Geburt ohne hebamme

Eine Fabriketage in Kreuzberg. Sieben Frauen mit runden Bäuchen sitzen im Kreis auf dem polierten Holzboden eines Pilatesstudios. Auf Gymnastikmatten und Kissen haben sie es sich so bequem wie möglich gemacht. Neben den Schwangeren sitzen die zukünftigen Väter. Die Paare wirken wie frisch verliebt. Manche halten Händchen, tuscheln oder flüstern sich etwas ins Ohr.

Heute soll hier ein besonderer Kurs stattfinden. Neben dem Zustand, dass die Frauen alle etwa in vier bis zehn Wochen ihr erstes Kind gebären werden, teilen sie auch noch eine weitere Gemeinsamkeit – die weniger erfreulich ist: Keine der Frauen hat eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung gefunden. Denn das ist in Berlin aufgrund des Hebammenmangels momentan besonders schwer. In den Sommermonaten spitzt sich die Situation nochmals zu. Hebamme Nadine Dönecke, rot-blonde Haare, langes schwarzes Kleid, sitzt ebenfalls auf einer Gymnastikmatte. Sie leitet den Kurs für „Familien ohne Hebamme“ und möchte nun von den Teilnehmenden wissen: „Wie geht es euch mit dem Wissen, dass ihr die Tage nach der Geburt auf euch alleine gestellt sein werdet?“

Der Reihe nach beginnen die Frauen und Männer zu erzählen. Beunruhigt sind sie alle, der Grad der Verzweiflung ist allerdings unterschiedlich groß. Die Anwesenden kommen aus Reinickendorf, Neukölln, Weißensee, Köpenick und Prenzlauer Berg. Alle haben sie wochenlang die Hebammenlisten ihrer Umgebung abtelefoniert – erfolglos. Nun wollen sie sich von den vielen negativen Gedanken befreien. Der Grundtenor: optimistisch bleiben. Immerhin ist die Geburt eines Kindes ein freudiges Ereignis.

„Was, wenn es ein Problem beim Stillen gibt?“

Eine Frau, die aus Guatemala stammt, erzählt, dass ihre Mutter sie für drei Monate besuchen wird: „Sie wird uns helfen, deshalb ist meine Angst nicht besonders groß.“ Ihr Mann ist hingegen weniger entspannt. „Ich bin sehr nervös“, sagt er mit englischem Akzent. „Man weiß nicht, was einen erwartet. Was ist, wenn es ein Problem beim Stillen gibt? Was, wenn das Kind nicht genug zunimmt?“ Auch andere erzählen, dass sie Mütter oder Schwiegermütter in der Nähe haben; dass einige zukünftige Omas extra anreisen werden, um die Paare in dieser besonderen Zeit zu unterstützen.

Besonders hart trifft es allerdings ein künftiges Elternpaar aus Weißensee. „Wir haben noch nicht einmal einen Kinderarzt gefunden“, sagt der werdende Vater mit Brille und Vollbart. „Wenn es ein Problem mit dem Baby gibt, wissen wir überhaupt nicht, an wen wir uns wenden sollen.“ Soll man wegen des Ausschlags auf der zarten Neugeborenenhaut gleich ins Krankenhaus fahren? Ist es im Babybett luftig genug? Oder zieht es dort eher zu sehr? Wer wiegt das Baby regelmäßig und guckt, ob mit dem Bauchnabel alles in Ordnung ist? Und wer kontrolliert, ob der Dammriss bei der Mutter richtig verheilt?

Normalerweise kümmert sich die Hebamme in der sogenannten Nachsorge um solche Dinge. Nach der Geburt haben Mütter für acht Wochen einen gesetzlichen Anspruch auf Hebammenbetreuung zu Hause. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten dafür. Doch ob eine Frau eine Hebamme findet oder nicht, wird ihr komplett selbst überlassen.

Wie viele Frauen in Berlin momentan davon betroffen sind, lässt sich nicht sagen. Eine verlässliche Statistik gibt es nicht. Es lässt sich nur erahnen, dass es nicht wenige sind. Immerhin haben 1711 Schwangere seit Dezember 2015 auf der „Landkarte der Unterversorgung“ des Deutschen Hebammenverbands angegeben, dass sie keine Hebamme fürs Wochenbett gefunden haben.

Das Aktionsprogramm des Senats kommt zu spät

Mit dem „Aktionsprogramm für eine sichere Geburt“ hat der Berliner Senat Anfang des Jahres verschiedene Maßnahmen beschlossen, die die Situation von Hebammen und Gebärenden verbessern sollen. Unter anderem sollen mehr Geburtshelferinnen ausgebildet werden und die Arbeitsbedingungen von Hebammen verbessert werden. Der Berliner Hebammenverband begrüßt diese Maßnahmen – die allerdings erst noch umgesetzt werden müssen. Bisher sei das nur „ein Blatt Papier“, sagt Simone Logar, die zweite Vorsitzende des Berufsverbands. „Nur wenn sich tatsächlich etwas an den Arbeitsbedingungen in den Geburtskliniken und auch sonst ändert, kann sich auch die Versorgungssituation für die Gebärenden verbessern.“

Das Problem ist nicht, dass es zu wenige Hebammen gibt. Zu viele Frauen steigen aber aus dem Beruf wieder aus, da auch die persönlichen Hausbesuche zu schlecht bezahlt werden. Lange Anfahrtszeiten könnten kaum bei der Krankenkasse abgerechnet werden, wie viele freiberufliche Hebammen beklagen. Vor allem für Schwangere in den Randbezirken ist es schwierig, eine Hebamme zu finden. Für die sieben Elternpaare aus diesem Kurs kommt der Aktionsplan des Senats sowieso viel zu spät.

