Bakterielle infektion kleinkind

Inhalte

Wissen

Antibiotika unterstützen das Abwehrsystem des Körpers dabei, krankmachende Bakterien – und eben nicht Viren – zu bekämpfen.

Bakterien und Viren – die Unterschiede:

Größe: Bakterien sind viel größer als Viren.
Aufbau: Bakterien bestehen aus Zytoplasma, Ribosomen, einem Erbgut-Faden und einer Zellwand. Viren bestehen dagegen nur aus ihrem Erbgut, das im sogenannten Capsid, einer Hülle aus Proteinen, eingeschlossen ist. Bakterien gehören zu den Lebewesen, weil sie einen Stoffwechsel haben. Viren haben keinen Stoffwechsel, sind deshalb auch keine Lebewesen.
Vermehrung: Bakterien vermehren sich in der Regel durch Zellteilung. Viren können sich nicht eigenständig vermehren, sie brauchen einen Wirt, also eine fremde Zelle. Dort wird die Erbinformation des Virus eingeschleust. Die fremde Zelle wird so programmiert, dass sie viele neue Viren produziert.
Wie sie krank machen: Bakterien machen durch ihre Stoffwechselprodukte krank – sie sind zum Teil für den Menschen giftig. Viren können beim Vermehrungsprozess menschliche Zellen zerstören oder die vom Virus befallene Zelle kann auch vom Abwehrsystem unseres Körpers buchstäblich hinauskatapultiert werden.
Behandlung: Antibiotika helfen nur bei Bakterien. Virostatika helfen bei Viren. Impfstoffe gibt es gegen Bakterien und Viren. So kann man sich zum Beispiel gegen Hepatitis-Viren impfen lassen oder gegen Meningokokken – Bakterien, die eine Hirnhautentzündung auslösen.

Antibiotika wirken also nur bei bakteriell bedingten Erkrankungen, also zum Beispiel bei Mandelentzündung und Lungenentzündung, sofern diese bakteriell bedingt sind, bei Blasenentzündung, eitriger Hautentzündung, Borreliose, Hirnhautentzündung, Scharlach und Tripper.

Die heute wichtigsten Antibiotikaklassen:

  • Acylureido-Penicilline
  • Cephalosporine – 3. und 4. Generation
  • Fluorchinolone
  • Carbapeneme

Antibiotika sind dagegen bei den meisten Erkältungskrankheiten (Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Fieber) sowie Grippe (Influenza) nicht sinnvoll, weil sie durch Viren ausgelöst werden. Bei den meisten Darmentzündungen und bei Masern sollte auch kein Antibiotikum eingenommen werden.

Wie Antibiotika Bakterien zerstören

Antibiotika wirken unterschiedlich: Es gibt Antibiotika, die das Wachstum von Bakterien hemmen – sogenannte bakteriostatische Antibiotika. Und es gibt Antibiotika, die die Bakterien ganz abtöten – sogenannte bakterizide Antibiotika. Doch das ist nicht der einzige Unterschied. Es gibt auch verschiedene Antibiotikaklassen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen.

So zerstören zum Beispiel Penicilline die Bakterienzellwand, sodass sich die Bakterien auflösen. Andere Antibiotikatypen greifen in den Stoffwechsel der Bakterien ein, wodurch sich die Bakterien nicht mehr vermehren können.

Warnung vor Fluorchinolon-Antibiotika

Aber nicht alle Antibiotikatypen sind für den Menschen unbedenklich. In der Kritik stehen sogenannte Fluorchinolon-Antibiotika. Sie können zahlreiche schwerwiegende Nebenwirkungen haben, die erhebliche Gesundheitsschäden verursachen können. Laut Stefan Pieper, Allgemeinmediziner aus Konstanz und Experte für Schäden durch Fluorchinolone, können folgende Störungen durch die Einnahme von Fluorchinolon-Antibiotika auftreten:

  • Fluorchinolone greifen das Kollagen im Körper an. Dies kann zu Sehnenrissen, Netzhautablösungen und Arterienrissen führen.
  • Fluorchinolone haben eine neurotoxische Wirkung: Das kann langfristige, teils schwer zu behandelnde Nervenschäden auslösen.
  • Rezeptoren der Neurobotenstoffe werden durch Fluorchinolone blockiert. Dieser Defekt kann bei Patienten Unruhe, Angst, Panik oder suizidale Tendenzen auslösen.
  • Außerdem ist ein Chronisches Erschöpfungssyndrom durch Fluorchinolone möglich.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veröffentlichte im April 2019 deshalb sogar einen sogenannten „Rote Hand Brief“, in dem es Ärzten riet, Fluorchinolone nur noch im Einzelfall zu verschreiben. Nach Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der Krankenkasse AOK (WIdO) erhielten 2018 trotz der Gesundheitsgefahren noch mehr als drei Millionen aller gesetzlich krankenversicherten Patienten in Deutschland Fluorchinolon-Präparate. 40 000 der betroffenen Patienten könnten dem WIdO zufolge von Sehnenrissen, Schädigungen des Nervensystems sowie der Hauptschlagader betroffen sein.

