Eltern loslassen lernen

Meine Eltern können nicht loslassen

„Was machst du?“, „Wo fährst du hin?“, Wann kommst du zurück?“. Diese Sätze kennen Jugendliche zur Genüge. Ewiges Rechtfertigen, nervende Anrufe – dabei wünschen sich Kinder nichts mehr, als von ihren Eltern wie Erwachsene behandelt zu werden.
„Die hier beschriebene Abnabelung ist ein langwieriger Prozess und beginnt schon in der Pubertät“, so Rudolf Roithmair, diplomierter Sozialarbeiter und Familienberatungsmediator in der Jugend-, Familien- und Sexualberatungsstelle BILY.
Kinder erfüllen im Leben der Eltern gewisse Erwartungen und Wünsche. Wenn
sie aber aus dem Nest flüchten, bleibt eine Lücke und Eltern verspüren einen Trennungsschmerz. Viele wissen dann oft nicht mehr, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Schließlich haben sich die vergangenen 18 Jahre nur um die Kinder gedreht. Bei alleinerziehenden Elternteilen könne es auch vorkommen, dass Kinder als Partnerersatz mit den Problemen Erwachsener belastet werden.
Das teure Wohngeld und ökonomische Gründe führen oft dazu, dass Kinder immer länger zuhause wohnen, was den Weg in die Selbstständigkeit erschwert. Durch den Wohnsitz bei den Eltern habe man automatisch einen gemeinsamen Alltag, in dem die Eltern es gewohnt sind, sich um ihre Kinder zu kümmern.
Wenn das Kind also nicht signalisiere, dass es erwachsen ist und auch so behandelt werden will, funktioniert die Abnabelung nicht.
Meist erleichtert ein getrennter Wohnsitz den Aufbau eines selbstständigen Lebens. Man würde auch schnell merken, dass sich die Beziehung zu den Eltern verändert und besser funktioniert. Hierbei gelte die Regel: Je näher man wohnt, desto klarer muss die Beziehung zu den Eltern geklärt werden! Sonst könne es passieren, dass mit 30 Jahren die Mutter immer noch vor der Tür steht und die Wäsche waschen oder die Wohnung neu dekorieren will. „Auch wenn es nicht einfach ist, konfrontieren Sie ihre Eltern mit der Tatsache, dass Sie erwachsen sind und ihre eigenen Entscheidungen treffen können!“, meint der Berater.
Die österreichischen Beratungsstellen haben immer ein offenes Ohr für Sie und helfen Ihnen dabei.

SOZIALES/125: „Affenliebe“ – Wenn Eltern nicht loslassen können (Uni Bielefeld)

BI.research 36.2010
Forschungsmagazin der Universität Bielefeld

„Affenliebe“
Wenn Eltern nicht loslassen können

Von Sabine Schulze

Die Liebe zwischen Eltern und Kind, sie sollte unverbrüchlich sein. Und doch macht sich der 40-Jährige, der noch bei Mama wohnt, zum Gespött. Und werden Eltern, die ihren Nachwuchs auf einen Sockel stellen, die schlicht alles, was der tut, kritiklos hinnehmen, jeden Weg bahnen und eigene Bedürfnisse hintan stellen, belächelt: Diese Art der Beziehung scheint zu symbiotisch, zu fixiert, zu blind. „Affenliebe“ sagt der Volksmund. Und meint damit ein Klammern, die Unfähigkeit loszulassen. Aber gibt es tatsächlich ein Übermaß an Liebe? Das ist für Prof. Dr. Nina Heinrichs, Psychologin an der Universität Bielefeld, nicht die Frage. Über ein Zuviel an Liebe werde die sprichwörtliche Affenliebe auch nicht definiert, sagt sie. „Es geht vielmehr darum, dass ein Kind in seiner Autonomie eingeschränkt wird. Und das ist nicht gut. Die Ablösung von den Eltern ist wichtig.“ Freiheit in Grenzen, die je nach Entwicklungsphase verschoben werden: Das sei erforderlich.

Bedingungslose Liebe, aber mit Bewusstsein für Grenzen

Ohnehin zögert die Psychologin, das elterliche Verhalten, das sich in blinder und übertriebener Hinwendung zum Kind zeigt, als Liebe zu bezeichnen: „Darüber kann man streiten, ob so etwas immer aus Liebe erwächst. Und selbst wenn, muss das ja nicht richtig sein.“ Ohne Frage, sagt Heinrichs, müsse ein Kind das Gefühl haben, dass die Liebe der Eltern nicht an Bedingungen geknüpft ist. „Aber ein Kind muss eben auch Anpassung, den Umgang mit anderen lernen.“ Und da sei eine dauerhafte Zentrierung der Eltern, ein Kreisen um den Nachwuchs, nicht hilfreich. Dass es nicht der Nabel der Welt sei, sagt die Psychologin, könne man einem Kind vermitteln. „Ein Zuviel an Nachsicht und ein Zuwenig an Grenzen – das gibt es eben. Und es muss nicht unbedingt mit Liebe erklärt werden.“ Vielfach liegt das elterliche Verhalten auch in der eigenen Sozialisation begründet. „Viele wollten nicht werden wie die eigenen Eltern. Und gewinnen irgendwann doch die Erkenntnis: Mein Verhalten ist sehr ähnlich.“ Gewalt in der Erziehung pflanzt sich erwiesenermaßen fort, und andere Verhaltensmuster eben auch. Ein Bewusstsein dafür und der Wille, an sich zu arbeiten, sagt Heinrichs, seien nötig, um das aufzubrechen. Dass die Affenliebe weiblich ist, mag sie nicht unterschreiben. „Sicher, dieses beobachtbare Verhalten findet man eher bei Müttern. Aber das liegt einfach daran, dass sie primär die Kinder betreuen.“ Spätestens, wenn die Tochter als Jugendliche einen ersten Freund habe, würden auch so manche Väter sehr behütend. Ob es dabei immer um Schutz oder vielleicht auch um das Halten gehe, das sei nicht immer zu trennen, sagt Heinrich. „Aber es ist eben so: Je näher mein Kind bei mir ist, desto eher kann ich es schützen.“

„Normalität“: Kein schmaler Grat!

