Bin ich in der pubertät

Sie wollen aufbrechen, sich lösen, ihr eigenes Ding durchziehen – gleichzeitig suchen sie doch immer wieder die Sicherheit der Familie. Jungen und Mädchen in der Pubertät stürzen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Eltern in Verwirrung. Oft genug gerät die Beziehung aus den Fugen, Missverständnisse und Konflikte sind die Folge. Doch Eltern können es schaffen, auch in stürmischen Zeiten den Kontakt zu ihrem Kind zu halten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Mein Kind erzählt mir gar nichts mehr. Was habe ich falsch gemacht?

Dass für Kinder in der Pubertät die gleichaltrigen Freunde als Gesprächspartner immer wichtiger werden, ist ganz normal. Dass Eltern trotzdem noch wissen wollen, was ihren Nachwuchs beschäftigt, ebenfalls. Diplom-Psychologin Elisabeth Raffauf ist überzeugt: „Gespräche zwischen Eltern und Kindern funktionieren dann am besten, wenn die Kinder echtes Interesse spüren.“ Bei der typischen Frage „Na, wie war’s heute in der Schule?“ sei das eher nicht der Fall. „Die Kinder merken schnell, ob die Eltern wirklich wissen wollen, wie es ihnen geht, oder ob sie vor allem an der Note in der Mathe-Schulaufgabe interessiert sind“, sagt die Psychologin und Autorin, die in einer Erziehungsberatungsstelle arbeitet und Gruppen für Eltern pubertierender Jugendlicher leitet.

Die Folge: Die Kinder schweigen, die Eltern feuern eine Frage nach der anderen ab, die Kinder machen erst recht dicht. Der Rat der Expertin: „Offen fragen ‚Wie geht es dir?‘, von sich etwas erzählen und sich offen halten für Situationen, in denen die Jugendlichen von sich erzählen.“ Denn wenn der Sohn oder die Tochter weiß, dass die Eltern zuhören, wenn es darauf ankommt, dann ist auch die Chance groß, dass sie sich an Vater und Mutter wenden, wenn sie echte Sorgen haben und Hilfe brauchen.

Familienberater Jan-Uwe Rogge hält Rituale für einen guten Weg, um miteinander im Gespräch zu bleiben. Das kann die gemeinsame Mahlzeit ebenso sein wie der Spieleabend oder der Sonntagsspaziergang. „Dafür bleibt im Tagesablauf oft leider keine Zeit“, sagt der Erziehungsexperte. So ein Ritual muss nicht für alle Zeiten zementiert sein. Wenn die Jugendlichen „keinen Bock mehr“ auf den Spaziergang mit Mama und Papa haben, kann man ihn beispielsweise durch ein gemeinsames Abendessen ersetzen. „Nur ganz wegfallen lassen sollte man die Rituale nicht“, sagt Rogge.

Pubertät: Verschiedene Phasen der Pubertät

Letzte Änderung: 25.04.2016
Verfasst von Onmeda-Redaktion

Der Entwicklungsabschnitt Pubertät lässt sich in verschiedene Phasen unterteilen. Man spricht von der Vorpubertät, die in der Regel gegen Ende der Grundschulzeit beginnt, der Hochphase der Pubertät, in der die körperlich-sexuelle und seelische Entwicklung in vollem Gange ist, und von der spätpubertären Phase, die etwa ab dem 16. Lebensjahr eintritt.

Ein wichtiges Thema während aller Phasen der Pubertät ist die Sexualität. Sexualität umfasst nicht nur den sexuellen Geschlechtsakt. Menschen sind von Geburt an sexuelle Wesen und beginnen schon lange vor der eigentlichen Pubertät, sich für Sexualität zu interessieren. Bereits im Vorschulalter fangen Kinder an, gezielt ihre äußeren Geschlechtsorgane zu berühren. Darin spiegelt sich der Wunsch nach sexuellen Erlebnissen wider. Auch ein erstes Interesse für das andere Geschlecht besteht bereits im Grundschulalter.

Etwa ab dem neunten Lebensjahr bei Mädchen und um das elfte Lebensjahr herum bei Jungen führen hormonelle Veränderungen dazu, dass sie geschlechtsreif werden und sich die äußeren und inneren Geschlechtsorgane verändern. Es kommt zum ersten Verliebtsein und erotischen Fantasien. Sexuelle Impulse werden stärker und Selbstbefriedigung (Masturbation) wird ein Thema.

Vorpubertät

Die Pubertät setzt nicht von jetzt auf gleich ein – das gibt Eltern und Kindern Zeit, sich auf diese aufregende Phase mit vielen Veränderungen einzustellen. Bei den meisten Kindern machen sich pubertäre Anzeichen zum ersten Mal gegen Ende der Grundschulzeit bemerkbar; ungefähr zu diesem Zeitpunkt setzt die Vorpubertät ein.

Mädchen und Jungen fangen an, die von den Eltern aufgestellten Regeln anzuzweifeln und wollen vermehrt eigene Entscheidungen treffen. Sie streben nach Unabhängigkeit und lehnen es ab, sich in ihren Augen wie ein „Kleinkind“ behandeln zu lassen. Gleichzeitig brauchen Kinder ihre Eltern in dieser Phase zunehmend als Diskussionspartner und Ansprechpartner für Wissensfragen.

© iStock Pubertät: Zwischen Kindheit und Erwachsensein

Kinder verschwinden jetzt immer häufiger in ihrem Zimmer und wollen von den Eltern nicht gestört werden. Die eigene Sexualität wird vor anderen und auch vor den Eltern versteckt. Dieses „Sich-zurückziehen“ ist ein erstes Zeichen dafür, dass Kinder eigenständig werden. In anderen Momenten wieder haben sie aber nach wie vor das Bedürfnis nach Nähe und familiärer Geborgenheit und wollen immer noch „Kind sein“. Für die Eltern eine gute Gelegenheit, die enge Eltern-Kind-Beziehung aufrecht zu erhalten. Diese vorpubertäre Phase dauert in der Regel ein bis zwei Jahre.

Jungen sprudeln in der Vorpubertät häufig über vor Energie und Kraft; sie sind ständig in Bewegung und messen ihre Kräfte mit Altersgenossen in Rangeleien und beim Sport. Stundenlanges Stillsitzen in der Schule ist für viele Jungen in diesem Alter nahezu unmöglich.

Auch für Mädchen ist die Vorpubertät eine aufregende Phase mit einem stärkeren Bewegungs- und Rededrang und körperlicher Unruhe. Mädchen sind in diesem Alter oft albern, kichern und tuscheln gerne.

Vor der ersten Menstruation kommt es häufiger zu Stimmungsschwankungen. Viele Mädchen werden launisch – mal sind sie gesellig, mal bevorzugen sie das Alleinsein. Oft verbringen sie Stunden mit ihren Freundinnen und plaudern. Thema sind häufig Schwärmereien, die bei Mädchen in dieser Phase oft vorkommen. Hierbei kann die Aufmerksamkeit auf einen Jungen oder aber auch zum Beispiel auf einen Popstar gerichtet sein.