Nach der etwa einstündigen Vorstellungsrunde richten sich alle Augenpaare hoffnungsvoll auf die Kursleiterin. Hebamme Nadine Dönecke sitzt im Schneidersitz auf ihrer Gymnastikmatte und sagt: „Ich finde es besonders tragisch, dass ihr als Erstgebärende niemanden für die Nachsorge gefunden habt.“ Wer schon einmal ein Kind entbunden habe, der habe es da leichter. Ihr Kurs sei ein Pilotprojekt. Nachdem die Hebamme – aufgrund der großen Nachfrage für Hausbesuche – selber viele Jahre immer wieder schwangere Frauen abweisen musste, sie schließlich merkte, dass die Frauen am Telefon, in den E-Mails und auch in der Facebook-Gruppe „Hebammenvermittlung Berlin“ immer verzweifelter klangen, wollte sie dem irgendetwas entgegensetzen. So entstand die Idee für diesen speziellen Vorbereitungskurs. Den Teilnehmenden gibt sie allerdings gleich zu verstehen: „Ich kann euch damit keine Wochenbettbetreuung ersetzen. Das wäre illusorisch.“ Medizinische Ferndiagnosen in die Zukunft – das geht nicht. Das Einzige, was sie in diesem Kurs tun könne, ist die Paare auf alle Eventualitäten vorzubereiten.

Der Kurs ist ein Pilotprojekt

An insgesamt drei Tagen werden die Teilnehmer für etwa vier Stunden zusammenkommen. Das Programm ist straff und als Ergänzung zu einem normalen Geburtsvorbereitungskurs gedacht, den die Paare alle auch noch absolvieren möchten. Nadine Doenecke konzentriert sich auf das Wochenbett. Wie funktionieren die Milchbildung und das Stillen? Woher weiß ich, ob das Baby genug trinkt? Was sieht, fühlt und braucht das Neugeborene? Wie sollten Eltern reagieren, wenn das Baby sich nicht beruhigen lässt, und welche Notfälle könnten eintreten, bei denen die Eltern unbedingt einen Arzt aufsuchen sollten?

Das erste Anliegen der Hebamme: die Eltern auf die größte Umbruchzeit ihres Lebens vorzubereiten. „Tag und Nacht werdet ihr euch ausschließlich um eure Kind kümmern müssen“, erklärt sie den werdenden Eltern, die teils ungläubig schmunzeln. Einige Frauen versuchen, mit ihren großen Bäuchen eine bequemere Sitzposition zu finden, während Nadine Dönecke weiterspricht: „Klar, die Babys melden sich, wenn sie etwas brauchen. Aber sie sagen nicht, was das ist. Das müsst ihr Eltern herausfinden.“

Nadine Dönecke weiß, wovon sie spricht. Seit 13 Jahren begleitet sie junge Familien während ihrer Wochenbettzeit. Schlafmangel, ein wimmerndes Kind, das die ganze Zeit getragen werden oder ununterbrochen an die Brust möchte. „Das kostet Kraft und Nerven.“ Dass Mütter und Schwiegermütter die Paare während dieser aufregenden Zeit begleiten werden, findet sie grundsätzlich gut, sie gibt den Frauen aber auch ihre Bedenken mit. „Die Großeltern könnten euch auch verunsichern“, warnt sie.

Nicht alle Ratschläge der älteren Generation seien immer richtig. So seien über Jahrzehnte hinweg krude Theorien darüber weitergegeben worden, dass Eltern ihre Kinder schreien lassen sollten. Außerdem hätten viele Mütter in den 70er und 80er Jahren ihre Kinder nicht gestillt. So könnten sie ihren eigenen Töchtern kaum Tipps dafür geben. Beim zweiten Treffen am folgenden Tag wird sie deshalb mit den Frauen das Stillen anhand von Puppen simulieren. Ihnen zeigen, wie ein Säugling richtig angedockt wird und woher man weiß, ob ein Kind Hunger hat oder wirklich satt ist. „Man glaubt nicht, wie viel dabei schiefgehen kann, wenn beispielsweise die Brust schmerzt oder ein Baby beim Trinken einschläft, weil es unterzuckert ist.“

Am zweiten Tag nach Kursende sind die Paare recht erschöpft, als sie die Treppenstufen der Fabriketage heruntergehen. „Das war ziemlich viel Input“, sagt Lena Söllner, 30 Jahre, Ergotherapeutin aus Weißensee. Ihr Entbindungstermin ist Ende Juli. Sie fühle sich nun besser vorbereitet, habe allerdings „noch größeres Bauchweh“ bekommen. „Wenn ich daran denke, was alles nach der Geburt passieren könnte, finde ich den Gedanken, keine Hebamme zu haben noch unerträglicher.“ Sophie Kirchenberg, 33, OP-Schwester aus Köpenick, findet, sie sei nun „besser gerüstet“. Ihr sei allerdings auch jetzt erst bewusst geworden, wie viele Fragen sie noch habe. „Ich fühle mich ziemlich alleinegelassen mit der Suche nach einer Hebamme“, klagt sie. Dieser Kurs sei das einzige Angebot, dass es für Frauen in ihrer Situation gibt.

Hebamme Nadine Dönecke ist froh, dass sie den Teilnehmern wenigstens ein bisschen helfen konnte: „Klar, es ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Aber immerhin besser, als den jungen Eltern gar keine Hilfe anzubieten.

Kurzinfos:

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Der Kurs für Familien ohne Hebamme ist ein Pilotprojekt, ob es weitere Kurse dieser Art geben wird, steht noch nicht fest. Falls ja, werden die Infos dazu in der Facebookgruppe „Hebammenvermittlung Berlin“ geteilt. Hebamme Nadine Dönecke bietet momentan keine Wochenbettbetreuung an, da sie sich in den nächsten Monaten um ihr eigenes Kind kümmert. Frauen, die keine Hebamme gefunden haben, können diese Unterversorgung melden, unter www.unsere-hebammen.de.

Geburt ohne Hebamme: Ein trauriges Gedankenspiel

Wie wäre die Geburt ohne Hebamme verlaufen? Ein trauriges Gedankenspiel zu dem Bloggerin Perlenmama mit #ohneHebamme aufruft. Doch es könnte sich bewahrheiten, wenn die Krankenkassen an ihrem Kurs festhalten.

