Früher abgang schwangerschaft

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Autorin Manuela Pinter, MSc Midwifery & Freie Hebamme, MBCP-Lehrerin

Die komplexen Vorgänge von Stress und dessen Auswirkungen auf die Schwangerschaft rücken zunehmend in den Focus von Untersuchungen und geben Handlungsempfehlungen für die Hebammenpraxis.

Ursachen und Arten von Stress

Man unterscheidet objektive und subjektive Stressoren.

  • Objektive Stressoren sind z.B. Schlafmangel /entzug, Verletzungen Krankheiten, schwere Operationen (z.B. Sectio), Hitze-oder Kälteeinwirkungen, Hunger, Durst, Lärm, Über- oder Unterforderung, allgemein schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen.
  • Subjektive Stressoren sind z.B. negative Denkmuster, Neigungen zu Ungeduld, Ärger, Wut, Angst, Feindseligkeit, Streben nach Dominanz, Konkurrenzdenken, Pessimismus, Zeit- und Leistungsdruck, zu hohe Erwartungen, Hilflosigkeit (Preuss 2009).

Weiter werden Eustress und Disstress unterschieden.

Eustress bringt uns in Spannung und trainiert das Hormonsystem. Er ist nicht gesundheitsschädigend, fördert die Leistungsfähigkeit und kann zu einem besseren Selbstwertgefühl führen.

Disstress entsteht aus einem ungünstigen Verhältnis von Reizeinflüssen und der Verfassung der betroffenen Person. Er kann zu einem Stressdauer-zustand führen. Dieser führt zur Erschöpfung der Energiereserven und kann chemische Veränderungen im Körper herbeiführen (Arck 2008; Rockenschaub 2001).

Auswirkungen während der Schwangerschaft

Erhöhte mütterliche Kortisol-Werte in der 2. Hälfte der Schwangerschaft führen beim Ungeborenen zu Stress und heftigen Stressantworten. Wenn zu lange zu viel Kortisol ausgeschüttet wird, muss der Körper einen enormen Energiebedarf decken. Das sympathische Nervensystem steigert seine Blutzirkulation und erhöht den Herzschlag. Dadurch kann bei Ungeborenen eine verzögerte Gewichtszunahme und Entwicklung auftreten. Das fetale Nervensystem wird langfristig verändert (Sandmann 2011).

Vor allem psychosozialer Stress führt zu Veränderungen der mütterlichen, plazentaren und fetalen neuroendokrinen Parameter (Wadhwa 1996).

Die Folgen hiervon sind SGA, ein erhöhtes Fehl- und Frühgeburtsrisiko, Präeklampsie und Gestationsdiabetes. Hierzu zählen auch emotionale und kognitive Beeinträchtigungen im späteren Leben (Valladares 2009; Sandmann 2011; Gennari-Moser 2011).

Empfehlungen für die Hebammenpraxis

Hebammen haben in ihrem Arbeitsfeld mit Schwangeren und deren Partner vielfältige Möglichkeiten für die schädlichen Auswirkungen von Stress zu sensibilisieren und mit stressreduzierenden Maßnahmen den negativen Stressfaktoren entgegen zu wirken. Durch eine Verminderung von Stress während der Schwangerschaft und der Geburt sowie der Förderung der Ausschüttung von Oxytozin können negative Auswirkungen gemildert oder sogar verhindert werden. Kenntnisse über den Regelkreis der Stresshormone in der Schwangerschaft und über die positiven Auswirkungen von Oxytocin sind hier die Basis für gelungene Interventionen.

In Geburtsvorbereitungskursen können Informationen gegeben und über stressreduzierende Maßnahmen gesprochen werden.

In der Vorsorge ist eine Früherkennung vor allem von externen Risikofaktoren wie zum Beispiel Gewalt möglich. Bei geringen Ressourcen kann so ein niederschwelliger Zugang zu Unterstützung ermöglicht werden.

Während der Geburtsbetreuung sind ein sensibler, empathischer Umgang, die Gewährleistung von Betreuungskontinuität mit einer Eins zu eins-Betreuung und wenig medizinische Interventionen wichtige Voraussetzungen Stressoren zu reduzieren.

Nach der Geburt und im Wochenbett sollten Eltern mit ausreichend Zeit zum Bonding und Stillen begleitet werden. Darauf kann auch bei Kaiserschnittgeburten geachtet werden.

Fehlgeburt – Risiko steigt durch psychischen Stress

Um bis zu 42 Prozent können psychische Belastungen in der frühen Schwangerschaft das Fehlgeburtsrisiko steigern, so das Ergebnis der Studie unter Leitung von Dr. Brenda Todd, Senior Lecturer in der Abteilung für Psychologie an der City, University of London. Nicht allein Gendefekte sind also dafür verantwortlich, wenn Schwangerschaften zu einem frühen Zeitpunkt abrupt enden.

„Während chromosomale Anomalien vielen Fällen von frühem Schwangerschaftsverlust zugrunde liegen, unterstützen die Ergebnisse dieser Metaanalyse den Glauben, dass ein hohes Maß an psychischem Stress vor und während der Schwangerschaft auch mit einer Fehlgeburt verbunden ist“, so Todd.

Studie bestätigt Laienmeinung über Fehlgeburten durch Stress

Fehlgeburten bis zur 24. Schwangerschaftswoche sind keine Seltenheit. Sie treten den Angaben zufolge bei mindestens zwölf Prozent der Schwangerschaften auf. Experten gehen davon aus, dass sie sogar noch häufiger sind, weil sie im sehr frühen Schwangerschaftsstadium mitunter gar nicht erkannt werden. Über die Ursachen von Fehlgeburten gehen Laien- und Expertenmeinungen jedoch auseinander. Während unter Laien die Überzeugung weit verbreitet ist, dass Fehlgeburten auch stressbedingt sein können, ließen strenge Wissenschaftler bislang meist nur die Erklärung gelten, dass sie auf Gendefekte zurückgehen. Denn die wissenschaftlichen Studienergebnisse über den Zusammenhang von Fehlgeburten und Stress sind bisher widersprüchlich.

Die Studie aus London, die nun in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlicht wurde, hat acht Studien über Fehlgeburten bei Frauen mit und ohne psychologische Stressbelastung einer systematischen Metaanalyse unterzogen. Die Ergebnisse wurden zusammengefasst und gemäß der Studiengröße gewichtet und bewertet. Sie zeigen, dass bei Frauen mit einer psychischen Stressbelastung das Risiko der Fehlgeburt signifikant höher war.

Vorangegangene Fehlgeburt: Risiko für erneuten Schwangerschaftsverlust steigt

Die Studienautoren haben verschiedene seelische Belastungen als Stressfaktoren erkannt: Schwangere, die unter emotionalen Traumata in der Vergangenheit, aktuellen sozialen Problemen, Geldsorgen und Krach mit dem (Ehe-)Partner litten, hatten häufiger Fehlgeburten. Auch Arbeitsdruck, große Veränderungen im Alltag und ein vorheriger Schwangerschaftsverlust steigerten das Risiko. „Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass diese psychologischen Faktoren das Risiko um rund 42 Prozent erhöhen können“, so die Londoner Forscherin.

Den Zusammenhang zwischen Psychostress und Fehlgeburten erklären die Autoren mittels biochemischer Prozesse. Sie gehen davon aus, dass die Aktivierung und Freisetzung von mehreren Stresshormonen sich auf einige der biochemischen Prozesse auswirken könnte, die für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft unerlässlich sind.

Foto: unlimit3d – fotolia.com

Zwei gegenläufige Prozesse
Was Stress bei Ungeborenen anrichtet

Stress in der Schwangerschaft ist schlecht für die Entwicklung des Ungeborenen. Welche Rolle der Zeitpunkt spielt und wann es sogar zu einer Entwicklungsbeschleunigung kommt, finden Forscher nun mit Daten von Primaten heraus.

Eine Schwangerschaft ohne jegliche Art von Stress ist illusorisch. Bisherige Forschungen zeigten, dass Stress bei Säugetieren sowohl zu einer schnelleren, als auch zu einer langsameren Entwicklung des Ungeborenen oder zu keiner messbaren Veränderung führen kann. Forscher des Leibniz-Instituts für Primatenforschung, der Universität Göttingen und New Mexiko wollten es nun genauer wissen.

