Bis wann zum kinderarzt

Wenn kranke Jugendliche zu alt für den Kinderarzt sind

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Zu den Terminen beim Arzt sind Leif und Lara schon lange ohne die Eltern gekommen, sie sind ja keine Kinder mehr. Aber bisher waren sie eben immer noch in der Station für Kinder und Jugendliche, um ihre Diabetes-Erkrankung unter Kontrolle zu halten. Und damit ist es nun vorbei.

Leif ist 18 und macht gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr, Lara ist 19, hat in diesem Jahr Abitur gemacht. Als sie vier Jahre alt war, wurde die Krankheit diagnostiziert.

Seitdem geht Lara regelmäßig zum Arzt. Seit sechs Jahren kommt sie alle drei Monate ins Diabeteszentrum im DRK-Klinikum Westend. Die Fahrt von Neukölln hierher gehörte zu ihrem Leben. „Jetzt hab ich gerade bei einem neuen Diabetologen einen Termin gemacht“, sagt sie, „ein komisches Gefühl. Hier ist alles so vertraut.“

Ab 18 Jahren dürfen Jugendliche nicht mehr zum Kinderarzt

„Mit 18 müssen Jugendliche wechseln“, sagt Kinderärztin Silvia Müther. Sie dürfen nicht mehr zum Kinder- und Jugendarzt, das ist im Krankenversicherungsrecht so vorgesehen. Bei Lara gab es schon eine Verlängerung, weil sie während der Schulzeit ein Jahr im Ausland war. Eigentlich gilt: Mit 18 Jahren sind die Jugendlichen erwachsen, und das heißt eben nicht nur wählen dürfen, Autofahren und abends so lange ausgehen, wie man will. Sondern immer mehr Verantwortung für das eigene Leben, auch für die Gesundheit. Dazu gehört, sich Ärzte zu suchen, Termine zu vereinbaren und auch hinzugehen. Wenn es nur um den Zahnarzttermin geht, machen ein paar Wochen früher oder später vielleicht keinen großen Unterschied. Bei einer chronischen Krankheit aber sind regelmäßige Arztbesuche lebenswichtig.

„30 bis 40 Prozent der Jugendlichen haben Schwierigkeiten mit dem Übergang“, sagt Silvia Müther. Damit ihre Patienten den Wechsel von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin gut überstehen, hat sie gemeinsam mit Kollegen das Berliner Transitionsprogramm entwickelt. In das Projekt werden die Jugendlichen mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes oder Epilepsie ein Jahr vor dem Wechsel, genannt Transition, aufgenommen.

Viele chronisch kranke Jugendliche schlecht auf Übergang vorbereitet

2007 begannen Silvia Müther, Walter Burger als Leiter des Diabeteszentrums für Kinder und Jugendliche in den DRK-Kliniken Berlin, und Arpad von Moers, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Westend, ein solches Programm zu entwickeln. Seit 2009 wird es an den Berliner DRK-Kliniken angeboten. „Wir haben schnell festgestellt, dass die Probleme nicht krankheitsspezifisch sind“, erklärt Silvia Müther, „bestimmte Barrieren sind überall gleich. Die Jugendlichen fühlen sich schlecht auf das ungewohnte Betreuungssystem vorbereitet.“ Sie kennen sich in Fragen der Krankenversicherung nicht aus, sie wissen nicht, was es mit Zuzahlungen auf sich hat, von denen sie bisher befreit waren, oder sie trauen sich nicht, beim Arzt ihre Fragen zu stellen. Deshalb gehen sie vielleicht lieber gar nicht erst hin. Doch „wenn die Jugendlichen vom Kinderarzt weg sind, merkt keiner, dass sie beim neuen Arzt nicht angekommen sind“, sagt Silvia Müther.

