Bettnässen mit 12

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Psychosoziale Probleme als Ursache von Bettnässen

Psychische Ursachen spielen bei einer primären Enuresis fast ausschließlich nur als mögliche Folge einer unbehandelten Enuresis eine Rolle und nur ganz selten als die Ursache.

Bettnässen wird häufig assoziiert mit einem Erziehungsfehler der Eltern oder anderen psychischen Problemen in der Familie. Ursache des Bettnässens ist aber tatsächlich nur sehr, sehr selten ein Erziehungsfehler, und auch Faktoren wie gestörte Vater- oder Mutter-Kind-Beziehung oder Geschwisterrivalität sind in den meisten Fällen nicht die Ursache des Bettnässens.

Kinder sind meist unauffällig
Die Statistik zeigt, dass sich die meisten bettnässenden Kinder normal verhalten. Und falls Verhaltensauffälligkeiten auftreten, könnten diese sich wahrscheinlich eher als Folge einer Enuresis entwickelt haben und nicht umgekehrt.

Seelische Probleme eher die Folge einer Enuresis
Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die längere Zeit an Bettnässen leiden, sich häufig traurig, unglücklich und als Versager fühlen und ein deutlich geringeres Selbstwertgefühl haben als andere Kinder gleichen Alters. Die Palette möglicher Konsequenzen reicht bis hin zu schweren Entwicklungsdefiziten und sogar Persönlichkeitsstörungen. Sie sind zwar selten, tauchen aber umso häufiger und heftiger auf, je länger sich ein Kind mit dem Problem Bettnässen herumschlägt und je älter es ist. Die meisten bettnässenden Kinder schämen sich, weil sie ins Bett machen.

Emotionale Belastung der Eltern und Familie
Auch die Eltern schämen sich für ihr bettnässendes Kind und nicht selten empfinden Familienmitglieder Ekel und Wut dem Kind gegenüber. Das bleibt nicht ohne Folgen.

Psychische Ursachen eher bei der sekundären Enuresis
Eine psychische Erkrankung oder psychische Störung im Zusammenhang mit einer Enuresis tritt häufiger bei der sekundären Enuresis auf, also wenn ein Kind schon einmal über einen längeren Zeitraum hinweg trocken gewesen ist. Das Risiko für eine sekundäre Enuresis steigt deutlich an, wenn sich stark belastende Ereignisse, wie z.B. Trennung der Eltern, Verlust eines nahen Angehörigen oder auch die Ankündigung eines Geschwisterkindes häufen.

Frühzeitig behandeln, um Schäden zu vermeiden
Sofern sich die oben beschrieben seelischen Belastungen des Kindes nicht im Sinne einer Depression verfestigt haben, können sie sich nach einer erfolgten Behandlung zurückbilden. Deshalb ist es angeraten, das Kind möglichst früh von diesem Problem zu entlasten und das Bettnässen frühzeitig zu behandeln. (Therapie des Bettnässen)

Bettnässen: Sekundäre Enuresis: Psychische Probleme sind Auslöser und Folge zugleich

Was die sekundäre Enuresis angeht, sind psychische Faktoren die Hauptursache: Wenn sich das persönliche Umfeld mit einem Mal ändert, etwa durch Scheidung, Umzug oder Geburt eines Geschwisterchens, reagieren bereits trockene Kinder häufig mit erneutem Einnässen. Dann hilft es nichts, nur die Symptome zu bekämpfen: Eine psychologische Beratung, die die Ursachen des Nassmachens klärt und beseitigt, wird nötig. Besteht eine sekundäre Enuresis länger als drei Monate, empfehlen Experten unabhängig vom Alter des Kindes einen Arztbesuch. Denn auch organische Ursachen wie etwa eine Verengung der Harnröhre können das neuerliche Nassmachen auslösen.
Selbst wenn das Einnässen nicht von psychischen Problemen hervorgerufen wird, so kann es doch welche verursachen: Betroffene Kinder haben häufig ein geringes Selbstwertgefühl und sind von Ängsten geplagt – beispielsweise vor Übernachtungen im Kindergarten oder bei Freunden. In Zusammenhang mit Enuresis ist deshalb oft die Rede von einem Teufelskreis aus Scham, Frust – und Schweigen. Dass in kaum einer Familie offen über das Thema gesprochen wird, lässt den ohnehin hohen Leidensdruck weiter anwachsen.

Das kleine Problem nicht zum großen machen
Richtig reagieren Eltern, die viel Geduld und Verständnis für ihr Kind aufbringen. Sie finden nach einer trockenen Nacht lobende Worte, schimpfen aber nicht, falls es wieder einmal nicht geklappt hat – auch wenn das schwer fällt. Grundfalsch dagegen handeln Eltern, die den für das Kind ohnehin belastenden Zustand zu einem Riesenproblem anwachsen lassen – meist, weil sie selbst mit der Situation überfordert sind. So verbietet es sich, dem Kind Vorwürfe zu machen oder es nach einer nassen Nacht die eigene Enttäuschung spüren zu lassen. Auch sollten Eltern niemals Vergleiche mit Gleichaltrigen anstellen („Lina von nebenan ist doch auch schon lang trocken“). Kein Kind macht absichtlich ins Bett, das nasse Laken allein ist Strafe genug.
Das Kind – vorausgesetzt, es ist alt genug – sein Bett hingegen selbst zu beziehen lassen, wenn wieder ein Malheur passiert ist, ist in den Augen vieler Experten alles andere als eine Bestrafung: Es ermöglicht dem Kind, eigenständig alle Spuren zu beseitigen und die Eltern zu entlasten. Auch Windelhöschen eignen sich, um den Wäscheberg überschaubar zu halten. Das Kind möglichst selbstständig einen „Sonne-Wolken-Kalender“ führen zu lassen, hat sich ebenfalls bewährt: Trockene Nächte werden als Sonne, nasse dagegen als Wolke eingezeichnet. Auf diese Weise werden Erfolge für das Kind sichtbar, die Motivation gestärkt. Überhaupt sieht Kinderurologin Karin Riebe es als Voraussetzung für den Therapieerfolg, das Kind in alle Behandlungsschritte miteinzubeziehen und nicht über seinen Kopf hinweg zu entscheiden.
Fachliche Beratung: PD Dr. med. Karin Riebe, Chefärztin des Deutschen KinderUrologieZentrums der DRK Kliniken in Berlin Westend

Bettnässen kann psychische Ursachen haben

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München – Seelische Belastungen und Reifungsverzögerungen im Gehirn können schuld daran sein, wenn Kinder bis ins Vorschulalter hinein immer noch ins Bett machen. Eltern sollten in erster Linie sehr geduldig sein, rät der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Anstatt dem Kind zu vermitteln, es sei unanständig gewesen, sollten Eltern ihm lieber Mut machen.