Wie wäre die Geburt ohne Hebamme verlaufen? Es ist ein trauriges Gedankenspiel. Aber die aktuellen Entwicklungen machen es notwendig, sich darüber erneut Gedanken zu machen. Denn der Beruf Hebamme hat nach wie vor keine guten Zukunftsaussichten.
Um auf dieses wichtige Problem aufmerksam zu machen, hat die die Bloggerin Perlenmama Janina Weser zu einer Blogparade unter dem Hashtag #ohneHebamme aufgerufen. Sie selbst ist sich sicher, ohne ihre Hebamme hätte sie ihre zweite Geburt nicht geschafft: „Meine Hebamme hat mich auf so viele Art und Weisen stark gemacht. Sie arbeitete mit mir gemeinsam an der Traumabewältigung meiner ersten Geburt und schaffte es, mich selbstbestimmt durch die Schwangerschaft und Entbindung zu leiten. Ohne sie hätte ich mich wohl vor lauter Angst für einen Kaiserschnitt entschieden. Und das wäre keinesfalls selbstbestimmt gewesen, sondern angstbestimmt.“ Janinas Aufruf sind schon viele Mütter gefolgt. Missen, so der Mütter-Chor, möchte seine Hebamme keiner. Doch eben das könnte die traurige Realität werden.
Hier eine kleine Auswahl der #ohneHebamme-Artikel:
➤ „Ohne Hebamme wäre das für mich eine sehr traumatisierende Erfahrung gewesen. “ ~ von Tante Emma via Der kleine Gemischtwarenladen
➤ Warum ich meine Hebamme nicht missen möchte ~ von Beatrice Confuss
➤ Mein Vergleich zwischen Beleg- u. Klinik-Hebamme ~ von Katha via Mamas Mäuse

Was passiert mit den Beleghebammen?

Die Situation für unsere Hebammen und damit letztendlich auch die Situation jeder Schwangeren wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verschlechtern. Schon längst haben die exorbitant gestiegenen Versicherungsbeiträge freiberufliche Hebammen ins Aus gedrängt und auch die meisten Geburtsstationen bleiben chronisch unterbesetz. Kaum vorstellbar, dass die Situation noch viel schlechter werden soll. „Das ist so traurig und schade und einfach unverständlich. Es ist doch wirklich kein Beruf, der durch Maschinen oder Technologie ersetzt werden kann. Warum wird die Arbeit der Hebammen so belächelt? Warum als so unwichtig abgestempelt? Diese Entwicklung macht mich so traurig und ja, auch wütend.“, sagt Janina.
Doch solche emotionalen Gründe sind für die versichernden Krankenkassen nur Nebensache. Halten sie an ihren aktuellen Plänen fest, bedeutet das in letzter Kosequenz, dass das Hebammen-Belegsystem in Kliniken abschafft wird. Alternativen, wie eine Festanstellung der Hebammen sind aber gerade für kleinere Krankenhäuser wirtschaftlich einfach nicht tragbar. Daher befürchtet der Deutsche Hebammen Verband (DHV), dass als Folge weitere Kreißsäle geschlossen werden müssen.
Zur besseren Einordnung: Insgesamt sind in Deutschland 1.838 Hebammen als Beleghebammen in Kliniken tätig. Besonders kritisch ist die Situation in Bayern. Hier ist ein Großteil der geburtshilflichen Versorgung nur über Belegsysteme gesichert – 78 Kliniken arbeiten ausschließlich mit Belegteams, nur 29 Kliniken mit angestellten Hebammen.*

Schwangerschaft

Die traurigen Folgen des Hebammenmangels

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„Das geht auf Kosten der Gesundheit von Müttern und ihren Kindern“, mahnt Martina Klenk Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands e.V. Doch was bedeutet das für uns Frauen konkret? Sehr wahrscheinlich müssen wir uns weiterhin auf überfüllte Kreissäle einstellen. Wir werden auch nicht die Unterstützung von unserer Hebamme bekommen, die wir uns wünschen. Nicht aus böser Absicht, sondern einfach, weil Hebammen zu viele Geburten parallel betreuen müssen. Auch die Anfahrtswege zu den Kliniken können immer länger werden. Auf Sylt gibt es zum Beispiel bereits seit 2014 keine eigene Entbindungsstation mehr. Für die Geburt müssen Schwangere aufs Festland fahren.

Kurse für Notfall-Geburten gibt es schon

Eine Nachricht aus Schweden von Anfang des Jahres zeigt, wohin das im Extremfall führen könnte: Vorbereitungskurse für die Notfall-Entbindung im eigenen Auto. Das bieten die Hebammen Stina Näslund und Maria Dahlberg aus Sollefteå tatsächlich an. Und die Nachfrage ist groß! Denn die einzige Entbindungsstation der Gemeinde wurde wegen Sparmaßnahmen geschlossen. „Stellen Sie sich vor, es wären zwischen 120 und 200 Kilometer bis zu nächsten Entbindungsstation, es ist Winter und dunkel, das Handynetz ist schlecht und alles kann auf dem Weg passieren“, erklärt Näslund gegenüber der schwedischen Nachrichtenseite The Local. Die Kurse sollen den Frauen zumindest ein wenig die Angst nehmen und darauf vorbereiten, was im Notfall zu tun ist.
Eine gruselige Vorstellung. Doch ganz davor verschließen können wir uns nicht. Es mag ein extremes Beispiel sein, aber es zeigt zumindest auf, was im Rahmen des Möglichen liegt. Und genau deswegen sind Aktionen wie #ohneHebamme so wichtig.
Vielleicht können sie zunächst im Großen noch nichts bewirken, aber sie schaffen Transparenz über ein wichtiges Problem. Janina: „Da ich aus erster Hand die Wichtigkeit von Hebammen erfahren konnte und welchen Unterschied sie machen, war es mir wichtig, meine Geschichte zu erzählen. Und ich bin mir sicher, dass es da draußen noch sehr viele solcher Geschichten gibt. Diese möchte ich erzählt wissen. Ich möchte, dass so gezeigt wird, wie wichtig Hebammen sind. Essentiell sogar. Ich hoffe, dass dies unsere Lobby und die der Hebammen stärkt.“ Und wir hoffen, dass wir auch einen kleinen Beitrad dazu leisten können, indem wir diese Geschichte mit euch teilen. Danke für die Aufmerksamkeit!
Wer sich an der Blogparade #ohneHebamme beteiligen möchte, der findet hier weitere Infos: Meine Geburt ohne Hebamme – Aufruf zur Blogparade #OhneHebamme.

