Das berliner modell

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Berliner Modell

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Nach dem Berliner Modell wird Vertrauen langsam aufgebaut

Für den zweijährigen Max ist es sein erster Tag im Kindergarten. Die Mama gibt ihrem Liebling einen Kuss und verspricht, ihn in wenigen Stunden abzuholen. Kaum hat sie den Raum verlassen, fängt er an, heftig zu schluchzen und panisch nach ihr zu rufen. Auf die tröstenden Worte der Erzieherin reagiert Max eher verängstigt.

Die Anwendung des Berliner Modells soll solche Szenarien vermeiden und den Beginn des Kindergartens für Kinder so angenehm wie möglich gestalten. Das Berliner Modell hat die Eingewöhnung daher in einzelne Phasen eingeteilt, damit sich das Kind Schritt für Schritt an die neue Umgebung und die neuen Menschen gewöhnen kann. Die Einbeziehung eines Elternteils ist bei der Eingewöhnung in den Kindergarten ein wesentlicher Bestandteil. Die Kinder haben Zeit, sich unter dem Schutz einer Bezugsperson mit der Einrichtung vertraut zu machen und eine Beziehung zur Erzieherin zu knüpfen.

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Die phasenweise Eingewöhnung nach dem Berliner Modell

Das Berliner Modell gliedert den Verlauf der Eingewöhnung in mehrere Phasen. Vor der Aufnahme in den Kindergarten steht in der Regel ein ausführliches Aufnahmegespräch, in dem Du Dich vorab mit der Erzieherin über die Ernährung, Schlafgewohnheiten und das Spielverhalten Deines Kindes unterhältst.

  • Grundphase: In der Grundphase begleitest Du Dein Kind in die Einrichtung und hältst Dich mit ihm wenige Stunden im Gruppenraum auf. In der dreitägigen Phase beobachtet die Erzieherin Dein Kind und nimmt vorsichtig, meist über Spielangebote oder über eine Beteiligung am Spiel des Kindes, Kontakt zu ihm auf. Deine Aufgabe ist es, Deinem Kind Sicherheit zu geben und es nicht zu drängen, mit anderen Kindern zu spielen oder sich von Dir zu entfernen. Zudem solltest Du nicht mit anderen Kindern spielen, denn Dein Nachwuchs muss das Gefühl haben, dass Deine Aufmerksamkeit nur ihm gilt und Du jederzeit da bist.
  • Stabilisierungs- und Trennungsphase: Nach dem Berliner Modell beginnt am vierten Tag die nächste Phase. In dieser versucht die Erzieherin, Deinem Kind beim Mittagessen zu helfen und mit ihm zu spielen, um so eine Vertrauensbasis aufzubauen. Du reagierst in dieser Phase nur dann auf Signale Deines Kindes oder greifst anderweitig aktiv ein, wenn Dein Nachwuchs den Erzieher noch nicht akzeptiert hat. Andernfalls besteht die Interaktion lediglich zwischen Erzieherin und Kind, Du bist sozusagen nur anwesend. Ebenfalls am vierten Tag erfolgt der erste Trennungsversuch. Du verabschiedest Dich von Deinem Kind, verlässt den Raum für ungefähr eine halbe Stunde, bleibst aber in der Nähe, damit Du bei Bedarf in den Gruppenraum geholt werden kannst. Die Reaktion Deines Kindes auf diese erste Trennung entscheidet über die Dauer der Eingewöhnungszeit. Verhält sich Dein Kind selbstständig und zeigt sich von der Trennung wenig irritiert, erfolgt eine ungefähr sechstägige Eingewöhnungsphase. Dabei werden die Zeiträume des Aufenthalts in der Einrichtung sowie die Zeiträume der Trennung allmählich vergrößert.
    Wenn Dein Kind bei der Trennung jedoch versucht, Dir zu folgen, wenn es weint und sich nicht von der Erzieherin trösten lässt, wird die Eingewöhnungszeit in der Regel auf etwa zwei bis drei Wochen verlängert.
  • Schlussphase: Die Stabilisierungsphase ist abgeschlossen, wenn Dein Kind ein erstes emotionales Band zur Erzieherin geknüpft hat. Dein Nachwuchs protestiert dann zwar eventuell noch gegen Deinen Weggang, lässt sich aber schnell von der Erzieherin trösten. In der Schlussphase hältst Du Dich nicht mehr im Kindergarten auf. Du bist aber jederzeit erreichbar, um in bestimmten Situationen für Dein Kind da zu sein, falls die Bindung zwischen Deinem Kind und der Erzieherin noch nicht ausreichend ist.

“Bedürfnisorientierte Erziehung” steht mittlerweile bei vielen jungen Eltern im Vordergrund. Auch in Kindertagesstätten ist dieser kindgerechte Ansatz mittlerweile angekommen: viele Kitas machen die Eingewöhnung nach dem sogenannten “Berliner Modell”. Was steckt dahinter und warum wird dabei so vorsichtig vorgegangen?

Als mein Mann und ich uns entschieden, unseren Sohn mit 14 Monaten in die Tagesstätte zu geben, war das für uns keine leichte Entscheidung. Wir stellten schnell fest, das viele Eltern bei diesem Thema von den gleichen Zweifeln geplagt werden, wie wir. Wie wird es unserem Kleinen dort gehen? Wird er Angst haben ohne seine Mama? Gar traumatisiert? Was, wenn sich die Erzieher nicht so um ihn kümmern, wie wir uns das vorstellen?

Zum Glück wird der Start in diese neue, aufregende Phase mittlerweile anders gestaltet als früher: Das Kind wird nicht mehr einfach an der Pforte abgegeben und dann seinem Schicksal bzw. den Erziehern überlassen, sondern ganz sanft und bindungsorientiert eingewöhnt. Dieses Modell der Eingewöhnung nennt man “Berliner Modell”.

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Was ist das Berliner Modell?

Das Berliner Eingewöhnungsmodell, auch Eingewöhnungsmodell nach infans (Institut für angewandte Sozialisationsforschung/Frühe Kindheit e.V.) genannt, stützt sich überwiegend auf die Bindungstheorie von John Bowlby. Der Schwerpunkt liegt darauf, die Bindung des Kindes an seine Eltern zu beachten sowie die Tatsache, dass jedes Kind sich unterschiedlich schnell und unterschiedlich fest bindet. Um das Kind vor Schaden zu bewahren, wird die Eingewöhnung individuell an die Bedürfnisse des Kindes angepasst und läuft in verschiedenen Stufen ab. Das Kind wird nur langsam vom betreuenden Elternteil getrennt und gleichermaßen an den Erzieher/die Erzieherin als Bezugsperson herangeführt.

Neben der Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell gibt es noch das sog. “Münchener Modell”. Dieses Modell legt zusätzlich andere Schwerpunkte, ist aber im großen und ganzen ähnlich sanft in der Durchführung.

Wie lange dauert die Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell?

Wie lange eine solche Eingewöhnung dauert, richtet sich komplett nach dem Kind, da jedes Kind individuell in seinen Erfahrungen, seinem Bindungsverhalten und vor allem seinem Tempo ist. Der Erzieher beobachtet das Kind in den ersten Tagen und passt so die Länge der Eingewöhnung an. Während der gesamten Eingewöhnung ist das Kind maximal halbtags anwesend. Auch danach wird die Länge nur langsam gesteigert. Manche Kinder schlafen relativ früh in der Betreuungseinrichtung, dann aber in Anwesenheit des Elternteils. Oft findet der Mittagsschlaf aber erst nach der Eingewöhnungszeit in der Kita statt, sodass Erzieher und Kind dann ein eigenes Ritual entwickeln können.

Ablauf des Berliner Eingewöhnungsmodells

Die Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell gliedert sich in verschiedene Phasen:

Grundphase: In den ersten 3-4 Tagen kommt ein Elternteil gemeinsam mit dem Kind für ein bis zwei Stunden und die beiden halten sich gemeinsam in den Räumlichkeiten auf. Der Bezugserzieher nimmt ersten Kontakt zum Kind auf über Spielangebote. Es finden keine Trennungsversuche statt, Vater oder Mutter konzentriert sich voll auf das Kind und ist jederzeit verfügbar. Er/sie spielt nicht mit anderen Kindern.

Erster Trennungsversuch: Nachdem sie sich wieder einige Zeit gemeinsam vor Ort aufgehalten haben, verlässt der Elternteil die Räumlichkeiten. Auch die Länge dieser Phase passt sich an das Verhalten des Kindes an: reagiert das Kind mit starkem Weinen und Panik, kommt nach ca. 2 Minuten schon Mama oder Papa zurück. Reagiert das Kind gleichgültig bzw. lässt sich schnell beruhigen, kann die erste Trennung bis zu 30 Minuten betragen. Wie alle neuen Schritte findet die erste Trennung nie an einem Montag statt. Wichtig ist auch, dass der Elternteil sich verabschiedet, am besten mit einem täglich sich wiederholenden Ritual, und sich nicht einfach wegschleicht.

Stabilisierungsphase: Diese beginnt i.d.R. mit dem 5. Tag: Der Bezugserzieher übernimmt immer mehr die Betreuung des Kindes, während die Mutter noch anwesend ist, aber nach Möglichkeit nicht mehr eingreift bzw. nur dann, wenn der Erzieher nicht akzeptiert wird. Trennungszeiten werden täglich verlängert, je nach Reaktion und sich anschließendem Verhalten des Kindes.

Schlussphase: Die Eingewöhnung ist dann abgeschlossen, wenn das Kind eine erste Bindung zum Erzieher aufgebaut hat. Es weint zwar vielleicht noch, wenn die Mutter weggeht, lässt sich aber vom Erzieher auf den Arm nehmen und trösten. In der Zeit, die das Kind allein in der Kita verbringt, nimmt es aktiv und neugierig an den Gruppenaktivitäten teil bzw. ist an Räumen, Spielzeug und anderen Kindern interessiert. Insgesamt dauert dieser Prozess der Eingewöhnung nach dem Berliner Modell in der Regel zwischen einer und drei Wochen.

Auswirkungen einer mangelhaften Eingewöhnung

Immer wieder höre ich auch von Eltern, denen dieser Prozess der Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell zu lange dauert. Allerdings ist es wirklich wichtig, diese Eingewöhnung so gut und erfolgreich wie möglich durchzuführen. Studien belegen, dass eine fehlende bzw. mangelhafte Eingewöhnung Nachteile für das Kind nach sich zieht:

  • Kinder, die nicht ausreichend eingewöhnt wurden, sind in den folgenden Monaten häufiger und länger krank.
  • Diese Kinder können die Möglichkeiten und Förderpotentiale, die ihnen die Kindertagesstätte bietet, nicht ideal wahrnehmen.
  • Sie leiden ggf. unter Trennungsangst und haben Schwierigkeiten in späteren Bindungsbeziehungen.

