Blähende lebensmittel stillen

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Stillzeit: Was darf ich essen?

Rohes Fleisch und Rohmilchkäse wieder erlaubt

In der Schwangerschaft noch tabu, sind Tatar oder Rohmilch-Camembert für Stillende grundsätzlich wieder erlaubt. „Die bakteriell übertragbaren Infektio­­nen Listeriose und Toxoplas­mose gehen nicht durch die Mutter­milch aufs Kind über“, sagt Gudrun von der Ohe.

Seefisch schützt vor Allergien

Schon das Stillen selbst reduziert das Risiko für das Baby, an Allergien zu erkranken. Nach aktuellen Leitlinien zur Aller­gieprävention scheint außerdem der Genuss von fettreichem Fisch während der Schwangerschaft und Stillzeit das Risiko für atopische Erkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis beim Kind zu senken. Doch gerade Seefisch ist oft mit Schadstoffen belastet, da Chemikalien ins Meer gelangen und sich im Körper der ­Fische anreichern. „Achten Sie auf Bio-Herkunft, und essen Sie Fisch nur einmal pro Woche“, rät ­Gudrun von der Ohe.

In ganz seltenen Fällen kann der Säugling auf die Kuhmilch in der Ernährung der Mutter allergisch reagieren. Das äußert sich verschieden, zum Beispiel mit Neurodermitis. Vorsicht: Nicht auf eigene Faust die Ernährung umstellen, sondern vorher mit dem Arzt abklären.

Getränke: Kaffee und Schwarztee in Maßen

Ihren geliebten Morgenkaffee muss sich keine Stillende verkneifen. „Aller­­dings kann ­Koffein bei Kindern zu Unruhe führen“, gibt Apothekerin Bark zu bedenken, denn der Stoff geht in die Muttermilch über. Ihr Tipp: „Kaffee oder an­dere koffeinhaltige Getränke nicht mehr am Nach­mittag oder am Abend trinken, damit die Nacht­ruhe entspannt bleibt.“ Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung emp­fiehlt Stillenden, nicht mehr als drei ­Tassen täglich zu konsumieren. Das entspricht 300 Milli­gramm Koffein.

Alkohol und Nikotin am besten komplett meiden

„Bei Alkohol gilt die Null-Promille-Regel“, sagt Gudrun von der Ohe. „Wollen Sie trotzdem mal an­stoßen, sollten Sie das direkt nach dem Stillen vor der längsten Still­pause des Tages tun, die meistens am Abend liegt. Und nur einmal in der ­Woche.“ Noch besser: Vor einem Glas Sekt oder Wein Milch abpumpen, dann hat der Körper bis zur nächsten Stillmahlzeit genügend Zeit, den Alkohol abzubauen.

Frauen, die rauchen, sollten im Idealfall schon ab dem Kinderwunsch damit aufhören oder, wenn das nicht gelingt, den Zigarettenkonsum stark einschränken. Das gilt auch in der Stillzeit. Fällt das schwer, holen Sie sich Unterstützung. „Muttermilch hat für das Kind so viele Vorteile, dass aber auch rauchenden Müttern das Stillen empfohlen wird“, so Bark. Ihr Appell: „Wenn Sie rauchen, tun Sie es nach dem Stillen und nie in der Wohnung. Lassen Sie das Kind zu­dem im eigenen Bett schlafen. Im Elternbett steigt die Gefahr für den plötzlichen Kindstod.“

Schadstoffe wie Glyphosat und Weichmacher

Meldungen über Umweltgifte in der Nahrung, die sich im ­Körper anreichern, beunruhigen. Berechtigt ist die Frage, ob Substanzen wie etwa Glyphosat, das in Pflanzen­schutzmitteln ent­halten ist, oder Bisphenol (Weichmacher) dem ­Baby gefährlich werden ­können.
­2016 ließ das Bundesamt für Risiko­bewertung Muttermilch­proben in Bayern und Niedersachsen auf Glyphosat untersuchen. Ergebnis: Die Konzentration lag unterhalb der Nachweis­grenze. Generell sei die Belas­tung von Mutter­milch mit Schadstoffen wie Pes­tiziden, Biphenylen und Dioxinen durch gesetzliche Vorgaben in den vergangenen 30 Jahren um bis zu 90 Prozent gesunken, so das Bundesamt. Einschränkungen zur Stilldauer gibt es nicht.

Ernährung der stillenden Mutter

Viele Mütter sind verunsichert, ob sie in der Stillzeit genauso essen dürfen wie sonst. Insbesondere wird häufig befürchtet, dass bestimmte Nahrungsmittel beim Baby Unverträglichkeiten auslösen. Aber auch das Abnehmen beschäftigt viele stillende Mütter, die gern zügig zu ihrer früheren Figur zurückkehren möchten.

Eigentlich braucht sich eine stillende Mutter nicht anders zu ernähren als außerhalb der Stillzeit. Sie soll gesund, abwechslungsreich und nach Appetit essen. Dann wird auch ihr Kind bestens versorgt. Da aber in einigen seltenen Fällen tatsächlich eine spezielle Diät erforderlich ist und die richtige Ernährung viele Mütter beschäftigt, kann man hier die Antworten zu den häufigsten Fragen nachlesen.

Wie viel soll eine stillende Mutter essen?

Mit der Muttermilch gibt die Mutter Energie und Nährstoffe an das Kind weiter. Sie muss daher mehr essen als eine nicht stillende Frau. Dieser Mehrbedarf ist sogar größer als während der Schwangerschaft. Allerdings soll der Mehrbedarf nicht durch Schokoriegel und Kuchen gedeckt werden, sondern durch eine ausgewogene Mischkost, d.h. durch viel Gemüse, Kartoffeln, Vollkornprodukte und Obst und etwas Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte, Fette und Öle. Wenn eine vollstillende Mutter sich ausgewogen ernährt und sparsam mit Süßem und Fettreichem umgeht, wird sie auch dann langsam abnehmen, wenn sie nach Appetit isst. Damit werden die in der Schwangerschaft angelegten Fettreserven allmählich abgebaut. Die durchschnittliche Gewichtsabnahme nach der Geburt beträgt monatlich 0,5-1 kg, wobei die größte Gewichtsabnahme bei vollstillenden Frauen in der Regel zwischen dem 3. und 6. Monat stattfindet. Je mehr eine Frau während der Schwangerschaft zugenommen hat, umso mehr verliert sie tendenziell nach der Geburt. Über diesen Gewichtsverlust hinaus wird eine Diät während der Stillzeit nicht empfohlen. Fettlösliche Schadstoffe werden nämlich beim Abnehmen aus dem Fettgewebe freigesetzt und der Schadstoffgehalt der Muttermilch steigt. Eine intensive Einschränkung der Kalorienzufuhr (<1500 kcal/Tag) reduziert außerdem die Milchmenge.

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Muss eine stillende Mutter mehr trinken?

Durch Stillen entsteht auch ein Mehrbedarf an Wasser und der Durst der Mutter steigt automatisch. Durchschnittlich trinken Babys 0,8 l Milch täglich – dieser zusätzliche Flüssigkeitsbedarf muss natürlich über vermehrtes Trinken gedeckt werden. Es macht aber keinen Sinn, das Trinken über das natürliche Verlangen hinaus zu forcieren. Wenn die Flüssigkeitszufuhr andererseits eingeschränkt ist, wird die Menge des Urins konzentriert, die Milchmenge bleibt jedoch konstant. Deshalb sollte die stillende Mutter nach Durst trinken. Dazu eignet sich am besten Leitungs- oder Mineralwasser, pur oder nach Bedarf mit etwas Obstsaft gemischt. Auch Tee wird in Maßen empfohlen. Limonaden oder gar alkoholische Getränke eignen sich zum Durstlöschen natürlich nicht. Stillende Frauen brauchen manchmal auch nachts etwas zu trinken – stellen Sie sich Wasser ans Bett.

Hat die Ernährung der Mutter einen Einfluss auf die Qualität der Muttermilch?

Die grundlegende Zusammensetzung der Muttermilch ist unabhängig von der Ernährung der Mutter. Das heißt, die Mutter kann sich auch während der Stillzeit wie früher ernähren und kann davon ausgehen, dass ihr Baby gut versorgt ist. Der Gehalt an bestimmten Nährstoffen, wie Vitaminen und Fettsäuren, hängt allerdings von der Ernährung der Mutter ab. Langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind wichtig für eine optimale Gehirnentwicklung des Babys. Deshalb wird Stillenden geraten, in ihrer Ernährung fettreichen Seefisch (möglichst 2-3-Mal die Woche Lachs, Hering oder Makrele) und wertvolle pflanzliche Öle (z.B. Raps-, Oliven-, und Leinöl) zu berücksichtigen. Es gibt außerdem Hinweise, dass regelmäßiger Fischverzehr während Schwangerschaft und Stillzeit das Risiko des Kindes mindert, an atopischen Erkrankungen wie Neurodermitis oder Heuschnupfen zu erkranken. Auch der Jodgehalt der Muttermilch hängt von der Jodversorgung der Mutter ab. Da der Jodbedarf in der Stillzeit durch Ernährung und Jodsalz alleine nicht gedeckt werden kann, müssen täglich etwa 100-150 μg/Tag Jod zusätzlich mithilfe von Nahrungsergänzungsmitteln eingenommen werden – lassen Sie sich von Ihrer Gynäkologin oder Hausärztin beraten. Sie untersucht die Schilddrüsenfunktion, erfragt alle möglichen Jod-Quellen und gibt dann eine individuelle Empfehlung.

