Den po versohlt

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Sie sind egoistisch, eigenwillig, egozentrisch, rotzfrech, trotzig, wild, ungestüm, laut, rechthaberisch, rücksichtslos. So sind Kinder nun mal. Alle. Und diese Liste liesse sich wohl beliebig verlängern. Und dann, dann brauchts manchmal nicht mal mehr die ganz grosse Katastrophe. Die Katze muss nicht unbedingt auch noch ins Wohnzimmer pinkeln, wenn die Dreijährige beim Spaziergang in jede Pfütze hüpft, zum dritten Mal auf die Strasse rennt und das lustig findet, der Nachbarin im Treppengang die Zunge rausstreckt, kreischt, weil sie kein Popcorn bekommt und dann auch noch Fernseh schauen will und zwar SOFORT! In solchen Situationen brennen schon mal die Sicherungen durch, und dann – ja, was dann? Schimpfen, schreien, hauen, ruhig bleiben, überlegen, erklären, reagieren, ignorieren, resignieren?

Thema mit Sprengpotenzial

Die Reaktionen entnervter Eltern sind genauso vielseitig wie die Ansichten darüber. Genau hier scheiden sich die Geister, verhärten sich Fronten. Auf Internetforen schlagen sich Mütter und Väter verbal die Köpfe ein, wenn es um das Thema „Klaps“ geht. Und fragt man im Bekanntenkreis nach, ist der Umgang mit der trotzenden Brut recht unterschiedlich. Ein Vater zum Beispiel findet, dass man „schon mal mit einem Klaps ein Zeichen setzen kann. Die Kleine kapierts so besser, dass sie zu weit geht.“ Eine andere sagt: „So was liegt bei uns überhaupt nicht drin. Wir setzen auf Reden und Erklären, und sonst schicken wir die Kinder ins Zimmer.“ „Ich bin total gegen Prügel“, sagt eine andere Mutter, „aber meine Jüngste, die ist so eigenwillig und frech, da ist mir auch schon die Hand ausgerutscht. Ich habe mich danach so geschämt.“ Wieder eine andere sieht das ganz anders: „Seien wir doch ehrlich, manchmal tuts einfach verdammt gut, auf diese Weise kurz Dampf abzulassen.“

„Strafe muss sein“: Dieser Slogan war während Jahrhunderten Norm. Viele Eltern kennen ihn aus der eigenen Kindheit. Wer nicht hören wollte, musste spüren. Nicht immer, aber gefackelt wurde nicht lange. Eine Ohrfeige war nichts Aussergewöhnliches. Eine Tracht Prügel auch nicht. Mit der 68er-Bewegung und dem antiautoritären Erziehungsstil der 70er wollte man sich frei machen vom engen, konservativen und restriktiven Korsett der Gesellschaft und der Elternhäuser. Kinder zu schlagen wurde zum Tabu. „Aber gemacht hat man es trotzdem“, sagt Franz Ziegler, Leiter der Fachstelle Kinderschutz Kanton Solothurn. „Es wurde einfach unter den Teppich gekehrt, ganz nach dem Motto, was nicht sein darf, ist nicht.“ Ziegler sagt, dass zwischen 1970 und 1995 praktisch keine öffentliche Debatte zur Körperstrafe stattgefunden habe. „Erst ab Mitte der 90er-Jahre wurden Schläge wieder zum Thema und gesellschaftlich klar verurteilt“, so Ziegler. Doch diese Haltung habe nicht lange angedauert: „Mit der medial angeheizten Polemik zur Jugendproblematik und Jugendgewalt, aufgrund all der Berichte und Bücher über grenzenlose Kinder schon im Kindergartenalter, und mit der Erfindung der Wortkreation Kuschelpädagogik hat sich das Blatt wieder gewendet“, erklärt Ziegler. So hätten selbst Politiker und Prominente öffentlich propagiert, in der Kindererziehung die Zügel wieder zu straffen, wenns sein muss auch mal mit einer Ohrfeige. „E Chlapf zur rächte Zyt“ ist wieder gesellschaftsfähig geworden: „Die Akzeptanz der Körperstrafen ist in der Gesellschaft heute sehr hoch“, so Ziegler. Laut einer Umfrage des Instituts Isopublic aus dem Jahr 2007 finden 68 Prozent der Befragten einen gelegentlichen Klaps oder eine Ohrfeige als Mittel zur Erziehung okay.

Schläge fördern den Trotz

Wie schlimm ist es nun aber, wenn der Mutter, dem Vater mal die Sicherung durchbrennt? Muss man sich dafür schämen, ein schlechtes Gewissen haben? „Schämen darf man sich“, sagt Franz Ziegler. Doch Scham allein genügt nicht. „Wichtig ist, mit dem Kind zu reden, sich zu entschuldigen, zu erklären, warum man gerade ausgerastet ist. Insbesondere dann, wenn es ein einmaliger ‹Ausrutscher› war. Kinder sind sehr gross im Verzeihen“, sagt Franz Ziegler. Verheerend sei, wenn es öfter passiere, wenn Ohrfeigen, auf die Hand schlagen, auf den Po hauen, an den Haaren ziehen zu Erziehungsmassnahmen würden. „Es ist erwiesen, dass Körperstrafen keine positiven Reaktionen beim Kind erzeugen. Es wird nicht braver, es macht keine besseren Noten, es ist nicht weniger wild oder störrisch“, so Ziegler.

Im Gegenteil: Laut Forschungsergebnissen kann regelmässiges Schlagen, in welcher Form auch immer, dazu führen, dass Kinder mehr trotzen, rebellieren, ungehorsam sind. Dass sie aus Angst lügen oder sich zurückziehen und resignieren. Geschlagene Kinder verlieren an Selbstvertrauen und Vertrauen in andere. Sie lernen zudem, Probleme mit Gewalt zu lösen. „Aus geschlagenen Kindern werden häufig schlagende Kinder. Und hier schliesst sich der Kreis zum Thema Jugendgewalt“, so Ziegler. Was aber können Eltern tun, wenn der Kleine ihnen mal wieder die Nerven blank legt, wenn die Elfjährige im Mini und bauchfrei vor der väterlichen Nase die Haustür zuknallt? Nichts? Schreien? „Laut werden, ist nicht immer schlecht. Wer sich aufregt, zeigt Engagement“, sagt der Zürcher Psychologe Allan Guggenbühl. Letztlich ist das ein Zeichen, dass man das Kind ernst nimmt. „Man muss jedoch Abschied nehmen von der Idee, einen Konflikt sofort lösen zu können, oft muss man ihn später wieder aufgreifen“, so der Psychologe. Wenn man kurz vor dem Explodieren ist, empfiehlt er, sich aus der Szene zu nehmen, ein Time-out einzuschalten: „Damit gewinnt man Abstand, bevor man reagiert.“ Abstand gewinnen war auch das Rezept von Liedermacher und Buchautor Linard Bardill (siehe Interview). Er hat seinen ältesten Sohn geschlagen. Bis zum Tag, an dem er den Hass in seinen Augen gesehen hat. Nur ein Klaps? Bardills mutige Beichte zeigt, dass der Preis dafür hoch ist.

„Ich habe mein Kind geschlagen“: Wie Eltern nach dem „Klaps auf dem Po“ reagieren sollten

  • In Industrieländern schlagen Eltern nicht aus Überzeugung, sondern aus Überforderung zu.
  • Es sicht wichtig, dass Mütter und Väter mit ihren Kindern darüber sprechen.

Seit dem Jahr 2000 schützt die Bundesrepublik seine kleinsten und zugleich hilflosesten Bürger gesetzlich vor Gewalt. Der Paragraf 1631 des Bürgerlichen Gesetzbuchs garantiert Kindern, dass sie ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung haben.

Und doch: Immer wieder rutscht Eltern die Hand aus, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage ergeben hatg, die im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“ im Jahr 2012 durchgeführt wurde. Demnach haben 40 Prozent der Befragten ihrem Kind im Laufe eines Jahres mindestens einmal einen Klaps auf den Po gegeben. Zehn Prozent haben ihrem Kind eine Ohrfeige gegeben.

Eltern schlagen aus Überforderung zu

Wie der Unicef-Bericht „Hidden in Plain Sight“ im September 2014 zeigte, gehört in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern körperliche Züchtigung als Strafmaßnahme zum Erziehungsrepertoire. In Industrienationen hingegen wenden Eltern physische Gewalt nicht aus Überzeugung, sondern aus Überforderung an.

