Blasenentzundung BEI kindern

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Blut im Urin

Blut im Urin: Ursachen

Normalerweise findet sich kein Blut im Urin. Wenn doch, deutet das auf einer Erkrankung oder Verletzung im Bereich des Urogenitalsystems (System der Harn- und Geschlechtsorgane) hin. Ist das Blut im Urin mit bloßem Auge zu erkennen (rötlich gefärbter Urin), spricht man von Makrohämaturie. Wenn die Blutmenge im Urin aber so gering ist, dass sie sich nur mit Teststreifen oder anderen Untersuchungsmethoden nachweisen lässt, liegt eine Mikrohämaturie vor.

In den meisten Fällen liegen die Ursachen für Blut im Urin im Bereich der ableitenden Harnwege oder Nieren:

  • Harnwegsinfekte: Harnwegsinfekte wie Blasenentzündung und Harnröhrenentzündung sind häufige Ursachen für Blut im Urin. Zusätzlich klagen die Patienten oft über ein Brennen beim Wasserlassen.
  • Harnsteine: Vor allem größere Blasen-, Harnröhren- und Harnleitersteine können die Schleimhaut im Harntrakt reizen und verletzen und so eine Hämaturie auslösen. Begleitend können kolikartige Schmerzen im Unterleib auftreten. Je nach Lage des Steins können beispielsweise Schmerzen im Rücken oder in den Flanken hinzukommen.
  • Nierenentzündungen: Es zählen dazu die Nierenkörperchenentzündung (Glomerulonephritis), die interstitielle Nephritis und die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Alle drei können unter anderem Blut im Urin verursachen.
  • Nierenzysten: Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die sich in verschiedenen Organen bilden kann, auch in der Niere. Manchmal treten sie nur einzeln auf und verursachen dann meist keine Beschwerden. Die Niere kann aber auch sehr viele Zysten aufweisen. Eine solche Zystenniere ist eine genetisch bedingte Erkrankung, die unter anderem eine Hämaturie auslösen kann.
  • Niereninfarkt: Hierbei verstopft ein Blutgerinnsel eine Nierenarterie (Niereninfarkt). Die Betroffenen verspüren plötzliche Schmerzen in der Flanke. Ist durch den gefäßverschluss ein größerer Teil des Nierengewebes von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten, können Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen hinzukommen. Nach einigen Tagen tritt als Zeichen eines akuten Nierenversagens Blut im Urin auf.
  • Nierenvenenthrombose: Ähnlich wie beim Niereninfarkt verstopft hier ein Blutpfropf ein Nierengefäß – allerdings eine Vene und nicht eine Arterie. Akute Flankenschmerzen und Blut im Urin sind typische Anzeichen.
  • Blasen-Bilharziose: Die Tropenkrankheit Bilharziose (Schistosomiasis) wird durch eine Infektion mit Pärchenegeln hervorgerufen. Von diesen Parasiten existieren verschiedene Arten, die eine Bilharziose auslösen können. Manche davon legen ihre Eier bevorzugt in den Venen der Harnblase ab. Anzeichen dieser Blasen-Bilharziose ist Blut im Urin. Im weiteren Verlauf können häufiger Harndrang und Harninkontinenz hinzukommen.
  • Andere Infektionen: Auch einige andere parasitäre sowie bakterielle Infektionen können die Erklärung für Blut im Urin sein. Dazu zählt etwa die sogenannte Urogenitaltuberkulose – eine Tuberkulose-Erkrankung, die sich im Bereich von Harntrakt und Geschlechtsorganen manifestiert und von Tuberkel-Bakterien ausgelöst wird.
  • Tumoren: Manchmal ist Blut im Urin auf einen bösartigen Tumoren im harntrakt zurückzuführen. Das kann Blasenkrebs, Harnröhrenkrebs, Harnleiterkrebs oder Nierenkrebs (wie Nierenzellkarzinom) sein.
  • Weitere Harnwegs- und Nierenerkrankungen: Manchmal verursachen Divertikel oder Polypen der Blase oder Harnröhre eine Hämaturie. Divertikel sind Wandaussackungen, Polypen meist gutartige Schleimhautwucherungen. Weitere mögliche Ursachen sind zum Beispiel Engstellen am Ausgang der Blase oder in der Harnröhre sowie Nierenschädigungen im Rahmen von Bluthochdruck oder Diabetes (diabetische Nephropathie).
  • Verletzungen: Durch einen Verkehrsunfall, Messerstich, Sturz oder Schlag können die Harnwege, die Blase oder die Nieren verletzt werden. Dann mischt sich oft Blut in den Urin.

Darüber hinaus kann Blut im Urin auch andere Ursachen haben. Dazu zählen beispielsweise:

  • Prostata-Erkrankungen: Findet sich bei einem Mann Blut im Urin, kann das auf ein Problem mit der Prostata hindeuten, etwa auf eine Prostataentzündung (Prostatitis) oder eine gutartige Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie). Auch blutende Krampfadern der Prostata (Prostatavarizen) sowie Prostatakrebs können sich mit Blut im Urin bemerkbar machen.
  • Systemischer Lupus erythematodes: Diese Autoimmunerkrankung kann verschiedene Organe betreffen, darunter die Nieren. Diesen entzünden sich in der Folge (Lupusnephritis), was mit einer Hämaturie einhergehen kann.
  • Wegener-Granulomatose: Diese auch als Morbus Wegener bezeichnete Erkrankung geht mit einer chronischen Entzündung von Blutgefäßen einher. Zusätzlich bilden sich kleine Hautknötchen (Granulome) im Bereich der Entzündungsprozesse. Sind die Gefäße der Nieren von der Erkrankung betroffen, resultieren sichtbare Spuren von Blut im Urin (Makrohämaturie).
  • Medikamente: Auch bestimmte Arzneimittel können als Nebenwirkung zu Blut im Urin führen. Das gilt etwa für manche Antibiotika (wie Penicilline), Krebsmedikamente (Zytostatika) und Blutverdünner (wie Acetylsalicylsäure, Phenprocoumon).

Übrigens: Mediziner sprechen von glomerulärer Hämaturie, wenn die Ursache im Bereich der Nierenkörperchen (Glomeruli) liegt wie etwa bei einer Glomerulonephritis. Die Glomeruli stellen die erste Filterstation bei der Harnproduktion dar: Hier wird der Primärharn aus dem Blut abgepresst.

Gelangen die roten Blutkörperchen dagegen erst auf nachfolgenden Abschnitten des Harntraktes in den Urin (etwa aufgrund von Blasensteinen oder Harnleiterentzündung), handelt es sich um eine postglomeruläre Hämaturie.

Rötlich gefärbter Urin: Nicht immer eine Hämaturie

Vermeintliches Blut im Urin kann sich auch als etwas anderes entpuppen als einem erhöhten Gehalt an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Manchmal ist die verstärkte Ausscheidung von Hämoglobin (der rote Blutfarbstoff in den Erythrozyten) der Grund, wenn der Urin eine rot-braune Farbe annimmt. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer Hämoglobinurie. Sie kann zum Beispiel nach Bluttransfusionen oder starker körperlicher Belastung (wie einem langen Fußmarsch) oder im Rahmen einer Vergiftung oder allergischen Reaktion auftreten. Weitere mögliche Ursachen sind etwa bestimmte Infektionen (wie Malaria) und erblich bedingte Erkrankungen.

Einem rot-braun verfärbten Urin kann auch eine sogenannte Myoglobinurie zugrunde liegen. Darunter versteht man die verstärkte Ausscheidung des Eiweißes Myoglobin mit dem Urin. Myoglobin ist der rote Muskelfarbstoff, der sich in Skelett- und Herzmuskelzellen findet. Wenn solche Zellen verletzungs- oder krankheitsbedingt in größerer Zahl zugrunde gehen (etwa bei einem Herzinfarkt), wird viel Myoglobin ins Blut freigesetzt (Myoglobinämie) und in weiterer Folge mit dem Urin ausgeschieden.

Eine ganz harmlose und vorübergehende Rotfärbung des Urins kann durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel (wie Roter Bete) zustande kommen.

Darüber hinaus können auch manche Medikamente den Urin so verfärben, dass der Verdacht auf eine Blutbeimengung aufkommt. Das gilt zum Beispiel für das Antibiotikum Rifampicin.

Bemerkt eine Frau während der Menstruation Blut im Urin, kann es sich um beigemischtes Menstruationsblut handeln.

Farbe des Urins gibt Hinweise An der Farbe des Urins kann man in viele Gesundheitsstörungen erkennen. Auch Blut ist im Urin meist gut sichtbar.

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Wenn die Rotfärbung über mehrere Toilettengänge anhält, handelt es sich meist tatsächlich um Blut im Urin oder auch Hämaturie genannt. Wer kurzfristig keinen Arzttermin bekommt, kann den Nachweis mit entsprechenden Teststreifen aus dem Internet oder aus der Apotheke selbst durchführen.

So prüfen pflegende Angehörige

Für pflegende Angehörige und Pflegefachkräfte gibt es mehrere Methoden, den Urin des Patienten zu prüfen:

  • Harn im Inkontinenzmaterial prüfen
  • Urin in der Bettpfanne prüfen
  • kurz nachdem Toilettengang den Urin in der Toilette prüfen
  • Urin in Urinierflasche prüfen
  • Harn im Urinbeutel eines Urinalkondoms prüfen

Blut im Urin als Anzeichen einer Entzündung

Die häufigsten Auslöser für Blut im Urin sind Infektionen der Harnwege. Dabei leiden Frauen sehr häufig unter Blasenentzündung. Blasenentzündung bei Männern tritt eher selten auf. Bei Männern ist die Harnröhre kürzer, so gelangen Krankheitserreger leichter in die Blase. Typische Symptome sind neben dem dunkelgefärbten Urin auch ständiger Harndrang, Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen.
Verschleppen sollte man eine Blasenentzündung nicht, da die Keime sonst weiter in die Nieren wandern. Bei einer Nierenbeckenentzündung ist die bakterielle Infektion bereits so weit fortgeschritten, dass nur noch Antibiotika helfen. Im Unterschied zur Blasenentzündung treten oft schon Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf, bevor man Blut im Urin findet. Meist kommt es auch zu starken Schmerzen in den Flanken.
Bei Männern kann eine vergrößerte Prostata Harnweginfekte begünstigen, die sich ebenfalls durch Blut im Urin bemerkbar machen. Bei ihnen zeigt sich eine Hämaturie auch als Symptom für Entzündungen von Harnröhre oder Samenblase.

Blut im Urin wird auch als Hämaturie bezeichnet.

Hämaturie als Folge von Gerinnungsstörungen

Menschen mit Blutgerinnungsstörungen haben häufig Einblutungen in Haut, Muskelgewebe und Gelenken. Oft ist damit auch der Abgang von Blut im Urin verbunden. Dasselbe gilt für Patienten, die Gerinnungshemmer nehmen oder unter einem Mangel an Vitamin K leiden.

Blut im Urin aufgrund Verletzungen der Nieren und Harnwege

Unfälle können Auslöser für Wunden oder Risse im Bereich der Nieren und Harnwege sein. Auch durch Fremdkörper in der Harnröhre kann es zu Blut beim Wasserlassen kommen. So reizen Dauerkatheder die Harnwege und begünstigen Entzündungen. Die unangenehmen Folgen reichen vom Harnstau über Störungen und Schmerzen bei der Blasenentleerung bis hin zur Nachblutung, wenn der Katheder entfernt wird.