Unverträglichkeitsreaktionen: Was darf eine stillende Mutter essen?

Frauen dürfen auch in der Stillzeit genießen, was ihnen schmeckt, eine Umstellung der Ernährung ist in den allermeisten Fällen nicht erforderlich. In seltenen Fällen kann eine Umstellung jedoch nötig sein. Spuren der Lebensmittel gehen nämlich in die Muttermilch über: Geschmack- und Eiweißstoffe aus der Nahrung können in der Muttermilch gefunden werden. Diese fremden Eiweißstoffe in der Muttermilch können bei empfindlichen Säuglingen Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen. Dies kann sich in Hautausschlägen, Koliken, Atmungsproblemen, Erbrechen, Durchfall, Blutspuren im Stuhl, exzessivem Schreien usw. äußern. Solche Reaktionen treten typischerweise im Alter zwischen zwei und sechs Wochen zum ersten Mal auf, wobei es auch Berichte gibt, nach denen die Symptome bereits ab dem 1. Tag auftraten. Denn die Sensibilisierung gegen bestimmte Nahrungsmittel kann auch bereits während der Schwangerschaft erfolgen, da Nahrungsbestandteile auch über die Plazenta das ungeborene Baby erreichen.

Wenn das Kind Symptome einer Unverträglichkeit zeigt, kann der Kinderarzt konsultiert werden. Insgesamt treten Allergien bei vollgestillten Kindern seltener auf als bei Kindern, die künstliche Säuglingsmilch bekommen. Von 100 vollgestillten Babys entwickeln 2-3 eine Allergie gegen gewisse Nahrungsmittel, die die Mutter gegessen hat, bei etwa 0,5 bis 1% der Säuglinge gegen Kuhmilchproteine. Weitere häufige Allergene sind Ei, Mais, Soja, Fisch, Nüsse und Erdbeeren. Durch den Verzicht auf diese Nahrungsmittel seitens der Mutter bilden sich die Symptome beim Baby in den meisten Fällen innerhalb von 3-4 Tagen zurück, in seltenen Fällen können auch zwei Wochen oder mehr vergehen. Es gibt unterschiedliche Ansätze, wie die Allergene in der Nahrung der Mutter identifiziert werden können. Manche Fachleute empfehlen, dass die Mutter für mindestens 2-3 Wochen alle häufigen Allergene weglässt. Nachdem die Symptome abgeklungen sind, führt sie die einzelnen Nahrungsmittel einzeln nach und nach wieder ein und wartet jeweils einige Tage, ob Symptome auftreten. Ein anderer Ansatz schlägt vor, dass die Mutter nicht alle verdächtigen Lebensmittel, sondern nur einzelne Lebensmittelgruppen auf einmal weglässt und prüft, ob die Symptome nachlassen. Bei diesem Ansatz empfiehlt es sich mit den Lebensmittelgruppen mit dem höchsten Allergierisiko anzufangen, in erster Linie also mit Kuhmilch und Kuhmilchprodukten. Wenn sich die Symptome nicht bessern, kann die Mutter das Lebensmittel wieder verzehren und ein anderes Lebensmittel von ihrem Speiseplan streichen.

Bei dieser Diät sollte beachtet werden, dass sich Bestandteile der potenziell allergenen Nahrungsmittel in vielen industriell hergestellten Produkten wiederfinden können. Daher sollten auch die Etiketten der eingekauften Lebensmittel sorgfältig gelesen werden. So können sich z.B. Milchbestandteile auch unter den Bezeichnungen Kasein, Molke, Laktoglobulin usw. verstecken. Auch Produkte mit den Warnhinweisen „… kann Spuren von Allergenen enthalten“ sollten vorübergehend gemieden werden, wenn beim Baby eine Allergie diagnostiziert worden ist. Auch Medikamente und Vitamine können allergene Stoffe beinhalten und müssen bei aufgetretenen Symptomen in Betracht gezogen werden.

Da Milch die wichtigste Quelle für Kalzium ist, wird ein völliger Verzicht auf Milch und Milchprodukte längerfristig nur dann empfohlen, wenn eine Kuhmilchallergie beim Kind sicher diagnostiziert ist. Kalzium findet sich auch in Mandeln und dunkelgrünem Gemüse wie Brokkoli. Spinat ist hingegen für die Kalziumzufuhr nicht geeignet, weil er viel Oxalsäure enthält, die die Aufnahme von Kalzium verhindert. Milch von anderen Tierarten wie Schaf oder Ziege können ebenfalls Allergien auslösen. Wenn eine milchfreie Diät über lange Zeit erforderlich ist, können Nahrungsergänzungsmittel herangezogen werden, um die Kalziumaufnahme sicherzustellen.

Auch bei Unverträglichkeitssymptomen beim Kind sollte das Stillen weiter aufrechterhalten werden. Es kann vorkommen, dass Mütter die Empfehlung erhalten, anstelle von Stillen auf hypoallergene Säuglingsnahrung oder sogar Spezialnahrungen zu wechseln. Dies ist nur in äußerst seltenen Einzelfällen gerechtfertigt und sollte die letzte Alternative sein, da künstliche Säuglingsnahrungen und insbesondere viele Spezialnahrungen sehr viel ungesünder sind als Muttermilch. Leider „beraten“ viele Hersteller solcher künstlicher Säuglingsnahrungen und vor allem Spezialnahrungen die Mütter direkt (z.B. in Internetforen oder per Telefon), was in erster Linie zur Absatzförderung dient und nicht unbedingt der Gesundheit der Babys. Diese Praxis wird im WHO-Kodex explizit untersagt, um eine Manipulation zu verhindern.

Sehr verbreitet ist die Überzeugung, dass blähendes Gemüse und säurehaltige Lebensmittel Bauchschmerzen und einen wunden Po beim gestillten Säugling verursachen. Hierfür gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Beweise und bei den meisten Babys treten keine Symptome auf, egal, was ihre Mutter isst. Da Gemüse, Obst und Getreideprodukte für eine ausgewogene Ernährung essenziell sind, sollte aus Vorsichtsgründen alleine nicht auf sie verzichtet werden. Listen mit Lebensmitteln, die in der Stillzeit pauschal vermieden werden sollten, sind daher nicht sinnvoll. Tomaten, Orangen und Kohl sind z.B. die beste Quelle für Folsäure.

Wenn der Verdacht besteht, dass gewisse Sorten von Obst oder Gemüse beim Baby Unwohlsein hervorrufen, empfiehlt es sich, das Lebensmittel unter Verdacht vorübergehend wegzulassen und dann zu prüfen, ob nach wenigen Tagen eine Besserung auftritt. Um sicherzugehen, dass das verdächtige Lebensmittel tatsächlich schuld an den Problemen ist, kann die Mutter beim nächsten Verzehr beobachten, ob beim Baby wieder Symptome auftreten. Anhand von Erfahrungsberichten von Müttern lösen Schokolade, Zwiebeln, Kaffee, Kohlgemüse (Blumenkohl, Brokkoli usw.), Zitrusfrüchte und Erdbeeren am häufigsten Unwohlsein beim Baby aus.

All diese Unverträglichkeitsreaktionen können im Laufe der Monate durch die Reifung des Kindes vorübergehen. Nach Ablauf von wenigen Monaten sollte die Mutter daher immer wieder überprüfen, ob das Kind immer noch mit Symptomen auf bestimmte Lebensmittel reagiert. Wenn keine Symptome mehr auftreten, kann die Mutter das besagte Lebensmittel wieder verzehren.

Koliken können viele andere Ursachen als die Ernährung der Mutter haben. Eine mögliche Ursache ist, dass das Baby beim Trinken an der Brust zu viel Luft schluckt. Hier kann sehr sorgfältiges Anlegen oder z.B. ein Anlegen in einer zurückgelehnten Position helfen (siehe auch den Abschnitt Laid-back-Nursing). Auch Schnuller können manchmal dazu führen, dass das Baby viel Luft schluckt und Bauchschmerzen bekommt. Insbesondere, wenn die Mutter sehr viel Milch hat und das Baby im Verhältnis zu viel wässrige Vorder- und zu wenig fettreiche Hintermilch bekommt („foremilk hindmilk inbalance“), können ebenfalls Bauchschmerzen entstehen, da der Darm des Babys mit zu viel Laktose auf einmal überfordert ist. Eine echte Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) im Säuglingsalter ist jedoch extrem selten (siehe auch unseren Artikel über Laktoseintoleranz beim Baby). In dieser Situation ist es hilfreich, wenn das Baby innerhalb einer Stillmahlzeit nur eine Brust angeboten bekommt und wenn es kurz nach dem Stillen wieder an die Brust will, weiterhin an derselben Brust trinkt.