Sie analysierten die Ergebnisse von insgesamt 719 Studien an 21 verschiedenen Säugetierarten, in denen die Auswirkungen von Stress auf Größe und Wachstum der Nachkommen bereits untersucht worden waren. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Einfluss von mütterlichem Stress auf die Entwicklung der Nachkommen davon abhängt, ob die Mutter im frühen oder späten Stadium der Schwangerschaft Stress erfahren hat“, erklärt der Verhaltensforscher Andreas Berghänel. Den beobachteten Effekten liegen demnach zwei verschiedene Prozesse zugrunde, die sich je nach Entwicklungsstand des Nachwuchses gegenseitig aufheben können.

Ist eine werdende Mutter zum Ende der Schwangerschaft gestresst, dann kann weniger Energie in den Nachwuchs investiert werden. Das hat zur Folge, dass Ungeborene langsameres Wachstum zeigen im Vergleich zu Ungeborenen nicht gestresster Mütter. Dieser Effekt hält allerdings nur eine bestimmte Zeit an. „Stress in der späten Schwangerschaft führt also vorübergehend zu einem langsameren Wachstum des Nachwuchses. Wenn die Jungtiere unabhängig von der Mutter werden, wachsen sie jedoch normal“, erklärt Berghänel.

Stress führt zu Umprogrammierung

Stress in der frühen Schwangerschaft hingegen erzeugt ganz andere Effekte beim Nachwuchs. Diese Kinder wachsen schneller und werden auch früher geschlechtsreif, stellen die Forscher fest. „Das Ungeborene wird im Mutterleib umprogrammiert, es beschleunigt seinen Lebenszyklus, um seine geringere Lebenserwartung zu kompensieren“, erklärt Berghänel. Einmal auf der Überholspur, wachsen diese Kinder auch nach der Entwöhnung von der Mutter schneller als ihre weniger benachteiligten Artgenossen. So soll die Chance auf eigene Nachkommen erhöht werden. Da sich beide Effekte gegenläufig auf Wachstum und Größe auswirken, könnten sie sich gegenseitig aufheben.

Die Ergebnisse, die die Forscher in der Zeitschrift PNAS veröffentlichten, könnten helfen, Entwicklungsprozesse des Menschen besser zu verstehen. So könnte beispielsweise besser erklärt werden, weshalb Mädchen, die in ärmeren Regionen aufwachsen, früher geschlechtsreif werden.

Eine Fehlgeburt in der 5. SSW

In jeder Schwangerschaft ist das Risiko für einer Fehlgeburt in der 5. SSW sehr hoch. Die Gründe dafür sind sehr verschieden und die ersten drei Monate einer Schwangerschaft werden auch als die riskantesten angesehen. Denn hier entscheidet sich, ob der Embryo im Körper bleibt, ob er sich einwandfrei und problemlos entwickelt oder er aufgrund von fehlenden Nährstoffen oder sogar Missbildungen vom Körper abgestoßen wird. In der 5. SSW ist der Embryo erst 3 Wochen alt. Er ist schon eine Art kleiner, länglicher Wurm, der auch Nervenzellen aufgebaut hat und eine Vorstufe des Gehirns. Doch nicht nur jetzt, sondern auch die kommenden Wochen wird er sich weiter entwickeln und kräftig an Größe und Gewicht zulegen. Daher ist es sowohl für Sie als auch für Ihr Kind wichtig, von Anfang an das Risiko einer Fehlgeburt zu minimieren.

Häufige Gründe für eine Fehlgeburt in der 5. SSW

Die Ursachen für eine Fehlgeburt in der 5. SSW sind sehr unterschiedlich. Das können gesundheitlichen Problemen der Mutter, wie Infektionen oder Gebärmuttermissbildungen sein. Gefährlichen Arbeiten und Einatmen von z. B. Giftstoffen kann ebenfalls eine Fehlgeburt auslösen. Negative Einwirkungen durch Tabletten aller Art, Drogen, Nikotin oder sogar Alkohol kann den Embryo und seine Entwicklung schädigen. In vielerlei Hinsicht kann sich das Kind aufgrund von fehlenden Nährstoffen auch nicht richtig entwickeln. Fehlt es zum Beispiel an Gelbkörperhormonen oder sogar an Folsäure, kann das Missbildungen auslösen und zu einer Fehlgeburt in der 5. SSW führen. Auch kann Ihr Körper die Eizelle abstoßen, weil es zu einer Chromosomenunverträglichkeit kommt. Dagegen können Sie zwar nichts unternehmen, aber Sie können auf andere Art und Weiße eine gute Voraussetzung schaffen und das

SSW 5: Entwicklung des Babys

Risiko einer Fehlgeburt in der 5. SSW zu reduzieren.

Das Risiko einer Fehlgeburt in der 5. Schwangerschaftswoche minimieren
Die ersten Wochen und Monate sind sowohl für die Entwicklung Ihres Babys als auch für einen gesunden Ablauf einer Schwangerschaft sehr wichtig. Stress kann z. B. dazu führen, dass zu wenig Gelbkörperhormone produziert werden und das kann eine Fehlgeburt in der 5. SSW auslösen. Die Produktion des wichtigen Hormons kann durch Stressausgleich, wie sportliche Aktivitäten, gefördert werden. Zwar besteht keine Pflicht Ihrem Arbeitgeber die Schwangerschaft schon so früh zu melden. Doch sind Sie gefährlichen oder sogar giftigen Stoffen während der Arbeit ausgesetzt sind, müssen schwer Heben oder können anders die Schwangerschaft gefährden, sollten Sie umgehend Ihren Arbeitgeber informieren. Vermeiden Sie die Einnahme aller Medikamente auch natürliche Mittel. Kräutertees können ebenfalls schaden oder sogar frühe Wehen auslösen. Ihr Frauenarzt kann Sie umfassend darüber informieren und helfen das Risiko einer Fehlgeburt in der 5. SSW zu minimieren.

Verzichten Sie zudem auch auf Alkohol und das Rauchen. Die Einnahme von Folsäure, durch Lebensmittel, wie z. B. Fisch, hilft dem Embryo bei seiner Entwicklung und der Bedarf sollte auch über Filmtabletten (täglich 0,4 mg) gedeckt werden, um eine Fehlgeburt in der 5. SSW zu reduzieren. Haben Sie bereits mehrere Fehlgeburten hinter sich oder möchten schwanger werden, sollten Sie sich schon vor Beginn der Schwangerschaft mit Ihrem Frauenarzt in Verbindung setzen und sich auf gesundheitliche Probleme, die Ihre Schwangerschaft gefährden können, durchchecken lassen.

Quellen:

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Über Verena Janssen

Die 38-Jährige Autorin und Mutter lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern Paul Oskar (7) und Ella Marie (4) in schönen Fulda. Sie liebt Musik und versucht momentan ihren Kindern das Klavier spielen beizubringen. Wenn sie mal etwas Zeit für sich hat, powert sie sich beim Volleyball spielen aus.

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Fehlgeburt (Abort, Abgang): Verlust eines noch nicht lebensfähigen Kindes während der Schwangerschaft. Von Frühabort spricht man bis einschließlich der 16. Schwangerschaftswoche, von Spätabort bis einschließlich der 23. SSW und ab der 24. SSW von einer Totgeburt.

Das Ende einer Schwangerschaft durch eine Fehlgeburt ist häufiger als man denkt. Rechnet man die Fälle stummer Fehlgeburten hinzu, bei der die Frau die Fehlgeburt „nur“ als besonders schmerzhafte und verspätete Menstruation erlebt, endet mindestens jede 3. Schwangerschaft auf diese Weise.

Leitbeschwerden

  • Mittlere bis starke Blutung aus der Scheide, mit Abgang von Blutpfropfen und Gewebeanteilen
  • Ziehende, wehenähnliche Unterbauchschmerzen
  • Eventuell leichtes Fieber (bis 38 °C)
  • Abgang von Fruchtwasser (in der Spätschwangerschaft).

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn bereits leichte, schmerzlose Blutungen auftreten – sofern es keinen deutlichen Auslöser für die leichte Blutung (z. B. nach Geschlechtsverkehr) gibt.

Sofort, wenn wehenartige Unterleibsschmerzen auftreten oder über einen längeren Zeitraum keine Kindsbewegungen mehr spürbar sind.