Nierensteine und Blasensteine als Auslöser von Blut im Urin

Ebenso schmerzhaft sind Steine, die sich in Nieren, Blase oder Harnleiter ablagern. Dort führen die spitzen Kristalle zu Verletzungen und Blut im Urin. Je nach Lage der Harnsteine kommt es zu Rücken- und Unterleibsbeschwerden oder Schmerzen im Genitalbereich. Bei Blasensteinen müssen die Betroffenen häufig Wasser lassen, doch geht nur wenig Urin ab. Steine sind ein Volksleiden: Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie erkranken jährlich mehr als eine Million Menschen daran. Weit seltener sind Nierenzysten die Ursache für eine Hämaturie. Sie führen meist erst dann zu Beschwerden, wenn sie aufbrechen und bluten.

Blut im Urin als Warnzeichen bei Krebs

Die Deutsche Krebshilfe rät dazu, jede Hämaturie ärztlich abzuklären. Denn Blut beim Wasserlassen kann ein erstes Anzeichen sein für Blasenkrebs oder bösartige Tumoren in der Prostata und den ableitenden Harnwegen. Bei Männern zählt Prostatakrebs zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Ein Blasenkarzinom tritt dagegen auch bei Frauen auf. Im Nierengewebe kann es ebenfalls zu unkontrollierten Wucherungen kommen, die sich leicht in benachbarte Organe ausbreiten. Ein Großteil der Patienten mit Blasenkrebs oder einem Nierenzell- bzw. Nierenbecken-Karzinom bleibt lange Zeit beschwerdefrei. In schätzungsweise 80 % aller Fälle ist blutiger Urin der erste – und oft auch der einzige – Warnhinweis auf den Tumor.

Andere Gründe für rötlichen Harn

Bei Muskelschäden infolge von Verletzungen kann Eiweiß in die Blutbahn geraten. Das wird mit dem Harn ausgeschieden und färbt ihn ebenfalls rot (Myoglobinurie). Im Unterschied zur Hämaturie entsteht die Farbe jedoch nicht durch rote Blutkörperchen, sondern durch ein Übermaß an Hämoglobin im Urin. Diese Hämoglobinurie kann auch bei bestimmten Formen der Blutarmut auftreten, als Begleiterscheinung von Autoimmunkrankheiten oder Allergien.

Diagnose und Behandlung

Normalerweise wird der Befund Blut im Urin zunächst durch Labortests beim Hausarzt oder Internisten abgeklärt. Danach folgen entsprechende Untersuchungen beim Facharzt für Gynäkologie, Urologie oder Nephrologie. Neben Ultraschall und Blasenspiegelung werden bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder Magnetresonanztomografie eingesetzt. Ist die Ursache festgestellt, wird umgehend mit der entsprechenden Therapie begonnen. Im Normalfall heilen Entzündungen von Blase, Nieren und Harnleiter dank Antibiotika meist schnell und ohne Komplikationen aus. Auch Krebs im Bereich der Harnwege lässt sich gut behandeln, wenn der Tumor rechtzeitig entdeckt wird. Daher empfiehlt die Deutsche Krebshilfe allen Männern mittleren Alters, die angebotenen Vorsorgeuntersuchungen unbedingt wahrzunehmen.

Risikofaktoren und Vorbeugungsmaßnahmen

Folgende Personengruppen sollten auf jeden Fall sofort zum Arzt gehen, wenn ihr Urin eine Rotfärbung zeigt: Prostata-Patienten, Diabetiker, Nierenkranke, Bluter und Menschen, die blutverdünnende Mittel einnehmen.
Rauchen, hoher Blutdruck, Alkohol, Schmerzmittel, und Umweltgifte belasten die Nieren. Reichlich Flüssigkeit kann Entzündungen vorbeugen und die Heilung beschleunigen, da krankmachende Keime schneller mit dem Urin ausgeschwemmt werden. Blasentee und stilles Wasser sollen den Entgiftungsprozess unterstützen. Zudem beugt ausreichende Flüssigkeitszufuhr der Bildung von Harnsteinen vor.

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Was ist eine Hämaturie und wie erkennt man sie?

Was versteht man unter einer Hämaturie?
Unter Hämaturie versteht man das vermehrte Auftreten von Blut, genauer gesagt roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Harn.
Die Ausdrücke Erythrurie oder Erythrozyturie sind weniger gebräuchlich, obwohl sie etwas exakter wären.

Sind im Harn normalerweise rote Blutkörperchen?
Ja, aber sehr wenige. Bei einer üblichen Harnuntersuchung mit dem Mikroskop (Vergrößerung 400-fach) sollte man pro Gesichtsfeld nur maximal 2 rote Blutkörperchen sehen. Findet man mehr, ist das bereits eine Hämaturie.
Nicht alle setzen die Grenze so niedrig an. Manche nennen es erst ab 5 roten Blutkörperchen pro Gesichtsfeld Hämaturie.

Woran erkennt man Blut im Harn?

  • Makrohämaturie
    Sind viele rote Blutkörperchen im Harn, dann sieht man die Hämaturie auch ohne Hilfsmittel, also mit freiem Auge, weil sie eine rote Verfärbung des Harns verursacht. Man nennt dies Makrohämaturie.

    Makrohämaturie
    Beim Harn links erkennt man schon mit freiem Auge die braunrötliche, trübende Verfärbung. Dies ist ein Befund bei relativ starker Hämaturie. In dem Beispiel sind es 5000 rote Blutkörperchen pro mikroliter Harn.
    Zum Vergleich rechts ein normaler Harn, keine Trübung, keine Verfärbung.

  • Mikrohämaturie
    Sind nur wenige rote Blutkörperchen im Harn, dann kann man die Hämaturie nicht mit freiem Auge erkennen. Man braucht dann entweder ein Mikroskop oder einen Harnteststreifen, um die roten Blutkörperchen im Harn nachzuweisen. Dies wird als Mikrohämaturie bezeichnet.

    Mikrohämaturie
    Der Harnteststreifen links zeigt Blut im Harn an. Die fleckige Grünfärbung sagt, dass es wirklich rote Blutkörperchen sind. Hämoglobin würde eine gleichmäßige Grünfärbung verursachen. Bei stärkerer Hämaturie ist das aber nicht mehr gut unterscheidbar, da die einzelnen Flecken verschmelzen. Der dargestellte Befund entspricht ca. 50 roten Blutkörperchen pro µl Harn. Ab einer Menge von 5-10 roten Blutkörperchen pro µl Harn ist dies mit einem Teststreifen erkennbar.
    Zum Vergleich rechts ein Normalbefund.

Ist es wirklich Blut? Wie sichert man den Befund ab?
Hat man mit bloßem Auge oder mit dem Teststreifen vermeintlich Blut nachgewiesen, muss erst einmal geklärt werden, ob es sich wirklich um rote Blutkörperchen handelt. Sowohl die Harnfarbe als auch der Teststreifenbefund können täuschen:

  • Rötliche Harnfarbe ohne Blut im Harn
    Eine rötliche Harnfarbe kann auch durch Nahrungsmittel (rote Rüben , Rhabarber), Anilinfarbstoffe oder Medikamente entstehen.
    Seltener kann auch soviel Myoglobin oder Hämoglobin im Harn sein, dass dieser auffällig verfärbt wird (die Ursachen sind im nächsten Punkt beschrieben).
    Auch bei Porphyrien (seltene, meist erbliche Stoffwechselkrankheiten mit Lichtempfindlichkeit der Haut, Leberschäden aber auch plötzlichen Bauchschmerzen) kann roter Harn auftreten. Typisch ist bei manchen Formen ein Nachdunkeln des Harns, das heißt der Harn wird mit der Zeit dunkler.
  • Positiver Teststreifenbefund ohne Blut im Harn
    Ein positiver Teststreifenbefund entsteht auch durch Hämoglobin (=der rote Blutfarbstoff) oder Myoglobin (=Eiweiß in Muskelzellen). Hämoglobin oder Myoglobin im Harn weist aber auf ganz andere Krankheiten hin, daher muss man dies von einer echten Hämaturie unterscheiden.
    • Hämoglobin: Hämoglobin gelangt in den Harn, wenn im Blut eine größere Menge von roten Blutkörperchen zerstört wird (Hämolyse). Dabei wird Hämoglobin frei und gelangt teilweise in den Harn. Ist Hämoglobin im Harn, wird der Teststreifen zwar „rote Blutkörperchen“ anzeigen, im Mikroskop wird man aber keine roten Blutkörperchen sehen. Blutbefunde können einen Hinweis auf Hämoglobin im Harn liefern: z.B. eine hohe LDH, ein niedriges Haptoglobin oder auch eine rosa-rötliche Färbung der Blutflüssigkeit.
    • Myoglobin: Bei Zerstörung von Muskelgewebe (Rhabdomyolyse) gelangt Myoglobin ins Blut und auch in den Harn. Ist Myoglobin im Harn, wird zwar der Teststreifen „Blut/Hämoglobin“ anzeigen, im Mikroskop wird man aber keine roten Blutkörperchen sehen. Blutbefunde können einen Hinweis auf Myoglobin im Harn liefern: z.B. eine hohe CK, die ebenfalls aus dem Muskel kommt.

    Auch bei Infektionen durch Bakterien können Teststreifen fälschlicherweise rote Blutkörperchen anzeigen.

Im Zweifelsfall kann die mikroskopische Untersuchung des Harns klären, ob wirklich rote Blutkörperchen im Harn vermehrt sind.
Einschränkung: Wenn man im Mikroskop keine roten Blutkörperchen findet, obwohl der Teststreifen Blut anzeigt, kann das auch daran liegen, dass die roten Blutkörperchen vor der mikroskopischen Untersuchung im Harn zerstört wurden. Das kann bereits im Körper passieren oder bei der Aufbereitung des Harns vor der mikroskopischen Untersuchung. Kann man den Verdacht auf eine echte Hämaturie also nicht sicher ausschließen, wird man sie abklären oder zumindest kontrollieren müssen, auch wenn man im Mikroskop keine roten Blutkörperchen findet.

Daneben sollte daran gedacht werden, dass rote Blutkörperchen im Harn auch von der Regelblutung, eventuell auch von Blut im Stuhl kommen können.

Ursachen von Hämaturien

Vorweg sei gesagt: die häufigsten Ursachen für eine Hämaturie (ohne sonstige Beschwerden) sind leichtere oder zumindest gut behandelbare Erkrankungen. Bei Makrohämaturie ist das Risiko, dass eine schwerwiegende Erkrankung die Ursache der Hämaturie ist, größer als bei Mikrohämaturie. Bei Mikrohämaturie findet man nur bei einem sehr kleinen Teil der Fälle eine schwerere Erkrankung. Nicht selten findet sich auch gar keine Ursache (und zwar vor allem bei Mikrohämaturie, manchmal aber auch bei Makrohämaturie).

Einschub: das Harnsystem
Das Blut fließt durch die Nieren. Harn wird durch die Nierenfilter, die Glomeruli, abgefiltert. Der größte Teil der Flüssigkeit wird noch in der Niere zurückgeholt, aber ca. 1.5 Liter fließen pro Tag über die Harnleiter in die Blase und werden über die Harnröhre ausgeschieden.

Der Glomerulus
Über 1 Million solcher Filter finden sich in der äußeren Schicht der Nieren.