Dabei gilt durchaus, dass eine stabile, eindeutige Bindung, die Autonomie zulässt, weniger Kontrolle benötigt. „Vertrauen ersetzt Kontrolle.“ Jugendliche haben zudem schon andere kognitive Fähigkeiten und den Wunsch, selbst zu entscheiden. „Allerdings: Der langfristige Blick ist noch nicht da. Und das ist es, was Eltern fürchten: Fehlverhalten und Fehlentscheidungen, die sich auswirken.“ Dabei, gibt sie Eltern mit auf den Weg, sei der Bereich der Normalität, in dem junge Menschen ohne schwerwiegende Folgen agieren können, doch sehr groß. Bei zu großer Einschränkung der Autonomie, warnt sie, könne es zu zwei Reaktionen kommen: Zum Überschreiten der Grenzen bis hin zum Oppositionellen, zum Expansiven, oder auch zum Rückzug nach Innen. „Erwachsene müssen die Bedürfnisse ihrer Kinder erkennen und darauf reagieren.“ Dass Affenliebe auch ein Mittel der Kompensation sein kann, gesteht Nina Heinrichs zu. Man will für das eigene Kind erreichen, was man selbst versäumte. Oder man sucht sich ein anderes Objekt für die eigene Zuwendung, weil die Partnerschaft gestört ist. „Dabei stellt sich aber die Frage: Was ist Henne und was ist Ei?“ Denn womöglich ist gerade das Verhalten des Kindes ursächlich für eine schwierige Partnerschaft.

Gefährdung der Partnerschaft

„Bei psychologischen Auffälligkeiten von Sohn oder Tochter sind die Anforderungen an die Eltern andere, und das kann eben zu Problemen zwischen den Partnern führen.“ Sie nennt das berühmte Beispiel des Kindes, das bei den Eltern im Bett schläft. „In bestimmten Phasen oder bei einer Krankheit ist das normal. Aber es gibt 14-Jährige, die seit dem dritten Lebensjahr im Bett der Eltern schlafen. Da hat dann in der Regel ein Elternteil das Feld geräumt und schläft im Kinderzimmer.“ 80 Prozent aller Kinder, betont die Psychologin, entwickeln sich normal, wobei die Normalität durch eine große Heterogenität gekennzeichnet ist. 20 Prozent der Kinder aber weichen ab. Und das kann eben zu partnerschaftlichen Konflikten führen. Wie umgekehrt partnerschaftliche Konflikte natürlich auch zu psychischen Störungen des Kindes führen können. Dass die „Affenliebe“ womöglich eher ein Phänomen bei Ein-Kind-Familien ist oder womöglich eher ein Verhalten von nicht-berufstätigen Müttern, die sich an ihren Lebensinhalt und ihre Aufgabe klammern, mag Heinrichs nicht unterstellen. „Dazu gibt es auch keine Studien. Die Mehrzahl der Eltern schafft es, die eigenen Kinder loszulassen, unabhängig von der Berufstätigkeit.“

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Quelle:
BI.research 36.2010, Seite 22-25
Forschungsmagazin der Universität Bielefeld
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BI.research erscheint zweimal jährlich.

veröffentlicht im Schattenblick zum 27. Juli 2010

Die eigenen Eltern loslassen – wie?

Das Thema „Festhalten“ und „Loslassen“ durchzieht unser ganzes Leben.

Heute möchte ich es auf einen sehr persönlichen Bereich beziehen: Das Verhältnis zu unseren Eltern.

Familie hält ein Menschenleben lang.

Egal ob man erst fünf Jahre alt ist oder schon 65 –

immer bleibt man das Kind seiner Eltern.

Man zieht um und verändert sich im Beruf, wird älter und hoffentlich klüger, wechselt den Partner und findet neue Freunde.

Anders ist es mit der Familie:

Sie ist die durchgängige Konstante in unserem Leben. Es gibt wohl Ex-Partner, aber Ex-Väter oder Ex-Mütter gibt es nicht.

Das Verhältnis zu unseren Eltern ist zudem das Muster für unser Verhältnis zum Leben. Es ist die wichtigste und früheste Erfahrung, um im Leben Vertrauen zu lernen.

Und um wirklich erwachsen zu werden, muss ich meine Eltern loslassen – aber auch in gewisser Weise festhalten.

Das ist oft ein schwieriger Prozess – für beide Seiten.

Als Erwachsener gehe ich meinen eigenen Weg ins Leben und bleibe gleichzeitig mit den Eltern auf eine neue Weise verbunden. Wenn ich als Erwachsener in bestimmten Situationen zu kindlichen Strategien greife, hat das oft mit einem nicht gelungenen Loslöseprozess zu tun.

Nach meiner Beobachtung gibt es dabei vier Formen:

1. Rebellion

Als ich mit 17 Jahren von zuhause ausgezogen bin, lebte ich in einer rebellischen Haltung. Vieles aus meinem Elternhaus habe ich damals als eng und kleinkariert empfunden. So gab es zum Beispiel nur einmal in der Woche Nutella für uns Kinder.

Als ich dann endlich meine eigene Bude hatte, stellte ich einen Toaster direkt neben mein Bett, kaufte mir ein großes Glas Nutella und strich mir genüsslich und demonstrativ direkt nach dem Aufwachen ein großes Toast mit Nutella.

In der Pubertät gehört Rebellion zum wichtigen Prozess der Abnabelung. Doch manche Menschen reagieren auch als Erwachsene noch pubertär und bekämpfen mit ganzer Energie „die da oben“.

Oder man lebt dieses Lebensmuster im Betriebsrat oder einer Gewerkschaft aus. Hier ist der Loslöseprozess nicht gut gelungen.

2. Anpassung

Scheinbar das Gegenteil, aber sehr verwandt:

man verhält sich so, wie es die Eltern von mir erwarten.

Oft wohnt man weiterhin ganz in der Nähe der Eltern, besucht sich oft oder telefoniert in sehr kurzen Abständen miteinander. Dabei empfindet man in der Regel gar nichts Seltsames und bezeichnet es als ein „inniges Verhältnis“.

Aber auch hier hat man sich nicht zur wirklichen Selbständigkeit entwickelt.

3. Überzogene Erwartungen

Manch einer bleibt bei den kindlichen Erwartungen an die Eltern hängen. Man hofft, dass sich die Eltern noch einmal ändern, dass sie versäumtes nachholen, oder sich für angetane Verletzungen entschuldigen.

Auch dies ist ein Zeichen, dass ein Erwachsener seine Zufriedenheit noch abhängig macht vom „gerechten“ oder „richtigen“ Verhalten eines Elternteils.

4. Völlige Trennung

Als ich mit 17 von zuhause auszog, brauchte ich erst einmal eines:

Distanz.

Und die Erlaubnis, eigene Erfahrungen zu machen.

Nach ca. 1 Jahr konnte ich wieder die ersten Besuche wagen und spürte, dass sich ein neues Verhältnis gebildet hat.

Manche Erwachsene sind von ihren Eltern jedoch so verletzt oder enttäuscht worden, dass sie dauerhaft keinen Kontakt mehr zu ihnen haben – zumindest emotional.

Oft ist dies auch eine unbewusste Strategie, um die Eltern nachträglich zu bestrafen oder Rache an ihnen zu nehmen.

So notwendig einem solche Distanz für das eigene innere Wohlergehen vorkommen mag, es ist keine hilfreiche Lösung. Und zwar für beide Seiten nicht.

