Empathie BEI kindern

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Empathie: Wie Kinder Mitgefühl lernen

Was ist Empathie eigentlich?

Eine ganz klare Definition von Empathie gibt es nicht, Wissenschaftler sind sich hier nicht ganz einig. Grob zusammengefasst ist Empathie die Fähigkeit, zu erkennen, was in einem anderen vorgeht. Dabei hat Empathie viele Facetten, eines der bekanntesten Modelle dazu ist der „Interpersonal Reactivity Index“ von Davis. Das Modell umfasst folgende Dimensionen:

  • Perspektivübernahme: die Fähigkeit, die Sichtweisen anderer einzunehmen
  • Mitgefühl: die Tendenz, empathische Gefühle für andere zu hegen, etwa Wärme und Freude für oder Sorge um andere, vor allem, wenn diese negative Erfahrungen machen
  • Persönliche Betroffenheit: die Tendenz, sich selbst unwohl, ängstlich oder gestresst zu fühlen, wenn andere negative Erfahrungen machen
  • Fantasie-Empathie: die Tendenz, sich stark mit fiktionalen Charakteren zu identifizieren, etwa aus Büchern, Filmen oder Spielen

Warum ist Empathie wichtig?

Empathisch zu handeln, bedeutet also nicht nur nachzuvollziehen, was der andere denkt, fühlt oder plant. Es bedeutet auch, Mitgefühl dafür zu haben, ihm Verständnis entgegenzubringen, wenn möglich, zu unterstützen. Warum sollten Kinder das unbedingt lernen? Wirklich empathisch zu handeln, ist enorm wichtig für viele Bereiche des täglichen Lebens: für ein gutes soziales Miteinander, zum Knüpfen stabiler Beziehungen, zur Übernahme sozialer Verantwortung, zum Lösen von Konflikten, ebenso wie für den beruflichen Erfolg. Wenn unsere Kinder also lernen, anderen Menschen emphatisch zu begegnen, haben sie das wichtigste Gepäck für die Reise durch das Leben dabei.

Wie lernen Kinder Empathie? Tipps für Eltern

Die gute Nachricht: Empathie kann jeder lernen, die Anlagen dafür stecken in uns Menschen. Die sogenannten „Spiegelneurone“, die in etwa zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr voll entwickelt sind, lassen uns Handlungen und Gefühle anderer nachvollziehen. Die schlechte Nachricht: Empathisches Handeln will – wie so vieles – fleißig geübt werden, damit es so richtig klappt. Im Programm „making caring common“ der Harvard Universität haben sich Forscher und Praktiker intensiv damit auseinandergesetzt, wie wir unsere Kinder zu emphatischen und fürsorglichen Menschen erziehen können. Wir haben die besten Tipps für Sie zusammengefasst.

Tipp #1: Eine emphatische Beziehung zum eigenen Kind aufbauen

Wie du mir, so ich dir: Andere zu respektieren und ihnen emphatisch zu begegnen lernen Kinder vor allem, indem ihnen selbst so begegnet wird. Eine enge und liebevolle Beziehung zu ihren Eltern macht sie außerdem offener für die Ratschläge und Wertevorstellungen dieser.

Wer also auf die körperlichen und emotionalen Bedürfnisse seines Kindes achtet und auf diese eingeht, ist auf dem besten Weg zum Empathie-Vorbild. Dazu gehört es natürlich seine Zuneigung zu zeigen, aber auch für eine stabile und sichere Umgebung zu sorgen sowie die individuelle Persönlichkeit des Kindes zu respektieren.

Empathische Eltern sind wichtig, damit Kinder lernen, selbst empathisch zu sein. | © Caroline Hernandez – UnsplashRegelmäßige gemeinsame Zeit bietet Raum, um Aufmerksamkeit zu schenken und Wertschätzung auszudrücken. Verankern Sie zum Beispiel feste Rituale am Abend oder planen Sie in wiederkehrenden Abständen gemeinsame Aktivitäten ein. Auch durch häufige Gespräche über die (eigenen) Gefühle und Erlebnisse und die des anderen können Kinder Empathie lernen. Zeigen Sie dabei Interesse an den Dingen, die Ihrem Kind wichtig sind und bestärken Sie es in seinen Anstrengungen und Erfolgen. Das geht zum Beispiel mit Sätzen wie:

  • „Was war heute das Beste an deinem Tag? Was das Schwierigste?“
  • „Was hast du heute erreicht, über das du dich gefreut hast?“
  • „Was hat heute jemand für dich Nettes getan? Was hast du Nettes für jemanden getan?“
  • „Was hast du heute gelernt – in der Schule oder außerhalb davon?“

Tipp #2: Empathie, Mitgefühl & Fürsorge vorleben

Als Empathie-Vorbild sollten wir natürlich nicht nur emphatisch gegenüber unseren Kindern sein, sondern auch im sonstigen Leben zeigen, wie wichtig Empathie und Mitgefühl sind. Zeigen sie also Mitgefühl für andere, auch für Menschen, die sich sehr von Ihnen unterscheiden. Mitgefühl meint damit nicht Mitleid, sondern Verständnis und Offenheit für die Gefühle, Situationen oder Ideen anderer.

Das fängt bei kleinen Dingen an, wie die Sorgen oder Schwierigkeiten anderer ernst zu nehmen, sich dafür zu interessieren, welche Herausforderungen unterschiedlichste Menschen meistern, oder anderen zu helfen. Vielleicht haben Sie sogar die Möglichkeit, sich (regelmäßig) für das Gemeinwohl zu engagieren, im Idealfall zusammen mit Ihrem Kind.

Tipp #3: Empathie und Fürsorge priorisieren

Natürlich wünschen sich alle Eltern, dass ihre Kinder glücklich sind. Allerdings: Damit Kinder Empathie und Mitgefühl lernen, müssen sie auch wissen, dass die Bedürfnisse anderer ebenso wichtig sind. Ein Anfang ist etwa, den häufig genutzten Satz „Das Wichtigste ist, dass du glücklich bist“ in „Das Wichtigste ist, dass du freundlich zu anderen bist und dass du glücklich bist“ zu ändern.

Die Welt dreht sich eben nicht nur um die eigene Person und die eigenen Interessen und Aktivitäten sollten auch mal hintenangestellt werden. Dazu gehört zum Beispiel im Haushalt zu helfen, auch wenn man lieber spielen möchte, freundlich zu sein, auch wenn die eigene Laune gerade nicht so gut ist oder auch nicht dazwischenzureden, wenn gerade jemand anderes spricht.

Auch in Gesprächen mit anderen Erwachsenen, denen das Kind beiwohnt, können Sie die Wichtigkeit von Empathie unterstreichen. Fragen Sie den Lehrer nicht nur nach den Noten Ihres Kindes, sondern auch, wie es sich für die Klassengemeinschaft einsetzt, den Trainer nicht nur nach Leistungen, sondern wie es sich ins Team einbringt, erzählen sie nicht nur von mathematischen oder künstlerischen Talenten Ihrer Kleinen, sondern auch von ihrer Empathiefähigkeit und ihrem Gemeinschaftssinn.

Tipp #4: Empathie lernen – Übung macht den Meister

Empathie zu lernen ist in gewisser Weise wie sich eine neue Sprache anzueignen. Die Anlagen dafür sind vorhanden, aber gewisse Aspekte muss man einfach immer wieder üben, Fehler machen, es erneut versuchen. Wie kann ich die Gefühle anderer besser verstehen, wie mich in andere hineinversetzen? Geben Sie Ihrem Kind also so oft wie möglich die Chance, emphatisches Verhalten zu trainieren und die Perspektiven von anderen zu übernehmen.

© markzfilter –

  • Halten Sie Familiensitzungen ab: Ob auf Grund eines Konflikts in der Familie oder einfach zu einem regelmäßigen Zeitpunkt – setzten Sie sich mit der Familie zusammen, lassen Sie jedem Raum, seine Perspektive zu erläutern. Nehmen Sie dabei die Perspektive Ihres Kindes ernst und bestärken Sie es, den Perspektiven der anderen ebenso intensiv zuzuhören.
  • Empathie für Gleichaltrige fördern: Es gibt Streit in der Klassengemeinschaft oder mit einem Freund? Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, ermutigen Sie es, die Perspektive aller Streitparteien einzubeziehen und zu überlegen, was der andere wohl über den Streit denkt und fühlt.
  • Empathie wahrnehmen und reflektieren: Ob in Situationen mit anderen, beim Lesen eines Buches oder beim Schauen eines Filmes – sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, wenn jemand Empathie zeigt, oder eben, wenn er sie gerade nicht zeigt.
  • Ethische Dilemmas diskutieren: Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, wo es schwierig ist, empathisch zu sein. Soll ich einen Bekannten zu meinem Geburtstag einladen, den einer meiner besten Freunde nicht mag? Einer meiner Freunde hat hinter dem Rücken einer Freundin etwas nicht sehr Nettes gesagt, erzähle ich ihr das nun weiter?
  • Zusammenarbeit fördern: Es ist toll, etwas FÜR andere zu tun, aber noch schöner ist es, MIT anderen ein Problem zu lösen oder etwas für die Gemeinschaft zu stemmen. Wer sein Kind hier unterstützt, etwa an gemeinschaftlichen Projekten teilzunehmen, der stärkt die sozialen Kompetenzen seines Nachwuchses auf ganzer Linie.

Tipp #5: Gefühle erkennen, Selbstkontrolle entwickeln

Wenn Kinder keine Empathie zeigen, heißt das nicht, dass sie keine haben. Oft stehen ihnen aber eigene Gefühle im Weg – wie etwa Scham, Wut oder Angst. Wenn Kinder lernen, die eigenen Gefühle zu erkennen und zu kontrollieren, hilft dies sehr, emphatischer gegenüber anderen zu sein. Ein erster Schritt ist es, überhaupt zu üben, die Gefühle zu erkennen und ihnen einen Namen zu geben. Bestärken Sie Ihr Kind darin, über seine Gefühle zu sprechen und zu reflektieren: „Ich sehe, du bist wütend. Weißt du, warum?“ Auch Konfliktsituationen lassen sich so besprechen und trainieren: Wer hat sich wie gefühlt und warum? Benennen Sie Gefühle, üben Sie aktives Zuhören und versuchen Sie so, gegenseitiges Verständnis zu erreichen.

Um die eigenen Gefühle besser zu kontrollieren, hilft außerdem eine einfache Übung: innehalten, tief durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen und langsam bis fünf zählen. Trainieren Sie diese Schritte zunächst immer wieder mit Ihren Kleinen, wenn sie ruhig sind – und erinnern Sie sie dann in Situationen daran, in denen die Gefühle die Kontrolle übernehmen wollen.

Auch wichtig: Kümmern Sie sich regelmäßig um das eigene Wohlbefinden, lesen Sie, gehen Sie spazieren, nehmen Sie sich, wo es geht, eine Auszeit. Das hilft zum einen natürlich Ihnen selbst, um gelassener und emphatischer mit anderen umzugehen, zum anderen lernt Ihr Kind an Ihrem Vorbild ebenfalls, wie wichtig der achtsame Umgang mit sich selbst ist.

Tipp #6: Den eigenen Horizont erweitern

Bei Empathie geht es nicht nur darum, wie viel oder wenig wir davon haben. Ein wichtiges Merkmal dafür, wie emphatisch jemand ist, ist auch, für wen er Empathie aufbringen kann. Für die Familie oder Freunde empfinden die meisten Personen Empathie und auch bei Menschen, die uns selbst ähnlich sind, fällt dies leicht. Aber: Kinder (und Erwachsene) sollten unbedingt lernen, ebenso den Menschen außerhalb dieses Kreises Empathie entgegenzubringen, auch Menschen, die vielleicht ganz anders als sie selbst sind, die sie nicht verstehen, die ihnen fremd erscheinen.

Nachrichten, TV-Sendungen oder auch Geschichten sind ein guter Ansatzpunkt, um einen Blick über den Tellerrand hinaus zu wagen: um über die Herausforderungen oder auch die Not anderer zu sprechen, die unterschiedlichen Erfahrungen von Kindern in der ganzen Welt zu diskutieren und dabei zu üben, ganz verschiedene Perspektiven einzunehmen.