Prinzipielle Ursachen von Hämaturien

  • Nierenerkrankungen
    Eine Vielzahl von Nierenerkrankungen kann Blut im Harn zur Folge haben:
    • Entzündungen (Autoimmunerkrankungen, Infektionen)
    • Erbliche Erkrankungen der Nierenfilter (Glomeruli)
    • Tumoren
    • Zysten der Niere (abnorme Hohlräume)
    • Verletzungen
    • Blutgefäßverstopfungen (Der Blutzufluss zur Niere aber auch der Blutabfluss von der Niere kann verstopfen)
    • Gefäßmissbildungen
    • Medikamenteneinnahme (z.B. Schmerzmittel)
    • u.a.

    Glomeruläre Hämaturien
    In der Niere entsteht eine wichtige Untergruppe von Hämaturien, die sog. glomerulären Hämaturien. Davon spricht man, wenn die Filter der Niere, die sog. Glomeruli, undicht werden und rote Blutkörperchen in den Harn durchlassen. Das kann bei verschiedenen Nierenerkrankungen vorkommen. Meist liegt der Grund in einer Entzündung der Glomeruli (sog. Glomerulonephritis) aber auch erbliche Erkrankungen, die die Glomeruli betreffen, können die Ursache sein. Die roten Blutkörperchen (= Erythrozyten) bei glomerulären Hämaturien haben im Mikroskop ein typisches Aussehen. Mann nennt sie auch glomeruläre Erythrozyten oder dysmorphe Erythrozyten.
    Eine erst in denn letzten Jahren so richtig erkannte, häufige Ursache glomerulärer Hämaturien soll vorweg erwähnt sein: die Erkrankung mit dünner Basalmembran (Thin Basement Membrane Disease, TBMD). Bei den Betroffenen ist eine Membran der Nierenfilter (=Glomeruli) dünner. Diese erbliche Krankheit, die früher als benigne familiäre Hämaturie bezeichnet wurde, verläuft gutartig und führt nur extrem selten zu einem Nierenschaden.

  • Erkrankungen des Harnleiters, der Harnblase und der Harnröhre
    • Steine
    • Entzündungen (v.a. durch Infektionen)
    • Verengungen des Harnleiters oder der Harnröhre
    • Tumoren
    • Verletzungen, Fremdkörper
    • Endometriose (Schleimhaut der Gebärmutter im Bereich der Harnwege)
  • Erkrankungen der Vorsteherdrüse (Prostata)
    • Entzündungen (v.a. Infektionen)
    • Tumoren (sind meist gutartig)

Andere, mögliche Ursachen einer Hämaturie:

  • Störungen der Blutgerinnung (z.B. bei Marcoumar-Behandlung, Heparin-Behandlung)
  • Zu wenige oder nicht funktionierende Blutplättchen
  • schwere körperliche Anstrengungen (Marathonlauf)
  • Zuckerkrankheit (mit Nierenschädigung)
  • Nierenschäden bei zu hohem Kalzium oder zu hoher Harnsäure im Harn; Gichtniere
  • Sichelzell-Anämie (erbliche Blutarmut mit sichelartigen roten Blutkörperchen)
  • Thalassämie (erbliche Blutarmut mit abnormem roten Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen)

Welche Ursachen sind häufiger? Warum sind die Statistiken dazu so unterschiedlich?
Wenn eine Hämaturie festgestellt wird, möchte man ja als erstes wissen, welche Ursachen in Frage kommen und wie gefährlich sie sind.
Leider sind die Studienergebnisse betreffend die Häufigkeit der Ursachen von Hämaturien sehr unterschiedlich.

  • Schwerere Erkrankungen werden manchmal überschätzt
    Z.B. fand eine Studie bei 22% aller Hämaturie-Patienten maligne Tumoren, also „Krebs“ (G.D. Grossfeld, Urology, 2001), eine andere Studie bei nur 9.5% (A.J. Mariani, Journal of Urology, 1989), eine weitere bei nur 2.9% (S. Kazunobu, International Journal of Urology, 2001) und eine gar nur bei unter 1% (Mohr, JAMA, 1986). Diese unterschiedlichen Zahlen kommen vor allem durch unterschiedliche Auswahl der Studien-Patienten zu Stande. Wird die Studie z.B. an einem urologischen Zentrum gemacht, mit Patienten, die wegen einer Hämaturie an dieses Zentrum überwiesen wurden, dann kommt natürlich ein höherer Anteil an schwerwiegenden Erkrankungen heraus. Denn wegen einer einfach nachzuweisenden Erkrankung, wie z.B. einer Blasenentzündung, wird wohl kein Patient an ein Zentrum überwiesen werden. Auch die Altersstruktur der Studien-Patienten hat Einfluss. Bei älteren Patienten ist Krebs wahrscheinlicher als bei jüngeren oder Kindern.
  • Häufige Ursachen bleiben unerkannt
    Ein weiteres Problem ist, dass sehr häufige Ursachen von Hämaturien relativ leichte Erkrankungen der Nieren-Glomeruli sind. Dazu gehört z.B. die oben bereits erwähnte erbliche „Erkrankung mit dünner Basalmembran“. Diese Erkrankung verursacht außer der Hämaturie oft keine Beschwerden und Probleme. Man kann die Erkrankung nur mit Spezialuntersuchungen (Gewebsentnahme aus der Niere, Elektronenmikroskopie) sicher nachweisen. Bei einer leichten Hämaturie ohne sonstige Beschwerden wird man aber kaum eine Nierengewebsprobe entnehmen. Auch eine andere häufige Ursache einer Hämaturie, die IgA-Nephropathie kann sehr leicht verlaufen und wird dann kaum durch eine Nierengewebsprobe bewiesen werden. So bleiben diese Erkrankungen oft unerkannt. Man weiß aber, dass sie zu den häufigsten Ursachen einer Mikrohämaturie zählen.

Diese Problematiken seien deswegen an dieser Stelle angesprochen, damit sie ein positiver Teststreifenbefund (d.h. Blut im Harn vorhanden) nicht übermäßig beunruhigt. Dahinter kann eine schwere Erkrankung stecken, die häufigsten Ursachen sind aber leichtere Erkrankungen oder erbliche Besonderheiten.

Ursachen einer Hämaturie (Makro- oder Mikro-) bei 1000 ansonsten beschwerdefreien und unauffälligen Erwachsenen (Eiweiß im Harn normal)
(A.J. Mariani, Journal of Urology, 1989)

Ursache Häufigkeit
Blasenentzündung, Harnröhrenentzündung 51.5 %
Gutartiger Tumor der Vorsteherdrüse (Prostataadenom) 22.4 %
Karzinom („Krebs“) der Harnblase 7.5 %
Steine im harnableitenden System (z.B. „Nierensteine“) 5.2 %
Engstellen im Bereich des Harnblasenausgangs oder der Harnröhre 4.3 %
Glomerulonephritis (spezielle Entzündung der Niere) 1.4 %
Nierenzellkarzinom („Nierenkrebs“) 1.1 %
Pyelonephritis (bakterielle Infektion der oberen Harnwege mit Beteiligung des Nierenbeckens, der Nierenkelche und der Niere) 1.1 %
Karzinom im Bereich des Harnleiters oder des Nierenbeckens 0.9 %

Häufigkeit von urologischen Erkrankungen bei positivem Teststreifenbefund
(d.h. ohne mikroskopische Bestätigung und ohne sichtbare Hämaturie)
(M.A. Khan, British Journal of Urology International, 2002)

Nierensteine, Blasensteine 5.5 %
Vergrößerte Prostata (ohne Hinweis auf Karzinom) 3.0 %
Blasenentzündung und andere Infektionen des Harntraktes 2.5 %
Blasentumoren (Karzinome) 1.6 %
Verengungen der Harnröhre 0.5 %
Anmerkung: in dieser Studie sind nur die urologischen Krankheiten erfasst worden. Die Gruppe der Nierenentzündungen (Glomerulonephritis und interstitielle Nephritis) und viele andere Nierenerkrankungen gehören zum internistisch-nephrologischen Bereich und sind nicht angeführt.

Abklärung der Ursache einer Hämaturie

Einfache Hinweise auf die Ursache einer Hämaturie
Um eine Hämaturie vollständig abzuklären, können sehr aufwändige Untersuchungen notwendig werden. Und selbst dann gelingt es nicht immer, eine Ursache zu finden.
Man kann aber bei Beachtung verschiedener, einfacher Befunde zwar keine Beweise aber immerhin wichtige Hinweise auf bestimmte Ursachen bekommen.

In welcher Phase des Harnlassens erscheint das Blut?
(Harn in verschiedenen Portionen sammeln)

  • Ist Blut nur in der ersten Harnportion oder kommt Blut auch ohne Harnlassen aus der Harnröhre, dann wird das Problem vor allem in der Harnröhre bzw. der Prostata zu suchen sein.
  • Ist das Blut vorwiegend in der letzten Harnportion könnte das auf ein Problem im Bereich des Blasenhalses (d.h., wo die Harnblase in die Harnröhre übergeht) oder im Prostata-Bereich hindeuten.
  • Bei anderen Blasenerkrankungen oder Erkrankungen des oberen Harntraktes (Niere, Harnleiter) wird in allen Portionen Blut zu finden sein.

Ist im Harn auch zuviel Eiweiß (Proteinurie)?
(Eiweiß ist meist mit dem gleichen Teststreifen nachweisbar)

  • Erhöhtes Eiweiß spricht für eine Ursache im Bereich der Niere.
    • Leichtere Erhöhungen (z.B. 0.5 bis um 1.0 g / Tag) können bei verschiedenen Nierenerkrankungen auftreten (Glomerulonephritis, interstitielle Nephritis),
    • stärkere Erhöhungen (mehr als 1.5 g / Tag) sprechen für eine Schädigung der Glomeruli der Niere (Glomerulonephritis oder andere Schäden der Glomeruli).
  • Findet man kein erhöhtes Eiweiß im Harn, heißt das aber natürlich nicht, dass die Ursache nicht dennoch in der Niere liegen kann.
  • Auch bei schweren infektiösen Entzündungen des Harntraktes kann Eiweiß positiv sein, etwa bis 0.5 g / Tag. Dies wird aber meist durch die Beschwerden und andere Symptome des Patienten erkennbar sein.

Sie mögen sich fragen, ob nicht auch bei Blutungen, die aus dem Harnleiter oder der Harnblase kommen (z.B. wegen eines Tumors oder eines Steins) Eiweiß erhöht sein muss, da ja im Blut immer Eiweiß enthalten ist. Prinzipiell gelangt tatsächlich mit solchen Blutungen Eiweiß in den Harn. Aber vergleichsweise sehr wenig. Nur bei extrem starken Hämaturien aus den Harnwegen wird eine merkbare Erhöhung des Eiweißes im Harn auftreten. Bei einer Mikrohämaturie wäre das sicher nicht der Fall.

Wie sehen die roten Blutkörperchen im Harn (im Mikroskop) aus?

  • Wenn die roten Blutkörperchen überwiegend (>80%) beschädigt aussehen (man spricht von dysmorphen roten Blutkörperchen), dann ist wahrscheinlich, dass eine Schädigung der Glomeruli der Niere vorliegt.
  • Sind die roten Blutkörperchen aber überwiegend (>80%) normal geformt, dann wird die Ursache eher nicht in den Glomeruli liegen. Dann ist die Quelle der Blutkörperchen eher im ableitenden Harnsystem zu suchen (Harnleiter, Blase, Harnröhre) oder bei Krankheiten der Niere, die nicht primär die Glomeruli betreffen (z.B. Nierenzysten, Nierentumor).

