Emmi pikler wickeln

Baby schreit beim Wickeln – Tipps und Tricks

Wenn Ihr Baby oder Kleinkind so schreit, dass Sie beim Wickeln die Nerven verlieren, hilft es Ihnen wahrscheinlich kaum weiter zu wissen, dass es sich hierbei nur um eine Phase handelt. Mit konkreten Tipps und Tricks können Sie die Situation hingegen entschärfen und schaffen es dabei sogar, Ihrem Nachwuchs die Windel zu wechseln.

Wickel-Tipps für schreiende Neugeborene

  • Beim Wickeln von Neugeborenen geht es vor allem darum, Sicherheit zu vermitteln. Ihr Baby schreit beim Wickeln und fühlt sich nicht wohl? Versuchen Sie ihm mehr Halt zu geben, indem Sie ein Stützkissen verwenden, zum Beispiel ein Stillkissen.
  • Wärmelampe und Mobile: Hat Ihr Baby es auf dem Wickeltisch kuschelig warm und wird es zudem noch durch ein Mobile oder einen Spiegel, in dem es sich betrachten kann, abgelenkt, hat es weniger Grund zum Schreien.
  • Bauchpusten, Singen, Kitzeln: Die Wickelzeit ist die ideale Gelegenheit, Ihr Baby zu verwöhnen. So wird Ihr Nachwuchs es bald lieben, von Ihnen gewickelt zu werden.
  • Lassen Sie den Fön laufen, ist Ihr Baby durch Wärme und Geräusche gleich doppelt abgelenkt.

Kleinkind schreit beim Wickeln: Tipps für grössere Babys und Kleinkinder

  • Ihr Kind will partout nicht auf der Wickelkommode bleiben? Das muss es auch nicht. Legen Sie einfach die Wickelunterlage auf den Boden oder wechseln Sie seine Windel nebenbei. Zugegeben, das Wechseln im Sitzen oder Stehen (unter dem Arm geklemmt den Popo sauber machen und dann auf die Windel setzen oder diese im Stehen umbinden) erfordert eine gewisse Übung. Aber es gibt Eltern, die darauf schwören. Und die Gefahr, dass Ihr Kind strampelnd vom Wickeltisch fällt, ist beseitigt.
  • Lassen Sie sich beim Wickeln Zeit. Zeitdruck, Unsicherheit und Stress übertragen sich auf Ihr Kind.
  • Ist Ihr Kind gerade in ein Spiel vertieft, reissen Sie es nicht einfach heraus. Kündigen Sie stattdessen freundlich und bestimmt an, dass gleich die Windel gewechselt werden muss.
  • Umgekehrt kann auch die Blitzvariante helfen: Thematisieren Sie das Wickeln gar nicht erst, sondern wechseln Sie Ihrem Kind so schnell die Windel, dass es gar nicht erst die Gelegenheit bekommt, sich zu wehren. Einen Versuch ist es wert.
  • Bleiben Sie flexibel: Ihr Baby schreit beim Wickeln und tritt um sich? Dann drehen Sie es um 90 oder 180 Grad und wechseln Sie ihm so die Windel. Das kann auch für Ihren Sprössling ein interessanter Perspektivwechsel sein.
  • Ablenkung jedweder Art ist gut. Viele Eltern schwören auf ein exklusives Spielzeug, das es nur zum Wickeln gibt. Anderen Kindern reicht schon ein Feuchttuch oder eine Cremetube für ihr Glück.

Wickeln: Tipps und Tricks

Wickeln ist ein Kinderspiel? Von wegen! Ihr Baby zu wickeln stellt viele Eltern immer wieder vor eine große Herausforderung. Vor allem die ersten Versuche auf dem Wickeltisch enden in einem großen Gebrüll. Doch mit ein paar Tricks kann das Wickeln zu einem Vergnügen für Baby und Eltern werden.

Windelwechseln muss gelernt sein

Mit einigen Tipps wird das Wickeln kinderleicht

Windelnwechseln soll gelernt sein. Nicht jede Mami oder jeder Papa ist sofort ein Wickel-Weltmeister. Denn meistens zeigen sich die Babys nicht als angenehme Spielgefährten. Babys reagieren auf die ersten Wickelversuche meist ängstlich und schreien, als hänge ihr Leben davon ab. Das richtige Wickeln lässt sich aber schnell und leicht lernen.

Die ersten Wickelversuche: Wie gehe ich vor

In den ersten Wochen wird das Wickeln auch für Dich eine völlig neue Erfahrung sein. Du brauchst Deine Zeit, bis das Wickeln für Dich zur reinen Routine wird. Die Handgriffe werden schneller und schon bald ist das Wickeln ruck zuck erledigt. Vorausgesetzt, Dein Baby spielt mit. Wenn Dein Kleines keine Lust hat, eine neue Windel zu bekommen, wird es Dir das mitteilen. Ein quengelndes Baby kannst Du mit einem bunten Spielzeug leicht ruhig stellen. Das Baby wird seine ganze Aufmerksamkeit dem Spielzeug widmen und gar nicht bemerken, wie frisch sein kleiner Babypo auf einmal ist. Der Gesang der Mama oder kleine Fingerspielchen von Papa helfen hierbei auch schon.

Achte bei den Kleidern Deines Babys darauf, dass sie einfach auszuziehen sind. Ein unpraktischer Body hält Dich nur auf und nervt Dein Kleines. Praktisch sind Bodys, die sich unten öffnen lassen. So kannst Du den Body zum Oberkörper hoch schieben und bequem die Windel wechseln.

Bei der Reinigung musst Du darauf achten, dass der Babypo nicht zu feucht bleibt. Mit einem Fön kannst Du den Popo sanft trocken fönen. Das verhindert, dass sich Keime am warmen Babypo ansammeln können.

Wickeln: Schritt für Schritt zum sauberen Babypo

Eine Grundregeln beim Wickeln lautet: Lasse Dein Baby niemals alleine auf der Wickelkommode liegen. Die Gefahr, dass es herunter fällt, ist einfach zu groß. Auch wenn Dein Kind noch nicht gelernt hat, sich zu drehen oder zu rollen, kann es vorkommen, dass es durch eine plötzliche Bewegung vom Wickeltisch herunterkullert.

Um aus dem lästigen Wickeln eine schnelle Angelegenheit zu machen, solltest Du alles dafür Notwendige bereits in Griffnähe liegen haben. Ein Regalbrett über dem Wickeltisch oder aber integrierte Schubladen vermeiden lästiges Zusammensuchen der Wickelsachen. Zu den wichtigen Utensilien am Wickeltisch gehören natürlich die Windeln, frische Wäsche, feuchte Tücher, warmes Wasser und Waschlappen, flauschige Handtücher, Babypuder und Cremes für eine zarte Babyhaut.

Wickeln unterwegs: Wenn es schnell gehen soll

Auf einer Radtour oder einem Zoobesuch kann es natürlich auch mal vorkommen, dass die Windel Deines Babys gewechselt werden muss. Im Zoo sind leider die Hygienebedingungen nicht so einwandfrei wie im heimischen Badezimmer. Dennoch soll das Wickeln hier schnell vonstatten gehen, um den Giraffen weiter beim Fressen zuzuschauen. Hierbei eignen sich zur schnellen Reinigung parfümfreie Feuchttücher, die extra auf einen zarten Babypo abgestimmt sind. Außerdem gibt es für das praktische Wickeln unterwegs Babypuder oder Babycremes im praktischen Taschenformat.