„Gleichzeitig kann man dem Kind helfen, Verantwortung zu übernehmen, indem man es daran beteiligt, das verschmutzte Bett abzuziehen oder sich selbst zu reinigen“, empfiehlt die Verbandsvorsitzende Christa Schaff. Wenn allerdings einfache Maßnahmen, zu denen auch Belohnungen für trockene Nächte gehören, nicht helfen, rät der Verband, einen Kinder- und Jugendpsychiater hinzuzuziehen. Die Mehrzahl der Kinder könne mit gezielten psychotherapeutischen und medikamentösen Maßnahmen erfolgreich behandelt werden.

„Wenn Kinder bereits trocken waren, können tief greifende Veränderungen in der Umgebung des Kindes wie Trennung der Eltern oder die Geburt eines Geschwisterchens einen Rückfall verursachen“, erklärte Schaff. AP

Bettnässen (Enuresis nocturna, Einnässen)

Kurzfassung:

  • Als Bettnässen wird die unkontrollierte Harnentleerung tagsüber oder nachts bei Kindern über 5 Jahren bezeichnet.
  • Buben sind häufiger betroffen als Mädchen.
  • Kinder machen nie absichtlich ins Bett.
  • Bis zu 20% aller 5-Jährigen nässen gelegentlich noch ein.
  • Es werden unterschiedliche Formen des Bettnässens unterschieden.
  • Bettnässen kann häufig nicht einer einzigen Ursache zugeordnet werden.
  • Bis zum vollendeten 5. Lebensjahr bedarf Bettnässen noch keiner Therapie.

Von Enuresis spricht man, wenn Kinder über 5 Jahren (oder Kinder nach dem 4. Geburtstag mit entsprechend fortgeschrittenem Entwicklungsstand) in mindestens zwei Nächten pro Monat über drei Monate hinweg im Schlaf einnässen. Ausschlaggebend für die Diagnose Bettnässen ist, dass keine körperlichen Ursachen für eine Harninkontinenz vorliegen: Strukturelle Fehlbildungen von Niere oder Harntrakt sowie neurogene Veränderungen (angeboren oder erworben) müssen ausgeschlossen sein.

Häufigkeit des Auftretens

Da Bettnässen häufig tabuisiert und deswegen verschwiegen wird, gibt es nur Schätzungen, wie viele Kinder tatsächlich davon betroffen sind: Man geht davon aus, dass im Alter von 5 Jahren bis zu 20% der Kinder einnässen, zu Schulbeginn sind es noch 7–10%. Der Anteil der Betroffenen nimmt von Jahr zu Jahr – auch ohne Therapie – um rund 15% ab, sodass nach der Pubertät nur noch 1–2% einnässen.

Normale Blasenentleerung

Die Blasenentleerung ist ein komplexes Geschehen und setzt eine entsprechende Gehirn- und Nervenzellentwicklung voraus: Wenn die Harnblase gefüllt ist, senden spezielle Nervenzellen in der Blasenwand ein Signal an das Gehirn, eine Toilette aufzusuchen. Beim Wasserlassen zieht sich der Blasenmuskel zusammen und der Harnröhrenschließmuskel wird bewusst entspannt. Die Koordination zwischen Schließmuskel und Blasenmuskulatur ist daher Voraussetzung für das bewusste Wasserlassen.

Blasenentleerung bei Kindern

Bei Säuglingen wird die Harnblase noch ohne bewusste Steuerung entleert, die Entleerung erfolgt noch weitgehend automatisiert in vielen kleinen Portionen über den Tag verteilt. Ab etwa dem 6. Lebensmonat vergrößert sich die Fasskraft der Harnblase, sodass sie weniger oft entleert werden muss. Das Wahrnehmungsgefühl für eine volle Blase und das Gefühl des Harndrangs entwickeln sich im 2. Lebensjahr. Erst mit etwa 4 Jahren können Kinder die Blasenentleerung bewusst hinauszögern, einleiten oder auch unterbrechen. Die Blasenfasskraft steigt bis zum Schulalter auf 150–200 ml und die Miktionsfrequenz sinkt auf etwa vier- bis sechsmal pro Tag.

Um nachts trocken sein zu können, wird von der Hirnanhangsdrüse ein Botenstoff, das sogenannte antidiuretische Hormon (ADH), in die Blutbahn abgegeben. Es bewirkt, dass über Nacht weniger Harn als im Vergleichszeitraum untertags produziert und die Kapazität der Harnblase nicht überschritten wird. Aus diesem Grund ist der Morgenharn üblicherweise konzentrierter und daher dunkler.

Der Erwerb der Kontinenz bedeutet für Kinder einen großen Entwicklungsschritt, der von den Eltern aktiv – aber ohne Druck auszuüben – unterstützt werden sollte. Das Toilettentraining beginnt bei den meisten Kindern im Alter zwischen 18 und 24 Monaten.

Die Kontinenzentwicklung bei Kindern folgt in der Regel einer bestimmten Reihenfolge:

  • Stuhlkontrolle nachts
  • Stuhl- und Urinkontrolle am Tag
  • Urinkontrolle nachts

Zu beachten ist allerdings, dass diese Entwicklungsprozesse – gleichermaßen wie beim gehen oder sprechen Lernen – großen individuellen Schwankungen unterworfen sind. Generell kann jedoch gesagt werden, dass Mädchen Sauberkeit früher erlernen als Buben.

+++ Mehr zum Thema: Untersuchungen bei Bettnässen +++

Formen

Beim Bettnässen werden mehrere Formen unterschieden:

Einteilung nach dem Beginn

  • Primäre Enuresis (70–80% des kindlichen Einnässens)

Betroffene Kinder hatten noch nie Kontrolle über ihre Harnblase. Diese Form tritt nicht selten familiär gehäuft auf. Hierbei wird von einer Entwicklungsverzögerung des Kindes ausgegangen: Das Zusammenspiel zwischen der Harnblasenkontrolle und der Schlaftiefe ist noch unterentwickelt, die Kinder wachen trotz voller Blase nicht auf. Auch das Hormon ADH spielt eine wichtige Rolle: Es wird (noch) nicht in ausreichender Menge produziert. Psychologische Probleme sind nicht Ursache, sondern Folge des Einnässens.