Den Patienten im Transitionsprogramm kann das nicht passieren: Sie werden eineinhalb bis zwei Jahre lang betreut, auf den Wechsel vorbereitet und danach begleitet. Ihr Fallmanager bespricht mit ihnen, welche Fragen auf sie zukommen und sucht mit ihnen den richtigen Arzt. „Den Termin dort vereinbaren müssen die Jugendlichen selbst“, betont Silvia Müther. Aber ihr Betreuer fragt in der Praxis nach, ob der Patient seine Termine wahrnimmt.

Eltern sollen Jugendliche selbst Verantwortung übernehmen lassen

Leif hat seinen ersten Termin beim neuen Arzt in ein paar Tagen. Die Praxis kennt er gut, „da bin ich schon in den letzten Jahren hingegangen, wenn ich eine Entschuldigung für die Schule brauchte“, erzählt er. Deshalb blickt er dem Wechsel entspannt entgegen. Seine Eltern haben ebenfalls dafür gesorgt, dass er sich zunehmend selbst um die Behandlung kümmert. „Früher haben sie mich daran erinnert, wann mein nächster Termin ist.“ Inzwischen denkt er selbst daran. Aber er spricht ganz offen darüber, dass es Zeiten gab, in denen er zu lässig mit seiner Krankheit umgegangen ist. „Da habe ich auch mal vergessen, meinen Blutzucker zu messen.“ Nach einem durchgefeierten Wochenende landete Leif damals im Krankenhaus. Nun misst er regelmäßig seine Werte.

Fallmanagerin Jana Findorff kennt diese Probleme: „Die jungen Männer sind manchmal etwas wilder unterwegs“, kommentiert sie Leifs Erzählung gelassen. „Bei Mädchen passiert es eher aus Liebeskummer.“ So lange sie noch zu Hause wohnen, sind es oft die Eltern, die dafür sorgen, dass ihre Kinder ihre Medikamente wieder nehmen oder doch zum Arzt gehen. Wenn die jungen Patienten für eine Ausbildung oder ein Studium in eine andere Stadt ziehen, fällt diese Kontrolle weg. „Das ist auch für die Eltern nicht einfach“, sagt Silvia Müther. „Die Eltern müssen lernen loszulassen.“ Deshalb sind sie im Transitionsprojekt zu Anfang dabei, „aber der Hauptansprechpartner ist der Jugendliche“. Seine Mutter habe sich anfangs schwer damit getan, ihn selbst Verantwortung übernehmen zu lassen, erzählt Leif, bei dem die Krankheit mit 14 Jahren diagnostiziert wurde. Zuerst begleitete sie ihren Sohn regelmäßig in die Sprechstunde: „Aber Professor Burger hat sie immer mal rausgeschickt“, so hätten sich beide daran gewöhnt, dass Leif selbstständiger wurde. Ein Jahr nach der Diagnose machte Leif die Touren von Brandenburg aus in die Berliner Klinik allein.

Vorzeige-Beispiel für Übergang in die Erwachsenen-Medizin

Im Alltag spielt ihre Diabetes-Erkrankung für Leif und Lara kaum eine Rolle. „Meine Freunde wissen es, aber den Lehrern habe ich es ab der Oberstufe meist gar nicht mehr erzählt“, sagt Lara. Einen Hinweis darauf, wie intensiv sie sich mit Medizinthemen beschäftigt haben, gibt nur ihre Berufswahl: Lara will Gesundheits- und Pflegemanagement studieren, Leif eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger machen, wenn er sein Freiwilliges Soziales Jahr beendet hat.

Das macht er im Westend, in der Klinik, in die er jahrelang alle sechs bis acht Wochen in die Sprechstunde kam. Denn auch wenn er als Vorzeige-Beispiel für den erfolgreichen Übergang in die Erwachsenen-Medizin gilt: „So ganz“, sagt Leif, „konnte ich mich nicht trennen.“

Kinderarztbesuch – wann und wie oft?

