Eigenes kind auf den mund küssen

Tag des Kusses: Dürfen Eltern ihr Kind auf den Mund küssen?

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Es gibt Dinge, die sind so harmlos, dass sie in diesen aufgeregten, digitalen Zeiten geradezu nach einem Skandal schreien. Ein Kuss auf den Mund des eigenen Kindes zum Beispiel.

Ex-Fußballstar David Beckham hatte kürzlich einen solchen seiner fünfjährigen Tochter Harper gegeben und das Foto des Kusses auf Instagram geteilt. Man könnte darin ein rührendes Bild sehen, das die innige Beziehung eines Vaters zu seiner Tochter zeigt. Dumm nur, dass der Vater das digitale Erregungspotenzial unterschätzt hat. Die Szene im Gegenlicht in offener Landschaft geschossen, zeigte für viele eine quasi romantisierte, sexuelle Geste: „Auf die Lippen??? Was ist nur aus dieser Welt geworden?“, war noch einer der harmloseren Kommentare. Ja, was eigentlich?, würde man am liebsten zurückfragen: Eine Welt bevölkert von pädophilen Eltern?

Beckham hätte es natürlich besser wissen können: Als seine Frau Victoria vor einem Jahr ein Foto postete, auf dem sie im Swimmingpool Harper auf den Mund küsst, erlebte auch sie einen Sturm der Entrüstung.

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Vor einigen Jahren erklärte eine amerikanische Kinder-und Erziehungspsychologin, das eigene Kind auf den Mund zu küssen, sei nicht gut für die Entwicklung des Kindes. Sie begründete das nicht mit der Übertragung von Infekten oder gar Karies – hätte sie natürlich auch tun können, wäre überzeugender gewesen. Nein, sie erklärte, auf den Mund zu küssen verwirre das Kind. Schließlich erwache mit fünf, sechs Jahren das sexuelle Bewusstsein. Es klang so, als wolle sie sagen, das Kind könne dann nicht mehr zwischen Erotik und harmloser Liebkosung unterscheiden. Für viele klang es zudem so, als könnten die Eltern nicht mehr dazwischen unterscheiden.

Eltern, die sind irgendwann nur noch peinlich

Vermutlich ist an allem Sigmund Freud schuld. Der Begründer der Psychoanalyse sah im Saugen an der Mutterbrust den Vorläufer des Küssens. Der Mensch hat die Lust am Küssen – orale Befriedigung inklusive – also quasi mit der Muttermilch eingesogen. Heute sind sich die Forscher uneinig, ob das Küssen seinen Ursprung tatsächlich darin hat oder nicht doch eher in der Brutpflege, also der Mund zu Mund-Fütterung wie sie manche afrikanische Urvölker noch heute mit ihren Kindern praktizieren.

Egal, wer nun Recht hat, Kinder wollen irgendwann ohnehin nicht mehr von ihren Eltern gefüttert, und ja, auch nicht mehr geküsst werden – erst recht nicht auf den Mund. Wer das nicht respektiert, ist peinlich. Aber glücklicherweise lassen es die meisten Eltern dann auch. Sogar David Beckham.

Die Beckhams: Brooklyn (v.l.), Cruz, Victoria, Romeo, Harper Beckham und David Beckham Quelle: Getty Images for Burberry Anzeige

Der meldete sich nun nämlich noch einmal trotzig zu Wort: Er verstehe die ganze Aufregung nicht, er liebe seine vier Kinder und küsse alle, auch die älteren Jungen, so wie er selbst von seinen Eltern geküsst worden sei. Der einzige, bei dem er es nicht mehr tue, sei Brooklyn, aber der sei ja auch schon 18. Und küsse nun lieber seine On-Off-Freundin, Schauspielerin Chloë Moretz, hätte Beckham noch hinzufügen können. Aber das ist eine andere Geschichte.

Heute ist übrigens der internationale Tag des Kusses. Aus diesem Anlass wurden soeben Frauen und Männer gefragt, ob sie die eigenen Kinder küssen: 49 Prozent der Frauen bejahten es und 30 Prozent der Männer. So wenige nur? Eigentlich ein Skandal.