  • Sekundäre Enuresis (20–30% des kindlichen Einnässens)

Von sekundärer Enuresis spricht man, wenn Kinder für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bereits trocken waren und dann erneut nachts einnässen. Diese Form des Bettnässens tritt meistens zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr auf und wird durch Stresssituationen oder Veränderungen im Lebensumfeld (Trennung oder Scheidung der Eltern, Geburt eines Geschwisterchens, Wohnort- oder Schulwechsel) ausgelöst.

Einteilung nach dem Zeitpunkt des Auftretens

  • Monosymptomatische Enuresis (MNE)

In den meisten Fällen (zu 80%) tritt die klassische Form, das nächtliche Bettnässen, auf. Tagsüber sind die betroffenen Kinder unauffällig.

  • Nicht-monosymptomatische Enuresis (NMNE)

Bei dieser Form treten die Symptome treten sowohl am Tag als auch in der Nacht auf. Tagessymptome äußern sich durch gehäuften Harndrang oder Einnässen am Tag auch nur in geringen Mengen (nur die Unterhose feucht).

Häufig kann Bettnässen nicht einer einzigen Ursache zugeordnet werden, meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Eine Untersuchung beim Kinderarzt kann dazu beitragen, die Ursachen für das Einnässen herauszufinden.

Harmlose Entwicklungsverzögerung der Blasensteuerung

Entwicklungsverzögerungen, die die Harnblasensteuerung betreffen, treten oft familiär gehäuft auf: Wenn ein Elternteil bereits Enuretiker war, liegt das Risiko für Kinder bei 44%, wenn beide Eltern betroffen waren, bei 77%.

ADH-Mangel

Wird zu wenig ADH produziert oder ins Blut abgegeben, kommt es zu einer nächtlichen Harnproduktion, die die Kapazität der Harnblase übersteigt.

Falsches Trinkverhalten

Durch übermäßiges Trinken in den Abendstunden entsteht eine zu große Nachtharnmenge.

Verminderte Wahrnehmungsfähigkeit oder Weckbarkeit während des Schlafes

+++ Mehr zum Thema: Behandlung bei Bettnässen +++

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Autoren:
Mag. Astrid Leitner
Medizinisches Review:
Dr. Elisabeth Frigo
Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Stand der medizinischen Information: April 2018

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Definitionen der Enuresis und der kindlichen Harninkontinenz

Enuresis:

Die Enuresis ist definiert als unwillkürliches Einnässen im Schlaf mindestens 1 Mal pro Monat nach dem 5. Lebensjahr über eine Dauer von über drei Monaten. Synonym: Enuresis nocturna, obwohl auch das Einnässen während des Mittagsschlaf zur Krankheitsdefinition gehört (Enuresis S2 Leitlinie), Leitlinie der EAU: (Tekgül u.a., 2017).

Primäre Enuresis:

Enuresis ohne vorherige Phase der Trockenheit über mindestens 6 Monate.

Sekundäre Enuresis:

Enuresis mit vorheriger mindestens sechs Monate langer Phase ohne Einnässen.

Monosymptomatische Enuresis nocturna (MEN):

Enuresis ohne gleichzeitig bestehende Symptome der Harnblasendysfunktion.

Nicht-monosymptomatische Enuresis nocturna (NMEN):

Enuresis mit gleichzeitig bestehenden Symptomen der Harnblasendysfunktion (überaktive Blase, Dranginkontinenz, Miktionsaufschub, Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination, Defäkationsbeschwerden oder unteraktive Blase = lazy bladder).

Kindliche Inkontinenz:

Überbegriff und beinhaltet alle Formen der Harninkontinenz aufgrund Fehlbildungen, Infektionen, neurologischen Erkrankungen und Harnblasenfunktionsstörungen. Veraltete Synonyme: Enuresis nocturna und diurna, komplizierte Enuresis, Enuresis diurna (Hjalmas u.a., 2004) (Palmtag, 1999) (Schultz-Lampel und Thüroff, 2000).

Nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz:

Intermittierendes Einnässen am Tage ohne Schlaf, nach Ausschluß von organischen Ursachen.

Kontinuierliche Harninkontinenz:

Fast ausschließlich organisch bedingte Harninkontinenz ohne Phasen der Trockenheit.

Epidemiologie der Enuresis

  • 15 % der Kinder über 5 Jahre haben eine Enuresis oder kindliche Harninkontinenz. Die Spontanheilungsrate beträgt jährlich 15 % bis zur Pubertät, die Prävalenz liegt dann unter 2 %. Die Enuresis kann selten bis ins Erwachsenenalter persistieren.
  • Jungen : Mädchen = 2:1
  • Etwa 25% der Kinder zeigen eine sekundäre Enuresis, die monosymptomatische Enuresis tritt in ca. 2/3 der Fälle auf.

Ursachen der Enuresis

Die Enuresis ist eher ein Symptom als eine umschriebene Krankheit, viele ätiologische Faktoren werden verantwortlich gemacht. Im Einzelfall lassen sich nicht alle Komponenten nachweisen. Die Fähigkeit des Kindes, nächtliche Kontrolle über die Harnblasenfunktion zu erlernen, scheint bei enuretischen Kindern verzögert zu sein. Manche unten beschriebenen Auffälligkeiten sind ein normaler Bestandteil der Entwicklung und können (zeitlich früher) bei kontinenten Kindern nachgewiesen werden.

Unreife des ZNS:

in Abhängigkeit von der ZNS-Reife gibt es unterschiedliche Enuresis-Formen, welche nach der jeweiligen Weckreaktion und der Harnblasenstabilität vor dem enuretischen Ereignis unterschieden werden (keine Weckreaktion, instabile Harnblase – geringe Weckreaktion, stabile Harnblase – starke Weckreaktion, stabile Harnblase). Im Verlauf entwickeln enuretische Kinder immer stärkere Weckreaktionen vor dem Einnässen. Dies spricht für eine Unreife des ZNS, die Harnblasenfüllung zu erkennen und den Miktionsreflex zu unterdrücken.

Störungen der Vasopressinsekretion:

der zirkadiane Rhythmus der Vasopressinsekretion führt zu einer Halbierung der Urinproduktion in der Nacht. Viele Kinder mit Enuresis haben einen gestörten Rhythmus der Vasopressinsekretion, die nächtliche Urinproduktion übersteigt die Harnblasenkapazität und führt zum Einnässen.

Die Vasopressinausschüttung wird u.a. durch die Harnblasenfüllung stimuliert, so kann die nächtliche Harnblasenentleerung bei enuretischen Kindern die niedrige nächtliche Vasopressinkonzentration erklären. Weiterhin kann die gestörte Vasopressinsekretion Ausdruck einer verzögerten ZNS-Reife sein.