Regelmäßige Besuche bei der Kinderärztin/dem Kinderarzt dienen zum einen der gesundheitlichen Vorsorge von Kindern und Jugendlichen. Dazu zählen unter anderem die Betreuung und Unterstützung bei Fragen rund um Impfungen, Stillen, Ernährung, Allergien und Unverträglichkeiten sowie das Durchführen von Vorsorgeuntersuchungen. Diese sind bis zum fünften Lebensjahr des Kindes im Mutter-Kind-Pass festgeschrieben. Mehr zum Thema: Mutter-Kind-Pass

Daneben kann es viele weitere Gründe geben, die einen Besuch bei der Kinderärztin/beim Kinderarzt notwendig machen, wie etwa Krankheitsanzeichen, Entwicklungsstörungen oder andere Auffälligkeiten. Insbesondere bei Babys und Kleinkindern lassen sich Krankheitszeichen nicht immer eindeutig zuordnen; es ist oft schwierig zu erkennen, ob ärztliche Hilfe notwendig ist. Auch größere Kinder können nicht immer zuverlässig angeben, wo es ihnen weh tut bzw. welche Beschwerden sie haben. So neigen Kinder z.B. häufig dazu, verschiedene Symptome als „Bauchweh“ zu vereinheitlichen.

Generell werden Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr von Fachärztinnen und Fachärzten für Kinderheilkunde betreut. Anlass für einen Besuch in der Kinderarztpraxis sollte sein, wenn Sie beobachten, dass Ihr Kind z.B.

  • hohes Fieber hat, das nicht gut auf Medikamente anspricht,
  • Nahrung oder trinken verweigert,
  • über Schmerzen klagt, die sich nicht lindern lassen (z.B. durch Ablenkung, Spielen, Zuwendung),
  • sich deutlich anders verhält als gewohnt (z.B. verwirrt oder teilnahmslos ist).

Auch Symptome wie über mehrere Tage andauerndes Fieber ohne Besserung, Ohrenschmerzen, Schmerzen bzw. Auffälligkeiten beim Wasserlassen, Hautausschlag, Gewichtsveränderungen, quälender Husten und Atemnot sollten immer ärztlich abgeklärt werden.

Grundsätzlich gilt bei Krankheit oder im Zweifelsfall: Lieber einmal zu oft zur Kinderärztin/zum Kinderarzt gehen als einmal zu wenig.

Krankes Kind: Wann Eltern zum Kinderarzt gehen sollten

Hat das Kind Ohrenschmerzen, so versucht man es zunächst mit einem Zwiebelwickel, bei Erkältung reibt man die Brust ein, Magen-Darm-Grippe kuriert man mit Tee und Zwieback. Sehr viel weiter allerdings sollte man bei der Selbstbehandlung nicht gehen. Und vor allem nicht den Fehler begehen, sich an der Hausapotheke zu bedienen: Denn auch frei verkäufliche Medikamente können für Kinder sehr gefährlich werden. Aber was kann man überhaupt alleine probieren und wann sollte man unbedingt zum Kinderarzt? Eine Frage, die viele Eltern verunsichert.

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Einen Schnupfen oder Übelkeit kann man durchaus mal mithilfe von bekannten Hausmitteln, vielleicht auch in Kombination mit Globuli, behandeln. „Aber bereits bei Bauchschmerzen wird es schwierig, können hier doch vielfältige Ursachen dahinter stecken“, warnt der Düsseldorfer Kinder- und Jugendarzt Hermann Josef Kahl. Auch Fieber, das in der Regel eine gesunde Reaktion des Körpers ist und bei der Heilung unterstützt, muss genau beobachtet werden. Je jünger ein Kind ist, umso mehr.

