Burnout als mutter

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Mama kann nicht mehr! Mama Burnout

Ich möchte schreien. Könnte weinen. Sehne mich nach Ruhe. Ich wünsche mir Veränderung und gleichzeitig ein „wie früher“. Dass es endlich besser wird. Dass ich all das Hier und Jetzt wieder mehr genießen und schätzen kann. Dass ich richtig da bin und nicht nur bin. Ich möchte mehr sein als eine Funktionsmaschine, welche die Tage abrattert. Welche zwischendrin zwar mal kurz in einen „hach, wie schön“-Programm wechselt, dann aber kurz darauf wieder ordentlich ins Stottern und Wanken gerät.

Mama kann nicht mehr! Mama Burnout?

Heute möchte ich mich gerne dem Thema „Mama Burnout“ widmen, weil ich es wichtig finde. Kein Modedings, sondern leider ganz oft real. Es gibt so viele Frauen, welche einfach nicht mehr können. Welche nicht mehr so können wie sie wollen oder auch müssen. Denn eines steht fest, wir Mamas, wir haben es nicht immer leicht.

Nur Hausfrau? Loser!

Oftmals reicht es nicht mehr aus „nur Mama“ zu sein. Nur daheim bei und mit den Kindern.

„Du bist nur Hausfrau? Reicht dir das aus?“

„Du machst dich doch total abhängig von deinem Partner“

„…“

Karriere? Dafür hast du Kinder bekommen?

Und auf der anderen Seite kann einen der Spagat zwischen Job und Familie ganz schön ins Schleudern bringen. Prioritäten setzen, aber wie? Es gibt Frauen, welche einfach in ihrem Beruf bleiben möchten. Welche Freude daran haben, unabhängig bleiben möchten. Oder auch Frauen, welche arbeiten gehen müssen. Weil es sonst einfach finanziell nicht funktioniert.

„Hast du Kinder bekommen, um sie dann fremdbetreuen zu lassen?“

„Wieso holt die ihr Kinder immer erst um kurz vor knapp aus der Kita ab?“

„Aha, das Meeting ist wichtiger, als das Kindergarten-Sommerfest?!“

„…“

Egal also, ob „nur“ daheim, Unternehmerin, Arbeitnehmerin, selbstständig oder was auch immer: Druck und Erwartungen von außen, aber auch von uns Frauen an uns selbst, können fatale Folgen haben.

War es früher leichter Mama zu sein?

Vor kurzem habe ich einer Unterhaltung von zwei Damen, etwas um die 70 Jahre alt, gelauscht. Sie haben sich ein wenig über die heutigen Mamas echauffiert. „Alle immer nur am nörgeln… da wollen sie Familie und kümmern sich nicht ordentlich darum… die Kinder müssen mit einem Jahr in den Kindergarten… und dennoch sind sie alle geschafft… wollen wieder in ihren Beruf zurück… und dann… dann passt es ihnen wieder nicht….“
So in etwas war der Inhalt des Gespräches.

Mir kamen der Gedanke, ob es früher vielleicht einfach einfacher war Mama zu sein? Weil damals die Rollen klarer verteilt und definiert waren. Feminismus, Emanzipation – in weiter Ferne.

Früher war es mit Sicherheit anders, aber früher, da war mit Sicherheit nicht alles leichter. Nein, auf keinen Fall! Wenn ich an meine Omas denke, was sie geleistet haben. Wahnsinn! Viele Kinder, Landwirtschaft, Umzüge quer durchs Land für eine (hoffentlich) bessere Zukunft. Was wurde da geackert. Die Kinder kamen frühstens mit drei Jahren in Betreuung. Urlaube am Meer? Mama-Auszeiten? Nichts da…

Machen uns die vielen Möglichkeiten krank?

Vielleicht sind auch die vielen Optionen schuld; die einen manchmal schier verrückt werden lassen? Die einen ständig ins Grübel bringen. Mache ich das richtig? Doch lieber so? Oder anders?
Beruf, Familie, Haushalt – immer mehr Mamas sind überfordert und/oder am Ende ihrer Kräfte. Und sich das eingestehen? Das gelingt nur den Wenigsten. Meist dann, wenn gar nichts mehr geht.

Ich möchte mich gerne intensiver mit der Thematik befassen und habe deswegen auf Instagram einen kleinen Aufruf gestartet. Gesucht habe ich Frauen, Mamas, welche vielleicht selbst „Mama Burnout“ haben bzw. hatten, oder sich mit dem Thema auskennen.

Gemeldet hat sich u.a. Martina, welcher ich freundlicherweise einige Fragen stellen durfte.

Interview mit einer Betroffenen Mama – Mama Burnout

Liebe Martina, vielen Dank, dass ich Dir einige Fragen bzgl. Mama Burnout stellen darf. Magst Du dich und deine familiäre/berufliche Situation vielleicht kurz vorstellen, damit wir einen kleinen Einblick bekommen?

Ich bin verheiratet und habe zwei Söhne. Sie haben einen Altersabstand von 23 Monaten. Der Kleine ist 3 und der Große 5. Zwischen den Kindern habe ich mich bewusst für eine Elternzeit entschieden. Ca 1,5 Jahre nach der Geburt unseres zweiten Sohnes habe ich wieder angefangen zu arbeiten. Allerdings nur auf Minijobbasis. Einen ganzen Tag in der Woche. Die Arbeit hat mir gut getan. Ich wollte „raus“ kommen. Allerdings hat es den Druck natürlich auch erhöht. Als mein Kleiner jetzt 3 wurde endete meine Elternzeit und ich hab begonnen 20h pro Woche zu arbeiten.

Zu welchem Zeitpunkt gab es die ersten Symptome? Wie bist du mit diesen umgegangen?

Schon als mein Kleiner ca 6 Monate alt war. Ich war dann beim Hausarzt. Er hat ein Blutbild gemacht und mir eine Vitaminkur empfohlen, die ich aber abgelehnt hab. Er hat auch das Thema Mutter-Kind Kur in den Raum geworfen. Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht vorstellen das zu machen. Ich wollt damals einfach nur den Tag überstehen.

War dir schnell klar, dass du etwas ändern/tun musst?

Ja. Ich wusste, dass ich mir Zeit für mich nehmen muss. Allerdings war dies zu diesem Zeitpunkt sehr schwer. Ich habe meinen Sohn voll gestillt. Meine Eltern sind voll berufstätig und mein Mann Selbstständig. Meine Schwiegereltern wohnen 600 km entfernt. Deshalb hab ich so weiter gemacht wie bisher und versucht alles unter einen Hut zu bekommen.

Hast du deinem Umfeld von deinen Problemen, deiner Erschöpfung, berichtet? Wie wurde reagiert?Oder hast du versucht, so gut es geht einfach weiter zu machen?

Ich habe es für mich behalten. Zu diesem Zeitpunkt dacht ich, dass ich alles schaffen muss. Ich habe mich dafür entschieden zwei Kinder zu bekommen und dann muss ich auch dazu stehen und den Alltag schaffen. Klar hab ich meiner Mutter von meiner Erschöpfung erzählt, sie meinte allerdings zu mir „man wächst mit seinen Aufgaben“. Mein Mann hat selbst viel Stress und hatte wenig Verständnis für mich.

Gab es einen Moment, in welchem Dir Mama Burnout offiziell diagnostiziert wurde?

Im März diesen Jahres war ich wieder beim Hausarzt weil ich einfach nicht mehr konnte. Ich hatte das Gefühl egal was ich mache, ich kann meinen Akku nicht mehr aufladen.

Mein Hausarzt nannte es dann Erschöpfungssyndrom. Ich habe dieses Mal diese Vitaminkur gemacht. Allerdings hat sie mir nichts gebracht. Zudem hat er mir wieder die Mutter-Kind Kur empfohlen. Aber ich hatte nicht einmal Kraft die Koffer zu packen und alles zu organisieren.

Welche Maßnahmen hast du unternommen, um wieder gesund zu werden?

Letztlich hab ich einen Termin in der Ambulanz der Psychiatrie ausgemacht (Psychiatrie hört sich so schlimm an) und bin dort bei einer sehr netten Ärztin gelandet. Sie hat mir ein leichtes Antidepressivum empfohlen und eine Gesprächstherapie. Ich habe mich lange gegen diese Tabletten gewehrt aber dann doch eingesehen, dass sie mir helfen.

Die Gesprächstherapie beginnt Ende des Monats. Es gibt leider hierfür sehr lange Wartezeiten.

Was hat sich seit dem in deinem Leben geändert? Was machst du heute anders als damals?

Mittlerweile versuche ich 5 grade sein zu lassen. Der Haushalt muss mal warten und ich fordere Hilfe von meinem Mann ein. Sicher sind die Kinder auch größer und selbstständiger geworden. Zudem haben wir ein Elterntraining mitgemacht, welches uns im Umgang mit meinem großen Sohn hilft (bei ihm wird eine hyperkinetische Störung vermutet)

Ich versuche mir auch mehr Zeit für mich zu nehmen. Sport zu machen, wenn es der Alltag zu lässt. Und vor allem versuche ich zufriedener zu sein und mir schöne Dinge bewusster zu machen. Ich denke, die Therapie wird mir aber auch noch helfen.

Hast du Tipps für andere Mamas?

Sich von Anfang an regelmäßige Auszeiten zu nehmen. Hilfe einzufordern. Eine Mutter muss nicht perfekt sein, auch wenn das heutzutage fast verlangt wird.

Vielen lieben Dank für deine Bereitschaft und Offenheit, mir einige Fragen zu beantworten. Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute.

Mich würde nun sehr interessieren, welche Erfahrungen ihr mit dem Thema gemacht habt und vor allem auch, ob euch weitere Artikel über Mama Burnout bzw. die Bereiche rundherum interessieren würden?

Köln –

Diese unendliche Müdigkeit. Die dauernde Erschöpfung. Das Hamsterrad-Gefühl. Die nie enden wollenden Aufgaben und Gedanken, die an den Nerven und Kräften zehren. Und keine Zeit zum Pause machen. Dann die Stimme in einem, die immer wiederkehrt: Ich will einfach nur ins Bett! Ich könnte ständig nur heulen! Aber ich muss ja funktionieren!

Viele Mütter stehen ständig kurz vor Burnout

Im „ganz normalen“ Alltag mit Kindern, Job und Haushalt kommen vor allem Mütter oft an ihre Grenzen. Selbst wenn es von außen so wirkt, als bekämen das alle locker hin, sieht die Realität oft ganz anders aus: Viele schaffen es zwar, aber nur noch gerade so. Sie wanken quasi am Abgrund vorbei, fallen noch nicht um, aber haben auch keine Kraft mehr, das Leben zu genießen. Sie kratzen sozusagen ständig am Burnout.

Natalie Klüver berichtet auf ihrem Blog „Ganz normale Mama“ aus ihrem Familienalltag.

Foto:

Nathalie Klüver

Kein Wunder, bei dem, was Mütter heute alles leisten müssen, sagt Nathalie Klüver in ihrem Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein“. Und bei den riesigen Erwartungen, die das Umfeld, aber auch die Mütter selbst an sich stellen. Das Mutterideal in unserem Land sei schließlich mächtig: Es ist das Bild einer sich ständig aufopfernden, perfekten Mutter, die ihre Kinder toll fördert, liebevoll betreut, dabei gut aussieht, einen aufregenden Job mühelos stemmt und bitteschön auch noch ständig glücklich damit zu sein hat. Und die, wenn etwas nicht klappt, die Schuld bei sich sucht und sich lieber noch mehr anstrengt, um alles besser hinzukommen, als um Hilfe zu fragen.

Doch wie können Mütter es schaffen, aus der endlosen Belastungsspirale rauszukommen? Und wie gelingen im vollen Alltag überhaupt echte Auszeiten? Im Buch gibt Klüver Tipps, wie Mütter im Alltag den Stress reduzieren, wieder mehr zu sich finden und dem Burnout entkommen können. Wir haben fünf davon zusammengefasst:

Mehr Zeit für sich – ohne schlechtes Gewissen

Mütter kümmern sich meist um alles gleichzeitig – nur nicht um sich selbst. Viele können sich kaum mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal einfach nur etwas für sich getan haben – ohne dass das schlechte Gewissen kommt. Ohne dass sie das Gefühl haben, Zeit für sich selbst sei ein überflüssiger Luxus und raube nur Zeit für andere Erledigungen und Familienmitglieder.

Doch genau diese Selbstfürsorge sei unglaublich wichtig, sagt Nathalie Klüver. Mütter müssten regelmäßig Pausen machen. Und zwar dann, wenn Körper und Psyche es einfordern. Und nicht erst als Belohnung, wenn die Aufgaben erledigt sind – das sei nämlich ein Teufelskreis, da der Punkt, an dem alles getan ist, bekanntermaßen niemals wirklich eintrete. Mütter sollten lernen, ihre Grenzen wahrzunehmen und sie sich einzugestehen. Und erkennen, was ihnen im Alltag besonders schadet und was ihnen gut tut. Es helfe, diese schönen Dinge als Rituale fest im Alltag zu verankern.