Ist eine vegetarische oder vegane Ernährung möglich?

Eine vegetarische Ernährung, d.h. ein Verzicht auf Fleisch, nicht aber auf Milchprodukte und Eier, ist in der Stillzeit möglich, wenn durch eine bewusste Zusammenstellung der Kost eine adäquate Eisen- und Eiweißzufuhr sichergestellt wird. Eine vegane Ernährung, in der auf sämtliche tierische Lebensmittel (Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukte und Eier) verzichtet wird, wird in der Stillzeit von medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Fachgesellschaften nicht empfohlen, da sie zu bleibenden neurologischen Schäden beim Kind führen kann. Sollte sich eine Mutter bereits während der Schwangerschaft vegan ernährt haben, gilt es, diese Ernährung in der Stillzeit weiterhin unter ärztlicher Kontrolle mit regelmäßigen Blut- und Urinuntersuchungen, einer sehr bewussten Auswahl von Lebensmitteln und Supplementierung wichtiger Nährstoffe fortzusetzen. Die Supplementierung von Vitamin B12 ist essenziell, um bleibenden neurologischen Schäden beim Kind vorzubeugen. Weitere Nährstoffsupplemente z.B. für Eisen, Kalzium und Zink können individuell ebenfalls erforderlich sein. Eine gute Versorgung ist beim Säugling, der sich am Anfang seines Lebens befindet und rapide wächst, sehr viel wichtiger als bei der ausgewachsenen Mutter.

Bücher zum Thema:

  • Hanreich I: Essen und Trinken in der Stillzeit
  • Keller M, Gätjen E: Vegane Ernährung – Schwangerschat, Stillzeit, Beikost

Quellenangaben für diesen Beitrag

  • Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation. 5. Aufl. Jones & Bartlett Learning, 2015. S. 760-762.
  • Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ): S3-Leitlinie Allergieprävention – Update 2014.
  • Academy of Breastfeeding Medicine: Klinisches Protokoll Nr. 24: Allergische Proktokolitis beim ausschließlich gestillten Säugling, 2011.
  • Guóth-Gumberger M, Hormann E: Stillen. Einfühlsame Begleitung durch alle Phasen der Stillzeit, 2014, S. 76/77.
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft 2014. Quelle: http://www.bfr.bund.de/cm/350/jod-folat-folsaeure-und-schwangerschaft.pdf
  • Walker M: Breastfeeding Management for the Clinician. Using the Evidence. 3. Aufl. 2013, S. 544-545.
  • Kersting M: Ernährung der stillenden Mutter und Beikost für das Kind. Stillen und Muttermilchernährung, Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen; Gesundheitsförderung konkret Band 3, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2001.
  • Kersting M, Alexy U, Rothmann N: Fakten zur Kinderernährung. Hans Marseille Verlag GmbH München, 2003.
  • Riordan J und Auerbach KG: Breastfeeding and Human Lactation, 2. Auflage, 1999; Jones and Bartlett Publishers
  • Lawrence RA und Lawrence RM: Breastfeeding. A guide for the medical profession. 5. Auflage, 1999, Mosby und 6. Auflage, 2005, Elsevier Mosby
  • Omega-3-Fettsäuren: So sind Sie gut versorgt. Stiftung Warentest 2005/8, S. 90

AUCH INTERESSANT:

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  • Regulationsstörungen: Wenn das Baby sich nicht beruhigen lässt

Ernährung der Mutter in der Stillzeit

Quellenangabe für die Fotos auf dieser Seite:
Fotolia/ Deymos.HR, Fotolia/ Halfpoint, Fotolia/ Iryna, Fotolia/ pololia, / Anna Romanova, / Lolostock

Gesund, ausgewogen und vielfältig

Stillende Mütter erhalten seit Jahrhunderten verschiedenste Ratschläge, welche Nahrungsmittel sie zu sich nehmen sollten, um ihre Milch gehaltvoller zu machen, ihre Milchmenge zu steigern oder ihre Milch für das Kind „verträglicher“ zu machen. Je nach Kulturhintergrund und Epoche wurden dazu die unterschiedlichsten Lebensmittel und Getränke empfohlen, wobei wissenschaftliche Nachweise für die Wirksamkeit dieser Empfehlungen stets fehlen.
Heute wissen wir, dass stillende Mütter vor allem ein ausgewogenes und vielfältiges Nahrungsangebot benötigen und sich nach ihren persönlichen Vorlieben und Gewohnheiten ernähren sollen. Schwangerschaft und Stillzeit sind physiologische Prozesse des weiblichen Körpers und gehören zum normalen Leben. Eine Pathologisierung dieser Zeit, inklusive spezieller Ernährungsvorschriften, trägt nicht zum Wohlbefinden der Familie bei und verringert die Motivation für das Stillen.

Erhöhter Bedarf und gesunde Ernährung

Um einen Liter Muttermilch zu bilden, benötigt der Körper der Mutter ungefähr 940 kcal. Da jedoch der Stoffwechsel einer stillenden Frau besonders effizient arbeitet, kann ein Teil dieses Mehrbedarfs durch diese Stoffwechselveränderung sowie durch die während der Schwangerschaft angelegten Polster abgedeckt werden. Daher werden nur ca. 500 kcal an zusätzlicher Energiezufuhr benötigt, wobei der individuelle Bedarf davon abweichen kann (z.B. bei sehr schlanken Frauen oder Frauen, die während der Schwangerschaft nur sehr wenig zugenommen hatten).
Es spricht nichts gegen eine moderate Gewichtsabnahme von bis zu 2 kg pro Monat, die durch eine gesunde Ernährungsweise und körperliche Aktivität erreicht wird. Reduktionsdiäten mit dem Ziel einer starken Gewichtsabnahme sind generell nicht empfehlenswert, insbesondere in der Stillzeit. Durch eine länger anhaltende drastische Einschränkung der Energiezufuhr unter das gewohnte Niveau (unter 1500 – 1800 kcal täglich in Industrienationen) bleibt die Qualität der Muttermilch zwar erhalten, die Milchmenge kann jedoch zurückgehen.
Es bestehen theoretische Überlegungen, dass in den mütterlichen Fettzellen eingelagerte Schadstoffe durch eine rasche Gewichtsabnahme im Körper mobilisert und eventuell auch in die Muttermilch gelangen könnten. Evidenzen dazu fehlen allerdings. In jedem Fall bleibt Muttermilch trotz möglicher Schadstoffbelastung die erste Wahl zur Ernährung des Kindes, wie auch das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mit der Nationalen Stillkommission 2005 in einer Stellungnahme erneut betonte:

Gesunde Ernährung, was heißt das?

Wenn von ausgewogener, vielfältiger und gesunder Ernährung die Rede ist, bezieht sich dies nicht speziell nur auf stillende Mütter. Die allgemeingültigen aktuellen Empfehlungen zur Ernährung von gesunden Erwachsenen gelten ebenso für Stillende und mit Einschränkungen auch für Schwangere. In den deutschsprachigen Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es allgemeine gemeinsame Empfehlungen zur Nährstoffaufnahme (D-A-CH-Referenzwerte), die häufig mit einer Ernährungspyramide oder ähnlichen Modellen in die Praxis übertragen werden:

Die Referenzwerte und die daraus abgeleiteten Empfehlungen werden stetig überarbeitet und durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse ergänzt. So haben sich 2017 die Empfehlungen der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) zu einigen strittigen Punkten verändert und es steht zu erwarten, dass auch die Ernährungspyramiden und Modelle entsprechend angepasst werden. Zu den veränderten DGE-Empfehlungen gibt es einen informativen Artikel im Deutschen Ärzteblatt:

Offizielle Empfehlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Das Netzwerk Gesund ins Leben, angesiedelt am Bundeszentrum für Ernährung, hat in den vergangenen Jahren evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften veröffentlicht, die sich sowohl um die Ernährung von Säuglingen und Kleinkindern als auch um die Ernährung von Schwangeren und Stillenden drehen. Dabei unterscheidet das Netzwerk klar zwischen Schwangeren, für die einige Einschränkungen in ihrer Lebensmittelauswahl bestehen, und Stillenden, die weitgehend uneingeschränkt alles zu sich nehmen können, was ihnen schmeckt.