Ist es gefährlich, mein Kind auf den Mund zu küssen?

Es ist total normal, dass du dein Baby zum Fressen gern hast. Oder das Neugeborene deiner Freundin am liebsten ununterbrochen knuddeln möchtest.

Babys riechen so lecker, ihre Haut ist super weich – und dann noch ihr hilfloser Blick und die kleinen Fäustchen, die Luft-Boxen spielen!

Ja, am liebsten möchtest du dieses kleine Wesen im Sekundentakt küssen –und, ja, auch auf den Mund!

Doch Stopp, bevor du du dich jetzt über deinen Schatz beugst!

Wie wollen keine Spielverderber sein und schwenken normalerweise auch nicht den erhobenen Zeigefinger, doch es ist eine Tatsache:

Küsse auf den Mund sind für Neugeborene und Babys gefährlich.

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„Ich rate davon ab, junge Babys auf den Mund zu küssen,“ so Hebamme Christiane Hammerl, die bei Kinderheldin unter anderem für die Beratung von Schwangeren und Eltern von Babys, zuständig ist. „Für Frühchen gilt das ganz besonders.“

Die Gründe dafür sind:

Babys können sich mit dem Herpes-Virus anstecken, wenn sie von einer infizierten Person geküsst werden. In einem Fall starb das Baby sogar an einer Hirnhautentzündung, nachdem durch einen Kuss übertragene Bakterien außer Kontrolle geraten waren.

Und selbst wenn es nicht so schlimm ausgeht: Karies- und Erkältungs-Bakterien aus einem Erwachsenenmund sind auch nicht gerade lecker. Aus dem gleichen Grund sollte man auch nie den Babylöffel ablecken, bevor man ihn in den Mund seines Schatzes steckt, oder aus der gleichen Flasche trinken.

Außerdem ist bei Neugeborenen und junge Babys das Immunsystem noch im Aufbau bzw. sind die Kleinen gegen schwere Krankheiten nicht geimpft.

„Statt auf den Mund kann man sein Kind aber gerne auf Hände, Füße oder den Kopf küssen“ so Hebamme Hammerl aus Berlin.

Und wie ist das mit dem Auf-dem-Mund-Küssen, wenn die Kinder älter sind? In die Krippe, den Kindergarten oder die Schule gehen?

„Küsse sind ein wunderbares Zeichen von Liebe und Aufmerksamkeit,“ so die Hebamme und Mutter von drei Kindern. „Deshalb kann es ein schönes Ritual sein, wenn sich Familien zur Begrüßung oder zum Abschied küssen.“

Sie rät deshalb zum entspannten Umgang mit dem Küssen, sobald das Baby auf seinen ersten Geburtstag zugeht. Man sollte keine körperliche Barriere aufbauen. „Sobald Babys und Kleinkinder in die Kita gehen, stecken sie sich sowieso fremde Spielsachen in den Mund. Da bekommen sie zum meist ihre erste Erkältung.“

Auch ältere Kinder auf den Mund zu Küssen findet Hammerl ok: „Man drückt ja nur leicht die gespitzten Lippen aneinander. Wenn man einen Infekt hat, hält man natürlich Abstand.“

Ob der 43-jährige David Beckham sich die harte Kritik seiner Follower wohl zu Herzen nimmt? Vor wenigen Tagen wollte der britische Fußballstar seine weihnachtliche Vorfreude auf Instagram zum Ausdruck bringen – und teilte ein Bild, das ihn mit Tochter Harper, mittlerweile sieben, beim Schlittschuhlaufen zeigt. Das Bussi, das sich die beiden auf den Mund geben, löste jedoch einen waschechten Shitstorm aus. .