Dass Eltern für sich selbst sorgen, das sei sehr wichtig für die ganze Familie: „Wer sich nie um sich selbst kümmert, hat schnell keine Kraft mehr für andere.“ Niemand könne ständig 120 Prozent geben und sich aufreiben, ohne auf die eigenen Bedürfnisse zu hören.

Einfach mal Nein sagen – und sich abgrenzen

„Klar backe ich einen Kuchen für den Kita-Bazar! Natürlich schaffe ich die Präsentation bis morgen! Logisch helfe ich euch beim Umzug!“ Mütter sagen oft zu vielem Ja, was sie im Alltag zusätzlich eigentlich kaum mehr leisten können. Um die Last der vielen tausend Aufgaben zu reduzieren, so Nathalie Klüver, sollten sie deshalb lernen, öfter einmal Nein zu sagen und Prioritäten zu setzen.

Vielen falle das Nein sagen schwer, weil es möglicherweise die Harmonie störe. Deshalb sollten sie das aktiv üben. Zum Beispiel, indem sie sich den entsprechenden Satz vorher aufschreiben und laut vor sich hin sprechen. In der Situation sollte man dann bestimmt hinter der eigenen Meinung stehen, selbst wenn das Gegenüber doch versuche, einen vom Gegenteil zu überzeugen. Hilfreich sei es auch, sich grundsätzlich klarzumachen, wo die eigenen Grenzen liegen und was man in Zukunft anders machen möchte. Also dem Chef zum Beispiel deutlich zu sagen, dass man kurz vor Feierabend grundsätzlich nichts Neues mehr annehme.

Das Nein sagen gelte übrigens auch den Kindern gegenüber. Oft sei ein Ja der bequemere Weg, doch auch Kinder akzeptierten ein Nein. Und oft trage das sogar dazu bei, dass sie Dinge alleine tun und dadurch selbständiger werden.

Stressquellen erkennen – und entschärfen

Es sind oft die immer gleichen Dinge, die Mütter stressen und das Fass (fast) zum Überlaufen bringen. Um diesen ewigen Auslöser zu durchbrechen, sollten Mütter deshalb herausfinden, was die echten Stressquellen und Zeitfresser in ihrem Alltag sind.

Zwar seien manche dieser Stressauslöser nicht zu umgehen, einige aber könne man ändern und so den Stress reduzieren, sagt Klüver. Soll man die Kinder abends nicht lieber eine halbe Stunde länger spielen lassen, damit sie danach auch wirklich müde sind und nicht ewig Theater machen beim ins Bett gehen? Kann ich die Einkäufe besser erledigen, bevor ich sie von der Kita abhole, um den Nörgel-Eklat im Supermarkt zu vermeiden? Soll ich für Wege nicht von vorne herein mehr Pufferzeit einplanen, damit wir nicht immer unter Zeitdruck stehen? Wer an den wichtigen Stellen kleine Dinge ändere, habe oft einen stressfreieren Alltag.

Besser planen – und die Tage nicht überfrachten

Es ist immer viel los im Familienalltag. Eine gute Planung könne aber helfen, den Stress zu entzerren, sagt Klüver. Zuallererst sollten Eltern nicht den Familienalltag nach den Terminen ausrichten – sondern umgekehrt. Vieles lasse sich auch mal leicht verschieben oder anders legen.

Besonders wichtig sei, so Klüver, die Tage nicht zu überfrachten. Kinder bräuchten nicht ständig ein großes Nachmittagsprogramm. Sie hätten sowieso genug Action in der Schule oder der Kita. Die Kinder einfach mal in ihrem Tempo spielen und Zeit vertrödeln zu lassen, könne auch auf die Eltern entschleunigend wirken. Im besten Fall würden die sogar das Drumherum vergessen und wie die Kleinen auch einfach mal im Moment leben.

Hilfe annehmen – auch wenn es schwer fällt

„Soll ich was mitbringen? – Danke, ich mach das schnell selbst.“ Mütter, so schreibt Natalie Klüver, lehnten oft Hilfsangebote von anderen reflexhaft ab und machten sich so unnötig das Leben schwer. Weil sie es sich so angewöhnt haben oder zu stolz sind, um etwas abzugeben. Statt immer alles selbst zu machen, sollten sie aber lernen, Hilfe anzunehmen. Und auch einfach mal zugeben, dass sie diese auch dringend brauchen, weil gerade alles zu viel ist.

Dazu gehöre auch, öfter einmal die Hilfe von Großeltern, Freunden, Babysitter oder Putzfrau zu nutzen. Und im Notfall auch eine von der Krankenkasse bezahlte Haushaltshilfe zu engagieren oder eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen.

Foto:

Thieme Verlag

Buchtipp:
Nathalie Klüver
Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein
Trias Verlag, 2018

„Ich muss nicht perfekt sein“ – Programm zur Prävention von Depression in emotional belasteten Familien

„Es geht nicht mehr. Das geht so nicht weiter. Ich schaffe das nicht mehr.“ Nicht mehr vor und nicht mehr zurück können, dieses Gefühl verspürte Nina N. früher häufiger. Besonders in stressigen Situationen, in denen sie Beruf und Mutterrolle unter einen Hut bekommen musste, empfand sie die starke Belastung. Die 32-jährige Mutter von zwei Kindern litt oft unter einer depressiven Stimmung und fühlte sich mit allem überfordert. „Zu meiner Familie habe ich dann häufig gesagt, lasst mich in Ruhe, ich will nicht mehr. Ich habe mich zurückgezogen oder bin schnell laut und wütend geworden.“ Das Verhältnis zu ihren Kindern war dadurch stark belastet. Vor allem ihr Sohn zeigte Verhaltensauffälligkeiten und sträubte sich gegen die Erziehungsmaßnahmen. Dass seine Mutter keine Grenzen setzte und häufig nachgab, irritierte ihn. In einer depressiven Phase war die 32-Jährige nur noch erschöpft und konnte nicht mehr auf ihre Kinder eingehen. Nina N. brauchte Unterstützung.

Glücklicherweise erfuhr Nina N. während eines Aufenthalts in einer Mutter-Kind-Klinik an der Nordsee von einem neuen Präventionsprogramm EFFEKT-E, was für „Entwicklungsförderung in Familien: Eltern- und Kinder-Training für Familien mit emotionaler Belastung“ steht. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt wird direkt in Mutter-Kind-Kliniken angeboten. EFFEKT-E wurde gemeinsam mit dem Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt und der Universität Erlangen-Nürnberg entwickelt. Ziel ist es, stark belasteten Müttern zu helfen, indem ihnen Strategien für die Erziehung, Interaktion und Stressbewältigung an die Hand gegeben werden. „Ich habe mich sofort dazu entschlossen, mit meinem Sohn am Programm teilzunehmen“, berichtet die 32-Jährige.

Depressionen der Mutter beeinflussen Verhalten der Kinder
Nina N. ist kein Einzelfall. Etwa 17 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden mindestens einmal in ihrem Leben an einer behandlungsbedürftigen Depression. Problematisch: Kinder depressiver Mütter haben gegenüber anderen Kindern ein stark erhöhtes Risiko, später einmal selbst eine Depression zu entwickeln. Die Hintergründe erläutert Diplom-Psychologin Dr. Anneke Bühler, Leiterin des depressionsspezifischen Präventionsprogramms EFFEKT-E: „Depressive Mütter trauen sich wenig zu und zeigen häufig problematische Erziehungspraktiken. Sie greifen etwa so wenig wie möglich ein oder machen ihren Kindern kaum Vorschriften und fühlen sich weniger kompetent in der Erziehung.“

Auch Nina N. kennt diese Situation. Ihr vierjähriger Sohn reagierte auf ihre inkonsequenten Erziehungsmethoden auffällig und versuchte seinen Kopf durchzusetzen. „Nö, das will ich jetzt nicht machen“ war eine häufige Reaktion. „Die Depressivität der Mutter wirkt sich auch auf das emotionale Verhalten der Kinder aus“, weiß Dr. Bühler. „Sie zeigen auffallend häufiger ängstliche, niedergeschlagene und angespannte Verhaltensweisen als andere Kinder. Aus diesem Grund setzt unser Präventionsprogramm an beiden Seiten an.“ EFFEKT-E ist damit das erste Programm, das sowohl mit depressiven Müttern als auch mit ihren Kindern arbeitet.

Gezieltes Training hilft Müttern und Kindern
In insgesamt acht Mutter-Kind-Kliniken in Deutschland führen geschulte Psychologinnen und Erzieherinnen das EFFEKTE- Training durch. Dabei gibt es getrennte Trainingseinheiten für die meist vier- bis sechsjährigen Kinder und deren Mütter. Beim Kindertraining handelt es sich um ein kindgerechtes Gruppentraining zum Lösen sozialer Probleme. Das Elterntraining, das für Mütter mit depressiven Störungen entwickelt wurde, arbeitet zum Beispiel mit Rollenspielen und behandelt Themen wie die Grundregeln positiver Erziehung, das Setzen von Grenzen oder Strategien zur Stressbewältigung. Neue Erkenntnisse konnte Nina N. aus allen Kursstunden mitnehmen. Sie hat gelernt, wie sie ihre Wünsche positiv formuliert, um die Kinder in ihrem eigenständigen Verhalten zu bestärken, ohne ihre Erziehung aus der Hand zu geben. Außerdem weiß sie jetzt, dass sie ihr soziales Umfeld durchaus um Unterstützung bitten kann: „Ich muss nicht perfekt sein, und es ist keine Schande, Hilfe zu holen. Vielleicht kann die Freundin mal auf die Kinder aufpassen, wenn es einem selbst nicht gut geht.“ Bereits solche einfachen Maßnahmen können das Verhältnis zu den Kindern stabilisieren.

Selbstvertrauen in der Erziehung – und das Kind Kind sein lassen
Das EFFEKT-E-Training half Nina N., gelassener zu werden. Sie hat gelernt, die Erziehung besser zu meistern und fühlt sich heute sicherer in ihrer Mutterrolle. EFFEKT-E hat auch dabei geholfen, dass sie sich für die Bewältigung zukünftiger Probleme gestärkt fühlt. „Ich gehe zum Beispiel nicht gleich in die Luft, wenn meine Kinder etwas machen, was ich nicht gut finde. Ich versuche, mich zurückzunehmen. Das bedeutet auch, dass ich meine Kinder ihre Konflikte untereinander auch mal selbst austragen lasse und mich nicht einmische. Sie sollen das Problem, das sie miteinander haben, erst einmal ohne mich lösen. Und ich bin wirklich erstaunt, wie gut sie das hinkriegen.“ Den Kindern mehr Möglichkeiten geben, Kind zu sein und sie darin positiv zu bestärken – das ist ein Aspekt, den Nina N. im Kurs gelernt hat und von dem ihre beiden Kinder profitieren. Kein Wunder, dass auch ihr Sohn vom Kurs „total begeistert“ war.

EFFEKT-E – Ein Projekt in Mutter-Kind-Kliniken zur Prävention von Depressionen
Das Programm EFFEKT-E basiert auf dem grundlegenden Programm „Entwicklung und Entwicklungsförderung in Familien“ der Universität Erlangen-Nürnberg und wurde für depressionsgefährdete Menschen adaptiert. Das Präventionsprogramm richtet sich an Mütter mit depressiver Symptomatik, die an einer Mutter-Kind-Maßnahme teilnehmen und ein Kind im Alter von vier bis sechs Jahren haben.

Kindertraining „Ich kann Probleme lösen“: Inhalte sind Grundlagen der sozial-kognitiven Problemlösung und verhaltensbezogene Problemlösefertigkeiten wie alternative Lösungen, Erwartungshaltung und die Bewertung von Handlungskompetenzen. Schwerpunkte des Trainings liegen dabei auf Emotionsdifferenzierung,-wahrnehmung und -ausdruck. Didaktisch arbeiten die Psychologen mit Rollenspielen, Modell-Spielen, Frage-Antwort-Runden, Bewegungsspielen, Bildvorlagen, Singspielen und Handpuppen.

Elterntraining: Inhalte sind zum einen allgemeine Erziehungskompetenzen wie positive Erziehung, Bitten und Aufforderungen sowie das Setzen von Grenzen. Zum anderen befassen sich weitere Kursstunden mit depressionsspezifischen Auswirkungen auf die Erziehung. Stressbewältigungsstrategien und die Förderung von sozialer Unterstützung sind dabei wichtige Aspekte, um den von der Mutter erlebten Stress zu reduzieren. Darüber hinaus gibt es Tipps, wie in einer depressiven Phase am besten mit dem Kind umgegangen werden kann. In einer abschließenden gemeinsamen Interaktionsstunde von Müttern und Kindern werden die Inhalte nochmals vertieft.

Ansprechpartnerin:
Dr. Dipl.-Psych. Anneke Bühler
IFT Institut für Therapieforschung
Parzivalstraße 25
80804 München
Tel.: 089 36 08 04-0
Fax: 089 36 08 04-49
E-Mail: [email protected]

Gefangen im Mama-Burnout

Wie oft fühlst du dich als Mutter kraftlos und energielos, fast unfähig noch weiter zu machen? Und wie oft zwingst dich gerade dann, wieder einen Schritt vor den anderen zu setzen?

