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Saugglocke: Wenn bei der Geburt nachgeholfen werden muss

Vor dem Einsatz einer Saugglocke bei der Geburt fürchten sich die meisten Mütter. Warum dieses Instrument manchmal nötig sein kann und wie gefährlich eine Geburt per Saugglocke wirklich ist.

Früher recht gängig, aber heute muss die Saugglocke glücklicherweise nur noch selten angewendet werden. Etwa bei acht Prozent aller Geburten braucht das Baby Hilfe, um auf die Welt zu kommen. Bei der Geburtshilfe (auch vaginal-operative Geburt genannt) werden Instrumente – also die Saugglocke oder, seltener, eine Geburtszange – verwendet, um das Baby aus dem Geburtskanal zu ziehen.

Was ist eine Saugglocke?

Bei der Saugglocke (auch Vakuumextraktor genannt) handelt es sich um ein glockenförmiges Instrument, das aus einer Schale besteht, die mit einer Vakuumpumpe und einem Griff zum Ziehen verbunden ist.

In welche Situationen kommt die Saugglocke zum Einsatz?

Die Saugglocke kommt zum Einsatz, wenn das Baby beim Austritt aus dem Geburtskanal Unterstützung von außen benötigt und kein Kaiserschnitt mehr möglich ist. Dies kann der Fall sein wenn:

  • die Geburt zum Stillstand gekommen ist und/oder die Wehen zu gering bzw. die Gebärdende zu kraftlos geworden ist.
  • die Geburt beschleunigt werden muss, weil Baby und Mutter in Not sind – wenn zum Beispiel die Mikroblutuntersuchung zeigt, dass das Baby einen kritisch abfallenden pH-Wert aufweist
  • sich der Geburtskanal wider Erwarten als zu eng darstellt, weil die Arme des Babys beispielsweise ungünstig positioniert sind

Nicht verwendet wird die Saugglocke:

  • wenn das Baby eine dafür ungeeignete Lage eingenommen hat, also zum Beispiel in Steißlage positioniert ist
  • das Baby zu früh zur Welt kommt – hier steigt das Risiko für Hirnblutungen
  • wenn der Muttermund noch nicht vollständig geöffnet ist

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Wie läuft eine Saugglockengeburt ab?

Eine Saugglockengeburt wird nicht speziell geplant, ist also nicht vergleichbar mit einem Kaiserschnitt. Vielmehr ist der Gebrauch der Saugglocke eine situationsabhängige Entscheidung, bei der Arzt und Hebamme die Lage von Mutter und Kind abschätzen müssen, um zu entscheiden, ob ihr Einsatz notwendig ist oder nicht. Planbar oder absehbar ist die Saugglockengeburt daher nicht.

Nachdem Ihr Arzt Ihnen erklärt hat, weshalb der Gebrauch einer Saugglocke nötig ist und welche Komplikationen auftreten können, wird er die Saugglockengeburt einleiten. Normalerweise wird der werdenden Mutter zuerst ein Schmerzmittel verabreicht, wenn sie nicht schon eine PDA bekommen hat. Setzt die Betäubung ein, wird manchmal ein Dammschnitt gesetzt, damit sich der Geburtskanal etwas weitet und Verletzungen vorgebeugt werden können. Zudem wird die Harnblase mit Hilfe eines Katheters geleert, dadurch wird zusätzlich Platz im Becken geschaffen und das Verletzungsrisiko verringert.

Zuerst wird der Arzt die Lage des Babys ertasten und danach die Saugglocke in der Vagina der Gebärenden am Kopf des Kindes ansetzen. Nun erzeugt der Arzt Unterdruck mit Hilfe der Glocke und zieht den Kopf des Kindes bei der nächsten Wehe aus dem Geburtskanal.

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Ist der Einsatz der Saugglocke gefährlich?

Viele Mütter haben Angst vor einer Saugglockengeburt. Die größte Sorge ist wohl, dass das Baby bleibende Schäden am Gehirn zurückbehalten könnte. Doch diese Angst ist unbegründet: Zwar entsteht durch den Unterdruck der Glocke meist eine deutliche Schwellung am Kopf des Säuglings (medizinisch Kephalhämatom genannt), doch bildet sich diese Verformung innerhalb der ersten beiden Tage nach der Entbindung von alleine zurück und ist meistens völlig harmlos. Die Kopfform des Babys verändert sich nicht dauerhaft und auch die Hirnleistung des Kleinen wird nicht beeinträchtigt.

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Obwohl eine Saugglockengeburt recht risikoarm ist, ist sie dennoch kein Zuckerschlecken für Mutter und Kind. Ähnlich wie bei einem Kaiserschnitt kann es beim Kind nach einer Saugglockengeburt zu Anpassungsschwierigkeiten kommen. Das ist vor allem der Fall, wenn das Kind eine lange Zeit im Geburtskanal festgesteckt ist.

Auch für die Mutter kann die Geburt mit Hilfe einer Saugglocke schmerzhafte Folgen haben. Wurde ein Dammschnitt durchgeführt, kann dieser weiter einreißen. Erfolgte kein Dammschnitt, kann es durch den starken Druck zu einem Dammriss kommen. In beiden Fällen muss nach der Geburt genäht werden.

Außerdem ist die psychische Komponente nicht zu verachten: Geburten, in denen es zum Einsatz von Geburtshilfen kommt, verlaufen oft sehr traumatisch für die Eltern – vor allem für die Mutter. Für die Verarbeitung eines solchen Eingriffes ist es deshalb wichtig, dass man die Gründe versteht, warum der Einsatz einer Geburtshilfe nötig war. Wenn du oder diene Partnerin eine Geburt per Saugglocke oder Geburtszange hatte, solltet ihr am besten das Gespräch mit dem Arzt oder der Hebamme suchen. Das macht die Situationen verständlicher und nimmt die Angst. Das ist vor allem hilfreich, wenn ihr noch weitere Kinder plant und euch Sorgen macht, dass die nächsten Geburten ähnlich verlaufen könnten. Eine gute Nachricht: Acht von zehn Frauen, die eine Geburtshilfe hatten, haben beim nächsten Mal eine normale Geburt.

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Kann man die Saugglockengeburt vorbeugen?

Es gibt ein paar Möglichkeiten, das Risiko für den Bedarf einer Geburtshilfe zu verringern. Doch, je nach Situation, ist es nicht immer möglich, eine Geburtshilfe zu vermeiden.
Folgende Faktoren können das Risiko verringern:

  • Während der Wehen eine aufrechte Position einnehmen
  • Keine Epiduralanästhesie
  • Mit PDA, mit dem Pressen mindestens eine Stunde warten, bis sich der Muttermund vollständig weiten kann oder man den Drang verspürt zu pressen.

Alternative Geburtshilfe: die Geburtszange

In seltenen Fällen wird anstatt einer Saugglocke eine Geburtszange angewendet, um die Geburt voranzutreiben. Die Geburtszange ist vor allem dann hilfreich, wenn eine ins Stocken geratene Geburt möglichst schnell vorangetrieben werden muss. Denn eine Zangengeburt lässt sich schneller durchführen als eine Geburt per Saugglocke. Dennoch wird die Zange seltener verwendet, da sie mehr Erfahrung und technisches Geschick verlangt als die Saugglocke.

Das Verletzungsrisiko für das Baby ist bei der Zangengeburt höher, im schlimmsten Fall können Zangenmarke oder gar Schädelfrakturen zurückbleiben. Welches Instrument verwendet wird, kommt auf Lage und Zustand des Kindes, Befinden der Mutter und Erfahrung und Ermessen des Geburtshelfers an.

Saugglockengeburt (Vakuumentbindung, Saugglockenentbindung)

Die Saugglockenentbindung dient dazu, die Geburt des Kindes zu unterstützen. Sie gehört zu den am häufigsten durchgeführten geburtshilflichen Eingriffen.

Warum wird eine Vakuumentbindung durchgeführt?

Die letzte Phase der Geburt (Austreibungsperiode) ist sehr belastend für das Baby. Während der Presswehen werden die Gebärmutter und die Plazenta schlechter durchblutet, wodurch es beim Kind zu akuter Sauerstoffnot kommen kann. Gleichzeitig wird auf den Kopf des Kindes starker Druck ausgeübt, wodurch die Gefahr einer verminderten Hirndurchblutung besteht.

Abhängig von den Reserven des Kindes kann es diesen enormen Stress verarbeiten oder es reagiert z.B. mit CTG (Kardiotokogramm)-Veränderungen, wie etwa einer Verlangsamung der Herzfrequenz (Bradykardie). Mithilfe einer Saugglocke oder einer Zange kann die Geburt in diesen Fällen beschleunigt werden.

Auch wenn die Schwangere stark erschöpft ist, kann die Saugglocke oder Zange zum Einsatz kommen.

Welche Voraussetzungen müssen vorliegen, damit eine Vakuumentbindung durchgeführt werden kann?

  • Das Kind muss sich in Schädellage befinden.
  • Der Muttermund muss vollständig eröffnet sein.
  • Die Fruchtblase muss eröffnet sein.
  • Der größte Durchmesser des kindlichen Kopfes muss in bzw. besser über der Beckenmitte liegen. Besser ist, wenn er tiefer liegt, d.h. zum Beckenausgang hin.
  • Ein Missverhältnis zwischen Kopf und Geburtsweg sollte ausgeschlossen sein.
  • Die Mutter muss eine entsprechende Anästhesie erhalten (z.B. PDA = Periduralanästhesie).
  • Die Harnblase der Mutter muss im Vorfeld mittels Katheter entleert werden, da eine volle Blase ein Geburtshindernis darstellt.
  • Die Technik muss beherrscht werden.

Wie wird eine Vakuumentbindung durchgeführt?

Die Mutter liegt im Kreißbett und die Beine werden auf den Beinhaltern gelagert. Der Arzt überprüft noch einmal den Muttermund sowie die Lage und Einstellung des Babys. Anschließend wird die Harnblase der Frau durch einen Einmalkatheter geleert, der Damm betäubt und ein Dammschnitt gesetzt.

Sind alle Vorbereitung getroffen, führt der Arzt eine kleine Saugglocke in die Scheide ein und setzt diese am Hinterkopf des Babys an. Anschließend wird durch Tasten sichergestellt, dass die Glocke richtig liegt und keine mütterlichen Weichteile eingeklemmt wurden.

Die Saugglocke ist über einen kleinen Schlauch mit einer Pumpe verbunden. Über diese wird anschließend langsam die Luft zwischen der Glocke und dem Kopf des Babys herausgepumpt und dadurch ein Unterdruck erzeugt.

