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Frühgeburt in der 22. SSW: Chancen des Frühchens

Kommt ein Kind vor der 37. SSW zur Welt und wiegt weniger als 2500 Gramm wird hier um eine Frühgeburt gesprochen. Frühgeburten sind kein neuzeitliches Produkt, sondern sind in jeder Schwangerschaft möglich. Sie treten auch heute noch genauso häufig wie auch in anderen Jahren lange vor unserer Zeit auf. Doch die Möglichkeiten, ein Frühchen zu behandeln sind heute weit aus besser. Die Chancen, dass ein Baby, dass bei der Geburt weniger als 1500 Gramm wiegt, überlebt, ist dank unserem hohen medizinischen Standard sehr wahrscheinlich. Wird eine Geburt aus verschiedenen Gründen in der 22. SSW eingeleitet, kann es eine hohe Chance für das Überleben des Kindes geben. Voraussetzung ist natürlich, dass das Kind keine Defizite aufweist. Doch es gibt Möglichkeiten eine Frühgeburt ab der 22. SSW vorzubeugen und Anzeichen rechtzeitig zu erkennen. Was passiert aber mit dem Frühchen in der 22. SSW und wie überlebt es außerhalb des Mutterleibs?

22. SSW: Gründe für eine Fehlgeburt

Kommt ein Baby vor der 28. SSW zur Welt wird hier von einem extrem früh Geborenen gesprochen. Fast 40 % aller Kinder kommen früher zur Welt. Kommt ein Kind mit einem Geburtsgewicht von weniger als 500 Gramm auf die Welt, kann es überleben, aber meist behält es bleibende Schäden. Die Ursachen für eine Fehlgeburt in der 22. SSW sind in den meisten Fällen unklar. Doch bei vielen schwangeren Frauen spielen auch soziale und wirtschaftliche Verhältnisse eine Rolle, Depressionen, starker Konsum von Alkohol und Nikotin oder sogar Drogen, Erkrankungen oder Scheideninfektionen können Gründe sein. Frauen, die bereits eine Frühgeburt erlitten haben, haben ein hohes Risiko eine erneute Frühgeburt zu erleiden. Zwillinge oder Mehrlinge kommen in den meisten Fällen immer früher zur Welt als errechnet.

Frühgeburt ab der 22. SSW vorbeugen

Wichtig um eine Frühgeburt ab der 22. SSW zu vermeiden ist es, sich über die Schwangerschaft und die Entwicklung des Kindes zu informieren. Vorsorgeuntersuchungen und andere wichtige Untersuchungen beim Frauenarzt sind sehr wichtig, und dienen dazu mögliche Risiken zu erkennen und Komplikationen vorzubeugen. Auch ein angepasster Lebensstil kann helfen das Risiko einer Frühgeburt zu minimieren. Das gilt auch für den Arbeitsplatz. Hier greifen die Mutterschutzbestimmungen. Verboten sind Nachtarbeit, Arbeiten mit gefährlichen und giftigen Stoffen, Heben von schweren Sachen oder auch langes Stehen und Arbeiten am Fließband, um einige zu nennen. Auch im privaten Umfeld und auch auf seelischer Ebene sollte nun alles in Einklang sein und keine Belastung für die Schwangerschaft darstellen. So kann dauerhaft das Risiko einer Frühgeburt minimiert werden.

SSW 22: Entwicklung des Babys

22. SSW: Anzeichen für eine Geburt erkennen

Doch auch bei allen Vorsichtsmaßnahmen kann es zu einer Frühgeburt kommen. Es kündigen sich allerdings wie auch bei einer normal verlaufenden Geburt Anzeichen in der 22. SSW an. Vorzeitige Wehen oder Platzen der Fruchtblase sind typische Merkmale, dass es mit der Geburt losgeht. Schon seit einigen Schwangerschaftswochen übt der Körper Wehen. Hierbei kann es auch zu wirklichen Wehen kommen. Diese werden mit Wehenhemmern unterdrückt. Durch diese Maßnahme kann die Geburt hinausgezögert werden und das Kind so lange wie möglich im Mutterleib bleiben und sich weiter entwickeln bis es lebensfähig ist. Kommt es also zu krankheitsbedingten Gründen oder durch eine Fehlentwicklung des Babys zu einer Fehlgeburt ist auch hier der erste Schritt der Weg ins Krankenhaus oder der Anruf beim Notarzt.

22. SSW: Das Frühen kommt zur Welt

In der 22. SSW ist das Baby noch nicht lebensfähig. Diese erreicht das Kind erst zwischen der 23. SSW und der 25. SSW. Kommt das Frühchen daher in der 22. SSW und vor der 25. SSW zur Welt, kann es mit der medizinischen Technik zwar am Leben erhalten bleiben. Allerdings besteht auch ein sehr hohes Risiko, dass es eine Behinderung beibehält. Allerdings spielt das Gewicht des Babys eine wichtige Rolle. Babys, die weniger als 1500 Gramm bei der Geburt wiegen, haben ein Sterberisiko von mehr als 200 %. Anders sieht es bei Frühchen aus, die über 2500 Gramm haben. Da die Lunge erst in der 24. SSW reift, kann das Kind bei einer vorherigen Geburt hohe Entwicklungsstörungen mittragen.

Es gibt eine Stellungnahme, von einer Kommission aus Vertretern medizinischer Fachgesellschaften, einem Moraltheologen und einer Strafrechtlerin, wie allgemein bei Frühgeborenen gehandelt wird:
Kommt ein Frühchen vor der 22. SSW zur Welt, gilt dieses nicht als lebensfähig. Kommt es zu keinen Abweichungen in seiner Entwicklung, dass es zum Beispiel schwerer ist als die Norm oder weiter entwickelt, wird das Kind bis zum Sterben betreut. Bestehen Chancen, dass das Kind überleben kann, werden lebenserhaltende Maßnahmen eingeleitet. Kommt es zu einer Geburt ab der 22. SSW bis zur 23+6 SSW, ist die Chance für das Überleben des Kindes angestiegen. Hier kann es allerdings zu sowohl körperlichen als auch geistigen Behinderungen kommen. Bei der Versorgung des Neugeborenen wird mit Rücksprache der Eltern versucht das Kind zu erhalten, sofern es überleben kann. Kommt es zu einer Frühgeburt nach der 24. SSW so sind die Überlebenschancen sehr hoch. Etwa 60 bis 80 % dieser Kinder überleben.

Kann das Kind anhand seiner Entwicklung überleben und ist es im Interesse der Eltern sowie des Kindes, wird versucht, das Kind am Leben zu erhalten. Da die Kinder ab diesem Status schon wie andere Kinder jedes Alters zählen, sind Ärzte ab diesem Geburtsstatus dazu verpflichtet nach ethischen und rechten Gesetzen das Leben des Kindes zu erhalten und hier notfalls sogar gegen die Wünsche der Eltern zu handeln. Kommt ein Baby mit angeborenen Gesundheitsstörungen auf die Welt, die es sich auch bei der Geburt zugezogen haben kann, und bei dem feststeht, dass es keine Chance hat sich noch zu entwickeln, so können die Ärzte auch die lebenserhaltenden Maßnahmen einschränken. Die Lebenschance des Kindes wird dabei natürlich berücksichtigt. Ist es allerdings wahrscheinlich, dass das Baby stirbt, werden die Eltern von einer Sterbebegleitung und bei der Bestattung des Kindes unterstützt.

Quellen

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Über Verena Janssen

Die 38-Jährige Autorin und Mutter lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern Paul Oskar (7) und Ella Marie (4) in schönen Fulda. Sie liebt Musik und versucht momentan ihren Kindern das Klavier spielen beizubringen. Wenn sie mal etwas Zeit für sich hat, powert sie sich beim Volleyball spielen aus.

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Früh- und Fehlgeburt

Frühgeburt

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn das Kind vor Vollendung von 37 Schwangerschaftswochen geboren wurde (37+0) oder bei der Geburt weniger als 2500g wog.
Frühgeburten treten heute mit der gleichen Häufigkeit auf wie früher. Jedoch sind die Möglichkeiten, ein Frühgeborenes zu behandeln, um ein Vielfaches besser, als noch vor wenigen Jahrzehnten. Besonders die sehr kleinen Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g profitieren erheblich von den besseren Behandlungsmethoden. Dies führt in den meisten Ländern zu einer rückläufigen Sterblichkeit von Frühgeborenen.

Prävention

Die Prävention, also Maßnahmen zur Verhinderung von Frühgeburtlichkeit, besteht in der Aufklärung und Beratung der Schwangeren über die Veränderungen in der Schwangerschaft sowie eine an den Zustand angepasste Verhaltensweise. Eine Frau, die über die normalen Vorgänge während der Schwangerschaft Kenntnis hat, wird eine bessere Möglichkeit haben, Störungen oder Ungewöhnliches zu erkennen und diese mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen.

Am Arbeitspatz gelten für Schwangere bestimmte arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben, die durch die Mutterschutzbestimmungen geregelt sind. So sind beispielsweise Nachtarbeit und das Heben schwerer Lasten, langes Stehen oder Fließbandarbeit für schwangere Frauen nicht mehr erlaubt. Aber auch die hausfrauliche Tätigkeit sowie das Freizeitverhalten müssen gegebenenfalls bei einer notwendigen Änderung der Lebensführung berücksichtigt werden.

Mögliche Anzeichen

Eine Frühgeburt kann sich durch bestimmte Anzeichen ankündigen, z. B. durch vorzeitige Wehen oder durch ein vorzeitiges Platzen der Fruchtblase (Blasensprung). Eine Frühgeburt kann jedoch auch aus krankheitsbedingtem Grund ausgelöst werden. Dabei kann es sich sowohl um Ursachen handeln, die im mütterlichen Organismus begründet liegen als auch um solche, die durch Fehlentwicklung des Fetus auftreten.

In der Mehrzahl der Fälle spielen aufsteigende Infektionen (vom mütterlichen Genitaltrakt aufwärts, also Richtung Muttermund/Gebärmutter) sowie der Zustand der Plazenta eine wesentliche Rolle. Beides kann Auslöser für vorzeitige Wehen oder einen vorzeitigen Blasensprung sein.

