Gebärmutter transplantation deutschland

Gebärmutter eingesetzt
Erste Geburten nach Transplantation

Sie wurden ohne Gebärmutter geboren, trotzdem konnten zwei Frauen in Deutschland ein gesundes Kind auf die Welt bringen – dank Transplantationen. Doch diese sind umstritten.

Von Veronika Simon, SWR

Die erste transplantierte Gebärmutter in Deutschland wurde einer Frau eingesetzt, der dieses Organ von Geburt an fehlte. Ihre Mutter spendete der heute 25-Jährigen ihre Gebärmutter. Auch die zweite Gebärmutterempfängerin war zwar mit Eierstöcken, jedoch ohne Uterus zur Welt gekommen.

Bei Gebärmutterspenden handelt es sich meist um Organe von lebenden Spenderinnen, häufig Verwandten der Empfängerin. Erst in einem Fall im Jahr 2018 haben Gynäkologen das Organ einer hirntoten Spenderin verpflanzt.

Nach Gebärmuttertransplantation erstes Kind in Deutschland geboren
tagesschau 12:00 Uhr, 23.05.2019, Dietmar Klumpp, SWR

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Geburt zweieinhalb Jahre nach der Transplantation

Den Patientinnen in Tübingen wurden Eizellen aus ihren vorhandenen Eierstöcken entnommen, mit dem Samen des Partners künstlich befruchtet und in den Uterus eingesetzt. So konnten sie schwanger werden. Zweieinhalb Jahre vergingen von der ersten Transplantation bis zur Geburt des Kindes.

Besonders kritisch war die Phase nach der Transplantation. Auch wenn das Organ von einer Verwandten stammte, war die Gefahr einer Abstoßung groß.

Nach dem Eingriff müssen die behandelten Frauen wie bei jeder Organspende Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrücken. So soll verhindert werden, dass das fremde Organ abgestoßen wird. Diese Medikamente müssen auch während der Schwangerschaft eingenommen werden. Negative Folgen für das Kind soll die Einnahme von Immunsuppressiva jedoch nicht haben. Das zeigen Erfahrungen von Patientinnen mit transplantierten Nieren.

Erster Eingriff in Schweden

Wissenschaftlich etabliert ist der Eingriff noch nicht. Die beteiligten Forschergruppen sammeln und veröffentlichen nun ihre Daten.

Der Erfinder der Technik ist Mats Brändström aus Schweden. 2013 führte er die erste Uterustransplantation bei einer Frau in Schweden durch. Bei zehn der Transplantationen weltweit war er dabei, auch bei denen in Tübingen.

Ethische Bedenken

Ethisch ist der Eingriff bisher kaum diskutiert worden, kritisiert Professor Doktor Sigrid Graumann. Sie ist Mitglied des Ethikrats und beschäftigt sich mit ethischen Fragen der Reproduktionsmedizin und ihren gesellschaftlichen Folgen:

„Ich halte es für problematisch, alles zu tun, was medizinisch möglich ist, um Kinderwünsche zu erfüllen. Es handelt sich dabei nicht um lebensbedrohliche Krankheiten.“

Besonders kritisch sieht sie, dass bei diesem Eingriff Dritte gefährdet werden könnten. Die gesunde Spenderin unterziehe sich einer großen Operation und das Kind könne im Falle einer Abstoßung des transplantierten Organs geschädigt werden.

„Kinderwunsch ist ein natürliches Bedürfnis“

Professor Sara Brucker

Professor Sara Brucker von der Frauenklinik Tübingen hat die Transplantationen in Deutschland geleitet und die Kinder später mit ihrem Team per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Auch sie fordert dazu auf, Gebärmuttertransplantationen öffentlich zu diskutieren. Eine Gebärmutter sei per se kein Organ, das man zum Leben brauche. Aber:

„Ein Kinderwunsch und der Wunsch, Mutter zu werden, ist ein ganz natürliches Bedürfnis. Und da in Deutschland eine Leihmutterschaft nicht möglich ist, blieb uns nur die Möglichkeit der Gebärmuttertransplantation.“

Sobald fünf Kinder nach einer solchen Transplantation gesund in Tübingen zur Welt gekommen sind, wollen die Ärzte vorerst keine weitere Gebärmutter transplantieren. Sie wollen dann zunächst ein Uterus-Transplantations-Zentrum beantragen und aufbauen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