Das österreichische Projekt „Richtig Essen von Anfang an“ hat in Bezug auf die Säuglings- und Kleinkindernährung zu Deutschland vergleichbare Empfehlungen herausgegegben. Für Schwangere und Stillende besteht hingegen keine einheitliche Empfehlung, das österreichische Projekt hat hier offenbar noch nicht zu einer endgültigen Haltung gefunden. An vielen Stellen werden Stillende und Schwangere in der Beratung komplett gleichgesetzt, was zu unnötigen Einschränkungen für stillende Mütter führen kann. An anderer Stelle werden diese Empfehlungen differenzierter betrachtet, wodurch sich widersprüchliche Angaben ergeben.

Die Schweizer Empfehlungen zum Thema decken sich weitgehend mit den deutschen Handlungsempfehlungen. Es wird klar zwischen Schwangeren und Stillenden unterschieden und Stillende werden ermutigt, sich vielfältig und ausgewogen zu ernähren.

Spezieller Nährstoffbedarf in der Stillzeit

Einige Mineralstoffe wie Kalzium und Eisen, sowie der Vitaminbedarf sind in der Stillzeit erhöht, sollten aber bei einer vielfältigen und ausgewogenen Ernährung ausreichend von der stillenden Mutter aufgenommen werden. In der Stillzeit verringert sich vorübergehend die Knochendichte der Mutter, unabhängig von ihrer Ernährung. Nach Wiedereinsetzen der Menstruation findet eine Remineralisierung statt, wodurch besonders in dieser Zeit eine ausreichende Kalziumzufuhr notwendig ist.
Um den erhöhten Bedarf an Kalzium zu decken, sollen stillende Mütter reichlich Milchprodukte, Nüsse und Trockenobst zu sich nehmen, auch einige Mineralwasser haben einen hohen Kalziumgehalt. Für eine gute Eisenzufuhr sind Fleisch, Eier, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse günstig, zudem wird die Eisenaufnahme durch eine gleichzeitige Vitamin-C-Aufnahme (Obst, Fruchtsäfte) gefördert.

Supplemente in der Stillzeit

Nicht alle Mikronährstoffe können in ausreichender Form zuverlässig durch eine gesunde Ernährung gewährleistet werden, wodurch sich für einige Stoffe ein Bedarf an Supplementierung in der Stillzeit ergibt.
Da die deutschsprachigen Regionen allgemein als Jodmangelgebiet gelten (und dies in früheren Generationen zu gehäuften Erkrankungen führte), wird generell eine erhöhte Jodzufuhr, z.B. durch jodiertes Speisesalz empfohlen. Über dies hinaus gilt für Stillende, dass eine zusätzliche Jodsupplementierung die ausreichende Versorgung des Säuglings sicherstellt. Daher wird neben der Verwendung von jodiertem Salz und dem Verzehr von Seefisch zweimal pro Woche auch die Einnahme von 100 μg Jod in Tablettenform zusätzlich empfohlen.

Die Bedeutung von ungesättigten Fettsäuren auf die Entwicklung des Gehirns bei Säuglingen ist erst in den letzten Jahren zunehmend ins Bewusstsein der Wissenschaft gerückt. Es zeigt sich, dass eine erhöhte Versorgung mit DHA (Docosahexaensäure) zudem eine Maßnahme zur Allergieprävention sein kann. Daher wird empfohlen, zweimal wöchentlich (fettreichen) Seefisch wie z.B. Lachs zu verzehren oder durch eine Supplementation in Tablettenform anderweitig den Bedarf von 200mg/Tag zu erreichen.

Die Vitamin-D-Versorgung der Gesamtbevölkerung rückt in den letzten Jahren zunehmen in unser Bewusstsein. Es zeigte sich in einigen Studien, dass insbesondere ältere Menschen häufig an einer Vitamin-D-Unterversorgung leiden, aber auch andere Bevölkerungsgruppen sind betroffen (s. hierzu weiter unten auch die Informationen des Robert-Koch-Instituts in Deutschland). Nachdem sich mehr und mehr zeigt, dass ein Vitamin-D-Mangel nicht nur zur bekannten Krankheit Rachitis führt, sondern auch Einflüsse auf Herz-Kreislauferkrankungen und Krebsleiden sowie auf das gesamte Immunsystem vermutet werden, gewinnt dieses Themenfeld an Bedeutung.
Die offiziellen Empfehlungen für Säuglinge und Kleinkinder, die eine tägliche Vitamin-D-Supplementierung in Tabletten- oder Tropfen-Form erhalten sollen, werden häufig nicht durch die Eltern eingehalten. Teilweise ist auch Fachpersonal noch nicht in ausreichendem Umfang über die Risiken einer Unterversorgung informiert und berät Eltern daher nicht adäquat.
Generell ist für Schwangere und Stillende eine Überprüfung des eigenen Vitamin-D-Status empfehlenswert, die Supplementierung des Kindes sollte täglich und empfehlungskonform durchgeführt werden: „Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt für alle gestillten und nicht gestillten Säuglinge die tägliche Gabe einer Vitamin-D-Tablette von 10-12,5 µg (400-500 IE). Dies gilt von der ersten Lebenswoche bis zum Ende des ersten Lebensjahres, bei im Winter geborenen Kindern auch im 2. Lebensjahr in den Wintermonaten.“ (RKI, 2009)
Interessant zu wissen: auch eine Supplementierung über eine hochdosiert versorgte Mutter ist für ein Stillkind im Prinzip möglich, hierzu existieren erste Studien (s. unser Artikel im Bereich „Neues aus der Forschung“ vom Februar 2017). Bis zu einer offiziellen Dosierungs-Empfehlung sollte jedoch noch auf das erprobte und derzeit empfohlene Verfahren zurückgegriffen werden.

Besondere Ernährungsformen

Einige Frauen ernähren sich aus religiösen oder persönlichen Gründen vegetarisch oder vegan und möchten dies in der Stillzeit beibehalten.
Eine vegetarische Ernährung, die auf eine ausgewogene und vielfältige Zusammenstellung von Lebensmitteln achtet und Milchprodukte und Eier einschließt, ist normalerweise unbedenklich und beeinflusst die Zusammensetzung der Muttermilch nicht negativ.
Von einer veganen Ernährungsweise wird jedoch in der Schwangerschaft und für die Stillzeit abgeraten. Sollte die Frau dennoch eine vegane Ernährungsweise vorziehen, ist eine individuelle professionelle Ernährungsberatung und die Einnahme eines Vitamin-B12-Präparates unerlässlich. Ein Vitamin-B12-Mangel der Mutter führt zu entsprechend niedrigen Spiegeln in der Muttermilch, was zu ernsthaften Schädigungen des Säuglings führen kann, ebenso kann ein Mangel an Zink und anderen Mikronährstoffen auftreten.
Auch bei anderen besonderen Ernährungsformen ist eine individuelle professionelle Ernährungsberatung notwendig, um das Stillkind nicht zu gefährden.

Religiöses Fasten
Kinder, Schwangere und Stillende sind laut Koran vom Fasten im Ramadan ausgenommen. Wenn ein religiöses Fasten dennoch gewünscht ist, kann an einzelnen Tagen mit ausreichendem Erholungsabstand und auch zu anderen Zeiten im Jahr gefastet werden. Die Fastentage können so z.B. in die Wintermonate verlegt werden, wenn die Tage kürzer sind.

Flüssigkeitshaushalt

Der Flüssigkeitsbedarf einer stillenden Mutter ist leicht erhöht, es gibt aber keinen Grund für allgemeingültige Empfehlungen, die eine bestimmte Trinkmenge vorschreiben. Stillende Frauen sollen nach ihrem persönlichen Durstgefühl, reichlich und regelmäßig trinken und vor allem in der Praxis dafür sorgen, dass sie jederzeit in Griffweite ausreichend Getränke zur Verfügung haben. Durchschnittlich 1 – 2 Liter Flüssigkeit gelten als normale Trinkmenge. Eine exzessive Flüssigkeitszufuhr kann hingegen zu einer verringerten Milchmenge führen, weshalb manchmal noch verbreitete Empfehlungen von hohem Trinkvolumen für Stillende wissenschaftlich nicht haltbar sind.

Mythen und Ammenmärchen

Um den Bereich der Ernährung von stillenden Müttern ranken sich zahlreiche tradierte Empfehlungen, die zum Beispiel zur Vermeidung von „blähenden“ Speisen raten. Dahinter steckt die Vorstellung, dass über die Muttermilch Stoffe an das Kind weitergegeben werden können, die beim Säugling Reaktionen hervorrufen.
Dies ist nicht durch Evidenzen gedeckt, weltweit ernähren sich stillende Frauen sehr unterschiedlich und nach ihren jeweiligen kulturellen und individuellen Essgewohnheiten, ohne dass Säuglinge dadurch bestimmte Reaktionen an den Tag legen. In der Beratungspraxis zeigt sich, dass stillende Mütter Phänomenen wie vermehrter Unruhe beim Baby entspannter begegnen und z.B. mit intensivem Tragen und viel Körperkontakt beantworten, wenn sie diese Unruhe nicht mit einem vermeintlichen Ernährungsproblem auf ihrer Seite assoziieren.
Als stillende Mutter ausreichend Zeit für eine ausgewogene gesunde Ernährung zu finden, ist vor allem in den ersten Wochen nicht immer leicht. Daher gilt umso mehr, dass eine präventive Einschränkung des Speiseplans kontraproduktiv ist und unterbleiben sollte.