Auch wenn das Wickeln manchmal schnell gehen soll. Nimm Dir auch mal Zeit. Das Wickeln kann zu einem tollen Ritual zwischen Dir und Deinem Kind werden. Es ist eine tolle Situation, um mit Deinem Kind zu kommunizieren und auch seinen Tastsinn zu stimulieren. Gönne dem nackten Babypo mal ein bisschen frische Luft. Babys lieben es, einfach mal eine Zeitlang nackig vor sich hin zu strampeln. Streicheleinheiten sorgen für ein tolles Wohlbefinden bei Deinem Baby. Und wer weiß, sobald Dein Baby das Wickeln mit Streicheleinheiten oder Spielen mit Mama und Papa in Verbindung bringt, wird das Wickeln für Euch beide vielleicht ein großer Spaß.

Lesertipps: So bekommen wir Probleme beim Wickeln in den Griff

Je mobiler das Kind, desto schwieriger wird es oft beim Wickeln. Denn wer will schon still liegen bleiben, wenn es gilt, die Welt zu erobern? Doch wenn die Eltern ein nettes Ablenkungsmanöver parat haben, wird die lästige Pflicht zum Spaß… Lesen Sie, wie BabyCenter-Eltern Probleme beim Wickeln in den Griff bekommen.
Zupfen üben
Mein Sohn hält gern die Box mit den Feuchttüchern. Er zupft dann ein Tuch nach dem anderen heraus. Die Tücher stopfe ich hinterher wieder hinein und er ist wenigstens für den Moment beschäftigt. – Katrin
Exklusives Spielzeug
Ab dem 6. Monat wurde das Wickeln auf dem Wickeltisch oft schwierig, weil mein Kleiner immer versucht hat, sich auf den Bauch zu drehen. Um ein wenig mehr Zeit fürs Wickeln zu haben, habe ich zwei bis drei Spielzeuge am Wickeltisch deponiert, mit denen er nur hier spielen darf. Er freut sich jedes Mal wie ein Keks, wenn er sie in die Hände bekommt und ich kann „in Ruhe“ wickeln. Hoffentlich klappt es bei Euch auch so gut. – Ute
Nie ohne Badeentchen
Das Wickeln klappt bei meinem Sohn besser,seit ich seine Vorliebe für Badeentchen entdeckt habe.
Diese bekommt er ausdrücklich nur zum Wickeln in die Hand, er spielt dann damit.
Dann und wann, wenn sein Interesse an der alten Ente erlischt, tausche ich die Ente gegen eine neue aus. Der Hygieneaspekt ist damit auch beachtet, denn Badeenten lassen sich gut reinigen! – Nina
Mit Gesang

Meine Tochter, zehn Monate alt, lässt sich nicht gern die Windeln wechseln. Sobald sie ihre nasse Windel los ist, krabbelt sie in Windeseile davon. Wenn ich sie dann einfange, um ihr eine frische Windel anzulegen, singe ich immer. Das hilft meistens. Wenn nicht, gebe ich ihr einen Gegenstand in die Hand, den sie noch nicht kennt (einen für sie geeigneten und ungefährlichen natürlich). Dann geht es wieder. – Erika
Wackelndes Plüschtier
Ich habe ein Plüschtier mit Saugknopf an das Fenster über der Wickelkommode gehängt. Mein Sohn freut sich jedes Mal riesig, wenn er es nur sieht. Besondere Freude kommt auf, wenn ich es noch anstupse. – Sindy
Lavalampe
Mein Sohn liebt es, wenn ich beim Wickeln eine rote Lavalampe anschalte. Ich hab die Lampe neben den Wickeltisch auf eine Abstellkommode gestellt, auf der ich auch immer Windeln, Klamotten und Feuchttücher bereitstelle. Dann ist er so fasziniert, dass er aufhört zu zappeln. – Soso
Cremetube – aber geschlossen
Meinem elf Monate alten Sohn Ben gebe ich während des Wickelns meist eine Cremetube in die Hand. Die ist interessant und die gibt es auch NUR auf dem Wickeltisch! Die dreht und wendet er immer und betrachtet sie von allen Seiten. Diese Tube ist und bleibt für ihn interessant, da er sie eben auch nur beim Wickeln bekommt! Klappt genauso mit einem „extra-Wickeltisch-Spielzeug“ – Hauptsache es ist was Besonderes und das Kind bekommt es nur beim Wickeln! – Denise
Mit Bauchmuskeltraining
Seit sich mein Sohn dreht, habe ich mir angewöhnt, ihn nur noch auf unserem Bett zu wickeln. Mittlerweile setze ich mich dazu mit ausgebreiteten Beinen hin und lege ihn zwischen meine Beine. Wenn er dann anfängt sich wegzudrehen, halte ich einen meiner Füße auf Armlänge über ihn. Dann ist er erstmal so fasziniert von meinem Fuß, dass ich weiter wickeln kann. Klingt komisch, klappt aber! Und es hat den Nebeneffekt, dass ich auch gleich ein bisschen Bauchmuskeltraining habe. – Ramona
Im Sitzen wickeln
Wenn das Baby absolut nicht mehr liegen bleiben will, so kann man es einfach im Sitzen wickeln. Unter den einen Arm geklemmt den Po säubern und anschließend auf die Windel setzen. Einen interessanten Gegenstand vor das Baby legen, nach dem es greifen kann (meist steckt es diesen zum Anknabbern in den Mund und bleibt dadurch ruhig sitzen) und die Windel schließen. Nach einigen Malen hat man raus, wo genau man das Baby platzieren muss. Hochnehmen und alles ein wenig zurecht zupfen – fertig. – Mandy
Hände reinigen Ich gebe meinem Sohn ein Feuchttuch zum Spielen. Damit ist er beschäftigt und wäscht sich auch gleich die Hände. – Suzan
Geruchsbekämpfung
Seit ich ein klein wenig Kaffeepulver (das billigste tut’s absolut!) in den Windeleimer gebe, stinkt er nicht mehr und ich kann ihn ganz entspannt öffnen und das nächste „Paket“ hineinwefen. – Maria

1. So oft musst Du Dein Baby wickeln

In einer Windel herrscht ein feuchtwarmes Klima, in dem sich der Po Deines Babys leider schnell entzünden kann. Deshalb ist es wichtig, das Kind regelmäßig zu wickeln.
Ein Neugeborenes muss durchschnittlich sechs- bis zehnmal pro Tag gewickelt werden. Später benötigen Kinder nur noch rund vier- bis sechsmal pro Tag eine frische Windel. Grundsätzlich solltest Du immer dann wickeln, wenn die Windel voll ist. Manche Kinder signalisieren durch Schreien oder Schimpfen, dass es mal wieder an der Zeit ist. Bei anderen Kindern gibt nur der Geruchstest Sicherheit.
Wann die beste Zeit ist, ein Baby zu wickeln, ist auch nicht immer gleich. Viele Babys machen während des Trinkens in die Windel, manche danach. Deshalb nutzen einige Mütter die Pause beim Wechseln der Brustseite, um das Kind frischzumachen. Andere wickeln erst nach der Mahlzeit.
Sicher weißt Du nach einigen Wochen automatisch, wann und wie oft Du Dein Baby wickeln musst.

2. Wann Du nachts wickeln solltest

Schlaf ist nicht nur für Dein Baby, sondern auch für Dich extrem wichtig. Deshalb solltest Du Dein Baby nachts nur dann wickeln, wenn Du sicher bist, dass seine Windel voll ist. Nach dem Stuhlgang und bei nasser Kleidung ist nächtliches Wickeln Pflicht. Ist nur Urin in der Windel, solltest Du nur wickeln, wenn Dein Baby unter einem wunden Po leidet. Eine dünne Schicht Wundcreme schützt den Babypo in der Nacht. Verzichte beim nächtlichen Wickeln auf grelles Licht und sorge für eine behagliche Atmosphäre, in der Dein Baby schnell wieder einschläft.

