Beschäftigungsverbot in der schwangerschaft

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Berufsverbot und Beschäftigungsverbot – wann wird es erteilt?

Auch wenn die Begriffe Berufsverbot und Beschäftigungsverbot oftmals synonym verwendet werden, beschreiben sie doch zwei unterschiedliche Sachverhalte. Während das Berufsverbot dem Schutz der Allgemeinheit dient, soll ein Beschäftigungsverbot konkret einen Arbeitnehmer schützen. Gewisse Punkte gibt es in beiden Fällen zu beachten.

Berufsverbot – Definition und Beispiele

Jeder, der einem Beruf nachgeht, muss den damit jeweils verbundenen Pflichten nachkommen. Tut er dies nicht, muss er die damit verbundenen Konsequenzen tragen. Handelt es sich um besonders schwere Rechtsverstöße, kann durch das Gericht auch ein Berufsverbot verhängt werden. Unter einem Berufsverbot ist also eine strafrechtliche Maßnahme zu verstehen, wenn der Betroffene seine beruflichen Pflichten grob verletzt oder seinen Beruf ausnutzt.


Berufsverbot gemäß § 70 StGB (© blende11.photo / fotolia.com)Das Berufsverbot wird zum einen als Strafe für den begangenen Rechtsverstoß verhängt, dient aber zugleich auch dem Schutz der Allgemeinheit vor weiteren vergleichbaren Rechtsverstößen.

Die Dauer eines Berufsverbots hängt dabei vor allem von der Schwere der Tat ab und davon, ob es wahrscheinlich scheint, dass weitere Rechtsverstöße begangen werden. Ein einjähriges Berufsverbot ist ebenso möglich wie ein mehrjähriges oder gar lebenslängliches Berufsverbot.

Wurde ein Berufsverbot verhängt, darf der Betroffene in dieser Zeit den jeweiligen Beruf sowie den Berufszweig allgemein bzw. das Gewerbe oder den Gewerbezweig nicht mehr ausüben. Er kann das Berufsverbot auch nicht dadurch umgehen, dass er für einen anderen Arbeitgeber als den bisherigen arbeiten möchte. Die rechtliche Grundlage des Berufsverbots findet sich in § 70 StGB: „Wird jemand wegen einer rechtswidrigen Tag, die er unter Mißbrauch seines Berufs oder Gewerbes oder unter grober Verletzung der mit ihnen verbundenen Pflichten begangen hat, verurteilt oder nur deshalb nicht verurteilt, weil seine Schuldunfähigkeit erwiesen oder nicht auszuschließen ist, so kann ihm das Gericht die Ausübung des Berufs, Berufszweiges, Gewerbes oder Gewerbezweiges für die Dauer von einem Jahr bis zu fünf Jahren verbieten, wenn die Gesamtwürdigung des Täters und der Tat die Gefahr erkennen lässt, dass er bei weiterer Ausübung des Berufs, Berufszweiges, Gewerbes oder Gewerbezweiges erhebliche rechtswidrige Taten der bezeichneten Art begehen wird. Das Berufsverbot kann für immer angeordnet werden, wenn zu erwarten ist, dass die gesetzliche Höchstfrist zur Abwehr der von dem Täter drohenden Gefahr nicht ausreicht.“

Der Verstoß gegen das verhängte Berufsverbot wird als Straftat geahndet. Als zu erwartende Strafe wird eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr ausgesprochen.

Ein Berufsverbot kann grundsätzlich in jeder Branche verhängt werden. Berufsverbote folgender Berufsgruppen schaffen es aufgrund großem öffentlichem Interesse jedoch regelmäßig immer wieder in die Medien.

Berufsverbot für Rechtsanwälte

Ein Berufsverbot für einen Rechtsanwalt kann beispielsweise dann verhängt werden, wenn dieser im Widerspruch zu den Interessen seines Mandanten gehandelt hat oder er die juristische Unkenntnis seiner Mandanten zu seinem Vorteil ausgenutzt hat. Zudem benötigen Rechtsanwälte für ihre Tätigkeit eine Zulassung. Die zuständige Rechtsanwaltskammer kann diese Zulassung u.a. bei groben Berufsrechtsverstößen wieder entziehen.

Berufsverbot für Ärzte


Approbationsentzug bedeutet Berufsverbot für Ärzte (© Kzenon / fotolia.com)Ist einem Arzt ein grober Behandlungsfehler bei seinem Patienten zuzurechnen, kann ein Berufsverbot gegen ihn ausgesprochen werden. Der Arzt darf dann für die Dauer des Verbots nicht mehr als solcher arbeiten, das gleiche gilt im Falle eines Approbationsentzugs. Sowohl Berufsverbot als auch der Entzug der Approbation werden als Maßnahmen verhängt, um die Patienten vor dem Arzt zu schützen. Das Berufsverbot wird durch das Gericht verhängt, wenn der Arzt verurteilt wird. Das Berufsverbot setzt also stets eine Verurteilung voraus. Zudem kann das Berufsverbot sich auch nur auf eine bestimmte Art des ärztlichen Handelns beziehen. Zum Beispiel kann dem Arzt untersagt werden, künftig Betäubungsmittel zu verordnen. Für die Entziehung der Approbation ist hingegen die jeweilige Bezirksregierung zuständig. Eine gerichtliche Verurteilung ist hierfür nicht erforderlich, es reicht auch bereits eine Verfehlung des Arztes.

Berufsverbot in der Pflege und für Krankenschwestern

Pflegekräfte in der Alten- und Krankenpflege sind verschiedenen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt und können bei einer eigenen Erkrankung auch selbst zum Risiko für die Heimbewohner werden. Es kann daher aus unterschiedlichen Gründen zu einem Beschäftigungsverbot in der Pflege kommen.

Schwangere dürfen viele Tätigkeiten, die typisch für einen Pflegeberuf sind, nicht mehr verrichten, beispielsweise das Heben von Patienten oder der Umgang mit chemischen Substanzen. Daher kommt es in der Regel zu einem Beschäftigungsverbot für Schwangere in der Pflege oder in Krankenhäusern. Zu einer Aberkennung der Führung der Berufsbezeichnung kann es zudem kommen, wenn durch die Pflegekraft oder Schwester ein schwerwiegender Fehler begangen wurde, der Leib und Leben der Patienten und Bewohner gefährdet.

Wird die Führung der Berufsbezeichnung aberkannt, ist dies einem Berufsverbot gleichzusetzen, da ohne die Führung der Berufsbezeichnung keiner entsprechenden Beschäftigung mehr nachgegangen werden kann. Bei sehr schwerwiegenden Pflegefehlern kann auch ein komplettes Berufsverbot verhängt werden. Dies wäre etwa bei falsch verabreichten Medikamenten und Infusionen der Fall.

Und auch bei Anwendung von Gewalt in der Pflege kann ein Berufsverbot verhängt werden, das mit einer entsprechenden Verurteilung für die Taten einhergeht. Ein weiterer Grund für ein Berufsverbot im Bereich Pflege kann Urkundenfälschung sein. Pflegekräfte haben die Pflicht, eine individuelle Pflegedokumentation zu führen. Wird diese gefälscht, um beispielsweise eine vorteilhaftere Pflegestufe zu erreichen, kann dies die Berufszulassung kosten.

Berufsverbot für Lehrer / Erzieher

Ein möglicher Grund für ein Berufsverbot eines Lehrers kann im sexuellen Missbrauch der ihm anvertrauten Schüler liegen. So wurde gegen einen Lehrer aus dem Raum Koblenz ein Berufsverbot verhängt, nachdem er eine Schülerin sexuell missbraucht hatte. In der Begründung hierzu hieß es u.a., der Lehrer habe „im Kernbereich seiner dienstlichen Pflichten versagt.“ Der Lehrer wurde als nicht geeignet für seinen Beruf eingestuft und wurde deshalb aus dem Dienst entfernt.

Fachanwalt.de-Tipp: Wem ein Berufsverbot droht, sollte sich an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht wenden. Der Anwalt kann für seinen Mandanten Akteneinsicht beantragen und eine möglicherweise rechtswidrige Verhängung des Berufsverbots überprüfen.

Beschäftigungsverbot – Definition

Anders als das Berufsverbot, dient das Beschäftigungsverbot nicht dem Schutz der Allgemeinheit, sondern dem des konkreten Arbeitnehmers. Die Begriffe Berufsverbot und Beschäftigungsverbot werden oftmals synonym verwendet, unterscheiden sich jedoch in ihrer grundlegenden Zielsetzung und beschreiben auch gänzlich unterschiedliche Maßnahmen.

Während das Berufsverbot als Konsequenz für einen Rechtsverstoß gerichtlich verhängt wird, wird das Beschäftigungsverbot durch einen Arzt ausgesprochen. Ziel des Beschäftigungsverbots ist es, die Gesundheit des Arbeitnehmers zu schonen, indem ihm untersagt wird, entweder unter bestimmten Arbeitsbedingungen zu arbeiten oder generell jeglicher Arbeit nachzugehen. Ein Beschäftigungsverbot wird häufig auf Grundlage des Jugendarbeitsschutzgesetzes oder des Mutterschutzgesetzes ausgesprochen.

Generelles Beschäftigungsverbot

Während ein Arzt ein individuelles Beschäftigungsverbot aussprechen kann, kann durch den Arbeitgeber ein generelles Beschäftigungsverbot erfolgen. Dieses beruht nicht auf gesundheitlichen Problemen der werdenden Mutter, die es ihr nicht mehr möglich machen, eine Tätigkeit auszuüben. Vielmehr beruht ein generelles Beschäftigungsverbot auf § 11 Mutterschutzgesetz: „Der Arbeitgeber darf eine schwangere Frau keine Tätigkeiten ausüben lassen und sie keinen Arbeitsbedingungen aussetzen, bei denen sie in einem Maß Gefahrstoffen ausgesetzt ist oder sein kann, dass dies für sie oder für ihr Kind eine unverantwortbare Gefährdung darstellt.“

§ 11 Mutterschutzgesetz regelt auch, welche Tätigkeiten verboten sind. Neben dem Arbeiten mit verschiedenen Gefahrstoffen, ist es auch untersagt, dass Schwangere bei starker Hitze, Kälte, Nässe oder auch Lärm arbeiten.