Allergische Proktokolitis

In sehr seltenen Einzelfällen kommt es beim gestillten Säugling zu einer Unverträglichkeitsreaktion auf Fremdeiweiße, die über die Ernährung der Mutter in die Muttermilch gelangt. Zum größten Teil sind Kuhmilcheiweiße der auslösende Faktor.
Betroffene Säuglinge können Hautreaktionen (Ekzeme) zeigen, in den meisten Fällen manifestiert sich die Symptomatik vor allem in wiederkehrenden schleimigen, blutigen Stühlen, teilweise begleitet von starken Blähungen oder Erbrechen.
Wenn der begründete Verdacht auf eine Allergische Proktokolitis beim gestillten Säugling besteht und andere mögliche Ursachen für Blutungen ausgeschlossen sind, sollte die Mutter zunächst alle Kuhmilchprodukte aus ihrer Ernährung entfernen. Innerhalb weniger Tage sollte sich eine Besserung der Symptome einstellen, in Einzelfällen kann es nötig sein, die Eliminationsdiät 2 – 4 Wochen aufrecht zu erhalten, um die Symptome vollständig zum Verschwinden zu bringen. Sollte eine Elimination von Kuhmilchprodukten zu keiner Veränderung führen, könnte auch ein anderes Nahrungsmittel der Auslöser der Allergischen Proktokolitis sein. Hühnerei, Erdnüsse oder Fisch sind weitere in Frage kommende Lebensmittel, mit denen eine Eliminationsdiät durchgeführt werden könnte.
Die ABM (Academy of Breastfeeding Medicine) hat in ihrem Protokoll Nr. 24 die aktuellen Empfehlungen zur Vorgehensweise bei Allergischer Proktokolitis zusammengefasst. Dieses Protokoll steht auch in deutscher Übersetzung zur Verfügung.

Mehr Milch durch die Ernährung der Mutter?

Ganz allgemein lässt sich die Zusammensetzung der Muttermilch nur sehr bedingt durch die mütterliche Ernährung beeinflussen. Muttermilch hat weltweit, trotz unterschiedlichster Ernährungs- und Lebensgewohnheiten, eine vergleichbare Qualität, sofern die Mutter nicht schwer unterernährt ist oder starke Mangelerscheinungen aufweist. Einzelne Vitamine und Mineralstoffe können durch eine Supplementierung der Mutter in höheren Dosen in die Muttermilch abgegeben werden, was z.B. im Fall von Jod oder DHA zu entsprechenden Empfehlungen der Fachgesellschaften geführt hat.
Die Vorstellung hingegen, dass durch die „richtige Ernährung“ eine Frau ihre Muttermilch „gehaltvoller“ machen könnte, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Falls ein gestilltes Kind nicht ausreichend zunehmen sollte, ist eine fundierte Überprüfung des Stillmanagements und die Beratung durch eine Stillberaterin zu empfehlen.
Sogenannte „Galaktogoga“ (milchbildende Mittel) sind in allen Kulturen Bestandteil überlieferter Empfehlungen für stillende Mütter, sind aber nicht durch Evidenzen gedeckt. Häufig gehören zu den empfohlenen Nahrungsmitteln vor allem stärkende, energiereiche Speisen, die dazu beitragen, die junge Mutter bei Kräften zu halten und eine ausreichende Grundversorgung sicherzustellen. Solange die Empfehlungen keine Risiken für Mutter oder Kind bergen, können tradierte Überlieferungen beibehalten werden, allerdings sollte das Hauptaugenmerk auf ein korrektes Stillmanagement gelegt werden.

Weiterführende Materialien und Informationen

Andrea Hemmelmayr, Still- und Laktationsberaterin IBCLC aus Österreich, hat uns freundlicherweise ihre Diplom-Arbeit zum Ausbildungslehrgang „Dipl. Ernährungstrainer“ zur Verfügung gestellt. In ihrer Arbeit widmet sie sich dem Thema Essen in der Stillzeit – Genuss oder Frust? Sinnvolle und unsinnige Ernährungsempfehlungen für stillende Frauen mit dem besonderen Schwerpunkt „Das unruhige Kind“. Sie steht hier vollständig zum Download zur Verfügung:

So wie es für Stillende spezielle Empfehlungen gibt, gilt dies in stärkerem Umfang auch für Schwangere. Einerseits sollen auch Schwangere sich gesund, ausgewogen und vielfältig ernähren, gleichzeitig gibt es durch das Risiko spezieller Infektionen (Listeriose, Toxoplasmose) in der Schwangerschaft sowie dem erhöhten Bedarf an Mikronährstoffen spezielle Empfehlungen zur Zubereitung, zur Vermeidung bestimmter Lebensmittel und zur Supplementierung für Schwangere.
Das deutsche Netzwerk Gesund ins Leben hat umfassende und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für Schwangere herausgegeben, die Sie hier nachlesen können:

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Blähende Lebensmittel können ganz schon aufs Gemüt schlagen – Fresh vegetables isolated on white © Africa Studio – Fotolia.com

Vermeiden Sie blähende Lebensmittel in der Schwangerschaft bzw. Stillzeit. Oft verstecken sich die stinkigen Gase dort, wo man sie gar nicht vermutet. Und: Wer nach der Stillzeit fürs Baby selber kochen will, sollte das hier lesen!

Auf der Hut vor blähenden Lebensmitteln

Blähende Lebensmittel treten in nahezu jedem gekochten Gericht auf. Neben den allseits bekannten blähenden Lebensmitteln, wie Zwiebeln und sämtlichen Kohlarten, verstecken sich die stinkigen Gase oft auch in anderen Sachen, von denen Sie es kaum erwarten. Es gibt eine ganze Reihe blähende Nahrungsmittel, welche Sie in der Schwangerschaft, aber vor allem in der Stillzeit vermeiden sollten. Denn so kann ein Baby Blähungen bekommen. Wir haben Ihnen auf dieser Seite alles Wichtige zum Thema rund um den Blähbauch zusammengetragen.

In welchen Gerichten verstecken sich blähende Lebensmittel?

Für die Stillzeit ist es besonders wichtig zu wissen, wo überall blähende Lebensmittel enthalten sind. Denn diese treten in nahezu jedem Gericht auf. Wenn man nicht gerade alles selber kocht, kann man eigentlich nie wirklich sicher sein, ob man gerade blähende oder nicht blähende Lebensmittel isst. Blähende Lebensmittel können z.B. in allen Fertiggerichten enthalten sein, wie zum Beispiel in Soßen zum Fleisch, im Gemüseauflauf oder in Dips und Knabbergebäck.

Liste bekannter blähender Lebensmittel

Die graviditas Blähende Lebensmittel Liste enthält alle blähende Nahrungsmittel, darunter auch blähendes Gemüse und blähendes Obst.

  • Zwiebeln,
  • Knoblauch,
  • unreifes Obst,
  • Fettiges Fleisch,
  • nahezu alle frisch zubereiteten Soßen,
  • Fertigsoßen,
  • Sellerie,
  • Hülsenfrüchte (Erbsen, Bohnen Linsen),
  • hartgekochte Eier,
  • Käse,
  • Bier,
  • alle Kohlsorten,
  • Sauerkraut,
  • Milchprodukte,
  • Schokolade,
  • Trauben,
  • Rosinen,
  • Nüsse,
  • Hefeteig,
  • Rettich,
  • Lauch,
  • Kohlrabi,
  • Radieschen,

Besonders wichtig in der Stillzeit!

Gerade in der Stillzeit ist es von enormer Bedeutung, auf die eigene Ernährung zu achten. Geben Sie doch alles, was Sie selbst zu sich nehmen, an Ihr Kind weiter. Dadurch können Sie natürlich auch starke Blähungen bei Ihrem Baby verursachen. Und die können richtig schmerzhaft sein. Gerade die Kleinen und Neugeborenen haben oft arge Probleme mit Bauchschmerzen und Blähungen. Ein Blähbauch ist schmerzhaft, lässt sich aber vermeiden. Es liegt also auch an Ihnen, blähende Lebensmittel zu vermeiden und Ihrem Baby schmerzhafte Bauchkrämpfe zu ersparen. Denn das sind Beschwerden die keiner braucht. In einem Ernährungs-Special für die Stillzeit haben wir wichtige Tipps für Sie zusammengetragen.

Verzehr von blähenden Lebensmitteln einstellen?

