Baby zappelig und unruhig

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ADHS und ADS: Wenn Kinder nicht zur Ruhe kommen

Kinder sind Individuen. Manche blättern stundenlang hingerissen in Bilderbüchern, andere sind von Natur aus lebhafter, lassen sich schneller ablenken, wollen ständig Neues haben und in Bewegung sein. Solche unruhigen Gemüter müssen nicht gleich hyperaktiv sein. Doch fällt Ihr Sprössling häufiger durch aggressives oder zerstreutes Betragen aus dem Rahmen, sollten Sie hellhörig werden. Vielleicht leidet er an einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung, kurz ADHS.

Manche Fachleute unterscheiden zwischen ADS und ADHS: ADS steht für das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Andere Mediziner sprechen von einer hyperkinetischer Störung oder einer Hyperaktivitäts-Störung. Im Grunde bedeuten all diese Begriffe dasselbe: Das Kind ist sehr impulsiv, sehr unruhig, sehr unkonzentriert.

Die Grenzen zwischen normaler Hibbeligkeit und bedenklicher Unruhe sind fließend: Es gibt keinen festgelegten Wert, ab dem ein Kind als hyperaktiv zu gelten hat. Manch ein Zappelphilipp benimmt sich so daneben, dass seine Mitmenschen ihn kaum ertragen können, ein anderer hat nur in bestimmten Situationen Probleme und kommt ansonsten ganz gut mit anderen Menschen zurecht.

ADHS ist keine Erfindung arbeitsloser Psychologen

Früher galten Kinder, die sich nicht betragen konnten, schlicht als ungezogen. Und plötzlich spricht alle Welt von einer Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitäts-Störung. Klar ist jedoch: Der Befund ist keine Erfindung von Journalisten oder von arbeitslosen Psychologinnen. „ADHS ist eine psychische Störung, die genauso real existiert wie beispielsweise Übergewicht“, sagt Manfred Döpfner, Experte für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universität Köln.

Warum manche Kinder hyperaktiv werden, ist noch nicht vollständig erforscht. Wissenschaftler nehmen an, dass vor allem Funktionsstörungen im Gehirn verantwortlich sind. Wie stark sich diese auswirken, ist nach Meinung der meisten Fachleute eine Frage der Gene.

Doch auch Komplikationen während der Schwangerschaft oder eine schwierige Geburt können eine Rolle spielen. Wie schwer die Kinder leiden, hängt auch von den Menschen ab, die mit ihnen zu tun haben: von der Familie, von der Lehrern, von den Spielkameraden. Die Umwelt mit ihren immer schneller wechselnden Reizen trägt ebenfalls ihren Teil dazu bei.

Vorsichtig geschätzt, leiden in Deutschland etwa zwei bis drei Prozent aller Kinder und Jugendlichen an einer schweren Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung; etwa zehn Prozent sind leicht hyperaktiv. Jungen sind im Durchschnitt dreimal häufiger betroffen als Mädchen.

Symptome

Meist zeigen sich erste Symptome einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung bereits im Vorschulalter. Falls Sie einen Verdacht haben: Beobachten Sie Ihr Kind und andere Kinder, vergleichen Sie sein Verhalten mit dem Gleichaltriger aus ähnlichen Elternhäusern.

Achten Sie vor allem darauf, ob sich Ihr Kind konzentrieren kann und ob es aufmerksam ist, wenn es um Neues geht. Vielleicht verhält es sich aber auch impulsiv, sprunghaft und unvorhersehbar. Oder es zappelt die ganze Zeit herum, sitzt nie mal ruhig auf dem Stuhl, weder bei den Schulaufgaben noch beim Mittagessen. Sollten Sie bemerken, dass Ihr Kind sich deutlich anders benimmt als seine Altersgenossen, könnte das auf eine Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung hinweisen.

Vielleicht fällt es Ihrem Sprössling auch schwer, angefangene Tätigkeiten zu Ende zu bringen. Oder er lässt sich leicht ablenken und macht in der Schule viele Flüchtigkeitsfehler. Auch rücksichtsloses Verhalten kann ein Symptom sein: Wenn das Kind schnell ungeduldig wird und sich oft vordrängelt, ist eine Störung zumindest denkbar.

Auch Träumer können ADHS-Kinder sein

Allerdings ist es nicht so, dass alle Kinder mit einer ADHS immer zappeln oder immer unaufmerksam sind: Diese Leitsymptome müssen nicht gleichzeitig und nicht gleich stark auftreten. Zudem gibt es verschiedene Formen der Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung:

  • Kinder, die unaufmerksam sind, zugleich aber auch überspontan und hibbelig, bekommen von Ärzten die Diagnose: ADHS vom Mischtyp.
  • ADHS vom unaufmerksamen Typ können Kinder haben, die früher oft als Träumer galten. Sie sind vor allem fahrig und unkonzentriert, müssen aber nicht unbedingt zappelig sein.
  • Der hyperaktiv-impulsive Typ ist hingegen ein klassischer Zappelphilipp: ungestüm und unruhig, aber fähig, sich auf Aufgaben zu konzentrieren.

80 Prozent aller Kinder mit einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung fallen noch durch andere Verhaltensweisen auf, die Eltern und Lehrer auf die richtige Spur bringen können: Sie sind zum Beispiel immer dagegen – egal, ob es um ein bestimmtes Ziel, ein bestimmte Meinung, eine bestimmte Anweisung geht. Daher verweigern sie sich oft gemeinsamen Aktionen.

Sie rempeln Türrahmen an und sind in der Schule schlecht

Meist finden Kinder mit einer ADHS es auch schwierig, mit anderen Menschen – auch Gleichaltrigen – angemessen umzugehen: Ihr Sozialverhalten lässt zu wünschen übrig. Andere können ihre Bewegungen schlecht aufeinander abstimmen. Das führt zum Beispiel dazu, dass sie Türrahmen unabsichtlich anrempeln oder dass sie nicht schreiben, sondern eher krakeln.

