G8 oder G9

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Während andere Kinder seines Alters gerade einmal richtig Lesen und Schreiben lernen, beschäftigt sich Laurent Simons mit der Wahl seiner Universität. Der kleine Junge aus Amsterdam hat nämlich letztes Jahr Abitur gemacht – und das mit nur acht Jahren. Doch wie ist das möglich?

Achtjähriger mit Abitur hat eine IQ von 145

Mit einem IQ von 145 zählt Laurent nicht nur als hochbegabt (ab einem IQ von 130), sondern sogar als höchstbegabt. Nur einer von 1.000 Menschen soll über solch eine Begabung verfügen, wie Psychologin Isabel Vöhringer der HAZ verrät. In den Medien wird der belgisch-niederländische Junge jedenfalls als Wunderkind gefeiert und sogar mit Genies wie Albert Einstein oder Stephen Hawking verglichen.

Über sich selbst sagt der zurückhaltende Junge: „Ich will Dinge gerne wissen“. Und auch seine Mutter Lydia bestätigt, dass er immer schon gern nach dem „Warum“ gefragt hat.

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Laurent Simons bekam Einzelunterricht, um seine Intellekt zu fördern

Dank seines Wissensdrangs und seiner außergewöhnlichen Begabung hat Laurent seine Schulzeit im Eiltempo hinter sich gebracht – Grundschule und Gymnasium schienen ein Klacks für den Jungen zu sein. Doch seine Schulzeit verlief nicht immer harmonisch: „Kaum hatte der Lehrer eine Frage gestellt, gab Laurent die Antwort“, erzählt Mutter Lydia der HAZ. „Das fanden die anderen Kinder natürlich auch nicht schön.“

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Um Laurents Intellekt zu fördern, bekam der Hochbegabte deshalb Einzelunterricht mit einem maßgeschneiderten Lehrplan. Die Oberstufe seines Gymnasium in Brügge absolvierte er so innerhalb weniger Monate. „Wenn er echt gefordert wird, dann geht es rasend schnell, zu schnell für uns“, meint Vater Alexander gegenüber der dpa.

Außerhalb der Schule offenbarten sich bei Laurent jedoch einige Schwächen, wie sein Vater dem belgischen Fernsehsender RTBF verriet. So habe Laurent Probleme gehabt, mit anderen Kindern zu spielen. Er wusste teilweise nicht, wie bestimmte Spiele ablaufen.

„Wunderkind“ will Mathematik studieren

Doch ganz ohne Gleichaltrige will Laurent auch nicht sein. Deshalb sucht er auch eine Universität in der Nähe seiner Freunde. Das „Wunderkind“ will nun wahrscheinlich Mathematik studieren. Aber auch Astronaut oder Chirurg stehen auf seiner Wunschliste, wie er RTBF verriet. Doch egal, für welches Fach er sich entscheidet: Auch an der Uni soll Laurent Einzelunterricht von Professoren bekommen, statt mit 20-Jährigen im Hörsaal zu sitzen.

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Von Andrea Stettner

Das Magazin „Times Higher Education“ veröffentlicht 2018 ein Hochschulranking mit den besten Universitäten der Welt. Unter den Top 100 landen auch sechs deutsche Universitäten. Die RWTH Aachen belegt dabei Platz 91 bis 100 (Erst ab Platz 50 wird jede Universität einzeln geranked). © dpa / Marius BeckerDie Freie Universität Berlin schafft es schon in die nächst bessere Dekade – Platz 81 bis 90. © dpa / Peer_GrimmNoch besser schneidet die Technische Universität München (TUM) ab. Sie belegt einen der Plätze von Rang 61 bis 70. © dpa / Frank LeonhardtDen selben Platz, nämlich 61 bis 70, sichert sich die Humboldt-Universität zu Berlin. © / jensjungeDie Silber-Medaille der besten deutschen Universitäten schnappt sich die Universität Heidelberg – sie belegt weltweit Platz 51 bis 60.Die Silber-Medaille der besten deutschen Universitäten schnappt sich die Universität Heidelberg – sie belegt weltweit Platz 51 bis 60. © /Uwe AnspachAls beste deutsche Universität darf sich die Ludwig-Maximilians-Universität in München bezeichnen. Sie schafft es mit Platz 49 als einzige deutsche Uni in die Top 50 des weltweiten Rankings.Als beste deutsche Universität darf sich die Ludwig-Maximilians-Universität in München bezeichnen. Sie schafft es mit Platz 49 als einzige deutsche Uni in die Top 50 des weltweiten Rankings. © Andreas Gebert / dpaDie Top Ten der besten Universitäten dominieren vor allem Hochschulen der USA. Auf Platz 10: die University of Chicago.Die Top Ten der besten Universitäten dominieren vor allem Hochschulen der USA. Auf Platz 10: die University of Chicago. © Tannen Maury / dpaPlatz 9: University of California, Los Angeles – kurz UCLA.Platz 9: University of California, Los Angeles – kurz UCLA. © / 5631153Auf Platz acht schafft es die renommierte Yale University – die drittälteste Hochschule der Vereinigten Staaten.Auf Platz acht schafft es die renommierte Yale University – die drittälteste Hochschule der Vereinigten Staaten. © / 12019Platz sieben geht an die Princeton University im Bundesstaat New Jersey. Platz sieben geht an die Princeton University im Bundesstaat New Jersey. © / 12019Die Berkeley Universität gehört zum Kreis der kalifornischen Hochschulen. Sie belegt Platz sechs.Die Berkeley Universität gehört zum Kreis der kalifornischen Hochschulen. Sie belegt Platz sechs. © / sarangibAls zweitbeste europäische (und nicht-amerikanische) Hochschule schafft es die berühmte Oxford Universität auf Platz fünf…Als zweitbeste europäische (und nicht-amerikanische) Hochschule schafft es die berühmte Oxford Universität auf Platz fünf… © / marlonbenavides23.. gefolgt von der besten europäischen Uni im Ranking, der University of Cambridge. Sie belegt einen sehr guten vierten Platz….gefolgt von der besten europäischen Uni im Ranking, der University of Cambridge. Sie belegt einen sehr guten vierten Platz. © / PactoVisual (Symbolbild)Nun wird es spannend. Platz drei belegt die private Universität Stanford aus dem Silicon Valley in Kalifornien.Nun wird es spannend. Platz drei belegt die private Universität Stanford aus dem Silicon Valley in Kalifornien. © / tlemensDie Silber-Medaille sichert sich das berühmte MIT – das Massachusetts Institute of Technology.Die Silber-Medaille sichert sich das berühmte MIT – das Massachusetts Institute of Technology. © / AurusdorusTataa – die beste Universität der Welt ist laut „Times Higher Education“ die Harvard University nahe Boston, an der Ostküste der USA.Tataa – die beste Universität der Welt ist laut „Times Higher Education“ die Harvard University nahe Boston, an der Ostküste der USA. © EPA / CJ GUNTHER / dpa

Die wichtigsten Fragen zum neuen G9

Schule

Das neunjährige Gymnasium feiert in Bayern bald sein Comeback. Wir beantworten schon jetzt die wichtigsten Fragen.
Von Michael Sperger

Von Michael Sperger 03. Juli 2018 05:30 UhrWillkommen zurück, G9 – Bayern verabschiedet sich nach 14 Jahren wieder vom achtjährigen Gymnasium. Foto: Armin Weigel/dpa

Warum verabschiedet sich Bayern nach nur 14 Jahren wieder vom G8?

Die Kritik am achtjährigen Abitur wurde in den vergangenen Jahren immer lauter. Gegner waren vor allem Eltern. In einem Volksbegehren forderten sie die Rückkehr zum G9. Ihre Kritikpunkte: unter anderem der Nachmittagsunterricht ab der sechsten Klasse und der zu dichte Lehrplan ihrer Kinder. Die CSU verteidigte das G8 lange trotzig. Im Abiturjahr 2011, dem letzten Jahr des alten G9 und zeitgleich dem ersten des G8, schnitten Schüler im achtjährigen Gymnasium im Schnitt etwas besser ab als im neunjährigen. Allerdings fielen im ersten G8-Jahrgang doppelt so viele Abiturienten durch wie im G9. Ende 2017, sechs Jahre später, schwenkte die CSU um und stimmte im Landtag für die Rückkehr zum neunjährigen Abitur in Bayern. Ludwig Spaenle, bis März bayerischer Kultusminister, sagte: „Das G9 in Bayern kommt, und das ist wirklich gut so.“

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Wie unterscheidet sich das neue G9 von dem vor 2004?

G9 ist nicht gleich G9. Der Lehrplan ist im Vergleich zum alten G9 komplett überarbeitet, er soll praxisorientierter sein und besser auf das spätere Berufsleben vorbereiten. Außerdem bekommen Vorzüge des G8, Intensivierungsstunden und fächerübergreifender Unterricht Platz im neuen Lehrplan, dem LehrplanPLUS.

Welche Fächer haben einen höheren Stellenwert?

„Grundsätzlich wird kein Fach gegenüber dem G8 schlechter gestellt“, sagt Tobias Schiller, Sprecher des bayerischen Kultusministeriums. Hauptfächer Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen stehen besonders im Fokus. Weniger Zusatzstunden erhalten dagegen wohl Naturwissenschaften wie Biologie und Chemie. Digitale und politische Bildung in der Schule: auch dazu sollen zusätzliche Stunden dienen. Der Unterricht soll insgesamt mehr auf die aktuellen Entwicklungen in der Welt eingehen.

