Geburt nach termin

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Wann muss eine Geburt eingeleitet werden?

Die Todesfälle sind traurig, aber: Sie traten alle in der Studien-Gruppe auf, in der die Geburt erst am Ende der 42. Woche eingeleitet wurde, also zwei Wochen nach dem errechneten Geburtstermin. In der anderen Gruppe, in der eine Woche nach dem Termin eingeleitet wurde, gab es keine Todesfälle. Ein bis sieben Tage nach dem errechneten Geburtstermin abzuwarten, scheint also deutlich sicherer zu sein, als sieben bis 14 Tage zu warten. Das zeigt auch eine andere ältere Studie.

Unterschied zwischen 41. und 42. Woche

Eine Cochrane-Studie aus dem Jahr 2012, für die mehrere kleinere Studien zu diesem Thema zusammen ausgewertet wurden, ergab ein ähnliches Ergebnis: Wenn der Geburtstermin um mehr als eine Woche überschritten ist, dann senkt die Einleitung der Geburt das Risiko, dass das Baby stirbt. Wird nach der 41. Woche nicht die Geburt eingeleitet, sondern weiter gewartet, dann kommt es zu etwas mehr Todesfällen, als wenn am Ende der 41. Woche eingeleitet wird: pro tausend Babys zwei Todesfälle mehr.

Es kommt auch etwas häufiger dazu, dass das Baby bei der Geburt etwas von dem sogenannten Kindspech einatmet, dem ersten Stuhlgang eines Neugeborenen, der auch schon während der Geburt abgehen kann. Das kann zu schweren Atemproblemen führen. Das alles spricht dafür, vor der 42. Woche die Geburt einzuleiten. Aber: Warum sollte man überhaupt abwarten?

Der errechnete Geburtstermin ist eine Schätzung

Errechnet wird der Geburtstermin so: erster Tag der letzten Monatsblutung plus 40 Wochen. So ergeben sich drei Ungenauigkeiten: Erstens rechnen Frauenärzte in der Regel mit einem Zyklus von 28 Tagen. Manche Frauen haben aber einen deutlich kürzeren Zyklus, manche einen deutlich längeren. Wenn eine Frau also einen Zyklus von 32 Tagen hat, müsste man eigentlich vier Tage auf den pauschal errechneten Geburtstermin draufschlagen.

Zweitens weiß nicht jede Frau noch den ersten Tag ihrer letzten Periode, wenn sie vielleicht erst im zweiten oder dritten Monat merkt, dass sie schwanger ist. Drittens ist jede Mutter und jeder Fötus anders. Dass eine Schwangerschaft genau 40 Wochen dauert, ist eine Richtschnur. Deswegen vertrauen viele Ärzte und Mütter darauf, dass es dem Kind gut tut, wenn es noch ein paar Tage länger im Bauch bleibt, und warten ab. In Deutschland werden Mutter und Kind allerdings ab dem errechneten Geburtstermin gut überwacht und wenn sich Probleme zeigen, wird schnell eingegriffen.

Schwangerschaft und Geburt

Wann wird eine Geburtseinleitung nötig?

(PantherMedia / Tyler Olson) Wenn der errechnete Geburtstermin ein paar Tage überschritten ist, sich aber sonst keine Probleme zeigen, besteht kaum Gefahr für das ungeborene Kind. Wird der Termin jedoch um mehr als eine Woche überschritten, senkt eine Geburtseinleitung das Risiko für Komplikationen.

Die meisten Babys werden um den errechneten Geburtstermin herum geboren, in der Regel innerhalb von zwei Wochen davor oder danach. Eine Schwangerschaft, die länger dauert als 40 Wochen (280 Tage), wird in Deutschland zunächst als Terminüberschreitung, ab Ende der 42. Woche als „übertragene“ Schwangerschaft bezeichnet. Geht es der Schwangeren und dem Ungeborenen gut, besteht für beide in der ersten Woche nach dem errechneten Geburtstermin kein besonderes Risiko.

Danach erhöht sich jedoch langsam die Wahrscheinlichkeit, dass bei der werdenden Mutter oder dem Kind gesundheitliche Probleme auftreten können. Dann kann die Geburt schnell eingeleitet oder das Baby per Kaiserschnitt entbunden werden. Normalerweise ist dies aber nicht nötig, da die Wehen auch nach dem errechneten Termin bei den meisten Frauen immer noch rechtzeitig von selbst einsetzen.

Vor- und Nachteile einer Geburtseinleitung

Eine Übertragung kann vor allem für das Kind Nachteile haben. Das Hauptrisiko ist, dass der Mutterkuchen (Plazenta) es nicht mehr richtig versorgen kann. Es kann zudem etwas häufiger zu einer Infektion in der Gebärmutter oder zu unerwarteten Komplikationen während der Geburt kommen. Für die Schwangere bestehen weniger Risiken. Wird das Kind zu groß, kann jedoch die Geburt erschwert sein.

Wenn die Wehen aber lange nach dem errechneten Termin nicht von selbst einsetzen oder eingeleitet werden, kann sich die Gesundheit des Ungeborenen oder der Schwangeren irgendwann so schnell verschlechtern, dass ein sofortiger Kaiserschnitt nötig wird.

Bei einer einzelnen Frau lässt sich nur sehr schwer sagen, ob ihre Schwangerschaft zu lange dauert. Bei den meisten Kindern sind auch einige Tage nach dem errechneten Geburtstermin bei den ärztlichen Untersuchungen keine Auffälligkeiten zu sehen. Um Komplikationen vorzubeugen, wird aber meist ein Zeitpunkt festgelegt, ab dem eine Geburtseinleitung grundsätzlich sinnvoll ist, auch wenn es der werdenden Mutter und dem Ungeborenen dann immer noch gut geht.

Eine Geburtseinleitung ist dann sinnvoll, wenn ihre Vorteile für Mutter und Kind größer sind als die Nachteile, die sie mit sich bringt.

Nach der 41. Woche überwiegen die Vorteile einer Geburtseinleitung

Eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration hat untersucht, ab welchem Zeitpunkt in der Schwangerschaft eine Geburtseinleitung sinnvoll ist. Sie haben dazu nach Studien gesucht, in denen Schwangere eingewilligt hatten, dass die Geburt entweder zu einem festen Zeitpunkt eingeleitet wird oder nur dann, wenn Probleme auftreten. Die Frauen wurden anschließend per Zufall einer der beiden Gruppen zugeteilt. An den Studien nahmen nur Frauen teil, die kein besonderes Risiko für Geburtskomplikationen hatten. Frauen mit bereits bekannten Gesundheitsproblemen durften nicht teilnehmen.

