Fetale makrosomie ursachen

Makrosomie

Als feta­le Ma­kro­so­mie be­zeich­net man ei­ne un­ver­hält­nis­mä­ßi­ge Grö­ße von Kör­per­tei­len oder Or­ga­nen. Schwan­ger­schaften mit ei­ner feta­len Ma­kro­so­mie sind Ri­si­ko­schwan­ger­schaften.

De­fi­ni­ti­on der feta­len Ma­kro­so­mie

Die Ma­kro­so­mie ist de­fi­niert als ein Ge­burtsge­wicht ober­halb der 95. Per­zen­ti­le (4.350 g). Sie kann nur nach der Ge­burt dia­gnos­ti­ziert wer­den, un­ab­hän­gig von ver­schie­de­nen Ul­tra­schallmes­sun­gen, die vor der Ge­burt statt­ge­fun­den ha­ben.

Ur­sa­che der feta­len Ma­kro­so­mie

Die Ur­sa­chen für ei­ne feta­le Ma­kro­so­mie sind viel­fäl­tig. Zu den Ur­sa­chen und Ri­si­ko­fak­to­ren ge­hö­ren u.a.

  • müt­ter­li­che Dia­be­tes mel­li­tus
  • Ge­sta­ti­ons-Dia­be­tes (Schwan­ger­schafts­dia­be­tes)
  • ex­tre­me Ge­wichts­zu­nah­me in der Schwan­ger­schaft
  • Adi­po­si­tas

Sta­tis­tik

Et­wa zwei Pro­zent al­ler adi­pö­sen Schwan­ge­ren mit ei­nem BMI zwi­schen 26 und 29 be­kom­men rein sta­tis­tisch ma­kro­so­me Neu­ge­bo­re­ne mit ei­nem Ge­burts­ge­wicht von mehr als 4.500 g. Ein BMI von mehr als 29 lässt die Wahr­schein­lich­keit auf et­wa 3,5 Pro­zent an­stei­gen.
Ver­län­ger­te Schwan­ger­schaft und zeit­li­che Über­tra­gung: Ei­ne Stu­die be­legt, dass die Häu­fig­keit von Ma­kro­so­mie nach der 40. Schwan­ger­schafts­wo­che zu­nimmt.
Mul­ti­pa­ri­tät: Ma­kro­so­me Neu­ge­bo­re­ne wer­den si­gni­fi­kant häu­fi­ger von Frau­en ge­bo­ren, die zu­vor schon meh­re­re Kin­der ge­bo­ren ha­ben.

Fol­gen der feta­len Ma­kro­so­mie

Vie­le Ärz­te ra­ten bei ma­kro­so­men Fö­ten von ei­ner va­gi­na­len Ge­burt ab, da wäh­rend der Ge­burt die Be­las­tun­gen für Mut­ter und Kind zu groß sind. Es hat sich ge­zeigt, dass bei ma­kro­so­men Fe­ten ober­halb von 4.000 bis 4.500 g wäh­rend der va­gi­na­len Ge­burt ein 2,5 fach hö­he­res Ri­si­ko ei­ner neu­ro­lo­gisch be­ding­ten Stö­rung durch Schä­di­gung des Ple­xus bra­chia­lis (auf­grund ei­ner Schul­ter­dys­to­kie) be­steht, als bei nor­mal­ge­wich­ti­gen Fö­ten.

Ma­nage­ment bei feta­ler Ma­kro­so­mie

Ge­bur­ten von ma­kro­so­men Kin­dern sind Ri­si­ko­ge­bur­ten und soll­ten in Pe­ri­na­ta­l­zen­tren von er­fah­re­nen Ge­burts­hel­fernGe­burts­hel­fe­rin­nen durch­ge­führt wer­den. Mit den fol­gen­den müt­ter­li­chen und kind­li­chen Kom­pli­ka­ti­on muss häu­fi­ger ge­rech­net wer­den:

  • Schul­ter­dys­to­kie
    Ge­burts­hilf­li­che Kom­pli­ka­ti­on
  • Asphyxie
    nied­ri­ge AP­GAR-Wer­te
  • Pe­ri­na­ta­le Mor­ta­li­tät
    kind­li­che Sterb­lich­keit nach der Ge­burt
  • Post­par­ta­le Blu­tung
    Blut­ver­lust von mehr als ei­nem Li­ter nach der Ge­burt
  • Pro­tra­hier­ter Ge­burts­ver­lauf und se­kun­dä­rer Kai­ser­schnitt
    ver­län­ger­ter Ge­burts­ver­lauf und Kai­ser­schnit­t­ent­bin­dung
  • Blut­zu­cker­wer­te
    Nach der Ent­bin­dung wer­den die Ärz­teÄrz­tin­nen die Blut­zu­cker­wer­te und die Elek­tro­ly­te des Neu­ge­bo­re­nen sorg­fäl­tig be­ob­ach­ten, weil vie­le Ba­bys, die sehr schwer sind, Pro­ble­me mit dem Blut­zu­cker und den Elek­troy­ten ha­ben.

Englisch: macrosomia

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Definition
  • 2 Ätiologie
  • 3 Klinik und Diagnostik
  • 4 Vorgehen

1 Definition

Man spricht von Makrosomie, wenn das Geburtsgewicht des Kindes über der 95. Perzentile liegt.

2 Ätiologie

Ein Gestationsdiabetes oder ein Diabetes mellitus der Mütter begünstigen ein hohes Geburtsgewicht. Eine Makrosomie kann aber auch genetisch bedingt sein.

3 Klinik und Diagnostik

Die äußere Untersuchung im dritten Trimenon kann eine Makrosomie aufdecken. Die Bestätigung erfolgt durch fetometrische Untersuchungen. Ein Gestationsdiabetes und ein Diabetes mellitus gehen häufig mit einem Polyhydramnion einher; außerdem besteht für das Kind u.a. ein erhöhtes Risiko für eine Plazentainsuffizienz sowie eine postpartale Hypoglykämie. Wenn eine Makrosomie zufällig entdeckt wird und kein Gestationsdiabetes oder Diabetes mellitus bekannt ist, sollte ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT) durchgeführt werden.