Die meisten schämen sich anschließend für ihre Tat. Der Diplompsychologe Klaus Neumann ist deshalb der Meinung, dass man Eltern, denen aus Überforderung mal die Hand ausrutscht, nicht verteufeln darf. Der Kinderschutzbeauftragte sagt, dass man eine klare Grenze ziehen müsse, zwischen jenen, die körperliche Züchtigungen permanent anwenden, und den Müttern und Vätern, die in einer eskalierten Situation ihrem Kind aus Überforderung einen Klaps auf den Po geben.

Mütter und Väter scheitern an eigenen Anforderungen

Der Druck, der heute auf Eltern lastet, ist sehr groß. Karriere, Partnerschaft und die Erziehung eines fordernden Kindes sind nicht leicht unter einen Hut zu bringen. Ist einem Elternteil die berüchtigte Hand ausgerutscht, setzt schnell danach das Gefühl der Reue und Scham ein.

Habt ihr als Kinder ab und zu mal den Hintern versohlt bekommen?

Ich Jahrgang 1960 habe sehr oft den nackten Hintern versohlt bekommen mit der Hand dem Holzlöffel, Teppichklopfer und einem Gummiriemen ,der zog besonders kräftig , konnte manchmal ein paar Tage nicht richtig sitzen, war aber immer verdient und nicht wegen jeder Kleinigkeit und danach war wieder alles gut.

Hat mir nicht geschadet, bin bzw. war meinen Eltern auch nicht böse, hatte wenn ich nichts ausgefressen hatte, liebevolle Eltern. Den Po versohlt zu bekommen war damals mehr oder weniger normal. Das hat für mich aber nichts mit Misshandlung zu tun wie zB. Eltern die ihre Kinder mit allen möglichen Gegenständen brutal auf den ganzen Körper, wie Faustschläge gegen den Kopf usw. nach Möglichkeit noch unter Alkoholeinfluss schlagen. so etwas habe ich in meinem Bekannten- Freundeskreis nie gehört. Ich kenne auch niemanden der besonders gelitten hat, weil er den Po versohlt bekommen hat.

Wenn ich heutige Generation sehe die ja nicht mehr den geschlagen wird, wie brutal und rücksichtslos die oft vorgehen, da frage ich mich schon schon, wer ist hier gestört. Hätte unsere Generation sich so verhalten, würden die möchte gern Psychologen sagen, wundert mich garnicht, die wurden ja selber geschlagen. Also das Thema, schadet es ob man als Kind schlagen wird oder nicht, ist schwer zu beantworten.

Im achten Teil unserer Reihe Deutsch lernen mit Cartoons geht es ein bisschen derber zu. Es geht um den Po, den Popo, den Hintern, das Hinterteil, das Gesäß, die vier Buchstaben, den Allerwertesten… es geht um den Arsch.
Und wenn ihr schon eine Weile Deutsch lernt, habt ihr bestimmt gemerkt, dass wir das Wort Arsch sehr häufig verwenden. Es ist also Zeit, dass ihr zumindest wisst, was diese Redewendungen bedeuten.

Redewendungen mit Arsch

am Arsch der Welt = sehr weit weg; abgelegen

Er wohnt am Arsch der Welt. Da ist nichts los und ab sechs Uhr abends fährt kein Bus mehr dorthin.

am Arsch sein = sehr müde/erschöpft sein; in großen Schwierigkeiten stecken

Nach der siebenstündigen Wanderung war ich ganz schön am Arsch.
Ich bin am Arsch: Zuerst habe ich meinen Job verloren und jetzt ist auch noch mein Auto kaputt.

Beweg endlich den/deinen Arsch! = Tu was! Beeil dich!

Komm, los, beweg endlich deinen Arsch, sonst verpassen wir noch den Zug!

Damit kannst du dir den Arsch/Hintern abwischen! = etwas ist nutzlos/unbrauchbar/wertlos

Dieses Diplom bringt dir gar nichts. Damit kannst du dir den Hintern/Arsch abwischen.

Dann ist der Arsch ab. = Dann ist endgültig Schluss.

Wenn du jetzt, nachdem du so viel Alkohol getrunken hast, noch mit dem Auto fährst und erwischt wirst, dann ist der Arsch ab. Es wäre ja nicht das erste Mal.
Wenn er mich noch einmal dermaßen enttäuscht, dann ist der Arsch ab. Dann will ich nichts mehr mit ihm zu tun haben.

den Arsch nicht hochkriegen = sehr träge/faul sein

Wenn du nicht endlich mal den Arsch hochkriegst, wirst du nie eine Arbeitsstelle finden.
Horst kannst du für diese Aufgabe vergessen. Der kriegt den Arsch nicht hoch.

den Arsch offen haben = unverschämt sein; blöd sein; spinnen

Du hast ja den Arsch offen! Spinnst du denn total? Das kannst du doch nicht ernst gemeint haben.
Sag mal, hast du den Arsch offen? Was soll denn der Scheiß?

den Arsch voll haben = völlig betrunken sein

Gestern sind die beiden durch die Kneipen gezogen und am Ende hatten sie ganz schön den Arsch voll.

den Arsch voll kriegen = verprügelt werden

Bei seinem letzten Kampf hat der Boxer den Arsch ganz schön vollgekriegt.

den Hintern/Arsch zusammenkneifen = durchhalten; sich zusammennehmen

Jetzt heißt es: Arsch/Hintern zusammenkneifen und durch! Das ist unsere einzige Chance.

der Arsch sein = derjenige sein, der verantwortlich gemacht wird oder eine undankbare Aufgabe übernehmen muss

Ja, macht ihr nur… Und ich bin dann wieder der Arsch, der am Ende alles aufräumen muss.
Als Kunde bin ich mal wieder der Arsch, der am Ende nicht das bekommt, was er bezahlt hat.

ein Arsch mit Ohren = ein widerlicher/fieser Mensch

Der Typ ist wirklich ein Arsch mit Ohren. So ein widerlicher Fiesling ist mir selten begegnet.

ein ganzer Arsch voll = sehr viel; jede Menge

Ich brauche wirklich keine neue Krawatte. Zu Hause habe ich noch einen ganzen Arsch voll davon.

einen Stock im Arsch haben = nicht natürlich sein; steif/spießig/unflexibel sein

Er tanzt, als hätte er einen Stock im Arsch.
Der hat doch einen Stock im Arsch und geht zum Lachen in den Keller.

einen Tritt in den Hintern/Arsch bekommen = abgelehnt werden; zurückgewiesen werden

Ich habe es versucht, doch das einzige, was ich bekommen habe, war ein Tritt in den Arsch.

ein Kopf und ein Arsch sein = sehr eng befreundet sein; sich sehr gut miteinander verstehen; unzertrennlich sein

Die beiden sind wirklich ein Kopf und ein Arsch. Man sieht sie immer nur zusammen.

etwas auf einer/der rechten/der linken Arschbacke abreißen/absitzen = etwas ohne Mühe überstehen; etwas ohne große Probleme und ohne Aufwand hinter sich bringen

Ich fahre jedes Wochenende bis nach Nürnberg, um meine Freundin zu besuchen. Die 150 Kilometer bis dorthin reiße ich auf einer Arschbacke ab.
Der Kurs ist zwar total langweilig, doch die zwei Wochen, die dieser Kurs dauert, sitze ich auf einer Arschbacke ab.

fast auf den Arsch fallen = mit etwas überhaupt nicht rechnen und (unangenehm) überrascht werden

Als ich gehört habe, dass Paula und Gregor sich getrennt haben, bin ich fast auf den Arsch gefallen. Damit konnte man ja überhaupt nicht rechnen.

für den Arsch sein = sinnlos sein; nutzlos sein

Obwohl ich so viel gelernt habe, bin ich bei der Prüfung durchgefallen. Die ganze Anstrengung war für den Arsch.
Plötzlich ist der Computer abgestürzt. Ich hoffe, die ganze Arbeit war nicht für den Arsch.

Himmel, Arsch und Zwirn! = Fluch

Himmel, Arsch und Zwirn! Tut das weh!