Miktionsfehlverhalten oder dysfunktionelle Miktion:

Ohne anatomische Störungen kann ein Miktionsfehlverhalten zu Miktionsbeschwerden und Enuresis führen: das Verzögern der Miktion führt zu einem erhöhten Sphinktertonus, welcher beim Toilettengang nicht mehr ausreichend relaxiert. Die entstehende funktionelle subvesikale Obstruktion führt im Verlauf zu einer Detrusorhypertrophie, zu Harnblaseninstabilität, Enuresis und Dranginkontinenz.

Familiäre Faktoren der Enuresis:

Die Wahrscheinlichkeit für eine Enuresis beträgt 77 %, wenn beide Eltern enuretisch waren oder 43 %, wenn ein Elternteil enuretisch war. Ohne familiäre Belastung beträgt die Wahrscheinlichkeit 15 %. Das Vererbungsmuster spricht für einen autosomal-dominanten Erbgang mit hoher Penetranz von etwa 90%. Neben dem ENUR-1-Gen auf den Chromsom 13 sind weitere Gene auf den Chromosomen 12 und 22 beschrieben worden (Gontard u.a., 2001).

Psychiatrische Begleiterkrankungen:

Psychiatrische Begleiterkrankungen sind häufiger bei nicht-monosymptomatischer Enuresis als bei MEN. Rückfälle oder Krankheitsauslöser können durch bedeutende Lebensereignissen wie Trennung der Eltern oder Geburt eines Geschwisterkindes ausgelöst werden. Die häufigsten Begleiterkrankungen ist das ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), Störungen des Sozialverhaltens, Depression und Angststörungen.

Gastroenterologische Begleiterkrankungen:

Obstipation und Stuhlinkontinenz sind häufig mit kindlicher Harninkontinenz oder nicht-monosymptomatischer Enuresis assoziiert. Als Ursache ist zunächst die auf verschiedenen Ebenen verknüpfte nervale Steuerung der Harnblasen- und Enddarmentleerung. Weiterhin verursachen retrovesikale Stuhlmassen eine Harnblasenkompression mit Begünstigung von Restharn und Detrusorüberaktivität.

Klinik der Enuresis

Bei der Enuresis (nocturna) sollen folgende vier Formen unterschieden werden (Enuresis S2 Leitlinie), siehe Abschnitt Definitionen:

  • primär mononsymptomatisch
  • primär nicht-monosymptomatisch
  • sekundär monosymptomatisch
  • sekundär nicht-monosymptomatisch

Diagnose der Enuresis

Basisdiagnostik:

Die Häufigkeit und der Verlauf der unkomplizierten Enuresis gebietet, die initiale Diagnostik auf ein Minimum an Notwendigem zu reduzieren. Die Basisdiagnostik soll erreichen, dass eine organisch bedingte Harninkontinenz ausgeschlossen wird. Weiterhin sollte die Inkontinenz tagsüber einer der Formen der funktionellen Blasendysfunktion zugeordnet werden und eine MEN sollte von einer NMEN abgegrenzt werden.

Anamnese:

Entscheidend für die Diagnose Enuresis ist das Fehlen von Symptomen, welche auf eine urologische oder neurologische Erkrankung hinweisen. Typischerweise aber nicht obligat besteht eine nächtliche Inkontinenz ohne Symptome am Tag wie Inkontinenz, Pollakisurie, rezidivierende Harnwegsinfektionen oder Harnverlust. Gezielt ist nach Frühgeburtlichkeit, Symptomen der Stuhlentleerung, neurologischen Beschwerden oder psychiatrischen Auffälligkeiten zu fragen.

Miktionstagebuch:

Nach einer Anleitung werden für 2 Tage das Trinken (Uhrzeit, Volumen), die Miktion (Uhrzeit, Volumen) und die Defäkation (Uhrzeit) mit Hilfe eines Miktionstagebuch dokumentiert. Zusätzlich erfasst werden der Zeitpunkt von Drangsymptomen, Harninkontinenz oder Einkoten. Weiterhin wird über einen Zeitraum von zwei Wochen die Häufigkeit von Harninkontinenz (tags/nachts) und die Stuhlfrequenz mit evtl. bestehenden Auffälligkeiten aufgeschrieben (einfache Strichliste).

Urin:

Sediment und Urinkultur zum Ausschluss eines Harnwegsinfektes.

Ultraschall:

Detektion von Miktionsstörungen (Dicke der Harnblasenwand über 5 mm? Restharn?). ADetektion von Stuhlverhalt (Durchmesser Rektum >3 cm? Impression der Harnblase?). Ausschluss von pathologischen Befunden am oberen Harntrakt (Nierengröße? Harnstau? Parenchymnarben?).

Weiterführende Diagnostik:

Kinder mit monosymptomatischer Enuresis benötigen keine weitere Diagnostik. Bei auffälligen Befunden in den vorangegangenen Untersuchungen oder bei frustraner Therapie sind weiterführende Untersuchungen notwendig: Harnstrahlmessung mit Beckenboden-EMG, MCU, Urodynamik, Nierenszintigraphie, Urogramm, Zystoskopie. Andere Fachdisziplinen wie Gastroenterologie, Psychiatrie oder Nephrologie sollten bei genannten Symptomen konsultiert werden.

Differentialdiagnose

Funktionelle nicht-organische Harnblasendysfunktion mit Inkontinenz, Schlafapnoesyndrom durch Obstruktionen der oberen Atemwege (Tonsillenhypertrophie, Adipositas), organisch (anatomisch oder neurogen) bedingte Formen der Harninkontinenz wie Doppelniere mit ektop mündendem Ureter (v.a. Mädchen), vaginaler Influx, Harnröhrenklappen beim Jungen, Epispadie, Blasenekstrophie, Kloakenfehlbildungen, sakrale Fehlbildungen, spinale Anomalien, Spina bifida, Frühgeburtlichkeit, Traumata, Tumoren und entzündliche Prozesse.

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Literatur Enuresis

S2 Leitlinie auf AWMF.org: Enuresis und nicht-organische (funktionelle) Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen
von Gontard, A.; Schaumburg, H.; Hollmann, E.; Eiberg, H. & Rittig, S. The genetics of enuresis: a review.
J Urol, 2001, 166, 2438-2443.
Hjalmas, K.; Arnold, T.; Bower, W.; Caione, P.; Chiozza, L. M.; von Gontard, A.; Han, S. W.; Husman, D. A.; Kawauchi, A.; LAckgren, G.; Lottmann, H.; Mark, S.; Rittig, S.; Robson, L.; Walle, J. V. & Yeung, C. K. Nocturnal enuresis: an international evidence based management strategy.