Kinder mit einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung können unter weiteren Problemen leiden, zum Beispiel sind manche depressiv, andere haben viele Ängste oder tun sich schwer beim Rechnen, Schreiben und Lesen. Das führt oft dazu, dass sie in der Schule schlechter abschneiden.

Diagnose

Sie sorgen sich um Ihr Kind, weil es sich anders als die anderen verhält und oft sogar sonderbare Dinge tut? Das ist auf jeden Fall die richtige Reaktion. Der nächste Schritt sollte aber zu einem Experten oder einer Fachfrau führen. Checklisten, anhand derer Sie Symptome abhaken können, reichen für die Diagnose einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung auf keinen Fall aus. Ob Ihr Kind tatsächlich ADHS hat, können nur Ärzte oder Psychologinnen feststellen.

Sprechen Sie zuerst einen Kinderarzt oder Ihre Hausärztin an. Sie können klären, ob Ihr Sohn oder Ihre Tochter überhaupt ein Fall für den ADHS-Spezialisten ist. Es könnte ja zum Beispiel auch sein, dass das Kind in der Schule nur deshalb so oft aus der Reihe tanzt, weil es sich unter- oder überfordert fühlt. Ein Intelligenztest und eine Überprüfung der Schreib- und Rechenfähigkeit schaffen hier womöglich Klarheit.

Wesentliche Hinweise auf eine Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung:

  • Die Symptome sind weder typisch für das Alter des Kindes noch für den dazu passenden Entwicklungsstand;
  • das Kind und sein Umfeld sind in mindestens zwei Lebensbereichen – etwa Schule und Familie – beeinträchtigt;
  • bestimmte Auffälligkeiten zeigten sich bereits im Vorschulalter;
  • das Verhalten besteht länger als sechs Monate.

Stellt der Arzt fest, dass all dies zutrifft, wird er Sie an eine Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie verweisen. Oder an einen Psychologen, der als Psychotherapeut mit Kindern und Jugendlichen arbeitet.

Die Spezialistin macht sich dann ein umfassenderes Bild. Dabei sind Ihre Erfahrungen und Einschätzungen als Eltern sehr wichtig. Das Kind wird, natürlich nur mit Ihrer Einwilligung, befragt und getestet. Zudem wird die Expertin auch mit anderen Bezugspersonen wie Erzieherinnen oder Lehrern über Ihr Kind sprechen wollen.

Therapie

Wenn Sie möchten, dass es Ihrem Kind – und Ihnen – wieder besser geht, sollten Sie alles daran setzen, innerhalb der Familie etwas zu ändern und den Alltag auf die besondere Situation abzustimmen. Sich auszuklinken und sich nur auf die Therapie und die Psychologin zu verlassen, ist keine Lösung. Nur gemeinsam kommen Sie weiter!

Auch wenn es anfangs vielleicht schwer fällt: Zögern Sie nicht, Erzieherinnen und Lehrer einzubeziehen. Sie gehören zum Leben Ihres Kindes dazu und können es schon mit kleinen Dingen verbessern. Zum Beispiel, indem die Lehrerin Ihr Kind im Klassenzimmer nach vorn setzt, mit direktem Blick zur Tafel. So wird Ihr Sohn oder Ihre Tochter nicht so schnell abgelenkt.

Lassen Sie sich von der Ärztin und dem Psychologen unterstützen. Ein Training für Eltern oder eine Familientherapie können verhindern, dass alle sich ganz schnell wieder in den alten Teufelskreisen wiederfinden. Bei Kindern mit einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung haben sich Verhaltenstherapien bewährt, dort üben sie, in welchen Situationen welches Verhalten am besten ist. Bei größeren Problemen können auch andere Therapieformen helfen.

Tabletten halten die Störung in Schach

Auch Medikamente können sinnvoll sein. Sprechen Sie darüber sowohl mit der Fachärztin als auch mit dem Psychologen. In Deutschland sind für ADHS-Kinder ab sechs Jahren zwei Substanzen zugelassen: Methylphenidat und Atomoxetin. Diese Wirkstoffe regen bestimmte Bereiche des Gehirns an und regulieren die Bewegungsunruhe. Das Kind wirkt gelassener und konzentriert sich besser.

Fachleute empfehlen Tabletten, wenn die Unruhe und die Probleme sehr ausgeprägt sind. Bei mindestens 70 Prozent der so behandelten Kinder lassen die Auffälligkeiten sichtbar nach. Allerdings sollten Sie sich klarmachen: Die Medikamente heilen nicht noch lassen sie die Störung verschwinden.

Die Medikamente können den Schlaf stören

Zudem wird Ihr Kind die Substanzen oft über Jahre hinweg einnehmen. Die Medikamente machen zwar körperlich nicht abhängig. Und bislang haben Wissenschaftler auch über lange Zeiträume hinweg keine schweren Nebenwirkungen festgestellt. Aber die Wirkstoffe machen Ihr Kind wahrscheinlich appetitlos. Außerdem können sie den Schlaf stören.

Lassen Sie daher den Psychologen oder die Fachärztin unbedingt prüfen, ob die Tabletten tatsächlich etwas bringen – nur dann sollte Ihr Kind sie auch schlucken. Achten Sie auf den strategisch sinnvollsten Zeitpunkt, denn der Effekt hält normalerweise nur wenige Stunden an.

In der Diskussion: ungesättigte Fettsäuren und Neurofeedback

Gibt es Alternativen? Homöopathische Mittel und phosphatarme Diäten haben sich bei einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung als unwirksam erwiesen. Diskutiert wird noch, ob mehrfach ungesättigte Fettsäuren in der Nahrung helfen können.