Die Frauen, bei denen die Geburt nicht eingeleitet wurde, wurden regelmäßig untersucht, meist zweimal pro Woche. So konnten die Ärztinnen und Ärzte feststellen, ob Probleme auftreten, die doch eine Geburtseinleitung oder einen Kaiserschnitt nötig gemacht hätten. Bei den Untersuchungen wurde unter anderem das Herz des Ungeborenen elektronisch überwacht und die Fruchtwassermenge gemessen.

Insgesamt fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 22 Studien mit etwa 9400 Teilnehmerinnen. Die Ergebnisse zeigten: Wenn der Geburtstermin um mehr als eine Woche überschritten ist, kann eine Einleitung das Risiko senken, dass ein Baby stirbt.

Die Studienergebnisse

Zehn Studien mit rund 6000 Frauen haben untersucht, ob eine Einleitung der Geburt eine Woche nach Termin das Risiko für den Tod eines Babys senken kann. Das wichtigste Ergebnis war:

  • Ohne Einleitung: Bei 1000 Geburten, die nicht zu einem festgelegten Zeitpunkt eingeleitet wurden, starben etwa 3 Kinder.
  • Mit Einleitung: Bei 1000 Geburten, die nach Ende der 41. Woche eingeleitet wurden, starb weniger als 1 Kind.

In den Studien konnte die Geburtseinleitung nach der 41. Woche also schätzungsweise 2 von 1000 Babys davor bewahren, bei oder kurz nach der Geburt zu sterben.

Durch die Geburtseinleitung nach der 41. Woche kam es zudem seltener zu anderen Problemen, wie zum Beispiel dem Einatmen von Kindspech (Mekonium), der sogenannten Mekoniumaspiration. Kindspech ist die Bezeichnung für Darminhalt, den das Baby während der Geburt ins Fruchtwasser ausscheidet. Wenn das Kind während der Geburt sehr unter Stress ist, kann es sein, dass es Kindspech einatmet und dieser in die Lunge gelangt. Eine Mekoniumaspiration kann dann schwere Atemprobleme auslösen. Die Studien zeigten dazu folgende Ergebnisse:

  • Ohne Einleitung: Etwa 11 von 1000 Babys, deren Geburt nicht zu einem festen Zeitpunkt eingeleitet worden war, hatten eine Mekoniumaspiration.
  • Mit Einleitung: Im Vergleich dazu hatten etwa 7 von 1000 der per Geburtseinleitung zur Welt gekommenen Babys eine Mekoniumaspiration.

Bei einer Übertragung wird häufig ein Kaiserschnitt erforderlich. Dieser Eingriff kann auch mit Risiken wie Blutungen, Infektionen und Wundheilungsstörungen verbunden sein. Die Studien zur Geburtseinleitung zeigen, dass das Risiko für einen Kaiserschnitt etwas sinkt, wenn die Geburt nach der 41. Woche eingeleitet wird:

  • Ohne Einleitung: Bei etwa 180 von 1000 Frauen wurde per Kaiserschnitt entbunden.
  • Mit Einleitung: Bei etwa 160 von 1000 Frauen wurde per Kaiserschnitt entbunden.

Ob und wenn ja, wann eine Geburt eingeleitet wird, ist letztlich eine individuelle Entscheidung. Sie hängt vor allem davon ab, ob das Risiko für Komplikationen bei der Geburt erhöht ist. Das Risiko wird unter anderem davon beeinflusst, wie weit der Termin überschritten ist, wie alt eine Frau ist und wie groß das Kind ist.

Quellen

Gülmezoglu AM, Crowther CA, Middleton P, Heatley E. Induction of labour for improving birth outcomes for women at or beyond term. Cochrane Database Syst Rev 2012; (6): CD004945.

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Schlagwörter: D50, D64, Entbindung, F82, F83, F89, Fortpflanzung und Geburt, Frauengesundheit, Frühgeburt, Geburt, Kaiserschnitt, Kind und Familie, Morgenübelkeit, O09, O26, R11, Regurgitation, Schwangerschaft, Spucken bei Babys, Übelkeit, Übertragung, Z34, Z38 Aktualisiert am 7. März 2018 7. März 2018
Erstellt am 24. September 2008
Nächste geplante Aktualisierung: 2021
So arbeiten wir Autoren/Herausgeber: Institut für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Über die Autoren und das Institut

Geburt einleiten – sechs Methoden im Überblick

Warum manche Kinder zu früh, andere auf den Tag genau geboren werden und manche Babys sich länger Zeit lassen, ist nicht komplett erforscht. Dennoch scheinen einige Faktoren die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass ein Baby nach dem errechneten Termin zur Welt kommt. Erstgebärende etwa oder stark übergewichtige Frauen tragen ihre ­Kinder oft länger aus. Experten vermuten auch, dass die Gene des Kindsvaters eine Rolle spielen, ebenso ein männliches Geschlecht des Babys.

Das raten Experten

Was Geburtshelfer im Falle einer Terminüberschreitung oder Übertragung raten, steht in einer Leit­linie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Sie rät Ärzten, Schwangeren ohne erkennbarem Risiko wie etwa Diabetes oder einer Plazentaschwäche ab der Schwangerschaftswoche 41+0 eine Geburtseinleitung anzubieten und sie ab 41+3 zu empfehlen. Spätestens 14 Tage nach dem errechneten Geburtstermin ist eine Einleitung angezeigt.

Wieso die Geburt eingeleitet wird

Doch warum wartet man nicht einfach ab, bis sich von selbst etwas tut? „Zwar geht es bei allen Schwangeren irgendwann los“, sagt Professor Dr. Franz Kainer, Chefarzt der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatalmedizin der Klinik Hallerwiese in Nürnberg, der die Leitlinie mit erarbeitet hat. „Manchmal ist aber die Gesundheit von Mutter und Kind gefährdet, im schlimmsten Fall stirbt das Kind im Mutterleib.“ Das Sterbe­risiko des Ungeborenen steigt ab SSW 38 bis 42 zwar sehr gering, aber kontinuierlich an. Mit einer Einleitung ab SSW 41+0 sinkt es signifikant. Das zeigen Studien, die Kainer und seine Kollegen für die Leitlinie ausgewertet haben.

Gefährlich für das Baby kann es etwa werden, wenn die Fruchtwasser­menge zu stark abnimmt oder der Mutterkuchen das Baby im Bauch nur noch eingeschränkt versorgt. Aber auch wenn die Plazenta weiterhin gut arbeitet, kann es zu Komplikationen kommen: Das Geburts­gewicht von Kindern, die deutlich über Termin sind, liegt häufig über 4000 Gramm, sodass viele Frauen Geburtsverletzungen, etwa Dammrisse dritten und vierten Grades erleiden. Oft dauern die Geburten zudem länger.