    Nicht dysmorphe („normale“) Erythrozyten im Harn

    A und B zeigen die typische, normale Form der eingedellten Scheibe, C ist leicht stachelig verändert, was aber nicht zu den Dysmorphien zählt. D ist ein sog. Erythrozyten-Geist, eine leere Hülle ohne Inhalt. Auch diese Form ist kein Hinweis auf eine Nierenerkrankung, die die Glomeruli betrifft.

    Dysmorphe Erythrozyten im Harn

    A zeigt eine Ringform mit 2 Einschnürungen, bei B sind es schon sehr viele Einschnürungen. Bei C ragen Zapfen in die Mitte hinein. D zeigt blasige Ausstülpungen. Unter den dysmorphen Formen nennt man D-artige Formen „Akanthozyten“. Sie sollen besonders typisch für eine Schädigung der Nierenglomeruli sein.

  • Liegt ein gleichmäßigeres Gemisch aus dysmorphen („beschädigten“) und normalen roten Blutkörperchen vor, kann man daraus keine eindeutigen Schlüsse ziehen.
  • Selten sieht man im Mikroskop auch sog. Erythrozytenzylinder, also längliche Gebilde aus mehreren roten Blutkörperchen. Sie sind eine Art Ausguss eines Nierenröhrchens. Wenn man sie findet, ist das ein Beweis, dass die roten Blutkörperchen aus der Niere kommen. Man findet Erythrozytenzylinder aber nur selten, auch wenn die roten Blutkörperchen aus der Niere kommen. Findet man keine, spricht dies daher keineswegs gegen eine Nierenerkrankung.

Wie viele weiße Blutkörperchen und Bakterien sind im Harn?

  • Findet man im Harn größere Mengen von Bakterien und weißen Blutkörperchen, spricht das für eine bakterielle Infektion des Harntraktes (Pyelonephritis, Blasenentzündung). Eine Harnkultur (Harn auf Nährboden, Lagerung bei 37°C, Bakterienwachstum beobachtbar) kann dann einen Harnwegsinfekt nachzuweisen helfen.
  • Bei der Tuberkulose des Harntraktes findet man auch weiße Blutkörperchen im Harn aber keine Bakterien im Mikroskop. Auch „normale“ Kulturen werden keine Bakterien anzeigen.
  • Kleinere Mengen von Leukozyten (ohne Vermehrung von Bakterien) sagen über mögliche Ursachen einer Hämaturie weniger aus. Sie kommen bei verschiedenen Erkrankungen sowohl der Niere als auch des harnableitenden Systems (Harnleiter, Harnblase) vor.

Natürlich können auch die Beschwerden und Symptome des Patienten (z.B. das Vorhandensein von Schmerzen) und die Krankengeschichte des Patienten bei der Diagnose helfen.

Welche Untersuchungen können bei der Abklärung einer Hämaturie helfen?

  • Andere Laboruntersuchungen
    Neben den Blut-Routinewerten (inkl. Kreatinin, Kalzium und Harnsäure):
    Komplementfaktoren, Kryoglobuline, ASLO, Auto-Antikörper (ANA, ANCA, Anti-Basalmembran-Antikörper) im Blut. Diese Befunde helfen beim Nachweis und Ausschluss von verschiedenen Autoimmunerkrankungen, die eine Glomerulonephritis verursachen können.
    Je nach auftauchendem Verdacht kann eine Blutuntersuchung zum Ausschluss einer Sichelzell-Blutarmut oder Thalassämie, eine Bestimmung des Kalziums oder der Harnsäure im Harn, eine Bakterien- oder Pilzkultur des Harns, ein Tuberkulose-Bakteriennachweis im Harn oder eine Harnuntersuchung auf Parasiten notwendig werden.
  • Suche nach Tumorzellen im Harn
    Besteht der Verdacht auf einen bösartigen Tumor der Harnblase bzw. der Harnwege, kann im Harn nach Tumorzellen gesucht werden. Einerseits mittels herkömmlicher mikroskopischer Technik (Harnzytologie) andererseits mit modernen molekularbiologischen Verfahren (z.B. die sog. Fluoreszenz-In-Situ-Hybridisierung). Man darf allerdings den Verdacht nicht verwerfen, wenn man dabei keine Tumorzellen findet.

    Harnzytologie
    Zellen aus dem Harn werden gefärbt und im Mikroskop untersucht.
    Obere Abbildung zeigt normale Zellen der Blasenschleimhaut (man findet auch im normalen Harn sehr häufig Zellen der Blasenschleimhaut). Das dunkelviolette Zentrum ist der Zellkern.
    Abnorme Zellen eines Harnblasentumors. Große Zellkerne teilweise mit helleren Flecken, sog. Kernkörperchen.
    Nachweis von Tumorzellen im Harn durch Fluoreszenz-In-Situ-Hybridisierung (FISH)
    Mit speziellen Markern werden bestimmte Abschnitte auf den Chromosomen der Zelle markiert. Links eine normale Zelle der Blasenschleimhaut. Sie hat je 2 Exemplare der markierten Abschnitte (je 2 rote, grüne, blaue und gelbe Punkte).
    Abnorme Zelle eines Harnblasentumors. Die 4 grünen Punkte, die 3 blauen und die 4 roten Punkte und das Fehlen der gelben Punkte weisen auf krankhafte Veränderungen bei den Chromosomen der Zelle hin.

  • Ultraschalluntersuchungen
    Nieren, Harnleiter, Blase, Prostata
  • Urographie
    Röntgenologische Darstellung der Nierenkelche, des Nierenbeckens, der Harnleiter und der Harnblase mit Hilfe von Kontrastmittel.

    Intravenöse Urographie
    Nach der Injektion eines Kontrastmittels in eine Ellbogenvene werden Röntgenaufnahmen gemacht. Das Kontrastmittel wird über die Niere in den Harn ausgeschieden. Im oben dargestellten Fall sehen Nierenbecken und die Harnleiter normal aus. In der Blase zeigt sich aber ein ausgedehnter Bereich, in dem kein Kontrastmittel ist (Füllungsdefekt). Es handelte sich um einen großen Blasentumor (T).

  • Computertomographie und Kernspinresonanzuntersuchungen
  • Harnblasenspiegelung (Zystoskopie)
    Eine Zystoskopie wird bei Mikrohämaturie meist erst nach Auswertung der Ergebnisse der anderen Untersuchungen bei immer noch ungeklärter Hämaturie durchgeführt und auch dann nur, wenn überhaupt ein nennenswertes Risiko auf einen Tumor besteht.
    Das Risiko wird aber unterschiedlich beurteilt. Manche sagen eine Zystoskopie bei Mikrohämaturie ist vor dem 50 Lebensjahr nicht notwendig, andere halten eine Zystoskopie bereits ab dem 40 Lebensjahr für sinnvoll.
    Auch ein insgesamt höheres Blasenkrebs-Risiko des Patienten kann eine Zystoskopie bei Mikrohämaturie rechtfertigen.
    Risiko-Faktoren: älter; männlich; Raucher; Schmerzmittelmissbrauch mit bestimmten, früher gebräuchlichen Schmerzmitteln; beruflicher Kontakt mit Anilin-Farben; Behandlung mit Cyclophosphamid oder Ifosfamid (Anti-Krebsmittel); Probleme beim Harnlassen; trotz Behandlung immer wiederkehrende Harnwegsinfektionen.
    Bei Makrohämaturie wird man auf eine Zystoskopie kaum verzichten können.
    Zystoskopie
    Ein Schlauch (Endoskop) wird über die Harnröhre in die Harnblase eingeführt. Durch den Schlauch kann man die Harnblase untersuchen. Auch die Harnleiter lassen sich auf diese Art untersuchen.
    Der Pfeil zeigt auf einen Harnblasentumor.

  • Nierenbiopsie (Gewebsentnahme aus der Niere)
    Eine Gewebsentnahme wird meist nur dann notwendig sein, wenn bei ungeklärter Hämaturie der Verdacht auf eine schwerere Nierenschädigung (v.a. Glomerulonephritis) besteht. Z.B. wegen einer starken Eiweißvermehrung im Harn.
    Ab wann ein solcher Verdacht eine Biopsie rechtfertigt, wird allerdings unterschiedlich beurteilt: Manche Nephrologen halten eine Nierenbiopsie für nicht notwendig, wenn bei Mikrohämaturie keine oder nur eine leichte Proteinurie besteht (< 1 g / Tag) und die Nierenfunktion und der Blutdruck normal sind (R.J. Glassock, Best Practice of Medicine, 2002). Andere empfehlen eine Nierenbiopsie, immer wenn auch Eiweiß im Harn vermehrt ist. Manche halten eine Nierenbiopsie bei noch ungeklärten Hämaturien in jedem Fall für sinnvoll, weil man damit einen leichten Nierenschaden erkennen kann und dem Patienten so die Angst vor einem vielleicht „übersehenen“ Tumor nimmt.
  • Andere Untersuchungen:
    Untersuchung des Gehörs und der Augen (eine erbliche Nierenerkrankung – das Alport-Syndrom – geht mit Schwerhörigkeit und Augenerkrankungen einher)

Schema zur Abklärung einer Mikrohämaturie
(nach R.A.Cohen, New England Journal of Medicine, 2003)

Die ungeklärte Hämaturie

Und wenn man keine Ursache für das Blut im Harn findet?
Bei etwa 10% aller Hämaturien findet man keine Ursache. Das hat auch damit zu tun, dass es nicht immer Sinn macht, weitere Untersuchungen durchzuführen. So lassen sich manche leichte Nierenerkrankungen, die die Ursache einer glomerulären Hämaturie sein könnten, nur nach einer Entnahme von Nierengewebe eindeutig nachweisen. Wenn aber ansonsten keine Beschwerden (z.B. erhöhter Blutdruck, Lidschwellungen) auftreten, das Eiweiß im Harn nicht wesentlich erhöht ist und auch die Nierenwerte (Kreatinin, Kreatininclearance) im Blut normal sind, dann wird man sich nur schwer zur Entnahme einer Probe aus der Niere entschließen können.
Es ist also durchaus nicht außergewöhnlich, wenn die Ursache einer Hämaturie nicht gefunden wird. Was den Patienten aber dabei belastet, ist die Frage, ob dahinter eine schwere, nicht erkannte Erkrankung, z.B. Harnblasenkrebs steckt.
Dazu kann man sagen: das kann man nicht 100%ig ausschließen, die Gefahr ist aber gering.
Bei einer Studie von 146 Patienten mit Makrohämaturie ohne erkennbare Ursache hörten bei 98 Patienten die Blutungen von selbst auf. Und nur bei einem einzigen Patienten (bei dem die Hämaturie nicht aufhörte) fand sich bei einer Kontrolluntersuchung ein Tumor.
(H. Sells, British Journal of Urology International, 2001).