Mehr zu diesem Thema:

  • Nachrichtenatlas | Deutschland | Tübingen

Die Geburten verliefen unauffällig und normal, wie es überhaupt so weit kam, war allerdings ziemlich außergewöhnlich. In Tübingen haben eine 25-Jährige und eine 26-Jährige jeweils ein Kind per Kaiserschnitt zur Welt gebracht, nachdem ihnen zuvor die Gebärmütter von Spenderinnen transplantiert worden waren. Eines der Kinder kam im März zur Welt, das andere erst kürzlich, Mitte Mai.

Beide Mütter wurden ohne Gebärmutter geboren, weil sie an einer seltenen Krankheit leiden, dem Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom. Diese Fehlbildung des weiblichen Genitals kommt bei einem von 4500 weiblichen Neugeborenen vor. Ihre Vagina und Gebärmutter sind nicht angelegt. In Deutschland leben etwa 8000 Mädchen und Frauen mit dem Syndrom, das meist erst in der Pubertät entdeckt wird, wenn die Menstruation ausbleibt. Die Funktion der Eierstöcke und damit die Produktion von Östrogenen und Gestagenen ist hingegen nicht beeinträchtigt, so dass sich die sekundären Geschlechtsmerkmale der Frauen normal entwickeln können.

Die Spenderinnen der beiden Gebärmütter standen den Empfängerinnen nahe; in beiden Fällen waren es die Mütter der Patientinnen. Auch wenn die Spenderin bereits die Wechseljahre überschritten hat, nimmt das Organ bei der Empfängerin wieder seine Funktion auf und es kommt zu Regelblutungen. Die empfindlichen Eierstöcke werden nicht transplantiert, weswegen eine Schwangerschaft nur per künstlicher Befruchtung möglich ist.

Die Übertragung der ersten Gebärmutter fand im Oktober 2016 statt und war damit eine Premiere für Uterus-Transplantationen in Deutschland. Nach Anlegen einer Scheide im Jugendalter, einer Neovagina, wurde in Deutschland bei mittlerweile drei Frauen ein Uterus transplantiert. „Ich freue mich, dass sich die jungen Mädchen mit unserer Hilfe und dank der Neovagina als Frau fühlen können“, sagt Sara Brucker von der Unifrauenklinik Tübingen. „Und jetzt endlich auch als Mutter.“ An den Operationen in Tübingen waren Ärzte aus Göteborg um Mats Brännström beteiligt; sie gelten als Pioniere auf dem Gebiet der Gebärmutter-Transplantation und verpflanzten 2012 den ersten Uterus weltweit.

Gesunde stundenlang operieren, um Frauen doch noch zum Kind zu verhelfen – ist das ethisch fair?

Bisher wurden rund um den Globus fast 60 Gebärmütter transplantiert; in Tübingen kamen das weltweit 15. und 17. Kind zur Welt, das nach einer solchen Verpflanzung geboren wurde. In Brasilien wurde 2018 sogar ein Kind geboren, nachdem der Uterus einer Verstorbenen verpflanzt worden war. „Dieses sind jedoch die ersten zwei erfolgreichen Schwangerschaften nach Uterus-Transplantation in Deutschland und selbst innerhalb der acht europäischen Länder, die im Rahmen von Eurotransplant bei Organspende und Transplantation zusammenarbeiten“, sagt der Transplantationsexperte Xavier Rogiers vom Uniklinikum Gent. Nach der Organverpflanzung sollte mindestens ein Jahr gewartet werden, bis eine Schwangerschaft eingegangen werden kann.

Sowohl die Schwangerschaft als auch die Entbindung des im Mai geborenen Jungen – per Kaiserschnitt in der 36. Schwangerschaftswoche – verliefen unauffällig. „Wie bei jeder anderen Frau“, sagt Brucker. Der Junge wog zur Geburt fast 2200 Gramm und war 45 Zentimeter groß. „Ich kann es noch gar nicht glauben, unseren kleinen Sohn in den Armen zu halten. Unser sehnlichster Wunsch ist in Erfüllung gegangen“, wird die 26-jährige Mutter zitiert. Eine vaginale Entbindung gilt als zu riskant, weil die verpflanzte Gebärmutter keinen Wehen ausgesetzt werden soll und zudem die Naht zur Scheide reißen könnte.