Die Übergangsphase zwischen Kind- und Erwachsensein spiegelt sich besonders gut in vielen Kinderzimmern wider: Häufig sind hier Kuscheltiere neben Postern von Stars beheimatet.

Die Hochphase

Etwa zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr befinden sich die meisten Jugendlichen in der Hochphase der Pubertät. In dieser Zeit läuft die körperlich-seelische und sexuelle Entwicklung auf Hochtouren. Wenn Mädchen und Jungen geschlechtsreif werden, finden sie vieles peinlich, besonders was die Veränderungen am eigenen Körper betrifft. Sie vermeiden es, sich vor den Eltern und Geschwistern nackt zu zeigen. Nicht selten sieht man in diesem Alter verschämte Blicke schweifen, die den Entwicklungsstand des eigenen Körpers mit dem von anderen Jugendlichen vergleichen.

Gefühlsausbrüche wie lautes Kichern oder laute Gespräche in der Öffentlichkeit zeigen, dass auch die seelische Entwicklung in vollem Gang ist: Teenager suchen ihren Platz in der Gesellschaft und versuchen, sich untereinander zu behaupten. Gleichaltrige werden als Bezugspersonen immer wichtiger. Bei ihnen suchen die Jugendlichen Verständnis und teilen gemeinsame Erlebnisse.

In der Pubertät wird auch das andere Geschlecht zunehmend ein Thema. Viele Jugendliche lernen jetzt das erste Verliebtsein kennen. Sie entdecken das Küssen und den Austausch von Zärtlichkeit, viele haben zum ersten Mal Geschlechtsverkehr. Nun ist es für die Eltern an der Zeit, das Thema Verhütung anzusprechen.

Auch andere Fragen, die das abendliche Wegbleiben und den Übernachtungsbesuch des ersten Freundes / der ersten Freundin betreffen, werden diskutiert – und führen oft zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Eltern und Jugendlichen. Auch die Höhe des Taschengeldes und die Leistungen in der Schule können sich in dieser Zeit zum Streitpunkt entwickeln.

Viele Eltern beklagen eine zunehmende Verschlossenheit ihrer Kinder während der Pubertät. Pubertierende wollen andersherum nicht, dass sich die Eltern in alles einmischen – oft fühlen sie sich von den Eltern nicht verstanden und besprechen ihre Probleme lieber mit den Freunden.

Spätpubertäre Phase

Von der spätpubertären Phase spricht man etwa ab dem 16. Lebensjahr. Wenn dieses Alter erreicht ist, haben sich die Wogen meist etwas geglättet. Die Jugendlichen haben sich an die Veränderungsprozesse der Pubertät gewöhnt und kommen besser mit ihrem fortschreitenden Erwachsenendasein zurecht – und auch die Eltern haben sich zu diesem Zeitpunkt in der Regel in ihre neue Rolle eingefunden. Sie haben akzeptiert, dass ihre Kinder eigenständig werden und Sexualität erleben.

Dennoch kann es auch in dieser Phase noch zu Diskussionen kommen. Jugendliche vertreten jedoch zunehmend ihre eigene Meinung und lassen sich von den Eltern immer weniger beeinflussen. Jetzt ist es an der Zeit, dass Kinder und Eltern verstehen, sich voneinander zu lösen und sich gegenseitige Freiheit zuzugestehen. Das muss im Umkehrschluss jedoch nicht bedeuten, dass sie den Kontakt zueinander verlieren müssen.

Mädchen in der Pubertät

Plötzlich ist alles anders

Es kam scheinbar ganz plötzlich, wie angeflogen. Von einem Tag auf den anderen wurde aus dem ausgeglichenen, fröhlichen Sonnenschein eine – richtige Zicke. Eben noch bester Laune, kann sie im nächsten Augenblick zornig “unter der Decke hängen”. Auf ein zärtliches “Du bist die liebste Mami der Welt” kann Minuten später ein heftiger Ausbruch folgen: “Mensch Mama, musst du mich denn immer nerven?” Wut und Zärtlichkeit, Freude und Trauer, Lust und Frust, die ganze Palette menschlicher Gefühle scheint das Kind im Turbo-Tempo zu durchleben, da kommt man als Eltern gar nicht mehr mit.

Aber auch sonst ist manches plötzlich anders. Zwischen die Pferdeposter an den Wänden mischen sich Bilder von Sängerinnen und Serienstars. Nachmittags telefoniert das Kind ewig mit Freundinnen, am Abend schließt sie sich neuerdings im Badezimmer ein. Und ihr Kleidergeschmack hat sich auch verändert. War sie vor Kurzen noch mit dem zufrieden, was Mutter ihr mitbrachte, besteht sie jetzt darauf selbst auszuwählen und zwar in ganz bestimmten Läden. Sogar Bewegung und Sprache verändern sich. Manche Mädchen wirken vorübergehend ungelenk, so als wüssten sie nicht wohin mit den gestreckten Gliedern und den ersten Anzeichen weiblicher Formen. Andere ahmen schon das Verhalten erwachsener Frauen nach. Das wirkt mitunter komisch, ebenso wie die “coolen” Redensarten, das Gekicher und alberne Getue, wenn mehrere Mädchen zusammen sind. Zwischen das Teeniegehabe schieben sich immer wieder Rückfälle ins Kindliche, ein Umstand, der Eltern besonders verwirrt. Da kramt sie auf einmal ihre Puppen hervor, wenn niemand zusieht, oder vertieft sich mit dem jüngeren Geschwister ins Ritterspiel.

Der Körper verändert sich

Die meisten Mütter und Väter erleben die Pubertät ihrer Tochter als anstrengend und fühlen sich nicht selten überfordert. Nie weiß man, wo man mit ihr dran ist, täglich stellt sie neue Grenzen in Frage. Besonders hart trifft es häufig die Mütter, die, eben noch engste Vertraute, plötzlich scharfe Abgrenzung durch die Tochter erleben. In dieser schwierigen Lage kann es helfen, sich klar zu machen, was eigentlich genau passiert.

Da ist zunächst einmal die körperliche Ebene. Etwa ab dem neunten Lebensjahr beginnt der Prozess der sexuellen Reifung. Die Brüste werden langsam sichtbar, die Hüften werden runder, unter den Achseln und im Schambereich sprießen die ersten Haare. All dies unterliegt einem feinen Steuerungsprozess, der unter anderem vom Körpergewicht abhängt. Erst bei zirka 40 Kilogramm erhalten die Östrogene (weibliche Hormone) den Befehl vermehrt aktiv zu werden. Die Pubertät beginnt deshalb beim einzelnen Kind sehr unterschiedlich. Ziel aller hormonellen Aktivitäten ist die Geschlechtsreife, sprich Empfängnisfähigkeit des Mädchens. Schon auf der physischen Ebene bedeutet das Ungeheuerliches. Ein Körper, der bisher einfach da war, nicht weiter wahrgenommen, aber Quell aller Lebendigkeit, unterliegt plötzlich nicht steuerbaren Gesetzmäßigkeiten. Die Regel kommt und geht, verursacht Spannungsgefühle, manchmal Schmerzen, auf jeden Fall Einschränkungen. Mit dem Eintritt der Periode breitet sich gleichzeitig der Kosmos weiblicher Lebensperspektiven aus. Empfängnis, Schwangerschaft, Geburt und ein Leben als Mutter, das sind die Aussichten, die sich in das Bewusstsein junger Mädchen schieben, ob sie wollen oder nicht.