Wie finden die Gymnasien die Umstellung?

Die Gymnasien freuen sich auf das neue G9. Viele Schulen erhoffen sich durch die niedrigere Belastung der Schüler wieder steigende Einschulungszahlen. „Die Verlängerung der Lernzeit ist für alle Beteiligten eine gute Entwicklung“, sagt Ulrich Sellner, Schulleiter des Gymnasiums in Lappersdorf im Landkreis Regensburg.

„Man hat die richtigen Lehren aus den vergangenen Jahren gezogen.“

Dr. Johannes Werner, Schulleiter Gymnasium Schwandorf

Sein Kollege Dr. Johannes Werner, Schulleiter am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium Schwandorf, pflichtet ihm bei. Er blickt optimistisch auf das neue G9. „Man hat die richtigen Lehren aus den vergangenen Jahren gezogen.“ Werner warnt aber auch: „Die neue Schnittstelle zwischen G8 und G9 im Jahr 2025 muss gut geplant sein.“

Was genau wird 2025 an den Gymnasien passieren?

Im Jahr 2025 wird durch die Umstellung von G8 zurück auf G9 kein Jahrgang sein Abitur feiern können. Die letzten Absolventen des achtjährigen Gymnasiums machen 2024 ihren Abschluss, die ersten G9-Prüflinge sind erst 2026 an der Reihe. Lediglich Schüler, die die sogenannte Überholspur wählen, bekommen in diesem Jahr ihren Abschluss. Außerdem gibt es in Bayern 47 Schulen, die bereits seit 2015 ein neunjähriges Abitur anbieten. Das Pilotprojekt nennt sich Mittelstufe Plus und war ein freiwilliges Angebot. Das ändert aber nichts daran, dass sich zum Wintersemester 2025 deutlich weniger frischgebackene Abiturienten an den Hochschulen einschreiben werden.

„Wir machen uns keine Sorgen. Wir haben nicht nur Studierende aus Bayern und werden 2025 eben mehr Studenten aus dem Rest von Deutschland und aus anderen Ländern haben“, sagt Dr. Nikolaus Korber, Vizepräsident für Studium, Lehre und Weiterbildung der Universität Regensburg. Auch 2011, als es zwei Jahrgänge in einem Jahr gab, sei man gut mit den Konsequenzen fertig geworden. Ähnliches sei auch 2025 zu erwarten.

„Wir haben nicht nur Studierende aus Bayern und werden 2025 eben mehr Studenten aus dem Rest von Deutschland und aus anderen Ländern haben.“

Dr. Nikolaus Korber, Vizepräsident für Studium an der Uni Regensburg

Was passiert an den Schulen dann mit den alten G8-Büchern?

Mit der Lehrplan-Umstellung sind die Bücher, die in Bayern zur Einführung des G8 neu zum Einsatz kamen, für den Unterricht praktisch nutzlos. Dasselbe passiert allerdings auch an Real- und Mittelschulen, wo der LehrplanPLUS ebenfalls als neue Richtlinie eingeführt wird.

Viele Schulbücher wandern bald wieder in den Müll. Foto: Frank Leonhardt dpa/lsw

„Die Bücher für die Jahrgangsstufen fünf und sechs können eventuell für manche Fächer weiterbenutzt werden“, sagt Sellner. Die anderen Bücher werden verschenkt oder entsorgt.

Wie meistern die Lehrer das Jonglieren mit zwei Lehrplänen?

In den kommenden Jahren müssen die Lehrer zweigleisig unterrichten: die letzten G8-Jahrgänge und gleichzeitig die ersten G9-Jahrgänge. Ein solches Jonglieren kennen viele bereits von der Umstellung von G9 auf G8 vor 14 Jahren. Sellner, neben seiner Tätigkeit als Schulleiter Lehrer für Latein und Religion, sieht dabei keine Probleme. „Im Vergleich zur Umstellung auf das G8 wurden wir Lehrer nicht so überrumpelt. Deshalb sollte die Umstellung funktionieren“, sagt Sellner. Die Entscheidung für das G8 sei im November 2003 eine Nacht- und Nebelaktion des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber gewesen.

Für die zusätzlichen Wochenstunden im neuen G9 benötigen die Schulen mehr Lehrer. 1000 neue Lehrkräfte will der Freistaat Bayern dafür an den Gymnasien einstellen. Die Schulleiter und Lehrer nahmen außerdem bereits an Fortbildungen zur Umsetzung des neuen Lehrplans teil. Weitere könnten laut Kultusministerium folgen.

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Ist weiterhin ein Abschluss nach acht Jahren möglich?

Die sogenannte Überholspur bietet die Möglichkeit, das Abitur in acht Jahren zu absolvieren. Dabei überspringen die Schüler praktisch die elfte Klasse. Darauf bereiten sie sich in den vorherigen Jahrgangsstufen mit Zusatzkursen am Nachmittag vor. Das ganze Programm ist freiwillig und steht jedem Schüler zur Verfügung. „Die Überholspur soll an jedem Schulstandort und ohne Vorgabe fester Mindestteilnehmerzahlen angeboten werden“, sagt Schiller vom Kultusministerium.

Würden Sie das Abitur noch bestehen? Testen Sie es in unserem Quiz.

Bayern kehrt zum neunjährigen Gymnasium zurück. Das hat die CSU-Fraktion am Mittwoch in München beschlossen, wie die Nachrichtenagentur dpa am Abend berichtete. Start der Reform soll zum Schuljahr 2018/19 sein, für die Klassenstufen fünf und sechs. Die jetzigen Viertklässler, die im Herbst aufs Gymnasium wechseln, werden also der erste Jahrgang des neuen G9 sein.

Grundsätzlich sollen Abiturienten in Bayern künftig wieder bis zur 13. Klasse lernen. Für besonders Begabte ist aber eine „Überholspur“ vorgesehen, auf der sie in acht Jahren zum Abitur gelangen – mit einer zweijährigen Vorbereitung auf das Überspringen vorzugsweise der 11. Klasse und Zusatzunterricht am Nachmittag.

Mehr Pflichtstunden – und weniger Nachmittagsunterricht

Zur Kritik am G8 gehört, dass die Lernzeit in den Kernfächern nicht mehr ausreiche. Bayern will nun 18 Wochenstunden zusätzlichen Pflichtunterricht erteilen und dabei auch die digitale und die politische Bildung stärken. In der „neuen“ Jahrgangsstufe 11 soll „vorwissenschaftlich“ gelernt sowie Studien- und Berufsorientierung vermittelt werden. Der Nachmittagsunterricht wird reduziert. Damit haben Bayerns Gymnasiasten wieder mehr Zeit für Hobbies und Vereine – eine zentrale Forderung der G8-Gegner.

Für den bevorstehenden Ausbau bekommen die Gymnasien nach und nach 1000 zusätzliche Stellen für Lehrkräfte. Zum am Mittwoch beschlossenen „Bildungspaket“ gehören auch 800 neue Stellen für andere Schularten, etwa für berufliche und Förderschulen.

Seehofer: Historische Generationen-Entscheidung

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bezeichnete das gesamte Bildungspaket als historische „Generationen-Entscheidung“. „Ich glaube, dass das, was wir jetzt machen, Signalwirkung für ganz Deutschland haben wird“, sagte er. Im weiteren Verfahren werde es nun darum gehen, „das politisch Gewollte auch bestens umzusetzen“. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) sagte zu dem Reformpaket: „Das ist jetzt etwas, was für ein Vierteljahrhundert trägt.“

Bayern ist nicht das erste Land, das sich vom G8 verabschiedet. Und auch dort, wo daran festgehalten wird, mehren sich parallele G9-Angebote. Ein Überblick über den Flickenteppich.

Quelle: Tsp/Schmidt

Turbo-Abitur für fast alle
Aus dieser Gruppe will sich Bayern verabschieden, dann bleiben vier ostdeutsche Länder unter sich. Im Osten, außer in Brandenburg, wird das Abitur traditionell in der 12. Klasse abgelegt. Das geht auf die DDR-Zeit zurück, wobei Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt Anfang der 90er Jahre zwischenzeitlich zum damaligen bundesweiten Standardabitur in der 13. Klasse gewechselt waren. Doch auch im Osten gibt es Auswege: An Berufs- oder Fachgymnasien wird ein Jahr länger gelernt. Öffentlich gestritten wird über das ostdeutsche Turbo-Abitur derzeit in Mecklenburg-Vorpommern. Der Philologenverband nimmt das Vorbild Bayerns zum Anlass, Druck auf Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) zu machen.

G8 am Gymnasium, G9 anderswo
In den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen sowie in Brandenburg und im Saarland haben Eltern und Schüler die Wahl, in welchem Tempo gelernt wird. An Gymnasien gilt die verkürzte Schulzeit, an anderen Schulformen wie den Sekundar- und Oberschulen, Gemeinschafts- und Gesamtschulen wird das Abitur in der 13. Klasse abgelegt. Trotzdem regt sich mancherorts Widerstand gegen das G8 am Gymnasium. In Hamburg scheiterte 2014 ein Volksentscheid. Im Saarland ist die SPD-Forderung nach dem Abitur der zwei Geschwindigkeiten auch am Gymnasium mit dem Wahlsieg der CDU vom Tisch.