Welche Kontrolluntersuchungen werden bei ungeklärter Hämaturie durchgeführt?
Das ist schwer generell zu sagen. Einerseits gehen die Empfehlungen hierzu weit auseinander, andererseits muss das auch individuell von Fall zu Fall entschieden werden. Deswegen seien nur einige Empfehlungen angeführt:

  • Manche halten es für sinnvoll, bei anhaltenden, ungeklärten Hämaturien (sofern sie nicht eindeutig einen glomerulären Ursprung haben) die bildgebenden Untersuchungen (z.B. Ultraschall, CT und Urographie) aber auch die Zystoskopie einmal zu wiederholen.
    (H. Sells, British Journal of Urology International, 2001)
  • Von der Amerikanischen Urologischen Vereinigung werden bei ungeklärter Mikrohämaturie Kontrollen nach 6, 12, 24 und 36 Monaten empfohlen. Und zwar eine Untersuchung des Harns inklusive Suche nach Tumorzellen (Harnzytologie) und eine Blutdruckmessung.
    (G.D. Grossfeld, American Family Physician, 2001).
    • Wenn sich die Hämaturie verstärkt, die Harnzytologie auffällig wird oder sich Probleme beim Harnlassen einstellen, muss die ganze Abklärung der Hämaturie wiederholt werden. Aber auch wenn die Befunde gleichbleiben sollten, kann bei hohem Risiko des Patienten eine neuerliche Abklärung angestrebt werden.
    • Bleiben die Befunde hingegen 3 Jahre lang unverändert, kann man die Suche nach Zeichen für einen Tumor (Harnzytologie) einstellen.
    • Kommt es zum Auftreten von Eiweiß im Harn, hohem Blutdruck und/oder zu verstärkten glomerulären Blutungen (mit dysmorphen, glomerulären roten Blutkörperchen) muss nochmals in Richtung bestimmter Nierenerkrankung untersucht werden (Blutuntersuchungen, ev. auch Nierengewebsentnahme).
  • Eine jährliche Überprüfung der Nierenfunktion (Blut und Eiweiß im Harn, Kreatinin im Blut und ev. Kreatininclearance, Blutdruck) wird von manchen längerfristig empfohlen.

Spezielle Fragen bei Hämaturie

Wie geht man vor, wenn der Teststreifen einmal positiv, bei der Kontrolle aber negativ war?
Hier gibt es unterschiedliche Empfehlungen:
R.A.Cohen, New England Journal of Medicine, 2003: Nach einem positiven Teststreifen-Befund sollte erst einmal ein paar Tage zugewartet werden und dann noch einmal getestet werden. Ist der zweite Befund negativ, könne man auf eine weitere Abklärung der Hämaturie verzichten, wenn nicht besondere Risikofaktoren für Blasenkarzinom vorliegen (Rauchen, beruflicher Kontakt mit bestimmten Chemikalien bzw. Farbstoffen , Schmerzmittelmissbrauch mit bestimmten Schmerzmitteln, durchgemachte Behandlungen mit Cyclophosphamid oder Ifosfamid).
Während es absolut verständlich ist, nach einem einmalig positiven Befund nicht gleich eine aufwändige Abklärung zu beginnen, ist es zumindest diskussionswürdig, ob die Abklärung enden sollte, nur weil der zweite Befund negativ war. Eine Harn-Teststreifen-Untersuchung verursacht nur minimale Kosten und ist für den Patienten absolut keine Belastung. Eine nochmalige Untersuchung, die die widersprüchlichen Ergebnisse der beiden ersten Untersuchungen klärt, erscheint daher durchaus vertretbar und sinnvoll.

Wann muss bei einer Hämaturie rasch reagiert werden?

  • Eine massive Blutung erfordert eine rasche Abklärung und Behandlung, die meist ein Urologe vornehmen wird.
  • Zeichen abnehmender Nierenfunktion (z.B. ansteigendes Kreatinin im Blut, ev. geringer werdende Harnmengen) bedürfen einer raschen Abklärung und Behandlung, die meist an einer Internen bzw. Nephrologischen Abteilung vorzunehmen sein wird.
  • Wenn die Hämaturie Ausdruck einer schweren Allgemeinerkrankung ist (z.B. Störung der Blutgerinnung), kann ebenfalls eine rasche Reaktion notwendig werden.

Bei feucht-kaltem Wetter wie in dieser Woche mehren sich auch wieder – und hier überwiegend bei Frauen – Blasenunterkühlungen.

Die verkühlte Blase, wie sie im Volksmund genannt wird, ist eine äußerst unangenehme Angelegenheit, die mitunter, sollte sie nicht behandelt werden, auch chronisch auftreten kann.

Als Symptome treten unter anderem vermehrtes Wasserlassen auf, welches auch mit starkem Brennen verbunden sein kann. Zudem verspüren Patientinnen und Patienten einen ziehenden Schmerz im Unterleib.

Eine klassische Blasenunterkühlung wird meist durch unangepasste Kleidung, oder dem Sitzen auf kalten bzw. nassen Oberflächen übertragen. Auch ein Schwimmbadbesuch verkühlt die sensible da kälteempfindliche Blase häufig.

Unangepasste Kleidung und feucht-kalte Witterung können schnell zu einer Blasenunterkühlung führen.
– Bild: Achim Otto

Doch warum sind vor allem Frauen von Blasenverkühlungen betroffen?

Das liegt an der Harnröhe, die bei Frauen deutlich kürzer ist als bei Männern. Beim weiblichen Geschlecht haben müssen die Bakterien auf ihrem Weg in die Blase daher einen viel kürzeren Weg auf sich nehmen als beim Mann. Kühlt die Blase ab, haben die Bakterien noch leichteres Spiel. Sie vermehren sich und lösen Infekte aus.

Wer sich eine Blasenunterkühlung „angelacht“ hat, sollte vor allem viel trinken, empfehlenswert sind täglich bis zu vier Liter Wasser, Säfte oder Tees. Durch die Flüssigkeit können Bakterien schneller aus dem Körper abgetragen werden.

In der Apotheke erhältliche Blasen- und Nierenpräparate, die etwa als Tee oder Kapseln eingenommen werden können, regen den Harnfluss an und unterstützen ebenfalls bei der „Reinigung“ der Blase.

Sollten die Schmerzen nach einigen Tagen nicht abklingen, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Möglicherweise handelt es sich dann um eine Blasenentzündung, die mit Antibiotika behandelt werden muss.

Blasenentzündung und weitere Blasenkrankheiten: Symptome und Schutz

Im Alltag bemerken wir die Blase meist nur, wenn sie unangenehm drückt und uns zur nächsten Toilette treibt. Ansonsten verhält sich das Organ mit der dehnfähigen Muskulatur unauffällig. Es sei denn, sie ist krank. Dann lassen uns Symptome wie Blut im Urin, Schmerzen oder Brennen aufmerksam werden. Welche Blasenerkrankungen es gibt und wo die Ursachen liegen.

Schätzungen zufolge leidet jede zweite Frau einmal in ihrem Leben unter einer Blasenentzündung. Viele trifft es immer wieder. Die Erkrankung der Blase wird durch unterschiedliche Erreger hervorgerufen. Meist sind allerdings Darmkeime schuld, wenn ständiger Harndrang und Brennen beim Wasserlassen quälen und es zu unangenehmen Unterleibsschmerzen kommt.

Weit verbreitete Blasenerkrankung: die Zystitis

Damit die Keime gar nicht erst in die Harnblase gelangen, ist die wichtigste Maßnahme, ausreichend zu trinken, damit die Harnwege regelmäßig gespült werden. Dies ist auch nach dem Geschlechtsverkehr wichtig, denn durch die Reibung beim Sex gelangen Darmbakterien über die bei Frauen nur vier Zentimeter lange Harnröhre schnell in die Blase und lösen dort eine Infektion aus. Manchmal ist aber auch nur die Harnröhre von den Bakterien befallen. Dann spricht man von einer Harnröhrenentzündung (Urethritis).

Ein typisches Symptom für eine Harnwegsinfektion ist die so genannte Pollakisurie. Sie zeichnet sich durch eine deutlich gesteigerte Frequenz von Blasenentleerungen mit meist geringem Harnverlust aus.

Auch Unterkühlung und zu viel Hygiene sind nicht gut: Seifen, Duschgele, Lotionen und Intimsprays fördern Blasenentzündungen und Harnröhrenentzündungen ebenfalls, da sie die natürliche Schutzfunktion der Intimflora schwächen. Experten empfehlen deshalb, mit klarem Wasser zu waschen.

Ist es trotz aller Vorsichtmaßnahmen zu einer Blasenentzündung gekommen, können viel trinken und Warmhalten die Entzündung oftmals zurückzudrängen. Verschlimmern sich die Symptome des Harnwegsinfekts allerdings, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Blasenschwäche gehört zu den Tabuthemen

Probleme mit der Blase kennen auch Betroffene mit Harninkontinenz (umgangssprachlich Blasenschwäche). Ihnen fällt es schwer, den Harn zurückhalten. Die Blase entleert sich ungewollt, entweder in kleineren oder größeren Mengen. Es gibt viele Formen der Inkontinenz. Häufig ist etwa die Belastungsinkontinenz. Nimmt der Druck im Bauchraum zu, zum Beispiel beim Husten, Lachen oder Heben schwerer Gegenstände, geht Urin ab.

Was ist eine Reizblase? Bei der Reizblase – auch überaktive Blase genannt – handelt es sich um eine Störung der Blasenfunktion, die sich durch einen plötzlich auftretenden, dringenden Harndrang trotz nur wenig gefüllter Blase auszeichnet. Vor allem Frauen zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr sind häufig davon betroffen.

Von Dranginkontinenz sprechen Mediziner, wenn trotz fast leerer Harnblase ganz plötzlich ein starker Harndrang auftritt und die Betroffenen es oftmals nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schaffen. Unter anderem kann eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur die Ursache sein oder Verletzungen, etwa nach Operationen. Nervenreizungen und -schäden können ebenfalls zu Inkontinenz führen. Auch wenn Inkontinenz zu den Tabuthemen gehört: Nur das offene Gespräch beim Arzt kann helfen, die passende Therapie für den ungewollten Harnverlust zu finden.

Blasensenkung als Ursache für Inkontinenz

Oftmals ist eine Blasensenkung schuld daran, dass es zu Inkontinenz und Harndrang kommt. Von der Erkrankung sind häufig Frauen betroffen. Bei einer Blasensenkung verlagert sich die Blase nach unten in Richtung Beckenboden. Verschiedene Muskeln und Bänder halten normalerweise die Blase an ihrem Platz im Becken. Sie können aber beispielsweise in Folge einer Geburt oder Bindegewebeschwäche überdehnt sein.

Der Behandlung einer Blasensenkung stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Leichte Formen eines Descensus können durch Beckenbodengymnastik deutlich gemildert werden. Bei schwereren Formen ist auch eine Operation möglich.

Blasensteine können starke Schmerzen verursachen

Harnsteine oder Harnleitersteine können die Blase ebenfalls plagen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Urologie bilden sich Blasensteine meist aufgrund von Entleerungsstörungen, wie sie beispielsweise bei einer vergrößerten Prostata entstehen können. Ist die Harnröhre verengt, bleibt immer etwas Restharn in der Blase zurück. Zuerst bilden sich kleine Kristalle. Klumpen sie zusammen, wachsen sie zu einem Stein heran. Das Risiko nimmt zu, wenn die tägliche Trinkmenge zu gering ist, um die ableitenden Organe ausreichend zu spülen. Oftmals bilden sich die Steine allerdings nicht in der Blase selbst, sondern in den Nieren. Irgendwann wandern sie über die Harnleiter in die Blase, bleiben dort aufgrund einer Blasenentleerungsstörung liegen und nehmen weiter an Größe zu.

Unangenehm wird es vor allem, wenn der Stein vor den Blasenausgang rutscht und diesen blockiert. Mediziner sprechen dann von einer Harnsperre. Zu den typischen Warnsignalen zählen: erschwertes und unterbrochenes Wasserlassen, eine gereizte Harnblase, verstärkter Harndrang sowie krampfartige Unterleibsschmerzen. Auch Blut im Urin kann ein Hinweis sein: Setzen sich die kleinen, spitzen Kristalle fest, kommt es häufig zu Verletzungen.