„Das erste Gesicht“ – Das sind unsere Hebammen

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* Pressemitteilung DHV, 09.03.2017, „Krankenkassen wollen Hebammen-Belegsystem in Kliniken abschaffen“

Wochenbett

Vieles ist im Wochenbett ganz neu und noch nicht aufeinander eingespielt. Wenig Wunder, dass täglich neue Fragen auftauchen können und geklärt werden wollen. Da tut es gut, wenn es professionelle Unterstützung gibt.

…für Mutter und Kind:

Hebammen gehen mit ihrem Modell der Hausbesuche im Wochenbett perfekt auf die Bedürfnisse von frisch entbundenen Frauen und neugeborenen Kindern ein. Einfach zu Hause bleiben zu können und dennoch betreut und beraten zu werden, ist jetzt genau das Richtige.

…damit klar ist, was normal ist

Eine wichtige Aufgabe jedes Wochenbettbesuchs ist es sicherzustellen, dass bei Mutter und Kind alle Veränderungen so verlaufen, wie sie sollen. Durch das Wissen um mögliche Komplikationen kann die Hebamme therapiebedürftige Entwicklungen von normalen Veränderungen unterscheiden und, wenn nötig, an die entsprechenden Fachpersonen weiterverweisen.

… damit alles läuft, wie es soll

Viele Komplikationen lassen sich durch das Erkennen früher Anzeichen und entsprechende Gegenmaßnahmen vermeiden. Solch vorbeugende Maßnahmen sind wesentlicher Bestandteil der Wochenbettbetreuung durch Hebammen.

…für Väter:

Hebammen sind in den ersten Wochen auch Ansprechpersonen für Väter. Der Umgang und das Leben mit einem Neugeborenen geben oft Anlass zu Fragen: Wie trage ich das Baby am besten? Warum schlafen die meisten Neugeborenen nicht durch? Wieso reagiert meine Frau plötzlich so emotional seit der Geburt? Auch da ist der Wochenbettbesuch eine gute Gelegenheit, professionelle Antworten zu erhalten.

Alleingeburten: Verantwortungsvoll oder verantwortungslos?

Manche Frauen entscheiden sich dafür, alleine zu gebären.

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imago/Westend61

Sarahs Kritiker werfen ihr Verantwortungslosigkeit vor. „Dabei bin ich ja genau das Gegenteil“, sagt Sarah. Gerade als Alleingebärende übernehme sie doch sogar die komplette Verantwortung für sich und ihr Kind. „Ich bin vorbereitet. Ich weiß, was passieren kann. Verantwortungslos ist das nicht“, findet sie. „Eine Geburt gehört zum Leben dazu und ist nichts, was überwacht werden muss!“ Und so sehen das auch andere Alleingebärende. Denn Sarah ist kein Einzelfall.

Laut der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG) kommen in Deutschland jedes Jahr mehr als 10.000 Kinder im vertrauten Umfeld zu Hause oder in der gemütlichen Atmosphäre eines Geburtshauses zur Welt. Wie viele davon allein gebären, kann nur geschätzt werden.

Das Interesse am Thema Alleingeburt wächst

Als Sarah vor zehn Jahren begann, sich auf die erste Alleingeburt vorzubereiten, musste sie sich hauptsächlich auf englischen Seiten informieren. Heute gibt es auch in Deutschland etliche Gruppen im Social Web, die sich zum Thema austauschen. Das Interesse ist groß, das zeigt auch, dass es zum Thema Alleingeburt allein bei Youtube über 2500 Beiträge gibt. Darunter finden sich auch Sarahs Geburten. Eine davon wurde bereits über 2,8 Millionen Mal angeschaut (hier geht es zum Geburtsvideo von Sarah Schmid: Achtung, hier wird eine echte Geburt gezeigt!)

Es gibt verschiedene Bücher zum Thema. Auch Sarah hat ein Buch geschrieben: „Alleingeburt – Schwangerschaft und Geburt in Eigenregie“. Sie bloggt außerdem unter Geburt in Eigenregie und hat dort bereits viele Erfahrungsberichte zu Alleingeburten veröffentlicht.

Zwei Gruppen von Frauen ziehen Alleingeburten in Erwägung

Sarah macht vor allem zwei Gruppen unter den Alleingebärenden aus. Da seien zum einen die Frauen um die 30, die einen eher alternativen Lebensstil hätten und oft auch Schulmedizin ablehnten. Und zum anderen gut gebildete Frauen, die von der letzten Geburt traumatisiert seien oder die unter der Fremdbestimmtheit bei der Geburt gelitten hätten.

Sie wolle nicht berühmt werden mit ihrem Engagement, sagt Sarah. Sie wolle einfach nur Alternativen aufzeigen. „Ich will guter Hoffnung sein“, sagt sie. In den meisten Fällen ginge schließlich alles gut. Und wenn nicht? Dann könnte man ihr Naivität vorwerfen. Oder vom Glück reden. Denn ihre sechs Kinder sind gesund.