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Die Erkrankung

Von einer Fehlgeburt spricht man, wenn die Schwangerschaft durch Ausstoßung des Embryos beendet wird, bevor der Embryo ein Gewicht von 500 g erreicht hat, also noch nicht lebensfähig ist. Dies ist, wie erwähnt, bei mindestens jeder dritten Schwangerschaft der Fall. Die meisten Fehlgeburten erfolgen bis zur 10. Schwangerschaftswoche, die psychisch besonders belastenden Spätaborte nach der 16. SSW sind im Vergleich eher selten.

Links: Drohende Fehlgeburt (Abortus imminens) mit leichter Blutung aus dem (noch) fast geschlossenen Muttermund. Mitte: Unaufhaltsame Fehlgeburt (Abortus incipiens): Der Muttermund hat sich geöffnet, die Blutung ist stärker. Rechts: Unvollständige Fehlgeburt (Abortus incompletus): Reste von Kind oder Mutterkuchen befinden sich noch in der Gebärmutter.
Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Mittlerweile weiß man, dass sich Frühaborte in rund 60 % der Fälle auf schwere Schäden im kindlichen Erbgut zurückführen lassen. Diese frühen Fehlgeburten sind also eine Art „Notbremse“ des Körpers, die dafür sorgt, dass kein Kind ausgetragen wird, das nicht lebensfähig ist.

Vor allem in der frühen Schwangerschaft lösen auch Infektionen Fehlgeburten aus. (Ist die Schwangerschaft weiter fortgeschritten, verursachen Infektionen wie Röteln oder Toxoplasmose hingegen Fehlbildungen beim Ungeborenen.) Zu den weiteren Ursachen gehören:

  • Abstoßungsreaktionen des mütterlichen Körpers (Immunologische Sterilität)
  • Fehlbildungen, z. B. eine zusätzliche Trennwand in der Gebärmutterhöhle (Uterus-Septum)
  • Myome, gutartige Knoten der Gebärmutter
  • Hormonstörungen und fruchtschädigende Medikamente.
  • Unterfunktion der Schilddrüse. Um die oft symptomlos verlaufende Unterfunktion zu erkennen, kann der Arzt bestimmen, wie viel Schilddrüsen-stimulierendes Hormon (TSH) im Blut ist. Bis vor einigen Jahren galten dabei TSH-Werte von vier bis fünf Milliunits (mU) pro Liter als normal. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass sich schon bei Werten über 2,5 mU pro Liter in der Frühschwangerschaft das Risiko einer Fehlgeburt fast verdoppelt.

Das macht der Arzt

Um herauszufinden, ob eine Fehlgeburt vorliegt, prüft der Arzt nicht nur vorsichtig die Beschaffenheit der Gebärmutter, sondern auch, ob der Muttermund geöffnet ist, und beurteilt die Stärke der Blutung. Mit Ultraschall prüft er vor allem die Größe des Kindes und ob das Herz des Kindes noch schlägt. In der Regel wird auch noch der Verlauf des Schwangerschaftshormons Beta-HCG im Blut der Schwangeren ermittelt. Sinkt es in der Frühschwangerschaft kontinuierlich, spricht dies für eine Fehlgeburt.

Ist sich der Arzt sicher, dass eine Fehlgeburt vorliegt, gibt er Prostaglandin als wehenförderndes Medikament, das die Gebärmutter bei der Entfernung eventueller Reste der Fruchtanlage unterstützt.

Danach folgt in der Regel in Kurznarkose eine Ausschabung der Gebärmutterinnenwand (instrumentelle Kürettage), mit der etwaiges Restgewebe entfernt wird. Weil die Gebärmuttermuskulatur in diesem Stadium recht locker ist, muss der Arzt sehr vorsichtig vorgehen, um den Gebärmuttermuskel nicht zu verletzen oder zu durchstoßen (Perforation). Der Eingriff wird im Krankenhaus ambulant durchgeführt.

Bis zur 8. Schwangerschaftswoche kann durch regelmäßige Kontrollen des Beta-HCG-Wertes gegebenenfalls auf die Ausschabung verzichtet werden. Zwingend ist die Ausschabung

  • Zur Vermeidung einer lebensbedrohlichen Blutvergiftung (septischer Abort), die auftreten kann, wenn Restgewebe der Fruchtanlage in der Gebärmutter bleibt.
  • Bei einer unvollständigen Fehlgeburt (Abortus incompletus), wenn der Embryo nicht vollständig ausgestoßen wurde.
  • Bei einer verhaltenen Fehlgeburt (Missed abortion), wenn der Embryo zwar abgestorben ist, aber die Fehlgeburt nicht stattgefunden hat.

Eine Sonderform ist die drohende Fehlgeburt (Abortus imminens). Das Kind lebt und der Muttermund ist verschlossen, aber (leichte) Blutungen aus der Scheide machen auf eine Gefahr aufmerksam. Die Mutter sollte ins Krankenhaus gebracht werden und dort Bettruhe einhalten, da sich die Fehlgeburt durch konsequente Bettruhe und Medikamente oft noch abwenden lässt. Später, wenn keine Blutung mehr vorhanden ist, gilt eingeschränkte Bettruhe, d. h. nur ein kurzer Gang auf die Toilette oder zum Teeholen ist erlaubt.

Der Apotheker empfiehlt

Der wichtigste Rat nach einer Fehlgeburt lautet: Sich Zeit nehmen, trauern, aber irgendwann auch wieder nach vorne schauen.

Bei bestehendem Kinderwunsch sollten Sie mindestens drei Monate bis zur nächsten Schwangerschaft warten, damit sich die Gebärmutter wieder erholt. Sie riskieren sonst eine weitere Fehlgeburt.

Danach können Sie auf eine neue und diesmal erfolgreiche Schwangerschaft hoffen. Hunderttausende von Frauen haben erlebt, dass es beim zweiten, manchmal auch erst beim dritten Mal klappt. Selbst nach drei Fehlgeburten wird von über 50 % der Betroffenen später noch eine gesunde Schwangerschaft ausgetragen und das fast immer ohne eine spezielle Therapie. Das sollte Betroffenen Mut machen. Für die neue Schwangerschaft gelten – außer bei explizit anderem Rat des behandelnden Frauenarztes – keinerlei zusätzliche Einschränkungen, auf Extremsportarten, außergewöhnliche Stressoren (wie z. B. ein Umzug) und ungewöhnliche Sexualpraktiken sollte aber besser verzichtet werden.

In der Frühschwangerschaft sind wehenhemmende Medikamente gegen eine drohende Fehlgeburt unwirksam. Erst ab der 23. Schwangerschaftswoche helfen sie (einschließlich frei verkäufliches Magnesium)

Autoren

Dr. med. Katja Flieger, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Dr. med. Sonja Kempinski | zuletzt geändert am 24.10.2019 um 14:44 Uhr

2.SSW: Fehlgeburt bleibt unbemerkt

Eine Fehlgeburt ist in jeder Schwangerschaft ein hohes Risiko. Vor allem in den ersten Wochen kann der Körper aufgrund von verschiedenen Gründen eine Schwangerschaft ablehnen und es kommt zu einer Abstoßung. Auch wenn eine Frau eigentlich in der 2. SSW noch nicht schwanger sein kann und ihr Körper sich erst wieder auf eine eventuelle Schwangerschaft einstellt, kann ist in der 22. SSW: Fehlgeburt möglich. Dann ist davon auszugehen, dass die Befruchtung im vorherigen Zyklus geklappt hat oder sich die befruchtete Eizelle einnisten konnte, allerdings etwas bei diesem Vorgang schief gelaufen ist. Die meisten Frauen wissen meist nicht, dass sie schwanger waren und merken von einer Fehlgeburt in der 2. SSW nichts, da sie lediglich ihre Regelblutung später erhalten haben und das auf andere Gründe zurückführen.

2.SSW: Fehlgeburt möglich?

In der 2. SSW besteht im Grunde keine Schwangerschaft. Doch fand im vorherigen Zyklus eine erfolgreiche Befruchtung oder auch Einnistung statt, kann im nächsten Zyklus eine Fehlgeburt in der 2. SSW passieren. Um das zu verstehen, ist es wichtig, den Zyklus einer Frau zu kennen. Jede Frau hat einen Regelzyklus. In der 1. SSW ist eine Frau nicht schwanger. Hier kommt es zur üblichen Regelblutung und für eine Schwangerschaft wird der erste Tag der Monatsblutung zur Berechnung der Schwangerschaftsdauer (40 Wochen) genommen. In der 2. SSW legt der weibliche Körper Gebärmutterschleimhaut an und neue Eizellen werden angelegt.