Erst abwarten, dann einleiten

Schwangere werden daher nach Terminüberschreitung engmaschig kontrolliert. Ab dem errechneten Termin empfehlen Mediziner die Untersuchung am CTG (Wehenschreiber) beim Arzt oder in der Geburtsklinik alle zwei Tage. „Außerdem wird die Gesundheit von Mutter und Kind regelmäßig per Ultraschall überwacht“, erklärt Klaudyna Golkowski, leitende Hebamme am Klinikum St. Marien in Amberg. Ist das Baby im Mutterleib gut versorgt, kann noch ein paar Tage gewartet werden.

Tut sich allerdings bis zur SSW 41+3 nichts, sollte laut Leitlinie sicherheitshalber eingeleitet werden – wobei immer die werdende Mutter das letzte Wort hat. „Keine Frau kann zu einer Einleitung gezwungen werden“, sagt Golkowski. In der Regel lässt die Klinik sich aber unterschreiben, dass die Mutter in diesem Fall auf eigenes Risiko handelt.

Um die Wehentätigkeit anzuregen, gibt es im Krankenhaus verschiedene Möglichkeiten. Nicht alle Verfahren eignen sich allerdings für jede Frau. Ein Überblick:

Wenn die Geburt des Babys auf sich warten lässt

(Jupiterimages / Pixland / Thinkstock) Die letzten Tage einer Schwangerschaft sind eine aufregende Zeit. Wenn der errechnete Geburtstermin überschritten ist, kann das Warten auf die Geburt aber auch belastend werden. Viele werdende Eltern fangen dann an, sich Sorgen zu machen. Solange keine besonderen Probleme auftreten, geht es dem Kind aber sehr wahrscheinlich gut.

Wenn eine Schwangerschaft normal lange gedauert hat, spricht man von einer termingerechten Geburt. Damit ist gemeint, dass das Baby nach ungefähr 40 Schwangerschaftswochen zur Welt kommt. Wird das Kind vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche geboren, handelt es sich um eine Frühgeburt. Eine zu frühe Geburt ist für das Baby mit verschiedenen Risiken verbunden. Wenn die Geburt etwas länger auf sich warten lässt, spricht man in Deutschland zunächst von einer Terminüberschreitung, ab Ende der 42. Woche dann von einer Übertragung. Diese wird international zum Teil anders definiert.

Etwa 60 von 100 Frauen bekommen ihr Kind vor oder bis zum errechneten Geburtstermin. Bei weiteren 35 von 100 setzen die Wehen innerhalb von zwei Wochen nach dem errechneten Termin von selbst ein. Bei etwa 5 von 100 Frauen dauert es jedoch länger.

Die Ursachen für eine Übertragung sind meist unbekannt. Manchmal ist es familiäre Veranlagung. Bei Frauen, die schon einmal ein Kind deutlich nach dem errechneten Termin bekommen haben, ist eine erneute Übertragung wahrscheinlicher.

Eine Geburt nach der 40. Woche schadet dem Kind nur selten. Dennoch wird der Arzt, die Ärztin oder Hebamme nach dem Überschreiten des Termins zur Sicherheit häufiger überprüfen, ob es dem Ungeborenen gut geht.

Ist eine längere Schwangerschaft ein Problem?

Solange es der werdenden Mutter und dem Kind gut geht, besteht in der ersten Woche nach dem errechneten Geburtstermin kein erhöhtes Risiko für Komplikationen. Auch danach steigt das Risiko, dass dem Kind etwas passiert, nicht stark an. Gewisse Risiken nehmen aber leicht zu. Die Hauptrisiken einer Übertragung für das Ungeborene sind,

  • dass der Mutterkuchen (Plazenta) seine Aufgaben allmählich nicht mehr richtig erfüllen kann,
  • dass sich innerhalb der Gebärmutter eine Infektion bildet oder
  • dass bei der Geburt unerwartete Probleme auftreten.

Für die Schwangere bestehen weniger Risiken. Wird das Kind zu groß, kann jedoch die Geburt erschwert sein.

Drei oder vier Wochen nach dem errechneten Geburtstermin sind fast alle Kinder geboren. Wenn ein Baby dann immer noch nicht auf die Welt gekommen ist, erhöht sich das Risiko einer Totgeburt. So späte Geburten sind jedoch selten, da sie spätestens zwei Wochen nach dem Termin bei fast allen Frauen eingeleitet wird.

Bei einer Geburtseinleitung werden die Wehen mit Hormonen oder anderen Methoden künstlich herbeigeführt.

Wie wird der Geburtstermin geschätzt?

Es ist wichtig, den ungefähren Geburtstermin zu kennen, denn davon hängen viele Entscheidungen ab. Das fängt an mit der Frage, wann der Mutterschutz beginnt. Das Datum ist auch zur Entscheidung wichtig, ob man sich über eine Geburtseinleitung Gedanken machen muss oder ob zusätzliche Untersuchungen nötig werden. Allerdings lässt sich der Geburtstermin nie sicher vorhersagen.

Um einzuschätzen, wie weit eine Schwangerschaft fortgeschritten ist, werden vor allem zwei Verfahren eingesetzt: Bei dem einen wird der Geburtstermin anhand des Datums der letzten Periode errechnet. Bei dem anderen wird die Größe des Ungeborenen mit einer Ultraschalluntersuchung gemessen.

Abschätzen des Geburtstermins anhand der letzten Periode

Die Dauer einer Schwangerschaft wird immer auf 40 Wochen oder 280 Tage geschätzt – auch wenn kaum eine Schwangerschaft genau 280 Tage dauert. Das Ausgangsdatum für diese 40 Wochen ist der erste Tag der letzten Periode. Die Schätzung ist aber nicht sehr zuverlässig: Nicht jede Frau kann sich an den genauen Tag erinnern. Zudem haben manche Frauen am Anfang ihrer Schwangerschaft noch eine leichte Blutung zu dem Zeitpunkt, an dem ihre Periode normalerweise fällig gewesen wäre. Daher kann es vorkommen, dass Frauen bereits einige Wochen länger schwanger sind, als ihnen bewusst ist.

Hinzu kommt, dass der Abstand zwischen zwei Menstruationsblutungen nicht immer genau vier Wochen beträgt. Auch wenn es einige Tage später zur Empfängnis kam als bei der Berechnung des Geburtstermins angenommen wird, ist die Vorhersage nicht ganz genau.

Wegen der häufigen Fehler bei der Schätzung des Empfängnistermins korrigieren Ärztinnen, Ärzte und Hebammen den so errechneten Geburtstermin. Dazu nutzen sie zum Beispiel die Größe des Kindes bei einer Ultraschalluntersuchung in der frühen Schwangerschaft.