Aber auch im näheren Umfeld können Kinder lernen, über den eigenen Empathie-Schatten zu springen. Bestärken Sie Ihr Kind, ganz genau zuzuhören, auch und ganz besonders denen, die sie vielleicht nicht zu ihrem engsten Freundeskreis zählen: etwa einem Mitschüler, der gerade durch eine schwere Zeit geht oder einem Kind, das als unbeliebt gilt und geärgert wird.

Mehr Empathie: Auf in eine bessere Zukunft!

Alle Eltern wünschen sich eine tolle Zukunft für ihre Kinder. Wer mit seinen Kindern (aber auch selbst) übt, empathischer zu sein, hat ihnen bereits immens wichtige Fähigkeiten für die Zukunft mitgegeben. Und ja, jetzt wird es etwas kitschig: Er trägt auch dazu bei, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Wissensdurst noch nicht gestillt? Im #scoyolo-Podcast dreht sich alles um „Lernen mit Leichtigkeit” – voller Anregungen, Tipps und alle zwei Wochen neu! Jetzt gleich reinhören:

Kinder, die nichts mehr mit sich anzufangen wissen, nur an sich denken oder sozial unverträglich sind, treiben Eltern und Lehrer zur Verzweiflung. Ein neues Kuschelkonzept bietet Hilfe.

Immer auf die Kleinen: Dieser Grundsatz ist zwar vielleicht nicht besonders ehrenhaft, dafür hat er sich aber über Jahrhunderte bestens bewährt. Seit Kinder als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt sind, haben sie auch das Privileg erworben, unter die Lupe genommen zu werden. Vielen Beobachtern gefällt allerdings nicht mehr, was sie sehen. Zum Beispiel Kinder, die nur noch ein Wort kennen: „Ich“. Gefolgt vor allem von „will“ oder noch öfter „will nicht“. Dass diese Kinder über ein durchdringendes akustisches Repertoire verfügen, um ihren Wünschen Nachdruck zu verleihen, macht sie weder (ihren) Eltern noch Lehrern noch Altersgenossen noch Passanten sympathischer.

Das gilt auch für jene Kinder, die augenscheinlich nichts mehr mit sich anzufangen wissen. Die vor einem vollgerammelten Spielzeugregal stehen, die Augen verdrehen und den Killersatz sagen: „Mir ist sooo fad.“ Oder die Kinder, die negative Emotionen wie Frust oder Ärger nicht einmal mehr in homöopathischen Dosen aushalten und entweder verbal aggressiv reagieren oder dem Gegenüber einfach eine scheuern.
Gegen Egoismus und Gier. Das Urteil über diese Kinder fällt schon seit einiger Zeit ziemlich harsch aus („Tyrannen“) – und auf ihre Eltern zurück. Deshalb wird mit vereinten Kräften nach Mitteln gesucht, wie man den Nachwuchs von der schiefen Entwicklungsbahn zurück auf die gerade bringen kann. Jetzt gibt es dafür ein neues Angebot. „Empathie“ heißt das Zauberwort – ein durch und durch positives Konzept. Das gefällt einer Gesellschaft ganz besonders gut, die ohnedies um ihren sozialen Zusammenhalt fürchtet und gerade eine Wirtschaftskrise durchlebt, für die immer wieder Egoismus und Gier verantwortlich gemacht werden.

Empathie ist nichts anderes als die uralte menschliche Fähigkeit, sich auf der Basis von Selbsterkenntnis in andere Menschen hineinzuversetzen und nachzuempfinden, was sie fühlen. An sich ist Empathie weder eine gute noch eine schlechte Sache, in der öffentlichen Auseinandersetzung wird aber vor allem ihre positive Seite betont.
Jesper Juul und Peter Hoeg. Und mit dieser haben viele Kinder offenbar ihre Probleme. Der das sagt, ist niemand Geringerer als der pädagogische Guru zahlreicher Eltern in Skandinavien, Deutschland und Österreich: der dänische Familientherapeut Jesper Juul. Er hat sich einen Namen als Advokat einer entspannten Pädagogik gemacht, die Eltern von zu viel Verantwortung und Kinder von überbesorgten Eltern befreien will. Jetzt aber läutet er die Alarmglocke. Gemeinsam mit anderen Autoren – darunter auch der weltbekannte Schriftsteller Peter Hoeg („Fräulein Smillas Gespür für Schnee“) – hat Juul einen Aufruf für mehr Empathie geschrieben: „Miteinander – Wie Empathie Kinder stark macht“.

Seine Diagnose ist schnell zusammengefasst und auch nicht gänzlich unbekannt. Zu den überwachungsneurotischen „Helikopter-Eltern“ gesellten sich die „Curling-Eltern“, die – ähnlich dem Eissport mit Besen – ihren Kindern jedes Hindernis aus dem Weg räumen und jeden Schmerz ersparen wollen. Diese Eltern schaffen es nicht, ihren Kindern zu vermitteln, was es heißt, negative Emotionen zu erleben, diese auszuhalten und mit ihnen umzugehen. Einen Gefallen tun sie damit allerdings niemandem: „Kinder, die nicht von klein auf lernen, Momente der Frustration auszuhalten, entwickeln sich nicht weiter“, sagt Karin J. Lebersorger, die klinische Psychologin und Psychotherapeutin vom Institut für Erziehungshilfe. Sie hält die „Kindzentriertheit“ der heutigen Gesellschaft für verhängnisvoll: „Es sollte darum gehen, die Bedürfnisse der Kinder zu verstehen, nicht darum, sie sofort und umfassend zu befriedigen.“

Zu wenig Herzensbildung. Dieses Missverständnis kann dramatische Konsequenzen haben, vor allem in Verbindung mit einer Erziehung und Pädagogik, die die intellektuelle Erziehung der Kinder vorantreibt, die Herzensbildung jedoch gern links liegen lässt. Viele Kinder werden egozentrisch, wollen ständig im Mittelpunkt stehen, neigen zu (gewalttätigen) Gefühlsausbrüchen, wenn die Welt um sie herum nicht mit ihrer Vorstellung davon übereinstimmt und tun sich schwer mit sozialen Kontakten. In der übersteigerten Form enden die Betroffenen später als Narzissten.

„Diese Kinder stellen sich selbst in den Mittelpunkt ihres Wünschens und Tuns – und zwar weit über einen Alterszeitraum hinaus, in dem das normal ist“, sagt Lebersorger. „Für viele Kinder ist es sehr schwierig, die Position des anderen einzunehmen und ihre Gefühle zu regulieren.“

Diese Fähigkeit sollten Kinder spätestens mit fünf Jahren erworben haben. Ob das gelingt, hängt laut Lebersorger vor allem davon ab, wie weit eine sichere Beziehung zwischen dem Baby und seinen primären Bezugspersonen gelingt. Als frühes Beispiel nennt sie die Dreimonatskoliken. „Das ist oft das erste Mal, dass Eltern mit den ganz primitiven Ängsten ihres Babys konfrontiert werden und diese aushalten müssen – ohne besonders viel tun zu können. Dennoch muss man dem Baby Sicherheit geben, es halten und tragen. Damit erlebt auch der Säugling, dass negative Gefühle erlebt und ausgehalten werden können.“

Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr beginnt die Phase der „egozentrische Empathie“, in der auch für andere nur gut sein kann, was für mich gut ist. Bis zum Alter von fünf Jahren sollten Kinder in der Lage sein, sich und andere als unterschiedliche Personen zu empfinden, gleichzeitig aber auch die Empfindungen anderer Personen abschätzen können.

Physiologische Ausreden wie „Ich habe überhaupt keine Empathie“ gelten jedenfalls nicht. Denn jeder Mensch trägt die Basis dafür in sich. Das haben die Neurowissenschaftler bewiesen, die sich seit einigen Jahren ebenfalls für die Empathie begeistern. Dieses Interesse erklärt sich Claus Lamm, Professor für Biologische Psychologie an der Universität Wien, damit, dass „die Wirtschaftskrise mit ihren Anklängen von Neid und Gier das Bedürfnis entstehen ließ, auch die guten Seiten des Menschen zu betonen“.
Das Gehirn fühlt mit. Als Knotenpunkt für empathisches Empfinden identifizierten die Forscher den insulären Cortex, eine Gehirnregion hinter der Schläfe. „Dieser ist sowohl aktiv, wenn ich selbst eine Emotion empfinde, als auch, wenn ich diese Emotion bei jemand anderem beobachte“, sagt Lamm.

Wie empathisch jemand ist, wird sowohl von den Genen bestimmt, sehr stark aber auch von der Sozialisation, vor allem von der Erziehung, beeinflusst. Als eine der relativ gut gesicherten Annahmen, sagt Lamm, gilt: „Es haben jene Kinder die größte Empathiefähigkeit, deren Mütter in der Lage sind, mit ihren Emotionen gut umzugehen, die diese so regulieren können, dass sie handlungsfähig bleiben und weder abstumpfen noch hysterisch auf jedes Ereignis reagieren.“

Geht es nach Juul und seinen Koautoren, wird bald niemand mehr beim Wort „Empathie“ fragend die Augenbrauen heben. „Schließlich ist es das, was die Welt zusammenhält“, sagt er. Aber vielleicht werden bald die Kinder ihren Eltern erklären, was es eigentlich bedeutet.

(„Die Presse“, Print-Ausgabe, 18.03.2012)

Empathie macht Kinder stark

Selbstwertgefühl, Einfallsreichtum, Intelligenz – es gibt viele Eigenschaften, die es Menschen erleichtern, sich gut im Leben zurechtzufinden. Eine Eigenschaft aber wird von der Wissenschaft immer mehr in den Fokus gestellt: Empathie gilt als Voraussetzung für ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Hier lesen Sie, wie Kinder Einfühlungsvermögen entwickeln können.

Lernen, was in anderen vorgeht, ist wichtig für die Zukunft der Kinder. Bild: Lordn, iStock, Getty Images Plus

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Von Sigrid Schulze

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn Eltern ihren Kindern emphatisch entgegentreten, sind auch Kinder in der Lage Mitgefühl für andere Menschen zu empfinden.
  • Emphatisch zu sein gilt gemäss verschiedenen Erziehungswissenschaftlern als wichtige Voraussetzung für ein erfülltes Leben.
  • Durch gezielte Fragen und Gespräche über ihre Gefühle können Eltern ihren Kindern Empathie näherbringen.

Aus dem Kinderzimmer dringt aufgeregter Lärm. „Das isch miin Bus. De dörf d’Emely nöd ha“, brüllt Kai. Und Emely kreischt: „Mami! Dä Idiot hät mich gschupft!“ Eine alltägliche Situation, die Eltern so oder ähnlich kennen.

Sind die Gemüter so erhitzt, ist es schwierig, den Streit zu begraben und eine konstruktive Lösung zu finden – unmöglich ist es nicht. Verhandeln und Vertragen lassen sich zum Glück schon im Kindergartenalter lernen. Voraussetzung dafür ist Empathie – die Fähigkeit, die Erlebnisse und Emotionen anderer nachzuempfinden.

Menschen brauchen solches Einfühlungsvermögen, um sich gegenseitig zu verstehen und sich nahe zu kommen. Weiss Emely, wie wichtig es für ihren Bruder ist, dass sein Bus auf seinem Spiel-Parkplatz genau neben dem Bagger steht – auch wenn er gerade nicht damit spielt? Kann Kai sich vorstellen, wie Emely sich fühlt, wenn er sie schubst? Ob ein Mensch empathisch ist oder nicht, versteht sich aus genau der Fähigkeit, das zu erkennen.

Empathie als Voraussetzung für ein erfolgreiches Leben

Empathie wird von der Erziehungswissenschaft seit einigen Jahren immer mehr in den Fokus gestellt. Empathisch zu sein gilt als Voraussetzung für ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Der australische Forscher Dr. Brad M. Farrant von der University of Western Australia/Perth drückt es so aus: „Die Fähigkeit, sich in andere Personen ­hineinzuversetzen, spielt in der heutigen Gesellschaft eine Schlüsselrolle.“

Unser ganzes Leben lang brauchen wir andere Menschen, die sich mit uns freuen, an denen wir uns reiben, mit denen wir Schulter an Schulter an gemeinsamen Zielen arbeiten, die von Bedeutung sind. Das heisst: Ohne andere geht es einfach nicht. Wir müssen Position beziehen, andere Positionen verstehen und nach Lösungen suchen können, die für alle fruchtbar sind. Mit Empathie gelingt dies.