Unsicher ist auch, ob Neurofeedback sinnvoll sein kann: Dabei lernt das Kind, seine Gehirnströme aktiv zu beeinflussen. Einzelne Studien deuten auf die Wirksamkeit beider Behandlungsmethoden hin. Allerdings sind noch weitere Untersuchungen nötig, um wirklich sicher zu gehen.

Tipps

Eine Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung kann die Beziehung zwischen Eltern und Kind so belasten, dass beide Seiten gar nicht mehr erkennen, was im Alltag gut läuft. Ganz wichtig: Lassen Sie sich nicht unterkriegen, betonen Sie die guten Dinge in Ihrem Zusammenleben! Zeigen Sie Ihrem Kind, dass sie es lieb haben. Und lassen Sie es spüren, womit es Ihnen Freude machen kann. Spielen Sie zusammen. Versuchen Sie, möglichst oft gemeinsam etwas Schönes zu erleben.

Stellen Sie klare Familienregeln auf, und bleiben Sie konsequent: ADHS-Kinder können sich selbst nicht so gut steuern. Deshalb müssen Sie besonders viel Sicherheit und Orientierung bieten. Lassen Sie Ihr Kind die wichtigsten Regeln mitformulieren.

Loben Sie viel. Ein kurzes Lächeln oder ein freundliches „Danke schön“ reichen schon aus, wenn Ihr Kind etwas gut gemacht oder eine Regel befolgt hat. Für besonders schwierige Aufgaben können Sie vorab eine Belohnung vereinbaren, das spornt an.

Machen Sie sich immer wieder klar, dass es Ihrem Kind tatsächlich schwer fällt, sich wie andere Kinder zu verhalten. Versuchen Sie ruhig zu bleiben und den Überblick zu behalten. Vergessen Sie dabei aber nicht, sich gelegentlich auch um sich selbst zu kümmern.

Expertenrat

Manfred Döpfner, Professor für Kinderpsychotherapie an der Universität Köln, antwortet
Ich habe den Verdacht, dass mein Zweijähriger eine ADHS, eine Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung, hat. Was soll ich tun? Bis etwa zum dritten Lebensjahr wäre man sehr vorsichtig damit, von einer ADHS zu sprechen, zumal auch ganz normale Kleinkinder einfach anstrengend sein können und es große Unterschiede in der Entwicklung gibt. Sollte das Kind trotzdem auffällig wenig altersgemäße Ausdauer beim Spielen haben oder seinen Frust ständig in unkontrollierbaren Wutausbrüchen ablassen, ist es gut, wenn Eltern frühzeitig gegensteuern. Sie müssen klare Grenzen setzen, das Kind stärker anleiten und sich ihm auch zuwenden, wenn es nicht herumtobt.

Loben Sie Ihr Kind immer dann, wenn es etwas gut gemacht hat. Und wenn es viel Bewegung braucht, dann schaffen Sie einen Rahmen, wo das Kind seinem Bewegungsdrang nachkommen kann. So vermeiden Sie viele Teufelskreise, die sich letzten Endes ungünstig auf die Entwicklung der Störung auswirken und sie noch verstärken. Helfen können Ihnen auch Informationen aus Ratgebern und einschlägigen Internetseiten sowie Gespräche mit einem Kinderarzt oder einem Psychologen.

Kann man den Ausbruch einer ADHS vermeiden?

Die ADHS ist keine Störung, die man entweder hat oder nicht hat. Genauso wenig gibt es einen plötzlichen Ausbruch wie bei einer Krankheit. Für eine ADHS besteht, nach allem, was Wissenschaftler wissen, eine starke genetische Veranlagung, die durch Außenfaktoren mehr oder minder zum Tragen kommt – die Störung schleicht sich gewissermaßen ein. Mit Liebe, Zuwendung und guter Erziehung kann man viel erreichen. Ganz auf Null fahren kann man eine ADHS nicht.

Wie geht man damit um, wenn sich Erzieher oder Lehrer über das zappelige und aggressive Verhalten des eigenen Kindes beschweren?

Unterdrücken Sie als erstes den elterlichen Gluckenreflex und hören Sie genau hin, was die Erzieher und Lehrer sagen. Denn diese Personen haben gute Vergleichsmöglichkeiten mit Kindern des gleichen Alters. Die Frage ist immer: In welchen Situationen tritt welches Problem wie stark auf? ADHS-Kinder können sich in verschiedenen Zusammenhängen ganz unterschiedlich verhalten. Gibt es Schwierigkeiten in der Schule, nicht aber zu Hause, dann kann es sein, dass es sich um eine leichtere Form von ADHS handelt – zum Beispiel vom vorwiegend unaufmerksamen Typ. Vielleicht ist das Kind in der Schule aber auch über- oder unterfordert. Dann zeigt es eventuell Auffälligkeiten, ohne dass eine ADHS vorliegt. Verhält es sich wiederum zu Hause sehr problematisch, im Kindergarten jedoch nicht, muss man mal auf die familiären Bedingungen schauen. Wenn man Glück hat, kann man die äußeren Bedingungen so verändern, dass es dem Kind wieder besser geht. Eine gute Zusammenarbeit mit Erziehern oder Lehrern hilft allen Beteiligten.

Ich halte nichts davon, meinem ADHS-Kind Medikamente zu geben. Muss das denn sein?

Zuerst einmal: Es ist keine Pflicht, eine ADHS mit Medikamenten zu behandeln. Allerdings halte ich es von der Fachseite aus für einen schweren Kunstfehler, Medikamente noch nicht einmal in Betracht zu ziehen – gerade wenn eine schwere Symptomatik vorliegt, die sich krisenhaft zuspitzt. Eltern sollten hier versuchen, vernunftgemäß zu denken und eine Balance hinzubekommen zwischen dem möglichen Nutzen einer medikamentösen Behandlung und den möglichen Nebenwirkungen.