Man unterscheidet zwei Glockenarten: die herkömmliche (konventionelle) Saugglocke und die Kiwi®-Saugglocke. Die Kiwiglocke ist eine Einmalglocke. Im Gegensatz zur herkömmlichen Saugglocke benötigt sie keinen Elektromotor, sondern hat einen Handgriff zum manuellen Erzeugen eines Unterdrucks. Anwendung und Platzierung der Kiwiglocke sind einfach, der Druckaufbau erfolgt langsamer und ist für das Kind schonender.

Der Arzt kann nun bei der nächsten Wehe, während die Frau presst, vorsichtig an der Glocke ziehen und dem Baby aus dem Geburtskanal heraus helfen. Nachdem der Kopf des Babys geboren wurde, wird die Saugglocke vorsichtig entfernt und die restliche Geburt verläuft wie bei einer spontanen Entbindung.

Mittels Saugglocke kann eine Geburt rasch beendet werden, wenn dies notwendig ist. Die Babys haben danach meist eine kreisrunde geschwollene Stelle auf dem Hinterkopf, die aber harmlos ist und nach wenigen Tagen von selbst verschwindet.

Was kann dabei passieren?

Bei einer Saugglockengeburt kann es zu folgenden Komplikationen kommen:

  • Bei einer zu schnellen Druckänderung beim Anlegen bzw. Abnehmen der Saugglocke oder wenn sich die Saugglocke während der Geburt vom Kopf ablöst, kann es zu Verletzungen der Kopfhaut des Babys oder zu Hirnblutungen kommen.
  • Bei der Mutter besteht die Gefahr einer Verletzung des Geburtsweges, wie etwa Risse des Muttermundes oder Weiterreißen des Dammschnittes.

Bei Frühgeburten darf die Saugglocke nicht eingesetzt werden, da in diesen Fällen das Risiko für Hirnblutungen zusätzlich erhöht ist.

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Autoren:
Dr.med. Kerstin Lehermayr, Dr. Britta Bürger (Erstautorin 2000)
Medizinisches Review:
Dr. Anneliese Fink-Retter
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr. med. Stefanie Sperlich

Stand der medizinischen Information: Oktober 2014

Weyerstahl T., Stauber M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, Duale Reihe; Georg Thieme Verlag KG Stuttgart; 4.Auflage 2013
Deutscher Hebammenverband: Geburtsarbeit – Hebammenwissen zur Unterstützung der physiologischen Geburt; Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart; 2. Auflage 2013
Geist C., Harder U., Stiefel A.: Hebammenkunde – Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf; Hippokrates Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart; 5.Auflage 2012
Huch R., Largo R.: Schwangerschaft, Geburt und erste Babymonate; Trias Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart 2009

Eine Saugglocken-Geburt – vielleicht hast Du davon schon einmal gehört und Dich gefragt was das ist?! Klingt ja erst einmal etwas gruselig. Aber keine Angst, dass ist es nicht.

Was ist eine Saugglocken-Geburt?

Eine Geburt mit Hilfe einer Saugglocke wird auch als vaginal operative Entbindung bezeichnet. Sollte es dazu kommen, dass man bei Dir eine Saugglocken-Geburt durchführen wird, dann wunder Dich nicht: hierbei handelt es sich um ein relativ großes Gerät. Daran befindet sich die sogenannte Saugglocke, welche wiederum relativ klein ist. Der Arzt wird diese Saugglocke (optisch vergleichbar mit einem Pömpel) am Kopf des Kindes anlegen. Beim Einführen der Saugglocke kann es sein, dass Du kurzzeitig einen Druck verspürst. Mittels eines Vakuums (daher auch oft als Vakuum Geburt bezeichnet) setzt sich die ‘Glocke’ am kindlichen Kopf fest. Danach wird der Arzt synchron zu deiner Wehentätigkeit langsam und behutsam ziehen. Sodass Du Dein Baby mit etwas Unterstützung zur Welt bringst.

Wann macht man eine Saugglocken-Geburt?

Notwendig ist eine Saugglocken Geburt meist, wenn es zum Ende der Geburt hin einfach etwas schneller gehen muss. Beispielsweise weil Dein Baby zu gestresst ist (was erst einmal unter Geburt ganz normal ist). Wenn Dein Baby bereits soweit auf dem Geburtsweg fortgeschritten ist, dass es sich tief in deinem Becken befindet und der größte Teil des Marathons hinter Euch liegt, wird man sich im Notfall immer für eine Saugglocken Geburt entscheiden. Manchmal macht man jedoch auch eine Saugglocken-Geburt ausschließlich zur Unterstützung für Dich, als Frau, weil man vielleicht doch einfach keine Kraft mehr hat um sein Kind effektiv heraus zuschieben.

Welche Folgen hat eine Saugglocken-Geburt?

Auch wenn man durch eine Saugglocken-Geburt am Ende vielleicht an einem möglichen Kaiserschnitt (im Falle einer Notfallsituation) vorbei gekommen ist, so berichten doch immer mehr Frauen von einem Gefühl des ‘Versagens’. Dennoch solltest Du Dir zu jederzeit bewusst machen, dass eine Saugglocken Geburt nur eine Unterstützung und Hilfe für Dich und Dein Baby ist und in keinsterweise die Geburt übernimmt. Eine Saugglocken Geburt ist nämlich in jedem Fall erst dann möglich, wenn Dein Baby tief genug im Becken liegt, somit also der größte Geburtsfortschritt bereits erfolgt ist. Durch Dich selbst und Dein Baby.

Wenn Dein Baby dann endlich geboren ist – erschrecke Dich nicht! Durch die ‘Glocke’ und dem darunter aufgebauten Vakuum entsteht eine deutliche Beule am Kopf Deines Babys. Oft ist diese auch heftig gerötet oder leicht bläulich. Aber bereits am nächsten Tag wirst Du eine optische Veränderung erkennen können und nach wenigen Tagen bis maximal ein paar Wochen wird von der Saugglocken Geburt nichts mehr zu sehen sein.

Zusätzlich wird in den nächsten Tagen, spätestens bei der U2 (2. kinderärztliche Untersuchung) ein Kinderarzt einmal einen Blick auf den Kopf Deines Kindes werfen. Zuhause wird Deine Hebamme dann weiterhin ein Auge darauf haben.

Kaiserschnitt: Anpassungsstörungen bei Babys

In Deutschland wird jedes dritte Kind per Kaiserschnitt entbunden – manchmal zu früh und ohne medizinischen Grund. Dabei ist die Operation nicht der beste Start ins Leben. Ein Mediziner rät, mit einem geplanten Kaiserschnitt wenigstens bis zum Einsetzen der Wehen zu warten.

Methode ist auf dem Vormarsch – So läuft ein natürlicher Kaiserschnitt ab

Methode ist auf dem Vormarsch
So läuft ein natürlicher Kaiserschnitt ab

Sarah Saunders hat sich für diese Variante entschieden und ließ die Geburt auf Video festhalten. Video

Der Kaiserschnitt hat schon viele Leben gerettet. Keine Frage. Wenn Gefahr für Mutter oder Kind droht, darf man nicht zögern. Aber die hohe Zahl an Kaiserschnitten, die heutzutage durchgeführt wird, ist nicht notwendig. Mindestens ein Drittel dieser Kinder, so schätzt Frank Louwen, Leiter der Geburtshilfe am Klinikum Frankfurt, könnte gesund und ohne Komplikationen auf normalem Weg das Licht der Welt erblicken.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält eine Kaiserschnittrate von nur zehn bis 15 Prozent für medizinisch notwendig. In vielen Fällen ist es jedoch eine reine Abwägungsfrage, zum Beispiel bei einer Geburt nach einem vorhergehenden Kaiserschnitt.

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Sturm der Geburt macht Mutter und Kind stark fürs Leben

Warum also sollten sich Schwangere einer Operation – und nichts anderes ist ein Kaiserschnitt – unterziehen, wenn sie ihr Baby auf natürlichem Weg auf die Welt bringen könnten? „Eine Frau, die den Sturm der Geburt gemeistert hat, hat ein Wissen um ihre Kraft, die sie durch alle anderen schwierigen Lebenssituationen tragen kann. Für das Kind gilt das Gleiche“, meint Wolf Lütje, Präsident der Deutschen Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Er beanstandet, dass eine Geburt in unserer Kultur nur noch als etwas Gefährliches wahrgenommen wird.

Der Hauptgrund für einen Wunschkaiserschnitt ist Angst. Angst vor dem Schmerz, dem Loslassen, der Naturgewalt. Und Angst vor Komplikationen haben nicht nur Eltern, sondern auch auf Geburtshelfer. „Das ist eine Frage der Erfahrung, der Schulung, aber auch der Zentralisierung“, sagt Louwen im Gespräch mit t-online. Vielen Ärzten mangelt es inzwischen an Erfahrung mit komplizierteren Geburten. Sie fürchten Schadenersatzforderungen und möchten auf Nummer sicher gehen.

Ein Kaiserschnitt ist wie ein „Überfall“

Ein Kaiserschnitt ist gut planbar und schnell vorbei. Das ist von einer natürlichen Geburt nicht zu erwarten. Es kann eine Weile dauern, bis ein Kind das Licht der Welt erblickt. Und das hat seinen Sinn. Es braucht Zeit, um anzukommen. „Die Situation im OP ist grundsätzlich eine ganz andere als die im Gebärzimmer“, bestätigt Harald Abele, leitender Oberarzt am Perinatalzentrum in Tübingen. „Die Autonomie der Gebärenden wird nahezu ausgeschaltet.“ Man nimmt also Mutter und Kind wichtige Momente. „Natürlich ist es sehr schwierig, das Verhalten von Neugeborenen zu bewerten. Aber sehr gut beobachten kann man zum Beispiel deren Reaktion auf das OP-Licht. Die Anpassung an die Umgebung ist definitiv eine andere.“

Wolf Lütje wird deutlicher: „Stellen Sie sich vor, Sie schlafen friedlich in Ihrem Bett. Plötzlich wird Ihnen mitten in der Nacht die Bettdecke weggezogen, grelles Licht blendet Ihre Augen und Sie werden aus dem Fenster des ersten Stocks in ein Schwimmbecken geworfen, in dem das Wasser gerade mal 14 Grad Celsius hat. Sie werden es überleben, sicher. Aber anzunehmen, dass solch ein Überfall ohne Folgen bleibt, ist sicherlich naiv. Die meisten reifen Kinder, die auf die Kinderstation verlegt werden müssen, sind anpassungsgestörte Kaiserschnittkinder.“

Kaiserschnitt am besten nach Eintritt der Wehen

Wenn schon Wunschkaiserschnitt, dann sollte dieser möglichst nah am errechneten Geburtstermin sein. Dabei zählt jeder Tag. Eine englische Studie zu Wunschkaiserschnitten zeigt, dass die Häufigkeit schwerwiegender Komplikationen mit jeder Woche abnimmt. Sind es in der 37. Schwangerschaftswoche noch 15,3 Prozent, so sind es in der 39. Woche nur noch acht Prozent. „Die richtige Zeit für einen Kaiserschnitt ist nach Wehenbeginn“, sagt Lütje. Der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Amalie Sieveking-Krankenhaus in Hamburg ist überzeugt, dass das in der Regel keine Nachteile für die Mutter, aber viele Vorteile fürs Kind hätte. „Wehen bereiten das Kind nicht nur körperlich auf den Wechsel vor, sondern auch psychisch.“

Eine natürliche Geburt stärkt die Immunabwehr

Bei einer natürlichen Geburt entscheidet das Baby, wann es soweit ist. Hinzu kommt: Eine vaginale Geburt ist Teamwork. Mutter und Kind arbeiten eng zusammen. Bei dem nicht einfachen Weg durch den Geburtskanal wird das Herz-Kreislaufsystem angeregt, Druck auf den Brustkorb ausgeübt, das Fruchtwasser aus den Lungen gepresst und das Baby auf die Atmung vorbereitet.