Spuren in der Seele

Kein Wunder, dass diese dramatische Veränderung sich in den Seelen der Mädchen spiegelt. Hin und her geht es da zwischen der Sehnsucht nach der verloren gegangenen Kindheit und den Verlockungen des Erwachsenenlebens. Eben deshalb sind sie beides in einem – liebe Mädchen und aufsässige Zicken. Tempo und Vehemenz des Wechsels legen Zeugnis davon ab, mit welcher Heftigkeit sich das innere Drama vollzieht. Dass es turbulenter erscheint und häufig schlimmer empfunden wird als bei Jungen hat vor allem zwei Gründe.

Der Erste: Mädchen dürfen von Haus aus gefühlvoll sein und das auch zeigen. In dieser Hinsicht erziehen wir heute noch – unbewusst – nach alten Mustern. Schon ganz früh werden Jungen dazu angehalten, ihre Emotionen zu kontrollieren. Nicht unbedingt durch martialische Sprüche – “ein Indianer kennt keinen Schmerz” -, sondern indem über ihre Gefühle hinweggegangen wird. Mädchen dagegen erfahren Ermutigung ihre Trauer, aber auch Freude oder Zärtlichkeit auszudrücken. Sie dürfen zu den eigenen Gefühlen stehen und das ist eine Stärke. Auch in der Pubertät kann der innere Zustand direkt nach draußen.

Es gibt kaum attraktive Vorbilder

Der zweite Grund: Eine eigene weibliche Identität zu entwickeln ist für Mädchen heute sehr schwer. Vorbilder und Rollen sind widersprüchlich und erweisen sich, zumindest langfristig, als wenig attraktiv. Da gibt es den Anspruch auf formale Gleichberechtigung, immer mehr Frauen dringen erfolgreich in bisherige Männerdomänen vor. Parteivorsitzende, Rennfahrerinnen, Auslandskorrespondentinnen, Pilotinnen – an diesen Frauen könnten sich junge Mädchen orientieren. Bei genauerem Hinsehen aber zeigt sich der Haken: Viele dieser “Superfrauen” haben keine eigene Familie. Mit Kindern haben sie nämlich auch heute noch weniger Chancen, wirklich attraktive Jobs zu bekommen. In ihrer realen Umgebung erleben Teenager meistens Mütter, die entweder als Hausfrauen unter mangelnder Anerkennung leiden, oder sich im Spagat zwischen Beruf und Familie aufreiben. Keine der angebotenen Rollen taugt im Grunde als Vorbild, dem man mit Begeisterung nacheifern möchte. Auch wenn dreizehn- oder vierzehnjährige Mädchen dies nicht immer klar benennen können, so ahnen sie es doch. Unbewusst wissen sie, dass das weibliche Geschlecht unter der Oberfläche (und häufig auch offen) immer noch als das schwache gilt. Nicht selten erleben sie es auch am eigenen Leib. Viele Mädchen müssen sich mit irgendeiner Form von sexuellen Übergriffen herumschlagen. An den Bewegungseinschränkungen, die ängstliche Eltern ihnen auferlegen, erkennen sie außerdem, wie gefährdet sie sind. Kein Wunder, dass die wenig glanzvollen Aussichten auf ihr Frauenleben in der Pubertät besondere Spannungen erzeugen. In zornigen, tränenreichen oder sonst wie dramatischen Auftritten kommen sie zu Tage.

In den Medien dominiert der Körperkult

Abhilfe vom Orientierungsnotstand versprechen die Medien. Unübersehbar die Bücher für Mädchen, die von der ersten Liebe handeln. Zahlreiche Zeitschriften sind auf weibliche Teenies zugeschnitten und diese Blätter wiederum unterhalten gut besuchte Internet-Seiten. Gewisse Fernsehserien bedienen das junge Publikum und die Popmusik produziert immer neue Stars, die vorübergehend den Idolhimmel bevölkern. Die Vorbilder, die die Medien anbieten sind allerdings einseitig bis zur Tristesse. Sie präsentieren perfekt gestylte Frauen mit Model-Figuren, deren Schönheit ihre wichtigste Eigenschaft ist.

Manche Mädchen reagieren auf die Überbewertung des Äußeren mit konsequenter Ablehnung und probieren in Aussehen und Verhalten das burschikose Gegenteil. Sie verstehen sich mit Jungen besser als mit den Angehörigen des eigenen Geschlechts, und wären überhaupt lieber ein Junge geworden. Ein Weg, der in die Sackgasse einer Identitätskrise führen muss. Denjenigen, die sich in der allerorts vorgeführten Weibchenrolle üben, ergeht es jedoch nicht besser. Die Überbewertung des Äußeren hat fatale Folgen. Zum einen führt sie dazu, dass alle anderen Eigenschaften und Fähigkeiten der Mädchen abgewertet werden. Die Freude am Sport etwa oder gute Schulleistungen erscheinen nicht mehr so wichtig. Zum anderen bewirkt sie, dass manchen Mädchen die Anerkennung ihres perfekt geformten Körper zum Lebenssinn wird. Mit extremen Mitteln versuchen sie dem Ideal zu entsprechen. Das ist der Grund, warum Körpersüchte wie Bulimie und Magersucht bei pubertierenden Mädchen dramatisch zunehmen.

Ihre Tochter braucht Orientierung

Um die mitunter raue See der Pubertät sicher durchkreuzen zu können, braucht ein junges Mädchen den Rückhalt seiner Eltern. Noch sind Mutter und Vater die wichtigsten Personen in seinem Leben und es wünscht sich nichts sehnlicher als Orientierung. Deshalb dürfen Sie sich gerade jetzt nicht aus dem Leben ihres Kindes verabschieden. Es braucht Sie als Garant für Beständigkeit in einer schwankenden Welt. Bleiben Sie klar und berechenbar. Vertreten Sie Ihre Meinung, gleich ob es um Schulleistungen, Tabak und Alkohol, Ausgehzeiten oder Kleidung geht und setzen Sie sie gegebenenfalls auch durch. Nicht, dass Sie mit der Brechstange hantieren sollten. Natürlich müssen Sie mit ihrer Tochter reden, Argumente ins Feld führen und sich von den ihren überzeugen lassen, wenn sie ihnen stichhaltig erscheinen. Geht Ihnen jedoch etwas völlig gegen den Strich, dann bleiben Sie bei ihrer Linie.