Abonniere unseren #momlife Newsletter

Und erhalte einen hilfreichen Schwangerschaftsfahrplan gratis dazu

3. Worauf Du beim Windelinhalt achten solltest

Eltern unterhalten sich liebend gern über den Stuhlgang ihres Säuglings. Wie der Stuhlgang aussieht, welche Konsistenz er hat und wie er riecht, hängt von zahlreichen Faktoren ab, wie z.B. der Nahrung, dem Gesundheitszustand und der Flüssigkeitszufuhr. Bei Babys die voll gestillt werden ist dünnflüssiger, wässriger Stuhl mit kleinen Bröckchen zu Anfang etwas ganz normales. Mit der Zeit wird sich der Stuhlgang langsam formieren, gelblich und breiig werden. Bekommt Dein Säugling die Flasche ist der Stuhlgang schnell formiert und etwas fester.
Während grüner Stuhlgang beim Säugling in der Regel völlig harmlos ist, solltest Du andere Signale ernster nehmen:
Hatte Dein Kind mehrmals hintereinander wässrigen Stuhlgang, solltest Du einmal mit Deiner Hebamme klären, ob ein Infekt vorliegen könnte und ein Arztbesuch notwendig ist. Auch bei sehr dunklem Urin und Blut im Stuhl kann Dir Deine Hebamme ein guter Ratgeber sein.

4. So entsorgst Du Deine Windeln richtig

In jedem Mehrfamilienhaus kommt es früher oder später zu Diskussionen, weil die Mülltonne zu klein ist, um den Windelmüll zu fassen und die vollen Windeln fürchterlich stinken. Windeleimer mit Folienkassetten, in welchen die Windeln geruchssicher eingepackt werden, sind vor allem dann gut, wenn der Weg zur Hausmülltonne weit ist. Preisgünstiger ist es, wenn Du die Windel in einen Wegwerfbeutel packst, den Du gut verknotest, bevor Du ihn entsorgst. Je nachdem, wie viel Geld Du investieren möchtest, erhältst Du einfache Windeleimer mit Deckel oder ausgeklügelte Modelle mit Belüftungssystem.

5. Erste Hilfe, wenn Dein Baby beim Wickeln schreit

Dein Baby schreit beim Wickeln und treibt Dich in die Verzweiflung? Vielleicht friert Dein Kind oder liegt auf dem Wickeltisch nicht bequem. Eine Spieluhr, Mobile und Lampen, die Farben und Motive an die Decke projizieren, lenken Dein Baby ab. Oder sing Deinem Baby ein Lied vor. Auch wenn Du selbst das Gefühl hast, nicht gut singen zu können, findet Dein Baby Deine Stimme garantiert am allerschönsten. Auch kannst Du Dein Kind kurz liebevoll tröstend auf den Arm nehmen. Falls gar nichts hilft, beeile Dich beim Wickeln und tröste Dich damit, dass auch das Schreien auf dem Wickeltisch höchstwahrscheinlich nur eine Phase ist, die ganz sicher irgendwann überstanden sein wird.

6. Junge oder Mädchen? Diese Unterschiede gibt es beim Wickeln

Jungen und Mädchen sehen nicht nur unterschiedlich aus, es gibt auch beim Wickeln einige Unterschiede zu beachten. Um Jungs richtig zu wickeln, musst Du den Penis nur abwischen und die Falte an der Vorhaut sowie die Falten am Hodensack reinigen. Die Vorhaut selbst solltest Du im ersten Lebensjahr nicht zurückschieben. Die Penisspitze sollte immer nach unten zeigen, damit die Windel nicht ausläuft.
Ein Mädchen wischst Du immer von der Scheide zum Po hin ab, damit keine Darmbakterien in die Scheide eindringen können. Die Schamlippen säuberst Du außen und befreist sie mit einem weichen Tuch von dem Smegma, welches sich nach einiger Zeit aus der Käseschmiere bildet.

Ideal ausgestattet schon vor der Geburt!

Entdecke unsere LILLYDOO Produktsets mit einer Auswahl unserer hautfreundlichen Babypflegeprodukte zum attraktiven Kennlernpreis.

7. Im Bad wickeln

Eine Wärmelampe sorgt über dem Wickeltisch für eine behagliche Temperatur. Wenn Du Dir diese Anschaffung und die daraus resultierenden Stromkosten sparen möchtest, kannst Du Dein Baby auch im Badezimmer wickeln. Hier herrscht ohnehin oft die zum Wickeln empfohlene Temperatur von rund 22-25 Grad. Außerdem sind Waschbecken und Badewanne in Reichweite, falls beim Säubern Waschlappen und Feuchttücher mal nicht ausreichen.

8. Schütze Dein Baby vor Stürzen

Jede Mutter hat Angst davor, dass ihrem Baby etwas zustoßen könnte. Dennoch wird die Sturzgefahr beim Wickeln oft unterschätzt. Gewöhne Dir von Anfang an an, das Kind immer mit einer Hand festzuhalten. Du glaubst gar nicht, wie schnell selbst Neugeborene auf dem Wickeltisch eine unverhoffte Bewegung machen, die sie stürzen lässt.

9. Luft am Po macht Babys froh

Gib Deinem Kind immer mal wieder die Gelegenheit für einige Minuten nackt zu strampeln. So trocknet der nach dem Säubern feuchte Po in Windeseile und Du beugst Rötungen durch Entzündungen effizient vor. Dein Baby wird die Bewegungsfreiheit und die Luft am Po garantiert lieben.

10. So sieht der ideale Wickelplatz aus

Entscheide Dich für einen warmen und festen Wickelplatz in der Wohnung, an dem Du Dein Baby rückenschonend wickeln kannst und alle wichtigen Utensilien immer griffbereit hast. Eine schadstofffreie Wickelunterlage mit erhöhten Seitenteilen und einem hautfreundlichen Bezug sorgt dafür, dass Dein Kind sicher und bequem liegt. Eine Wandleuchte gibt Dir ausreichend Licht zum Wickeln, ohne das Baby zu blenden. Überprüfe regelmäßig, dass keine spitzen oder gefährlichen Gegenstände, Steckdosen oder Kabel in Reichweite Deines Babys liegen.

Auch wenn nicht immer alles perfekt klappt, das Wichtigste ist, dass Du und Dein Baby die gemeinsame Auszeit beim Wickeln genießen.
Für noch mehr Zeit miteinander gibt es jetzt das LILLYDOO Windel-Abo bei dem Du Windeln in Deinem Lieblingsdesign ganz einfach und bequem nach Hause bestellen kannst.

Ich sitze in einem Café, am Nebentisch eine Familie mit einem vielleicht einjährigem Kind. Es isst gerade ein paar Sachen vom Teller, als die Mutter es vom Stuhl hoch nimmt, an seiner Windel riecht und fragt „Hast Du einen Stinker gemacht?“ Das Kind schüttelt den Kopf. „Na, das glaub ich aber nicht.“ Die Frau wendet sich ihrem Partner zu: „Diesmal bist Du dran mit wickeln!“ Dieser verdreht ein wenig die Augen, nimmt das strampelnde Kind dann mit ins Bad. Ein klein wenig fühle ich mich an eine Szene erinnert, die ich einmal in einem Seniorenheim erlebt habe. Auch dort, vor so vielen Jahren, empfand ich eine Pflegesituation als grenzüberschreitend, als respektlos. Ich denke, es ist den Eltern wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass diese Situation auch anders laufen könnten, denn wir sind den Umgang mit Windeln heute schon fast so gewohnt.