Ein generelles Beschäftigungsverbot trifft in der Regel auch Erzieherinnen, Krankenschwestern und Altenpflegerinnen, da sie einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Der Arbeitgeber steht hierbei in der Pflicht, die Arbeitsbedingungen bezüglich einer möglichen Gefährdung der Schwangeren zu beurteilen. Er muss zudem in Eigenverantwortung die entsprechenden Schutzmaßnahmen ergreifen. Kommt er zu dem Schluss, dass der Arbeitsplatz für die schwangere Mitarbeiterin nicht geeignet ist, kann er Arbeitsbedingungen und/oder Arbeitszeiten umgestalten, die Schwangere auf einen anderen Arbeitsplatz umsetzen oder, wenn all dies nicht möglich ist, sie von der Arbeit freistellen. Ein ärztliches Attest braucht es für die Freistellung nicht.

Individuelles Beschäftigungsverbot

Vor allem innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen kann es zu körperlichen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Unwohlsein kommen. Auch andere Beschwerden sind möglich, etwa Rückenschmerzen und Sodbrennen. Wenn die Beschwerden dafür sorgen, dass die Arbeit für die Schwangere erschwert wird oder mögliche Gefahren mit sich bringen, kann durch einen Arzt ein individuelles Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden. Liegt den Beschwerden nicht die Schwangerschaft, sondern eine Krankheit zugrunde, wird kein Beschäftigungsverbot erteilt, sondern der Arzt stellt eine gewöhnliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus.

Teilweises Beschäftigungsverbot

Es liegt im Ermessen des Arztes zu beurteilen, welche beruflichen Tätigkeiten in welchem Umfang und wie lange die werdende Mutter nachgehen kann, ohne dass eine Gefährdung für Mutter und Kind gegeben ist. Möglich ist es somit auch, dass ein teilweises Beschäftigungsverbot erteilt wird.

Gründe

Im Folgenden sind einzelne Gründe aufgeführt, weswegen ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden kann.

Beschäftigungsverbot durch Arbeitgeber


Mutterschutz und Beschäftigungsverbot (© contrastwerkstatt / fotolia.com)Gemäß den Bestimmungen des § 11 Mutterschutzgesetz muss der Arbeitgeber ein generelles Beschäftigungsverbot aussprechen, wenn die werdende Mutter an ihrem Arbeitsplatz Gefahren ausgesetzt ist. So darf sie nicht mit Gefahrstoffen hantieren, die schädlich für die Gesundheit sind. Sie darf keiner starken Hitze, Kälte oder Nässe ausgesetzt sein, ebenso wenig wie Erschütterungen, Vibrationen und Lärm. Bei Berufen, die mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergehen, etwa Krankenschwester, wird auch ein Beschäftigungsverbot erteilt. Ein weiterer Grund für ein Beschäftigungsverbot kann zudem langes Stehen oder das Arbeiten in Beförderungsmitteln sein.

Beschäftigungsverbot vom Hausarzt erteilt

Der Arzt kann individuell entscheiden, ob er ein Beschäftigungsverbot ausspricht. Es obliegt ihm zu entscheiden und abzuschätzen, ob durch die Arbeit ein gesundheitliches Risiko für Mutter und Kind besteht. Ein individuelles Beschäftigungsverbot kann bei gesundheitlichen Beschwerden, aber auch bei Stress ausgesprochen werden, ebenso wie im Falle einer Risikoschwangerschaft.

Schwangerschaft / Mutterschutzgesetz

Für eine werdende Mutter kann ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden, sollte die ausgeübte Tätigkeit die Gesundheit von Mutter oder Kind gefährden. Diese Gefahr ist insbesondere bei schwerer körperlicher Arbeit, dem Umgang mit Chemikalien und Arbeiten, die mit einem hohen Verletzungsrisiko einhergehen, der Fall. Das Unternehmen steht dann in der Pflicht zu versuchen, die werdende Mutter in einem ähnlichen Tätigkeitsfeld zu beschäftigen. So kann sie bis zum Mutterschutz das gewohnte Gehalt beziehen.

Laut Mutterschutzgesetz dürfen Schwangere sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung nicht arbeiten. Zwölf Wochen müssen sie nach der Entbindung sogar warten, wenn es sich um eine Früh- oder Mehrlingsgeburt handelt. Ist die Mutterschutzfrist abgelaufen und die Arbeitnehmerin fühlt sich dennoch noch nicht fit genug, die Arbeit wieder aufzunehmen, kann ein Arzt ein Beschäftigungsverbot wegen eingeschränkter Leistungsfähigkeit aufgrund der Niederkunft aussprechen.

Lohnfortzahlung

Auch wenn ein Beschäftigungsverbot verhängt wurde, kann der Arbeitnehmer seinen vollen Lohn vom Arbeitgeber verlangen. Dieser kann sich die Kosten durch das U2-Verfahren von der zuständigen Krankenkasse zurückerstatten lassen. Schwangere müssen also, ebenso wie im Mutterschutz, keine finanziellen Einbußen fürchten. Die Lohnfortzahlung während des Arbeitsverbots orientiert sich am Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen bei wöchentlicher Entgeltzahlung, bzw. am Durchschnittsverdienst der letzten drei Monate, wenn die Entgeltzahlung monatlich erfolgt.

Fachanwalt.de-Tipp: Dies gilt nicht nur für Schwangere, die in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten, sondern auch für Minijobberinnen!

Urlaubsanspruch trotz Beschäftigungsverbot

Ein individuelles Beschäftigungsverbot wirkt sich nicht auf den Urlaubsanspruch aus. Der Arbeitnehmer ist nicht dazu verpflichtet, den Urlaubsanspruch vor dem Beschäftigungsverbot voll auszuschöpfen. Der Urlaub verfällt auch nicht am 31. März des Folgejahres. Kam es zu einem generellen Beschäftigungsverbot und die werdende Mutter konnte nicht mehr den kompletten Jahresurlaub nehmen, verfällt auch dieser nicht. Nachdem die Mitarbeiterin wieder ins Unternehmen zurückgekehrt ist, kann sie ihren Urlaub noch laufenden oder im folgenden Kalenderjahr nehmen.

Beschäftigungsverbot bei Schwangerschaft: Was Arbeitgeber beachten müssen

Ein Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft ist nicht mit einer Arbeitsunfähigkeit gleichzusetzen. Das Mutterschutzgesetz sieht generelle und individuelle Beschäftigungsverbote vor, die für Schwangere oder stillende Mütter gelten. Arbeitgeber müssen hierfür nicht die vollen Kosten übernehmen.

Frauen haben während der Schwangerschaft und Stillzeit einen besonderen gesetzlichen Schutz: Das Mutterschutzgesetz schützt die Gesundheit der Mutter und des Kindes vor den Gefahren am Arbeitsplatz. Arbeitgeber haben deshalb bei Arbeitnehmerinnen, die werdende und stillende Mütter sind, einige Besonderheiten zu beachten. So müssen sie zum Beispiel die individuellen Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmerin beurteilen und generelle oder individuelle Beschäftigungsverbote berücksichtigen.

Arbeitsunfähigkeit oder Beschäftigungsverbot?

Stellt die Mitarbeiterin Beschwerden fest, so hat der Arzt jeweils zu entscheiden, ob ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden sollte oder eine „normale“ Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Ein Beschäftigungsverbot kommt nur dann in Frage, wenn den auftretenden Beschwerden keine Krankheit sondern die Schwangerschaft zu Grunde liegt.

Gründe für generelles Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Grundsätzlich ist nach dem Mutterschutzgesetz zwischen sogenannten individuellen und generellen Beschäftigungsverboten zu unterscheiden. Bei einem generellen Beschäftigungsverbot ist die Arbeitsleistung aufgrund von wissenschaftlichen Analysen und unabhängig von der Person oder deren individuellen Situation untersagt. Zum Teil kann die Arbeitnehmerin jedoch auch auf den Schutz verzichten.

Ein solch generelles Beschäftigungsverbot kann sofort mit Bekanntgabe der Schwangerschaft in Kraft treten. Werdende und stillende Mütter dürfen beispielsweise keine schweren und gesundheitsgefährdenden Arbeiten durchführen. Hierzu zählen neben Tätigkeiten, die mit Staub, Gasen, Dämpfen, Hitze, Kälte, Nässe et cetera zu tun haben, auch ständiges Stehen, Nachtarbeit (20 Uhr bis 6 Uhr) und Sonn- und Feiertagsarbeit.

Ergibt sich bei der Beurteilung des Arbeitsplatzes, dass die zu erbringende Arbeitsleistung bei Vorliegen einer Schwangerschaft insgesamt oder teilweise von einem Beschäftigungsverbot betroffen ist, darf der Arbeitgeber die Arbeitnehmerin mit diesen Arbeiten nicht beschäftigen.

Individuelles Beschäftigungsverbot für Schwangere: Auch Teilbeschäftigungsverbot möglich

Neben den generellen Beschäftigungsverboten, gibt es weitere individuelle Beschäftigungsverbote. Diese werden im Einzelfall aufgrund der besonderen Lebenssituation ausgesprochen. Ist das Leben oder die Gesundheit von Mutter oder Kind bei Fortdauer der Beschäftigung gefährdet, darf auch hier der Arbeitgeber die Arbeitnehmerin mit diesen Arbeiten nicht beschäftigen. Allein der Arzt ermisst, welche beruflichen Tätigkeiten in welchem Umfang und welche Dauer eine Gefährdung darstellen können. Daher kann auch ein teilweises Beschäftigungsverbot ausgesprochen werden. Die Gesundheitsgefährdung muss jedoch mit der Schwangerschaft in Verbindung stehen.