Zwei Wege am Gymnasium
Zu den Ländern, in denen die Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 auch an Gymnasien schon Realität ist, gehören Hessen und Nordrhein-Westfalen. In Hessen entscheiden seit 2013 die Schulkonferenzen, ob sie das Abitur in der 12. oder 13. anbieten, einige dürfen beide Wege parallel anbieten. In NRW gilt weiterhin das G8, aber es gibt Modell-Gymnasien mit längerer Schulzeit. Seit Februar läuft gleichzeitig mit dem Landtagswahlkampf ein Volksbegehren, dessen Initiatoren das Turbo-Abi ganz abschaffen wollen.

Bis zum 7. Juni kann in kommunalen Verwaltungen und auf Unterschriftenlisten für den Wechsel votiert werden. Ein weiteres Land dieser Gruppe ist Schleswig-Holstein, wo das G8 an Gymnasien vorherrscht, aber einige G9-Gymnasien „Bestandsschutz“ haben. Hier ist die CDU mit einer vollständigen Rückkehr zur längeren Schulzeit in den aktuellen Wahlkampf gegangen. In Baden-Württemberg steht Grün-Schwarz zum G8, seit 2012/13 ermöglicht aber ein Modellversuch G9 an 44 Gymnasien.

Abi nach 12,5 Jahren
Eine Sonderrolle spielt Rheinland-Pfalz. Hier wurde das G8 nie flächendeckend eingeführt. Stattdessen lernen die Gymnasiasten fast durchgehend 12,5 Jahre bis zum Abitur. Die verkürzte Schulzeit wird lediglich im Rahmen eines Modellversuchs an 19 gebundenen Ganztagsgymnasien angeboten.

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Streit ums Abitur Bildungsforscher fürchten den Elternwillen

Abschied vom Turbo-Abitur
Von den Ländern, die nach der Jahrtausendwende das Turbo-Abitur eingeführt haben, ist zuerst Niedersachsen mit dem Schuljahr 2015/16 vollständig zum G9 zurückgekehrt – mit einer G8-Option für Leistungsstarke. Bayern will zum Schuljahr 2018/19 folgen.

Vielleicht war es einen Versuch wert. Die Franzosen und die Amerikaner, die Polen und Finnen, ja selbst die Sachsen und Thüringer (und die anderen drei neuen Bundesländer): Sie alle führten ihre Schüler in zwölf Jahren zur Studienreife. ­Warum sollte das in den alten deutschen Bundesländern nicht gelingen? ­Außerdem hatte doch gerade erst die Pisa-Studie gezeigt, dass Deutschlands Bildungssysteme international höchstens Mittelmaß waren. ­Sorge machte sich breit, unser Nachwuchs könnte den Anschluss in einer globalisierten Welt verlieren. Anfang der Nullerjahre schien die Zeit reif, um Deutschland mit dem achtjährigen Gymnasium ein Stück moderner zu machen.

Das eine Jahr weniger an Schulzeit versprach ein ­Gewinn für alle zu sein

Das eine Jahr weniger an Schulzeit versprach ein ­Gewinn für alle zu sein: Klagte nicht die Wirtschaft über die vergleichsweise ­alten Berufsein­steiger? So käme man internatio­nalen Standards ein Stück näher. Mahnten nicht die Wissenschaftler, wir ­Deutsche müssten länger in unsere Sozialkassen einzahlen? Wenn die jungen Leute ­früher zu arbeiteten begännen, ­könnte man sich vielleicht die unbeliebte Erhöhung des Renteneintrittsalters ­sparen. Wünschten sich die Eltern nicht ohnehin eine Ganztagsbetreuung für ihre Kinder? Da ­könnte das G8 die Initial­zündung sein für die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen. Und die Kinder? Stimmt, die Kinder – die ­hatte man nicht gefragt. Aber letztlich war das 13. Jahr auf der Schulbank doch nur „geraubte Zeit“, oder?

Es kam anders. Die vermeintlich einfache ­Umstellung, von den Bundesländern in einem bizarren „Wer schafft es schneller?“-Wett­bewerb umgesetzt, misslang. Der Wirtschaft waren die Absolventen nun plötzlich zu jung, zu lebens­unerfahren, zu schlecht ausgebildet. In die Sozialkassen zahlten sie auch nicht viel früher ein, weil sie sich nach dem Abi Zeit ließen. Die Eltern hatten sich zwar Betreuung für ihre Kinder gewünscht, aber nur für den Fall und zu den Stunden, an denen beide Eltern arbeiten mussten – r­egelmäßigen, verpflichtenden Nachmittagsunterricht hatten die meisten damit nicht gemeint. Und die Schüler? Die erkannten rasch das Entschuldigungspotenzial des G8 für Schulprobleme aller Art, holten sich ihr „geraubtes Schuljahr“ in Form einer Auszeit nach dem Abi zurück und brachten ansonsten ziemlich konstant ihre Leistungen – sprich: Sie konterkarieren bis heute alle Argumente, sowohl der Gegner als auch der Befürworter der Reform.

„Wir sollten den Status quo erhalten – wie immer er ist“

  • Olaf Köller, Professor für Empirische Bildungsforschung an der Universität Kiel und Leiter des Leibniz-Instituts für die ­Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN), hat im Auftrag der Stiftung Mercator Studien zu Schülern aus G8- und ­G9-Jahrgängen verglichen

„Bei den G8-G9-Reformen zeigt sich, was wir von vielen Schulstrukturreformen, auch im internationalen Vergleich, kennen: Sie schaden nicht, aber sie nützen auch nichts. Die Schülerinnen und Schüler an den Gymna­sien fühlten sich schon vorher belastet, und natürlich gilt das nach der Reform immer noch. Das Gymnasium ist generell für viele Schülerinnen und Schüler anstrengend, viele klagen über Kopfschmerzen und andere Stresssymptome – das hat ­diverse Ursachen, aber wenig mit dem G8 zu tun. Seit dessen Einführung haben die Schüler nur einen Grund mehr, darüber zu jammern.

Natürlich haben die Schülerinnen und Schüler im G8 objektiv weniger Freizeit. Aber die von uns verglichenen Studien zeigen nicht, dass sie sich deswegen weniger in Sportvereinen engagieren würden. Die Teilnehmerzahlen an Wettbe­werben wie Jugend forscht sind sogar ­gestiegen. Und auch in ihren Leistungen unterscheiden sich G8-Schüler nicht signifikant von G9-Schülern – zumindest wenn man sich das Ende der Oberstufe anschaut. ­Natürlich gibt es ­Klagen von Seiten der Universitäten und Arbeitgeber, aber die hat es schon immer gegeben.

Ganz ähnlich ist das mit den Klagen der Eltern über die Belastung ihrer Kinder in der gymnasialen Oberstufe: Auch das ist kein neues Phänomen. Im Gegenteil, in Bundesländern wie Schleswig-Holstein ist die Organisa­tion der Oberstufe exakt gleich geblieben – die zusätz­lichen Stunden wurden vollständig in die Unter- und ­Mittelstufe geschoben. Trotzdem sind die Eltern überzeugt, dass G8 die Kinder stresst.

Aus unserer Sicht gab es daher keinen Grund für die Reform – aber es gibt auch keinen, sie jetzt zurückzunehmen. Wir sollten den Status quo erhalten, wie auch ­immer er jetzt ist. Bayern etwa schätzt, dass der Rückweg von G8 zu G9 etwa eine Milliarde Euro kosten wird – dieses Geld sollten wir besser in die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer stecken. Wir haben Nachholbedarf in der Unterrichtsentwicklung, wir haben ein strukturelles Problem in der Mathematik – das ist alles dringender und wich­tiger als neuerliche Strukturreformen.“

Wenig spricht dafür, dass der Wunsch des Wissenschaftlers nach Ruhe für die Schulen Wirklichkeit wird. Für viele Landespolitiker hat sich die G8-Reform – beziehungsweise deren Rückabwicklung – zu einer existenziellen Frage entwickelt. Ein altes Sprichwort sagt, dass man mit Bildungs­politik keine Wahlen gewinnen kann – aber durchaus verlieren. Offenbar geht Letzteres allerdings auch mit inaktiver Bildungspolitik: So hatte sich die ­ehemalige schleswig-holsteinische Landesregierung aufgrund eines vermeintlichen Volkswillens auf einen „Schulfrieden“ festgelegt, also den Schulen eine Ruhe vor Reformen gegönnt – um dann von der CDU mit ihrem neuen Spitzenkandidaten Daniel Günther mit der Forderung nach einer unbedingten Rückkehr zum G9 überrumpelt zu werden.

Horst Seehofer kassierte, was Stoiber 15 Jahre vorher durchgesetzt hatte

Seine Kollegen im Süden haben das Thema daher rechtzeitig vor der nächsten Landtagswahl abgeräumt. Zwar waren die oppositionellen Freien Wähler mit ihrer Initiative für ein Volksbegehren zur Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 noch erfolglos gewesen, doch das Thema hatte während der Diskussion darum genug Eigendynamik bekommen, um für die CSU gefährlich zu werden. Und so kassierte die Landesregierung noch unter Ministerpräsident Horst Seehofer, was sein Vor-Vorgänger Edmund Stoiber 15 Jahre zuvor in einem Gewaltakt durchgesetzt hatte: Die Fünftklässer des Jahrgangs 2018/19 an den Gymnasien werden wieder nach neun Jahren Abitur machen.