Am Ende der 2. SSW oder zu Beginn der 3. SSW kommt es zum Eissprung. Die Frau ist ab da mehrere Tage lang fruchtbar. Während sich ihre reife Eizelle durch den Eilleiter zum Uterus bewegt, kann sie von einem Samen befruchtet werden. In der 4. SSW versucht nun die befruchtete Zelle sich in die Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Gelingt es dem Embryo sich einzunisten, ist die Frau bereits in der 4. SSW schwanger. Gelingt es dem Embryo nicht, wird er bei der nächsten Regelblutung, nun wieder 1. SSW, ausgestoßen. Auch kann sich hier die Regelblutung aufgrund der Schwangerschaft verschieben und der Embryo wird erst in der 6. SSW, bzw. der neuen 2. SSW ausgestoßen und die Frau erleidet in der 2. SSW eine Fehlgeburt.

Gründe für eine Fehlgeburt in der 2. SSW

In den ersten Schwangerschaftswochen hat jede Frau ein sehr großes Risiko eine Fehlgeburt zu erleiden. Daher verraten auch viele werdende Mamas auch erst ab der 12. SSW, dass sie schwanger sind. Kommt es zu einer Fehlgeburt in der 2. SSW, merken es die meisten Frauen nicht mal das sie schwanger waren. Für sie fängt ein neuer Zyklus an. Meist erkennt die Frau eine Fehlgeburt in der 2. SSW nur daran, dass die Regelblutung sich etwas verschoben hat oder das diese anders als sonst aussieht und suchen ihren Arzt auf. Der Grund warum es in der 2. SSW zu einer Fehlgeburt kommt, liegt meist daran, dass der Embryo es durch einen Mangel an Gelbkörperhormon nicht geschafft hat sich einzunisten. Auch durch eine Chromosomenunverträglichkeit bzw. eine Abstoßungsreaktion des Körpers kann es in der 2. SSW zu einer Fehlgeburt kommen.

2. SSW: Fehlgeburt vorbeugen

Mangel an Gelbkörperhormonen

Liegt ein Mangel an Gelbkörperhormonen vor, kann sich der Embryo nicht einnisten. Der Mangel daran entsteht meist durch Stress. Daher kann bereits bei einer gewollten Schwangerschaft eine Fehlgeburt in den meisten Fällen vorgebeugt und eine Voraussetzung geschafft werden, um die Schwangerschaft zu erhalten. Das Gelbkörperhormon wird vom Körper etwa in der 2. SSW produziert und versorgt die Gebärmutterschleimhaut mit wichtigen Nährstoffen. Später übernimmt die Plazenta diese wichtige Aufgabe.

Verzicht auf Alkohol und Nikotin

Das Risiko einer Fehlgeburt in der 2. SSW kann durch Stressreduzierung, wie zum Beispiel Sportausgleich und durch die Vermeidung von Nikotin, Alkohol und Tabletten vorgebeugt werden. Ist ein Mangel an Gelbkörperhormonen bereits bekannt, kann Ihr Arzt auch Präparate dagegen verschreiben und das Risiko einer Fehlgeburt in der 2. SSW verringern. Ist der Grund für eine Fehlgeburt eine Chromosomenunverträglichkeit, kann hier nichts gemacht werden, denn dabei hat sich der Embryo nicht korrekt entwickelt und wird abgestoßen. Fehlgeburten nach der 12. SSW sind ungewöhnlich. Erreichen Sie die 12. SSW, können Sie im Normalfall davon ausgehen, dass Sie Ihr Kind gesund zur Welt bringen werden. Zu diesem Zeitpunkt hat der Embryo schon alle wichtigen Organe vollständig entwickelt.

2.SSW: Fehlgeburten wiederholen sich?

Haben Sie bereits mehrere Fehlgeburten erlitten und wünschen sich ein Kind, ist es ratsam Ihren Frauenarzt aufzusuchen. So können Sie die Gründe für eine Fehlgeburt in der 2. SSW, bzw. 6. SSW oder später feststellen, und diese bekämpfen. Bereits vaginale Infektionen oder sogar Schilddrüsenprobleme, können eine Fehlgeburt auslösen. Daher sind auch Missbildungen der Gebärmutter, Tumore und andere schwere Erkrankungen nicht auszuschließen.

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Die 38-Jährige Autorin und Mutter lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern Paul Oskar (7) und Ella Marie (4) in schönen Fulda. Sie liebt Musik und versucht momentan ihren Kindern das Klavier spielen beizubringen. Wenn sie mal etwas Zeit für sich hat, powert sie sich beim Volleyball spielen aus.

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Fehlgeburt: Was betroffene Frauen wissen sollten

Endlich schwanger! Für die meisten werdenden Eltern bedeutet diese Nachricht riesige Freude und pures Glück. Umso größer ist dann der Schock, wenn der Zustand „der guten Hoffnung“ sich plötzlich ins Gegenteil verkehrt und in einer Fehlgeburt endet. Für betroffene Frauen ist das fast immer eine traumatische Erfahrung.

Die ersten zwölf Schwangerschaftswochen sind die riskantesten

Fehlgeburten sind leider alles andere als selten. Die Hälfte aller Schwangerschaften – das ergab eine Bertelsmann-Studie – endet bereits so früh wieder, dass sie gar nicht erst bemerkt oder als Menstruation wahrgenommen werden. Von den erkannten Schwangerschaften enden etwa zehn bis fünfzehn Prozent mit einem Abort – so der medizinische Fachausdruck. Das Fehlgeburtsrisiko ist in den ersten zwölf Wochen am höchsten. Dann geschehen rund 80 Prozent dieser Fälle. Erst nach der 16. Schwangerschaftswoche (SSW) sinkt die Wahrscheinlichkeit für eine Fehlgeburt, die ab diesem Zeitpunkt als Spätabort bezeichnet wird, auf etwa drei Prozent.

Auch Kathrin aus Frankfurt hat vor einigen Jahren eine Fehlgeburt erleben müssen. In der zehnten Schwangerschaftswoche verlor die 33-Jährige ihr Baby, das zu diesem Zeitpunkt circa drei Zentimeter groß war. „Plötzlich begannen ziemlich starke Blutungen vermischt mit Gewebeklümpchen und ich spürte ein wahnsinnig schmerzhaftes Ziehen im Unterleib und im Rücken“, erzählt Katrin. „Alarmiert bin ich dann zu meinem Gynäkologen. Bei der Ultraschall-Untersuchung stellte sich dann leider heraus, dass unser Würmchen, auch wenn es zu dem Zeitpunkt nicht mehr als ein kleiner Zellhaufen war, nicht mehr sichtbar war.“

Folgende Symptome können auf eine Fehlgeburt hinweisen:

  • starke Schmerzen im Unterleib
  • starkes Ziehen im Unterbauch
  • Schmerzen im Rücken
  • Blutungen
  • Fieber und eitriger Ausfluss
  • ist die Schwangerschaft bereits fortgeschritten, kann auch Fruchtwasser austreten

Risikofaktoren, die einen Abort begünstigen

Die Ursachen für eine Fehlgeburt lassen sich oft nur selten konkret benennen beziehungsweise nachträglich rekonstruieren. Doch es gibt bestimmte Risikofaktoren, die einen Abort begünstigen. Neben Fehlbildungen der Erbanlagen, die Schätzungen zufolge etwa 50 bis 60 Prozent der „frühen Abgänge“ ausmachen, können beispielsweise

  • Gebärmutterveränderungen
  • hormonelle Störungen wie etwa eine Gelbkörperschwäche
  • bakterielle Infektionen (Chlamydien, Toxoplasmose)
  • Masern, Röteln und Herpesviren
  • eine starke psychische Belastung
  • ein Sturz der Schwangeren

Initiator für das vorzeitige Ende einer Schwangerschaft sein.

Eine Rolle spielt auch das Alter der Frau: Je später nämlich die Familienplanung gelingt, desto häufiger können schwerwiegende Chromosomenfehlbildungen beim Embryo auftreten, sodass das Ungeborene früh abstirbt. So erleiden vor allem Spätgebärende ab dem 35. Lebensjahr deutlich öfter einen Abort als jüngere Frauen.