Achtung: Das Beschäftigungsverbot sollte vom Arzt schriftlich erteilt werden und die individuellen Einschränkungen darlegen, damit sie nach Vorlage beim Arbeitgeber beachtet werden können.

Beschäftigungsverbot durch Arbeitgeber: Anderweitige Tätigkeit darf zugewiesen werden

Darf der Arbeitgeber die Schwangere oder Stillende mit Arbeiten nicht mehr beschäftigen, kann er der Arbeitnehmerin eine anderweitige Beschäftigung zuweisen, welche durch das Beschäftigungsverbot nicht ausgeschlossen ist. Der Arbeitnehmerin dürfen keine finanziellen Nachteile entstehen, wenn es zu einer Änderung der Arbeitsbedingungen oder zur Freistellung kommt, weil keine anderweitige Beschäftigung möglich ist.

Beschäftigungsverbot: Wer zahlt?

Muss der Arbeitgeber während eines Beschäftigungsverbotes auf die Arbeitsleistung seiner Arbeitnehmerin verzichten, so werden die finanziellen Belastungen durch das Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) reduziert. So kann grundsätzlich für alle durch Beschäftigungsverbote entstehenden Aufwendungen (Arbeitsentgelt inklusive Sozialversicherungsbeiträge) eine Erstattung bei der Krankenkasse der betreffenden Arbeitnehmerin beantragt werden – ebenso wie für den während der Schutzfristen zu zahlenden Zuschuss zum Mutterschaftsgeld. Welche Aufwendungen im Rahmen der Umlage U2 erstattet werden, erfahren Sie in diesem Top-Thema.

Wegfall der Beschäftigung während des Beschäftigungsverbots

Endet die Beschäftigung während eines Beschäftigungsverbots, muss das Beschäftigungsverbot durch den Arzt neu beurteilt werden, weil die individuellen Besonderheiten der bisherigen Beschäftigung für eine Vermittlung durch die Agentur für Arbeit nicht mehr maßgebend sind.

Kann die Schwangere oder Stillende nach Einschätzung des Arztes ohne Gefährdung für sich oder das ungeborene Kind leichte Arbeiten in einem zeitlichen Umfang von mindestens 15 Stunden wöchentlich ausüben, besteht weiterhin ein Beschäftigungsverbot. Dieses muss erneut mit Angabe der aktuell vorliegenden Einschränkungen attestiert und bei der Vermittlung durch die Agentur für Arbeit berücksichtigt werden.

Keine Vermittlung mehr möglich: Jetzt liegt Arbeitsunfähigkeit vor

Kann nach ärztlicher Einschätzung auch keine leichte Arbeit von mindestens 15 Stunden wöchentlich mehr ausgeübt werden, endet auch das Beschäftigungsverbot mit dem Ende der Beschäftigung. Ab diesem Tag liegt eine Arbeitsunfähigkeit vor. Sie muss vom Arzt attestiert werden. Da für die Dauer der Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich ein Anspruch auf Krankengeld besteht, sollte die Schwangere oder Stillende Kontakt mit ihrer Krankenkasse aufnehmen.

Alle Beiträge zum Thema Mutterschutz finden Sie auf dieser Themenseite.

Mehr zum Thema Beschäftigungsverbot und Mutterschutz:

Arbeitsunfähigkeit von Schwangeren und Organspendern

Arbeitsschutz für schwangere Mitarbeiterinnen

Mutterschaftsgeld auch im Minijob

Schlagworte zum Thema: Mutterschutz, Mutterschaft, Beschäftigungsverbot

Werdende Mütter besitzen im Rahmen des Mutterschutzes ein gesetzliches Recht bei Ihrem Arbeitgeber ein Arbeitsverbot in der Schwangerschaft zu beantragen. Dies ist im Mutterschutzgesetz (MuSchG) geregelt und gewährt Müttern während und kurz nach der Schwangerschaft beruflichen Schutz vor Gefahren die sich negativ auf die Gesundheit von Mutter und Baby auswirken können. Zu beachten ist, dass sich der Mutterschutz bei Zwillingen minimal vom normalen Arbeitsverbot unterscheidet.

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Voraussetzung fürs Arbeitsverbot: Bekanntgabe der Schwangerschaft an den Arbeitgeber

Um die Rechte des Mutterschutzes in Anspruch zu nehmen, hat die werdende Mutter aber auch Verpflichtungen zu erfüllen. Hierzu gehört die Bekanntgabe der Schwangerschaft an den Arbeitgeber (auch in der Probezeit), damit dieser Meldung bei der Aufsichtsbehörde machen kann. Wann diese und weitere Meldungen erfolgen sollten, können Sie unserer Auflistung im Ratgeber Behördengänge nach der Geburt entnehmen.

Eine Mitteilung an den Arbeitgeber ist zwar nicht verpflichtend, erfolgt diese jedoch nicht, besteht auch kein Anspruch auf ein Arbeitsverbot in der Schwangerschaft. Es ist das Recht ihres Chefs nach Bekanntgabe der Schwangerschaft einen schriftlichen Nachweis vom Frauenarzt oder der Hebamme bzw. Beleghebamme über den voraussichtlichen Geburtstermin zu verlangen. Diesen bekommen Sie normalerweise bei den Schwangerschaftsuntersuchungen von Ihrem Frauenarzt mitgeteilt.

Arbeitsverbot in der Schwangerschaft: Das Mutterschutzgesetz liefert Gründe für das Beschäftigungsverbot.

Allgemeine Gründe für ein Arbeitsverbot in der Schwangerschaft

In den §§ 3. Abs. 2, 4, 6 und 8 des Mutterschutzgesetzes stehen die Gründe für ein generelles Arbeitsverbot schwangerer Frauen. Diese beinhalteten beispielsweise, dass werdende Mütter keine gesundheitsgefährdenden oder Schwerstarbeiten durchführen dürfen. Sobald die Bekanntgabe der Schwangerschaft an den Arbeitgeber erfolgt ist, muss dieser unverzüglich handeln und alle Gründe die ein generelles Arbeitsverbot in der Schwangerschaft bedingen, prüfen und gemäß Gesetzesvorgabe umsetzen. Hierbei helfen branchenspezifische Fachinformationen, die von der Verwaltung für Arbeitsschutz zusammen gestellt werden. Die Aufsicht über die Umsetzung der Maßnahmen übernehmen die Bezirksregierungen.

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Individuelles Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft

Das individuelle Beschäftigungsverbot in der Schwangerschaft ist ebenfalls im Mutterschutzgesetz (MuSchG) in Paragraph 3 definiert. Dieses sieht ein Arbeitsverbot für Schwangere vor, wenn am Arbeitsplatz Leben oder Gesundheit von Mutter oder Kind gefährdet sind.

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Das individuelle Beschäftigungsverbot hat u.a. den Zweck eine werdende Mutter davon abzuhalten, aus finanziellen Gründen weiter zu arbeiten und statt dem schlechteren Auskommen durch dass Krankengeld gesundheitliche Risiken in Kauf zu nehmen. Gründe um ein individuelles Beschäftigungsverbot beim Arbeitgeber zu beantragen sind beispielsweise:

  • Gefahr einer Frühgeburt
  • Zwillingsschwangerschaft
  • Muttermundschwäche
  • Neigung zu Fehlgeburten
  • Risikoschwangerschaft
  • Rückenschmerzen
  • Weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen mit Bezug zur Schwangerschaft

Für die Beantragung ist ein Attest notwendig, da der Arzt entscheiden muss, ob Beschwerden im Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehen oder krankheitsbedingt sind und ob die Gefahr von Komplikationen gegeben ist. Bei Tätigkeiten die im Mutterschutzgesetz ohnehin ein Arbeitsverbot vorsehen, ist es nicht notwendig eine individuelles Beschäftigungsverbot beim Arbeitgeber zu beantragen.

Letzteres kann übrigens auch noch bis zum sechsten Monat nach der Geburt gelten, wenn die Leistungsfähigkeit der Mutter weiterhin eingeschränkt ist und dies auf die Geburt zurück geführt werden kann. Auch hierüber entscheidet wieder ein ärztliches Attest. In diesem vermerkt der Arzt ebenfalls, ob ein totales Beschäftigungsverbot notwendig ist oder ob die Schwangere fähig ist leichtere Arbeiten zu erledigen (partielles Arbeitsverbot). Hat der Arbeitgeber begründete Zweifel an der Diagnose, kann er eine Nachuntersuchung verlangen.

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Bei allen Untersuchungen hat die Schwangere jedoch das Recht sich ihren Arzt selbst auszusuchen. So kann sie eine Untersuchung durch den Betriebsarzt ablehnen, wenn sie beispielsweise befürchtet, dass dieser vom Arbeitgeber beeinflusst wird. Während das Arbeitsverbot gilt (von der Schwangerschaft bis nach der Entbindung), bekommt die Mutter vom Arbeitgeber das volle Gehalt bezahlt. Dies gilt auch wenn die Schwangere einen anderen zumutbaren Arbeitsplatz zugewiesen bekommt, eine Gehaltskürzung ist deswegen nicht erlaubt.

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Schwangere Erzieherinnen oder Kinderpflegerinnen: Mutterschutz und Arbeitsrecht

Das Mutterschutzgesetz trat in Deutschland im Jahr 1952 in Kraft und wurde seit dem mehrfach ergänzt. Ziel des Mutterschutzgesetzes ist, werdende Mütter sowie Wöchnerinnen nach der Entbindung vor den Belastungen am Arbeitsplatz zu schützen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Schwangere und Mütter besondere Rechte in Anspruch nehmen können, zum Beispiel im Hinblick auf den Kündigungsschutz.