Harper Seven Beckham scheint schon in Weihnachtsstimmung zu sein. Ihr Papa David postet also stolz ein Foto und schreibt darunter: „Weihnachten kommt! Lasst uns Eislaufen gehen“

Obwohl das Foto über zwei Millionen Likes bekommt, halten es viele der Nutzer für „abstoßend“, wenn ein Papa sein Kind auf die Lippen küsst. Andere sprechen davon, dass Kinder sogar einen Schaden davon tragen können.

„Igitt, das sieht so aus, als würden die beiden miteinander rummachen“, schreibt einer der User.

Es gibt aber auch Eltern, die für die Empörung des Fotos kein Verständnis haben. Sie sind der Meinung, dass es der Kuss zwischen den beiden nur die bedingungslose Liebe zwischen Vater und Tochter ausdrückt. Um Solidarität für den Ex-Fußballstar zu zeigen, posten einige Eltern ebenfalls ein Foto, auf dem sie ihre Kinder auf den Mund küssen.

„Es ist absolut nichts Falsches daran, wenn ich sie auf die Lippen küsse und ich werde ihr hübsches Gesicht so lange küssen bis ich diese Erde verlasse.“

„Worte alleine können die bedingungslose Liebe zwischen Mutter und Tochter nicht beschreiben.“

Das meint die Psychologin

Wir haben bei Psychologin und Autorin Mag. Anika Harb aus Graz nachgefragt: Kann ein Kuss auf den Mund dem Kind wirklich schaden?

„Hier gibt es kein richtig oder falsch“, nimmt die Expertin vorweg. „In Nordamerika kann ein Kuss schnell als sexualisiertes Verhalten gelten, während man in anderen Ländern ganz anders interpretiert.“

Die Psychologin weist auch darauf hin, dass Amerikaner nicht wie Österreicher zwischen einem Kuss und einem Bussi unterscheiden. Für Amerikaner gibt es nur den „kiss“: „Für uns Österreicher ist ein Bussi ziemlich harmlos. Vor allem das Bussi der Eltern steht in keinem sexuellen Kontext“, so die Expertin.

Kann das Bussi auf den Mund schaden?

„Man darf nicht vergessen, dass Kinder im Alter zwischen 2 und 7 Jahren relativ plötzlich körperliches Schamgefühl entwickeln. Die meisten sind 5 Jahre alt, also so alt wie Harper Beckham, wenn ihnen Dinge plötzlich unangenehm werden“, erklärt Harb. Außerdem sei immer ausschlaggebend, an was das Kind im Umfeld gewöhnt sei. „Ist das Bussi auf den Mund im Bekannten- oder Freundeskreis nicht üblich, so kann es zu Verwirrung beim Kind kommen.“
Eltern sollten ihren Kindern schon sehr früh beibringen „Nein“ zu sagen. So würde es zu dieser Verwirrung gar nicht kommen. „Meine Tochter ist jetzt 3 Jahre alt. Früher wurde sie von ihren Tanten immer „gebusselt“. Irgendwann sagte sie aber: Nein, das möchte ich nicht. Und damit war die Sache erledigt“, erzählt die Zweifach-Mama.

Selbst wenn Harper Beckham an das Bussi auf den Mund von ihren Eltern gewöhnt ist, so kann das Kind durch die Reaktionen von außen verunsichert werden. „Diskussionen, wie die aktuelle, können Verwirrung stiften und das wiederum könnte das Kind in seiner Entwicklung verunsichern, meint Harb.

Übrigens: Auch Victoria Beckham küsst ihr Tochter auf den Mund – und erntete Kritik

Unterschied zwischen Vater und Mutter?

Hier unterscheidet die Psychologin auch nicht zwischen Mutter und Vater: „“Wenn es Gang und Gebe ist, dass auch der Papa seine Tochter auf den Mund „busserlt“ und das offensichtlich keinen sexuellen Kontext – weder für den Vater noch die Tochter – darstellt, findet im Normalfall auch keine Verwirrung statt.“

Harb rät allen Eltern: „Bringt den Kids früh bei, dass es erlaubt ist ‚Nein‘ zu sagen.