Wie oft wachst du morgens auf und der Berg an Aufgaben scheint dich wieder ins Bett zurück zu drücken?

Und wie oft fühlst du dich leer und frustriert, fragst dich wie es soweit kommen konnte und was du dagegen tun kannst?

Endstation Erschöpfung = Mama Burnout

Der Mama-Job ist vermutlich einer der härtesten Jobs der Welt:

  • 7×24 Stunden Schichten 365 Tage im Jahr.
  • Leitung und Verantwortung für ein kleinen Familienunternehmens.
  • Allzeit bereiter Taxidienst und Anlaufstelle für alle Themen.
  • Pausenzeiten sind nicht geregelt, meist nur rar vorhanden.
  • Der Burnout kommt inklusive, wird nur meistens vertuscht.

Würdest du diese Bedingungen in einem „normalen“ Job so annehmen? – Vermutlich nicht!

Und doch erfüllen wir unsere Aufgaben als Mutter mit Hingabe, Liebe und Ehrgeiz – für unsere Kinder. Oft pushen wir uns auf diese Weise weit über den Rand unserer Möglichkeiten und unserer Kraft hinaus. Sehen keine andere Möglichkeit. Ignorieren alle Anzeichen die uns unser Körper und unsere Seele tagtäglich geben auch mal Pause zu machen, zurück zu sich zu finden.

Irgendwann ist es dann soweit:

Endstation Mama-Burnout

Mama-Burnout = totale Erschöpfung und Perspektivlosigkeit einer Mutter, die nur noch funktioniert.

Aber Mama-Burnout ist doch normal, oder?

Ja, genau das könnte man meinen. Denn laut Müttergenesungswerk ist die Zahl der Mütter mit Burnout in den letzten zehn Jahren um 37% gestiegen.
Fast 84% der Mütter leiden darunter.

Also scheint diese Kraftlosigkeit und Perspektivlosigkeit zum Mutter-Dasein irgendwie dazu zu gehören, so scheint es jedenfalls.

„Mama sein ist anstrengend.“
„Jetzt hört das entspannte Leben auf.“
„Genieße deinen Mutterschutz, so ruhig wird es lange nicht mehr sein!“
„Es ist eine Phase, die auch wieder vorbei geht.“

Das waren alles Sätze dich ich permanent gehört habe, als ich in den letzten Wochen meiner ersten Schwangerschaft war. Mit dieser Art der Sätze wachsen wir alle auf, sie prägen uns unbewusst. Und wenn das lang ersehnte Baby dann da ist – dann wird es anstrengend! Schlaflose Nächte, 7×24 Std. Bereitschaft, kaum noch Zeit für sich. Die Bestätigung für die gehörten Sätze!

Und niemand scheint zu sehen wie es dir geht, es „gehört ja dazu“!​

Da müssen wir Mütter durch. Das Strahlen unserer Kinder entschädigt für alles, oder?

Schon, nur leider bekommen wir dadurch unsere Kraft und Leichtigkeit nicht wieder.

Mama-Burnout ade! Es geht auch anders

Natürlich zehren die ersten zwei Jahre unseres Mutter-Daseins sehr an uns, solange das Baby noch klein ist und permanent unsere Aufmerksamkeit benötigt.

Doch wir Mütter verlernen in den meisten Fällen in genau diesen ersten zwei Jahren auf uns selbst zu achten, darauf dass auch wir Bedürfnisse und Wünsche haben.

Wir stellen unser Kind mit seinen Bedürfnissen in den Vordergrund und vergessen uns selbst oft komplett dabei.

Was passiert, wenn du als Mama mitten im Burnout feststeckst?

Was lernen deine Kinder von dir, wenn du permanent erschöpft bist?
Welche Werte vermittelst du, wenn du durch all das oft genervt reagierst und unzufrieden bist?

Mit wieviel Leichtigkeit, Energie und innerer Ruhe ein Leben als Mutter tatsächlich möglich ist – tagtäglich – das durfte ich selbst nach langen Jahren von Überforderung, Burnout und Depression erleben. Ein solches Leben hat jede Mutter verdient und ist jeder Mutter möglich.

Genau darum geht es hier auf dieser Seite:
Anleitungen, Tipps, Unterstützung und Inspirationen für Mütter die es satt haben sich überfordert und energielos durch den Tag zu kämpfen und sich nach einem Mama-Leben in Leichtigkeit und Energie sehnen.

Alles startet damit, dass du dir deiner eigenen Situation bewusst wirst.

Dein Körper und deine Seele senden dir regelmässig Hinweise, wenn dir mal alles zu viel wird.

Symptome eines Mama-Burnouts

Es gibt einige Signale die dir zeigen, dass du dich am Rande oder auch schon im Mama-Burnout befindest und die Reißleine ziehen solltest.

Burnout ist ein schleichender Prozess und oft werden die ersten kleinen Signale am Anfang nicht wahr genommen oder ignoriert.

wir eltern: Intellektuell unterfordert und isoliert im Vorstadthaus wurden Frauen früher regelmässig depressiv. Heute ist die Mehrheit der Mütter berufstätig. Und läuft durch die Doppelbelastung Gefahr, früher oder später ein Burn-out zu erleiden. Was machen wir Frauen falsch?

Barbara Hochstrasser: Ich würde nicht sagen, dass wir etwas falsch machen. Das Problem war und ist vielmehr die Kleinfamilie. Ihr Nachteil ist, dass sich zu viele Aufgaben auf nur zwei Erwachsene konzentrieren. Eine vom Seco 2011 publizierte Studie* zeigte, dass Frauen als Belastungsfaktoren bei Burn-out sowohl das Berufs- wie das Privatleben nannten. Bei den Männern kommt die Belastung nur von der Arbeit.

Zurück zur Grossfamilie können und wollen wir nicht. Was brauchts?

Fehlen Familienangehörige, braucht es externe Hilfe, sei es in Form nachbarschaftlicher oder familiärer Unterstützung, einer Tagesmutter oder der Kita. So funktioniert Berufstätigkeit für den Mann wie für die Frau.

Aber Frauen, die ihre Kinder fremd betreuen lassen, sind vor Burn-out nicht gefeit, im Gegenteil.

Wir wollen zu viel. Wir achten nicht auf unsere Bedürfnisse oder nehmen sie zu wenig ernst. Eine Frau hat sich nach wie vor in den Dienst des Haushalts, der Kinder und der Familie zu stellen. Geht sie einer Arbeit nach, kommt diese Aufgabe noch dazu.

Wieso ereilt auch Nur-Hausfrauen ein Burn-out?

Ihnen fehlt es oft an Wertschätzung und sozialem Austausch. Und es wird erwartet, dass sie in Schule, Vereinen und innerhalb der Familie Einsatz zeigen. Mit kleinen Kindern ist man zudem ständig fremdbestimmt, muss immer auf sie aufpassen und wird regelmässig unterbrochen bei dem, was man tut. Ein grosser Stressfaktor.

Was müssen wir ändern?

Wie eine Kaffeemaschine, die gewartet, geputzt und aufgefüllt werden muss, benötigen auch wir Aufmerksamkeit, um zu funktionieren. Zuerst müssen wir aber herausfinden, was wir wirklich brauchen, um ein gutes Leben zu führen. Dazu gehört womöglich, Zeit für sich selbst zu haben. Manche Frauen überfordern sich konstant, weil sie denken, das sei ihre Aufgabe, weil sie nicht Nein sagen oder Hilfe anfordern können.

Hat das Baby nachts Hunger oder ist das Kind krank, braucht es unsere Zuwendung. Ein Nein geht mit kleinen Kindern oft nicht.

Klar, kleine Kinder brauchen Erwachsene, die ihre Bedürfnisse zuverlässig stillen. Schlafentzug ist deshalb in den ersten Jahren ein grosses Problem. Aus diesem Grund kommen Eltern nicht darum herum, eine Bestandesaufnahme der Belastungen zu machen, Unterstützung zu organisieren und die Präsenz- sowie Erholungszeit fair aufzuteilen. Den Partner sehr früh einzubinden, ist weise, da er von der Biologie nicht in diese Rolle gedrängt wird.

Manchmal kann jedoch kaum verhindert werden, dass man über längere Zeit grossen Strapazen ausgesetzt ist. Wie gefährlich ist das?

Ist unser Stresssystem aktiviert, sind wir fokussierter; wir produzieren Adrenalin, erleben ein Hochgefühl und sind aussergewöhnlich leistungsfähig. Gleichzeitig sinkt jedoch die Selbstwahrnehmung. Gönnt man sich nicht regelmässig Pausen, chronifiziert sich die Stressbelastung; es kann zu gesundheitlichen Störungen kommen.

Gut zu wissen, dass der Mensch in Zeiten grosser Anforderungen erhöht leistungsfähig ist. Wie lange geht das gut?

Je nach Alter und Vorbelastungen einige Tage oder Wochen. Der Mensch tankt Energie vor allem im Schlaf. Kann man unter der Woche nicht genug schlafen, soll man dies am Wochenende nachholen – oder nach 14 Tagen, wenn es nicht anders geht. Der entscheidende Punkt ist, dass es ein Gleichgewicht braucht zwischen Energieverschleiss und Erholung.

Was sind die Anzeichen für ein beginnendes Burn-out?

Bei einer chronischen Stressbelastung ist man überaktiviert, nervös, kann nicht mehr abschalten und wegen Überreizung nur noch wenige Stunden schlafen. Verdauungsprobleme oder diffuse Schmerzen wie Kopf- und Rückenweh kommen hinzu. Ausserdem kann man sich nicht mehr in nützlicher Frist erholen.

Könnte man in diesem Stadium noch die Notbremse ziehen?

Ja, man merkt ja oft, dass etwas nicht mehr stimmt. Spätestens jetzt sollte man zu sich schauen, sonst kommt es irgendwann zum Zusammenbruch.

Was ist der Unterschied zwischen einem Burn-out und einer Erschöpfungsdepression?

Das Burn-out ist eine Art Vor- oder Risikozustand. Man würde gerne dies und das tun, ist aber zu müde. Die Erschöpfungsdepression bringt zum einen die Symptome einer klassischen Depression mit sich: Man erwacht frühmorgens und kann nicht mehr einschlafen, verliert Freude, Motivation und Antrieb, alles ist einem egal. Der Appetit verändert sich und das sexuelle Interesse lässt nach. Bei einer Erschöpfungsdepression kommt die reduzierte Belastbarkeit dazu: Lärm, ein Telefonat, Kinderstreit – alles überfordert einen und man wird von der Angst beherrscht, den Alltag nicht zu meistern.

Wie stark leiden die Kinder?

Kinder leiden im Allgemeinen mit den Eltern. Es ist wichtig, sie altersentsprechend über den eigenen Zustand zu informieren und gleichzeitig zu vermitteln, dass sie daran nicht Schuld sind. Wichtig ist, dass jemand da ist, der zum Kind schaut und die Mutter auffängt.

Der Perfektionsanspruch ist gross. In den Medien wird stets die super erfolgreiche, extrem attraktive Berufs- und Hausfrau gefeiert. Wie geht man damit um?

Es ist nötig, die eigene Leistungsorientierung und das Perfektionsstreben, beides gesellschaftliche Phänomene, zu hinterfragen und sich darüber klar zu werden, wem man damit gefallen will.

Leichter gesagt als getan!

Das hat auch mit den grundsätzlichen Zielen zu tun, die man im Leben verfolgt. Unsere Gesellschaft hat leider einen Sinn- und Modellverlust erfahren. Hoch im Kurs stehen heute gute Ausbildung, hohe berufliche Position, materieller Wohlstand. Die Frage nach dem tieferen Sinn des Lebens und wie es uns als Ganzes geht, ging in letzter Zeit ein bisschen verloren. Die materialistische Orientierung ist ganz klar ein Teilaspekt der Burn-out-Thematik. Man weiss heute, dass die ersten Jahre im Leben eines Menschen zentral sind für den Rest des Lebens. Liebe und Fürsorge sind gerade in dieser Zeit viel wichtiger als materielle Werte. Deshalb braucht es eine Aufwertung der Tätigkeit mit Kindern.

*Stress bei Erwerbstätigen in der Schweiz, in Auftrag gegeben vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)

Mama-Burnout: Wenn nichts mehr geht

So löschen sie das Feuer. Nehmen Sie Ihre Zweifel wahr, bewerten Sie sie aber nicht über. Es ist noch keine perfekte Mutter vom Himmel gefallen. Und wenn Ihr Kind im Vergleich zu Gleichaltrigen etwas nicht kann – verlagern Sie Ihre Aufmerksamkeit einfach auf positive Dinge. Darauf, dass es so fröhlich lacht, so gut singen kann etc. Sagen Sie sich immer wieder vor: Perfekt geht nicht. Und Fehler sind eine Chance, etwas zu lernen.