Bettnässen

Behandlung

Zunächst gilt, dass Kinder unter 5 Jahren keine ärztliche Therapie gegen Bettnässen benötigen. Für Kinder ab 6 Jahren, wie im Übrigen auch für Erwachsene, gibt es eine Vielzahl von Erfolg versprechenden Behandlungsansätzen.

Grundsätzlich beginnt die Behandlung von Bettnässen mit allgemeiner Beratung, Beruhigung und Motivationsaufbau. Außerdem gibt es eine wirksame medikamentöse Therapie mit Nasenspray oder Tabletten. Hierbei wird gegebenenfalls das körpereigene Wasserrückhalte-Hormon (antidiuretisches Hormon; ADH, auch Vasopressin genannt) als synthetisch hergestellter Wirkstoff Desmopressin ersetzt. Das antidiuretische Hormon (ADH) ist unter anderem für die Urinkonzentration in der Niere verantwortlich. Auch Blasentraining mit gezielten Übungen stellt eine bewährte Behandlung dar.

Hinzu kommen Hilfsmethoden wie die sogenannten Klingelhosen. Das ist ein mit der Windel oder Unterhose verbundener Weckapparat, der sich meldet, sowie der erste Tropfen Urin abgesondert wird.

Psychologische Therapie von Bettnässen

Sind Psychologen und Psychiater wichtig für eine Therapie gegen Bettnässen? Diese Frage ist zu bejahen, wenn Kinder unter dem Einnässen leiden. Oft schämen sich Kinder und sind enttäuscht über sich selber. Wenn sie dann im Freundeskreis oder sogar im ärztlichen oder familiären Umkreis auf Unverständnis stoßen, kann dies zu starken seelischen Belastungen führen. Mit Sicherheit gilt bei Kindern, die nie trocken waren: Nicht seelische Belastungen führen zum Einnässen, sondern das Einnässen führt zu seelischen Belastungen. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist eine Behandlung bei einem spezialisierten Kinderpsychologen die richtige Wahl.

Selbsthilfe: Das können Eltern tun

Bewahren Sie Ruhe. Viele Eltern machen sich unberechtigte Sorgen. Hierzu kommt die Angst, dass das Kind seelische Probleme oder organische Krankheiten hat. All das ist häufig unnötig. In den meisten Fällen liegt keine organische Erkrankung vor. Das nächtliche Einnässen wird in der Regel nicht durch seelische Probleme hervorgerufen und hat auch nichts mit falscher Erziehung zu tun. Die folgende Liste hilft Ihnen, die geeigneten Maßnahmen gegen Bettnässen zu ergreifen und gibt Tipps.

  • Beraten Sie sich bei anhaltendem Bettnässen mit Ihrem Kinderarzt und besprechen Sie mit ihm auch, ob eine psychologische Beratung notwendig sein sollte.
  • Stärken Sie das Selbstwertgefühl Ihres Kindes.
  • Sorgen Sie für eine entspannte häusliche Atmosphäre.
  • Bettnässen sollte niemals bestraft werden.
  • Vor dem Schlafengehen und evtl. einmal während der Nacht sollten Sie mit dem Kind zur Toilette gehen.
  • Setzen Sie Hilfsmittel (Feuchtigkeitsalarmgeräte) wie eine Klingelhose ein.
  • Motivieren Sie Ihr Kind und freuen Sie sich gemeinsam über kleine Erfolge. Positive Kartensymbole (Sonnen für trockene und Regenwolken für „nasse“ Tage) helfen dabei.
  • Vermeiden Sie nach Möglichkeit, dass Ihr Kind bei Freunden übernachtet. Das führt zum Erfolgszwang und Bettnässen könnte programmiert sein. Hänseleien der Kinder wären die Folge.
  • Kinder werden im Sommer schneller trocken als im Winter. Bei Wärme können sie nämlich die Schließmuskeln der Blase besser kontrollieren als bei Kälte.

Enuresis

Enuresis: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Man unterscheidet zwei Hauptformen der Enuresis: Die monosymptomatischen Enuresis nocturna (MEN) und die nicht-monosymptomatische Enuresis Nocturna (Non-MEN). Selten sind auch körperliche (organische) Ursachen für die Enuresis verantwortlich. Nicht zuletzt sollte auch möglicherweise zugrunde liegenden psychischen Problemen Aufmerksamkeit geschenkt werden:

Monosymptomatischen Enuresis Nocturna (MEN)

Woher das isolierte nächtliche Bettnässen ohne weitere Symptome tatsächlich kommt, ist nach momentanem Stand der Wissenschaft nicht sicher. In vielen Fällen liegt eine verzögerte Entwicklung der Steuerungsfähigkeit der Blasenkontrolle durch das Gehirn vor. Durch die Kombination mit einer oft zusätzlich auftretenden nächtlichen Urinüberproduktion kommt es zum Einnässen. Sicherlich spielt bei Enuresis auch die Vererbung eine wesentliche Rolle. Grundsätzlich dürfte häufig eine Kombination der hier genannten Ursachen der Auslöser sein:

  • Reifeverzögerung bei Steuerung der Blasenkontrolle Es wird vermutet, dass beim Einnässen bei Kindern eine verzögerte Reifung jener Nervenstrukturen vorliegt, die für die Kontrolle der Blase zuständig sind. Möglicherweise ist bei diesen Kindern die Verbindung zwischen verschiedenen Gehirnbereichen noch nicht voll entwickelt und eine willkürliche Blasenkontrolle im Schlaf noch nicht möglich.
  • Störung der Tagesrhythmik bei der ADH-Sekretion Das sogenannte Antidiuretische Hormon (ADH) wird von der Hypophyse im Gehirn gebildet und der inneren Uhr folgend (zirkadian) ausgeschüttet. Normalerweise wird es vor allem nachts freigesetzt und sorgt dafür, dass während des Schlafs weniger Urin produziert wird. Bei der Enuresis liegt häufig ein Mangel an diesem Hormon vor, wodurch mehr Urin produziert wird als die kindliche Blase halten kann. Typischerweise bleibt das Bettnässen aus, wenn dem Kind das Hormon vom Arzt in künstlicher Form als Medikament (Desmopressin) verbreicht wird.