Doch Blasensteine können sich auch unauffällig verhalten. Oftmals werden sie im Zuge einer Ultraschalluntersuchung zufällig entdeckt.

Gefährlichste Blasenerkrankung: Blasenkrebs

An Blasenkrebs erkranken nach Schätzungen des Robert-Koch-Institutes in Deutschland jedes Jahr etwa 29.000 Menschen, die Mehrheit sind Männer. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 73 Jahren. Der wesentliche Risikofaktor ist laut der Deutschen Krebshilfe das Rauchen.

  • Hausmittel bei Zystitis: Was tun bei einer Blasenentzündung?
  • Alarmzeichen ernst nehmen: Häufige Gründe für Blut im Urin
  • Probleme mit Inkontinenz: Blasenschwäche trifft auch Männer
  • Nachts oft auf Toilette?: Diese Erkrankungen drücken in der Nacht auf die Blase
  • Harnweginfekte bei Männern: Hinter einer Blasenentzündung steckt meist die Prostata

Ein verstärkter Harndrang, Störungen bei der Blasenentleerung sowie später Unterbauchschmerzen gehören zu den möglichen Symptomen eines Blasentumors und sollten immer abgeklärt werden. Auch Blut im Urin ist ein wichtiges Warnsignal. Bei 80 Prozent aller Patienten mit Blasenkrebs oder anderen bösartigen Tumoren der ableitenden Harnwege trete dieses Symptom auf, so die Deutsche Krebshilfe. Generell gilt: Blut im Urin ist immer ein Warnzeichen, das vom Urologen abgeklärt werden muss.

Der Begriff „Harnwegsinfekt“ – kurz HWI – bezeichnet das Vorhandensein von Bakterien im Harntrakt. Je nach Art des Infektes bzw. Ort des Befalls werden verschiedene Krankheitsbilder unterschieden.

Hinsichtlich der Lokalisation der Infektion wird zwischen unterem und oberem HWI unterschieden. Beim oberen HWI sind Nieren bzw. Nierenbecken in Mitleidenschaft gezogen, während sich der Infekt beim unteren HWI auf die Harnblase bzw. auf die Harnröhre beschränkt.

Unter einem komplizierten Harnwegsinfekt versteht man alle Infektionen bei Personen mit besonderen Risikofaktoren für einen schweren Verlauf oder für Folgeschäden, wie z.B.:

  • Harnwegsinfektionen bei Kindern
  • Schwangeren
  • generell bei Männern
  • bei Diabetikern
  • bei immunsupprimierten Personen (z.B. nach einer Organtransplantation).

Darüber hinaus gelten u. a. Harnabflussstörungen, Prostatavergrößerung, Senkungszustände der Gebärmutter, Nieren- oder Blasensteine, Tumore etc. als erschwerende Faktoren eines Harnweginfekts.

Ein Infekt der unteren Harnwege, meist eine Blasenentzündung, wird in der Regel als unkomplizierter Harnwegsinfekt bezeichnet. Ein solcher unkomplizierter HWI tritt meist akut auf, kann aber besonders bei Frauen immer wiederkehren. Bei mehr als drei Harnwegsinfekten pro Jahr spricht man von einem wiederkehrenden Harnwegsinfekt.

Diagnose Blasenentzündung

Dringen Bakterien in diese Bereiche vor, kann ein Harnwegsinfekt entstehen, der sich hinsichtlich seiner Symptome bei jedem Baby und Kind vollkommen anders zeigt. Das Entstehen einer Harnwegsentzündung ist selten eine Frage der Hygiene. Auch bei guter Pflege und häufigem Windeln wechseln kann sie entstehen.

Harnröhrenentzündung: ärztliche Behandlung stets notwendig

Oftmals erscheint eine Harnwegsentzündung hinsichtlich der Symptome harmlos. Wird sie allerdings nicht behandelt und nicht erkannt, besteht das Risiko, dass sich Langzeitschäden entwickeln. Diese können durch das Fortschreiten der Infektion in Richtung der Nieren entstehen.

Aufgrund der anatomisch bedingten Nähe von Nieren, Blase und Harnwegen ist diese Gefahr bei Kindern unter zwei Jahren besonders gross.

Die Anzeichen für eine Harnwegsinfektion sind vielfältig und in unterschiedlich starker Ausprägung vorhanden. Sie unterscheiden sich nicht nur von Kind zu Kind. Auch von Erkrankung zu Erkrankung kann sich ein Harnwegsinfekt vollkommen anders zeigen. Zu den typischen Symptomen zählen bei Babys und Kleinkinder:

  • Erbrechen
  • Müdigkeit
  • Gereiztheit
  • ein schlechtes Ess- und Trinkverhalten
  • Fieber sowie
  • Gelbsucht

In den ersten drei Lebensjahren äussert sich eine Harnwegsentzündung oft nur als unspezifisches, teilweise hohes Fieber. Kommen Bauchschmerzen, Schmerzen beim Wasserlassen, häufiges Urinieren, ein fauliger Uringeruch sowie Blut im Urin hinzu, ist die Diagnose meist klarer.

Die Diagnose

Um wirklich sicher zu gehen, ob die beobachteten Symptome tatsächlich von einem Harninfekt verursacht wurden, nimmt ein Arzt eine Urinuntersuchung vor. Dafür muss eine Probe des Urins genommen und untersucht werden.

Auch eine Ultraschalluntersuchung kann Aufschluss über das Vorhandensein einer Blasenentzündung geben. Sie wird häufig bei Babys angewandt, bei denen eine Urinprobe nur schwierig zu realisieren ist. Muss doch der Urin hinsichtlich der Art der Erreger untersucht werden, gibt es für Babys sogenannte Urinklebebeutel.

Diese fangen Urin für eine Laboruntersuchung auf und sind leicht zu befestigen. Auch beim Schlafen stört so ein Beutel die meisten Kinder nicht. Meist reicht es, wenn nur eine geringe Menge an Urin abgegeben wird, da bei einer Laboruntersuchung nur ein paar Tropfen benötigt werden.

Kommt es häufiger zu Blasen- bzw. Harnwegsentzündungen wird häufig eine ausführlichere Ultraschalluntersuchung vorgenommen. Bei dieser beobachtet der Kinderarzt oder gegebenenfalls der Urologe, wie Blase und Niere arbeiten und ob dort vielleicht gesundheitliche Probleme vorliegen.

Die Behandlung

Wird eine Harnwegsentzündung festgestellt, verschreiben Kinderärzte häufig flüssige Antibiotika (meist in sogenannter Suspensionsform). Es ist wichtig, dass die Medizin nach Anweisung des Arztes für die gesamte angeordnete Dauer, in der richtigen Dosierung eingenommen wird.

Wird ein Antibiotikum beispielsweise früher abgesetzt, kann es sein, dass es noch nicht auf alle Erreger gewirkt hat und diese sich dann erneut vermehren und erneut eine Harnwegsentzündung verursachen.

Sie möchten es bei einer leichten Harnwegsentzündung ersteinmal ohne Antibiotikagabe versuchen? Medikamente aus Kürbisextrakt und andere pflanzliche Mittel und Tees können helfen.

Auch homoöpathische Mittel gibt es gegen Blasenentzündungen. Bei allen alternativen Heilwegen sollten Sie allerdings immer medizinischen Rat einholen, um eine gefährliche Ausweitung einer Harnwegsinfektion bei Ihrem Kind unter allen Umständen zu vermeiden.

Erhält ein kleines Baby die Diagnose Harnwegsentzündung kann unter Umständen eine intravenöse Behandlung notwendig sein. Das ist vor allen dann der Fall, wenn es sehr schlecht trinkt oder isst. Über eine Infusion erhält es bei einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt sowohl lebenswichtige Nährstoffe als auch die nötige Medizin.

Harnwegsentzündungen bei Kindergartenkindern

Was ist eine Harnwegsinfektion? Hat mein Kind eine solche Entzündung?

Normalerweise fließt der Urin mühelos aus den Nieren durch den Harnleiter in die Blase, von wo er durch die Harnröhre den Körper des Kindes verlässt. Es kann aber zu bakteriellen Entzündungen kommen, die entweder den Weg vom Bereich des Pos und der Genitalien in den Harnleiter nehmen oder aber durch Bakterien im Blut auf die Nieren übertragen werden, von wo aus jeder Teil des Systems sich entzünden kann.
Harnwegsentzündungen sind ein häufiger Grund für Infektionen und fieberhafte Erkrankungen bei kleinen Kindern.

Welche Symptome deuten auf eine Blaseninfektion oder andere Harnwegsentzündung hin?

Es ist nicht einfach, eine Harnwegsentzündung zu erkennen. Wenn Ihr Kind eines der folgenden Symptome zeigt, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass seine Harnwege entzündet sind:

  • Schmerzen beim Urinieren
  • häufiges Urinieren in kleinen Mengen
  • Bauchschmerzen
  • Schmerzen in den Seiten
  • stark riechender Urin
  • Blut im Urin (NICE 54 2007)

Ihr Kind könnte auch bei allgemeinem Unwohlsein folgende Symptome haben:

  • Fieber
  • Erbrechen
  • Mattigkeit
  • Reizbarkeit
  • Appetitlosigkeit
  • fehlende Gewichtszunahme
  • Gelbsucht

Sollte ich mit meinem Kind zum Arzt gehen? Welche Tests kann er machen?

Es ist wichtig, Ihren Arzt/Ihre Ärztin aufzusuchen, wenn Sie eine Harnwegsentzündung bei Ihrem Kind vermuten. Wenn eine Infektion für längere Zeit unbehandelt bleibt, kann sie in die Nieren wandern und dort bleibenden Schaden anrichten.
Wenn Ihr Kind eine Entzündung der Harnwege hat, wird Ihr Arzt eine sterile Urinprobe analysieren, um zu sehen, welche Bakterien die Entzündung hervorrufen. Es gibt hierfür Urinbeutel, die auf die Haut geklebt werden – ältere Kinder können schon einen Urinbecher füllen (NICE 54 2007).

Wie behandelt man Harnwegsentzündungen?

Normalerweise wird Ihr Kind eine zehntägige Antibiotika-Kur verschrieben bekommen. Die allermeisten Entzündungen klingen dann nach ein oder zwei Tagen ab. Es ist aber wichtig, dass Ihr Kind die Antibiotika zu Ende nimmt, auch wenn es sich bereits besser fühlt.
Wenn es Ihrem Kind bereits sehr schlecht geht, wird es gegebenenfalls im Krankenhaus an einen Tropf mit Antibiotika müssen (NICE 54 2007).

Kann ich etwas tun, um Infektionen vorzubeugen?

Einige Kinder scheinen eine höhere Anfälligkeit für Harnwegsentzündungen zu haben. Aber man kann mit einigen Dingen vorbeugen. Auch wenn es Ärzte gibt, die diese Entzündungen nicht auf mangelnde Hygiene zurückführen, kann es nicht schaden, Ihrem Kind beizubringen, sich den Po von vorne nach hinten abzuwischen – das gilt besonders für Mädchen, damit keine Bakterien in die Scheide gelangen. Und sorgen Sie für ausreichendes Trinken, das kann unerwünschte Bakterien ausspülen (NHS Direct 2008).

Harnwegsinfekte können sich bei Säuglingen und Kleinkindern anders äußern als bei Erwachsenen. Woran Eltern einen Harnwegsinfekt erkennen und wie sie den Genesungsprozess mit naturheilkundlicher Arznei unterstützen.