Wenn eine fetale Makrosomie genetisch bedingt ist, bestehen bis auf ein erhöhtes Risiko für eine Schulterdystokie keine weiteren Risiken.

4 Vorgehen

Wenn eine Makrosomie vor dem dritten Trimenon festgestellt wird, kann eine übermäßige Gewichtszunahme durch eine verbesserte Blutzuckereinstellung verhindert werden.

Bei im dritten Trimenon bestehender Makrosomie bei Diabetes mellitus der Mutter, ist eine primäre Sectio indiziert. Auf Wunsch der Schwangeren kann aber auch eine frühzeitige vaginale Entbindung eingeleitet werden.

Aufgrund der möglichen postpartalen Komplikationen sollte das Kind nach der Geburt sorgfältig überwacht werden.

Babys XXL

Trend zu sehr hohem Geburtsgewicht nimmt in Österreich zu

Wir staunen, wenn wir hören, dass ein Baby mit fünf Kilos und 60 Zentimetern geboren wurde. Dabei nimmt die Zahl großer Babys – makrosome Neugeborene nennt sie die Medizin – seit Jahren kontinuierlich leicht zu.

Das Kinderzimmer ist fertig eingerichtet, im Bettchen liegt ein kleiner Stoffbär, der auf Gesellschaft wartet, darüber spannt sich ein Musikmobile, das leise Mozarts Wiegenlied spielt. Im Babykasten stapeln sich Bodys, Strampler und Söckchen, aber nicht wie üblich in Größe 50, sondern in Größe 62. Das tragen sonst Kinder mit drei Monaten. Leni, deren Eltern ihr Kinderzimmer liebevoll vorbereitet haben, wird schon bald, nämlich am 25. April um 10.25 Uhr, zur Welt kommen. Dieser genaue Geburtstermin wurde mit dem Arzt vereinbart, der Leni per Kaiserschnitt aus dem Bauch ihrer Mama holen wird. Sie ist nämlich so groß und so schwer, dass es zu gefährlich wäre, wenn sie den „normalen“ Geburtsweg nehmen müsste.

Wenn Größe zum Problem wird

Fünf Kilo und 20 Gramm wird Leni an ihrem Geburtstag schwer sein und das bei einer Größe von 59 Zentimeter. Das konnte der Arzt ziemlich genau ausrechnen. Leni ist schon lange keine Ausnahme mehr. Der Trend zu großen Babys – makrosome Neugeborene werden sie in der Fachsprache genannt – hält seit Jahren ungebrochen an. In Österreich kommen laut einer aktuellen Studie jährlich 500 bis 3.200 makrosome Kinder zur Welt, mehr Buben als Mädchen. Eindeutig definiert ist Makrosomie aber nicht. Der Begriff kann ein Geburtsgewicht von 4.000, 4.750, aber auch 5.020 Gramm bedeuten. Während bis vor wenigen Jahren überdurchschnittliche Größe und überdurchschnittliches Gewicht eher bei Babys von Müttern beobachtet wurden, die entweder an Diabetes Typ 2 oder Schwangerschaftsdiabetes litten, sind heute gesunde Kinder mit 4.500 Gramm Geburtsgewicht keine Seltenheit mehr. „Neben Diabetes gibt es auch genetische Ursachen für große Kinder. So weiß man, dass zum Beispiel in Osteuropa die Geburtsgewichte der Babys höher sind. Durch Zuwanderung aus diesem Bereich nimmt auch die Zahl der großen Babys in Österreich zu“, erklärt sich Prim. Dr. Gabriele Wiesinger-Eidenberger, Leiterin der Neugeborenenabteilung an der Kinderklinik Linz, diesen Trend.
Univ.-Doz. Dr. Gernot Tews, Leiter der Landesfrauenklinik, sieht einen zusätzlichen Grund: „Es zeigt sich in den vergangenen zehn Jahren der Trend, dass zwar die tägliche Kalorienzufuhr nicht mehr nennenswert steigt, jedoch durch die geringere körperliche Aktivität Verschlechterungen der Stoffwechsellage entstehen.“ Und das könne zu makrosomen Babys führen. Das heißt aber umgekehrt nicht zwingend, dass größere Babys krankheitsgefährdeter sind. Prim. Gernot Tews: „Auch wenn wir schon von Makrosomien sprechen, wenn ein Geburtsgewicht von 4.500 Gramm überschritten wird, lässt sich die Natur nicht nach derart engen Grenzen bewerten. Es gibt demnach schwerere Kinder, die vollkommen gesund sind, aber auch etwas leichtere, die an einer Stoffwechselerkrankung leiden.“

Rechtzeitig erkennen

Wichtig ist für Tews aber, das Syndrom Makrosomie rechtzeitig zu erkennen, damit Kinderärzte früh Gegenmaßnahmen setzen können. „Die größte Aufmerksamkeit gilt nach der Geburt eines sehr großen Babys dessen Zuckerstoffwechsel und Calciumhaushalt. „Sollte die Gefahr von Unterzuckerung bestehen, was bei größeren Babys vorkommen kann, muss das Baby beispielsweise früher gefüttert werden“, so die Kinderärztin Wiesinger-Eidenberger. Sie sieht – außer bei Babys von zuckerkranken Müttern, die ebenfalls mit Diabetes geboren werden – die Geburt von makrosomen Neugeborenen insgesamt aber eher als ein Problem der Geburtshelfer. Gernot Tews: „Die Ultraschalluntersuchung am Ende der Schwangerschaft ist wichtig, um vor der Geburt feststellen zu können, ob das Baby am Krankheitsbild Makrosomie leidet, es also überdurchschnittlich groß und übergewichtig ist. Mit dieser Ultraschalluntersuchung kann eine ziemlich genaue Schätzung des Geburtsgewichtes vorgenommen werden. Falls das Gewicht bei 4.500 Gramm oder gar darüber liegt, sollten der Arzt beziehungsweise der Geburtshelfer mit der Frau über die Möglichkeit eines Kaiserschnittes reden.“ Insgesamt liege – so Tews – die Kaiserschnittsrate bei makrosomen Babys um die 80 Prozent.