Je leichter wir mit anderen Menschen zurechtkommen, umso besser trägt uns die Gemeinschaft durch das Leben. „In naher Zukunft werden alle erkennen, dass die Empathie die härteste und wichtigste Währung von allen ist“, sagt der Däne Jesper Juul, einer der bekanntesten Familientherapeuten Europas.

Empathie durch einen guten Kontakt zu den eigenen Gefühlen

Wichtig ist es also, dass Kinder lernen, empathisch zu sein, dass sie eine Vorstellung davon entwickeln, was in anderen Menschen vorgeht und eine emotionale Teilnahme äußern lernen.

Dazu gehört die Kompetenz, wahrnehmen zu können, was in ihren eigenen Gedanken vorgeht. Eine emotionale Sensitivität entwickeln. „Je besser unser Kontakt zu uns selbst ist, desto tiefer kann unser Verständnis für andere sein“, so der dänische Familientherapeut Jesper Juul.

Eltern können den Zugang ihres Kindes zu seinen Gefühlen unterstützen, in dem sie sie benennen und somit Mitgefühl zeigen. „Oh ja, das war kalt“, heisst es zum Beispiel, wenn das Kind die Hände vom Wasserstrahl schnell zurückzieht.

„Uups, jetzt hast du dich erschrocken“, können Eltern sagen, wenn das Kind über seinen eigenen Fuss gestolpert ist und nun überrascht weinend auf seinem Po sitzt. „Da ist das Mami, da freust du dich!“ wird gejuchzt, wenn das Kind der Mutter fröhlich die Arme entgegen streckt.

Empathie durch gute Vorbilder

„Einfühlungsvermögen vermitteln – das können Eltern auch, indem sie selbst feinfühlig sind“, sagt Uwe Trevisan, Begründer der Kölner Konflikt-Training-Akademie für Kinder, Eltern und Erzieher. Kinder orientieren sich am Verhalten ihrer Eltern und wenn diese ihnen empathisch entgegentreten, sind auch Kinder in der Lage Mitgefühl für Menschen zu empfinden.

Eltern, die achtsam mit den Gefühlen anderer umgehen, werden Kinder aufwachsen sehen, die ebenfalls die Gefühle anderer empfinden und respektieren. „Eltern sollten versuchen, an den Gefühlen der Kinder dranzubleiben, sie sollten nachfragen, wie sie sich fühlen, und ihre Emotionen ernst nehmen, sie nicht verletzen“, so Andreas Schick, Mit-Entwickler von „Faustlos„, einem Leitfaden für Schulen und Kindergärten, mit dessen Hilfe Kinder lernen, gewaltfrei miteinander klar zu kommen – eben: faust-los.

Wie schön, wenn Emely und Kai von ihrer Mutter wegen ihres Streits nicht ausgeschimpft, sondern erst einmal getröstet werden, die emotionale Teilnahme der Mutter verspüren. Schliesslich hat der heftige Streit beide aufgeregt und verletzt. Auf diese Weise erleben sie Mitgefühl – und damit genau jene Fähigkeit, die sie brauchen, um ihren Streit zu beenden.

Wenn die Mutter ihnen darüber hinaus anbietet, bei der Lösungssuche zu helfen, ist sie auch ein gutes Beispiel für Hilfsbereitschaft. Empathische Menschen erkennen, wann ihre Mitmenschen Hilfe benötigen.

Viel vorlesen und diskutieren

Kinder können andere Menschen besser verstehen, wenn ihre Mütter und Väter mit ihnen oft über die Gefühle anderer sprechen, etwa beim Vorlesen. Das ergab eine wissenschaftliche Studie des australischen Forschers Dr. Brad M. Farrant.

Mit Hilfe von Büchern können Kinder früh üben, sich in andere Rollen hineinzuversetzen und Situationen aus neuen Perspektiven zu betrachten. „Was glaubst du, warum ist der kleine Bär so traurig?“, kann zum Beispiel eine Frage lauten. „Was würdest du jetzt tun, wenn du der kleine Bär wärest?“

Buchtipp

„Miteinander: Wie Empathie Kinder stark macht.“ Von Jesper Juul, Peter Høeg, Jes Bertelsen, Stehen Hildebrandt, Helle Jensen, Michael Stubberup. Beltz-Verlag.

Elternsein App

Haben Sie schon von der ElternSein App gehört? Sie vermittelt nützliche Informationen zur Erziehung und dem Familienleben. Eltern und Erziehende erhalten Tipps zu wichtigen Themen, die nach Altersstufen geordnet sind. Fachpersonen vermitteln ganz bequem via kurzen Filmsequenzen bewährtes Wissen und praktische Hilfestellungen zum Ausprobieren. Sie können die App kostenlos downloaden.

Auf dem Weg zum Ich: Selbstwahrnehmung und Ich-Entwicklung

Das Kind entdeckt sein Ich

Gegen Ende seines zweiten Lebensjahres erkennt sich Ihr Kind erstmals im Spiegel. Hat es bis dahin eher einen Spielpartner in seinem Spiegelbild vermutet, so weiß es jetzt: Das bin ich! Bis Ihr Kind allerdings auch „Ich“ sagt, wenn es von sich redet, wird es meist noch einige Monate dauern.

Für Ihr Kind ist die „Entdeckung seines Ichs“ eine überwältigende Erfahrung:

  • Es erfährt nun, dass es etwas wollen und sich zwischen verschiedenen Möglichkeiten entscheiden kann.
  • Es weiß inzwischen, dass es etwas selbst machen kann. Das möchte es natürlich auch ausprobieren, auch wenn es allein einfach noch nicht klappt.

So großartig die neue Erfahrung Ihres Kindes ist, so zwiespältig und heftig können auch die Gefühle sein, denen es hierdurch zuweilen ausgesetzt ist und mit denen es allein noch nicht fertig werden kann. Hieraus kann nun manche konfliktreiche Situation entstehen, die für Ihr Kind wie auch für Sie selbst als Eltern nicht immer leicht ist:

  • Ihr Kind braucht nun besonders Ihr Lob und Ihre Ermutigung, um sich üben und ausprobieren zu können.
  • Ebenso wichtig aber ist es auch, Routinen und klare Strukturen beizubehalten, Grenzen zu setzen und Regeln festzulegen.

Ich-Bewusstsein und wie wichtiges es ist für das soziale Leben unserer Kinder

„Ich“ ein kleines aber sehr wichtiges Wort. Wie alles muss sich das Bewusstsein über das Ich allerdings erst entwickeln. Und das tut es schon von Anfang an. Aber lest selbst.

Die Anfänge

Kaum auf der Welt gibt es vieles zu entdecken für die Kleinen. Dabei lässt sich beobachten, dass Babies auf Mamas Finger stärker reagieren als auf ihren eigenen. Sie können sich selbst von der Umgebung also abgrenzen. Die Shrimpis entdecken auch dass ihre eigenen Bewegungen Auswirkungen haben. Dass sie schreien können oder die Arme in die Luft strecken können. Bewegung, Aktion und das Selbst passen zusammen. Das sind die Anfänge des Ich-Bewusstseins. Unterschätzt also nie Säuglinge. Gerade sie lernen und saugen alle Reize ein wie Staubsauger auf Hochbetrieb.

Sich selbst erkennen

Im zweiten Lebensjahr entwickelt sich das Selbst so wie wir es von uns kennen. Habt ihr ein eineinhalbjähriges Kind zu Hause? Dann malt ihm einen farbigen Punkt auf die Nase. Setzt es vor einen Spiegel. Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit danach greifen und seine komische Nase ausgiebig begutachten. Dies beginnt ca mit 18-20 Monaten. Kleiner Kinder greifen noch auf den Spiegel und realisieren nicht, dass der Punkt auf ihrer Nase sitzt. Die bald zweijährigen sind sich also ihres individuellen Aussehen schon bewusst. Aber das muss man Eltern selten sagen. Auch das Kleider samt Accessoires aussuchen am Morgen gehört zu diesem Bewusstsein. Irgendwie entzückend…solange ich es nicht eilig habe.

Mit etwa zwei Jahren können sich Kinder in Videos erkennen und mit ungefähr drei Jahren erkennen sie ihren Schatten.

Das Ich- Bewusstsein entwickelt sich dadurch, dass die Minimenschleins merken, dass ihre eigenen Handlungen andere Menschen und Gegenstände dazu bringen auf eine bestimmte Art zu reagieren. Je sensibler Eltern auf die Handlungen der Kinder reagieren desto leichter fällt ihnen die Entwicklung des Ich- Bewusstseins. Gerade Säuglinge und Kleinkinder verstehen durch häufige angemessene Interaktion mit den Eltern, was welche Auswirkungen auf ihre Umwelt hat. Dadurch ist das Ich meist schon früher entwickelt als bei Kindern die dieses Glück nicht haben.

Ich-Bewusstsein und Gefühle

Das Ich-Bewusstsein spielt rasch eine zentrale Rolle in der emotionalen und sozialen Entwicklung. Für selbstbezogene Emotionen (Neid, Wut, Freude,…) braucht es natürlich auch ein Bewusstsein des Selbst. Nur so können Kinder auch Mitgefühl entwickeln. So können sie nämlich die Perspektiven anderer einnehmen und verstehen lernen. Also wenn ein anderes Kind weint es zu trösten. Allerdings lernen sie so auch noch besser wie sie andere ärgern können. Ja und wer ist da meist der Leidtragende? Bei uns ist es Mama. Papa der Held wird nicht geärgert. Klar.

Die Rolle der Sprache

Für all das ist die Sprache nicht wirklich nötig. Jedoch wird sie im Alter von zwei bis drei Jahren zu einem wichtigen Werkzeug unserer Minis. So können sie das Selbst klarer darstellen. Sie fangen an sich und andere zu kategorisieren. Zum Beispiel nach Bub und Mädchen oder nach Baby und Kind. Das ist ganz unterschiedlich, aber es kommen immer mehr Kategorien dazu.

Selbstregulation

Dies passiert erst nach dem zweiten Lebensjahr. Aber für Selbstregulation, also die Fähigkeit sich selbst zu steuern und in sozial passender Weise zu verhalten, bedarf es dem Ich-Bewusstsein. Die Kleinen müssen sich gedanklich dafür auf sich selbst beziehen können. Und zwar so, dass sie ein eigenständiges Wesen sind das seinen Handlungen eine bestimmte Richtung geben kann.
Sie brauchen auch eine gewisses Erinnerungsvermögen um sich an die Regeln erinnern zu können. Und natürlich die Fähigkeit diese umzusetzen und selbst anzuwenden.
Viele tun dies als Folgsam abgetan. Aber genau dies zeigt das Begreifen und Umsetzten von Regeln und ermöglicht eine Selbstregulation. Jetzt mal abgesehen von den Trotzanfällen. Auch die gibt es natürlich in dieser Phase. Aber dazu ein andermal mehr.
Ab und an könnt ihr eure Kinder bestimmt auch dabei beobachten wie sie sich selbst Verbote auferlegen. Wenn sie gerade etwas „anstellen“ und es schnell unterbrechen und „Nein“ sagen zum Beispiel. Oft recht lustig zu beobachten. Oder natürlich das Gegenteil und das Verbotene besonders leise und heimlich machen. Das kennen bestimmt alle Eltern.

Shrimpi steckt gerade mitten in dieser Phase und beginnt sprachlich immer mehr zu Kategorisieren. Sie weiß auch sehr genau was Mama ärgert und was sie darf und nicht darf. Neulich hat sie begonnen künstlich zu weinen um Mitgefühl bei Mama zu erhaschen. Meist findet dass in einem lustigen Rollenspiel sein Ende, manchmal auch in einer kleinen Streiterei. Ja, Mama ist auch nicht immer Herr der Lage. 😉

Wie sieht das bei euren Kids aus? Können sie sich gut in andere hineinversetzten oder tun sie sich noch immer schwer?