Fehlgeburt: Eine Ausschabung ist oft unumgänglich

Welche medizinischen Konsequenzen eine Fehlgeburt hat und welche Maßnahmen nach dem Verlust eines Kindes nötig werden, hängt immer vom Zeitpunkt ab: Bei einem Abort, der in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten passiert, wird häufig schnellstmöglich in einer Klinik eine Ausschabung der Gebärmutter, eine Curettage, durchgeführt, um verbliebene Plazentareste vollständig zu entfernen und Folgeinfektionen zu verhindern.

Genauso war es auch bei Kathrin. Auf Rat der Ärzte unterzog sie sich diesem Eingriff. „Mit der Ausschabung wollten die Gynäkologen sicher gehen, dass kein abgestorbenes Gewebe mehr zurückbleibt. Die Vorstellung, dass mein Baby wie eine Krankheit entfernt und weggekratzt wurde, ist für mich heute aber immer noch unerträglich.“

Nicht alle Frauen reagieren aber gleich auf eine Ausschabung. Für manche ist das schnelle Beenden der „misslungenen“ Schwangerschaft sogar ein akzeptabler Weg, um mit dem Geschehenen besser fertig zu werden. Denn für sie ist das Gefühl extrem beängstigend, Teile ihres toten Kindes in sich zu tragen.

Abwarten ist manchmal eine Option

Es gäbe aber auch immer wieder Schwangere, die sich trotz der Diagnose Abort nicht schnell von ihren „anderen Umständen“ verabschieden könnten. Das berichtet die Berliner Hebamme Jana Friedrich in ihrem „Hebammenblog“. Dieses „Festhalten“ am Kind beträfe vor allem Frauen mit einem sogenannten „missed abortion“, wo der tote Embryo nicht gleich abgestoßen wurde und erst bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung die traurige Gewissheit über das Ableben des Kindes offenkundig wird.

„Man kann, sofern die mütterlichen Blutwerte in Ordnung sind“, so Jana Friedrich, „auch noch mit der Ausschabung warten. Bis man selber soweit ist, sich von der Schwangerschaft zu trennen.“ Manchmal reicht es auch, ein bis zwei Tage zu warten, bis der Körper das Gewebe auf natürlichem Wege abstößt.

Ähnliches sagt auch der ehemalige Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der DRK Kliniken Berlin in einem Artikel der „Zeit“: „Es ist von der Natur so gut eingerichtet, dass es auch ohne Operation geht. Würde das nicht funktionieren, hätte die Menschheit erst gar nicht überlebt.“

Immer müsste ein solches Vorgehen aber mit engmaschiger fachlicher Beratung einhergehen, so die dringliche Empfehlung der Berliner Hebamme Friedrich. Denn nicht selten seien die Umstände so, dass eine Curettage einfach unumgänglich sei.

Wenn die Fehlgeburt erst spät passiert

Anders verläuft die medizinische Behandlung, wenn der Embryo nach der 12. SSW im Mutterleib stirbt. In diesem Fall wird die Schwangerschaft üblicherweise durch eine künstlich eingeleitete Entbindung beendet. Man spricht dann von einer stillen Geburt.

Geschieht der Abort erst nach der 24 SSW bekommt das traurige Ereignis auch eine andere juristische Relevanz. Es handelt sich dann um eine sogenannte Totgeburt, bei der auch Mutterschutz gewährt wird. Wiegt das Kind dann mindestens 500 Gramm – so die rechtliche Regelung – müssen diese Kinder standesamtlich registriert werden. Auf Wunsch der Verfügungsberechtigten kann dann der Vor- und Familienname des totgeborenen Babys im Geburtenbuch eingetragen werden.

Seit März 2013 können auch Kinder unter 500 Gramm Geburtsgewicht beim Standesamt angezeigt werden, um ihnen damit offiziell eine Existenz zu geben.

Wie die Seele wieder ins Lot kommt

Körperlich sind die meisten Frauen nach einer Fehlgeburt ziemlich schnell wieder fit. Doch ihre Seele leidet meist noch lange. Viele fühlen sich im Alltag wie gelähmt, sind chronisch erschöpft oder werden von Schuldgefühlen geplagt. Schwierig ist es häufig auch, sich seinem sozialen Umfeld mitzuteilen. Denn Abort ist immer noch ein Tabu-Thema. Oder die psychischen Aspekte einer Fehlgeburt werden nicht ernst genug genommen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich Betroffene Hilfe holen, um bewusst Trauerarbeit zu leisten und die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten.

So hat beispielsweise jede Frau – auch nach einem frühen Abort – das Recht auf eine Nachbetreuung durch ihre Hebamme. Zudem besteht die Option, sich mit anderen Paaren auszutauschen, die Ähnliches erlebt haben. So finden sich in fast allen größeren Städten Selbsthilfegruppen für „verwaiste Eltern“ oder entsprechende Portale im Internet. Ebenso kann professionelle psychologische Begleitung wieder zu mehr seelischer Stabilität führen.

  • Ein harter Weg: Ein Baby nach mehreren Fehlgeburten
  • Krankenschwester über Sternenkinder: „Manchmal ist es eine Art Befreiung“
  • Nierenversagen und Co.: Diese Risiken bergen späte Schwangerschaften

Erholung im „kleinen Wochenbett“

Viele Hebammen empfehlen ihren „Patientinnen“ nach einer Fehlgeburt ein „kleines Wochenbett“. Arbeitsrechtlich gibt es nach einem Abort vor der 24. SSW zwar keinen Mutterschutz, doch eine Krankschreibung zur physischen und psychischen Regeneration ist dann sehr wohl möglich.

Für Kathrin war die beste Bewältigungsstrategie, wieder so schnell wie möglich mit der Familienplanung weiter zu machen. Und es klappte. Knapp sieben Monate nach dem frühen Abschied von ihrem ersten Kind, wurde sie wieder schwanger. Ihre kleine Tochter ist heute drei Jahre alt.

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Blutungen und Schmerzen: Symptome einer Fehlgeburt erkennen und verhindern

von Dr. Maria Niki Aigyptiadou
verfasst am 02.11.2017

Die meisten Fehlgeburten finden vor der 12. Schwangerschaftswoche statt (© lite_2046 – iStock)Fehlgeburten kommen häufig vor – sie sind schmerzhaft für Leib und Seele. Lesen Sie hier, wie sich Fehlgeburten ankündigen, wie ein drohender Abort verhindert werden kann und wie Sie vorbeugen können.

  • Hohes Fehlgeburtsrisiko zu Beginn der Schwangerschaft
  • Ursachen: Störungen des Erbguts
  • Symptome: vaginale Blutungen und Schmerzen
  • Manche Fehlgeburt kann verhindert werden
  • Der Tag danach: Was jetzt hilft
  • Vorbeugung fürs nächste Mal
  • Fazit

Hohes Fehlgeburtsrisiko zu Beginn der Schwangerschaft

Bei einer Fehlgeburt wird die Schwangerschaft vorzeitig beendet, weil der Fötus abstirbt oder ausgestoßen wird. Das Geburtsgewicht ist weniger als 500 Gramm. Ist der Fötus schwerer, spricht man von einer Totgeburt. Fehlgeburten werden auch Aborte genannt und wie folgt eingeteilt:

  • Frühabort: bis zur 12. Schwangerschaftswoche
  • Spätabort: nach der 12. Schwangerschaftswoche

Frühaborte machen 80 % aller Fehlgeburten aus. Je weiter fortgeschritten die Schwangerschaft ist, desto niedriger ist das Risiko einer Fehlgeburt, das nach der 15. Schwangerschaftswoche bei nur noch 1 bis 3 Prozent liegt.

Bei 1 bis 5 Prozent aller Frauen mit Kinderwunsch treten wiederholte Fehlgeburten auf. Je mehr Fehlgeburten eine Frau erlitten hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Aborts. Nach 3 Fehlgeburten ist das Risiko einer erneuten Fehlgeburt höher als 50 Prozent.

Bei 10 bis 15 Prozent aller Schwangerschaften tritt ein spontaner Abort auf, der ohne Einflussnahme vonstattengeht.