Burnout-Faktor: Überall nur halb da …

… und nirgends richtig. Schuldgefühle, davon können berufstätige Mütter ein Lied singen. In der Arbeit der gehetzte Blick auf die Uhr, die Kinder müssen rechtzeitig vom Hort abgeholt, der Kühlschrank muss gefüllt werden. Und zu Hause? Das gleiche Spiel – nur umgekehrt. Da kreisen die Gedanken um die liegen gebliebene Arbeit. Um die Termine des nächsten Tages, um die Akten, die sich türmen. Dazu kommt noch das Gefühl, sich und allen beweisen zu müssen, dass man trotz Karriere keine Rabenmutter ist und „eh genug für seinen Nachwuchs tut“. „Der Kampf an verschiedenen Fronten kostet Energie und Einsatz, lässt wenig Raum für eigene Bedürfnisse und Unsicherheiten. Bei Misserfolgen fühlen sich Frauen oft als Versagerinnen“, sagt Burnout-Expertin Sabine Fabach.

So löschen sie das Feuer. Machen Sie sich bewusst, was Sie tagtäglich alles leisten – und gönnen Sie sich die verdiente Entspannung. Schnell und einfach: Stressabbau durch Musik. Besonders geeignet sind dafür Nature-Sounds oder Klassik. Hinlegen, Augen schließen, sein Ich spüren. Schaffen Sie sich ein Zeitfenster zwischen Job und Kinderbetreuung. Ein kleiner Spaziergang nach der Arbeit, ein Kaffee oder 20 Minuten Sonnenbank – was immer Ihnen hilft, den Akku wieder aufzuladen – tun Sie’s! Lassen Sie überhaupt Dinge, die Ihnen früher Spaß bereitet haben, nicht einfach so in Vergessenheit geraten, weil Sie glauben, keine Zeit dafür zu haben. Nur eine glückliche Mutter ist eine gute Mutter!

Burnout-Faktor: Die Kinder nicht im Griff

Auf Durchzug. Uninteressant, wenn Mama etwas sagt. Vor allem so was wie „Zimmer aufräumen“ oder „Pyjama anziehen und Zähne putzen gehen!“ Da erntet sie nur Maulen – oder schlichtweg gar keine Reaktion. Und irgendwann, nach fünfmaligem Ermahnen, reicht’s. „Ihr verdammten Rotznasen, ihr macht mich wahnsinnig“, brüllt sie – und schämt sich in der Sekunde für den Ausbruch. So sehr, dass sie den Kids im nächsten Moment wieder viel zu viel durchgehen lässt. Ein Teufelskreis: Die Kinder bekommen keine klaren Grenzen und reizen die Mutter so lange, bis sie eine bekommen. Diese Grenze ist dann jedoch keine ruhige, liebevolle mehr. Sondern eine voll Wut, Aggression und Schuldgefühl, die die Mutter unheimlich viel Kraft kostet und die Kinder immer trotziger macht.
So löschen sie das Feuer.
Schritt 1: Ge-und Verbote müssen klar ausgesprochen werden. Schauen Sie dem Kind dabei in die Augen – und bestehen Sie auf Einhaltung des Gesagten. Wenn es sich taub stellt, fordern Sie eine Rückmeldung ein. Fragen Sie: Schaffst du das alleine? Brauchst du Hilfe? Und: Reagieren Sie auf Einwände!
Schritt 2: Machen Sie sich klar: Aggressionen sind nichts, wofür Sie sich schämen müssten. Die Frage ist nur, wie Sie damit umgehen. „Sprechen Sie Ihren Unmut aus, brüllen Sie sich den Frust von der Seele oder lassen Sie Dampf ab, indem Sie eine Runde um den Häuserblock machen“, rät Psychotherapeutin Sabine Fabach.
Schritt 3: Auch wenn Kids mitunter kleine Ungeheuer sind, tun Sie sie nicht pauschal als böse ab. „Sie akzeptieren diese Rolle und verhalten sich dementsprechend“, weiß Kinderpsychiater Dr. Gerstl. Maria Neuberger-Schmidt, Leiterin des Vereins Elternwerkstatt: „Reden Sie in einem freundlichen Ton. Sagen Sie: Es war falsch, was du gemacht hast, aber ich habe dich trotzdem lieb.“

Burnout-Faktor: Zwei Herzen schlagen in meiner Brust

Ambivalente Gefühle. Die Knirpse auf den Betten springen lassen, weil man das früher selber so gern gemacht hätte – oder verbieten, aus Angst vor einem kaputten Lattenrost? Liberal oder autoritär – was ist der richtige Weg? Tja. Und während die Mutter innerlich hin und her gerissen ist, zerlegen die Sprösslinge die Wohnung. Ein anderes seelisches Spannungsfeld sind heimliche Überlegungen wie: „Wäre mein Leben ohne Kinder nicht einfacher – oder gar schöner?“ Psychotherapeutin Sabine Fabach meint dazu: „In beiden Fällen sprechen wir von Ambivalenz, vom Nebeneinander gegenteiliger Gefühle, Gedanken und Wünsche. Bei täglichen Entscheidungsfragen besteht die Problematik darin, dass man kein eindeutiges Bild davon hat, wie eine Sache nun zu funktionieren habe. Und das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Nerven.“

Burnout: Mutter erschöpft durch Dauerstress

Sieben Tage die Woche, rund um die Uhr – Muttersein ist ein 24-Stunden-Job. Für den Frauen, im Gegensatz zu Managern, weder eine Gehaltserhöhung noch eine Beförderung bekommen. Max muss in den Kindergarten, Johannes braucht Hilfe bei den Hausaufgaben und Lena ist krank – immer ist irgendetwas. Daneben noch schnell die Hausarbeit erledigen und ach ja … da wäre ja auch noch die Arbeit im Büro. Zwischen diesen täglichen To-dos bleibt meist keine Zeit für die eigenen Bedürfnisse. Immer verantwortlich und überall perfekt sein – das ist auf Dauer ganz schön ermüdend. Die Folge: Erschöpfungszustände machen sich breit. Bis hin zum Burnout.

Burnout: Was ist das?

Als Burnout-Syndrom (engl. to burn out: ausbrennen) bezeichnet man den Zustand innerer Erschöpfung und Kraftlosigkeit. Häufig wird es mit dem chronischen Müdigkeitssyndrom (Chronic Fatigue Syndrom, CFS) gleich gesetzt.

Das Burnout-Syndrom zeichnet sich durch den Verlust an Energie und Kraft aus. Die Betroffenen sind antriebsarm, dauerhaft müde, reizbar und nicht belastbar. Zu den psychischen Symptomen kommen körperliche hinzu, wie beispielsweise Schmerzen und Schlafstörungen. Da das Krankheitsbild des Burnout-Syndroms nicht einheitlich definiert ist, gibt es zur Häufigkeit keine genauen Angaben. Schätzungen zufolge sind in Deutschland zwischen 300.000 und 1,5 Millionen Menschen aller Altersgruppen betroffen.

Burnout bei Müttern: Welche Ursachen kommen infrage?

Unter den Betroffenen befinden sich natürlich auch Mütter: „Die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burnout, mit Schlafstörungen, Angstzuständen, Kopfschmerzen oder ähnlichen Erkrankungen ist in den letzten 10 Jahren um 37 Prozentpunkte gestiegen,“ erklärt Anne Schilling, Geschäftsführerin des Deutschen Müttergenesungswerks – eine gemeinnützige Stiftung zur Gesunderhaltung von Müttern – im Jahr 2014.

Generell wird die dauerhafte psychische Überlastung als Hauptursache des Burnout-Syndroms angesehen. Hierzu zählen sehr unterschiedliche Ursachen wie eine hohe Arbeitsbelastung, Überforderung, Mobbing, zu hohe Ansprüche an sich selbst oder schlechtes (Arbeits-)Klima.

Burnout: Mutter, berufstätig, Hausfrau, Partnerin – wenn alles zu viel wird

Mütter sind einem hohen Erwartungsdruck ausgesetzt und leben vermehrt unter Mehrfachbelastungen. Heutzutage wird von ihnen erwartet, dass sie möglichst schnell wieder in den Job einsteigen, Kind und Karriere dann spielend unter einen Hut bekommen. „Die Belastungen von Müttern sind gesellschaftlich bedingt und die Erkrankung kein individuelles Versagen“, erklärte die Kuratoriumsvorsitzende des Müttergenesungswerkes Dagmar Ziegler.

Unabhängig davon, zu wie viel Prozent Mütter gleichzeitig berufstätig sind, wird die meiste Haus- und Familienarbeit von ihnen erledigt. Anne Schilling sagt dazu: „Vieles hat sich verbessert in den vergangenen Jahrzehnten, doch klassische Haushaltsroutinen wie waschen, putzen, bügeln, einkaufen, Kinder zum Arzt bringen, den Kindergeburtstag organisieren und vieles mehr, ist immer noch Müttersache, auch wenn sie berufstätig sind. Mütter leisten noch immer wesentlich mehr unbezahlte Familienarbeit als Väter – für ihre Leistungen im Haushalt bekommen Männer laut Umfragen allerdings mehr Anerkennung. Die mangelnde Anerkennung der Haushalts- und Familienarbeiten führt jedoch zu einer Stressbelastung für Mütter und die kann langfristig zu physischen und psychischen Erkrankungen führen.“

Das Deutsche Müttergenesungswerk gab kürzlich bekannt, dass vor allem diese fehlende Anerkennung für Mütter zu einer Belastung wird. Ein Drittel der Frauen, die in einer vom Müttergenesungswerk anerkannten Klinik eine Kur machten, sahen dies als wesentlichen Faktor an.

Viele Mütter leiden unter Perfektionismus

Hinzu kommt, dass viele Mütter danach streben „perfekt“ zu sein. Mutter, Hausfrau, Berufstätige und Partnerin – all diese Rollen sollen makellos erfüllt werden. Ohne dabei Schwäche zu zeigen oder zu zugeben, dass einem die Aufgaben und die Verantwortung schon einmal über den Kopf wachsen. Zu groß ist die gesellschaftliche Erwartung daran, dass Muttersein eine erfüllende Tätigkeit ist.

2015 sorgte eine israelische Studie mit dem Namen „Regretting motherhood“ (übersetzt: Die Mutterschaft bereuen) der Soziologin Orna Donath von der Universität Tel Aviv für Aufsehen. In Interviews berichteten Mütter im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte 70 davon, dass sie es sogar bereuen Mutter geworden zu sein. Damit gaben Sie Anstoß zu Diskussionen. Die interviewten Frauen erklärten, dass sie ihre Kinder lieben, sich mit der Mutterrolle aber nicht wohl fühlen und die Geburt rückgängig machen würden, wenn sie könnten.

Burnout: Symptome für den Erschöpfungszustand

Das Burnout-Syndrom ist geprägt vom zunehmenden Gefühl des Ausgebrannt-Seins, der mangelnden Konzentration und Motivation und der Müdigkeit und Depression. Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es auch zu mangelndem Selbstbewusstsein und Selbstzweifeln. Zunächst empfinden die Betroffenen in erster Linie Ärger, beispielsweise über die berufliche oder private Situation. Sie werden zunehmend reizbarer und aggressiver, was der Umgebung häufig mehr auffällt als den Betroffenen selbst.

Im Laufe der Erkrankung nimmt der Leidensdruck zu, der Betroffene versucht, sich von der Umwelt zu distanzieren, um Ruhe und Frieden für sich selbst zu finden. Das Gefühl, dass alles zu viel wird und „über den Kopf wächst“, verstärkt sich.

Schließlich steigert sich der Leidensdruck bis hin zur Depression. Selbstmordgedanken können aufkommen. Besonders in dieser Phase greifen die Betroffenen häufig auf Suchtmittel zurück. In diesem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann es auch zu körperlichen Symptomen kommen, die auf die psychischen Ursachen zurückzuführen sind (psychosomatische Beschwerden). Hierzu zählen vor allem Schlaf-, Appetit- und Sexualstörungen, aber auch Herzprobleme, Schweißausbrüche oder Kopfschmerzen.

Wie wird das Burnout-Syndrom diagnostiziert?

Die Diagnose des Burnout-Syndroms wird vor allem anhand eines ausführlichen Gesprächs mit dem Arzt oder Therapeuten (Anamnese) gestellt. Da es sich dabei nicht um eine einheitlich definierte Erkrankung handelt, gibt es auch keine einheitlichen Richtlinien für die Diagnose. Das Chronische Müdigkeitssyndrom, das häufig mit dem Burnout-Syndrom gleich gesetzt wird, wird diagnostiziert, wenn Symptome länger als sechs Monate bestehen und zu einer deutlichen Einschränkung im Arbeits- oder täglichen Privatleben führen.

Auch organische Ursachen können Symptome verursachen, die denen des Burnout-Syndroms sehr ähnlich sein können. Hierzu zählt beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion. Dies muss unbedingt ausgeschlossen werden.

Wie verläuft das Burnout-Syndrom?