Eure Shrimpmama

Bewusstsein für Gefahren müssen Kinder erst lernen

Ihr vierjähriger Sohn rennt immer wieder mit Socken die rutschige Holztreppe hoch und runter, obwohl Sie ihn mehrfach auf die mögliche Unfallgefahr hingewiesen haben. Sätze wie „Pass auf und mach keinen Unsinn“ können Sie sich schenken. Denn ein Bewusstsein für Gefahren müssen Kinder erst nach und nach entwickeln. Auf der ersten Stufe lernen sie mit ungefähr fünf bis sechs Jahren, eine akute Gefahr zu erkennen. Ein Unfall sei dann aber oft nicht mehr zu vermeiden, erläutert Maria Limbourg, Professorin und Kinderpsychologin an der Universität Duisburg-Essen. Auf der zweiten Stufe mit ungefähr acht Jahren beginne ein Kind, Risiken vorauszusehen und abzuschätzen, durch welches Verhalten es eine Gefahr reduzieren kann.

Vorbeugendes Verhalten erst im Alter von zehn Jahren

Doch erst im dritten Entwicklungsschritt mit rund zehn Jahren sind Kinder darüber hinaus in der Lage, sich vorbeugend zu verhalten und Gefahren dadurch zu reduzieren, erklärt Limbourg in der neuen Broschüre „Mit Sicherheit den Alltag meistern“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und der Aktion das Sichere Haus (DSH).

An konkrete Erfahrungen erinnern

  • Kinderhelme im Test: Die besten Fahrradhelme für Kinder

Wollen Eltern ihre Kinder auf Gefahren hinweisen, sollten sie auf konkrete Erfahrungen aufbauen – etwa indem der Nachwuchs daran erinnert wird, wie er sich einmal verbrannt hat. Beim nächsten Feuer wird das Kind dann vorsichtiger sein, erklärt die BAuA. Allerdings seien erst ältere Kinder in der Lage, das am konkreten Fall Gelernte auf neue Situationen zu übertragen.

Wie Kinder Empathie lernen

18. Januar 2016

  • Autor Maria Lang
  • Thema Elternsein

Eine der Herausforderungen ist es, unsere Kinder zu einfühlsamen, empathischen Wesen heranzuziehen. Lies Erfahrungen, wie Kinder Empathie lernen.

Eine der großen Herausforderungen in der Erziehung ist es, unsere Kinder zu einfühlsamen, empathischen Wesen heranzuziehen. Empathie ist die Fähigkeit, mit anderen Menschen mitfühlen zu können. Manche Kinder, besonders sensible, besitzen diese Fähigkeit schon sehr früh. Wenn jemand weint, beginnt ein solches Kind manchmal auch zu weinen. Etwas ältere Kinder bringen ein Taschentuch oder einen Schnuller herbei, so wie sie das bei anderen gesehen haben. Das ist nun schon eine weitere Stufe, den Leidenden aktiv zu unterstützen.

Bedingungslose Liebe und klare Grenzen

Kinder verhalten sich, so behaupte ich nun mal, nicht von Natur aus sozial. Die ersten paar Lebensmonate kreisen sie nur um ihre eigenen Bedürfnisse, das ist auch ganz normal. Je älter ein Kind wird, desto größer wird seine Fähigkeit, auch sein Umfeld wahrzunehmen. Es beginnt, nicht nur zu empfangen, sondern auch zu geben. Wir Eltern und Bezugspersonen können das kleine Kind nun darin unterstützen, nach und nach seine Ichbezogenheit auf ein Wir-Gefühl zu erweitern. Das geschieht nicht von heute auf morgen, sondern in ganz vielen kleinen Schritten. Die Grundvoraussetzung dafür, dass ein Mensch ein Gespür dafür entwickelt, wie sich sein Verhalten auf andere auswirkt, ist Liebe. Und zwar bedingungslose Liebe durch die Bezugspersonen. Das ist unsere Verantwortung als Eltern, ihnen diese Liebe zu schenken.

Ein Kind, das bedingungslose Liebe erfährt, lernt auch, Liebe und Verständnis für andere zu entwickeln.

Sensible, empfindsame Kinder haben da besonders feine Antennen. Werden sie lieblos behandelt, kann es sein, dass sie sehr „unsensible“, aggressive Verhaltensweisen anderen gegenüber an den Tag legen. Werden sie jedoch geliebt, wahrgenommen und liebevoll behandelt, können sie schon im frühen Kindesalter sehr empathisch sein. Kinder mit etwas „dickerem Fell“ brauchen schon auch manchmal Hinweise oder praktische Anleitung, wie man sich konkret einfühlsam verhalten soll. Sie brauchen manchmal klare Grenzen.

Unser Sohn hat Kinder gebissen – und eine Lektion erfahren

Ich erinnere mich an zwei Vorfälle in unserer Familie. Einer unserer Söhne hatte im Alter von ca. zwei Jahren die eigenartige Angewohnheit, ältere Kinder zu beißen. So sehr wir versuchten, ihn ständig im Blick zu behalten, um dies zu verhindern, geschah es immer wieder mal, dass ein älteres Kind weinend mit blauen Flecken angelaufen kam.

Ich fühlte mich als Mutter schlecht und hilflos, da ich nicht wusste, wie ich damit umgehen sollte.

Ich probierte verschiedene Strategien. Nichts half. Da platzte mir eines Tages der Kragen, als wieder ein älterer Junge mit deutlichen Bissspuren daherkam. Wohl dosiert aber doch so, dass er es spürte, zwickte ich meinen Kleinen durch den Pulli in den Oberarm. Ganz entsetzt brüllte er los. Ich nahm ihn in den Arm und tröstete ihn. Als er sich wieder beruhigt hatte, versuchte ich ihm zu erklären, dass anderen seine Bisse auch genauso wehtaten. Ich zeigte auf seine leicht gerötete Haut und dann auf die bläulich verfärbte Haut des Jungen und machte ihm klar, dass das auch ein „Wehweh“ sei. Gemeinsam versorgten wir nun die beiden Wehwehs mit Eis und einem Pflaster. Eine etwas drastische, aber wirkungsvolle Lektion in Sachen „Empathie“.

Empathie ist für manche eine natürliche Fähigkeit

Unsere Tochter wiederum hat eine ganz natürliche Fähigkeit, empathisch zu sein. Nicht nur Menschen, sondern auch Tieren gegenüber ist sie sehr einfühlsam. Eines Tages entdeckten wir eine Amsel, die sich in einem Netz im Garten meiner Schwiegereltern verfangen hatte. Der Vogel hing mit dem Kopf nach unten und zappelte verzweifelt. Tränen stiegen unserer Kleinen in die Augen beim Anblick des gefangenen Tieres. Ich nahm sie zuerst mal in den Arm, tröstete sie und versprach ihr, dem armen Vogel zu helfen. Dann schickte ich sie schnell los, um Papa, eine Schere und Handschuhe zu holen. Wie der Blitz war sie wieder zurück. Vorsichtig hielt ich die Amsel so, dass sie nicht mit den Flügeln schlagen konnte. Ihr Herz pochte wie wild. Georg versuchte nun, sie behutsam mit der Schere zu befreien. Sara schaute uns mit großen Augen zu. Es war für uns alle ein ganz besonderer Moment, diesem hilflosen Lebewesen zu neuer Freiheit zu verhelfen!

Ich habe kein „Patentrezept“ für die Erziehung zu empathischem Verhalten. Doch ich denke, wenn wir Erwachsenen versuchen, liebevoll und empathisch zu sein, mit den Kindern immer wieder zu reden und einfühlsames Verhalten zu bestätigen, werden sie nach und nach Freude daran finden.

Auch interessant: Was tun, wenn Kinder streiten?

Empathie lernen für Kinder und Eltern: Spielend zu mehr Mitgefühl

Du möchtest, dass deine Kinder zu mitfühlenden, hilfsbereiten und fürsorglichen Menschen heranwachsen?

Welche Eltern wünschen sich das nicht?

Das Gute ist, dass die Fähigkeit zu fühlen was der andere fühlt, auf einander einzugehen, zusammenzuarbeiten und einander zu helfen in uns und unseren Kindern angelegt ist. Wobei die Gene offenbar nur zehn Prozent ausmachen: Der Rest entsteht durch “Erziehung, Sozialisation und Erfahrungen”. Wir können Mitgefühl als Fähigkeit also in uns und unseren Kindern noch weiter fördern und kultivieren.

Mehr Mitgefühl hat viele Vorteile

Und das hat positive Auswirkungen: Nicht nur, dass die Welt durch mehr Mitgefühl vielleicht zu einem besseren Ort wird, mitfühlende Menschen sind einfach glücklicher. Empathie stärkt und vertieft Beziehungen, wodurch man sich in diesen Beziehungen deutlich glücklicher fühlt. Starke soziale Beziehungen sind sogar ein Faktor für eine höhere Lebenserwartung. Sogar auf den Erfolg im Arbeitsleben hat Mitgefühl positive Auswirkungen.

Wie können wir also in unseren Familien mitfühlender werden und unseren Kindern dabei helfen, Mitgefühl zu entwickeln?

Im Zusammenleben mit Kindern gilt immer: Sie machen alles nach.

Schaffen wir es also, selbst mitfühlender zu sein, dann geben wir diese Fähigkeit auch an unsere Kinder weiter. Im Alltag fällt das nicht immer leicht. Viele moderne Gewohnheiten, wie großzügige Bildschirmzeit oder ein hohes Stresslevel, erschweren eine einfühlsame Kommunikation mit unseren Kindern zusätzlich.

Ich nütze daher oft kleine Spiele und Übungen, die man als Eltern gemeinsam mit den Kindern machen kann. Sie bringen Kindern spielerisch das Thema des Miteinanders und Mitgefühls näher, aber für mich steht viel mehr die gemeinsam verbrachte Zeit im Vordergrund. Sich mit den Kindern Zeit für “Empathie-Spiele” zu nehmen bringt dich deinen Kindern näher, du verstehst sie besser, es ist leichter miteinander freundlicher zu sein und ihr erlebt gemeinsam bewusste Momente.

Ich stelle dir heute eines unserer Lieblingsspiele vor:

Gute Wünsche senden

Übung für mehr Mitgefühl und Wertschätzung für Eltern und Kinder

So geht es:

Wir machen als Familie manchmal kleinere Übungen vor dem Schlafen gehen. Das ist unser Abendritual. Die folgende Übung ist da immer wieder mit dabei.

Du kannst deine Kinder einladen, sich einfach zu dir zu setzen. Falls du es abends machst, können sie sich, bereits in ihre Betten legen, wenn sie es wollen.

Wenn es passt, kannst du sie bitten, mit dir noch ein paar tiefe Atmenzüge zu nehmen. Weil man dann besser entspannen kann oder wie ich es sage, „mehr Ideen für gute Wünsche“ hat.

Nun lade sie ein, sich zuerst selbst gute Wünsche zu senden.

Nenne ein paar Beispiele, damit sie auch wissen, was du meinst. In der klassischen „Metta- Meditation“, eine traditionelle Praxis aus dem Buddhismus, die liebende Güte kultiviert, verwendet man Wünsche wie „Möge ich glücklich sein“, „Mögest ich in Sicherheit leben“.

In einer weniger sperrigen Formulierung schlage ich ähnliches dann den Kindern vor. Du kannst zum Beispiel sagen: “Ich wünsche mir, dass ich glücklich und zufrieden bin.“

Aber die Kids haben selbst sehr kreative Ideen: Von der neuesten Spielekonsole bis zum ewigen Leben haben sie sich schon alles gewünscht 😉

Im nächsten Schritt sagen wir uns gegenseitig gute Wünsche.

Dann kommt zum Beispiel: „Mama ich wünsche dir, dass du lange lebst und dich nicht immer ärgern musst“

Je nachdem wie alt die Kids sind, kannst du bei den guten Wünschen an sich selbst, und die anderen Personen im Raum bleiben oder du weitest die Wunschmöglichkeiten aus.

Wenn es passt, können die Kinder auch gute Wünsche an Personen schicken, die nicht im Raum sind oder über die sie sich vielleicht geärgert haben oder die sie nicht so mögen.

Danach kannst du sie einladen darüber zu sprechen, wie sich das jetzt angefühlt hat.