Küsst eure Babys nicht auf den Mund! DAS sind die gefährlichen Gründe

Als Eltern ist es das Normalste der Welt sein eigenes Kind zu küssen, auch auf den Mund. Es ist ein Zeichen von Zuneigung und Liebe. Und egal ob sich manch einer daran stört, wir Eltern lieben es mit unseren Kindern zu knuddeln und sie zu knutschen. Doch ein britischer Zahnarzt vermiest uns diesen Liebesbeweis nun gewaltig. Er rät Eltern aus medizinischer Sicht sogar dringend davon ab, ihr Baby auf den Mund zu küssen.

Für Dr. Richard Marques, Zahnarzt aus Großbritannien, ist ein elterlicher Kuss auf den kindlichen Mund alles andere als harmlos. Denn ein Kuss auf den Mund führt zum Austausch von Bakterien und die können die Zähne des Babys, selbst wenn die noch nicht einmal durchgebrochen sind, kaputt machen.

Eltern sollten sorgfältiger mit der Mund-Gesundheit ihres Kindes umgehen

In einem Interview erklärt der Arzt: „Die Milchzähne eines Babys haben einen anderen Schmelz, der viel dünner ist als der von Erwachsenen. Deshalb ist er auch viel anfälliger und wird schneller zerstört.“ Eltern sollten seiner Ansicht nach viel sorgfältiger mit der Mund-Gesundheit ihres Kindes umgehen.

Das Immunsystem eines kleinen Kindes ist bei weitem nicht so stabil wie das eines Erwachsenen. Schnell kann man ein Baby über einen Kuss auf den Mund mit Streptokokken anstecken. Die können zum einen Karies verursachen und zum anderen auch das Weichgewebe und das Zahnfleisch des Kindes angreifen, bevor sich die Zähne entwickeln konnten.

Ein einziger Kuss kann lebensgefährlich sein

Neben der Gefahr für die Zähne kann ein Kuss auf den Mund auch andere gesundheitliche Risiken für das Kind haben. Aufgrund seines schwachen Immunsystems ist ein Baby anfälliger für Krankheiten wie zum Beispiel die Grippe. Aber auch Viren – wie beispielsweise das Herpes-Virus – haben ein leichtes Spiel bei Babys. Und eine Herpes-Infektion birgt lebensgefährliche Risiken für ein sehr kleines Kind. Denn je kleiner ein Säugling ist, desto schwieriger ist es, ein solches Virus zu bekämpfen.
Tatsächlich kann ein Herpes-Virus, übertragen von einem Erwachsenen, bei einem Baby eine Meningitis oder Enzephalitis, also eine Entzündung des Gehirns verursachen. Die kann schwerwiegende Folgen haben und sogar zum Tode führen.

​Auch wenn das Risiko einer solchen Infektion gering klingt, rät der Zahnarzt dazu, ein Neugeborenes vor allem in seinen ersten Lebenswochen nicht auf den Mund zu küssen.
Wie gefährlich ein einziger Kuss tatsächlich sein kann, könnt ihr am Fall der kleinen Brooke nachlesen.

Und auch wenn die Kinder schon ein wenig größer sind, sollten Eltern darauf achten, dass es nicht zum Speichelaustausch zwischen ihnen selbst und den Kindern kommt. Das heißt, kein gemeinsames Besteck, getrennte Zahnputzbecher, den Schnuller nie selbst in den Mund stecken, um ihn zu reinigen und regelmäßige Zahnarztbesuche.

Weitere Informationen rund um Babys Zahnbildung findet ihr auf den folgenden Gesundheitsportalen:
Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Bundesverband der Kinder- und Jubendärzte e.V. (BvKJ)

Auch auf gofeminin.de:

Kleiner Piks mit großer Bedeutung: So wichtig ist die Impfung fürs Baby
Sommer, Sonne, Schweiß: Wie oft muss man Kinder WIRKLICH baden?
Kochen für Kinder: So geht’s schnell, einfach und gesund!

Küssen verboten… Bekommen eure Kinder Küsse auf den Mund?