Denn im Inneren bleiben die Eltern damit riesengroß, furchterregend und bestimmend. Man selber bleibt klein und schwach.

Wie gelingt eine Loslösung, die für beide Seiten fruchtbar ist?

Jede familiäre Beziehung ist etwas ganz einzigartiges und so gibt es keine generellen Vorgehensweisen.

Entscheidender als äußere Handlungen sind vielmehr die Veränderungen meiner Einstellung gegenüber den Eltern.

Nochmal:

meine Einstellung zu meinen Eltern prägt maßgeblich meine Einstellung dem Leben gegenüber. Denn sie sind meine Quelle.

Durch sie kam ich zum Leben.

Wenn du in eine gesunde Erwachsenen-Haltung hineinwachsen willst und im (inneren) Frieden mit deinen Eltern leben möchtest (hier ist es egal, ob sie noch leben oder schon gestorben sind), können folgende Einstellungen helfen:

  • Deine Eltern haben ihr Bestes gegeben.
    Wahrscheinlich war es nicht das Beste, das vorstellbar war, aber es war das Beste, was deinen Eltern damals möglich war.

Auch unsere Eltern waren Kinder und können nur das weiter geben, was Sie selbst damals bekommen haben. Hinzu kommt, dass viele Eltern in unserer Generation noch die Folgen des Krieges verarbeiteten mussten. Sie mussten „funktionieren“ und verlangten das unbewusst vielleicht auch von dir.

  • Deine Eltern schulden dir nichts mehr.
    Auf einem Seminar habe ich einmal folgenden Satz gehört: „Durch deine Eltern bist du auf diese Welt gekommen. Damit ist ihre Aufgabe erst einmal vorbei!“

Ich habe damals diesem Satz überhaupt nicht zugestimmt. Inzwischen glaube ich, dass er viel Wahrheit beinhaltet. Er hilft uns, unser Anspruchsdenken aufzugeben. Unter Schmerzen und Gefahr für das eigene Leben hat mich meine Mutter geboren.

Das war ihre Aufgabe. Alles weitere ist „mein Leben“.

Ob ich dann in meiner Kindheit viel Güte, Schutz und Ermutigung bekommen, oder eher sehr schlimme Dinge erlebt habe:

es ist mein Leben.

Durch meine Eltern – mit ihren Gaben und Begrenzungen – bin ich auf diese Welt gekommen. Was ich daraus mache, liegt bei mir.

So lange ich noch darauf warte, dass meine Eltern sich ändern, sich entschuldigen oder etwas einsehen, mache ich mich selbst zum Kind und bin abhängig.

  • Den Eltern verzeihen oder vergeben.
    Manchmal wird dazu geraten. Dies ist jedoch eine heikle Angelegenheit. Es kann hilfreich sein, für sich oder auch mit einer anderen Person zusammen seinen Eltern Vergebung auszusprechen. Doch sollte man dies mit Bedacht tun.

Das Aussprechen von Vergebung darf sich nicht mit einer „Großherzigkeit“ verbinden. Denn wenn ich mich über meine bösen und uneinsichtigen Eltern stelle, gerate ich wieder in eine ungute Distanz, die mich vom Leben abtrennen kann.

Hilfreich kann schon die Einsicht sein, dass auch meine Eltern mit den unverarbeiteten Konflikten Ihrer Eltern, mit deren Überforderung und Hilflosigkeit in bestimmten Situationen verbunden waren.

Was kannst du tun?

Um zu sehen, wie weit du im gesunden Prozess deines Loslassens bzgl. deiner Eltern bist, kann dir folgende Übung helfen:

Setz dich an einen ruhigen Ort, wo du für ein paar Minuten ungestört sein kannst.

Schließe deine Augen und stell dir deine Eltern vor.

Versuche deine Empfindungen wahrzunehmen.

Atmest du schneller?

Spannt sich etwas an oder bekommst du einen ganz bestimmten Gedanken?

Dann sage laut zu deinen Eltern:

„Ihr seid meine Eltern. Ich achte und ehre euch“

Beobachte genau, was dann in dir geschieht.

Auf diese Weise kannst du herausfinden, auf welche Weise du mit deinen Eltern derzeit verbunden bist. Vorwurfsvoll, verbittert, ärgerlich oder ängstlich, ablehnend….? oder versöhnt, dankbar, wohlwollend und im Frieden…

Wenn du dich mit diesem Thema näher auseinandersetzen möchtest, empfehle ich dir sehr die beiden Meditationen:

„Die eigenen Eltern loslassen und Frieden finden“.

Hier erfährst du, wie du alte Verstrickungen lösen kannst und zur inneren Freiheit findest.

Frederike schreibt:

„Ich kann nur sagen, diese beiden Meditationen eröffnen Möglichkeiten, sich selber aus der Kind-Perspektive wahrzunehmen, die man gar nicht erwartet hat und eigentlich auch nicht erwarten kann. Nach den sehr persönlichen „Fragen an den Vater / die Mutter“ geht es dann in die Meditationen. Eine so tiefe Begegnung kannte ich vorher noch nicht. Was mich begeistert: an keiner Stelle verurteilend sondern klar und zugleich liebevoll. Für die damit verbundene positive Veränderung meines Lebens kann ich gar nicht genug danken.“

Hier klicken zur Meditation

Schreibe mir gern, was du durch diese Meditationen und der damit verbundenen Reflektion in dir erfahren hast!

Herzlich,

Jan

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Kinder loslassen lernen – gar nicht so einfach

Manchmal muss man das Loslassen lernen – wenn jemand aus unserem Leben verschwindet, obwohl wir uns das so nicht gewünscht haben. Wenn wir uns für einen Weg entscheiden, für manche Menschen, Teams, Möglichkeiten und damit gegen andere Optionen. Oder halt, wenn Kinder groß werden. Kinder loslassen lernen finde ich ganz schön schwer und hadere damit momentan ein wenig. Ich sag mal so: Es ist ein Prozess, ich bin mittendrin und dies hier wird persönlich – nur mal so als Vorwarnung.

Woran man merkt, dass man doch älter wird

Dass ich große Kinder habe, wundert mich zwischendurch. Dann bin ich stolz und staune und schaue auf diese beiden großen jungen Männer, die manchmal neben mir stehen. Innerlich fühle ich mich nämlich immer noch nicht wie die Mutter junger Männer. Meistens fühle ich mich komischerweise innen noch genauso wie mit 20. Ja klar, da sind diese Falten um die Augen und ich bin deutlich gelassener und entspannter – und doch bin ich im Kern noch die Frau, die nicht erwarten konnte 20 zu werden. Eine meiner weisen Omas hat das schon früh bemerkt und mit einem zustimmenden: „Man wird nur außen alt.“ quittiert. Es bleibt allerdings mit Kindern nicht aus den Lauf der Zeit zu bemerken. Plötzlich versteht man die ganzen coolen Begriffe nicht mehr, der eigene Musikgeschmack scheint für den Nachwuchs im besten Fall öde und auch modisch hinkt man hoffnungslos hinterher. Und ich bemühe mich um Anschluss, ehrlich, denn so ganz will noch nicht loslassen. Die Zeichen jedoch mehren sich, dass das Loslassen sowas von dran ist. Meine beiden erwachsenen Söhne wollen ihren eigenen Weg gehen und ich darf staunend dabei stehen.