Hummeln im Arsch/Hintern haben = voller Energie und Tatendrang sein; unruhig sein

Kannst du nicht mal fünf Minuten still sitzen? Du hast wohl Hummeln im Hintern/Arsch.

im Arsch sein = kaputt/defekt sein; nicht mehr funktionieren

Mein Autoradio ist im Arsch. Ich brauche ein neues.

in den Arsch gehen = kaputt gehen

Pass gut auf mit dem Gerät, das geht schnell in den Arsch!

in den Arsch/Hintern gekniffen sein = in einer schlimmen Lage sein; das Nachsehen haben; der Dumme sein

Wenn unsere drei besten Spieler nicht mitspielen können, sind wir ganz schön in den Arsch/Hintern gekniffen.

jemandem am Arsch vorbeigehen = völlig egal sein

Seine Kritik geht mir am Arsch vorbei.
Das was der sagt, geht mir so was von am Arsch vorbei.

jemandem den Arsch aufreißen = jemanden scharf zurechtweisen; mit jemandem sehr schimpfen

Nach der katastrophalen ersten Halbzeit spielt die Mannschaft jetzt wie ausgewechselt. Da hat der Trainer seinen Spielern in der Halbzeitpause wohl gehörig den Arsch aufgerissen.
Wir sollten vorsichtig sein. Wenn unser Chef das mitkriegt, wird er uns den Arsch aufreißen.

jemandem den Arsch/Hintern versohlen = jemanden durch Schläge auf den Po bestrafen

Der Vater hatte dem Jungen zur Strafe ganz gehörig den Arsch versohlt.

jemandem Feuer unterm Arsch/Hintern machen = jemanden antreiben; Druck auf jemanden ausüben

Es ist höchste Zeit, dass ihr mal jemand Feuer unterm Arsch/Hintern macht. Sonst wird sie ihren Hintern nie hochkriegen.

jemandem geht der Arsch auf Grundeis = jemand hat große Angst

Mir ging der Arsch auf Grundeis, als ich auf einmal ganz allein im stockfinsteren Wald stand und diese Geräusche hörte.

jemandem in den Arsch/Hintern kriechen = sich vor jemandem erniedrigen; opportunistisch sein; nach dem Willen einer anderen Person handeln

Wenn du in dieser Firma was werden willst, musst du dem Chef in den Arsch kriechen.

jemandem Pfeffer in den Arsch/Hintern blasen = jemanden antreiben; jemandem Druck machen

Das Geschäftsergebnis war nicht so wie erwartet. Deshalb hat der Chef hat den Abteilungsleitern ordentlich Pfeffer in den Arsch geblasen.

jemandem Puderzucker/Zucker in den Arsch/Hintern blasen/streuen = jemanden übertrieben freundlich behandeln; jemanden übermäßig verwöhnen; jemanden übertrieben loben

Ich habe keine Lust mehr, ihm ständig Zucker in den Arsch zu blasen/streuen. Beim nächsten Mal sage ich ihm klipp und klar, was ich von ihm halte.

jemandem scheint die Sonne aus dem Arsch = jemand hat gute Laune; jemand hat Glück

Also, dir strahlt aber heute wirklich die Sonne aus dem Arsch! Warum bist du so gut gelaunt?

jemanden am Arsch haben = jemanden erwischt haben; jemanden mit Beweisen belasten

Er hoffte, dass man ihm nichts beweisen könnte, doch als er die Beweisfotos sah, wusste er, dass sie ihn am Arsch hatten.

jemandem in den Arsch/Hintern treten = jemanden antreiben; jemanden dazu bringen, etwas zu tun

Er ist so unglaublich lahmarschig. Man müsste ihm wirklich mal in den Arsch treten.

jemandem mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen = jemanden angreifen; drohend auf jemanden losgehen

Jetzt bleib aber mal locker! Das ist doch noch längst kein Grund, mir mit dem nackten Arsch ins Gesicht zu springen.

jemanden mit dem Arsch nicht angucken = jemanden ignorieren

Früher hat sie mich mit dem Arsch nicht angeguckt. Und jetzt, wo sie was von mir braucht, ist sie auf einmal so stinkfreundlich.

kein Arsch = niemand

Kein Arsch ist gekommen.
Ich hab keinen Arsch gesehen.
Kein Arsch hat mir geholfen.

keinen Arsch in der Hose haben = zu feige sein, etwas zu tun

Natürlich kannst du das Problem in der Versammlung ansprechen, doch rechne nicht mit der Unterstützung deiner Kollegen. Die haben nämlich keinen Arsch in der Hose und machen lieber gute Miene zum bösen Spiel.

Leck mich am Arsch! = a) Ausdruck von Ablehnung b) Erstaunen

a) Du kannst mich wirklich mal am Arsch lecken.
b) Leck mich am Arsch, ist das kalt!

mit etwas auf den Arsch/Hintern fallen = keinen Erfolg haben; mit etwas scheitern

Mit der Firma, die er vor einem Jahr gegründet hatte, ist er auf den Hintern/Arsch gefallen. Es lief nicht so, wie er es erwartet hatte und jetzt musste er Konkurs anmelden.

seinen Arsch retten = entkommen; entrinnen; sich retten

In dieser wirtschaftlichen Krise versucht jeder nur noch, seinen eigenen Arsch zu retten.

seinen Arsch riskieren = etwas Gefährliches tun

Ich werde ganz bestimmt nicht wieder meinen Arsch für alle anderen riskieren.

seinen Arsch verwetten (können) = sich einer Sache ganz sicher sein

Also, ich könnte meinen Arsch darauf verwetten, dass er noch kommt.
Ich verwette meinen Arsch, dass wir das Spiel noch gewinnen.
Darauf kannst du deinen Arsch verwetten.

sich den Arsch abfrieren = sehr frieren; jemandem ist sehr kalt

Ich musste drei Stunden in der Kälte warten. Ich habe mir den Arsch abgefroren.

sich den Arsch ablachen = ganz viel lachen; sich totlachen

Es war sehr lustig, gestern Abend. Wir haben uns den Arsch abgelacht.

sich den Arsch aufreißen = sich sehr anstrengen

Ich habe jetzt wirklich die Schnauze voll. Ich reiße mir hier den Arsch auf, damit alles vorbereitet ist, und alle anderen sitzen herum und tun nichts.

sich ein zweites Loch in den Arsch freuen/ärgern = sich sehr freuen/ärgern

Als er das Missgeschick des unbeliebten Kollegen sah, freute er sich ein zweites Loch in den Arsch. Schadenfreude ist nun mal die schönste Freude.
Als die Mannschaft in der letzten Spielminute durch ein dummes Eigentor verlor, ärgerten sich die Fans ein zweites Loch in den Arsch.

sich in den Arsch beißen können = sich über einen eigenen Fehler ärgern; sich über eine verpasste Chance ärgern

Mann, ich könnte mir wirklich in den Arsch beißen. Seit Jahren tippe ich im Lotto dieselben Zahlen. Nur letzten Freitag habe ich nicht gespielt… Ich hätte vier Richtige gehabt.

sich selbst in den Hintern/Arsch treten können = etwas zutiefst bereuen

Heute könnte ich mir selbst in den Hintern/Arsch treten. Ich weiß auch nicht mehr, welcher Teufel mich damals geritten hatte. Doch jetzt ist es zu spät.

wie der Arsch auf den Eimer passen = sehr gut zusammenpassen; sehr gelegen kommen

Sein Anzug ist maßgeschneidert und passt wie der Arsch auf den Eimer.
Na, das passt ja jetzt wie der Arsch auf den Eimer. Gut, dass du kommst.

So, das war jetzt hoffentlich nicht für den Arsch, sondern ganz hilfreich.

PDF zum Herunterladen und Ausdrucken für zu Hause und den Deutschunterricht

Veröffentlichung des Cartoons mit freundlicher Genehmigung von Michael Scholten.