Ursachen: Störungen des Erbguts

Die häufigste Ursache eines Frühaborts sind Chromosomenstörungen, das heißt Veränderungen der Anzahl oder Struktur des zusammengeschmolzenen mütterlichen und väterlichen Erbguts, die für 50 bis 60 Prozent aller Fehlgeburten verantwortlich sind.

Die elterlichen Chromosomenstörungen bilden ein sogenanntes ,,Abortivei‘‘, in dem die Zellen, aus denen sich der Embryo entwickeln soll, defekt sind. Das Risiko einer Fehlgeburt wegen Chromosomenstörungen steigt mit dem Alter der Eltern: Die Wahrscheinlichkeit ist höher, wenn die Mutter älter als 35 oder der Vater älter als 50 Jahre ist.

Weitere Ursachen sind:

  • Viruserkrankungen wie Masern, Mumps oder Röteln
  • Scheideninfektionen mit Chlamydien, Mykoplasmen oder Pilzen
  • Gebärmutterhalsschwäche, die meistens nach der 13. Schwangerschaftswoche zu einer Fehlgeburt führt, weil die Gebärmutter den größer werdenden Fötus nicht mehr halten kann
  • Fehlbildungen wie die geteilte Gebärmutter
  • gutartige Tumoren der Gebärmutter, die Myome
  • hormonelle Störungen, wie ein Progesteron-Mangel, eine Schilddrüsenunterfunktion oder ein Prolaktin-Überschuss
  • Folsäuremangel
  • Medikamente und Bestrahlung
  • manchmal bildet das Abwehrsystem Antikörper gegen das Gewebe des Fötus
  • Plazentaschwäche, die durch Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Rauchen, Infektionen oder Niereninsuffizienz entsteht
  • das polyzystische Ovarialsyndrom, eine Stoffwechselstörung, die das männliche Hormon Androgen erhöht
  • das Antiphospholipid-Syndrom, bei dem Antikörper eine erhöhte Neigung zur Thrombose verursachen
  • weitere Gerinnungsstörungen
  • Unverträglichkeit der Blutgruppen von Vater und Mutter

Schmerzen während der Schwangerschaft sind ein erstes Anzeichen für eine Fehlgeburt (© michaeljung_iStock)Symptome: vaginale Blutungen und Schmerzen

Eine drohende Fehlgeburt kündigt sich mit leichten bis sehr schweren vaginalen Blutungen und krampfartigen, menstruationsähnlichen Schmerzen im Unterleib, Wehen, Fruchtwasserabgang und Kopfschmerzen an. Bei einer drohenden Fehlgeburt schlägt das Herz des Fötus noch.

Die Blutungen sind als Folge und nicht als Ursache einer Fehlgeburt zu verstehen. Die Beschwerden sind unabhängig von den verschiedenen Schwangerschaftsabschnitten und stehen eher in Zusammenhang mit den Ursachen.

Bei einer Gebärmutterhalsschwäche ist der Abort am Anfang schmerzfrei.

Die sogenannte ,,verhaltene‘‘ Fehlgeburt ist symptomlos. Dabei schlägt das Herz des Fötus nicht mehr. In späteren Schwangerschaftsstadien spürt die Mutter die Bewegungen des Kindes auch nicht mehr.

Ist eine Infektion die Ursache der Fehlgeburt und wird sie nicht früh genug behandelt, kann sich ein septischer Abort mit Blutvergiftung entwickeln. Der äußert sich mit sehr hohen Temperaturen und Schüttelfrost, Unruhe, einer erhöhten Herzfrequenz und einer beschleunigten Atmung. Die Haut ist blass und kalt und der Blutdruck sinkt zu sehr, was zu unzureichender Blutversorgung verschiedener Organe und Organversagen führt.

Manche Fehlgeburt kann verhindert werden

Wiegt der Fötus mehr als 500 Gramm, was meistens ab der 25. Schwangerschaftswoche der Fall ist, hat er eine Überlebenschance. Deswegen ist es sinnvoll zu versuchen, eine Fehlgeburt bis zu diesem Zeitpunkt zu verzögern.

Eine Fehlgeburt kann mit folgenden Maßnahmen verhindert werden:

  • Bettruhe
  • Hemmung der Wehen mit Medikamenten
  • Behandlung der Infektion, falls eine vorliegt
  • künstliche Lungenreifung des Fötus

Die Lungenreifung des Fötus wird durch die intramuskuläre Gabe des Nebennierenrinden-Hormons angeregt. Das Hormon wird zweimal im Abstand von 24 Stunden gespritzt, mindestens 24 Stunden und höchstens 7 Tage vor der Entbindung. Es reduziert das Risiko eines gefährlichen Atemnotsyndroms und möglicher Gehirnblutungen beim Baby um die Hälfte.

Ist ein Abort im Gang, wobei die Schwangerschaft beeinträchtigt ist, aber die Fehlgeburt noch nicht abgeschlossen ist, kann der Abgang des Embryos nicht mehr aufgehalten werden.

Bei einer kompletten Fehlgeburt wird die gesamte Fruchtanlage ausgestoßen. Bei einem inkompletten Abort hingegen verbleiben Teile der Fruchtanlage in der Gebärmutter. Die zurückgeblieben Gewebereste müssen entfernt werden, sonst drohen Infektionen mit Fieber. Das kann mit fruchtlösenden Tabletten gelingen oder mit einer Ausschabung.

Bleiben Sie nach einer Fehlgeburt nicht alleine und suchen Sie den Kontakt zu Menschen, die Ihnen beistehen können (© contrastwerkstatt – fotolia)Der Tag danach: Was jetzt hilft

Nach einer Fehlgeburt fühlen sich die betroffenen Frauen meistens beängstigt, traurig, wütend oder schuldig. Einige entwickeln Depressionen und andere psychische Probleme.

Weitere körperliche Symptome sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Übelkeit und Appetitlosigkeit.

Was hilft?

  • Machen Sie eine mehrtägige Pause und suchen Sie die Nähe der Menschen, bei denen Sie sich wohlfühlen, und sprechen Sie sich aus.
  • Versuchen Sie bald wieder Ihr normales Leben weiterzuführen.
  • Machen Sie Pläne für die Zukunft und unterdrücken Sie Ihren Kinderwunsch nicht. Die meisten Frauen werden nach einer Fehlgeburt erneut schwanger und bringen gesunde Kinder zur Welt.

Rhesus-negative Mütter bekommen prophylaktisch Rhesus-Antikörper gespritzt. Bei der Rhesusunverträglichkeit reagiert das Immunsystem der Mutter während der Schwangerschaft auf bestimmte Blutgruppenmerkmale des kindlichen Bluts. Darauf entwickelt sie spezielle Rhesus-Antikörper, die die kindlichen roten Blutkörperchen bei einer zweiten Schwangerschaft zerstören. Die prophylaktische Rhesus- Antikörper-Spritze verhindert das.

Vorbeugung fürs nächste Mal

Vor der nächsten Schwangerschaft:

  • Lassen Sie Ihre Schilddrüsenfunktion untersuchen. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann mit den richtigen Hormonen gut behandelt werden, was das Risiko einer Fehlgeburt verringert.
  • Tun Sie dasselbe, falls andere hormonelle Störungen vorliegen.
  • Lassen Sie sich operieren, wenn Fehlbildungen der Gebärmutter oder gutartige Tumoren entdeckt werden.
  • Bei einer Gebärmutterhalsschwäche kann ein Kunststoffband um den Gebärmutterhals gelegt werden, das kurz vor der Entbindung wieder entfernt wird.
  • Impfen Sie sich gegen Viruserkrankungen wie Masern, Mumps oder Röteln.
  • Lassen Sie Scheideninfektionen radikal behandeln.
  • Nehmen Sie ausreichend Folsäure zu sich. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 550 µg für Frauen mit Kinderwunsch. Folsäure kommt in zahlreichen Lebensmitteln vor, zum Beispiel in der Leber, in Weichkäse, Getreide, grünem Gemüse, in Hülsenfrüchten, Obst und Nüssen.
  • Bekämpfen Sie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder ein polyzystisches Ovarialsyndrom mit der richtigen Ernährung und der geeigneten Therapie.
  • Bei einem Antiphospholipid-Syndrom ist eine langfristige Therapie mit Heparinund Aspirin in niedriger Dosierung möglich.

