Ergotherapie BEI kindern

Inhalte

Psychiatrie, Psychosomatik & Psychotherapie

Laut Deutschem Verband der Ergotherapeuten e.V. (DVE) definiert sich die Ergotherapie folgendermaßen:
Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen jeden Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken.
Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen. (DVE 08/2007, www.dve.info)

Die Ergotherapie wird sowohl stationär in psychiatrischen und psychotherapeutischen Kliniken als auch teilstationär in Tageskliniken angeboten. Eine Bedeutung hat sie auch im ambulanten Bereich, etwa in freien Praxen oder in sozialpsychiatrischen Ambulanzen. Die Behandlung kann als Einzeltherapie, in Kleingruppen oder auch als Gruppentherapie durchgeführt werden.

Ergotherapie

Was ist ein Ergotherapeut?

Dank der Ergotherapie können alltägliche Aufgaben wieder gemeistert werden

In der beruflichen Praxis findet man den Ergotherapeuten oftmals in Rehakliniken, aber auch normale Krankenhäusern. Der Ergotherapeut kann eine eigene Praxis haben, er kann aber genauso in einem großen Altenheim seine Arbeit verrichten.

Bei der Arbeit kann der Ergotherapeut ganz gezielt nur einen Patienten behandeln. Aber auch kleine und große Gruppen von Patiente sind immer möglich.

So werden einzeln und in der Gruppe kognitive und motorische Fähigkeiten der Menschen trainiert und so gefördert, dass viele alltäglichen Tätigkeiten wieder ganz alleine besten durchgeführt werden können.

Wieder fit für den Alltag sein

Wenn die Behandlung des Ergotherapeuten abgeschlossen ist, sind Fähigkeiten wie das selber waschen, selber essen oder das Arbeiten wieder möglich. Selbst in Schulen und Arztpraxen sind die Ergotherapeuten tätig. SDie sorgen dafür, dass ein Leben voller Lebensqualität wieder möglich sein kann.

Ist ein Mensch von einem Unfall oder einer Krankheit geschädigt worden, dann wird der Ergotherapeut bei der Behandlung seine Familie und Freunde nicht Vergessen, damit neben Körper, Geist und Seele, auch das Umfeld wieder vollkommen in Ordnung sein wird.

Ursprung & Entwicklung

Schon in der Antike war die Ergotherapie bekannt und mit den unterschiedlichsten Behandlungsmethoden sollte es bereits damals gelingen, dass Menschen mit körperlichen Einschränkungen wieder fit für den Alltag werden.

Mit dem Zitat „Die Arbeit ist der beste Arzt, den die Natur gegeben hat“ umschreibt schon der römischen Arzt Galenos die Wirkung er Ergotherapie und deren Nützlichkeit, wenn Menschen durch Unfälle und Krankheiten bereits bei den alltäglichen Abläufen eingeschränkt sind und hier wieder mehr Beweglichkeit brauchen.

Nach dem zweiten Weltkrieg hat sich die Ergotherapie zu einem Heilberuf gewandelt. Und heute, in einem Zeitalter wo die Menschen immer älter werden, ist die Ergotherapie auch in der Geriatrie einfach unersetzlich.

Durchführung & Wirkung

Ablauf und Wirkungsweise der Ergotherapie

Hat der Mensch einen Schlaganfall erlitten oder ist er durch einen Unfall in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt, dann kann eine Behandlung in der Ergotherapie dafür sorgen, dass selbst kleine Dinge wie das selbstständige Essen wieder ganz leicht möglich ist.

Je nach Beschwerden, kommen andere Behandlungen in Frage

Die Palette von Anwendungsmöglichkeiten ist bei der Ergotherapie sehr groß und als Hilfe für die Bewältigung des Alltags in vielen Fällen nützlich. In der Geriatrie, bei geistiger Behinderung, in der Neurologie oder Orthopädie, nach Unfällen, bei Kinder sowie bei seelischen und geistigen Störungen ergeben sich Einschränkungen in der Alltagstauglichkeit, die durch die Behandlung in der Ergotherapie gelindert oder sogar ganz beseitigt werden können.

Wer eine Rehaklinik besuchen muss, der wird hier auch auf viele gut ausgebildete Ergotherapeuten treffen, die hier ihre Arbeit verrichten. Aber es gibt auch Ergotherapeuten die eine eigene Praxis haben, wo Behandlungen durchgeführt werden oder der Ergotherapeut kommt ins Haus um seinen Patienten wieder alltagsfit zu machen.

Je nach Schwere der Erkrankung oder des Unfalls kann es sich um eine langwierige Behandlung handeln. Die Kunst eines guten Ergotherapeuten ist vor allem auch im Falle von geistigen Behinderungen und von Menschen mit Hirnverletzungen zu sehen, dass er diese durch gezielte Übungen wieder fit für den Alltag macht.

Doch nicht nur Krankheiten oder Unfälle sind verantwortlich für eine Behandlung beim Ergotherapeuten. Auch das Alter kann dazu führen, dass bisher gut vollbrachte Tätigkeiten im Alltag nicht mehr ausgeübt werden können. Diese können mit dem Ergotherapeuten wieder eingeübt werden.

In allen Fällen ist der Hauptgrund, dass der Patient wieder vollkommen alleine seinen Alltag meistern kann und nicht auf Hilfe angewiesen ist. In allen Fällen ist dieser Behandlung erst der Besuch und eine Behandlung durch einen Arzt vorangegangen. Denn der Arzt wird die Ergotherapie als zusätzliche Behandlung verschreiben.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung kann mit einem Patienten ganz gezielt erfolgen, aber auch in kleinen oder größeren Gruppen als Gruppentherapie. In der Gruppentherapie können allgemeine Mängel bei der Alltagstauglichkeit behoben werden. Bei einer Solotherapie werden gezielt Probleme eines Patienten angegangen, damit spezielle gesundheitliche Probleme nicht dazu beitragen, dass der Patienten seinen Alltag nicht meistern kann.

Bei der Behandlung kann der Ergotherapeut bestens dazu beitragen, dass kleine Tätigkeiten im Alltag wieder vollständig selber ausgeführt werden können. Aber genauso kann die Ergotherapie dafür geeignet sein, dass ein Mensch nach einem Unfall wieder fit für die Arbeit gemacht wird.

Bei allen Behandlungen sind Erfolge möglich. Doch je nach Schwere des Unfalls oder der Erkrankung muss der Patient auch Abstriche beim Erfolg der Behandlung in Kauf nehmen.

Eine Behandlung in der Ergotherapie kann durch die unterschiedlichsten Aktivitäten erfolgen. Da kann der Patient mit Malen oder mit seinem handwerklichen Können wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden. Hierbei wird der Ergotherapeut nach neuen Wegen der Ausführung dieser Tätigkeiten für den Patienten suchen, wenn die herkömmliche Ausführung dieser Tätigkeiten für den Patienten nicht mehr möglich ist.

So sieht sich der Ergotherapeut auch nicht als alleinige Hilfe für den Patienten. Denn er sieht sich in einem Verbund mit Sozialarbeitern, Logopäden, Psychologen, Physiotherapeuten und Ärzten, die alle zusammen nach den besten Möglichkeiten suchen, damit ein Patient mit seinen veränderten körperlichen und geistigen Bedingungen trotzdem ein ausgefüllten und lebenswerten Leben haben kann.

Hilft gegen

Einschränkungen..

  • bei der Verrichtung von Alltagstätigkeiten
  • bei der Arbeit
  • im Alter
  • in der Freizeit
  • in der Kindheit
  • nach einem Unfall
  • bei Erkrankungen
  • durch geistige Mängel

Außerdem:

  • Essstörungen
  • Psychosen
  • Depressionen
  • hilft bei der Erkennung von falschen Verhaltensmustern
  • ADHS
  • Legasthenie
  • Konzentrationsschwächen
  • Lernschwächen

Ist ein Mensch schon im Kindesalter körperlich oder geistig eingeschränkt, dann kann die Ergotherapie doch auch dazu verhelfen, dass sein Potenzial besser ausgeschöpft wird. Aber diese Therapieform bringt noch andere Vorteile, weil sie mit einfachen Übungen dazu beiträgt, dass Menschen mit den unterschiedlichsten Schädigungen wieder ein möglichst selbstständiges Leben führen können.

Hierbei wird die Ergotherapie nach einer abgeschlossenen Behandlung im Rahmen einer Rehamaßnahme eingesetzt. Sie kann aber auch Teil der Behandlung durch einen Arzt sein. Wobei dazu noch Maßnahmen wie die Einnahme von Medikamenten und andere ärztliche Maßnahmen notwendig sein können.