Wickelszenen: Schon im Fernsehen erleben wir sie entweder als eklig oder als lustig. Aber wann sehen wir einmal eine schöne, harmonische, ja respektvolle oder achtsame Pflegesituation, in der einem Kind die Windeln gewechselt werden? Selten. In den Medien würde ich sogar sagen: nie. Wickeln, das ist etwas Unschönes, etwas, das man schnell hinter sich bringen muss, so werden wir von Anfang an geschult. Aber das muss es nicht sein, denn Körperpflege hat besonders viel mit Respekt, mit Verständnis, mit Einfühlungsvermögen zu tun.

Es geht in diesem Artikel nicht darum, ob man sein Kind windelfrei groß werden lassen soll, Stoff- oder Papierwindeln verwenden sollte. Aus meiner eigenen Erfahrung mit dem Konzept der Elimination Communication oder zumindest mit dem Umgang einer windelreduzierten Windelzeit jedoch weiß ich, dass durch das Achten auf die Bedürfnisse des Kindes und auf seine Signale bereits eine Richtung in Hinblick auf achtsame Körperpflege entsteht. Doch auch wer ganz klassische Wegwerfwindeln benutzt und sein Kind nicht abhält, wenn es Signale zeigt, dass es auf Toilette muss, kann achtsam und respektvoll mit der Wickelsituation umgehen.

Das Kind zum Windelwechseln auffordern

Achtsam mit dem Wickeln umgehen, das bedeutet zunächst, dass wir die Signale des Kindes wahrnehmen. Selbst wenn das Kind nicht anzeigt bevor es ausscheidet, zeigen viele Kinder, dass sie gerade ausscheiden (durch Geräusche oder Mimik) oder ausgeschieden haben. Vielleicht riecht man es auch einfach. Es reicht in dieser Situation, sein Kind ruhig anzusprechen. Vielleicht war das Kind so in eine Aktivität versunken und die Windel ist so saugfähig, dass es selber nicht antworten kann auf die Frage, ob es in die Windel gemacht hat oder nicht. Deswegen ist eine Frage meist nicht notwendig, ja kann das Kind sogar überfordern. Wir können unserem Kind ganz einfach sagen, dass wir gerne kurz mit ihm ins Bad gehen würden, um eine frische Windel anzulegen. Wir verbalisieren, was passiert ist ohne Bewertung, ohne negativen Kommentar. Wir stellen nicht die Frage, ob das Kind in die Windel gemacht hat, wir riechen nicht am Po. So kommen Eltern und Kind nicht in eine Situation, in dem dem Kind eine Lüge „vorgeworfen“ werden muss. Es ist eine alltägliche Handlung, man macht etwas Gutes, Angenehmes, indem man das Kind mit einem frischen Kleidungsstück versieht.

Der Umgang mit Körperausscheidungen

Ja, Körperausscheidungen riechen. Und wenn Kinder mit Beikost beginnen, vielleicht sogar fleischlicher Beikost, dann bekommt der Geruch noch einmal eine ganz andere Intensität. Für Babys jedoch, die noch kein ausgeprägtes Gefühl dafür haben, was zu ihrem Körper gehört, wo er anfängt und aufhört, ist der Umgang mit ihrem Körper sehr wichtig. So wichtig, wie für uns später auch. Ihnen die Windel zu wechseln und dabei zu vermitteln, dass dies eine eklige Handlung ist, dass es einem widerstrebt, dass es unangenehm ist, kann sich auf ihre Selbstwahrnehmung auswirken. Sie sind Babys, die noch nicht für sich selbst sogen können. Sie wollen von uns geliebt und geachtet werden und sie wollen uns kein schlechtes Gefühl machen oder das Gefühl vermitteln, dass wir uns vor ihnen ekeln müssten. Für Kinder ist es wichtig, dass wir wertschätzend mit ihrem Körper umgehen. Körperteile zu benennen, sie nicht abzuwerten oder ihnen unangenehme Eigenschaften zuzuweisen. Wir müssen sie nicht beschämen, indem wir ihnen sagen, wie eklig etwas sei oder dass sie ja alles schmutzig gemacht hätten. Es ist für sie unklar, warum etwas, das aus ihrem Körper kommt und ein Teil davon ist, nun ekliger Schmutz ist. Körperausscheidungen sind nun einmal ganz einfach der Rest des Verdauungsprozesses.

In Pflegesituationen einbinden

Immer wieder erfahre ich, wie schwierig Pflegesituationen für Eltern und Kinder sind. In Beratungssituationen fallen manchmal sogar Worte wie „Machtkampf“. Und tatsächlich: Das Windelwechseln kann zu einem Kampf werden, wenn wir immer gegen den Willen eines anderen Menschen anarbeiten müssen. Doch das müssen wir gar nicht. Wir können vorher ankündigen, dass wir nun gemeinsam die Windel wechseln wollen: „Lege Dein Spielzeug nun an seinen Platz und es bleibt dort bis wir zurück sind, wir gehen kurz ins Bad, um Deine Windel zu wechseln.“ Das Kind aus der Situation ohne Ankündigung heraus zu reißen ruft selbstverständlich Protest hervor – vielleicht sogar noch indem wir es einfach hochheben und wegtragen ohne Ankündigung. Wir können abwarten und verständnisvoll sein.

Und in der Pflegesituation können Kinder ebenso eingebunden werden: Öffne Deine Windel selbst, reich mit bitte eine Tuch, wisch doch selber einmal – all dies sind Möglichkeiten, um Kinder aktiv mit einzubinden. Es ist wichtig, anzukündigen, dass die Windeln gewechselt werden oder einfach zu fragen: „Ich mach jetzt Deine Windel auf, okay?“ Selbst bei den kleinsten Kindern können wir dann einen Moment abwarten, bis die Information zu ihnen durchgedrungen ist. Wenn wir das Wickeln als Ritual in den Alltag einbinden, wissen auch kleine Babys schon, was als nächstes passiert, wenn wir sie auf die Wickelunterlage legen – sie brauchen nur einen Moment Zeit, um die Information zu verarbeiten.

Kinder können je nach Alter teilhaben am Geschehen. Besonders wichtig ist auch hier, dass man den Kindern erklärt, was man tut. Sprachlich kann vorbereitet werden, welcher Schritt als nächstes ansteht: „Ich mach schonmal den Lappen nass, um Dich abzuwischen.“ So kann sich das Baby auf die anstehende Situation vorbereiten. Werden solche Routinehandlungen sprachlich immer begleitet, hat das Kind ein Wissen davon, kann sich besser einlassen und kooperieren. Körperpflege wird nicht „durchgeführt“, sondern gemeinsam begangen.

Ja, vielleicht dauert das Windelwechseln ein klein wenig länger, wenn das Baby aktiv dabei sein kann. Vielleicht aber stellen wir sogar fest, dass es gar nicht länger dauert, weil wir nicht ständig gegen unser Kind arbeiten müssen, weil wir es nicht festhalten müssen oder ständig wieder umdrehen, weil es nicht kooperieren mag. Vielleicht gewinnen wir sogar Zeit, indem wir mehr Raum geben.

Die richtigen Wörter wählen

Respekt und Achtsamkeit drücken sich auch darin aus, wie wir sprachlich anderen begegnen. Körperteile wollen benannt werden – und zwar alle. Was vermittelt es dem Kind, wenn wir für Geschlechtsteile keine Wörter benutzen? Körperausscheidungen müssten nicht als „Stinki“ bezeichnet werden, sondern können neutral benannt werden als das, was sie sind. Versetzen wir uns einen kleinen Moment hinein in die Person, die vor uns liegt und überlegen wir, wie wir selber angesprochen werden wollten, welche Wörter für uns angenehm und welche unangenehm wären. Dabei werden wir feststellen, dass viele der Wörter, die wir als kindgerecht wahrnehmen es eigentlich gar nicht sind.