Aufgrund des guten Verlaufs von Schwangerschaft und Geburt spricht laut Tübinger Gynäkologen nichts gegen eine zweite Schwangerschaft „Spätestens nach dem zweiten Kind werden wir die Gebärmutter aber wieder entfernen“, sagt Brucker. Um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden, ist die Einnahme von Immunsuppressiva notwendig. Sie soll aber zum Wohl der Frau auf einen kurzen Zeitraum begrenzt werden. „Für das ungeborene Kind ist die in der Schwangerschaft angepasste Immunsuppression ungefährlich“, sagt Transplantationschirurg Alfred Königsrainer. „Langzeiterfahrungen zeigen, dass das Immunsystem des Kindes im Mutterleib nicht geschädigt wird.“

Obwohl sich erwiesen hat, dass die Operation technisch machbar ist und das Organ anschließend oft so gut funktioniert, dass Schwangerschaften möglich sind, bleibt das Verfahren umstritten. „Aus ethischer Sicht ist es wichtig, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Risiken für die Lebendspenderin und der Chance der Empfängerin, ein eigenes Kind zu bekommen“, sagt Rogiers. „Auch Vor- und Nachteile einer Adoption oder Leihmutterschaft müssen abgewogen werden.“

Frauenärzte sehen weitere Bereiche, in denen die Uterus-Transplantation eine Rolle spielen könnte, etwa Infertilität durch Verwachsungen im Inneren des Organs oder wenn nach Trauma oder Krebs die Gebärmutter entfernt werden musste. Ethiker bewerten die Methode skeptischer. „Wesentlicher Bestandteil des ärztlichen Ethos ist die Pflicht, Patienten nicht zu schaden“, sagt Medizinethikerin Claudia Bozzaro von der Universität Freiburg. „Bei einer Uterus-Transplantation wird eine gesunde Spenderin einer äußerst invasiven Maßnahme – nämlich einer mehrstündigen Operation – unterzogen, die für sie keinen gesundheitlichen Nutzen hat.“

Wie groß muss der Leidensdruck sein, damit die Risiken für die Spenderin gerechtfertigt sind?

Im Unterschied zu anderen Transplantationen etwa von Herz, Leber oder Nieren, geht es bei Gebärmutterverpflanzungen nicht darum, das Leben der Empfänger zu retten oder zu verlängern, sondern um Lebensqualität. Unfruchtbarkeit ist keine lebensbedrohliche Erkrankung. „Dies wirft die Frage auf, ob die Schaden-Nutzen-Abwägung in diesem Fall eine ethische Legitimation für den Eingriff liefert“, sagt Bozzaro. „Ich halte die Transplantation für nicht verhältnismäßig, um einer Frau eine Schwangerschaft zu ermöglichen.“ Der Tübinger Medizinethiker Urban Wiesing betont hingegen, wie sehr viele Frauen darunter leiden, wenn sie kein Kind bekommen können und befürwortet daher den Eingriff. „Es gehört zum originären Aufgabenbereich der Medizin, leidenden Menschen zu helfen“, sagt Wiesing.

Letztlich geht es um die Frage, wie hoch der Kinderwunsch einer Frau gegenüber den Risiken für Spenderin und Empfängerin zu bewerten ist. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann zwar zur Belastung werden. Ethikerin Bozzaro hält die Uterus-Transplantation jedoch für „derart invasiv, risikoreich und sowohl ökonomisch als auch personell aufwendig“, dass sie es nicht plausibel findet, sie mit Verweis auf einen unerfüllten Kinderwunsch zu rechtfertigen. Das sei der Unterschied zu Methoden wie der künstlichen Befruchtung. Zudem ermögliche auch eine Adoption Kinder.