Selbst psychische Probleme wie Essstörungen, Psychosen und Depressionen sind mithilfe der Ergotherapie besser zu meistern. Denn mit den erlernten neuen Verhaltensmuster kann die Eingliederung des Patienten in sein gewohntes Umfeld besser gelingen.

Fördert & stärkt

  • die Selbstständigkeit des Menschen
  • die beruflichen Fähigkeiten
  • die Alltagstauglichkeit
  • die geistigen Fähigkeiten
  • die körperlichen Fähigkeiten
  • sorgt für ein Weiterleben in der gewohnten Umgebung
  • das Selbstbewusstsein
  • sorgt für mehr Lebensmut
  • wieder für ein finanzielles Auskommen durch einen Neustart im Beruf
  • die Konzentrationsfähigkeit

Auch in der Früherkennung von Essstörungen kann die Ergotherapie hilfreich sein. Denn der Ergotherapeut hat das Fachwissen um Verhaltensmuster zu erkennen, die für den Patienten so gesundheitsschädlich sein können, dass eine Essstörung entstehen wird.

Ergotherapie hilft auch bei ADHS oder Legasthenie

In den letzten Jahren hat sich die Ergotherapie auch als besonders hilfreich für Kinder und deren gesundheitliche Probleme erwiesen. So können Kinder mit Legasthenie und ADHS hier eine Behandlung erhalten, die dazu beiträgt, dass die Folgen einer solchen Erkrankung besser unter Kontrolle sind. Gerade Kinder mit geistigen und motorischen Einschränkungen kann durch die Ergotherapie besonders gut geholfen werden.

Doch auch die immer längere Lebenszeit des Menschen und Erkrankungen im Alter wie die Demenz können zu einem Arbeitsfeld für den Ergotherapeuten werden und hier gibt es viele Erfolge zu verzeichnen.

Aber generell ist der Ergotherapeut von heute für Menschen jeden Alters zuständig. Treten Autounfälle oder Arbeitsunfälle auf oder werden Gliedmaßen amputiert – Bei allen Folgen dieser gesundheitlichen Notfälle wird im Endeffekt die Ergotherapie dazu beitragen, dass der Mensch wieder mehr oder weniger fit für den Alltag ist.

Wer behandelt?

  • der Ergotherapeut

Ob Psychiatrie, Geriatrie, Rheumatologie, Traumatologie, Orthopädie, Neurologie oder Pädiatrie -Dies sind alles Bereiche der Medizin, bei den man den Beruf des Ergotherapeuten finden wird. Als anerkannter Beruf trägt die Ergotherapie dazu bei, dass Menschen mit den Folgen einer Krankheit oder eines Unfalls nicht ein Leben lang leben müssen.

Stattdessen werden durch gezielte Übungen diese Folgen gemindert oder ganz beseitigt. So kann das Ziel der Ergotherapie, die größtmögliche Selbstständig des Menschen, wirklich erreicht werden. Wer Ergotherapeut werden will, der muss eine dreijährige Ausbildung machen oder auch ein Studium ableisten.

Bei beiden Ausbildungen ist medizinisches Wissen eine wichtige Voraussetzung. Denn nur so können Therapiemethoden praktisch erarbeitet und die Arbeitsmodelle der Ergotherapie müssen vollständig beherrscht werden.

Ein umfassendes Fachwissen muss somit erworben werden. Somit kann später der Ergotherapeut mit diesem Wissen dem Patienten effektiv helfen. Hauptziel der Ergotherapie soll dabei immer sein, dass ein Mensch mit seinem Umfeld, seiner Seele, dem Geist und dem Körper so behandelt werden kann, dass er ein normales Leben führen kann.

Risiken & Nebenwirkungen

  • bei keiner Verbesserung können psychische Probleme auftreten
  • zu große Belastungen können den Körper noch zusätzlich schädigen

Wer eine Ergotherapie macht, der wird viele kleine und große Erfolge haben. Diese tragen dazu bei, dass ein Mensch wieder sehr selbstständig leben kann. Erfolgen diese Erfolge nicht, dann kann dies zu einem Tief in der Krankheitsgeschichte kommen. So kann selbst der letzte Lebensmut verlorengehen.

Wird der Patient bei der Ergotherapie sogar stark überfordert, kann es eher zur Verschlimmerung der Symptome kommen.. Hier ist das Können der Ärzte und guter Ergotherapeuten gefragt. Sie müssen genauestens über die körperlichen Voraussetzungen für eine solche Therapie Bescheid wissen, ehe sie einen Plan für eine Behandlung aufstellen.

So muss vor jeder Behandlung absolut geklärt sein, ob die Ergotherapie in diesem Fall auch wirklich zu einem Erfolg werden kann. Ist der Patient durch einen Unfall oder eine Erkrankung aber so geschädigt, dass die Ergotherapie kein Erfolg werden kann, so müssen andere Wege der Behandlung gefunden werden.

Auch die Ergotherapie kann keine Wunder vollbringen. Ist ein Patient durch eine Krankheit oder einen Unfall zu sehr geschädigt worden, dann können die Aktivitäten der Ergotherapie noch zusätzlichen Schaden anrichten. Hier muss vor der Therapie erst sicher sein, dass der Patient durch die Behandlung wirklich eine Verbesserung seines gesundheitlichen Zustandes erzielen kann.

Gegenanzeigen

  • den Patienten nicht zu sehr belasten
  • auf die Möglichkeiten des Patienten besonders acht geben
  • erst psychische Probleme behandeln

Natürlich ist eine Behandlung mit der Ergotherapie für viele Menschen das Ende eines Tiefs, dass durch einen Unfall oder eine Erkrankung aufkommen kann. Gerade bei einem Unfall ist die schnelle Veränderung der Lebensverhältnisse ein tiefer Fall für den Menschen, der davon betroffen ist. Depressionen können die Folge sein. Diese müssen erst behandelt werden, damit die Ergotherapie dann ganz gezielt eingesetzt werden kann.

Ansonsten könnte es zu einer Verweigerung der Übungen kommen und die schweren Folgen einer Krankheit oder eines Unfalls würden unbehandelt bleiben. Dies hieß für den Patienten für den Rest des Lebens auf Hilfe angewiesen zu sein.

Unser Fazit

Durch Krankheiten und Unfälle kann es zu Einschränkungen in der Lebensqualität kommen, die aber nicht dauerhaft ertragen werden müssen. Gerade wer einen Schlaganfall erlitten hat, der wird sich darüber freuen, dass der behandelnde Arzt als Rehamaßnahme die Ergotherapie anordnet.

Mithilfe einer gutausbildeten Fachkraft wie dem Ergotherapeuten werden die Möglichkeiten des Patienten was seine kognitiven und körperlichen Fähigkeiten betrifft genau ausgelotet und dann mit einer Therapie so mit Aktivitäten wieder gefördert, dass ein normales Leben wieder möglich ist.

Jetzt kann der Patient auch wieder für die Arbeitswelt fit gemacht werden und seine Umwelt wird in alle Behandlungsmaßnahmen mit einbezogen. So ist die Ergotherapie schon seit der Antike der Selbstständigkeit des Menschen verpflichtet. Der heute so angesehene Beruf der Ergotherapeuten trägt dazu bei, dass Menschen wieder ohne fremde Hilfe leben können.

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Was machen Ergotherapeuten?
Ergotherapeuten helfen und begleiten Menschen jeden Alters, die durch Krankheit, Behinderung oder Alter in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind und Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben haben. Ergotherapie zielt darauf ab, die Selbständigkeit der betroffenen Menschen zu erhöhen, sodass der Alltag in Beruf, Schule und Familie wieder so unabhängig wie möglich bewältigt werden kann.

Wann wird Ergotherapie angewandt?

Bei Kindern mit Entwicklungsverzögerungen oder Behinderungen
Nach Unfällen, Verbrennungen, Operationen, bei rheumatologischen Erkrankungen
Nach Schlaganfall, bei Morbus Parkinson und anderen neurologischen Erkrankungen
Bei psychischen Erkrankungen
Bei Menschen mit Demenzerkrankungen

Der Fokus der Ergotherapie richtet sich auf die ganzheitliche Behandlung: Im Zentrum steht der Mensch als vielschichtiges Individuum und seine Beziehungen zur Umwelt – also zu seinen Angehörigen und Freunden, seinem sozialen Umfeld, dem Beruf und der Wohnung, kurzum zu allem, was sein Leben ausmacht.

Die ergotherapeutischen Maßnahmen werden gemeinsam mit dem Patienten an seine individuellen Einschränkungen und Schwierigkeiten angepasst. Aktivitäten des täglichen Lebens werden trainiert und verbessert. Können einzelne Handlungsabläufe nicht wieder vollständig ausgeführt werden, werden alternative Bewegungen und Verhaltensstrategien eingeübt.