Es ist davon auszugehen, dass Babys auch bei einer natürlichen Geburt enormem Stress ausgesetzt sind. Aber Mutter Natur hilft ihnen mit einem Hormoncocktail. Dieser enthält auch Endorphine, also Glückshormone, die ihm beim Bewältigen des Geburtsstresses helfen.

Bei Kaiserschnittkindern hat die Immunabwehr oft Startschwierigkeiten. Zum einen, weil sie häufig zu früh geholt werden. Zum anderen, weil beim Passieren der Scheide Bakterien auf das Kind übertragen werden, die das Immunsystem stärken. Dieser Effekt entfällt bei einem Kaiserschnitt. Möglicherweise treten deshalb später häufiger Allergien, Asthma, Neurodermitis, chronische Darmerkrankungen und Diabetes auf. Es gilt als wahrscheinlich, dass solche Autoimmunkrankheiten bei Kaiserschnittkindern durch ein verändertes Mikrobiom begünstigt werden.

Vaginal Seeding: Baby wird mit Scheidensekret eingerieben

Eine Trick soll den natürlichen Immuneffekt nachahmen: Das Baby wird nach einer Kaiserschnittgeburt mit Scheidenbakterien der Mutter eingerieben. Vaginal Seeding nennt sich die Prozedur, nach der auch in deutschen Kliniken immer häufiger gefragt wird. „Das ist ein vielversprechender Ansatz“, findet Louwen. Eltern, die diese Methode für ihr Kind wünschen, werden von ihm nicht abgewiesen. Standard ist sie allerdings noch nicht. „Ob es wirklich nützt, können wir erst nach den Langzeitstudien sagen. Schädlich jedenfalls kann es nicht sein, denn sonst dürfte ja keine Frau ihr Kind normal auf die Welt bringen.“

Die Münchner Osteopathin Birgit Höly stellt Anpassungsschwierigkeiten aber auch bei Babys fest, die bei einer natürlichen Geburt zur Welt kamen. „Es kommt auch auf die Schwangerschaft an. Manchmal ist es bei der Geburt sogar besser fürs Kind, einen Kaiserschnitt zu machen, statt es mit auf Teufel komm raus mit Saugglocke und ähnlichem zu gebären. Denn das ist sicherlich noch traumatischer.“

Das Vertrauen in die natürliche Geburt geht verloren

Weil das emotional hoch beladene Thema Kaiserschnitt so kontrovers diskutiert wird, unterstützt das Bundesministerium für Gesundheit nun entsprechende Forschungsprojekte. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, dass ein Kaiserschnitt nur dann durchgeführt wird, wenn er medizinisch notwendig ist. Solche Erkenntnisse sind wichtig. Doch noch wichtiger ist es, Frauen die Angst vor einer natürlichen Geburt zu nehmen.

„Ich glaube, dass wir noch nie so viel informiert haben wie heute und das Ganze auch noch nie einen solchen politischen Windzug hatte. Aber die Zahlen sind ansteigend und kaum umkehrbar“, bedauert Harald Abele und wünscht sich ein gesellschaftliches Umdenken: „Die natürliche Geburt muss wieder einen anderen Stellenwert bekommen.“

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Der Kaiserschnitt: Alles was du darüber wissen musst

Gründe für einen Kaiserschnitt

Für einen Kaiserschnitt gibt es heutzutage viele Gründe. Nicht immer sind sie gerechtfertigt. Aber der modernen Medizin ist es zu verdanken, dass viel mehr Frauen die Geburt überleben, als das früher der Fall war.

Medizinische Gründe für einen geplanten oder ungeplanten Kaiserschnitt

Wenn aus medizinischen Gründen zu einem Kaiserschnitt geraten wird, gilt es auch dann noch einmal zu unterscheiden, ob die genannten Gründe zwingend sind (absolute Indikation) oder ob die Entscheidung im Ermessensspielraum des Arztes liegt (relative Indikation).

Zwingende Gründe liegen vor, wenn

  • das Kind so liegt, dass eine normale Geburt nicht möglich ist (Querlage).
  • der Kopfumfang des Babys überhaupt nicht zum Becken der Mutter passt.
  • die Mutter unter Schwangerschaftsbluthochdruck leidet, der zu Krampfanfällen (Präeklampsie) oder sogar zum HELLP-Syndrom geführt hat.
  • der Mutterkuchen vor dem Gebärmutterhals liegt (Plazenta praevia).
  • die Fruchthöhle bakteriell infiziert ist
  • die Gebärmutter zu reißen droht oder sich der Mutterkuchen abzulösen beginnt.
  • der Stoffwechsel des Kindes beeinträchtigt ist oder ein Vorfall der Nabelschnur vorliegt.

Relative Gründe liegen vor, wenn

  • eine Mehrlingsschwangerschaft vorliegt.
  • das erwartete Geburtsgewicht über 4,5 Kilogramm liegt.
  • das Kind in Beckenendlage liegt.
  • es schon einen Kaiserschnitt in der Vergangenheit gab.
  • die Herztöne auffällig sind.
  • die Geburt zu lange dauert und die Mutter zu erschöpft ist weiterzumachen.
  • ein Geburtsstillstand vorliegt, z.B. öffnet sich der Muttermund nicht weiter oder die Wehen lassen dauerhaft nach.

Quelle: Netdoktor

Persönliche Gründe für einen Wunschkaiserschnitt

Frauen, die von sich aus einen Kaiserschnitt wünschen, fürchten meist die Schmerzen, die eine normale Geburt inklusive Presswehen mit sich bringt. Viele von ihnen haben außerdem Angst vor einen Dammriss oder -schnitt und einer Beeinträchtigung ihrer Sexualität nach der Geburt, wenn alles etwas geweitet ist. Auch die Planbarkeit des Geburtstermins aus beruflichen oder anderen Gründen kann eine Rolle spielen.

Nachteile und Risiken eines Kaiserschnitts

Auch wenn der Kaiserschnitt in der Bevölkerung immer mehr als normaler Eingriff gesehen wird, handelt es sich dennoch um eine große Operation, die viele Risiken für Mutter und Kind birgt. Wenn es nicht anders geht, kann der Kaiserschnitt Leben retten. Aber wenn es medizinisch nicht nötig ist, solltest du die zahlreichen Nachteile kennen, bevor du dich schon vorher dafür entscheidest.

Wenn du nicht von vornherein planst, einen Kaiserschnitt zu machen, überleg dir gut, ob du all die Risiken überhaupt wissen willst. Vielleicht liest du dir dann nur den Ablauf und die Tipps für die Zeit danach durch. Denn was bringt es, sich verrückt zu machen, wenn es doch dazu kommt und du gar keine andere Wahl hast?

Risiken für das Baby

Dass ein Kaiserschnitt nicht mit einer normalen Geburt gleichzusetzen ist, sollte allen klar sein. Aber warum ist das so? Die Natur hat den natürlichen Geburtsablauf eigentlich so vorgesehen:

  1. Das Baby produziert bestimmte Hormone, wenn es bereit ist, geboren zu werden.
  2. Die Wehen setzen ein und das Baby wird durch Stresshormone auf die Geburt vorbereitet und darauf dass es bald allein atmen muss.
  3. Während es durch den Geburtskanal gedrückt wird, arbeitet das Baby selbst mit.
  4. Durch die Enge wird das Fruchtwasser aus der Lunge des Babys herausgedrückt.
  5. Während der Passage nimmt es die Darmbakterien seiner Mutter oral auf.
  6. Ist das Baby geboren, schüttet die Mutter Hormone aus, die die Plazenta lösen, den Blutfluss verringern und die Milchproduktion anregen. Außerdem sind die Hormone für die erste Bindung wichtig.
  7. Nach der Geburt arbeitet sich das Baby zu den Brustwarzen vor und beginnt sofort zu saugen. Dabei nimmt es deinen Körpergeruch auf und über den Hautkontakt werden Bindungshormone ausgeschüttet.
  8. Währenddessen hat die Mutter Nachwehen, die die Plazenta nach draußen befördern.
  9. Dann erst wird abgenabelt.

Ohne den normalen Ablauf ist der Mechanismus beeinträchtigt. Vor allem, wenn Kinder mehr als eine Woche vor Geburtstermin geholt werden, aber auch bei einem ungeplanten Kaiserschnitt, gibt es öfter Schwierigkeiten.