Hier wirken Antibiotika:

  • an der Bakterienzellwand: Penicilline, Cephalosporine. Bacitracin, Vancomycin, Fosfomycin, Carbapeneme
  • beim Folsäure-Stoffwechsel: Trimethoprim, Sulfonamide
  • an der Zellmembran: Polymyxine
  • bei der Proteinbiosynthese: Tetrazykline, Aminoglykoside (Streptomycin, Gentamicin, Amikacin), Erythromycin, Chloramphenicol, Clindamycin
  • bei der DNA-Replikation: Nitroimidazol, Quinolone
  • bei der DNA-abhängigen RNA-Polymerase: Rifampicin
  • Antibiotika: nicht immer notwendig: am 12. Dezember 2017 um 19 Uhr in „Gesundheit!“, BR fernsehen
  • Antibiotika – Fluch oder Segen?: am 18 November 2017 um 12.05 Uhr im „Gesundheitsgespräch“, Bayern 2

Sinusitis-MedikamenteSinusitis: Wann helfen Antibiotika?

Viele Ärzte verschreiben grundsätzlich ein Antibiotikum bei Infektionen der Atemwege wie der Sinusitis. Antibiotika sollten jedoch nur in bestimmten Fällen verabreicht werden – andernfalls ist der Schaden größer als der Nutzen.

Antibiotika werden bei einer akuten oder chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen zur Bekämpfung von bakteriellen Infekten eingesetzt. Weil aber auch Viren eine Sinusitis verursachen können, ist die Gabe von Antibiotika nicht immer hilfreich. Im Gegenteil – bei viraler Ursache der Sinusitis bleibt das Antibiotikum wirkungslos und verursacht unerwünschte Nebenwirkungen.

Schwierige Diagnose des Sinusitis-Typs

Teil des Problems der Gabe von Antibiotika liegt sicherlich in der schwierigen Unterscheidung einer viral und einer bakteriell bedingten Sinusitis. Letztere erkennt man grundsätzlich an

  • starken und hartnäckigen Symptomen über mehr als 2 Wochen
  • eitrigem Nasensekret
  • Fieber

In dieser eindeutigen Form trifft man die Merkmale eines bakteriellen Infekts jedoch selten an. Aufgrund der Symptome oder anhand eines Röntgenbildes lässt sich in den wenigsten Fällen eine eindeutige Diagnose stellen.

Viele Mediziner tendieren in dieser Situation dazu, Antibiotika verfrüht bzw. bei geringem Verdacht auf eine Sinusitis mit Bakterienbildung zu verschreiben. In vielen Fällen werden Antibiotika unnötig verschrieben wie mehrere Studien belegen. Bei Patienten mit einer Kieferhöhlenentzündung verschwinden die Sinusitis-Symptome in etwa 80 % der Fälle von allein. Antibiotika sorgen nur bei weniger als 10 von 100 Personen für eine Besserung.

Antibiotika – Nebenwirkungen und Resistenzbildungen

Angesichts der niedrigen Erfolgsquote von Antibiotika bei Sinusitis, stellt sich die Frage nach den entstehenden Nachteilen der Anwendung. Mögliche Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Probleme und Pilz-Infektionen sind zwar bekannt, kommen aber eher selten in schwacher Ausprägung vor.

Antibiotika sollten jedoch vor allem aus einem anderen Grund sparsam verwendet werden: Die häufige Einnahme von Antibiotika führt dazu, dass sich bestimmte Krankheitserreger weiterentwickeln bzw. Resistenzen ausbilden. Wenn sich diese Erreger dann verbreiten, können sie mit Antibiotika nicht mehr behandelt werden. Um solchen Resistenzbildungen vorzubeugen, sollte man Antibiotika nicht allein aus vorsorglichen Gründen einnehmen.

Wann helfen Antibiotika bei Sinusitis?

Aus den genannten Gründen sind Antibiotika bei einer akuten oder chronischen Sinusitis nicht das Mittel der ersten Wahl. Je nach Schwere der Erkrankung kommen zunächst Sole-Inhalationen und abschwellende oder kortisonhaltige Nasensprays zum Einsatz.

Eine Gabe von Antibiotika ist bei einer Nasennebenhöhlenentzündung dann angezeigt, wenn

  • starke Symptome wie Fieber und eitriges Sekret auftreten
  • die anderen therapeutischen Maßnahmen keine Wirkung zeigen
  • Anzeichen ernsthafter Komplikationen wie Schwellungen um die Augen oder Hautrötungen auftreten
  • weitere schwere Erkrankungen vorhanden sind
  • die Symptome auch nach 1 – 2 Wochen nicht abklingen

Auch bei einer bakteriell verursachten Sinusitis in der Schwangerschaft sollte auf die Einnahme von Antibiotika nicht verzichtet werden.

Antibiotika sollten nach begonnener Therapie mehrere Tage eingenommen werden, um sicherzustellen, dass alle Bakterien verschwunden sind. Empfohlen wird eine Therapiedauer von 5–7 Tagen.

Aktuelle Tipps für gesunde Atemwege!