Nicht immer ein Risiko

Mütter von sehr großen Babys gelten, so der Gynäkologie-Primar, nicht prinzipiell als Risikoschwangere, sollten aber pränatal besondere Untersuchungen mitmachen. „Vor allem ist es seitens der Medizin wichtig, den Zuckerstoffwechsel über das sogenannte HbA1c (ein Hämoglobinabkömmling) oder auch über einen Glucosebelastungstest zu analysieren.“ Trotz Ultraschall gibt es bis heute übrigens keine absolut verlässliche Methode zur Messung des voraussichtlichen Geburtsgewichtes und der Geburtsgröße von Babys. Eine alte Weisheit besagt: Ist der Bauchumfang um mehr als 35 Zentimeter gewachsen, dann ist ein sehr großes Kind zu erwarten. Sicherer ist es aber, bei der Geburtsplanung klinische Untersuchung, Wachstumskurven und Gewichtsperzentilen zu kombinieren.

Komplikationen reduzieren

Die häufigsten Komplikationen bei der normalen Geburt großer Babys sind Schulterdystokien. Das heißt, dass das Baby mit den Schultern im Geburtskanal der Mutter stecken bleibt, was ein gesundes Baby ungefähr zehn Minuten lang aushält. Danach können Sauerstoffmangel und Atemnot zu bleibenden Schäden führen. Ein geschultes Team muss in solchen — zum Glück seltenen — Situationen schnell handeln und dem Baby notfalls durch einen bewussten Schlüsselbeinbruch oder einen Bruch des Schambeines der Mutter den Weg frei machen. Noch seltener kommt es zu Nervenläsionen und Skelettverletzungen des Babys. Heftiger trifft es hingegen öfter die Mütter: Weichteilverletzungen, Uterusruptur, Blutverlust, Infektionen, Schambeinläsionen und Blasenschäden sind auf der möglichen Komplikationsliste zu finden. Eine aktuelle statistische und medizinisch-wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas „makrosome Neugeborene“ wird in Medizinerkreisen angeregt. Damit soll dem Trend zu immer größeren und schwereren Babys Rechnung getragen werden.
Mag. Kornelia Wernitznig

April 2005
Foto: mauritius, privat

Diabetes und Schwangerschaft

Frauen, die an einer Zuckerkrankheit leiden, haben oft Angst vor einer Schwangerschaft, weil sie um das erhöhte Risiko wissen. Vor allem die Tatsache, dass zuckerkranke Mütter oft große und sehr schwere Babys zur Welt bringen, ist in diesem Zusammenhang bekannt. Diese Form der Makrosomie hat aber nichts mit dem Trend zu immer größeren, gesunden Kindern zu tun. Die von zuckerkranken Frauen gefürchtete Makrosomie ist eines von vielen Risiken, dem diese Frauen ausgesetzt sind. Dabei können zuckerkranke Mütter – wie jede andere Frau auch – sehr wohl gesunde Kinder zur Welt bringen. Vorausgesetzt, sie werden schon vor und während der Schwangerschaft entsprechend betreut. Denn wenn Diabetes-Mütter während der Schwangerschaft nicht optimal mit Insulin eingestellt sind, kann es für das Kind gefährlich werden.

Kommentar

„Wenn das Syndrom Makrosomie rechtzeitig erkannt wird, können Kinderärzte früh Gegenmaßnahmen setzen, falls das Neugeborene an Stoffwechsel-störungen leidet. Falls die Ursache der Makrosomie rein genetisch ist, ist es vorwiegend ein Problem für die Geburtshelfer. Liegen allerdings Diabetes oder schlechte Stoffwechsellage der Schwangeren vor, muss man das Kind nach der Geburt gut überwachen.“
Prim. Dr. Gabriele Wiesinger-Eidenberg
Leiterin der Abteilung für Neonatologie in der Landesfrauen- und Kinderklinik, Linz

‌ Zuletzt aktualisiert am 11. März 2015

Welche Faktoren beeinflussen das Geburtsgewicht eines Kindes?

Die individuellen Unterschiede bei Geburtsgewicht und Geburtsgrösse sind bedingt durch:

  • Grösse der Eltern. Sehr grosse Eltern haben häufig eher grössere Babys, kleine Eltern eher kleinere. Bei sehr unterschiedlich grossen Eltern tendieren die Masse eher zu einem Elternteil und nicht zum Mittelmass.
  • Geschlecht des Kindes. Mädchen sind im Durchschnitt etwas kleiner, leichter und kürzer als Knaben.
  • Ethnische Zugehörigkeit: Indische Babys wiegen z.B. bei der Geburt ca. 500 g weniger als mitteleuropäische.
  • Länge der Schwangerschaft. Ein Baby, das die vollen zehn Monate im Mutterleib verbracht hat, ist natürlich grösser und schwerer als ein Kind, das als Frühgeburt auf die Welt kommt. Auch eine Übertragung wirkt sich aus: Bei einer normalen Plazentafunktion kann das ungeborene Kind weiterwachsen, was möglicherweise zu einem höheren Geburtsgewicht des Kindes führt. In einigen Schwangerschaften kommt es jedoch zu einer Funktionseinschränkung des alternden Mutterkuchens, also eine sogenannte Plazentainsuffizienz. Als Folge davon kann die Versorgung des Babys mit Sauerstoff und Nährstoffen vermindert sein, und das wirkt sich negativ auf das Geburtsgewicht aus.
  • Verlauf der Schwangerschaft. War die Mutter die gesamte Schwangerschaft hindurch fit und gesund, hat sie sich ausgewogen ernährt, entwickelt sich das Baby optimal. Grosse und schwere Neugeborene werden möglicherweise bei einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus der Mutter geboren. Dagegen führen z.B. Rauchen und/oder regelmässiger Alkoholgenuss, aber auch zu hoher Blutdruck oft zu einem niedrigeren Geburtsgewicht. Beim Kaffekonsum sollten es werdende Mütter nicht übertreiben.
  • Hyperemesis gravidarum: Die Extremform der Schwangerschaftsübelkeit ist der häufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt in der Frühschwangerschaft. Dabei leidet nicht nur die Mutter. Der mit der Erkrankung verbundene kritische Ernährungszustand führt häufig zu einem niedrigen Geburtsgewicht oder einer Frühgeburt.
  • Geschwister-Reihenfolge:Erstgeborene sind häufig kleiner als ihre nachfolgenden Brüder und Schwestern.
  • Abstand zwischen zwei Schwangerschaften: Wenn zwischen zwei Schwangerschaften weniger als 18 Monate liegen, erhöht sich das Risiko für eine Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht. Der Grund: Der mütterliche Körper hat dann nicht genug Zeit, sich von der körperlichen Anstrengung der ersten Geburt und des Stillens zu erholen. Mehr…
  • Alter der Mutter: Bei älteren Schwangeren funktioniert der Mutterkuchen nicht mehr so gut, die Kinder werden im Durchschnitt leichter geboren (Plazentainsuffizienz, s.o.).
  • Gewicht der Mutter: Erstaunlicherweise haben stark übergewichtige Schwangere häufiger eher leichte Babys.
  • Anzahl der Kinder. Da sich die Babys bei Mehrlingsschwangerschaften den Raum im Mutterleib teilen müssen, sind sie meist etwas kleiner.