Auch bei den Landtagswahlen in Nordrhein-West­falen 2017 war der ­Umgang mit dem acht- oder neunjährigen Gymnasium eins der wahlentscheidenden Themen. Die treibende Kraft dahinter waren allerdings keine Politiker, sondern engagierte Eltern. Von Anfang an ­waren viele Mütter und Väter überzeugt, dass es bei der Einführung des G8 nicht primär um das Wohl ihrer Kinder ging: Stattdessen sahen sie eine Zwangsverganztagung des ­Unterrichts zulasten von Freiraum und außerschulischen Aktivitäten. In Nordrhein-Westfalen etwa nahm die ­Initiative „G9 jetzt!“ ernsthaften Einfluss auf die Landtagswahl, indem sie ein halbes Jahr zuvor das erste Volks­begehren in dem Bundesland seit 41 Jahren startete – für die Rückabwicklung der G8-Reformen und die Wiedereinführung des G9 als Normalfall.

„Es ist eine Katastrophe“

  • Marcus Hohenstein, Siegener Lehrer, Vater und Gründer der
    Elterninitiative „G9 jetzt! NRW“, im Interview mit der „Lippischen Landes-Zeitung“

„Das achtjährige Gymnasium hat drei besonders ­gravierende Folgen. Erstens müssen Kinder bis vier Uhr unterrichtet werden, was dazu führt, dass Freizeit­aktivitäten kaum noch ausgeübt werden können, ­worunter vor allem Vereine leiden. Zweitens gibt es Abiturienten, die nicht volljährig und damit auch nicht geschäftsfähig sind. Viele wissen zudem nicht, was sie nach der ­Schule machen sollen. Drittens sinkt die Bildungsqualität. Hochschulen und Unternehmen beklagen, dass ­Abiturienten nicht mehr über eine ausreichende Studier- ­beziehungsweise Ausbildungs­fähigkeit verfügen.“

Tatsächlich hat sich unabhängig von allen pädagogischen Erwägungen der erste dieser Punkte, der reguläre Nachmittagsunterricht in der ­Mittel- und Unterstufe, als ­wesentlicher Streitpunkt beim G8 herausgestellt. Hier trifft die Diskus­sion auf eine andere Reform, bei der die Politik ebenfalls fest überzeugt war, mit dem Zeitgeist zu ­segeln – um nun auf kräftigen Gegenwind zu stoßen: den flächen­deckenden Ausbau der Ganztagsschulen. Vor allem der von Bildungs­forschern meist bevorzugte ­sogenannte ­gebundene ­Ganztag ­überzeugt viele Eltern nicht – sie ­hätten ihre Kinder gern nachmittags zu Hause.

„Ich lasse mir meine Kinder nicht wegnehmen“

  • Manuela Lindkamp, Herforder Mutter, Lehrerin und Unterstützerin der Elterninitiative „G9 jetzt!“, in einem Essay

„Mein Mann und ich können uns nichts Schöneres ­vorstellen, als mit unseren Kindern Zeit zu verbringen. Wir haben unsere Berufsplanung durchaus auch früh auf Kompatibilität mit Familienleben ausgerichtet. Wir setzen uns ein für mehr Lernzeit an Gymnasien, also die Rückkehr zu 13 Jahren Schulzeit und Unterrichtsschluss nach der sechsten Stunde. Wer möchte oder muss, kann sein Kind nachmittags im offenen Ganztag betreuen lassen, wie auch in Kindergarten und Grundschule, aber ich lasse mir nicht meine Kinder staatlich verordnet am Nachmittag bis 16 Uhr wegnehmen.“

Die Eltern wollen also Wahlfreiheit. Und weil ­Freiheit immer gut klingt und so manch einer das leidige ­Thema gern aus der Landespolitik herausbekommen würde, schieben nun einige Bundesländer die Verantwortung den Schulen zu – nach dem Motto: G8 oder G9, macht doch, was ihr wollt, aber lasst uns damit in Ruhe. Diesem ­Modell kann sogar Bildungsforscher Köller etwas abgewinnen, weil die Schulen selbst am ­besten einschätzen könnten, ob sich der neuerliche Aufwand einer ­Umstellung lohne – und sei es nur, um endlich wieder Ruhe in die Schulfamilie zu ­bekommen.

Wahlfreiheit klingt gut – ist aber schnell am Ende

Allein, diese Ruhe mag nicht eintreten. Denn gerade auf dem Land können Schüler oft nicht unter mehreren halbwegs sinnvoll erreichbaren Gymnasien wählen. Wenn die ­Schule im ­Einzugsgebiet zu klein ist, um beide Modelle parallel anzubieten (oder sie sich nicht dauerhaft einem internen System-Konkurrenzkampf aussetzen möchte), ist die Wahlfreiheit schnell am Ende. Und so scheinen Politiker wie der aktuelle holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther oder sein inzwischen ehemaliger bayerischer Kollege Horst Seehofer gerade richtig im Wind der Volksmeinung zu stehen, wenn sie die Rückkehr zum neun­jährigen Gymnasium als Regelfall durchsetzen. Her mit der G9-G8-G9-Reform also?

Ganz so einfach ist es nicht. Denn die Rolle rückwärts stößt auf unerwartete Gegner: Viele Lehrkräfte haben das Chaos der ersten Umstellung noch allzu gut im Kopf und möchten jetzt, da das neue Modell eigentlich überall organisatorisch gut funktioniert, nicht wieder mit Struktur­reformen statt mit Unterricht beschäftigt sein.

G8 – G9: im Turbotempo zurück?

  • Karla Graßt, Gymnasiallehrerin in Schleswig-Holstein

„Als Schleswig-Holstein vor neun Jahren die Gymnasialzeit um ein Jahr kürzte, betrat ich ein wenig skeptisch als Klassenlehrerin einer fünften Klasse gemeinsam mit den Schülern, Eltern und Kollegen Neuland. Auf den ­Elternabenden ging es nun nicht mehr primär um die Sitzordnung und um Wandertage, sondern um die Sorge, wie die Kinder genug Freizeit bekommen. Das ­Ministerium entließ die Schulen bei der Umgestaltung des Schul­lebens weitgehend in die Selbstständigkeit, sprich: Jede ­einzelne Schule im Land musste selbst zusehen, wie sie das mit G8 hinkriegt. In den Fachschaften wurde diskutiert, welche Inhalte überholt sind und zur Zeitersparnis aus dem ­Lehrplan rausgeworfen werden können. Neue ­Lehrwerke wurden passend zu den von den Fachschaften erstellten Curricula angeschafft. Für die langen Schultage richteten viele Schulen eine Mensa und Aufenthalts­räume ein.

Mittlerweile haben die Gymnasien und auch die Lehrer individuelle Wege gefunden, wie man auch in acht Jahren Wissens­erwerb, Freizeit und zudem noch Freude am Lernen vereinen kann. An meiner Schule etwa wird verstärkt in Doppelstunden unterrichtet, die Schüler haben so pro Tag weniger Fächer und damit in der Summe weniger Hausaufgaben; einige Kollegen verzichten sogar häufig oder ganz auf häusliches Lernen. Die Schulstunden für die Fünftklässler sind so verteilt, dass sie nur an einem Tag nachmittags Unterricht haben.

Dieser Entwicklungsprozess hat das Land und die Schulen viel Geld und Zeit gekostet. Und nun soll ­alles wieder rückgängig gemacht werden? Ich konnte mit G9 gut leben, und ich kann es ebenso gut mit G8. ­Letzten Sommer, als der letzte G9- und der erste G8-Jahrgang gemeinsam das Abitur abgelegt hatten, hat unser Oberstufenleiter die Durchschnittsnoten ver­glichen – ein Jahr mehr oder weniger spielte da keine Rolle. Wenn die Universitäten klagen, dass die Studenten nicht mehr studierfähig sind, liegt das nicht an der ­Länge, sondern an der Qualität der Schulzeit.

Gern würde ich mir Gedanken über Unterricht machen, der meine ­Schüler wirklich auf das Berufsleben oder Studium vorbereitet. Doch ich fürchte, dazu werde ich nicht kommen: Ich muss schließlich das G8-Curriculum aufpusten, damit es ­wieder in G9 passt …“

Wenn die Gymnasien zum G9 zurückkehren, wird alles wieder wie früher – das ist wohl der größte Irrtum in diesem verbissenen Systemkampf. Werden die Eltern akzeptieren, dass einmal für überflüssig erklärte Inhalte wieder in den Lehrplan zurückkehren? Wohl kaum – die neuen G9er werden sicher ein paar ­andere, vermutlich aber insgesamt weniger Inhalte ­lernen müssen­ als ihre Kollegen zehn, 15 Jahre zuvor. Werden ­damit dann ­Universitäten und Arbeitgeber endlich ­zufrieden sein? ­Unwahrscheinlich. Und kündigen nun alle Mütter ihre Jobs, damit sie ihren Kindern wieder mittags ein warmes Essen auf den Tisch stellen können? Das kann nicht ernsthaft das Ziel sein.

Im Westen scheint der Rückweg zum G9 unaufhaltsam

Trotzdem erscheint der Rückweg zum G9 in den westlichen Bundesländern unaufhaltsam. Rheinland-Pfalz hat die ­Rundreise nie mitgemacht; Niedersachsen und ­Bayern sind auf dem Rückweg; Schleswig-Holstein, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben das G9 zumindest schon wieder im Angebot. Auch wenn ­Lehrkräfte, Bildungsforscher und Politiker sich noch so sehr Ruhe wünschen – die Eltern sind einfach eine Macht.