Neben den konkreten Alltagsübungen sind weitere Schwerpunkte der Ergotherapie die Beratung des Patienten unter Einbeziehung der Angehörigen, z.B. zur Gestaltung der häuslichen Versorgung oder der Wohnraumanpassung.

Durch gezielte ergotherapeutische Maßnahmen kann dem Betroffenen (wieder) dazu verholfen werden, den vielfältigen Anforderungen seines Lebens gerecht zu werden. Seine Lebensqualität wird verbessert, und davon profitieren auch die Angehörigen.

Wie erhalte ich Ergotherapie?

Die Ergotherapie ist ein anerkanntes Heilmittel und damit eine Vertragsleistung der gesetzlichen Krankenkassen.

Die Verordnung für eine ambulante Ergotherapie stellt der behandelnde Arzt aus, pro Verordnung muss der Patient in der Regel eine Zuzahlung von 10 % selbst tragen. Die erste Verordnung umfasst üblicherweise zehn Behandlungseinheiten. Erfolgt danach eine Weiterbehandlung, so werden in der Regel erneut zehn Therapieeinheiten verordnet. Eine Therapieeinheit beträgt je nach durchgeführter Maßnahme zwischen 30 und 60 Minuten. Die Frequenz der Behandlungstermine ist abhängig von der Situation des Betroffenen. Bei medizinischer Notwendigkeit, wenn ein Patient also nicht in die Praxis kommen kann, findet Ergotherapie auch als Hausbesuch statt.

Woran erkenne ich, ob ich in guten Händen bin?

Folgende Punkte helfen Ihnen, eine an Ihren Bedürfnissen ausgerichtete ergotherapeutische Behandlung zu erkennen:

  • Sie haben in der Regel eine feste Ergotherapeutin oder Ergotherapeuten als Behandler.
  • Nach einem sorgfältigen Aufnahmegespräch werden Sie und bei Bedarf Ihre Angehörigen in die Planung Ihrer Therapie einbezogen.
  • Gemeinsam mit Ihnen wird Ziel und Weg der Behandlung festgelegt, die Art der Behandlung wird Ihnen erklärt.
  • Fragen zu Ihrer Behandlung werden Ihnen umfassend und für Sie nachvollziehbar erläutert.
  • Ihre persönliche Befindlichkeit wird in der aktuellen Behandlung berücksichtigt.
    Sie fühlen sich mit Ihren Problemen angenommen und in der Ergotherapie gut aufgehoben.

Kinder sind unser kostbarstes Gut, doch leider werden auch sie manchmal nicht vor Schwächen oder vor Handlungscheinschränkungen verschont. Vor allem bei der Behandlung von Wahrnehmungsstörungen kann die Ergotherapie bei Kindern eine wesentliche Rolle spielen. Auf dieser Seite haben wir die wichtigsten Informationen zur Ergotherapie für Kinder zusammen gefasst.

Gerade Behandlungskonzepte der Ergotherapie für Kinder (häufig spricht man auch von der Ergotherapie in der Pädiatrie) stellen eine große Herausforderung im Bereich der Ergotherapie da. Vor allem Wahrnehmungsstörungen sind ein wesentlicher Grund, warum Kinder an der Ergotherapie teilnehmen. Schwierigkeiten und Auffälligkeiten zeigen sich dabei gerade in den normalen Alltagssituationen, wie zum Beispiel in der Schule oder im Kindergarten, bzw. bei der Freizeitgestaltung der Kinder. So kann zum Beispiel auffällig sein, dass Kinder sich von der Gruppe distanzieren und eine Außenseiter-Position annehmen, ein verstärkter Bewegungsdrang kann genauso auf Schwierigkeiten oder eine Erkrankung des Kindes hindeuten, wie Konzentrationsstörungen und Aufmerksamkeitsdefizite.

Anwendungsgebiete der Ergotherapie bei Kindern

Allgemein führen vor allem Abweichungen von der „Norm“ zur Durchführung einer Ergotherapie bei Kindern (z.B. wenn Kinder auffällig schlechter Lesen, Schreiben und / oder malen können als gleichaltrige Kinder oder wenn es motorische Probleme im Alltag gibt – z.B. das Zubinden der Schuhe – oder wenn auffällige Schwierigkeiten in der Sinneswahrnehmung vorliegen). Hier einige Probleme, bei denen die Ergotherapie für Kinder zum Einsatz kommen kann:

  • Verändertes Schmerzempfinden
  • Bewegungsdrang oder fehlender Bewegungsdrang
  • Insbesondere auch AD(H)S
  • Störungen bei der Koordniation
  • Störungen in der Motorik
  • Probleme mit dem Gleichgewichtssinn
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Entwicklungsverzögerungen, Einnässen
  • Probleme in der Schule (z.B. mit Lesen und Rechtschreibung)
  • Geringes oder übersteigertes Selbstwertgefühl
  • Der Drang eine Außenseiterrolle einzunehmen

Die Ergotherapie für Kinder kann helfen, diese Störungen und Beeinträchtigungen einzuschränken und somit die Handlungsfähigkeit des betroffenen Kindes zu erhöhen und seine Selbstständigkeit im Alltag zu fördern.

Experten belegen in den letzten Jahren eine steigende Anzahl an Ergotherapie-Behandlungen bei Kindern. Vor allem die Menge an motorischen Störungen ist stark zunehmend. Dies dürfte vor allem darauf zurückzuführen sein, dass unsere Kinder sich immer weniger bewegen und durch diese Bewgungsarmut einfach zu wenig „Erfahrungen mit ihrem Körper machen“. Bewegungsarmut führt dazu, dass Kinder ihren Körper später kennenlernen und nicht richtig einschätzen können.

Therapieinhalte der Ergotherapie für Kinder

Bei der Ergotherapie für Kinden kommen vor allem spielerische Behandlungskonzepte zum Einsatz, die zur Verbesserung von Motorik, des Verhaltens, der Sensorik oder der Selbstständigkeit dienen können. Klassische Konzepte in der Ergotherapie für Kinder stellen so zum Beispiel die Mund- und Esstherapie dar, das Konzentrationstraining, die Sensorische Integrationstherapie, das Aufmerksamkeitstraining, die Lerntherapie oder die spielerische Entwicklung der Grob- und Feinmotorik. Zu einem wesentlichen (und nicht zu vernachlässigendem) Aspekt der Ergotherapie bei Kindern gehört ferner die Beratung der Eltern und die Beratung des Umfeld des Kindes (z.B. Kindergartenmitarbeiter). Durch umfassende Beratungen kann sichergestellt werden, dass das Umfeld über den richtigen Umgang mit dem Kind im Bilde ist. Im Idealfall können Therapiekonzepte der Ergotherapie für Kinder sogar durch das Einwirken des Umfeldes erzielt oder ausgebaut werden.

Zeitpunkt und Zeitrahmen der Ergotherapie bei Kindern

Bei Auffälligkeiten eines Kindes ist die frühe Beratung (und ggf. die frühe Behandlung) eines Kindes durch einen Ergotherapeuten sinnvoll, da Abweichungen von der Norm-Entwicklung zu späteren Zeitpunkten unter Umständen nur schwer (oder sogar gar nicht) mehr ausgeglichen werden können. Generell gilt bei der Ergotherapie für Kinder oftmals: Je früher mit der Ergotherapie begonnen werden kann, desto besser. Einige (vor allem motirische) Störungen können bereits im Säuglingsalter oder im Kleinkindesalter durch die Ergotherapie für Kinder erkannt und behandelt werden. Häufig findet die Ergotherapie bei Kindern allerdings erst ab einem Alter von 4 Jahren Anwendung. Der Behandlungszeitraum richtet sich dabei natürlich nach der Schwere der vorliegenen Störung. Bei leichten Störungen reicht oft schon eine Therapie über wenige Monate mit ein bis zwei Ergotherapie-Sitzungen in der Woche.

Behandlungsablauf der Ergotherapie bei Kindern

Der Behandlungsablauf bei der Ergotherapie für Kinder beginnt (wie allgemein üblich) mit der Erhebung eines Befundes. Anhand gestellter Aufgaben und Standardtests (die vor allem im spielerischen Rahmen mit dem Kind durchgeführt werden) kann der Ergotherapeut sich ein Bild über die Entwicklung, die Fähigkeiten und die Schwierigkeiten des Kindes machen. Gerade die Beobachtung des Kindes bei bestimmten Aufgaben spielt in diesem Behandlungsschritt eine wesentliche Rolle, denn nur so können Informationen darüber gewonnen werden, wo die tatsächlichen Schwächen (bzw. die Unterschiede zur Norm-Entwicklung) liegen und nur so kann ein Rückschluss erfolgen, wie die ergotherapeutischen Maßnahmen für das Kind auszugestalten sind.