Nehmen wir uns also einfach ein wenig Zeit und Raum, um unsere Kinder auch beim Wickeln liebevoll zu begleiten. Hinterfragen wir heute einmal, wie wir mit den Wickelsituation umgehen und warum wir das so tun. Versetzen wir uns in die Lage des Kindes und schauen wir, was uns selber angenehm oder unangenehm wäre. Auf diese Weise können wir den Kampf am Wickeltisch hinter uns lassen und gemeinsam einen guten Weg finden – in Windeln oder ohne.

Eure

Wickelzeit ist Beziehungszeit

Beziehungsvolle Pflege
Grundprinzipien der Arbeit von Emmi Pikler (ungarischen Kinderärztin, 1902 – 1984)
Emmi Pikler gründete nach dem 2. Weltkrieg ein Säuglingsheim in Budapest in der Loczy – Straße.
Sie prägte durch ihre Arbeit den Begriff der „beziehungsvollen Pflege“, mit deren Hilfe es ihr gelang, Hospitalismusschäden bei den Kindern im Heim zu verhindern. Die Pflegerinnen nutzten die Pflegesituationen des Wickelns und Fütterns als Gelegenheit zum Beziehungsaufbau und zur Beziehungspflege.
Emmi Pikler stellte durch jahrelange Studien und Beobachtungen fest, dass Kinder, die über den Tag hinweg mehrmals Zeiten ungeteilter Aufmerksamkeit und aufrichtiger, liebevoller Zuwendung erfahren, Vertrauen in ihre erwachsene Bezugsperson und dadurch auch in ihre Umgebung entwickeln. Durch Gefühl der Sicherheit, das dadurch entsteht werden Kinder langfristig gestärkt in ihrer Persönlichkeit und können sich wach und neugierig ihrer Umgebung widmen.
Emmi Pikler beobachtete auch, dass die Erfahrung der liebevollen, aufrichtigen Zuwendung in der Pflegesituation Kinder emotional „sättigen“ kann. Danach können die Kinder wieder eine ganze Weile ohne die direkte Aufmerksamkeit der Erwachsenen auskommen. Diese Beobachtung und Erkenntnis heute auch heute eine Entlastung für die pädagogischen Fachkräfte sein, da sie ja immer für alle Kinder der Gruppe gleichermaßen zur Verfügung stehen wollen.
Ungeteilte Aufmerksamkeit
Die beziehungsvolle Pflege ist auch eine Zeit, in der das Kind die ungeteilte Aufmerksamkeit der pädagogischen Fachkraft in der 1:1 Situation genießt. Feinfühlige Körperpflege ist ein Qualitätsmerkmal in der Arbeit, stärkt die Beziehung zum Kind und es geht nicht um möglichst schnelles „Abwickeln“.
Die Pflege ist kein technischer Akt, im Mittelpunkt steht die Interaktion zwischen pädagogischer Fachkraft und dem Kind. Dabei braucht es keine Ablenkungen wie Spielzeug auf dem Wickeltisch oder ein Mobile da drüber.
Im Dialog
Beziehung zeigt sich durch ein intensives Miteinander und im Dialog. Das Kind ist Kooperationspartner, es nimmt aktiv an der Pflege teil, z.B. durch Ausstrecken des Armes beim Pullover anziehen oder beim Öffnen der Windel. Die pädagogische Fachkraft begleitet den gesamten Prozess mit Worten und kündigt jeden nächsten Schritt an, so dass sich das Kind darauf einstellen kann. Pflege verbal zu begleiten heißt also, jede Tätigkeit, jedes Kleidungsstück und jedes Körperteil zu benennen. Das Kind ist direkt angesprochen, weiß was geschieht und kann ich darauf einstellen.
Dazu gehört auch, das Kind zu fragen, ob es jetzt gewickelt werden möchte. Ein „Nein“ wird akzeptiert und dem Kind angeboten, es gleich noch einmal zu fragen, wenn es sein Spiel beendet hat.
Eine weitere Chance von diesen Pflegesituationen liegt in der Beziehungspflege und im Dialog mit dem Kind. Durch die ständige Ansprache des Kindes beim Wickeln wird es in seiner Motivation für und Freude an Sprache gestärkt.
Beispielhafte Literaturempfehlung zum Thema Beziehungsvolle Pflege

Beispielhafte Literaturempfehlung

  • Inga Bodenburg, Gunhild Grimm – So fühlen sich die Kleinsten wohl
  • Inga Bodenburg – Der Entwicklung Raum geben
  • Emmi Pikler, Anna Tardos – Miteinander vertraut werden
  • Gemeinsam ent-wickeln – Beziehungsvolle Pflege / Theorie u. Praxis d. Sozialpäd Nr. 3/2012
  • Christel van Dieken, Julian van Dieken – Ganz nah dabei – Alltagsituationen in Kitas für 0 bis 3 jährige (DVD und Begleitheft )
  • Birgit Kasprik – Spiele für den Wickeltisch
  • Tina Weiler – Kribbelverse für Krabbelkinder