Vorzeitige Wehen, die sich von vermehrten Kontraktionen durch ihre Wirkung auf den Gebärmutterhals unterscheiden, können medikamentös unterdrückt werden. Die so genannten Wehenhemmer (Tokolytika) behandeln jedoch nicht die Ursache der vorzeitigen Wehen und verlieren nach kurzer Zeit ihre Wirksamkeit. Durch die gewonnene Zeit kann dem Kind aber die Möglichkeit gegeben werden, die notwendige Lungenreife noch vor der Geburt zu erlangen (durch Gabe von Glukokortikoiden) und die die Schwangere kann noch rechtzeitig in ein Perinatalzentrum verlegt werden.

Möglilche Folgen für das frühgeburtliche Kind

Die Grenze zur Lebensfähigkeit ist trotz aller zur Verfügung stehenden modernsten Techniken zwischen der 23. und 25. Schwangerschaftswoche erreicht. Bei Kindern die vor der 25. Woche geboren werden, besteht das Risiko von mäßigen bis schweren Behinderungen. Entscheidend ist bei der Prognose auch das Gewicht. Kinder mit weniger als 1500g Geburtsgewicht haben leider ein 200fach erhöhtes Risiko zu sterben, als Kinder mit einem Gewicht von über 2500g; überlebende Kinder haben ein zu 10mal höheres Risiko neurologische Schäden davon zu tragen. Auch Entwicklungsstörungen, Seh- und Hörschäden, Krampfanfälle und chronische Lungenprobleme treten bei den sehr kleinen Frühgeborenen häufiger auf. Ein wichtiger Faktor für die Vermeidung von Lungenproblemen ist die Entwicklung der Lungenreife des Fetus, die im Normalfall um die 24. Woche herum eintritt.
Die Versorgung der Frühgeborenen orientiert sich an einer Stellungnahme, die von einer Kommission aus Vertretern medizinischer Fachgesellschaften, einem Moraltheologen und einer Strafrechtlerin gemeinsam gestaltet wurde. Die nachfolgenden Angaben sind dieser Empfehlung sinngemäß entnommen:

  • Frühgeburt vor 22 Schwangerschaftswochen

    Kinder, die zu dieser Zeit geboren werden, sind nicht lebensfähig. Sie werden entsprechend ihrer Würde im Sterben betreut. In jedem Fall werden die Ärzte dazu angehalten, das vorgeburtlich festgestellte Schwangerschaftsalter mit dem Entwicklungszustand des Kindes zu vergleichen. Bei einer offensichtlichen Abweichung überdenken die Ärzte die vor der Geburt getroffene Entscheidung, keine lebenserhaltenden Maßnahmen zu beginnen.

  • Frühgeburt nach 22 bis 23 Schwangerschaftswochen und 6 Tagen

    Während diesem Schwangerschaftsalter steigt die Überlebenschance der Kinder erheblich von etwa 10 auf 50% an. Andererseits leiden 20-30% der überlebenden Kinder an schweren körperlichen und geistigen Behinderungen. Bei den geburtshilflichen Entscheidungen und den Entscheidungen zur Neugeborenenversorgung werden daher neben den kindlichen auch die mütterlichen bzw. elterlichen Interessen berücksichtigt.

  • Frühgeburt nach 24 Schwangerschaftswochen und später

    Die Überlebenschancen von Frühgeborenen dieses Alters erreichten Ende der Neunziger Jahre in Deutschland 60-80%. Bei den geburtshilflichen Entscheidungen werden neben dem mütterlichen bzw. elterlichen auch die kindlichen Interessen berücksichtigt. Bei Kindern ohne lebensbedrohliche Gesundheitsstörungen wird grundsätzlich versucht, die Lebensfunktionen zu erhalten.
    Im Hinblick auf das Lebensrecht sind Frühgeborene dieses Reifegrades Kindern jeden Alters gleichzusetzen. Ärzte sind dazu angehalten – als Garanten des Kindes – den rechtlichen und ethischen Geboten zur Lebenserhaltung zu folgen und gegebenenfalls auch gegen die Wünsche der Eltern zu handeln.

  • Frühgeborene mit angeborenen und bei der Geburt erworbenen Gesundheitsstörungen

    Bei Frühgeborenen mit schwersten angeborenen oder bei der Geburt (perinatal) erworbenen Gesundheitsstörungen, die keine Aussicht auf Besserung des Zustandes haben, wird von den Ärzten geprüft, ob im Interesse des Kindes die intensivmedizinischen Maßnahmen eingeschränkt werden sollten – auch wenn dadurch der Tod vorzeitig eintreten sollte. Dabei werden der Grad der Beeinträchtigung und die dadurch bedingten Änderungen der Lebenschance des Kindes berücksichtigt.
    Wenn abzusehen ist, dass das Kind sterben wird, werden die Eltern bei der Sterbebegleitung und der Bestattung des Kindes unterstützt.

Fehlgeburt

Eine Fehlgeburt, auch Abort genannt, bezeichnet das verfrühte Ende einer Schwangerschaft. Der Fetus wiegt dabei unter 500g und ist außerhalb der Gebärmutter noch nicht lebensfähig. Das ist bei Feten vor Ablauf der 22. bis 24. Schwangerschaftswoche der Fall. Eine Beendigung der Schwangerschaft kann entweder willentlich vorgenommen werden (Schwangerschaftsabbruch), oder spontan geschehen. Die meisten Fehlgeburten passieren – meist unbemerkt – in den ersten 12 Schwangerschaftswochen (Frühabort), auf Grund von schwerwiegenden Chromosomenveränderungen und Fehlbildungen, Infektionen, Stress oder anderen Faktoren.

Findet eine Fehlgeburt nach der 16. Schwangerschaftswoche statt, so spricht man von einem Spätabort. In diesem Fall muss das Kind von der Mutter geboren werden. Erfolgt die Fehlgeburt in früheren Stadien, wird eine Ausschabung der Gebärmutter (Kürettage) vorgenommen, um verbliebene Plazentareste vollständig zu entfernen und Infektionen zu verhindern.

Erleidet eine Frau mehrere Fehlgeburten, sollte über eine genetische Beratung nachgedacht werden. Möglicherweise kann dabei die Ursache für die Abgänge gefunden oder eingegrenzt werden.
Eine Fehlgeburt ist für die Frau oder das Paar eine seelisch sehr belastende Situation. Vielen Frauen hilft es, sich mit anderen betroffenen Frauen in Selbsthilfegruppen auszutauschen.

Weitere Informationen zum Thema „Ein Kind verlieren“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/fehlgeburt-totgeburt/

Überlebenschancen eines Frühchens

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Wann ist ein Frühchen überlebensfähig?

Die Grenze zur Lebensfähigkeit eines Frühchens liegt laut Statistiken zwischen der 23. und der 25. Schwangerschaftswoche. Babys, die vorher geboren werden, haben, unabhängig von ihrem Reifezustand, leider nur geringe Überlebenschancen. Zudem besteht das Risiko schwerer Behinderungen.

Doch nicht nur die Schwangerschaftswoche ist entscheidend für die Chance auf Leben, auch das Geburtsgewicht spielt eine wichtige Rolle. Statistisch gesehen haben die Kinder, die bei der Geburt ein Gewicht von weniger als 2500 Gramm auf die Waage bringen, ein zweihundert Mal höheres Sterberisiko als Kinder mit einem höheren Geburtsgewicht.

Überleben die Kinder, die ein so niedriges Geburtsgewicht hatten, so ist das Risiko neurologischer Schäden zehn Mal höher als das der Vergleichsgruppe. Entscheidend für die Überlebenswahrscheinlichkeit ist daher auch die Lungenreife des Fötus. Diese Reifung der Lunge tritt etwa ab der 24. Schwangerschaftswoche ein.

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Vollendete Schwangerschaftswoche Überleben in Prozent
23. Woche 53 Prozent
24. Woche 67 Prozent
25. Woche 82 Prozent
26. Woche 85 Prozent
27. Woche 95 Prozent
28. Woche 96 Prozent
29. Woche 96 Prozent
30. Woche 97 Prozent
31. Woche 97 Prozent
32. Woche 98 Prozent

Quelle: Schwedische Untersuchung, die 1011 Kinder erfasst.

Frühgeburt zwischen der 22. und 24. Woche

Die Chance auf ein Überleben des Kindes steigt zwischen der 22. und 24. Schwangerschaftswoche von etwa zehn auf rund fünfzig Prozent an. Dennoch sind bis zu 30 Prozent der Kinder, die eine Geburt und die ersten Tage danach überleben, von schweren geistigen oder körperlichen Behinderungen betroffen.

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Frühgeburt nach der 24. Woche

Die Überlebenschancen von Frühgeburten, die über die 24. Woche hinaus normal ausgetragen wurden, steigen rapide an und sind bei rund 80 bis 90 Prozent angesiedelt. Daher wird grundsätzlich versucht, die Schwangerschaft so lange wie möglich zu erhalten, zumindest, wenn keine lebensbedrohlichen Störungen vorliegen. Ärzte werden dazu angehalten, die Frühchen in der Behandlung mit reif geborenen Kindern gleichzusetzen.

Nach der Geburt

Kommt ein Frühchen auf die Welt, sind die Eltern meist genauso wenig darauf vorbereitet wie das Baby selbst. Um die Situation für alle so leicht wie möglich zu machen, gibt es vor allem in Perinatalzentren besondere Intensivstationen, die den Ansprüchen der kleinen Patienten und ihrer Eltern gerecht werden: Medizinische Apparate werden auf das Nötigste minimiert, stattdessen steht ein Konzept der sanften und entwicklungsfördernden Betreuung im Vordergrund. Die Zuwendung zum Kind und zur Familie hat Priorität. Das bedeutet, dass sich das gesamte Klinikpersonal darum bemüht, die hochtechnische Versorgung mit Maßnahmen zu kombinieren, die die Entwicklung des Babys sowie seine Einbindung in die junge Familie fördern. Alles weitere zum Thema Versorgung nach der Geburt erfährst Du in unserem Beitrag „So wird ein Frühchen in der Klinik versorgt„. Hinweise, wo Ihr als Eltern Hilfe für die ersten Wochen bekommt findest Du in „Hilfe in den ersten Wochen mit Frühchen„.