Fieber und Ausschläge nie auf die leichte Schulter nehmen

Ein Baby, das fiebert, sollten Eltern immer dem Kinderarzt vorstellen. Nur er kann beurteilen, ob Gefahr im Verzug ist. Denn die erhöhte Temperatur kann ein Hinweis auf teilweise lebensgefährliche Krankheiten sein. Vor allem, wenn das Fieber sich nicht senken lässt. „Wenn ein größeres Kind aber neben dem Fieber keinen schlechten Eindruck macht, dann kann man es schon mal mit Wadenwickeln und viel Flüssigkeit probieren. Zu lange allerdings sollte man auch dann nicht warten. Das Gleiche gilt übrigens bei Flecken. Denn auch ein Ausschlag, vor allem in Kombination mit Fieber, sollte schnell abgeklärt werden.“

Mehr Diagnose-Möglichkeiten in der Praxis

Das Argument vieler Eltern, dass sie ein fieberndes Kind nicht durch die Gegend schleppen wollen, kann Kahl nachvollziehen. Genau wie die Tatsache, dass die meisten seiner Kollegen keine Hausbesuche mehr machen. Aber: Man kann die Kinder in der Praxis viel besser untersuchen als zu Hause. Abstriche, Urinproben, Ultraschall – das gibt auch bei der Diagnose eine viel größere Sicherheit. Hinzu kommt: „In der Regel sind die Eltern schneller in der Praxis als wir bei ihnen, da wir ja erst nach dem normalen Praxisbetrieb kommen können. Da kann wichtige Zeit vergehen.“

Den Eltern Sicherheit geben

Für die meisten frischgebackenen Eltern sind ihre Kinder heutzutage komplettes Neuland. Viele von ihnen sind in Einkindfamilien aufgewachsen, hatten keinen oder kaum Kontakt zu Babys und kleinen Kindern und müssen ihre Erfahrungen erst machen. Da ist der Kinderarzt auch schon mal als „Psychologe“ gefragt. Und das ist gut so: „Es ist schließlich eine unserer Aufgaben als Kinder- und Jugendärzte, Erfahrungen weiterzugeben, die Eltern zu unterstützen und sie mit ihren Sorgen ernst zu nehmen.“

Für die Mutter eines Schreibabys zum Beispiel kann es schon eine große Hilfe bedeuten, wenn jemand ihre Erschöpfung erkennt und anspricht, zuhört und Tipps gibt. „Ein Kinderarzt sollte den Eltern das Gefühl vermitteln, dass sie jederzeit wiederkommen können, wenn sie unsicher sind. Er sollte ihnen die Angst nehmen, dem Kind könnte aus medizinischer Sicht etwas fehlen.“

Das Bauchgefühl stärken

Aber auch bei Verhaltensauffälligkeiten steht der Kinderarzt mit seinem Wissen zur Seite. „Oft ist es so, dass Eltern denken, es handele sich um eine Verhaltensauffälligkeit und in Wirklichkeit ist es eine Verhaltensweise, die im Rahmen der kindlichen Entwicklung völlig normal ist.“ Auch hier ist es wichtig, die Eltern in ihrer Besorgnis ernst zu nehmen, genau hinzusehen und falls doch etwas sein sollte, entsprechend weiter zu vermitteln. „Wir können viel abfangen und beruhigen. Und wir können die Eltern dabei unterstützen, auf ihre eigene Einschätzung zu vertrauen. Denn oft sind sie verwirrt durch Informationen von außen, haben Bedenken, ihrem eigenen Bauchgefühl zu vertrauen.“

Zu viel Information kann verwirren

Gutgemeinte Ratschläge aus der Großelterngeneration, andere Mütter, die jemanden kennen, bei dem es so oder so war, Babyratgeber und nicht zuletzt das Internet – zu viel Information kann es schwer machen, den für sich und sein Kind richtigen Weg zu finden. Immer wieder hört man die Klage der Ärzte, dass das Recherchieren im Internet zu sehr viel Unsicherheit bei den Patienten führt. „Gut informierte und kritische Eltern sind mir aber trotzdem lieber als solche, die alles schleifen lassen. Sie wollen ihre Kinder ja nur beschützen und das will ich schließlich auch. Nur beim Impfen, da ärgert es mich, dass so viel Unsicherheit verbreitet wird.“