Schätzung des Geburtstermins mittels Ultraschall

Beim Ultraschall (Fachbegriff: Sonografie) werden Schallwellen verwendet, die vom Körper des Ungeborenen zurückgeworfen und in ein Bild umgewandelt werden. So kann man sehen, was in der Gebärmutter passiert und wie groß das Kind ist. Von der Größe des Ungeborenen lässt sich auf das Schwangerschaftsalter schließen. Das Schwangerschafts- oder Gestationsalter besagt, wie lange die Schwangerschaft schon besteht.

In den ersten Wochen einer Schwangerschaft sind die Größenunterschiede zwischen Ungeborenen nur gering. Deshalb kann man mit einer Ultraschalluntersuchung innerhalb des ersten Trimesters (den ersten zwölf Wochen) der Schwangerschaft den Geburtstermin relativ gut einschätzen. Ganz genau ist aber auch die Ultraschalluntersuchung nicht.

In Deutschland wird normalerweise jeder Frau zwischen der neunten und zwölften Woche ihrer Schwangerschaft eine Ultraschalluntersuchung angeboten. Wenn die Schätzung des Geburtstermins anhand der Ultraschalluntersuchung stark vom Datum der letzten Periode abweicht, kann der Arzt, die Ärztin oder die Hebamme den Geburtstermin anpassen.

Wie wird untersucht, ob es dem Ungeborenen gut geht?

Bestimmte Untersuchungen können Hebammen und Ärzten helfen, mögliche Probleme für Mutter oder Kind festzustellen. Wenn der Geburtstermin überschritten ist, werden oft zusätzliche Beratungsgespräche und Untersuchungen angeboten. Bei einer Terminüberschreitung sind zwei Kontrolltermine pro Woche üblich.

Zu den Untersuchungen gehören ein sogenanntes Ruhe-Kardiotokogramm (Ruhe-CTG oder Non-Stress-Test) und ein Ultraschall. Mithilfe eines Ruhe-CTGs kann der Herzschlag des Ungeborenen überwacht werden. Die Ultraschalluntersuchung dient dazu, die Größe des Kindes und die Fruchtwassermenge zu bestimmen. Möglicherweise wird auch auf Anzeichen für eine Infektion untersucht, besonders wenn Fruchtwasser ausgetreten ist. Außerdem werden manchmal Tests eingesetzt, die als „biophysikalisches Profil“ bezeichnet werden. Dabei werden unter anderem die Bewegungen des Kindes gezählt.

Auch bei einer Terminüberschreitung verlaufen die meisten Geburten ohne Komplikationen. Um Risiken zu begrenzen, besteht die übliche Vorgehensweise darin, ab einem bestimmten Zeitpunkt jeder Schwangeren eine Einleitung der Geburt vorzuschlagen, auch wenn es der werdenden Mutter und dem Kind gut geht.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Geburtseinleitung?

Ob und wenn ja, wann eine Geburt eingeleitet wird, ist eine persönliche Entscheidung, die werdende Eltern gemeinsam mit den betreuenden Ärztinnen und Ärzten treffen können. Sie hängt vor allem davon ab, ob das Risiko für Komplikationen bei der Geburt erhöht ist. Entscheidend ist unter anderem,

  • wie weit der Termin überschritten ist,
  • wie alt eine Frau ist,
  • ob sie bereits ein Kind geboren hat,
  • ob sie raucht,
  • wie viel sie wiegt,
  • wie groß das Kind ist und
  • ob es Hinweise auf eine Gefährdung des Kindes gibt.

Eine Geburtseinleitung wird in der Regel dann angeboten, wenn sich bei einer Schwangeren oder dem Kind ein Problem zeigt, das eine Geburt erforderlich macht – aber nicht so dringlich ist, dass ein Kaiserschnitt nötig wird.

Doch auch wenn es keine Anzeichen für Komplikationen gibt, wird wahrscheinlich nach einer gewissen Zeit eine Geburtseinleitung vorgeschlagen.

Wenn der errechnete Geburtstermin bereits eine Woche überschritten ist, kann eine Einleitung das Risiko senken, dass das Kind stirbt. Dieses Risiko ist aber generell sehr gering: ohne Einleitung liegt es bei etwa 3 von 1000. Die Geburtseinleitung kann auch das Risiko für einen Kaiserschnitt und schwere Atemprobleme senken.

Was Studien sagen

Was kann man selbst versuchen, um die Geburt in Gang zu bringen?

Es gibt viele traditionelle Methoden, mit denen Frauen versuchen, die Geburt auszulösen. Dazu gehören zum Beispiel lange Spaziergänge. Manche Frauen versuchen es auch mit Sex oder stimulieren ihre Brustwarzen. Dem liegt die Theorie zugrunde, dass durch Hormone in der Samenflüssigkeit des Mannes oder die Hormone, die eine Frau bei sexueller Erregung freisetzt, der Muttermund weicher wird und sich leichter öffnet.

Diese Methoden sind sogar in Studien untersucht worden, die allerdings nur Hinweise geben konnten. Demnach kann es helfen, die Brustwarzen etwa ein bis drei Stunden pro Tag zu stimulieren. Die Ergebnisse zeigten:

  • Ohne Stimulation: Bei etwa 8 von 100 Frauen, die ihre Brust nicht stimuliert hatten, setzte innerhalb von 72 Stunden die Geburt ein.
  • Mit Stimulation: Bei etwa 39 von 100 Frauen, die ihre Brust stimuliert hatten, war dies der Fall.

Da an den Studien nur etwa 400 Frauen teilnahmen, handelt es sich bei den Zahlen nur um eine ungefähre Schätzung.

Durch die Bruststimulation sank auch das Risiko für Blutungen nach der Geburt. Der Nutzen der Bruststimulation zeigte sich aber nur bei Schwangerschaften, die ohne größere Probleme verlaufen sind. Dass Sex eine zeitigere Geburt fördert, konnten Studien bisher nicht belegen.

Es wird auch eine Reihe von weiteren Mitteln eingesetzt, um eine Geburt in Gang zu bringen: Manche Frauen trinken Himbeerblätter-Tee, um den Muttermund weicher zu machen, andere setzen homöopathische Mittel, Nachtkerzenöl oder Akupunktur ein. Andere versuchen es mit Hypnose. Es gibt aber keine wissenschaftlichen Belege, dass diese Maßnahmen eine Wirkung haben.

Als weiteres traditionelles Mittel zur Einleitung von Wehen gilt Rhizinusöl, zum Beispiel als Saftmischung, Einlauf oder als Kapsel zur Einnahme. Belege für eine positive Wirkung des Öls gibt es nicht. Studien zeigen aber, dass seine Einnahme bei den meisten Frauen Übelkeit auslöst. Weder die Sicherheit noch die Wirksamkeit von Rhizinusöl sind ausreichend untersucht.