In diesem Artikel erwartet dich:

Aufgrund eines Fotos bei Instagram, auf dem zu sehen ist wie David Beckham und seine Tochter sich auf den Mund küssen, gibt es gerade eine gewaltige Diskussionswelle in den Social Media. Nun haben wir uns mit der Frage einmal auseinandergesetzt. Ist es verwerflich sein Kind auf den Mund zu küssen und wenn ja aus welchen Gründen?

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Christmas is coming ?? Let’s go skate ♥️

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Welche Gründe sprechen gegen ein Küsschen auf den Mund für die eigenen Kinder?

Mal davon abgesehen, dass die negativen Kommentare unter diesem Foto alle in die gleiche Richtung gehen, gibt es verschiedene Gründe, warum Kinder von ihren Eltern nicht auf den Mund geküsst werden.

Das ist sexuell

Es gibt Leute, für die ein Kuss auf den Mund nur Paaren vorbehalten ist. Sie meinen dass sie es als sexuell empfinden, wenn Eltern ihre Kinder (egal welchen Alters) auf den Mund küssen. Diesen Standpunkt verteidigt auch die US-Psychologin Charlotte Reznick. Sie wird immer dann zitiert, wenn irgendwem mal wieder nicht passt, dass irgendwer sein Kind küsst. Sie meinte in einem Statement von 2015, dass Kinder mit der Situation überfordert seien und gerade im Alter zwischen 2 und 6 könnte ein Kuss auf den Mund sie sogar sexuell erregen.

Die meisten Hater, die das Foto kommentiert haben, sind genau dieser Meinung und werden auch direkt beleidigend. Es fallen Worte wie „pervers“ und „Inzest“. Ich persönlich kann das überhaupt nicht nachvollziehen. Außerdem bin ich der Meinung, dass man eben einfach weiter scrollen oder weg schauen soll, wenn man es selber nicht schön findet, wenn Papa und Tochter oder Mama und Sohn sich auf den Mund küssen. Andere aber mit bösen Kommentaren zu bombardieren, nur weil man selber einer anderen Auffassung ist, ist noch mal eine ganz andere Geschichte. Es ist doch jedem selber überlassen. Warum muss man an anderen immer herum kritisieren? Wieso können wir andere Menschen nicht einfach leben lassen? Warum kann man sich nicht einfach dafür freuen, dass David Beckham scheinbar ein sehr schönes Verhältnis zu seiner Tochter hat?

Das ist unhygienisch

Ärzte und Hebammen empfehlen, seine Babys nicht auf den Mund zu küssen. Zum Einen ist man oft schon ansteckend, bevor man überhaupt Anzeichen einer Krankheit hat und würde die Erreger somit unbewusst an sein Kind weitergeben. Denkt auch mal an den Herpes Virus, den manche Menschen ohne Ausbruch in sich tragen und unbewusst an andere weitergeben. Zum Anderen können wohl auch unsere Karies-Bakterien durch einen Kuss schon frühzeitig in den Mund unseres Kindes wandern. Mein Zahnarzt hat vom Küssen und Löffel abschleckern jedenfalls schon abgeraten, da war ich noch schwanger.

Das beeinflusst den eigenen Willen

Ok und jetzt wird es ein bisschen psychologisch. Manche Leute behaupten auch, wenn man als Eltern sein Kind von klein auf immer auf den Mund küsst, so kann es für sich nie entscheiden, ob es das überhaupt möchte. Es wird praktisch zur Gewohnheit und das Kind sieht es als normal an und warum sollte man gegen etwas Normales etwas einwenden? Klingt zumindest erst mal logisch. Auch hier kann ich aus Erfahrung plaudern. Als Kind habe ich es irgendwann vermieden meinen Papa auf den Mund zu küssen. Wenn er sich sein Küsschen abholen wollte, drehte ich mich weg. Ich fand seinen Bart einfach nicht schön und wollte unter den Umständen auch keinen Kuss. Außerdem hatte er damals noch geraucht und das fand ich dann doppelt eklig. Wenn ein Kind also einen Grund gefunden hat, der gegen das sich küssen lassen spricht, ist es nicht ausgeschlossen, dass es das auch durchzieht.