Sensorische Integrationstherapie in der Ergotherapie für Kinder

Eines der am häufigsten angewendeten Verfahren bei der Ergotherapie für Kinder ist die sogenannte Sensorische Integrationstherapie. Sie hat es zum Ziel, Wahrnehmungsstörungen bei Kindern zu behandeln. Aus Sicht der Ergotherapie liegen diese bei Kindern immer dann vor, wenn Sie nicht in der Lage sind, die Reize ihrer Umwelt (sehen, hören…) und ihre eigene Körperwahrnehmung richtig zu verarbeiten. Bei der Sensorische Integrationstherapie setzt man an dieser Stelle konkret an und versucht die Wahrnehmung des Kindes durch eine spielerische Therapie zu fördern. Das Kind wird so bestimmten sensorischen Erfahrungen ausgesetzt und lernt diese richtig zu verarbeiten. So kann ein einfaches Element der Ergotherapie bei Kindern zum Beispiel das Schaukeln sein um den Gleichgewichtssinn eines Kindes zu schulen und zu verbessern.

Wie das richtige Spielzeug vorbeugen und unterstützen kann

Kinder verbringen jeden Tag sehr viel Zeit mit ihrem Spielzeug. Spielend im Kinderzimmer oder auf dem Spielplatz verbringen unsere Kinder mehr Zeit mit ihrem Spielzeug, als bei jeder Ergotherapie, die sie im Laufe ihrer Jugend machen werden. Das richtige Spielzeug kann Kindern dabei helfen, ihre (geistigen, psychischen, physischen, sozialen und motorischen) Fähigkeiten zu fördern und somit ebenfalls auf eine normale und gute Entwicklung hinwirken. Leider wird dieser Faktor von vielen Eltern in der heutigen Zeit vernachlässigt. Anstatt mit Bauklötzen zu spielen (welche die motorischen Fähigkeiten des Kindes fördern) oder mit einem Dreirad oder Fahrrad zu fahren (was den Gleichgewichtssinn eines Kindes fördert) gibt es in den meisten Kinderzimmern Fernseher oder Spielekonsolen, vor denen die Kinder oftmals regelrecht „abgestellt werden“ und die (bei falschem Umgang) zu einer einseitigen oder sogar zu einer schädlichen Entwicklung des Kindes führen können. Ergotherapeuten raten daher dazu, Kinder schon frühzeitig mit dem richtigen Lernspielzeug auszustatten und so die Entwicklung des Kindes so früh wie möglich, spielerisch zu fördern. Sicherlich lässt sich eine Ergotherapie für Kinder niemals nur durch die Wahl des richtigen Spielzeugs ausschließen, aber die Entwicklung eines Kindes kann durch die Auswahl eines geeigneten und förderlichen Lernspielzeugs positiv beeinflusst werden.

Lernspielzeuge sind für Kinder eine hervorragende Möglichkeit um Erfahrungen zu sammeln und die eigenen Fähigkeiten auszuprägen. Die Kleinsten können bereits damit anfangen und lernen Formen und Farben zu begreifen. Die richtigen Bauklötze können motorische Fähigkeiten stärken und andere Spiele können die Fantasie und die Kreativität der Kinder schulen. Studien zeigen, dass richtige Lernspielzeuge den Kindern helfen können, sprachliche und motorische Fähigkeiten auszubauen und Defizite im Gleichgewichtssinn oder beim Lernen ausgleichen können. Mit fortschreitendem Alter können die richtigen Lernspielzeuge auch die schulischen Leistungen beeinflussen (z.B. in der Mathematik oder in sprachlichen Fächern).

Bereits bei der Auswahl des richtigen Spielzeugs sollten Eltern sehr sorgfälltig vorgehen. (Lern-)spielzeuge sollten stets dem Alter des Kindes entsprechend gekauft werden. Achten Sie darauf Spielzeuge zu kaufen, die dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen. Zu ehrgeizig gesteckte Ziele führen schnell zu demotivation oder frustration. Lernspielzeuge, die ein Kind unterfordern werden schnell langweilig und deshalb von den Kindern nicht genutzt. Das richtige Maß an Herausforderung und Erfolgserlebnis ist also ein wesentlicher Faktor für die Wirkung des Spielzeugs.

Gleichzeitig sollten die Eltern wert auf die Qualität des Spielzeugs für Ihre Kinder achten. Prüfen Sie vorab, ob ein Spielzeug wirklich die Fähigkeiten eines Kindes fördern kann – heute springen leider immer mehr Hersteller auf den anhaltenden Trend auf und produzieren Lernspielzeuge, die diesen Namen eigentlich nicht verdienen. Zusätzlich sollte beim Kauf natürlich drauf geachtet werden, dass in den Spielzeugen keine Schadstoffe (z.B. in den Lakierungen von Bausteinen oder Weichmacher in Gummi- und Plastikspielzeugen) enthalten sind und das von den Spielzeugen keine Gefahr für die Kinder ausgeht (z.B. durch Kleinteile, die von Kindern verschluckt werden könnten oder durch scharfe Kanten, an denen sich die Kinder schneiden können). Achten Sie auch deshalb stets auf die Altersstufe, für die ein Spielzeug zugelassen ist.

Braucht mein Kind Ergotherapie?

Braucht mein Kind ein Heilmittel wie Ergotherapie oder Logopädie oder Krankengymnastik um sich gesund entwickeln zu können? Diese Frage stellen sich viele Eltern, wenn sich das eigene Kind anders verhält als die anderen Kinder, wenn es ungeschickter ist oder schlechter spricht. Viele Eltern sind verunsichert, wenn die KiTa oder das Gesundheitsamt Auffälligkeiten bei ihrem Kind feststellen.

Schließlich sollen alle Kinder die bestmögliche Unterstützung auf dem Weg vom Kindergartenkind bis zum erfolgreichen Schulstart erhalten. Fast alle Kinder gehen gern zur Therapie und nach landläufigem Urteil schadet die auch nicht. Wirklich??

Was macht es mit einem Fünfjährigen, der bisher dachte, dass er ein super Stuntman ist und alle zum Lachenbringt und der jetzt – nach etlichen Vorstellungen beim Arzt und spezialisierten Zentren – zur Therapie soll? Immer mehr Eltern und Fachleute werden nachdenklich, dass heutzutage weit über 20 % der Jungen Logopädie bzw. Ergotherapie erhalten, fast alle im Alter von vier bis neun Jahren (AOK-Heilmittelbericht 2014). Die „Medikalisierung der Kindheit“ ist das Schlagwort, das die Runde macht. Wollen wir wirklich jeden vierten Jungen für krank erklären? Denn für die Einleitung einer Heilmitteltherapie erfordert in der Regel einer kinder- und jugendpsychiatrische Diagnose (zu denen auch die Entwicklungsstörungen gehören), die auch der Krankenkassen übermittelt wird. „Lasst die Kinder in Ruhe“ mahnt der Düsseldorfer Kinderarzt Michael Hauch.

Aber wer braucht die Therapie wirklich?

Bei vielen Kinder werden in der Kita und/oder im Gesundheitsamt Testungen oder gezielte Beobachtungen durchgeführt, die bei auffälligem Abschneiden zu großer Beunruhigung führen. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn diese Untersuchungen fachkundig und mit Einverständnis mit den Eltern durchgeführt werden. Zu beachten ist aber, dass es sich dabei um eine sogenannte „Screening“-Untersuchung handelt. Dass Ziel eines Screenings ist es, möglichst viele Kinder zu finden, die ein Gesundheitsproblem haben könnten. Erst die weitere ärztliche Untersuchung zeigt dann, ob die Auffälligkeiten tatsächlich Zeichen einer Entwicklungsstörung sind, oder ob es sich lediglich um eine Besonderheit des Kindes ohne krankhafte Bedeutung handelt.

Lange Zeit war das Vorgehen zur weiteren Abklärung zwischen den Behandlern umstritten, was viele Eltern, Pädagogen und Therapeuten verunsichert hat. Jetzt hat die Interdisziplinäre Verbändeübergreifende Arbeitsgruppe ENtwicklungsstörung (IVAN) gemeinsame Richtlinien für Ärzte zum Vorgehen bei dem Verdacht auf Entwicklungsstörung verabschiedet. Zur Arbeitsgruppe gehören Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie, der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine Ambulante Pädiatrie und des Berufsverbandes der Kinder- unnd Jugendärzte.

Bis zur Ausstellung einer Heilmittelverordnung
müssen viele Details geklärt werden.