Geburt in der 36. SSW: Risiko oder süßes Frühchen?

Ab der 36. Schwangerschaftswoche sind es bis zum errechneten Geburtstermin nur noch etwa vier Wochen. Die meisten Kinder wollen aber meist nicht bis dahin warten und kommen zu früh. Im Schnitt etwa zehn Tage. Doch was ist, wenn es schon in der 36. SSW zur Geburt kommt? Ab der 36. SSW zählt das Baby als „spätes Frühchen“. Wäre es nur eine Woche später gekommen, würde es schon lange kein Frühchen mehr sein, sondern nach einigen Tagen im Krankenhaus, wie auch die anderen Babys, die termingerecht zur Welt kommen, mit seinen Eltern nach Hause.

Frühchen in der 36. SSW

Bei einer normalen kindlichen Entwicklung, hat das Frühchen in der 36. SSW schon alles, was es zum Leben außerhalb des Mutterleibs braucht. Die Lungen des Babys sind vollständig entwickelt, sodass es keinerlei künstliche Beatmung mehr braucht. Es kann eigenständig atmen. Etwa 2.750 Gramm wiegen Frühchen in der 36. SSW und sind etwa 47 Zentimeter lang. Die verbleibenden Wochen in Mamas Bauch würde es nur wenig wachsen, sondern viel mehr Gewicht aufbauen.

Das Gewicht ist nötig, damit es seinen Wärmehaushalt regeln kann und auch genug Energie für und nach der Geburt hat. Alle inneren Organe, sowie Sinne und Funktionen des Frühchens sind vollständig entwickelt und arbeiten in der 36. SSW eigenständig. Denn das Kind ist nun startklar für das Leben außerhalb Mamas Bauch. Bereits in der 36. SSW legen sich viele Kinder ins Becken und nehmen die Startposition für die Geburt ein. Sobald das Köpfchen fest im Becken der Mama liegt, kann es mit der Geburt losgehen. Macht sich daher eine Frühgeburt in der 36. SSW bemerkbar und verlief die Schwangerschaft bis zu diesem Zeitraum ohne Komplikationen, werden der Arzt oder Hebamme die Geburt nicht mehr aufhalten und das Kind zur Welt holen.

SSW 36: Entwicklung des Babys

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Frühgeburt in der 36. SSW

Sobald die 36. SSW abgeschlossen ist, gilt jede Geburt danach, die auch vor dem errechneten Geburtstermin erfolgt, nicht mehr als eine Frühgeburt. In der 36. SSW wird bei einer Frühgeburt, das Baby auch als sehr spätes Frühchen bezeichnet. In den meisten Fällen ist die Entwicklung des Kindes abgeschlossen. Es kann eigenständig atmen, hat ein selbstständig funktionierendes Immunsystem, kann Nahrung zu sich nehmen, es verwerten und verdauen. Daher wird hier auch nicht mehr viel unternommen, um die Geburt zu stoppen. Nach einer Frühgeburt in der 36. SSW ist das Kind leichter, als seine Altersgenossen, die zum errechneten Geburtstermin zur Welt kommen.

Daher wird das Kind die nächsten Tage nach der Geburt genaustens beobachtet, denn es ist wichtig, dass es kontinuierlich Gewicht zunimmt. Zur Unterstützung und zur besseren Beobachtung, wird das Baby auf der Frühchenstation untergebracht. Frühgeburten können die Defizite schneller aufholen, wenn sie gestillt werden. Sie wachsen zudem schneller und hinken in ihrer Entwicklung nicht hinterher. Gegenüber ihren Altersgenossen werden sie später keinerlei Benachteiligungen oder Verhaltensstörungen aufweisen. In den meisten Fällen bleibt das Kind für einige Tagen zur Beobachtung im Krankenhaus, kann aber schon bald mit Mama und Papa nach Hause. Für Eltern, die mit einem späten Frühchen nach Hause gehen, ist es in den meisten Fällen nicht anders, als bei Babys, die zum errechneten Termin auf die Welt kommen.

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Die 38-Jährige Autorin und Mutter lebt mit ihrem Mann und ihren Kindern Paul Oskar (7) und Ella Marie (4) in schönen Fulda. Sie liebt Musik und versucht momentan ihren Kindern das Klavier spielen beizubringen. Wenn sie mal etwas Zeit für sich hat, powert sie sich beim Volleyball spielen aus.

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Zwei bis sechs Wochen zu früh geboren – Risiken für das weitere Leben

Hintergrund: Der Anteil vorzeitiger Entbindungen (vor 390/7 Schwangerschaftswochen, SSW) steigt. Welche kurz- und langfristigen Auswirkungen die vorzeitige Entbindung auf die Kinder hat wird erst seit wenigen Jahren analysiert.

Methodik: Selektive Literaturrecherche

Ergebnisse: Bereits eine Entbindung vor 390/7 SSW ist mit einer erhöhten kindlichen Mortalität und einem von 8 auf 11,0 % erhöhtem Risiko assoziiert, dass das Kind nach der Geburt beeinträchtigt ist. Diese Risiken steigen bei noch früherer Entbindung überproportional an: so erhöht sich das Risiko, dass ein Kind nach Geburt Atemunterstützung beziehungsweise Beatmung braucht, von 0,3 % mit 39–41 SSW über 1,4 % mit 37 SSW auf 10 % mit 35 SSW. Das Risiko für Tod oder neurologische Komplikationen steigt in diesem Zeitraum von 0,15 auf 0,66 %. Auch die langfristigen Folgen einer Entbindung im Alter von 340/7–366/7 SSW scheinen relevant: Es zeigen sich Assoziationen mit einem 3-fachen Risiko für Zerebralparese (0,14 versus 0,43 %) und einem je circa 1,5-fachen Risiko, bereits als junger Erwachsener zu sterben (0,46 versus 0,65 ‰) beziehungsweise auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein (1,7 versus 2,5 %).

Schlussfolgerung: Wenn sich der Anteil ärztlich indizierter Entbindungen vor 390/7 SSW durch konsequente Qualitätsverbesserungsmaßnahmen ohne Nachteile für Mutter und Kind um 70–80 % senken lässt, wie in Studien aus den USA gezeigt, dann läge hier ein wirksamer Ansatz, auch in Deutschland eine Reduktion des Anteils iatrogener Entbindungskomplikationen zu erreichen.

Die Zahl der Kinder, die zu früh auf die Welt kommen, nimmt international zu (1). Auch in Deutschland stieg der Anteil der Kinder mit der Entlassungsdiagnose „Störungen im Zusammenhang mit kurzer Schwangerschaftsdauer und niedrigem Geburtsgewicht“ zum Beispiel von 2006 bis 2010 von 7,2 auf 7,5 % aller Geburten (www.gbe-bund.de); ferner kam es von 2001–2007 zu einem Anstieg des Anteils von Kaiserschnittentbindungen von 21,6 auf 29,3 % (2), was zu einem bislang nicht genauer quantifiziertem Anstieg auch von „nur“ zwei bis drei Wochen vor Termin erfolgten Geburten beigetragen haben dürfte. Insgesamt kommen in Deutschland etwa 20 % aller Kinder zwei bis drei Wochen und 5 % vier bis sechs Wochen vor ihrem errechneten Termin auf die Welt (Grafik 1).

Grafik Verteilung der Schwangerschaftsdauer für Einlingsgeburten in Deutschland

Frühgeborene sind eine der größten Patientengruppen innerhalb der Kinderheilkunde. Während Behandlungsergebnisse und Langzeitauswirkungen einer sehr frühen Geburt (3), weiß man nur wenig zu den kurz- und langfristigen Entwicklungschancen von vier bis sechs Wochen zu früh geborenen Kindern, was in Deutschland vor allem auch durch die immer noch fehlende Zusammenführung von Peri- und Neonataldaten bedingt ist. Unklar ist auch, ob Geburten, die zwei bis drei Wochen zu früh erfolgen, als genauso sicher wie Termingeburten betrachtet werden können.

Da keine kontrollierten Studien zum Thema vorliegen war es das Ziel der Autoren, Daten aus epidemiologischen Studien zur Morbidität und Mortalität von zwei bis sechs Wochen zu früh geborenen Kindern im Vergleich zu Termingeborenen zusammenzutragen. Dazu durchsuchten die Autoren PubMed nach Arbeiten aus den Jahren 2000–2012 (Suchbegriffe: late preterm infant/birth, near-term infant/birth, outcome, mortality, morbidity, neurodevelopment), wobei nur Studien herangezogen wurden, die populationsbasiert waren oder auf großen Netzwerken basierten und für beeinflussende Risikofaktoren adjustiert hatten. Nachfolgend werden nur Gruppenunterschiede dargestellt, die statistisch signifikant (p

Neonatale Morbidität und Mortalität bei zwei bis drei Wochen zu früher Geburt

Bei nur wenige Wochen zu früh erfolgter Geburt war lange unklar, ob ein gegebenenfalls damit assoziiertes Risiko einer zugrunde liegenden Pathologie, die zur vorzeitigen Geburt führte, dem Geburtsmodus (Kaiserschnitt versus Spontanpartus (4) oder doch direkt der vorzeitigen Entbindung zuzuschreiben ist. Diese Frage ist besonders relevant bezüglich der Indikationsstellung zur elektiven Sectio, für die der Entbindungszeitpunkt meist vom Geburtshelfer gemeinsam mit der Schwangeren festgelegt wird. Hier schaffte eine Auswertung von Daten aus den USA aus den Jahren 1999–2002 Klarheit (Tabelle 1): Einlinge, die nach 37 (das heißt nach 370/7–376/7) SSW per elektiver Sectio geboren wurden, zeigten gegenüber Kindern aus 390/7–396/7 SSW ein doppelt so hohes Risiko, nach Geburt zu sterben oder akut beeinträchtigt zu sein (Tabelle 1). Selbst für Kinder, die nach 380/7–386/7 SSW geboren wurden, war es noch um 50 % erhöht. Von mindestens einer Komplikation waren 8 % der Kinder aus 390/7–396/7, aber 15 % derer aus 370/7–376/7 SSW betroffen (5). Bestätigt werden diese Daten durch eine ähnliche Untersuchung aus den Niederlanden (6) (Tabelle 1). Angesichts der Häufigkeit dieser Entbindungen hätte es erhebliche medizinische und gesundheitsökonomische Auswirkungen, wenn geplante Kaiserschnittentbindungen grundsätzlich nicht mehr vor Erreichen von 39 SSW durchgeführt würden.