Das Kind ganzheitlich betrachten

Bei der Wahl des Kinderarztes können heute Schwerpunkte gesetzt werden. Homöopathische Zusatzausbildung zum Beispiel. Schließlich wird es vielen Eltern immer wichtiger, dass ihr Kind ganzheitlich betrachtet wird. „Für die Diagnose und Therapie einer Krankheit sind die seelischen und persönlichen Voraussetzungen des Patienten ebenso bedeutend wie die körperlichen“, bestätigen auch der Kinderarzt Jan Vagedes von der Universität Tübingen und sein anthroposophischer Kollege Georg Soldner in ihrem „Kinder-Gesundheitsbuch“. Denn erst zusammen bilden Körper, Seele und Geist eine Einheit.

Der richtige Kinderarzt ist nicht immer leicht zu finden

Niemand kennt sein Kind so gut wie seine Eltern. Nicht zuletzt deswegen ist die Zusammenarbeit zwischen Kinderarzt und Elternhaus so wichtig. Die Eltern können entscheidende Puzzleteile zur Diagnose beitragen. Es schadet also auch nicht, sich Auffälligkeiten des kranken Kindes zu notieren und die Notizen mit in die Praxis zu bringen. So vergisst man nichts. Auch Fragen kann man sich im Vorfeld notieren. Wenn der Kinderarzt den Eindruck macht, einen nicht ernst zu nehmen oder sich für eine Extra-Frage keine Zeit nehmen zu wollen, dann darf man auch wechseln. Denn Vertrauen ist bei der Suche nach dem richtigen Kinderarzt ein wichtiges Kriterium. Schließlich behandelt er das Kostbarste, was Eltern haben: ihre Kinder.

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Ein Pädiater bei einer U7- Kinderuntersuchung.

© Foto: dpa

Grundsätzlich dürfen in Deutschland alle hausärztlich tätigen Ärzte Kinder und Jugendliche behandeln. Für Kinder- und Jugendärzte, die als Fachärzte in der hausärztlichen Versorgung eine fünfjährige Weiterbildungszeit absolvieren müssen, gilt dies aber in der Regel nur bis zum 18. Lebensjahr.

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In Ausnahmefällen dürfen Pädiater junge Erwachsene auch über das 18. Lebensjahr dann behandeln, wenn sie bei Allgemeinärzten, Internisten oder Fachärzten keine Versorgungsangebote vorfinden. Dies gilt auch für pädiatrische Spezialdisziplinen wie etwa die Kinderkardiologie.

Allgemeinärzte dürfen in Deutschland in der Regel Kinder- und Jugendliche auch dann behandeln, wenn sie keine spezielle Weiterbildungs- oder Fortbildungsangebote nachweisen können. Dies liegt daran, dass das Fach Kinder- und Jugendmedizin in nahezu allen Bundesländern nicht zu den obligaten Bestandteilen einer allgemeinmedizinischen Weiterbildung gehört.

In anderen Ländern, wie etwa in den Niederlanden, den skandinavischen Ländern, den baltischen Staaten oder auch in Großbritannien, in denen der Hausarzt die Basisversorgung übernimmt, ist dies anders geregelt. Dort müssen Hausärzte während ihrer Weiterbildungszeit spezielle Kenntnisse in der Kinder- und Jugendmedizin nachweisen und durch Fortbildung auch regelmäßig auffrischen.

Ähnliche Regelungen reklamiert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) nun auch für Deutschland. Der Hausärzteverband hat beim „Ärzte Zeitung“- Streitgespräch in Neu-Isenburg dahingehend zumindest Gesprächsbereitschaft signalisiert und dabei auch die Unterstützung des BVKJ eingefordert. (ras)

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Der Kinderarzt: Bis zu welchen Alter sollten Kinder hingehen?