Zum Beispiel in der Klamottenfrage. In fast jeder Familie kommt die leidige Markendiskussion auf den Tisch, und die meisten Eltern sehen nicht ein, für ein bestimmtes Fabrikat viele Euros zu berappen. So könnte es gehen: Vater und Mutter legen ein Budget für Kleidung fest. Wird das überschritten, weil die Marke teurer war als das gleichwertige No-Name-Produkt, muss die Tochter vom Taschengeld drauflegen. Manche jungen Mädchen neigen auch zu extrem sexualisierter Kleidung und überschreiten damit nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks. Auch hier dürfen Eltern sich einschalten, ihre Meinung vertreten, gegebenenfalls ein Outfit verbieten. Scheuen Sie nicht die Auseinandersetzung und riskieren Sie ruhig mal einen Streit. Auch wenn sie es niemals zugeben wird, Ihre Tochter ist ihnen oft genug dankbar. Vielleicht fühlt sie sich selbst in dem super-knappen Oberteil nicht wohl, kann sich aber dem Druck ihrer Clique nicht widersetzen. Was für eine Entlastung, wenn sie dort erbost berichten kann, sie selbst habe ja gerne gewollt, aber ihre strenge Mutter…

Auch bei anderen Themen ist das oft so. Ihr Teenie passt sich an die Gruppe an, weil er nach Orientierung sucht, ist aber längst nicht immer glücklich damit. Eine Entscheidung von Mutter oder Vater hilft dann aus der Patsche, auch wenn scheinbar dagegen rebelliert wird.

So bleiben Sie in Kontakt

Natürlich wäre das alles weit weniger anstrengend, würden pubertierende Töchter nicht fast täglich neue Themen aufs Tapet bringen und ihre Eltern zu Stellungnahmen zwingen. Folgende Tipps helfen Ihnen konstruktiv mit der Situation umzugehen:

  • Erinnern Sie sich an Ihre eigene Pubertät. Das hilft Ihnen Ruhe zu bewahren und befördert Ihren Humor.
  • Hören Sie aufmerksam zu, wenn ihre Tochter etwas erzählt und nehmen Sie ihre Gefühle ernst. So machen Sie es ihr leichter, auch Sie ernst zu nehmen und für Ihre Argumente zugänglich zu sein.
  • Vermeiden Sie Vorwürfe und Verallgemeinerungen. Wenn Sie etwas stört, dann wählen Sie lieber die Ichform: Statt: “Du hast dein Zimmer schon wieder nicht aufgeräumt! Immer lässt du alles liegen!” lieber “Ich bin enttäuscht, dass dein Zimmer immer noch nicht aufgeräumt ist, obwohl du es mir versprochen hast.” Während die erste Fassung wahrscheinlich dazu führt, dass Ihr Mädchen beleidigt oder bockig reagiert, wird Ihre Botschaft im zweiten Fall ziemlich sicher ankommen.
  • Loben Sie Ihre Tochter, wann immer sich die Gelegenheit bietet, und zeigen Sie ihr, dass Sie stolz auf sie sind.
  • Sie müssen nicht jeder Zeit in der Lage sein, die richtigen Antworten zu geben. Wenn Sie einmal nicht weiter wissen, genehmigen Sie sich eine Auszeit. Sagen Sie ruhig: “Darüber muss ich erst einmal nachdenken.” Oder: “Ich will erst mit deinem Vater sprechen.”
  • Versuchen Sie nicht, sich an den Stil der Jugendlichen anzupassen. Eltern, die mit vierzig die Kleidung ihrer Kinder tragen und deren Sprache übernehmen werden insgeheim belächelt. Sie sind keine Vorbilder, weil sie keine Richtung weisen. Außerdem nehmen sie dem Nachwuchs die Chance sich abzugrenzen und etwas Eigenes zu entwickeln.
  • Bleiben Sie auf jeden Fall mit Ihrer Tochter im Gespräch. Nehmen Sie den Kontakt auch dann wieder auf, wenn es einmal richtig geknallt hat. Erzählen Sie von ihren eigenen Gefühlen und Gedanken in dem Konflikt. Das schafft Vertrauen.

Willkommen im Klub! Die Menstruation

Vertrauen braucht es ganz besonders, wenn es um das Thema geht, das die Pubertät dominiert: Sexualität. Erschreckend viele Mädchen wissen, trotz Aufklärung in der Schule, nicht richtig Bescheid. Hier sind vor allem die Mütter gefragt. Sprechen Sie mit Ihrer Tochter über Freundschaft und Liebe, Lust und Frust, Sex und Verhütung. Sie tun es am besten bevor das Thema ”dran“ ist. Das erfordert Fingerspitzengefühl, denn für eine Zwölfjährige zum Beispiel, die bereits ihre Periode hat, ist Verhütung noch kein Thema. Wenn Ihrem Teenie ein Thema peinlich ist, werden Sie das aber sehr schnell merken und entsprechend behutsam sein. Ganz besonders sei den Müttern ans Herz gelegt, das Thema Menstruation nicht auszusparen. Das ”erste Mal“erleben die meisten Mädchen auch heute noch als Schock und den Umgang mit der Periode als Problem. Oft ist sie noch unregelmäßig und deshalb nicht berechenbar. Das führt zu allerlei Peinlichkeiten. Manchmal verursacht sie auch Schmerzen und Übelkeit. Je jünger das Mädchen ist, desto schwerer fällt ihm, sich mit der Regel abzufinden. Machen Sie es ihm deshalb so leicht wie möglich. Helfen Sie ihm seine weiblichen Besonderheiten zu schätzen, indem Sie das ”erste Mal“gemeinsam feiern. Gehen Sie mit Ihrer Tochter Eis essen oder ins Kino, laden Sie vielleicht auch die Patentante dazu ein, die Oma oder ältere Kusinen und heißen Sie sie willkommen: Im Club der erwachsenen Frauen.

Literatur

  • Esther Schoonbrood, Barbara Dobrick (2011): Erklär mir die Liebe! Gefühle, Körper, Sex. Worüber Frauen mit Mädchen sprechen sollten. Goldmann Verlag
  • Peer Wüschner (2010): Grenzerfahrung Pubertät. Neues Überlebenstraining für Eltern, Eichborn Verlag
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Aufregende Jahre. Jules Tagebuch. Für Mädchen von 10 bis 15 Jahre, kostenlos hier

Weitere Beiträge der Autorin hier in unserem Familienhandbuch

  • Gutes Benehmen will gelernt sein
  • Vom Umgang mit der Langeweile
  • Paten als wichtige Begleiter für Kinder – nicht nur in religöser Hinsicht
  • Oma weiß alles besser
  • HipHop, House und Pop: Wie Kinder ihren Musikgeschmack entwickeln
  • Keine Angst vor Rat und Hilfe

Autorin

Ingrid Leifgen ist freie Journalistin und Autorin mit dem Schwerpunkt Familie und Erziehung. Sie hat drei Kinder.