Die Frage ist ja auch: Was tue ich meinem Kind an, wenn ich es nicht behandeln lasse? Wenn es im Extremfall sozial völlig ausgegrenzt wird, keine Beziehungen zu Gleichaltrigen aufbauen kann oder auf eine Sonderschule muss? Natürlich muss kein Kind Tabletten schlucken, wenn sich durch andere Therapien und Verhaltensmaßnahmen das Verhalten innerhalb weniger Monate bessert.

Bei leichteren ADHS-Formen würde ich auch keine Medikamente empfehlen. Aber vielleicht reicht es ja auch, die Pillen nur für die Schulstunden zu geben? Die positiven psychologischen Folgeeffekte können bis in den Abend hinein wirken. Einmal pro Jahr kann man dann ganz kontrolliert einen längeren Auslassungsversuch machen. Eine ADHS-Behandlung mit Medikamenten bedeutet nicht, dass man sie ein Leben lang durchziehen muss.

Forschung

Künstliche Zusätze in Nahrungsmitteln stehen seit 30 Jahren im Verdacht, das Verhalten von Kindern negativ zu beeinflussen. Eine Studie der britischen University of Southampton stützt nun diese Annahme erneut: Bestimmte Farbstoffe und Konservierungsmittel können Hyperaktivität bei Kindern verstärken. Insofern können diese Stoffe auch eine Rolle bei einer ADHS spielen, bei einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung.

Die Psychologin Donna C. McCann und ihr Team werteten für ihre Untersuchung das Verhalten von 137 Dreijährigen und 130 Acht- und Neunjährigen aus. Die Forscherin gab den Kindern mehrere Wochen lang regelmäßig Fruchtsäfte zu trinken. Manche bekamen Getränkemischungen mit Zusatzstoffen, andere ohne. Nicht wissend, wer was getrunken hatte, beurteilten Eltern, Lehrerinnen, Erzieher und Fachleute dann das Verhalten der Kinder. Dabei stellten sie fest: Die Kinder, die Säfte mit Zusatzstoffen getrunken hatten, waren zappeliger als zuvor.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung beurteilt das Ergebnis zurückhaltend. Zwar liefere es Hinweise darauf, dass der Verzehr von Farb- und Konservierungsstoffen und eine erhöhte Aktivität von Kindern möglicherweise zusammenhängen. Aber damit sei nicht bewiesen, dass die Zusatzstoffe tatsächlich die Ursache seien.

Auch Donna C. McCann, die Leiterin der Studie, warnt vor übereilten Schlussfolgerungen: Eltern sollten nicht glauben, dass sie hyperaktive Störungen vermeiden könnten, indem sie nur noch Bio-Säfte verabreichten.

Dennoch: Zusatz- und Konservierungsstoffe in Lebensmitteln sind zwei Risikofaktoren unter vielen. Und Sie können sie selbst kontrollieren.

Erziehung: Vorlaute Kinder wollen „gehört“ werden

Ihr Kind quatscht dauernd dazwischen, wenn Sie sich mit jemandem unterhalten? Im Kindergarten fällt es als vorlaut und altklug auf? Solches Verhalten kann viele Ursachen haben. Klar ist, dass es andere stört. Doch ab wann und wie können Kinder lernen, dass sie nicht immer dazwischen quatschen sollen?

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„Etwa zwischen drei und fünf Jahren können Kinder verstehen, dass sie auch mal abwarten müssen“, erklärt Maria Große Perdekamp. Sie ist Leiterin der Online-Beratung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Bis Kinder das verinnerlicht haben, braucht es aber einige Zeit.

Imponiergehabe im Kindergarten

Typischerweise haben Kinder ihre vorlaute Phase, wenn sie im Kindergarten bereits zu den Großen gehören und das durch eine große Klappe und Kraftausdrücke demonstrieren wollen. Erstens ist es vermeintlich cool, so zu reden und auszuprobieren, wie weit man bei Erziehern und Eltern damit kommt. Zweitens finden die anderen Kinder kleine Frechheiten gegenüber Erwachsenen mutig, lachen über das, was sie sich selbst nicht trauen und bestärken das kleine „Großmaul“ damit zusätzlich.

So reagieren Eltern am besten auf das Dazwischenquatschen

Redet das Kind permanent dazwischen, können Eltern erst einmal mit Worten auf die Situation aufmerksam: „Pass mal auf, ich möchte hier noch sprechen“, schlägt Große Perdekamp vor. In einer ruhigen Stunde müssen sie noch einmal mit dem Kind über Gruppenregeln und deren inhaltlichen Sinn sprechen.

Auch nonverbal können Eltern reagieren: Etwa indem sie ihr Kind im Moment des Dazwischenredens an die Hand nehmen oder es berühren. So spürt der Nachwuchs: „Ich werde wahrgenommen, und gleich darf ich was sagen.“ Einen Versuch sei diese Strategie wert, sagt Große Perdekamp.

Generell sollten Eltern aber nicht zu hohe Erwartungen an die Rücksichtnahme ihrer Kinder haben. „Einfach zu sagen „Jetzt warte doch mal eine halbe Stunde“, ist unrealistisch.“ Bei kleinen Kindern bleibe Erwachsenen oft nur: Wichtige und störungsfreie Gespräche auf einen Zeitpunkt zu verschieben, an dem die Kinder nicht dabei sind.

Sucht das Kind Aufmerksamkeit und Anerkennung?

Wenn man ein vorlautes Kind zu Hause hat beziehungsweise von der Kita darauf hingewiesen wird, dass es sich durch vorwitzige oder freche Kommentare wichtig macht, sollten Eltern zunächst überlegen, woher dieses Verhalten kommen kann. Es gibt unterschiedliche Auslöser, auf die Eltern unterschiedlich reagieren müssen.