  • Atemprobleme
    Selbst wenn das Baby die sogenannte Lungenreife schon erreicht hat, kann das ohne normale Geburt verbleibende Fruchtwasser in Lungen und Bronchien die Atmung extrem behindern. Dann muss das Fruchtwasser abgesaugt werden und das Baby bekommt eventuell Sauerstoff.
  • Schnittverletzungen
    Da der Arzt durch den Uterus schneiden muss, kommt es ab und an zu Schnittverletzungen beim Baby. Auch wenn diese selten schwerwiegend sind, können sie sich infizieren.
  • Fehlende Darmflora
    Wenn das Baby nicht durch die Vagina am Anus vorbei geboren wird, nimmt es auch nicht die wichtigen Darmbakterien seiner Mutter auf. Diese sind aber für das junge Immunsystem sehr wichtig. Daher sind per Kaiserschnitt geborene Kinder oft Infekt-anfälliger als andere.
  • Ungünstiges sofortiges Abnabeln
    Bei einem Kaiserschnitt wird meist sehr zügig abgenabelt, damit die Wunde schnell vernäht werden und das Baby der Mutter auf die Brust gelegt werden kann. Dies kann dazu führen, dass dem Baby das Blut aus Plazenta und Nabelschnur später fehlt. Denn das darin enthaltene Eisen füllt den Eisenspeicher auf. Ein Eisenmangel im ersten Jahr kann später laut einer Studie zu etwas verschlechterter Feinmotorik und einem weniger ausgeprägten Sozialverhalten führen, weil es sich auf die Entwicklung bestimmter Gehirnareale auswirkt.
  • Stillprobleme
    Bei einem normalen Geburtsverlauf wird die Brust durch Hormone frühzeitig darauf vorbereitet, dass sie bald Milch geben muss. Bei einem Kaiserschnitt funktioniert dies zwar auch, meist verzögert sich der Milcheinschuss jedoch um 1-2 Tage. Dies kann die Mütter stark verunsichern und sogar dazu führen, dass gar nicht gestillt wird.
  • Bindungsprobleme
    Wenn 1. das erste, das ein Baby sieht, ein OP-Team ist, 2. das Baby nicht gleich zur Mutter darf, und 3. wegen der Belastung das Stillen nicht gleich klappt, kann das durchaus die frühe Bindung zwischen Baby und Mutter beeinträchtigen. Diese wiederherzustellen bedeutet viel Arbeit.
  • Anpassungsprobleme
    Die Atemprobleme zählen mit zu den Anpassungsproblemen, aber auch Schlafstörungen, ausgedehnte Schreiattacken und Ähnliches gehören dazu. Es ist auffällig, dass besonders unentspannte Kinder überdurchschnittlich oft per Kaiserschnitt zur Welt kamen. Ob dies aber am Kaiserschnitt selbst oder an einem schwierigen Schwangerschaftsverlauf oder einer schweren Geburt liegt, muss noch erforscht werden.

Risiken für die Mutter

Auch wenn der Kaiserschnitt dank der heutigen Medizin als sicher gilt, kann es dennoch kleinere oder größere Probleme geben. Denn immerhin handelt es sich um einen großen Eingriff. Dabei müssen zwischen kurzfristigen und längerfristigen Schwierigkeiten unterschieden werden.

Kurzfristig

  • Hoher Blutverlust
    Es kommt meist aufgrund des Schnittes zu höherem Blutverlust, als bei einer normalen Geburt. Manchmal wird eine Bluttransfusion nötig.
  • Thrombosen
    Wegen der Wunde können sich Blutgerinnsel bilden, deshalb gibt es Heparin-Spritzen und Thrombosestrümpfe.
  • Organverletzungen
    Da die Organe im Bauchraum recht dicht beieinander liegen, können in seltenen Fällen benachbarte Organe wie Harnleiter, Blase oder Darm verletzt werden.
  • Narkoseprobleme
    Eine Narkose, vor allem die Vollnarkose, birgt immer eine gewisse Gefahr.
  • Wundheilungsstörungen
    Die innere und äußere Narbe können mitunter schlecht verheilen und wieder aufgehen. Außerdem ist eine Infektion möglich.
  • Große Schmerzen
    Wegen der großen Schmerzen kann das Baby zu Anfang oft schlecht allein versorgt werden. Schweres Tragen ist in den ersten Monaten danach nicht erlaubt. Mit Baby und Kinderwagen oft eine Herausforderung!

Langfristig

  • Bindungsprobleme bei der Mutter
    Viele Mütter berichten nach einem Kaiserschnitt, dass sie ihr Kind als fremd empfanden und sich das Gefühl, nun Mutter zu sein, erst etwas später einstellte. Dies liegt zum einen daran, dass die Hormone fehlen, die die Bindung ganz am Anfang fördern. Zum anderen konnte die Mutter bei der Geburt nicht mitarbeiten, was ebenfalls eine frühe Bindung begünstigt. Wenn dann noch das Stillen wegfällt, ist die innere Distanz manchmal nicht mehr vollständig zu überwinden.
  • Geburtstrauma
    Wenn eine Geburt besonders schwer war, erleiden einige Mütter ein regelrechtes Trauma. Dies kann ohne Therapie dazu führen, dass sie kein weiteres Kind wollen oder mitunter sogar ihr eigenes Kind ablehnen.
  • Verwachsungen
    Je mehr Gewebe beim Kaiserschnitt durchtrennt wird, desto mehr Verwachsungen kann es geben. Das kann auch später noch zu Schmerzen führen.
  • Erhöhtes Risiko bei neuer Schwangerschaft
    Wegen der Narbe am Uterus kann es gerade bei dicht darauf folgenden Schwangerschaften zu Problemen kommen. So kann sich die Plazenta so entwickeln, dass sie sich nicht an der Narbe halten kann und eine Ablösung droht. Die Gebärmutter kann bei wachsendem Bauch und auch unter der Geburt an der Narbe so dünn werden, dass sie zu reißen droht. Die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Kaiserschnitt ist dadurch höher, auch wenn Ärzte dennoch dazu raten, es mit einer normalen Geburt zu versuchen.

Die spontane Geburt des ersten Kindes dauert im Durchschnitt 10 bis 12 Stunden. Demgegenüber steht eine kurze Betäubungsspritze, ein rascher Schnitt durch die Bauchdecke und schon ist das Baby da – der Kaiserschnitt ermöglicht die vermeintlich schmerzfreie Geburt in unter einer Stunde und das sogar zum Wunschtermin. Keine zehrende Eröffnungsphase, keine schmerzhafte Austreibungsphase und alles ohne Verletzungen im Intimbereich. Ist der Kaiserschnitt eigentlich eine Notfallmaßnahme der Medizin, hat er sich inzwischen zu einer Standard-Geburtsmethode entwickelt, die immerhin bei jedem dritten Kind in Deutschland angewendet wird. Regional ist die Häufigkeitsverteilung des Kaiserschnittes sehr unterschiedlich. In manchen Regionen werden mehr als die Hälfte aller Neugeborenen per Kaiserschnitt entbunden. Offiziell bezahlen die Krankenkassen den Wunschkaiserschnitt nicht; dennoch ist etwa ein Drittel aller Kaiserschnittgeburten auf den Wunsch der Eltern zurückzuführen, eine vaginale Geburt wäre möglich gewesen. Realisiert wird das durch so genannte weiche Indikationen, die der Arzt als Grund für den Kaiserschnitt angibt. Das können unter anderem Bluthochdruck, schlechte Erfahrungen, ein höheres Alter der Mutter oder auch ein großes Kind sein. Viele Eltern entscheiden sich bewusst für einen Kaiserschnitt. Die Gründe sind vor allem die Angst vor einem Dammriss und Inkontinenz und auch die Angst vor dem Wehenschmerz. Die Planbarkeit des Kaiserschnittes, der am Wunschtermin erfolgen kann, spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Die Nachteile der Geburt per Kaiserschnitt

Ein Kaiserschnitt ist ein operativer Eingriff. Aus diesem Grund birgt er auch ein entsprechendes Risiko. Neben der Gefahr der Unverträglichkeit der Narkose bedeutet der Kaiserschnitt vor allem eine Operation im Bauchraum und an den inneren Organen. Bei der Sectio werden die oberen Schichten der Bauchdecke durchschnitten. Dafür müssen sowohl Fettgewebe als auch Muskelfasern aufgetrennt werden, um anschließend einen Schnitt durch die Decke der Gebärmutter setzen zu können. Das Risiko der Verletzung von Organen und Wundheilungsstörungen und Infektionen besteht. Zudem kann es zu Verwachsungen und Problemen bei der Narbenbildung kommen. Nach dem operativen Eingriff sind Mütter geschwächt und können oft ohne fremde Hilfe nicht für ihr Kind sorgen. Neben Problemen beim Stillen, die hormonelle Ursachen haben und daraus resultieren, dass bei der Geburt kein natürlicher Hormoncocktail ausgeschüttet wurde, der die Milchbildung eingeleitet hat, sind es vor allem die körperlichen Einschränkungen, mit denen die Mutter leben muss: Die schmerzende Narbe auf dem Schambein verhindert, dass das Baby auf dem Bauch schlummern darf. Bis die Heilung nach etwa sechs Wochen abgeschlossen ist, werden Sie sich nur bedingt um Ihr Kind kümmern können.

Welche Auswirkungen kann ein Kaiserschnitt auf das Baby haben?

Nicht nur für die Mutter birgt der Kaiserschnitt ein hohes Risiko, auch für das Baby ist der Eingriff in den natürlichen Ablauf der Geburt riskant: Kaiserschnitte werden oft vor Termin durchgeführt, die Kinder werden auf die Welt geholt, ohne dass sie dazu selbst bereit sind. Während eine natürliche Spontangeburt vom Kind, aus seiner Kraft angestoßen wird, erlebt das Kind bei einem Kaiserschnitt eine Fremdbestimmung, die es lebenslang prägen wird. Während bei der natürlichen Geburt Hormone ausgeschüttet werden, die das Kind auf den Geburtsprozess und seinen selbstbestimmten Weg durch den Geburtskanal vorbereiten, fehlt dieses Zusammenspiel von Mutter und Kind, die beide von diesem Hormoncocktail beeinfluss werden, bei einem Kaiserschnitt. Probleme beim Bonding und auch Verhaltensauffälligkeiten wie vermehrtes Schreien können die Folge sein. Zudem birgt ein verfrühter Geburtstermin für das Baby das Risiko Anpassungsschwierigkeiten, die sich in Atmung, Blutzuckerspiegel und Temperaturhaushalt zeigen können. Neugeborene, die per Kaiserschnitt entbunden werden, müssen etwa doppelt so häufig auf die Intensivstation verlegt werden und in den Lungen abgesaugt werden als spontan geborene Kinder. Die Lungen der Babys sind mit fetaler Lungenflüssigkeit gefüllt, die bei der natürlichen Geburt herausgedrückt wird. Hilfreich dabei ist ein Hormon, dass bei der Geburt ausgeschüttet wird und das zu einer spontanen Lungenreifung führt. Dieser Mechanismus fehlt bei einem Kaiserschnittkind, sodass dieses in der Regel abgesaugt werden muss, damit die Atmung in Gang kommen kann. Der fehlende Weg des Babys durch den Geburtskanal hat noch einen weiteren Aspekt: Die Bakterienflora des Kanals wird bei einer Spontangeburt auf das Baby übertragen, sodass sich seine Haut und sein Darm schneller mit einer natürlichen Flora besiedeln können und das Kind vor Infektionen besser geschützt ist. Kaiserschnittkinder können davon nicht profitieren und tragen deshalb ein höheres Risiko für Erkrankungen wie Adipositas und Diabetes in sich. Der Kaiserschnitt beeinflusst jedoch nicht nur Mutter und Kind, sondern auch folgende Geschwisterkinder: Bei einer Folgeschwangerschaft sind nach einem Kaiserschnitt überdurchschnittlich häufig Frühgeburten, Totgeburten oder Probleme beim Anwachsen der Plazenta oder deren frühzeitige Lösung zu beobachten.