Mit verschiedenen Mitteln kann eine Schwangerschaft gefördert werden, sodass die Erfüllung des Kinderwunsches näher rückt (©fotolia-Thomas Reimer)Während der nächsten Schwangerschaft:

  • Bettruhe
  • Kompletter Nikotin- und Alkoholverzicht
  • Vermeidung von Medikamenten und Bestrahlungen
  • gesunde Ernährung unter Berücksichtigung des erhöhten Bedarfs an Vitaminen und Mineralien

Fazit

Aborte verhindern die Geburt von überlebensunfähigen Babys in mindestens 50 Prozent der Fälle. Dagegen können wir nichts tun. Doch in allen anderen Fällen ist die Vorbeugung einer weiteren Fehlgeburt möglich. Deswegen werden die meisten Frauen nach einem Abort wieder schwanger und bringen gesunde Kinder zur Welt.

Links

Die Sternenkinder – Selbsthilfegruppe für Betroffene die ihr Kind durch eine Fehl-, Früh- oder Totgeburt verloren haben
www.muschel.net – Website für Eltern nach Fehlgeburt und Totgeburt
Initative Regenbogen – Glücklose Schwangerschaft
Bundesverband Verwaiste Eltern in Deutschland
www.schwanger-info.de – Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin
NAKOS – Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen

Fehlgeburt: 6 Anzeichen, bei denen werdende Mamis sofort zum Arzt sollten

Eine Fehlgeburt gehört zu den größten Ängsten, die eine werdende Mama während der neun Monate Schwangerschaft hat. Da eine Fehlgeburt gerade zu Beginn der Schwangerschaft häufig vorkommen kann, achtet die Mama wie gebannt auf alle Anzeichen und Veränderungen des Körpers.
​Jedes Ziepen, jedes seltsame Gefühl wird beobachtet. Dieses Verhalten ist zwar verständlich, aber lasst euch nicht verrückt machen! Bleibt lieber ruhig und sucht, wenn ihr unsicher seid, euren Frauenarzt auf.

Häufigkeit von Fehlgeburten: So oft kommen sie wirklich vor

Spielt man mit dem Gedanken schwanger zu werden oder ist es schon, hört man plötzlich ständig von Fehlgeburten. Die Bekannte der Freundin hatte eine und die Kollegin auch. Das macht ganz schön Angst. Besonders, wenn man dann im Schwangerschaftsratgeber liest, dass eine Fehlgeburt speziell während der ersten drei Monate keine Seltenheit ist.
Gut 15 Prozent aller klinischen Schwangerschaften (die, die ab der SSW 5-6 auf dem Ultraschall erkannt werden konnten) enden in einer Fehlgeburt. In den ersten vier, fünf Wochen kommt es noch öfter zu einer Fehlgeburt. Meist unbemerkt, besondere Anzeichen gibt es nicht. Die befruchtete Eizelle wird mit der nächsten Regelblutung ausgeschieden. Die werdende Mama weiß zu diesem Zeitpunkt normalerweise nicht einmal, dass sie schwanger war.

Ist das erste Trimester vorbei, sinkt das Risiko für eine Fehlgeburt deutlich. Kommt es dort zu 75 bis 80 Prozent der Fehlgeburten, liegt das Risiko ab der 17. Schwangerschaftswoche nur noch bei zwei bis drei Prozent.
Von einer Fehlgeburt spricht man übrigens, wenn der Embryo vor der 24. Schwangerschaftswoche stirbt. Danach spricht man von einer Frühgeburt, wenn das Baby zwischen der 24. SSW und der 35. SSW lebend zur Welt kommt. Oder von einer Totgeburt, wenn es nach der 24. SSW tot geboren wird.

Fehlgeburt: Die häufigsten Ursachen

Es gibt verschiedene Faktoren, die zu einer Fehlgeburt führen können. Gut 50 bis 70 Prozent lassen sich auf eine Chromosomenmutation des Kindes zurückführen. Das heißt, es sind genetische Ursachen – das Baby wäre nicht lebensfähig auf die Welt gekommen.
Daneben können Medikamente Schuld an der Fehlgeburt tragen, eine Fehlentwicklung der Plazenta oder eine Fehlbildung der Gebärmutter, genau wie ein Sturz/Unfall, Alkohol- oder Drogenmissbrauch.

Fehlgeburt: Das sind typische Anzeichen

Dass der Bauch mal ziept, ist ganz normal. Gerade zu Beginn der Schwangerschaft ändert sich ja einiges im Körper. Um eine Fehlgeburt handelt es sich dabei in der Regel nicht. Die folgenden Anzeichen können aber ein Hinweis darauf sein, dass etwas nicht stimmt. Sucht bei diesen Symptomen in jedem Fall einen Arzt auf, der eine genaue Untersuchung vornimmt:

  • Blutungen, auch wenn sie nur schwach sind
  • Starke, krampfartige Schmerzen im Unterbauch
  • Starkes Ziehen im Unterbauch
  • Starke Schmerzen im unteren Rücken
  • Fieber und eitriger Ausfluss
  • bei fortgeschrittener Schwangerschaft kann Fruchtwasser austreten

In den ersten 12 Wochen einer Schwangerschaft zeigt sich eine Fehlgeburt eher durch Anzeichen wie eine Blutung. Danach kommt es meist zu wehenartigen Schmerzen.

Die Symptome können Hinweise auf eine Fehlgeburt sein. Macht euch jedoch nicht verrückt, wenn ihr unter einem Anzeichen wie Rückenschmerzen leidet. Die können auch eine ganz harmlose Ursache haben. Bleibt so ruhig wie möglich und sucht schnellstmöglich einen Arzt auf.

Was passiert nach einer Fehlgeburt?

Nach einer Fehlgeburt scheint eine Welt zusammenzubrechen. Der Schmerz ist unendlich groß. Versucht euch nicht die Schuld daran zu geben. Ein Großteil der Fehlgeburten ist auf eine genetische Ursache zurückzuführen. Ihr tragt keine Schuld!
Habt ihr eine Fehlgeburt erlitten, kann es helfen, sich mit anderen betroffenen Frauen auszutauschen. Die eigene Geschichte zu teilen und andere Erfahrungsberichte zu lesen, empfinden viele Betroffene als hilfreich. In unserem Forum „Wie verarbeitet ihr eure Fehlgeburt?“ teilen Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, ihre Geschichte.

Nach Fehlgeburt wieder schwanger werden: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Viele Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, verspüren den Wunsch, es schnell noch einmal zu versuchen. Bevor ihr einen neuen Schwangerschaftsversuch unternehmt, solltet ihr jedoch euren Frauenarzt oder eure Frauenärztin konsultieren. Gemeinsam mit eurem Gynäkologen könnt ihr den richtigen Zeitpunkt finden, um erneut zu versuchen, schwanger zu werden.
Wurde die Fehlgeburt zum Beispiel durch eine Fehlbildung der Gebärmutter verursacht oder durch eine Rhesusunverträglichkeit, solltet ihr mit eurem Arzt über entsprechende Behandlungsmöglichkeiten reden.

Quellen und Lese-Tipps:
Weitere Informationen zum Thema Fehlgeburt findest du bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder bei onmeda.de.

So entwickelt sich ein Fötus im Mutterleib:

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Auch auf gofeminin.de:

Risikoschwangerschaft: Was bedeutet das für Mama und Baby?
Von Eisprung bis Kopfstand: Fruchtbarkeitsmythen auf dem Prüfstand
Unerfüllter Kinderwunsch: Wenn es einfach nicht klappen will

Das ist eine Frage, die sich vermutlich jede schwangere Frau zu Beginn ihrer Schwangerschaft stellt. Sucht man online nach Daten, so finden sich ganz verschiedene Angaben, zum Teil liest man sogar von Risiken bis zu 70% – eine Zahl, die dann jede Schwangere erst einmal in Schrecken versetzt.

Bei diesen ganzen Angaben muss man zunächst unterscheiden, ob es sich um eine „biochemische Schwangerschaft“ oder um eine „klinische Schwangerschaft“ handelt. Der Begriff „biochemische Schwangerschaft“ meint, dass man im Urin und im Blut der Frau das Schwangerschaftshormon HCG (humanes Choriongonadotropin) nachweisen kann, aber noch kein Darstellung der Schwangerschaft im Ultraschall gelingt. Es handelt sich hier also um die ganz frühe Schwangerschaft, in der die befruchtete Eizelle sich teilt und Zellen sich differenzieren, um dann mit der HCG-Produktion zu beginnen. Die „klinische Schwangerschaft“ ist dementsprechend die weiter fortgeschrittene Schwangerschaft, die man im Ultraschall darstellen kann. Abhängig vom Alter der Schwangerschaft kann man zunächst die Fruchthöhle sehen, dann folgen die ersten embryonalen Strukturen. Ab etwa der 6. Schwangerschaftswoche (SSW), bei Berechnung nach der letzten Regel, ist die Darstellung einer Herzaktion möglich.