Unsere Kita-Eingewöhnung

Auch unsere Kita-Eingewöhnung wurde nach dem Berliner Modell durchgeführt. Drei Tage lang durfte unser 14 Monate alter Sohn jeweils 1-2 Stunden die Räumlichkeiten erkunden, während ich noch anwesend war. Daran hatte er offensichtlich großen Spaß. Auch der erste Trennungsversuch am vierten Tag, insgesamt 10 Minuten, lief super. Er suchte wohl kurz nach mir, spielte dann aber weiter.

Erst am fünften Tag fing er, als er mich weggehen sah, bitterlich an zu weinen. Diese Erfahrung, wenn das eigene Kind weint und man ihm einfach den Rücken zudreht, wünsche ich wirklich niemandem. Das ist wirklich schwer auszuhalten. Sein Bezugserzieher konnte ihn soweit beruhigen und er verbrachte die 30 Minuten, die ich wegblieb, auf dessen Arm.

Die nächsten Tage liefen besser und die Zeit meiner Abwesenheit wurde sukzessive auf 3 Stunden ausgedehnt. Nach dem Mittagessen, also vor seinem Schlaf, nehme ich ihn dann jeden Tag mit nach Hause. Auch wenn die Eingewöhnung nun soweit abgeschlossen ist, wollen wir das noch einige Tage so beibehalten. In einem nächsten Schritt soll er dann lernen, auch seinen Mittagsschlaf vor Ort zu machen und wir gehen einige Zeit direkt danach nach Hause. Erst, wenn er sich richtig wohl fühlt und die Bindung zu den Erziehern fest ist, möchte ich die 5-7 Stunden, die wir zur Verfügung haben, voll ausschöpfen.

Ein Berliner Modell, das tatsächlich funktioniert

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Unsere Eingewöhnung in der Kita geht nun bald vier Wochen lang. Das ist, so habe ich mir von unserer Erzieherin sagen lassen, ganz normal. Jedes Kind braucht eben seine eigene Zeit, bis es sich daran gewöhnt hat, in einem überheizten Raum mit einer Menge anderer sehr kleiner Kinder zu spielen. Historisch gesehen dauert es bei uns allerdings etwas länger: Wir machen die Eingewöhnung nach dem „Berliner Modell“, das mittlerweile in fast allen Kitas und Kindergärten republikweit angewendet wird.

Das Berliner Modell besteht aus drei Phasen. In der Grundphase sitzen der Mann oder ich möglichst unauffällig in einer Ecke auf einer Minibank, während unsere Tochter Schritt für Schritt mit der Kita-Welt Kontakt aufnimmt. Unsere Aufgabe in der Zeit ist, da zu sein. Das kann mehrere Tage dauern. In der zweiten Phase, der Stabilisierungs- und Trennungsphase, beginnt die Erzieherin aktiver, das Kind in den Kita-Alltag einzubeziehen und die Eltern verabschieden sich für eine halbe Stunde, die sie dann in einem Vorraum verbringen. In der Schlussphase wird das Kind morgens in die Arme der Erzieherin übergeben und die Eltern verlassen den Kindergarten, sind aber bei eventuellen Krisen sofort erreichbar und verfügbar.

Warum diese Methode Berliner Modell genannt wird, leuchtet sofort ein. In Berlin gewöhnt man gerade mit ähnlichem Tempo einen Flughafen in die Stadt ein. Der Flughafen ist da, alle wissen, wo er ist, alle reden darüber, kümmern sich um ihn, geben ihm Zuwendung, aber er wird noch nicht in Betrieb genommen, er ist noch kein aktives Mitglied der Gesellschaft.

Doch während es beim Flughafen längst schon nervt, ist die Eingewöhnung bei der Kita eine schöne Idee. Vielleicht sollte man dieses Konzept auch auf andere Lebensbereiche übertragen? Warum werden Menschen beim Arbeiten nicht erst mal langsam eingewöhnt? Verbringen in den ersten Wochen nur ein paar Stunden jeden Tag im neuen Job, steigern sich dann langsam? Oder, noch besser, warum gibt es nicht auch eine Ausgewöhnungen aus dem Berufsleben?

Auch für uns als Eltern ist das Berliner Eingewöhnungsmodell gut. Schließlich müssen wir unser Kind zum ersten Mal Fremden anvertrauen. Und wir müssen uns überlegen, wie wir selbst wieder selbstständiger werden. Wir müssen zurückfinden, in den Arbeitsalltag, der jetzt ein anderer ist. Für mich ist es ganz gut, dass ich am Anfang nur wenige Stunden habe, die ich ohne Fiona bin. So kann auch ich mich dran gewöhnen, dass sie nun nicht mehr jede Sekunde ihres Lebens auf meinem Arm verbringen will. Was habe ich noch mal vorher alles so Wichtiges gemacht?

Und es gibt noch einen Grund, warum die begleitende Eingewöhnung in der Kita so sinnvoll ist. Während man als Eltern in einer Ecke sitzt und so tut, als sei man ein Fels in der Brandung, kann man die Kindergärtnerinnen dabei beobachten, wie sie aus Babys Menschen machen. Letztendlich werden ja in der Kita alle Konflikte verhandelt, die später das Leben bestimmen. Und von den Erzieherinnen kann man lernen, wie man damit umgehen kann. Liebe, Eifersucht, Langweile, Neid, Freude – die ganzen menschlichen Emotionen und der Umgang mit ihnen werden hier geübt. Natürlich will keiner gerne am Tisch neben der Schlägerbande sitzen. Da wollen gleich zwei oder drei denselben Puppenwagen fahren, da streitet man sich mit denen, die gerade ein Spiel spielen, dass die einem die Ideen gestohlen hätten.

Die Antwort unserer Erzieherin auf Streitigkeiten ist Inklusion. Immer, wenn ein Kind auf ein anderes losgeht, zieht sie den Aggressor aus der Situation raus und erklärt ihm, dass sein Verhalten nicht okay ist. „Schau mal, der gehört auch zu uns“, sagt sie dann über den Angegriffenen. Oder: „Schau mal, du hast doch vorhin auch mitspielen dürfen.“ Da können sich Politiker etwas abschauen von unserer Kita.

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Die 6 Schritte der Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell

Die meisten Krippen arbeiten mit dem Berliner Modell, um dem Kind eine sanfte Eingewöhnung in die Betreuung zu ermöglichen. Wie der Eingewöhnungsprozess heute in der Schweiz abläuft und was Eltern für einen gelungenen Kitastart tun können.

Während der Krippen-Eingewöhnung muss sich das Kind ganz neu orientieren. Bild: Fatcamera – E+

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Von Sigrid Schulze

Ihr Kind kommt bald in die Krippe. Und sie fragen sich: „Wird sich mein Kind von mir trennen können?“ „Wird es sich in der Krippe wohl fühlen?“ „Werde ich auch loslassen können?“ Mit diesen Fragen dürfen und sollten Sie sich jetzt sogar unbedingt vor dem ersten Tag an die Erzieherinnen wenden. Denn eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erziehern ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit die Kita-Eingewöhnung gut gelingt.

Die meisten Schweizer Kinderkrippen gestalten den Übergang von der häuslichen in die Fremd-Betreuung nach dem sogenannten „Berliner Modell“, einem der ältesten, aber auch erprobtesten Eingewöhnungsmodelle.

Berliner Modell kurz erklärt

Das „Berliner Eingewöhnungsmodell“ ist ein Leitfaden zur sanften Schritt-für-Schritt-Eingewöhnung in die Kita. Entwickelt wurde es in den 1980er Jahren am Berliner INFANS Institut für angewandte Sozialisationsforschung/Frühe Kindheit e.V. von Hans-Joachim Laewen, Beate Andres und Éva Hédervari-Heller. Die Pädagogen hatten im Rahmen eines Forschungsprojekts herausgefunden, dass Kinder, die sich ohne Elternbegleitung eingewöhnen mussten, in den ersten Monaten sieben Mal länger krank waren, mehr Ängste hatten und weniger von Möglichkeiten der Kita profitierten.

Die zwei Grundsätze des Berliner Eingewöhnungsmodells

Die sanfte Eingewöhnung ruht auf zwei Säulen: Bezugspersonen und Behutsamkeit.
Das Kind wird zur Eingewöhnung immer von einer seiner wichtigsten Bezugspersonen begleitet, in der Regel also Mutter oder Vater. In der Sicherheit, Mutter oder Vater sind da, es kann mir nichts passieren, fällt es ihm leichter, sich in der Kita einzuleben und tragfähige Beziehungen zu den Erziehern und den anderen Kindern aufzubauen.
Zudem findet die Eingewöhnung langsam statt. Das Kind wird nicht überfordert oder unter Druck gesetzt. Dadurch fühlt es sich auch langfristig wohler in der Gruppe und kann sich besser entwickeln und besser lernen.

Wie lange die Eingewöhnung dauert, hängt vom Kind ab

Das Berliner Eingewöhnungsmodell sieht in der Regel ein bis ca. drei Wochen für die Eingewöhnung eines Kindes vor. Das Tempo bestimmt am Ende aber das Kind: „Die Eingewöhnungszeit sollte individuell angepasst sein, aber niemals drei Tage unterschreiten. (…) Je nach Temperament, bisherigen Bindungserfahrungen und individuellem kindlichem Verhalten dauert eine Eingewöhnung unterschiedlich lang“, schreiben die Pädagoginnen Katja Braukhane und Janina Knobeloch in der Fachbroschüre für Erzieherinnen.

Ablauf des Berliner Modells: Die 6 Phasen der Eingewöhnung

1. Phase: Information der Eltern

Der erste Teil der Eingewöhnung richtet sich an die Eltern. Sie werden vom Fachpersonal der Kita über den Ablauf der Eingewöhnung informiert – in einem Gespräch, aber auch schriftlich. Aber auch die Erzieher benötigen Informationen. Zum Beispiel: Womit spielt das Kind oft, was isst es gern, was mag es nicht? Welche Worte und Gesten benutzt es, um sich verständlich zu machen?

2. Phase: Bezugsperson bleibt da

In den ersten drei Tagen der Eingewöhnung besucht das Kind die Kita nur mit Ihnen zusammen und nur für kurze Zeit. In der Regel startet man mit ein bis zwei Stunden. Die Erzieher laden das Kind bereits ein, an Aktivitäten teilzunehmen und versuchen vorsichtig, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Die Eltern verhalten sich eher passiv, abwartend und schauen zu, übernehmen aber noch das Wickeln und Füttern. Fachleute nennen diese Phase „Grundphase“.

3. Phase: Erster Trennungsversuch

Das Berliner Modell sieht erst für den vierten oder fünften Tag einen ersten Trennungsversuch vor. Dieser ist wichtig, um einzuschätzen, wie viel Zeit für die weitere Eingewöhnung eingeplant werden muss. Dabei verabschiedet sich die Mutter oder der Vater im Raum vom Kind. Die Reaktion Ihres Kindes entscheidet über den weiteren Verlauf der Eingewöhnung.
Spielt es weiter? Weint es gar nicht oder nur kurz? Das spricht für eine weitere Eingewöhnungszeit von ca. einer Woche. Lässt sich das Kind aber nicht von den Erziehern beruhigen, kehrt die Mutter oder der Vater schnell wieder in den Raum zurück. Nun ist davon auszugehen, dass die Eingewöhnung zwei bis drei Wochen dauern wird.