Vor der Verordnung eines Heilmittels (Ergotherapie,Logopädie, Krankengymanstik/Physikalische Therapie) soll eine „Stufe-2-Diagnostik“ in der kinderärztlichen Praxis oder im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) erfolgen. Dies umfasst in der Regel

  • Die Erhebung einer ausführlichen Anamnese, ggf. auch per Entwicklungsfragebogen
  • Einholen von Frembefunden, z. B aus KiTa oder Schule zu den Beobachtungen der Erzieher/ Lehrer
  • Die körperliche Untersuchung des Kindes
  • In der Regel eine Testung mit bestimmten, für Kinder mormierten Untersuchungsverfahren.

Nur bei besonders auffälligen Testergebnissen oder einer deutlichen Beeinträchtigung der Alltagsbewältigung soll (unter bestimmten anderen Voraussetzungen) ein Heilmittel verordnet werden. Zeigt das Kind ein Testergebnis oberhalb des therapiebedürftigen Bereiches, dann sollen die Ärzte den Eltern Vorschläge zur Entwicklungsförderung unterbreiten, in jedem Fall soll die Entwicklung nach ca. sechs Monaten kontrolliert werden.

Vor der Ausstellung einer Verordnung für Ergotherapie /Logopädie oder Krankengymnastik soll der Kinder- und Jugendarzt gemäß Heilmittelrichtlinien (HMR) klären,

  • ob die Beeinträchtigung in Aktivität und Teilhabe durch die Erkrankung so ausgeprägt ist, dass die Verordnung eines Heilmittels unter Berücksichtigung aller Faktoren der ICF (International Classification of Functioning der WHO) gerechtfertigt erscheint (§3 HMR)
  • ob statt einer Therapie eine sonderpädagogische Förderung angebracht ist (§6 HMR)
  • ob das Therapieziel auch durch eine Veränderung der Lebensführung (z.B. weniger Fernsehen, mehr positive Zuwendung) oder durch Erlernen eines Hausübungsprogrammes (z.B. FamilienErgo) erreicht werden kann (§9 HMR)
  • in welchem Bereich das Kind in seinen Aktivitäten beeinträchtigt ist (z.B. Beweglichkeit, Alltagsbewältigung, Interaktion oder Verhalten,Aussprache, Grammatik etc.)

und alle weiteren der 41 Paragraphen der HMR und den Heilmittelkatalog beachten.

Was kann ich tun wenn mein Kind keine Therapie benötigt oder ich lange auf Termine zu Untersuchung warten muss?

Eines ist sicher: Kinder lernen vor allem durch eigenes Handeln. Die holländische Entwicklungsforscherin Prof. Hadders Algra von der Universität Groningen fand Erstaunliches heraus als sie alle verwertbaren Studien zum Effekt von Entwicklungstherapien auf ihre Wirksamkeit untersuchte. Das Lernen über Versuch und Irrtum (try andd error) war mit Abstand die beste Therapieform! (hier .pdf mit den Daten herunterladen)

Der Lernkreislauf.
Zeichung: Werner Tiki Küstenmacher

Das bedeutet: Solange ein Kind sich betätigt und eine Sache (Sprechen, Radfahren, Brot schmieren) immer wieder übt und in unterschiedlichen Kontexten eine Anregung und Unterstützung dazu erhält, wird es die bestmöglichen Entwicklungsfortschritte machen. Das Kind befindet sich dann im Lernkreislauf. Natürlich lernt das eine Kind das Radfahren früher und das Andere das Telefonieren. Aber das ist ja bei Erwachsenen auch so und hängt mit den Begabungen des Menschen zusammen, die ja bei allen Menschen unterschiedlich sind. Sorgen müssen wir uns um die Kinder machen, die aus Scham, Wut oder Verzweiflung gar keine weiteren Lernerfahrungen machen – diese Kinder profitieren am meisten von der Therapie, da Therapeuten Meister darin sind, die Abwehr des Kindes zu überwinden. Daher sehen die IVAN-Empfehlungen auch ausdrücklich vor, die Lebensrealität des Kindes, sein mögliches Leiden unter der Störung, die Beeinträchtigung der Alltagsbewältigung und die Möglichkeiten der Förderung im Alltag besonders zu beleuchten, damit jedes Kind die passende Anregung erhalten kann.

Diese Aufzählung verdeutlicht, dass die Frage der Heilmittelindikation nicht zwischen Abhorchen und Hustensaft geklärt werden kann. Oft vergehen Wochen, manchmal Monate von der ersten Anfrage bis zur Klärung. Viele Kinder- und Jugendärzte in Deutschland empfehlen Eltern von Vorschulkindern, die selbst schon etwas zur Förderung ihres Kindes tun möchten für diese Zeit FamilienErgo. Natürlich können und sollen Sie als Eltern den Therapeuten nicht ersetzen. Aber von Ihnen kann Ihr Kind vieles lernen, was seine Wahrnehmung und Motorik fördert. Vielleicht war Ihnen bisher noch nicht bewusst, dass Sie die folgenden Entwicklungsbereiche mit „ganz normalen“ Alltagstätigkeiten fördern können:

Im Familienalltag können viele Entwicklungsbereiche gefördert werden

  • Obst schälen, Brot schmieren übt die Feinmotorik
  • Balancieren auf Baumstämmen und Bordsteinen fördert die Grobmotorik
  • Tisch decken und Telefonieren fördert Wahrnehmung und Kognition
  • Beim Einkaufen helfen und Selber etwas machen statt Fernsehen gucken und fördert die Konzentration
  • Selbstständiges Anziehen fördert die Bewegungswahrnehmung (Kinästetik)

Diese Tätigkeiten werden auch von der „gemeinsamen Arbeitsgruppe Heilmittel“ der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen empfohlen:

Elterninfo: „Ergotherapie – Ja oder Nein?“

Die FamilienErgo-Broschüre und das Buch „Topfit für die Schule“ (Dernick/Küstenmacher) enthalten eine ausführliche Tabelle, mit welchen Betätigungen diese Entwicklungs-bereiche bei Vorschulkindern gefördert werden können.

Auffälligkeit beim Kind: Wann zur Therapie?

Auffälligkeiten wachsen sich häufig aus

Trotzdem bedenklich: In den Schuleingangsuntersuchungen gelten 33 Prozent der Kinder als auffällig. Sprachliche Schwächen, Verhaltensprobleme und motorische Ungeschicklichkeit stechen den Schulärzten ins Auge. Bei Lina, Max und Jonas hätten die Untersucher vielleicht auch noch einmal genauer nachgefragt und womöglich einen Vermerk auf dem Bogen gemacht. Doch Spitczok von Brisins­ki beruhigt: „Nicht jedes Kind, das die Norm bei dieser Untersuchung nicht erreicht, muss behandelt werden.“ Er rät deshalb zur Gelassenheit. Und dann sagt er einen Satz, den Eltern lieben werden: „Vieles wächst sich aus.“

Also abwarten. Durchatmen. Aber wie lange? „Wenn es nichts ist, was gefährlich ist, kann man es erst mal ein halbes Jahr beobachten“, so Spitczok von Brisinski. „Häufig beruhigt Eltern auch der Vergleich mit anderen“, erklärt Kinderarzt Bode. Mit einem leibhaftigen Batman spazieren zu gehen sorgt zwar für reichlich Gesprächsstoff auf der Straße, ist aber zunächst noch kein Grund, nervös zu werden. Vor allem dann nicht, wenn man die Nachbarstocher als schweinchenrosa Lillifee erspäht. „In dem Alter haben Kinder häufig noch ein magisches Denken und Allmachts­fantasien, die aber meist wieder verschwinden“, erklärt Professor Stephan Bender, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Uniklinik Köln.

Schwere Störungen früh behandeln

Ist mein Kind nur etwas schüchtern – oder schon fast autistisch? Ist es zu lebhaft – oder hat es ­eine Aufmerksamkeitsstörung? ­Diese Grenze ist für Laien oft schwer zu erkennen. „Gerade wenn es um tief greifende Entwicklungsstörungen geht, sollte man keine Zeit verlieren“, sagt Spitczok von Brisinski. Dazu gehört zum Beispiel Autismus. Auch schwere Verhaltensauffälligkeiten müssen behandelt werden. „Solche seelischen Störungen wirken sich fatal auf die Entwicklung aus. Je früher man da mit der Therapie beginnt, umso besser sind die Aussichten“, sagt Bender. „Aber echte neuropsychiatrische Probleme, wie zum Beispiel auch ADHS, treffen nur wenige Prozent der Kinder.“ Bei der Mehrheit der Fälle können Eltern und Kinderärzte also das ­Kleine erst mal beobachten. Künftig wollen die Kinderärzte übrigens in den Vorsorgeuntersuchungen gezielt nach Auffälligkeiten und Alarmzeichen von psychiatrischen Erkrankungen fragen. Wann dies flächendeckend umgesetzt wird, steht allerdings noch nicht fest.