Unter der Bezeichnung Harnwegsinfekte werden drei bakteriell ausgelöste Infektionen zusammengefasst: Die Entzündung der Blasenschleimhaut, die oft zugleich bestehende Entzündung der Harnröhre (Urehritis) und die – seltener ebenso vorliegende – Infektion des Nierenbeckens (Pyelonephritis). Gerade bei Säuglingen können die Symptome von den klassischen Anzeichen bei Erwachsenen abweichen: Bei Gewichtsverlust, Trinkschwäche, Erbrechen und Durchfall sollten Eltern aufhorchen. Während bei Neugeborenen selten hohes Fieber auftritt, kann dies bei älteren Babys durchaus der Fall sein. Die Anzeichen bei Kleinkindern hingegen erinnern eher an die Symptome von Erwachsenen: Kleine Patienten leiden unter häufigem Wasserlassen und gleichzeitigem Brennen oder Schmerzen.

Diffuse Beschwerden? Sofort zum Kinderarzt

Kann ihr Kind die Beschwerden noch nicht richtig äußern oder sind diese unspezifisch, sollten Sie mit Ihrem Kind umgehend zum Kinderarzt gehen. Dies gilt auch bei starken Schmerzen, Fieber, Blut im Urin oder wenn dieser durch ungewöhnlichen Geruch oder Farbe auffällt. Bei einer Nierenbeckenentzündung verhindert eine frühzeitige Therapie – meist mit Antibiotika –, dass die Infektion Schäden am Nierengewebe verursacht und es zu Funktionseinschränkungen der Niere kommt. Die Apothekerin Rebekka Pavone gibt in der Deutschen Apotheker Zeitung Tipps, wie Eltern mit komplementärmedizinischen Mitteln leichte Beschwerden ihrer Kinder lindern oder eine Antibiotika-Therapie unterstützen. Klären Sie die Anwendung der Mittel vorher mit einem naturheilkundlich erfahrenen Apotheker oder Therapeuten ab.

Dosierung abhängig vom Alter des Kindes

Die Wahl der homöopathischen Mittel orientiert sich an den Leitsymptomen beim Wasserlassen, an der Reaktion Ihres Kindes auf Wärme sowie an weiteren Krankheitsmerkmalen. Bei einer akuten Erkrankung rät Ihnen die Apothekerin, dem Kind am ersten Tag alle 30 bis 60 Minuten solange eine Gabe des Mittels zu verabreichen, bis eine Besserung eintritt. Falls es am nächsten Tag noch nötig sein sollte, genügt eine Gabe 3- bis 5-mal täglich. Eine Gabe entspricht bei

  • Säuglingen: 1–2 Globuli
  • Kleinkindern: 3 Globuli
  • Schulkindern: 5 Globuli/5 Tropfen/1 Tablette

Hilfe bei Verschlimmerung durch Wärme

Nehmen die Beschwerden Ihres Kindes bei Wärme zu, rät die Apothekerin je nach Begleitumständen zu folgendem Mittel:

  • brennende und stechende Schmerzen, das Gefühl einer „zugeschnürten“ Harnröhre sowie das Gefühl, es kommt noch was nach → Apis D 6
  • brennende Schmerzen, häufiges Wasserlassen (auch unbeabsichtigt, etwas beim Lachen oder Husten) infolge einer Verkühlung; anhängliches Verhalten des Kindes → Pulsatilla D 6

Hilfe bei Verbesserung durch Wärme

Nehmen die Beschwerden Ihres Kindes bei Wärme ab, rät die Apothekerin Pavone in Abhängigkeit von weiteren Beschwerden zu nachstehendem Mittel:

  • akute und brennende Schmerzen vor, beim und nach dem Wasserlassen sowie häufiger Toilettengang ohne viel Wasserlassen → Cantharis D 6
  • starke Krämpfe sowie das Gefühl einer sehr vollen Blase, wobei nur wenige Tröpfchen kommen → Nux vomica D 6
  • trüber und ungut riechender Urin sowie drückende Schmerzen also Folge von Verkühlen oder Infekten →Dulcamara D 6

Äußere Anwendungen bei Harnwegsinfekten

Bei einer Harnwegsinfektion ist es wichtig, dass Ihrem Kind stets warm ist – vor allem der Unterleib und die Füße. Zur Harmonisierung des Wärmekreislaufs empfiehlt Ihnen die Apothekerin die Kupfersalbe rot von Wala. Tragen Sie die Salbe abends dünn auf Waden, Ferse und Füße auf und reiben Sie sie von oben nach unten ein. Die Nierengegend kann ebenfalls eingerieben werden, um die Nierenfunktion zu unterstützen. Da die Salbe in der Stillzeit nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden darf, sprechen Sie die Anwendung bei ihrem Säugling vorher am besten mit einem naturheilkundlich erfahrenen Apotheker und Therapeuten ab.

Hygiene beugt wiederkehrenden Harnwegsinfekten vor

Harnwegsinfekte können im Säuglings- und Kleinkindalter aufgrund einer vollen Windel oder einer erst zu erlernenden selbstständigen Toilettenhygiene gehäuft auftreten. Umso wichtiger ist es, dass Sie weiterhin auf schnelles Windelwechseln oder Hilfestellung ihres Kleinkindes achten. Leidet Ihr Kind dennoch häufiger an Harnwegsinfekten, lassen Sie dies von Ihrem Kinderarzt abklären.
Tipp: Vor allem Mädchen neigen zu Blasenentzündungen, da die Bakterien aufgrund der kurzen Harnröhre besonders schnell in die Blase wandern. Kontrollieren Sie, dass Ihre Tochter Ihren Hinweis beachtet, den Intimbereich stets von vorne nach hinten zu reinigen. So werden die Keime nicht vom After Richtung Harnröhrenausgang geschoben.
Quellen:

Rebekka Pavone: Mama, das brennt so! Kinder mit Blasen- und Nierenbeschwerden. PTA-heute, Heft 7, April 2016, S. 88-92.

Die von der Apothekerin aufgeführten Hinweise zur Wahl des richtigen homöopathischen Mittels stammen aus dem Buch „Komplementärmedizin für Kinder. Beratungsempfehlungen für die Selbstmedikation“ von Birgit Emde, Michaela Glöckler, Daniela Haverland, Margit Müller-Frahling und Margit Schlenk, 1. Auflage, Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, 2012.

Autoren

Julia Schmidt/Rebekka Pavone/PTA-heute | zuletzt geändert am 31.10.2016 um 15:01 Uhr

Blasenentzündung – Hausmittel

Wie wirken die Hausmittel gegen Blasenentzündung?

Mindestens zwei Liter trinken

Ausreichend trinken ist in jedem Fall wichtig und gesund.

Bei einer Blasenentzündung hat die Aufnahme von Flüssigkeit beziehungsweise deren Ausscheidung allerdings eine besondere Relevanz. Denn wer viel trinkt, muss auch oft auf die Toilette und hilft somit, die Erreger „auszuspülen“. Je seltener man dagegen uriniert, desto besser können sich die Keime vermehren und in ungünstigen Fällen sogar auf Harnleiter und Nierenbecken ausbreiten. Wer an einer Blasenentzündung leidet, ist also gut beraten, viel zu trinken (mindestens zwei Liter am Tag) und sich den Toilettengang trotz der möglichen Schmerzen nicht zu verkneifen.

Kaffee und Alkohol vermeiden

Aber nicht nur die Menge an aufgenommener Flüssigkeit ist entscheidend. Auch was man trinkt spielt eine Rolle. Einige Getränke enthalten zum Beispiel Substanzen, welche die Harnwege reizen und sie somit zusätzlich anfällig für Infektionen und deren Ausbreitung machen. Dazu gehören etwa Kaffee und verschiedene Zitrussäfte sowie generell Alkohol. Auch besonders zuckerhaltige Getränke wie Limonaden und Eistee sind eher kontraproduktiv, da erhöhte Zuckerwerte das Bakterienwachstum fördern können. Deshalb sind Diabetiker auch überdurchschnittlich oft von Blasenentzündungen betroffen. Reines Wasser oder ungesüßte Tees aller Art sind die bessere Getränkewahl.

Helfen Nieren- und Blasentees?

Im Gegensatz zu normalen Kräuter- und Früchtevarianten enthalten spezielle Blasentees aus der Apotheke pflanzliche Wirkstoffe, die zusätzlich harntreibend wirken wie etwa Tees mit Birkenblätterextrakten. Goldrutenkraut steigert nicht nur die Urinausscheidung, sondern wirkt zudem krampflösend und entzündungshemmend. Bärentraubenblätter haben einen desinfizierenden Effekt, der mit einer Messerspitze Natron noch verstärkt wird. Weitere pflanzliche Heilmittel, die sich bei Blasenentzündung eignen, sind Brennnessel, Wachholder und Schachtelhalm.

Vier bis fünf Tassen eines solchen Tees am Tag sind ausreichend. Bärentraubentee sollte vor dem Schlafengehen getrunken werden, damit der Wirkstoff sich in der Blase anreichern kann.

Auch eine Teemischung aus Birke, Goldrute und Orthosiphon (Katzenbart) ist bei einer Blasenentzündung empfehlenswert. Dazu je ein bis zwei Teelöffel Birkenblätter, Goldrutenkraut und Katzenbartblätter mischen und mit 150 Milliliter kochendem Wasser übergießen. Den Tee zehn bis 15 Minuten ziehen lassen und täglich drei bis vier Tassen trinken.

Die Tees gibt es in der Apotheke als gewöhnliche Beutel, aber auch als Pulver, das einfach in heißes (oder warmes) Wasser eingerührt wird und nicht ziehen muss. Ein Rezept braucht man dafür nicht, allerdings ist bei Menschen mit Herz- oder Nierenerkrankungen bezüglich einer „Durchspültherapie“ Vorsicht geboten. Diese Patienten sollten zuvor Rücksprache mit ihrem Arzthalten.

Wundermittel Cranberry-Saft?

Schon lange werden dem Saft der Cranberry (Großfrüchtige Moosbeere) wundersame Kräfte im Kampf gegen Blasenentzündung nachgesagt, und tatsächlich scheint ein positiver Effekt vorhanden zu sein, wenngleich von einem Wundermittel sicher nicht die Rede sein kann. Der verantwortliche Wirkstoff in den Früchten heißt Proanthocyanidin und erschwert offenbar ein Anheften der Erreger an die Wände der Harnwege. Der regelmäßige Konsum von Cranberry-Saft kann somit helfen, eine Ausbreitung der Infektion zu reduzieren und dem wiederholten Auftreten von Blasenentzündungen vorzubeugen. Auch Heidelbeeren (Blaubeeren) und Preiselbeeren enthalten das schützende Proanthocyanidin.

Wärme entspannt

Das Auflegen einer Wärmflasche oder von warmen Umschlägen wirkt entspannend auf die bei Blasenentzündung oft krampfende Muskulatur und lindert somit die Symptome. Auch Fußbäder können hilfreich sein.

Eine heiße Wärmflasche sollte übrigens nicht auf die nackte Haut gelegt werden, da sonst Verbrennungen entstehen können. Am besten wickelt man sie vorher in ein Handtuch ein.

Hausmittel gegen Blasenentzündung: Das hilft bei einer Zystitis

Wenn jeder Gang zur Toilette beim Wasserlassen schmerzt, haben Sie sich wahrscheinlich eine Blasenentzündung eingefangen. Dabei müssen Sie jedoch nicht immer zu Medikamenten greifen. Es gibt auch viele Hausmittel, die schnell und zuverlässig helfen.