Makrosomie (sehr große Babys)

Ab welchem Gewicht gilt ein Baby als sehr groß?

Das Durchschnittsgewicht eines neugeborenen Babys liegt bei etwa 3,4 kg. Babys, die bei der Geburt mehr als 4 kg wiegen, gelten als überdurchschnittlich groß und damit makrosom (NCCWCH 2008, RCOG 2012). Wenn Sie ein extrem großes Baby von 4,5 kg oder mehr haben, erhöht sich das Risiko für bestimmte Komplikationen. Auch wenn viele Frauen ohne Probleme sehr große Babys zur Welt bringen, ist es doch wahrscheinlich, dass sie ein bisschen Hilfe brauchen (HSCIC 2015).
Ungefähr acht Prozent der Babys normalgewichtiger Mütter sind bei der Geburt makrosom, wenn Sie jedoch übergewichtig sind, steigt Ihr Risiko, ein makrosomes Kind zu bekommen (Bolz et al, 2014).

Woher weiß ich, ob ich ein großes Baby haben werde?

Es ist schwer, herauszufinden, ob Ihr Baby wirklich makrosom ist, solange es noch im Mutterleib ist (RCOG 2012). Klarheit hat man erst, wenn man das Geburtsgewicht kennt.
Ihre Hebamme oder Ihr Arzt/Ihre Ärztin könnten einen ersten Hinweis auf die Größe Ihres Babys haben, wenn Sie umfangreicher als durchschnittliche Schwangere sind. Eine Ultraschalluntersuchung kann erste Hinweise darauf geben, wie groß Ihr Baby tatsächlich ist. Diese Untersuchung ist allerdings bei fortgeschrittener Schwangerschaft nicht immer akkurat. Es kann sein, dass sich die Ergebnisse zwischen dem per Ultraschall ermittelten Gewicht und dem tatsächlichen Geburtsgewicht um bis zu fünfzehn Prozent unterscheiden (RCOG 2012).
Wenn bei der Untersuchung herauskommt, dass Ihr Baby für Ihre Schwangerschaftswoche überdurchschnittlich groß ist, wird Ihre Hebamme und Ihr Arzt/Ihre Ärztin vermutlich Ihre Blutzuckerwerte im Auge behalten. Damit kann er/sie überwachen, ob Sie Schwangerschaftsdiabetes entwickeln (NCCWCH 2008).

Welche Gründe kann es dafür geben, dass mein Baby so groß ist?

Der größte Faktor ist wahrscheinlich Schwangerschaftsdiabetes oder bereits vorhandener Diabetes (Alberico et al 2014, NCCWCH 2008, Heiskanen et al 2006). Es ist außerdem wahrscheinlicher, dass Sie ein großes Baby bekommen, wenn:

  • Sie einen hohen Body Mass Index (BMI) zu Beginn Ihrer Schwangerschaft haben (Ahmed et al 2012, Alberico et al 2014, NCCWCH 2008, Bhattacharya et al 2007, Heiskanen et al 2006, Salihu et al 2011,).
  • Sie während der Schwangerschaft viel Gewicht zugelegt haben (Ahmed et al 2012, Alberico et al 2014).
  • Sie mehr als zwei Wochen über Ihrem errechneten Geburtstermin sind (Heiskanen et al 2006).
  • Sie zwischen zwei Schwangerschaften stark zugenommen haben (Villamor and Cnattingius 2006) oder nach einer vorherigen Schwangerschaft das Gewicht nicht abgebaut haben (Bogaerts et al 2013).

Auch Ihre Herkunft spielt eine Rolle (Wilson et al 2014) und selbst das Geschlecht Ihres Babys kann einen Unterschied machen, Jungen sind oft größer als Mädchen (Ahmed et al 2012, Heiskanen et al 2006, Di Renzo et al 2007, Sojo et al 2010). Auch wenn Sie bereits ein Baby haben, vor allem ein großes Baby, dann ist es wahrscheinlicher, dass Sie in einer weiteren Schwangerschaft ebenfalls ein großes Baby haben werden. (Heiskanen et al 2006, Walsh et al 2007).

Aber auch wenn einige dieser Faktoren auf Sie zutreffen, heißt das nicht automatisch, dass Sie ein überdurchschnittlich großes Baby bekommen werden.
Ihre Hebamme oder Ihr Arzt/Ihre Ärztin werden Ihr Risiko zum Beispiel als gering einstufen, wenn Sie nicht unter Diabetes leiden (Alberico et al 2014). Die Wahrheit ist, dass die Unterschiede beim Geburtsgewicht oft nicht zu erklären sind.

Wie wird es sich auf die Geburt auswirken, wenn ich ein großes Baby habe?