Und die Kinder? Stimmt, die Kinder – die werden auch diesmal wieder nicht gefragt. Sie werden sich mit den Entscheidungen der Politik arrangieren müssen.

Stressfrei im G8

  • Ariane, Schülerin in Bayern, 17 Jahre

„Ich denke, dass das G8 vollkommen akzeptabel ist. Trotz Nachmittagsunterricht habe ich Zeit, Sport zu treiben, ein Instrument zu erlernen und mich mit Freunden zu treffen. Meine Schulnoten sind gut, ohne dass ich meinen kompletten Nachmittag fürs Lernen aufopfern muss – meist reichen schon die Hausaufgaben, um den in der Schule behandelten Stoff zu verinnerlichen.

Viele Schüler haben, verständlicherweise, keine Lust zu lernen und wollen sich und ihren Eltern nicht eingestehen, dass sie zu bequem sind, um sich an ihren Schreibtisch zu setzen. Schuld an den schlechten Noten haben dann die Lehrer und das Schulsystem. Die Eltern rea­gieren mit ­Kritik auf die vermeintlichen Klagen ihrer Söhne und ­Töchter. Bei den Elternabenden wird lautstark über die
Lehrer und das G8 hergezogen. Meine Mutter war das ­Keifen auf den Elternstammtischen leid und ­erscheint dort nur noch selten.

Im Unterricht ist häufig noch Zeit, aktuelle Themen zu besprechen oder einfach ein nettes Gespräch mit dem Lehrer zu führen. Ich bin also keinem immensen Stress ausgesetzt, was dem G8 häufig ­vorgeworfen wird, ganz im Gegenteil, ich bin sehr gern in der Schule.“

Piazolo stellt Detail-Konzept der G9-Oberstufe vor | BR24

Die Oberstufe an den bayerischen Gymnasien nimmt Formen an: Künftig können die Gymnasiasten in der 12. und 13. Klasse ein Leistungsfach aus allen Fächern frei wählen. In diesem Fach belegen sie dann zwei zusätzliche Wochenstunden.

Der Freistaat stellt derzeit wieder vom acht- auf das neunjährige Gymnasium (G9) um, 2024 macht der erste Jahrgang nach den neuen Regeln Abitur. Aktuell sind noch einige Fragen offen – etwa, welche Fächer verpflichtender Bestandteil der Abiturprüfungen sein werden und wie diese für die Gesamtnote gewichtet werden. Klar ist hingegen, dass alle Schüler in den Jahrgangsstufen 12 und 13 vier Stunden Mathematik und Deutsch pro Woche haben werden.

Wer will, kann in Mathe oder Deutsch zwei Stunden zusätzlich belegen

Zudem sollen Schülerinnen und Schüler in den Kernfächern Deutsch und Mathematik individuelle Förderung bekommen. Das sagte Kultusminister Michael Piazolo heute in München.

„Diejenigen die leistungsstärker oder besonders am Fach interessiert sind, haben die Möglichkeit in der 12. Klasse Mathematik oder Deutsch zweistündig noch zusätzlich zu belegen.“ Michael Piazolo (FW), Bayerischer Kultusminister

Differenzierungsstunden sollen bei der Abi-Vorbereitung helfen

Aber auch für diejenigen, die sich in Mathematik oder Deutsch schwer tun, gibt es künftig ein Angebot. Für sie soll es in der 13. Klassenstufe sogenannte Differenzierungsstunden geben. Diese sollen ihnen helfen, sich besser aufs Abitur vorzubereiten.

Damit wolle man sowohl leistungsstärkeren, als auch schwächeren Schülern gerecht werden, sagte Piazolo. Auch die politische Bildung will der Kultusminister stärken. Dafür führt das Ministerium ein eigenes Fach ein: „Politik und Gesellschaft“. Auch das könne in der Oberstufe als Leistungsfach gewählt werden.

Vertreter von Lehrer, Eltern und Schülern begrüßen die Neuerungen

Seit 2018 arbeitet eine Arbeitsgruppe des Kultusministeriums an der neuen Oberstufe. Ihr gehören Vertreter von Direktoren, Lehrern, Eltern und Schülern an. Sie alle zeigten sich heute zufrieden mit der Ausgestaltung der neuen Oberstufe.

„Ich bin ziemlich zufrieden, weil wir grade mit diesen Differenzierungsstunden und dem Vertiefungskurs den Bogen geschafft haben, dass wir einerseits Leitungsstarke, aber auch ein bisschen Leistungsschwächere mitnehmen in der Oberstufe und somit tatsächlich aus Schülerinnen- und Schülersicht eine an uns orientierte Oberstufe haben, die auch wirklich auf die Interessen der einzelnen eingeht.“ Joshua Grasmüller, Landesschülersprecher

Auch Heinz-Peter Meidinger, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes und Schulleiter in Deggendorf, begrüßt die vom Kultusministerium beschlossenen Änderungen in der Oberstufe bayerischer Gymnasien. Im Interview mit dem BR spricht er von einem „guten Kompromiss“.

Es wird 450 zusätzliche Lehrerstellen geben

Allerdings blieben noch weitere Fragen offen. Wie das Abitur genau aussehen soll, werde die Arbeitsgruppe im nächsten Schritt klären, so der Kultusminister.

Im Juli hatte Kultusminister Michael Piazolo bereits bekannt gegeben, dass die neue Oberstufe den Schülern in Bayern deutlich mehr Wahlmöglichkeiten bieten solle als bisher. Dafür würden rund 450 neue Lehrerstellen finanziert – zusätzlich zu den 1000 Stellen, die ohnehin bis 2025 geschaffen werden sollen.

Gymnasium und G8 – Vorteile und Nachteile

„Juhu, nur noch zwölf Jahre Schule!“ Denken wirklich alle Schüler so? Heute stehen viele Bundesländer vor der Frage, ob sich die Schulzeitverkürzung am Gymnasium von neun auf acht Jahre wirklich gelohnt hat. Welche Vorteile bietet das G8, das achtjährige Gymnasium? Welche Nebeneffekte hätten berücksichtigt werden sollen? Wir diskutieren Chancen und Probleme der 2007 beschlossenen Schulreform.

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G8 – warum eigentlich?

Ein Grund für die Schulzeitverkürzung am Gymnasium war die Feststellung, dass die Schulzeit in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern zu lang sei. Die Anpassung durch G8 unterlag dem Anspruch, dass Deutschland den internationalen Standards entsprechen solle. Die wirtschaftlichen Vorteile der Reform sind ebenso nachvollziehbar: Wenn Schüler ihre schulische Ausbildung ein Jahr früher beenden, können Sie ein Jahr früher Geld verdienen und ihre Lebensarbeitszeit um ein Jahr verlängern.

Vorteile des Turbo-Abis am Gymnasium

Neben den Vorstellungen, die anfangs mit der Reform verknüpft waren, sind auch die Meinungen der Schüler aufschlussreich. Der Vorteil des Turbo-Abis liegt für manche darin, die verhasste Schulbank ein Jahr weniger drücken zu müssen. Für ehrgeizige Schüler ist es ein Ansporn, in kürzerer Zeit das zu erreichen, wofür G9-Schüler ein Jahr länger gebraucht haben.

Durch den frühen Einstieg ins Berufsleben erhoffen sich viele Schüler Vorteile auf dem Arbeitsmarkt. Heutzutage spielt immer häufiger das Alter eine Rolle beim Arbeitgeber, sodass eine Stelle bei gleicher Qualifikation oft der jüngere Bewerber erhält.

Manche Schüler, die noch nicht wissen, welchen Beruf sie ergreifen wollen, sehen dagegen im G8 Möglichkeiten einer persönlichen Weiterentwicklung. Dadurch, dass sie nach dem Abitur noch sehr jung sind, ergreifen viele die Chance und absolvieren beispielsweise ein Freiwilliges Soziales Jahr. In diesem Jahr bilden sie ihre Persönlichkeit weiter und haben Gelegenheit, soziale und berufliche Kontakte zu knüpfen.

Die Kehrseite der Medaille

Was vom Kultusministerium wenig bedacht wurde, ist die Tatsache, dass nicht alle Schüler das gleiche Lernverhalten zeigen. Während jene, die schnell lernen, durch das G8 profitieren, bleiben andere sprichwörtlich auf der Strecke. Nicht der Unterrichtsstoff verkürzt sich, sondern die Zeit, ihn zu bewältigen. Viele Gymnasiasten fühlen sich dem Lernpensum nicht gewachsen und leiden unter Versagensangst und Stress. Dadurch, dass ihnen ein großer Teil der Freizeit genommen wird, können weniger außerschulische Angebote genutzt werden. Klavierunterricht und Fußball sind wichtiger Ausgleich und in ihrer Bedeutung für die Sozial-Entwicklung des Schulkinds nicht zu unterschätzen.

Zwischen 2011 und 2013 gab es in mehreren Bundesländern, durch das Zusammentreffen von G8 und G9, doppelte Abiturjahrgänge. Die Folgen: ein großer Ansturm auf Ausbildungs- und Studienplätze. Vor allem Schüler mit weniger guten Abituren hatten dadurch Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt oder mit dem Wunschstudium.