Die Bedeutung des Infektionsschutzes in der Begegnung zwischen pädagogischer Fachkraft und Kind
Der Gesundheitsschutz und sein Erfolg in der Kita hängen nicht zuletzt davon ab, ob es der Fachkraft gelingt, die pädagogische Aufgabe, die Perspektive der Kinder und den Infektionsschutzes miteinander zu verknüpfen.
Die Routine der einzelnen praktischen Handlungen, die im pädagogischen Alltag entsteht, bedarf einer stetigen Überprüfung und auch prinzipieller Klärung.
Besonders hervorzuheben ist das Problem des mangelnden Selbstschutzes der pädagogischen Fachkräfte aus unterschiedlichsten Gründen. Es ist notwendig darüber mit den Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen und dieses Verhalten zu reflektieren.
Die Perspektive der Erziehenden in der Kita
In jeder Kita entwickeln die Beschäftigten mit der Zeit eine gewisse Routine oder Arbeitsgewohnheit. Das gilt sowohl für Tätigkeiten/ Aufgaben bei der direkten erzieherischen Arbeit wie Essen ausgeben, Wickeln, als auch für Tätigkeiten wie Desinfizieren, Flächen reinigen und die Entsorgung von Gegenständen. Dabei werden individuelle Varianten in der Routine angewendet. Der Vorteil der Routine liegt darin, dass eine Reihe von Handlungen oder Handlungsabfolgen so automatisiert werden, dass nicht jedes Mal die gedankliche Vor- und Nachbereitung von Arbeitsschritten notwendig ist.
Durch Routine kann zur Verrichtung der einen Tätigkeit (z.B. Wickeln) auch noch die eine oder andere Tätigkeit zeitgleich ausgeübt werden: Z.B. mit dem Kind reden und den Raum aus den Augenwinkeln daraufhin beobachten, was die anderen Kinder tun. Das ist besonders dann notwendig, wenn eine pädagogische Fachkraft allein im Raum ist. Es handelt sich dabei um das in der Kita weitgehend verbreitete sogenannte Multitasking. Die Nachteile dieser Routine bestehen im:
Übersehen von abweichenden Bedingungen und im Verfestigen einer schematischen Vorgehensweise.
Routine ist nicht mit einem sicheren Arbeitshandeln zu verwechseln, das die Infektionsgefahr vorhersieht und dadurch die Abläufe klar strukturiert. Eine Haltung, die die eigene Gesundheit beachtet, steht unter Umständen quer zum eigenen Gewohnheitshandeln. Hygieneanforderungen können wie eine Arbeitserschwernis wirken, wie ein zusätzliches „Auch-das-noch: An mich denken“, angesichts sich überstürzender Arbeitsabläufe und Notwendigkeiten.
Die Hände – ein Arbeitsmittel
Ein wichtiges Arbeitsmittel sind die Hände der Kita-Beschäftigten, sie sind mehr als ein Arbeitsmittel im technischen Sinn. Mit ihnen werden Kinder hochgenommen, getröstet, beruhigt und auch an der Hand geführt. Hände vermitteln beim Spielen, dirigieren, das Essen wird damit verteilt und Kindern wird bei der Nahrungsaufnahme geholfen. Sie unterstreichen auch als Geste die mündlichen Botschaften und werden ebenfalls von den Kindern auf vielfältige Weise berührt. Hände kommen mit vielen – zum Teil kontaminierten – Materialien in Berührung (Türgriffe, Telefon, Tische, Abfalleimer, Spielzeug, Fußboden usw.). Hände sind einer der Hauptüberträger von Infektionserregern in der Kita und zugleich auch Ansatzpunkt der Infektionsprophylaxe. Damit sind sie als wichtiges Arbeitsmittel gefährdet und gefährdend, vor allem deshalb, weil sie routiniert eingesetzt werden.
Aus Gründen der Empathie gegenüber den Kindern kann es vorkommen, dass beim Wickeln auf Einmalhandschuhe verzichtet wird, weil manche Kinder es z.B. nicht mögen, damit angefasst zu werden, oder weil die Hände ein zentrales Kommunikationsmittel im Umgang mit den Kindern sind, und die pädagogische Fachkraft nicht signalisieren möchte, dass z.B. ihre Körperausscheidungen infektiös sein könnten. Dieses Motiv der Zuwendung zum Kind führt dann zu einer „situativen Risikogleichgültigkeit“. Ein weiterer Grund keine Handschuhe zu tragen ist der Gedanke, dass dadurch Arbeitszeit eingespart werden kann. Dadurch wird ein großes Risiko eingegangen.
Diese Arbeitsgewohnheiten sind zum Schutz aller Beteiligten zu verändern.
Die Kitabeschäftigten unterscheiden sich nicht nur in ihren Arbeitsgewohnheiten voneinander, sondern auch nach physiologischen Kriterien, wie Alter, Geschlecht, Immun- und Impfstatus und mehr. Sie unterscheiden sich ebenso in ihrem Wissen über Infektionsgefährdungen und das sichere Arbeitshandeln hängt von mikrobiologischen Kenntnissen, insbesondere dem Wissen über die Übertragungswege ab. Auf dieser Grundlage werden die Entscheidungen über die Schutzmaßnahmen getroffen.
Die erzieherischen und sonstigen Handlungen der Kitabeschäftigten (z.B. die nicht personenbezogenen Entsorgungs- und Desinfektionstätigkeiten) finden je nach den Besonderheiten der Kindertagesstätten unter unterschiedlichen Ausführungsbedingungen statt. Die wechselnden Ausführungsbedingungen betreffen die Räumlichkeiten, die Möblierung, die Reinigungsfähigkeit von Flächen und das Angebot an Schutzausrüstung, die Unterrichtung über Infektionsgefährdung, Händedesinfektion und Händereinigung sowie die Gestaltung des Hygienemanagements und der Arbeitsorganisation. Dabei sind die Ausführungsbedingungen nicht immer an einer sicheren Infektionsprävention orientiert und die Beschäftigten arrangieren sich dann oftmals mit den örtlichen Gegebenheiten.
Die folgende Situation verdeutlicht, wie z.B. ein primär technisch umgesetzter Arbeits- und Gesundheitsschutz scheitert und zu zusätzlichen Gefährdungen führt, wenn schon bei der Planung von Räumen die Arbeitsrealität der Beschäftigten nicht berücksichtigt wird:
„Eine Erzieherin wickelt die Kinder direkt im großen Spielraum – der extra mit einem ergonomischen Wickeltisch ausgestattete separierte Raum bleibt unbenutzt. Denn nur im großen Raum kann die Erzieherin während des Wickelns die anderen Kinder beobachten. Für die Erzieherinnen bedeutet das Verfahren einen enormen Konzentrationsaufwand und ein Arbeiten in einer rückenschädigenden Haltung. Überdies besteht bei diesem Vorgehen eine erhöhte Infektionsgefahr, von der Erzieherinnen und Kinder gleichermaßen betroffen sind. In dem großen Spielraum fehlen nämlich die für das Wickeln erforderlichen hygienischen Vorrichtungen.“
Die Perspektive des Kindes
Das Kind ist in seiner Selbstbildung und Entwicklung zur Selbständigkeit auf Unterstützung und Hilfe angewiesen. Im Verlauf seiner Entwicklung wir es immer autonomer und diese Momente treten immer stärker in den Hintergrund. Zur Hygiene wird das Kind erst angehalten und erzogen und das ist immer verbunden mit der Entwicklung seiner Fähigkeiten. Das Kind ist im Regelfall bis zum Ende des dritten Lebensjahres noch nicht imstande, den Schließ- oder Blasenmuskel zu beherrschen. Solange es also noch nicht selbstständig auf die Toilette oder den Topf gehen kann, hat es meistens kein Problem damit, gewickelt zu werden, weil ihm die volle Windel auch nicht gefällt. Wenn es neu in der Krippe oder Kita ist, fremdelt es anfangs, weil es sich an Personal und Umgebung erst gewöhnen muss. Damit wird in der Eingewöhnungsphase in der Kita sensibel und professionell umgegangen. Wird das Kind beim Säubern und Wickeln wie ein zu reinigendes Objekt behandelt, ohne dass mit ihm z.B. kommuniziert wird, spürt es das und reagiert dementsprechend abwehrend. Soviel ist klar, es versteht seine Ausscheidungen nicht als Produkte, die unter die Biostoffverordnung und Übertragungsgefahr gefährlicher Keime subsumiert werden. Das Kind sieht sich nicht als Ansteckungsgefahr, sondern es freut sich, wenn seine Bezugsperson sich ihm mit Zeit zuwendet.

Wickeln ist eine pflegerisch-pädagogische alltägliche Aufgabe und dazu gehört die Zuwendung zum Kind; das lässt sich nicht einfach „technisch“ abwickeln, sondern verlangt Geduld und Empathie („beziehungsvolle Pflege“). Das gilt ebenfalls für erkrankte und gestürzte Kinder oder solche, die sich erbrechen oder verletzen. Mit ihnen ist in solchen Situationen sensibel – aber auch achtsam (wegen einer Infektionsgefahr) – umzugehen, weil sie gerade ein Leid haben und des Trostes bedürfen. Die Botschaft: „Achtung Infektionsgefahr!“ verstehen sie in der Lage überhaupt nicht.
Fazit aus der Perspektive des Infektionsschutzes
Infektionsgefährdung ist im Kitabereich ein wesentliches Moment im pädagogischen Alltag. Ein Teil der Tätigkeiten, wie enger Kontakt zu den Kindern, Spielen und Unterstützung beim Essen, Hilfe beim Waschen, Wickeln, in den Arm nehmen und Trösten, beinhalten auch gleichzeitig Gefährdungsmomente, in denen Infektionen übertragen werden können. Die Schaffung eines „keimfreien“ Raumes oder sicheren Abstands zwischen den Erziehenden und den Kindern als mögliche Keimüberträger, ist mit der pädagogischen Arbeit nicht vereinbar. Diese Arbeit kann nicht unter einem Quarantänezelt wie in einem Krankenhaus stattfinden. Zuwendung und enger Kontakt zu den Kindern sind Bestandteile der Tätigkeit, sie lassen sich nicht aufheben. Diese Handlungen sind auf ihr Gefährdungspotenzial hin zu untersuchen und wirksame Maßnahmen zu entwickeln, und zwar auch dann, wenn die Tätigkeit nicht gänzlich keimfrei zu gestalten ist.
Wichtig ist es zu verstehen, dass sich die Infektionsgefahr dann erhöht, wenn durch Stress die Gefahr von spontanen Entscheidungen in kritischen Situationen steigt („eben schnell das noch machen“), weil dann leicht Sicherheitsregeln außer Acht gelassen werden.
Die Gefährdungsbeurteilung Infektion in der Kita sollte unter Beteiligung der Beschäftigten entlang der täglichen (routinierten) Handlungsabläufe erfolgen.
Nur dann, wenn Infektionsschutz Teil der täglichen Praxis ist, also nicht „Theorie und Praxis“ einander gegenüberstehen, wird sich auch das Gesundheitsverhalten der Beschäftigten verändern können. Sonst bleibt es häufig dabei, dass die rechtlichen Vorschriften nur (abstrakt) gelten – und der (reale) Umgang als Störung des Arbeitsablaufs erlebt wird.
Alle erforderlichen Handgriffe beim Wickeln und Hinweise
zur beziehungsvollen Pflege für und mit dem Kind:

Was notwendig ist für die Hygiene: Beziehungsvolle Pflege für und mit dem Kind:
Ziele Keine Spuren von Kot und Urin verteilen / weitertragen:

  • auf dem Wickelplatz
  • an Griffen
  • Feuchttücherbehälter
  • Desinfektionsmittel
  • Müll
  • Kleidung
  • über die Hände an die Türklinken und in den Gruppenraum
  • über Hautkontakt an nächstes zu wickelndes Kind oder andere Person
  • durch verschmutzte Kleidung der pädagogischen Fachkraft

Grundhaltung ist:

  • Respekt und ein liebevoller, feinfühliger Umgang mit dem Kind bei der Körperpflege
  • Mit dem Kind sprechen und in Kontakt sein
  • Jede Handlung sprachlich begleiten
  • Dem Kind Aufmerksamkeit und Zeit zum Mitwirken geben
  • Sicherheit und Orientierung durch wiederkehrend gleiche Abläufe schaffen

Arbeitsplatz vorbereiten Bereit legen:

  • Wickelunterlage
  • Windel
  • Einmalhandschuhe
  • benötigte Feuchttücher / vorbereitete Waschlappen
  • zwei geöffnete Müllbeutel (für benutzte Windel und verschmutzte Wäsche)
  • Wechselwäsche
  • ggf. Creme, geöffnet

  • Einverständnis des Kindes zum Wickeln herstellen
  • Wickeltisch mit Treppe: Kind geht begleitet auf den Wickeltisch, wenn es dies nicht kann, wird es hinaufgehoben. Tipp: Kind körpernah heben und tragen
  • Dem Kind ermöglichen, soviel wie möglich allein zu tun
  • Mit dem Kind sprechen
  • Wird das Kind im Stehen gewickelt, braucht es eine feste Haltemöglichkeit (z.B. eine Stange)

Windel ausziehen und Abfall entsorgen Schutzhandschuhe an saubere, kleidungs- und schmuckfreie Hände anziehen.

  • Kind soweit entkleiden, dass die Windel geöffnet und das Kind gereinigt werden kann
  • Verschmutzte Kinderwäsche ausziehen, eintüten und außer Reichweite des Kindes ablegen. Für Säuberung des unteren Rückens, Kind leicht zur Seite drehen -> nicht an den Füßen hochhalten!
  • Kind mit Feuchttüchern / Waschlappen säubern
  • Von vorne nach hinten reinigen, damit keine Keime in den Genitalbereich gelangen
  • Bei sichtbarer Verschmutzung zwischendurch Handschuhe / Wickelunterlage wechseln
  • Handschuh wechseln, bevor Kinderhaut eingecremt wird
Mit Kind sprechen:

  • Mit Worten den nächsten Schritt beschreiben
  • Kind zum Mitwirken anregen und dafür Zeit geben

Mit Kind sprechen:

  • Mit Worten den nächsten Schritt beschreiben
  • Beim Müll entsorgen Kind mindestens mit einer Hand gegen Herunterfallen sichern und im Kontakt bleiben

Handschuhe ausziehen
Wichtig: Mit neuen Fachkräften üben
Mit Kind sprechen:

  • Mit Worten den nächsten Schritt beschreiben
  • Beim Handschuh ausziehen in Kontakt mit dem Kind bleiben

Kind frisch wickeln, anziehen und Arbeitsplatz aufräumen
  • Saubere Windel anziehen
  • Windel erst dann schließen, wenn die Haut des Kindes trocken ist
  • Windel nicht zu eng schließen, ca. zwei Finger Platz zwischen Windel und entspanntem Kinderkörper lassen
  • Kind anziehen und es zum Mitwirken anregen
  • Kind beim Heruntergehen / Krabbeln vom Wickeltisch begleiten und ggf. unterstützen
  • Eventuell Treppe einfahren und verriegeln
  • Feuchttücher (Behälter schließen!), Wickelunterlage, andere Hilfsmittel wegräumen
  • Mit Flächendesinfektionsmittel die Wickelfläche und alle eventuell verunreinigten Flächen (mit Schutzhandschuhen angefasste Griffe, Verschlüsse, Ablageflächen der verschmutzten Windel etc.) mit etwas Druck abwischen
  • Schubladen verriegeln

Hände desinfizieren!

Mit Kind sprechen:

  • Mit Worten beschreiben, was als nächstes gemacht werden soll
  • Kind zum Mitwirken anregen und dafür Zeit geben
  • Kind geht begleitet vom Wickeltisch, wenn es dies nicht kann, wird es herunter gehoben.
  • Kind körpernah aufnehmen und halten. Den Rücken nicht verdrehen, sondern mit Kind auf Arm dorthin gehen, wo das Kind abgesetzt werden soll. Beim Kind Absetzen – mit geradem Rücken – in die Knie gehen.

Kind zum Händewaschen motivieren!

Ergebnis:

  • aufgeräumter, sauberer und keimarmer Arbeitsplatz

  • Infektionsschutz für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kinder und Besucher
  • Kind hat in der 1:1 Situation Aufmerksamkeit und Zuwendung erfahren

Mamawissen: Wie man ein Kind im Stehen wickelt

Dieses Problem kennen fast alle Eltern: Die Kleinen werden mobiler und weigern sich plötzlich, sich beim Wickeln ruhig auf den Rücken zu legen. Es folgt ein Kampf: Man versucht unter Aufbietung aller Kräfte, die sich windenden Kinder weiter auf der Wickelkommode zu wickeln und riskiert, dass sie vielleicht sogar runterfallen – oder man lernt ein Kunststück, das mit ein paar Tricks gar nicht so schwer ist: Wickeln im Stehen. Mamaclever hat eine Anleitung, wie es funktioniert.

Zum Wickeln im Stehen ist es am besten, wenn sich das Kind irgendwo festhält – beispielsweise am Sofa, an der Wickelkommode oder an einem Stuhl. Babys, die gerade erst anfangen aufzustehen oder zu laufen, haben so mehr Stabilität und für die Älteren ist der Fluchtweg so zumindest in einer Richtung verschlossen. Wenn dann auf dem Sofa noch ein interessantes Spielzeug liegt, dann hilft das natürlich ungemein.

1. Hose und/oder Strumpfhose ganz ausziehen. Den Body knöpft man am besten über einer Schulter zusammen – so hängt nichts im Weg herum und er wird auch nicht schmutzig.