Aktuell (März 2017) hat der Bundestag eine Reform beschlossen, die Müttern noch mehr Schutz und gleichzeitig mehr Mitspracherecht einräumt. Die Gesetzesreform muss noch vom Bundesrat genehmigt werden, bevor sie voraussichtlich 2018 wirksam wird. Für schwangere Erzieherinnen sowie Kinderpflegerinnen und alle anderen weiblichen pädagogischen Fachkräfte, die in sozialpädagogischen Einrichtungen arbeiten, gelten besondere arbeitsrechtliche Bestimmungen, wenn es um den Schutz der Mutter und des ungeborenen Babys geht. Das liegt daran, dass die Arbeit mit Kindern, insbesondere mit Kleinkindern, Risiken mit sich bringt, die es vielen anderen Berufen nicht gibt.

Mutterschutzgesetz allgemein – das solltest du wissen

Der wichtigste Bestandteil des Mutterschutzgesetzes ist ein Beschäftigungsverbot sechs Wochen vor und acht Wochen nach dem errechneten Entbindungstermin, wobei die werdende Mutter vor der Geburt so lange weiter arbeiten kann wie sie möchte, wenn dies ihr ausdrücklicher Wunsch ist. Bis zur vollendeten achten Woche nach der Entbindung besteht aber bis jetzt ein absolutes Beschäftigungsverbot. Kommt das Baby zu früh auf die Welt, werden die Tage des Mutterschutzes, die vor der Geburt nicht in Anspruch genommen werden konnten, zu der achtwöchigen Schutzfrist nach der Entbindung hinzugerechnet. Kommt ein Baby zu früh auf die Welt oder handelt es sich um eine Mehrlingsgeburt, verlängert sich die Mutterschutzzeit nach der Geburt auf zwölf Wochen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Mutterschutzgesetzes ist der Kündigungsschutz. Sobald dem Arbeitgeber die Schwangerschaft bekannt gegeben wurde, darf er eine werdende Mutter nicht mehr kündigen. Spricht der Arbeitgeber eine Kündigung aus, wenn die Frau selbst noch nichts von ihrer Schwangerschaft weiß oder diese ihrem Arbeitgeber noch nicht mitgeteilt hat, kann sie innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt der Kündigung die Schwangerschaft offiziell angeben. Der Arbeitgeber muss die Kündigung dann zurück nehmen. Auch während der Elternzeit besteht der Kündigungsschutz weiter. Während der gesetzlichen Mutterschutzfrist erfolgt eine Lohnfortzahlung durch die Krankenkasse und ergänzend durch den Arbeitgeber. Während der insgesamt 14 Wochen andauernden gesetzlichen Mutterschutzfrist (also in der Regel sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung) erhält die schwangere Frau bzw. frisch gebackene Mutter ihr volles Gehalt. Danach kann sie Elterngeld beziehen. Weiter ist im Mutterschutzgesetz geregelt, dass Schwangere keine Arbeiten verrichten müssen, die ihrer Gesundheit oder der des ungeborenen Kindes schaden könnten, wie z.B.

– der Umgang mit giftigen Chemikalien,

– Kontakt mit Personen, die Krankheiten übertragen könnten,

– das Heben von schweren Lasten über 5 kg,

– Nachtarbeit,

– Überstunden,

– Fließbandarbeit,

– Tätigkeiten, die nur im Stehen verrichtet werden können usw.

Kann oder will der Arbeitgeber nicht dafür sorgen, dass die werdende Mutter keine Tätigkeiten verrichtet, die gefährlich sein könnten, kann der behandelnde Arzt ein vollständiges oder teilweises Beschäftigungsverbot aussprechen. Er führt dann anhand festgelegter Kriterien eine individuelle Gefährdungsbeurteilung durch. Ein Beschäftigungsverbot kann, je nach Gesundheitszustandes des ungeborenen Kindes oder der Mutter, in jedem Stadium der Schwangerschaft ausgesprochen werden.

Mutterschutz Erzieherinnen – die wichtigsten Grundlagen

Als Erzieherin arbeitest du in einem sozialen Beruf und hast viel Kontakt mit Menschen. Besonders weibliche pädagogische Fachkräfte, die mit Kindern unter sechs Jahren, sozial auffälligen Jugendlichen sowie mit behinderten Kindern oder Erwachsenen arbeiten, sind während ihrer Schwangerschaft erhöhten Risiken ausgesetzt. Das gilt in erster Linie im Hinblick auf die Infektionsgefahr. Einige Krankheiten, die besonders häufig bei Kindern auftreten, können dem Baby schaden, wenn die werdende Mutter sich infiziert. Grundsätzlich muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass pädagogisches Personal regelmäßig arbeitsmedizinisch beraten wird und die Möglichkeit erhält, sich gegen die gängigsten Krankheiten impfen zu lassen. Denn wird eine im Kindergarten angestellte Erzieherin schwanger, die nicht gegen Masern, Mumps und Windpocken immun ist, erhält sie sofort ein Beschäftigungsverbot für die gesamte Schwangerschaft. Um jedes Ansteckungsrisiko zu vermeiden, sind Arbeitgeber von Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und allen anderen pädagogischen Fachkräften daher verpflichtet, sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft zu handeln. Die betreffende Kollegin wird frei gestellt, bis sie die Ergebnisse der arbeitsmedizinischen Untersuchung und das serologische Gutachten vorlegen kann. Der Arbeitsmediziner nimmt der Schwangeren Blut ab. Im Labor wird dann untersucht, für welche Krankheiten Antikörper vorliegen und für welche nicht. Danach erstellt der Arzt ein individuelles Gutachten aus dem hervorgeht, ob die betreffende Erzieherin oder Kinderpflegerin weiter arbeiten kann, in welchen Bereichen Sie eingesetzt werden darf und inwieweit sie besondere Auflagen in Sachen Arbeitsschutz einhalten muss. Besonders tückisch ist die sogenannte „Zytomegalie“ für Erzieherinnen, die schwanger sind. Für gesunde Erwachsene ist das Virus relativ harmlos, für das ungeborene Baby kann es jedoch lebensbedrohlich sein. Da es keine Möglichkeit gibt, sich gegen Zytomegalie impfen zu lassen, die Krankheit aber vor allem bei Kleinkindern auftritt und durch Speichel übertragen werden kann, dürfen schwangere Erzieherinnen ohne Antikörper gegen Zytomegalie nicht mehr im U3-Bereich arbeiten.

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Beschäftigungsverbot für Erzieherinnen – Gründe

Wie bereits erwähnt sind schwangere pädagogische Fachkräfte an ihrem Arbeitsplatz mehr Risiken ausgesetzt als Frauen, die beispielsweise einen Bürojob verrichten. Neben der potentiellen Gefahr durch Infektionskrankheiten sind Erzieher auch einem hohen Lärmpegel ausgesetzt. Zudem können Kinder ungestüm sein oder, wenn es sich um verhaltensauffällige oder behinderte Kinder bzw. Jugendliche handelt, auch aggressiv.

Diagnostiziert der behandelnde Gynäkologe dann noch eine Risikoschwangerschaft, kann es schnell zu einem Beschäftigungsverbot kommen. Grundsätzlich steht die Gesundheit von Mutter und Kind an erster Stelle und das sehen in der Regel auch die Träger von sozialpädagogischen Einrichtung so. Wenn es daher nicht möglich ist, die werdende Mutter vor potentiellen Gefahren zu schützen, indem sie beispielsweise nur noch Bürotätigkeiten erledigt, ist ein Beschäftigungsverbot die beste Lösung. Manchmal reicht es aber auch, wenn eine schwangere Erzieherin, die in der Krippe arbeitet, für die Zeit ihrer Schwangerschaft in eine Einrichtung versetzt wird, in denen nur Kinder über drei Jahren betreut werden. In der Regel darf sie keine Kinder wickeln. Ob das möglich ist, hängt aber natürlich von jeweiligen Träger ab. Grundlage aller möglichen Maßnahmen sind das Ergebnis der serologischen Untersuchung sowie natürlich die Einschätzung des behandelnden Arztes und der Gesundheitszustand von Mutter und Kind. Einen guten Überblick über gefährliche Infektionskrankheiten für schwangere Erzieherinnen sowie über die Möglichkeiten einer Schutzimpfung findest du auf bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft:

Erzieherin und schwanger – wann den Chef informieren?

Grundsätzlich ist es gerade als Erzieherin sinnvoll, den Arbeitgeber so früh wie möglich über eine Schwangerschaft zu informieren. Nur wenn Leitung und Träger der Einrichtung Bescheid wissen, können alle notwendigen Maßnahmen im Hinblick auf den Mutterschutz ergriffen werden. Wichtig ist auch, dass der Arbeitgeber ein offizielles Schreiben vom Arzt erhält, indem der vorläufige Entbindungstermin vermerkt ist. Daher solltest du am besten sofort einen Termin beim Gynäkologen vereinbaren, wenn du vermutest schwanger zu sein. Gerade in den ersten Wochen können Infektionskrankheiten dem sich entwickelnden Embryo schaden, da in diesem Zeitraum die inneren Organe entstehen. Zudem fühlen sich viele werdende Mütter bis zur 12. Schwangerschaftswoche oft müde, gestresst und leiden unter Übelkeit. Wenn alle Mitarbeiter Bescheid wissen können sie gezielt darauf achten, die schwangere Kollegin zu entlasten. Ebenfalls wichtig: Einige Infektionskrankheiten, gegen die du dich nicht impfen lassen kannst, die aber im Kindergarten häufig auftreten, stehen zumindest im Verdacht, gefährlich für das Ungeborene zu sein. Dazu gehört zum Beispiel Scharlach. Schwangere müssen daher die Einrichtung verlassen und erhalten ein befristetes Beschäftigungsverbot, wenn ein Scharlachfall gemeldet wird. Erst eine Woche, nachdem der letzte Fall gemeldet wurde, darfst du wieder arbeiten. Es gibt also viele Gründe für pädagogische Fachkräfte, den Arbeitgeber so früh wie möglich über die Schwangerschaft zu informieren. Davon abgesehen ist es wichtig, dass auch du selbst für dich und dein ungeborenes Kind Verantwortung übernimmst und den Kollegen beispielsweise ab sofort das Wickeln und die Durchführung der Turneinheiten überträgst. Auch kann es sinnvoll sein, die Kinder über deinen Zustand aufzuklären und sie dafür zu sensibilisieren, dass sie in den nächsten Monaten nicht zu ungestüm mit dir umgehen.