  • Familiäre Veranlagung (Genetische Disposition) Seit den 1930er Jahren wird die Vererbung der Enuresis untersucht. Neuere molekulargenetische Untersuchung belegen, dass Bettnässen tatsächlich vererbt werden kann. Allerdings ist auch dann von einem Ineinandergreifen von Umwelteinflüssen (beispielsweise seelische Beschwerden, problematisches Elternhaus) und Genetik auszugehen.
  • Schwere Erweckbarkeit aus Schlaf Mehrere Studien haben gezeigt, dass bettnässende Kinder schwer aus dem Schlaf erweckbar sind. Dies entspricht auch der Erfahrung vieler Eltern. Tiefer Schlaf ist an sich natürlich nichts Krankhaftes. Spürt das Kind aber durch den tiefen Schlaf den Harndrang oder seine vollgefüllte Blase nicht, kann es zum Bettnässen kommen.
  • Geringe Blasenkapazität Hierbei geht man davon aus, dass die kindliche Blase ein zu geringes Fassungsvermögen für den produzierten Urin hat. Eventuell wird auch zu viel Urin für eine normal große Harnblase gebildet (Polyurie) oder eine möglichst vollständige Entleerung der Harnblase misslingt, wodurch sogenannter Restharn verbleibt. Die Harnblase ist somit rasch wieder gefüllt, Enuresis ist die Folge.
  • Fehlerhafte Trinkgewohnheiten Wenn vor dem Zubettgehen zu viel Flüssigkeit getrunken wird, kann dies ebenfalls zu Enuresis führen. In einer Studie konnte ab Mengen von 25 Millilitern Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht Einnässen bei Kindern ausgelöst werden.

Nicht-monosymptomatische Enuresis Nocturna (Non-MEN)

Von dieser Form spricht man, wenn neben dem Einnässen in der Nacht das Einnässen auch tagsüber auftritt oder weitere Beschwerden der unteren Harnwege hinzukommen.

  • Überaktive Blase: Hierbei tritt ein kaum zu unterdrückender Harndrang auf. Tagsüber gelingt es zum Teil noch, den Harndrang zu kontrollieren. Fällt im Schlaf diese Kontrolle aber weg, kommt es zur Enuresis. Forscher vermuten, dass die sogenannte überaktive Blase beim Kind und beim Erwachsenen jeweils unterschiedliche Gründe hat.
  • Mangelnde Blasenentleerung durch Beckenbodenanspannung während des Wasserlassens („Dyskoordinierte Miktion“) oder eine verengte Harnröhre Bettnässen kann auch als Folge einer mangelnden Blasenentleerung auftreten. Häufig ist hier die Beckenbodenmuskulatur zu sehr angespannt, was das Wasserlassen erschwert. Diese Anspannung rührt zum Beispiel von einer falschen Sitzhaltung auf der Toilette oder Schmerzen beim Wasserlassen her. Auch (meist angeborene) Verengungen der Harnröhre oder sogenannte Harnröhrenklappen können den Urinabfluss aus der Blase behindern. Charakteristisch für diese Ursachen ist, dass der Harnstrahl sehr abgeschwächt ist. Gleichzeitig treten oft Harnwegsinfektionen und – bei einer dyskoordinierten Miktion – Darmentleerungsstörungen auf.
  • Aufschub des Wasserlassens („Miktionsaufschub“) Manchmal gewöhnen es sich Kinder an, den Urin ungewöhnlich lange zu halten. Nach einiger Zeit kommt es möglicherweise zu Anpassungsvorgängen in der Blase. In der Folge löst selbst eine deutlich gefüllte Harnblase keinen Harndrang mehr aus. Im Schlaf entleert sich die Blase dann unbemerkt.

Körperliche Erkrankungen (organische Ursachen)

Körperliche Erkrankungen als Ursache einer Enuresis beziehungsweise des Einnässens am Tag sind selten. Dennoch muss der Arzt dies abklären, besonders wenn die Symptome trotz Therapie erhalten bleiben. So kann das ständige Herausträufeln von geringen Urinmengen auf eine Nierendoppelanlage hinweisen. Starker Durst und ein damit verbundenes massives Trinkbedürfnis sind bei einem Diabetes insipidus zu finden. Bei dieser Störung produziert die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) nicht genug Antidiuretisches Hormon (ADH). Auch Erkrankungen des Nervensystems (neurologische Erkrankungen) und angeborene Fehlbildungen kommen infrage.

Zusammenhang mit psychischen Auffälligkeiten

Eine Enuresis, beziehungsweise das Einnässen am Tag und relevante Verhaltensstörungen treten Schätzungen zufolge in etwa 40 Prozent der Fälle gemeinsam auf. Dabei kann das ungewollte Wasserlassen sowohl Folge als auch Ursache der Verhaltensstörungen sein: Beispielsweise kann das Einnässen durch Ängste oder ungewohnte Lebensumstände ausgelöst werden (Umzug, Scheidung der Eltern, Schulwechsel, etc.)
Andererseits löst das Einnässen manchmal Verhaltensstörungen erst aus, da sich das Kind schämt, weil es deswegen gehänselt wird oder sogar Strafen seitens der Eltern ausgesetzt ist. Ein Zusammenhang mit psychischen Störungen ist vor allem beim Einnässen am Tage oder bei sekundärer Enuresis gegeben. Bei der primären Non-MEN gibt es dagegen meist keinerlei Zusammenhang zwischen Enuresis und psychischen Auffälligkeiten.

Einnässen am Tag

Der Ausdruck Enuresis bezeichnet nach den neuesten Vorschlägen der Internationalen Gesellschaft für kindliche Inkontinenz (ICCS) korrekterweise nur das Einnässen während der Nacht. Liegt ein Einnässen am Tag vor, spricht man von kindlicher Kontinenz. Mögliche Ursachen entsprechen weitgehend denen der nicht-monosymptomatische Enuresis nocturna (Non-MEN).

Wesentlicher Unterschied in Hinsicht auf die Enuresis ist, dass beim Einnässen am Tag häufiger Verhaltensstörungen und auch körperliche Erkrankungen als Ursachen zum Tragen kommen. Nässt Ihr Kind tagsüber oder sowohl am Tag als auch in der Nacht ein, ist eine ärztliche Abklärung mit Nachdruck zu empfehlen.

Sonderfall: Bettnässen bei Erwachsenen

Man nimmt an, dass auch circa ein Prozent der Erwachsenen von Enuresis betroffen sind. Wie bei Kindern können unterschiedlichste Ursachen dafür verantwortlich sein. Beispielsweise beobachtet man auch hier gelegentlich eine verzögerte Reifung im Gehirn. Die Aussichten, dass sich das Problem im Erwachsenenalter „von alleine“ löst, sind allerdings äußerst gering.