Das Burnout-Syndrom beginnt meist schleichend und steigert sich im Lauf der Erkrankung. In der letzten Phase der Erkrankung sind die Betroffenen nicht mehr fähig, ein normales Leben zu führen, sie werden zunehmend antriebsarm und depressiv. Nicht selten vereinsamen sie durch den Verlust an persönlichen Kontakten. Eine Suchtproblematik kann hinzukommen und die Situation zusätzlich erschweren. Von herausragender Bedeutung für den Verlauf der Erkrankung ist die individuelle Änderung der Lebensführung oder auch die Aufnahme einer Therapie und damit die Aussicht auf Heilung. Sehr wichtig für die Betroffenen ist die Gewissheit, dass sie mit ihrer Erkrankung ernst genommen werden und behandelt werden können.

Wege aus Burnout: Mutter achtet auf sich – Vorbeugung & Behandlung

Die Therapie eines Burnouts richtet sich immer nach der Diagnose. Je nach Ausprägung können verschiedene Behandlungen infrage kommen. So können betroffene Mütter beispielsweise psychotherapeutisch betreut werden. Auch eine medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka ist möglich. Wenn Sie Symptome von Burnout bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Er wird Sie beraten und Ihnen Ihre individuellen Möglichkeiten erklären. Scheuen Sie sich nicht davor, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Unterstützend kann eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf zur Linderung der Symptome führen und einem Burnout vorbeugen. Entspannungstechniken wie das Autogene Training und Massagen oder Anwendungen wie Kneippsche Bäder können die Behandlung ebenfalls unterstützen. Dies gilt auch zur Vorbeugung eines Burnouts: Hören Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse, suchen Sie sich Unterstützung und nehmen Sie sich Auszeiten zum Entspannen.

Besonders wichtig: Suchen Sie sich Hilfe und Entlastung innerhalb der Familie. Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Ihren Geschwistern oder Eltern darüber, dass Sie Unterstützung brauchen.

Hilfe bei Burnout: Mutter-Kind-Kur

Zur Vorsorge und Rehabilitation eines Burnout-Syndroms bei Müttern kann eine Mutter-Kind-Kur helfen. Rund 50.000 Mütter und über 70.000 Kinder nehmen pro Jahr in den 76 anerkannten Kliniken des Müttergenesungswerks an einer Mutter-Kind-Kur teil. Hier haben Mütter die Möglichkeit, Abstand vom Alltag zu nehmen und sich psychologisch beraten zu lassen. Je nach Anbieter sind die Kuren unterschiedlich gestaltet: Es können zum Beispiel Entspannungstechniken erlernt werden, die Mütter werden durch eine Kinderbetreuung entlastet und können Bewegungsangebote wahrnehmen oder auch bei Eltern-Kind-Kursen die gemeinsame Interaktion mit dem Kind fördern. Mütter merken hier, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind und es anderen Eltern ähnlich geht – das hilft vielen.

Interessierte können sich in einer der 1.300 Beratungsstellen des Deutschen Müttergenesungswerks kostenlos beraten lassen. Eine Beratungsstelle finden Sie auf der Website des Deutschen Müttergenesungswerks: www.muettergenesungswerk.de.

Burnout: Eltern am Rande des Nervenzusammenbruchs

Einige Betroffene vernachlässigen ihre Kinder, waschen sie nicht, passen nicht genug auf sie auf oder vergessen, sie mit Essen zu versorgen. Manche beschimpfen sie auch oder schlagen sie. Derzeit ist uns zwar keine Studie bekannt, die belegt hätte, dass Burnout zwangsläufig mit Vernachlässigung, verbaler oder körperlicher Misshandlung einhergeht. Aber alle von uns befragten Personen haben uns von solchen Verhaltensweisen berichtet.

Burnout und Sucht gehen Hand in Hand

Das Burnout-Syndrom kann außerdem eine Sucht auslösen oder diese verstärken, wie unsere Daten nahelegen. Koffein etwa hilft den Betroffenen durchzuhalten; andere Süchte dienen der Entspannung oder zum Abschalten, zum Beispiel pathologisches Glücksspiel oder allabendlich zwei, drei Gläser Wein. Was das berufliche Burnout-Syndrom angeht, haben Kirsi Ahola und seine Kollegen einen Zusammenhang zwischen Burnout und Sucht bestätigt. 2006 zeigten die Finnen bei einer Befragung von mehr als 3000 Angestellten, dass jeder zusätzliche Punkt auf einer Burnout-Skala das Risiko einer Alkoholabhängigkeit bei Männern um 51 Prozent und bei Frauen um 80 Prozent steigerte.

Derzeit untersuchen wir, ob sich Eltern mit Burnout häufiger das Leben nehmen. Bis dato haben uns alle Betroffenen von Suizidgedanken berichtet, wie sie auch im Rahmen einer Depression auftreten. Einige Eltern sagen, sie wollten „alles aufgeben, verschwinden“, um sich nicht länger um ihre Kinder kümmern zu müssen. In anderen Lebensbereichen hingegen fühlten sie sich gut.

Die Problematik wirkt sich auch auf die Gesundheit aus. Der chronische Stress kann das Immunsystem schwächen, ein Risikofaktor für Infektionen wie eine Grippe. Auch der Blutdruck steigt und damit die Wahrscheinlichkeit von kardiovaskulären Erkrankungen, ebenso nehmen die Muskelspannung und Magen-Darm-Beschwerden zu. Das gilt jedenfalls für berufliches Burnout: Danielle Mohren und ihre Kollegen von der Universität Maastricht stellten anhand von Daten von 12 000 Angestellten fest, dass es im Fall eines Burnouts auch häufiger zu viralen Infektionen kommt; so verdoppelte sich die Wahrscheinlichkeit, an einer Magen-Darm-Grippe zu erkranken. Und das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung stieg um 80 Prozent, wie ein Team um Sharon Toker von der Universität Tel Aviv zeigte. Die Forscher hatten den Gesundheitszustand von rund 8800 Berufstätigen in Israel über drei Jahre hinweg verfolgt.

Auswege aus dem Burnout

Wie können Eltern also einem Burnout vorbeugen? Zunächst einmal gilt es, auf erste Anzeichen zu achten: ob man sich erschöpft oder leer fühlt; ob die Lust schwindet, sich im Alltag mit den Kindern zu befassen; ob es schwerfällt, ihnen zuzuhören; ob man sich ihnen innerlich fern fühlt. Ob man zu schnell genervt ist, überreagiert oder im Gegenteil gleichgültig bleibt. Ob alles Bemühen wirkungslos ins Leere zu laufen scheint. Wenn einiges davon zutrifft, sollte man sich ernsthaft fragen, ob man unter einem Burnout leidet. Ein Fragebogen kann dabei helfen, aber sicherer ist es, einen Psychologen zu konsultieren.

Und dann gilt es, eine Reihe von Dingen zu ändern. Punkt eins: darüber reden. Unter dem Elterndasein zu leiden, unterliegt einem Tabu. Eltern sollten aber zu einem Arzt oder Psychologen gehen und um Hilfe bitten können. Kein Medikament kann die Probleme einfach beseitigen, aber es kann womöglich unterstützend wirken, wenn das Burnout weit fortgeschritten ist oder der Betroffene an Suizid denkt. Der größte Teil der Arbeit ist jedoch psychologischer Natur. Es gilt herauszufinden, wie es so weit kommen konnte und welche Belastungen besonders schwer wiegen. Das kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein und ist der zweite Punkt: die belastenden Faktoren identifizieren und mindern, die Schutzfaktoren fördern. Unsere Erfahrung zeigt, dass bestimmte Lebensbereiche häufig beteiligt sind: die Partnerschaft, die Erziehungspraktiken, die Persönlichkeiten der Betroffenen.

Oft sind sie perfektionistisch, tun sich aber schwer, mit ihren eigenen Emotionen umzugehen und die Gefühle ihrer Kinder zu erkennen und zu verstehen, etwa ob ein Wutanfall gerade echtes Leid widerspiegelt oder ob es dem Kind an klaren Grenzen fehlt. Genau das sind jedoch wichtige elterliche Kompetenzen. Außerdem gilt es, Stress frühzeitig zu erkennen und vorzubeugen, zum Beispiel, indem der Alltag optimiert wird. Es kann helfen, Unterstützung von den Großeltern einzuholen, Aufgaben klarer zu verteilen, Freizeitaktivitäten auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren, das Essen notfalls auch mal aus der Tiefkühltruhe zu holen – kurz: öfter mal alle fünfe grade sein zu lassen.

Dem betroffenen Elternteil fehlt es häufig an konkreter Hilfe seitens des Partners, bedingt durch dessen Arbeit oder auch durch ein traditionelles Rollenverständnis. Ebenso oft mangelt es an emotionalem Beistand: Die Eltern bilden dann kein Team und widersprechen einander in ihren Erziehungsversuchen. Das ist nicht nur für die Eltern, sondern wegen der fehlenden Klarheit auch für das Kind schwierig. Familientherapeuten können dem Paar helfen, eine gemeinsame Linie zu finden.

Wer immer wieder Konsequenzen androht und nicht umsetzt, macht sich unglaubwürdig. Das Kind lernt auf diese Weise, dass es den elterlichen Äußerungen keine Bedeutung beimessen muss

Widersprüche und inkonsequentes Verhalten lassen sich nicht immer vermeiden. Wenn ein Elternteil auf einer Autofahrt droht, das Kind am Straßenrand auszusetzen, wenn es nicht brav ist, so sollte diese Drohung, selbst wenn sie unüberlegt und in der Hitze des Gefechts ausgesprochen wurde, natürlich nicht wahr gemacht werden. Aber wer immer wieder Konsequenzen androht und nicht umsetzt, macht sich unglaubwürdig. Das Kind lernt auf diese Weise, dass es den elterlichen Äußerungen keine Bedeutung beimessen muss.

Nicht zuletzt geht es darum, die gemeinsame Zeit gut zu verbringen. Das bedeutet nicht, dass sich Eltern oder Kinder zu etwas zwingen sollten, was ihnen eigentlich keine Freude bereitet. Vielmehr sollte die Familie Aktivitäten suchen, die allen Beteiligten Spaß machen. Und diese müssen nicht immer pädagogisch wertvoll sein.

Anders als erwartet hängt die Wahrscheinlichkeit, als Mutter oder Vater ein Burnout zu erleiden, weder vom Alter der Kinder noch von dem der Eltern oder von deren Einkommen ab. Patchwork-Eltern leiden ebenfalls nicht öfter oder seltener darunter. Und selbst ein schwieriges, dickköpfiges Kind allein genügt nicht, um ein Burnout auszulösen. Kein Elternteil ist davor grundsätzlich gefeit.

Wer unter einem solchen Burnout leidet, sollte jedoch die Hoffnung nicht aufgeben. Es mag zwar schwierig erscheinen, aus dem Tief herauszukommen, wenn man für nichts mehr Kraft hat. Aber ein Burnout dauert nicht ein Leben lang. Es hat ein Ende. Manchmal braucht es zwei Wochen, manchmal vier Monate oder auch zwei Jahre. Doch wenn man es überwunden hat, gelangt man zu neuen Kräften und kann die Freuden des Elterndaseins wieder genießen.

Mama hat das Burn-out-Syndrom: Stresstest für die gesamte Familie

Mehrfachbelastungen durch Kindererziehung, Haushalt und Beruf fordern bei immer mehr Frauen ihren Tribut. Denn die Anforderungen an moderne „Familienmanagerinnen“ sind hoch – und werden all zu oft nicht honoriert. Durch die ständige Abrufbereitschaft als Mutter, Ehefrau, Köchin, Haushälterin, Arbeitnehmerin, persönliche Krankenschwester und Chauffeurin geraten viele Frauen an ihre Leistungsgrenzen, ohne dass sie es merken, beziehungsweise wahrhaben wollen. Sie werden kraftlos, antriebslos, gereizt, leiden ständig unter einem schlechten Gewissen und werden irgendwann krank. Während das Burn-out-Syndrom vor ein paar Jahren noch als Managerkrankheit galt, schlagen immer mehr Experten, Psychologen und Ärzte Alarm: Gerade Frauen leiden unter dieser Krankheit.

Perfektion macht häufig krank

Die ersten Warnzeichen eines Burn-out-Syndroms lassen sich recht früh erkennen. Man unterliegt dem Drang, alles perfekt zu machen, der Zwang, es sich selbst zu beweisen und dabei völlig auf die eigenen Bedürfnisse zu verzichten. Gerade Menschen, die alles perfekt machen möchten, die unter dem sogenannten Helfersyndrom leiden, die keine Anerkennung für ihre Tätigkeiten bekommen oder unter ständiger Kritik leiden, sind stark gefährdet. Berufstätige Frauen mit Familie zählen daher zur Risikogruppe, da sie es oftmals nicht schaffen, „nein“ zu sagen, Aufgaben im Haushalt oder im Berufsleben zu delegieren, sich keine Ruhephasen gönnen und nicht auf die Erschöpfungssignale ihres Körpers hören.