Reform des Mutterschutzgesetzes 2017 – das ist neu

Die Reform des Mutterschutzgesetzes soll dafür sorgen, dass zum einen mehr Frauen dieses überhaupt in Anspruch nehmen können, also nicht nur Arbeitnehmerinnen, sondern auch Schülerinnen, Studentinnen und Praktikantinnen. Gleichzeitig sollen Schwangere mehr Mitspracherecht haben, wenn es darum geht wie sie während der Schwangerschaft ihre Arbeit gestalten möchten.

Hier die wichtigsten Neuerungen im Überblick:

– Schülerinnen, Studentinnen und Praktikantinnen haben die Möglichkeit eine Ausnahmeregelung beantragen, wenn Sie aufgrund der Schwangerschaft nicht an verpflichtenden Prüfungen oder Tests teilnehmen können.

– Wenn es der Wunsch der Schwangeren ist, weiter zu arbeiten, darf der Arzt nicht gegen ihren Willen ein Beschäftigungsverbot aussprechen. Auch der Arbeitgeber darf sie nicht dazu drängen sondern muss versuchen, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass die werdende Mutter ihrer Arbeit weiterhin nachgehen kann.

– Schwangere sollen in Zukunft selbst entscheiden dürfen, ob sie Nachtdienste machen oder am Wochenende arbeiten, wenn aus ärztlicher Sicht keine Bedenken bestehen. So ist es auch für werdende Mütter möglich, von den entsprechenden Zuschlägen zu profitieren.

– Bringt eine Mutter ein behindertes Kind zur Welt, hat sie ein Anrecht auf zwölf Wochen Mutterschutz nach der Geburt und nicht nur auf die regulären acht Wochen.

– Der Kündigungsschutz soll zukünftig auch für Mütter gelten, die nach der 12. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erleiden. Bisher war die Voraussetzung, dass der Embryo bzw. Fötus mehr als 500 Gramm wog.

Kindergärten und Kindertagesbetreuung – und die Anforderungen des Mutterschutzes

Bei der Beschäftigung werdender oder stillender Mütter hat der Arbeitgeber unabhängig vom Umfang der Beschäftigung die Vorschriften des Mutterschutzgesetzes sowie der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz zu beachten. Die hieraus für den Außendienst typischerweise zu beachtenden Punkte haben wir – ohne Anspruch auf Vollständigkeit im Einzelfall – nachfolgend zusammen gestellt.

Ist eine den Anforderungen des Mutterschutzes entsprechende Gestaltung der Arbeitsbedingungen nicht möglich oder wegen unverhältnismäßigen Aufwandes nicht zumutbar, ist zu prüfen, ob für die Zeit der Schwangerschaft ein Arbeitsplatzwechsel möglich ist. Ist auch dies nicht möglich oder nicht zumutbar, besteht ein Beschäftigungsverbot: Die schwangere oder stillende Mutter darf so lange nicht beschäftigt werden, wie dies zum Schutze ihrer Sicherheit
und Gesundheit erforderlich ist, selbst dann nicht, wenn die werdende Mutter ihre bisherige Tätigkeit fortsetzen will.

Arbeitszeit

Schwangere sowie stillende Mütter dürfen nach § 8 Abs. 1 MuSchG

  • nicht über 8½ Stunden täglich (wobei als Arbeitszeit die Zeit von der Abfahrt an der Wohnung bis zur Heimkehr rechnet),
  • nicht in der Nacht – auch nicht bei Abendveranstaltungen! – also
    • in den ersten vier Schwangerschaftsmonaten zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr,
    • danach zwischen 20:00 Uhr und 6:00 Uhr,

    und

  • nicht an Sonn- und Feiertagen

beschäftigt werden.

Heben und Tragen

Nach § 4 Abs. 1 und 2 MuSchG sowie § 6 Abs. 3 MuSchG dürfen werdende und stillende Mütter nicht mit schweren körperlichen Arbeiten beschäftigt werden, insbesondere auch nicht mit solchen Arbeiten, bei denen

  • Lasten
    • von mehr als 5 kg Gewicht regelmäßig (mehr als zwei- bis dreimal pro Stunde) oder
    • von mehr als 10 kg Gewicht gelegentlich (weniger als zweimal pro Stunde)
  • ohne mechanische Hilfsmittel von Hand
  • gehoben, bewegt oder befördert werden.

Wird die Last mit mechanischen Hilfsmitteln gehoben, bewegt oder befördert, darf auch die körperliche Belastung der werdenden Mutter durch die Bedienung dieser Hilfsmittel nicht größer sein.

Ruhemöglichkeiten

Erfordert die Tätigkeit von einer schwangeren Arbeitnehmerin ein Stehen oder Gehen, so muss sie jederzeit die Möglichkeit haben, sich auf einer geeigneten Sitzgelegenheit kurzfristig auszuruhen.

Darüber hinaus sieht § 6 Abs. 3 Arbeitsstättenverordnung vor, dass es schwangeren und stillenden Arbeitnehmerin zu ermöglichen ist, während der Pausen und soweit erforderlich auch während der Arbeitszeit sich auf einer Liege in einem geeigneten Raum hinzulegen und auszuruhen.

Keine Alleinarbeit

Eine werdende Mutter muss ihren Arbeitsplatz jederzeit verlassen können, wenn dies aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist.

Muss ein Arbeitsplatz daher ständig besetzt sein, muss sichergestellt werden, dass für die umgehende Ablösung der Schwangeren jederzeit eine Ersatzkraft zur Verfügung steht. Kann dies nicht gewährleistet werden, darf die werdende Mutter an diesem Arbeitsplatz nicht beschäftigt werden.

Schutz vor Biostoffen

Nach der Verordnung zum Schutze der Mütter am Arbeitsplatz (Anl. 1 Abs. A Nr. 2) darf eine werdende Mutter nicht mit biologischen Arbeitsstoffen der Risikogruppe 2 bis 4 arbeiten, soweit bekannt ist, dass diese Arbeitsstoffe oder durch sie im Krankheitsfall bedingte therapeutische Maßnahmen die Gesundheit der schwangeren Arbeitnehmerin und des ungeborenen Kindes gefährden. Ebenfalls ausgeschlossen für eine werdende Mutter ist der Umgang mit Stoffen, Zubereitungen oder Erzeugnissen, die erfahrungsgemäß Krankheitserreger übertragen können, wenn die Schwangere bei der Arbeit diesen Krankheitserregern ausgesetzt wäre. Darüber hinaus dürfen schwangere Arbeitnehmerinnen gemäß §4 Abs. 2 Nr. 6 MuSchG nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, bei denen sie infolge ihrer Schwangerschaft in besonderem Maße der Gefahr, an einer Berufskrankheit zu erkranken, ausgesetzt sind oder bei denen durch das Risiko der Entstehung einer Berufskrankheit eine erhöhte Gefährdung für die werdende Mutter oder eine Gefahr für die Leibesfrucht entsteht.

Dies bedeutet für den Berufsmäßigen Umgang mit Kindern aber eine Reihe von Einschränkungen:

Kinderkrankheiten

Im Umgang mit Kindern gerade im Vorschulalter besteht für Mitarbeiterinnen aufgrund des gehäuften Auftretens von Kinderkrankheiten wie Mumps, Masern, Röteln, Windpocken oder Ringelröteln ein im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung etwa doppelt so hohes Risiko, sich mit diesen Krankheitserregern zu infizieren. Dieses Risiko wird auch aufgrund des teilweise engen Körperkontakts mit den zu betreuenden Kindern erhöht.

Hinzu kommt, dass 10 – 30% aller Kleinkinder – auch klinisch gesunder Kinder- bis zu 5 Jahren das Zytomegalievirus im Urin ausscheiden. Dies ist verstärkt bei Kindern bis zum Ende des dritten Lebensjahres des Fall, kann aber auch bei älteren Kindern insbesondere bei Abwehrschwäche vorkommen. Das Zytomegalievirus, das durch Kontakt mit Urin (Windelwechsel, Hilfe beim Toilettengang) und durch engen Kontakt mit Speichel und Blut sowie durch Tröpfeninfektion übertragen wird, kann Erkrankungen der Leibesfrucht hervorrufen.

Nicht ganz so häufig aber immer noch im relevanten Umfang besteht für Beschäftigte in vorschulischen Kinderbetreuungseinrichtungen die Gefahr einer Infektion mit Hepatitis B. Diese wird durch Blutkontakt übertragen, wie sie bei der Notversorgung verletzter Kinder entstehen können. Derartige Tätigkeiten müssen daher in jedem Fall durch andere, nicht schwangere Betreuerinnen übernommen werden.