Homepage

Pubertät

Immer früher in die schweren Jahre

Der Begriff Pubertät kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Mannbarkeit“. Damit wird die Zeit bezeichnet, in der Kinder beziehungsweise Jugendliche geschlechtsreif werden.

Mitte des 19. Jahrhunderts bekamen die meisten Mädchen mit knapp 17 Jahren ihre erste Regelblutung. Heute haben viele junge Frauen schon deutlich früher ihre erste Periode.

Die Jungs stehen ihnen da in nichts nach: Sie haben ihren ersten Samenerguss manchmal schon vor dem zwölften Lebensjahr.

Als Gründe für die frühzeitigere Geschlechtsreife sehen Experten vor allem die verbesserte Ernährungslage der Bevölkerung im Laufe des vergangenen Jahrhunderts.

Dazu kommt, dass Kinder immer häufiger an Übergewicht leiden. Vor allem bei Mädchen ist das kritisch zu sehen: Je mehr Fett der Körper einlagert, desto eher setzt die erste Regelblutung ein.

Ein weiterer, jedoch schwer nachzuweisender Grund könnte die in den vergangenen Jahrzehnten vermehrte Aufnahme der Chemikalie Bisphenol-A sein. Diese Chemikalie hat eine ähnliche Wirkung wie das weibliche Hormon Östrogen und könnte zu einer frühzeitigen Pubertät beitragen.

Forscher der Universität Florenz wollen noch einen weiteren Grund entdeckt haben: Sie gehen davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen Fernseh- und Computerkonsum und dem Eintritt der Pubertät gibt.

Die These: Durch die Strahlung der Monitore verringere sich das Hormon Melatonin. Die niedrigere Konzentration habe Einfluss auf den Beginn der Geschlechtsreife.

Die Pubertät beginnt im Kopf

Die sogenannten Gonadotropine setzen die Vorgänge im Körper in Gang. Diese Hormone werden in der Hirnanhangdrüse gebildet und lassen die Keimdrüsen wachsen.

Die wiederum übernehmen dann die Produktion der eigentlichen Sexualhormone. Die Annahme, dass Mädchen nur weibliche und Jungen nur männliche Hormone produzieren, ist mittlerweile überholt.

Heute weiß man, dass die Pubertät bei beiden Geschlechtern durch beide Hormongruppen angestoßen wird. Das Verhältnis ändert sich erst im Laufe der Pubertät – bei den Mädchen zugunsten der Östrogene, bei den Jungs überwiegen dann die Testosterone.

Wirklich so cool, wie sie tun?

Mädchen bekommen einen Wachstumsschub

Zunächst einmal verändert sich der Körper: Die Mädchen bekommen im Alter zwischen zehn und elf einen gehörigen Wachstumsschub. Dabei werden als erstes die Hände und die Füße größer. Auch die Brust und die ersten Schamhaare beginnen zu wachsen.

Mit zwölf schießen die Mädels dann noch mal so richtig in die Höhe. Außerdem entwickeln sich die Schweißdrüsen und das Schamhaar beginnt sich zu kräuseln.

Zwischen 13 und 14 setzt dann meistens die erste Regelblutung ein, dann werden auch das Becken und die Hüften breiter, unter den Armen bildet sich ein zarter Flaum.

Mit 15 ist die Brust ausgewachsen, der Zyklus wird regelmäßiger und der erste Eisprung setzt ein. Ein Jahr später sind die Mädchen voll fortpflanzungsfähig.

Gehirn im Umbau. 03:07 Min.. Verfügbar bis 30.12.2099.

Jungen kommen etwas später in die Pubertät

Bei den Jungen setzt die Pubertät mit rund zwölf Jahren ein, also etwas später als bei den weiblichen Teenagern. Zuerst wachsen die Hoden, der Hodensack und die Schamhaare. Dann beginnt auch der Penis größer zu werden. Im Alter von 13 folgt der Wachstumsschub, der sich im Schnitt über drei Jahre hinzieht.

Bis die Jungs 15 Jahre alt sind, haben die meisten ihre erste Ejakulation gehabt, dann wachsen auch erste Körper- und Gesichtshaare und die Schweißdrüsen entwickeln sich. Mit 16 ist die Pubertät bei den meisten beendet. Die ersten reifen Samenzellen werden produziert.

Und noch etwas verändert sich: Die Stimme der Jungen ist nach dem Stimmbruch etwa eine Oktave tiefer.

Macht der Hormone. 01:29 Min.. Verfügbar bis 30.12.2099.

Baustelle – auch im Gehirn

Dass sich der Körper in der Pubertät verändert, ist offensichtlich. Doch auch im Gehirn der Teenager passiert einiges. Früher ist die Wissenschaft davon ausgegangen, dass das Gehirn eines sechsjährigen Kindes so gut wie ausgewachsen ist. Neue Studien belegen aber, dass das nicht stimmt.

Pionier auf dem Gebiet ist der US-Psychiater Jay Giedd. Er fand unter anderem heraus, dass in der Pubertät neue Verbindungen zwischen Nervenzellen geknüpft werden und andere dafür verschwinden.

Von diesen Vorgängen sind in erster Linie die sogenannten Stirnlappen betroffen. In dieser Hirnregion befindet sich ein wichtiges Kontrollzentrum. Möglicherweise sind die Launen und die Entscheidungsschwächen, die Vergesslichkeit und die Unberechenbarkeit und nicht zuletzt auch die Lernschwächen vieler Pubertierender Resultate dieser Umbaumaßnahmen.

Und noch etwas kommt hinzu: Weil das Gehirn einer Baustelle gleicht, schaden ihm Alkohol, Nikotin und andere Drogen ganz besonders.

Alkohol: verlockend, aber auch gefährlich

Zeit des Zweifels und der Unsicherheit

Außerdem ist die Pubertät eine Zeit des Zweifelns und der Unsicherheit. Die Pubertierenden fühlen sich nicht mehr als Kind, aber die Welt der Erwachsenen erscheint oft unverständlich und mysteriös.

Es kommt einiges zusammen: das Gefühlschaos der ersten Liebe, Probleme mit dem veränderten eigenen Körper, Sinnkrisen. Manche Pubertierende leiden unter Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie, andere haben sogar Suizidgedanken.

Weitere Forschungen zeigen, dass die Verarbeitung von Emotionen bei Teenagern und Erwachsenen in unterschiedlichen Hirnarealen ablaufen. Das erklärt auch die sehr unterschiedlichen Reaktionen.

In mehreren, ähnlich aufgebauten Studien wurden Jugendlichen und Erwachsenen Porträtfotos von Menschen mit wütendem, lachendem, ärgerlichem und aggressivem Gesichtsausdruck gezeigt. Sie sollten die Emotionen der jeweiligen Mimik zuordnen. Währenddessen beobachteten die Forscher das arbeitende Gehirn.