Umstritten bleibt zudem, wer die Kosten des Eingriffs von etwa 50 000 Euro tragen soll und ob Krankenkassen – und damit die Solidargemeinschaft – verpflichtet werden können, die Therapie für etwas zu bezahlen, dass keine Krankheit mit Dringlichkeitswert darstellt. Bisher findet die Transplantation einer Gebärmutter in Deutschland im Rahmen von Forschungsprojekten statt. Auch die Medizinethikkommission der Schweiz bewertet Uterus-Transplantationen noch als experimentelles Verfahren. Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass sie nach weiterer Forschung – vor allem zu den möglichen Langzeitfolgen für die Gesundheit der Kinder – mehr und mehr Teil des medizinischen Alltags werden könnten.

© picture alliance/Bildagentur-online

Ein eigenes Kind ist für viele Frauen der größte Wunsch. Allein in Deutschland ist dies Tausenden Frauen verwehrt, weil ihnen von Geburt an die Gebärmutter fehlt. Nun werden Transplantationen möglich.

Mit der ersten Transplantation einer Gebärmutter in Deutschland haben Ärzte an der Uniklinik Tübingen medizinisches Neuland betreten. Allein in Deutschland könnte bis zu 15.000 Frauen geholfen werden, die ihre Gebärmutter entweder durch Operationen verloren haben oder ohne diese geboren wurden und keine eigenen Kinder bekommen können.

Was ist in Tübingen gelungen?

In mehrstündigen Operationen wurde am 14. Oktober einer 23 Jahre alten Patientin die Gebärmutter ihrer Mutter transplantiert. Der Eingriff sei ohne Komplikationen verlaufen, Empfängerin wie Organspenderin gehe es sehr gut, hieß es beim Uniklinikum. Die Frau war wegen einer Fehlbildung (Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom) ohne Scheide und Gebärmutter zur Welt gekommen, wie Sara Brucker vom Forschungsinstitut für Frauengesundheit der Uni Tübingen erläuterte.

Wie weit sind andere Länder?

Dass die Transplantation machbar ist und dass damit gesunde Kinder geboren werden können, hat der Gynäkologe Mats Brännström in Schweden gezeigt. 2014 brachte in Göteborg zum ersten Mal weltweit eine Frau mit einer gespendeten Gebärmutter ein gesundes Baby auf die Welt. Brännström war auch bei den Tübinger Operationen dabei. Die Zahl der weltweit gelungenen Transplantationen wird von Experten auf rund 20 geschätzt. Die Dunkelziffer der Misserfolge liege deutlich höher.

Welchen Frauen kann geholfen werden?

Die größte Gruppe potenzieller Patientinnen sind Frauen mit dem Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKHS), erläuterte Brucker. Betroffenen Mädchen fehlen von Geburt an Scheide und Gebärmutter. Eierstöcke, Brüste, Klitoris und Schamlippen seien hingegen normal ausgebildet. Ein genetisch eigenes Kind konnten sie bisher nur über Leihmutterschaft erreichen – die in Deutschland verboten ist.

Wie viele Frauen sind betroffen?

Etwa eines von 5000 weiblichen Babys werde mit MRKHS geboren, erklärte Brucker. Darüber zu sprechen, sei lange tabu gewesen. Derzeit gebe es allein hierzulande bis zu 8000 Betroffene. Hinzu kämen Frauen, denen bei einer Entbindung die Gebärmutter entfernt wurde – die sich aber noch weitere Kinder wünschen. Und Frauen, denen das Organ wegen Gebärmutterhalskrebs entnommen wurde.

Woher stammen die Organspenden?

Als am erfolgversprechendsten gilt die Transplantation von Organen von lebenden Verwandten – etwa die Gebärmutter der Mutter oder der Schwester. Im Tübinger Fall war es die Mutter der 23-Jährigen, die ihrer Tochter das Organ spendete. Denkbar seien bisher nur Lebendspenden, erklärte Brucker. Versuche mit Gebärmuttern von Toten seien anderswo fehlgeschlagen.

Welche Organe sind für eine Transplantation geeignet?

Die Gebärmutter, in der das Baby in Schweden heranwuchs, stammte von einer 61-jährigen Freundin der Familie, die schon sieben Jahre vor der Operation die Wechseljahre durchlaufen hatte, wie das britische Fachmagazin „The Lancet“ berichtete. Anders als die Eierstöcke lasse sich eine Gebärmutter hormonell wieder verjüngen, erklärte Brucker. Voraussetzung für eine Eignung sei, dass die Spenderin mindestens einmal schwanger war.