Fragen an deine Kinder könnten so aussehen:

Wie findest du es anderen gute Wünsche zu senden? Und wie ist es jemandem gute Wünsche zu senden, den du nicht magst? Wie fühlt es sich an, sich selbst einen guten Wunsch zu sagen? Oder einen von Mama, Papa oder Bruder und Schwester zu hören?

Du kannst sie auch fragen, bb sie eine Idee haben, warum wir gute Wünsche senden? Warum es wichtig ist, andere besser zu verstehen oder freundlich zu sein, auch wenn wir sie nicht so gerne mögen.
Du kannst mit ihnen auch über den Unterschied zwischen Freundlichkeit und „sich alles gefallen lassen“ sprechen, denn das ist natürlich nicht dasselbe.

Ich kann euch versprechen, es kommen spannende Antworten!

Verschiedene Varianten für das Mitgefühlsspiel

Manchmal wandeln wir die Übung ein bisschen ab. Die Kinder können sich umarmen und sich gegenseitig umarmen, wenn sie wollen. Ich umarme sie natürlich auch und sie können sich auch vorstellen, andere liebe Menschen zu umarmen, die gerade nicht da sind. Dann lade ich sie ein, nachzuspüren, wie sich das anfühlt.

Danach senden wir die guten Wünsche wie oben beschrieben.

Achtsamkeitsübungen mit Kindern: Wenn es einmal nicht klappt

Natürlich gehen wir mit bestimmten Vorstellungen in ein solches Spiel und diese Vorstellungen werden garantiert über den Haufen geworfen. Manchmal ist der Moment vielleicht unpassend oder das Spiel gestaltet sich nicht so friedlich wie wir es uns als Eltern vielleicht vorstellen. Bei uns ist es einmal sogar schon vorgekommen, dass sich die Kinder am Ende angeschrien haben, wer jetzt eigentlich den besseren Wunsch gewünscht hat. Einmal wurde ich nach dem Üben abends von einem Vater angerufen wurde, dass mein Sohn zu seinem Sohn derzeit ziemlich unfreundlich ist. Also nichts läuft perfekt und nur weil wir uns wünschen, dass solche Spiele natürlich am besten sofort etwas bewirken sollen, tun sie es nicht gleich.

Hier übe ich dann immer gleich eine achtsame Haltung mit: Ich überprüfe meine Erwartungen an meine Kinder und an mich. Höre in mich hinein, was da ausgelöst wird und nütze diese Spiele eine Verbindung zu mir und meinen Kindern herzustellen.

Mit einer offenen und neugierigen Haltung, dass alles sein darf, was sich jetzt entwickelt und dann schauen wir wie es weitergeht.

Das ist Achtsamkeit.

Viel Spaß beim Miterforschen!

Empathie fördern: So entwickeln Kinder Mitgefühl

Die meisten Eltern wünschen sich nichts sehnlicher für ihre Kinder, als dass diese eines Tages glückliche Erwachsene mit einem erfüllten Leben werden. Dass Empathie dabei eine wichtige Rolle spielt, machen sich jedoch die wenigsten wirklich bewusst. Auch wenn Eltern ihren Kindern diese Fähigkeit natürlich trotzdem vermitteln wollen. Dabei tappen aber einige unbewusst in Fallen, die es ihren Kindern eher schwerer machen – auch wenn sie dabei die besten Absichten hatten.

Lasst alle Emotionen zu

Wenn Eltern sehen, dass ihre Kinder traurig sind und weinen, ist ihre erste Reaktion oft, in den Rettungsmodus zu wechseln. Intuitiv möchten sie das Problem lösen und ihre Kinder glücklich machen. Einem Kind zu sagen, dass es keinen Grund gibt, um traurig zu sein, ist eine verständliche Reaktion der Eltern, aber leider nicht hilfreich für das Kind. Was ein trauriges, wütendes oder verzweifeltes Kind braucht, ist, dass die Eltern seine Gefühle anerkennen und bestätigen.

Nehmen wir an, dass ein anderes Kind etwas Gemeines zu eurem Kind gesagt hat. Euer erster Impuls ist vielleicht, zu widerlegen, was das andere Kind gesagt hat. Ihr wollt, dass euer Kind versteht, dass es wundervoll ist und die Perspektive des anderen Kindes falsch war.
Das ändert jedoch nichts daran, dass euer Kind verletzt ist. Benennt also stattdessen die Emotion, die ihr seht. Zeigt eurem Kind, dass ihr verstehen könnt, warum es traurig ist. Dass es sich in dem Moment anders und alleine gefühlt hat, und dass das ganz schön traurig macht. Nehmt es in den Arm, sagt eurem Kind, dass ihr es lieb habt und zeigt ihm so, dass ihr da seid.

So helft ihr eurem Kind seine eigenen Emotionen zu verstehen. Das ist ein wichtiger Schritt, um Emotionen auch bei anderen erkennen und vorhersehen zu können. Außerdem gebt ihr eurem Kind so auch die Kraft, um das Problem alleine zu lösen und das wiederum stärkt sein Selbstvertrauen.

Lesetipp: Weniger Stress: So schraubst du deine Ansprüche an dich selbst runter

Erklärt ihnen nonverbale Signale

Auch ganz kleine Kinder haben von Natur aus den Hang zur Empathie. Selbst Kleinkinder kann man dabei beobachten, wie sie versuchen, jemanden zu trösten, der offensichtlich traurig ist. Kleine Kinder sind von Natur aus aber auch noch sehr egozentrisch. Sie brauchen also unsere Hilfe, um subtile Hinweise auf die Gefühle anderer Menschen erkennen zu können.
Wenn sie kleine Geschwister haben, die noch Babys sind, könnt ihr sie zum Beispiel mit überlegen lassen, warum das Baby gerade weint. Hat es Hunger? Ist es müde? Zeigt ihnen, woran ihr erkennt, was das Baby braucht. Weist sie zum Beispiel darauf hin, dass das Baby sich die Augen reibt, wenn es müde ist. Auch Haustiere kommunizieren eine ganze Menge, ohne je ein Wort zu sagen.

Ihr könnt diese Empathiefähigkeit durch Rollenspiele mit Figuren weiter schulen.

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Lesetipp: Mama-Beauty: 4 Tipps gegen müdes Aussehen

Zeigt gutes und schlechtes Verhalten auf

Eine der Techniken, die die meisten Eltern instinktiv anwenden, wenn es um die Entwicklung von Empathie geht, ist, ihre Kinder zu ermutigen, sich in andere hineinzuversetzen. Wenn sie sich schlecht benommen haben, folgt schnell die Frage: Wie würdest du dich fühlen, wenn jemand mit dir so umgegangen wäre?
Diese Frage kann jedoch noch so viel mehr. Nutzt sie, um eure Kinder auch durch das Verhalten anderer lernen zu lassen. Wenn ihr beobachtet, wie jemand Fremdes sich positiv oder negativ benimmt, könnt ihr diese Frage auch stellen. Das kann sogar eine fikitve Situation im Fernsehen sein. Ihr könnt sie trotzdem nutzen, um mit euren Kindern zu besprechen, welches Verhalten anderen ein gutes Gefühl gibt und mit welchem Verhalten man einer anderen Person eher schadet.

Fördert Rollenspiele mit anderen Kindern

So schön das Spielen mit Mama und Papa auch ist, für die kindliche Entwicklung, vor allem auch für die Entwicklung von Empathie, ist es wichtig, dass die Kleinen mit anderen Kindern spielen können. Dadurch lernen sie, sich auf ein anderes Kind einzulassen. Gemeinsam eine Spielidee oder Geschichte zu entwickeln, sich abzuwechseln und auch mal einen Kompromiss zu machen, damit am Ende beide glücklich sind.

Mit Spielzeug wie zum Beispiel einem Arztkoffer lernen Kinder spielerisch auf die Bedürfnisse anderer einzugehen. Sie lernen abwechselnd der Arzt oder der Patient zu sein. Sie lernen nicht zu fest mit der Spritze zu pieksen. Außerdem lernen sie auch auf das zu hören, was der andere von sich erzählt und sich um den anderen zu kümmern.

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Lesetipp: 3 Dinge, die wir uns von unseren Müttern abschauen können

Ob es uns lieb ist oder nicht, Kinder spüren oft sehr genau wie es uns geht. Selbst dann, wenn wir es vor ihnen verbergen möchten.

Oft können die Kinder aber nicht richtig zuordnen, was sie spüren und sind daher manchmal verunsichert oder irritiert. Doch auch wenn wir unsere Kinder vor unseren eigenen schmerzvollen Gefühlen schützen wollen, tun wir ihnen alles andere als einen Dienst, wenn wir ihnen gegenüber nicht ehrlich sind.

Es geht also darum eine kindsgerechte und emotionsgerechte Sprache zu finden.

Empathie und die angeborene Gefühlsansteckung

Wir Menschen haben die wunderbare Gabe uns in andere Menschen hineinzuversetzen und Mitgefühl zu entwickeln.

Während psychologische Fachpersonen bei Säuglingen noch eher von einer Gefühlsansteckung sprechen, zeigen bereits zweijährige Kinder ganz deutlich die Fähigkeit sich in andere Menschen hineinzuversetzen.

Eine Gefühlsansteckung können wir beispielsweise beobachten, wenn ein Baby zu weinen beginnen, weil ein anderes Kleinkind weint. Bereits die angeborene Gefühlsansteckung hat also eine soziale Auswirkung: Wir Menschen beeinflussen uns gegenseitig über emotionale Reaktionen wie Weinen und Lachen oder auch nur Gesichtsausdrücke.

Bereits beim Kleinstkind können wir beobachten:

Wenn wir lächeln, lächelt es zurück. So entstehen soziale Bindungen zwischen Menschen, bzw. zwischen dem Kind und seinen engsten Bezugspersonen.

Grenzen geben Kindern Sicherheit.

  • Das können Sie tun, wenn ein Kind nicht (mehr) gehorcht
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Oft ist uns leider viel zu wenig bewusst, dass auch „negative“ Gefühle wie Trauer, Stress, Sorgen, … bereits bei Kleinstkinder eine (ebenso negative) Gefühlsansteckung bewirken können.

Grössere Kinder reagieren evtl. nicht mehr so direkt und sichtbar, dennoch hinterlassen die Gefühle der Bezugspersonen auch bei älteren Kindern eine Spur.

Empathie bei Kindern fördern:
Erstaunlich, wie viel Kinder mitkriegen

In meiner Praxis erlebe ich immer wieder, wie erstaunt Eltern sind, wenn sie mitkriegen, was ihre Kinder alles wahrnehmen.

Durch verschiedene spielerische Übungen kann man Kinder ausdrücken lassen, was sie denken, was ihre Eltern denken oder fühlen. Beispielsweise lasse ich das Kind ein Stethoskop an den Kopf der Eltern halten und frage sie, was sie hören bzw. was sie denken, dass im Kopf der Mama oder des Papa vorgeht.

Oder

Ich lasse ältere Kinder ihre Eltern zeichnen mit einer „Denkblase“, und die Kinder sollen einen Satz reinschreiben oder benennen, was die Eltern gerade so denken, was die Eltern fühlen, was ihre Sorgen sein könnten … Kinder selber beschreiben das auch so oder ähnlich:

„Wenn ich von der Schule heimkomme, dann bemerke ich bereits an der Stimme der Mutter wie es ihr geht oder wie die Stimmung zu Hause ist.“

Empathie bei Kindern fördern:
Es ist eine Erleichterung, wenn man seine Sorge über andere mit-teilen darf!

Wenn Kinder spüren, dass sie ihre Wahrnehmungen und Gedanken offen mitteilen dürfen, sind sie oft sehr erleichtert. Sie erhalten nicht nur eine Gelegenheit sich mitzuteilen, also ihre Sorgen mit jemandem zu teilen, sondern es kann auch eine Klärung der Situation erfolgen.

Sie spüren, dass man sie ernst nimmt. Damit kann man dem Kind auch das Gefühl der Verantwortung abnehmen, denn sehr oft fühlen sich v.a. kleiner Kinder für die Gefühle ihrer Eltern verantwortlich: „Ich bin schuld, dass Papi jetzt böse ist“ oder „Ich war zu wenig brav, daher ist Mami so traurig“.