Die Heranwachsenden nutzten ein Areal namens Amygdala für die Zuordnung. Das ist eine Hirnregion, in der Entscheidungen eher emotional und kurz entschlossen getroffen werden.

Bei den Älteren fand derselbe Prozess im wesentlich weiter entwickelten frontalen Cortex statt, einer übergeordneten Einheit. Wissenschaftler schließen daraus, dass Jugendliche schlichtweg nicht in der Lage sind, Emotionen richtig einzuordnen und deswegen oft impulsiv reagieren.

All diese Erkenntnisse können das Gefühlschaos und die Unsicherheiten und Ängste, die die Veränderungen des Körpers mit sich bringen, natürlich nicht besser machen – aber vielleicht dazu beitragen, dass Kinder und Eltern in dieser schweren Zeit ein bisschen mehr Verständnis füreinander haben.

Komasaufen bei Kids. 02:04 Min.. Verfügbar bis 30.12.2099.

Sobald Kinder zu Erwachsenen werden, beginnt die Zeit der Pubertät. Bei Mädchen und Jungen ist dies die Zeit, in der die größten körperlichen Veränderungen anstehen. Ähnlich verhält es sich auch bei der geistigen Entwicklung, denn Kinder beginnen, immer mehr zu eigenen Persönlichkeiten zu werden. Die ersten Anzeichen für die Pubertät sind bei Jungen gut sichtbar.

Pubertät bei Jungen: erste Anzeichen und Veränderungen

  • Wann die Pubertät bei Jungen einsetzt, lässt sich nicht auf ein bestimmtes Jahr festlegen. Im Durchschnitt kommen sie aber im Alter von 11 bis 13 in die Pubertät.
  • Das erste Anzeichen ist in der Regel ein starkes Wachstum, bedingt durch die erhöhte Ausschüttung von Testosteron. Innerhalb von wenigen Monaten können Jungen um bis zu 20 cm wachsen.
  • Leider ist das Wachsen auch oft mit Schmerzen verbunden. Durch das rasante Wachstum leiden die Gelenke, wodurch die Jungen häufig Schmerzen in den Knien haben. Bei sehr starken Gelenk- oder Knochenschmerzen hilft ein leichtes Schmerzmittel durch akute Phasen.
  • Ähnlich schnell wachsen auch die Hände und Füße. Dass alle paar Monate neue Schuhe gekauft werden müssen, ist deshalb keine Seltenheit.
  • Mit rund 13 oder 14 Jahren beginnen auch die hervorstehenden Körperteile zu wachsen. Die Nase wird größer und auch der Kehlkopf bildet sich aus. Dies führt häufig dazu, dass die Proportionen im Gesicht nicht ganz stimmig wirken. Erklären Sie Ihrem Sohn, dass er sich in einer Entwicklungsphase befindet und sich deshalb nicht schämen muss.
  • Wenn sich der Kehlkopf ausbildet, kommt es häufig auch zum Stimmbruch.

Wenn sich Ihr Sohn wegen der körperlichen Veränderungen unwohl fühlt, sind Sie als Eltern gefragt. Zeigen Sie Ihrem Kind auf, dass das Wachstum schon bald abgeschlossen sein wird und sich die Proportionen schnell wieder ausgleichen. Manchmal helfen Fotos des Vaters aus der Teenagerzeit. So sehen Kinder, dass auch der Papa früher „komisch“ aussah und ein kleines Lachen hat meistens eine positive Wirkung auf die Gefühlswelt.

Geschlechtsorgane: Pubertät bei Jungen

  1. Am Penis und an den Hoden lässt sich der Beginn der Pubertät meistens nicht erkennen. Die Geschlechtsteile bei Jungen beginnen nämlich erst im Laufe der neuen Entwicklungsphase zu wachsen. Während sich vielleicht schon Scham- und Achselhaare bemerkbar machen, müssen die Hoden noch lange nicht wachsen.
  2. Penis und Hoden: Mit etwa 14 Jahren fangen die Geschlechtsorgane bei Jungen an, sich zu verändern. Sie nehmen sowohl an Volumen als auch an Länge zu.
  3. Erektion: Verbunden mit dem Wachstum von Penis und Hoden kommt es auch zur ersten bewussten Erektion. Bereits in sehr jungen Jahren beginnen Jungen damit, eine Erektion als lustvoll zu empfinden. In der Pubertät kommt es nun immer häufiger zu einer Versteifung des Penis. Diese ist oft an sexuelle Erregung gebunden und vielen Jungen peinlich. Für eine umfassende Aufklärung zum Thema Geschlechtsverkehr ist nun die beste Zeit.
  4. Samenerguss: Die ersten Samenergüsse in der Pubertät geschehen häufig unbemerkt und im Schlaf. Dabei sind die Samen zu Beginn oft noch unreif und nur in geringer Anzahl vorhanden. Etwa mit dem 17. Lebensjahr sind dann aber die Geschlechtsorgane vollständig ausgereift und auch die Samen haben die gleiche Qualität wie bei einem erwachsenen Mann.

Akne und erste Pickel

Eine unreiner werdende Haut ist ebenfalls ein Anzeichen dafür, dass Jungen in die Pubertät kommen. Dabei ist es jedoch sehr unterschiedlich, wie stark die Unreinheiten ausgeprägt sind. Einige Jungen bekommen lediglich vereinzelt einen Pickel und andere haben mit starker Akne zu kämpfen. Bei Akne hilft nur der Gang zum Hautarzt. Gehen Sie mit Ihrem Sohn frühzeitig zur Beratung, um Narben zu verhindern, die auch noch im Erwachsenenalter sichtbar sind. Die Veränderung des Hautbilds setzt bei Jungen in der Regel zwischen dem 13. und 17. Lebensjahr ein.

Bartwuchs

Für viele Jungen ist der Bartwuchs etwas Tolles. Sie fühlen sich dann schon beinahe wie ein richtiger Mann und sind ab jetzt kein Kind mehr. Der erste Flaum auf der Oberlippe zeigt sich zwischen dem 12. und 15. Lebensjahr. Für Jungen ist es besonders ärgerlich, wenn ihre Freunde schon einen Bart bekommen und sie noch nicht. Erklären Sie Ihren Kindern, dass dies nicht heißt, dass sie noch ein Kind sind, da die Pubertät ein entscheidender Schritt in der Entwicklung und sich bei jedem Jungen anders zeigt.

Verhaltensänderungen bei Jungen in der Pubertät

In der Regel lässt sich beobachten, dass Jungen anders auf die Pubertät reagieren als Mädchen. Die typischen Zickereien stellen sich bei Jungen nicht ein – aber auch hier gibt es natürlich Ausnahmen. Viel eher zeigt sich, dass Jungen sich während der Pubertät immer mehr zurückziehen. Sie werden stiller und sind nicht mehr so mitteilungsfreudig wie früher. Für Eltern ist dies oft schwer zu verstehen. Seien Sie sich gewiss, dass dieses Verhalten in der Pubertät vollkommen normal ist. Lediglich dann, wenn die Kinder keine Freude mehr zu haben scheinen und sich von ihren Freuden zurückziehen, sollten Sie das Gespräch suchen. Solange Sie während der Pubertät ruhig bleiben und versuchen, Verständnis für Ihr Kind zu haben, werden Sie die Pubertät gemeinsam gut überstehen.