Eltern können Sprachentwicklung selbst fördern

Auch sprachliche Auffälligkeiten wie Stottern „geben sich häufig wieder“, sagt Bode. In den Vorsorgeuntersuchungen achten Kinderärzte ohnehin darauf, wie die sprachliche Entwicklung verläuft. Das ist wichtig, weil Defizite in vielerlei Hinsicht Nachteile bringen: in der Schule, im Kontakt mit anderen, für das Selbstwertgefühl. Fällt bei den Vorsorgeuntersuchungen eines Zwei- oder Dreijährigen auf, dass er das übliche Sprachniveau noch nicht erreicht hat, können Eltern zunächst entspannt die Fähigkeiten fördern: indem sie beispielsweise mit ihrem Kind viel sprechen und ihm vorlesen. Es gibt keinerlei Hinweise, dass ein ansonsten gesundes Kind mit verzögerter Sprach­entwicklung in diesem Alter von einer logopädischen Therapie profitiert, so Bode.

Ergotherapie wird zu häufig verschrieben

Nach Meinung von Ingo Spitczok von Brisinski wird Ergotherapie zu häufig verschrieben: „Für viele Auffälligkeiten ist die Wirksamkeit dieser Therapie nicht bewiesen.“ Und einem Vierjährigen, der einfach nicht gern malt, nützt die beste Ergotherapie nichts. „Ist ein Kind auffällig, ­würde jeder Kinderarzt ohnehin sofort die entsprechenden Maßnahmen verordnen“, meint Kinderneurologe Harald Bode. Er rät Müttern und Vätern dazu, sich ­­gelegentlich ­einen anderen Blick auf die kleinen Unperfektheiten des Nachwuchses zu gönnen: Man könne sich, so Bode, „auch über ein Kind mit Ecken und Kanten freuen“.

Ergotherapie: Was bringt sie Kindern wirklich?

Wie nützt die Heilmethode Kindern?

Manche Kinder sind motorisch nicht alters­gemäß entwickelt. Oder sie leiden unter Verhaltensauffälligkeiten, haben ADHS oder zeigen seelische Störungen wie starke Ängste. Auch bei Behinderungen, etwa beim Down-Syndrom, kann man die Kinder mit Ergotherapie fördern. Das funktioniert durch einen Strauß an Maßnahmen, die individuell auf das Kind zu­geschnitten sind.

Das reicht von verhal­tenstherapeutischen Ansätzen über Kon­zentrationstrainings bis hin zur Sensorischen Integration (SI), einem ganz wichtigen Pfeiler der Ergotherapie. Mit ihrer Hilfe sollen Kinder lernen, sich ­besser wahrzunehmen, und alle Sinne trainieren. Dabei sitzen die Kinder zum Beispiel auf einer sogenannten ­SI-Schaukel, nutzen Rollbretter und schräge Ebenen, werfen Bälle oder malen.

„Die spielen ja bloß!“ – so lautet ein häufiger Vorwurf. Was erwidern Sie darauf?

Oft wirkt das, was die Kinder machen, tatsächlich spielerisch und leicht. Aber dahinter stecken ausgeklügelte Konzepte. Im Spiel erfährt das Kind seinen Körper, der Therapeut setzt bewusst bestimmte Impulse.

Auf der schiefen Ebene etwa kann ein Kind seinen Gleichgewichtssinn trainieren. Beim Malen geht es unter anderem um die Verbesserung der Feinmotorik. Was ein Kind braucht, bestimmt der Therapeut zu Therapiebeginn, je nach Diagnose und Entwicklungsstand.

Wird Ergotherapie zu oft verordnet?

Sicherlich nicht zu oft – aber manchmal an der falschen Stelle. Das Hauptproblem bildet dabei das ärztlich begrenzte ­Budget für Heilmittelbehandlungen, worunter auch die Ergotherapie fällt. Kinder mit Down-Syndrom etwa profitieren von regelmäßiger Ergotherapie enorm.

Aber es bedarf dafür vieler Verordnungen, die oft das ärztliche Kassenbudget sprengen. Verordnet der Arzt hingegen für viele Kinder mit kleinerem Handicap Ergotherapie, ist dem Kind meist mit ein paar Stunden geholfen.

Brauchen Kinder heute zum Schuhebinden wirklich einen Therapeuten?

Ich glaube nicht, dass der Nachwuchs ­heute grundsätzlich motorisch ungeschickter ist als früher. Vielmehr ist der Anspruch gestiegen, und zeitgleich stellt das Leben heute an den Körper ­andere Anforderungen. Heute reicht es nicht, dass Kinder sich gut entwickeln, sie müssen hundertprozentig funktionieren.

Wann zahlt die Kasse Ergotherapie?

Wenn der Arzt die Therapie für Kinder verschreibt, übernehmen die gesetzlichen Kassen die Kosten. Was viele nicht wissen: Ergotherapie muss nicht ­immer in der Praxis stattfinden, der Therapeut kommt, wenn nötig, auch nach Hause oder in die Kita. Wich­tig ist, der Therapeut sollte auf Kinder spezialisiert sein. Bei der Suche nach dem richtigen Ergotherapeuten hilft der Bundesverband.

Was macht man bei einer Ergotherapie?

Grundsätzlich gliedert sich der Therapieprozess der Ergotherapie in drei Schritte:

  • Evaluation (Befunderhebung und Definieren eines Ziels)
  • Intervention (Planung einer Behandlung und deren Durchführung)
  • Outcome (Bewertung der Therapieergebnisse)

Hat der Ergotherapeut die Situation des Patienten bewertet und gemeinsam mit ihm die Therapieziele vereinbart, wählt er eine für die Intervention geeignete Therapiemethode. Dabei stehen ihm folgende Ansätze zur Verfügung:

  • kompetenzzentriert alltagsrelevant
  • subjektbezogen ausdruckszentriert
  • interaktionell
  • wahrnehmungsbezogen handlungsorientiert

Kompetenzzentriert alltagsrelevante Methoden

Die kompetenzzentrierte Ergotherapie ist eine der häufigsten Ansätze. Der Patient soll sich dabei verloren gegangene Fertigkeiten mit Unterstützung des Ergotherapeuten wieder erarbeiten. Dazu gehören handwerkliche Tätigkeiten wie Sägen, Nähen und Korbflechten, aber auch Tätigkeiten zur Alltagsbewältigung und Freizeitgestaltung wie Kochen, Spiele oder Behördengänge. Des Weiteren kommen Übungen und Spiele, die die Gedächtnisleistung trainieren zum Einsatz.

Subjektbezogen ausdruckszentrierte Methoden

Bei diesem Therapieansatz soll der Patient lernen, innere Empfindungen gestalterisch auszudrücken und sich selbst für sein Befinden zu sensibilisieren. Der Ergotherapeut lässt die Patienten hier malen oder basteln, entweder alleine oder in einer Gruppe. Meist gibt er dazu auch ein Thema vor. So bittet er zum Beispiel einen depressiven Patienten, ein Bild mit Farben zu gestalten, die für ihn Freude bedeuten.

Interaktionelle Methoden

Dieser Therapieansatz wird eingesetzt, um Patienten anzuregen, sich mit anderen Mitmenschen auseinanderzusetzen und das Miteinander in einem sozialen Gefüge zu fördern. Die interaktionelle Ergotherapie findet daher natürlicherweise in Partner- oder Gruppenarbeit statt. Der Ergotherapeut stellt hier der Gruppe eine Aufgabe, zum Beispiel ein gemeinsames handwerkliches Projekt oder ein Rollenspiel. Dann beobachtet er die Gruppe in der Arbeitsphase: Wie werden Konflikte gelöst? Wer sucht sich welche Rolle in der Gruppe? Wie kommunizieren die Patienten miteinander? Im Anschluss reflektiert der Therapeut den Arbeitsprozess gemeinsam mit den Patienten und arbeitet ihn auf.

Wahrnehmungsbezogen handlungsorientierte Methoden

Hier vermittelt der Ergotherapeut dem Patienten seine Sinnes- und Körperwahrnehmungen. Hilfreich sind ganz einfache Übungen wie zum Beispiel das Massieren der Hände mit einem „Igelball“, das Tasten und Erkennen von Materialien, Vibrationsempfindungen oder Wärme- und Kälteerlebnisse im Wasserbad. Durch diese neuen Erfahrungen soll der Patient lernen, bewusst Sinneserlebnisse aufzunehmen und richtig einzuordnen. Dieser Therapieansatz wird vor allem bei psychiatrischen Patienten oder Kindern mit Entwicklungsstörungen eingesetzt.