Was sind die Vorteile des Kaiserschnitts?

Der Kaiserschnitt kann in einigen Fällen medizinisch indiziert sein und ist in diesem Fall als Notfallmedizin eine lebensrettende Maßnahme. Dreht sich das Kind während der Geburt in Querlage oder bleibt das Kind im Geburtskanal stecken und verschlechtert seine Herztöne dramatisch, dann ist ein so genannter sekundärer Kaiserschnitt absolut nötig. Der Kaiserschnitt ist beliebt, und zwar bei werdenden Müttern vor allem aus Angst vor dem Wehen- und Geburtsschmerz. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose oder Regionalanästhesie, sodass Frauen tatsächlich keine Geburtsschmerzen haben. Auch Probleme aus einem Dammriss- oder -schnitt sind durch den operativen Eingriff durch die Bauchdecke gebannt. Vorteile hat der Kaiserschnitt vor allem für die Ärzte. Viele fürchten Klagen aufgrund von Schäden, die bei einer vaginalen Geburt beim Kind auftreten können. Sehr schnell greifen Ärzte deshalb im Fall der geringsten Indikation zum Skalpell. In Kreißsälen, die von Hebammen geleitet werden, ist die Kaiserschnittrate deutlich geringer als in solchen, wo Ärzte bestimmen. Zudem können Ärzte einen Kaiserschnitt besser planen und schneller abwickeln als eine natürliche Geburt. Bei der Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt sollten vor allem auch die psychischen Auswirkungen auf Mutter und Kind berücksichtigt werden. Viele Mütter benötigen eine Therapie, um mit den Erlebnissen im Nachhinein zurechtzukommen. Auch die unmündige Geburt, die dem Kind selbst bereitet wird, beschäftigt zunehmend Psychoanalytiker und sollte genauestens überlegt werden.

Die Geburt mit der Saugglocke

Was ist eine Saugglocke und wann wird sie verwendet?
Eine vaginale Geburt, die mit Hilfe einer Saugglocke durchgeführt wird, bezeichnet man als Saugglockenentbindung oder im medizinischen Fachjargon als Vakuumextraktion. Das Prinzip funktioniert folgendermaßen: Eine flache Metallschale wird auf den Kopf des Kindes gelegt. Diese Schale ist über einen Schlauch mit einer Unterdruckpumpe verbunden, die ein Vakuum erzeugen kann so dass sich die Metallschale (also die „Glocke“) am Kopf des Kindes festsaugt. Der Arzt zieht das Kind dann (immer im Rhythmus mit den Wehen) aus der Gebärmutter vorsichtig heraus

Nachteil ist, dass das Baby nach dieser Prozedur eine Geschwulst am Kopf hat und der Kopf oft länglich verformt aussieht. Diese Verformung bildet sich jedoch meist innerhalb der ersten Woche zurück.
Statt einer Saugglocke kann auch eine Geburtszange (Zangengeburt) verwendet werden. Auch bei der Saugglocke ist zumeist ein Dammschnitt mit lokaler Betäubung notwendig.
Der Arzt wird sich zur Verwendung einer Saugglocke entscheiden, wenn die Mutter aus Erschöpfung oder aufgrund einer körperlichen Grunderkrankung (wie bspsw. eines Herzfehlers) unter der Geburt nicht ausreichend pressen kann. Das kann auch als Folge einer Peridualanästhesie passieren. Auch bei Verschlechterung der Herztöne während der Austreibungsphase, wenn der Kopf des Babys schon tief im Becken sitzt, kann die Saugglocke angewendet werden.

Video zur Geburt mit Saugglocke

Ungefähr nach 40 Sekunden seht ihr im folgenden Video den nachgestellten Einsatz einer Saugglocke unter der Geburt

Verformungen durch die Saugglocke

Erschrecken Sie nicht, wenn der Kopf Ihres Babys nach der Geburt in die Länge gezogen, geschwollen oder bläulich verfärbt erscheint. Der Babykopf stellt das größte Geburtshindernis dar und wird darum oftmals beim Durchtritt durch den Geburtskanal drangsaliert. Verformungen treten gehäuft nach dem Einsatz von Saugglocke oder Zange auf.

Die gute Nachricht: Diese Geburtsverformungen bilden sich meist innerhalb der ersten Tage zurück!

Dies gilt auch für das Kephalhämatom, eine Schwellung am seitlichen Schädel des Neugeborenen. Es entsteht durch den Druck der Gebärmuttermuskulatur. Es ist meist harmlos, verschwindet aber erst im Laufe einiger Wochen.

Saugglockengeburt

Was bei einer Saugglockengeburt geschieht

Zuerst wird die Blase der Mutter mittels Katheter entleert (eine volle Blase wäre ein mechanisches Geburtshindernis). Dann erhält die Frau eine Periduralanästhesie (PDA) oder eine lokale Anästhesie. Nun legt der Arzt eine Saugglocke der passenden Größe am Kopf des Kindes an. Die Saugglocke ist mit einer Pumpe verbunden. Mit deren Hilfe wird ein Unterdruck in der Saugglocke erzeugt, sodass sie fest dem Köpfchen anhaftet. Nach Kontrolle durch den Arzt, ob die Saugglocke richtig am Kopf des Kindes sitzt und keine mütterlichen Weichteile mit der Saugglocke erfasst wurden, wird ein Probezug gemacht. Damit wird geprüft, ob die Saugglocke ausreichend fest sitzt und der kindliche Kopf dem Zug folgt. Dann wird es ernst mit der Saugglockengeburt:

Während der nächsten Wehen wird – unter starkem Pressen der Mutter – vorsichtig an der Saugglocke und damit am Kopf des Kindes gezogen, und zwar in der Beckenachse nach unten, damit der Kindskopf geboren werden kann. Sobald er bis zur Nacken-Haar-Grenze durchgetreten ist, entfernt der Arzt die Saugglocke durch langsames Ablassen des Soges. Der restliche Körper des Kindes kann nun wie bei einer natürlichen vaginalen Entbindung geboren werden.

Nach der Saugglockengeburt wird die Mutter gründlich untersucht. Wurde bei der Entbindung die Scheide verletzt, werden die Wunden sogleich fachgerecht versorgt.

Hilfestellung bei der Saugglockengeburt

Die Saugglockengeburt erfolgt in der Regel unter einer Periduralanästhesie oder einer Lokalanästhesie. Ist der Damm einem sehr starken Druck ausgesetzt, wird eventuell ein Dammschnitt (Episiotomie) gemacht.

Mit dem sogenannten Kristeller-Handgriff kann ein Assistent die Geburt des kindlichen Kopfes unterstützen: Er drückt dazu während einer Wehe mit beiden Händen oder dem Unterarm am Bauch der Gebärenden kräftig, aber dosiert auf den oberen Teil der Gebärmutter (Fundus) in Richtung auf das Hinterhaupt des Kindes. Für Sie als Gebärende sollte dieser Druck kaum schmerzhaft sein.

Die Geburt ist ein Wunder! So beschreiben viele Frauen die Geburt des eigenen Nachwuchses. Nun ist die Geburt jedoch nicht nur ein Wunder, sondern auch mit vielen Schmerzen und ein wenig Blut verbunden. Trotzdem schreckt das die meisten Frauen nicht ab und der Wunsch nach Kindern ist ungebrochen.

Was ist bei einer Drillingsgeburt anders?

Wer einmal eine Geburt miterlebt hat, wird das Wunder schnell erkennen. Doch, was ist, wenn es sich nicht nur um eine Geburt handelt, sondern gleich um drei? Die Geburt von Drillingen ist selbst für erfahrene Hebammen und auch Ärzte etwas sehr Besonderes. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass gleich drei Kinder auf einmal zur Welt kommen, ist sehr gering. Normalerweise sind Drillingsschwangerschaften mit vielen Entbehrungen, vielen Problemen und ab und an auch mit Komplikationen verbunden.

Ärzte und auch Hebammen raten bei der Drillingsgeburt von einem normalen Geburtsweg ab, denn es kann sehr schnell zu Komplikationen kommen, die nicht nur die werdende Mutter betreffen. Selbst für die Kinder ist eine solche Geburt mit Stress verbunden.

Obwohl davon stark abgeraten wird, möchte die Frau im unten stehenden Video das Wunder der Geburt erleben und entscheidet sich, trotz einer Drillingsschwangerschaft, für eine normale Geburt.

Das Video zeigt warum man lieber auf die Ärzte hören sollte

Wer etwas empfindlich ist, sollte sich diese Aufnahmen lieber nicht ansehen, denn hier wird keine rosarote Brille aufgesetzt. In diesen Aufnahmen, welche eine werdende Mutter bei der Drillingsgeburt zeigen, wird die Wahrheit einer Geburt offenbart.

Der Weg der Drillinge wird vom ersten erkennbaren Ultraschalbild bis hin zur Geburt festgehalten und zeigt auf einer Seite die Qualen der Mutter, aber auch die Schönheit des neu geborenen Lebens. Obwohl auch hier die Ärzte von einer natürlichen Geburt abgeraten haben, hat sich diese Mutter nicht beeindrucken lassen und hält am Ende alle drei Kinder zufrieden aber erschöpft in den Armen.

Natürlich ist dieses Video nichts für Väter, die vielleicht kein Blut sehen können, doch es ist eine gute Vorbereitung für dich selber. Das Video zeigt nicht nur eine Geburt, sondern auch die Zusammenarbeit eines ausgezeichneten Ärzteteams, welches sicherlich auch du gerne an deiner Seite haben würdest.