Der Spruch ist etwas abgedroschen, trifft mit seiner ironischen Umkehrung aber ins Schwarze: „Pubertät ist, wenn die Eltern komisch werden.“ Denn „komisch“ werden aus Sicht der Eltern vor allem die Sprösslinge, wenn sie in das „gewisse Alter“ kommen: zwischen zehn und dreizehn die Mädchen, etwas später – zwischen elf und vierzehn – die Jungen.
Launisch, aufmüpfig, ausgeliefert einer Achterbahnfahrt der Gefühle. Aber „das liegt in der Natur der Sache und hat nichts mit Bösartigkeit zu tun“, sagt die Freiburger Kinder- und Jugendärztin Helga Löffler bei einer BZ-Veranstaltung in der Reihe „Kinderheilkunde im Dialog“.
Die Natur der Sache: Ein komplizierter hormoneller Regelkreis wird in Gang gesetzt. Die Eierstöcke der Mädchen beginnen mit der Östradiolproduktion. Die wachsenden Hoden der Jungen bilden Testosteron. Die Botenstoffe sorgen jeweils für eine Reihe von geschlechtsspezifischen körperlichen Veränderungen: der erste Samenerguss bei den Jungen, Stimmbruch, Muskelaufbau, Wachstumsschübe; bei den Mädchen knospende Brüste, breiteres Becken, wachsendes Fettgewebe, die erste Menstruation. In der Nebenniere gebildete Steroidhormone lassen die Scham- und Achselbehaarung sprießen.
So weit, so normal. Und …

©bokan76

Die Pubertät – jeden trifft sie in seinen Jugendjahren. Einerseits gefürchtet von Eltern, andererseits keine leichte Zeit für Jugendliche, die eine Vielzahl von Veränderungen durchleben. Doch was passiert eigentlich genau in der Pubertät mit Jungen und was können Eltern tun? Wir geben Ihen einige allgemeine Tipps, wie Sie mit der neuen Situation umgehen können und was im Einzelnen in den Familien ausgehandelt werden sollte.

Die Veränderungen – was passiert mit meinem Sohn?

Man sagt, dass die Pubertät bei Jungen mit dem zehnten bis zwölften Lebensjahr einsetzt und in etwa drei bis vier Jahre dauert. Bei Mädchen setzt die Pubertät generell ein bisschen früher ein. Die Zeit der Pubertät bei Jungen ist geprägt von einer Reihe körperlicher Veränderungen. Zu den wichtigsten zählt eine erhöhte Testosteronproduktion, welche zu deutlichem Körperwachstum führt („hochschießen“). Dieses Wachstum verläuft oft ungleichmäßig und in Schüben. Manchmal wirken Jungen in der Pubertät mit ihren langen Gliedmaßen ein bisschen unproportioniert, meist wird der Körper aber in späteren Jahren wieder harmonisch. Ebenso wächst der Kehlkopf und es kommt bei Jungen in der Pubertät zum Stimmbruch. Sie bekommen Körper- und auch Schambehaarung. Die Geschlechtsteile wachsen und reifen. Viele Jungen haben mit unreiner Haut bis hin zu starker Akne zu kämpfen.

Dies alles läuft nicht parallel bei Jungen im selben Alter – gleichaltrige Jugendliche können unterschiedlich weit entwickelt sein. (Es fangen auch nicht alle Kleinkinder im selben Alter an zu laufen.)

Neben den körperlichen Veränderungen gibt es eine Reihe von anderen Veränderungen, die im Verhalten und Erleben liegen. In einer frühen Phase der Pubertät können Jungen unsicher sein und Schamgefühle entwickeln. Sie zeigen sich dann nicht mehr nackt vor den Eltern. Auch beginnen Jungen in der Pubertät, Geheimnisse vor den Eltern zu haben, was im Kindesalter kaum vorkommt. Insgesamt ziehen sie sich von den Eltern zurück, die als Bezugspersonen weniger bedeutend werden. Gleichaltrige werden nun wichtiger und übernehmen diese Rolle.

Es kommt zu einem anderen Blick auf Mädchen, und Jungen in der Pubertät fangen an, Verhaltensweisen von Erwachsenen im Hinblick auf Geschlechtlichkeit und Sexualität zu übernehmen.

Für Jungen in der Pubertät geht es um das Testen der Grenzen. Diese zu überschreiten und aufgezeigt zu bekommen, ist ein Lernprozess, der auch dazu dient, eigene Positionen zu entwickeln. Jungs gehen eher Risiken ein, führen Kämpfe, messen ihre Kräfte und begeben sich in Konkurrenz zueinander. So versuchen sie festzustellen, wo sie im sozialen Gefüge stehen. Dieses Verhalten wird oft als rebellisch, aggressiv oder konfrontativ beschrieben. Es geht aber auch um Grenzauslotung. Hinter all dem verbergen sich jedoch oft der Wunsch nach Anerkennung und die Hoffnung, einen Platz in der Welt zu finden. Jungen in der Pubertät suchen nach Orientierung und stellen sich Fragen nach der Zukunft. Männliche Erwachsene können als Rollenvorbilder dienen und sollten für Gespräche bereitstehen.

Wie kannst Sie sich als Elternteil während der Pubertät Ihres Sohnes verhalten?

Wichtig ist, in der Pubertät die Privatsphäre zu respektieren und einen Rückzug zu erlauben. Versuchen Sie, Ihrem Kind mit Verständnis und Toleranz zu begegnen. Starke Kontrolle führt meist dazu, dass Heranwachsende nicht lernen, Verantwortung zu übernehmen, und es besteht die Gefahr, dass sie sich abkapseln. Andererseits sind Jugendliche eben keine Erwachsenen und bedürfen klarer Regeln und Abmachungen. Feste Regeln können in Form von konkreten, anfangs leicht zu erfüllenden Aufgaben und Zuständigkeiten gegeben werden, z. B. den Müll rausbringen oder Rasen mähen. Auch das Verabreden und festes Einhalten von gemeinsamen Mahlzeiten kann dazugehören. Grenzen und Regeln bleiben wichtig, so lernen Heranwachsende. Das genaue Maß zwischen Lassen und Kontrollieren zu finden, ist sicherlich nicht leicht und Patentrezepte können an dieser Stelle nicht gegeben werden. Versuchen Sie, einen festen Rahmen vorzugeben, der nicht überschritten werden darf, in dem der Pubertierende sich aber frei bewegen kann. So wird er sich auf seinen eigenen Weg begeben können in einer aufregenden, teils verwirrenden Zeit voller Veränderungen.