Sind Beanspruchung und Regeneration über einen längeren Zeitraum aus dem Gleichgewicht geraten, ist der Weg zum Burnout vorprogrammiert. In ihrem Buch „Burnout – Wenn Frauen über ihre Grenzen gehen“ beschreibt die Autorin Sabine Fabach den weiblichen Perfektionismus als „eine der wichtigsten Ursachen, warum Frauen ausbrennen.“ In Kombination mit „belastenden Rahmenbedingungen“ treibe er Frauen bis weit über ihre Belastungsgrenzen und es werde jeder Tag zu einem neuen Kraftakt, um noch besser zu werden oder wenigstens gut genug zu sein.

Leitsymptome des Burn-out-Syndroms

Dr. Christian Stock, Autor des Buches „Burnout – erkennen und verhindern“ beschreibt drei Leitsymptome des Burn-out-Syndroms: Erschöpfung, Entfremdung und Ineffektivität.

Leitsymptom Erschöpfung

Der oder die Betroffene „hat das Gefühl, emotional und körperlich entkräftet zu sein“, so Stock. Zu den Merkmalen der Erschöpfung gehören auf der emotionalen Seite Niedergeschlagenheit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit, fehlende Kontrolle von Gefühlen wie beispielsweise unbeherrschtes Weinen oder Wutausbrüche, Angstgefühle, Lustlosigkeit und Entmutigung. Auf der körperlichen Seite nennt Stock Energiemangel, Schwäche, chronische Müdigkeit, Rückenschmerzen oder andere muskuläre Verspannungen, erhöhte Infektionsanfälligkeit, Schlafstörungen, Magen-Darm-Probleme, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen und Unfallträchtigkeit.

Leitsymptom Entfremdung

„Die Betroffenen spüren eine distanzierte, gleichgültige Einstellung gegenüber der Arbeit und gegenüber anderen Menschen“, schreibt Stock. „Unter Entfremdung wird ein fortschreitender Abbau von Idealismus, Zielstrebigkeit und Anteilnahme verstanden.“ Das ursprüngliche Interesse an der Arbeit und der Familie verblasst und werde durch Zynismus ersetzt. Als Merkmale der Entfremdung nennt der Facharzt für Innere und Psychotherapeutische Medizin negative Einstellung zum Selbst, zum Leben, zur Arbeit und zu anderen, Verlust der Kontaktfähigkeit und Selbstachtung und das Gefühl der Unzulänglichkeit sowie der Minderwertigkeit.

Leitsymptom Ineffektivität

Der oder die Betroffene „hat das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten verloren und erlebt sich als Versager“, so Stock. Einerseits sei dies eine Selbsteinschätzung, andererseits liege die verminderte Leistungsfähigkeit auch meistens tatsächlich vor. Oftmals benötigen die Betroffenen für die Aufgaben mehr Zeit als bisher. Auch die Regenerationszeit würde sich um ein Vielfaches verlängern, so dass beispielsweise ein Wochenende nicht mehr reiche, um sich zu erholen und neue Kräfte zu sammeln. Stock nennt als Merkmale der Ineffektivität Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung, reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit, höherer Arbeitsaufwand, Antriebsverlust, mangelnde Tatkraft, Motivationsabbau und das Gefühl des Versagens.

Ausgebrannt und erschöpft – der Gang zum Arzt ist unvermeidlich

Reagieren sollten Sie spätestens, wenn sich die oben genannten körperlichen Beschwerden bemerkbar machen. Wer am Burn-out-Syndrom leidet, braucht so schnell wie möglich professionelle Unterstützung. Zentrale Anlaufstelle nach dem Zusammenbruch ist der Hausarzt, der zunächst mögliche körperliche Ursachen der Krise untersucht und eine erste Bestandsaufnahme der Situation macht. In vielen Fällen ist die Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass ambulante Maßnahmen nicht mehr ausreichen.

Mutter-Kind-Kur kann helfen

Diagnostiziert Ihr Arzt ein Burnout, wird er höchstwahrscheinlich zu einer Mutter-Kind-Kur raten. Hierfür stellt er Ihnen ein Attest aus und fasst in einem Fragebogen Ihre Symptome zusammen, damit Sie bei Ihrer Krankenkasse eine Kur beantragen können. Doch dies ist leider häufig ein langwieriger Prozess, bei dem Sie Ihre Kraft auch einsetzen müssen, da wegen der Kürzungen im Gesundheitswesen immer weniger Kuren bewilligt werden. Holen Sie sich deshalb Hilfe – Ihr Arzt kann Ihnen Adressen von Verbänden und Kurberatungen nennen, die Ihnen bei dem bürokratischen Teil der Antragstellung helfend zur Seite stehen werden.

Möglichst früh reagieren

Neben der Kur wird Ihnen Ihr Arzt Ruhe verordnen und Sie höchstwahrscheinlich länger krankschreiben. Nutzen Sie diese Auszeit wirklich für sich und lassen Sie sich auch in Ihrem häuslichen Rahmen von Familienmitgliedern, Ihrem Partner und Freunden helfen. Wenn Sie trotz der Warnsignale Ihres Körpers weiterhin über Ihre Grenzen gehen, werden Sie über kurz oder lang einen völligen Zusammenbruch erleiden und sind dann gar nicht mehr einsatzfähig. Reagieren Sie also möglichst früh!

Was heißt ein Burn-out-Fall für die Familie?

Burnout-gefährdete Menschen bitten selten um Hilfe und häufig können sie nicht über ihre Gefühle oder Probleme sprechen. Gerade in der frühen Phase sehen viele überlastete und überforderte Mamas (und Papas) noch nicht die Ausmaße der Krankheit und sie finden Ausreden und Abschwächungen, wenn sie auf ihren Gemütszustand angesprochen werden. Doch schon bald werden die Warnsignale lauter und enden nicht selten in den typischen Symptomen eines Burn-out-Syndroms. Nicht nur für den Betroffenen beginnt nun eine schwierige Zeit. Auch die Familie und Freunde müssen lernen, mit der Krise umzugehen und den oder die Kranke liebevoll und geduldig zu unterstützen.

Tipps für die Familie

  • Bieten Sie vorsichtig Ihre Unterstützung an. Seien Sie nicht gekränkt, wenn Ihre Angebote als Einmischung oder Besserwisserei abgetan und nicht direkt akzeptiert werden. Der Betroffene muss sich erst eingestehen, dass er oder sie Hilfe benötigt.
  • Informieren Sie sich im Internet, in Büchern und/oder bei Freunden und Ärzten über das Thema Stress, Burnout und Depressionen.
  • Sprechen Sie Ihren Partner auf seine Stressbewältigungsstrategien, seine Gefühlsschwankungen und körperlichen Probleme an und teilen Sie ihm mit, dass Sie sich Sorgen machen.
  • Drängen Sie darauf, dass er oder sie sich professionelle Hilfe sucht. Gehen Sie gegebenenfalls mit zum Arzt, Psychotherapeuten oder Coach oder übernehmen Sie die Suche nach einem geeigneten Therapeuten.
  • Machen Sie sich bewusst, dass hinter fehlendem Engagement keine Unwilligkeit oder gar Faulheit steckt. Energie- und Hilflosigkeit ist typischerweise eine Begleiterscheinung des Krankheitsbildes.
  • Gerade Frauen wollen alles alleine schaffen. Unterstützen Sie Ihre Partnerin unauffällig und nehmen Sie Ihr Aufgaben ab, ohne dass Sie dies thematisieren.
  • Ermutigen Sie Ihren Partner, über die Wut, den Ärger auch innerhalb der Familie, die Ohnmacht, die Angst oder andere Gefühle zu sprechen. Zeigen Sie, welche positiven Eigenschaften und Kompetenzen Sie an ihm schätzen.
  • Achten Sie unbedingt auf Ihre eigenen Bedürfnisse und grenzen Sie sich ab. Sorgen Sie für Ihre eigene psychische und physische Gesundheit, sonst laufen Sie Gefahr, selbst ein Burn-Out-Syndrom zu entwickeln.
  • Planen Sie gemeinsam langfristige Veränderungen, die die kranke Person entlasten. Beginnen Sie mit kleinen Veränderungen und heben Sie schwierige Aspekte für später auf.

Burnout: Wenn Mama einfach nicht mehr kann

Müde, ohne Power, irgendwie völlig am Ende – immer mehr Mütter sind im Hamsterrad zwischen Kindern, Küche und Karriere gefangen. Und immer mehr leiden unter Burnout-Symptomen. So erkennst du, ob du einfach nur müde oder von einem Burnout bedroht bist. Plus: Tipps, wie du dich vor dem chronischen Erschöpfungssyndrom schützen kannst.

Burnout unter Müttern ist nicht selten

Wenn Mütter unter chronischer Erschöpfung leiden

„Mir wächst alles über den Kopf!“, „Das Leben fliegt mir um die Ohren, seit ich wieder arbeite“, „Ich kann die schönen Momente gar nicht genießen. Statt das gemütliche Spielen und Basteln mit meinen Kindern zu genießen, hab ich nur im Hinterkopf, was ich eigentlich noch alles machen müsste.“ Als berufstätige Mutter müsste der Tag vier Stunden mehr haben – oder man selbst entweder zwei Hände mehr oder ein Heinzelmännchen an seiner Seite, an das man ein bisschen Arbeit delegieren kann.

Der Chef verlangt Einsatz und Überstunden. Die Kinder Schmuseeinheiten und Gute-Nacht-Geschichten. Dazu kommen noch Wäscheberge, Spiel-Dates, Elternabende und gefühlt tausend Kleinigkeiten. Und dann ist da noch der Anspruch, immer ein offenes Ohr für alle zu haben, die Familie gesund zu ernähren und sich ganz nebenbei auch noch im Elternbeirat der Kita und als Schülerlotse zu engagieren. Aus nicht endenwollender Müdigkeit wird langsam aber sicher ein Zustand, der sich nicht mehr gesund anfühlt.

Was ist ein Burnout?

Burnout kommt aus dem Englischen und heißt so viel wie „Ausbrennen“. Einige Mediziner betrachten Burnout als Vorstufe einer Depression, andere als eigenständige Krankheit. Die Bezeichnung „Erschöpfungssyndrom mit depressiven Phasen“ trifft es ganz gut. Egal ob männlich oder weiblich, ob Manager, Fußballspieler, Erzieherin oder Mama – alle sind von Burnout-Symptomen betroffen. Immer häufiger leiden auch junge Mütter unter chronischer Erschöpfung. 24 Stunden sind sie jeden Tag für ihre Kinder verantwortlich, vor allem in den Baby- und Kleinkindphasen ist Schlafmangel an der Tagesordnung. Die Möglichkeit, einfach mal ein paar Tage Urlaub zu nehmen, gibt es nicht.

Wichtig zu wissen: Nicht jede Phase der Erschöpfung ist gleich ein Burnout. Wenn du merkst, dass du diich in ruhigen Zeiten, zum Beispiel im Urlaub, gut erholst und deine Akkus wieder aufladen kannst, gilt der Erschöpfungszustand nicht als chronisch. Gegensteuern tut trotzdem Not! Viele Betroffene merken allerdings gar nicht, dass sie die Grenze zum Burnout eigentlich schon überschritten haben. Zumal eine Burnout-Erkrankung nicht von heute auf morgen da ist, sie entwickelt sich schleichend. Je früher du Anzeichen erkennst und darauf reagierst, umso größer ist die Chance, dass du es aus eigener Kraft schaffst, den Dauerstress erfolgreich zu bekämpfen. Tipps dazu findest du auf der nächsten Seite.

Woran erkenne ich ein Burnout-Syndrom?

Es gibt viele Anzeichen für Burnout, die meisten davon sind diffus und können auch auf andere Krankheiten und Beschwerden hindeuten. Die wichtigsten Merkmale sind

  • Verlust der körperlichen und seelischen Belastbarkeit

  • Lang andauernde emotionale Erschöpfung

  • Resignation, d.h. das Gefühl, dass das eigene Tun wirkungslos und sinnlos ist

Weiter Anzeichen für ein Burnout-Syndrom können sein

  • Gefühl der inneren Leere

  • Antriebslosigkeit

  • Müdigkeit

  • Das Gefühl sich zu sehr zu verausgaben

  • Anfälligkeit für Infekte / schwaches Immunsystem

  • Schlafprobleme

  • Kopfschmerzen

  • Unklare körperliche Beschwerden wie Schwindel, Magen-Darm-Probleme, grundloses Schwitzen, Herzbeschwerden oder auch Muskelschmerzen

  • Zynismus / Launenhaftigkeit

Mehr Frauen als Männer sind gestresst

Die Krankenkassen melden in den letzten Jahren einen rasanten Anstieg stressbedingter Fehlzeiten bei den Krankschreibungen. Und die TK-Stressstudie 2016 zeigt: Sechs von zehn Menschen in Deutschland fühlen sich gestresst – unabhängig davon, ob beruflich oder privat. Die Frauen stehen dabei sogar noch häufiger unter Strom als die Männer. Spitzenwerte erreichen die 30- bis 39-Jährigen. „Den eigentlichen Stress löst die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus“, zu diesem Ergebnis kommt die TK-Stressstudie. Dabei sind es nicht die Kinder, die „stressen“, sondern der Spagat zwischen Beruf und Familie. Menschen, die sich mit viel Idealismus auf die Arbeit stürzen und sich dabei wenig schonen, sind besonders gefährdet.