Tabelle 1 Mortalität bzw. schwere unerwünschte Ereignisse bei Kindern aus 370/7–406/7, ≥340/7 bzw. 340/7–366/7 Schwangerschaftswochen

Späte Frühgeburt – Mortalität und neonatale Morbidität

In einer systematischen Übersicht wurden Studien aus den Jahren 2000–2010 zum Gesundheitszustand von Kindern aus 34–37 SSW ausgewertet (Tabelle 1). In neun überwiegend US-amerikanischen Arbeiten zur Mortalität starben 356 von 94 557 Kinder aus 34–37 SSW (0,38 %), bei den Reifgeborenen dagegen 622 von 892 383 (0,07 %). Bezüglich der Morbidität zeigten sich für Atemwegserkrankungen (Atemnotsyndrom, transitorische Tachypnoe, pulmonale Hypertension, Pneumothorax), Infektionen (Pneumonie, Meningitis, Sepsis, nekrotisierende Enterokolitis), neurologische (Hirnblutungsn, Krampfanfälle) und metabolische (Hypoglykämie, Hypothermie, Ikterus) Erkrankungen erhöhte Inzidenzen für die Gruppe der Frühgeborenen (7).

Aktuelle europäische populationsbasierte Daten zu Geburten aus 34–41 SSW liegen aus Frankreich vor. Wesentliche Endpunkte waren hier Tod/schwere neurologische Beeinträchtigung und respiratorische Beeinträchtigung mit Notwendigkeit der mechanischen Beatmung. Für ersteres stieg der Anteil betroffener Kinder von 0,16 % mit 39–41 auf 1,7 % mit 34 SSW. Von einer relevanten respiratorischen Beeinträchtigung waren 20 % der Kinder aus 34 SSW, 4,4 % derer aus 36 SSW, aber nur 0,38 % derer aus 39–41 SSW betroffen (Tabelle 1).

Bestätigt werden diese Ergebnisse durch aktuelle Daten der Centers for Disease Control (CDC) in den USA. Hier hatten Kinder aus 34 SSW gegenüber solchen aus 37–40 SSW ein deutlich höheres Risiko für ein Atemnotsyndrom (0,17 versus 3,9 %), Beatmung (0,2 versus 3,9 %), Antibiotikabehandlung (1,0 versus 10,8 %) sowie neonatale Krampfanfälle (0,03 versus 0,09 %). Selbst mit 36 SSW waren diese Risiken noch überwiegend 3–4-fach erhöht (Tabelle 2) (8).

Tabelle 2 Perinatale Morbidität (Atemnotsyndrom, Neugeboreneninfektionen) bei Kindern aus 340/7–366/7 im Vergleich zu solchen aus 370/7– 406/7 Schwangerschaftswochen (8)*1

„Späte“ Frühgeburt und Störungen der neurologischen Entwicklung

Bezüglich der neurologischen Entwicklung zeigte die oben genannte systematische Übersicht (7), dass in den vier darin ausgewerteten Studien Frühgeborene aus 340/7–366/7 SSW ein 3-fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Zerebralparese (0,14 versus 0,43 %) und ein 1,5-fach erhöhtes Risiko für eine Entwicklungsverzögerung mit zwei Jahren aufwiesen (0,49 versus 0,81 %) (Tabelle 3).

Tabelle 3 Risiko für die Entwicklung einer Zerebralparese beziehungsweise einer motorischen oder mentalen Entwicklungsverzögerung im Alter von 2 Jahren bei ehemaligen Früh- im Vergleich zu Reifgeborenen USA (7)

In einer weiteren Untersuchung wiesen Kinder aus 340/7–366/7 SSW mit zwei Jahren im Mittel einen um vier Punkte reduzierten mentalen beziehungsweise psychomotorischen Entwicklungsscore im Bayley-II-Test auf (9).

„Späte“ Frühgeburt und Entwicklung im Schul- und Erwachsenenalter

Mortalität

Langzeituntersuchungen scheitern häufig daran, dass viele Kinder nicht mehr nachverfolgt werden können. Eine Ausnahme stellt Skandinavien dar, wo jeder Einwohner über eine fest zugeordnete Nummer vergleichsweise leicht nachverfolgbar ist. So wurde in Schweden eine landesweite Geburtskohorte von Einlingen aus (Tabelle 4) (10), das unabhängig von einer fetalen Wachstumsverzögerung oder angeborenen Fehlbildung war und vorwiegend auf Atemwegs-, endokrinen und kardiovaskulären Erkrankungen bei den Verstorbenen beruhte. Ein negativer Einfluss einer nur wenige Wochen zu früh erfolgten Geburt auf die Überlebenswahrscheinlichkeit der Betroffenen ist also bis ins Erwachsenenalter nachweisbar. Voraussetzung für die Validität derartiger Ergebnisse ist – wie hier geschehen (10) – eine sorgfältige Kontrolle der Daten für potenzielle Störvariablen (Confounder).

Tabelle 4 Todesfälle zwischen 1 und 36 Jahren bei nach 340/7–366/7 bzw. 370/7–426/7 Schwangerschaftswochen Geborenen in Schweden (10)

Morbidität

Neben Mortalitätsdaten wurden in der schwedischen Geburtskohorte auch die langfristigen sozialen Auswirkungen der vorzeitigen Geburt untersucht, zum Beispiel wie viel höher die Wahrscheinlichkeit war, als junge Erwachsene wegen einer relevanten Beeinträchtigung Unterstützung vom Staat zu beziehen. Bei einer Inanspruchnahmerate von 1,8 % für Reifegeborene zeigten nach 370/7–386/7 SSW geborene bereits ein auf 2,2 % erhöhtes Risiko, auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein. Bei Geburt aus 330/7–366/7 SSW war es sogar auf 2,8 % erhöht (11). In einer vergleichbaren norwegischen Langzeitstudie erhielten 1,7 % der reif geborenen jungen Erwachsenen (19–35 Jahre) eine Behindertenrente, dagegen 2,5 % derer aus 34–36 SSW (12).

In einer weiteren Auswertung analysierte die Stockholmer Arbeitsgruppe das Risiko für die spätere Entwicklung einer psychiatrischen Erkrankung oder einer Epilepsie. Hier zeigte sich, dass bereits um 2–3 beziehungsweise 4–7 Wochen zu früh Geborene ein erhöhtes Risiko aufwiesen, später wegen einer psychiatrischen Störung stationär behandelt zu werden (2,4 % versus 2,6 % versus 3,0 % waren betroffen) (13). Nach 350/7–366/7 SSW geborene Kinder hatten zudem ein erhöhtes Risiko, als junge Erwachsene wegen einer Epilepsie stationär behandelt zu werden (0,7 versus 0,9 %, adjustierte Odds Ratio 1,76 ) (14). Schließlich ließ sich in einer Kohorte aus 1987–2000 geborenen schwedischen Kindern aus 330/7–366/7 SSW ein 30 % höheres Risiko (0,6 versus 0,8 %) nachweisen und für Kinder aus 370/7–386/7 SSW noch ein etwa 10 % höheres Risiko für ein medikamentös behandeltes Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktvitäts-Syndrom (ADHS) als für Kinder, die jenseits von 390/7 SSW geboren worden waren (15).

Daten zu Schulleistungen und -verhalten

Eine niederländische Gruppe untersuchte 995 Kinder aus 320/7–356/7 SSW und 577 reif geborene Kontrollkinder mittels der Child Behaviour Checklist. Erstere zeigten im Mittel um vier Punkte schlechtere Scores für Verhaltensstörungen und emotionale Probleme (95-%-KI 2,1–6,0) und damit ein doppelt so hohes Risiko (7,9 versus 4,6 %) für auffällige Befunde in diesen Bereichen als die Kontrollgruppe (16). Eine andere holländische Gruppe untersuchte 377 Kinder aus 320/7–366/7 SSW bezüglich ihres Schulerfolgs im mittleren Alter von 8,9 Jahren. 9,7 % der Kinder aus 32–33 SSW, 7,3 % derer aus 34–35 SSW und 2,8 % der Kontrollkinder besuchten eine Förderschule; von den Regelschulbesuchern hatten doppelt so viele der ehemaligen Frühgeborenen bereits eine Klasse wiederholen müssen (19 versus 8 %) (17).

Drei aktuelle Studien aus Großbritannien bestätigen die niederländischen Daten. In einer dieser Studien beurteilten Lehrer von 7 650 Kindern, die repräsentativ für ihre Altersgenossen in ganz Großbritannien waren, am Ende des ersten Schuljahres, inwieweit ihre Schüler das für sie festgesetzte Klassenziel erreicht hatten. Dabei hatten Kinder aus 340/7–366/7 SSW ein 12 % höheres Risiko, am Ende des ersten Schuljahres keinen ausreichenden Leistungsstand zu zeigen; auch Kinder aus 370/7–386/7 SSW hatten im Vergleich zu jenen aus 390/7–406/7 SSW bereits ein erhöhtes Risiko hierfür (18). Die zweite Studie untersuchte 12 089 Reif- und 734 Frühgeborene aus 320/7–366/7 SSW. Die Frühgeborenen hatten ein 1,4-faches Risiko (21 versus 29 %), am Ende des zweiten Schuljahres schlechte Schulleistungen aufzuweisen; dieses Ergebnis änderte sich nicht wesentlich, wenn die Analyse auf Kinder aus 340/7–366/7 SSW beschränkt wurde (19). Schließlich ergab eine Auswertung der Schulleistungen von 407 503 schottischen Schülern, dass ehemalige Frühgeborene aus 330/7–366/7 SSW ein 1½-faches Risiko (4,3 versus 6,5 %) aufwiesen, spezielle Unterstützung in der Schule zu benötigen (20). Auch hier war dieses Risiko bereits bei Kindern aus 370/7–386/7 SSW gegenüber Termingeborenen erhöht.