  • Gymnasiale Oberstufe – Dauer und Aufbau
  • Sekundarstufe II – Was ist das eigentlich?
  • Bildungsreform: Stress und Druck statt Kindheit
  • Schulzeitverkürzung: G 8-Gymnasien: Ein Erfolgsmodell?
  • Schulen: Enttäuschte Eltern: Kaum ein Gymnasium lässt zu G9 wechseln

Das achtjährige Gymnasium (G8) hat einige Vorteile zu bieten – dennoch sind es aber die Nachteile, die für viele Schüler schwerer ins Gewicht fallen.

Die Anzahl der Schuljahre wurde zwar gekürzt – die Anzahl der zu unterrichtenden Pflichtstunden hat sich allerdings nicht geändert. Heißt: Die überschüssigen Stunden müssen irgendwie in die verliebenen 8 Schuljahre gequetscht werden.

Wie genau das abläuft, können die Gymnasien individuell regeln. Meist werden die Fünftklässler noch einigermaßen verschont, ab der 6. geht’s dann aber schon richtig zur Sache. Im Klartext bedeutet das an den meisten Schulen: Ein- bis dreimal die Woche Nachmittagsunterricht, anders ist die vorgegebene Stundenzahl nicht zu schaffen. Inklusive Hausaufgaben und dem Lernen für Klassenarbeiten kommen viele Schüler dann auf 45-60 Arbeitsstunden pro Woche – mehr als in der durchschnittlichen Arbeitswoche eines Erwachsenen. Das kritisiert auch Klaus Kühn vom saarländischen Verband für Kinder- und Jugendärzte: „Die Arbeitsbelastung der Kinder und Jugendlichen hat längst Erwachsenenniveau erreicht!“
Für Freizeit und Entspannung bleibt da ziemlich wenig Zeit. Sprich: Das ganze Leben dreht sich um die Schule, der Druck wird immer größer und die Möglichkeiten zum Stressausgleich immer seltener. Außerdem sind die Schulen oft nicht auf den Ganztagsbetrieb eingerichtet und haben weder Aufenthaltsräume noch Kantinen für die Mittagspause. Klar, dass unter diesen Umständen irgendwann auch Gesundheit und Leistungsfähigkeit leiden!

Vorteile und Nachteile von G8

  • Nachmittagsunterricht an mehreren Tagen in der Woche, um den ganzen Schulstoff in kürzerer Zeit abzuarbeiten.
  • Wegen des längeren Unterrichts weniger Zeit für Erholung, Familienleben und außerschulische Aktivitäten.
  • Schulischer Druck kann in Einzelfällen als stärker empfunden werden.
  • Kaum Zeit für einen Auslandsaufenthalt, da vor allem in der Mittelstufe mehr Stoff durchgenommen wird.
  • Weniger Zeit, um sich persönlich zu entwickeln.
  • Weniger Zeit zur Berufsorientierung.
  • Kritiker bemängeln Qualitätsverluste beim Lehrstoff, da im G8-System etwa 20 Jahreswochenstunden wegfallen. Hochgerechnet auf die ganze Gymnasialzeit sind das etwa 180 Stunden weniger Mathematikunterricht und 200 Stunden weniger Englischunterricht. Auch die Übungsstunden im Klassenzimmer fallen knapper aus.
  • Abitur vor der Volljährigkeit, Studienstart mit 17 möglich.
  • Mehr Zeit für ein Gap Year nach dem Abi.

Vorteile und Nachteile von G9

  • Kein Nachmittagsunterricht und geringere Stoffdichte vor allem in der Mittelstufe.
  • Mehr Zeit für ein Auslandsjahr – zum Beispiel in der zehnten Klasse.
  • Ein zusätzliches Jahr, um sich zu überlegen, was man nach der Schule machen will.
  • Mehr Freizeit am Nachmittag – für Erholung, Hobbys, Sportverein oder Musikunterricht.
  • Abitur erst nach der Volljährigkeit.

G8 oder G9: Diskussion und Fazit

Was denk ihr, ist G8 oder G9 besser? Laut einer Metastudie des Kieler Leibniz-Instituts für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik im Auftrag der Stiftung Mercator gibt es kaum einen Unterschied, wenn Schüler acht anstatt neun Jahre am Gymnasium verbringen. Durch G8 ergäben sich keine großen positiven Effekte, aber auch keine großen negativen Folgen, schreiben die Autoren der Studie. Was die fachliche Leistung angeht, seien Schüler von G8 oder G9 gleichauf. Wer nach acht Jahren Oberschule Abi macht, sei genauso gut aufs Studium vorbereitet wie G9-Schüler. Auch die Lernbelastung würde von G8-Schülern im Durschnitt nicht als stärker empfunden als von Schülern am neunjährigen Gymnasium. Einen deutlichen Unterschied konnten die Autoren der Studie jedoch bei Auslandsaufenthalten feststellen. Durch G8 bleibt einfach kaum Zeit, um ein Schuljahr im Ausland zu verbringen. Deshalb nehmen weniger Schüler des achtjährigen Gymnasiums diese Möglichkeit wahr. Auf dem Arbeitsmarkt wird Auslandserfahrung allerdings geschätzt, zudem wirkt ein Schuljahr jenseits der Heimat wie ein Katalysator für die individuelle Entwicklung und Reife. Im Fazit lässt sich gar nicht so genau sagen, ob G8 oder G9 besser ist. Deshalb werden Bildungsforscher, Eltern, Politiker und Schüler über die mögliche Rückkehr zu G9 bestimmt noch munter weiterdiskutieren.

Thema des Monats: G8 am Gymnasium: Sinn oder Unsinn?

Bildungskolumne von Marcel Renz

Ist G8 wirklich so schlimm?

Die Diskussionen über das achtjährige Gymnasium, besser bekannt unter den Begriffen „G8“ und „Turbo-Gymnasium“, haben seit seiner Einführung vor einigen Jahren nie aufgehört. Vor allem die Kritiker des Konzepts befeuern die Auseinandersetzung mit schlagkräftigen Argumenten. Dabei fing alles sehr harmonisch und positiv an. Waren doch alle Beteiligten – Bund, Länder, Kultusministerien und Lehrer – nach den Wirren um Pisa sehr froh um die Möglichkeit, die Bildungszeit der Arbeitnehmer von morgen zu verkürzen. Und das ohne Qualitätseinbußen bei der Lehre. Viel mehr sollte diese verbessert und die Effizienz gesteigert werden.

Doch die Wirklichkeit gestaltet sich in vielen Fällen weitaus schwieriger und die meisten Schüler und Eltern sind über das Konzept alles andere als glücklich. Um uns ein Bild über die wahre Situation zu machen, müssen wir uns mit den Vorteilen und Nachteilen von G8 auseinandersetzen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Nutzen der Zeitgewinn des schnelleren Abiturs im Endeffekt überhaupt bietet? Unter gewissen Umständen sind Vorteile zu erwarten, aber so genannte Langzeitstudenten führen das Konzept kaum haben sie die Schule verlassen ad absurdum.

Zugegeben, das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber es ist ja auch nicht entscheidend, ob ein junger Akademiker sein Studium mit 26 oder aber 27 abschließt. Viel wichtiger ist doch, wie sein individueller Weg bis dahin aussieht und welche Erfahrungen er gesammelt hat. Der Erfahrungsschatz und die Arbeitsweise, die wir uns antrainiert haben, sind für den Arbeitsalltag ja meist das Allerwichtigste. Aber genug der Vorrede, in den folgenden Zeilen lasse ich nun eindeutige Argumente sprechen.

Was für G8 spricht

2004 wurde in Baden-Württemberg und anderen Ländern das achtjährige Gymnasium im Zuge einer neuen Bildungsreform eingeführt. Hauptargument für die Verkürzung des gymnasialen Bildungsganges waren und sind die in Deutschland vergleichsweise langen Ausbildungszeiten. Das achtjährige Gymnasium entspricht internationalen Standards. Schenkt man den Kultusministerien Glauben, soll nicht derselbe Stoff gelehrt, sondern in Verbindung mit einem neuen Bildungsplan eine neue Schul- und Unterrichtskultur geschaffen werden. Angestrebt sind Freiräume für projektorientierte Lernverfahren und eine bessere Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler. Ein hehres Ziel, wovon die Schüler, sollte es denn umgesetzt werden können, sehr profitieren würden. Es ist wichtig, ihnen die Chance zu geben, dass sie ihre Stärken und Neigungen noch besser einbringen können. Dafür ist die Flexibilisierung auf Basis einer stabilen Grundförderung der richtige Weg.

Ein erster richtiger Schritt sind die zumindest in Baden-Württemberg eingeführten Kernkompetenzfächer und die Neigungs- sowie Profilfächer in der Oberstufe. Kernkompetenzfächer sind für alle Schüler verpflichtend und umfassen Mathe, Deutsch sowie eine Fremdsprache. Darüber hinaus können sich die Schüler Neigungs- und Profilfächer aussuchen. Dies allein reicht aber nicht, denn erstens muss diese Spezialisierung schon früher beginnen und zweitens auf bestimmte Lehrinhalte konsequent verzichtet werden. Und in der Tat ermöglicht das G8-Konzept, dass die Lehrer künftig bei der Umsetzung des Lehrplans und der Auswahl von Lehrinhalten über viel mehr Flexibilität verfügen. Wenn dies genutzt wird, wäre auch genügend Zeit für AGs und individuelle Förderung.