Übersicht: Deutsch lernen mit Cartoons
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Reihe: Redewendungen mit Bildern lernen
Deutschquiz: Redewendungen und Umgangssprache

„Aber jetzt bitte keine Komplimente mehr, das bekommt mir nicht. Mich muss man anders anfassen! Doch ich nehme mir das sehr zu Herzen, was du gesagt hast.“
„Jetzt verrate mir mal, wie du angefasst werden möchtest“, hakte Holger nach.
Freimütig erzählte Yvonne dann das, was Holger zum Teil schon von Melanie wusste, aber auch noch vieles darüber hinaus: von ihren bisherigen Erfahrungen mit Männern, von ihrer speziellen Neigung und von ihren Wünschen und Hoffnungen.
„Es ist schwer für mich“, klagte sie. „Ich sehe ja wohl ganz hübsch aus, aber glaube nur ja nicht, dass das so toll ist. Die Männer sehen nur meine Fassade, doch sie erkennen nicht mein wahres Wesen. Aber du, Holger, mit dir ist es anders. Es tut mir gut, dass ich mir bei dir mal alles von der Seele reden kann. Ich hoffe nur, du bist nicht total entsetzt.“
„Warum sollte ich das denn sein?“
„Wegen meiner abartigen Veranlagung.“
„Unsinn, Yvonne! Das hat überhaupt nichts mit abartig zu tun. Es gibt doch auf sexuellem Gebiet nichts, was es nicht gibt. Und was du da beschreibst, deine gewisse Vorliebe, das ist so alt wie die Menschheit selbst. Und übrigens: Einer hübschen Frau mal den knackigen Po versohlen – welcher Mann würde das nicht gerne tun?“
„Es geht nicht nur ums Poversohlen. Es geht um viel mehr!“
„Ich weiß, Yvonne. Lass uns jetzt nicht weiter darüber reden. Es gibt Dinge, die muss man einfach machen. Zu viel davon sprechen ist gar nicht gut.“
„Wie wahr!“, erwiderte Yvonne.
Holger brachte sie dann nach Hause, und bevor sie aus dem Wagen stieg, sagte sie: „Danke für den schönen Abend, Holger. Du hast mir wirklich eine große Freude gemacht! Ich schwebe wie auf Wolke sieben, Lisas Lieder klingen immer noch in mir. Sehen wir uns wieder?“
„Was für eine dumme Frage!“, antwortete Holger.
„Entschuldige bitte, ich wollte dich ein bisschen provozieren. Dass ich ein Biest sein kann, weißt du ja schon.“
„Dafür gibt’s was hinten drauf!“
„Einverstanden. Und wann?“
„Ich melde mich bei dir!“
Als sie aussteigen wollte, riss Holger sie in einer plötzlich aufwallenden Leidenschaft an sich und küsste sie auf den Mund. „Oh, Yvonne!“, stieß er hervor. „Ich …“ Fast hätte er sich ihr erklärt und ihr seine Liebe gestanden, doch er spürte, dass der richtige Zeitpunkt dafür noch nicht gekommen war.
Yvonne verabschiedete sich dann mit den Worten: „Bis bald, Holger! Bis hoffentlich sehr bald!“
Am nächsten Tag nach Dienstschluss rief Melanie Holger an und erkundigte sich: „Können wir uns noch heute Abend bei dir zu Hause treffen? Ich frage das aus einem bestimmten Grund. Sag mir jetzt nur, ob das geht, ich erkläre es dir später.“
„Klar geht das“, sagte Holger. „Soll ich dich abholen?“
„Das wäre gut, sagen wir um sieben? Ich warte vor der Pizzeria.“
„In Ordnung, ich bin gespannt.“
„Kannst du auch sein. Bis dann!“
Am Abend, nachdem Melanie zu Holger ins Auto gestiegen war, sprudelte sie gleich drauflos: „Es sieht gut aus, Holger. Für dich und Yvonne. Unsere Rechnung ist voll aufgegangen! Das mit der Operette war goldrichtig, Yvonne war heute Morgen total gut drauf, sie hat ständig Lieder geträllert und mich mit ihrer guten Laune angesteckt. Ich bin sicher, dass sie etwas für dich empfindet, was heißt etwas – bestimmt sehr viel! Und dass du Verständnis für ihre Maso-Neigung hast, hat ihr besonders imponiert. Jetzt müssen den Worten Taten folgen! Und natürlich habe ich mir schon wieder was überlegt.“
„Raus mit der Sprache!“
„Über kurz oder lang wird es dazu kommen, dass Yvonne von dir gezüchtigt werden möchte. Dann musst du Herr der Situation sein, in jeder Beziehung. Am besten wäre für das erste Mal ein Rollenspiel zu dritt. Yvonne muss allerdings glauben, dass ich es zunächst ihr vorschlage, dann kann sie entscheiden, ob sie das möchte und dich fragen, ob du mitspielst. Wärst du damit einverstanden?“
„Aber ja! Du bist ja wirklich eine geniale Kupplerin – eine richtige Hexe! Aber keine böse Hexe, sondern eine ausgesprochen nette!“
„Darum möchte ich auch gebeten haben! Also, ich habe mir gedacht, dass wir Yvonnes Lieblingsfantasie bei dem Rollenspiel in die Tat umsetzen. Du bist ein Arzt und wir sind deine Helferinnen. Du hast uns wegen Fehlverhaltens ins Sprechzimmer zitiert. Wir stehen vor der Wahl: Abmahnung oder Körperstrafe. Natürlich wollen wir keine Abmahnung bekommen, also gibt’s Senge. Und wenn ich dann mit gutem Beispiel vorangehe, mich ausziehe und von dir vermöbeln lasse, kann Yvonne ihre Hemmungen auch leichter überwinden.“
In Holgers Wohnung angekommen, fragte sie: „Du sagtest, dass du eine Peitsche besitzt, zeigst du mir die mal?“
Holger öffnete eine Kommodenschublade und nahm die Peitsche heraus, die er von einer Ägyptenreise mitgebracht hatte. Es war ein kunstvoll gearbeitetes Stück: ein kurzer, geflochtener Lederriemen an einem mit Intarsien verzierten, etwa gleich langen Holzstiel.
„Lass mal sehen“, bat Melanie. Sie ergriff die Peitsche und zog den Riemen durch die Finger, dann schlug sie einige Male in die Luft, was ein scharfes Pfeifen verursachte. „Huuuii“, entfuhr es ihr. „Das Ding sieht hübsch aus, hat es aber gewaltig in sich. Hast du die schon mal benutzt?“
„Nein. Sie hing eine Zeit lang an der Wand, als Souvenir.“
„Wirklich schön, und wie raffiniert sie geflochten ist! Ich fürchte nur, dass sie böse zieht. Aber es ist gut, dass du sie hast. Wenn wir unser Spiel inszenieren, ist es wichtig, dass du dich sehr dominant und herrisch gibst, damit Yvonne Angst bekommt, denn sie weiß ja nicht, wie ihre Strafe ausfallen wird. Dieses Gefühl, diese Mischung aus Angst und Strafgeilheit ist es, was sie so erregt und was sie intensiv und so lange wie möglich auskosten möchte. Die Schläge sind zwar der Höhepunkt, aber ohne ausgedehntes Vorspiel wäre das Ganze für sie nur halb so schön. Doch heute nehmen wir den Höhepunkt mal vorweg, du legst mich jetzt übers Knie und verabreichst mir erst mal Popoklatsch mit der Hand, später nimmst du die Peitsche, damit du den Umgang damit schon einmal übst.“
„Dazu wärst du wirklich bereit?“, rief Holger aus. „Ich fasse es nicht!“
„Ja warum denn nicht?“, gab Melanie zurück. „Ich habe kein besonders ausgeprägtes Schamgefühl. Und außerdem möchte ich mal wissen, was Yvonne empfindet, wenn sie den Arsch versohlt bekommt. Wer weiß, vielleicht gefällt es mir ja auch? Man muss alles ausprobieren! Na ja, natürlich nicht alles.“
„Also gut, dann zieh dich aus!“, kommandierte Holger laut und im Tonfall eines Feldwebels, um sich schon einmal auf das Spiel einzustimmen. „Los, ausziehen, wird’s bald?!“
„Sehr gut!“, lobte Melanie. „Das hört sich schon sehr gut an!“ Sie befolgte Holgers Befehl, zog Schuhe, Jeans und Socken aus und erklärte dann: „Den Slip behalte ich noch an, denn es gehört zum Ritual, dass du mir die erste Portion Schläge auf den straff gezogenen Slip verabreichst. Bei Yvonne musst du dabei ein bisschen zurückhaltend sein, denn sie ist schon ein paarmal gekommen, wenn ich das bei ihr gemacht habe und sie bereits zu erregt war. Und das sollte nicht zu früh passieren, sondern der krönende Abschluss sein. Lass dir auf jeden Fall bei allem, was du tust, ganz viel Zeit!“
Holger nahm dann auf dem Sofa Platz und befahl Melanie, sich über seinen Schoß zu legen. Sie gehorchte und reckte ihr Hinterteil heraus, mit Händen und Zehen stützte sie sich am Boden ab. Holgers schon lange angestautes sexuelles Verlangen meldete sich nun deutlich: Die junge Frau so zu sehen und auf so intime Weise zu spüren, bescherte ihm eine spontane Erektion, was Melanie natürlich bemerkte.
„Schön cool bleiben!“, ermahnte sie ihn.
Holger schlug dann mit der flachen Hand auf ihren Hintern, wobei er vorsichtig und fast zärtlich zu Werke ging.
„Nicht so zaghaft!“, ermunterte sie ihn. „Es ist zwar sehr schön, was du da machst, aber hau mal richtig zu, ich bin nicht aus Pappe!“
„Wie du willst!“, knurrte Holger. Mit der linken Hand zog er Melanies Slip so stramm, dass er vollständig in die Pospalte rutschte, dann schlug er mit der Rechten mit voller Kraft auf die nackten Backen, immer links, rechts, sodass sie heftig zitterten und schaukelten. Mit durchdringendem, ununterbrochenem „Aaauaaauaaau“ antwortete Melanie jetzt – zu Holgers Freude – auf die laut klatschenden Hiebe, doch er machte unermüdlich weiter und erst, als ihr Po nahtlos feuerrot war, beendete er dieses Tun.
„Mein Gott, das tut echt weh!“, keuchte Melanie. „Das geht durch und durch, ein total neues Gefühl, nicht schlecht – das hat was!“
„Zieh dich jetzt ganz aus!“, verlangte Holger dann. Er hatte nun das Zepter übernommen, wofür Melanie ihn erneut lobte. Als sie splitternackt war, kniete sie sich unaufgefordert aufs Sofa.
„Die Knie auseinander, den Rücken durchdrücken und den Arsch raus!“, hieß es dann, und wieder gehorchte sie brav. Holger ergriff die Peitsche und wollte schon zum Schlag ausholen, doch dann fiel ihm die Ermahnung ein: Lass dir bei allem, was du tust, viel Zeit! Deshalb knetete und zwickte er genüsslich eine gute Weile lang Melanies Hinterteil.
„Na los, nun fang schon an!“, forderte Melanie Holger schließlich auf, sie setzte aber noch hinzu: „Wenn ich ,Gnade‘ rufe, hörst du sofort auf! Das nennt man Codewort, das weiß ich von Yvonne, wenn es ausgesprochen wird, muss jede Aktion sofort abgebrochen werden.“
Pfeifend sauste die Peitsche dann quer über Melanies Po, der Schmerz des scharfen Hiebes entlockte ihr einen schrillen Schrei. Holger hatte sich nun so richtig in seine Rolle hineingesteigert, und er vollzog die Züchtigung mit wachsender Begeisterung. Weil die Peitsche ziemlich kurz war, ließ sie sich gut handhaben, sodass die Schläge zielgenau erfolgten und das schlanke Peitschenende nicht unabsichtlich in Melanies Pospalte landete oder ihre Schamregion traf. Ihre Vermutung erwies sich als richtig: Die Peitsche hatte eine enorme Durchzugskraft, das bedeutete, dass die „Übung“ für sie zur Tortur ausartete, während Holger immer mehr in Rage geriet.