Nur eine Studie zum langfristigen kognitiven Leistungsstand konnte die vorgenannten Ergebnisse nicht bestätigen. In ihr wurden nahezu 1 300 Kinder aus 340/7–366/7 SSW untersucht, wobei Kinder mit Gesundheitsproblemen in der Neugeborenenzeit (definiert als > sieben Tage dauernder Kranken­haus­auf­enthalt oder eine angeborene Erkrankung) oder solche, die in sozial stark benachteiligten Gegenden lebten, a priori ausgeschlossen worden waren. In dieser selektionierten Gruppe fanden sich im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit Geburt nach 370/7–416/7 SSW keine „konsistent signifikanten“ Unterschiede in der Auswertung der eingesetzten Fragebögen (21).

Zusammenfassend lassen diese Daten die Schlussfolgerung zu, dass bereits eine nur wenige Wochen vor Termin erfolgende Entbindung mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert ist:

  • in der Neugeborenenzeit
  • im jungen Erwachsenenalter
  • mit einem erhöhten Risiko für die Notwendigkeit der Aufnahme auf einer Neugeborenen-Intensivstation
  • mit einem erhöhten Risiko, als junge Erwachsene auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein
  • oder als Grundschüler schlechte Schulleistungen beziehungsweise speziellen Förderbedarf aufzuweisen.

Allerdings können Beobachtungsstudien keinen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang beweisen, und kaum eine der hier vorgestellten Studien wurde in Deutschland durchgeführt. Dennoch sprechen die Konsistenz der hier zusammengetragenen Daten und die klare Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen dem Ausmaß der Unreife und der Höhe des damit verbundenen Risikos für oben genannte Komplikationen für einen kausalen Zusammenhang, auch wenn im Einzelfall die Möglichkeit eines residuellen Konfounding oder auch eines „Confounding by indication“ nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann. Dennoch ist nach Erachten der Autoren aus diesen Daten abzuleiten, dass zumindest in allen Fällen, in denen es um die elektive Festlegung eines Entbindungstermins geht, die Eltern über diese Risiken aufgeklärt und damit in die Lage versetzt werden sollten, eine informierte Entscheidung zu den Risiken eines vorzeitigen Entbindungstermins für ihr Kind zu treffen.

Angesichts dieser Daten stellt sich die Frage, ob sich der Anteil vorzeitiger Entbindungen senken lässt. Bezüglich elektiver Entbindungen führte hierzu ein US-Krankenhausträger eine Qualitätsverbesserungsinitiative durch und verglich in 27 Kliniken die Rate an elektiven Entbindungen (via Geburtseinleitung oder Sectio) vor 390/7 SSW vor und nach Einführung von drei unterschiedlichen Vorgehensweisen zur Reduktion des Anteils dieser Entbindungen:

  • Gruppe 1: ein klares Verbot, Termine für Entbindungen vor 390/7 SSW zu vergeben
  • Gruppe 2: ein Abraten von einer Entbindung vor 390/7 SSW, die Entscheidung über den Entbindungszeitpunkt blieb aber dem einzelnen Arzt überlassen
  • Gruppe 3: eine reine Informationskampagne zu Risiken einer vorzeitigen Entbindung.

Innerhalb von zwei Jahren sank der Anteil elektiver Entbindungen mit 370/7–386/7 Wochen von 9,6 auf 4,3 % (p 0/7 SSW, während es in Gruppe 2 und 3 noch 3,3 beziehungsweise 6,0 % waren. Entsprechend fiel der Anteil der reifen Neugeborenen, die nach Geburt intensivmedizinisch betreut werden mussten, insgesamt von 8,9 auf 7,5 %. Die Gesamtzahl an Entbindungen und der Anteil der Totgeburten blieben im Untersuchungszeitraum unverändert (22). Ein noch stärker ausgeprägter Rückgang des Anteils elektiver Entbindungen vor 390/7 SSW, das heißt von 28 auf ≤ 3 %, wurde von einem Krankenhausverbund in Utah beschrieben. Auch dieser wurde auf eine Kombination aus Aufklärung und Verbot zurückgeführt; wiederum waren keinerlei Nachteile für Mutter oder Kind zu verzeichnen (23). Diese Beispiele belegen eindrucksvoll, dass ein Rückgang der Zahl vorzeitiger elektiver Entbindungen vergleichsweise leicht und ohne nachteilige Auswirkungen für die Patienten möglich ist – gut vorstellbar, dass dies auch für Deutschland gilt.

Die hier zusammengefassten Daten machen deutlich, dass es eine vordringliche Aufgabe bleibt, Konzepte für eine Reduktion elektiver vorzeitiger Entbindungen bezüglich ihrer Übertragbarkeit auf die deutsche Situation zu prüfen und gleichzeitig Lösungsansätze für die Verhinderung von Frühgeburten zu entwickeln. Dabei muss sicherlich zwischen fetomaternalen und nicht-medizinischen Hintergründen für die Festlegung eines Entbindungszeitpunktes differenziert werden – nur letztere dürften einer Änderung zugänglich sein. Auch muss die gegenwärtige Definition der Frühgeburt infrage gestellt werden, impliziert diese doch, dass ein Kind aus 370/7–386/7 SSW, weil „reif“, kein höheres Risiko für peripartale Komplikationen als eines aus ≥ 390/7 Wochen hat, was angesichts der hier zusammengestellten Daten offenbar nicht stimmt.

Danksagung
Die Autoren danken Dr. med. Harald Abele und Dr. med. Rangmar Goelz für ihre kritische Durchsicht des Manuskripts

Interessenkonflikt

Prof. Wallwiener und Prof. Vetter erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Prof. Poets erklärt, dass er Honorare für die Vorbereitung von wissenschaftlichen Fortbildungsveranstaltungen von der Firma Milupa erhielt. Des Weiteren bekam er Kostenerstattung für die Datenerhebung als auch Gelder für ein von ihm initiiertes Forschungsvorhaben von der Firma Chiesi.

Manuskriptdaten
eingereicht: 23. 1. 2012, revidierte Fassung angenommen: 10. 5. 2012

Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Christian F. Poets
Abteilung für Neonatologie
Universitätsklinikum Tübingen
Calwerstraße 7
72076 Tübingen

Zitierweise
Poets CF, Wallwiener D, Vetter K: Risks associated with delivering infants 2 to 6 weeks before term—a review of recent data.
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(43): 721−6. DOI: 10.3238/arztebl.2012.0721

@The English version of this article is available online:

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Frühgeburt in der SSW 24-27

Von einer Frühgeburt sprechen Mediziner dann, wenn ein Baby vor der Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Etwa sieben Prozent aller Schwangerschaften gehen mit einer Frühgeburt zu Ende, jedoch kommt nur ein Prozent aller Babys vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt.

Die Ursachen für eine vorzeitige Geburt lassen sich in vielen Fällen nicht exakt ermitteln. Als häufigster Auslöser gelten Infektionen des Urogenitaltrakts bei der Mutter sowie Schwangerschaftskomplikationen – beispielsweise Schädigungen der Plazenta, Blutarmut oder Gestosen (bestimmte Schwangerschaftserkrankungen, die früher irrtümlicherweise auch als „Schwangerschaftsvergiftungen“ bezeichnet wurden).

Auch chronischer Stress oder Parodontitis (Zahnfleischentzündungen) können zum Auslöser von Frühgeburten werden. Mehrlingsschwangerschaften sowie vorgeburtliche Schädigungen des Kindes sind weitere Risikofaktoren. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation hat gezeigt, dass durch die Rauchverbote in Europa und Nordamerika die Zahl der Frühgeburten in den jeweiligen Ländern deutlich zurückgegangen ist.

Perinatalzentren – bis zur SSW 26 deutlich höhere Überlebenschancen

In Deutschland wird die Behandlung von Frühchen bei einer Geburt bis zum Ende der SSW 26 fast ausschließlich in darauf spezialisierten und entsprechend zertifizierten Perinatalzentren durchgeführt. Medizinische Studien zeigen, dass die Chance der Babys, zu überleben und später nicht unter gravierenden Spätfolgen zu leiden, dort deutlich größer ist.

Für Frühgeburten ab der SSW 27 gibt es zwischen den Perinatalzentren und anderen Krankenhäusern dagegen keine statistisch signifikanten Unterschiede mehr.

Geburt in der SSW 24 – 27 – eine kritische Zeit für Frühchen

Die SSW 24 – 27 sind eine kritische Zeit für eine Frühgeburt. Die Babys kommen in dieser Zeit oft noch mit einem sehr geringen Geburtsgewicht zur Welt, viele Organfunktionen sind noch nicht oder nicht völlig ausgebildet. Eine intensivmedizinische Behandlung mit Atemunterstützung, strikter Kreislaufüberwachung und künstlicher Ernährung ist in dieser Phase unverzichtbar.

Das Risiko dauernder Beeinträchtigungen – neurologische Schädigungen, ernsthafte Seh- oder Hörprobleme, gravierende Lernstörungen – ist vorerst hoch. Viele Kinder gleichen jedoch anfängliche gesundheitliche Probleme und Entwicklungsdefizite im späteren Leben vollständig aus.

Auch verschiedene akute Komplikationen zeigen sich bei sehr früh geborenen Babys besonders häufig. Hierzu zählen beispielsweise Atemprobleme, die Ausbildung einer chronischen Lungenerkrankung, Bewegungsstörungen und eine verstärkte Blutungsneigung, die auch Hirnblutungen nach sich ziehen kann.

Da ihr Immunsystem noch nicht richtig funktioniert, sind die Kinder sehr anfällig für Infektionen – eine strikte Abschirmung von Keimen kann daher überlebenswichtig sein.