Bereits der römische Arzt Galen wies im zweiten Jahrhundert n. Chr. darauf hin, dass schwere Geburten und das Herausziehen des Kindes mit gravierenden Verletzungen des Beckenbodens der Mutter einhergehen. Das gilt noch immer insbesondere für Geburten mittels Saugglocke oder Zange. Zangengeburten hinterlassen die meisten Schäden, schon der Begriff ist Metapher. Es bleiben nicht nur körperliche Traumen zurück, wenn der ohnehin feststeckende kindliche Kopf noch zwischen zwei Zangenblätter gequetscht werden muss, um ihn mit Gewalt herauszuziehen. Als vermutlich um 1600 William Chamberlen, ein bekannter englischer Geburtshelfer, die Geburtszange erfand, galt dies als Fortschritt. Die Erfindung der Zange war ein Segen, da es keine Alternativen gab, sie konnte lebensrettend für Mutter und Kind sein. Chamberlen und seine Söhne hüteten das „Geheimnis“, ein Nachfahre wollte es nur gegen Geld lüften. Den höchsten Preis haben jedoch die Mütter seither bei Einsatz der Zange zahlen müssen. Wegen der großen Verletzungsgefahr ging die Anwendung vor allem innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte deutlich zurück. Seit Ende der fünfziger Jahre gibt es die Saugglocke als Alternative, erfunden in ihrer modernen Form mit dem Vakuumsog von dem Schweden Tage Malmstroem. Die Saugglocke, aber vor allem der immer sicherer werdende Kaiserschnitt bieten Alternativen, die viele Geburtshelfer vor der brachialen Zange zurückschrecken lassen.

Umso unverständlicher, dass offenbar eine Renaissance dieses Verfahrens eingeläutet werden soll, wovor jetzt Hans-Peter Dietz eindringlich in einer Fachzeitschrift für Geburtshilfe („AOGS“, doi:10.111/aogs.12592) warnt. Als Professor an der Universität Sydney und Urogynäkologe an der Frauenklinik in Penrith erforscht er seit fast zwei Jahrzehnten mit Ultraschall-Bildgebung, wann es am ehesten zu Geburtsschäden am weiblichen Beckenboden kommt. Die Methode für diese Untersuchungen wurde ursprünglich in Heidelberg entwickelt, wo Dietz in den achtziger Jahren Medizin studierte. „Die Zange ist eindeutig der wichtigste Risikofaktor für schwere, irreversible Verletzungen der Beckenboden-Muskulatur“, hält er fest. Dietz kritisiert insbesondere britische Kollegen, Organisationen und Gesundheitsbehörden, die den Gebrauch der Zange kurzsichtig promoten, um den steigenden Kaiserschnittzahlen zu begegnen. Auch australische Geburtshelfer wollten Frauenärzten in der Ausbildung auferlegen, zunächst an der Zange zu üben, bevor sie mit Saugglocke entbinden lernen. Das Vorhaben wurde jedoch gekippt.

Nur bei einem Bruchteil verwendet

In Deutschland hingegen zeigt die lückenlose Perinatalerfassung der klinischen Geburten in Bayern, dass die Zange nur mehr bei einem Bruchteil der vaginal-operativen Geburten – damit meint man entweder Zange oder Saugglocke – benutzt wird. Im Jahr 2013, als in Bayern 8,8 Prozent der Entbindungen vaginal-operativ erfolgten, waren darunter nur 3,7 Prozent mit Zange. In der Bundesrepublik ist inzwischen die Rate an Zangengeburten auf etwa 0,5 Prozent abgesunken. Dies wird von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in der einschlägigen Leitlinie auch gestützt. Das sollte man im Auge behalten, wenn die deutsche Geburtshilfe oft wegen der hohen Kaiserschnittraten als zu defensiv und übervorsichtig gescholten wird. Vor allem die Niederlande und England werden gern als bessere Beispiele angeführt, weil hier mehr Hausgeburten und weniger Klinikinterventionen stattfänden. Aber dafür müssen die Schwangeren laut einer Erhebung in europäischen Ländern in den Niederlanden und in England auch deutlich mehr vaginal-operative Geburten hinnehmen. Und in England erlebt dabei sogar die Zange einen regelrechten Aufschwung: Ihre Anwendung ist zwischen 2004 und 2013 von 3,3 auf 6,8 Prozent angestiegen und macht damit mehr als die Hälfte der 12,6 Prozentvaginal-operativen Geburten in England aus.

Saugglocken-Entbindung (Saugglockengeburt, Vakuumextraktion)

Bei der Saugglocken-Entbindung zieht der Arzt den Kopf des ungeborenen Kindes mittels Vakuumglocke aus dem Geburtskanal der Mutter heraus, um den ins Stocken geratenen Geburtsvorgang zu beschleunigen.

Vorbereitung einer Saugglocken-Entbindung

Bevor ein Kind mit Saugglocke entbunden wird, klärt der Arzt die Gebärende über mögliche Folgen und Risiken dieses Eingriffs auf. Die Harnblase wird mittels Katheter entleert. Die Ärzte verabreichen ein Schmerzmittel (Pudendusblock) und führen einen Dammschnitt durch.

Ablauf einer Saugglocken-Entbindung

Zu Beginn untersucht der Arzt genau, in welcher Lage sich der Kopf des Kindes befindet. Dann führt er die Saugglocke in die Scheide ein und setzt sie auf dem Kopf des Kindes ab. Saugglocken gibt es in verschiedenen Materialien wie Metall oder Silikon und in verschiedenen Größen. Die Saugglocke ist über einen Schlauch mit einer Pumpe verbunden. Im Aussehen ähneln die Glocken einem Badewannenstöpsel. Anschließend erzeugt der Arzt einen Unterdruck wodurch der kindliche Kopf angesaugt wird. Es kann mehrere Minuten dauern, bis über eine Pumpe der richtige Druck hergestellt wird. Bei der nächsten Wehe zieht der Arzt vorsichtig an der Glocke, während die Gebärende presst. Sobald der Kopf des Kindes geboren wurde, wird die Saugglocke abgenommen und die Geburt geht normal weiter. Am Kopf des Kindes kann nach der Vakuumentbindung eine Schwellung zurück bleiben, die in den Tagen nach der Geburt wieder von selbst verschwindet.

Anwendungsgebiete einer Vakuumextraktion

Eine Saugglocken-Entbindung ist vor der Geburt nicht planbar. Vielmehr wird sie notwendig, wenn es während der Geburt zu einer gesundheitlichen Gefährdung für Mutter und Kind kommt. Ein Arzt kann sich aus folgenden Gründen für eine Entbindung mit Saugglocke entscheiden:

  • In der Geburtsvorgang kommt es zu einem Geburtsstillstand und der Geburtsvorgang soll vorangetrieben werden.
  • Die werdende Mutter ist zusehends erschöpft oder kann wegen einer Erkrankung oder Betäubung in der Pressphase nicht stark genug pressen.
  • Es besteht eine mögliche gesundheitliche Gefährdung für das Kind, beispielsweise eine zu geringe Sauerstoffzufuhr.

Komplikationen und Risiken einer Saugglocken-Entbindung

Neben der Schwellung, die durch die Saugglocke entsteht, kann es bei einer Vakuumentbindung zu weiteren Verletzungen an der Kopfhaut des Babys kommen. Im Vergleich zur Zangengeburt ist die Saugglocken-Entbindung mit einem geringeren Verletzungsrisiko für die werdende Mutter verbunden. Bei Frühgeburten wird eine Saugglocken-Entbindung wegen der Gefahr einer Hirnblutung nicht durchgeführt.

Alternativen zur Saugglocken-Entbindung: Kaiserschnitt oder Zangengeburt

Mit der Zangengeburt und dem Kaiserschnitt existieren zwei Alternativen zur Saugglocken-Entbindung, die ebenfalls der operativen Geburtshilfe zuzuordnen sind. Beide Verfahren sind dazu geeignet, eine ins Stocken geratene Geburt möglichst rasch zu beenden.

Eine Zangengeburt kann schneller durchgeführt werden als eine Saugglocken-Entbindung, daher wird sie vorgezogen, wenn es sich um eine Notfallsituation handelt. Sie erfordert jedoch mehr Erfahrung und technisches Geschick des Geburtshelfers, da das Verletzungsrisiko sonst erhöht ist. Welches der Verfahren angewendet wird ist davon abhängig, wie weit die Geburt schon fortgeschritten ist, über wie viel Erfahrung der Geburtshelfer verfügt und wie der gesundheitliche Zustand von Mutter und Kind ist.

Alltägliche Auswirkungen nach Geburtstrauma

Oft schauen uns die Menschen mit großen Augen an, wenn wir ihnen sagen, dass ihre belastenden Emotionen, Verhaltensmuster oder Ängste auf ein Geburtstrauma zurückzuführen sind.

„Aber meine Mutter hat gar nichts Schlimmes berichtet von meiner Geburt.“ Das ist dann häufig die erste Reaktion.
Die Geburt mag für die anderen Beteiligten – Mutter, Vater, Hebamme, Gynäkologe – ganz normal und unauffällig gewesen sein. Für das Baby ist es ein extrem prägendes Erlebnis. Alles was rund um die Geburt geschieht und von ihm wahrgenommen wird, hinterlässt einen psychologischen Inprint. Es nimmt jede Veränderung in der Stimme, jede Berührung – ob grob oder sensibel – mit hoher Intensität wahr.
Geburt ist nicht nur ein freudiges Ereignis. Vielmehr ist es der Übergang mit den stärksten Veränderungen, die wir jemals im Leben erfahren werden. Geburt ist auch heute noch ein Vorgang, der mit tiefen Urängsten und Todesangst verbunden sein kann.
Ob eine Geburt auch für das Kind glücklich und entspannt war, zeigt sich erst im Laufe des Lebens.
Jedoch bevor ich auf die Auswirkungen im täglichen Leben eingehe, möchte ich betonen, dass jedes schreckliche Erlebnis auch ein Zeichen für Überlebenswille, Stärke und Mut ist. Und – jedes traumatische Erlebnis lässt sich auf heilsame Weise integrieren. Schon das unausgesetzte, ungestörte Bonding direkt nach Verlassen der Gebärmutter kann dazu führen, dass die Auswirkungen an Intensität stark vermindert verbleiben oder sogar ganz verschwinden.
Nicht umsonst heißt es: ALL YOU NEED IST LOVE.

Um einen Einblick zu bekommen, welche Auswirkungen auf ein Geburtstrauma hinweisen können, hier ein Fragenkatalog.
1. Knoten in der Nabelschnur
1.1. Sie mögen keine ruckartigen Bewegungen?
1.2. Sie haben das Gefühl, mit Ihren Energien haushalten zu müssen, da Sie sonst den Tag nicht schaffen
1.3. Sie haben eine Abneigung oder sind begeistert von Knoten (z. B. in Knoten)?
1.4. Sie fühlen sich oft schlapp und müde?

1.5. Selbst wenn es gut läuft, haben Sie Sorge, was denn vielleicht passieren könnte?

2. Verwicklung in die Nabelschnur während der Schwangerschaft
2.1. Sie neigen zu Atemschwierigkeiten bei außergewöhnlichen oder besorgniserregenden Ereignissen?
2.2. Bei Stress leiden Sie unter Bauchschmerzen und/oder Übersäuerung?
2.3. Sie leiden häufig unter Verspannungen in bestimmten Körperbereichen oder –teilen?
2.4. Bei Stress neigen Sie zu Störungen der Bewegungskoordination oder sogar bis zu
Lähmungserscheinungen?
2.5. Sie reagieren gereizt, wenn Sie sich eingeengt fühlen?
2.6. Sie haben das Gefühl, mit Ihren Energien haushalten zu müssen, da Sie sonst den Tag nicht schaffen
2.7. Sie neigen schnell zur Erschöpfung?