In Fachkreisen ist man sich jedoch nicht immer einig, ob blähende Lebensmitteln sich während der Stillzeit auch auf Ihr Kind auswirken. Leidet Ihr Kind aber unter starken Blähungen oder Bauchkrämpfen, ist es sicherlich ratsam, allseits bekannteblähende Lebensmittel weitestgehend aus dem Speiseplan auszuschließen. Beobachten Sie ihr eigenes Kind zu beobachten und seine Reaktion auf gewisse Nahrungsmittel. Wie es reagiert, wenn Sie etwa gewisse Lebensmittel weglassen oder wieder in Ihren Speiseplan einließen lassen.

Blähende Lebensmittel nach der Stillzeit

Bedenken Sie, dass sich Babys Darm nach dem Abstillen erst an die richtige Kost gewöhnen muss. Auch hier gilt Vorsicht walten zu lassen, da blähende Lebensmittel Babys Bauch gar nicht gut tun. Also sollten Sie Ihrem Kind evtl. nicht gleich mit Kohlsuppe füttern, sondern es langsam an alle Lebensmittelarten heranführen.

Unterschätzen Sie bitte nicht, wie schmerzhaft Blähungen, verursacht durch die entsprechenden Lebensmittel, für Ihr Baby sein können. Daher liegt es in Ihrer Verantwortung, sich auf die Bedürfnisse Ihres Kindes einzustellen und Ihre eigene Ernährung auch in der Stillzeit dementsprechend anzupassen.

Am besten selber kochen!

So weiß man, was man hat! Das Beste nach der Stillzeit ist immer noch, selber zu kochen. Klar, ein Fertiggericht für Babys ist schnell zubereitet, macht kaum Arbeit und spart ganz viel Zeit. Aber: wer selber für das eigene Baby kocht, weiß auch was er da füttert. Dabei muss es keineswegs ausgefallen oder gar exotisch sein. Gesund, einfach, lecker! Das sind die drei Grundsätze beim Kochen! Apfelmus aus ganzen Äpfeln, Bananenstampf, Möhrengemüse mit Kartoffeln oder eine leckere Eigenkreation sind nur einige schnelle Rezepte. Achten Sie jedoch darauf, dass alles ordentlich püriert und leicht zu schlucken ist. Und alles OHNE blähende Lebensmittel!

Regionale Unterschiede

Natürlich muss man regionale Unterschiede berücksichtigen. So reagieren Babys aus anderen Ländern und Kulturen ganz anders auf blähende Lebensmittel, als hier zu Lande.

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Alternativen zu blähenden Lebensmitteln

Unbedenklich hingegen sind Granulate wie Zwiebelpulver, Knoblauchpulver oder auch getrocknetes Suppengemüse. Diese können ruhigen Gewissens Ihren Speiseplan begleiten.

Blähungen beim Kind! Was nun?

Abhilfe schafft hier zum Beispiel Fenchel-Kümmel-Anis Tee (lauwarm), Sab simplex® Suspension, ein Kirschkernkissen oder auch Bäuchlein (im Uhrzeigersinn!) massieren. Genauso hilft das klassische „herumtragen“ in der Fliegerposition. Das vermittelt Ihrem Baby Geborgenheit und hilft außerdem die Gase weiter voran zu treiben.

Fazit

Vieles, was lecker ist, bläht leider auch. Führen Sie Ihr Kind nach der Stillzeit langsam an alle blähende Lebensmittel heran, um mögliche Bauchschmerzen zu reduzieren.

Die richtige Ernährung in der Stillzeit: Unsere Expertentipps!

In der Schwangerschaft musstest du dich ganz schön zurückhalten: Kein Sushi, kein Tiramisu, kein Rohmilchkäse – und absolut keinen Alkohol! Aber was gilt jetzt in der Stillzeit? Beeinflusst dein Speiseplan in der Stillzeit das Essverhalten deines Babys ebenso wie deine Ernährung in der Schwangerschaft? Alexandra Buder, Hebamme und Medela-Stillexpertin kennt die Antworten.

Baby isst mit! So ernährst du dich in der Stillzeit richtig

Ums Stillen und die entsprechende Ernährung ranken sich viele Mythen. Doch Essen wird während der Stillzeit um vieles einfacher: Salmonellen in rohem Ei oder frischem Fisch sowie eine Toxoplasmose durch halbgares Fleisch können deinem Baby nichts mehr anhaben. Einige Ernährungstipps unserer Hebamme solltest du dennoch berücksichtigen, während du stillst.

Gesunde Ernährung in der Stillzeit: kein Verbot von Sushi, Salami & Co.!

Sushi, Rohmilch, Tiramisu und Salami waren in der Schwangerschaft verboten – gilt das während der Stillzeit weiter?

Alexandra Buder: Nein, frischgebackene Mütter brauchen darauf nicht mehr zu verzichten. Je vielfältiger sich die Frauen in der Zeit des Stillens ernähren, desto neugieriger wird das Kind später selbst auf unterschiedliche Nahrungsmittel sein. Denn alles, was die Mamas jetzt essen, beeinflusst den Geschmack der Muttermilch und kann Babys Vorlieben prägen.

Es heißt immer, dass Babys einen wunden Po bekommen, wenn die Mutter Zitrusfrüchte isst. Stimmt das?

Alexandra Buder: Jeder Säugling reagiert anders. Einige Kinder scheinen empfindlich gegenüber bestimmten Lebensmitteln oder Gewürzen zu sein. Aber bislang konnte ein Zusammenhang zwischen einem wunden Po und bestimmten Nahrungsmitteln nicht wissenschaftlich bewiesen werden. Auch blähende Lebensmittel wie Knoblauch oder Kohl sind generell kein Tabu in der Stillzeit. Wenn das Baby unruhig ist und die Mutter ein bestimmtes Lebensmittel in Verdacht hat, sollte sie es probeweise eine Zeit lang von ihrem Speiseplan streichen und nach ein paar Wochen noch einmal testen. Manchmal können auch Milchprodukte der Auslöser sein, wenn das Baby womöglich eine Allergie oder Intoleranz hat. Ausprobieren und das Baby beobachten – so lässt sich gut herausfinden, ob ein Nahrungsmittel die Verstimmung auslöst.

Was ist mit Kaffee? Schadet das Koffein dem Baby durch die Muttermilch?

Alexandra Buder: Zwei Tassen Kaffee oder vier Tassen Schwarztee pro Tag sind kein Problem. Wichtig ist, immer das richtige Maß zu finden – und auch ausreichend Wasser zu trinken! Zwei Liter am Tag sollten es schon sein.

Kleine Sünden sind erlaubt: Ernähre dich während der Stillzeit dennoch ausgewogen

Bestimmt denn nicht alles, was ich esse, die Qualität meiner Muttermilch?

Alexandra Buder: Dein Körper weiß instinktiv, welche Nährstoffe dein Baby braucht und setzt die Muttermilch entsprechend zusammen. Wenn du also schlimmstenfalls einen Tag lang mal nur Tiefkühlpizza, Snacks und Schokolade gegessen hast, bekommt dein Baby davon unabhängig durch deine Muttermilch trotzdem alle gesunden Nährstoffe, die es braucht. Die Zusammensetzung der Muttermilch (https://medela-family.de/stillzeit/muttermilch/inhaltsstoffe-muttermilch/) ändert sich durch deine „kleinen Sünden“ nicht. Aber grundsätzlich gilt natürlich: Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist für die Mutter in der Stillzeit besonders wichtig. Sie braucht gute Energie, denn das Stillen kostet natürlich Kraft. Wenn es ihr nicht gut geht und sie womöglich Mangelerscheinungen entwickelt oder krank wird, leidet auch die Milchproduktion.

Ich habe schon oft gehört, dass Malzbier und Stilltees wichtig sind, um die Milchproduktion anzuregen. Wird sonst mein Baby womöglich nicht satt?

Alexandra Buder: Im Normalfall hat jede Mutter genug Milch, um ihr Kind ausreichend zu versorgen. Die Nachfrage bestimmt hier das Angebot. Wirkt das Kleine noch hungrig und daher unruhig, sollten Mütter ihr Baby am besten öfter anlegen. Das fördert die Milchproduktion. Auch mit zusätzlichem Abpumpen – am besten beidseitig – wird die Milchbildung weiter angeregt: Dass Tees mit Fenchel, Anis oder Kümmel oder alkoholfreies Malzbier die Milchbildung anregen, ist nicht belegt.

Diät während der Stillzeit solltest du vermeiden

Ich möchte die letzten Schwangerschaftskilos möglichst schnell loswerden – darf ich während der Stillzeit Diät halten?