Frühgeburten in der SSW 24 – 27 im Überblick

SSW 24

In der SSW 24 misst ein gesundes Baby in der Scheitel-Fersen-Länge etwa 31 Zentimeter und wiegt durchschnittlich 700 Gramm. Für die Körperlänge und vor allem das Geburtsgewicht bei einer Frühgeburt bieten solche Zahlen jedoch nur einen sehr allgemeinen Rahmen.

Durch eine Mangelversorgung im Mutterleib kann das Gewicht von Frühchen jetzt und in den folgenden Wochen auch deutlich niedriger als die jeweiligen Durchschnittswerte sein. In der medizinischen Literatur werden Fälle beschrieben, dass Babys in der SSW 24 oder 25 mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm geboren wurden und – zum Teil sogar ohne dauerhafte Entwicklungsdefizite – überlebten.

Frühchen, die zum Ende der SSW 24 das Licht der Welt erblicken, haben eine statistische Überlebenswahrscheinlichkeit von 67 Prozent – eine Woche vorher hätte dieser Wert noch bei 53 Prozent gelegen. In der SSW 24 sind zwar alle wichtigen Organe angelegt, haben ihre volle Funktionsfähigkeit jedoch noch lange nicht erreicht.

Die größte Schwachstelle besteht jetzt und in den folgenden Wochen im Stand der Lungenreifung. Auch das Gehirn, Ausscheidungs- und blutbildende Organe, das Immunsystem und der Verdauungstrakt haben noch wichtige Entwicklungsschritte vor sich. Auch seinen Wärmehaushalt kann das Kind noch lange nicht eigenständig regulieren.

SSW 25

In der SSW 25 ist das Baby etwa 33 Zentimeter lang und wiegt durchschnittlich 800 Gramm. Die Überlebenswahrscheinlichkeit von Frühgeborenen liegt jetzt bereits bei 82 Prozent und hat damit im Vergleich zur SSW 24 einen großen Sprung gemacht.

Falls angeborene oder während der Geburt erworbene Schädigungen einer Behandlung nicht entgegenstehen, sind die Ärzte in der SSW 25 erstmals verpflichtet, alle in ihren Möglichkeiten stehenden lebenserhaltenden Maßnahmen – notfalls auch gegen den Elternwillen – einzusetzen. In den vergangenen Wochen waren intensivmedizinische Therapien noch eine ärztliche Ermessensfrage.

Bei einer Frühgeburt in der SSW 25 benötigt das Baby künstliche Atemunterstützung, auch sein Herzschlag hat sich noch nicht auf einen bestimmten Rhythmus eingependelt. Für eine keimfreie Umgebung und die Regulierung des Wärmehaushalts sorgen der Inkubator – der sogenannte „Brutkasten“ – und ein Wärmebett.

Wichtig ist eine stetige Gewichtszunahme – optimal sind mindestens 85 Gramm pro Tag. Ein in der SSW 25 geborenes Baby ist noch nicht in der Lage, selbstständig zu trinken. Kinder mit einem Gewicht unter 1.000 Gramm und alle Babys, die künstlich beatmet werden müssen, werden zunächst intravenös über einen Venenschlauch ernährt.

Sobald der Verdauungstrakt des Kindes funktioniert, erhält es über eine Magensonde Muttermilch oder spezielle Frühgeborenen-Nahrung. Die Sonden-Ernährung wird beibehalten, bis das Kind sicher atmet und das Saugen, Schlucken, seine Atmung sowie seinen Würgereflex koordinieren kann.

SSW 26

In der SSW 26 ist das Baby 34 bis 36 Zentimeter lang und wiegt durchschnittlich 800 Gramm.
Bei Frühchen, die in dieser Schwangerschaftswoche geboren werden, wirkt sich die vorgeburtliche Gewichtszunahme aus. Ihre Überlebenswahrscheinlichkeit liegt jetzt bei 85 Prozent – auch ihre Chancen, dass die vorzeitige Geburt keine langfristigen gesundheitlichen Folgen hat, werden jetzt immer größer.

In der SSW 26 sind die Augen und Ohren des Babys durch die Ausbildung entsprechender Nervenbahnen mit der Großhirnrinde bereits gut vernetzt, wodurch das Risiko späterer Seh- und Hörprobleme sinkt. Auch bei einer Geburt in der SW 26 sind jedoch intensivmedizinische Unterstützung und „künstliche“ Ernährung nötig.

SSW 27

Viele Babys erreichen in der SSW 27 die Gewichtsmarke von 1.000 Gramm oder überschreiten sie sogar bereits, ihre Körperlänge beläuft sich jetzt auf etwa 36 Zentimeter. Die Überlebenschancen von Frühgeborenen haben sich in dieser Woche auf 95 Prozent erhöht. Die Gefahr von schweren Komplikationen und Spätfolgen durch die Frühgeburt wird jetzt allmählich geringer.

In der SSW 27 macht das Gehirn des Kindes durch die Herausbildung der Gehirnfurchen einen wichtigen Entwicklungssprung, was die Gefahr neurologischer Schädigungen vermindert. Durch den Mangel an Surfactant – einer oberflächenaktiven Substanz, die dafür sorgt, dass die Lungenbläschen nicht verkleben – bleibt die Lungenfunktion von Frühgeborenen auch in der SSW 27 problematisch.

Auch wenn die Lungenreifung durch Medikamente gefördert wird, kann auf die Atemunterstützung meist noch nicht verzichtet werden.

Bei einer Geburt in der SSW 27 nimmt das Kind seine Umgebung bereits mit allen Sinnen wahr. Körperlicher Kontakt, Streicheln, die Stimmen seiner Eltern sind für jedes Frühgeborene von seiner ersten Lebensminute an wichtig – in der SSW 27 ist das Frühchen vielleicht körperlich schon so stabil, dass es den Inkubator für einige Zeit verlassen und in den Armen seiner Eltern liegen kann.

Und wann kann es nach Hause gehen?

Babys, die in der SSW 24 – 27 geboren werden, steht ein langer Aufenthalt im Krankenhaus bevor. Nach Hause dürfen sie erst, wenn die Nahrungsaufnahme funktioniert, sie stetig an Gewicht zunehmen und ihre Organfunktionen stabil sind. Oft akzeptieren die Ärzte eine Entlassung aus der Frühgeborenen-Station erst um die 38. Schwangerschaftswoche – also im Umfeld des regulären Geburtstermins – oder wenn das Baby ein Gewicht von 2.500 Gramm erreicht hat.

Bei sehr früh geborenen und sehr fragilen Kindern kann es bis dahin aber auch noch einige Wochen länger dauern. Oft stehen Ärzte und Schwestern der Stationen den Eltern von Frühgeborenen auch danach als Ansprechpartner bei Fragen und Problemen zur Verfügung. Die alltägliche Unterstützung nach der nach der Entlassung aus der Klinik wird durch eine Nachsorgehebamme übernommen.

Die 25. Schwangerschaftswoche (25. SSW)

Kommt es zu einer Frühgeburt, ist Ihr Baby jetzt bereits überlebensfähig. Ab der 25. Schwangerschaftswoche spürt sicher auch der Vater von aussen die Tritte vom Baby. Ihr Bauch wird immer mehr gedehnt. Vielleicht kommt es dadurch zu Juckreiz oder Schwangerschaftsstreifen.

Unterentwickelte Organe sind die grössten Probleme bei einer Frühgeburt. Foto: iStock, Thinkstock

  • 12

Entwicklung Baby:
Frühgeburt bereits überlebensfähig

Ihr Baby legt in den letzten Wochen der Schwangerschaft weiter kräftig an Gewicht zu. Ab jetzt sind es circa 80 bis 90 Gramm pro Woche. In dieser Woche wiegt Ihr Kleines ungefähr 720 Gramm und ist 22 Zentimeter lang (Scheitel-Steiss-Länge). Unter der Haut des Babys bilden sich Blutgefässe, sogenannte Kapillargefässe, die der Haut den rosigen Ton geben werden. Die Hautfarbe von weissen und farbigen Babys unterscheidet sich jetzt übrigens noch nicht.

In der Regel werden intensivmedizinische Massnahmen ab der 25. Schwangerschaftswoche eingesetzt, kommt es bereits jetzt zu einer Frühgeburt. Der Fötus ist überlebensfähig. Obwohl sich die Überlebenschancen der Frühchen in den letzten Jahren und Jahrzehnten nach vorn verschoben haben, ist dies jedoch keinesfalls garantiert und Folgeschäden können nicht ausgeschlossen werden. Die noch nicht voll entwickelten Lungen, aber auch das noch unterentwickelte Gehirn stellen dabei die grössten Probleme dar.

Veränderungen in der Schwangerschaft:
Vater kann Baby spüren

Inzwischen spüren Sie sicher auch von aussen, wenn Ihr Baby Purzelbäume schlägt. Vielleicht können Sie sogar schon fühlen, wenn eine kleine Hand oder ein kleiner Fuss gegen die Bauchdecke stösst. Dies ist besonders auch für den Vater sehr schön zu fühlen und kann ihm eventuell dabei helfen, zu seinem ungeborenen Kind schon eine Bindung aufzubauen.

Nicht nur erkennen Sie mittlerweile wahrscheinlich einen Wach- und Schlafrhythmus bei Ihrem Baby, sondern Sie können vielleicht auch sogar schon Rückschlüsse auf das mögliche Temperament Ihres Kindes ziehen. Haben Sie einen forschen und energiegeladenen kleinen Kicker in Ihrem Bauch oder eher ein besonnenes und ruhiges Baby? Besonders wenn dies nicht Ihre erste Schwangerschaft ist, fällt es Ihnen möglicherweise leicht Unterschiede festzustellen.

Tipps für die werdende Mutter: Juckreiz am Bauch

Die Haut auf Ihrem Babybauch kann nun eventuell mit Juckreiz auf die Überdehnung reagieren. Auch Schwangerschaftsstreifen sind jetzt vielleicht zu finden. Verwöhnen Sie Ihren Bauch mit Öl oder Cremes. Hitze kann den Juckreiz noch verstärken. Ist es deshalb draussen warm, achten Sie auf luftige Kleidung. Falls Ihr Juckreiz sehr stark ist, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen. Dies könnte ein Symptom für eine Schwangerschafts-Cholestase sein, einer Lebererkrankung, die zwar sehr selten ist, aber für Ihr Ungeborenes gefährlich sein kann.