Ein großes Baby kann sehr wohl vaginal geboren werden. Hat Ihr Baby jedoch ein geschätztes Geburtsgewicht von über 4,5 kg wird man mit Ihnen auch die Möglichkeit eines Kaiserschnittes besprechen, um Komplikationen vorzubeugen.
Logischerweise kann die Geburt in einem solchen Fall länger dauern. Und bei einer von fünf Vaginalgeburten von sehr großen Babys wird eine unterstützte Geburt notwendig (HSCIC 2015). Andere Komplikationen können ein erhöhtes Risiko für starke Blutverluste nach der Geburt (Ahmed et al 2012, Weissmann-Brenner et al 2012) und ein erheblicher Dammriss sein (RCOG 2007). Wenn Sie bereits einmal ohne Komplikationen geboren haben, sind Sie im Vorteil: Es ist dann wahrscheinlich, dass Sie abermals ohne jegliche Komplikationen Ihr Baby zur Welt bringen (Heiskanen et al 2006).
Wenn Ihr Baby mehr als 4,5 kg wiegt, besteht ein Risiko von eins zu dreizehn, dass es eine Schulterdystokie bei der Geburt haben wird. Dieses Risiko erhöht sich auf eins zu sieben, wenn Ihr Baby über 5 kg wiegt (Rossi et al 2013). Das bedeutet, dass die Schulter des Babys feststeckt, nachdem der Kopf bereits herausgedrückt wurde, und das passiert häufiger, wenn das Baby sehr groß ist (RCOG 2012). Diese Situation kommt nur selten vor, ist aber gefährlich und erfordert die sofortige Aufmerksamkeit der Ärzte und Geburtshelfer.
Falls es dazu kommt, wird ein Team von Hebammen und Ärzten bereitstehen, um Ihnen zu helfen, eine vaginale Geburt zu haben. Diese Experten sollten dann klare Anweisungen geben, wann die Mutter pressen soll und wann nicht und in welche Position sie sich begeben soll. Bei den meisten Frauen reicht der Wechsel in eine andere Position um die Schulter des Babys zu befreien (RCOG 2012).
Wenn Sie überdurchschnittlich umfangreich sind, kann es sein, dass Ihre Hebamme früh Ihre Wehen einleiten will. Falls sie das machen möchte, fragen Sie sie nach den Gründen. Für die meisten Frauen mit großen Babys hat das frühe Einleiten der Wehen keinen nachweisbaren Vorteil – weder für die Mutter noch für das Kind. (RCOG 2012).
Die einzige Ausnahme ist, wenn Sie Diabetes haben. Eine eingeleitete Geburt nach 38 Wochen Schwangerschaft oder ein gewählter Kaiserschnitt reduzieren die Gefahren, die dann bei der Geburt eines großen Babys entstehen (RCOG 2012).
Wenn Ihre Hebamme davon ausgeht, dass Sie ein großes Baby haben und eine Einleitung oder einen Kaiserschnitt empfiehlt, sollten Sie mit ihr die möglichen Risiken im Vergleich zu einer vaginalen Geburt besprechen. Es kann hilfreich sein, über Ihre Hoffnungen, Ängste und die vorhandenen Optionen zu sprechen (Reid et al 2014).

Wird mein großes Baby nach der Geburt unter Gesundheitsproblemen leiden?

Die meisten großen Babys sind gesund. Nur wenn bei der Geburt Ihres Babys tatsächlich eine Schulterdystokie auftrat, kann es hinterher zu einigen Problemen führen. Denn wenn die Schulter während der Press-Phase steckenbleibt und gelöst werden muss, kann das die Muskeln und Nerven in Schulter und Arm beschädigen. (RCOG 2012).
Eine solche Schädigung der Nerven passiert bei zwei bis 16 Prozent der Babys, bei denen eine Schulterdystokie unter der Geburt auftrat (RCOG 2012). Die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn das Baby viel Hilfe während der Geburt benötigt oder sehr groß ist (RCOG 2012). Aber auch wenn ein Baby einen Nervenschaden davonträgt, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich vollständig davon erholt (RCOG 2012, Wall et al 2014). Und auch wenn das Schlüsselbein während der Geburt gebrochen ist, wird dies in den allermeisten Fällen ohne Probleme verheilen (Paul et al 2013).

Quellen

Ahmed S, Romeiko-Wolniewicz E, Zareba-Szczudlik J, et al. 2012. Fetal macrosomia–an obstetrician’s nightmare? Neuro Endocrinol33(2):149-55
Alberico S, Montico M, Barresi V, et al. 2014. The role of gestational diabetes, pre-pregnancy body mass index and gestational weight gain on the risk of newborn macrosomia: results from a prospective multicentre study. BMC Pregnancy Childbirth 14:23
Bhattacharya S, Campbell DM, Liston WA,et al. 2007. Effect of body mass index on pregnancy outcomes in nulliparous women delivering singleton babies BMC Public Health 7(1):168
Bogaerts A, Van den Bergh BR, Ameye L, et al. 2013. Interpregnancy weight change and risk for adverse perinatal outcome. Obstet Gynecol 122(5):999-1009
Bolz, M., Koenen, D.J., Körber, S. Et al. 2014. Mütterliche Adipositas und neonatale Macrosomie. Adipositas und Schwangerschaft.
Di Renzo GC, Rosati A, Sarti RD, et al. 2007. Does fetal sex affect pregnancy outcomes? Gend Med 4(1):19-30
Heiskanen N, Raatikainen K, Heinonen S. 2006. Fetal macrosomia – a continuing obstetric challenge. Biol Neonate 90(2):98-103
HSCIC. 2015. NHS maternity statistics, 2013-14: maternity statistics tables. Health and Social Care Information Centre, Hospital Episode Statistics
NCCWCH. 2008. Diabetes in pregnancy: management of diabetes and its complications from preconception to the postnatal period. Revised reprint July 2008, National Collaborating Centre for Women’s and Children’s Health, Clinical guideline. London: RCOG Press.
Paul SP, Heaton PA, Patel K. 2013. Breaking it to them gently: fractured clavicle in the newborn. Pract Midwife 16(9):31-4
RCOG. 2007. The management of third- and fourth-degree peineal tears. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, Green-top guideline, 29. London: RCOG press.
RCOG. 2012. Shoulder dystocia. Royal College of Obstetricians and Gynaecologists, Green-top guideline, 20b. London: RCOG press.
Reid EW, McNeill JA, Holmes VA, et al. 2014. Women’s perceptions and experiences of fetal macrosomia. Midwifery 30(4):456-63
Rossi AC, Mullin P, Prefumo F. 2013. Prevention, management, and outcomes of macrosomia: a systematic review of literature and meta-analysis. Obstet Gynecol Surv 68(10):702-9