4. Phase: Sicherheit gewinnen

In der nächsten Phase, der sogenannten Stabilisierungsphase, steht der Aufbau einer guten Beziehung zwischen Erziehern und Kind im Vordergrund. Die Erzieher übernehmen mehr und mehr die Pflege und binden das Kind ins Spiel mit ein, während sich Mutter oder Vater langsam zurückziehen. Bei Kindern, die leicht mit der Situation umgehen, werden die Trennungen von Mutter oder Vater – ausgehend von einer halben Stunde – weiter verlängert. Sie können bereits am fünften Tag in der Kita schlafen. Bei den anderen Kindern gibt es erst in der zweiten Woche einen neuen Trennungsversuch.

5. Phase: Einleben

In der vierten Phase ist das Kind bereits ohne Mutter oder Vater einige Stunden in der Kita, wo es immer besser die Abläufe und Regeln kennenlernt. Ein Elternteil muss aber immer erreichbar sein. Noch muss das Kind seinen festen Platz in der Gruppe finden – die Erzieher helfen dabei.

6. Phase: Eingewöhnt!

Die Eingewöhnung ist jetzt abgeschlossen. Das Kind kommt nun gern in die Kita und lässt sich – falls notwendig – zuverlässig von den Erziehern trösten.

Das können Eltern tun, um ihrem Kind die Eingewöhnung zu erleichtern

Die meisten Eltern wünschen sich, dass sich ihr Kind schnell in die Kita einlebt, weil sie es als besonders selbstständig und selbstsicher erleben wollen. Gut zu wissen ist in dieser Situation, dass gerade Kinder, die mehr Zeit für die Eingewöhnung benötigten, sich oft besonders sicher in der Beziehung zu den Eltern fühlen. Sie sind – so die Fachsprache – „sicher gebunden“. Das bedeutet, dass sie offen ihren Gefühlen Ausdruck verleihen. Diese Sicherheit wirkt sich positiv auf ihr weiteres Leben aus. Wichtig ist deshalb, dass Eltern ausreichend Zeit für die Eingewöhnung einplanen und der Alltag möglichst stabil für das Kind verläuft.
Darüber hinaus helfen Eltern bei der Kita-Eingewöhnung am meisten, wenn sie einen klaren Standpunkt, Optimismus und Zuversicht ausstrahlen.
Wenn Sie zweifeln und sich fürchten, wird es ihr Kind auch tun. Wenn Sie Ihre Zweifel nicht zerstreuen können, sollten Eltern unbedingt mit den Erziehern sprechen. Erst wenn Sie ihnen vertrauen, können Sie dem Kind die Trennung zumuten.

Die Vorteile und die Nachteile des Berliner Modells

Der Berliner Eingewöhnungsprozess sorgt für Übersicht. Wenn Eltern wissen, in welchen Schritten die Eingewöhnung voran geht, fühlen sie sich sicherer – eine Sicherheit, die sie dem Kind weiter geben können. Da das Berliner Modell zu den ältesten Eingewöhnungsmodellen gehört, gilt es als gut erprobtes und verlässliches Konzept.

Aber es gibt auch Kritik. Das Berliner Modell richtet sich vor allem an Kinder, die drei und mehr Tage in der Woche in die Krippe gehen. „Wenn eine Kita vorwiegend Kinder betreut, die zwei Tage pro Woche die Kita besuchen, müssen bedeutend mehr Eingewöhnungen gemacht werden. Dadurch dauert die Eingewöhnungszeit bedeutend länger …“, gibt die Stadt Zürich zu bedenken.

Zürich hat ein eigenes Modell für die Krippeneingewöhnung

Das bewährte Berliner Modell geht auf die Teilzeitthematik kaum ein. Deshalb wurde das „Stadtzürcher Eingewöhnungsmodell“ entwickelt.
Dieses besteht aus einzelnen Modulen, die Kitas je nach Bedarf zusammenstellen können. Während einige Module immer vorkommen müssen, lassen sich andere optional anwenden. Zum Beispiel ist in der Vorbereitung auf den Kitastart des Kindes immer ein Eintrittsgespräch vorgesehen.

Eingewöhnungsmodelle und ihre Bedeutung für die pädagogische Praxis: Das Berliner und das Münchener Eingewöhnungsmodell im Vergleich

Für jedes Kind ist es ein einschneidendes Erlebnis, wenn es nicht mehr allein durch seine Eltern, sondern auch mehrere Stunden am Tag in der Krippe, im Kindergarten oder bei einer Tagesmutter betreut wird. Die Eingewöhnung in Krippe oder Kindergarten ist ein Prozess, der planvoll und sensibel auflaufen sollte, damit das Kind sich in der neuen Umgebung wohl fühlen kann und neben Mama und Papa auch seine Erzieherin als neue Bezugsperson akzeptiert.

In diesem Zusammenhang spielen die Begriffe „Transition“ und „Bindung“ eine große Rolle. Transitionen bezeichnen Übergänge im Leben eines Kindes, die seine Entwicklung und Persönlichkeitsbildung maßgeblich beeinflussen. Neben dem Übergang von einer reinen Betreuung im Elternhaus zu einer temporären Betreuung in Krippe oder Kita durch zunächst fremde Personen ist unter anderem der Wechsel vom Kindergarten in die Grundschule ein wichtiger Transitionsprozess im Leben eines Kindes.

Damit Transitionen gelingen können, ist es wichtig Eingewöhnungen so zu gestalten, dass das Kind sich nicht mit der neuen Situation überfordert fühlt und jederzeit weiß, wie und wo es Hilfestellungen bekommt um sich zu beruhigen. Denn gerade Kleinkinder unter drei Jahren sind noch sehr eng an ihre Eltern gebunden und erleben die Trennung von ihnen zunächst als starke emotionale Belastung. Umgekehrt brauchen aber auch viele Eltern Unterstützung dabei, ihr Kind für eine mehr oder weniger kurze Zeitspanne „loszulassen“ und fremdbetreuen zu lassen. Das gilt in besonderem Maße für Krippenkinder, denn nicht alle Mütter und Väter lassen ihre Kinder freiwillig institutionell betreuen. Häufig steckt die finanzielle Notwendigkeit dahinter, besonders bei Alleinerziehenden.

Daher ist es wichtig, die Eingewöhnung für Kinder und Eltern strukturiert und andererseits bedürfnisorientiert zu gestalten. Im Fokus steht das Kind und die Bemphung der pädagogischen Fachkräfte, um seinetwillen eine vertrauensvolle Erziehungspartnerschaft zu den Eltern aufzubauen. In der pädagogischen Praxis haben sich in den letzten Jahren zwei Eingewöhnungsmodelle durchgesetzt, nämlich das „Münchener Eingewöhnungsmodell“ und das „Berliner Eingewöhnungsmodell“. Beide wurden in erster Linie für Kinder unter drei Jahren entwickelt, dennoch arbeiten auch viele Kindergärten danach, manchmal in abgewandelter Form. Bei beiden Modellen geht es darum, dem Kind ausreichend Zeit zu geben um sich an den neuen Tagesablauf, andere Bezugspersonen, die vielen anderen Kinder und die fremde Umgebung zu gewöhnen. Auch die vielen neuen Regeln und Reize, die auf das Kind einwirken, machen den den Eingewöhnungsprozess zu einer Herausforderung für Kinder, Eltern und pädagogische Fachkräfte in Krippen, Kindergärten oder in der Großtagespflege.

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Das Berliner Eingewöhnungsmodell und seine Umsetzung

Worauf basiert das Berliner Eingewöhnungsmodell?

Das Berliner Eingewöhnungsmodell wurde vom Institut für angewandte Sozialisationsforschung/ frühe Kindheit e.V., kurz „infans“ entwickelt. Wichtigste theoretische Grundlage ist die Bindungstheorie nach John Bowlby. Die Eingewöhnung dauert insgesamt ein bis drei Wochen, wobei die individuelle Dauer einer Eingewöhnung immer das Kind selbst durch sein Verhalten und seine Reaktionen bestimmt.

Außerdem wurde im Berliner Eingewöhnungsmodell das Ergebnis mehrerer Studien berücksichtig die zeigen, dass nicht oder nur teilweise eingewöhnte Kinder längere Zeit erkranken und teilweise auch Entwicklungsrückstände zeigten. Auch ihr Bindungsverhalten wurde negativ beeinflusst.

Grundlagen und Ziele der Eingewöhnung nach dem Berliner Modell

Während des Eingewöhnungsprozesses sollen die Kinder zunächst mit Unterstützung ihrer Eltern den Tagesablauf in der jeweiligen Einrichtung kennenlernen, außerdem die dortigen Regeln, Rituale, räumlichen Möglichkeiten, aber auch die Kinder und die Erzieher als zukünftige Bezugspersonen. Ziel ist es, dass das Kind zu letzteren eine Beziehung aufbaut die so tragfähig ist, dass es den pädagogischen Fachkräften ermöglicht das Kind zu beruhigen und zu trösten, wenn es Kummer oder Schmerzen hat. Das Kind hingegen weiß, dass es sich vertrauensvoll an seine Erzieher wenden kann, wenn es Hilfe braucht.

Für die Eltern bietet die Eingewöhnungsphase die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild von der pädagogischen Arbeit in der jeweiligen Einrichtung zu machen. Diese Transparenz in Kombination mit der Möglichkeit, sich immer wieder mit den Erziehern über das Kind, sein Verhalten und seine Entwicklung austauschen zu können bildet die Basis eine vertrauensvollen Bildungs- und Erziehungspartnerschaft.

Die wichtigsten Elemente des Berliner Eingewöhnungsmodells

Insgesamt besteht das Berliner Modell aus sechs Phasen. Zunächst werden die Eltern persönlich über den Verlauf der Eingewöhnung informiert. Im Idealfall erhalten Sie die Informationen zusätzlich auch in schriftlicher Form. Wichtig ist, dass zwei bis vier Wochen für die Eingewöhnung eingeplant werden. In diese Zeit sollte kein Urlaub und auch keine anderen Veränderungen wie ein Umzug fallen. Um sich besser auf das einzugewöhnende Kind einstellen zu können, geben viele Einrichtungen den Eltern Fragebögen mit nach Hause. Darin sollen beispielsweise Informationen über den sprachlichen Entwicklungsstand, über das Schlafverhalten oder über tröstende Rituale notiert werden.