Wenn Eltern bemerken, dass ihre Kinder in die Pubertät kommen, oder wenn sie bereits Teenager sind, ist es normal, dass sie sich fragen, ob ihr Kind noch zum Kinderarzt gehen sollte, oder zu einem anderen Arzt.

Auch wenn der allgemeine Glaube ist, dass sich ein Kinderarzt nur um Kinder kümmert, können Patienten auch noch zwischen 14 und 18 Jahren dorthin gehen.

Wenn du dir also nicht sicher bist, über die Rolle deines Kinderarztes, oder ob dein Kind schon zu einem Hausarzt gehen sollte, helfen wir dir nun, diese Fragen aufzuklären.

Die Rolle eines Kinderarztes

Die Verbindung des Kindes zu seinem Arzt wird meist in den ersten Tagen seines Lebens geformt. Von da an ist der Kinderarzt dafür verantwortlich, seine Gesundheit sicherzustellen.

Während der ersten Monate und Jahre ihres Lebens gehen Kinder etwa vier bis fünf mal pro Jahr zum Arzt. Sobald die Pubertät beginnt, gehen sie noch etwa einmal im Jahr, außer ein Unfall passiert.

Kinderärzte sind offensichtlich Ärzte aber gleichzeitig auch eine Art Coach für die Eltern, indem sie ihnen mit den besten Nährstoffen, der Krankheitsvorsorge und Fragen bezüglich des Wachstums ihrer Kinder weiterhelfen.

Kindermedizin ist daher eine der komplexesten Spezialisierungen der Medizin.

Wie oft sollten Kinder zum Kinderarzt gehen?

Besuche beim Kinderarzt hängen vom Alter und der Gesundheit des Kindes ab:

  • Für Neugeborene, die keine Krankheiten aufweisen, sollte der erste Besuch etwa fünf bis zehn Tage nach der Geburt erfolgen.
  • Bis zu einem Alter von sechs Monaten solltest du einmal im Monat mit deinem Baby zum Kinderarzt gehen, um alle Veränderungen, die mit seinem Wachstum zusammenhängen, aufzeichnen und kontrollieren zu lassen.
  • Zwischen sechs und zwölf Monaten sollten alle zwei Monate Routineuntersuchungen stattfinden. Natürlich nur, wenn keine Erkrankungen dazwischen kommen.
  • Im ersten Lebensjahr finden die Besuche beim Kinderarzt alle drei Monate statt.
  • Zwischen dem zweiten und fünften Lebensjahr solltest du jedes halbe Jahr mit deinem Kind zum Arzt gehen.
  • Von da an, bis etwa zwölf bis vierzehn Jahre, findet jedes Jahr einmal eine Routineuntersuchung statt.

Der Kinderarzt sollte derjenige sein, der dein Kind untersucht, wenn es krank ist. Er ist am besten Informiert, da er bereits seit der Geburt für dein Kind da ist und seine Krankheitsgeschichte kennt.

Wir empfehlen auch diesen Artikel: Anzeichen, bei denen du sofort zum Kinderarzt gehen solltest

Auch hat er Erfahrung darin, die richtige Dosis eines Medikaments für dein Kind zu verschreiben. Bei ernsteren Problemen kann er dein Kind an einen Spezialisten verweisen.

Wenn dein Kind über 15 ist, kann es auch zu einem Hausarzt gehen. Die Entscheidung liegt bei dir und bei deinem Kind.

Warum gehen einige Eltern mit ihren Teenagern noch zum Kinderarzt?

Mit 15 Jahren und älter müssen Jugendliche nicht mehr zum Kinderarzt gehen und können stattdessen einen Termin bei einem Hausarzt oder einem Spezialisten für eine bestimmte Erkrankung vereinbaren.