Ich plädiere daher ganz stark dafür, unser Befinden nicht vor den Kindern zu verstecken, denn das können wir nicht wirklich, sondern mit den Kindern offen über unser Befinden zu sprechen.

Im folgendem Artikel gehe ich detaillierter auf das Thema ein:

Empathie bei Kindern fördern:
Kinder sprechen eine andere Sprache

Als keiner Exkurs möchte ich hier zunächst eine Beobachtung als Mutter einfügen: Immer wieder beobachte ich, dass Kinder in ihrer Sprache viel gefühlsbetonter sind.

Sie drücken sehr direkt aus, was und wie sie gerade fühlen. Unser Sohn sagt: Ich bin voll, statt ich bin satt. Das Essen schmeckt grusig, statt Zucchini mag ich nicht….

Gefühle und Befindlichkeiten werden unmittelbar und unverdeckt gezeigt.

Wir Erwachsenen bemühen uns, unseren Kindern eine sozial angepasste Sprache zu vermitteln. – Natürlich ist es höflich sich in bestimmten Situationen weniger direkt auszudrücken, aber ist das Zuhause wirklich auch immer nötig?

Ich bin der Meinung, dass Kinder lernen können im familiären Umfeld eine andere Sprache zu sprechen als z.B. in der Schule oder später in der Arbeitswelt. Damit meine ich nicht ein weniger höfliche aber eine offenere, persönlichere und v.a. gefühlsbetontere Sprache.

Wir Eltern bringen den Kindern bei, ihre Gefühle zu kontrollieren und zuweilen sogar zu unterdrücken. Leider ignorieren wir allzu oft, dass Gefühl ihre Daseinsberechtigung haben; dass Gefühle niemals falsch sind.

Es gibt keine falschen oder richtigen Gefühle, es gibt nur unangemessene Verhaltensweisen und Umgangsweisen mit den Gefühlen.

Empathie bei Kindern fördern:
Mit Kindern über unser Befinden sprechen

Es geht darum, dass wir Eltern auch mit Kindern offen sprechen und unsere Gefühle benennen. Experten empfehlen, dass wir Ich-Botschaften machen.

Ich-Botschaften drücken in einer Ich-Formulierung die Gefühle, Bedürfnisse und Wahrnehmungen aus.

Zum Beispiel:

„Ich bin sehr müde und brauche eine Pause, bevor ich wieder mit dir spielen kann“.

„Dass du die Vase kaputt gemacht hast, macht mich grad sehr traurig und auch etwas wütend…“

Das bedeutet, dass wir unseren Kindern auch unangenehme Gefühle zumuten können. Immer wieder erlebe ich, dass Eltern der Meinung sind, ihre Kinder zu schützen, wenn sie das Kind nicht mit ihren persönlichen Gefühlen konfrontieren.

Da Kinder aber wie bereits gesagt, sehr feine Antennen haben, werden sie den Widerspruch von den nonverbalen, emotionalen Signalen und dem Gesagten sofort spüren oder merken, dass etwas Unausgesprochenes in der Luft liegt.

Solche Widersprüche oder Tabus verunsichern das Kind zurecht. Wir dürfen uns also erlauben authentisch zu sein und in einfachen Ich-Botschaften über unser Befinden zu sprechen. Damit sind wir unseren Kinder auch wichtige Vorbilder und helfen ihnen mit den eigenen Gefühle umzugehen.

Das bedeutet nicht, dass wir den Kindern auch alle Gründe für unser Befinden bis ins Detail erklären, dies würde sie tatsächlich überfordern.

Wenn es uns selber schlecht geht

Eine häufige Beobachtung ist, dass gerade dann, wenn es uns Erwachsenen selber schlecht geht, wir sehr stark mit uns und unseren Gefühlen oder dem Funktionieren trotz der Krise beschäftigt sind.

Unter diesen Umständen können wir gar nicht wahrnehmen, wie viel die Kinder wirklich von all den Belastungen mitkriegen.

Bei grossen Krisen

Wenn es uns sehr schlecht geht und dies über längere Zeit anhält, ist es besonders wichtig, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben und Hilfe von Drittpersonen einzuholen.

Kinder spüren unsere Hilfsbedürftigkeit sehr gut und erleben sich selber dann oft der Situation hilflos ausgeliefert. Manchmal versuchen Sie auch auf ihre Art Lösungen zu finden oder übernehmen eine Rolle, die eigentlich gar nicht kindgerecht ist.

Familientherapeuten sprechen dann von einer Parentifizierung.

Wenn Elternteile ihre Elternrolle unzureichend wahrnehmen können, fühlt sich das Kind aufgefordert oder gar verpflichtet die „Elternfunktion“ zu übernehmen.

Wenn wir in solchen Situationen nicht mit den Kindern über unsere (emotionale) Situation oder unsere psychische Krise sprechen, dann tabuisieren wir das eigentliche Thema und drängen Kinder in Rollen, die sie überfordern.

Kinder versuchen aber nicht nur auf der Verhaltensebene das von ihnen wahrgenommene Problem zu lösen, sondern sie suchen sich auch ihre eigenen Erklärungen für das was sie wahrnehmen. Sehr oft entwickeln Kinder dabei auch Schuldgefühle und Ängste.

Ein Beispiel aus der Praxis

Um diese Dynamik konkreter aufzuzeigen, beschreibe ich hier eine Fallbeispiel, das ich so oder ähnlich in meiner Praxis antreffe (die Namen sind alle frei erfunden):

Seit Marianne von ihrem Mann Hannes verlassen wurde, geht es ihr sehr schlecht. Marianne hat jeglichen Halt und den Glauben an eine Liebe und an sich selber verloren. Dazu kommen finanzielle Sorgen und die Angst, die Eigentumswohnung und somit ihr Zuhause zu verlieren. Mit Müh und Not schafft sie es, sich morgens aufzuraffen und die beiden Jungs in die Schule zu schicken. Sie möchte die zwei Jungs möglichst nicht mit Ihren Sorgen und Nöten belasten. Wenn die Kinder sie besorgt anschauen, lächelt sie diese tapfer an. Nicolas, der ältere Junge kommt in den letzten Wochen immer ganz rasch aus der Schule zurück. Wenn Mama noch nicht fertig ist mit kochen, weil sie noch im Bett liegt, schleicht er sich in die Küche und kocht Spaghetti für alle drei. Dass seine Noten in letzter Zeit nicht mehr so gut sind wie sonst, weil er sich kaum mehr auf die Schule konzentrieren kann, verschweigt er; er möchte Mama ja nicht noch mehr belasten… Dann meldet sich die Lehrerin bei der Mutter und wünscht ein Gespräch über Nicolas… Die Lehrerin empfiehlt einen Besuch bei einer Fachperson…

In der Familientherapie lernt Marianne ihren Kindern gegenüber eine „Sprache“ zu finden für ihr Befinden.

Sie lernt für sich Hilfe zu holen und bringt damit den Kindern gegenüber zum Ausdruck, dass sie nicht hilflos der Situation ausgeliefert ist, sondern wieder lernen kann Kontrolle über ihr Leben und ihre aktuelle Situation zu erfahren.

Die Kinder bekommen damit auch die Möglichkeit ihre Ängste und Sorgen zu äussern. Und zwar nicht nur in Bezug auf die Mutter, sondern auch in Bezug auf ihre Situation, wie es ihnen geht mit dem „Verlust“ des Papas. Welche Gefühle sie diesbezüglich haben.

Das Video “My dad´s story: Dream for My Child” zeigt auf eindrückliche Weise, das es nicht nur richtig ist, das Kind vor der Realität zu bewahren…

Obwohl dieser Vater nur das Beste für seine Tochter will, belügt er sie. Bei diesem Video handelt es sich um einen Werbespot einer Versicherung aus Hong Kong.

Kinder sind nicht von Geburt an empathisch. Empathie müssen sie erst im Laufe ihrer Entwicklung lernen. Auf dem Weg dorthin spielt ausgerechnet die Trotzphase eine wichtige Rolle.

Wir befinden uns in einer Krabbelgruppe. Die kleine Mia beginnt plötzlich an zu weinen. Wie aus dem Nichts weinen Paul und Sarah einfach mit. Viele Eltern beobachten dieses Verhalten und sind entzückt – von soviel „Empathie“. Doch dem ist nicht so. Babys sind noch nicht in der Lage, Gefühle anderer zu erkennen und sich in sie hinein zu versetzen. Das „mitweinen“ wird Gefühlsansteckung genannt. Babys lassen sich von Gefühlen anderer mitreißen. Das Bewusstsein, dass es sich um das Gefühl eines anderen handelt, haben Babys noch nicht. Bis ein Kind Empathie empfinden und verstehen kann, muss es noch einige Entwicklungsschritte bewältigen.

Mit der Trotzphase zur Empathie

Damit Kinder in der Lage sind, Empathie zu empfinden, müssen sie zwischen sich selbst und anderen unterscheiden lernen. Die Entwicklung des „Ich-Bewusstseins“ ist also unabdingbar, um Empathie zu empfinden. Die Trotzphase spielt auf diesem Weg eine wichtige Rolle. Im Alter von zwei Jahren beginnen Kinder ihren eigenen Willen zu entdecken. In Form von heftigen Wutausbrüchen entsteht das Bewusstsein über sich selbst, die eigenen Wünsche und Vorstellungen.

Und auch wenn Eltern es kaum glauben können, dieses Verhalten ist der erste Weg zu Empathie und Mitgefühl. Der Trotz zeigt, dass ein Kind sich als eigenständige Person wahrnimmt und sich des Vorhandensein der „Anderen“ bewusst ist.

So ist die Trotzphase – auch wenn sie viele Nerven kostet – ein äußerst wichtiger Teil der kindlichen Entwicklung.

Erste empathische Reaktionen

Der nächste Schritt auf dem Weg zur Empathie ist die „egozentrische Empathie„. Diese beginnt zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr. Die Kinder zeigen nun zum ersten Mal mitfühlende und helfende Reaktionen. Dabei gehen sie jedoch nicht auf die individuellen Gefühle des Gegenübers ein, sondern handeln so, wie sie es sich in solch einer Situation wünschen würden. Frei nach dem Motto:“Was mir hilft, hilft auch dir.“.

So reicht Lena, der weinenden Helena ihr Kuscheltier, weil dieses Lena tröstet wenn sie traurig ist. Dies ist jedoch noch keine echte Empathie. Das Kind kann zwar die Gefühle anderer wahrnehmen, aber Bedürfnisse, die von den eigenen abweichen, kann es noch nicht verstehen.

Es handelt also mitfühlend, aber immer bezogen auf die eigenen Bedürfnisse. Etwa bis zum dritten Lebensjahr, werden die empathischen Reaktionen immer häufiger. Bis das Kind jedoch Werte wie Rücksichtsnahme, Höflichkeit und Fairness verstanden und verinnerlicht hat, dauert es noch etwas.

Empathie wird nicht vererbt

In den verschiedensten Situationen kann man Kinder dabei beobachten, wie sie empathisch Handeln. Die einen mehr, die anderen weniger. Doch wovon hängt die unterschiedliche Ausprägung der Empathie ab? Ist es angeboren oder doch eher eine Frage der Erziehung?

Wie in vielen Entwicklungsbereichen spielen beide Faktoren eine Rolle. Vererbt wird Empathie jedoch nicht. Der genetische Anteil ist sehr gering. Die Hauptrolle bei der Empathie spielt die Erziehung und das Verhalten der Bezugspersonen. Eltern und andere Bezugspersonen, wie Erzieherinnen und Lehrer, können viel dazu beitragen, die Entwicklung von Empathie und sozialem Verhalten anzuregen und zu fördern.

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Aktives fördern von sozialem Verhalten und Empathie

Um Kinder in ihrer Entwicklung von sozialem Verhalten und Empathie zu fördern, ist das wichtigste, dass Eltern warmherzig, liebevoll und mitfühlend mit ihren Kindern umgehen. Denn nur so entsteht eine sichere Bindung zwischen ihnen, welche Kinder benötigen, um selbst Beziehungen zu anderen aufbauen zu können, und sich ebenfalls mitfühlend zu verhalten.