In der sehr frühen Schwangerschaft ist die Rate der Fehlgeburten deutlich höher als bei den weiter fortgeschrittenen Schwangerschaften. Für die „biochemischen Schwangerschaften“ finden sich Fehlgeburtsraten von etwa 50 %. Das heißt, die Fehlgeburt findet dann in der 3., 4. oder 5. SSW (Berechnung nach der letzten Regel) statt. In den Zeiten vor der Existenz von Schwangerschaftstesten wußten die betroffenen Frauen also gar nichts von einer Schwangerschaft und haben einfach eine Blutung, die sie für eine Menstruationsblutung gehalten haben, bekommen.

Bei den „klinischen Schwangerschaften“ sind die Fehlgeburts-Raten deutlich geringer. Es gibt in den Studien etwas unterschiedliche Angaben, aber auch hier ist das Schwangerschaftsalter entscheidend für die Häufigkeit einer Fehlgeburt.

Es gibt weitere Aspekte, die das Fehlgeburts-Risiko beeinflussen:

  • das mütterliche Alter zum Zeitpunkt der Empfängnis:
    • bei Frauen zwischen 20 und 24 Jahren liegt das Risiko bei 8.9 %
    • bei Frauen über 45 Jahren liegt es bei 74.7 % (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1086…)
  • die Anzahl von vorausgegangenen Fehlgeburten:
    • nach einer Fehlgeburt ist das Risiko 14 – 21 %
    • nach 2 Fehlgeburten 24 – 29 %
    • nach 3 Fehlgeburten 31 – 33 %.
  • Störungen der Blutgerinnung
  • genetische Störungen
  • Fehlbildungen der Gebärmutter
  • Hormonstörungen
  • Störungen des Immunsystems
  • Umweltfaktoren, wie zum Beispiel vaginale Infektionen, Rauchen und die Einnahme bestimmter Medikamente

Fehlgeburt: ein Kind verlieren

Fehlgeburt und was nun?

Wenn du gerade erst erfahren hast, dass du eine Fehlgeburt hattest, nimm dir zuerst einmal Zeit. Einige Ärzte werden dir raten, am besten gleich am nächsten Tag eine Ausschabung vornehmen zu lassen. Wenn du nicht gerade einen fieberhaften Abort hast, bei dem eine Blutvergiftung droht, hast du im Normalfall aber 4-5 Tage Zeit, um erst einmal zu dir selbst zu finden.

Mach es nicht mit dir allein aus, sondern lass dich von Freunden, Familie oder Hebamme auffangen. Vielleicht braucht auch dein Partner Hilfe.

Eine Hebamme steht dir zu

Was viele nicht wissen, auch bei einer Fehlgeburt steht dir eine Hebamme zu. Ihre Leistungen werden von der Kasse übernommen, wenn auch manchmal nicht gleich beim ersten Versuch. Möglicherweise ist es nicht leicht, jetzt so schnell eine zu finden, die Zeit hat und dich in dieser schweren Zeit betreuen kann oder will. Aber einen Versuch ist es wert. Lies hierzu am besten den Artikel von der Berliner Hebamme Jana Friedrich.

Nicht immer ist eine Ausschabung nötig

Je nachdem in welcher Woche eine Fehlgeburt eingetreten ist und wie der Körper darauf reagiert, ist nicht immer eine Ausschabung nötig. Ärzte raten meist dazu, weil damit etwaige Plazenta-Reste besser entfernt werden können, die sonst zu Entzündungen führen könnten. Diese Annahme ist berechtigt. Aber manchmal schafft es der Körper ganz allein, sich so zu regenerieren, dass einer erneuten Schwangerschaft nichts im Wege steht.

Eine Ausschabung ist schon durch den Begriff allein ziemlich unemotional. Manchen Frauen fällt es nach diesem Eingriff schwerer, sich angemessen von ihrem Baby zu verabschieden.

Jenseits der 14. Schwangerschaftswoche wirst du das Kind still gebären müssen. Die Ärzte leiten die Geburt dann mit Medikamenten ein. Das klingt erschreckend, kann aber seelisch besser sein, als wenn es plötzlich einfach weg ist. Immerhin kannst du das Kind dann noch einmal sehen, wenn du das willst.

Ein Erinnerungsfoto vom Sternenkind

Je nachdem, wie alt dein Sternenkind ist, kann ein Erinnerungsfoto für später hilfreich sein. Wenn du es nicht selbst schaffst, ein Foto zu machen, kann das ein ausgebildeter Fotograf für dich tun. Auf dein-sternenkind.eu bieten Fotografen ehrenamtlich, also kostenlos, diesen Service für trauernde Eltern an.

Dein Sternenkind kannst du bestatten lassen

Sehr kleine Embryonen werden in der Regel vom Krankenhaus sammelbestattet. Gute Krankenhäuser ziehen schon als Mensch erkennbaren Babys von gemeinnützigen Organisationen genähte Kleidung an und betten sie in kleinen Weidekörbchen. Eine Obduktion oder genetische Untersuchung findet nur auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern statt.

Seit 2013 gibt es die Möglichkeit, die Geburt eines Sternenkindes beim für euch zuständigen Standesamt anzuzeigen, unabhängig von Alter und Geburtsgewicht. Du erhältst dann eine Urkunde mit den Daten des Kindes, die du benötigst, um dein Kind würdevoll bestatten zu lassen, sofern du das wünschst. Kirchen stellen dafür „Sternengräber“ zur Verfügung.

Das Geschehene verarbeiten

Um bereit für eine neue Schwangerschaft zu sein, ist es wichtig, euch Zeit für die Trauerphase nehmen. Wenn du nach einer Fehlgeburt eine Auszeit brauchst, darf dich dein Arzt krankschreiben. In dieser Zeit hast du einen besonderen Kündigungsschutz. Nach einer Totgeburt (in der Regel ab 500 g Geburtsgewicht) steht dir sogar Mutterschutz zu.

Um ein Kind auch wirklich gehen lassen zu können, hilft es vielen Eltern, nach einer Weile auch andere Menschen zu treffen, denen es ebenso ergangen ist. Besonders hilfreiche Seiten sind hier:

Wieder schwanger werden nach einer Fehlgeburt?

Ob und wann du wieder schwanger werden solltest, hängt nicht so sehr davon ab, ob dein Körper wieder fit ist. Denn dieser regeneriert sich in der Regel recht schnell. Wichtig ist, dass du bzw. ihr dafür bereit seid. Ein neues Baby kann das verstorbene nicht ersetzen. Besser ist es, alles aufgearbeitet zu haben, sonst könnte die Beziehung und auch die nächste Schwangerschaft darunter leiden. Eine vorgeschriebene Wartezeit gibt es aber nicht, auch nicht nach einer Ausschabung.

Mehr Informationen dazu findest du in unserem Artikel: Schwanger nach Fehlgeburt: was du nun wissen musst.

Magda aus unserer Geschichte oben wurde schon nach 2 Monaten wieder schwanger. Weil sie während der neuen Schwangerschaft ständig Angst um ihr Kind hatte, riet ihre Frauenärztin dazu, sich von einem Therapeuten betreuen zu lassen. Sie suchte sich eine Hebamme, die sie nicht nur im Wochenbett betreute, sondern auch vorher schon für sie da war. Außerdem beschäftigte sie sich viel mit Hypnobirthing und fing Schwangerschaftsyoga an, um sich besser entspannen zu können. Es wurde besser und die Schwangerschaft verlief ganz normal und ohne Komplikationen. Fast genau ein Jahr nach der Fehlgeburt kam ihr Sohn Yanis gesund zur Welt. Viel Zeit zum Nachdenken hat sie seit dem nicht mehr. Trotzdem kommt der Schmerz über das verlorene Geschwisterchen 3 Jahre danach immer noch ab und zu hoch.

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