Sie ist Deutschlands Erziehungs-Ikone, hat im TV vor Millionen Zuschauern Dutzenden Familien geholfen: die „Super Nanny“ Katharina Saalfrank. Autoritären Eltern, die es richtig fanden, ihren Kinder mit Befehlen, Tadeln und Klapsen Respekt beizubringen, hat sie Alternativen aufgezeigt. Sie regte beide Seiten zu mehr Kreativität, Spontaneität und liebevollerem Umgang miteinander an.

Ihr Buch „Du bist okay, so wie du bist: Das Ende der Erziehung“ ist ein Plädoyer gegen autoritäre Erziehung. Auch wenn autoritäre Erziehung nicht automatisch bedeutet, dass Eltern Gewalt anwenden – für viele ist dies untrennbar miteinander verbunden. Ein riesiger Fehler, weiß Saalfrank, die recht konservativ erzogen wurde und auch selbst einige Ohrfeigen kassierte, wie sie im BILD-Interview erzählt.

Saalfrank: „Ich habe einige autoritäre Methoden selbst erlebt, die eine oder andere Ohrfeige gab es schon. Meine Eltern haben es natürlich wie alle Eltern mit ihren Kindern gut gemeint. Aber ich habe für mich sehr klar entschieden, dass ich meine Kinder nicht hauen möchte.“

Aber was genau löst ein Klaps in Kindern aus?

Mit jedem Klaps fühlen sich Kinder gedemütigt und als Versager, argumentieren Experten. Kinderpsychologin und Pädagogin Annette Böttcher zu BILD: „Das Selbstwertgefühl der Kinder wird extrem geschädigt. Sie fühlen sich nicht geliebt und können das Gefühl der Geborgenheit verlieren. Das kann Folgen für ihr ganzes Leben haben.“

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    US-Forscher analysierten Studien aus 50 Jahren: Kinder, die regelmäßig einen Klaps bekommen, leiden teilweise ein Leben lang.

Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Dr. Hartmut Kasten ergänzt: „Ein Klaps gilt als die Vorstufe zu einer Ohrfeige und diese als Vorstufe zu noch mehr Gewalt gegenüber Kindern, das ist wissenschaftlich zu belegen. Physische und psychische Gewalt (= Liebesentzug) gehören nicht in die Kindererziehung!“

Dennoch gaben in einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“ 40 Prozent der befragten Eltern an, ihren Kindern als Erziehungsmaßnahme „einen Klaps auf den Po“ zu geben – mit einem schlechten Gewissen. Zehn Prozent verteilen sogar Ohrfeigen und vier Prozent „versohlen den Hintern“. Und das, obwohl die körperliche Züchtigung in der Erziehung seit dem Jahr 2000 per Gesetz verboten ist.

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Die häufigsten Gründe für die körperlichen Strafen sind Unverschämtheit (51 Prozent), Ungehorsam (40 Prozent) und Aggression gegenüber den Eltern (40 Prozent).

Die Deutsche Kinderhilfe spricht von „dramatischen Zahlen“ und findet diese Entwicklung „besorgniserregend“.

Zudem scheinen Klapse Kinder auch dümmer zu machen: Eine US-Studie der Universität von New Hampshire fand heraus, dass regelmäßig geschlagene Kinder nicht nur ängstlicher und leichter zu erschrecken sind, sondern auch noch einen niedrigeren IQ haben als ihre gleichaltrigen Klassenkameraden, die keine elterliche Gewalt kennen. „Nicht nur, DASS Eltern ihre Kinder schlagen, sondern auch wie OFT hat einen Einfluss auf die Intelligenz des Kindes. Je öfter der Klaps auf den Po, desto langsamer ist die geistige Entwicklung des Kindes“, so Professor Murray Straus, Leiter der Studie.

Psychologin Böttcher beantwortet bei BILD die wichtigsten Fragen zum Thema Gewalt in der Erziehung.

  • Welche Folgen kann Gewalt für Kinder und Jugendliche haben?

    Gewalt ist immer schlimm, weil sie mit körperlichen Schmerzen verbunden ist. Das ist auch für Erwachsene nicht schön, aber Kinder können nicht verstehen, warum man ihnen Schmerzen zufügt. Denn sie sind kognitiv – also vom Kopf her – gar nicht so weit, das nachzuvollziehen. Schläge entstehen ja häufig auch sehr impulsiv, so dass selbst die Eltern nachher oft nicht wissen, warum. Die Schläge haben gesundheitliche und seelische Folgen. Meistens wird auch das Selbstwertgefühl der Kinder sehr geschädigt. Sie fühlen sich nicht geliebt und können das Gefühl der Geborgenheit verlieren – möglicherweise für ihr ganzes Leben.

  • Hat auch ein kleiner Klaps auf den Po langfristige Auswirkungen?

    Ja! Man sollte generell keinen Klaps geben und auch nicht auf die Finger hauen. Alles, was den Kindern wehtut, sollte man unterlassen. Das Gedächtnis fängt zwar erst später an, doch irgendwo im Unterbewusstsein bleibt die Erfahrung stecken. Zudem ist jede körperliche Gewalt gegen Kinder mit einer großen Enttäuschung verbunden. Sie beziehen das erst einmal auf sich: „Ich habe etwas gemacht, das nicht in Ordnung ist.“ Sie fühlen sich als Versager.