Die Eingewöhnungszeit startet mit der dreitägigen Grundphase. Während dieser Zeit halten Mutter bzw. Vater und Kind sich gemeinsam in der Einrichtung auf. Die Eltern fungieren als „sicherer Hafen“. Das bedeutet, sie halten sich im Hintergrund und ermuntern ihr Kind, auf andere Kinder zuzugehen oder sich mit dem vorhandenen Spielmaterial zu beschäftigen. Sie sind aber immer präsent, wenn das Kind Kontakt sucht. Währenddessen versucht die pädagogische Fachkraft ihrerseits mit den Kind Kontakt aufzunehmen, zum Beispiel verbal durch Ansprache aber auch durch Spielangebote. Das Wickeln übernimmt aber noch die Mutter bzw. der Vater, allerdings beobachtet die Erzieherin die Interaktion zwischen beiden genau.

Am vierten Tag wird in der Regel der erste Trennungsversuch gestartet. Die Bezugsperson verabschiedet sich vom Kind und verlässt den Raum, bleibt aber in der Einrichtung. Lässt sich das Kind daraufhin schnell beruhigen und ablenken, kann die erste Trennung bis zu 30 Minuten dauern. Weint das Kind hingegen länger, wird die Mutter nach einigen Minuten zurückgeholt. Meist lässt sich von der Reaktion des Kindes auf die erste Trennung ableiten, wie lange die Eingewöhnungszeit ungefähr dauert. Sicher gebundenen Kindern fällt die Trennung schwerer, sie benötigen zwei bis drei Wochen, unsicher gebundene Kinder dagegen häufig nur ein bis zwei Wochen. Natürlich spielt auch das Alter und der (sprachliche) Entwicklungsstand eine entscheidend Rolle.

Auf die Grundphase folgt die sogenannte Stabilisierungsphase, die mit dem fünften oder sechsten Eingewöhnungstag beginnt. Die Fachkraft übernimmt zunehmend auch die Pflegeroutinen wie das Wickeln oder Füttern und die Trennungsdauer wird langsam ausgedehnt. Akzeptiert das Kind die Trennung hingegen noch nicht, erfolgt der nächste Trennungsversuch erst zwei bis drei Tage später, jedoch nie an einem Montag. Die Eingewöhnung ist abgeschlossen, wenn sich das Kind nach der Trennung relativ schnell von der Fachkraft beruhigen lässt. Ist das auch nach drei Wochen nicht der Fall, sollten Eltern und Fachkraft zusammensetzen und gemeinsam nach Gründen und Lösungsansätzen suchen.

In der Schlussphase bleibt die Bezugsperson während der Trennung nicht mehr in der Einrichtung, sie sollte jedoch immer telefonisch erreichbar sein. Die meisten Kinder schaffen es in dieser Phase, mehrere Stunden in der Einrichtung zu verbringen, wobei Experten raten die Kleinen zunächst nicht länger als den Vormittag über dort bereuen zu lassen, da es gerade für Kleinkinder sehr anstrengen ist sich an den neuen Rhythmus zu gewöhnen. Bis das Kind ein starkes Explorationsbedürfnis zeigt und sich beispielsweise selbstständig im Gruppenraum bewegt kann es noch eine Zeit lang dauern. Viele Kleinkinder sind zunächst noch sehr auf ihre Bezugserzieherin fixiert.

Rahmenbedingungen und Durchführung des Münchener Eingewöhnungsmodells

Was sind die Grundlagen des Münchener Eingewöhnungsmodells?

Das Münchener Eingewöhnungsmodell entstand in den 90er-Jahren und wurde immer wieder weiterentwickelt. Es ist noch kindzentrierter als das Berliner Modell und zeitlich auch etwas aufwändiger, was in der Praxis zu organisatorischen Problemen führen kann. Beeinflusst ist das Münchener Modell durch die Reggiopädagogik und die Annahme, dass das Kind von Geburt an ein soziales und kompetentes Wesen, welches den Eingewöhnungsprozess aktiv steuert.

Neben sozialpädagogischen Erkenntnissen fließen auch ökopsychologische und entwicklungspsychologische Ansätze in das Modell ein, wobei der Transitionsforschung in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zukommt. Denn Übergänge stellen nicht nur das Kind selbst vor große Herausforderungen, sondern auch die Eltern, die einerseits selbst mit der Trennung ihres Kindes zu kämpfen haben, den Ablösungsprozess aber andererseits unterstützen wollen und müssen. Werden Transitionen erfolgreich bewältigt, weil Kinder ausreichend Zeit und Unterstützung erhalten, geht das Kind gestärkt daraus hervor und wird vermutlich auch folgende Übergänge gut meistern.

Die Phasen des Berliner Eingewöhnungsmodells

Das Berliner Modell besteht aus vier Phasen, die aufeinander aufbauen:

  • Vorbereitungsphase

  • Kennenlernphase

  • Sicherheitsphase

  • Vertrauensphase und

  • Auswertungs- und Reflektionsphase.

Die Vorbereitungsphase dient dazu, die Eingewöhnung zu planen. Außerdem lernen sich Eltern und Fachkraft kennen – sie tauschen sich über das Kind aus. Meist wird ein Erstgespräch durchgeführt, indem auch geklärt wird, ob das Kind Trennungen bereits kennt, zum Beispiel weil es hin und wieder bei den Großeltern übernachtet.

Die Kennenlernphase dauert eine Woche. In dieser Zeit findet keine Trennung statt, aber Eltern und Kind nehmen aktiv am Gruppengeschehen teil. Das Kind wird eingeladen mitzuspielen, darf aber selbst bestimmen ob es sich schon lösen möchte oder nicht. Auch in der zweiten Woche bleibt die Bezugsperson für das Kind präsent. Die Erzieherin nimmt nun aber gezielt Kontakt auf und übernimmt Aufgaben, die zuvor noch die Eltern wahrgenommen haben, wie beispielsweise Hilfe beim Essen, beim Anziehen usw. Wichtig ist, dass zunehmend auch die anderen Kinder in den Eingewöhnungsprozess mit einbezogen werden, denn Kinder lernen viel in der Interaktion mit Gleichaltrigen.

Nach zwei Wochen beginnen die einzugewöhnenden Kinder Vertrauen zu entwickeln und Abläufe zu verinnerlichen. Das gilt im übrigen auch für deren Eltern die jetzt bereit sein sollten, ihr Kind für eine gewisse Zeit „loszulassen“. Sie verabschieden sich und erklären ihrem Kind, warum sie gehen und dass sie gleich wieder kommen. Wenn das Kind sich nach dem Weggang von Mutter oder Vater beruhigt und sich eigenen Tätigkeiten widmet, ist die Eingewöhnung abgeschlossen. Oft brauchen Kinder aber noch Zeit und dann sollten weitere Trennungsversuche erst einige Tage später erfolgen, bis das Kind sicher ist, dass seine Bedürfnisse ernst genommen werden.

Praktische Überlegungen zu den beiden Eingewöhnungsmodellen

  • Beide Eingewöhnungsmodelle sind in erster Linie für Kinder unter drei Jahren ausgelegt, können aber teilweise auch für ältere Kinder genutzt werden.

  • Beide Modelle sind nicht als „Rezept“ zu verstehen. Jede Eingewöhnung verläuft ganz individuell und wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst wie dem Alter und dem Entwicklungsstand des Kindes, von bereits vorhandenen Trennungserfahrungen, den zeitlichen Ressourcen der Eltern (viele müssen schnell wieder arbeiten oder jüngere Geschwister betreuen) und natürlich von den Rahmenbedingungen der jeweiligen Einrichtung. Hier gilt es flexibel zu reagieren und situationsorientierte und konstruktive Lösungen zu finden.

  • In Kindergärten ist es zeitlich in der Regel nicht möglich, ein Kind nach dem anderen einzugewöhnen.

  • Es macht Sinn, wenn eine Erzieherin die Hauptverantwortung für eine Eingewöhnung bekommt, aber es gilt, die Vorlieben der Kinder zu berücksichtigen. Auch die Kleinen suchen sich häufig ihre Bezugsperson selbst aus.

  • Es sollte möglichst nur ein Elternteil das Kind konstant während der Eingewöhnungsphase begleiten.

  • Krankheiten und Wochenenden können die Eingewöhnung verlängern.

  • Gerade Kindergartenkinder realisieren erst nach der Eingewöhnung, was es für sie bedeutet nun Vormittags von den Eltern getrennt zu sein. Es kommt zu Rückschlägen, die Kinder sind müde, weinerlich und schnell überfordert – es braucht häufig mehrere Monate bis eine Eingewöhnungsphase wirklich als abgeschlossen bezeichnet werden kann

Berlin –

Im Bezirksamt Pankow hatten sie uns gratuliert, weil wir solch ein Glück hatten. Wir waren auch froh, dass wir einen Kita-Platz ergattert hatten. Es war im Februar, das Baby war eins geworden, bald würde es losgehen. Bei der Vertragsunterzeichnung drückte uns die Kita-Leiterin einen Flyer in die Hand. „Elternbrief zur Eingewöhnung“ stand darauf.

„Ihr Kind erlebt durch die Aufnahme in die Kindertagesstätte eine gravierende Veränderung seines bisher gewohnten Tagesablaufs“, lasen wir. Das klang beeindruckend. Die Trennung sollte laut „Berliner Modell“ nicht abrupt stattfinden, sondern in drei Phasen, in denen das Kind langsam eine Beziehung zur sogenannten Bezugserzieherin aufbaut. Etwa vier Wochen solle man einplanen. Vier Wochen? So lang?

Die Kleine kannte das Haus schon, sie war jeden Nachmittag dabei, wenn ihr Bruder abgeholt wurde. Sie war eine heitere Einjährige, die freudig in die Hände klatschte, wenn ihr Bruder ein Liedchen anstimmte. Wir nannten sie Cornflake Girl, nach ihrer Leibspeise. Das Cornflake Girl würde die Kita lieben, dachten wir. Mein Mann war noch in Elternzeit, er würde die Eingewöhnung machen, optimistisch zog er los.

Lange Eingewöhnungsphase

Sechs Wochen später hatte sich einiges getan. Der Mann kannte die Namen sämtlicher Kinder in der Gruppe. Er hatte den Wiedereinstieg bei seiner Arbeit verschoben und den Besuch mehrerer nächtlicher Rockkonzerte abgesagt. Dauer der Trennung zwischen Papa und Tochter: Dreißig Minuten. Cornflake Girl liebte die Kita nicht.

Nach vier Wochen hatte die Erzieherin, die eine Beziehung zu ihr entwickeln sollte, die Beziehung vorerst beendet und einen längeren Urlaub begonnen. Ein neuer Erzieher kam, und alles begann wieder von vorn. Wenn es in diesem Tempo weiterging, würde mein Mann vielleicht im nächsten Jahr wieder arbeiten. Aber warum sollte etwas, das Berliner Modell heißt, auch schnell gehen?

Als ich davon erzählte, hörte ich unzählige Geschichten von Turbo-Eingewöhnungen. Bei uns hat es eine Woche gedauert! Drei Tage! Einen Tag, total easy!