Foto:

edition riedenburg

Sarah Schmid: Alleingeburt – Schwangerschaft und Geburt in Eigenregie, edition riedenburg

*enthält Werbung*

Das geht, ist aber nicht so schön, wie ich euch aus eigener Erfahrung berichten kann. Die Elfe ist ja in Dubai geboren. Dort ist die Betreuung durch eine Hebamme insbesondere vor und nach der Geburt nicht üblich. Aus medizinischer Sicht wird die werdende Mutter während der Schwangerschaft durch den Arzt versorgt, der i.d.R. auch die Geburt selbst begleitet.

Am Tag nach der Geburt wird die Mutter dann im Normalfall mit dem Kind nach Hause geschickt und kommt zu den Neugeborenen-Untersuchungen wieder zurück ins Krankenhaus. Ich fuhr an diesem Tag ohne die Elfe nach Hause, die noch ca. 4 Wochen in der Klinik bleiben musste. Die Schwestern der Neonatologie zeigten mir bei der Entlassung auch noch kurz, wie man ein Baby wickelt und badet. (Und ja, ich habe die Windeln tatsächlich beim ersten Mal falsch herum gehalten… 😉 ) Von da an waren wir auf uns alleine gestellt.

Während ich eine Hebamme vor der Geburt nicht so sehr vermisst habe, da ich exzellent betreut wurde, hätte ich mir insbesondere in der erste Zeit alleine mit dem Kind zu Hause gewünscht, eine erfahrene Hebamme an meiner Seite zu haben. Gerade als Erstgebärende ist man ja noch total unerfahren und die Betreuung einer Hebamme, an die man alle seine Fragen und Ängste richten kann, gibt einem viel Sicherheit und Ruhe.

Daher unterstütze ich die #DankDir-Kampagne von Pampers, die auf die Bedeutung der Hebammen für die jungen Mütter aufmerksam macht. Pampers unterstützt in diesem Zug den Deutschen Hebammenverband (DHV) mit einer Spende von 50.000 Euro.

Ich hoffe, eine erhöhte Wahrnehmung in der Öffentlichkeit sorgt langfristig wieder für mehr Hebammen in Deutschland. Denn erst kürzlich veröffentlichte die Welt Studienergebnisse, die besagen, dass 25% der werdenden Mütter in Bayern Schwierigkeiten haben, eine Hebamme zu finden. Die Vorsitzende des Bayerischen Hebammen-Landesverbandes (BHLV), Astrid Giesen, erwartet eher noch eine Verschärfung der Lage, da 80% der Hebammen künftig ihre Mehrarbeitszeit reduzieren möchten.

Keine Hebamme für die Wochenbett Nachsorge gefunden? Keine Panik!

Und so sorgst Du Dich jetzt vielleicht auch, dass Du keine Hebamme für eine Wochenbettbetreuung Deines kleinen, bevorstehenden Wunders findest. Dabei möchtest Du doch nur, dass da Jemand ist, der ein aufmerksames Auge auf Dich und Dein Baby hat. Der Dir Fragen beantwortet, wenn Du mal nicht weiter weißt und Dir zuhört, wenn Du unsicher bist oder vielleicht auch manchmal traurig. Oder der sich mit Dir freut, wenn Dein Herz vor lauter Liebe überquillt.

Deshalb möchten wir Dir ein paar wunderbare Alternativen aufzeigen, damit Du dennoch entspannt Deine Schwangerschaft genießen kannst, weil Du weißt, es gibt noch andere Möglichkeiten.

Hebammensprechstunden

In fast jedem Stadtteil gibt es Hebammenpraxen, die, auch wenn sie keine Kapazitäten für Hausbesuche mehr haben, durchaus Sprechstunden auf Termin, für Mutter und Baby anbieten, wenn es Fragen und Unsicherheiten gibt.

Ebenso findest Du offene Hebammensprechstunden in Elternschulen, Familienbildungsstätten oder Geburtshäusern, wo Du ohne Anmeldung vorbei schauen kannst, um Dir Rat zu holen.

Mütterberatung

Auch die Mütterberatung gibt eine tolle Hilfestellung, wenn es rund um die Kindergesundheit geht. Hier sind in offenen Sprechstunden, Kinderkrankenschwestern, Pädagogen, Hebammen und Ärztinnen vor Ort.

Im Internet findest Du, je nach Stadtteil, vielfältige Angebote dieser Anlaufstellen und die Öffnungszeiten.

Diese Sprechstunden sind eine tolle Sache, die nur einen Haken hat: Du musst dabei das Haus und Dein heimeliges Wochenbett verlassen.

Vielleicht fühlst Du Dich aber noch gar nicht in der Lage mit Deinem Baby in die große weite Welt hinaus zu gehen, sei es jetzt aus gesundheitlichen, praktischen oder emotionalen Gründen.

Mütterpflegerin

Eine besonders wertvolle Betreuung möchten wir Dir deshalb nicht vorenthalten und das ist eine Begleitung durch eine Mütterpflegerin. Sie kommt zu Dir nach Hause und umsorgt Dich in der magischen Wochenbettzeit. Speziell auf das Wochenbett geschult, hat sie Dich und Dein Baby im Blick, beantwortet Fragen, wenn es ums Stillen, Säuglingspflege, Ernährung und Unsicherheiten geht und entlastet Dich, in dem sie kleine Haushaltstätigkeiten übernimmt. Mütterpflegerinnen hören sich Deine Sorgen, Ängste und auch Freuden an und bemuttern Dich in dieser Phase der Neufindung als Mutter. Auf der Seite www.muetterpflege-hamburg.de findest Du Informationen rund um den Service und eine Liste von Mütterpflegerinnen, die verschiedene Stadtteile betreuen.

Noch ein paar Tipps:

Um kurzfristig Antworten auf Fragen, rund um Schwangerschaft, Geburt und Baby zu erhalten, gibt es die Hotline „Call a midwife“, wo Du Hebammen per Mail, Face to Face oder als SMS kontaktieren kannst (www.call-a-midwife.de).

Praktische Hilfe nach der Geburt findest Du auch bei „Wellcome“, die moderne Nachbarschaftshilfe. Hier werden Familien von ehrenamtlichen Begleitern im ersten Lebensjahr unterstützt und im Alltag entlastet. Informationen dazu findest Du unter www.wellcome-online.de.