Wie wird eine Geburt medizinisch eingeleitet?

Ärztinnen und Ärzte setzen viele unterschiedliche Verfahren ein, um eine Geburt einzuleiten. Einer der ersten Schritte besteht häufig darin, den Muttermund auf die Geburt vorzubereiten. Der Muttermund (Portio) ist die Öffnung der Gebärmutter. Während der Schwangerschaft ist er fest verschlossen. Sobald sich der Körper auf die Geburt vorbereitet, sorgen Hormone dafür, dass der Muttermund sich entspannt und weich wird. Wenn er für die Geburt bereit ist, spricht man von einem „reifen“ Muttermund. Hormone, besonders die Prostaglandine, können zum Beispiel als Gel auf den Muttermund aufgetragen werden, um ihn reif werden zu lassen. Sie können auch verwendet werden, um die Wehen herbeizuführen. Um den Muttermund zu dehnen, kann auch ein Ballonkatheter angewendet werden.

Manchmal reichen diese Maßnahmen aus, um die Geburt in Gang zu bringen. Wenn nicht, werden weitere Hormone eingesetzt. Dabei handelt es sich entweder um Prostaglandine oder Oxytocin. Diese Mittel können eingenommen, als Tabletten oder Zäpfchen in die Scheide gegeben oder als Infusion über einen Tropf in die Armvene (sogenannter„Wehentropf“) zugeführt werden.

Unterstützend kann bei einsetzenden Wehen auch die Fruchtblase eröffnet werden. Das geschieht mit einem schmerzlosen kleinen Schnitt, der auch als Amniotomie bezeichnet wird. Manchmal kann die Geburt auch in Gang gesetzt werden, indem eine Ärztin oder ein Arzt die Fruchtwasserhülle um das Baby vorsichtig mit einem Finger von der Gebärmutterwand löst. Dies nennt man „Lösung des unteren Eipols“. Beide Verfahren sind zwar meist nicht schmerzhaft, die meisten Frauen empfinden sie aber als unangenehm.

Die Eröffnung der Fruchtblase kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Daher ist es wichtig, dass die Geburt danach relativ bald beginnt, da das Kind nicht mehr durch das Fruchtwasser geschützt ist.

Bei den meisten Frauen verursacht eine Geburtseinleitung keine ernsthaften Beschwerden. Dennoch können Nebenwirkungen auftreten: Bei Prostaglandin sind dies vor allem Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Oxytocin kann dazu führen, dass sich im Körper Wasser sammelt und andere Probleme im Flüssigkeitshaushalt entstehen, wie zum Beispiel ein niedriger Natriumspiegel.

Die Menge an Hormonen im Wehentropf wird so angepasst, dass die Wehen so normal wie möglich ausfallen – also nicht in zu kurzen Abständen auftreten oder zu stark werden. Die eingeleitete Geburt soll nicht erzwungen werden, sondern möglichst wie eine spontane Geburt verlaufen.

Wie fühlt sich eine Geburtseinleitung an?

Eine Geburtseinleitung macht mehr Untersuchungen nötig als üblich. Dies kann unangenehm sein, aber alles in allem empfinden die meisten Frauen die zusätzlichen Behandlungs- und Untersuchungsschritte nicht als besonders belastend. Das Wichtigste im Zusammenhang mit einer Geburtseinleitung ist für die meisten Frauen wahrscheinlich die Erleichterung, endlich ihr Kind zur Welt bringen zu können.

Manche Frauen befürchten, dass die Schmerzen einer eingeleiteten Geburt stärker sein könnten als bei einer von selbst einsetzenden Geburt. Die meisten Frauen, bei denen die Geburt eingeleitet wurde, berichten aber nicht über mehr Schmerzen als Frauen, die eine Spontangeburt hatten. In einigen Studien wurden Frauen gefragt, wie sie über ihre Geburtseinleitung denken. Die meisten antworteten, dass sie sich wieder dafür entscheiden würden. Die Einleitung einer Geburt bedeutet auch nicht, dass danach alles ganz schnell geht. Viele Frauen sind überrascht, wie lange es von der Einleitung der Wehen bis zur eigentlichen Geburt dauert.

Es kann hilfreich sein, mit der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt darüber zu sprechen, welche Möglichkeiten einer Geburtseinleitung im Krankenhaus angeboten werden und welche Vor- und Nachteile sie haben. Eine Geburtseinleitung ist kein Notfall – meist ist ausreichend Zeit, sich mit dem Gedanken daran vertraut zu machen und Antworten auf alle Fragen zu erhalten.

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Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Naegele-Regel

Neben Online-Rechnern gibt es verschiedene Methoden und -formeln, um den Entbindungstermin selbst zu berechnen. Sie können jeweils jedoch nur einen Richtwert angeben und die Untersuchung durch den Gynäkologen nicht ersetzen:

Die „analoge“ Berechnung gelingt per Tabelle (s. u.) oder mit der Naegele-Regel (eine Formel, die nach dem Heidelberger Gynäkologen Franz Naegele benannt wurde):

  • „Datum des ersten Tages der letzten Regel – 3 Monate + 7 Tage + 1 Jahr“
  • Wer den Tag der Befruchtung kennt, kann den Geburtstermin konkret danach errechnen: „Datum der Befruchtung – 3 Monate – 7 Tage + 1 Jahr“
  • Oder auch nach Zykluslänge (wenn nicht konstant 28 Tage): „Datum des ersten Tages der letzten Regel – 3 Monate + 7 Tage + 1 Jahr (+ oder – x Tage)“
  • Eine andere Variante der Neagele-Regel lautet: Der Geburtstermin ist 281 Tage nach dem 1. Tag der letzten Regelblutung oder (exakter) 267 Tage nach dem Tag des Eisprungs.

Der tatsächliche Geburtstermin: Meist vorher oder danach

Vorausgesetzt, der Arzt ist mithilfe dieser Methoden zu einem exakten Ergebnis gekommen – Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby tatsächlich an dem Tag zur Welt kommt? Hier hält sich Dr. Albring mit der Angabe von Zahlen zurück, auch wenn die Schwangerschaftsdauer im Allgemeinen mit 40 Wochen angegeben wird. „Man darf sich das nicht so vorstellen, dass alle Geburten auf das Datum genau mit dem letzten Tag der 40. Woche beginnen. Es gibt eine natürliche Schwankungsbreite um einige Tage bis wenige Wochen, wann die Geburt beginnt, sowohl davor als auch danach.“ Dies bedeutet keineswegs, dass sich der Frauenarzt verrechnet hätte. Vielmehr hält sich die Biologie der einzelnen Schwangerschaft auch nach seiner Einschätzung sich nicht an Zahlen und Kalender. „Der Geburtstermin kann also exakt berechnet sein, aber die Wehen fangen bei den allermeisten Frauen trotzdem davor oder danach an, bei sehr großen Kindern oder bei Störungen der Plazenta häufig früher, in anderen Fällen will das Baby eben erst ein paar Tage später raus.“

Wie wahrscheinlich ist ein falsch berechneter Geburtstermin?