Das ist dem Kind peinlich

Dieser Aspekt geht in eine ähnliche Richtung wie der vorherige Punkt. Küssen kleine Kinder noch mit Hingabe, kann es ihnen im Schulalter schon mal peinlich sein, wenn sie vor den Augen anderer Kinder ihre Eltern abknutschen. Deshalb stellt sich diese Art der Zuwendung meistens mit dem Älter werden eh ein. Ich finde es ganz besonders wenn auch Teenager noch gern ihre Eltern küssen. Das zeigt dass ihre Zuneigung und Verbundenheit unheimlich groß ist.

Allerdings sollte ein Nein auch wirklich ein Nein bleiben. Man merkt definitiv wenn ein Kind grade keine Bussis möchte, dann sollte das auch unbedingt akzeptiert werden.

Das ist seltsam

Vielleicht die abgeschwächte Form, um nicht gleich von einer sexuellen Neigung zu sprechen. Manche Leute finden einen Kussaustausch zwischen Vater und Tochter oder Sohn und Mutter einfach nur seltsam. Vielleicht kennen sie es selber nicht aus ihrer Familie und finden es deshalb nicht richtig. Letztendlich kann das ja auch jeder so halten wir er es schön findet.

Zuneigung zum Kind, wo fängt sie an – wo hört sie auf?

Was ist erlaubt, was ist komisch, oder was ist gar zu wenig? Ich weiß ja nicht, aber solang es im Rahmen bleibt, es also keine körperlichen Übergriffe gibt, soll doch jeder auf seine eigenen Angelegenheiten schauen. Ich selber bin mit viel Zuneigung groß geworden. So liegt es nur in der Natur der Dinge, dass ich Zuneigung auch an meine eigene Tochter weitergebe. Sie wird geknutscht, geknuddelt, gestreichelt und liebevoll umarmt. Wenn sie nicht mag, wird sie in Ruhe gelassen. Schön ist es natürlich wenn sie von selber kommt und sich ihre Portion Liebe abholt. Für mich gibt es da kein Richtig und kein Falsch. Folgende Studien und Experimente geben ein paar Hintergründe und die Bestätigung: Kinder brauchen Liebe!

John B. Watson und sein Werk „Psychological Care of Infant and Child“ von 1928

Es waren einfach die Zeiten damals. Watsons Ansichten zur Kleinkinderziehung sahen nämlich wie folgt aus:

Dem Kind solle die Mutterliebe entzogen werden, noch bevor es sieben Jahre alt wird. Denn Mutterliebe mache angeblich das Kind abhängig und hindere es daran, die Welt zu erobern. Seiner Ansicht nach schränken übermäßige Liebkosungen das psychische Wachstum ein und behindern spätere Erfolgschancen.

Keine Mutter solle ihr Kind auf den Schoß nehmen. Die Reinlichkeitserziehung solle mit acht Monaten abgeschlossen sein. Watson propagierte eine Spezialkonstruktion, auf der das Kind hinter verschlossenen Türen festgeschnallt wurde, bis es seine Verdauung bewältigt hatte. Es sei auch von Übel, sich zu sehr an vertraute Personen zu gewöhnen. Die Mütter könnten durchaus gewechselt werden. Das Kind solle möglichst viel allein gelassen werden

Heute ist man doch so viel schlauer…

Kaspar-Hauser 1828

Der Kaspar-Hauser-Versuch umschreibt das Ergebnis eines heranwachsenden Kindes, das weder Sprache noch irgendeine Art körperlicher Zuneigung erfahren konnte/durfte. Im Experiment von Friedrich II starben alle Kinder des Experiments. Studien zeigten auch dass Kinder ohne Zuwendung oder anderweitigen Reizen sich sowohl körperlich als auch geistig viel langsamer entwickelten.