Was Loslassen heißt

Staunend dabei stehen ist gar nicht so einfach. Es ist das Stadium von tiefem Vertrauen, dass alles schon da ist und jetzt die Zeit für eigene Erfahrungen gekommen ist. Als Mutter will man instinktiv noch jede Schramme mit einem Pflaster bekleben – aber die Zeit dafür ist irgendwie rum. Beim Loslassen wird man sowieso ganz schön mit den eigenen Ängsten, der eigenen Geschichte, den eigenen Vorlieben konfrontiert. Ständig möchte ich rufen „Nein! Mach so!“ und mach es manchmal sogar. Die Ernte ist dann Kopfschütteln oder Achselzucken, manchmal ein Augenrollen -selten ein zustimmendes Nicken. Es ist Zeit eine Mutter zu werden, die der eigenen Angst ins Auge schaut und ihre Kinder eigene Fehler machen lässt. Die da ist, ohne zu klammern. Die entspannt ist, ohne kühl zu sein. Liebend, aber halt mit Distanz. Kurz gesagt: Ich bin meilenweit entfernt diese perfekte Loslass-Mutti zu sein.

Abschied nehmen

heißt für mich gerade auch mal leiden. Ich bin nicht entspannt. Ich bin traurig, manchmal hilflos, ohnmächtig. Manchmal stolz und froh. Die Ablösung beim Ältesten ist in absehbaren Phasen verlaufen und außerdem war irgendwie das Wissen noch zwei jüngere Söhne zu haben beruhigend. Nun ist Nr. 2 schon 18, hat sein Abitur in der Tasche und geht auf seine Art raus in die Welt. Ich freu mich so für ihn und will doch jeden Stein beiseite räumen – was ich natürlich nicht schaffe. Nicht kann. Nicht gut genug mache. Wir lachen miteinander, manchmal bekomme ich Vorwürfe, seltener was erzählt. Es entfernt sich etwas aus meinem Leben und das ist gar nicht so leicht. Nun schon zum zweiten Mal – oje.

Wo ist die Zeit hin?

Bei Beiden erinnere ich mich an soviele Momente. Flüchtig scheinen sie heute und ich frage mich, ob ich sie damals genügend wertgeschätzt habe? Wer mal mit dieser unbändige Kinderliebe aus kleinen Jungsaugen angestrahlt wurde, weiß was fehlt, wenn man plötzlich liebevoll, aber halt auch distanzierter, angeschaut wird. Ich erinnere mich an kleine Patschehände, die nach meinen gegriffen haben. An kalte Füße unter der gemeinsamen Decke und Geschichten-vorlesen bis zum Abwinken. Ich weiß noch welche Filme wir gemeinsam geliebt haben und welche ich schrecklich fand aber zähneknirschend mit geschaut habe (Wilde Kerle 3!). Ich erinnere mich an Abendessen, Schulbesuche, verzweifelte Lehrer, kichernde Kinder.

So viele Erinnerungen

Ich weiß, dass wir zu spät kamen und nass wurden, Regenbögen gejagt haben und Sternschnuppen gezählt. Ich erinnere mich an schreckliche Witze und die Legovorlieben meiner Söhne. Ich stand am Rand von Wasserballfeldern und neben Fußballtoren, hab auf Spielplätzen Schaukeln angestoßen und über nahende Kindergeburtstage geflucht. Ich kannte so lange die Träume und die Ängste meiner Kinder – und jetzt heißt es Loslassen. Und man steht da und fragt sich: Wo ist nur die Zeit hin? Und dabei, das will ich mal sagen, habe ich ja noch einen fröhlichen Achtjährigen hier rumspringen – ich will mir gar nicht ausmalen, wie ich in 10 Jahren drauf bin. Au weia.

Zeit zu akzeptieren

dass die Zeiten sich geändert haben. Freunde sind wichtiger und ich damit nicht unwichtig – muss ich lernen. Gemeinsame Abendessen sind etwas, was man sich selbst wünscht – und damit nicht unbedingt der Nachwuchs. Ich werde auch erwachsen gerade, hab ich das Gefühl, denn ich muss lernen meinem Herzen noch mehr zu vertrauen. Meinen Kindern zu vertrauen. Zu verstehen, dass all das eigene Leben so wichtig ist – wie es für mich ja auch war. Dass es nichts über mich oder meine Qualitäten aussagt, wie wir loslassen und vor allem nichts über das unzerreißbare Band zwischen uns. Ich muss der Angst ins Auge schauen, dass sie es sich vielleicht auch mal schwerer machen, als sie müssten – und ich nichts dagegen tun kann. Es ist Zeit zu akzeptieren, dass ich nur noch ein Begleiter am Rande bin – nicht mehr richtig auf dem Spielfeld.

Abschied nehmen von der Perfektion

Das heißt auch Abschied nehmen von der Perfektion. Na klar, ich wäre gerne die Top-Mutter gewesen. Ich hätte so gerne beseelt gebastelt und Kuchen gebacken, ich hätte gerne jede Kleinigkeit miterlebt und doch Raum gegeben. Ich war anders. Ich hab mein Bestes gegeben und tue es noch. Ich habe Backmischungen gebacken und manchmal auch eigene Kuchen – meine Kochkünste haben ein wenig Zeit gebraucht bis sie sich -äh, räusper- ganz entfalten hatten (eventuell gibt es immer noch Luft nach oben). Die erste selbstgebastelte Schultüte ging schon vor dem Einschulungsgottesdienst auseinander und statt bei jedem Spielplatzevent dabei zu sein, habe ich nochmal studiert.

Alles ist gut, so wie es ist.

Nicht, dass wir uns missverstehen – all das war genau richtig so, aber hat auch wenig mit dem Ideal einer perfekten Mutter zu tun, die in meinem Kopf rumspukt. Die Perfektion, was meine eigene Rolle angeht, gehört losgelassen. Genauso, wie die Perfektion bei meinen Söhnen. Sie sind so wunderbar, groß, lustig, unterschiedlich. Ich bin stolz und erstaunt. Sie machen Fehler, haben Macken – das dürfen sie. Manches finde ich merkwürdig, vieles wunderbar. Ist das nicht so im Leben? Das, was wir lieben, braucht keine Perfektion. Zu lieben und gleichzeitig zu lassen ist meine Aufgabe jetzt, glaube ich.