Text: Julia Wohlgemuth

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Welche Chancen hat ein Frühchen ab der 30. SSW?

Eine Frühgeburt ist die Angst vieler werdender Mütter. Vor allem Kindstod und Behinderungen sind die Horrorszenarien, die sie beschäftigen. Ob diese Ängste begründet sind und wie wahrscheinlich sie ab der 30. Schwangerschaftswoche noch sind, erfährst du bei uns.

Mögliche Ursachen für Frühgeburten

Die WHO hat 2012 einen Bericht über Frühgeburten veröffentlicht, laut dem die häufigsten Gründe für Frühgeburten ein spontanes Einsetzen der Wehen aus teilweise medizinischen Gründen aber manchmal auch ungeklärten Ursachen seien. Auch seien oft Schwangerschaften mit Mehrlingen, Infektionen oder Krankheiten, wie Diabetes und hoher Blutdruck schuld an der vorzeitigen Geburt eines Frühchens.

Folgen von Frühgeburten

Trotz den Errungenschaften der modernen Medizin, können Frühchen immer noch erhebliche Schäden davontragen, da die Entwicklung lebenswichtiger Organe außerhalb des Mutterleibes langsamer von Statten geht.Vor allem vor der 24. Schwangerschaftswoche haben die Frühchen laut dem Familienmagazin Eltern.de kaum eine Überlebenschance. Danach jedoch steigerte sich die Lebenswahrscheinlichkeit von Woche zu Woche und ab der 30. Schwangerschaftswoche lägen sie bei 97 Prozent. Auch Behinderungen seien statistisch gesehen nicht mehr so häufig: die Rate liegt bei 15 Prozent.

Dennoch kann es für Frühchen zu Langzeitfolgen, wie Hyperaktivität, Lese- Rechtschreibschwächen, Autismus oder Asthma kommen. Das Portal familie.de empfiehlt um diesen entgegenzuwirken das sogenannte Känguruhen, bei dem den Frühchen durch engen Körperkontakt auf der nackten Brust der Mutter bei Entwicklungsproblemen geholfen werden soll. Das Elisabeth Krankenhaus Essen bestätigt, dass mit dieser Technik die Atmung der Frühchen verbessert werden kann und sie häufig schneller an Gewicht zunehmen.

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Das Baby meiner besten Freundin war eine Frühgeburt. Der Kleine kam in der 30. Schwangerschaftswoche zur Welt. Er hatte Glück. Weil sie bereits ein Jahr zuvor ein Baby nach vorzeitigen Wehen in der 23. SSW verloren hatte, reagierte sie richtig. Auch in dieser Schwangerschaft setzen die Wehen in der 24. Woche ein. Im Krankenhaus konnte die Geburt sechs weitere Wochen hinausgezögert werden und das Baby hat überlebt.

Weil es bei einer Frühgeburt sehr wichtig ist, schnelle ärztliche Hilfe zu erhalten, möchte ich Dir heute das Wichtigste darüber erklären – sodass auch Du im Zweifel richtig reagieren kannst.

Inhalt

Wann spricht man von einer Frühgeburt?

Wenn ein Baby weniger als 260 Tage im Mutterleib war, also vor der SSW 37+0 geboren wird, bezeichnet man es als Frühgeburt. Meist wiegen diese Kinder weniger als 2.500 Gramm und sind noch nicht voll entwickelt. Jedes 10. Baby weltweit kommt zu früh zur Welt, in Deutschland sind es etwas weniger.

Die kleinste überlebende Frühgeburt kam in Deutschland in SSW 21+5 zur Welt und wog 460 Gramm.

Gibt es Anzeichen für eine Frühgeburt?

Eine Frühgeburt wird angekündigt von vorzeitigen Wehen oder einem vorzeitigen Blasensprung. Die meisten Frauen haben im Laufe der Schwangerschaft, etwa ab der 20. SSW, sogenannte Übungswehen.

Diese kannst Du von vorzeitigen Wehen unterscheiden, weil sie nicht regelmäßig und weniger stark sind. Vorzeitige Wehen dagegen wirken auf den Muttermund ein, dieser verkürzt sich und öffnet sich, wenn die Wehen andauern. Im Zweifelsfall solltest Du lieber einmal zu oft, als zu wenig einen Arzt aufsuchen.

Bei fast der Hälfte aller Fälle ist die Ursache für eine Frühgeburt nicht endgültig festzustellen. Die häufigste Ursache ist eine aufsteigende vaginale Infektion der Mutter. Das heißt, die bakterielle Infektion steigt von der Vaginalschleimhaut über den Muttermund bis zur Gebärmutter auf. Dort kann sie entweder vorzeitige Wehen oder einen frühzeitigen Blasensprung auslösen.

Gründe für eine Frühgeburt

  • Schwangerschaftskomplikationen wie eine Plazentainsuffizienz, Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck in der Schwangerschaft
  • übermäßige psychische Belastung der Mutter, Dauerstress
  • übermäßige körperliche Belastung der Mutter (z.B. schweres Heben, langes Stehen)
  • Alkohol, Drogen oder Nikotin
  • Fehlbildung oder Chromosomenaberration beim Fötus
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Rhesus-Inkompatibilität
  • Erkrankung der Mutter wie Diabetes oder Magersucht

Frühgeburt vorbeugen

Risiko verringern

Gegen einige dieser möglichen Ursachen kann man leider nichts unternehmen. Anderen Faktoren hingegen kann man vorbeugen:.

Viel schonen, wenig Stress, aufmerksame Selbstbeobachtung. Wenn schon einmal eine Fehlgeburt aufgetreten ist oder Du früher in der Schwangerschaft vorzeitige Wehen hattest, sind engmaschige Kontrollen beim Arzt ratsam. Am Arbeitsplatz sollten die Richtlinen aus dem Mutterschutzgesetz beachtet werden: Nicht lange stehen, nicht schwer heben, keine Fließband- oder Nachtarbeit.

Weil eine frühere Fehl- oder Frühgeburt das Risiko erhöht, wird manchmal in einer Operation ein sog. Muttermundverschluss vorgenommen. Dieser löst sich zwar bei starken Wehen, verhindert aber ein Aufsteigen von Bakterien und Keimen in die Gebärmutter, wo sie eine Frühgeburt auslösen können.

Rechtzeitig reagieren

Hilfreich ist es im Ernstfall, wenn Du über den normalen Verlauf einer Schwangerschaft Bescheid weißt. So kannst Du rechtzeitig reagieren, wenn zum Beispiel vorzeitige Wehen oder Blutungen während der Schwangerschaft auftreten. Dann ist es wichtig, immer rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen. Nicht denken “Das wird schon wieder aufhören”!

Bei jeder Art von Unterleibsschmerzen und Wehentätigkeiten, die mehrmals und vor allem regelmäßig auftreten, wenn Flüssigkeit oder Blut aus der Scheide austritt, solltest Du sofort zum Arzt gehen.

Denn in vielen Fällen kann die frühzeitige ärztliche Versorgung das Leben Deines Babys retten. Bei vorzeitigen Wehen kann Wehenhemmer verabreicht werden, eine Infektion als Ursache kann man mit Antibiotika behandeln.

So wird eine Geburt möglichst lange hinausgezögert, um dem Fötus Zeit für die weitere Entwicklung zu geben. Ab etwa der 34. SSW sind Babys im Mutterleib übrigens “fertig” und nehmen nur noch an Gewicht zu.

Was passiert, wenn man eine Frühgeburt nicht mehr verhindern kann?

Wenn die Fruchtblase bereits geplatzt ist oder der Muttermund weiter als 3 cm geöffnet ist, können allerdings auch Ärzte eine Geburt nicht mehr verhindern. Wenn die Zeit es zulässt, wird die Schwangere in ein geeignetes Krankenhaus verlegt.

Hat sich das Kind noch nicht gedreht oder ist zu schwach für die Geburt, wird ein Kaiserschnitt durchgeführt. In der Regel geht man davon aus, dass ein Frühgeborenes erst ab der 22. SSW überleben kann.

Früher werden meistens keine lebenserhaltenden Maßnahmen begonnen. Die Überlebenschancen steigen mit jedem Tag, den es zusätzlich im Mutterleib verbringt. Ab der 28. SSW liegen sie bei nahezu 100%.

Was passiert nach der Frühgeburt mit Mama und Baby?

Medizinische Versorgung

Das Hauptproblem für Frühchen ist die Unreife der Organe, vor allem der Lungen. Wenn diese noch nicht bereit ist, Sauerstoff zu atmen, würden die Lungenbläschen kollabieren. Zur Beschleunigung des Lungenreifeprozesses werden bei drohender Frühgeburt deshalb oft Kortikoide gegeben (“Lungenreife”).

Auch andere Organe können Probleme verursachen, z.B. sind die Nieren und das Immunsystem noch nicht ausgereift und durch eine Verletzung der empfindlichen Blutgefäße kann es zu Hirnblutungen kommen.

Ein Frühchen muss deshalb auf der Neonatologie bleiben, bis es körperlich weit genug entwickelt ist und nicht mehr intensivmedizinisch versorgt werden muss. Dort wird es gleich nach der Geburt in einen Brutkasten gelegt, der es wärmt, überwacht und vor Infektionen schützt.

Ernährt werden sehr kleine Frühchen mit einem Wasser-Zucker-Gemisch. Sobald der Darm reif genug ist, gibt es abgepumpte Muttermilch, meist mit spezieller Frühchen-Nahrung versetzt.

Ernährung und Stillen

Viele Mütter von Frühgeborenen möchten gerne stillen, häufig sind die Babys aber zu schwach, um Milch aus der Brustwarze zu saugen. Einmal ans Fläschchen gewöhnt, fällt die Umstellung dann schwer. Allerdings ist es nicht unmöglich, auch ein Frühchen noch voll zu stillen.

Je früher ein Baby zur Welt kommt, desto unreifer ist es. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Spätfolgen eintreten (kognitive Beeinträchtigungen, neurologische und körperliche Behinderungen, ADHS, und anderen Krankheiten).