Harry Harlow und sein Experiment an Affen 1957

Harry Harlow wollte mit seinem Experiment die Mutter-Kind Bindung untersuchen. Er separierte neugeborene Rhesusaffen in einen Käfig mit 2 Affen-Dummies. Einer war aus Draht, versehen mit einer Milchflasche zum Füttern der Babys. Der andere hatte keinerlei Nahrungsquelle, aber war aus kuschelig weichem Fell. Das Experiment zeigte entgegen aller Annahmen. Dass die Affenbabys zum Drahtaffen nur zur Nahrungsaufnahme gingen, letztendlich aber die meiste Zeit beim kuscheligen Affen schmusten und Schutz suchten.

Herbert Renz-Polster „Kinder verstehen“ 2009

Heute weiß man es definitiv besser. Der Kinderarzt und Verhaltensforscher Herbert Renz-Polster schrieb in seinem Buch „Kinder verstehen – born to be wild“, dass Nähe Schutz bedeutet und es in unserem Urvertrauen liegt diesen anzunehmen. Er ist der Ansicht, Kinder könne man nicht verwöhnen wenn man ihnen zu viel Nähe spendet, und damit ist er heutzutage Gott sei Dank nicht mehr alleine!

Kein Einzelfall

Das Social Bashing gegen David Beckham ist leider kein Einzelfall. Er selbst bekam in der Vergangenheit schon einmal einen Shitstorm zu spüren und auch einige weitere Persönlichkeiten. Seht selbst:

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Happy Birthday baby girl ??? We all love you so much ??? X @davidbeckham @brooklynbeckham kisses from mummy X

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My Greatest Gift ? #sebastiantaylorthomaz

A post shared by Amber Rose (@amberrose) on Oct 21, 2018 at 7:19pm PDT

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Kiss for Daddy ❤️

A post shared by David Beckham (@davidbeckham) on Jun 1, 2017 at 10:55am PDT

Fazit

Ob angebracht, komisch, seltsam oder einfach nur peinlich? Letztendlich sollte es jedem doch egal sein, was andere denken. Solang Mama, Papa und Kind mit dem Busseln einverstanden sind, spricht nichts dagegen! Und ebenso sollte es auch jedem egal sein wie Eltern die bedingungslose Liebe ihren Kindern gegenüber zeigen möchten. Eigentlich ist es doch etwas Schönes also müsste man sich doch freuen, dass es so viel Liebe auf der Welt gibt und daraus nicht noch künstlichen Hass schüren.

Respektiere Dein Baby

Autorin: Diane Wiessinger, IBCLC |
Babys sind herausragende, empfindsame und unerfahrene Menschen. Sie lernen bereits vor der Geburt sehr schnell, obwohl sie unsere Sprache noch nicht sprechen.

Indem Du den Körper und die Fähigkeiten Deines Babys respektierst, legst Du den Grundstein für einen lebenslangen, gegenseitigen Respekt.

Mund
Dein Baby erfährt die Welt hauptsächlich mit seinem Mund. Wenn sich seine allererste Erfahrung mit dem Mund wie eine Körperverletzung anfühlt (zum Beispiel durch gründliches Absaugen, einen kraftvollen Finger oder einen Flaschensauger), kann es sein, dass es danach einige Zeit nicht bereit ist, eine Brust in seinen Mund zu lassen.

Frage es um Erlaubnis, bevor Du ihm irgendetwas in den Mund steckst, und respektiere seine Wünsche, wenn es den Mund nicht öffnet.

Appetit
Wenn ein Neugeborenes sein Bedürfnis zu saugen äußert, sagt es damit, dass es Nahrung möchte, keinen Schnuller.

Respektiere seine Fähigkeit seinen eigenen Appetit und seinen Durst zu kennen. Wenn Du das Gefühl hast, Dein Baby ist niemals zufrieden, wende Dich an eine Stillexpertin.

Ohren
Bevor Du Dein Baby direkt auf sein empfindliches Ohr küsst, lass Dich selbst von jemandem aufs Ohr küssen, damit Du selber merken kannst, wie laut dies ist.