Was wir tun können

Ich habe mal gelesen: „Kinder sind Gäste in deinem Haus“ und wie das so ist mit Gästen: Man freut sich, man liebt sie, man ärgert sich. Es wachsen Persönlichkeiten heran und nicht alles ist gut kompatibel. Ich erinnere mich, dass die Beziehung zu meinen Eltern um so viel besser wurde, nachdem wir uns ein wenig losgelassen hatten. Auch wenn das damals ebenfalls ganz schön schmerzhaft war -zumindest zeitweise. Auch das müssen wir lernen.

Als Eltern können wir nur da sein.

Vertrauen behalten.

Lieben.

Motivieren.

Zuspruch geben.

Zuhören.

Achtsam sein.

Nichts zu persönlich nehmen.

Die eigene Angst aushalten.

Beifall und genauso Trost spenden.

Eigene Projektionen versuchen rauszuhalten.

Auf uns selber achten.

Begleiten.

Stützen.

Loslassen lernen.

Ich bin dabei. Ich bemüh mich. Ehrlich. Ich bin dabei. Es ist ein Prozess. Alles fließt. OM.

Liebe Grüße,

Silja

PS: Nächste Woche kann ich übrigens wieder ein bisschen klammern: Der Älteste kommt aus Australien zurück. puh.

„Wenn du dein Kind wirklich liebst, dann lass es los“!

Die eigenen Gefühle beeinflussen

Vorhin erwähnt, haben wir ein starkes Gefühl von Liebe für unsere Kinder. Dies ist ein wunderbarer natürlicher Aspekt damit Menschen gedeihen können. Damit du aber loslassen lernen kannst, solltest du dir dieser Gefühle ganz und gar bewusst werden. Denn wenn du weist was du eigentlich fühlst und für dein Kind willst, weist du auch was dir eventuell in der Beziehung zu deinem Kind Schwierigkeiten macht. Ist das geklärt, kannst du beginnen deine Gefühle zu beeinflussen. Denn wenn du anders denkst, verändern sich auch deine Gefühle, so dass sie dir und deinem Kind nicht mehr im Weg stehen. Stell dir also folgende Fragen:

? was kann schlimmsten Falls geschehen, wenn ich jetzt loslasse und mein Kind eigene Erfahrungen machen lasse?

? was verliere ich wenn ich jetzt mal loslasse?

? was gewinne ich wenn ich jetzt loslasse?

? ist meine Angst begründet oder übertreibe ich da jetzt gerade?

? wer könnte mir helfen, diese Situation einmal anders zu betrachten?

? hatte ich schon einmal so eine Situation und wie habe ich da gehandelt?

? wie könnte ich mal anders auf diese Situation reagieren?

Manchmal hilft es auch, einfach mal eine fremde Person zu fragen, wie sie in so einer Situation reagieren würde. Klar dies erfordert Mut, jedoch bekommst du so, sehr viele unterschiedliche Handlungsalternativen, die dir helfen können eine Situation aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. Und mit fremden, meine ich wirklich fremde Leute!

Sich erinnern

Du warst ja selbst einmal ein Kind und bist durch genau die gleichen Stufen gegangen wie dein Kind/deine Kinder jetzt. Überlege einmal, wie war das damals für dich, als du nach neuen Erfahrungen gestrebt hast und deine Eltern dich nicht loslassen konnten? Was hat dir zu schaffen gemacht und wie hättest du dir deine Eltern gewünscht? Und vor allem wann war es prima?

Jetzt als Erwachsener, kannst du das viel objektiver betrachten und siehst vielleicht, wann du doch besser etwas oder ganz loslassen solltest.

Stufenweise Loslassen

Das Loslassen, fällt Eltern wesentlich leichter, wenn sie diesen Prozess immer wieder in kleinen Dosen durchführen. Wie z. B. bei den Großeltern übernachten oder mal bei Freunden (übrigens ist das auch sehr wichtig für die eigene Partnerschaft, dazu aber in einem anderen Artikel). Diese Schrittweise Abnabelung von erst ein paar Stunden bis hin zu mehreren Tagen, hilft dir und auch deinem Kind, mit Veränderungen im Leben besser klar zu kommen. So z. B. wenn, dein Kind die Kita besuchen soll oder es alleine eine Busfahrt zur Schule bewältigen muss. Das Kind lernt selbständig ohne Mama und Papa an einem Ort zu sein, während du und der Vater lernen, dass euer Kind etwas auch alleine schaffen kann. Natürlich kann es auch Rückschläge geben, und die Oma oder die Erzieherin ruft an, das heute kein guter Tag ist. Das ist aber nicht schlimm, es wird immer wieder neue Tage geben an denen es wunderbar läuft und alle daran gewinnen.

So praktiziert, wird es dir auch leichter fallen, dein Kind/deine Kinder später beim Auszug loszulassen, um ihnen so (und letztlich dir/euch selbst) einen neuen Lebensabschnitt zu ermöglichen.

Dem Kind etwas zutrauen

Je öfter du deinem Kind zutraust etwas alleine zu meistern, und sei es nur auf die Kloschüssel zu sitzen, desto mehr vertraust du auf das Handeln deines Kindes. Es lernt Gefahren zu bewerten und einzuschätzen, während du dich entspannst und neue Situationen gelassener betrachtest. Wenn Kinder vor Neuem keine Angst sondern Respekt und Neugierde entwickeln, kannst du dich zurücklehnen und dir gewiss sein, das dein Kind das auch ohne dich schafft! Die Tochter meines Lebensgefährten, ist mitten in der Pubertät. Der erste Besuch beim Frauenarzt stand bevor. Mein Lebensgefährte ging so natürlich mit der Situation um, mit beim Frauenarzt zu sein, das seine Tochter eines Tages von der Schule kam und meinte. „Ach Papa, ich war vorhin beim Frauenarzt und habe mir einen Termin zur Kontrolle geholt, kommst du dann wieder mit?“. Na was sagt man dazu ;-).

Die Bindung zwischen einer Mutter und ihrem Kind lässt sich mit nichts vergleichen. Eine Mutter sieht ihren Nachwuchs als Teil von sich selbst. Das geht dem Kleinkind in den ersten Lebensmonaten und manchmal auch Lebensjahren nicht anders: Es sieht seine Mama und sich als eine Einheit. Für das Mama-Kind-Dream-Team könnte es für immer so weitergehen.

Aus diesem Grund fürchten sich Nachwuchs und Mutter gleichermaßen vor dem Tag, an dem sie sich das erste Mal auf den Weg zur Tagesmutter oder in die Kita machen. Trotz der Ängste bedeutet dieser Tag auch den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Den Kleinen eröffnet sich eine vollkommen neue Welt. Sie vergrößern ihren Bewegungsfreiraum. Zu Mama und Papa kommen neue Bezugspersonen hinzu. Und das lässt insbesondere die Mama nicht kalt.