Salihu HM, Weldeselasse HE, Rao K. 2011. The impact of obesity on maternal morbidity and feto-infant outcomes among macrosomic infants. J Matern Fetal Neonatal Med 24(9): 1088-94
Sojo L, Garcia-Patterson A, Maria MA, et al. 2010. Are birth weight predictors in diabetic pregnancy the same in boys and girls? Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol153(1):32-7
Villamor E and Cnattingius S. 2006. Interpregnancy weight change and risk of adverse pregnancy outcomes: a population-based study Lancet 368:1164-70
Wall LB, Mills JK, Leveno K, et al. 2014. Incidence and prognosis of neonatal brachial plexus palsy with and without clavicle fractures. Obstet Gynecol 123(6):1288-93
Walsh CA, Mahony RT, Foley ME, et al. 2007. Recurrence of fetal macrosomia in non-diabetic pregnancies. J Obstet Gynaecol 27(4):374-8
Weissmann-Brenner A, Simchen MJ, Ziberberg E, et al. 2012. Maternal and neonatal outcomes of macrosomic pregnancies. Med Sci Monit 18(9):PH77-81.
Wilson J, Venkataraman H, Cheong J, et al. 2014. Diabetes in pregnancy and birth weight: differential effects due to ethnicity in a real-life observational study. Endocrine Abstracts 34 P241

Herr Müller, Sie haben John auf die Welt geholfen, einem Jungen aus Königs Wusterhausen, der es bei der Geburt auf eine Größe von 58 Zentimetern und ein Gewicht von fast 5800 Gramm gebracht hat. Welche Ursachen gibt es dafür, wenn so große Babys zur Welt kommen?

Liegt eine Diabeteserkrankung während der Schwangerschaft vor, hat dies oft auch Einfluss auf die Größe des Babys, es kommt größer zur Welt. Ebenso kann die Konstitution der Frau eine Rolle spielen. Weist sie ein hohes Körpergewicht auf, ist meist auch ihr Kind bei der Geburt schwerer. Und mit zunehmender Anzahl an Kindern steigt auch deren Körpergewicht: Je mehr Geburten, desto größer die Babys. Die Mutter von Baby John hatte bereits bei der letzten Geburt ein Baby, das knapp 5000 Gramm wog. Baby John ist ihr sechstes Kind.

Warum sind große Babys wie John so selten?
Man kann das nicht erklären. Es gibt Statistiken über Geburtsgewichte, da ist alles über 4000 Gramm auffällig. Es gibt große und kleine Menschen. Warum der eine größer als der andere ist, weiß man nicht. Wenn solche großen Babys wie John zur Welt kommen, sind die Mütter meist zuckerkrank.

Rüdiger Müller, 54, ist Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe im Klinikum Dahme-Spreewald in Königs Wusterhausen.Foto: promo/KDS

Wie oft geschieht es denn, dass ein Baby bei der Geburt eine solche Größe und Gewicht erreicht?
Prozentual kann ich keine Aussage machen. Wiegt ein Baby bei der Geburt mehr als 4500 Gramm, ist es ein Riesenbaby. Mein Eindruck ist, dass das Geburtsgewicht insgesamt größer geworden ist, das hängt möglicherweise mit der Ernährung zusammen.

Welche Risiken birgt es, ein so großes Baby auf natürlichem Wege zur Welt zu bringen?
Wenn der Kopf des Babys durch das Becken kommt, kann es schon mal passieren, dass die Schultern hängen bleiben. Das kann zum Beispiel zu einer Lähmung der Arme führen. Es bedarf bestimmter Geburtsmanöver, um möglichst keinen Schaden im Schulterbereich zu haben.

Wie haben Sie im Falle von Baby John entschieden?
Als Arzt kann ich nicht gegen die Entscheidung der Mutter handeln. Sie hatte sich gegen den Kaiserschnitt entschieden, insbesondere, da sie bereits ein Kind mit 5000 Gramm bekommen hat. Die notwendigen Geburtsmanöver wie auch Bewegungen haben wir mit der gesamten Geburtsmannschaft prophylaktisch gemacht.

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Weitere Riesenbabys:

Riesenbabys gibt es immer wieder – manchmal stammen sie von großen Müttern. Wie Jihad: Er wurde im November 2011 in der Charité geboren und wog gut sechs Kilo. Seine Mutter wog 240 Kilo, er war ihr 14. Kind. Im Juli 2013 gebar eine Frau in Leipzig ein 6,1 Kilo schweres Mädchen – das ist selten, meist sind die dicken Babys Jungs. Beide Mütter hatten Schwangerschaftsdiabetes.

Eine Polin gebar im Januar 2007 in Stettin einen sieben Kilo schweren Jungen, der zudem 66 Zentimeter lang und auf diesem Gebiet Weltrekordhalter war, bis sieben Monate später ein 75 Zentimeter langer Chinese zur Welt kam, der aber nicht allzu schwer war. Stattliche 8,7 Kilo wog ein Junge, der im September 2009 in Indonesien geboren wurde – fast das Dreifache eines normalen Babys.

Das mit 10,8 Kilo schwerste Baby aller Zeiten soll 1879 in den USA geboren worden sein; es lebte aber nur elf Stunden. Das kleinste Baby war übrigens 250 Gramm leicht und so kurz wie ein Bleistift. (fk)

Makrosomie: Warum bringen manche Frauen Riesen-Babys zur Welt?