Hände
Menschliche Hände sind besonders empfindlich. Wenn die Hände eines Babys sofort nach der Geburt gewaschen werden, verliert es den Geruch und Geschmack, den es schon ewig kennt, und trinkt möglicherweise nicht so gut an der Brust.

Wenn seine Hände in Handschuhe gesteckt werden, „um sein Gesicht zu schützen“, ist es nicht mehr in der Lage, sich selbst mit den Händen zu beruhigen oder eine normale Verbindung mit seiner Umwelt aufzunehmen und trinkt vielleicht nicht gut.

Schreien
Einige Babys schreien aus Gründen, die wir einfach nicht herausfinden können. Wenn das der Fall ist, wird Dein Baby sicher dankbar sein, von Dir im Arm gehalten zu werden, während Du versuchst ihm zu helfen.

Aber in den meisten Fällen zeigt das Weinen eines Babys den Mangel an Stillen oder Körperkontakt. Heftiges Schreien ist anstrengend für sein Herz und „trainiert seine Lungen“ keineswegs.

Respektiere Deine eigenen Instinkte und reagiere auf sein Schreien.

Beschneidung
Wenn Du Deinen Sohn, außer aus religiösen Gründen, beschneiden lassen möchtest, solltest Du bedenken, dass dabei etwas dauerhaft entfernt wird, was einmal ein circa 13 Quadratzentimeter großes, höchst empfindsames Hautstück eines fremden Körpers werden würde, ohne dessen Einverständnis.

Eine Beschneidung kann auf seinen eigenen Wunsch auch später vorgenommen werden, obwohl nur sehr wenige Männer mit einer intakten Vorhaut, diese nicht mehr haben wollen. Die gesundheitlichen Risiken einer intakten Vorhaut sind nicht größer als die gesundheitlichen Risiken einer Beschneidung.

Windel wechseln und Baden
Wenn Dein Baby dabei weint, überlege Dir, ob es wichtiger ist, diese Tätigkeit ohne Unterbrechung zu Ende zu führen oder Dir ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um es zu stillen oder es zu beruhigen.

Bald schon werden das Windel wechseln und Baden zu seinen liebsten Aktivitäten zählen.

Bis dahin stell Dir vor, wie es wäre, wenn Du um Hilfe schreien würdest und niemand darauf reagiert.

Haut
Die Haut ist unser größtes Organ. Babys lieben es ihre nackte Haut auf Deiner nackten Haut zu spüren.

Wenn Du eine Decke über Euch beide ausbreitest, während Ihr miteinander im Hautkontakt seid, wird Dein Baby effektiver gewärmt und hat stabilere „Vitalitätszeichen“ als in den meisten teuren Wärmebettchen im Krankenhaus.

Spielen
Während seiner „ruhigen Wachphasen“, d.h. wenn es weder hungrig, noch schläfrig ist, ist Dein Baby optimal zum Spielen aufgelegt.

Mach seine eigenen Gesichtsausdrücke nach. Schneide ihm eine Grimasse, langsam und mehrmals hintereinander, und es wird vielleicht ebenfalls dieselbe Grimasse schneiden – sogar seine Zunge herausstrecken.

Manche Babys erinnern diese „Gesichts-Spiele“ monatelang, öffnen beispielsweise weit den Mund bei einer Stillberaterin, die sie seit den ersten Lebenstagen nicht mehr gesehen haben.

Babys sind Lernmaschinen! Aber sie werden schnell müde.

Wenn Dein Baby wegschaut, gähnt oder seine Hände steif macht und hochhebt, ist die Spielzeit vorbei und eine respektvolle Spielpartnerin lässt es nun in ihren Armen kuscheln und ein bisschen trinken.

Original: „Respecting Your Baby“ von Diane Wiessinger, MS, IBCLC, 2000
Übersetzung: Regine Gresens, IBCLC, November 2004
Foto: Chris & Lara Pawluk via photopin cc

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