Warum leiden immer mehr Mütter und Väter unter Burnout?

Die familiären Strukturen haben sich in den letzten Jahrzehnten und verstärkt in den letzten Jahren gewandelt: Die Großfamilie, in der alle zusammen halten und sich gegenseitig helfen, ist Vergangenheit – immer mehr Elternteile müssen als Alleinerziehende ohne Unterstützung schauen, wie sie über die Runden kommen. Dazu kommt die moderne Arbeitswelt mit permanenter Erreichbarkeit und unsicheren Verträgen. In allen Lebensbereichen sind Zeit- und Leistungsdruck ein Problem. Wer perfektionistisch veranlagt ist, leidet schneller unter Burnout-Merkmalen.

Und wenn wir mal ganz ehrlich sind: Sind wir nicht manchmal sogar ein bisschen stolz auf „unseren Stress“? Soviel zu tun! Laterne basteln, Elternabend, ein toll dekorierter Kuchen für den Geburtstag im Kindergarten – Stress ist manchmal ein kleines Statussymbol. Ein anderes Problem: Noch immer gehören Einstellungen wie „Ich muss es allen Recht machen“ und „Ich darf nicht ’nein‘ sagen“ zur typisch weiblichen Denke dazu. Ein weiterer Faktor, der für chronische Erschöpfung mitverantwortlich sein kann: Viele Burnout-gefährdete Menschen leben in einer sogenannten ‚Inkongruenz‘: Sie versuchen einem Bild zu entsprechen, von dem sie denken, dass es erwartet wird oder das sie in ihrer Kindheit erlernt haben. Hinterfrage dich in einer ruhigen Stunde mal kritisch: Gibst du dich so wie du bist? Oder spielst du deiner Umgebung vor, ganz anders zu sein?

Burnout: Schnelles Handeln ist wichtig!

Wichtig:Burnout darf nicht einfach nur als Erschöpfung abgetan werden! Die Krankheit sollte von einem Arzt sorgfältig abgeklärt und behandelt werden. Wenn du das Gefühl hast, eventuell an einem Burnout zu leiden, sprich im ersten Schritt mit deinem Hausarzt und erkundige dich bei deiner Krankenkasse nach Präventionskursen. In einem frühen Stadium können Betroffene sich selbst helfen. Ist jedoch erstmal der Zustand totaler Erschöpfung erreicht, kann nur noch eine Therapie helfen. Von einer Psychotherapie bei einem niedergelassenen Therapeuten über Tageskliniken und ambulante Programme bis zu einem Kuraufenthalt oder einer Behandlung in einer Klinik gibt es für jeden die passende Behandlung.

Zeit für Erholung

Mutter-Kind-Kur: Wer hat Anspruch und was ist beim Antrag zu beachten?

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Ganz egal, in welchem Stadium sich ein Burnout-Patient befindet, der Ansatz lautet immer: So weiter machen wie bislang geht nicht mehr, es muss sich etwas ändern. Die Lösung ist kein Wellness-Urlaub, in dem man einfach mal die Beine hochlegt, die Waschmaschine ausschaltet und die Seele baumeln lässt. Burnout-Betroffene müssen lernen, Herr über den Stress zu werden, der Überforderung vorzubeugen. Eine der wesentlichen Fragen, die es zu klären gilt, lautet: Was stresst mich? Und wie kann ich dem entgegenwirken?

Wie lässt sich ein Burnout-Syndrom erfassen?

Noch gibt es keine einheitliche Methode, um ein Burnout-Syndrom zu diagnostizieren. Das am häufigsten eingesetzte Messinstrument ist das Maslach Burnout Inventory (MBI). Hier wird per Fragebogen ermittelt, ob und wie stark der Patient unter Burnout-Symptomen leidet. In 22 Fragen geht es um emotionale Erschöpfung, reduzierte Leistungsfähigkeit und Veränderung der Persönlichkeit. Hier geht’s zum Maslach Burnout Selbsttest.

Stress: Eigentlich unser Motor mit Lebensrettungsfunktion

„Der Stress macht mich fertig!“, „Heute war es wieder so stressig!“ Wenn wir über Stress reden und klagen, ist er immer negativ besetzt. Dabei gehört Stress zum Leben dazu. Wenn wir angespannt sind, sind wir hellwach, reagieren schnell, sind leistungsstark. Nur dank Stress sind wir in der Lage, unser von der Schaukel stürzendes Kind in letzter Sekunde aufzufangen, alle To do‘s im Kopf zu behalten, die Suppe vom Herd zu nehmen, bevor wir das Haus verlassen und grundsätzlich drei Dinge gleichzeitig zu tun. Danke, Stress!

Gefährlich wird er, wenn er chronisch wird. Wenn wir pausenlos angespannt sind, nicht mehr runter fahren können. Dass Entspannung wichtig ist, ist uns nicht erst seit gestern bekannt. Aber: Oft haben wir verlernt Ruhe und Entspannung zu finden. Immer gibt es noch etwas zu erledigen. Der Körper fährt weiter auf Hochtouren, einen Normalzustand gibt es schon gar nicht mehr. Zum Gefühl von Dauerstress können dann auch körperliche Beschwerden kommen.

Was tun gegen den Stress?

Auf der nächsten Seite findest du jede Menge Anregungen, Übungen, Tipps, wie du den Stress des Alltags in den Griff bekommst und für die notwendige Entspannung sorgst, um ein drohendes Burnout zu verhindern.

Burnout: Hilfe zur Selbsthilfe

Wenn du rechtzeitig spürst, dass der Stress zum gesundheitsgefährdenden Dauergast wird, kannst du gegensteuern. Mit mehr Entspannung und Achtsamkeit im Alltag sowie einer guten Portion Konsequenz und Lässigkeit kannst du einen drohenden Burnout verhindern. Selbsthilfe-Tipps für Mütter.

Was gegen Dauerstress hilft

„Ich kann mich einfach nicht entspannen“, klagt Britta M., Mutter von zwei Kindern im Kindergartenalter. Wie ihr geht es vielen Müttern. Unser Tipp: Auch wenn du eigentlich keine Zeit und irgendwie auch keine Lust auf Entspannungsübungen hast: du musst herausfinden, was dir ganz individuell hilft, zu entspannen, ein Gegengewicht zum Stress zu finden. Auch wenn du vielleicht erstmal nicht daran glaubst: Es gibt definitiv Auswege aus dem Hamsterrad! Dazu muss man sein Leben auch nicht von A bis Z ändern, oft helfen kleine Dinge, für ein bisschen mehr Gelassenheit und Ruhe zu sorgen.

Fünf wichtige Punkte, die helfen ein Burnout zu verhindern

Wer als Mutter erkennt, dass er von Burnout bedroht ist, hat den ersten Schritt zur Besserung schon getan. Der zweite, dritte und vierte sind allerdings eine Herausforderung. Wer sich beruflich überfordert fühlt, kann erstmal ein paar Tage Urlaub nehmen, sich eine Auszeit gönnen, die Arbeitszeit reduzieren – oder den Job wechseln.

Als Mama geht das alles natürlich nicht. Und wir können auch nicht geduldig warten, bis die ‚Rushhour des Lebens‘ vorbei ist und wieder Ruhe in den Alltag einkehrt. Wir müssen JETZT handeln. Oberste Prämisse für Stress-Patienten: Auf Anspannung muss Entspannung folgen, sonst wird der Stress zum Gesundheitsrisiko.

Eine ausgewogene Work-Life-Balance ist gar nicht so einfach. Aber manchmal simpler zu erreichen, als man glaubt:

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In 15 Schritten zu mehr Entspannung

  1. Erste Anzeichen für Dauerstress erkennen – und bereit sein, die eigenen Lebensgewohnheiten zu ändern.

  2. Mache dir klar: Was genau stresst mich? Wie verhältst du dich bei Stress? Welches Verhalten gefällt dir dabei? Und welches nicht? Ein Stresstagebuch kann helfen.

  3. Überlastung nicht abstreiten. Mit dem Partner und mit Freunden darüber sprechen hilft. Zumal sich der Alltag nur mit der Unterstützung des Partners umkrempeln lässt.

  4. Handlungsmuster ändern! D.h. auf Probleme und Stressfaktoren nicht immer in derselben Weise reagieren. Einfach mal eine andere Strategie ausprobieren.

  5. Eigene Bedürfnisse erkennen und zulassen.

  6. Mache Schluss mit Multitasking! Multitasking spart keine Zeit, kostet nur immens viel Kraft. Eine Sache nach der anderen anpacken. Konzentriert und bewusst.

  7. Die eigenen Grenzen akzeptieren und Ansprüche etwas runterschrauben. Das Leben ist nicht dazu gedacht, dass wir immer 100 Prozent leisten.

  8. Jede Phase hat ihre Zeit. Der Plan, mit Kind genauso weiterzumachen wie davor, kann nicht aufgehen. Irgendwo musst du Abstriche machen und ein paar Ihrer Interessen, Ziele, Hobbys ein bisschen aufschieben.

  9. Für Ausgleich sorgen: Freunde / Sport / Entspannung

  10. Öfter mal „Nein“ sagen. Denn: Wir können es sowieso nicht allen Recht machen. Funktioniert und tut gut! Wichtig: Im entscheidenden Moment stark bleiben. Nein heißt Nein!

  11. Organisiere Hilfe. Welche Aufgaben kannst du – vielleicht auch nur mittelfristig – abgeben? Ein paar Ideen: Putzhilfe, Großeltern, Leihoma, Tauschdienste, Babysitter

  12. Wenn deine Kinder nicht mehr ganz klein sind: In einer Familienkonferenz besprechen, wie jedes Familienmitglied ein bisschen mehr helfen kann. Wenn man nicht mit allen Aufgaben alleine steht, ist das allein schon eine Hilfe. Im nächsten Schritt: Verantwortung abgeben und die Erfüllung der Aufgaben nicht permanent überprüfen – und dann doch selbst erledigen.

  13. Was ist mir im Leben wichtig? Eine höchst philosophische und schwierige Frage, die man sich aber ruhig mal stellen sollte.

  14. Auf den vielen To-do-Listen nicht nur Sinnvolles, sondern auch Schönes notieren.

  15. Achte darauf, dass dein Akku nicht völlig entleert wird, sondern dass du immer noch Reserven hast. Ist dein persönlicher Akku erstmal leer, greifen Präventivmaßnamen nicht mehr, dann ist professionelle Hilfe nötig.

Die Mutterschaft ist ein echter Knochenjob: Mütter sind Köchin, Haushälterin, persönliche Krankenschwester, Chauffeurin, Psychologin, Nachhilfelehrerin – und 80 Prozent von ihnen sind auch noch in Lohnarbeit tätig. Sie sind in ständiger Alarmbereitschaft, 24 Stunden, 7 Tage die Woche. Kein Wunder, dass immer mehr Frauen bei diesem Pensum einfach nicht mehr können. Während das Burnout-Syndrom vor ein paar Jahren noch als Manager-Krankheit bekannt war, schlagen immer mehr Experten, Psychologen und Ärzte Alarm: Jede fünfte Mutter in Deutschland müsste sofort eine Kur beantragen. Denn „Durch den ständig wachsenden Druck geraten viele Frauen an ihre Leistungsgrenzen und werden krank“, erklärt Anne Schilling, Geschäftsführerin des „Müttergenesungswerkes“ (MWG).