Besonders bei der Behandlung leichter Blasenentzündungen gibt es eine Vielzahl von Hausmitteln, die sich bewährt haben. Manche Mittel haben die meisten bereits zu Hause, andere sind in der Apotheke oder in Drogerien erhältlich.

Hausmittel gegen eine Blasenentzündung

Wasser trinken: Das wahrscheinlich beste und einfachste Hausmittel gegen eine Blasenentzündung ist Wasser. Während einer Blasenentzündung viel zu trinken, ist deshalb so wirksam, weil durch die Flüssigkeit die Keime herausgespült werden. Am besten trinken Sie bis zu drei Liter am Tag.

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Tee: Zur Behandlung von Harnwegsinfekten eignen sich Kräutertees mit Kamille oder Salbei, die antibakterielle und muskelentspannende Wirkung haben. Darüber hinaus gibt es Blasen- und Nierentees aus Bärentraubenblättern und Birkenblättern, die Sie in Drogerien und Apotheken erwerben können. Diese wirken zusätzlich harntreibend.

Anwendung:

  1. Geben Sie zwei Esslöffel Bärentraubenblätter-Tee in 150 Milliliter heißes Wasser
  2. Lassen Sie den Tee circa 10 bis 15 Minuten ziehen
  3. Je nachdem, wie stark Ihre Beschwerden sind, trinken Sie drei bis vier Tassen am Tag

Außerdem sollten Sie so oft wie möglich auf Toilette gehen, denn so werden die Keime gründlich aus der Harnblase gespült.

Achtung: Nicht jedes Getränk ist gegen die Entzündung geeignet. Große Mengen an Kaffee, Alkohol und schwarzen Tee sollten Sie besser meiden, denn Koffein und Teein können die Blase zusätzlich reizen.

Wärme: Außerdem hilft gegen eine Blasenentzündung, ein heißes Sitzbad zu nehmen und sich danach ins warme Bett zu legen. Im Idealfall legen Sie noch eine Wärmflasche zwischen Ihre Beine. Die Wärme entspannt und hilft, Krämpfe im Blasenbereich zu lösen. Besonders wichtig sind auch warme Füße, die nicht auskühlen sollten, da sonst der ganze Körper schlecht durchblutet wird und seine gesunde Temperatur nicht mehr halten kann.

Senföle: Bei unkomplizierten Harnwegsentzündungen helfen pflanzliche Präparate aus Kapuzinerkresse und Meerrettich. Die Senföle haben eine keimtötende Wirkung auf die Blase und im Vergleich zu chemischen Antibiotika kaum Nebenwirkungen. Ein weiterer Vorteil von Rettich ist, dass der Körper nicht resistent gegen die pflanzlichen Wirkstoffe wird.

Cranberry: Viele Urologen empfehlen Preiselbeer- und Cranberrysaft zur Behandlung von Blasenentzündungen. Sie sollen Inhaltsstoffe beinhalten, die es den Bakterien erschweren sollen, sich an der Blasenwand festzusetzen. Ob der Saft der roten Beeren jedoch wirklich bei einer Blasenentzündung hilft, ist unter Wissenschaftlern umstritten.

Apfelessig: Zur Therapie von Blasenentzündungen kann auch Apfelessig hilfreich sein. Durch seine Vitamine und Minerale hält der Essig die Bakterien davon ab, sich im Körper weiter auszubreiten.

Backpulver und Natron: Gegen eine Blasenentzündung können Sie aber auch versuchen, mit Hausmitteln aus der Küche vorzugehen – zum Beispiel mit Natron und Backpulver. Sie gleichen den Säure-Basen-Haushalt des Körpers aus, der während einer Blasenentzündung oft übersäuert ist.

Anwendung:

  1. Geben Sie eine Messerspitze Backpulver in eine Tasse Tee oder in ein Glas Wasser
  2. Trinken Sie drei Gläser/Tassen davon über den Tag verteilt

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Symptome: Daran erkennen Sie eine Blasenentzündung

Die typischen Anzeichen einer Infektion der Harnwege sind:

  • Brennen beim Wasserlassen
  • häufiger Harndrang
  • unangenehmer Juckreiz
  • Blut im Urin
  • Schmerzen im Unterleib
  • Vaginaler Ausfluss (dick und gelblich)
  • Fieber
  • Schmerzen in der Nierengegend
  • Schüttelfrost

Häufig treten nur einige der Symptome auf. Doch je mehr Symptome sich anhäufen, desto wahrscheinlicher kommt eine Blasenentzündung in Frage. Achtung: Blut im Urin kann auch auf Blasenkrebs hinweisen. Bei rötlicher Verfärbung sollten sie daher umgehend einen Arzt aufsuchen.

Wann zum Arzt?

Einen Arzt sollten Sie spätestens dann aufsuchen, wenn sich nach drei bis vier Tagen – trotz Einsatz der Hausmittel – keine Besserung einstellt. Wenn sich die Symptome sogar verschlimmern, die Schmerzen beim Wasserlassen nicht mehr auszuhalten sind oder Sie sogar Blut im Urin entdecken, ist ein Gang zum Arzt unausweichlich.

Auch bei grippeähnlichen Symptomen wie Schüttelfrost und Fieber ist es wichtig, sich untersuchen zu lassen. Gehen Sie am besten schon bei den ersten Anzeichen direkt zum Urologen, der einen Urin-Schnelltest durchführt und Gewissheit verschaffen kann, ob eine Blasenentzündung vorliegt. Wird eine Blasenentzündung verschleppt, können die Bakterien in der Blase bis zur Niere hochsteigen und aus einer Blasenentzündung ganz schnell eine Nierenbeckenentzündung werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Verursacher einer Blasenentzündung sind meist die sogenannten Escherichia coli-Bakterien. Sie sind in jedem menschlichen Darm vorhanden und in der Regel ungefährlich, solange sie dort bleiben. Gelangen die Bakterien jedoch durch die Harnröhre in die Blase, entzündet sie dort die Blasenschleimhaut.

Besonders Frauen sind von dieser schmerzhaften Entzündung betroffen: Nicht nur ist der weibliche Harnröhrenausgang näher am Darmausgang, die Harnröhren sind auch kürzer als bei Männern, weshalb die Bakterien schneller in die Blase gelangen können. Spermienabtötende Verhütungscremes und -gele sowie ein Diaphragma können eine Blasenentzündung zudem begünstigen. Die Experten raten daher, stattdessen zum Beispiel Kondome zu benutzen.

Blasenentzündung: Frauen sind häufiger als Männer davon betroffen. (Quelle: dpa-infografik GmbH/dpa)

Begünstigt wird eine Blasenentzündung vor allem durch folgende Faktoren:

  • Häufiger Geschlechtsverkehr
  • Spermizide Verhütungsmethoden, zum Beispiel Diaphragmen
  • falsche Intimhygiene
  • falsche Unterwäsche und gegebenenfalls Slipeinlagen
  • Fehlfunktionen der Blase
  • Unterkühlung der Blase
  • ein geschwächtes Immunsystem
  • Blasenkatheter
  • Schwangerschaft und Wochenbett

Dauer und Verlauf

In der Regel ist eine akute Blasenentzündung nach spätestens zwei Wochen wieder verschwunden. Leidet man jedoch öfter als drei Mal im Jahr darunter, spricht man von einer “rezidivierenden Harnwegsinfektion”, also eine immer wiederkehrende Blasenentzündung. In diesem Fall haben die Bakterien möglicherweise eine Resistenz gegen Antibiotika entwickelt und können sich so immer wieder in der Blase einnisten. Im Volksmund wird sie oft als „chronische Blasenentzündung“ bezeichnet.

Eine weitere chronische Form der Blasenentzündung ist die sogenannte „interstitielle Zystitis“: der Unterschied zur normalen Zystitis ist, dass sie nicht durch Bakterien ausgelöst wird und andere Ursachen hat, die bisher aber nicht genau geklärt werden konnten. Es wird vermutet, dass Bestandteile des Urins die Blasenwand reizen oder schädigen.

Wenn Sie zu chronischen Blasenentzündungen neigen, sollten Sie bereits im Alltag vorbeugende Maßnahmen treffen wie zum Beispiel:

  • viel trinken
  • regelmäßig auf Toilette gehen und die Blase entleeren
  • auf die richtige Intimhygiene wie richtiges Säubern und passende Unterwäsche achten
  • auf ein gesundes Immunsystem achten und Unterkühlung meiden
  • regelmäßig Tees aus Kapuzinerkresse, Meerrettichwurzel oder Birkenblättern trinken, auch Cranberrysaft soll helfen

Taucht eine Blasenentzündung öfter als drei mal im Jahr auf, kann es auch vorkommen, dass der Arzt ein dauerhaftes Präparat verschreibt.

Ist eine Blasenentzündung ansteckend?

Toilettenschild: Achtung auf öffentlichen Toiletten – denn dort lauern besonders viele Bakterien. (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Ja, denn eine bakterielle Infektion kann immer übertragbar sein. In öffentlichen Einrichtungen wie Schule oder Großraumbüros ist die Gefahr groß, sich mit den Bakterien anzustecken, die zu einer Blasenentzündung führen. Vor allem auf den Toiletten lauern besonders viele Erreger. Deshalb ist es ratsam, sich regelmäßig die Hände zu waschen, damit die Bakterien keine Chance haben, in die Harnröhre zu gelangen.

Auf direktem Weg infiziert man sich mit den E.coli-Bakterien beim Stuhlgang. Damit die Bakterien nicht in Kontakt mit der Harnröhre kommen, sollten Frauen sich daher nach dem Stuhlgang immer von vorne nach hinten, also von der Scheide in Richtung After, säubern.

Blasenentzündung beim Mann

Anders als Frauen, leiden Männer bis zu viermal seltener an einer Blasenentzündung. Zum einen liegt das daran, dass ihre Harnröhre länger ist. Zum anderen ist die Entfernung zwischen After und Harnröhreneingang viel weiter als bei Frauen, weshalb es schwieriger für Bakterien ist, den Weg in die männliche Harnröhre zu finden.

Haben sich Männer dennoch eine Blasenentzündung zugezogen, ist meist die Prostata mit im Spiel. Ist diese altersbedingt vergrößert oder liegt eine Entzündung an der Prostata vor, ist das Risiko für eine Blasenentzündung für den Mann größer.

Blasenentzündung bei Kindern und Babys

Wenn Ihr Kind häufiger “Pipi machen” muss als üblich, dann ist es ein Anzeichen dafür, dass es wahrscheinlich an einer Blasenentzündung leidet. Auch bei Kindern sind Mädchen sind häufiger betroffen als Jungs, denn durch die verkürzte Harnröhre von Mädchen können die Bakterien die Blase schneller erreichen.

Säuglinge sind übrigens anfälliger als ältere Kinder, denn wenn die Windel mal nicht dort sitzt wo sie soll, können Darmbakterien schnell in die Harnröhre gelangen. Ob Ihr Baby an einer Blasenentzündung leidet, erkennen Sie oft daran, dass es häufiger weint und sich unwohl fühlt. Kommen Symptome wie Fieber oder übel riechender Urin dazu, sollten Sie den Kinderarzt kontaktieren.

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  • Wissenswertes: Blasenentzündung in der Schwangerschaft

Blasenentzündung bei Tieren

An einer Blasenentzündung können übrigens nicht nur Menschen, sondern auch Tiere leiden. Auch im Tierreich sind die Weibchen wesentlich häufiger von der schmerzhaften Infektion betroffen, während Rüden stärker darunter leiden.

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