Alexandra Buder: Bitte nicht! Eine strenge Diät während der Stillzeit ist nicht sinnvoll. Stillen kostet viel Energie. Wenn die Mutter ihren Körper nicht ausreichend versorgt, besteht die Gefahr, dass sich die Milchmenge reduziert. Außerdem verbrennt Stillen an sich jeden Tag auch über 500 Kalorien und hilft so, die Babypfunde auf natürliche Weise wieder loszuwerden. Am besten mehr frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte auf den Speiseplan setzen und mit viel Bewegung – zum Beispiel regelmäßiges Spazierengehen – den Kalorienverbrauch weiter ankurbeln. Und: Je mehr die Mutter sich bewegt, desto mehr Prolaktin schüttet der Körper das. Dieses Hormon regt die Milchbildung an. Von einer gesunden Lebensweise profitieren also beide, Mutter und Kind. Und dem Baby ist es ganz egal, ob seine Mutter schon wieder in ihre Jeans passt!

Ich würde auf meinem Geburtstag so gerne mit den anderen anstoßen. Ist Alkohol wirklich komplett Tabu?

Alexandra Buder: Grundsätzlich gilt: Natürlich ist Alkohol tabu, denn er geht in die Muttermilch über. Ein Glas Sekt zu besonderen Anlässen ist nur in Ordnung, wenn die Mutter kurz vor dem Anstoßen stillt oder Milch abpumpt. Dann hat der Körper bis zum nächsten Mal Stillen Zeit, den Alkohol wieder abzubauen. Wenn die Mutter schon vorher weiß, dass man an einem bestimmten Tag etwas Alkohol trinken möchte, pumpt sie am besten schon am Vortag Milch ab. Damit füttern sie oder der Vater das Baby und gehen kein Risiko ein.

Vegane Ernährung während der Stillzeit sollte vom Arzt begleitet werden

Fleisch ist in der Stillzeit Pflicht. Aber was ist, wenn ich als Veganerin gar keine tierischenProdukte esse?

Alexandra Buder: Viele Experten halten eine rein vegane Ernährung gerade während der Schwangerschaft für problematisch. Es kommt aber sicher immer sehr darauf an, wie die Frauen ihre Ernährung handhaben – und vor allem, was ihr der Arzt rät. Frauen, die sich vegan ernähren, müssen in der Stillzeit kein Fleisch essen. Aber es ist ratsam, bereits in der Schwangerschaft Rücksprache mit dem Arzt oder der Hebamme zu halten, um Nährstoffdefizite auszuschließen. Zum Beispiel sollten sie Vitamin B12 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln einnehmen. Denn ein Mangel an Vitamin B12 während der Schwangerschaft und der Stillzeit kann zu Entwicklungsstörungen des Babys führen. Für einige Schwangere und Stillende ist es sinnvoll, andere Nährstoffe wie Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren, Eisen oder Folsäure zusätzlich über Nahrungsergänzungsmittel aufzunehmen. Wichtig ist wirklich, sich da genau mit Ärzten und Hebamme abzustimmen.

Stillen und Alkohol

Auch wenn Sie sich nach der Geburt schon darauf gefreut haben, endlich wieder ein Cüpli, ein Glas Wein oder ein Bier trinken zu dürfen, sollten Sie damit noch warten, bis sich der Stillrhythmus einigermassen eingependelt hat – meist nach etwa einem Monat. Erstens muss sich die Milchproduktion erst einpendeln, was durch Alkohol gestört werden kann. Zweitens kann ein Neugeborenes immer unerwartet Hunger bekommen. Und Alkohol schadet der kindlichen Entwicklung, v.a. des Gehirns, natürlich auch nach der Geburt. Wissenschaftlich bewiesen ist zudem eine Verkürzung der Schlafzeiten.

Alkohol gelangt von den Schleimhäuten ins Blut und von dort direkt in die Muttermilch. Das geht relativ schnell: Schon eine halbe bis eine Stunde nach dem ersten Schluck ist Alkohol in der Muttermilch nachweisbar. Dabei sind der Blutalkoholwert und die Konzentration in der Brustmilch direkt voneinander abhängig. Der Promille-Wert im Blut wird bestimmt durch den Alkoholgehalt des Getränks, die konsumierten Menge, das Körpergewicht und den Mageninhalt. Der Alkoholabbau kann bei Erwachsenen mehrere Stunden dauern, bei Säuglingen aber noch wesentlich länger.

Frauen, die in der Stillzeit Alkohol trinken, haben häufiger Stillprobleme, z.B. wunde Brustwarzen, Milchstau oder zu wenig Milch. Die für die Milchbildung verantwortlichen Hormone Prolaktin und Oxytozin reagieren empfindlich auf Alkohol. Dass Alkohol (v. a. Bier oder Sekt) angeblich die Milchbildung anregt, stimmt überhaupt nicht – im Gegenteil. Im Bier sind es Hopfen und andere Inhaltsstoffe, welche den Milchfluss fördern, nicht der Alkohol. Falls stillende Frauen Bier trinken möchten, dann nur alkoholfreies.

Wenn Sie trotz allem auf ein gelegentliches Glas nicht verzichten können, dann sollten Sie warten, bis sich der Stillrhythmus eingestellt hat, die Milchmenge angepasst ist und Sie schon gute Erfahrungen mit dem Abpumpen von Brustmilch haben. Folgende Punkte sind zu beherzigen:

  • Alkohol nur sofort nach dem Stillen oder Abpumpen. Steigen Sie nach dem ersten Glas Wein auf Traubensaft (weiss oder rot), eine stark verdünnte Weinschorle oder alkoholfreies Bier um!
  • Halten Sie abgepumpte alkoholfreie Milch parat, falls Ihr Kind früher als gedacht hungrig ist oder Sie mehr getrunken haben als geplant.
  • Lassen Sie keine Stillmahlzeit ausfallen! Alkoholbelastete Milch abpumpen, wegschütten und stattdessen alkoholfreien Milchvorrat verwenden.
  • Hochprozentiges ist für stillende Frauen tabu.
  • Essen Sie vorher gut, damit der Alkohol nicht zu schnell ins Blut gelangt, und trinken Sie zwischendurch Wasser.
  • Malzbier soll die Milchbildung anregen und gilt deshalb als klassisches Getränk für stillende Mütter. Es ist zwar alkoholfrei, aber leider sehr kalorienreich.

Mehr als zwei Gläser pro Woche oder sogar einen Rausch sollten Sie unbedingt vermeiden. Alkohol verzögert die Reaktion und verändert den Schlaf, sodass Sie Signale des Kindes leicht überhören könnten. Nehmen Sie Ihr Baby auf keinen Fall mit ins Elternbett, wenn Sie in den vorangegangenen 24 Stunden Alkohol getrunken haben: Beide Faktoren gemeinsam sind deutliche Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod.

Wissen

Alkoholfreies Bier für stillende Mütter

mehr Milch durch Malzbier???

Antwort auf:

mehr Milch durch Malzbier???

Liebe postteufel,
leichte sportliche Aktivität, bei der dein Beckenboden nicht zu sehr belastet ist, wird dir nicht schaden!
Malzbier soll die Milchbildung fördern, wobei dem Malz tatsächlich eine milchsteigernde Rolle zukommen könnte, doch um eine echte Steigerung der Milchmenge auf diesem Wege zu erreichen, ist der Gehalt im Malzbier zu gering. Was sich allerdings positiv auswirken könnte, ist die Tatsache, dass die Mutter mit Malzbier relativ viele Kalorien zu sich nimmt und bei manchen Frauen kann dies ein Vorteil sein, bei anderen hingegen führt dies lediglich dazu, dass sie zunehmen. Eventuell trägt auch das Vitamin B der Bierhefe dazu bei, dass die Nerven der Mutter beruhigt werden und deshalb die Milch besser fließt.
Ich glaube also nicht, dass dir Malzbier weiter hilft.
Allerdings kann es helfen, wenn du dies weißt:
– Im Durchschnitt will ein kleines Baby wie Ihr Baby in unregelmäßigen Abständen zwischen acht und zwölf Mal innerhalb von 24 Stunden gestillt werden, und Muttermilch ist innerhalb von 60 bis 90 Minuten verdaut
– je mehr dein Kind trinkt, desto mehr Milch wirst du bilden. So klein, wie deine Maus noch ist, ist es völlig normal, dass sie tagsüber so häufig trinkt, und auch lange. Um die Stillmahlzeiten zu verkürzen kannst du es mit „Brustkompression“ probieren (such das doch mal hier in der Suchfunktion).
– die Brust ist keine Milchtüte, die voll sein müsste, damit ein Kind genug bekommt, sondern die Milch wird immer dann gebildet, wenn das Kind an der Brust saugt. Darum ist es auch unerheblich, ob sich eine Brust „voll“ (wie in der ersten Zeit des Stillens öfter) oder „leer“ anfühlt
– Das Abpumpen erlaubt KEINEN Rückschluss auf die tatsächlverfügbare Milchmenge, da ein Baby beim Saugen an der Brust aufgrund der optimalen Saugtechnik ganz andere Mengen herausbekommt, als eine Pumpe das vermag! Darum mach dich lieber nicht verrückt mit dem Pumpen.
Lieben Gruß,
Kristina

von Kristina Wrede, Stillberaterin am 03.03.2011

Stillende Mütter werden immer wieder mit Ammenmärchen konfrontiert. Solche Fehlinformationen sorgen selbstverständlich für große Unsicherheit. Ich bin ausgebildete Stillberaterin (AFS) und da in meinen Beratungen stets die gleichen Fragen auftreten, liste ich in diesem Artikel die häufigsten Irrglauben auf.

