch als die Prinzessin den Namen erfährt und das Männlein bei seinem Namen nennt, da wird es so wütend, dass es auf der Stelle zerplatzt.

Wenn andere nett sind

Manchmal wird man wütend, obwohl das völlig „falsch“ erscheint. Zum Beispiel kann es wütend machen, wenn ein anderer nett zu einem selbst ist. Das kann dann der Fall sein, wenn man selbst gerade total schlecht gelaunt ist. Dann kann es sehr nerven, wenn andere gut drauf sind. Kinder, denen es zu Hause schlecht geht, können es manchmal schwer vertragen, wenn ein anderer nett zu ihnen ist. Damit du das verstehen kannst, stelle dir einmal vor, dir würde es ganz schlecht zu Hause gehen (vielleicht ist das ja auch in echt so). Dann hast du vielleicht das Gefühl, dass niemand dich liebt. Wenn dann einer kommt, der freundlich zu dir ist, dann bist du einerseits dankbar. Andererseits merkst du aber auch, wie selten dir das passiert.

Wenn Liebe fehlt

Wenn einer plötzlich nett zu dir ist, obwohl alle anderen das nicht sind, dann merkst du vielleicht, wie sehr dir die Liebe fehlt. Sobald man aber merkt, wieviel Gutes einem fehlt, wird man wütend. Der andere macht dann alles nur noch schlimmer, wenn er freundlich ist. Das löst Schmerz aus. Manche Kinder haben es dann fast lieber, wenn der andere nicht so freundlich zu ihnen ist – das kennen sie halt gut. Trotzdem mögen diese Kinder es natürlich auch, wenn man nett zu ihnen ist. Doch die Kinder können das nicht so zeigen. Sie sind in einer Zwickmühle und man kann es ihnen nicht recht machen. Sie sind irgendwie wütend und verstehen selbst nicht so richtig, warum.

Wut und Gewalt hängen eng zusammen

Manche Menschen werden leicht gewalttätig, wenn sie wütend werden. Sie sind dann „blind vor Wut“ und schlagen und treten einfach zu. Das passiert oft dann, wenn man selbst von den Eltern geschlagen wurde. Denn was die Eltern einem antun, das ist wie ein „Stempel“. Wenn die Eltern ein Kind immer wieder schlagen, dann ist es, als wenn sie dem Kind dieses Verhalten „einstempeln“. Wenn das Kind dann einmal wütend wird, reagiert es automatisch so, wie die Eltern immer reagiert haben: Es schlägt einfach zu.

Wenn der Dritte fehlt

Wut entsteht oft dann, wenn man zu zweit ist. Wenn man zu dritt ist, dann kann der Dritte wie ein Puffer sein. Vielleicht kennst Du das: Wenn Deine Mutter gerade doof zu Dir ist, dann bist Du erleichtert, wenn Du zu Deinem Vater, zu Deiner Freundin oder einer Nachbarin gehen kannst.

Aber vielleicht kennst Du auch das: Wenn Deine Eltern sich getrennt haben, bist Du über längere Zeit mit Deinem Papa oder Deiner Mama ganz alleine. Wenn es dann einen Streit gibt, hast Du vielleicht das Gefühl, dass Du ganz alleine bist. Dann hilft es Dir vielleicht, wenn Du wenigstens an einen anderen Menschen denkst, den Du gerne hast.

Zu zweit allein

Ist man also nur zu zweit, dann kann Wut schneller aufkommen und gefährlicher sein. Manchmal gibt es einen „Kurzschluss“: In der Wut greift man den anderen sofort an. Wenn man aber einen Zwischenraum hat, ist es leichter, nicht sofort auf den anderen loszugehen. Wenn du dich mit deinem einen Freund streitest, dann kannst du dich damit trösten, dass du ja noch einen anderen Freund hast. Wenn du am Nachmittag noch etwas Schönes vorhast, dann findest du es nicht ganz so schlimm, wenn du am Vormittag wütend auf jemanden bist. Du denkst dann einfach an dein schönes Vorhaben. Das fühlt sich dann vielleicht so an, als hättest du einen „inneren Notausgang“. Es ist wichtig, einen „inneren Notausgang“ zu haben, denn dann rollt die Wut nicht so sehr wie eine mächtige Welle über einen. Man kann dann innerlich ein bisschen fliehen.