  • Wo hört der Klaps auf und fängt das Schlagen an?

    Es gibt keinen Unterschied, denn die Demütigung ist dieselbe. Selbst der vermeintlich kleine Klaps ist mit Schmerzen verbunden. Er tut dem Körper und der Seele gleichermaßen weh. Es ist für Kinder immer eine große Demütigung, gerade wenn sie eine Ohrfeige ins Gesicht kriegen. Gewalt fängt aber auch schon verbal an, mit ewigen Schimpfwörtern, die sie zu hören bekommen wie „Du Taugenichts“ oder „Du bist nichts wert“. Auch verbale Gewalt ist für Kinder sehr schlimm. Wenn jemand etwas Verletzendes sagt, kann sich das wie ein Peitschenhieb anfühlen.

  • Wann wird der „Klaps“ eigentlich strafbar?

    Bis 1957 stand im Bürgerlichen Gesetzbuch der Bundesrepublik, dass der Vater körperliche Züchtigung ausüben darf. Das wurde geändert, aber nicht, um die Kinder zu schützen, sondern, weil es in vielen Familien keinen Vater gab und Frauen gleichberechtigt sein sollten. Auch danach galt körperliche Züchtigung in Maßen als Gewohnheitsrecht der Eltern. Doch seit November 2000 heißt es im Gesetzbuch zum Schutz der Kinder: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.“ Das gilt also auch für den „kleinen Klaps“. Das heißt: Wenn Eltern die Hand erheben, dann könnten die Kinder ihre Eltern jederzeit anzeigen.

  • Was sollten Eltern tun, wenn sie die Beherrschung verlieren?

    Da die Eltern meistens aus Überforderung gewalttätig werden, muss unbedingt herausgefunden werden, woher diese Überforderung kommt. Ein Anti-Aggressionstraining kann helfen. Tipp: Nehmen Sie einen kleinen Gummiball in die Hand (oder Ähnliches) und drücken Sie diesen Gegenstand so fest, wie Sie nur können. Ob man es glaubt oder nicht, aber mit dieser Methode geht jede Menge Wut verloren. Es ist ein kleines Ventil, das tatsächlich helfen kann.

  • Wie sollten Eltern reagieren, wenn es passiert ist?

    Ganz wichtig: Eltern müssen sich aufrichtig bei ihren Kindern entschuldigen. ABER: Eine Entschuldigung ist natürlich keine Rechtfertigung, um zuzuschlagen. Eltern müssen darüber sprechen. Sie dürfen den Vorfall keinesfalls unter den Teppich kehren, sondern aufrichtig Reue zeigen.

  • Entsteht eine Kette von Gewalt, wenn Kinder geschlagen werden?

    Kinder, die Gewalt erfahren, werden später selbst in vielen Fällen zur Gewalttätigkeit neigen. Denn es handelt sich um ein Verhaltensmuster, das diese Menschen aus frühester Kindheit kennen. Demnach empfinden sie es als völlig okay und die Gefahr, dass sie später auch Gewalt anwenden, ist definitiv gegeben. Nach dem Motto: „Mir hat es ja auch nicht geschadet.“ Aber Eltern sind sich nicht im Geringsten bewusst, welchen Schaden sie damit bei ihren Kindern anrichten.

  • Welche alternativen Wege sollten Eltern gehen?

    Ganz wichtig: Immer mit den Kindern reden, reden, reden. Kinder verstehen das mit Worten besser, auch wenn sie kleiner sind, als mit Taten. Bestrafen im psychologischen Sinne bedeutet nicht, Schmerzen zuzufügen. Natürlich muss man Kindern auch Grenzen setzen. Man kann ihnen auch mal eine Belohnung wegnehmen. Dann dürfen sie abends mal nicht in ihrem Lieblingsbuch lesen oder müssen mal früher ins Bett. Wichtig ist es, mit den Kindern zu reden und ihnen Konsequenzen aufzuzeigen.

Übrigens: Erwachsene, die als Kinder geschlagen wurden, neigen auch selbst eher zu Gewalt in der Erziehung!

Kasten: „Das Weitergeben von Gewalt über die Generationen hinweg lässt sich nachweisen. Ab und zu kommt es auch vor, dass Eltern, die in ihrer Kindheit Gewalt erfahren haben, diese im Umgang mit ihren eigenen Kindern zu vermeiden versuchen. Dabei handelt es sich um Eltern, die sich mit ihrer eigenen Kindheit ausführlich auseinandergesetzt haben. Ich rate hilflosen Eltern, die schon einmal Klapse verteilt haben, dies aber künftig vermeiden wollen: Suchen Sie eine Beratungsstelle auf!“

Familienberater Dr. Jan-Uwe Rogge berät seit mehr als 20 Jahren Familien, weiß, dass Konsequenz bei der Einhaltung von Regeln das A&O ist. Rogge: „Regeln müssen der Entwicklung angepasst werden. Aber auch sechs Monate alte Säuglinge verstehen ein klares Nein, schaut man sie dabei ernst an. Mit Siebenjährigen dagegen kann ich ein Gespräch führen. Ruhig höflich sein, aber direkt. Bloß keine Fragen und komplizierten Sätze.“ Gegen Klapse spricht auch er sich vehement aus.

Rogge: „Jeder noch so kleine Klaps ist eine Niederlage! Egal in welchem Alter! Damit setzt man keine Grenzen. Es zeigt nur, dass Eltern ihre Klarheit verlieren, hilflos sind.“

Was aber tun, wenn der trotzige Sohn partout nicht seine Zähne putzen will und kein Argument ihn erreicht?

„Super Nanny“ Saalfrank: „Wir müssen die Vorstellung aufgeben, dass immer alles sofort funktionieren muss. Kinder müssen Zähneputzen erst lernen, und wenn ein Kind auf diesem Weg an einem Abend mal nicht die Zähne putzt, weil wir in einen Machtkampf mit ihm geraten, dann ist es gut, wenn wir das merken. Es geht dann gar nicht mehr ums Zähneputzen, sondern ums Gewinnen. Aber nur wir Eltern können aus dem Machtkampf aussteigen. Der Trugschluss ist, dass wir denken, wenn das Kind jetzt ein Mal ‚durchkommt‘ mit seiner Strategie, dann wird es nie wieder Zähneputzen und wir verlieren unsere Machtposition.“

Statt für Strafen spricht sie sich für Regeln aus:

„Wir alle brauchen Regeln für unser Zusammenleben. Ich sage nicht, dass man Kinder sich selbst überlassen soll, im Gegenteil: Kinder brauchen Führung durch Erwachsene, Zuwendung und Orientierung über eine persönliche Autorität.“

Ohrfeige und Klaps auf den Po – was ist in der Kindererziehung erlaubt und was verboten?

Verschiedene Formen der Körperstrafe – wie etwa der berühmt-berüchtigte Klaps auf den Po, die kleine Ohrfeige, die bayrische „Watschn“ oder das Langziehen der Ohren – zählten als Strafmethode lange Zeit zu den häufigsten Erziehungsmitteln. Die im Volksmund auch als Prügelstrafe oder Züchtigung bekannten Methoden der Kindererziehung galten jahrhundertelang als selbstverständlich und viele Großeltern und Eltern erzählen ihren Kindern heute noch die alten Geschichten, wie sie in ihrer Kindheit und Jugend mit Rohrstock, Lederriemen, Gürtel oder Lineal für ihre Schandtaten büßen mussten.

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Anwendung und Zulässigkeit der Prügelstrafe haben sich nicht nur im pädagogischen, sondern auch im juristischen Bereich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Deshalb stellt sich die Frage, wie es heute rechtlich bei der Kindererziehung aussieht? Dürfen Eltern ihre Kinder auch heute noch schlagen oder sind Ohrfeige und Prügelstrafe in der Kinderziehung verboten? Was sollten Eltern unbedingt aus rechtlicher Sicht zur Prügelstrafe wissen und mit welchen Konsequenzen müssen sie bei diesen Erziehungsmaßnahmen schlimmstenfalls rechnen?