Auch ein Mangel an ADH kann ursächlich für eine Enuresis bei Erwachsenen sein. Weiterhin können psychische Belastungen (Stresssituationen, Ängste, etc.) zum Bettnässen führen. Grundsätzlich unterscheidet sich die Ursachenfindung und Behandlung zwischen Kindern und Erwachsenen aber deutlich. Sollten Sie als Erwachsener von Enuresis betroffen sein, ist ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt als erste Anlaufstelle sinnvoll.

  • Bettnässen – die Definition
  • Ursachen
  • Zahlen und Infos
  • Diagnostik
  • Therapie
  • Zusammenfassung

Bettnässen – die Definition

Bis zum Alter von fünf Jahren gilt es als normal, wenn Kinder nachts hin und wieder das Bett einnässen. Die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, definiert allerdings das Bettnässen als behandlungsbedüftige Erkrankung, wenn das Kind den fünften Geburtstag hinter sich hat und regelmäßig mindestens zweimal im Monat nachts unwillkürlich das Bett einnässt und organische Grunderkrankungen ausgeschlossen sind.

Der medizinische Fachbegriff hierfür lautet „Enuresis“ und beschreibt die nächtliche Inkontinenz, also das unwillkürliche Wasserlassen während des Schlafes.

Man unterscheidet zwischen der primären und der sekundären Enuresis. Nässt das Kind immer schon ein und war noch nie länger als sechs Monate trocken, so bezeichnet man das als primäre Enuresis.Als sekundäre Enuresis bezeichnet man es, wenn das Kind nach einer mindestens sechsmonatigen trockenen Phase wieder
einnässt. Die Ursachen der primären und der sekundären Enuresis sind meist verschieden.

Ursachen

Die Ursachen der Enuresis sind vielfältig und sie können sehr unterschiedlich sein.

Kein Erziehungsfehler!

Während man früher glaubte, dass Bettnässen das Resultat einer problematischen Familiensituation oder schlechten Erziehung sei, weiß man heute, dass das bei den allermeisten Kindern nicht zutrifft. Die primäre Enuresis, die häufigste Blasenentleerungsstörung beim Kind, hat in den allerseltensten Fällen psychische Ursachen – hingegen können seelische Störungen eher die Folge einer lang andauernden Nichtbehandlung sein.

Zu den möglichen Ursachen der primären Enuresis gehören:

  • Familiäre Veranlagung
    Die familiäre Komponente spielt bei der Enuresis eindeutig eine wichtige Rolle. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind von Enuresis betroffen ist, liegt bei 45%, wenn ein Elternteil betroffen war, und bei 77%, wenn beide Eltern selbst spät trocken geworden sind.
  • Reifeverzögerung
    Häufige Ursache ist eine Reifeverzögerung von Nervenstrukturen, die für die Blasententleerung wichtig sind. Dies geht einher mit einer Aufwachstörung des Kindes. Eltern haben dann häufig den Eindruck, ihr Kind schlafe extrem tief, und das Kind ist schlecht erweckbar.
  • Falsche Trinkgewohnheiten
    Wenn Kinder tagsüber zuwenig oder zuviel oder nicht über den Tag gleichmässig verteilt trinken, kann das zu Problemen mit der Blase und nächtlichem Einnässen führen.
  • Mangel eines für den Wasserhaushalt wichtigen Hormons (ADH)
    Nässt das Kind nachts größere Mengen ein, so kann das auf einen Mangel des Antidiuretischen Hormons hinweisen, welches die Aufgabe hat, die nächtliche Urinmenge zu reduzieren.
  • Geringe Blasenkapazität
    Auch eine zu geringe Blasenkapazität kann die Ursache für das nächtliche Einnässen sein.

Zu den möglichen Ursachen der sekundären Enuresis gehören:

  • Harnwegsinfekte, Diabetes o.ä.
  • Psychosoziale Faktoren wie z.B. familiäre oder schulische Belastungen und in sehr seltenen Fällen andere Erkrankungen.

Zahlen und Infos

Allein in Deutschland gibt es mehr als 640.000 Kinder über fünf Jahre, die nachts noch regelmäßig ihr Bett einnässen. Bettnässen ist nach Asthma die zweithäufigste chronische Erkrankung im Kindesalter.

Etwa 15% aller bettnässenden Kinder zwischen 5 und 15 Jahren werden jedes Jahr von allein trocken – das bedeutet aber auch, dass 85% dieser Kinder noch mindestens ein weiteres Jahr ihr Bett einnässen. Nur etwa 32% aller betroffenen Kinder werden überhaupt dem Arzt vorgestellt und erhalten eine angemessene Behandlung. Untersuchungen zeigen, dass 1-3% aller Jugendlicher und Erwachsener das Problem nie loswerden.

Viele Eltern berichten, dass ihre einnässenden Kinder besonders tief schlafen. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass diese Kinder gar nicht tief schlafen, sondern eher eine Aufwachstörung haben.

Die Probleme steigen mit zunehmendem Alter

Je älter die betroffenen Kinder bzw. die Jugendlichen sind, die noch einnässen, umso schwerwiegender ist das Problem.

Zum einen weiß man heute, dass die Kinder, je älter sie sind, umso häufiger nachts einnässen: von den 5-jährigen nässen etwa 14% jeden Tag in der Woche ein, und 56% haben weniger als drei nasse Nächte in der Woche. Von den 19-jährigen sind es 49%, die täglich einnässen, und nur 10% von ihnen haben weniger als drei nasse Nächte pro Woche.

Zum anderen weiß man auch, dass eine Behandlung der Kinder umso schwieriger wird, je älter sie sind.

Diagnostik

Die Weltgesundheitsorganisation definiert die Enuresis als behandlungsbedürftige Erkrankung bei Kindern ab dem vollendeten fünften Lebensjahr.

Wir wissen, dass die Therapie der Enuresis umso schwieriger wird, je länger die Erkrankung andauert, und wir wissen, dass es zahlreiche sinnvolle und erfolgreiche Therapien gibt. Daher ist es sinnvoll, dass Kinder, die mit fünf Jahren nachts noch regelmäßig einnässen, beim Kinderarzt vorstellig werden, damit frühzeitig über eine geeignete Therapie nachgedacht werden kann.

Der Arzt sollte bei diesen Kindern Infektionen, Fehlbildungen und andere organische Grunderkrankungen ausschließen und dann ggf. mit dem Kind und den Eltern besprechen, ob und welche Therapie und ab wann diese sinnvoll ist.

Wie sieht die Basisdiagnostik aus?