Nur auf dem Schoß des Papas

Meine Tochter war offenbar ein schwerer Fall. Sie wollte nur auf dem Schoß ihres Papas sitzen, sobald sich der neue Erzieher näherte, schrie sie und lief rot an. Ginge es schneller, wenn wir ihr eine Tüte Cornflakes mitgeben? Ich wurde nervös. Mein Mann war geduldiger, er sagte, es dauert halt so lange, wie es dauert. Er ist Brite, zeigt aber seit dem Brexit eine seltsame Kritiklosigkeit an Berliner Zuständen.

In England werden die kleinen Kinder am ersten Tag in der „nursery“, der Krippe, abgegeben, und sechs oder acht Stunden später kommt Mummy und holt sie ab. Das ist dann die Eingewöhnung. Manchmal weinen die Kleinen den ganzen Tag. Und teuer ist die Betreuung dazu. Rund eintausend Euro zahlt man im Monat in London für einen Platz.

Aus vier wurden acht Wochen

In dieser Woche blieb das Cornflake Girl zum ersten Mal bis zum Mittag. Drei Stunden. Mein Mann übergab sie ihrem Erzieher, anfangs schimpfte sie, aber als er an der Tür war, hörte er nichts mehr. Zu Hause behielt er sein Telefon im Auge, falls die Kita anrief. Doch die Kita rief nicht an. Und als er gegen zwölf die Gruppenräume betrat, kam ihm der Erzieher entgegen, mit dem Baby auf dem Arm.

Sie hatte offenbar den Vormittag nicht geweint und zwei Teller Mittag gegessen. Es war nicht ganz klar, wer glücklicher darüber war, der junge Erzieher oder Cornflake Girl. Acht Wochen hatten sich offenbar gelohnt. Jetzt muss sie nur noch in der Kita schlafen. Das ist dann Phase drei.

Eingewöhnung

Die Vorstellung des INFANS – Eingewöhnungsmodells

Das Konzept teilt die Eingewöhnung in fünf Phasen auf:

1. Phase der Eingewöhnung: Eltern informieren

Die Eltern werden vor Beginn des Eingewöhnungsprozesses über den Ablauf und die Bedeutung des begleitenden Eingewöhnens informiert. Der Hinweis darauf, dass Eltern als Hauptbildungspersonen bleiben, wird an die Eltern vermittelt. Die Erzieherin achtet darauf, die eventuell vorhandenen Trennungsängste der Eltern zu minimieren, denn sonst würde diese Situation den Eingewöhnungsprozess erschweren.

2. Phase der Eingewöhnung: die dreitägige Grundphase

Während der Grundphase hält sich ein Elternteil gemeinsam mit dem Kind 1-2h in der Einrichtung auf. Die Mutter bzw. der Vater sollte sich dabei eher passiv verhalten und das Kind nicht dazu zwingen sich vom Elternteil zu entfernen. Das Kind soll die Möglichkeit bekommen, die neue Umgebung nach eigenem Wunsch zu erkunden. Die Bezugsperson beobachtet das Kind und nimmt vorsichtig über Spielangebote Kontakt auf. Das Elternteil sollte sich während der gesamten Eingewöhnung möglichst nicht anderweitig beschäftigen, sondern die volle Aufmerksamkeit dem Kind schenken.

3.Phase der Eingewöhnung: die Trennungsphase

In dieser Phase findet eine erste kurze Trennung statt. Das Elternteil verabschiedet sich einige Minuten nach dem Ankommen vom Kind und verlässt den Gruppenraum. Es bleibt jedoch in der Einrichtung und kann so jederzeit in den Gruppenraum zurückkehren. Mit der Reaktion des Kindes kann eine vorläufige Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnung getroffen werden. Wenn das Kind wenig Kontakt zum Elternteil sucht und sich mit den angebotenen Spielmöglichkeiten der Bezugsperson ablenken lässt, ist eine kurze Eingewöhnung von etwa 6 Tagen möglich. Doch wenn das Kind häufig weinerlich wirkt und Kontakt zum Elternteil sucht, sich nicht von der Bezugsperson beschäftigen lässt, wird das Elternteil zurückgerufen und es folgt somit eine längere Eingewöhnung von ca. 2-3 Wochen. Nach einem Abbruch sollte auf den nächsten Trennungsversuch einige Tage gewartet werden.

4. Phase der Eingewöhnung: die Stabilisierungsphase

In dieser Phase übernimmt die Bezugsperson zunehmend die Versorgung des Kindes. Die Trennungsdauer wird verlängert, wobei ein Elternteil immer noch in der Kita bleibt. Die Erzieherin überprüft regelmäßig die Signale des Bindungsaufbaus, z.B. ob sich das Kind trösten lässt, ob es die Räume der Kita erobert, ob es Kontakte zu anderen Kindern knüpft und ob es Essen und Wickeln als normale Alltagsituationen akzeptiert. Das Kind wird morgens in die Kita gebracht und nach dem Mittagessen wieder abgeholt.

5.Phase der Eingewöhnung: die Schlussphase

Wenn das Kind sich geborgen fühlt und eine positive und intensive emotionale Bindung zu den Bezugspersonen besteht, beginnt die Schlussphase. Das Kind bleibt den ganzen Tag über in der Kita. Die Mutter bzw. der Vater muss nicht mehr in der Einrichtung bleiben, sollte aber für alle Fälle jederzeit telefonisch erreichbar sein. Den Verlauf der Eingewöhnung und den Bindungsaufbau zum Kind dokumentiert die Bezugsperson in einem Protokoll.

Dieses Modell der Eingewöhnung von Kleinkindern (so genannte U3) in den Alltag eines Kindergartens, bzw. einer Kindertagesstätte wurde in den 1980er Jahren in Italien entwickelt und später in Berlin erprobt. Es basiert auf langjährigen Erfahrungen und ist wissenschaftlich fundiert.

Im Kern geht es beim Berliner Eingewöhnungsmodell um die behutsame, zeitlich individuelle Gewöhnung des Kindes an die neue Umgebung. Aber auch Eltern brauchen häufig etwas Zeit, ihr Kind in vertrauensvolle Hände zu überlassen.

In mehreren Phasen – unten eine vereinfachte Darstellung – wird das Konzept des Berliner Eingewöhnungsmodells all diesen Aspekten gerecht:

  • Grundphase: In den ersten drei Tagen bleibt das Kind gemeinsam mit einer Bezugsperson (zum Beispiel die Mutter) eine Stunde gemeinsam in der Einrichtung. Die Erzieherin / der Erzieher nimmt dann Kontakt zum Kind auf.
  • Am 4. Tag wird ein erster Trennungsversuch unternommen, wobei die Bezugsperson jedoch stets in der Nähe bleibt. Diese Zeit der Trennung dehnen wir dann Tag für Tag aus, so dass das Kind Schritt für Schritt Vertrauen zur Erzieherin / zum Erzieher gewinnen kann. Auch in dieser Zeit soll die Bezugsperson jederzeit – zum Beispiel telefonisch – erreichbar sein.
  • Nach ein bis drei Wochen, also individuell und erst, wenn das Kind die Erzieherin / den Erzieher als sichere Basis akzeptiert, ist die Eingewöhnungszeit abgeschlossen.

Eingewöhnung in die Kita

Vor kurzem wurde ich gefragt, ob es normal sei, dass ein Kind in der Eingewöhnung weine. Es wurde geschildert, dass es zu Beginn wenig weinte und nun nach fast zwei Wochen verstärkt. Eingewöhnt wird nach dem „Berliner Eingewöhnungsmodell“. Ich möchte das Modell kurz erläutern und einige Erfahrungen schildern.

Das Berliner Eingewöhnungsmodell

Verzeichnis

Vor der Eingewöhnung

Bei dem Berliner Modell lernen sich bei Parteien, Kita mit ggf. Leitung und zukünftiger BezugspädagogIn und die Familie (in der Regel das Kind und die Eltern) in Ruhe in den Kita-Räumen kennen. Es können gegenseitige Fragen, Sorgen und Ängste geklärt werden. Grundlage kann ein Buch sein, in Berlin nutzt man dazu den Eingangsfragebogen des Sprachlerntagebuches. Das ist eine Idee und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Sinn ist es, das eine Basis vor Beginn der Eingewöhnung geschaffen wird. Da oft ab dem ersten Tag der Eingewöhnung weniger Zeit für solch intensive Gespräche bleibt und das Kind und der Gruppenalltag ganz im Zentrum steht.

Wer ist bei der Eingewöhnung wichtig?

Gute Eingewöhnung zielt darauf ab, dass tragfähige Beziehungen zwischen Eltern, Kind und PädagogIn entstehen. Bei der Eingewöhnung sind Eltern, Kind und PädagogIn gleichermaßen wichtig. Eltern und PädagogIn sind Partner in der Entwicklungsbegleitung des Kindes. Die Bindung des Kindes zu den Eltern wird durch die Betreuung im Kindergarten nicht geschwächt. Grundsätzlich ist es ratsam, die Eingewöhnung mit einer Bezugsperson durchzuführen.

Foto:

Wie läuft die Eingewöhnung in der Regel ab?

Der Zeitraum der Eingewöhnung wird durch die individuellen Bedürfnisse von dem begleitenden Elternteil und dem Kind bestimmt. Bis ein Kind komplett eingewöhnt ist, dauert dies bis zu 6 Wochen.

Die Grundphase

Die Grundphase dauert 3 Tage, in diesen Tagen bleibt das Kind mit dem begleitenden Elternteil 1 bis 2 Stunden täglich. Sie ist die sichere Basis für das Kind und unterstützt den Kontaktaufbau zur BezugspädagogIn. Für das Kind ist es wichtig, in dieser Zeit der ersten Kontaktaufnahme zur neuen Umgebung durchgängig die Sicherheit zu haben, bei Vater oder Mutter Zuflucht zur Unterstützung suchen zu können und die schwierige Situation nicht allein meistern zu müssen. In diesen Tagen erlangt das Kind eine gewisse Vertrautheit mit der neuen Umgebung, mit der bislang noch fremden PädagogIn und den anderen Kindern.“ (Laewen, Hedervari-Heller, 2011, S. 63).

Die Rolle des begleitenden Elternteils

Während der Zeit in der Kita ziehen sich Eltern zurück und verhalten sich passiv. Auf Annäherungen vom Kind oder auch Blickkontakte ist es wichtig positiv zu reagieren, aber selbst keine Initiative zur Kontaktaufnahme ergreifen. Man ist in dieser Situation wie ein teilnehmender Beobachter, der seinem Kind aufmerksam gegenüber ist. Die Kinder erkunden aktiv ihre Umgebung, dies ist die Grundlage des Eingewöhnungsprozesses.