Prügelstrafe ist kein Elternrecht mehr

Entgegen der weitverbreiteten oder tolerierten Meinung, Eltern dürfte bei der Erziehung ihrer Kinder auch mal die Hand ausrutschen, ist das körperliche Züchtigungsrecht der Eltern mittlerweile als letztes Recht zur körperlichen Züchtigung abgeschafft worden. Es gibt deshalb kein Elternrecht mehr, das es Eltern erlaubt, ihre Kinder aus erzieherischen Gründen zu schlagen. Daher wird auch erziehungsberechtigten Eltern kein Züchtigungsrecht gegenüber ihren Kindern eingeräumt und die Frage, ob eine Ohrfeige maßvoll und angemessen ist, spielt juristisch gesehen keine Rolle mehr.

Bereits 1980 wurde der Begriff „elterliche Gewalt“ im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) durch den Begriff „elterliche Sorge“ ersetzt. Bei einer erneuten Reform des Familienrechts im Jahr 2000 hat der Gesetzgeber schließlich das Züchtigungsrecht der Eltern gegenüber ihren Kindern durch eine weitere Änderung im Bürgerlichen Gesetzbuch ausdrücklich abgeschafft. Dabei hat er explizit in den Gesetzestext aufgenommen, dass Kinder ein Recht zur gewaltfreien Erziehung haben. Die Züchtigung von Kindern ist damit gesetzlich als Erziehungsmaßnahme kategorisch untersagt. Der maßgebliche Paragraf untersagt hierbei nicht nur alle Formen der körperlichen Bestrafung, sondern verbietet darüber hinaus andere Formen der Gewalt wie z. B. seelische Verletzungen oder entwürdigende Maßnahmen.

Ohrfeige, Watschn und Ohrenlangziehen sind strafbar

Das gesetzliche Verbot, Kinder bei der Erziehung zu schlagen, spiegelt sich nicht nur im Familienrecht wider, sondern auch im Strafrecht. Eltern, die ihre Kinder schlagen, können sich deshalb grundsätzlich strafbar machen. Dabei kommen verschiedene Straftatbestände mit unterschiedlichen schweren Strafen in Betracht. So schützt beispielsweise der Straftatbestand der Körperverletzung als Ausdruck des grundrechtlich geschützten Rechts auf körperliche Unversehrtheit das körperliche Wohl der Menschen während verbale Entgleisungen in der Kindererziehung leicht den Straftatbestand der Beleidigung erfüllen können.

Grundsätzlich gilt also, dass man sich mit Ohrfeige, Klaps auf dem Po strafbar macht. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um einen Klaps auf den Po, eine Ohrfeige im Affekt oder eine richtige Tracht Prügel handelt. In allen drei Fällen machen sich Eltern strafbar und müssen mit teilweise empfindlichen Strafen rechnen! So erhielt beispielsweise ein Berliner Familienvater eine Geldstrafe von 800,00 Euro, weil ihm auf einem Jahrmarkt einmal die Hand ausgerutscht ist. Eine strafrechtliche Verfolgung droht dabei nicht nur dem schlagenden Elternteil, sondern auch die andere wegschauende oder tolerierende Seite kann beispielsweise wegen Beihilfe oder Anstiftung bzw. als Mittäter oder Mittäterin zur Rechenschaft gezogen werden.

Welche Straftaten können bei der Prügelstrafe verfolgt werden?

Rechtlich sind sämtliche Formen der Körperstrafe von der harmlosen Ohrfeige bis hin zur richtigen Tracht Prügel damit gänzlich verboten und können verschiedene Straftatbestände erfüllen, wobei auch Formen der nicht körperlichen Gewalt strafbar sind. Die häufigsten Straftaten bei diesen dennoch weiterhin verbreiteten Erziehungsmitteln sind die vorsätzliche Körperverletzung, die gefährliche Körperverletzung, die Misshandlung von Schutzbefohlenen und die Beleidigung.

Vorsätzliche Körperverletzung

Der Straftatbestand der Körperverletzung ist grundsätzlich bereits erfüllt, wenn eine andere Person körperlich misshandelt oder an der Gesundheit geschädigt wurde. Hierfür genügt bereits eine einmalige Ohrfeige oder ein einmaliger Klaps auf den Po. Durch die Änderungen im Familienrecht, wonach Kinder ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben und sämtliche Formen körperlicher Bestrafung verboten sind, können sich Eltern nicht mehr auf ihr Züchtigungsrecht berufen. Dieser lange Zeit gewohnheitsrechtlich anerkannte Rechtfertigungsgrund gilt nicht mehr, sodass bei jeder Ohrfeige grundsätzlich eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Betracht kommt. Das Strafmaß hierfür kann sowohl eine Geldstrafe als auch eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren sein.

Gefährliche Körperverletzung

Wenn Eltern ihre Kinder mit Gegenständen wie etwa dem Gürtel schlagen, kommt auch eine gefährliche Körperverletzung in Betracht. Eine gefährliche Körperverletzung liegt immer dann vor, wenn eine körperliche Misshandlung mittels einer Waffe oder einem gefährlichen Werkzeug begangen wird. Das deutlich höhere Strafmaß unterscheidet die gefährliche Körperverletzung von der einfachen Körperverletzung. Das Strafrecht sieht diese Form der Körperverletzung aufgrund ihrer Art und Weise als besonders gefährlich an. Deshalb kommt bei der gefährlichen Körperverletzung keine Geldstrafe mehr in Betracht, sondern nur ein Gefängnisaufenthalt zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Nur in Ausnahmefällen kann man bei besonders milden Umständen eine Freiheitsstrafe von lediglich drei Monaten bis fünf Jahren erhalten.

Misshandlung von Schutzbefohlenen

Bei besonders massiven Fällen der Prügelstrafe kommt auch eine Verurteilung der Eltern wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in Betracht. Dies ist z. B. bei der Tracht Prügel mit dem Gürtel oder Verbrennungen auf der heißen Herdplatte der Fall. Um Eltern genügend von derartigen Erziehungsmethoden abzuschrecken, gehen die Gerichte in solchen Fällen nur sehr selten von einem minder schweren Fall aus. Das Strafmaß der zwingend vorgeschriebenen Freiheitsstrafe beträgt deshalb in der Regel sechs Monate bis zehn Jahre. Droht dem Kind durch die Misshandlung eine schwere Gesundheitsschädigung oder besteht sogar Lebensgefahr, erhöht sich das Strafmaß. Eltern müssen dann mit einem Gefängnisaufenthalt von einem Jahr bis zu 15 Jahren rechnen.

Beleidigung

Strafbar sind aber nicht nur die körperlichen Strafmaßnahmen, sondern auch verbale Entgleisungen. Regelmäßige Beschimpfungen als „dumme Sau“ oder „blöde Kuh“ sind daher nicht nur pädagogisch fraglich, sondern können den Straftatbestand der Beleidigung erfüllen. Der Straftatbestand der Beleidigung stellt jede Missachtung oder Verletzung der persönlichen Ehre unter Strafe, um den grundrechtlichen Schutz der persönlichen Ehre zu gewährleisten. Das gilt auch für die Beziehung von Eltern und Kindern. Deshalb dürfen Eltern bei ihrer Erziehung die Ehre ihrer Kinder nicht durch verbale Beleidigungen oder andere entwürdigende Maßnahmen verletzen. Bestraft wird die Beleidigung entweder mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr.

Wenn Eltern ihre Kinder schlagen

Foto: © iStockphoto.com/ tomazl

Am Wochenende sah Tanja Buchmann (Namen der Familie geändert) regelmäßig rot. „Ich war von morgens bis abends mit den Kindern zusammen und die haben einfach nicht gehört. Der Kleine hat mit dem Essen geworfen und der Große war rotzfrech. Irgendwann bin ich dann ausgerastet.“ Ausrasten, das hieß: Schläge. „Am Anfang war das noch ein Klapps auf die Hand, wenn Bastian im Essen gematscht hat. Oder ich hab Theo doll am Arm gepackt, wenn er sich geweigert hat, sein Zimmer aufzuräumen.“ Doch je weniger ihre „Erziehungsmethoden“ fruchteten, desto frustrierter wurde die 27-Jährige. „Irgendwann war es dann so weit, dass ich ihnen regelmäßig eine geknallt habe; ins Gesicht oder auf den Hinterkopf.“

Je mehr die Situation daheim eskalierte, desto größer wurde die Angst, ihr Verhalten könne Konsequenzen haben. „Ich hatte solche Angst, dass hier irgendwann das Jugendamt steht und mir die Jungs wegnimmt.“ Wo sie Hilfe bekommen könnte, wusste die Leipzigerin nicht – ihre beiden Söhne zieht sie seit Jahren allein groß. Den Vater haben der dreijährige Bastian und der fünfjährige Theo schon lange nicht mehr gesehen, einen Freundeskreis hat die Alleinerziehende schon lange nicht mehr. Zu ihren Eltern hat die Kassiererin kaum Kontakt. „Wenn ich dann wieder diesen Frust hatte, dass mein Leben irgendwie nichts mit dem zu tun hatte, was ich mir früher mal ausgedacht habe und dann die Kinder gesehen habe, dachte ich oft: Die sind schuld daran, dass es mir so mies geht. Und das haben sie dann wieder abbekommen.“ Dass die Kinder Angst bekamen, sobald sich ihnen ihre brüllende Mutter näherte, blendete Tanja Buchmann aus.