  • kostenlos per E-Mail
  • ideal bei häufigen Beschwerden
  • alle 3 Monate aktuelle Tipps

Fast fertig: Bitte bestätigen Sie Ihre Anmeldung! Prüfen Sie ihr Postfach und bestätigen Sie den Link um die Anmeldung abzuschließen.

(Hinweise zu Datenschutz, Analyse und Widerruf)

Kindersprechstunde: Bei Fieberanstieg droht die bakterielle Superinfektion

Anzeige

Kinder mit einer Influenza sind besonders empfänglich für zusätzliche Bakterieninfektionen. „Wenn am dritten bis siebten Tag der Grippeerkrankung das Fieber wieder ansteigt, besteht der Verdacht auf eine solche zusätzliche bakterielle Infektion“, warnt Ursel Lindlbauer-Eisenach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln.

Diese sogenannte Superinfektion sollte rasch mit Antibiotika behandelt werden. „Denn eine bakterielle Superinfektion kann sich in kurzer Zeit zu einer lebensbedrohlichen Situation entwickeln.“ Für Kinder sei also nicht nur die Influenza selbst ein erhebliches Gesundheitsrisiko, sondern auch durch sie begünstigte bakterielle Zweitinfektionen.

„Auch im Hinblick auf solche möglichen Komplikationen sollten sie deshalb durch eine Impfung vor der Influenza geschützt sein“, rät Lindlbauer-Eisenach, die auch Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut ist. Die meisten Kinder, die in den USA zwischen 2003 und 2008 wegen einer Influenzaerkrankung ins Krankenhaus mussten, hatten sich eine zusätzliche bakterielle Lungenentzündung zugezogen.

Anzeige

Diese führte zu schwerwiegenden Komplikationen, so dass die Kindern intensivmedizinisch behandelt werden mussten. Der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC zufolge waren Kinder zwischen einem halben und vier Jahren und solche, die unter Asthma litten, am stärksten betroffen.

Für die Zukunft prognostizieren Experten der CDC, dass bei Grippeepidemien Sekundärinfektionen mit Bakterien eine der Hauptursachen für Todesfälle sein werden. Ähnliche Ergebnisse fand das „Community-Acquired Pneumonia Competence Network“ (CAPNETZ) für Deutschland.

Demnach kann eine bakterielle Zweitinfektion das Sterberisiko der Patienten um ein Dreifaches von drei auf neun Prozent erhöhen. Nach neuen Erkenntnissen zur Wechselwirkung von Grippeviren und bakteriellen Zweitinfektionen erleichtern Grippeviren offenbar das Eindringen von Bakterien in menschliche Zellen.

Anzeige

Dabei greifen die Bakterien meist die schon geschwächten Atemwege an, oder sie breiten sich im ganzen Körper aus. Laut Lindlbauer-Eisenach empfiehlt die STIKO die Grippeimpfung insbesondere für Kinder und Jugendliche mit chronischen Krankheiten der Atemwege, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen oder einer Immunschwäche.

Bakterielle Infektionen nach Erkältung und Grippe

Anzeige

Wie entstehen bakterielle Infektionen?

Bakterien im Körper sind oft sehr nützlich wie zum Beispiel die Darmbakterien. Eine bakterielle Infektion hingegen kann durchaus gefährlich werden. Auf jeden Fall gehört sie in die Hand von Ärzten, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Säuglinge, Frühgeborene oder Kinder mit Entwicklungsstörungen stellen eine besondere Risikogruppe dar. Hier verraten wir, welche bakteriellen Infektionen aus einer Erkältung oder Grippe resultieren können, wie man sie erkennt und was dahinter steckt.

Anzeige

Bakterielle Infektion der Augen – Konjunktivitis

Mit Augenentzündungen ist meistens eine Entzündung der Bindehaut gemeint. Diese kann schmerzhaft sein und das Sehen beeinträchtigen. Die Augen sind dann für gewöhnlich gerötet, angeschwollen, tränen mehr als sonst oder können sogar verklebt seien. Für Babys sind Bindehautentzündungen sehr unangenehm. Die Augen jucken und brennen, das Baby versucht durch Kratzen und Reiben den Reiz zu lindern. Dies kann zusätzlichen Schmutz in das Auge transportieren und die Entzündung weiter verschlimmern. Bindehautentzündungen klingen normalerweise folgenlos wieder ab, jedoch können sie auch ein Anzeichen auf Rheuma sein. Bei vielen rheumatischen Erkrankungen sind auch die Augen beteiligt.

Bakterielle Infektion der Nebenhöhlen – Sinusitis

Unter einer Nebenhöhlenentzündung versteht man eine akute oder chronische Entzündung der Schleimhäute in den Nasennebenhöhlen. Durch eine Schwellung der Schleimhäute können sich die Nebenhöhlen nicht mehr ausreichend belüften und reinigen. Das Nasensekret staut sich. Bakterien, Viren und manchmal auch Pilze können sich nun gut vermehren. Die Folgen sind eine behinderte Nasenatmung, Fieber und Kopfschmerzen. Das austretende Nasensekret ist oft grün-gelblich. Bei Kindern ist die Sinusitis meist akut und wird oft von Husten und Halsschmerzen begleitet.