Kinder sollten von den Eltern nicht gedrängt werden, sich von ihnen zu entfernen „(…) vor allem dann, wenn das Kind aktiv Körperkontakt zu ihnen sucht, sollten sie es nicht zurückweisen oder den Versuch machen, den Körperkontakt von sich aus zu beenden. Die Rolle der Eltern an sichere Basis verlangt es, die körperliche Annäherung des Kindes zu akzeptieren und die Dauer des Kontaktes völlig dem Kind zu überlassen. Die Eltern können darauf vertrauen, dass sich das Kind der Umgebung von selbst wieder zuwenden wird, wenn es sich sicher fühlt.“ (ebd., S. 64f.).

Die erste Trennung

Am vierten Tag ist normalerweise die erste Trennung geplant. Das Elternteil verabschiedet sich bewusst und geht aus dem Raum oder auch aus der Kita, auch wenn das Kind Protest anmeldet. Diese Trennung entscheidet darüber, ob die Trennungssequenzen in den nächsten Tagen erweitert werden oder ob die Bezugsperson wieder in die Einrichtung kommt und das Kind begleitet. Dies ist wichtig, wenn sich das Kind nicht beruhigen lässt oder zeigt, dass es ihm nicht gut geht. Denn nicht nur Kinder, die weinen, haben Kummer. Wie das Kind sich während der Trennung verhält, wird von den PädagogInnen beobachtet.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie aufregend diese Minuten nach der Verabschiedung sein können. Diese wirklich ernst zu nehmen und für das Kind völlig da zu sein und zur Verfügung zu stehen, ist wichtig. Im Alltag der Kita nicht immer einfach, aber für das Sicherheitsgefühl des Kindes, welches nun ohne das Elternteil bleibt, essenziell.
Es geht ja darum, dass es eine sichere Basis zu der BezugspädagogIn aufbaut, daher sollte diese möglichst verfügbar, präsent, zugewandt, feinfühlig und liebevoll dem Kind gegenüber sein! Lässt es sich nach ein paar Minuten (diese können dem Elternteil und der PädagogIn und am meisten dem Kind, welches noch kein Zeitgefühl hat) nicht trösten, ruft zur Beruhigung das Elternteil zurück. Das Vertrauen des Kindes sollte unter keinen Umständen verletzt werden.

Dass ein Kind weint, ist ein wichtiges Zeichen und dieses Gefühl muss ernst genommen werden. Es trägt einen Schmerz in sich und ähnlich wie bei einer Verletzung nach einem Fall, benötigt es Trost. Und Kinder die nicht weinen, leiden nicht unbedingt weniger.

Jedes Gefühl ist wichtig und nehmt es an, wie es ist. Nicht selten habe ich Eltern sehr erleichtert erlebt, wenn das Kind keine Träne vergießt und sich tapfer zeigt. Aber darum geht es nicht!

Es ist zu empfehlen, die Eingewöhnung zum Wochenbeginn zu starten. Beginnt diese beispielsweise am Mittwoch, ist eine Trennung am kommenden Montag, zum ersten Mal, nicht zu empfehlen. Dann dehnt sich die Grundphase entsprechend aus.

Wer hier noch Ausführlicheres über Bindung erfahren möchte, kann sich über die Bindungstheorie von Bowlby informieren.

Ist das Kind bereit, sich von der PädagogIn trösten zu lassen, so kann eine kürzere Eingewöhnungszeit vermutet werden. Falls nicht, benötigt es Stabilisierung durch ein Elternteil bzw. die Bezugsperson.

Hat das Kind ausreichend Vertrauen gefasst und nimmt die PädagogIn als sichere Basis an, so geht die Eingewöhnung in die Stabilisierungsphase über!

Aber ACHTUNG: dauert eine Eingewöhnung länger, ist das kein Problem diese als kompliziert oder schwierig zu betiteln. Es ist dann so und die Situation erfordert mehr Zeit im Sinne aller. Eingewöhnungen die zu Beginn ganz schnell aussehen, können sich auch wandeln. Und nie vergessen: Kinder, die nicht gut eingewöhnt sind, leiden ggf. später, werden häufiger krank oder haben es bei späteren Wechseln schwerer. Die Zeit, die es benötigt, ist wichtig und wertvoll!

In der Stabilisierungsphase werden die Trennungen behutsam ausgedehnt. Wichtig sind mir immer besonders die Übergänge bei der Nahrungsaufnahme, Hygiene, das Wickeln sowie das Schlafen. Diese Schritte müssen möglichst sensibel für das Kind gestaltet werden.

So ist das erste Wickeln immer in Begleitung der PädagogIn und des Elternteils zu planen und auch zukünftig, wenn das Kind bereits etwas bleibt, können gemeinsame Hygienephasen eingebaut werden. Zudem empfehle ich immer, dass beispielsweise der erste Mittagsschlaf so gestaltet wird, dass das Elternteil zum Aufwachen kommt, bzw. bereits vorher da ist. So erwacht es und kann in diesem sensiblen Moment von dem Elternteil begleitet und angezogen, gewickelt werden – gern im Beisein der PädagogIn.

Es geht hier um Mikrotransitionen, wollt ihr darüber mehr erfahren, könnt ihr hier etwas dazu lesen.

Verlaufen diese Tage und Schritte positiv, so wird die Schlussphase eingeleitet.

Als abgeschlossen kann eine Eingewöhnung angesehen werde, wenn das Kind eine sichere Basis zur BezugspädagogIn herstellen konnte.

Aber, viele Eingewöhnungen laufen anders!

In all den Jahren habe ich viele Eingewöhnungen durchgeführt und begleitet. Viele Eingewöhnungen starten mit ganz verschiedenen Voraussetzungen und haben mit diversen Bedingungen zu kämpfen. Ausgehend von den Rahmenbedingungen in der Kita, den Ressourcen der Eltern und auch kulturellen Gegebenheiten.

Für mich als Pädagogin ist immer besonders wichtig, dass die Eltern genau verstehen, wie wichtig eine Eingewöhnung ist. Natürlich wurde ich häufig mit der Tatsache konfrontiert, dass es Eingewöhnungen zu der Krippenzeit der Eltern auch nicht gegeben habe und sie doch auch groß geworden sind. Nach dem Motto, es ging früher ja auch oder die Sorge der Eltern, dass das Kind sich an sie gewöhnen und dann mehr weinen, als wenn sie gleich gehen würden.

Die Folgen einer fehlenden oder missglückten Eingewöhnung können aber sehr umfassend sein. Einige Kinder werden häufiger krank, andere fühlen sich nicht wohl und haben so keine Möglichkeit zum ausgeglichenen Wachsen und Lernen. Andere essen schlecht oder schlafen unruhig oder sehr wenig. Auch hier ist jedes Kind grundverschieden und jedes Kind meistert diese Phase anders.

Grundsätzlich wichtig ist dabei ist unser Wissen und der Forschungsstand, der dies umfassend belegt. An den Risiken und Folgen fehlender Eingewöhnungen gibt es nichts zu rütteln. Daher ist es mir ein Anliegen, dass pädagogische Fachkräfte und Eltern darüber aufgeklärt sind und im Sinne aller diese Zeit bestmöglich gestalten.

Sehen wir die Bedürfnisse, den Kummer, die Ängste und Sorgen und gehen mit ihnen so empathisch wie nur möglich um, bin ich sicher, dass Kindern dieser Wechsel gelingt. Mit uns, mit liebevollen und professionellen Unterstützern

Im Gegenzug gibt es bestimmt auch viele Eltern, die sich bereits umfassend über Eingewöhnungen informiert haben und auf Kitas stoßen, die ein eigenes Konzept fahren. Grundlegend wichtig ist auch hier, dass Eltern Vertrauen in die Arbeit der Kita aufbauen können. Das Berliner Eingewöhnungsmodell muss nicht immer DAS Modell sein, es gibt auch andere funktionierende Variationen. Aber die Eltern sollten Teil dessen sein, das steht fest.

Eigene Erfahrungen

Nicht immer haben Eltern 4 Wochen Zeit für eine Eingewöhnung, vielleicht bleibt dem Elternteil genau eine Woche. Trotz umfangreicher Aufklärung und Vorbesprechungen müssen Eltern und Fachkräfte manchmal mit „anderen“ Gegebenheiten umgehen. Manchmal hilft alles nichts. Meine Erfahrungen zeigen aber, dass Eltern und Fachkräfte im Gespräch gemeinsam gute Lösungen suchen und auch finden, wenn ein Austausch über die Wichtigkeit der Eingewöhnungszeit statt findet.

Das Modell sagt, die Eingewöhnung sollte nur von einer Person durchgeführt werden. Manchmal gibt es in der Eingewöhnung aber einen Wechsel in der begleitenden Bezugsperson und nach ein paar Tagen springt die Oma oder Tante ein. Es kann passieren, dass in die Eingewöhnung ein paar Urlaubs- oder Krankheitstage fallen, die sich nicht vermeiden ließen. Oder plötzlich fällt die BezugspädagogIn in der Kita aus und eine andere Kollegin muss einspringen. Auch Fachkräfte kennen diese große Verantwortung und die Intensität der Eingewöhnungsphase und schleppen sich krank zur Arbeit, was auch nicht ratsam ist. (Die Eingewöhnung zügig auf eine weitere Person auszuweiten, kann sehr hilfreich sein).

Manchmal beginnen auch erst heftige Trennungsanzeichen nach ein, zwei oder drei Wochen. Vielleicht, weil das Kind das Ausmaß der EIngewöhnung spürt oder die BezugspädagogIn mehrere Eingewöhnungen zu bewältigen hat und das Kind sie nun „teilen“ muss.

All diesen Hürden (und noch weiteren) bin ich bereits begegnet und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Eingewöhnungsphasen immer besonders intensive Zeiten sind. Es treffen Menschen mit Bedürfnissen, Druck, Sorgen, Ängsten und Erwartungen aufeinander.

Dies erfordert viel Fingerspritzengefühl, Sensibilität und Verständnis und seitens der PädagogIn eine besondere Profession. Und neben all dem benötigt es auch den Mut, Sorgen direkt anzusprechen. Es geht um eure Babys, die nun, egal ob mit 6 Monaten oder drei, vier Jahren mit anderen Personen in Kontakt treten und wir als Eltern müssen ein ganzes Stück loslassen. Das ist eine enorme Aufgabe für unsere kleinen und großen Seelen.

Habt Vertrauen, schenkt euch und euren Kindern, die Zeit, die diese Veränderung mit sich bringt und habt Verständis für die wertvolle und intensive Arbeit, die die PädagogInnen leisten.

Fühlt ihr euch unsicher, unwohl oder ähnliches, so überträgt sich das gern auf den Prozess der Eingewöhnung. Sucht das Gespräch und wendet euch vertrauensvoll an die Kita!

„Kinder brauchen Wurzeln und Flügel. Wurzeln, um zu wissen, wo sie herkommen und Flügel, um die Welt zu erkunden.“

Goethe

Habt ihr noch Fragen, Anregungen oder Ähnliches, so schreibt mir gern!
Liebe Grüße,
Eure Kathrin von Kindheit erleben

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Unsere Krippen Eingewöhnung – am Berliner Modell

Der Februar stand in unserer Familie ganz im Zeichen der Eingewöhnung in die Krippe. Nachdem ich ja schon auf Mutter-Kind-Kur gemerkt habe, wie meine süße Maus aufgeblüht ist, konnte ich es den Start kaum erwarten.