Alle paar Jahre, ja manchmal sogar alle paar Monate gibt es neue Schlagzeilen von Riesen-Babys, die schon bei der Geburt so viel wiegen, wie andere Kinder mit sechs oder acht Wochen. Woran liegt es, dass manche Frauen so große Babys zur Welt bringen?

Riesen- oder Sumo-Babys: Kleine Schwergewichte

Regelmäßig gibt es Meldungen über Säuglinge, die bereits bei ihrer Geburt über sechs, sieben oder gar acht Kilo wiegen. Welches nun wirklich das bisher schwerste Neugeborene der Welt war, das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Im Guiness Buch der Rekorde ist zumindest von einem italienischen Jungen die Rede, der 1955 mit einem Gewicht von 10.200 Gramm zur Welt gekommen sein soll. 2017 machte die Nachricht die Runde, eine Australierin habe sogar ein 18 Kilogramm schweres Kind zur Welt gebracht – der Wahrheitsgehalt dieser Meldung darf jedoch angezweifelt werden.

Laut der WHO liegt das Geburtsgewicht gesunder Babys im Durchschnitt bei 3.480 Gramm. Makrosome Neugeborene bringen teilweise mehr als das Doppelte auf die Waage.

Trotzdem sind Kinder mit einem stark erhöhten Geburtsgewicht längst keine einmalige Seltenheit mehr. Mediziner nennen es fetale Makrosomie (Großwuchs), wenn das Geburtsgewicht eines Kindes über 4.500 Gramm beziehungsweise über der 90. Perzentile liegt. Umgangssprachlich ist dann häufig von Riesen-Babys oder Sumo-Babys die Rede. Was man bei all dem Staunen über die schweren Rekordjäger nicht vergessen darf: Mit steigendem Geburtsgewicht steigen auch die gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind.

Die Risiken einer Makrosomie

Wie man sich sicher vorstellen kann, besteht für schwangere Frauen ein hohes Verletzungsrisiko bei der vaginalen Geburt eines makrosomen Kindes. Die größten Gefahren gehen von einer möglichen Uterusruptur (Gebärmutterriss) und einer unvollständigen Plazentaablösung nach der Geburt aus. In beiden Fällen kann es zu lebensgefährlichen Blutungen kommen. Außerdem sind Verletzungen des Genitalbereichs und schwere Dammrisse zu befürchten. Für das Kind bestehen bei einer natürlichen Geburt die Gefahren von Schulter- und Halswirbelverletzungen und einer Sauerstoffunterversorgung. Zudem geben Studien Hinweise darauf, dass makrosome Säuglinge im späteren Leben häufig mit Fettleibigkeit, Stoffwechselerkrankungen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu kämpfen haben.
Bei den potentiellen Gefahren einer vaginalen Entbindung liegt es nahe, dass Ärzte beim Verdacht auf ein überdurchschnittlich großes Kind eher zu einer Geburt per Kaiserschnitt raten. Das Problem dabei: Die fetale Makrosomie lässt sich nur schlecht vorhersagen, da bis heute keine Untersuchungsmethode das voraussichtliche Geburtsgewicht genau bestimmen kann. Die Ärzte können anhand von Ultraschalluntersuchungen im 3. Trimester lediglich schätzen, wie schwer das Kind zur Geburt sein wird.

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Die Ursachen der Makrosomie

Doch woher kommt das Großwachstum mancher Föten im Mutterleib? Wissenschaftler machen als Hauptursache einen gestörten Blutzuckerhaushalt der Mutter verantwortlich. Das tritt insbesondere bei Frauen auf, die an Diabetes mellitus oder einem Gestationsdiabetes leiden und/oder fettleibig sind. Bei ihnen ist aufgrund einer Insulinresistenz der Blutzuckerspiegel regelmäßig erhöht. Die hohen Blutzuckerwerte gelangen durch die Plazenta zum Fötus und regen seine Insulinproduktion an. Schließlich fördern die erhöhten Insulinwerte das Wachstum des Kindes. In der Regel entwickeln sich die betroffenen Kinder bis zur 21. SSW normal, erst dann legen sie gegenüber nicht-betroffenen Föten an Gewicht und Größe zu.
Doch nicht ausschließlich diabetische oder fettleibige Mütter bringen Riesen-Babys zur Welt. Auch eine genetische Veranlagung wird von den Wissenschaftlern vermutet. War die Mutter bei ihrer Geburt selbst sehr groß und schwer, wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ein großes und schweres Kind zur Welt bringen. Gleiches gilt, wenn sie bereits ein makrosomes Kind zur Welt gebracht hat. Zudem kann eine Übertragung über den errechneten Geburtstermin hinaus das Risiko für ein überdurchschnittlich großes Kind erhöhen.

Kann man einer fetalen Makrosomie vorbeugen?

Da die Ursachen für das Großwachstum nicht eindeutig sind und sich aus mehreren Risikofaktoren zusammensetzen, kann man einer Makrosomie nicht immer vorbeugen. Diabetische Mütter sollten ihre Blutzuckerwerte regelmäßig kontrollieren und die angebrachte Diät einhalten. Gleiches gilt für Schwangere, bei denen ein Schwangerschaftsdiabetes festgestellt wird. Frauen ohne diabetische Erkrankung, insbesondere fettleibige Schwangere, sollten auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige Bewegung achten, um die Blutzuckerwerte und die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft auf einem normalen Level zu halten.

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Gesundheit: Die Supersize-Kinder kommen

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Es ist selten, dass ein Riesen-Baby ohne Kaiserschnitt zur Welt kommt. Doch in diesem Falle gelingt es. Die Ärzte des Klinikums Unna müssen zwar die Saugglocke einsetzen, doch ansonsten gibt es keine Komplikationen. Die anschließenden Messungen ergeben: Der neugeborene Junge ist 62 Zentimeter groß und 6180 Gramm schwer. Absoluter Klinikrekord. Doch vermutlich ist er das nur vorübergehend – denn Sumo-Babys sind im Trend.