Der errechnete und der tatsächliche Geburtstermin können sogar weit auseinanderliegen. Ausschlaggebend sind nach Einschätzung des Gynäkologen auch die der Berechnung zugrunde liegenden Untersuchungen. „Wenn keine Ultraschallbilder gemacht werden und man nur auf die Angaben der Frau zur letzten Menstruation und auf die Untersuchungen mit den Händen angewiesen ist, kann man sich durchaus um viele Wochen verschätzen. Es gibt ja Kinder, die werden nach 40 Wochen mit 2.500 Gramm geboren, andere hingegen mit 4.500 Gramm.“ Daher könne man während der Schwangerschaft mit dem Tastbefund nur ungefähre Angaben machen. Hingegen: „Wenn man auch die Ultraschall-Untersuchungen heranziehen kann, vor allem aus den frühen Schwangerschaftsmonaten, dann kommen grobe Fehlschätzungen kaum vor.“

Hebammen-Tipps

In der Zeit vor und nach der Geburt kommen viele Fragen auf. In unseren Hebammen-Tipps findest du ganz bestimmt Antworten:

Hebammen-Tipps

Auswirkungen des errechneten Geburtstermins

Zu bedenken ist auch, dass der errechnete Geburtstermin sich auf weitere Maßnahmen auswirkt. Dazu Albring: „In der 24. Schwangerschaftswoche wird der Test auf eine Zuckererkrankung und in der 30. die Vorbeugung einer Rhesusfaktorunverträglichkeit gemacht. Ab der 32. Schwangerschaftswoche erfolgen die Vorsorgetermine in zweiwöchentlichem Abstand, und sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt für gesetzlich versicherte Schwangere der Mutterschutz. Dabei verlassen sich Arbeitgeber und Krankenkassen auf die Angaben, die im Mutterpass eingetragen sind.“

Geburtszeitraum statt Geburtstermin

Daher also wird nach wie vor die Angabe eines Geburtstermins benötigt. Die werdende Mutter hingegen sollte sich nicht von dem festgesetzten Datum „verrückt machen“ lassen und sich lieber gleich auf einen Geburtszeitraum einstellen. Dafür plädieren inzwischen auch Hebammen und andere. „Der Entbindungstermin ist wegen des Mutterschutzes durchaus ein Orientierungspunkt“, bestätigt Irene Behrmann, 1. Vorsitzende von GreenBirth e.V. „Bisher galt, wenn das Kind später kommt, hat die Mutter Glück, wenn es früher kommt, hat sie halt eine kürzere Mutterschutzphase.“ Nach ihrer Einschätzung geraten Frauen unnötig unter Stress, wenn das Baby offensichtlich mehr Zeit zum Reifen braucht. Mütter hätten berichtet, dass sie aufgefordert wurden sich nach dem Entbindungstermin regelmäßig in der Klinik vorzustellen. „Das Wort ‚Übertragung‘ signalisiert fälschlicherweise, dass etwas ungünstig läuft oder gefährlich sein könnte.“ Die bewährte Faustregel ‚Errechneter Entbindungstermin plus minus 14 Tage‘ habe nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Diese Faustregel bezieht sich auf das Einsetzen der spontanen Wehen in dem genannten Zeitraum.

Mein Geburtstermin war längst fällig – was kann ich tun?

Einige Babys bleiben länger im Bauch als andere. Eine normale Schwangerschaft dauert, berechnet nach dem ersten Tag der letzten Regelblutung, durchschnittlich 280 Tage oder 40 Wochen. Sie kann sich aber auch 42 oder sogar 43 Wochen hinziehen.
Es ist gut zu verstehen, dass Ihre Ungeduld wächst, je länger es dauert. Und die ständigen Fragen von Freunden und Verwandten können zusätzlich nerven.

Wie zuverlässig ist mein errechneter Geburtstermin?

Gynäkologen/innen berechnen den zu erwartenden Geburtstermin traditionell, indem sie den ersten Tag der letzten Periode der Schwangeren erfragen und dann minus 3 Monate plus 7 Tage plus ein Jahr rechnen. Beträgt die Zykluslänge nicht 28 Tage, sondern ist kürzer oder länger, zieht man die entsprechende Anzahl von Tagen davon ab oder hinzu. Diese Methode nennt sich Naegele-Regel.
Sie ist aber nicht mehr als eine Schätzung und trifft nur selten den richtigen Tag. Denn sie setzt voraus, dass die Frau ihre Periode sehr regelmäßig hat und der Eisprung immer genau in der Mitte des Zyklus stattfindet. Doch wie wir alle wissen, gilt dies nur für wenige Frauen. Meist kommt das Baby ein paar Tage früher oder später als geschätzt.

Was sagt der Ultraschall über den Geburtstermin aus?

Exakter lässt sich der Geburtstermin mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung vor Schwangerschaftswoche 12 berechnen. Hauptvorteil: Frauen, deren Geburtstermin mit der Ultraschall-Methode ermittelt bzw. überprüft wurde, gelten nicht so schnell als „überfällig“ – künstlich eingeleitete Geburten sind also seltener.

Wie viele Frauen überschreiten ihren errechneten Geburtstermin?

Sehr viele Frauen bringen Ihr Baby erst nach dem geschätzten Geburtstermin zur Welt. Man spricht bis zum Ende der 42. Schwangerschaftswoche von einer Terminüberschreitung, danach von einer Übertragung. Jede dritte Schwangere in Deutschland überschreitet den errechneten Termin, aber nur 0,6 % bringen ihr Baby nach der 42. SSW zur Welt.

Warum werden Geburten eingeleitet?

Sobald Sie „überfällig“ sind, muss der Arzt Ihre Schwangerschaft besonders gut überwachen. Denn ab Schwangerschaftswoche 41 steigt das Risiko einer Totgeburt statistisch geringfügig an.
Allerdings sind die Zahlen sehr gering: Nach Woche 38 liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Totgeburt bei 2 zu 1000, nach Woche 41 bei 4 zu 1000 und nach Woche 42 bei 6 zu 1000. Bisher weiß man nicht genau, warum es zu diesen Totgeburten kommt: Liegt es an der verlängerten Schwangerschaft oder tritt die Geburt nur deshalb mit Verzögerung ein, weil mit Gesundheit von Mutter und Kind schon vorher etwas nicht stimmte?

Was macht der Arzt/die Ärztin, wenn ich „überfällig“ bin?