Häufig bereitet es den Eltern Schwierigkeiten, zu akzeptieren, dass die Kleinen eben älter werden. Die Kleinen werden zunehmend selbstständiger und benötigen nicht mehr im gewohnten Maße die Hilfe von Mama und Papa.

Das Loslassen des eigenen Kindes ist ein schmerzhafter Prozess für Eltern und Kind. In den ersten Monaten waren Mutter und Kind kaum voneinander getrennt. Die wenigen Trennungsversuche in dieser Zeit waren der Neugier des Nachwuchses geschuldet und beliefen sich auf wenige Meter und Mama war immer in Sichtweite.

Das Kind loszulassen setzt viel Vertrauen voraus. Gerade Mütter zweifeln daran, dass andere ihren Erziehungsauftrag ebenso sorgfältig nachkommen. Kinder haben sehr feine Antennen für die seelische Verfassung ihrer Bezugspersonen. Sie spüren diese Befürchtungen und Vorbehalte. Das erschwert dem Kind, sich von seiner Mutter zu lösen.

Aus diesem Grund sollten Eltern positiv mit der neuen Situation umgehen und Zuversicht und Vorfreude ausstrahlen. Mütter sollten sich bewusst machen, dass ihr Nachwuchs hier Erfahrungen sammeln wird, die es im heimischen Umfeld in dieser Form nicht machen könnte. Das Kind loszulassen bedeutet ebenso, darauf zu vertrauen, dass das Kind sich in der neuen Situation zurechtfindet.

Kommt es trotzdem mal zu Schwierigkeiten, wenn das Kind von anderen betreut wird, hilft der kontinuierliche, enge und vorbehaltlose Kontakt zu den betreuenden Personen. Gemeinsam lassen sich diese Probleme schnell beheben.

So lernen Mütter, ihr Kind loszulassen

Den Eltern fällt der emotionale Abnabelungsprozess meist leichter, wenn er schrittweise erfolgt. Versuchen Sie, sich möglichst früh in regelmäßigen Abständen für einen bestimmten Zeitraum von Ihrem Kind zu trennen. Lassen Sie es zum Beispiel bei den Großeltern übernachten. Dadurch verliert das Kind einerseits die Scheu vor fremden Personen. Im Gegenzug hat die Mama die Möglichkeit, sich an die Abwesenheit des Nachwuchses zu gewöhnen. Sie sieht, dass sich das Kind auch beim Spiel mit Oma und Opa oder Babysittern wohlfühlt.

Da immer häufiger beide Elternteile berufstätig sind, wird ihr Nachwuchs bereits nach dem vollendeten ersten Lebensjahr von einer Tagesmutter oder in einer Kita betreut.

Dieser neue Lebensabschnitt sollte gut vorbereitet werden. Mamas sollten sich bereits im Vorfeld mehrere Einrichtungen zur Kinderbetreuung umsehen. Nachdem die Entscheidung für eine Betreuungseinrichtung getroffen wurde, vereinbart die Mutter am besten gemeinsam mit dem Kind einen Besuchstermin. Das ausgelassene Spiel des Nachwuchses in der Kindergruppe lindert Mamas Trennungsschmerz. In den meisten Kindertagesstätten gibt es eine Eingewöhnungszeit. So können sich Mutter und Kind gleichzeitig auf die bevorstehende Trennung vorbereiten.

Sicherlich wird es wiederholt zu Anflügen von mütterlichem Trennungsschmerz kommen. Dann heißt es stark bleiben! Viele Mamas tragen aus diesem Grund beispielsweise ein Foto oder ein kleines Tüchlein von ihrem Liebling bei sich. Das kann manchmal Wunder wirken.

Langer Abschied oder kurzes Drama

Es gibt keinen ultimativen Ratschlag, wie Eltern bei einer heftigen Trennungsszene umgehen sollten. Die meisten Mütter würden ihr Kind dann am liebsten packen und wieder mit nach Hause nehmen. Hierbei ist es wichtig sich ins Bewusstsein zu rufen, dass es sich hierbei um eine vollkommen normale Reaktion des Kindes handelt. Es besteht kein Grund zur Sorge! In der Regel beruhigen sich die Kleinen recht schnell. Wenn die Mama zurückkommt, wird das Kind strahlend in ihre Arme laufen.

Für die Mutter und das Kind ist es in diesen Situationen am besten, sich ohne Diskussionen und viel Aufhebens zu verabschieden. Auch wenn es schwerfällt, lautet das Motto: Augen zu und durch! Mütter, denen die Trennung von ihrem Nachwuchs Probleme bereitet, können selbstverständlich bei den ersten Betreuungszeiten von Verwandten, Freunden, Tagesmutter oder Babysitter dabei sein.

Das eigene Kind loszulassen ist ein langer Weg, auf dem es immer wieder Rückschläge zu verkraften gibt. Aber eins ist sicher: Mama wird immer die wichtigste Bezugsperson im Leben der Kleinen bleiben.

Ablösung von den Kindern: Wer nicht loslässt, verliert

Familie und Erziehung

Um eine gute Beziehung zu ihren erwachsenen Kindern aufzubauen, müssen Eltern lernen, loszulassen.

„Ferien! Familienfrei! Ist das nicht herrlich?“ Lo sitzt mit ihrer Freundin Tina in einem Strassencafé in Rom und schlürft genüsslich einen Cappuccino. Doch Tina macht sich Sorgen wegen ihres Sohnes Leon. Der Achtzehnjährige ist seit zwei Wochen auf einer Amerikareise. „Da kann ihm so viel passieren!“ Lo hingegen findet Leons Freiheitsdrang „grossartig“. Ihr Sohn Dani ist 34 und wohnt immer noch bei ihr.

„Leon ist noch ein halbes Kind!“, jammert Tina. „Aber er will erwachsen werden! Er will selbstständig sein!“, ruft Lo. „Dani hat das jahrelang aufgeschoben.“ Er war zu Hause in einer Rolle gefangen: Er spielte den Vermittler, denn in der Ehe der Eltern kriselte es. Er spürte, dass seine Mutter ihn brauchte. Loyalität und Schuldgefühle hemmten seine Ablösung. Das haben die drei in der Familientherapie herausgefunden. „Dort entwirren wir unsere verstrickte Beziehung. Langsam lösen wir uns voneinander ab.“

Aus der Wir-Verschmelzung zu Ich-Inseln

Tina überlegt. Welche Rolle nimmt Leon bei ihr ein? Er gibt ihr das Gefühl, gebraucht zu werden, jemand zu sein. Ihr wird klar, dass sich hinter der Angst um ihren Sohn die Angst davor verbirgt, dass er sie verlässt und sie auf sich selbst zurückgeworfen wird. „Wenn er geht, verliere ich so viel“, seufzt sie. Lo meint: „Du verlierst deine Rolle als Mutter eines Kindes. Aber dein Kind verlierst du nicht. Kinder verliert man nur, wenn man sie nicht loslässt. Dann bleibt ihnen nur noch die Flucht: Sie brechen den Kontakt völlig ab oder flüchten sich in Krankheiten und Süchte.“

Loslassen. Ein einfaches Wort – eine schwere Aufgabe. Loslassen heisst: die Kontrolle über die Kinder aufgeben, sie „selber machen lassen“, auch wenn ihr Lebensstil völlig anders ist. Das Mutter- und Vatersein neu definieren: als gleichberechtigte Erwachsene, die interessiert sind, aber sich nicht einmischen, die unterstützen, sich aber nicht ausnutzen lassen. Loslassen heisst sich abgrenzen, aus der Wir-Verschmelzung Ich-Inseln entstehen lassen. Sich von einer Rolle verabschieden und zu sich selbst finden. Loslassen ist ein jahrelanger, manchmal lebenslanger Prozess.