Durch folgende Tipps können Eltern Mitgefühl und Einfühlungsvermögen ihrer Kinder noch zusätzlich fördern:

Vorbild sein: Kinder lernen am besten durch eigene Erfahrungen und Imitation von Bezugspersonen. Daher ist es wichtig, dass Eltern ihren Kindern, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft vorleben, und dabei auf die Gefühle anderer eingehen.

Sehen Kinder, wie Papa die kleine Schwester in den Arm nimmt, wenn sie weint, und Mama versteht, dass man traurig ist, wenn der Legoturm umfällt, speichern sie dies und spulen es in der nächsten Situation ab.

Bedeutsamer als bewusste Erziehung, sind die Erfahrungen, die Kinder mit ihren Eltern im Alltag sammeln. Kinder nehmen das Verhalten der Eltern als Beispiel dafür, wie sie ihr eigenes Leben und Verhalten gestalten können.

Geschichten vorlesen: Geschichten sind eine gute Möglichkeit, um sich in andere Menschen hinein zu versetzen. Gruseln, lachen, weinen und mitfiebern, all dies fördert die Fähigkeit, empathisch zu reagieren. Kindergeschichten bieten viele Wertvorstellungen und Bedürfnisse anderer Charakteren an, welche hinterfragt und analysiert werden können. Kinder lernen so auf aktiv-passive Weise Empathie kennen.

Lob und Anerkennung: Lob ist der wichtigste Bestandteil der Entwicklung eines Kindes. Durch Lob werden Kinder angespornt und ermutigt. Wenn ein Kind also andere tröstet, ihnen zur Seite steht, oder sich besondere Gedanken über das Geburtstagsgeschenk macht, sollten Eltern ihre Freude und Anerkennung darüber zeigen. So wird dieses Verhalten positiv verstärkt und regt Kinder dazu an, es zu wiederholen.

Empathie bei Kindern fördern – wie lernen Kinder mitzfühlen?

Niemand ist von Geburt an mitfühlend. Empathie zeigen Kinder nicht automatisch, es ist etwas, das gelernt werden und sich entwickeln muss. So können Eltern ihren Nachwuchs dabei unterstützen.

Die Trotzphase als Meilenstein

Ein Baby ist noch nicht fähig, die Gefühlslagen seiner Mitmenschen zu erkennen. Denn um Empathie zu entwickeln muss ein Kind erst lernen, zwischen sich und den anderen zu unterscheiden.

Auf dem Weg zur Entwicklung eines gesunden „Ich-Bewusstseins“ spielt die Trotzphase eine wichtige Rolle. Damit ist die etwa ab dem Alter von zwei Jahren einsetzende Zeit gemeint, in der ein Kind – meistens in Form von heftigen Wutausbrüchen – anfängt, Selbstbewusstsein, eigene Wünsche und Ideen herauszubilden. So absurd es für die Eltern klingen mag, aber genau diese nervenaufreibende Phase ist der erste Schritt, Empathie bei Kindern wahrzunehmen. Denn der Trotz zeigt an, dass ein Kind nun in der Lage ist, sich selbst und andere als Persönlichkeit zu empfinden. Schon während der Trotzphase, die einen immens wichtigen Meilenstein der kindlichen Entwicklung darstellt, findet der nächste Schritt zur Empathie statt.

Während der sogenannten egozentrischen Empathie zeigen Kinder erstmals mitfühlende Reaktionen. Allerdings handeln sie so, wie sie es selbst für sich in derselben Situation als richtig empfinden würden: Ist zum Beispiel jemand traurig, wird das Kind der Person seinen Teddybären hinhalten. Das Kind ist also in der Lage, die Gefühle anderer zu deuten, versteht jedoch noch nicht, dass die Bedürfnisse seiner Mitmenschen anders gelagert sein könnten.

Empathie ist vor allem Erziehungssache

Ab dem dritten Lebensjahr werden empathische Reaktionen immer häufiger. Aber bis der Nachwuchs wirklich versteht, was es mit Rücksichtnahme, Höflichkeit und Fair Play auf sich hat, kann es noch dauern. Eltern wundern sich immer wieder, warum die Kleinen sich um Höflichkeitsfloskeln wie bitte und danke einen feuchten Kehricht scheren oder auf dem Spielplatz ohne Rücksicht auf Verluste um die Schaukel kämpfen. Was ein Dreijähriger tut, muss der Vierjährige jedoch noch lange nicht mehr machen. Daher gibt es erst einmal keinen Grund, sich für ein rabiates Kleinkind zu schämen oder sich zu fragen, was denn in der Erziehung falsch gelaufen sei.
Immer wieder lässt sich jedoch beobachten, dass manche Kinder einfach mitfühlender als andere zu sein scheinen. Empathie haben Kinder automatisch, möchte mancher meinen und schiebt es auf die Gene. Oder liegt doch alles an der Erziehung?


Wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss, dass beides bis zu einem gewissen Grad eine Rolle spielt. Trotzdem ist der Einfluss der Gene bei der Entwicklung von Empathie mit knapp 25 Prozent eher als gering einzustufen. Der Löwenanteil liegt bei den Eltern und anderen Bezugspersonen des Kindes, wie zum Beispiel Erzieherinnen im Kindergarten oder Großeltern.

Wie Eltern Empathie für Kinder schmackhaft machen

Ein warmherziges und liebevolles Zuhause vermittelt Kindern das Gefühl von Sicherheit sowie dem Funktionieren sozialer Bindungen.

Genau das wird benötigt, um gesunde Beziehungen zu anderen Menschen zu gestalten. Doch Eltern können noch mehr tun. Wichtig ist nämlich, wie die Kinder sie im Alltag erleben. Werden zu Hause Mitgefühl und Hilfsbereitschaft vorgelebt, ist das für die Kinder selbstverständlich. Durch einen induktiven Erziehungsstil, der die Kinder stets die Konsequenzen ihres Verhaltens für andere vor Augen führt, werden Werte wie Rücksichtnahme und Mitgefühl gefördert.

Moralpredigten helfen dabei jedoch weniger als der jeweiligen Situation angepasste Erklärungen. Auch Vorlesen hilft, Empathie an Kinder zu vermitteln. Denn wer mit den Helden der Geschichte fiebert, leidet und glücklich ist, bekommt automatisch ein Gefühl für das Denken und Handeln anderer Menschen. Zudem besteht ein enger Zusammenhang zwischen mitfühlendem Verhalten und Sprachkompetenz, wie zahlreiche Studien festgestellt haben.

Lob spornt Kinder an

Empathisches Verhalten zu entwickeln ist ein natürlicher Lernprozess bei Kindern. Eltern sollten diesen aktiv unterstützen. Dazu gehört auch Lob. Durch Zuwendung und positive Worte werden Kinder in ihrem Tun ermutigt und zur Wiederholung angespornt. Zeigt sich das Kind hilfsbereit im Haushalt oder macht sich besonders viele Gedanken über ein Geburtstagsgeschenk, ist es wichtig, diesen kleinen Aktionen gebührend Anerkennung zu zollen. Das verstärkt das Verhalten positiv und macht dem Nachwuchs daher Lust, es zu wiederholen.

Psychiatrie, Psychosomatik & Psychotherapie

Eltern, die selbst gewalttätiges Verhalten zeigen, übertragen dies auf ihr Kind. Der Zusammenhang zwischen erfahrener und selbst ausgeübter Gewalt ist groß. 25 bis 40% der misshandelten Kinder geben die Gewalt weiter. Laut Umfragen werden noch immer rund 30% der Kinder und Jugendlichen von ihren Eltern zu Hause gezüchtigt oder misshandelt. Damit übertrifft die familiäre Gewalterfahrung die durch Gleichaltrige.
Nicht selten fehlt in der Familie auch ein fester Lebensrhythmus. Regeln und Strukturen, wie sie gerade sehr unruhige, impulsive Kinder – z.B. auch Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung brauchen – sind heute schwer zu schaffen. Außerdem ist für die Eltern häufig weniger Unterstützung – z.B. durch Großeltern, die ihnen zur Seite stehen – greifbar in der Nähe.

Eine besondere Bedeutung kommt auch dem Einfluss der Peer-Gruppe zu: Insbesondere bei Substanzmissbrauch und aggressiv-dissozialem Verhalten bestehen negative Einflüsse durch Gleichaltrige. Für die Entwicklung von Aggressivität sind bei Mädchen familiäre Bedingungen wie das erlebte Erziehungsklima und Persönlichkeitsmerkmale, für Jungen hingegen Peergruppen, d.h. der Einfluss Gleichaltriger, entscheidender.

Zusammenfassung der Einflussfaktoren

  • Biologische Faktoren:
    Männliches Geschlecht, niedriges Aktivitätsniveau, prä- und perinatale Risiken (Alkohol, Rauchen);
  • Familiäres Umfeld und Erziehung:
    Gewalttätiges Verhalten der Eltern, niedriger sozialer Status der Eltern, inkonsequentes Erziehungsverhalten; Erziehungsverhalten, unzureichende Erziehungskompetenzen;
  • Schule:
    Besuch bestimmter Schultypen wie Hauptschule oder Sonderschule, schlechte Qualität der Ausbildung, schlechtes Schulklima (u.a. bedingt durch den Umgang zwischen Lehrern und Schülern, Angeboten in der Schule, Gestaltung der Schulumgebung, autoritärer oder restriktiver Unterrichtsstil);
  • Psychische Merkmale:
    Unzureichende Impulskontrolle und Emotionsregulation, verzerrte sozial-kognitive Wahrnehmung, schlechte Problemlösestrategien, unzureichendes Einfühlungsvermögen, niedrige Frustrationstoleranz;
  • Sonstiges:
    Gewalttätige Peergroup (Gleichaltrigengruppe), sozialer Druck, unzureichende soziale Integration, Einflüsse der Medien

So lernt das Kind Empathie

Bis ein Kind Empathie lernt, vergeht einige Zeit. Auf dem Weg zur Empathie spielt die Trotzphase eine wichtige Rolle.

Wie und wann ein Kind Empathie und Rücksichtnahme entwickelt

Ob beim PEKiP oder in der Krabbelgruppe – häufig beobachten Eltern bei ihrem Baby ein Verhalten, das im ersten Moment wie tiefe Empathie erscheint: Weint ein Kind, beginnt das andere herzzerreißend mitzuweinen. Dabei fühlt es mit dem Gegenüber gar nicht mit. Die Wissenschaft nennt dieses Phänomen „Gefühlsansteckung“ – mit Empathie hat das nichts zu tun. „Es findet noch kein Einfühlen in den Gefühlszustand einer anderen Person statt“, erklärt die Entwicklungspsychologin Silvia Wiedebusch, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medizinische Psychologie in Münster. Die Babys lassen sich lediglich vom Gefühlssturm mitreißen. Das Bewusstsein, dass es sich um das Gefühl eines anderen handelt, haben sie noch nicht. Bis ein Kind das verstehen kann, muss es noch einige Entwicklungsschritte tun. Absolut unabdingbar ist, dass es zwischen „Selbst“ und „Anderen“ unterscheiden kann. Das beginnt mit etwa anderthalb Jahren. Eltern können es daran erkennen, dass ihr Kind sich auf einmal auf Fotos und im Spiegel wiedererkennt.

Trotzphase für spätere Empathie wichtig

Ein weiteres Indiz dafür, dass Kinder ein Ich-Bewusstsein entwickeln, ist das Trotzen. Vom zweiten Lebensjahr an bis manchmal ins vierte Lebensjahr hinein entwickeln sie teilweise heftigen Eigensinn. Auch wenn man es sich bei diesen kleinkindlichen Wutausbrüchen nicht unbedingt vorstellen kann – sie sind ein Zeichen dafür, dass Kinder auf dem guten Weg zu Empathie und Mitgefühl sind! Der Trotz zeigt, dass ein Kind sich als eigenständiges Wesen begreift und sich des Vorhandenseins „der Anderen“ bewusst geworden ist. Es demonstriert damit seinen Selbstbehauptungswillen und erste Unabhängigkeit. Die Entwicklungspsychologie bevorzugt deshalb auch das Wort „Autonomiephase“, da das Wort „Trotz“ in unserer Sprache so negativ behaftet ist. Dabei ist dieses Verhalten von Kleinkindern ein wichtiger und ganz normaler Teil der menschlichen Entwicklung. „Erst wenn ein Kind sich geistig so weit entwickelt hat, dass es eine andere als die eigene Perspektive einnehmen kann, ist auch prosoziales Verhalten möglich“, sagt Silvia Wiedebusch.