Vielleicht erinnern Sie sich an die Zeit, in der Sie zwischen 10 und 16 Jahre alt waren, als sich Interessen verschoben haben, die Eltern einem manchmal peinlich wurden und Sie das erste Mal unglücklich verliebt waren. Üben Sie sich in Gelassenheit, auch diese Phase Ihres Sohnes wird vorübergehen, wie alle Phasen des Lebens letztlich viel zu schnell.

Bin ich bi? Phase in der Pubertät?

Also in letzter Zeit habe ich mir die Frage gestellt, ob ich bi sein könnte oder sogar lesbisch. Dafür gab es eigentlich keinen Grund, trotzdem hab ich mich da vll. etwas reingesteigert. Ich hab mich eigentlich schon immer für Jungs interessiert und war auch schon richtig verliebt ( ca. 1 Jahr) was aber auch unglücklich geendet hat. Vor einem Jahr hatte ich dann meinen ersten Freund, von dem ich auch sehr verletzt wurde. Trotzdem spüre ich immer noch wie ich erröte, wenn ich einem hübschen Jungen über den Weg laufe. Doch seit ca. einer Woche ist das weg. Ich bin im Moment richtig verwirrt. Da ich vorher nie auf die Idee gekommen bin, ich könnte lesbisch sein, auch war ich noch nie in ein Mädchen verliebt. Sicher gibt es das ein oder andere Mädchen, das ich hübsch finde und gerne so aussehen würde, trotzdem war ich noch nie verliebt. Auch hab ich letzthin die Brüste einer Frau gesehen und fand das irgendwie erregend. Ich stelle mir seitdem vor, wie es wäre ein Mädchen zu küssen. Bin ich dann bi? Auch finde ich jetzt überall einen Grund dafür, dass ich bi sein könnte, das macht mich krank. Ich hab richtig Panik, dass ich lesbisch sein könnte. Ich hab mich so reingesteigert, dass ich mir einrede, ich würde nicht auf Jungs stehen. Ist das eine Phase der Pubertät? Ich habe nämlich gehört, dass viele Jugendliche eine homoerotische Phase in der Pubertät haben. LG 🙂

Mädchen in der Pubertät – das verän­dert sich

Wann beginnt die Pubertät? Viele Mädchen merken es, wenn die Brust anfängt sich zu verändern. Das passiert im Alter von neun bis zwölf Jahren. In dieser Zeit fängt auch die Gebärmutter an sich zu verändern. Etwas später entwickelt sich dann die Schambehaarung, außerdem wachsen die Schamlippen und die Klitoris.

Viele Mädchen bekommen etwa ein Jahr nach dem Einsetzen der ersten Pubertätszeichen einen Wachstumsschub.

Eine der letzten Veränderungen in der Pubertät ist der Beginn der Menstruation – meist im Alter von elf bis vierzehn Jahren. Für Mädchen ist die erste Periode ein tiefer Einschnitt in der körperlichen Entwicklung. Die Blutungen treten meist noch unregelmäßig ein. Das ist ganz normal.

Die normale Menstruation

Die Menstruation ist das Ergebnis eines komplizierten Zusammenspiels der weiblichen Geschlechtshormone. Monat für Monat bereitet sich der Körper auf eine mögliche Schwangerschaft vor: Das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH) regen die Produktion von Eizellen in den Eierstöcken an.

Etwa in der Mitte des Zyklus kommt es zum Eisprung. Die reife Eizelle löst sich vom Eierstock und wandert durch den Eileiter in die Gebärmutter. Etwa gleichzeitig schüttet die Hirnanhangdrüse Progesteron aus. Dieses Hormon sorgt dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut für die Aufnahme des Eis vorbereitet ist. Wird das Ei auf seinem Weg durch den Eileiter von einem Spermium befruchtet, nistet es sich in dieser Schleimhaut ein: der Beginn einer Schwangerschaft. Kommt es zu jedoch keiner Befruchtung, sinkt der Progesteronspiegel im Blut. Die Gebärmutterschleimhaut wird abgebaut und mit der Regelblutung ausgeschieden.

Der erste Tag der Blutung ist auch der erste Tag des Monatszyklus, der wiederum bis zum letzten Tag vor der nächsten Menstruation dauert. Im Durchschnitt sind das 28 Tage. Normal sind Zykluslängen zwischen 25 und 35 Tagen.

Die Monatsblutung selbst dauert im Schnitt drei bis sechs Tage. In dieser Zeit verlieren Mädchen und Frauen bis zu 150 Milliliter Blut – das entspricht etwa dem Inhalt einer Kaffeetasse. Bei einer normalen monatlichen Blutung besteht kein Grund, sich in irgendeiner Weise einzuschränken – auch nicht beim Sport oder Schwimmen. Selbst für Sex muss die Periode kein Hindernis sein. Allerdings sollten Paare, die sich nicht so gut kennen, wegen der erhöhten Infektionsgefahr Kondome benutzen.

PMS und andere Unerfreulichkeiten

Für viele Mädchen und Frauen werden die Tage vor den Tagen zur Qual. Auch während der Menstruationsblutung sind Beschwerden keine Seltenheit.

Etwa eine Woche bis zehn Tage vor dem Einsetzen der Regelblutung kann das prämenstruelle Syndrom (PMS) auftreten. Schmerzhaftes Anschwellen der Brüste, Kopf- und Rückenschmerzen, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen oder Heißhungerattacken zählen zu den Symptomen. Meist verschwinden sie mit den ersten Tagen der Menstruation wieder.

Während der Periode kann es zudem zu krampfartigen Bauchschmerzen und Übelkeit kommen.

Mädchen und Frauen mit einer außergewöhnlich langen, starken oder schmerzhaften Menstruation sollten unbedingt ärztlichen Rat einholen, denn dahinter kann sich auch eine Erkrankung verbergen, zum Beispiel die Endometriose.

Verfrühte oder verzögerte Pubertät

Bei Mädchen spricht man von verfrühter Pubertät, wenn die ersten körperlichen Veränderungen wie die Entwicklung der Brüste und Schamhaare, beschleunigtes Längenwachstum und Schweißgeruch vor dem achten Lebensjahr auftreten oder die erste Regelblutung von dem neunten Lebensjahr einsetzt.

In knapp 50 Prozent der Fälle gibt es dafür keine Erklärung. Experten schätzen, dass Genvarianten, frühere Veränderungen im Gehirn, ausgelöst durch Unfälle, Verletzungen oder Tumore, dafür verantwortlich sein könnten.

Von verzögerter Pubertät wird gesprochen, wenn sich bei Mädchen im Alter jenseits von 13,5 Jahren keinerlei Veränderungen feststellen lassen oder wenn eine begonnene Pubertätsentwicklung länger als 18 Monate stillsteht. Dann ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Eine Therapiemaßnahme wäre zum Beispiel die Gabe von Hormonen.

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.