Die Kinder sind einem nichts schuldig

„Und als Dank ziehen die Kinder in die Welt hinaus“, meint Tina bitter. Lo kontert: „Gibt es einen schöneren Dank? Dein Kind wird ein selbstständiger Mensch! Je unabhängiger ihr beide voneinander werdet, desto unbeschwerter wird auch euer Kontakt zueinander. Aber so richtig interessant wirst du wahrscheinlich erst wieder als hilfsbereite Oma.“ Lo hat Recht: So ist der Mensch nun mal – die Kinder sind ihm das Wichtigste. Das heisst nicht, dass er seine Eltern nicht liebt oder achtet. Aber jede Generation investiert am meisten in die Generation nach ihr. Nur so überlebt die Menschheit.

Tina fallen ihre eigenen Eltern ein, die ihr ständig das Gefühl vermitteln, sie sei eine undankbare Rabentochter. Das will sie Leon ersparen. Sie will ihr Bestes tun – als Mutter und als Mensch. Sie blinzelt nachdenklich in die Sonne. Die Angst um ihren Sohn hat sie für den Augenblick vergessen. Sie merkt, dass es hier nicht um ihn geht. Es geht um sie selbst.

Tipps zur Ablösung vom Nachwuchs

  • Wirf den Kindern nicht vor, sie seien undankbar. Sie sind dir nichts schuldig.
  • Fang möglichst frühzeitig an, ein eigenes Leben aufzubauen, das der Elternrolle ein Gegengewicht gibt.
  • Überleg dir, was euch neben Liebe aneinander bindet: Angst? Schuldgefühle? Eingefahrene Rollen? Das ist kein guter Bindungskitt.
  • Zieh klare Grenzen. Unterstützn dein Kind, aber lass dich nicht ausnutzen: Die Hauptperson in deinem Leben bist jetzt du selbst.

Loslassen ist Schwerstarbeit Die Mutter sagt

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Eltern weigern sich heute vielfach und aus den unterschiedlichsten emotionalen Gemengelagen, ihre Führungsaufgabe im Familienbetrieb zu übernehmen und die Distanz zwischen den Generationen auszuhalten, geschweige denn ihr würdevolles Abdanken im Reich der Kinder auch nur in Erwägung zu ziehen. Sie verzichten auf die innere Wahrnehmung und die äußere Darstellung ihrer Überlegenheit und versagen damit auch den Kindern ein Gegenüber, an dem sie wachsen und sich messen können, gegen das sich später auch zu rebellieren lohnt, um den eigenen Weg zu finden.

Eltern diskutieren seltsam hilflos und jahrelang Fragen wie: Kann ich meiner 13-jährigen Tochter das Kiffen verbieten, wo ich doch selbst früher Joints geraucht habe? Darf ich meinem 16-jährigen Sohn untersagen, enorme Handy-Rechnungen zu produzieren, ohne damit seine sozialen Kontakte zu gefährden? Darf ich meiner 14-jährigen Tochter verbieten, bei ihrem 20-jährigen Freund zu übernachten, obwohl mir doch eigentlich am Herzen liegt, dass sie ihre eigene Sexualität frei und unbelastet entdecken kann? Dürfte ich meinem Sohn, dem frischgebackenen Abiturienten, der gerade in seinem Aushilfsjob richtig viel Geld verdient, einen Mietanteil, gar Kostgeld abverlangen? Warum zahle ich reflexhaft die Kinokarten für meine erwachsenen Kinder und mich, wo sie längst eigenes Geld verdienen, und warte insgeheim darauf, dass auch sie mich mal einladen? Doch vorerst bin ich stolz und freue mich darüber, dass meine großen Kinder tatsächlich noch mit mir ins Kino gehen wollen.

Die wolkig-wirre Befangenheit, die sich einstellt, wenn die eigenen Kinder verlangen, dass man ihnen wie Erwachsenen begegnen soll, die sich auf Augenhöhe treffen, entspringt aus zwei Quellen: Aus der einen sprudelt unsere überfürsorgliche elterliche Vorstellung, dass sie immer noch unsere Kinder sind. Man will sie beschützen, beraten, beeinflussen. Und müsste sie doch loslassen. Der unbedingte Wunsch, geliebt, gelobt und geschätzt zu werden, speist die andere Quelle.

Wir wollen ein Stück Jugend abhaben

Wenn man als Mutter oder Vater seine Sache gut machen will, werden die Kinder manchmal sauer und mögen uns nicht mehr. Sie rollen mit den Augen, motzen und knallen die Türen, wünschen sich lauthals, in einer anderen Familie geboren zu sein. Doch wenn wir uns von ihrer Liebe, Achtung und ihrem Lob abhängig machen, werden wir nachgiebig, eiern rum und lassen uns zu Verhaltensweisen aus purer Verzweiflung verleiten, weil wir die Billigung unserer Kinder zu verlieren drohen. Das hat nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Bedürftigkeit. Sind die Kinder erwachsen und entweichen uns, fühlen wir uns plötzlich alt und nicht mehr gebraucht. Das ist kein schönes Gefühl – und wir sind sehr bereit, viel dafür zu tun und zu geben, dass wir der Jugend noch nahe sein dürfen. (…)

Ist doch schön, dass Eltern heute viel stärker am Leben ihrer Kinder interessiert sind als noch frühere Generationen! Aber dieser Schuss kann auch schnell nach hinten losgehen. Aus einer geteilten Welt werden zwei Welten – die der jüngeren und die der älteren. Wenn wir davor die Augen verschließen, wird es immer schwerer, die Grenze zwischen ihnen und uns selbst zu ziehen. Wenn wir unsere Kinder zu einer Erweiterung unserer selbst machen, sehen wir sie als zweite Chance an, auch darauf, noch einmal mit ihnen jung sein zu dürfen. Und auf einmal geht es immer weniger um die Kinder als um uns selbst. Und dann fangen wir an, ihr Glück mit unserem zu verwechseln. Wir machen ihnen möglich, was immer uns möglich ist, auch dann noch, wenn längst die Übergabe des Staffelholzes das Gebot der Stunde wäre. Wir versuchen auf diese Weise, unsere Portion Jugend abzubekommen, weil außer Jugend nichts zählt. (…)