Wie Sie dem Kind Empathie vermitteln

Das Wichtigste, was Eltern für die Entwicklung von prosozialem Verhalten tun können, ist etwas, was für die allermeisten ohnehin völlig selbstverständlich ist: ein warmherziger, liebevoller und unterstützender Umgang mit ihrem Kind. Nur so entsteht die sichere Bindung zu den Eltern, die ein Kind braucht, um selbst gelingende Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen und gestalten zu können. Aus der Sicht der Entwicklungspsychologie können Eltern Mitgefühl und Einfühlungsvermögen noch zusätzlich fördern. Das hilft ihnen dabei: Positives Modellverhalten: Kinder lernen weniger durch Belehrung und Worte, sondern vielmehr durch Erfahrung, Vorbild und Imitation. Sie merken: Papa nimmt mich in den Arm und tröstet mich, wenn mein Legoturm kaputtgegangen ist. Sie beobachten: Was macht Mama, wenn meine Schwester traurig ist und weint. „Wenn die Eltern in solchen Situationen Mitgefühl und Hilfsbereitschaft vorleben und dabei auf die Gefühle der betroffenen Person eingehen, anstatt negative Gefühle wie Angst oder Traurigkeit schnell abzutun oder gar zu ignorieren, ist das für ein Kind ein günstiges Lernmodell“, sagt Silvia Wiedebusch. Entwicklungspsychologen kommen zu dem Schluss: Bedeutsamer als alle bewusste Erziehung ist, wie Kinder ihre Eltern im Alltag erleben. „Wie Eltern für sich und andere sorgen, sich durchsetzen oder zurücknehmen – all dies wird vom Kind als Beispiel dafür genommen, wie es sein eigenes Leben und Verhalten gestalten kann“, so die Augsburger Psychologin Sylvia Huber.
Induktiver Erziehungsstil: Das bedeutet, dass Eltern ihren Kindern immer wieder die Konsequenzen ihrer Verhaltensweisen für andere Personen verdeutlichen und sie anregen, sich in andere hineinzuversetzen. Je nach Alter des Kindes sieht das unterschiedlich aus. Bei einem kleineren Kind beginnt es mit dem Hinweis: „Wenn du deinen kleinen Bruder weiter schubst, wird er hinfallen.“ Bei einem schon etwas größeren Kind könnte sich das so anhören: „Was würdest du empfinden, wenn dein bester Freund dir dein Lieblingsspielzeug weggenommen hätte?“ Oder: „Wie würdest du dich denn fühlen, wenn du traurig wärst und die anderen Kinder dich einfach nicht beachten würden?“
Diese Erziehungspraktik scheint nach aller Erkenntnis langfristig weit mehr Wirkung zu zeigen als alles Strafen und Schimpfen. Und sie trägt auch stärker dazu bei, dass Werte wie Rücksichtnahme, Mitgefühl oder auch Höflichkeit von Kindern verinnerlicht werden – und nicht nur durch Druck erzeugt. Wie erfolgreich Eltern damit sind, hängt aber auch von ihrer eigenen Einfühlsamkeit ab. Gelingt es ihnen, solche Fragen und Hinweise dem Alter und der Situation angemessen „rüberzubringen“, ist ihr Tun wahrscheinlich sehr wirksam. Wer aber einem Dreijährigen während eines Sandkastenstreits schon komplizierte moralische Sachverhalte erklären will – nun, man ahnt, es klappt nicht.
Viel vorlesen: Mitfiebern, sich gruseln, mitlachen und mitweinen! Kinder, die Bücher vorgelesen bekommen, fühlen sich dabei automatisch in das Denken und die Gefühle anderer Menschen ein und hinterfragen deren Tun. Die wunderbaren Geschichten von Astrid Lindgren etwa bieten neben erstklassiger Unterhaltung viele Ansatzpunkte, um über die Wertmaßstäbe und Bedürfnisse anderer nachzudenken und darüber zu sprechen. Und: Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen Sprachkompetenz und Empathie. „In einer Vielzahl von Studien konnten positive Bezüge zwischen sprachlichen Fähigkeiten und emotionalen Fertigkeiten nachgewiesen werden“, sagt die Entwicklungspsychologin Silvia Wiedebusch.
Lob und Anerkennung: Ohne geht es einfach nicht: Wenn Ihr Kind beispielsweise andere tröstet, unterstützt oder sich vielleicht besondere Gedanken über ein Geschenk macht, sollten Sie ihm immer Ihre Freude und Anerkennung darüber zeigen und so sein Verhalten positiv verstärken.

Kinder denken „Richtig ist, was für mich gut ist“

Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr beginnt eine Phase, die als „egozentrische Empathie“ bezeichnet wird. Kinder zeigen jetzt sehr wohl mitfühlende und helfende Reaktionen. Aber sie tun dann vor allem das, was sie sich selbst in einer solchen Situation wünschen würden. Sie folgen zum Beispiel der Überlegung: „Wenn ich traurig bin, brauche ich mein Kuschelkissen. Wenn meine Freundin traurig ist, gebe ich ihr mein Kuschelkissen, damit sie getröstet wird.“ Das ist zwar ein sehr anrührendes Verhalten. Aber es ist immer noch keine echte Empathie. Das Kind erspürt sehr wohl den Kummer des anderen. Aber Bedürfnisse, die von den eigenen abweichen, kann es sich noch nicht vorstellen oder verstehen. Studien haben immerhin gezeigt, dass bis zum dritten Lebensjahr empathische Reaktionen und prosoziales Verhalten deutlich zunehmen. Bis ein Kind aber solche Werte wie Rücksichtnahme, Fairness oder Höflichkeit verstanden und verinnerlicht sind, dauert es noch länger. Viele Eltern kennen das Phänomen: Sie haben in der Sandkiste hundertmal das Danke-Bitte-Spiel gespielt und Sandförmchen unermüdlich hin- und hergereicht, in der Hoffnung, ihr Kind würde sich daraufhin zu einem höflichen Gentleman entwickeln.Doch nein: Bei nächster Gelegenheit reißt ihr Zweijähriger einem anderen Kind wie ein kleiner Spielplatz-Rambo die Schaufel aus der Hand. Man möchte in den Boden versinken und fragt sich: Was haben wir falsch gemacht? Silvia Wiedebusch beruhigt: „Einem Zweijährigen kann man solches Verhalten noch nicht verübeln, er wird sich weiterentwickeln und sich in einem Jahr in einer solchen Situation vermutlich schon anders verhalten.“ Der Grund: In den ersten zwei bis drei Jahren leben Kinder noch ganz und gar in der Vorstellung: „Richtig ist, was für mich gut ist.“ Erst langsam gelingt es ihnen, ihre Wünsche mit denen anderer abzustimmen.

Gene spielen bei Empathie keine Rolle

Ob in der Kita oder auf dem Kindergeburtstag – immer wieder kann man die Beobachtung machen, dass einige Kinder sich mitfühlender verhalten als andere. Woran liegt das? Ist es angeboren? Oder doch eher eine Frage der Erziehung? „Wie in fast allen Entwicklungsbereichen, in denen diese sogenannte ,Anlage-Umwelt-Diskussion‘ geführt wird, ist man in wissenschaftlichen Studien zu dem Ergebnis gekommen, dass wohl beides eine Rolle spielt“, sagt die Psychologin Silvia Wiedebusch. Aber anders als bei anderen Persönlichkeitsmerkmalen scheint der genetische Anteil bei der Empathie eher gering zu sein, nur etwa 25 %, wie eine Zwillingsstudie mit Kindern im Alter von 14 Monaten bis drei Jahren ergab. „Eltern und andere enge Bezugspersonen des Kindes, zum Beispiel die Erzieherinnen im Kindergarten, können entsprechend sehr viel dazu beitragen, die Entwicklung von Empathie und prosozialem Verhalten anzuregen und zu fördern!“, so die Expertin von der Uni Münster.

Kinder und Jugendliche weniger zur Empathie fähig

Eine Studie der Universität Bielefeld zeigt, dass wie wichtig die Aufmerksamkeit der Eltern für Kinder und Jugendliche ist. Emotionale Beziehungen zwischen Eltern und Kindern weisen in einigen Fällen Probleme auf, die gravierende Folgen haben können. Ursache sind mitunter überforderte Eltern, die aufgrund der Berufstätigkeit kaum mehr Zeit für die Kinder haben und die Erziehung den Schulen überlassen.

Emotionaler Austausch

Die gesunde Beziehung innerhalb der Familie ist die wichtige Grundlage für ein gesundes Selbstbewusstsein, Vertrauen und die Fähigkeit zur Empathie. In der Eltern-Kind-Beziehung ist daher wichtig, den Kindern Wertschätzung, Zuwendung und Geborgenheit zu vermitteln. Damit geht die Erziehung weit über das bloße Funktionieren hinaus. Dieser emotionale Austausch mit den Kindern verlangt den Eltern Achtsamkeit und Respekt ab, was im Alltag häufig aus Zeitmangel und Stress untergeht. Wenn Kinder und Jugendliche sich jedoch nicht von den Eltern beachtet fühlen, kann das Defizite in der psychosozialen Entwicklung mit sich bringen. Denn Kinder spüren das genau.

Studie mit Kindern

Die Studie der Bielefelder Universität hat dazu über 1.000 Kinder zwischen elf, zwölf und sechzehn Jahren befragt, ob sich sie sich beachtet oder unbeachtet fühlten. Demnach fühlt sich gut ein Drittel der Kinder und etwa 17 Prozent der Jugendlichen nicht ausreichend beachtet. Das entspricht einer Zahl von gut 1,9 Millionen Kindern und Jugendlichen. Dazu wurden Aussagen wie „Meine Eltern merken, ob es mir gut geht“ oder „Meine Eltern hören genau zu, wenn ich etwas sage“ herangezogen. So verneinten gut 70 Prozent der Kinder die Frage, ob sich die Eltern gern mit ihnen beschäftigen würden. Zudem scheinen Dinge wie gemeinsame Unternehmungen, Bekundungen der Zuneigung oder die Nachfrage, wie der Tag war, keinesfalls überall üblich zu sein.

Emotionale Verfassung der Kinder

Außerdem haben viele Eltern nicht die emotionale Verfassung der Kinder im Blick. Mit Blick auf das Selbstvertrauen erfahren 81 Prozent der Kinder Vertrauen in ihre Fähigkeiten und Ermutigung. 78 Prozent der unbeachteten Kinder fehlt diese Unterstützung. Auch bei der Frage nach der Geborgenheit und der Lebenszufriedenheit gibt es bedenkliche Ergebnisse. 11 Prozent der beachteten und 46 Prozent der unbeachteten Kinder und Jugendlichen fühlten sich nicht geborgen, nur etwa 53 Prozent der Kinder waren mit dem Leben zufrieden.

Fähigkeit zur Empathie

Bedenklich ist auch, dass nur 54 Prozent der teilnehmenden Kinder und Jugendliche in der Lage sind, sich in andere hineinzuversetzen und Mitgefühl zu zeigen. Bei dieser Abnahme der Fähigkeit zur Empathie sehen die Wissenschaftler vor allem die gesellschaftliche Entwicklung im Ganzen als Ursache. So würden kaum mehr Werte wie Solidarität vermittelt, auch nicht in der Erziehung. Wenn dies jedoch fehlt, kann zu schwerwiegenden Bindungsängsten und Bindungsstörungen kommen. Demnach hat die mangelnde Aufmerksamkeit für Kinder gravierende Folgen, ähnlich wie die Armut.

Im Gegenzug zeigte die Studie, dass die Achtsamkeit kein Privileg Wohlhabender oder traditioneller Familien ist. Die Qualität der Beziehung in einer Familie, gleichgültig in welcher Form, ist demnach einmalig. Die bedingungslose Liebe zwischen Eltern und Kindern, egal ob Patchwork oder Regenbogen oder klassisch, gibt es nur im Familienverbund kann nicht durch Institutionen ersetzt werden.

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