Ergotherapeutische Gruppenbehandlungen

Manche Maßnahmen der Ergotherapie werden in Rahmen von Gruppenbehandlungen durchgeführt. Dabei können beispielsweise Inhalte, die in der Einzeltherapie erarbeitet wurden, in der Gruppe ausprobiert und trainiert werden. Dazu gehören etwa Übungen von Alltagskompetenzen, aber auch Übungen zum Hirnleistungstraining für Menschen mit entsprechenden Störungen oder Demenzerkrankungen. Trainiert werden:

  • Sozialkompetenz
  • Konfliktlösung
  • Stressbewältigung
  • Planungsfähigkeit
  • Wahrnehmungsschulung
  • Konzentration
  • Gedächtnis

Ergotherapie für Kinder: Modebehandlung oder sinnvolle Förderung?

Ergotherapie boomt – vor allem bei Kindergarten- und Grundschulkindern. So entfallen laut Krankenkassenberichten über die Hälfte aller Ergotherapie- Verordnungen auf Minderjährige. Und 70 Prozent davon auf Jungen. In der neuesten Ausgabe von Gehirn&Geist (9/2007) warnen Experten wie der Bonner Kinderneurologe Helmut Hollmann jedoch vor übertriebener Therapiegläubigkeit: Es gebe keine wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit, und oft basierten die Behandlungen auf längst überholten Theorien.
Immer mehr Kinder haben heute Probleme mit eigentlich ganz selbstverständlichen Aufgaben – sie können etwa ihre Bewegungen nicht richtig koordinieren und einschätzen. Bei anderen hapert es eher an der Feinmotorik: Sie können zur Einschulung noch nicht mit Stift und Schere umgehen. Für Ergotherapeuten handelt es sich dabei um schwerwiegende Entwicklungsstörungen, die behandelt werden müssen, sonst bekommen die Kinder spätestens in der Schule große Probleme.
Doch spielen andere Faktoren eine wichtigere Rolle. So sitzen viele Kinder täglich stundenlang vor dem Fernseher oder dem Computermonitor. Dabei konsumieren sie nur passiv – statt selbst kreativ zu werden, draußen zu spielen und ihre Fähigkeiten zu entdecken.
Wenn also ein Fünfjähriger noch nicht gegenständlich malt, sollten sich laut Hollmann die Eltern öfter mit ihm und ein paar Buntstiften hinsetzen, anstatt sich vom Kinderarzt eine Ergotherapie verschreiben zu lassen. Häufig reicht nämlich etwas mehr Förderung daheim und im Kindergarten schon aus, um solche Entwicklungsrückstände wettzumachen. Denn auch ein Ergotherapeut versucht die fehlenden Fertigkeiten durch im Grunde einfache Maßnahmen zu vermitteln: Malen, Spielen, Werken, Bewegungsübungen – und viel individuelle Zuwendung.Das kann durchaus Verbesserungen bewirken, wenn es zuvor an entsprechenden Impulsen fehlte. Befindet sich ein Kind jedoch dank regelmäßiger und kompetenter Förderung durch Eltern und Erzieher ohnehin bereits im oberen Bereich seines persönlichen Entwicklungspotenzials, bringt auch eine Therapie nicht mehr viel.
Aus wissenschaftlicher Sicht mangelt es der Ergotherapie bei Kindern grundsätzlich an Legitimation. Im Unterschied zum Einsatz in der Rehabilitation erwachsener Patienten existieren hierzu nämlich keine Studien. Es gibt keine Belege dafür, dass sich bei Minderjährigen mit Ergotherapie bessere Erfolge erzielen lassen als mit anderen Methoden – oder auch ganz ohne Behandlung!
Denn Fünfjährige entwickeln sich nun einmal auch ohne professionelle Förderung ständig weiter – mitunter auch sprunghaft. Außerdem gibt es keinen allgemein gültigen „Fahrplan“: Was ein Steppke schon kann, kommt bei einem anderen vielleicht erst ein halbes Jahr später zum Vorschein.
Zudem kritisieren Kinderneurologen wie Joachim Pietz, Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums am Universitätsklinikum Heidelberg, dass viele Therapeuten antiquierten Theorien folgen, die aus Sicht der modernen Neurowissenschaften nicht haltbar sind – etwa der „Sensorischen Integrationstherapie“ oder dem beliebten Konzept des „Entwicklungsbaums“, demzufolge sich komplexere Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben erst dann ausbilden können, wenn das Zusammenspiel verschiedener Sinnessysteme gut klappt. Die biologischen Vorgänge bei der Ausbildung unserer Wahrnehmungsfähigkeiten sind jedoch laut Pietz weitaus komplizierter, als die Begründer dieser Ansätze wissen konnten.

Welchem Kind hilft Ergotherapie?

Ergotherapie kann Kindern helfen,

  • die mit sich nicht zurecht kommen,
  • die mit ihrer Umwelt nicht zurecht kommen, oder
  • mit denen die Umwelt nicht zurecht kommt.

Konkrete Auffälligkeiten können sein

  • Teilleistungs- und Lernstörungen
  • Störung der Körper- oder Umweltwahrnehmung
  • Hypersensibilität, hochsensible Kinder
  • Aufmerksamkeitsdefizite mit/ohne Hyperaktivität (ADS/ADHS)
  • Auffälligkeiten der feinmotorischen Entwicklung
  • Graphomotorische Auffälligkeiten
  • Visuomotorische Auffälligkeiten
  • Grobmotorische Defizite und Koordinationsprobleme
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Probleme im Sozialverhalten, der Beziehungsbildung und der Kommunikationsfähigkeit
  • Verhaltensstörungen
  • Frühkindliche Hirnschädigungen
  • Körperliche oder geistige Behinderungen
  • Lernbehinderungen

Wir haben die Möglichkeit, bei Kindern ab einem Alter von ca. 3 Monaten bis hin zum Teenager jeweils altersentsprechende Befunde zu erheben, bezogen auf ihre Wahrnehmung, Motorik, Koordination und alle damit in Verbindung stehenden Fähigkeiten wie z.B. Lernverhalten, Konzentration, Spielverhalten, Sozialverhalten etc..

Ergotherapie – Was ist das eigentlich genau?

Ich habe großes Glück: Ich darf bald einen Vortrag über mein Projekt vor ein paar Ergotherapeutinnen und –therapeuten halten. Ich freue mich riesig und bin schon ganz gespannt darauf. In diesem Zusammenhang habe ich mich gefragt:

Was genau ist Ergotherapie eigentlich und welche Ziele verfolgt sie?

Ich bekomme jetzt zwar seit circa einem Jahr regelmäßig Ergotherapie und weiß, wie eine solche Therapiestunde abläuft, trotzdem habe ich mich bisher nicht mit der Theorie dahinter befasst; bis jetzt. Ich war neugierig und googlete ein wenig. Heute will ich Dir einmal zeigen, was ich dabei herausgefunden habe.

Ergotherapie ist ein anerkanntes medizinisches Heilmittel.

Der Deutsche Verband der Ergotherapeuten (DVE) beschreibt Ergotherapie wie folgt:

„Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen , die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind. Ziel ist, sie bei der Durchführung für sie bedeutungsvoller Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken.“

Beim weiteren Lesen entdeckte ich: Mit Selbstversorgung sind an dieser Stelle Dinge wie sich selbst anziehen, waschen oder auch kochen gemeint. Unter Produktivität werden die Anforderungen des Berufslebens gefasst (wie z.B. Computerarbeit, handwerkliche Arbeit usw.). Zu freizeitlichen Aktivitäten gehören Freunde treffen, schwimmen gehen, ins Kino gehen usw.

Der DVE führt weiterhin aus, dass es innerhalb der Ergotherapie darum gehe, Menschen in ihrer Handlungsfähigkeit und ihrer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu stärken und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Aha! Letztendlich geht es in der Ergotherapie also einerseits darum, die Fähigkeiten einer Person wieder herzustellen und zu verbessern und andererseits darum, deren Leben so normal und angenehm wie nur möglich zu gestalten. Ein sehr großes und tolles Ziel finde ich.

Ein weiterer interessanter Aspekt: Vielseitigkeit

Wusstest Du, dass innerhalb der Ergotherapie nicht nur Menschen mit einer besonderen körperlichen Situation (manche sprechen hierbei auch von körperlicher Behinderung), sondern auch mit einer besonderen psychischen Situation (Beeinträchtigung) behandelt werden?