3. Verwicklung in die Nabelschnur beim Drehen in die Geburtsposition
3.1. Sie neigen zur Ängstlichkeit bei besonderen oder ungewöhnlichen Ereignissen?
3.2. Sie fühlen sich schnell überfordert?
3.3. Sie neigen zur Hyperaktivität?

4. Verwicklung in die Nabelschnur unter der Geburt
4.1. Widerwillen gegen Einengendes?
4.2. Fühlen sie sich antriebsarm?
4.3. Sie haben das Gefühl, von Überforderung und nicht mehr richtig denken zu können, wenn Sie in
stressige Situationen kommen?
4.4. Übergangsphasen machen Ihnen Angst (Umzüge, Schulwechsel, berufliche Veränderungen, usw.)?
4.5. Sie haben oft das Gefühl, neben sich zu stehen?
4.6. Sie interessieren sich sehr für Spiritualität oder Abstraktes?
4.7. Sie leiden unter Klaustrophobie (Angst vor engen oder/und geschlossenen Räumen)?
4.8. Sie haben zwischendurch Angst bei Stress ohnmächtig zu werden?
4.9. Sie haben nicht so viel Kontakt zu Ihrem Körper, sie sind eher mit dem Verstand verbunden?

5. Vergiftung mit schädlichen Substanzen in der Schwangerschaft (Alkohol, Drogen, Medikamente,
Tabak, usw.)
5.1. Sie leiden unter Ess- und/oder Schlafstörungen?
5.2. In der Kindheit war Ihre Entwicklung verzögert oder sind Sie mit geringem Geburtsgewicht geboren,
obwohl sie nicht zu früh geboren sind?
5.3. Sie haben manchmal Probleme mit der Bewegungskoordination?
5.4. Sie können nicht so gut strukturiert an Vorhaben gehen?
5.5. Sie sind misstrauisch gegenüber Medikamenten und/oder unbekannten Nahrungsmitteln?
5.6. Sie neigen zu Hyperaktivität?

6. Stress der Mutter während der Schwangerschaft
6.1. War Ihre Entwicklung in der Kindheit verzögert oder sind Sie mit geringem Geburtsgewicht geboren,
obwohl sie nicht zu früh geboren sind?
6.2. Leiden Sie unter Hemmungen?
6.3. Haben Sie schon mal unter Magersucht gelitten?

7. Vorzeitiger Blasensprung
7.1. Sie können folgendes Verhalten bestätigen: Plötzliche Ereignisse oder unvorhergesehene Situationen
können augenblicklich Angst auslösen, gepaart mit dem Gefühl von großem Durst („auf den Schreck
muss ich erst einmal was trinken“)?

8. Nabelschnurvorfall
8.1. Sie können sich hier wiedererkennen: Auch wenn alles gut läuft, haben Sie Angst, es könnte doch eine
Katastrophe plötzlich hereinbrechen, besonders und gerade, wenn sie nicht erwartet wird.

9. Schmerzen bei der Geburt durch zu enges Becken der Mutter
9.1. Leiden Sie häufig unter Kopfschmerzen, Spannungen im Kiefergelenk, Schmerzen im Augenbereich und
der Unfähigkeit, Druck auf dem Kopf zu ertragen?
9.2. Leiden Sie häufig unter Mangel an Selbstvertrauen?
9.3. Fehlt Ihnen oft die Motivation oder konkrete Lust, etwas in Angriff zu nehmen?
9.4. Fehlt Ihnen der Sinn am Leben?
9.5. Fühlen Sie sich erst in extremen Situationen oder bei gefährlichen Sportarten richtig lebendig?
9.6. Haben Sie öfter das Gefühl, festzustecken in Umständen oder Situationen?

10. Wenn die Geburt zu lange und anstrengend war
10.1. Haben Sie bei Herausforderungen oft das Gefühl, es nicht zu schaffen, auch wenn es objektiv betrachtet
nicht so anstrengend ist?

11. Peridural-Anästhesie
11.1. Fühlen Sie sich in schwierigen Situationen allein gelassen?
11.2. Verlassen Sie sich in schwierigen Situationen lieber auf sich selbst?

12. Kaiserschnitt
12.1. Leiden Sie unter Überempfindlichkeit bei plötzlichen Geräuschen oder unerwarteten Veränderungen?
12.2. Neigen Sie zu einer Ambivalenz im Nähe-Distanz-Verhalten?
12.3. Sie neigen zu asthmatischen Erkrankungen?
12.4. Sie leiden oder haben als Kind unter Trennungsängsten gelitten?
12.5. Sie haben als Kind besonders stark Ihre Grenzen ausgetestet?
12.6. Haben Sie das Gefühl, in schwierigen Situationen schnell aufzugeben und auf Hilfe zu warten?
12.7. Haben Sie Angst bei/vor plötzlichen Veränderungen?
12.8. Haben Sie leicht das Gefühl, dass Ihre Grenzen nicht beachtet oder verletzt werden?
12.9. Oder lehnen Sie eher Hilfe in schwierigen Situationen ab?
12.10. Neigen Sie eher alles mit dem Verstand als mit dem Bauchgefühl zu betrachten?
12.11. Fällt es Ihnen schwer, etwas zu Ende zu bringen (Bücher, Tätigkeiten usw.)
12.12. Sie können nicht gut mit Druck umgehen, sehnen sich aber andererseits danach?
12.13. Positionen, in denen Sie Autorität beweisen müssen, füllen Sie gut aus. Aber auf der anderen Seite
kann es sein, dass Sie Autoritäten eher ablehnen?
12.14. Sie können schlecht mit Störungen umgehen?
13. Zangengeburt/ Saugglocken-Entbindung
13.1. Haben Sie oft das Gefühl, dass Ihre Grenzen verletzt werden?
13.2. Haben Sie häufig das Gefühl, vom Umfeld zu Handeln gezwungen zu werden?
13.3. Fühlen Sie sich schnell vom Umfeld zum Handeln unter (Zeit-)Druck gesetzt zu werden?
13.4. Sie leiden unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen?

14. Weitere nicht spezifische Fragen:
14.1. Kennen Sie folgende Sätze:
14.1.1. Ich stecke fest
14.1.2. Es gibt keinen Ausweg mehr, kein Licht am Ende des Tunnels.

Qellennachweis: NATÜRLICH ANGSTBEFREIT und BEFREIT VON ALTEN MUSTERN von LUC NICON, DAS GOLDENE TOR ZUM LEBEN von FRANZ RENGGLI

Hier noch eine Erweiterung zum Thema Auswirkungen Kaiserschnitt:

PDA oder SPA (Anästhesie über die Wirbelsäule)
• Kontaktabbruch zur Mutter. Das Kind kann seine Signale nicht mehr an die Mutter weitergeben.
o Kinder setzen beim Spielen häufig die Beine nicht ein

Öffnen der Gebärmutter
• Führt zum plötzlichen Druckabfall
o Führt evtl. zu Spreng- und Explosionsspielen
o Ambivalenz dem Arzt gegenüber – er ist Eindringling und Retter zugleich. Das kann später zu Loyalitätskonflikten führen.

Herausheben des Kindes
• Durch das schnelle Tun des Personals hat das Kind keine Zeit sich zu orientieren. Seine Grenzen werden nicht respektiert. Die Berührungen sind zweckgerichtet, kalt unpersönlich und schmerzhaft.

Durchtrennen der Nabelschnur
• Die Nabelschnur wird durchtrennt, wenn sie noch pulsiert. Die Trennung ist dadurch abrupt und schmerzhaft (besonders in den Lungengefäßen)

Ein Kaiserschnitt ist eine unvollendete Geburt
• Kinder wirken, als wenn sie noch nicht richtig auf der Welt wären
• Als Erwachsene fühlen sich diese Kinder oft fremd in dieser Welt
• Fühlen sich oft nicht angekommen, wenn sie auf neue Gegebenheiten treffen (Kindergarten, Schule)
• Häufig fehlt der Impuls für den richtigen Zeitpunkt. Fehlende Eigeninitiative.
• Hilfe wird erwartet, obwohl sie nicht wirklich notwendig ist. Es fehlt das eigene Zutrauen. Ein „du schaffst es“ wird von außen als Unterstützung erwartet. Dies führt dann oft zu einer erlernten Passivität. Kaiserschnittkinder fehlt die Erfahrung, sich durch etwas hindurchgearbeitet zu haben.
• Kann zu fehlendem Sicherheitsgefühl führen
• Braucht für eigene Impulse sehr viel Bestätigung
• Möglicherweise hektisches Spielen, schnelles Wechseln von Tätigkeiten, nichts wirklich zu Ende führen. Oder kein Ende finden.
• Überschreitet selbst die Grenzen anderer. Lässt aber auch seine eigenen Grenzen schnell überschreiten

Notkaiserschnitt
• Stress bei Übergängen (Kita, Schule)
• Orientierungslosigkeit bei Stresssituationen
• Aufgaben werden ganz schnell erledigt nach dem Motto: Schnell ist gut, langsam ist gefährlich
• Angst vor Eindringlingen
• Ambivalenz zu Türen. Es ist unterschiedlich: manche Kinder können geschlossene Türen nicht ertragen. Andere wieder überprüfen immer wieder, was sich hinter geschlossenen Türen verbirgt oder können nur zur Ruhe kommen, wenn die Haustür abgeschlossen ist
• Aufgaben unter Druck erledigen ist für diese Kinder oft sehr frustrierend. Sie brauchen sehr viel Zustimmung zu ihrem eigenen Tempo
• Können bei Frustration schneller mal „explodieren“
• Beenden einer Tätigkeit durch andere kann zu Auflehnung oder Wut führen (der Geburtsprozess wurde von außen vor dem eigenen erwarteten Zeitpunkt beendet). Kann zum ständigen Verhandeln seitens des Kindes führen.

Nach 15 Stunden tritt der Chefarzt in den Kreißsaal und geht vor dem Unterleib von Veronika Peters* auf und ab. Während die Schwangere schweißgebadet und schreiend ihr Kind aus dem Geburtskanal zu schieben versucht, befindet der Mann: „Sie arbeiten da nicht richtig mit. Machen wir mal lieber einen Dammschnitt.“

Die Hebamme schaut noch fragend, die Herztöne des Kindes sind eigentlich normal – doch die Schere klappert schon, Sekunden später fühlt sich Peters plötzlich „offen“, spürt warmes Blut und hält bald darauf ihre Tochter in den Armen.