„Ich fühlte mich als furchtbare Mutter“

Bis zu diesem einen Abend vor drei Monaten: „Theo hat zu mir gesagt, ich wäre eine blöde Mama und er würde sich freuen, wenn ich tot wäre. Das hat mich so wütend gemacht, dass ich ihn richtig weggestoßen habe. Und dabei ist er an die Tischkante gestoßen – so doll, dass er eine Platzwunde an der Schläfe hatte. Ich habe mich noch nie im Leben so geschämt.“ Im Krankenhaus traut Tanja Buchmann sich noch nicht, die Wahrheit zu sagen, spricht von einem Unfall. Doch als am nächsten Tag die Erzieherin im Kindergarten geschockt auf Theos großes Pflaster reagiert, brechen bei der Mutter die Dämme. „Ich habe einfach losgeheult und ihr gesagt, dass ich eine furchtbare Mutter bin.“ Noch immer sei sie unheimlich froh darüber, dass die Erzieherin sie erst einmal in den Arm genommen habe, statt ihr Vorwürfe zu machen. „Ich hatte doch Angst, die ruft gleich bei der Polizei an.“ Stattdessen habe man ihr einen Flyer mit Adressen von Erziehungsberatungsstellen gegeben. Dort rief Tanja Buchmann am Nachmittag an. Als man ihr zusicherte, die Beratung sei vertraulich und ihr einen schnellen Termin anbot, war sie erleichtert. Und als man ihr im Gespräch versicherte, man werde das Jugendamt nicht informieren, „da konnte ich dann auch alles rauslassen“.

Ines Enge, Psychologin in der Familienberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt Chemnitz, weiß, wie schwer es Eltern fällt zuzugeben, dass in ihrer Erziehung etwas gravierend schief läuft. „Inzwischen wissen die meisten, dass Gewalt gegen Kinder – auch wenn es nur der berühmte Klaps auf den Po ist – eine strafbare Handlung ist. Das formulieren wir auch ganz deutlich – stellen aber auch klar, dass wir dazu da sind, um zu helfen.“ Es ist eine Hilfe, die viele Eltern brauchen könnten. Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage ist die Gewalt noch lange nicht aus deutschen Kinderzimmern verschwunden. Auch wenn die Zahl der Eltern sinkt, die ihre Kinder körperlich züchtigen, bestrafen noch immer vier von zehn Eltern ihre Kinder mit Klapsen, zehn Prozent geben zu, auch Ohrfeigen zu geben – Mütter ebenso wie Väter. Während sich das alte Klischee, Väter würden schneller zulangen, statistisch nicht belegen lässt, hat Ines Enge in ihrer Beratungspraxis beobachtet, dass Mütter ihr Verhalten schneller bereuen würden – zu groß ist in ihren Augen häufig die Diskrepanz zwischen dem eigenen Tun und den Erwartungen, die man landläufig von einer liebevollen, kümmernden Mütter hat. Egal, wem die Hand ausrutscht: Die Gründe für die Übergriffe sind die gleichen. Die Kinder seien unverschämt gewesen, hätten nicht gehorcht oder sich aggressiv verhalten.

Die Gewalt ist Ausdruck der elterlichen Hilflosigkeit

In aller Regel, so Ines Enge, sei Gewalt gegen Kinder Ausdruck purer Hilflosigkeit. „Man weiß einfach nicht mehr weiter – das Kind soll irgendwas machen, verweigert sich aber. Und zum Gefühl der Hilflosigkeit kommt dann das Gefühl, man könne sich doch von einem Dreijährigen nicht auf der Nase herumtanzen lassen.“ Das hatte auch Tanja Schumann oft. Immer wieder habe sie sich gefragt, was sie nur falsch mache, wenn Bastian sich wieder und wieder auf dem Heimweg von der Kita schreiend fallen ließ, weil er noch nicht gehen wollte. „Man bekommt dann ja auch oft Kommentare, dass man das Kind nicht im Griff hätte.“ Unbehagen über die Blicke anderer führe dann oft dazu, dass man „richtig durchgreifen“ wolle.

Zuzugeben, dass sie schlagen und damit ihre Kinder gefährden, fällt den meisten Eltern schwer. Zu groß ist die Angst, es könne sie die Kinder kosten. Dass die Zahl der Inobhutnahmen, also der Fälle, in denen das Jugendamt Kinder aus gefährdeten Familien herausnimmt, in den vergangenen Jahren immer weiter steigt, scheint vielen Beweis für ein hartes Vorgehen der Jugendämter zu sein. Auch Corinna Bächer vom Kinderschutzzentrum Köln weiß, dass die Angst in den Jugendämtern zugenommen hat, etwas zu übersehen. Sie betont deshalb bei den Eltern, die zu ihr in die Familienberatung oder ins Elterncafé kommen, dass sie und ihre Mitarbeiter an die Schweigepflicht gebunden sind. „Wir wissen alle, dass es im bürgerlichen Gesetzbuch den Paragraphen 1631 gibt, der Kindern das Recht auf gewaltfreie Erziehung zusichert. Trotzdem ist für uns nicht jedes Handausrutschen ein Meldegrund. Das machen wir nur, wenn wir wirklich denken, dass das Kindeswohl in der Familie gefährdet ist.“ Gemeinsam mit den Familien erarbeitet Bächer konkrete Möglichkeiten, Gefährdungssituationen zu vermeiden oder zu überstehen. Wichtig sei aber auch auszuloten, wie betroffene Familien Entlastung erhalten und Unterstützung bei Problemen finden könnten. „Das kann eine Mutter-Kind-Kur sein oder die Möglichkeit, die Kinder auch mal nachmittags betreuen zu lassen. Wenn Familien finanzielle Sorgen haben, die sie dünnhäutig machen, können wir Kontakt zu entsprechenden Beratungsstellen herstellen.“

„Die Situation überollt mich nicht mehr“

Tanja Buchmann hat von der Beratung profitiert. Sie musste erst erkennen, dass Bastian und Theo in ihrem Verhalten völlig normal waren und nicht bockten und trotzten, um sie zu provozieren. Und dass sie es sich und den Jungs leichter machen konnte. „Gerade bei Kleinkindern sind klare Regeln wichtig“, sagt Psychologin Enge, „die sind ja total verunsichert, wenn es keine Verlässlichkeit im Handeln ihrer Eltern gibt.“ Wenn eine Situation zu eskalieren drohe, rate sie dazu, sie zu verlassen. „Dass ein Kind auch mal tobt, müssen Eltern aushalten. Wenn es hilft, dazu den Raum zu verlassen – gut.“ Wichtig sei es, Gefühle zu kommunizieren – und sich zu entschuldigen, wenn man falsch reagiert habe.

Seit zehn Wochen geht Tanja Buchmann regelmäßig zur Erziehungsberatung. Dort hat man ihr auch den Kontakt zu einer Müttergruppe vermittelt, die sich wöchentlich trifft – und wo die Frauen über alles sprechen können, was sie beschäftigt. Geschlagen hat sie ihre Söhne seither nicht mehr. „Natürlich reagiere ich immer noch nicht perfekt und brülle manchmal. Aber ich lasse nicht mehr zu, dass die Situation mich so überrollt wie früher und ich nur noch in blinder Rage reagiere. Eins habe ich erkannt: Ich bin die Mutter. Ich muss den Kindern zeigen, wie man mit Wut und Enttäuschung umgeht, ohne einem anderen weh zu tun. Woher sollen sie es denn lernen, wenn nicht von mir?“

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