Heute ist der Kleine meiner Freundin schon fast 1 Jahr alt. Er hatte Glück und ist kerngesund und zuckersüß. Trotz allem, was sie durchgemacht hat, spricht meine Freundin schon jetzt von einem weiteren Baby. Einem dritten in diesem Fall.

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Ein persönlicher Bericht: Annett und die Frühgeburt ihrer Tochter in der 25. SSW

Ich weiß aber auch, dass es nicht allen Schwangeren so geht. In meinem Freundeskreis gibt es ein paar Frauen, die regelrecht bangen mussten, deren Schwangerschaft alles andere als unproblematisch verlief. Frauen, deren Schwangerschaften von Sorgen und Komplikationen überschattet waren. Annett ist so ein Fall. Wir kennen uns, seitdem unsere Söhne noch ganz klein sind, erlebten ein, zwei Sommer recht intensiv miteinander und so auch dann ihre zweite Schwangerschaft. Ich weiß noch, wie wir Frauen in diesem Hinterhof, in dem wir uns so oft versammelten, mit ihr bangten, als sich bei ihr sehr früh Komplikationen abbildeten: Blutungen und ein Hämatom in der 8. SSW. Viele Tage, die sie seitdem und früh liegen musste und dann der große Schock, als in der 19. SSW ihre Fruchtblase sprang und ihr die Ärzte im Krankenhaus keine Chance für sie und ihr Kind einräumten. Man legte ihr damals sogar recht unmittelbar einen späten Schwangerschaftsabbruch nahe.

Aber Annett hörte nicht auf zu glauben, dass es einen Weg geben könnte und kämpfte um jeden Tag, den ihr Ungeborenes unter ihrem Herzen gedeihen durfte. Ihre Tochter wurde schließlich in der 25. SSW geboren, als mit einsetzenden Wehen die Geburt nicht mehr aufzuhalten war. Die Ärzte sagten ihr damals, dass ein Drittel der so Frühgeborenen einen solchen Start nicht überlebten. Ein weiteres Drittel würde es schaffen, wenn auch mit gesundheitlichen Einschränkungen und das letzte Drittel würde ohne Konsequenzen aus einer so frühen Geburt hervorgehen.

Ich wusste bis dahin nicht mal, dass ungeborene Kinder überhaupt überleben können, wenn die Fruchtblase springt, sie quasi auf dem Trockenen oder nur noch in einer Pfütze Fruchtwasser sitzen. Umso erstaunlicher finde ich, wie Annetts Tochter sich durchgebissen und alle Pessimisten Lügen gestraft hat.

Heute erzählt uns Annett als Gastautorin diese Geschichte – vor allem, wie sie die Zeit mit ihrer so sehr kleinen Tochter auf der Neonatologie erlebt hat.

Ich könnte diesen Artikel mit den Worten beginnen: „Juhu, wir bekommen ein zweites Kind!“. Denn genau das waren meine Gedanken, als ich nach über einem Jahr Hoffen und Bangen endlich wieder einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten konnte.

Doch stattdessen beginne ich lieber mit den „harten Fakten“ unserer zweiten Geburt, denn diese waren es, an denen ich mich in den ersten Tagen und auch den weiteren Wochen auf der Neointensivstation immer festgehalten habe.

Die ersten Zahlen, die uns in dieser Zeit begegneten (und selbst ein Jahr später immer noch viele Experten in Staunen versetzten) waren: 25+6, 570g, 33cm. Das sind die Geburtswerte unserer Tochter. Sie wurde nach einer mehr als komplizierten und schwierigen Schwangerschaft 100 Tage zu früh geboren und verbrachte bis zu ihrer Entlassung im März 2015 103 Tage auf der Intensivstation für Frühgeborene.

Schaue ich noch heute in meine Kalenderaufzeichnungen aus dieser Zeit, stehen dort hauptsächlich weitere solcher Zahlen. Alles dreht sich um Körpergewicht (zum ersten Kilo gab es einen Luftballon an den Inkubator; was für ein Meilenstein), Körpergröße, Nahrungsmengen, die über die Sonde gegeben wurden und gerade mal im einstelligen Milliliter-Bereich liegen, und ganz viele erste Male. Nicht nur das erste Kilo war ein großer Erfolg, sondern auch das erste Mal zu kuscheln (zu känguruhen) anstatt nur ihre Hand zu halten oder die Hand auf ihren Körper zu legen; sie das erste Mal hören zu können, denn das war durch die Beatmungsmaschine in der ersten Zeit überhaupt nicht möglich.

Das erste Mal selbstständig die Windeln zu wechseln, die anfangs kaum größer als ein Taschentuch waren und sie pflegen zu dürfen. Selbst das erste Bad, was beim zweiten Kind nicht mehr als solche Besonderheit gelten dürfte, schließlich hat man das beim ersten ja schon tausend Mal gemacht, war ein ganz besonderer Augenblick. Der erste Besuch vom großen Bruder, der alle Maschinen drumherum super interessant fand und entgegen unserer Ängste alles viel entspannter empfand und aufnahm als wir es uns gedacht haben. Und sie das erste Mal zu stillen! Ich hätte niemals geglaubt, dass das überhaupt klappen könnte, aber sie stellte sich da als wahres Naturtalent heraus. Zwar reichte ihre Kraft anfangs kaum für zwei, drei Schlucke aus, doch selbst das war schon ein unbeschreibliches Gefühl.

Man kann auf der Neointensivstation einfach nur da sein. Mehr geht nicht.

Ich könnte noch mehr dieser (unserer) Meilensteine auflisten, doch was eigentlich hinter all diesen Zahlen, Fakten und ersten Malen steckt, ist ein großes Gefühl der Ohnmacht, der Hilflosigkeit, des Nicht-mehr-tun-könnens. Man kann auf der Neointensivstation einfach nur da sein. Mehr geht nicht. Ich konnte für mein 33cm „großes“ Baby, das noch 3 Monate geschützt, gewärmt, genährt, geschaukelt und geborgen in meinem Bauch sein sollte, nicht mehr tun, als einfach nur da zu sein. Ich konnte für sie weder das Atmen übernehmen, noch die Nahrungsaufnahme. Weder das Wachsen und Zunehmen, noch den Schmerz abnehmen bei jeder einzelnen Injektion und Infusion. Ich konnte für sie nicht diese dämliche Magensonde (entweder durch Nase oder Mund) aushalten und konnte auch nicht die Atemmaske für sie tragen, die ihre zarte Nase und ihr wunderschönes Gesicht immer so deformiert hat.

Ich konnte für sie nicht die lauten Geräusche und das ständige Piepen ihres eigenen Überwachungsmonitors oder das der anderen Frühgeborenen im Zimmer ausstellen und konnte ihr auch nicht das helle Licht nehmen, das bei jeder Untersuchung, bei jedem Besuch auf sie einfiel. Und ich hätte es so gern für sie getan. Ich hätte gerne irgendetwas für sie getan. Mehr, als „nur“ da zu sein, mehr als „nur“ zu kuscheln oder „nur“ meine Muttermilch für die Sondierung abzupumpen.

Und neben diesem Gefühl der Ohnmacht nichts „Richtiges“ tun zu können, gaben diese Zahlen mir etwas, woran ich mich festhalten, mich orientieren konnte. Etwas Konkretes, etwas, das ein Vorankommen, eine Entwicklung zeigte in der Zeit des Nicht-verstehen-könnens. Sie machten diese Zeit, die geprägt war von Unsicherheiten, Ängsten und emotionalen Achterbahnfahrten zumindest teilweise greifbarer. Und auch wenn heute einige Erinnerungen an die Zeit auf der Neointensiv und gerade auch an viele dieser Zahlen verblassen, so bleiben folgende Fakten wahrscheinlich für immer präsent: 570g und 33cm.

Wie es nach der Neonatologie weiterging

Annett hat ihre Tochter entgegen aller anfänglichen Prognosen schließlich und nach über 100 Tagen mit nachhause nehmen dürfen. Sie sagt, abseits des Krankenhauses hätte sie ihr zweites Kind dort noch einmal neu kennenlernt. Ihrer Tochter geht es unterdessen gut. Sie hatte trotz ihrer so frühen Geburt keine Hirnblutungen und auch die sechs Wochen Schwangerschaft ohne Fruchtwasser haben keinen Lungenschaden verursacht oder sogenannte Kontrakturen – also versteifte Gelenke, wie sie Kinder unter solchen Bedingungen und ob der Zwangslage in der Gebärmutter manchmal entwickeln. Einzig die Augen hätten behandelt werden müssen, nachdem ihre Tochter eine Frühgeborenen-Retinopathie entwickelt hatte, wie es in der Fachsprache heißt. Eine Folge der anfänglich hochdosierten und zusätzlichen Sauerstoffgaben. Weil das aber so früh erkannt und behandelt worden sei, gingen die Ärzte von keinen weiteren Auswirkungen aus.

Ganz ohne Hürden, meint Annett, sei die Zeit natürlich trotzdem nicht gewesen und sie und ihre Familie hätten auch immer mal wieder Rückschritte hinnehmen müssen. Wie etwa die Lungenentzündung, die ihre Tochter mit drei Wochen entwickelte und ihr das ohnehin mühselige, selbstständige Atmen zusätzlich erschwerte.

Im Abgleich zu Familien und deren Kindern, die sie auf der Neonatologie kennengelernt habe und all den Komplikationen, wie sie bei so extrem Frühgeborenen zuweilen aufträten (neben Hirnblutungen und Lungenschäden zum Beispiel auch Herzfehler), sei ihre Tochter aber sehr unbeschadet davon gekommen. Wenn das im Krankenhaus auch noch nicht absehbar gewesen sei, sagt Annett, und sie während dieser Zeit nur habe vertrauen können.

Annetts Tochter hat sich regelrecht ins Leben gekämpft und feiert dieses Jahr ihren dritten Geburtstag. Sie sei ein sehr lebensfrohes und lustiges Kind, sagt Annett und “wir unglaublich dankbar, dass uns dieses kleine Fräulein Wunder geschenkt worden ist.”

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