An den schnellen Schnitt erinnert sich Peters später kaum noch. Wohl aber an die Zeit danach. Sie kann sich nicht normal auf einen Stuhl setzen, ohne dass der vernähte Damm schmerzt. Beim Wasserlassen brennt die Wunde. Der Stuhlgang ist eine Qual.

Erst nach zwei, drei Wochen wird es langsam besser. Aber der erste Sex nach neun Wochen ist ein Albtraum. Ihr Scheideneingang ist wie zusammengeschnürt und brennend wund. Ihr vergeht die Lust. Erst nach Monaten lässt die Pein nach.

Populär gemacht hat den Dammschnitt in den 1920er Jahren ein einflussreicher Geburtsmediziner aus den USA. Mit der Episiotomie, bei der die Scheidenöffnung seitlich oder diagonal in Richtung des Anus mit einer Schere aufgeschnitten wird, wollte Joseph DeLee Kinder schneller zur Welt bringen, die Muskulatur im Beckenboden der Frau sollte weniger Risse davon tragen, und die Organe würden nicht so leicht nach unten rutschen, wenn die Frau nicht mehr so intensiv pressen muss.

So die Idee des Arztes, die inzwischen in vielen Ländern der Welt gynäkologische Routineprozedur ist. Zwar gibt es keine exakten Daten darüber, wie viele Episiotomien jährlich stattfinden. Aber laut Statistik der Krankenhäuser in Deutschland waren es 2016 rund 87.000, also 12 Prozent der Krankenhausgeburten. Damit ist der Dammschnitt der häufigste Eingriff unter der Geburt und gehört zu den fünfzig häufigsten Operationen überhaupt.

Und das, obwohl er in den meisten Fällen unnötig ist.

WHO: Ein Eingriff, der meist keinen Nutzen bringt

Schon 2008 hielt die Weltgesundheitsorganisation fest, dass der Eingriff, routinemäßig durchgeführt, keinen Nutzen habe. Der Beckenboden der Frauen sei nicht unversehrter als ohne Schnitt und die Probleme nach der Geburt nicht seltener.

Häufig können die Mütter nach einem Dammschnitt Stuhl und Wasser nicht mehr so gut halten, besonders beim Hüpfen, Niesen oder in Stresssituationen. „Die Studien zeigen durchgängig keinen Nutzen des Dammschnittes zum Schutz vor Inkontinenz und für den Beckenboden“, fasste das Fachjournal „Jama“ 2005 zusammen. Im Gegenteil: Ein gerissener Damm heilte häufiger besser und schneller als ein geschnittener, stellten die Gutachter fest.

Trotzdem ist der Schnitt noch immer beliebt – bei den Ärzten, wohlgemerkt, nicht bei den Frauen: In einer Studie von 2016 gaben von 648 Frauen mit Dammschnitt 16 Prozent an, nach der Geburt unter beachtlichen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr gelitten zu haben. Die sexuelle Zufriedenheit kehrte zwar nach einiger Zeit wieder zurück. Frauen, die natürlich und ohne Dammschnitt oder Dammriss entbunden haben, waren aber deutlich früher wieder sexuell aktiv – nach etwa viereinhalb Wochen. Mit Dammschnitt sind es siebeneinhalb.

Das Problem mit der Naht

Nicht der Schnitt, sondern die Naht und die Narbe verursachen die Schmerzen. Die Leiterin des Beckenbodenzentrums an der Universitätsfrauenklinik in Tübingen formuliert es diplomatisch: „Wichtig ist, dass das Gewebe anatomisch sauber wieder genäht wird. Man kann schön nähen und weniger schön. Das macht den Unterschied.“ Weniger diskret gesagt: Immer wieder nähen Ärzte den Dammschnitt schlampig zusammen. Zum Leidwesen der Frauen.

Darauf lassen zahllose Fallgeschichten in Internetforen schließen: Eine Frau beschreibt etwa, dass sie über Wochen Schmerzen hatte und nicht mehr mit ihrem Partner schlafen konnte. Ihre Frauenärztin sei geschockt gewesen, als sie die Narbe sah, weil „alle Hautschichten quer durcheinander zusammengeflickt“ gewesen seien. Sie trennte das Gewebe wieder auf und nähte es erneut. Nach vier Tagen waren die Schmerzen weg.

Die Intimchirurgin Luise Berger aus München hat immer wieder Patientinnen, deren Dammschnitt so genäht wurde, dass an der Kante zum Damm nach hinten eine Narbe entstanden ist: „Wenn das so ist, haben die Frauen auf Monate, wenn nicht Jahre Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.“

Betreuung und richtige Kommunikation

Wenn er nichts nützt, wieso ist der Dammschnitt dann nicht längst ausgemustert? Die Antwort hat wenig mit Medizin und noch weniger mit dem Wohlergehen der Frau zu tun.

Gemäß der in Deutschland geltenden medizinischen Leitlinien ist der Eingriff vor allem dann gegeben, wenn die Herztöne des Kindes sich während der Geburt verschlechtern. Aber Fälle wie bei Peters lassen erahnen, dass die Indikation oft auf dürrer Grundlage gestellt wird.

Um einen Dammschnitt zu vermeiden, bedarf es vor allem der richtigen und ständigen Betreuung der Frau unter der Geburt, sodass diese das Kind mit aller mentalen und körperlichen Kraft gebären kann. Bei der zweiten Geburt sagte eine der Hebammen zu Peters, sie solle bei der Austreibung wie auf der Toilette pressen. „Aber es soll doch weiter vorne heraus“, vergewisserte sie sich erstaunt in einer Wehenpause. „Es sind dieselben Muskeln“, antwortete die Hebamme. Diesmal gebar Peters ohne den Scherenschnitt.

Zwei Metaanalysen von 2017 und 2016, die mehr als einem Dutzend Studien zusammenfassen, belegen den Zusammenhang zwischen einer intensiven Geburtshilfe und einer komplikationsfreien Geburt: Wenn Gebärende durchgängig von einer Geburtshelferin oder einem Geburtshelfer betreut und angeleitet werden, finden deutlich weniger Dammschnitte statt – und auch weniger andere operative Eingriffe und Schmerzmitteleinsätze. Und die Mütter sind hinterher zufriedener.

In den Kliniken ist die Personaldecke für eine solche Betreuung zu dünn. „Die Hebammen können nur alle halbe Stunde mal reingucken“, sagt Nina Knape, Hebammenwissenschaftlerin von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. „Das ist fatal.“

Peters hat das genau so erlebt. Unter der Geburt ihres ersten Kindes in einer Berliner Klinik kam höchstens jede Stunde eine Hebamme vorbei, um geschwind den Muttermund zu messen. Erst in der Austreibungsphase in den letzten zwanzig Minuten standen ihr zwei Geburtshelferinnen bei.

Das gute alte heiße Wasser

Hebammen wissen, wie sich ein Dammschnitt vermeiden lässt. Dazu gehört etwa das Erwärmen des Damms mit nassen, warmen Tüchern oder Dammmassage. Und gerade bei der ersten Geburt braucht das Gewebe Zeit, um sich zu dehnen und Platz für den Kopf des Kindes zu machen. Zeit, die in der Klinik oft fehlt und durch wehenfördernde Mittel mitunter verkürzt wird.

Die Kniffe der Hebammen kennen Geburtsmediziner in der Regel nicht und sehen das auch nicht als ihre Aufgabe. „Ich vergleiche die Geburt gerne mit einer Bergwanderung. Wir sind die Bergführerinnen, die die Frau hinaufbegleiten. Der Arzt ist die Bergwacht, der einschreitet, wenn etwas nicht wie vorgesehen läuft“, sagt die leitende Hebamme Elfriede Lochstampfer am Klinikum Stuttgart. Aus der Perspektive der Ärzte stehen die Risiken im Mittelpunkt der Geburt. Deshalb greifen sie tendenziell schneller zur Schere. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: In Geburtshäusern und hebammengeleiteten Kreißsälen liegt die Rate der Dammschnitte deutlich geringer – bei rund fünf Prozent.

Es gibt noch einen anderen Grund, weshalb sich der Schnitt in den Kliniken hält: Im Abrechnungssystem der Krankenhäuser machen sich die Eingriffe bezahlt. Frauen, die lange in den Presswehen liegen, kosten nur. Das setzt einen Fehlanreiz zu voreiligen Dammschnitten.

Ist der Dammschnitt also ein Fluch der Frauen? Oft, zu oft, aber nicht immer. Denn fraglos verkürzt der Eingriff die Endphase der Geburt und kann so ein gefährdetes Kind, dessen Herztöne alarmierend nachlassen, vor einer Schädigung bewahren, etwa einer Unterversorgung des Gehirns. Dem vorzubeugen, dafür nimmt wohl jede Frau Schmerzen in Kauf. Aber eben nur dann.

* Name geändert

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Ein Stich mehr für den Mann: Nach dem Dammschnitt wird zugenäht – mitunter auch ein, zwei Stiche mehr – damit der Scheideneingang schön eng ist, dem Ehemann zuliebe. Niemand weiß, wie oft dieser „husband stitch“ praktiziert wird – gewollt oder ungewollt. Aber dem Manne gefällige Optimierungen liegen im Trend. Nicht nur Brust-OPs. Seit Jahren steigt auch die Zahl der Frauen, die sich ihre Vagina verengen lassen. „Die Frauen beklagen, dass das so schlaff geworden sei“, sagt die Münchener Intimchirurgin Luise Berger. Pro Woche kämen rund sieben Patientinnen, die Scheidenverengungen wünschen. Die Motive seien immer ähnlich: „Die Frauen fühlen sich nicht jugendlich, nicht mehr vollständig und sind unglücklich, wenn sich der Partner beschwert.“ Mit einem Radiofrequenzgerät erhitzt Berger den Vaginalkanal, sodass sich das Scheideninnere zusammenzieht. Permanente Vaginalverengungen per OP gibt es erst für viele tausend Euro. Etwa 5000 Frauen kommen pro Jahr an das Beckenbodenzentrum der Tübinger Universitätsklinik, offiziell um Darmschlingen oder verrutschte Harnröhren behandeln zu lassen. Bei den Beckenbodenplastiken bekomme aber auch der Vaginalkanal eine „normale Anatomie“, so Leiterin Christl Reisenauer. „Aber auch die Zufriedenheit mit dem Sex spielt eine Rolle. Welchen Anteil männliche Wünsche haben, können wir nicht sagen.“

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