Falls Ihre Schwangerschaft bisher ohne Komplikationen verlaufen ist und Sie keine Risikofaktoren aufweisen, wird der Arzt am errechneten Termin noch einmal einen Ultraschall machen und das Kindsgewicht sowie die Fruchtwassermenge überprüfen. Auch ist es üblich, die kindlichen Herztöne mittels CTG (Kardiotokographie, umgangssprachlich auch Wehenschreiber genannt) zu überprüfen. Fällt alles normal aus, kann man noch abwarten.

Wie lange wartet mein Arzt, bis er die Geburt einleitet?

Wenn Sie den errechneten Termin um eine Woche überschreiten, wird der Arzt Ihnen die Geburtseinleitung anbieten, wenn Sie 10 Tage überfällig sind, wird er Ihnen die Einleitung empfehlen. Immer vorausgesetzt, dass alle Untersuchungen normal ausfallen. Ist etwas auffällig, wie z.B. eine deutliche Abnahme des Fruchtwassers, wird er Ihnen die Einleitung entsprechend eher empfehlen.

Muss ich häufiger zur Vorsorgeuntersuchung, wenn ich den Termin überschreite?

Um sicher zu gehen, dass es Ihrem Baby in Ihrem Bauch weiter gut geht, werden üblicherweise die Fruchtwassermenge und die kindlichen Herztöne alle zwei bis drei Tage überprüft – eventuell fällt dies auch auf das Wochenende.

Kann ich meine Wehen natürlich anregen?

Himbeerblättertee trinken, Akupunktur oder Homöopathie – es gibt viele Möglichkeiten, die Wehentätigkeit anzuregen und so eine künstliche Einleitung zu vermeiden.
Auch ein warmes Bad und Sex können helfen (in vielen Einleitungsmedikamenten sind ähnliche Bestandteile wie im Sperma). Fragen Sie am besten Ihre Hebamme.
Alternativ können Sie auch versuchen, die Wehen durch einige traditionelle Hausmittel in Gang zu bringen, wobei es keine wissenschaftlichen Beweise für deren Wirkung gibt. Auf der anderen Seite kann es Ihnen auch nicht schaden, ein scharfes Curry-Gericht zu essen oder lange Spaziergänge zu machen – denn dadurch entspannen Sie sich wenigstens.

Durchhaltestrategien für die Zeit nach SSW 40

  • Nehmen Sie sich jeden Tag etwas vor. Sitzen Sie nicht zu Hause und horchen Sie in sich hinein. Gehen Sie ruhig aus dem Haus – allerdings sollten Sie sich nicht zu weit entfernen!
  • Falls Sie die Speisekammer noch nicht gefüllt haben, sollten Sie das jetzt tun. Nach der Geburt Ihres Babys werden Sie froh sein, viele Vorräte zu Hause zu haben.
  • Sagen Sie übereifrigen Freunden und Verwandten, dass sie sich nicht täglich nach Ihrem Befinden erkundigen müssen. Versprechen Sie Ihnen, dass Sie sich von selbst melden, sobald das große Ereignis stattgefunden hat!
  • Unternehmen Sie möglichst viel gemeinsam mit Ihrem Partner – gehen Sie zum Beispiel ins Restaurant, Kino oder Theater. Sobald Ihr Baby da ist, werden Sie dafür erstmal keine Zeit mehr haben.
  • Ruhen Sie sich aus. Falls Sie nachts Schlafstörungen haben, sollten Sie versuchen, tagsüber ein Nickerchen zu machen. Legen Sie die Füße hoch. Hören Sie Musik. ärgern Sie sich nicht, wenn Sie nicht schlafen können; auch entspanntes Dösen wird Ihnen gut tun. Laden Sie Ihre Energiereserven für die Wehen auf.
  • Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Wehen schon eingesetzt haben oder nicht, rufen Sie Ihren Arzt oder Ihre Hebamme an und fragen Sie sie um Rat. Zögern Sie nie, sie anzurufen, wenn Sie sich Sorgen um Ihr Befinden machen.

Weltweit kommen immer mehr Kinder per geplantem Kaiserschnitt zur Welt, gerade in reicheren Regionen. US-Medien berichten sogar über den Trend „Too posh to push“ – „zu fein, um zu pressen“. Experten halten das für gefährlich. Der operative Eingriff dürfe die natürliche Geburt nicht ersetzen.

Erst stundenlang in den Wehen liegen und dann unvorstellbare Schmerzen während der Geburt aushalten – vor dem Kreißsaal graut es vielen Frauen. Dennoch ist eine natürliche Geburt für Mutter und Kind in der Regel besser als ein Kaiserschnitt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kündigte erst kürzlich an, die hohe Kaiserschnittrate in Ländern wie Brasilien eindämmen zu wollen. Der Eingriff werde viel zu oft ohne jegliche medizinische Indikation vogenommen, womit kurz- aber auch langfristig Gesundheitsprobleme bei Mutter und Kind riskiert würden. In Brasilien kommt etwa jedes zweite Kind per Kaiserschnitt zur Welt, der Eingriff gilt in dem Schwellenland sogar als Statussymbol.

„Too posh to push“

In Deutschland entbinden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa ein Drittel der Schwangeren auf diese Art. Allein zwischen 2000 und 2010 haben die Kaiserschnitt-Entbindungen in Deutschland einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zufolge um mehr als dreißig Prozent zugenommen. „Der Kaiserschnitt ist einer der gängigsten chirurgischen Eingriffe weltweit, wobei die Zahlen ansteigen, insbesondere in Ländern mit hohem oder mittlerem Einkommen“, heißt es auf den Seiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

„Too posh to push“ – „zu fein, um zu pressen“ heißt der Trend, über den insbesondere englischsprachige Medien berichten. Stars wie das Topmodel Alessandra Ambrosio sollen mehrere Wochen vor dem errechneten Termin entbunden haben, um ihre schlanke Figur nicht zu gefährden und das Kinderkriegen zwischen den sämtlichen Drehs und Shootings besser organisieren zu können. In den USA exisitiert außerdem der abstruse Ausspruch „Save Your Love Channel“ – etwa, „Schütze Deinen Liebestunnel“. Die Scheide soll auch nach dem Kinderkriegen möglichst eng und straff bleiben.

Die natürliche Geburt als Fehlkonstruktion?

Sogar manche Wissenschaftler sähen die natürliche Geburt inzwischen eher als Fehlkonstruktion der Natur, weiß Dr. Wolf Lütje, Chefarzt in der Klinik für Geburtshilfe am Amalie-Sieveking-Krankenhaus in Hamburg. „Sie stellen den Kaiserschnitt als Maß aller Dinge dar“, wovor der Gynäkologe entschieden warnt, insbesondere wegen des Schockzustandes, den die Kinder durch einen geplanten Kaiserschnitt erleiden.