Besonders problematisch ist hierbei die Gefahr einer Infektion der schwangeren Mitarbeiterinnen durch Erreger, die zu Schäden beim ungeborenen Kind führen können. Während diese Infektionsrisiko bei einigen Kinderkrankheiten wie Masern oder Windpocken aufgrund des regelmäßigen Auftretens eines klinischen Krankheitsbildes noch schnell (wenn auch nicht schnell genug) erkannt werden kann, ist dies bei anderen Erkrankungen nicht der Fall. So verläuft etwa eine Zytomegalie in ca. 90% aller Erkrankungen ohne Symptome und bleibt daher vielfach auch unbemerkt. Und bei der Hepatitis B etwa liegen meist chronische Infektionen ohne offen zu tage tretende Beschwerden vor. Doch selbst wenn eine Infektion nach Auftreten des Krankheitsbildes etwa von Masern oder Windpocken erkannt wird, ist dies oftmals schon zu spät, da viele dieser Erkrankungen bereits vor dem Auftreten der Krankheitssymptome ansteckend sind.

Andere Erkrankungen, wie etwa eine Keuchhustenerkrankung, führen zwar nicht zu einer Schädigung des Fötus, wohl aber können sie ein vorzeitiges Einsetzen von Wehen im Rahmen der krampfartigen Hustenanfälle auslösen.

In Säuglings- und Kleinkinderpflegeeinrichtungen sowie bei der Betreuung Behinderter ergibt sich noch ein weiteres Gefährdungsrisiko durch erforderliche Begleitungen beim Toilettengang, Windelwechsel etc.

Auch andere Infektionskrankheiten, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden, können zu beruflich bedingten Krankheiten führen. Voraussetzung dabei ist, dass das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz höher ist als das außerberufliche Risiko. Das Infektionsrisiko kann insgesamt vorübergehend erhöht sein, z. B. bei einer Epidemie (neue Influenza A/H1N1 oder Andere). Wenn unter solchen Umständen am Arbeitsplatz ein vergleichsweise erhöhtes Infektionsrisiko für die Schwangere oder ihr Kind besteht resultiert daraus ein Beschäftigungsverbot.

Für Mitarbeiterinnen sollten bereits vor der Schwangerschaft Impfungen gegne Keuchhusten, Diphtherie, Hepatitis A, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken vom Arbeitgeber angeboten werden. Wird eine Beschäftigte ohne ausreichende Immunität schwanger, bleibt nur die Freistellung dieser Mitarbeiterin von allen risikobehafteten Tätigkeiten. Entsprechende Überprüfungen des Immunitätsstatus (IgG-Antikörper) empfehlen sich im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen.

Liegt keine ausreichende Immunität vor, so müssen geeignete Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden:

  • Ein Beschäftigungsverbot bis zur 20. Schwangerschaftswoche besteht für Schwangere ohne ausreichenden Immunitätsschutz gegen
    • Röteln oder
    • Ringelröten
  • Ein Beschäftigungsverbot während der gesamten Schwangerschaft besteht bei nicht ausreichender Immunität gegen
    • Windpocken
    • Masern
    • Mumps
  • Ein Beschäftigungsverbot bei der Betreuung von Kindern bis zum vollendeten 3. Lebensjahr sowie das Erfordernis geeigneter Schutzmaßnahmen (Einhaltung hygienischer Maßnahmen, Vermeidung engeren körperlichen Kontakts, Schutzhandschuhe beim Risiko des Kontaktes mit Körperflüssigkeiten) auch bei der Betreuung älterer Kinder besteht bei nicht ausreichender Immunität gegen
    • Zytomegalie CMV.
  • bei nicht ausreichender
    Immunität
  • Ein Beschäftigungsverbot bei Tätigkeiten in Behindertenkindergärten sowie das Erfordernis weiterer Schutzmaßnahmen (z.B. Vermeiden von Blutkontakten (Handschuhe!) etwa bei der Versorgung von Verletzungen) besteht während der gesamten Schwangerschaft bei nicht ausreichender Immunität gegen
    • Hepatitis B.
  • Ein befristetes Beschäftigungsverbot beim Auftreten der Erkrankung bis drei Wochen nach dem Auftreten des letzten Erkrankungsfalles in der jeweiligen Einrichtung besteht bei nicht ausreichender Immunität gegen
    • Keuchhusten.

Aufenthalt im Freien – die Gefahr von Zeckenbissen

Weitere Infektionsgefahren für Schwangere ergeben sich auch aus den Tätigkeit in der Kinderbetreuung, etwa bei einem häufigem Aufenthalt mit den Kindern im Freien. Je nach Witterungsverlauf besteht in der Vegetationsperiode, insbesondere im Frühling und im Frühsommer, eine erhöhte Gefährdung durch Zeckenbisse, im Herbst ist mit einer etwas geringeren Gefährdung zu rechnen. In den betroffenen Endemiegebieten (insbesondere also im südlichen Hälfte Deutschlands) kann sich hieraus eine erhöhte Gefahr von Frühsommermeningoencephalitis (FSME) ergeben. Darüber hinaus ergibt sich durch die Gefahr von Zeckenbissen aber auch eine erhöhte Gefahr, mit den Erregern der Borreliose infiziert zu werden, bei denen eine Übertragung der Erreger auf den Fötus möglich ist. Etwa bei 30% der infizierten Schwangeren kann es zu Schädigungen der Leibesfrucht kommen, wobei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zu Beginn der Schwangerschaft am höchsten ist. Aus diesem Grund dürfen Schwangere nicht mit solchen Arbeiten beschäftigt werden, bei denen ein Kontakt mit Zecken wahrscheinlich ist.

Stichworte: Arbeitsplatzgestaltung, Kindergarten, Kinderkrankheiten, Kindertagesbetreuung

Darf mich der Arbeitgeber bei einer Schwangerschaft weiter beschäftigen, bis die Ergebnisse bezüglich Immunität vorliegen?

Das Zytomegalievirus ist ein DNA-Virus, das zur Gruppe der Herpesviren gehört. Es gelangt über Schleimhautkontakte mit Körperflüssigkeiten wie Urin, Speichel und Blut in den Körper.

Weil das Virus sehr zellgebunden ist, muss es im Allgemeinen für eine Übertragung zu einer massiven Exposition kommen. Da eine Schutzimpfung zurzeit nicht möglich ist, müssen alle werdenden Mütter besonders intensiv zu den Übertragungswegen und den sich daraus ergebenden Hygienemaßnahmen beraten werden.

Für schwangere Erzieherinnen ohne CMV-Immunität ist nicht jeglicher Kontakt zu Kindern unter 3 Jahren verboten. Eine Infektionsgefährdung besteht bei Tätigkeiten mit regelmäßigem (täglich mehrere Stunden) Kontakt zu kindlichen Körperflüssigkeiten wie Tränen, Urin und Speichel. So bergen z. B. das Streichen über die Haare, Vorlesen, in den Arm nehmen oder Spielen keine über das normale Lebensrisiko hinausgehende Infektionsgefahr.

Demzufolge dürfen Schwangere ohne CMV-Immunität unter Ausschluss der Tätigkeiten Wickeln, Waschen, Hilfestellung beim Toilettengang und Füttern in altersgemischten Kita-Gruppen eingesetzt werden.

Die Tätigkeiten wären zulässig, wenn alle im Gesundheitswesen üblichen effektiven Schutzmaßnahmen konsequent eingehalten würden. Das heißt, dass Schwangere bei allen Tätigkeiten, bei denen sie einen regelmäßigen Kontakt zu kindlichen Körperflüssigkeiten haben, konsequent Handschuhe, Schutzkittel u. Ä. tragen müssten (z. B. beim Wickeln, Hilfestellungen beim Toilettengang, Füttern etc.).

Solange eine Immunität gegen Zytomegalie nicht nachgewiesen ist, sind die v. g. Beschäftigungsverbote einzuhalten bzw. die entsprechenden (wenn möglich) Schutzmaßnahmen seitens des Arbeitgebers zu treffen.

Grundsätzliches:

Treffen auf ein Arbeitsverhältnis generelle Beschäftigungsverbote gemäß Mutterschutzgesetz (MuSchG) zu, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:

1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes

2. Arbeitsplatzwechsel

3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes unter Fortzahlung des Entgeltes.

Der Arbeitgeber ist darüber hinaus verpflichtet, die werdende oder stillende Mutter sowie die übrigen bei ihm beschäftigten Arbeitnehmerinnen samt Personal-/Betriebsrat (falls vorhanden) über das Ergebnis der o. g. Arbeitsplatzbeurteilung und die zu ergreifenden Schutzmaßnahmen zu unterrichten (Unterrichtungspflicht).

Zur Unterscheidung zwischen Beschäftigungsverbot und Arbeitsunfähigkeit:

Treten bei einer Schwangerschaft gesundheitliche Beschwerden auf oder besteht eine gesundheitliche Gefährdung während der Schwangerschaft, muss grundsätzlich unterschieden werden, ob

– eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt (vom Arzt zu bescheinigen)

– ein generelles mutterschutzrechtliches Beschäftigungsverbot einzuhalten ist (muss der Arbeitgeber stets von sich aus einhalten)

– ein individuelles ärztliches Beschäftigungsverbot (§ 16 MuSchG) auszusprechen ist (vom Arzt zu bescheinigen).

Die Arbeitsunfähigkeit geht dabei dem Beschäftigungsverbot vor.

Bei einer Schwangerschaft können dabei immer Grenzfälle auftreten, in denen zu entscheiden ist, ob es sich um eine krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit handelt (die ein Beschäftigungsverbot ausschließt) oder ausschließlich die Voraussetzungen für ein individuelles Beschäftigungsverbot vorliegen. Die Ärztin/der Arzt muss hierbei eigenverantwortlich und sorgfältig entscheiden.

In Zweifelsfällen sollte die zuständige Aufsichtsbehörde/Arbeitsschutzbehörde zur Entscheidungsfindung hinzugezogen werden.

Auf die Informationen der Broschüre „Mutterschutz beim beruflichen Umgang mit Kindern“ weisen wir abschließend hin.

Welchen Immunschutz benötigt eine schwangere Praktikantin in einer Kindertagesstätte?