1. Die Trinkmenge der Mutter beeinflusst die Milchmenge

Weder die Trinkmenge noch die Art des Getränkes beeinflussen die Milchmenge, es ist also nicht nötig literweise Malzbier oder Stilltee zu trinken – es sei denn es schmeckt. Die Milchmenge wird nur durch korrektes und häufiges Anlegen (Stillen nach Bedarf) bestimmt. Je öfter das Baby trinkt, desto mehr Milch wird gebildet. Wenn ihr dennoch das Gefühl habt, eure Milch reicht nicht aus, wendet euch bitte an eine Stillberaterin!

2. Eine Stillende muss für Zwei essen

Der Kalorienbedarf in der Stillzeit ist tatsächlich erhöht (um ca. 400-500 Kalorien), verdoppelt sich aber nicht. Ein halber Liter Malzbier hat beispielsweise ca. 200 Kalorien, eine Tafel Schokolade ca. 500 Kalorien. Ihr könnt euch vorstellen, wohin das regelmäßige Verputzen von zwei Portionen führt. Deswegen gilt – für die Schwangerschaft, wie auch die Stillzeit – auf gesunde, ausgewogene Ernährung zu achten und bei knurrendem Magen zwischen den Hauptmahlzeiten für leichte Snacks (z.B. Nüsse oder Smoothies) zu sorgen.

3. Frauen mit kleiner Brust haben weniger Milch

Gut ausgebildetes Brustdrüsengewebe und ausreichende Hormone entscheiden über die Milchproduktion – die Größe der Brust spielt dabei keine Rolle. „Selbst ein Mückenstich kann stillen“, so das Zitat meines Frauenarztes und Recht hat er.

4. Ganz große Brüste sind zum Stillen ungeeignet

Große Brüste sind beim Stillen eventuell schwer zu „bändigen“, können aber genau wie sehr kleine Brüste wunderbar stillen. Beim Stillen des ersten Babys, ist Unterstützung durch eine Hebamme sicherlich von Vorteil. Doch auch im Netz gibt es nützliche Tipps für geeignete Stillpositionen, zum Beispiel hier.

5. Stillen ist schmerzhaft

Stillen kann sich in den ersten Tagen unangenehm anfühlen, wenn beispielsweise die Brüste beim Milcheinschuss spannen oder die Brustwarzen (noch) sehr empfindlich sind. Stillen sollte jedoch niemals Schmerzen bereiten. Falls doch, bitte an eine Hebamme oder Stillberaterin wenden, damit die Ursachen der Schmerzen geklärt werden können.

Mögliche Gründe für Schmerzen beim Stillen:

  • Falsches Anlegen
  • Falsche Trinktechnik
  • Unbequeme Stillposition
  • Schmerzhafter Milchspendereflex
  • Milcheinschuss
  • Milchstau
  • Mastitis
  • Wunde Brustwarzen
  • Pilzinfektionen

6. Stillen führt zu Haarausfall

Nicht das Stillen ist Schuld, wenn ihr Haare verliert! Hormonumstellungen (wie der Abfall des Östrogenspiegels) können nach der Geburt zu Haarausfall führen. Bei manchen Frauen passiert das schon einige Woche nach der Geburt, bei anderen Monate später. Das jedoch kann stillende Frauen genauso treffen wie Mütter von Flaschenkindern.

7. Muttermilch ist zu dünn/ nicht nahrhaft

Ja, Muttermilch ist sehr dünnflüssig, aber sie enthält pro 100g circa 70 kcal und 4g Fett.
Die Konsistenz von Karottenbrei z.B. ist zwar wesentlich dicker, jedoch liefern gekochte Möhren lediglich 27 kcal (0,22 g Fett)! Wenn wir also, wie empfohlen, ab dem 4. Monat die Stillmahlzeit am Mittag durch Karottenbrei ersetzen, wird die Kalorienzufuhr bei gleicher Menge um mehr als die Hälfte reduziert. Muttermilch ist also nicht nur nahrhafter in Hinsicht auf Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten, sondern liefert gleichzeitig eine große Palette an Vitaminen, Mineralien und Abwehrstoffen. Diesen und mehr anregende Fakten zum Mythos Muttermilch liefert Dr. Carlos Gonzales in seinem wundervollen und sehr beruhigendem Buch Mein Kind will nicht essen.

8. Ich muss beide Brüste anbieten, sonst droht Milchstau

Es ist wichtiger sich vom Baby führen zu lassen, als starre Regeln einzuhalten. Der weibliche Körper ist so intelligent, dass er sich automatisch an die Gewohnheiten des trinkenden Babys anpassen wird, egal ob es beide Brüste bevorzugt oder lediglich an einer trinken will. Milchstau liegen andere Ursachen zu Grunde, zB. Stress oder ineffektives Saugverhalten. In solchen Fällen bitte eine Stillberaterin kontaktieren!

9. Ich muss eine Stillpause von mindestens zwei Stunden einlegen, sonst bekommt mein Baby Blähungen

In den 20iger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde die These von den „Ruhepausen für den Magen“ des Kindes sehr populär (Eva Herman, Vom Glück des Stillens). Es wurde angenommen, dass die Milch im Magen sauer wird und erst nach mindestens zwei Stunden verdaut ist. Wird das Kind demzufolge zu früh gestillt, sorgt die Mischung aus alter und neuer Milch für Bauchschmerzen.
Heute wissen wir, dass das falsch ist. Zu häufiges Stillen verursacht weder Magenkrämpfe noch Blähungen.

10. Baby muss mindestens 10 Minuten gestillt werden, um satt zu sein

Babys sollten ausschließlich nach Bedarf und nicht nach Stechuhr gestillt werden. Es gibt Schnelltrinker, die es schaffen innerhalb von 5-6 Minuten eine Brust zu leeren und Genießer, die 20 Minuten und länger stillen. Lasst eure Babys machen und vertraut ihnen, denn sie wissen, wie viel (oder wie wenig) Milch sie brauchen.

11. Mit Abendbrei schlafen Babys durch

Das Durchschlafen ist ein Reifeprozess, der sich individuell und unabhängig von der Nahrung entwickelt (siehe auch „Warum Babys nicht durchschlafen„). Außerdem wachen Kinder nachts nicht nur auf, weil sie Hunger haben, sondern auch weil sie uns brauchen. Stillen ermöglicht es, Hunger und das Bedürfnis nach Nähe zu erfüllen, falls das Baby aufwacht. Obendrein hilft es Kindern schnell wieder in den Schlaf zu finden.

12. Wenn das Baby oder die Mutter krank ist, nicht stillen

Nur wenige Erkrankungen, wie Aids, erfordern tatsächlich das Abstillen. Bei gewöhnlichen Infektionskrankheiten, wie Erkältung oder Magen-Darm-Grippe gibt es keinen Grund das Stillen zu unterlassen (siehe auch „Stillen im Krankheitsfall„).

13. Spätestens, wenn die ersten Zähne kommen, braucht das Baby feste Nahrung

Einige Babys werden schon mit Zähnen geboren, während andere erst nach dem ersten Geburtstag den ersten Zahn bekommen. Das Durchbrechen der Zähne sollte kein Startschuss für das Einführen der Beikost sein. Wann euer Kind bereit für feste Nahrung ist, könnt ihr in meinem Artikel „Beikost für Stillkinder“ nachlesen.

14. Ein Stillkind benötigt bei Hitze zusätzliche Flüssigkeit

Ein gesundes, voll gestilltes Kind braucht weder Tee noch Wasser. Erst mit der Einführung der Beikost, sollte zusätzliche Flüssigkeit (am besten nur Wasser) angeboten werden.

15. Stillen verursacht schlaffe Brüste

Ob eine Frau Hängebrüste bekommt, hängt von ihrer genetischen Veranlagung ab. Schwangerschaften (die Hormonumstellung) und das Alter verändern die das Aussehen und die Form der Brüste – unabhängig davon, ob eine Frau stillt oder nicht.

16. Nächtliches Stillen führt zu Karies

Weder Langzeitstillen noch nächtliches Stillen führen zu Karies. „Muttermilch kommt beim Stillen kaum mit den ersten Zähnchen in Berührung. Die Muttermilch umspült bei korrekter Stilllage die Milchzähne nicht, sondern erreicht den Mundraum erst kurz vor dem Rachen und wandert dann weiter in den Verdauungstrakt. Ein Kariesrisiko besteht erst dann, wenn wenn Zucker aus der Nahrung und Bakterien (Streptokokkus mutans) hinzukommen!“
(siehe „Kariesentstehung im Säuglingsalter“)

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