Anzeige

Bakterielle Infektion der Mandeln – Angina

Recht schmerzhaft kann auch eine Mandelentzündung sein. Kinder und junge Erwachsene leiden am häufigsten darunter. Der Rachen ist im Krankheitsverlauf stark gerötet, man kann kaum schlucken und hat vielleicht auch Fieber. Die Gaumenmandeln sind angeschwollen und haben weiß-gelbliche Beläge. Kinder riechen typischerweise unangenehm aus dem Mund. Ein geschwächter Allgemeinzustand, Stress oder eine geschwächte Abwehr können die Entstehung einer Mandelentzündung begünstigen.

Mittelohrentzündungen – Otitis media

Die Mittelohrentzündung entsteht meist in Zusammenhang mit einer Erkältung oder Grippe. Viren oder Bakterien können durch die Verbindung zwischen Ohr und Nasen-Rachen-Raum in das Mittelohr gelangen. Dort führt die bakterielle Infektion zu einer Entzündung. Die Ohrtrompete schwillt an und verhindert, dass Flüssigkeit und Eiter abfließen können. Stechende oder pochende Ohrenschmerzen sind die Folge. Man kann in der Regel auch einen gewissen Druck im Ohr spüren. Das Hörvermögen ist vermutlich insgesamt vermindert. Babys zupfen sich bei einer Mittelohrentzündung häufig am Ohr, weinen, trinken wenig und haben oft auch Fieber. Besonders häufig ist die Erkrankung aber zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr.

Bronchitis und Lungenentzündung – Pneumonie

Bei der Bronchitis entzünden sich die Schleimhäute der Bronchien. Anzeichen einer Bronchitis sind Fieber, eitriger Auswurf, eine erschwerte Atmung oder auch Schüttelfrost. Verschlimmert sich die Bronchitis kann es zu einer Lungenentzündung (Bronchopneunomie) kommen. Die Symptome werden dann stärker, es kann zusätzlich zu Schmerzen in der Brust kommen. Vor allem Kinder im Säuglings- und Kleinkindalter sind von der Bronchopneunomie betroffen. Eine normale Lungenentzündung (Pneunomie) kann jedoch auch ohne vorhergehende Bronchitis auftreten.

Bakterielle Infektion der Herzinnenhaut – Endokarditis

Das Herzinnere und die Herzklappen sind mit einer dünnen Haut überzogen. Bei einer Endokarditis entzündet sich dieses Häutchen. Dies geschieht meist durch Bakterien, die in den Blutkreislauf gelangt sind. In der Folge können die Herzklappen zerstört werden, es können Herzklappenfehler zurückbleiben. Bei Kindern sind Herzinnenhautentzündungen besonders häufig. Nach dem 25. Lebensjahr tritt sie sehr selten auf. Oft leiden Betroffene unter Schüttelfrost und Fieber. Viele haben Schweißausbrüche und sind appetitlos. Herzklopfen und Herzrasen sind ebenso Anzeichen für eine Herzinnenhautentzündung.

Babys erster Infekt: Was dahinterstecken kann

5. April 2018 8 Min.

Als Infektionskrankheit (umgangssprachlich auch Infekt) wird eine durch Viren, Bakterien oder andere Mikroorganismen hervorgerufene Erkrankung bezeichnet. Um uns gegen die potentiellen Eindringlinge zur Wehr zu setzen, besitzen wir ein Immunsystem – ein komplexes Verteidigungsnetzwerk, das in der Lage ist, Krankheitserreger zu erkennen und zu beseitigen. Seine volle Funktionsfähigkeit erreicht das Abwehrsystem jedoch erst in der Pubertät. Bis dahin sind Kinder und vor allem Babys besonders anfällig für Infekte unterschiedlicher Art.

Infekte der Atemwege – bei Babys besonders häufig

Zu den frühesten Krankheiten, mit denen das Immunsystem von Babys kämpfen muss, gehören Infekte der Atemwege. Die Atemwege umfassen neben der Lunge selbst auch diejenigen Teile des Körpers, die Luft zur Lunge führen (Hals-Nasen-Rachenraum, Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien). Der ständige Kontakt mit der Atemluft und den darin enthaltenen Keimen macht die Schleimhäute, die die Atemwege auskleiden, zu einem Angriffspunkt für Viren und Bakterien. Dabei sind bei Babys Infekte in den Atemwegen noch häufiger als bei Erwachsenen, denn ihre Immunabwehr ist noch nicht ausgereift.