Praktikantinnen im Sinne von § 26 des Berufsbildungsgesetzes unterliegen dem Schutz des Mutterschutzgesetzes (MuSchG). Der Arbeitgeber ist verpflichtet, sofort nach Bekanntgabe der Schwangerschaft die geeigneten Schutzmaßnahmen, die im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß § 10 Abs. 1 MuSchG i.V.m. § 5 ArbSchG ermittelt wurden, umzusetzen.

§§ 11, 12 MuSchG normiert die betrieblichen Beschäftigungsverbote. So dürfen Schwangere z.B. keine Lasten von mehr als 5 kg regelmäßig oder 10 kg gelegentlich per Hand heben und tragen.

Des Weiteren besteht für Schwangere mit intensivem beruflichen Körperkontakt eine erhöhte Ansteckungsgefahr gegenüber folgenden Infektionskrankheiten:

– Röteln

– Ringelröteln

– Windpocken

– Masern

– Mumps

– Zytomegalie

– Hepatitis A und B (falls pflegebedürftige Kinder betreut werden, z. B. körperlich behinderte Kinder).

Es ist zu raten, die Immunitätslage der werdenden Mutter gegenüber o. g. Infektionskrankheiten zu prüfen. Bei Schwangeren soll dies im Rahmen der arbeitsmedizinischen Betreuung seitens des Betriebsarztes erfolgen. Die Kosten für diese arbeitsmedizinische Untersuchung trägt der Arbeitgeber.

Impfungen sind während einer Schwangerschaft nur bedingt durchführbar. Nur Impfungen mit einem Totimpfstoff (z. B. Tetanus, Hepatitis B) sind möglich, wobei im ersten Drittel (Trimenon) der Schwangerschaft nur dringend erforderliche Impfungen vorgenommen werden sollten. Impfungen mit einem Lebendimpfstoff (z. B. MMR, Varizellen) hingegen sind in der Schwangerschaft nicht möglich.

Bei nicht ausreichender Immunität gegenüber o. g. Erkrankungen müssen die notwendigen Schutzmaßnahmen (sonst Beschäftigungsverbot) eingeleitet werden.

Folgende Erkrankungen und Schutzmaßnahmen sind bei Kindergärtnerinnen zu berücksichtigen:

Röteln: bei fehlendem Immunschutz gilt ein Beschäftigungsverbot bis zum Ende der 20. Schwangerschaftswoche (SSW), danach folgt nur beim Auftreten des ersten Erkrankungsfalles eine zeitlich befristete Freistellung.

Ringelröteln: keine Impfung möglich, für nichtimmune Schwangere soll ein Beschäftigungsverbot bis zum Ende der 20. Schwangerschaftswoche erfolgen, danach folgt nur beim Auftreten des ersten Erkrankungsfalles eine zeitlich befristete Freistellung.

Zytomegalie: keine Impfung möglich, bei fehlendem Immunschutz ist keine Beschäftigung mit Kindern bis zum vollendeten 3. Lebensjahr möglich. Der Umgang mit älteren Kindern ist unter Beachtung der erforderlichen Schutzmaßnahmen (Handschuhe, Freistellung vom Wickeln, keine Hilfestellung bei Toilettenbenutzung durch die Schwangere, Vermeiden jedes Kontaktes mit Urin und Speichel) erlaubt.

Windpocken: Beschäftigungsverbot für jede seronegative (d. h. keine nachweisbaren Antikörper aufweisende) Schwangere für die gesamte Schwangerschaft

Masern: Beschäftigungsverbot für jede seronegative Schwangere für die gesamte Schwangerschaft

Mumps: Beschäftigungsverbot für jede seronegative Schwangere für die gesamte Schwangerschaft

Hepatitis B: Beschäftigungsverbot bei fehlendem Immunschutz und Tätigkeit in einer Einrichtung bzw. in einem Gebiet mit anzunehmender erhöhter Infektionsgefährdung gegenüber der Bevölkerung (z. B. Umgang mit Kindern aus Familien ausländischer Herkunft, Umgang mit Kindern von Drogensüchtigen) oder auch bei bekannten Hepatitis-B-infizierten Kindern in der Einrichtung

Keuchhusten, Influenza, Scharlach, Hepatitis A: befristetes Beschäftigungsverbot (krankheitsspezifisch bis x-Tage nach Abklingen der Krankheit) beim Auftreten der Erkrankung in der Einrichtung bzw. einer Epidemie in der Region

Einzelheiten über solche konkreten Befristungen und die Beschäftigung von Schwangeren beim beruflichen Umgang mit Kindern allgemein können dem Merkblatt „Mutterschutz beim beruflichem Umgang mit Kindern“ entnommen werden. Das Merkblatt bezieht sich zwar noch auf das alte Mutterschutzgesetz, kann aber bis zu seiner Überarbeitung weiterhin als Informationsquelle genutzt werden.

Weil sich die Grippe-Erkrankungen in München häufen, reagiert nun die Stadtverwaltung: Sie hat am Dienstag für alle schwangeren Frauen, die bei der Stadt in der Kinderbetreuung arbeiten, ein vorübergehendes Beschäftigungsverbot erlassen, um sie vor Ansteckung zu schützen. Wie viele Frauen betroffen sind, weiß die Stadt noch nicht: Einige Mitarbeiterinnen meldeten ihre Schwangerschaften erst jetzt, teilt das Bildungsreferat mit; man gehe von etwa 100 betroffenen Frauen aus.

Die Einrichtungen müssen ohne sie zurechtkommen, bis die Grippewelle abgeklungen ist. Ähnliches gilt laut Personalreferat für Schwangere, die in Ämtern mit viel Publikumsverkehr arbeiten. Sie werden jetzt an anderer Stelle eingesetzt oder, falls das nicht möglich ist, ebenfalls freigestellt. Bei anderen Kitas entscheiden die Träger, wie sie verfahren. Die Stadt hat sie am Mittwoch über ihr Beschäftigungsverbot zumindest informiert.

Grund für die Vorsichtsmaßnahme ist, dass die Influenza bei Schwangeren besonders schwer verlaufen kann; zudem erhöht die Krankheit das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt. Beschäftigungsverbote werden ausgesprochen, sobald eine Grippewelle registriert ist, unabhängig davon, an welchen Kitas bereits ein Fall von Influenza aufgetreten ist und ob die Mitarbeiterinnen gegen Grippe geimpft sind oder nicht.

Die Zahl der gemeldeten Grippe-Erkrankungen ist in München zuletzt stark gestiegen. Laut Gesundheitsreferat hatten Ärzte in der vergangenen Woche 1029 Fälle von Influenza gemeldet; in der Vorwoche waren es 704 gewesen. Die aktuelle Zahl liegt auch geringfügig über dem Wert der zweiten Februarwoche im Vorjahr. Damals hatte das Referat 996 Fälle registriert.

In den vergangenen Jahren hat die Stadt immer wieder Beschäftigungsverbote ausgesprochen. Das Kultusministerium erließ im März 2018 gar ein flächendeckendes Beschäftigungsverbot für schwangere Lehrerinnen an staatlichen Schulen. In diesem Jahr habe man noch kein solches Verbot verhängt, erklärt das Ministerium. Das sei aber auch ein Extremfall gewesen. Im Normalfall entscheide darüber die jeweilige Schulleitung.

Schwanger und Beschäftigungsverbot: Diese Berufe betrifft es

Unser Mutterschutzgesetz ist eine tolle Sache. Es stellt sicher, dass Du vor und nach dem gesetzlichen Mutterschutz als Schwangere und frischgebackene Mama erwerbstätig bleiben kannst, ohne dass dadurch ein gesundheitliches Risiko für dich oder dein Baby entsteht. Ist das Risiko unvermeidbar und du bekommst ein Beschäftigungsverbot, so ist dein Lohn durch das Gesetz trotzdem gesichert. Doch schwanger und Beschäftigungsverbot: Welche Berufe betrifft das eigentlich?

Unter welchen Bedingungen besteht ein gesundheitliches Risiko für Schwangere? Und welche Alternativen gibt es zum kompletten Arbeitsverbot? Wir haben uns den aktuellen „Leitfaden zum Mutterschutz“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend einmal genauer angesehen und das Wichtigste daraus hier für euch zusammengetragen.

Inhalt dieses Artikels

Was sind die Verpflichtungen meines Arbeitgebers, wenn ich schwanger bin?

Arbeitgeber müssen dafür sorgen, dass Schwangere am Arbeitsplatz keinen gesundheitlichen Schaden nehmen. Sogar dann, wenn gerade gar keine Mitarbeiterin schwanger ist, muss der Arbeitgeber regelmäßig überprüfen, ob es in seinem Betrieb Arbeitsbedingungen gibt, die für eine Schwangere ein Risiko darstellen könnten. Denn nur wenn dies zu jedem Zeitpunkt klar ist, können bei Bekanntwerden der Schwangerschaft einer Mitarbeiterin unverzüglich entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

Wenn du schwanger bist, hast du zudem das Recht, die notwendigen Vorsorgeuntersuchungen bei Hebamme oder Frauenarzt auch während der Arbeitszeit in Anspruch zu nehmen. Die Zeit, die du dafür freigestellt wirst, musst du nicht nacharbeiten und sie darf nicht von deinen Pausen abgezogen werden. Außerdem darf dir deswegen auch nicht weniger Gehalt ausgezahlt werden.