In jedem Fall lohnt sich immer mal wieder ein Blick auf die Hebammenliste zu schauen, wo Hebammen, die unvorhergesehen noch kurzfristig freie Kapazitäten haben, zu finden sind. (www.hebammen.info)

Frag auch in Deiner Geburtsklinik mal nach Babylotsen. Diese stehen Dir hilfreich zur Seite und können Dir Tipps zur Findung der richtigen Betreuung geben.

Du siehst, es gibt vielfältige Möglichkeiten, damit Du und Dein Baby wohlbehütet im Wochenbett betreut werden, dass Deine Fragen eine Antwort finden und Du Dich sicher und gut aufgehoben fühlst.

Und um die Situation zu verbessern, trage deinen Hebammenmangel ein. um die Unterversorgung zu erfassen. https://www.unsere-hebammen.de/mitmachen/unterversorgung-melden/

Ab wann soll ich eine Hebamme suchen?

Viele Frauen begeben sich erst spät auf die Suche nach einer Hebamme. Jedoch leisten sie viel mehr als nur Geburtshilfe und Nachsorge. Lesen Sie hier, wie Sie schon in der Schwangerschaft von einer Hebamme profitieren.

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Ob und ab wann eine Hebamme sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, welche Leistungen der Hebamme Sie überhaupt in Anspruch nehmen möchten. Soll eine Hebamme Sie während der gesamten Schwangerschaft begleiten, ist es empfehlenswert, bereits bei den ersten Schwangerschaftsanzeichen mit der Suche zu beginnen; wünschen Sie lediglich Unterstützung bei der Nachsorge, kann die Wahl der passenden Hebamme auch erst zu Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels erfolgen.

Die Hebamme als wichtige Ratgeberin in der Schwangerschaft

Ist ein Baby unterwegs, stellen sich besonders Erstgebärenden von Anfang an viele Fragen. Auch Unsicherheit und Angst vor dem Krankenhaus und der Geburt sind häufig. Daher wünschen sich viele Schwangere eine Bezugsperson, die sie persönlich betreut und ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite steht. Eine Hebamme kümmert sich während der gesamten Schwangerschaft um Sie. Sie beantwortet aufkommende Fragen und geht einfühlsam auf Ihre Sorgen und Nöte ein. Sie berät Sie zudem bei Schwangerschaftsbeschwerden wie Morgenübelkeit, Blähungen oder Rückenschmerzen. Die meisten Frauen ziehen die gemütliche, ruhige Atmosphäre in der Hebammenpraxis dem lebhaften Betrieb beim Frauenarzt vor. Es fällt ihnen hier leichter, Vertrauen zu fassen und offen über ihre Gedanken und Sorgen zu sprechen.

Für die Vorsorge – ab wann eine Hebamme suchen?

Verläuft Ihre Schwangerschaft normal und unauffällig, haben Sie die Möglichkeit, die Schwangerschaftsvorsorge komplett von der Hebamme übernehmen zu lassen. In diesem Fall müssen Sie nur die Ultraschalluntersuchungen bei einem Frauenarzt durchführen lassen. Diese drei Basisuntersuchungen finden gewöhnlich während

  • der 9. und 12. Schwangerschaftswoche,
  • der 19. und 22. Schwangerschaftswoche sowie
  • der 29. und 32. Schwangerschaftswoche statt.

Liegen besondere medizinische Gründe vor, können weitere Ultraschalluntersuchungen notwendig werden.

Bei einer Hebamme Rat zu finden, heißt nicht, komplett auf ärztlichen Beistand zu verzichten.

Die übrige Vorsorge übernimmt die Hebamme. Die Antwort auf die Frage, ab wann Sie Ihre Hebamme suchen sollten, lautet in diesem Fall: so früh wie möglich. Wenn Sie erste Anzeichen wie das Ausbleiben der Periode, Ziehen in den Brüsten oder Übelkeit bemerken und/oder wenn ein Schwangerschaftstest positiv ausgefallen ist, können Sie bereits damit beginnen, eine Hebamme zu finden. Sie ist durch ihre medizinischen Fachkenntnisse ebenso wie ein Arzt dazu befähigt, die Schwangerschaft festzustellen und den Mutterpass auszustellen.

Zusätzlich wird eine Hebamme beim Vorsorgetermin

  • Ihren Blutdruck und Ihr Gewicht kontrollieren
  • Blutuntersuchungen durchführen
  • Ihren Urin auf Zuckergehalt und Eiweiß testen
  • die Herztöne des Babys abhorchen
  • bei fortschreitender Schwangerschaft durch geübtes Tasten Lage und Größe des Kindes bestimmen.

Wichtig: Sollte die Hebamme Komplikationen oder Unregelmäßigkeiten feststellen, wird sie Sie auf jeden Fall zu einem Frauenarzt überweisen.

Bei einer Hebamme Rat zu finden heißt demnach nicht, komplett auf ärztlichen Beistand zu verzichten. Bei der Vorsorge durch die Hebamme beschränkt dieser sich jedoch im Normalfall auf ein Minimum. Das soll die Eigenständigkeit und das Selbstvertrauen der Schwangeren fördern. Immerhin sind Sie als gesunde Schwangere nicht krank. Sie erwarten „nur“ ein Baby.

Der Geburtsvorbereitungskurs

Während des Kurses vermittelt Ihnen die Hebamme wichtige Informationen über den Verlauf von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

Eine weitere äußerst hilfreiche Leistung der Hebammen sind Geburtsvorbereitungskurse. Hierbei haben Sie die Wahl zwischen unterschiedlichen Kursangeboten:

  • Kurse nur für Schwangere
  • Paar-Kurse für beide Elternteile
  • Auffrischungskurse für Mütter, die bereits ein oder mehrere Kinder bekommen haben.