2. Ganz wichtig beim Windelwechsel im Stehen ist es, die Rüschen der Windel nach außen zu klappen, bevor man sie anlegt. Sonst sitzt sie nachher an den Beinen nicht richtig und läuft schnell aus. Und saubergemacht wird das Kind im Stehen natürlich auch. Möglichst schnell, bevor es auf die Idee kommt, sich mit dem dreckigen Popo irgendwo hinzusetzen…

3. Die Mutter stellt bzw. kniet sich hinter das Kind. Dann die neue Windel an den Popo legen und mit dem Knie festhalten. Danach die Klebestreifen in der richtigen Höhe am Bauch des Kindes festkleben – keine Angst, die kleben nur ganz leicht und es tut dem Kind auch nicht weh, wenn man sie wieder abzieht. So verrutscht nichts beim nächsten Schritt.

4. Die Windel zwischen den Beinen des Kindes durchwursteln. Das Knie bleibt dabei am Popo, um die Windel dort zu fixieren. Wer Glück hat, dem hilft ein größeres Kind vielleicht sogar, die Klebestreifen vorne am Bauch festzuhalten, die halten nämlich meist nicht besonders gut.

5. Jetzt müssen nur noch die beiden Klebestreifen einer nach dem anderen vom Bauch auf die Windel geklebt werden – fertig!

Mit ein bisschen Übung klappt das Wickeln im Stehen mit diesen Tricks bald schon so leicht wie im Liegen. Das Windelwechseln im Stehen ist für ältere Kinder laut Emmi Pikler sowieso würdevoller und wird deshalb auch in vielen Kitas praktiziert. Ältere Kinder lassen sich so auch oft lieber wickeln als auf dem Rücken. Wickeln im Stehen ist auch unterwegs praktisch – die Suche nach einer Wickelkommode könnt Ihr Euch künftig sparen.

Windeln im Spar-Abo*

Foto: Flickr/yodelodelay unter CC BY-NC-ND 2.0

Bayern 2 – Notizbuch

1902 kam Emmi Pikler in Wien zur Welt, wo sie auch zwanzig Jahre später Kindermedizin studierte. Dort lernte sie bei Professor Clemens von Pirquet, nicht die Krankheit in den Mittelpunkt zu stellen, sondern das Kind. Ähnlich sah es ihr Professor in Kinderchirurgie: Friedrich Franz Salzer wollte erreichen, dass Kinder nicht weinten, während sie verbunden wurden.

„Er war imstande, bei einem Kind mit Verdacht auf akute Blinddarmentzündung so lange mit ihm zu sprechen, bis der Bauch ganz weich war und er gut durchtasten konnte, ob es wirklich eine Blinddarmentzündung war. Dadurch hat er weit weniger operiert.“

Emmi Pikler

1927 promovierte Emmi Pikler. Von 1935 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie in Budapest als Familienärztin. Eine schwierige Zeit für sie als Jüdin, zumal ihr Mann politischer Gefangener war. Doch schon in diesen ersten Jahren gab sie den Eltern ihrer kleinen Patienten zwei Ratschläge, die sich bereits bei ihrer eigenen Tochter bewährt hatten:

  • Ermöglichen Sie Ihrem Baby eine freie Bewegung und warten Sie seine Entwicklung geduldig ab!
  • Lassen Sie ihm Zeit!

Waschen, wickeln, füttern – aber bitte mit Aufmerksamkeit

Kinderärztin Emmi Pikler – eine Pionierin ud Visionärin für die Arbeit mit Kindern

1946 übernimmt Emmi Pikler das Budapester Säuglingsheim, dessen Name sich aus der Straße ableitet, in der es steht, und das es durch sie zu Weltruhm bringen wird: das Lóczy.
Ihre Pädagogik ruht auf zwei Säulen. Zunächst bekommt jedes Kind wertschätzende, achtsame Zuwendung – nämlich während der Pflege. Zu dieser Zeit war es völlig normal, dass Waisenkinder in den Heimen abstumpften, an Hospitalismus oder anderen Persönlichkeitsstörungen erkrankten. Der Grund: keine menschliche Zuwendung. Zwar wurden die Säuglinge versorgt: gewickelt, gefüttert, gewaschen – aber ohne Aufmerksamkeit. Die Zeit gab es nicht her, beziehungsweise ging man nicht davon aus, dass das bei so kleinen, nicht-kommunikativen Wesen schon nicht nötig wäre.

„Die Art und Weise der Pflege bekommt Gewicht. Es ist von Bedeutung, wie der Erwachsene dem Kind sein Essen reicht, was für eine Zusammenarbeit zwischen dem Kind und der Pflegerin während des Fütterns, des Badens, des Wickelns und des An- und Ausziehens entsteht. Es ist unser Bestreben, dass weder die Kinder einer Gruppe noch die dazugehörigen Pflegerinnen ausgewechselt werden.“

Emmi Pikler

Raum für selbständige Bewegung und Bewegungsentwicklung

Im Lóczy entsprach die Anzahl der Pflegerinnen dem, was in Ungarn üblich war. Sie hatten also auch nicht mehr Zeit als Kolleginnen in anderen Heimen. Der geniale Einfall von Emmi Pikler war aber, dass sie den Kindern die benötigte Aufmerksamkeit im Rahmen der Pflege zukommen ließ. Denn nur wenn diese Basis einer liebevollen Zuwendung gegeben ist, kommt auch die zweite Säule der Pädagogik Emmi Piklers zum Tragen: Raum für selbständige Bewegung und Bewegungsentwicklung.

Die Babys liegen in riesige Laufställen mit festem Untergrund und haben mindestens einen Quadratmeter Platz. Außerdem liegen Gegenstände und Spielsachen herum zum selbständigen Untersuchen. Und das funktioniert: In Ruhe und Konzentration bewegen sich die Säuglinge und studieren die Dinge, die sie sich greifen.

„Der Säugling lernt im Laufe seiner Bewegungsentwicklung nicht nur, sich auf den Bauch zu drehen, nicht nur das Rollen, Kriechen, Sitzen, Stehen oder Gehen, sondern er lernt auch das Lernen. Er lernt, sich selbständig mit etwas zu beschäftigen, an etwas Interesse zu finden, zu probieren, zu experimentieren. Er lernt Schwierigkeiten zu überwinden.“

Emmi Pikler

Emmi Piklers Leitspruch: Lasst den Kindern Zeit!

Kindern Zeit in der Entwicklung geben – und dabei spielend die Welt entdecken lassen war die Grundidee von Emmi Pikler

Emmi Pikler beobachtete von 1946 bis 1969 über 700 Kinder bei der Bewegungsentwicklung. Sie ließ Filme und Fotos davon machen, und dokumentierte jeden kleinsten Zwischenschritt. Dadurch fand sie heraus, dass alle Kinder dieselben Entwicklungsschritte durchlaufen, nur eben nicht immer zur selben Zeit. Beispielsweise stand ein Junge im Lóczy schon mit acht Monaten auf, während ein anderer im selben Alter sich gerade mal vom Rücken auf den Bauch drehte. Als die beiden zwei Jahre alt waren, konnte man jedoch keinen Entwicklungsunterschied mehr feststellen. Der – nach heutigen Begriffen – „entwicklungsverzögerte“ Junge war kein bisschen auffällig.

„Unserer Ansicht nach sind die Krampfhaftigkeit und Ungeschicklichkeit, denen man bei Kindern mit langsamer Bewegungsentwicklung begegnet, Resultate des Helfens und Drängens, zu dem die Erwachsenen sich bei diesen Kindern veranlasst fühlen, um ihre Entwicklung zu beschleunigen.“

Emmi Pikler

Deshalb heißt das bekannteste Lehrbuch von Emmi Pikler auch: „Lasst mir Zeit.“

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.