Wie geht es in Tübingen jetzt weiter?

Zunächst muss sichergestellt sein, dass die Gebärmutter nicht abgestoßen wird. Dann muss alles gut verheilen. In einem Jahr könnten der Patientin dann eine bereits früher entnommene, mit Sperma ihres Mannes befruchtete und tiefgefrorene Eizelle eingesetzt werden. Eine Befruchtung auf natürliche Weise ist nicht möglich, weil die Gebärmutter ohne die empfindlichen Eileiter transplantiert wurde. Ein Kind würde per Kaiserschnitt zur Welt gebracht, um das Risiko eines Abreißens der Gebärmutter von der Scheide oder dem Geburtskanal zu vermeiden. Schon Anfang 2017 könnte es eine weitere Transplantation in Tübingen geben.

Kinder erstmals in Deutschland nach Gebärmutter-Transplantation geboren

Die beiden Babys kamen gesund per Kaiserschnitt auf die Welt – eines im März und eines Mitte Mai diesen Jahres, wie das Universitätsklinikum Tübingen am Donnerstag mitteilte. Im Oktober 2016 wurde dort die erste Uterus-Transplantation Deutschlands durchgeführt.

Ein Dutzend erfolgreiche Transplantationen in den USA

In den USA wurden bislang etwa ein Dutzend weitere erfolgreiche Gebärmuttertransplantationen durchgeführt. Obwohl alle Frauen schwanger wurden und auch gesunde Babys zur Welt brachten, grenzte die zuletzt durchgeführte Transplantation der Cleveland Klinik jedoch an ein Wunder. Bei dieser wurde der Uterus nämlich nicht von einer lebenden Frau entnommen, sondern von einer bereits verstorbenen Spenderin!

Die Mutter, der 2017 eine Gebärmutter transplantiert worden war, wurde Ende des vergangenen Jahres schwanger und brachte Mitte Juni schließlich ihre kleine Tochter auf die Welt. Sie war Teil einer medizinischen Studie im Krankenhaus von Ohio, an der laut Informationen von „dailymail.co.uk“ insgesamt zehn Frauen im Alter zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr teilnahmen, die ohne Gebärmutter geboren wurden.

© Cleveland Clinic

Medizinischer Durchbruch

„Wir könnten uns kein besseres Ergebnis wünschen. Alles lief wunderbar mit der Transplantation und Mutter und Baby geht es großartig“, so Uma Perni, Fachärztin an der Cleveland Clinic. „Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass dies immer noch Forschung ist. Das Gebiet der Uterustransplantation entwickelt sich rasant und es ist aufregend zu sehen, welche Optionen Frauen in Zukunft haben könnten“, so die Ärztin weiter.

Die Klinik in Cleveland hat bereits fünf Uterustransplantationen durchgeführt, von denen drei erfolgreich verliefen. Die letzte dürfte für die Mediziner jedoch die wichtigste von allen gewesen sein, denn die frischgebackene Mama brachte ihre Tochter mit der Gebärmutter einer Verstorbenen auf die Welt.

Hintergrund

Medizinische Sensation Diese beiden Frauen waren schwanger – mit demselben Baby! Zwei Frauen, ein Babywunsch: Ein lesbisches Paar aus Texas wünschte sich nichts sehnlicher als Nachwuchs – und nahm dafür an einem ungewöhnlichen Experiment teil. Dabei trugen die beiden Frauen das gleiche Baby aus. Aber wie konnte das funktionieren? Und vor allem: Wie geht es der kleinen Familie heute?

„Es war erstaunlich, wie perfekt diese Entbindung war, wenn man bedenkt, wie außergewöhnlich der Anlass war“, so Dr. Andreas Tzakis, Transplantationschirurg an der Cleveland Clinic.

Den Ärzten ist damit nicht nur ein großer Erfolg, sondern auch ein wichtiger Schritt in der Forschung gelungen. Denn mit dieser Methode könnte unfruchtbaren Frauen in Zukunft vielleicht doch der Kinderwunsch erfüllt werden.

STAR-EMPFEHLUNGEN FÜR DICH

Erhalte sofort alle Neuigkeiten zu deinen Stars, indem du ihnen folgst!

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.