Während des Kurses vermittelt Ihnen die Hebamme wichtige Informationen über den Verlauf von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Sie gibt Tipps zu Bewegung in der Schwangerschaft, zeigt Ihnen Entspannungs- und Atemübungen für die Geburt und klärt Sie über unterschiedliche Geburtsarten und -positionen auf. Auch erste Tipps für die Stillzeit und die Pflege des Säuglings gehören dazu.

Die Hebamme während der Geburt

Egal, ob Sie Ihr Kind zu Hause, im Geburtshaus oder in der Klinik zur Welt bringen möchten: Auch während der Geburt ist die Hebamme Ihre wichtigste Ansprechpartnerin. Wenn Sie Ihre Vorsorge bei ihr gemacht haben, kann sie unter Umständen auch als Beleghebamme mit in den Kreißsaal kommen. Das bedeutet, dass Sie diese wichtige Zeit mit jemandem durchleben, den Sie gut kennen. Das kann besonders dann von Vorteil sein, wenn Sie zum ersten Mal ein Kind bekommen und/oder Angst vor der Geburt haben. Bei der Hebamme Ihres Vertrauens finden Sie die nötige Ruhe und Geborgenheit, um sich den besonderen Anforderungen der Geburt gut gerüstet stellen zu können. Informieren Sie sich frühzeitig darüber, ob es in Ihrer Klinik möglich ist, die eigene Hebamme mitzubringen.

Eine Hebamme darf eine Geburt von der Wehentätigkeit bis zur Abnabelung des Neugeborenen komplett alleine betreuen.

Wichtig: Wenn Sie für die Schwangerschaftsvorsorge keine eigene Hebamme suchen wollen, stehen Ihnen im Kreißsaal festangestellte Fachkräfte rund um die Uhr zur Verfügung.

Auch diese werden Sie bei der Geburt nach Kräften unterstützen und Ihrem Baby dabei helfen, zur Welt zu kommen. Übrigens: Eine Hebamme darf eine Geburt von der Wehentätigkeit bis zur Abnabelung des Neugeborenen komplett alleine betreuen. Ein Arzt muss dagegen bei jeder Geburt eine Hebamme dazu holen. Er hat laut Gesetz eine Hinzuziehungspflicht.

Für die Nachsorge – ab wann muss ich eine Hebamme suchen?

Die Betreuung durch die Hebamme schließt in der Regel mit den Besuchen bei den Wöchnerinnen zu Hause ab. Die Krankenkassen bezahlen in den ersten zehn Tagen einen oder bei Bedarf sogar zwei Hausbesuche täglich. Darüber hinaus haben Sie in den ersten acht Wochen ein Anrecht auf bis zu 16 weitere Besuche. Bei diesen Visiten kontrolliert die Hebamme die Wundheilung, das Trinkverhalten und das Gewicht des Kindes und gibt Ratschläge zur Säuglingspflege und dem Stillen. Sie sollten rechtzeitig damit beginnen, eine für die Nachsorge geeignete Hebamme zu suchen. Fangen Sie idealerweise bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel damit an.

Wenn Sie sich erst in der Klinik entscheiden, von diesem Angebot Gebrauch zu machen, helfen Ihnen die Fachkräfte auf der Wöchnerinnenstation dabei, eine Hebamme zu finden. Oftmals übernimmt die Hebamme, die Sie entbunden hat, diese Hausbesuche.

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Ich wusste schon in der Grundschule, dass ich Hebamme werden möchte. Meine Eltern haben ziemlich früh Kinder bekommen, zu meiner Grundschulzeit waren eigentlich immer Freund*innen meiner Eltern schwanger. Ich fand das sehr faszinierend, dass da ein Mensch im Bauch wächst. Dass man durch die Bauchdecke Kontakt aufnehmen kann zu diesem Menschen und wie dieser Mensch dann irgendwann geboren wird. Ich wollte nie etwas anderes werden als Hebamme, für mich gab es nie eine Alternative.

Das ist auch heute noch so. Aber es wird schwieriger. Als Hebamme kann man nicht halbherzig arbeiten. Über die Jahre zehrt dieser emotional anstrengende Job an den Kräften. Ich erziehe meine Tochter allein und merke manchmal nach einer Schicht, dass ich bei der Arbeit all meine Empathie gelassen habe und zu meiner Tochter nicht mehr so verständnisvoll bin, wie ich es gern wäre. Manche Leute denken, dass man in dem Job abstumpft, aber das stimmt nicht. Das ist auch das Schöne an meinem Beruf. Aber der Schichtdienst und das Emotionale, das zehrt schon an den Kräften.

Ich arbeite immer zwölf Stunden, entweder von sechs bis 18 Uhr oder von 18 Uhr bis um sechs Uhr morgens. Das geht nur, weil meine Tochter auch mal bei meiner Mutter schlafen kann. Eine Zwölf-Stunden-Schicht klingt hart, aber so habe ich an anderen Tagen mehr Freizeit. Für die Gebärenden ist es so auch viel besser. Die Geburt einer Erstgebärenden dauert im Schnitt zehn bis zwölf Stunden. Mit unserem Schichtsystem ist die Chance groß, dass ich eine Geburt komplett begleiten kann. Seit zwölf Jahren arbeite ich in derselben Klinik. Acht Jahre war ich fest angestellt, bis schließlich auf das Belegsystem umgestellt wurde. Als Beleghebammen sind wir Freiberuflerinnen und rechnen direkt mit der Krankenkasse ab. Je mehr ich arbeite, desto höher ist mein Verdienst. Als Beleghebamme kann man mehr als Vollzeit arbeiten und so vom Beruf leben. Wenn ich angestellt wäre, könnte ich von einer Vollzeitstelle mein Leben in München nicht finanzieren. Meine Situation ist dennoch privilegiert, wir haben jährlich knapp 4.000 Geburten, die Kolleginnen an den kleinen Kliniken haben es viel schwerer. Sie haben nicht so viele Geburten und können dann eben auch keine Leistungen abrechnen.

Es gibt Tage, an denen ich denke: Dass heute alles gut gegangen ist, ist einfach nur Glück.