„Das wäre so, als würden wir aus dem dritten Stock in einen zwölf Grad kalten Pool geschmissen – wir können zwar schwimmen, aber es dauert, bis wir uns an die neue Situation gewöhnen“, erklärt der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe (DGPFG). Die Folge seien oft Anpassungsschwierigkeiten der Säuglinge, die seiner Erfahrung nach deswegen deutlich häufiger als nach normalen Geburten mit Komplikationen direkt in die Kinderklinik überwiesen werden müssten.

Kaiserschnitt als Notoperation

Professor Dr. Peter Mallmann von der Uniklinik Köln warnt allerdings vor „einer Stigmatisierung des Kaiserschnitts in der öffentlichen Debatte“. Der Direktor der Frauenklinik weist darauf hin, dass der Eingriff unzählige Frauen und Kinder gerettet habe, die vor seiner Einführung im Jahr 1881 nicht überlebt hätten. „Er wird nur leider zu oft missbraucht“, so der Hochschulprofessor. Bei durchschnittlich 20 Prozent der Geburten an der Kölner Uniklinik handele es sich um geplante Kaiserschnitte, sagt Mallmann. Er empfehle den Eingriff nur, wenn es medizinisch zwingend notwendig sei, etwa weil das Kind nicht richtig liege oder mehr als 4500 Gramm wiege.

Die natürliche Geburt ist sehr sinnvoll

„Der Kaiserschnitt ist als Notoperation eine wunderbare Lösung“, sagt auch Gynäkologe Lütje, „er sollte aber auf keinen Fall die natürliche Geburt ersetzen“, so der Hamburger Frauenarzt. So sieht das auch Susanne Steppat, Beirätin im Präsidium des Deutschen Hebammen-Verbands: „Der von der Natur vorgesehene Weg ist sehr sinnvoll.“ Es handele sich da um ein ausgeklügeltes System: „Auf hormoneller Ebene gibt es eine ständige Interaktion zwischen Mutter und Kind“, erklärt Steppat. „Wenn die Wehen einsetzen, ist das das Zeichen des Kindes, dass es jetzt bereit ist für das Leben.“

Wenn Babys per geplantem Kaiserschnitt zur Welt kommen, werde dieses Signal jedoch nicht abgewartet. Ab der 37. Woche würden geplante Kaiserschnitte normalerweise durchgeführt, im Idealfall versuchten Ärzte immerhin, mit der Operation bis zu eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin zu warten. Dennoch, mahnt Steppat, sei für jedes Kind ein anderer Zeitpunkt richtig. Die Hebamme aus Aachen begründet das mit einem anderen Beispiel aus der Natur: „Wenn sie im Herbst an einer Wiese mit Apfelbäumen vorbeifahren, sind noch lange nicht alle Früchte reif, obwohl sie alle gleichzeitig geblüht haben“, so die Hebamme. „Manche brauchen einfach etwas mehr Zeit.“

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Das Kind erhält im Geburtskanal die wichtige Keimabwehr

Hinzu komme, dass Kinder mit dem Weg durch den Geburtskanal eine wichtige Keimbehandlung erfahren. „Die Bakterien der Mutter, die nötig sind, um Abwehrkräfte aufzubauen, werden während der natürlichen Geburt auf das Kind übertragen.“ Wenn es dagegen direkt aus dem Fruchtwasser geholt werde, sei das Baby „sozusagen steril“ – und alle möglichen Keime prasselten von außen unmittelbar auf das Neugeborene ein. „Keine gute Voraussetzung, wenn man an die Verbreitung des sogenannten Krankenhauskeims denkt“, so Steppat. „Außerdem wird auf dem Weg durch den Geburtskanal das Fruchtwasser aus dem Brustkorb des Kindes gepresst“, erklärt die Hebamme, „so wird es auf das Atmen vorbereitet.“ Kinder, die per Kaiserschnitt entbunden werden, könnten zu Beginn dagegen Atemprobleme haben.

Nach einem Kaiserschnitt ist die Frau krank

Dann wären da noch die erheblichen Auswirkungen des Kaiserschnitts auf die Mutter, die gegen den Eingriff sprechen. „Nach einer natürlichen Geburt ist die Mutter normalerweise gesund“, erklärt die Hebamme, „sie kann inzwischen sogar oft nach ein paar Stunden nach Hause gehen.“ Bei einem Kaiserschitt hingegen ist das nicht der Fall: „Die Frau ist krank, sie hatte eine große Bauchoperation hinter sich und muss vier bis fünf Tage in der Klinik bleiben. Die Schmerzen können sie auch zu Hause noch mehrere Tage begleiten.“ Umso schwieriger, wenn man sich dann noch um ein Neugeborenes kümmern muss.

Kaiserschnitt ist nur selten indiziert

Es gebe nur wenige Fälle, in denen ein Kaiserschnitt wirklich indiziert sei, sagt Steppat, etwa wenn das Kind quer liege oder die Plazenta den Muttermund bedecke und so den Geburtskanal versperre. Auch wenn die Mutter sexuell schwer traumatisiert oder psychisch sehr labil sei, könne eine normale Geburt zu belastend sein, so die Hebamme.

Dass gesunde Frauen sich in Deutschland bewusst für einen Kaiserschnitt entscheiden, wenn es dafür keine medizinischen Gründe gebe, sei sehr selten, sagt Steppat. Zwar würden einige Ängste vor der natürlichen Geburt äußern, entschieden sich nach einer ausführlichen Information und Beratung aber doch gegen einen Kaiserschnitt. „Natürlich gibt es die Frauen, die sagen: ‚Mir passt ein Termin am Freitag sehr gut, da ist mein Mann auch von seiner Geschäftsreise zurück'“, doch Steppat schätzt den Anteil dieser Fälle auf lediglich zwei Prozent.

Keine neue Knieprothese, sondern der Beginn eines neuen Lebens

Die Hebamme aus Aachen plädiert sogar dafür, bei geplanten Kaiserschnitten, für die es medizinische Gründe gibt, zumindest die ersten Wehen abzuwarten – und damit auf die Signale des Kindes zu hören. „Natürlich ist es für die Krankenhäuser bequemer, wenn sie wissen, dass die Entbindung am Tag XY um 8 Uhr ist“. Auch am Wochenende oder nachts müsste dann nicht ständig mehr Personal in Bereitschaft gehalten werden. „Aber es handelt sich eben nicht um eine neue Knieprothese, bei der es nicht darauf ankommt, ob sie ein paar Tage früher oder später eingesetzt wird“, so Steppat, „sondern um den Beginn eines neuen Lebens.“ (rer)

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