Mir war das bisher noch gar nicht so bewusst. Während ich in meiner Ergo-Stunde an der Verbesserung meiner rechtsseitigen Motorik arbeite, arbeiten andere, insbesondere Kinder mit ADS oder ADHS, an der Verbesserung ihrer Konzentrationsleistung. Wieder andere schulen mithilfe der Ergotherapie ihre Wahrnehmungsfähigkeiten. Ergotherapie ist damit ein ganz schön weites Feld.

Ganz wichtig: die Selbstbestimmung

Egal, wie sich die besondere Situation einer Person äußert, in der Ergotherapie geht es darum, die Selbstbestimmung von Menschen zu fördern und zu erhalten. Und wie das? Mithilfe von:

  • gezieltem Training,
  • Anpassung des Umfelds an die Bedürfnisse des Patienten und
  • Beratung.

Passend dazu sind die Ziele der Therapie immer an denen des Patienten orientiert.

Letzteres finde ich richtig gut. Denn auch in Zusammenarbeit mit meiner Ergotherapeutin kann ich mir frei aussuchen, an welchen Zielen ich arbeiten möchte. So bleibe ich motiviert und trainiere regelmäßig. Denn schließlich will ich ja meine Ziele erreichen.

Es gibt nicht DIE Ergotherapie.

Innerhalb dieses Feldes gibt es kein einheitliches standardisiertes Vorgehen. Es existieren viele Ansätze nebeneinander. Ergotherapie kann daher sehr unterschiedlich sein. Es gibt beispielsweise die

  • sensorische Integrationstherapie (dient der verbesserten Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn),
  • das Affolter Modell (Ziel: Verbesserung der Wahrnehmung und der Beziehung zur Umwelt)
  • verschiedenste Konzentrationstrainings (z.B. für Kinder mit so genannten Aufmerksamkeitsstörungen)
  • und das Bobath-Konzept.

An dieser Stelle will ich Dir kurz das Bobath-Konzept vorstellen, weil dieses sehr häufig innerhalb der Ergotherapie, aber auch in der Physiotherapie angewandt wird.

Das vielseitige Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept wurde 1954 von der Physiotherapeutin Berta Bobath und dem Neurologen Dr. Karl Bobath entwickelt. Die Behandlung verfolgt verschiedenste Ziele:

  • die Wiederherstellung von verlorengegangenen Fähigkeiten,
  • die Versorgung mit Hilfsmitteln (Umweltanpassung),
  • die Erweiterung der Handlungsfähigkeiten
  • und die größtmögliche Selbstständigkeit.

Ursprünglich wurde das Konzept speziell für Menschen mit einer Halbseitenlähmung (Hemiplegie/Hemiparese) entwickelt (also genau mein Konzept ;)). Heute werden aber auch Personen mit Schädelhirntrauma, MS oder Parkinson mit diesem Konzept therapiert.

Interessant an dem Konzept finde ich, dass der behandelnde Ergotherapeut zu Beginn der Therapie erst einmal darauf achtet, was der jeweilige Patient bereits kann. Die Betonung liegt hierbei somit auf den Ressourcen und Stärken des Patienten und nicht auf dessen Defiziten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es wesentlich sinnvoller ist, die Stärken anstatt der Schwächen zu betonen. Denn wenn ich weiß, was ich alles schon schaffe, glaube ich mehr an mich, ich bin motiviert und arbeite gerne an meinen Zielen. Wenn ausschließlich meine Schwächen betont werden, habe ich erst gar keine Lust, überhaupt mit dem Training anzufangen, weil ich denke, dass ich an meiner Situation sowieso nichts ändern kann.

Zum weiteren Vorgehen der Bobath-Therapie gehören:

  • das gemeinsame Festlegen von Zielen im Hinblick auf Motorik und Sensorik,
  • Bewegungsübungen, die der Patient eigenständig durchführt sowie geführte Bewegungsübungen durch den Therapeuten
  • und die Integration von zuvor geübten Bewegungen in den Alltag.

Somit ist auch das Bobath-Konzept stark an den Bedürfnissen und den Zielen des Patienten orientiert. Es geht darum, ihn innerhalb seines Umfeldes bestmöglich zu unterstützen.

Während meiner Recherche zum Thema Ergotherapie ist mir erst so richtig bewusst geworden, wie viel hinter dieser Behandlungsform steckt.

Es ist ein großes und vielseitiges Therapiekonzept, das vielen Menschen dabei helfen kann, ihre besondere psychische oder körperliche Situation zu verbessern. Ich bin auf jeden Fall begeistert davon und sehr froh darüber, dass ich regelmäßig zur Ergotherapie gehe. Sie hilft mir dabei, meine Sensorik und Motorik zu verbessern.

Ergotherapie oder Physiotherapie studieren: Was genau sind die Unterschiede?

Schwankst du bei deiner Studienwahl noch zwischen Physiotherapie und Ergotherapie? Wir haben für dich die wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Berufszweigen zusammengefasst und hoffen, dass dir unsere Gegenüberstellung bei deiner Entscheidung hilft.

Die wesentliche Unterscheidung der beiden Therapieansätze steckt bereits in den ursprünglichen Wortbedeutungen: „Physis“ bedeutet „Körper“ auf altgriechisch und „Ergon“ kann als „Arbeit“ bzw. „Handlung“ übersetzt werden. Die Physiotherapie behandelt allein den Körper an sich und war früher auch als Krankengymnastik bekannt. Die Ergotherapie bezieht sich ganzheitlich auf die Handlungen eines Menschen und setzt bei der Therapie nicht nur im körperlichen Bereich an, sondern beachtet darüber hinaus auch die Auswirkungen psychologischer und sozialer Aspekte auf spezielle Handlungsabläufe.

Verschiedene Therapie-Ansätze

Die Physiotherapie verfolgt daher einen funktionsorientierten Therapie-Ansatz und die Ergotherapie einen handlungsorientierten Therapie-Ansatz.

Bei körperlichen Beschwerden behandelt die Physiotherapie allein den Körper des Patienten. Die Ergotherapie betrachtet und behandelt auch die körperlichen Beschwerden, geht aber darüber hinaus auf den Alltag und das Umfeld des Patienten ein. Sie beachtet psychologische oder soziale Aspekte, wie zum Beispiel Stress und Mobbing, die sich langfristig negativ in Form von Handlungsstörungen bemerkbar machen können.

Physiotherapie: Der funktionsorientierte Therapie-Ansatz

Ein Physiotherapeut ist spezialisiert auf die Therapie der körperlichen Probleme eines Patienten, die beispielsweise durch einen Unfall ausgelöst wurden. Die Therapiemethoden konzentrieren sich mithilfe von selbstständig ausgeführten Übungen auf das Stärken bestimmter Regionen des Körpers. Die Krankengymnastik wird ergänzt durch die Manuelle Therapie, die Massagen und vom Therapeuten ausgeführte Dehnübungen beinhaltet.

Physiotherapie-Patienten können ihre Übungen von Beginn an auch zuhause durchführen, während Ergotherapie-Patienten in der Regel aufgrund psychischer Blockaden Schritt für Schritt auf die selbstständige Durchführung vorbereitet werden müssen.

Ergotherapie: Der handlungsorientierte Therapie-Ansatz

Ein Ergotherapeut behandelt deshalb im Rahmen der Therapie vor allem tieferliegende Ursachen für die gestörten Handlungsabläufe des Patienten. Die Therapiemethoden konzentrieren sich auf das Stärken des generellen Wohlbefindes des Patienten, um dem Patienten die entsprechenden Handlungen wieder zu ermöglichen. Die Krankheitsbilder sind in der Ergotherapie sehr vielfältig und reichen von Bewegungsproblemen bei Kindern zu Burnout- und Parkinson-Patienten, die bei alltäglichen Handlungsabläufen stark eingeschränkt sind.

Im Gegensatz zur Physiotherapie steht bei der Ergotherapie die Selbstständigkeit des Patienten stark im Vordergrund. Da bei einem Ergotherapie-Patienten eine Vielzahl an psychologischen, sozialen und körperlichen Aspekten das jeweilige Krankheitsbild ergeben, besteht die Haupttätigkeit des Therapeutin darin, das generelle Empfinden des Patienten und die eigene Selbstständigkeit durch individuell abgestimmte Übungen stetig zu verbessern.

An diesen FHs kannst du Physiotherapie und Ergotherapie studieren

Wenn du dir noch immer unschlüssig bist oder falls du dir noch mehr Informationen zu den beiden Studiengängen einholen möchtest, erhältst du weitere Informationen über die verschiedenen Aufnahmeverfahren für Physiotherapie und Ergotherapie auf unseren Übersichtsseiten sowie auf den Websites der Hochschulen:

Physiotherapie Ergotherapie
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