In der Geburtshilfe ist es aktuell so wie bei einem alten Auto. Eigentlich ist das Auto schon gar nicht mehr straßentauglich. Aber weil es die einzige Möglichkeit der Fortbewegung ist, steckt man all die Energie rein. Wahrscheinlich müsste das Auto einmal richtig zusammenbrechen, damit sich etwas ändert. Wir haben oft nicht genug Personal in der Wochenbettstation und können deshalb niemanden im Kreißsaal aufnehmen. Die Frauen müssen dann in eine andere Klinik verlegt werden, ich rufe also fünf bis sechs andere Kliniken an, denen es genauso geht. Am Ende finden wir immer einen Platz. Aber es gibt Tage, an denen ich denke: Dass heute alles gut gegangen ist, ist einfach nur Glück. Wobei gut gegangen dann eben auch nur bedeutet: Alle haben überlebt.

Glückssache Geburt

Ob die Frau aus der Geburt traumatisiert herausgeht, weil sie unter der Geburt die meiste Zeit allein war und die Hebamme nur ab und zu reinspringen konnte, zählt am Ende für die Statistik nicht. „Kind ist geboren, Mutter offenbar gesund“, damit ist die Sache scheinbar erledigt. Dahinter steckt aber viel mehr. Eine Frau, die von einer Geburtserfahrung traumatisiert ist, die vielleicht keine Nachsorgehebamme mehr findet, wie es ihr nach einigen Jahren geht, das taucht in keiner Statistik auf. Das fällt immer unter den Tisch, wie sich die schlechten Bedingungen unter der Geburt langfristig auswirken. Aktuell ist es Glückssache, wie eine Geburt betreut werden kann.

„Als Hebamme kann ich aktuell nicht empfehlen, Kinder zu bekommen“, habe ich letztens getwittert. Auf meine Tweets zur Situation in der Geburtshilfe gibt es viele Reaktionen. Ich finde es total wichtig, dass die Leute wissen, dass nicht alles gut ist in der Geburtsversorgung. Wenn wir nicht darauf aufmerksam machen und wenn wir nicht darüber sprechen, dann wird sich nichts ändern. Wir mussten mal den Kreißsaal schließen, weil wir keine Krankenschwestern auf der Wochenbettstation hatten. Wir hätten also arbeiten können, konnten aber nicht und mussten Frauen nach Hause oder in andere Kliniken schicken. Ich bin auch großer Fan von ambulanten Geburten, aber da kommt dann das nächste Problem dazu: Viele Frauen finden gar keine Hebamme mehr für die Wochenbettbetreuung und auch keinen Kinderarzt. Sie finden schlicht niemanden und sind dann oft darauf angewiesen, dass die Betreuung noch im Krankenhaus stattfindet.

Hebammen, Haftpflicht & Hilfe
Alle Frauen in Deutschland haben das Recht auf Hebammenhilfe – von der Feststellung der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit. Eine Hebamme zu finden, die Schwangere und Mütter mit ihren Familien bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett betreut, ist nicht mehr immer und überall in Deutschland möglich. Personalengpässe in Kliniken sind an der Tagesordnung. Dazu haben sich die Haftpflichtversicherungsprämien für Hebammen von 2002 bis 2017 mehr als verzehnfacht.

Den Hebammenmangel sichtbar macht die Aktion „Lieber Jens“. Hebammen rufen dazu auf, dem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Postkarten zu schicken, „um mit viel Post auf die unhaltbaren Zustände in Deutschland aufmerksam zu machen“.

Das Problem ist seit vielen Jahren absehbar. Bei uns im Krankenhaus fing es ganz langsam an, erst mit einer Frau, die wir wegschicken musste. Mittlerweile habe ich darin schon so etwas wie Routine. Ich weiß noch genau, wie das am Anfang war. Da wollte ich am liebsten selber weinen. Wie soll ich der Schwangeren jetzt sagen, dass ich keine Zeit für sie habe? Ich konnte mich ja in sie reinversetzen. Sie hat Schmerzen, sie hat Ängste und ich bin die Person, die helfen soll. Sie kommt in den Kreißsaal und denkt, jetzt kann ich mich fallen lassen – und dann bekommt sie genau das Gegenteil zu hören. Heute weiß ich, wie ich mit dieser Situation umgehen kann. Wir kümmern uns um eine Alternative, rufen einen Krankenwagen. Aber es ist nach wie vor eine unschöne Situation.

Aufwertung sozialer Berufe

Ich wünsche mir, in den Kreißsaal zu kommen und eine Schwangere mit ihrer Geburt zu betreuen. Ohne viel Bürokratie, ohne Zeitdruck. Dass ich weiß, dass alle Frauen im Kreißsaal gut betreut sind, auch wenn sie anschließend auf die Wochenbettstation kommen. Was sich dafür ändern muss, ist ziemlich klar. Soziale Berufe müssen attraktiver werden. Ich finde das fast paradox, dass so viel überlegt wird, was sich eigentlich ändern muss, weil es so auf der Hand liegt. Ich lebe in München, hier kann sich einfach niemand leisten, Krankenschwester zu sein. Von einer Vollzeitstelle als Krankenschwester kann sich niemand in München eine Wohnung leisten. Zudem bräuchte es bessere Kinderbetreuung, damit es möglich ist, im Schichtdienst zu arbeiten.

Viele meiner Kolleginnen hören auf, als Hebammen zu arbeiten, viele studieren dann Medizin. Obwohl ihre Leidenschaft im Hebammenberuf liegt, entscheiden sie sich für das Studium. Einfach, weil man als Ärztin vom Gehalt leben kann. Ich habe auch mal drei Semester Medizin studiert. Für mich kommt ein Jobwechsel allerdings nicht in Frage. Ich bin Hebamme und ich möchte Frauen unter der Geburt betreuen. Es war mein Traumjob und es bleibt mein Traumjob, trotz der immer schlechter werdenden Bedingungen.

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