Ein guter Ansatzpunkt ist, dass sich die Schüler beispielsweise schon in Klassenstufe 5 oder spätestens 6 eine zweite Fremdsprache auswählen können und so früher und intensiver mit Fremdsprachen konfrontiert werden. Wie die Hirnforschung gezeigt hat, erleichtert die frühe Auseinandersetzung mit Fremdsprachen das Sprachenlernen. Ein weiterer Baustein im Zuge der G8-Reform besteht darin, dass die Schulen verstärkt interdisziplinär lehren. So schult der Fächerverbund Geographie, Wirtschaft und Gemeinschaftskunde das Denken in Zusammenhängen über die Fächergrenzen hinweg.

Nachteile von G8

Leider sind die Nachteile des Konzepts nur zu offensichtlich und greifbar. Werfen wir zunächst den Blick auf den doppelten Abschlussjahrgang 2012, bei dem in Baden-Württemberg, Brandenburg, Bremen und Berlin die erste G8-Generation mit der letzten G9-Generation zusammen Abitur macht. Es wird dann eine große Anzahl von Abiturienten geben, welche die negative Seite von G8 voll zu spüren bekommen. Das heißt also, viel mehr Schulabgänger bewerben sich auf die verfügbaren Studienplätze. Der Leistungsdruck unbedingt einen sehr guten Notenschnitt erreichen zu müssen, steigt für alle Schüler stark an. Das Paradoxe an der Sache ist, das einige Schulabgänger, die mit G8 eigentlich gar nichts zu tun haben, in dessen negativen Sog hineingezogen werden. Viel schlimmer noch ist es, dass die erste G8-Generation durch das G8-Konzept selbst eine schwere Hypothek aufgeladen bekommt.

Die negativen Folgen wirken sich hauptsächlich auf den gegenwärtigen Schulalltag aus. Für die Unterrichtsplaner war die Zusammenstellung der Kursgruppen und die Raumzuteilung ein schwieriges Unterfangen. Trotz allen Bemühungen ist Raumnot überall gegenwärtig. Die große Schülerzahl birgt aber auch Vorteile, denn in diesem Jahrgang stehen so viele Fächer zur Wahl wie sonst nie.

Auf den größten Nachteil von G8 hat dies alles aber keinen Einfluss: Die Schüler müssen in weniger Zeit genau so intensiv auf das Abitur vorbereitet werden, alles muss schneller gehen. Vor allem für Schüler, die nicht gerade mit viel Talent gesegnet sind und sich ihre guten Noten hart erarbeiten müssen, stellt sich G8 meiner Meinung nach als großes Problem dar. Und wer auf eine Entschlackung des Lernstoffes und einen effizienteren Lehrplan gehofft hat, sieht sich in den meisten Fällen enttäuscht. Im negativen Fall kommt auf die Schüler viel Stress und eine gehörige Portion Druck zu.

Deshalb geht G8 überhaupt nicht

Viele Schüler stöhnen über viel zu volle Stundenpläne. Inklusive zwei Stunden Hausaufgaben am Tag und in manchen Fällen noch Nachhilfe kommen Schüler am Gymnasium locker auf eine 50-Stunden-Woche. Dies ist eindeutig zu viel. Ein Arbeitnehmer darf doch auch nicht länger als 40 Stunden arbeiten, da sonst der Betriebsrat einschreitet. Kritiker fragen sich, warum für Schüler nicht dieselben Bestimmungen gelten.

In den verschiedenen Internetforen kannte die Aufregung in den letzten fünf Jahren keine Grenzen. Weil die Wirtschaft dringend kompetenten Nachwuchs brauche, müsse die junge Elite nach acht Jahren Abitur machen, empörten sich viele Eltern. Es ist leider richtig, dass der Lehrstoff zusammengepresst wird. Denn die Zahl der Schulstunden bis zum Abitur bleibt gleich, so wollen es die Kultusminister. Daher ist nur logisch, dass viele Gymnasiasten ihre Freunde nur noch am Wochenende sehen, weil sie den ganzen Tag in der Schule sitzen.

Für mich ein Unding, denn meine persönliche Maxime lautete spätestens während des Studiums folgendermaßen: Den Schwerpunkt auf wenige Kurse legen und diese dafür gründlich absolvieren, denn weniger ist in diesem Fall eindeutig mehr. Mit diesem Grundprinzip bin ich immer sehr gut gefahren. Und warum lässt es sich nicht auch schon in der Schule anwenden? Klar benötigt man hier eine breitere Grundförderung, aber zumindest einige weniger wichtige Lehrinhalte gehören auf den Prüfstand. Außerdem ist neben dem Lernalltag eine gewisse Portion Freizeit unbedingt nötig. Auch der motivierteste Schüler braucht etwas Spaß und Muse, es ist einfach wichtig, ab und zu komplett abschalten zu können. Oder wollen wir wirklich zeitgeschaltete Lernmaschinen?
Konzept mit Defiziten und Lösungsansätze

Wenn also auf der offiziellen Homepage des Kultusministeriums Baden-Württemberg groß angekündigt wird, dass durch G8 Freiräume geschaffen werden, um Bildung und Erziehung zu stärken, klingt das eher wie ein schlechter Scherz. Eltern und Schüler fragen sich bestimmt, welche Freiräume denn bitteschön gemeint sein sollen. Der immense Zeitdruck, welchem einige G8-Schüler ausgesetzt sind, macht dies unverständlich. Eine Qualitätssteigerung wie das Ministerium vorgibt, wird so sicher nicht erreicht.

Da bedarf es auf jeden Fall weiterer Anpassungen und Verbesserungen. Es ist ja nicht so, dass G8 keinerlei positive Ansätze bietet. Diese kann man beibehalten, muss aber gewisse Dinge verändern. Eines wird nämlich deutlich: Das Kernproblem des achtjährigen Gymnasiums ist nicht das Konzept an sich, sondern wie man es in den Schulalltag integriert. Es reicht eben nicht, einfach nur die Schulzeit zu verkürzen, vielmehr bedarf es der richtigen Rahmenbedingungen. Dann kann G8 sogar zum Erfolgsrezept werden.

Es ist aber nicht ausreichend, allein die Lehrpläne zu entrümpeln. Wir brauchen endlich echte Ganztagsschulen, die mehr als nur diesen Namen verdient haben. Wenn die Schulstunden über den ganzen Tag verteilt werden, brauchen die Schüler mittags etwas zu essen. Viele Bildungsanstalten sind jedoch überhaupt nicht darauf eingestellt. So gibt es Schulen, die auch vier Jahre nach Einführung der G8-Reform immer noch keine Schulkantine besitzen.

So kann es gehen!

Es gibt durchaus einige positive Beispiele zur Umsetzung des G8-Konzepts und seinen Auswirkungen. In einer Schule im Schwarzwald beschweren sich Schüler und Lehrer so gut wie gar nicht darüber, dass die Jahrgänge der Klassenstufen 11 und 12 zusammengewürfelt werden. Über etwaige Leistungsdifferenzen wie in vielen anderen Schulen spricht kaum jemand. Das mag durchaus damit zusammenhängen, dass sich das Gymnasium rechtzeitig auf die sehr große Schülerzahl der jetzigen Kursstufe eingestellt hat. Bereits vorhandene Zusatzangebote wie Hausaufgabenbetreuung, AGs und Förderunterricht hat die Schule gezielt ausgedehnt. Wer schwächelt, könne laut dem Schulleiter auf diese Weise wieder aufholen. Und das werde rege und erfolgreich genutzt – von G8- wie G9-Schülern.

Der richtige Umgang mit Hausaufgaben sowie ein differenziertes Lern- und Förderangebot sind Felder, auf denen das G8-Konzept punkten kann. Hausaufgabenbetreuung durch erfahrene Eltern und Jugendbetreuer wird etwa am Immanuel-Kant-Gymnasium bei Stuttgart als Bestandteil des Schullebens begriffen. Da die Lerngruppe maximal 12 Personen groß sein soll, müssen auch ausreichend Räume zur Verfügung gestellt werden. Deshalb hat die Schule alle notwendigen Umbaumaßnahmen eingeleitet. Viele Schulen versuchen auch mit dem Neubau eines Aufenthaltsbereiches das Schulleben außerhalb der Klassenzimmer angenehm zu gestalten.

Das ist gut so, denn Lernen muss mehr vermitteln als ein „Stoff- und Lernpensum“ abzuarbeiten! Mancherorts wird verstärkt das Gesundheitsbewusstsein der Schüler gefördert, indem in der Unterstufe der Stundenplan jeden Tag eine Sportstunde vorsieht. Einige Ganztageseinrichtungen sehen an Nachmittagen ein breites Spektrum an AGs und Wahlpflichtbereichen vor, die von Lehrern, Schülermentoren und außerschulischen Partnern angeboten werden. Die Schüler finden so je nach Neigung im sportlichen, künstlerischen und musischen Bereich Gelegenheiten, ihre Potenziale zu entfalten.

Ebenfalls achten die Schulen auf die Vermittlung von methodischen und sozialen Kompetenzen, denn so genannte Softskills lernen die Schüler für ihr ganzes Leben und profitieren davon in Studium und Beruf. Aber auch Änderungen im Lehrplan stehen auf der Tagesordnung. Hauptfächer werden nicht weiter aufgebläht, sondern durch ergänzende und fächerübergreifende Angebote sinnvoll erweitert. Weniger Unterrichtsfächer pro Tag und deren stärkere Bündelung entlasten die Schüler und sorgen dafür, dass sie die verschiedenen Lehrinhalte besser einüben können.