Folgende Atemwegsinfektionen kommen bei Kindern besonders oft vor:

  • Erkältung (grippaler Infekt) und Grippe
  • Bronchitis
  • Lungenentzündung
  • Keuchhusten
  • Pseudokrupp (Schleimhautentzündung im Bereich des Kehlkopfes oder der Stimmbänder)

Wir alle kennen die bekanntesten Anzeichen für Atemwegsinfektionen wie Husten, Schnupfen, Fieber und eine allgemeine Abgeschlagenheit. Die genaue Ausprägung der Symptome sowie die Kombination hängt unter anderem von der Art der Erkrankung ab, aber auch von dem jeweils verantwortlichen Krankheitserreger. So sind beispielsweise sowohl Grippe als auch Erkältung viral bedingte Erkrankungen der oberen Atemwege und deshalb häufig mit einer verstopften Nase verbunden. Im Gegensatz dazu betrifft eine Bronchitis die unteren Atemwege, sodass Schnupfen nicht zu den typischen Beschwerden zählt. Stattdessen macht sich in diesem Fall oft ein besonders ausgeprägter Husten bemerkbar.

Impfung und Co.: Vorbeugung von Infekten beim Baby

Zahlreiche, zum Teil gefährliche, Infektionskrankheiten werden bei Kindern immer seltener. Der Grund ist die Verfügbarkeit effektiver Impfungen, die Ihr Baby vor den Infekten schützen können. Zu den Erkrankungen, gegen die Impfungen von Kinderärzten empfohlen werden, gehören beispielsweise:

  • Diphterie
  • Tetanus
  • Pertussis (Keuchhusten)
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung)
  • Masern
  • Mumps
  • Röteln

Wie jedes Medikament können auch Impfstoffe mit Nebenwirkungen verbunden sein. Allerdings werden die für Kinder empfohlenen Impfungen in den allermeisten Fällen sehr gut vertragen und bieten Schutz gegen Infekte, die für Babys zum Teil lebensgefährlich sein können. Dennoch liegt die Entscheidung, ob Sie Ihr Kind impfen lassen wollen oder nicht, bei Ihnen. Eine Verpflichtung besteht in Deutschland nicht.

Neugeborenengelbsucht bei Babys: Ein Infekt ist nicht die Ursache

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort Gelbsucht (Ikterus) häufig als Synonym für die viral bedingte Leberentzündung (Hepatitis) verwendet. Aus medizinischer Sicht beschreibt der Begriff Gelbsucht allerdings lediglich ein Phänomen, bei dem sich die Haut, die Schleimhäute und das Augenweiß gelb färben – und das kann neben der Leberentzündung zahlreiche andere Ursachen haben.
Auch die sogenannte Neugeborenengelbsucht, die bei mehr als der Hälfte aller Babys beobachtet werden kann, ist nicht die Folge eines viralen Infekts, sondern eine meist harmlose, natürliche Erscheinung in den ersten Lebenstagen.2 Grund dafür ist eine Anreicherung der gelben Substanz Bilirubin im Blut von Neugeborenen. Bilirubin entsteht beim Zerfall von roten Blutkörperchen als Abfallprodukt aus dem Blutfarbstoff Hämoglobin. Bei Säuglingen kommt es aus mehreren Gründen zur Ansammlung des gelben Stoffs:

  1. Neugeborene besitzen einen Überschuss an roten Blutkörperchen, die nach der Geburt nicht benötigt werden.
  2. Der Abbau von Bilirubin ist bei Säuglingen verlangsamt, da ihre Leber, die diese Funktion übernimmt, noch nicht vollständig ausgereift ist.

In der Regel verschwindet die Neugeborenengelbsucht nach 10 bis 14 Tagen von allein.1 Sollte das nicht der Fall sein, ist es besser, den Arzt zu kontaktieren, der eine Blutuntersuchung durchführt. In seltenen Fällen kann die Bilirubin-Konzentration so stark ansteigen, dass sie eine schädigende Wirkung auf das Gehirn des Kindes ausübt. Um den Abbau von Bilirubin zu beschleunigen, erfolgt eine Therapie mit Licht einer bestimmten Wellenlänge.

Mittelohrentzündung bei Babys: Grippaler Infekt im Ohr?

Mittelohrentzündungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei Kleinkindern. Auslöser sind in der Regel virale oder bakterielle Krankheitserreger. In den meisten Fällen geht der Mittelohrentzündung bei Babys ein grippaler Infekt voraus, der sich vom Nasen-Rachenraum ins Ohr ausbreitet. Der Rachen und das Ohr sind über die sogenannte Eustachische Röhre miteinander verbunden. Sie dient in erster Linie dem Abtransport von Sekret sowie dem Druckausgleich. Bei Babys ist diese Röhre kürzer als bei Erwachsenen, wodurch sich der Infekt leichter ins Ohr verlagern kann.