Apropos Mama-Leben: Warum diese Vierfach-Mama in puncto Verhütung wirklich nicht mehr von anderen belehrt werden möchte, lest ihr hier …

Hintergrund

Inside Ehrliche Mama-Worte Hört endlich auf, euch in meine Verhütung einzumischen, nur weil ich mehr als ein Kind habe! Ob Zwillings-, Mehrlings- oder Single-Mama: Wenn der Nachwuchs erstmal da ist, werden Frauen nicht nur nach dem weiteren Kinderwunsch ausgefragt, auch die bisherige Verhütungsform wird kommentiert. Geht’s noch? Das fragt sich auch BUNTE.de-Bloggerin und Vierfach-Mutter Katarina …

Oft zeigen sich die Symptome zuerst auf seelischer Ebene. 97 Prozent aller 50.000 Mütter, die jedes Jahr in den Kliniken des MWG behandelt werden, leiden unter psychischen Störungen. Dazu zählen Angstzustände, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, sie können sich nicht mehr konzentrieren, haben ständig schlechte Laune und können nicht abschalten. Selbst nachts dreht sich das Kopfkarussell weiter: Ich muss noch den Kinderarzttermin klarmachen, ich muss noch den Elternbrief lesen, ich muss noch die Schwiegermutter anrufen. Ich muss, ich muss, ich muss. Bis irgendwann auch der Körper rebelliert: „Patientinnen haben deutlich auffälligere Krankheitsbilder als noch vor zehn Jahren. Sie klagen zunehmend über starke Rückenschmerzen und Migräne, Atemwegserkrankungen und Muskelverspannungen, Kraftlosigkeit und Kreislaufprobleme, ein Infekt jagt den nächsten.“

Der Druck auf Mütter wird immer größer und größer und größer und …

Die Ursachen sieht Anne Schilling vor allem in der stetig wachsenden Erwartungshaltung, der Mütter heute ausgeliefert sind – seitens ihres Umfeldes, aber auch sich selbst gegenüber. Sie wollen alles (na, was denn sonst!?) perfekt machen: den Haushalt im Griff haben, die Kollegen nicht enttäuschen und vor allem eine gute Mutter und Ehefrau sein oder es zumindest versuchen. „Es muss eben der selbstgebackene Schokokuchen für den Schulbazar sein, das originelle Geschenk für den Klavierlehrer, die bestmögliche Förderung für den Nachwuchs“, sagt auch Helen Heinemann, Leiterin des Burnout-Institutes in Hamburg. Die Frage ist nur: Wofür das alles? Und vor allem: Zu welchem Preis? Dass die Mütter dabei selbst auf der Strecke bleiben, fällt ihnen oft erst auf, wenn es schon fast zu spät ist. „Dabei brauchen Kinder vor allem eines: Mütter, die fröhlich, gesund und ausgeglichen sind.“

Apropos Realität: Für Alleinerziehende in Deutschland sind die folgenden Situationen mehr als alltäglich …

Inside „6 Mütter“ zeigt nur eine Seite So sieht sie aus, die Realität von Alleinerziehenden in Deutschland Drei Promi-Damen bei der diesjährigen Staffel von „6 Mütter“ waren alleinerziehende Mamas – fast könnte man den Eindruck bekommen, dass die Sendung damit die Situation in Deutschland treffend widerspiegelt. Aber gelingt ihr das wirklich? Ein Kommentar von BUNTE.de-Redakteurin Sara-Lena Niebaum, selbst alleinerziehende Mutter einer Tochter.

Doch die meisten Frauen warten zu lange, werden immer kränker, bis sie schließlich professionelle Hilfe suchen – aus Versagensangst und Scham, den Ansprüchen einer modernen Frau, die ihr Leben scheinbar mit links stemmt, nicht zu entsprechen. Und auch, weil es immer noch selbstverständlich ist, dass die Frau den Großteil der Hausarbeit erledigt. „Junge Menschen streben heute zwar die Gleichstellung von Mann und Frau in Sachen Karriere, Kindererziehung und Haushalt an. Aber sobald das erste Kind geboren wird, fallen die meisten dann doch wieder in alte Rollenbilder zurück“, weiß Anne Schilling. Während den Müttern früher zugestanden wurde, sich ausschließlich um Familie und Haushalt zu kümmern, geht die Frau von heute auch noch mit großer Selbstverständlichkeit arbeiten. Der Haushalt bleibt trotzdem zu 100 Prozent an ihr hängen.

Das sieht der moderne Mann allerdings ganz anders: Laut einer Umfrage der Krankenkasse „AOK“ schätzen Männer ihren Anteil an der gemeinsamen Hausarbeit auf 60 Prozent. Heiß: Nur 40 Prozent bewältigen die Frauen in ihrer Schätzung alleine. Die Frauen haben einen anderen Eindruck: 80 Prozent der Hausarbeit erledigen sie allein, 20 Prozent gemeinsam mit ihrem Mann. „Mütter erledigen alle diese Aufgaben aus Liebe“, sagt Burnout-Expertin Helen Heinemann, „aber für viele Männer ist es eben selbstverständlich, dass die Frau den Boden schrubbt, die Einkaufstüten schleppt, die Wäsche bügelt. Und manchen Partnern fällt das noch nicht einmal auf.“ Die Folgen können fatal sein: Wenn es auch noch an Anerkennung und Wertschätzung mangelt, können daraus schnell Frust, Enttäuschung und schließlich Krankheiten entstehen.

Die Zahl erschöpfter Frauen hat sich verdoppelt

In den Kurkliniken des MWG hat sich die Zahl erschöpfter Frauen in den vergangenen 15 Jahren fast verdoppelt. Nicht nur, weil immer mehr Frauen am Burnout-Syndrom erkranken, sondern weil die Krankenkassen eine Mutter-Kind-Kur schneller bewilligen. Denn dass Mütter besonders gefährdet sind, ist längst ein gesellschaftliches Phänomen: Als größte Belastung in ihrem Alltag empfinden die Patientinnen den ständigen Zeitdruck (75 Prozent), beruflichen Stress (50 Prozent), die Vereinbarkeit von Kind und Job (48 Prozent), Probleme bei der Erziehung (28 Prozent) und mangelnde Anerkennung (26 Prozent).

In der dreiwöchigen Mutter- oder Mutter-Kind-Kur lernen sie, den Blickwinkel auf ihr Leben zu ändern, die eigenen Bedürfnisse wieder stärker wahrzunehmen und damit stressfreier ihren Alltag zu meistern. Denn wer für andere sorgt, muss auch seine eigenen Kraftquellen pflegen. Das kann ein Kinobesuch sein, der Yogakurs am Nachmittag, ein Glas Prosecco mit der besten Freundin oder ein Wochenende mit dem Partner. Regelmäßige Auszeiten also – ganz ohne schlechtes Gewissen. „An den Lebensumständen können wir nichts ändern“, sagt Anne Schilling, „aber wir helfen den Frauen dabei, auf gesunde Weise damit umzugehen.“

Du fühlst dich überfordert und möchtest dich über Hilfsmöglichkeiten informieren? Erste Hilfe bekommen Mütter und Hausfrauen nicht nur bei ihren vertrauten Ärzten oder der Krankenkassen-Informationszentren, sondern auch in den bundesweiten Beratungsstellen des „Müttergenesungswerkes“ – einer gemeinnützigen Vereinigung, die sich über Spenden finanziert. Hier helfen die Experten auch bei der Beantragung einer Kur.

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Mutter-Burnout: Als Mutter erschöpft und überfordert

Mit 36 Jahren, als Mutter von 2 Kindern, schlitterte ich immer weiter in den Burnout und verlor am Ende fast alle Energie und Lebensfreude.

Es waren Sätze wie „Mama sein ist nun mal anstrengend.“, „Genieße deinen Mutterschutz, so ruhig wird es lange nicht mehr sein!“ oder „Nur eine Phase, die geht wieder vorbei.“ die ich hörte, wenn ich mich versuchte anderen Müttern gegenüber zu öffnen.

Ich denke, was mich vor der großen Katastrophe gerettet hat, war ein letztes Fünkchen Lebenslust und ein Hauch Optimismus. Ich wollte die schönen Stunden mit meinen zwei kleinen Töchtern und meinem Mann genießen, ihnen endlich wieder Liebe schenken.

Als Mutter von zwei Kindern rutschte Silke Brandt in den Mama-Burnout – hier schildert sie ihren Weg aus der psychischen Krise.
Foto: privat

„So will ich nicht mehr leben! Wie kann es sein, dass ich einen tollen Partner, wundervolle Kinder, einen guten Job, eigentlich alles habe, was ich immer wollte – und trotzdem unglücklich bin?“, das waren meine verzweifelten Gedanken, die mich dazu brachten, die Reißleine zu ziehen und meinen Weg aus dem „Mama-Burnout“ heraus zu suchen.

Mutter-Burnout: überfordert, hilflos, kraftlos

Ich liebe meine Kinder „über alles“, doch lange Zeit wusste ich nicht weiter, war überfordert, hilflos, kraftlos. Das Mutter-Dasein erschien mir geradezu als nicht zu bewältigende Last. Schnell reagierte ich genervt, obwohl es keinen Grund gab. Danach hatte ein fürchterlich schlechtes Gewissen meinen Kindern gegenüber. Und oft musste ich mich zwingen aufzustehen.

Als ehemalige Leistungsschwimmerin war ich es gewöhnt, mich bis zum bitteren Ende anzutreiben. Dieses Muster habe ich auf das Mama-Sein übertragen – bis es nicht mehr ging: Irgendwann musste ich mich täglich zwingen, sprichwörtlich „einen Schritt vor den nächsten zu setzen“. Allein der Gedanke an all die noch zu erledigenden Aufgaben ließ mich jedes Mal fast zusammenbrechen.

Ich wollte die perfekte Mama sein, ich wollte genauso gelassen und entspannt sein, wie mir die anderen Mütter zu sein schienen. Also wurde ich nach außen zur perfekten Schauspielerin, meinen inneren Zerfall ignorierend.

Denn mir ging es ja gut, Burnout oder Depression war etwas für andere!

Wirklich? Ganz ehrlich?

Nein, natürlich nicht!

Irgendwann brach meine mühsam aufgebaute innere Mauer zusammen und ich musste mir selbst gegenüber zugeben, dass ich so nicht mehr weiter machen konnte. Ich wollte raus aus meinem tiefen Loch an Überforderung, Erschöpfung und Depression!

Vielleicht kennst du das auch. Vielleicht kennst du dieses Gefühl von Kraftlosigkeit – und dennoch weiter zu machen. Das Gefühl von Leere. Nur noch als funktionierende Maschine den Tag zu überstehen.

Du bist nicht alleine!

Für mich war mein „Mama-Burnout“ ein Zustand. Ein Zustand, in den ich mich irgendwie hineinmanövriert hatte, also war ich überzeugt, auch selbst den Weg herauszufinden. Ärzte oder Therapien kamen mir gar nicht in den Sinn, denn in meinen Augen war ich nicht krank.

Gut möglich, dass ich mir das damals nur nicht eingestehen konnte. Fakt ist, dass mir diese Einstellung ermöglicht hat, tatsächlich den Weg aus eigener Kraft heraus zu finden. Zudem gibt es mir jetzt die Chance, genau diesen Weg für andere Mütter festhalten zu können.

Denn als es mir wieder gut ging, musste ich nach privaten Gesprächen mit anderen Müttern geschockt feststellen, dass es vielen Müttern tatsächlich ganz genauso ging wie mir. Ich war gar nicht die Einzige, wie ich immer geglaubt hatte! Diese Erfahrung hat den Wunsch in mir geweckt meine Erfahrung und mein Wissen an andere Mütter weiter zu geben und die Möglichkeit zu schaffen, offener über das Thema „Mutter-Burnout“ zu sprechen.

Denn sei versichert: du bist nicht alleine!

Überlege dir: Wie viel leichter, einfacher und freier wäre der Alltag als Mama, sobald du innerlich im Frieden mit dir bist, die Begeisterung des Lebens spürst und voller Energie in den Tag startest?

Wie wäre das für dich? Aus tiefstem Herzen glaube ich daran, dass jede Mutter ihren Weg in die Leichtigkeit und Energie finden kann.

Burnout als Mutter – was tun?

Vielleicht konntest du dich in den Beschreibungen des Mama-Burnouts oben wiederfinden und fragst dich: Was mache ich jetzt?

Zunächst einmal: Sei stolz auf dich! Es ist eine enorme Leistung und bedarf Mut, sich das einzugestehen.

Es ist weder eine Schande, noch bist du dauerhaft krank. In den meisten Fällen ist es eine unbewusste und schleichend entstandene Überforderung und Erschöpfung, in die ganz viele Mütter hineinrutschen.

Laut Müttergenesungswerk ist die Zahl der Mütter mit Burnout in den letzten zehn Jahren um 37 Prozent gestiegen. Zeit diesen Trend zu stoppen, wie ich finde, oder?

Schritte aus dem Mama-Burnout

Auf Basis meines eigenen Weges habe ich eine Strategie entwickelt, die Müttern 12 einfache Schritte aufzeigt, damit sie ihrem „Mama-Burnout“ entfliehen und das Leben leben können, das sie sich wirklich wünschen.

Was ich festgestellt habe: Es ist nötig, sich zunächst geistig, körperlich und mental in einen positiveren und energievolleren Zustand zu bringen. Erst danach ist man wirklich fähig, sich auf die Suche zu machen: nach sich selbst und seiner eigenen, wahren Identität, seinen Träumen und, seiner Passion. Nur so kann man am Ende fast automatisch auch seine Beziehungen auf ein ganz neues Level zu bringen.

Diese Strategie umfasst 12 Schritte, die ich dir hier in meinen nächsten Blog-Beiträgen Schritt-für-Schritt erklären werde. Also bleibe dran!

Warum ich dir helfen möchte?

Ganz einfach: Es ist mein persönlicher Herzenswunsch, das Tabu-Thema „Mama-Burnout“ an die Öffentlichkeit zu bringen – und vor allem den Weg heraus zu zeigen, denn es gibt ihn!

Schritt 1: Wie du krank machenden Stress aus deinem Leben verbannst

Schirtt 2: Warum so viele Mütter glauben, dass sie keine gute Mutter sind

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Mehr von Silke Brandt?

Ihr Wissen über Wege aus dem Mama-Burnout sowie ihre wiedergewonnene Lebensfreude gibt Silke Brandt auf ihrem YouTube-Kanal und ihrer Website www.mama-burnout.com weiter. Silkes Motivation: Frauen auf ihrem Weg aus dem Burnout begleiten, ihnen Mut machen und mit Rat & Tat als Coach zur Seite zu stehen.

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