Quengelt das Kind, weil ihm langweilig ist, oder braucht es gerade Hilfe bei etwas? Ist Langeweile der Grund, können Eltern alternativ ein Spielzeug oder eine Tätigkeit vorschlagen, mit dem sich das Kind einen Moment lang beschäftigen kann.

Oft signalisiere das Dazwischenquatschen ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, sagt Erziehungsberater Andreas Engel. „Die Kinder testen verschiedene Rollen und Verhaltensweisen und formen so ihre Persönlichkeit. Sie wollen zum Beispiel cool und groß sein.“ Aber es könne auch ein Defizit dahinterstecken: Bei vorlauten Kindern – und auch Erwachsenen – ist eine starke Unsicherheit und ein Mangel an Anerkennung als psychologische Hypothese denkbar“, meint der Diplompsychologe.

Das Verhalten nicht belohnen

Eltern vorlauter Kinder sollten ihr eigenes Verhalten und das der Familie selbstkritisch unter die Lupe nehmen. Lässt man andere wirklich ausreden? Neigt man dazu, das Kind zu belehren, wenn es eigentlich nur etwas zeigen oder erzählen will? Und wie ist es mit dem Sprachgebrauch? Zeigt man sich tatsächlich immer respektvoll beim Streit mit dem Partner oder hinter dem Steuer? Auch in dieser Hinsicht sind sollten Eltern gute Vorbilder sein.

Hinzu kommt, dass Eltern nicht selten Verhaltensweisen ihres Kindes, die andere als störend empfinden, fördern. Und zwar, indem sie es – oft unbewusst – durch Belohnung verstärken.

In andere Bahnen lenken

Mit ein bisschen pädagogischem Geschick und mit Einfühlungsvermögen gelingt es, ein vorlautes Kind in andere Bahnen zu lenken. Dazu müssen Eltern ihm das Gefühl vermitteln, dass sie ihm zuhören – insbesondere wenn es sich an die Gesprächsregeln hält. Manchem Kind tut ein Theaterkurs gut, weil es dort die Seiten seiner Persönlichkeit ausleben kann, die in den Mittelpunkt drängen.

Vorlaut ist nicht gleich vorlaut

Im Kindergartenalter lässt man den lieben Kleinen in der Regel ja noch einiges durchgehen. Wenn es aber in die Schule kommt, wird es kritisch. Vor allem, wenn vorlaute Kinder an Lehrer geraten, die diese Eigenschaft nicht mögen und nur bedingt bereit sind, genauer hinzusehen. Natürlich muss ein Kind lernen, dass es nicht einfach reinquatschen darf, sondern Rücksicht auf die Klassengemeinschaft nehmen muss. Im Studium bekommen angehende Grundschullehrer daher ein großes Repertoire an Verhaltensweisen an die Hand, wie sie mit auffälligen Kindern umgehen können.

„Das setzt aber voraus“, sagt Margarete Götz von der Universität Würzburg, „dass ein solches Verhalten vom Lehrer tatsächlich als ein Störverhalten wahrgenommen wird.“ Dann kann man noch einmal die Gesprächsregeln genau festlegen und auch mit Konsequenzen arbeiten. Doch die Leiterin des Lehrstuhls für Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik gibt zu bedenken, dass vorlaut nicht gleich vorlaut ist. „Es kann durchaus sein, dass ein Kind, das sich vorlaut verhält, besonders wissbegierig und voller Begeisterung ist. Dann ist es an dem Lehrer, auf kluge Art und Weise damit umzugehen und das Kind nicht auszubremsen, ihm die Freude am Lernen nicht zu verderben.“

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Erzieher und Lehrer brauchen Fingerspitzengefühl

Kinder, die in der Klasse unaufgefordert reden, sind also oft begeisterte, kaum zu bremsende Schüler. Sie finden es frustrierend, jedes Mal so lange und oft auch vergeblich zu warten, bis sie drangenommen werden. Wenn Lehrer dies nicht erkennen, sondern negativ reagieren, resigniert das Kind. So wird aus Begeisterung schnell Verweigerung.

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Test: Wie Eltern hochsensible Kinder erkennen

Wenn ihr Kind Menschenmengen als Qual empfindet, seine Hosen keinen Reißverschluss haben dürfen, wenn es sich auffällig für die großen Fragen des Lebens interessiert – dann könnte es sein, dass es hochsensibel ist. Hier finden Sie einen Test und Tipps für den Alltag.

Rund 15 Prozent aller Menschen – darunter schätzungsweise zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland – verfügen über diese Gabe. Sie haben ein besonderes Gespür für Stimmungen und leiden, wenn zu viele Reize auf sie einprasseln. Zwillingsstudien zeigen, dass sie diese Fähigkeit wahrscheinlich von ihren Eltern oder Großeltern geerbt haben. Ihre seelische und ihre körperliche Empfindsamkeit ist höher als bei anderen. In grauer Vorzeit waren sie diejenigen, die ihren Stamm früh vor Gefahr gewarnt haben. Heute wird aus der Gabe schnell ein Fluch.

Kind empfindsam erziehen – aber nicht in Watte packen

„Man mag das Laute, Schnelle, Hektische des 21. Jahrhunderts beklagen – entkommen kann man ihm kaum. Neben dem Ausgleich der Überreizung ist es deshalb auch wichtig, dass Ihr Kind es lernt, schwierige Situationen von Zeit zu Zeit (!) auszuhalten“, schreibt die dreifache Mutter Julie Leuze, selbst hochsensibel, in ihrem Buch „Empfindsam erziehen“.