Das erste Kennenlernen

Schon vor einem Jahr war ich kurz in der Krippe, um unsere Tochter anzumelden. Als Mama habe ich mir schon da so meine Gedanken gemacht, wie die Eingewöhnung wohl werden würde. Ich erfuhr, dass die Krippen Eingewöhnung nach dem „Berliner Modell“ erfolgen würde, also eine elternbegleitete Eingewöhnung sei. Wie das genau aussehen würde, sollte ich gut 11 Monate später erfahren.

Die Zusammenarbeit begann schon Mitte Januar mit einem ausführlichen Aufnahmegespräch. Dort wurde ich zur Ernährung, den Schlafgewohnheiten, Spielerfahrungen und ggf. bereits erfolgter Fremdbetreuung befragt. Das Aufnahmegespräch dient dazu, dass die Erzieher schon vor dem ersten Krippentag wissen, wie das Kind tickt. Nimmt es einen Schnuller? Hat es seine liebsten Kuscheltiere? Wie isst es? Isst es etwas gar nicht? Alles Infos, die den Erzieherinnen helfen sollen, dem Kind einen gelungenen Start zu ermöglichen.

Der Beginn der Eingewöhnung

Die Grundphase dauert in der Regel drei Tage. In diesen drei Tagen wird das Kind von den Eltern komplett in der Einrichtung begleitet. Bei uns sah das konkret so aus, dass wir die ersten beiden Tage am Nachmittag für je eine Stunde gekommen sind. Der Nachmittag hat den Vorteil, dass viele Kinder schon abgeholt wurden und es für die „Neuen“ nicht so viele neue Gesichter und Eindrücke sind. Neben unserer Tochter wurde noch ein 11 Monate alter Junge eingewöhnt.

Wir Mamas bekamen Stühle am Rand und sollten beobachten. Wir durften uns den Kindern zuwenden, sofern diese zu uns kamen, aber im großen und ganzen sollten wir uns im Hintergrund halten.

Meine Schnecke hat sich nach ein paar Minuten von meinem Oberschenkel weggetraut und ging schnurstracks zur Rutsche. Natürlich ihr Peppa Wutz Stofftier fest im Arm haltend. Ihre Eingewöhnungserzieherin war stets in ihrer Nähe, bedrängte sie aber nicht. Die Kleine rief ein paar mal nach mir, aber ich verwies sie auf die Erzieherin, die jetzt doch viel besser mit ihr spielen könne. Zu meiner Überraschung war sie mit der Alternative direkt einverstanden.

Am dritten Tag kamen wir am Vormittag und blieben zwei Stunden dort. Wir Mamas erlebten den morgendlichen Ablauf mit Morgenkreis, Brotzeit und Morgentoilette. Die Mama des kleinen Jungen war beim Wickeln noch dabei, meine Tochter lies dies auch ohne meine Beteiligung zu.

Das Berliner Modell sieht vor, ab dem vierten Tag die ersten Trennungsversuche zu starten. Da unser Tag vier aber auf einen Montag fiel, fingen wir mit den Trennungen erst am fünften Tag an.

Die Stabilisierungsphase

Am ersten Trennungstag waren wir zuerst noch mit den Kindern im Raum, als diese aber spielten gingen wir kurz hin und verabschiedeten uns. Wir Mamas nahmen im hauseigenen Elterncafé Platz. Jede von uns hat noch einen persönlichen Gegenstand auf dem Stuhl gelassen, bei mir war es mein Schal. So wussten die Kinder, dass die Mamas noch kommen würden, um den Gegenstand zu holen. Außerdem hatten sie so etwas Vertrautes im Raum.

Für die erst Trennung war eine halbe Stunde vereinbart, tatsächlich wurden wir aber erst nach 45 Minuten geholt. Unsere beiden Kinder haben ganz toll gespielt und haben uns gar nicht gebraucht. Wir Mamas waren erleichtert – auch wenn bei den Kids wohl die Faszination des Neuen überwog. Wir besprachen jeden Tag individuell, wie es morgen weiter gehen sollte. Aber weil die Kinder das so gut meisterten, haben wir am zweiten Trennungstag direkt auf 1,5 Stunden erhöht, am dritten schon auf 2 Stunden. Es klappte einwandfrei. Wir waren begeistert.

Es hätte natürlich auch ganz anders kommen können. Aus diesem Grund werden die Trennungsphasen direkt auf die Kinder abgestimmt. Und so entscheiden ganz alleine die Zwerge, wie lange die Eingewöhnung dauert. Die Erzieherinnen sprachen aber von einem Schnitt von in etwa vier Wochen. Die Kinder müssen in dieser Zeit Vertrauen zu den Betreuungspersonen aufbauen – je nach Kind dauert das eben seine Zeit.

Meine Kleine war in der Hinsicht eher pflegeleicht. Was allerdings auffällig war: während der gesamten Stabilisierungsphase hing sie morgens an mir und hat zwischen 5 und 20 Minuten gebraucht, um sich überhaupt von mir zu lösen. So entschieden wir, die Stabilisierungsphase um eine weitere Woche zu verlängern. Ich brachte sie in die Krippe, wartete, bis sie von sich aus zu den Kindern gegangen ist und verabschiedete mich. Da wir nur wenige Gehminuten von der Krippe entfernt wohnen, ging ich nach Hause. Das Handy natürlich immer griffbereit. In der Zeit erhöhten wir schrittweise auf 4 Stunden, so dass die Maus von 8 bis 12 Uhr in der Krippe blieb und zwischenzeitlich auch beim gemeinsamen Mittagessen ankam.

An einem Tag musste ich sie tatsächlich frühzeitig abholen. An diesem Tag habe ich schon aber morgens gemerkt, dass das schief gehen wird. Sie weinte, wollte nicht „zu den Kindern“ (denn so nennen wir die Krippe ihr gegenüber). Der Abschied in der Krippe war tränenreich und schmerzhaft. Und so kam wie es kommen musste: die Erzieherin rief nach einer Stunde an, es ginge nicht mehr. Die Kleine lies sich nicht mehr trösten oder ablenken. Sie rief nur noch nach der Mama. Als ich kam, war sie sichtlich erleichtert. Wir empfanden diesen Tag jedoch nicht als Rückschritt; es war Montag und sie hatte einfach einen schlechten Tag.

Nach gut zwei Wochen konnte sich meine Kleine schon an der Tür von mir verabschieden; sie hatte inzwischen eine stabile Bindung zu „ihrer“ Erzieherin aufgebaut und freut sich auf die Kinder.

Die Schlussphase

Das Ende der Stabilisierungsphase und der Beginn der Schlussphase ging bei uns Hand in Hand. Durch die Nähe zur Krippe konnte ich eben schon während der zweiten Phase nach Hause gehen. In der Schlussphase, nach gut drei Wochen Eingewöhnung, fingen die Erzieherinnen an, sie zum Schlafen zu bringen. Im Aufnahmegespräch hatte ich sie mit den Ritualen vertraut gemacht, auf die auch komplett Rücksicht genommen wurde. Da zwischen 12 und 14 Uhr Ruhezeit in der Krippe ist, erhöhten wir die Zeit in der Betreuung schlagartig um weitere 2 Stunden. Meiner Tochter machte dies aber überhaupt nichts aus – sie schlief vom ersten Tag an dort, wenn auch anfangs unter etwas Protest. Die zwei Stunden Ruhezeit schläft sie nicht durch, ihr reichen 30 Minuten. Aber sie liegt von sich aus ruhig da und genießt ihre Auszeit, die sie nach 4 Stunden spielen auch dringend braucht.

Am Anfang der Schlaftage habe ich sie direkt um 14 Uhr abgeholt, erhöhte aber innerhalb dieser Woche auf 15 Uhr, der gebuchten Betreuungszeit.

Als mir die Erzieherin am Ende der vierten Woche mitteilte, dass die Eingewöhnung jetzt abgeschlossen sei, wurde mir dann doch ganz schwer ums Herz. Ich war wehmütig und gleichzeitig so stolz auf mein kleines Mädchen, welches in Wahrheit die zweitälteste in der Krippe ist – also vielleicht doch mein großes Mädchen?

Fazit

Ich bin wirklich froh, wie gut die Eingewöhnung bei uns gelaufen ist. Anfangs dachte ich noch, es würde zu langsam laufen. Weil die Maus so viel Spaß hatte und auch gar nicht nach Hause wollte. Doch dann entschied ich mich, den Erzieherinnen zu vertrauen – und fuhr damit genau richtig. Meine Kleine war das letzte Eingewöhnungskind ihrer Erzieherin, bevor diese im Sommer in Rente geht. Was ich persönlich an dieser Frau schätze, ist, dass sie die Ruhe in Person ist. Sie muss nach 36 Jahren im Beruf niemanden mehr etwas beweisen, weder sich, noch den Eltern. Ein Fels in der Brandung und für meine Maus ein echter Glücksgriff. Sie war während der Eingewöhnung immer präsent hat meiner Tochter aber stets den Raum gegeben, den sie gebraucht hat. Damit hat sie genau den richtigen Weg zwischen Nähe und Abstand gefunden.

Inzwischen geht die Schnecke seit 6 Wochen in die Krippe und hat zu allen Erzieherinnen Vertrauen aufgebaut. Ihr Wortschatz explodiert förmlich. Als sie die Tage in die Gruppe hinein gesagt hat „Tschüss Kinder, bis morgen“ musste ich noch mal schauen, ob ich wirklich das richtige Kind auf dem Arm halte. Sie entwickelt sich gerade rasend schnell, fast schon zu schnell für mein wehmütiges Mamaherz. Aber ich platze vor Stolz, jeden Tag.

Seit gestern sitzt sie auf ihrem Hüpftier und sing „Hoppe hoppe Reiter“. Wow.

PS: Der andere Junge hat sich genauso gut eingewöhnen lassen, obwohl er ein ganzes Jahr jünger als meine Tochter ist.

PPS: Die Freie Universität Berlin hat herausgefunden, dass Kinder, die nicht eingewöhnt werden, in den ersten sieben Monaten bis zu vier mal öfter krank werden. Sie sind insgesamt auch ängstlicher und entwickeln sich etwas langsamer als Gleichaltrige, dies wurde vor allem bei unter zweijährigen Kindern beobachtet. (Quelle: Das Berliner Eingewöhnungsmodell – Theoretische Grundlagen und praktische Umsetzung von Katja Braukhane & Janina Knobeloch – dieser Text diente allgemein als Basis für diesen Blogpost)

  • Das Berliner Modell beruht auf einer bedürfnisorientierten Eingewöhnung in die Kita. Diese sollte behutsam und schrittweise erfolgen.
  • Während die Eingewöhnung bei manchen Kindern nur sechs Tage dauert, benötigen andere Kinder mehrere Wochen, um sich an die Trennung von ihren Eltern zu gewöhnen.
  • Damit die Kita-Eingewöhnung reibungslos ablaufen kann, sollten bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt sein.