Eben weil die Ursachen und damit auch die Therapie der Enuresis so verschieden sein können, ist es notwendig, dass der Arzt eine sorgfältige Diagnostik durchführt. Dazu gehört:

  1. ein Anamnesegepräch, in dem u.a. abgefragt wird, seit wann das Kind einnässt, ob auch Tagesprobleme vorliegen, ob in der Familie jemand dasselbe Problem hat oder hatte;
  2. eine körperliche Untersuchung, um eine Fehlbildung oder neurologische Störung auszuschliessen;
  3. eine Ultraschalluntersuchung der vollen und der leeren Blase;
  4. eine Urinuntersuchung, um eine Infektion auszuschließen;
  5. die Auswertung eines Blasentagebuches, um den Ursachen der Enuresis näher zu kommen und ggf. ein Trinkfehlverhalten aufzuspüren.

Blasentagebuch

Das Blasentagebuch ist ein Protokoll, das für 3 bis 4 Tage (das können auch zwei Wochenenden sein) und für 14 (aufeinanderfolgende) Nächte geführt wird.

Hier wird vermerkt:

  • Wann steht das Kind morgens auf?
  • Wann geht das Kind zu Bett?
  • Wann geht das Kind zur Toilette?
  • Wann nässt das Kind ein?
  • Wieviel Urin lässt es?
  • Optimal ist es, relativ genau die Urinmengen zu ermitteln.
  • Wann, wieviel und was trinkt das Kind?
  • Besonderheiten wie Drangsymptome, Haltemanöver, Pressen oder stotternder Harnstrahl
  • Alle Informationen über die Darmentleerung
  • Wann hat das Kind Stuhlgang, ist dieser weich, hart, viel, wenig…

Weiterführende Untersuchungen sind nur sinnvoll, wenn bei dieser Basisuntersuchung irgendwelche Auffälligkeiten bemerkt werden.

Therapie

Falls zusätzlich zu einer monosymptomatischen Enuresis auch Tagessymptome auftreten wie z.B. Drangsymtome oder Inkontinenz, so sollten diese Symptome zuerst behandelt werden.

Liegt aber eine monosymptomatische primäre Enuresis vor, stehen je nach Ursache der Enuresis neben der Urotherapie laut den aktuellen internationalen Therapieleitlinien der European Association of Urology und der European Society for Paediatric Urology die

  • medikamentöse Therapie und die
  • Alarmtherapie

zur Verfügung und eine Kombination aus diesen oben genannten.

Urotherapie

Die Urotherapie besteht aus verschiedenen verhaltenstherapeutischen Methoden zur Behandlung von Stuhl- und Harninkontinenz sowie zur Therapie der Enuresis, wenn diese ursächlich mit einem falschen Trink- und Toilettenverhalten einhergeht.

Den Kindern und den Eltern werden in einem Gespräch die Abläufe im Körper erläutert, wie, was, wann und wieviel getrunken werden sollte und auch, wie und wie häufig das Kind auf die Toilette gehen sollte. Außerdem wird die Bedeutung des Blasentagebuches erklärt und wie dieses richtig geführt werden kann.

Medikamentöse Behandlung

Liegt eine monosymtomatische primäre Enuresis vor, war das Kind also noch nie länger als sechs Monate trocken und liegen keine anderen Blasenerkrankungen oder Tagessymptome vor, und wenn das Kind nachts zuviel Urin ausscheidet, die Enuresis in der Familie gehäuft auftritt oder wenn keine weiteren Symptome gefunden werden, dann empfehlen die internationalen Therapieleitlinien die Therapie mit Desmopressin.

Der pharmakologische Wirkstoff Desmopressin ist dem körpereigenen Vasopressin nachgebildet. Vasopressin sorgt in der Niere dafür, dass wir nachts weniger Urin bilden.

Das Medikament wird als Tablette oder als Schmelztablette über den Zeitraum von etwa drei Monaten gegeben. Längerfristiges Ziel einer Desmopressintherapie ist es, die körpereigene Produktion des Vasopressins anzukurbeln.

Der Erfolg der Desmopressintherapie ist davon abhängig, ob und wie das Medikament ausgeschlichen wird. Nach einer dreimonatigen Einnahme beginnt man mit dem strukturierten Ausschleichen, indem die Einnahmeintervalle langsam verlängert werden. Nach diesem Einnahmeschema bleiben mehr als 84% Kinder langfristig trocken.

Da Desmopressin die Wasserausscheidung reduziert, darf nach der Einnahme des Medikamentes am Abend nichts mehr getrunken werden. Wenn sich das Kind nicht an die Flüssigkeitsrestriktion hält, besteht die Gefahr der Überwässerung.

Alarmtherapie

Das Prinzip der so genannten Alarmtherapie beruht auf einem lerntheoretischen Konzept, um eine Verhaltensänderung anzustreben.

Für die Alarmtherapie benötigt man ein Weckgerät, bestehend aus einem Feuchtigkeitssensor, der in einer Unterhose, Windeleinlage oder Matratzenauflage befestigt ist und beim ersten Tropfen Urin einen Alarm auslöst. Durch diesen Alarm soll das Kind geweckt und der Miktionsreflex unterbrochen werden. Die restliche Blasenentleerung soll dann auf der Toilette stattfinden.

Für eine Alarmtherapie ist in hohem Maße die Compliance von Kind und Eltern notwendig. Viele Kindern wachen von dem Alarm nicht von allein auf. Sie müssen dann sofort, nachdem der Alarm ertönt, von den Eltern vollständig geweckt und zur Toilette begleitet werden. Die Alarmtherapie hat, wenn sie richtig eingesetzt und von der Familie richtig angewendet wird, Erfolgsraten von 40 bis 80%.

Eine Alarmtherapie ist nicht sinnvoll, wenn die nächtliche Ausscheidungsmenge des Kindes die Blasenkapazität überschreitet.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass viel mehr auch ältere Kinder vom Bettnässen betroffen sind, als die meisten Menschen glauben. In den seltensten Fällen sind seelische Probleme die Ursache des nächtlichen Einnässens; allerdings können seelische Probleme durchaus die Folge einer länger andauernden und unbehandelten Enuresis sein.

Es gibt erfolgreiche und sinnvolle Therapien, die umso wirksamer und einfacher sind, je früher das Kind behandelt wird (aber nicht vor dem vollendeten fünften Lebensjahr).

Eine Therapieempfehlung kann der Arzt nur individuell nach einer ausführlichen Diagnostik aussprechen. Für eine gute Diagnostik ist die Auswertung eines Blasentagebuches absolut notwendig.

Autorin

Gabriele Grünebaum
Initiative Trockene Nacht e.V.
Hahnenbach 1
51570 Windeck

Telefon 0700-ENURESIS (0700-36873747)

E-Mail

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Erstellt am 28. November 2011, zuletzt geändert am 28. November 2011

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