Die folgenden Symptome sind typisch für eine Mittelohrentzündung:

  • Ohrenschmerzen (das Baby fasst sich aufgrund des Infekts häufig ans Ohr)
  • zeitweise vermindertes Hörvermögen
  • Fieber
  • allgemeine Krankheitszeichen wie Abgeschlagenheit (Schläfrigkeit) und Appetitlosigkeit
  • häufiges Weinen

Im Normalfall dauert eine Mittelohrentzündung nicht länger als zwei bis drei Tage und erfordert keine ärztliche Behandlung. Eltern können die infolge des Infekts auftretenden Schmerzen bei Ihrem Baby jedoch lindern, indem sie beispielsweise mit Zwiebeln gefüllte Säckchen auf das Ohr ihres Schützlings legen. Wenn die Symptome schwer sind oder länger anhalten, sollten Sie den Infekt Ihres Babys von einem Mediziner näher untersuchen lassen.3

Bindehautentzündung bei Babys

Die charakteristischen Anzeichen einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) sind gerötete und tränende Augen. In einigen Fällen können auch Schmerzen, Juckreiz und Schwellungen an den Augenlidern hinzukommen. Je nach zugrunde liegender Ursache werden mehrere Arten von Bindehautentzündung unterschieden, darunter:

  • infektiöse Bindehautentzündung: Ein viraler oder bakterieller Infekt kann die Erkrankung beim Baby verursachen.
  • allergische Bindehautentzündung: Wenn Ihr Kind beispielsweise allergisch auf Pollen oder Tierhaare reagiert, kann der Kontakt mit dem entsprechenden Allergen (also dem Allergie-auslösenden Stoff) die Symptome einer Bindehautentzündung hervorrufen.
  • mechanisch bedingte Bindehautentzündung: Eine Bindehautentzündung kann auch die Folge einer mechanischen Reizung der Augen sein. Ein typisches Beispiel hierfür sind die geröteten Augen des Kindes nach einem langen Aufenthalt im chlorhaltigen Wasser eines Schwimmbads.

Infektionsbedingte Bindehautentzündungen sind hoch ansteckend und übertragen sich leicht von einem Auge auf das zweite oder auch auf andere Personen. Die Krankheit verläuft meist mild und heilt selbstständig ab. Dennoch ist ein Besuch beim Arzt ratsam, um festzustellen, ob bei Ihrem Baby ein Infekt hinter der Entzündung steckt und das Kind aufgrund der Ansteckungsgefahr zu Hause bleiben sollte. Auch kann der Arzt, falls notwendig, eine Behandlung mit Antibiotika-haltigen Augentropfen veranlassen.

Wann Sie wirk­lich Anti­bio­tika nehmen müssen

Sie gelten als Meilenstein der Medizin: Antibiotika. Erst mit der Entdeckung dieser Wirkstoffgruppe konnten lebensbedrohende Infektionen wie Blutvergiftung oder Lungenentzündung bekämpft werden. Auch große Operationen wie Organtransplantationen wären ohne Antibiotika undenkbar. Überschätzt werden sollten die Medikamente dennoch nicht: Sie wirken nur gegen Bakterien, und das immer weniger.

Wie Antibiotika wirken

Für die Therapie mit Antibiotika stehen verschiedene Substanzen, sogenannte Wirkstoffklassen, zur Verfügung. Jede Substanzgruppe verfügt über ihren eigenen Wirkmechanismus, aber alle Antibiotika haben ein Ziel: Krankmachende Bakterien im menschlichen Körper an ihrer Verbreitung zu hindern und abzutöten. Dafür greifen die Antibiotika in den Stoffwechsel der Bakterien ein und hemmen das weitere Wachstum der Krankheitserreger oder töten die Bakterien gezielt ab.

„Wann ein Patient ein Antibiotikum benötigt, kann nur ein Arzt entscheiden, der den Patienten untersucht hat und seine Konstitution und Krankengeschichte kennt“, sagt Petra Rudnick, Allgemeinärztin im TK-Ärztezentrum. Leichtfertig verschriebene oder gar eigenmächtig eingenommene Antibiotika führen zu einem häufigen und unnötigen Einsatz der Arzneimittel, zum Beispiel bei Erkältungskrankheiten ‑ immerhin die häufigste Infektion in Europa. Nahezu 90 Prozent aller Erkältungen mit den typischen Symptomen wie Schnupfen, Husten und Halsschmerzen werden durch Viren hervorgerufen.

Gegen Viren sind Antibiotika jedoch machtlos. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und bieten Antibiotika damit keine Angriffsfläche. Gleichzeitig wird durch die unnötige Einnahme das Risiko erhöht, dass gegen Antibiotika unempfindliche Bakterien häufiger auftreten und die verfügbaren Medikamente nicht mehr wirken.

Antibiotika gezielt einsetzen

Als einen weiteren Grund, warum Resistenzen immer häufiger vorkommen, nennen Experten auch den oftmals fragwürdigen Einsatz von Breitbandantibiotika, wenn eine gezielte Antibiotikatherapie möglich wäre.

Was sind Breitbandantibiotika?

Mit ihren unterschiedlichen Wirkweisen können einige Antibiotika gezielt bestimmte Bakterien außer Gefecht setzen – und zwar mit folgenden „Taktiken“:

  • Zerstörung der Zellwand und damit Abtötung
  • Hemmung der Eiweiße, die für das Bakterienwachstum benötigt werden
  • Hemmung des Vitamins Folsäure, das für die Bakterienvermehrung benötigt wird
  • Hemmung eines Enzyms, das für die Bakterien lebenswichtig ist

Breitbandantibiotika nutzen auch diese Wirkweisen, wirken jedoch gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Bakterien. Welcher Erreger die Infektion ausgelöst hat, wird im Labor festgestellt.