Der erste Tag im Kindergarten oder in der Krippe ist sowohl für die Eltern als auch für die Kinder etwas ganz Besonderes. Die meisten Kinder sind es bis dato nicht gewöhnt, längere Zeit von ihren Eltern getrennt und bei fremden Personen zu sein. Das Berliner Modell soll die Eingewöhnung in die Kita erleichtern. Aber wie funktioniert dieses Konzept?

In diesem Artikel möchten wir Ihnen gerne das Berliner Modell vorstellen. Wir erklären Ihnen das Konzept und schildern, wie die Eingewöhnung im Detail ablaufen sollte. Zuletzt zeigen wir Ihnen die wichtigsten Vor- und Nachteile des Konzepts auf.

1. Das Berliner Modell ist ein bedürfnisorientiertes Konzept

Berliner Modell nach Paul Heimann

Bei dem namensverwandten Berliner Modell nach Heimann, oder auch Berliner Schule der Didaktik, handelt es sich um ein didaktisches Konzept, welches in der Schule und bei der Unterrichtsplanung Anwendung findet. Es soll den Lehrenden dabei helfen, den eigenen Unterricht zu analysieren.

Das Berliner Modell wurde in den 1980er vom Institut für angewandte Sozialisationsforschung/frühe Kindheit e.V. (kurz: infas) entwickelt. Das Konzept baut auf der Bindungstheorie nach John Bowlby auf, die auf der Annahme beruht, dass eine enge Bindung zwischen Mutter und Kind die Grundbasis darstellt.

Ein Baby verbringt den ganzen Tag bei seinen Eltern, sodass diese die engsten und oftmals einzigen Bezugspersonen sind. Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren sind selten mehr als ein paar Stunden am Tag von einem Elternteil getrennt.

Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes nutzen jedoch mittlerweile rund 85% der Eltern von Kindern unter drei Jahren die Betreuung in einer entsprechenden Einrichtung. Da die Kinder noch sehr klein sind, sollte die Eingewöhnung in die Kita besonders behutsam ablaufen.

Ziel des Modells ist es, dass sich das Kind in der Krippe oder im Kindergarten bestmöglich eingewöhnen kann, sodass die Trennung von den Eltern leichter ist. Wie lange es dauert, bis sich die Kinder eingewöhnt haben, kann nicht vorausgesagt werden. Während sich einige Kinder bereits nach sechs Tagen in der Einrichtung wohlfühlen, kann die Eingewöhnung bei anderen Kindern bis zu drei Wochen dauern.

Die Dauer der Eingewöhnung hängt maßgeblich davon ab, welche Bindungserfahrungen die Kinder bislang gemacht haben.

2. Die schrittweise Eingewöhnung in die Kita steht im Vordergrund

Lässt sich das Kind in der ersten Trennungsphase nicht von den Erziehern beruhigen, sollte die Eingewöhnungszeit verlängert werden.

Den meisten Kindern fällt der Abschied von ihren Eltern am Anfang sehr schwer. Vielerorts bekommen Eltern den Tipp, dass ein schneller Abschied am einfachsten sei. Diese Ansicht teilen die Begründer des Berliner Modells jedoch nicht. Sie sind der Meinung, dass eine elternbegleitete Eingewöhnung am besten funktioniert.

So wird das Kind behutsam und schrittweise an die neue Umgebung und die bislang noch fremden Erzieher gewöhnt. Die Eingewöhnung wird dabei in folgende Phasen eingeteilt:

  • Grundphase: In den ersten drei Tagen begleitet ein Elternteil das Kind für etwa ein bis 2 Stunden in die Einrichtung. In dieser Zeit können der Erzieher bzw. die Erzieherin das Kind beobachten und den ersten Kontakt aufnehmen. Dies funktioniert am besten über das Spielen. Das Elternteil sollte wiederum darauf achten, nur mit dem eigenen Kind so spielen und ein Gefühl der Geborgenheit zu vermitteln.
  • Trennungsphase: Der vierte Tag beginnt wie die drei ersten Tage. Allerdings verlässt das Elternteil nach einiger Zeit kurz den Raum. Reagiert das Kind panisch, sollte das Elternteil bereits nach etwa 2 Minuten zurückkommen. Lässt sich das Kind jedoch von einem Erzieher beruhigen, sollte die erste Trennungsphase etwa 30 Minuten andauern. Wichtig ist, dass sich die Mutter oder der Vater nicht einfach herausschleicht, sondern sich von seinem Kind verabschiedet.
  • Stabilisierungsphase: In dieser Phase geht es vor allem darum, dass die Kinder lernen, eine Beziehung zu den Erziehern aufzubauen. Während sich das Elternteil immer mehr zurückzieht, übernehmen die Erzieher die Rolle der Bezugsperson. Die Trennungsphasen werden immer weiter verlängert. Verlief der erste Trennungsversuch jedoch nicht so gut, sollte mit dem neuen Trennungsversuch etwa eine Woche gewartet werden.
  • Schlussphase: Sobald die Kinder die Erzieher als neue Betreuungsperson angenommen haben, müssen die Eltern nicht mehr in der Einrichtung bleiben. Wichtig ist jedoch, dass sie jederzeit erreichbar bleiben.

Wie die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell ablaufen sollte, sehen Sie auch noch einmal in folgendem Video:

3. Optimale Rahmenbedingungen schaffen

Vor Beginn der Eingewöhnung sollten sich Eltern, Erzieher und die Kita-Leitung zusammensetzen und einen Plan erstellen.

Damit die Eingewöhnung funktionieren kann, sollten die Eltern vorab genauestens über den Ablauf informiert werden. In der Regel findet zu diesem Anlass ein Gespräch mit den Erziehern und der Kita-Leitung statt. Der Austausch ist jedoch nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Erzieher wichtig, da sie sich in diesem Zuge bereits ein Bild von dem Kind machen können.

Damit die Eingewöhnung gut verläuft, sollten Eltern darauf achten, dass die Bezugsperson während der Eingewöhnungszeit nicht wechselt. Auch wenn beide Elternteile eine starke Bindung zu ihrem Kind haben, sollte nur ein Elternteil die Eingewöhnung begleiten. Gleiches gilt auch für die Bezugsperson in der Kita. Im besten Fall kümmert sich in der ersten Zeit nur ein Erzieher bzw. eine Erzieherin um das jeweilige Kind.

In verschiedenen Studien haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Eingewöhnungsphase sehr wichtig für den weiteren Verlauf der Kindergartenzeit ist.
Folgende Probleme können bei einer fehlenden bzw. missglückten Eingewöhnung auftreten:

  • Kinder fühlen sich in der Einrichtung nicht wohl
  • sie sind häufiger krank
  • zeigen Probleme bei der Nahrungsaufnahme und/oder Schlafstörungen

Tipp: Der erste Trennungsversuch sollte auf keinen Fall an einem Montag durchgeführt werden. Auch besondere Anlässe, wie Geburtstage oder Faschingsfeiern, sind für diese Phase nicht geeignet.

4. Das Berliner Eingewöhnungsmodell benötigt viel Zeit und Geduld

Auch wenn das Berliner Modell viele Vorteile mit sich bringt, gibt es auch immer wieder Kritik. Diese bezieht sich jedoch zumeist nicht auf das Konzept selbst, sondern auf die mangelhafte Umsetzung in den verschiedenen Einrichtungen.

Im Folgenden möchten wir Ihnen gerne die wichtigsten Vor- und Nachteile des Berliner Eingewöhnungsmodells vorstellen.

  • Eltern bekommen einen genauen Plan darüber, wie die Eingewöhnung abläuft
  • das Kind wir langsam und behutsam an die neue Situation gewöhnt
  • die Dauer der Eingewöhnung wird an jedes Kind individuell angepasst
  • die Eingewöhnung nach dem Berliner Modell ist mit viel Zeitaufwand verbunden
  • oftmals ist die Umsetzung in den Kitas unzureichend (fehlende Fachkräfte, schlechter Personalschlüssel usw.)
  • in einigen Einrichtungen sind die zeitlichen Vorgaben sehr starr

Tipp: Eine gute Alternative zu Kindergärten und Kitas ist die Kindertagespflege. Dort kümmert sich eine Tagesmutter bzw. ein Tagesvater um maximal fünf Kinder.

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Bestseller Nr. 1Eingewöhnung und Beziehungsaufbau in Krippe und Kita: Modelle und Rahmenbedingungen für einen gelungenen Start

  • 192 Seiten – 12.05.2017 (Veröffentlichungsdatum) – Verlag Herder (Herausgeber)

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Sanfter Übergang: Kita-Eingewöhnung nach dem Berliner Modell

  1. Grundphase: Die Grundphase dauert in der Regel drei Tage. An diesen Tagen begleitet ein Elternteil das Kind in die Kita und bleibt für ein bis zwei Stunden mit ihm dort. Vater oder Mutter halten sich dabei im Hintergrund. Ihre Aufgabe ist es, Sicherheit zu vermitteln, während die Erzieher den ersten Kontakt zum Kind aufbauen und versuchen, es in die Gruppe einzubeziehen.
  2. Trennungsversuch: Am vierten oder fünften Tag der Eingewöhnung wird ein erster Trennungsversuch unternommen. Mit dieser kurzzeitigen Trennung soll eingeschätzt werden, wie viel Zeit für die restliche Eingewöhnung benötigt wird. Dafür bleibt ein Elternteil einige Minuten mit dem Kind im Raum und verabschiedet sich dann. Ein Erzieher kümmert sich um das Kind und beobachtet dabei seine Reaktionen: a. Wenn das Kind weiter spielt oder sich nach kurzem Weinen problemlos von den Erziehern beruhigen lässt, kann die Eingewöhnungszeit auf ca. eine Woche verkürzt werden. b. Reagiert das Kind heftig auf die Trennung von dem Elternteil und lässt sich nicht von den Erziehern beruhigen, wird der Elternteil sofort wieder in den Raum geholt. Meist wird dann eine Eingewöhnungszeit von 2–3 Wochen eingeplant.
  3. Stabilisierungsphase: Nach der Grundphase – also etwa zeitgleich mit dem ersten Trennungsversuch – beginnen die Erzieher, das Füttern, Wickeln oder Spielen mit dem Kind zu übernehmen und so ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Der begleitende Elternteil rückt weiter in den Hintergrund. Wenn das Kind gut auf den ersten Trennungsversuch reagiert hat, werden die Trennungsphasen jetzt täglich weiter ausgedehnt. War die erste Trennung schwierig, wartet man ein paar Tage mit dem nächsten Versuch.
  4. Schlussphase: Vater oder Mutter kommen nicht mehr mit dem Kind in den Kindergarten, sind aber in der Nähe und jederzeit erreichbar, falls das Kind seine Bezugspersonen braucht.

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