„Auf der einen Seite ist das hochsensible Kind und auf der anderen Seite ist die Welt wie sie ist“, meint auch einer der Experten für Hochsensibilität, Rolf Sellin im Gespräch mit der Elternredaktion von t-online.de. „Früher wurde dem Kind die Hochsensibilität wegtrainiert, nach dem Motto: Jetzt reiß‘ dich doch mal zusammen! Dadurch aber ist die Begabung fürs Leben verloren gegangen,“ heißt es in Sellins Buch „Wenn die Haut zu dünn ist“. Das hochsensible Kind passt sich an und verliert dadurch die Wahrnehmung seines Körpers, seiner Grenzen und Bedürfnisse. Die Folgen sind unter anderem Überforderung und mangelndes Selbstvertrauen.

Das Kind in Watte zu packen hält der Gründer des Stuttgarter HSP-Instituts allerdings nicht für die richtige Lösung. „Denn auch dann kommt das Kind mit der Welt gar nicht mehr klar. Stattdessen sollte man die Wahrnehmung des Kindes respektieren, sich aber nicht davon beherrschen lassen. Man könnte zum Beispiel sagen: Ich respektiere, dass der Pullover dich kratzt, ich möchte aber trotzdem, dass du ihn anziehst, damit du nicht frierst.“

Hochsensible können ganz schön auf die Pauke hauen

Wer nun aber denkt, hochsensible Menschen seien immer zarte Wesen, zurückhaltend und still, der irrt, erklärt Julie Leuze. „Hochsensibilität bedeutet in erster Linie, Eindrücke und Reize weniger zu filtern, intensiver wahrzunehmen und gründlicher zu verarbeiten. Hochsensible Menschen können wütend und hochfahrend sein wie andere Menschen auch“. Sellin bestätigt: „Viele sind ganz lieb und friedlich, explodieren aber sehr leicht und plötzlich. Manche implodieren auch.“

Ruhe und feste Strukturen helfen Babys und Kleinkindern

Hochsensible Babys registrieren alles und reagieren sich dann auf die einzige ihnen zur Verfügung stehende Art ab: Sie schreien. Besonders auffällig ist, dass sich diese Säuglinge keinesfalls einfach so ablegen lassen und dass sie Tag und Nacht intensive Nähe einfordern und schlecht schlafen. Vor allem dann, wenn der Tagesablauf nicht immer gleich strukturiert ist.

Aber auch bei den betroffenen Klein-und Kindergartenkindern erreicht man mit äußerer Ruhe die größte innere Ruhe. Das beginnt schon beim Kinderzimmer und der Wirkung von Farben und Mustern. Ratsam ist wenig Spielzeug an festen Plätzen, übersichtlich und geordnet, damit nach einem spielerischen Durcheinander die Ordnung schnell wieder hergestellt werden kann.

Hochsensibilität: Merkmale im Kindergartenalter

Gerade der Eintritt in den Kindergarten ist für hochsensible Kinder nicht einfach. Viele reagieren mit Rückzug, andere mit Angriff, kennen oft das richtige Maß zwischen Nähe und Distanz noch nicht. Wenn es nicht möglich ist, eine Einrichtung zu wählen, in der die Reizüberflutung einigermaßen gering gehalten wird, dann müssen die Eltern dafür sorgen, dass die Überreizung auch wieder abgebaut werden kann.

Hinzu kommt der Rat, zu viele Unternehmungen in der Freizeit zu meiden, auf verpflichtende Kurse zu verzichten und von Frühförderung möglichst Abstand zu nehmen. Die Kinder sollten auch nicht zu viel fernsehen oder mit dem Handy spielen. Am besten ist es, die Überreizung mit spielerischer Bewegung in der Natur auszugleichen.

Ältere hochsensible Kinder sprechen auch sehr gut auf ostasiatische Sportarten an, weil hier nicht der Wettkampf im Mittelpunkt steht, sondern das Zentrieren der Energie. „Struktur in den Alltag bringen bedeutet gleichzeitig eine Absage an allzu viel Spontaneität“, weiß Julie Leuze.

Umgang: Wie Eltern ihr hochsensibles Kind unterstützen können

Hochsensible Kinder werden von anderen Kindern nicht selten zunächst einmal abgelehnt. Sie sind keine Gruppenmenschen, verbringen viel Zeit mit Beobachtung und suchen eher Eins-zu-Eins-Kontakte. Ist man sich über die Hochsensibilität des Kindes im Klaren, kann man es gezielt unterstützen.

Spätestens beim Schuleintritt, den man bei hochsensiblen Kindern nicht zu früh wählen sollte, sind die Kinder gezwungen, sich dem System anzupassen. Dann brauchen sie umso mehr Verständnis zuhause. Ein langsamerer Lebensrhythmus, viele Ruhepausen und Rückzugsmöglichkeiten ermöglichen ein gutes Durchkommen.

Hochsensible Mädchen passen besser ins System

Trotz Elternzeit für Väter, den „Softies“ der Achtzigerjahre und metrosexuellen Superstars: Nach wie vor schreiben wir Jungen andere Eigenschaften zu als Mädchen. Hochsensible Jungs fallen daher schnell aus dem gesellschaftlichen Raster. Viele Eltern stellen sich die bange Frage, wie der sensible Junge das Leben wohl meistern wird.

„Wenn sie gelernt haben, zu sich und zu ihrer Veranlagung zu stehen und gut damit umzugehen, dann müssen sie es nicht schwerer haben als Mädchen“, meint Julie Leuze. Rolf Sellin hat aber auch andere Erfahrungen gemacht. „Um mit anderen Jungen zu spielen und dazugehören zu dürfen, passen sich viele hochsensible Jungen den starken Typen an. Oft wird die ganze Sensibilität dafür eingesetzt, geduldet zu sein, um nicht zur Zielscheibe zu werden.“

„Das ideale Opfer schwieriger Eltern“

Hochsensible Kinder können autoritäres Verhalten oder gar Demütigungen noch schwerer ertragen als andere. Bei ihnen kommt man am besten mit Humor und Fantasie weiter. Trotzdem sollte man Grenzen setzen. Gerade Eltern, die selbst hochsensibel sind, versuchen ihr Kind vor der Außenwelt zu bewahren, tun ihm damit aber keinen Gefallen. Genauso wenig wie Eltern, die die Hochsensibilität falsch deuten und ihrem Kind, das bereits sehr verständig wirkt, zu viel Verantwortung aufbürden.