In Industrieländern wie Deutschland, England und den USA leidet mittlerweile jedes zehnte Neugeborene unter „fetaler Makrosomie“, wie das Big-Baby-Syndrom medizinisch korrekt heißt. „Die Erfahrungen in der Geburtshilfe der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Häufigkeit makrosomer Kinder stetig zunimmt“, erklärt Kerstin Wollschlaeger von der Universitätsfrauenklinik in Magdeburg. Für Mediziner sind die „Sumo-Babys“ keineswegs einfach Wonneproppen mit stattlichem Babyspeck. Vielmehr ist ein sehr hohes Geburtsgewicht ein gesundheitliches Risiko für die Mutter und das Kind selbst.

Laut Techniker-Krankenkasse kamen im Jahre 2006 in Bayern 35 Prozent mehr übergroße Babys zur Welt als zwei Jahre zuvor. Wobei man allerdings einschränken muss, dass in dieser Statistik schon ein Geburtsgewicht von über 3900 Gramm als überhöht eingestuft wurde, während Kinderärzte das meistens erst ab 4350 Gramm tun. Doch auch wenn man die höhere Trennlinie heranzieht, hat deutschlandweit die Zahl der XXL-Babys im letzten Jahrzehnt um mindestens 20 Prozent zugelegt.

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Hauptursache für die immer dickeren Babys sind die immer dickeren Mütter, die zudem oft mit Diabetes in die Schwangerschaft gehen oder – vor allem, wenn sie schon älter sind – während der Schwangerschaft einen Diabetes entwickeln. Ihr Blutzucker fließt, wie Professor Kinga Howorka von der Medizinischen Universität in Wien erklärt, „in rauen Mengen durch den Mutterkuchen zum Kind“, dessen Bauchspeicheldrüse daraufhin große Mengen an Insulin produziere. Das Problem: Das Insulin kann den Kinderkörper nicht verlassen, weil es vom Mutterkuchen zurückgehalten wird. Das Hormon kann so ungestört die Umwandlung von Zucker in Depotfett veranlassen. Die Folge: Der Fötus wird, wie Howorka ausführt, „immer dicker, vor allem in der Körpermitte“.

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Der Weltrekord unter den Riesen-Babys liegt bei 10,2 Kilogramm, aufgestellt von einem italienischen Jungen. In Kanada wurde zwar vor 130 Jahren ein Kind mit 10,8 Kilogramm geboren, doch es überlebte die ersten zwölf Stunden nicht.

Das Gebären eines über fünf Kilogramm schweren Menschen, der oft auch noch einen Kopfumfang von über 40 Zentimetern hat, ist kein Kinderspiel. Kerstin Wollschlaeger ermittelte bei den Supersize-Babys eine sechsfach erhöhte Verletzungsquote und ein um das Achtfache erhöhtes Risiko für eine Schulterdystokie, bei der die Schultern des Kindes im Geburtskanal stecken bleiben. Bei den gebärenden Frauen kommt es häufiger zu Dammrissen und anderen Unterleibsverletzungen; der „nachrutschende“ Mutterkuchen kommt oft zögerlich oder unvollständig, weil er infolge des gigantischen Fötus ebenfalls Riesenmaße besitzt.

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Oft entscheiden sich die Ärzte während der Geburt eines Mini-Giganten spontan für einen Kaiserschnitt, was natürlich ein erhöhtes Risiko ist. Sie würden deshalb am liebsten frühzeitig eine Sectio planen, doch das Problem ist, dass man weder den – meist übergewichtigen – Müttern noch dem Ultraschallbild des Fötus unbedingt ansieht, dass sich da ein überproportionaler Wonneproppen anbahnt.

Doch selbst wenn die Supersize-Kinder ungeschädigt den Kreißsaal verlassen – sie müssen später mehr als andere mit schweren Erkrankungen rechnen. So betont der Geburtsmediziner Professor Andreas Plagemann von der Berliner Charité den „u-förmigen Zusammenhang, der zwischen dem Geburtsgewicht und dem darauf folgenden Risiko besteht, an Typ-2-Diabetes zu erkranken“. Demnach haben sowohl unter- als auch übergewichtige Neugeborene ein hohes Risiko, später zuckerkrank zu werden.

Ursache ist die „fötale Programmierung“: Der Mensch wird schon im Mutterleib geeicht, wie er später mit den Kalorien umgeht. Untergewichtige Babys sehr schlanker Mütter werden programmiert, möglichst viel Energie aus dem Essen zu ziehen, um überleben zu können – mit der Konsequenz, dass sie dann bei reichhaltigem Speisezettel zu viele Kalorien bunkern und die hormonelle Steuerung ihres Stoffwechsels überfordern.

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Die Supersize-Föten übergewichtiger Mütter hingegen werden mit Insulin geflutet, sodass ihre Körperzellen nach der Geburt insulinresistent sind, also nicht mehr in gesundem Maß auf das Hormon ansprechen. Dadurch gelangt weniger Zucker aus dem Blut in die Zellen: Der Blutzuckerwert geht unaufhaltsam nach oben. Hinzu kommt, dass Supersize-Babys nicht nur besonders gute Verwerter, sondern auch besonders fleißige Verzehrer von Nahrung sind. „Diese Kinder haben mehr Hunger und bekommen eher die Flasche“, sagt der Ulmer Gynäkologe Martin Wabitsch. Dies besiegelt endgültig ihr erhöhtes Risiko für Übergewicht und Diabetes.

Das Schlimme ist: Sie geben es vermutlich weiter an die nächsten Generationen. Es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass die weiblichen Nachkommen diabetischer Mütter in ihren Schwangerschaften wiederum erhöhte Blutzuckerwerte entwickeln – unabhängig von ihrer genetischen Veranlagung. Eine verhängnisvolle Kettenreaktion, die sich letzten Endes nur durch eine konsequente Reduzierung des mütterlichen Übergewichts brechen lässt. Allerdings sollte dies unbedingt vor der Schwangerschaft geschehen. Denn eine Diät während der Schwangerschaft ist nichts anderes als Stress durch Nährstoffentzug, der für Mutter und Kind ebenfalls verhängnisvolle Folgen haben kann.

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