Permanente digitale Kontrolle

Was der digitale Wandel mit dem Verhältnis der Generationen gemacht hat, ist noch nicht einmal ansatzweise zu ermessen. Permanente Erreichbarkeit auf allen Kanälen und tägliche Schreibschwätzchen zwischen Eltern und Kindern sind nur die Spitze des Eisbergs, Familiengespräche zwischen zwei Kontinenten im digitalen Skype-Tunnel längst Alltag. Das kann wundervoll sein, wenn das Heimweh drückt, und doch ist es ein So-tun-als-ob. Stimme und Anblick suggerieren Nähe, wo physisch keine Nähe ist, und die digitalen Beziehungsverlängerer helfen dabei, sich etwas vorzumachen und eben nicht zu sehen, was ist. Ganz ähnlich wie manche Menschen ihren toten Wellensittich oder Dackel ausstopfen lassen, um weiter mit ihm zusammenzuleben, als wäre nichts geschehen.

Für den Moment mag das tröstlich sein, doch zum notwendig gewordenen Austarieren der neuen Positionen, der Frage von Nähe und Distanz, der Balance zwischen Zusammenbleiben und Loslassen kann das digitale Placebo wenig beitragen. Im Gegenteil: Es wird schwieriger, die gewohnte Überfürsorglichkeit abzulegen, wenn wir über Mail, Skype, SMS oder WhatsApp jede Kleinigkeit mitkriegen und uns unweigerlich Sorgen machen, allerdings ohne rettend eingreifen zu können: dass eine Schlange den Weg unseres Babys gekreuzt hat, dass da so komische Typen unser kleines Mädchen im australischen Pub belästigen, dass ein Zyklon im Anmarsch auf das kleine Dorf in Neuseeland ist und was immer mehr an Unbill da draußen in der Welt dem Kind droht. Die Gleichzeitigkeit und Unmittelbarkeit elektronischer Botschaften wirft unweigerlich das Kopfkino an, 140 Zeichen explodieren und bringen 100 Horrorfilme in einer Minute hervor, wenn man es zulässt, täglich.

Wir sind in Echtzeit dabei, wenn sie ihre Fehler machen, und halten uns künstlich in Sorge und Aufregung, kreisen lange über der Zeit in den Gedanken ständig um die Kinder. (…) Loslassen wird unter diesen medialen Umständen zur mentalen, emotionalen Schwerstarbeit. Ganz anders die guten alten Briefe – die schrieben früher weltreisende Adoleszenten in Ruhe und Sicherheit, und zwar nach überstandenen Abenteuern. In der Zwischenzeit dachte man vielleicht aneinander, aber die Unmöglichkeit von Kommunikation hat Eltern auch viele Panikattacken erspart und ihre besseren Seiten zutage gefördert: Hoffnung, Zuversicht, Geduld, Besinnung. Medien formen Beziehungen, doch wie auch immer sich das jeweils ändert, die Fragen bleiben die alten: Wie oft telefonieren wir? Was berichten wir und was nicht? Wofür bin ich noch verantwortlich und wofür nicht mehr? Was ist Unterstützung, was Einmischung? (…)

Medien gestalten Beziehungen, auch in der Familie, und dabei verrücken sie Schwerpunkte auch zwischen Generationen. (…) Wie wohl kaum eine Generation vorher brauchen wir heute unsere Kinder im Umgang mit Medien, dabei haben sich die Rollen einmal mehr verkehrt. Wir brauchen unsere Kinder, damit sie uns die Rechner einrichten, die Fotos aus der Kamera im Computer speichern, den Router konfigurieren, Programme im Internet finden und diese oder jene App installieren. Wir stehen daneben und begreifen mitunter nicht einmal, was sie da tun. Und sie haben auch keine Geduld, uns das zu erklären. Es geht nämlich schneller, wenn sie’s selbst tun. Die Rollen sind vertauscht. Ich kann mich nicht entsinnen, dass es etwas gegeben hätte, was ich meinen Eltern hätte erklären können, etwas Grundlegendes, das sie ohne meine Hilfe weder verstehen noch hätten handhaben können. (…)

Doch wie groß die jugendliche Affinität zu digitalen Medien auch sein mag, sie wissen und können ja nicht alles. Es bleiben Lebenslagen und Alltagsherausforderungen, in denen der technologische mediale Vorsprung nicht reicht und analoges Lebenswissen gefragt ist. Da haben wir die Expertise und wissen, wo es langgeht. Denn es ist ja nicht so, dass unsere Kinder wirklich so viel Ahnung von allem haben, oft vom Leben eher nicht. Auch wenn der Nachwuchs groß ist, gibt es noch genügend Situationen und Bereiche, in denen wir wissen, wo es langgeht, in denen wir die Expertise haben und etwas sagen können. Und wenn es die Frage ist, was eigentlich bei Liebeskummer hilft oder warum es schlau wäre, im Bewerbungsschreiben keine Rechtschreibfehler zu haben.

Dass die Rollenaufteilung zwischen Starken und Schwachen, Wissenden und Unwissenden, Bestimmern und Gehorchern, die eine Generation vorher noch die Verhältnisse geordnet hat, inzwischen einer vermeintlich partnerschaftlichen Durchlässigkeit zwischen Eltern und Kindern gewichen ist, macht es ja auch so nett, mit den großen Kindern ein enges, freundschaftliches Verhältnis zu pflegen, wie es das mit den eigenen Eltern nie gegeben hat. Es macht uns aber auch den Abschied von den Kindern heute so schwierig und so schmerzhaft.

Geliebter Mitbewohner

Wir haben wirklich gerne mit unseren Kindern zusammengelebt und viele Gespräche genossen. Sie haben uns auf Trab gehalten. Sie haben uns bereichert, verblüfft, aufgeheitert und in viele festgefahrene Situationen frischen Wind gebracht. Aus dem neugeborenen Baby, das damals wie ein Tornado in unserem Alltag das Unterste zuoberst gekehrt hat, ist ein etwas schräger Mitbewohner geworden, den wir wirklich sehr gern mögen und liebend gern um uns haben, auch wenn er nicht redet oder plötzlich herumschreit, mit den Türen knallt und sein Lebenswandel, sein Ordnungssinn, sein Schlaf-Wach-Rhythmus schon lange nicht mehr zu unserem passt. Jemand geht, der uns jedenfalls nie gelangweilt und immer viel abverlangt hat und von dem wir viel darüber gelernt haben, wie man das Leben meistert. Und ja, auch jemand, der Leben in die Bude bringt.

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