Wenn die Freiheit bedroht wird

Jeder Mensch hat eine eigene Grenze. Wenn du zum Beispiel in einem Geschäft an der Kasse stehst, dann findest du es vielleicht unangenehm, wenn der nächste in der Schlange dir auf die Pelle rückt. Man will, dass der andere einen bestimmten Abstand einhält. Wenn ein anderer zu nahe kommt – ob mit Worten oder mit dem Körper – dann macht das wütend. Besonders wütend werden Kinder, wenn Eltern die Grenzen überschreiten – wenn sie einen zum Beispiel schlagen. Aber auch, wenn deine Eltern einfach in dein Zimmer kommen, ohne vorher anzuklopfen, kann das wütend machen. Es ist dann wichtig, dem anderen zu sagen, dass man das nicht möchte. Das ist aber leider gerade bei den Eltern oft nicht einfach.

Wut entsteht auch aus Angst

Wenn du in einer großen Menge stehst, kann es sein, dass dir das Angst macht, denn jeder Mensch braucht seinen eigenen Platz. Wenn du aber zuerst Angst hast, dann kann das auch umschlagen in Wut auf alle die, die dir zu nahe kommen. Ganz oft hängen Wut und Angst zusammen und manchmal weiß man gar nicht mehr, was zuerst da war.

Wut ohne Grund

Manchmal ist man wütend, ohne dass man sagen kann, warum man eigentlich wütend ist. Diese Wut lässt sich dann oft nur sehr schwer verstehen. Oft hat man den Grund „verdrängt“ und längst vergessen. Wenn ein Kind von seinen Eltern ständig alles verboten bekommt, dann wird dieses Kind wütend. Es kann sich nicht entfalten und entwickeln. Manchmal muss es sich dann einfach an die Eltern anpassen. Es tut dann ganz viel, um den Eltern zu gefallen. Aber in Wirklichkeit will es das selbst gar nicht. Manche Kinder müssen zum Beispiel immer „Danke“ sagen, auch, wenn sie denjenigen gar nicht mögen, der ihnen etwas geschenkt hat. Wenn das ganz oft passiert, dann weiß man gar nicht mehr, was man selbst wollte und was man nur tut, um anderen zu gefallen. Dann ist man verwirrt. Manchmal ist man dann gar nicht mehr „man selbst“, weil man nur noch tut, was andere wollen. Irgendwann hat man dann ein „falsches Selbst“. Und das macht wütend, weil man sich sozusagen selbst verlassen hat. Oft kann man dann gar nicht mehr sagen, warum man dann so wütend ist. Denn die Wut ist über lange Zeit entstanden.

Wut kennenlernen

Wenn man ein bisschen auf sich selbst acht gibt, dann kann man erkennen, wann die Wut auftaucht. Man kann sie dann vielleicht schon zeigen, bevor sie überkocht. Wenn es einem gerade ganz gut geht und man zufrieden ist, dann wird man auch nicht so leicht wütend. Manchmal, wenn man gar nicht mehr weiß, wohin man mit seiner Wut gehen soll, dann kann man auch die www.telefonseelsorge.de anrufen (Telefon 0800-1110111). Oder man geht zu einem Psychotherapeuten (Adressen: Für Kinder und Jugendliche: www.vakjp.de, für Erwachsene: www.dgpt.de). Oft hilft es aber auch, schöne Bücher zu lesen oder gute Filme im Fernsehen zu sehen, die zeigen, wie man mit Wut umgehen kann. Ganz schön finde ich hier zum Beispiel die Serie „Die wilden Kerle“, die manchmal auf ZDF.tivi.de läuft. Auf jeden Fall: Versuche, es dir gut gehen zu lassen.

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Links:

Fred Rogers (1928–2003), Erfinder der amerikanischen Kinderserie „Mr. Rogers‘ Neighborhood“, hat ein wunderbares Lied zum Umgang mit der (akuten) Wut geschrieben:
What Do You Do with the Mad that You Feel?

Barbara Diepold:
Diese Wut hört niemals auf (PDF)
VAKJP 1996, 1: 73–85

Buchtipp:

Otto Kernberg:
Wut und Hass
Über die Bedeutung von Aggression bei Persönlichkeitsstörungen und sexuellen Perversionen
Klett-Cotta 2001

Dieser Beitrag erschien erstmals am 7.3.2013
Aktualisiert am 8.10.2014

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