G8 – Eine Baustelle mit Zukunft

Das G8- Konzept hat natürlich viele Nachteile und kann deshalb in der jetzigen Form nicht bestehen bleiben. Ministerien und Schulen haben die verdammte Pflicht, Schüler und Eltern ernst zu nehmen. Es geht darum, unsere Schüler so gut wie nur irgend möglich zu fördern. Denn Bildung ist und bleibt unser höchstes Gut, nicht zuletzt weil Deutschland ein großes Interesse daran hat, zur europäischen Bildungsspitze zu gehören.

Wenn verschiedene Kultusminister von einem verantwortlichen Umgang mit der Lebens- und Arbeitszeit junger Menschen sprechen, ist das einfach nicht viel mehr als schöner Schein. Denn wie schon erwähnt, haben die G8-Schüler massive Probleme, die größere Wochenstundenanzahl zu bewältigen. Von einer sinnvollern und nützlichen Freizeitgestaltung kann schon gar keine Rede mehr sein. Die Frage bleibt, was die Schüler davon haben, wenn sie ein Jahr früher von der Schule ins Ausbildungsleben wechseln können. Klar, da sind die Vorteile der verkürzten Ausbildungszeit, welche aber offensichtlich in keinem Verhältnis zu den Nachteilen stehen. Die Schüler stehen unter großem Zeitdruck und müssen ständig darum kämpfen, alles unter einen Hut zu bringen. Trotz aller Kritik beinhaltet G8 gute Ansätze, die aber noch in ein schlüssiges Gesamtkonzept gebracht werden müssen. Für diesen Prozess ist es ein großes Plus, dass die Länder und Schulen voneinander lernen können. Die Schüler dürfen nur nicht zu Versuchskaninchen werden, denn sonst hat keiner der Beteiligten etwas davon.

Letztlich liegt in den Wirren um G8 auch eine große Chance, da man gezwungen ist, die Lehrinhalte anzupassen und zu entschlacken. Denn wie oft kommt es vor, dass sich Schüler fragen, wieso sie diese und jene Inhalte eigentlich lernen sollen. Leider sind viele Lehrer nicht in der Lage, die neu gewonnene Flexibilität bei der Auswahl der Lehrinhalte zu nutzen. Meistens sind sie so sehr von ihrem Fachgebiet überzeugt, dass sie vergangenen G9-Zeiten nachtrauern und eisern an den alten Stoffmengen festhalten. Da kann man doch um Gottes Willen nichts weglassen, es ist ja alles von größter Bedeutung! Ob die Betroffenen davon profitieren, ist da höchstens Nebensache. Dabei sollte doch inzwischen wirklich klar sein, dass Bildung mehr ist und durch folgende wesentliche Elemente unbedingt ergänzt werden sollte: Die Stärkung der Persönlichkeit, das Erlernen eines sinnvoll organisierten Lernalltags, welcher die Freizeitgestaltung angemessen berücksichtigt und die Einübung von Urteilsfähigkeit.

Diesen Anspruch durften aber Schüler und Eltern auch schon vor G8 haben. Daher stellt sich für mich schon noch einmal die Sinnfrage des Konzepts. Solange es nicht angepasst und verbessert wird, bedeutet es für die meisten Schüler eine Zumutung. Ein Verkürzung der Schulzeit ist für mich übrigens nicht deshalb sinnvoll, da man ein Jahr früher mit dem Studium oder der Berufsschule starten kann, sondern noch Zeit für eine soziale Tätigkeit bleibt. Ob dies dann in Form eines sozialen Pflichtjahrs geschieht, steht hier nicht zur Debatte. Aber die Jugendlichen könnten so ihren Horizont erweitern und ihre Motivation sowie Persönlichkeit für die weitern Schritte ins Berufsleben stärken.

Das Gymnasium: Vorteile und Ablauf

Nach dem klassischen G9 Prinzip gliedert sich das Gymnasium in die Sekundarstufe I (Sek. II – Klasse % bzw. 7 bis 10) und Sekundarstufe II (Sek. II – gymnasiale Oberstufe) und schließt mit der Allgemeinen Hochschulreife ab. Mit der Einführung des verkürzten gymnasialen Ausbildungsweg G8 hat sich die Gliederung in die Sek. I (Klasse 5 bis 9) und die Sek. II (Klasse 9 bis 12) verschoben.

Um ein Gymnasium besuchen zu dürfen, brauchen die Schüler in der Regel eine Empfehlung aus der Grundschule. Um diese zu bekommen, benötigen sie unter anderem gute bis sehr gute Noten auf dem Abschlusszeugnis der 4. Klasse.

Nach dem G9 Prinzip wird die Sek. I unterteilt in eine Unterstufe (Klasse 5 bis 7) und in eine Mittelstufe (Klasse 8 bis 10). Zwischen beiden Stufen findet ein Lehrerwechseln statt. Anschließend folgt der Unterricht in der Oberstufe (Klasse 11 bis 13).

Grundsätzlich werden die Pflichtfächer bis zur 7. Klasse im Klassenverband unterrichtet, der in den meisten Fällen etwa 30 Schüler umfasst. Ab der 7. Klasse können erste Profilfächer und Schwerpunkte gewählt werden. Die Schüler können z.B. eine weitere Fremdsprache eigenständig auswählen. Im G8-System wählen die Schüler bereits in der 6. Klasse eine zweite Fremdsprache.

Ab der Oberstufe werden die festen Klassenverbände aufgelöst und es wird in Kursen unterrichtet. In der Orientierungsphase (Klasse 11) werden Grund- und Leistungskurse gewählt. Dabei herrschen feste Kombinationsvorgaben. Der Unterricht in den zwei Leistungskursen nimmt mehr Wochenstunden ein als die Grundkurse, außerdem werden die Leistungskurse in der Abiturprüfung intensiver abgefragt. Auch der Lehrstoff nimmt zu. Erstmals werden die Schüler in der Oberstufe auch regelmäßig am Nachmittag unterrichtet.

Die Unterrichtsinhalte am Gymnasium

Die Gymnasien in Deutschland haben sich in vielen Fällen auf bestimmte Fächer spezialisiert bzw. bieten bestimmte Schwerpunkte an. So gibt es zum Beispiel wirtschaftswissenschaftliche Gymnasien, in denen bereits Grundkenntnisse der BWL vermittelt werden. Andere Gymnasien bieten Schwerpunkte im sozialwissenschaftlichen, musisch-künstlerischen, mathematisch-naturwissenschaftlichen, technischen oder auch im sportlichen Bereich an.

Weitere spezielle Formen des Gymnasiums sind die beruflichen Gymnasien, wie technische Gymnasien oder Wirtschaftsgymnasien und die gymnasiale Oberstufe des Zweiten Bildungswegs, wie das Abendgymnasium oder das Kolleg.

Bei dem Besuch der Sek. I auf einem Gymnasium stehen die folgenden Kenntnisse und Fähigkeiten im Vordergrund:

  • Vermittlung einer vertieften Allgemeinbildung
  • Fähigkeit zum selbstständigen Lernen und Arbeiten
  • Entwicklung emotionaler und kreativer Fähigkeiten
  • Entwicklung sozialer und humaner Verhaltensweisen
  • Soziale Integration.

Der Unterricht am Gymnasium ist stark theoretisch geprägt. Da nur das Gymnasium den Zugang zu den Hochschulen ermöglicht, steht es in der Pflicht, gesondert auf diesen weiteren Bildungsweg vorzubereiten – dies geschieht vor allem in der Sek. II.

Gymnasium – Lernen und Lernkontrolle

Ein Aspekt, dem auf einem Gymnasium besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist die Fähigkeit, sich selbstständig Wissen zu erarbeiten. So sollen sich die Schüler hier regelmäßig im Rahmen der Hausaufgaben mit der Recherche in einer Bibliothek oder dem Internet auseinandersetzen und kleinere schriftliche Ausarbeitungen und Aufsätze anfertigen. Diese Leistungen fließen dann zusammen mit den mündlichen Leistungen im Unterricht und den Ergebnissen der Lernkontrollen in die Benotung des Schülers ein.

Die Lernkontrollen werden in regelmäßigen Abständen durchgeführt. Ihre Anzahl hängt von der Zahl der Stunden in der Woche und im Schulhalbjahr ab. Die Dauer einer solchen Prüfung am Gymnasium nimmt ebenso wie die Schwierigkeit im Verlauf der Schulzeit immer weiter zu. In der fünften bis zehnten Klasse werden die Aufgaben dabei in der Regel vom jeweiligen Fachlehrer erstellt. In bestimmten Fällen kann aber auch eine zentrale Prüfung für das gesamte Bundesland stattfinden, beispielsweise um die Vergleichbarkeit der Lehre an den Schulen abzufragen und sicherzustellen. Außerdem stellen solche Prüfungen eine Vorbereitung auf das Abitur nach dem Ende der Sek. II dar, das in vielen Bundesländern auch zentral gestellt wird.

Um auf ein eventuelles Hochschulstudium vorzubereiten, werden vor allem in der Oberstufe verstärkt Gruppenarbeiten durchgeführt sowie Präsentationen erarbeitet und Referate gehalten.

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