„Wenn das Laborergebnis noch nicht feststeht, sollten Breitbandantibiotika nur in einer Akutphase eingesetzt werden“, sagt Rudnick. „Sobald der Erreger bekannt ist, sollte so schnell wie möglich auf die gezielte Antibiotikatherapie umgestellt werden. Das erhöht den Behandlungserfolg und reduziert unerwünschte Nebenwirkungen.“

Wann eine Einnahme sinnvoll ist

Wann ein Antibiotikum sinnvoll eingesetzt wird, entscheidet der Arzt. Wichtige Gründe, ein Antibiotikum einzunehmen, sind zum Beispiel eine Lungenentzündung und schwere Harnwegsinfektionen.

Mittelohrentzündung: Antibiotika Ja oder Nein?

Symptome der Mittelohrentzündung sind Ohrenschmerzen, Druckgefühl, schlechtes Hören, Fieber, bei kleineren Kindern können Bauchschmerzen oder Erbrechen dazukommen. Säuglinge sind unruhig, weinerlich und greifen sich häufiger ans das betroffene Ohr.

Am Beginn einer Mittelohrentzündung steht fast immer ein Infekt der Atemwege wie ein Schnupfen. Dieser wird durch Viren ausgelöst wie RS-Viren, Rhino-Viren oder Influenza-Viren. Das Mittelohr ist eine luftgefüllte Kammer, die durch das Trommelfell vom äußeren Gehörgang abgeschlossen wird. Sie ist über die Eustachische Röhre oder Tube mit dem Rachenraum verbunden. Die Viren sorgen nun für eine Entzündung der Schleimhäute der Tube und des Mittelohres.

Mittelohrentzündung: Sekret drückt aufs Trommelfell

Die Tube schwillt zu, das Mittelohr wird nicht mehr belüftet. Die Schleimhaut des Mittelohres produziert ein wässriges Sekret, das durch den verstopften Kanal nicht abfließen kann und aufs Trommelfell drückt. Dann können sich dort zusätzlich Bakterien ausbreiten, sie sorgen dafür, dass die Schleimhäute ein eitriges Sekret bilden, das einen noch größeren Druck auf das Trommelfell ausübt. Bakterien können aber auch der primärer Auslöser der Mittelohrentzündung sein, sie sind dann über die Tube aus dem Rachenraum eingewandert.

Bei Ohrenschmerzen sollten die Kinder auf jeden Fall dem Arzt vorgestellt werden. Über ein Ohr-Mikroskop kann er im Krankheitsfall die Rötung des Trommelfells und das dahinter durchscheinende wässrige Sekret sehen, das Trommelfell ist durch den Unterdruck im Mittelohr trichterförmig eingezogen. Hat sich eitriges Sekret gebildet, ist das Trommelfell stark gerötet und zum Gehörgang hin ausgewöbt. Wird viel eitriges Sekret produziert, das nicht abfließt, kann das Trommelfell reißen, das Sekret läuft in den Gehörgang. Der Arzt saugt es dann ab.

Mittelohrentzündung: Antibiotika in bestimmten Fällen

Zunächst werden meist abschwellende Nasensprays oder Nasentropfen verschrieben, damit die Tube abschwellen und das Sekret in den Rachenraum abfließen kann. Den Schmerz lindern schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe wie Paracetamol oder Ibuprofen.

Studien zufolge heilt die Mittelohrentzündung dann meist von allein ab: In 60 Prozent der Fälle innerhalb von 24 Stunden, in bis zu 85 Prozent der Fälle innerhalb von 2-3 Tagen, in 90 Prozent der Fälle nach 4-7 Tagen. Auch ein möglicher Riss im Trommelfell heilt von allein wieder zu. Mit Verschreibung von Antibiotika sind die Kinderärzte vorsichtiger geworden, da die Gefahr von Resistenzen droht. Sie können Nebenwirkungen haben wie Übelkeit, Durchfall oder Hautausschläge. Außerdem stören Antibiotika in den ersten Lebensjahren die Entwicklung der Darmflora.

Es gibt Regeln, wann Antibiotika gegeben werden sollten: Wenn das erkrankte Kind unter sechs Monaten alt ist, wenn beide Ohren betroffen sind und das Kind jünger als 2 Jahre alt ist, wenn das Fieber über 39 Grad ansteigt, wenn der eitrige Ausfluss anhält oder die Beschwerden nach 2-3 Tagen unvermindert bestehen. Wenn an der Mittelohrentzündung nur Viren beteiligt sind, nützen Antibiotika nichts.

Mittelohrentzündung: Paukenerguss kann bestehen bleiben

Bei den meisten Kindern bleibt nach der abgeheilten Mittelohrentzündung Sekret im Mittelohr, weil die Tube nach wie vor verengt ist, und das Trommelfell bleibt eingezogen. Dieser so genannte Paukenerguss ist bei 40 Prozent der Kinder noch nach vier Wochen vorhanden, bei 25 Prozent noch nach drei Monaten. Der Paukenerguss führt zu Druckgefühl und beeinträchtigt das Hören. Hält er länger an, kann das die kindliche Sprachentwicklung stören.