Darüber hinaus ist dein Arbeitgeber verpflichtet, dass der sogenannte betriebliche Gesundheitsschutz gewahrt bleibt. Dazu gehört, dass

  1. …dein Arbeitgeber deinen Arbeitsplatz so einrichtet oder umgestaltet, dass deine physische und psychische Gesundheit sowie die deines Kindes zu jeder Zeit geschützt bleiben.
  2. …du deine Tätigkeiten jederzeit unterbrechen und auch Pausen von deiner Arbeit machen kannst, ohne dass dadurch für dich oder andere eine Gefahr entsteht.
  3. …du keinerlei Arbeitsbedingungen ausgesetzt bist, die für dich aufgrund deiner Schwangerschaft zur besonderen gesundheitlichen Gefahr werden, so wie etwa langes Stehen (Thrombosegefahr!), schweres Heben (u.a. Gefahr einer Plazentaablösung!) oder auch die Notwendigkeit eines Beschäftigungsverbots, die durch die Veränderungen in deinem Immunsystem während der Schwangerschaft einen besonders ernsten Verlauf nehmen und direkt oder indirekt auch deinem Baby schaden können (z.B. Hepatitis E und Röteln).

Wie viel und wie lange darf ich arbeiten?

Den Umfang und die Dauer deiner Tätigkeiten während der Schwangerschaft gibt der arbeitszeitliche Gesundheitsschutz vor. Eine Schwangerschaft ist schließlich körperlich anstrengend und deswegen steht es dir zu, dass du entsprechende Pausen machen kannst und ausreichend lange Ruhezeiten bekommst.

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Dein Arbeitgeber muss dir beispielsweise Räumlichkeiten zum Ausruhen zur Verfügung stellen, in denen du dich setzen oder hinlegen kannst. Nach einem Arbeitstag stehen dir außerdem mindestens 11 Stunden ununterbrochener Ruhezeit zu.

Schwangere dürfen generell nicht nachts arbeiten. Von Arbeiten zwischen 20 und 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen muss dich dein Arbeitgeber freistellen, es sei denn, du erklärst dich ausdrücklich dazu bereit und auch dein Arzt hat nichts dagegen einzuwenden. Dies muss er sogar mit einem ärztlichen Zeugnis offiziell bestätigen. Wenn du an Sonn- und Feiertagen arbeiten darfst und möchtest, hast du direkt im Anschluss an deine 11-stündige Ruhezeit Anspruch auf einen vollen Ersatzruhetag.

Dein Arbeitgeber muss neben all diesen Kriterien zudem sicherstellen, dass du und dein Baby keiner sogenannten „unverantwortbaren Gefährdung“ durch Alleinarbeit ausgesetzt seid. Das heißt, du musst jederzeit Hilfe erreichen können, wenn etwas sein sollte.

Schwanger und Beschäftigungsverbot: Wann und in welchen Berufen ist das nötig?

Wenn es deinem Arbeitgeber nicht möglich ist, Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen deine Gesundheit und die deines Babys ungefährdet sind, so darf er dich deine Tätigkeiten nicht weiter ausüben lassen. Das gilt insbesondere, wenn du bei deiner Arbeit einem oder mehreren der folgenden Faktoren ausgesetzt bist:

  • gefährliche Chemikalien und fruchtbarkeitsschädigende Stoffe
  • Viren, Bakterien und Pilzen*
  • Strahlungen
  • Vibrationen oder Erschütterungen
  • Lärm
  • Hitze, Kälte oder Nässe*
  • sauerstoffarme Luft oder Überdruck
  • körperliche Belastung oder Belastungen durch mechanische Einwirkungen
  • Tätigkeiten, die in einem vorgegebenen Tempo erledigt werden müssen

Die mit einem * gekennzeichneten Faktoren gelten nur dann als gefährdend, wenn du diesen in deinem Arbeitsumfeld stärker ausgesetzt bist, als im alltäglichen Umfeld, wie etwa beim Einkaufen im Supermarkt.

Schwanger und Beschäftigungsverbot: Welche Berufe sind betroffen?

Anhand der oben genannten Faktoren kannst du vermutlich schon erahnen, ob für deinen Job ein Beschäftigungsverbot wahrscheinlich ist oder nicht. Wenn du zum Beispiel im Krankenhaus, in einem Labor oder in einer (Zahn-) Arztpraxis arbeitest, bist du nicht nur Viren, Bakterien und Pilzen ausgesetzt, sondern in manchen Fällen auch Strahlungen und Chemikalien.

Auch Lehrerinnen, Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen haben ein erhöhtes Gesundheitsrisiko, da sie an ihrem Arbeitsplatz ebenfalls vermehrt Viren und Bakterien ausgesetzt sind und auch häufig unter Lärm leiden.

Erzieherinnen sind durch ihre kleinen Schützlinge vermehrt Viren und Bakterien ausgesetzt. Foto: Bigstock

Ähnliches gilt für Altenpflegerinnen, die neben Viren und Bakterien zwar weniger großem Lärm, dafür aber durch das Heben, Betten und Stützen ihrer Patienten schwerer körperlicher Arbeit ausgesetzt sind.

Was in die Kategorie „schwere körperliche Arbeit“ fällt, legt das Mutterschutzgesetz genau fest. Dabei handelt es sich nämlich um Tätigkeiten, bei denen eine Schwangere „ohne mechanische Hilfe regelmäßig Lasten von mehr als 5 Kilogramm oder gelegentlich Lasten von mehr als 10 Kilogramm Gewicht von Hand heben, halten, bewegen oder befördern“ muss oder deren „körperliche Beanspruchung der von solchen Arbeiten entspricht“.

Schwanger und Beschäftigungsverbot, das gilt meist auch für Berufe wie Lageristin, Landschaftsgärtnerin, Paketbotin oder Mitarbeiterin im Supermarkt.

Wenn du in deinem Job lange Zeit ohne viel Bewegung stehen musst, wie etwa hinter einem Verkaufsschalter oder in einer Großküche, oder wenn du eine bestimmte Haltung einnehmen und etwa überwiegend in der Hocke, gebückt oder gestreckt arbeiten musst, dann greift das Beschäftigungsverbot ebenfalls.

In manchen Fällen wird auch der Arbeitseinsatz auf Beförderungsmitteln untersagt, da er als „unverantwortbare Gefährdung“ von Mutter und Kind eingestuft wird. So wird unter Umständen zum Beispiel auch Busfahrerinnen, Pilotinnen, Zugführerinnen sowie Flug- und Zugbegleiterinnen ein Beschäftigungsverbot erteilt.

Schwanger mit Beschäftigungsverbot: Auch Berufe, die eine erhöhte Unfallgefahr durch Fallen, Ausrutschen oder Stürzen mit sich bringen, müssen höchstwahrscheinlich durch ein Beschäftigungsverbot pausiert werden. Nicht zuletzt fallen auch zahlreiche Berufe unter das Beschäftigungsverbot, in denen Akkord- oder Fließarbeit in einem vorgegebenen Tempo verlangt wird.

Ich bin schwanger: Wer entscheidet jetzt, ob ich in meinem Job ein Beschäftigungsverbot erhalte?

Bist du in einem der oben genannten Berufe tätig oder einem der aufgeführten Risikofaktoren ausgesetzt, kannst du dich bei der zuständigen Aufsichtsbehörde informieren, ob das Beschäftigungsverbot in deinem Fall angebracht ist.

Auch dein Arzt oder deine Ärztin kann mit einem entsprechenden ärztlichen Zeugnis die Notwendigkeit eines Beschäftigungsverbots bescheinigen. Aus einem solchen sogenannten ärztlichen Beschäftigungsverbot muss für deinen Arbeitgeber hervorgehen, was genau die gesundheitsgefährdenden Faktoren deiner Arbeit sind, deretwegen du nicht weiter tätig sein sollst.

Schwanger Beschäftigungsverbot Berufe: Muss ich gleich komplett zuhause bleiben, oder gibt es Alternativen?

Es muss nicht immer gleich das volle Beschäftigungsverbot sein. Wenn es beispielsweise möglich ist, dein Arbeitsumfeld durch geeignete Schutzmaßnahmen sicher für dich und dein Baby zu machen, dies aber durch Umbauten oder Umstrukturierungen einige Zeit in Anspruch nimmt, so kannst du auch ein vorläufiges Beschäftigungsverbot erhalten. Auf diese Weise kannst du wieder einsteigen, sobald alle Arbeitsbedingungen passen.

Dein Arbeitgeber kann dir außerdem einen alternativen Arbeitsbereich zuteilen, in dem du keinen Gefahren mehr ausgesetzt bist. Das kann zum Beispiel eine Arbeit am Computer oder Telefon sein.

Manchmal helfen auch schon wechselnde Tätigkeiten oder längere beziehungsweise häufigere Pausen, dir den Arbeitsalltag deutlich zu erleichtern.

Auch kannst du mit deinem Arzt oder deiner Ärztin besprechen, ob nicht schon eine Reduzierung der Stunden eine ausreichende Entlastung für dich mit sich brächte. So musst du nicht gleich alles stehen und liegen lassen, wenn du eigentlich gern weiter arbeiten würdest.

Krankschreibung oder Beschäftigungsverbot: Was ist in meiner Situation besser?

Neben dem schwangerschaftsbedingten Beschäftigungsverbot gibt es natürlich noch die Möglichkeit, sich einfach krankschreiben zu lassen. Bei der sogenannte krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit wird jedoch dein Gehalt nur bis zu sechs Wochen weitergezahlt. Danach gibt es zwar das sogenannte Krankengeld, aber das liegt nur bei 70 Prozent deines Bruttolohns und nicht höher als 90 Prozent deines Nettolohns. Bei einem Beschäftigungsverbot, das sich auf deine Schwangerschaft bezieht, bekommst du dagegen unbefristet deinen vollen Lohn ausbezahlt.

Es gibt jedoch eine Ausnahme, bei der eine Krankschreibung besser ist: Wenn du gerade arbeitslos gemeldet bist, giltst du bei einem Beschäftigungsverbot als nicht vermittelbar und verlierst demnach sofort keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. In dem Fall solltest du also gut abwägen und die Krankschreibung unter Umständen vorziehen.

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