Aber warum gehen einige Eltern mit ihnen immer noch zum Kinderarzt?

Das Vertrauen der Eltern und die Beziehung, die sie mit dem Kinderarzt haben, macht es ihnen schwer eine medizinische Meinung eines Anderen anzuerkennen, den sie als fremd gegenüber ihrem Kind betrachten.

Nicht nur die Eltern halten an dieser Beziehung als einzige medizinische Referenz fest, in vielen Fällen hat auch das Kind eine Vertrauensperson in seinem Arzt gefunden.

Noch ein interessanter Artikel: Wie man das Vertrauen von Teenagern gewinnt

Dies ist eine sehr positive Beziehung, denn sie hilft Kindern dabei, sich mitzuteilen und offen Fragen über ihren heranwachsenden Körper zu stellen.

Denk daran, dass das weltweit akzeptable Alter, mit dem dein Kind noch zum Kinderarzt gehen kann, bei bis zu 14 Jahren liegt. Oft handelt es sich jedoch um einen Kinder- und Jugendarzt, der dann bis 18 besucht werden kann.

Kinderarzt versus Hausarzt

© ivan kmit – Fotolia.com

Ist mein Kind beim Kinderarzt oder beim Hausarzt besser aufgehoben? Die Wahl des richtigen Mediziners ist häufig nicht ganz einfach.

Was ist ein Hausarzt?

Der Hausarzt ist für die meisten Patienten in der Regel die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsproblemen. Im Idealfall begleitet er durch das ganze Leben und hat wertvolle Kenntnisse über die Lebens -u. Krankengeschichte des Einzelnen. Als Hausärzte tätig sein können beispielsweise Allgemeinmediziner, hausärztlich niedergelassene Fachärzte für innere Medizin oder Kinderärzte.

Wen behandelt der Kinderarzt?

Ein Kinderarzt (auch Pädiater oder Facharzt für Kinder -u. Jugendmedizin) ist auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert.

Darf ein Hausarzt Kinder überhaupt behandeln?

Hausärzte dürfen Kinder und Jugendliche behandeln. Für Kinderärzte endet die Patientenbeziehung im Normalfall mit dem 18. Lebensjahr. (Informationsquelle aertztezeitung.de)

Vorteile Kinderarzt

  • auf die Behandlung von Kindern- u. Jugendlichen spezialisiert
  • Praxispersonal auf Kinder eingestellt
  • kindgerechte Räumlichkeiten

Vorteile Hausarzt

  • oft einfacher zu erreichen (vor allem in ländlichen Gegenden)
  • begleitet Patient (im Idealfall) ein Leben lang
  • geringere Ansteckungsgefahr mit Kinderkrankheiten im Wartezimmer

Wenn’s speziell wird zum Spezialisten

Operiert der Hausarzt komplizierte Knochenbrüche oder behandelt er auch gynäkologische Erkrankungen? Wenn es speziell wird, überweisen die meisten Hausärzte zum Spezialisten, für die kleinen Patienten ist das der Kinderarzt.

Hausarzt oder Kinderarzt? – Fragen als Entscheidungshilfe

Wie viel Zeit nimmt sich mein Arzt? Kommt er auch ins Haus? Nimmt er mich und mein Kind ernst? Fühle ich mich wohl und gut beraten? Fühlt sich mein Kind wohl? Gibt es lange Wartezeiten? Ist er weit weg? Hat er vielleicht selbst Kinder? Wie erfahren ist er? Hat er in seiner Ausbildung mit Kindern gearbeitet? Kennt er seine Grenzen (überweist er rechtzeitig zum Spezialisten)?

Zu wem geht man eigentlich bei Stillproblemen?

Wenn es ums Stillen geht, ist der Spezialist die Still- u. Laktationsberaterin. Sie ist als speziell ausgebildete Fachkraft in vielen Krankenhäusern tätig. Eine Online-Stillberatung finden Sie hier.

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