Um das Problem zu beheben, kann der HNO-Arzt einen kleinen Schnitt ins Trommelfell machen und ein Paukenröhrchen einsetzen, durch das das Sekret abfließen kann. Diese Drainiage bleibt ein paar Monate im Ohr. Leiden Kinder mindestens vier Mal im Jahr unter Mittelohrentzündungen, kann das Paukenröhrchen vorbeugend eingesetzt werden. Paukenergüsse lassen sich auch mit einem Nasenballon behandeln.

Wie Eltern einer Mittelohrentzündung ihres Kindes vorbeugen

Bei Kindern, deren Rachenmandeln entzündlich vergrößert sind, versperren diese den Eingang zur Tube, das Mittelohr wird nicht belüftet, Keime breiten sich aus. So kann sich eine chronische Mittelohrentzündung einstellen. In einigen Fällen werden die Rachenmandeln dann mit einer Operation entfernt.

Einer Mittelohrentzündung insbesondere bei kleinen Kindern vorbeugen könnten Stillen bis zum 6. Monat, das Abgewöhnen des Schnullers und das Vermeiden von Zigarettenrauch. Auch die für Kinder empfohlene Pneumokokken-Impfung senkt die Rate. Die in Rohmilch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren sollen ebenfalls einen schützenden Effekt haben. Auch Erwachsene können an einer Mittelohrentzündung erkranken, meist in Folge einer schweren und langwierigen Erkältung.

Foto: Photographee.eu

Erkältung

Antibiotika nehmen oder nicht?

(PantherMedia / Bernd Leitner) Bei einer einfachen Erkältung sind Antibiotika nicht sinnvoll: Sie können weder den Schnupfen lindern, noch die Krankheitsdauer verkürzen, führen aber oft zu verschiedenen Nebenwirkungen.

Eine einfache Erkältung mit Symptomen wie Husten, Schnupfen und manchmal leichtem Fieber wird normalerweise durch Viren verursacht. Fast immer heilt sie innerhalb von zwei Wochen von selbst aus. Oft tritt eine Besserung schon nach einigen Tagen ein.

Da Antibiotika nur Bakterien abtöten können, aber nicht gegen Viren wirken, können sie gegen eine Erkältung normalerweise nichts ausrichten. Manchmal kommt es jedoch zu einer Folgeinfektion mit Bakterien. Ein möglicher Nutzen von Antibiotika wäre, wenn sie solche Zweitinfektionen verhindern. Da Erkältungen aber fast immer ohne Probleme von selbst ausheilen und Antibiotika häufig Nebenwirkungen haben, müssen die Vor- und Nachteile ihrer Anwendung gut abgewogen werden.

Um die Vor- und Nachteile einer Antibiotika-Behandlung bei einfachen Erkältungen abschätzen zu können, haben Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration gezielt nach Studien hierzu gesucht. Sie fanden insgesamt elf Studien, an denen in der Regel ansonsten gesunde Kinder, Jugendliche oder Erwachsene teilgenommen hatten.

Schlechte Bilanz für Antibiotika gegen einfache Erkältungen

Die Studien zeigten, dass Antibiotika gegen einfache Erkältungen nichts nützen: Unabhängig davon, ob die Erkrankten Antibiotika nahmen oder nicht, hielten die Erkältungsbeschwerden ähnlich lange an. Allerdings traten bei etwa einer von 10 Personen, die Antibiotika nahmen, Nebenwirkungen auf. Dabei handelte es sich gewöhnlich um Durchfall, Übelkeit und andere Magen-Darm-Beschwerden. Andere häufige Nebenwirkungen von Antibiotika sind Hautausschläge und bei Frauen Scheidenentzündungen.

Die Studienergebnisse sprechen gegen einen breiten Einsatz von Antibiotika bei einfachen Erkältungen. Antibiotika sollten also erst dann erwogen werden, wenn durch eine Folgeinfektion mit Bakterien Komplikationen auftreten. Diese sind aber sehr selten.

Es gibt noch einen anderen guten Grund, Antibiotika nur mit Bedacht einzusetzen: Ihr übermäßiger Einsatz gegen harmlose Krankheiten führt dazu, dass Bakterien mit der Zeit unempfindlich (resistent) gegenüber Antibiotika werden. Bei ernsthafteren Infektionen wirken die Mittel dann unter Umständen nicht mehr.

Quellen

Kenealy T, Arroll B. Antibiotics for the common cold and acute purulent rhinitis. Cochrane Database Syst Rev 2013; (6): CD000247.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.
Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.
Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

Diese Seite kommentieren oder teilen

Schlagwörter: Atemwege, Atemwegserkrankungen, Erkältung, Grippaler Infekt, Halsschmerzen, Immunsystem und Infektionen, J00, J02, J04, J06, J98, R05, R07, Schnupfen Aktualisiert am 20. September 2017 20. September 2017
Erstellt am 14. Februar 2006
Nächste geplante Aktualisierung: 2020
So arbeiten wir Autoren/Herausgeber: Institut für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Über die Autoren und das Institut

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.