Rolf Sellin fasst zusammen: „Hochsensible Kinder sind das ideale Opfer ihrer schwierigen Eltern.“ Problematisch wird es, wenn die Familie die Besonderheit gar nicht erkennt, nicht in der Lage ist, damit umzugehen oder noch schlimmer, wenn das „Anderssein“ negativ bewertet wird und ein Anpassungsdruck erfolgt.

Wenn die Seele sich wehrt, wird der Körper oft krank

Hochsensibel zu sein, bedeutet nicht, dass man eine Störung hat oder gar krank ist. Aber man kann durch die Hochsensibilität krank werden und zwar dann, wenn sie nicht wahrgenommen wird. Steht das hochsensible Kind in einem dauernden Konflikt mit seiner Umgebung und fühlt es sich dadurch unverstanden, dann kann das psychosomatische Folgen haben. Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Anfälligkeit für Infekte, Allergien, später auch Suchtprobleme sind häufig.

Hochsensibilität mit Test erkennen

Hochsensibilität wird immer wieder in Zusammenhang gebracht mit Hochbegabung, aber auch mit Hyperaktivität. Hat man diese Vermutung bei seinem Kind, ist ein Vorabtest ratsam, wie er zum Beispiel in Rolf Sellins Buch angeboten wird. Den Test „Ist Ihr Kind hochsensibel“ bilden wir mit freundlicher Genehmigung des Kösel-Verlages, auf dieser Seite ab.

Verstärkt sich dann der Verdacht, sollte man sich einen kompetenten Ansprechpartner suchen, um herauszufinden, ob das Kind wirklich hochsensibel ist und was es braucht, um sie als Potenzial und nicht als Belastung zu sehen.

Das, was hochsensible Kinder brauchen, entspricht nicht immer den gängigen Normen und Ratschlägen aus Erziehungsratgebern. Hier ist mehr Feinfühligkeit für die Bedürfnisse des Kindes gefragt, aber es braucht auch eine ganze Menge Geduld. Und ein dickes Fell gegenüber der Kritik von Außenstehenden.

baby extrem zappelig und unruhig 🙁

Hallo,
meine Kleine hat das von Anfang an – jetzt ist sie 5 Monate alt. Sie hat eine extreme Körperspannung, ist sehr aktiv und schläft tagsüber kaum (dafür nachts ganz gut, zumindest außerhalb der Schubzeiten). Sie wird bei Geräuschen recht schnell wach und ist auch ziemlich schreckhaft. Wenn wir Trubel hatten, kriege ich sie Abends schlecht ins Bett. Wenn zuviel Lärm oder Menschen sind trinkt sie nicht richtig bzw. gar nicht.
Wir haben früh angefangen sie zu pucken, sonst hat sie gar nicht geschlafen und sich ständig wachgefuchtelt. Dann hatte ich sie viel im Tragetuch, das mag sie jetzt gerade aber nicht mehr. Wir waren beim Osteopathen und haben Blockaden lösen lassen, dann wurde es etwas besser. Trotzdem hat sie Hummeln im Hintern, das ist wohl ihr Temperament. Weder Hebamme noch Kinderarzt finden das krankhaft oder bedenklich, ist halt anstrengend für uns und wir müssen da durch.
Große und weite Ausflüge machen wir nicht, wir sorgen für eine ruhige Umgebung und laden uns auch nicht zu viele Leute auf einmal ein. Wir haben das alles probiert und es ist nur Stress für uns alle. Ich hab mir schon anhören müssen, ich würde sie zu sehr abschotten, aber das ist mir mittlerweile egal. Ich muss auf die Bedürfnisse meines Kindes eingehen und verzichte dann eben auf die große Geburtstagsfeier wenn es ihr nicht gut tut.
Ich denke, deine Kleine ist glücklich solange du dich ihr anpasst, wenn sie Liebe und Aufmerksamkeit bekommt . Mein Rücken tut auch weh und mein Haushalt leidet, aber wenn sie eben gerade nur mit rumtragen zufrieden ist mache ich das bevor sie schreit. Dann ist sie nämlich erst recht unzufrieden.
Ihr steckt vielleicht euch gerade im Schub. Der mit 19 Wochen war bei uns heftig.

Checkliste für Eltern

Als Eltern können Sie auf folgende Dinge achten:

  • Bringen Sie einen Rhythmus in den gemeinsamen Alltag mit Ihrem Baby. Oft gibt das Kind schon einen eigenen Rhythmus vor – oder passt sich auch an den Ihren an.
  • Packen Sie nicht zu viele Termine in den Tag hinein und sorgen Sie zwischendrin für ausreichend Ruhepausen.
  • Laute Geräusche, helles Licht und rasche Bewegungen verursachen Unruhe im Raum. Oft hilft es, diese Reize zu verringern. Unser Tipp: Machen Sie den Fernseher und das Radio öfter mal aus.
  • Wenn es Ihnen nicht gut geht und sie selbst nervös oder aufgeregt sind, ist es das Kind meist auch. Versuchen Sie ruhig zu bleiben (oder wieder zu werden!). Oft hilft dabei die Frage an sich selbst: Was genau macht mich gerade so unruhig? Was passiert eigentlich, wenn dies und das jetzt gerade nicht so hundertprozentig klappt? Hat das wirklich schlimme Folgen? Oder ist es vielleicht gar nicht so tragisch…?
  • Sprechen Sie Ihr Kind in ruhigem Tonfall an, bleiben Sie auch in anstrengenden Situationen möglichst ruhig, werden Sie am besten nicht hektisch oder laut. Und wenn Ihr Kind empfindlich ist: Bewegen Sie sich langsam.
  • Sind Sie mit dem Kind in großen Menschenansammlungen oder im Café, kann es dem Kleinen schon mal zu viel werden. Gehen Sie mit ihm einfach in einer ruhigere Umgebung. Ist das nicht möglich: Drehen Sie das Kind zu sich und schränken Sie z. B. durch Abdeckung (Tuch) sein Blickfeld ein.
  • Zuwendung durch Herumtragen, langsames Schaukeln, Streicheln, Wiegen oder Massieren wirkt bei einem beunruhigten Baby oft Wunder. Vielleicht möchten Sie ihm dazu noch ein tröstendes Lied vorsingen.
  • Bitte setzen Sie Neugeborene, Säuglinge und Kleinkinder nicht vor den Fernseher! Die kleinen Menschen können die schnell aufeinanderfolgenden optischen und akustischen Reize noch nicht verstehen und verarbeiten, das Gehirn wird auf „passiv“ geschaltet. Deshalb ist Fernsehen für die Hirnentwicklung nicht zuträglich.
  • Es gibt Tageszeiten, an denen Babys besonders empfänglich für Stress sind – in der Regel in der Zeit zwischen 18 und 24 Uhr. Hier tritt die naturgegebene abendliche Müdigkeit auf: Die Kinder brauchen Schlaf. Schauen, ob Ihr Kind von selbst einen bestimmten Punkt am Abend hat, an dem es müde wird. Kleine Säuglinge sind nur in der Regel etwa ein bis eineinhalb Stunden am Stück wach! Versuchen Sie die Anzeichen von Müdigkeit wahrzunehmen: Wie sieht Ihr Baby aus, wie äußert es sich, wenn es müde wird?
  • Schlafen Sie selbst ausreichend. Legen Sie sich auch tagsüber einfach einmal hin, wenn ihr Baby schläft. Der Haushalt und alles andere können inzwischen warten!
  • Ernähren Sie sich abwechslungsreich und gesund. Essen Sie viel frisches Obst und Gemüse. Das stärkt Körper und Nerven. Außerdem: Gehen Sie regelmäßig mit Ihrem Baby an die frische Luft. Machen Sie doch zum Beispiel öfter mit anderen Müttern einen Spaziergang!
  • Hat sich Ihr Kind verletzt, ist es natürlich aufgelöst. Spielen Sie Verletzungen oder blaue Flecken bitte nicht herunter oder ignorieren sie gar, aber schenken sie ihnen aber auch nicht allzu lange Aufmerksamkeit. Gehen Sie auf den Schmerz ein und trösten Sie Ihren Nachwuchs kurz. Begeben Sie sich dabei auf gleiche Augenhöhe: Sie können Ihr Kind auf den Arm nehmen oder sich zu ihm hinunterbeugen oder –knien und das betroffene Körperteil zum Beispiel sanft anpusten. Das kühlt!
  • Auch das Thema Zahnen hält die Babys (und Eltern) in Atem, denn ein langanhaltender Dauerschmerz macht auch ungeduldig und quengelig. Hier gibt es verschiedene Hausmittel, die helfen können: Fragen Sie Ihren Kinderarzt oder andere Mütter danach.
  • Sie sind außer sich? Geben Sie Ihr Kind – wenn möglich – einer anderen vertrauten Person, bis Sie selbst wieder ruhiger geworden sind. Manchmal hilft es auch, einfach für ein paar Minuten in ein anderes Zimmer zu gehen und tief durchzuatmen. Machen Sie doch eine kurze Yogaübung oder hören Sie Ihr Lieblingslied und singen sie laut mit!
  • Wenn Sie überanstrengt sind, holen Sie sich Rat und Hilfe von anderen: von Freunden, Großeltern, anderen Müttern und Vätern, in sozialen Netzwerken wie Still- oder Kindergruppen oder auch Beratungsstellen
  • Tun Sie sich selber etwas Gutes! Nehmen Sie öfter mal eine Auszeit, besonders wenn Ihr Kind eine anstrengende Phase hat. Am besten aber, bevor Sie sich selbst gestresst fühlen.

Tipps: Entspannung für aufgedrehte Babys

Wir geben euch Tipps, damit euer aufgedrehtes und unruhiges Baby beruhigen könnt.

Es ist nicht immer leicht, herauszufinden, warum ein Baby unruhig ist und schreit. Aber für mit ein paar Tipps und Tricks könnt ihr die Atmosphäre etwas entspannen und euren Liebling ein bisschen beruhigen.

Baby beruhigen: Rituale bedeuten Sicherheit

Je besser Ihr Baby die Umgebung kennt und je wohler es sich dort fühlt, desto schneller kommt es wieder zur Ruhe. Auch ein geregelter Tagesablauf mit eingespielten Ritualen sorgt für ein vertrautes Gefühl: „Sie helfen Säuglingen, Sicherheit und Geborgenheit zu finden“, sagt Dr. Rainer Gillessen, Facharzt für Kinderheilkunde. Schon für die Kleinsten sei es beruhigend, jeden Morgen mit einem Lied aufzuwachen oder nach dem Baden mit einer Massage verwöhnt zu werden. „Sanfte Berührungen beruhigen das Baby, lassen seine Muskeln entspannen und können sogar Unterleibskrämpfe lindern. Eine ruhige Babymassage mit leiser Hintergrundmusik oder der ruhigen Stimme von Mama oder Papa hilft auch bei Einschlafproblemen“, so Gillessen.

Am Abend ist es besonders wichtig, das Baby auf die ruhige Nachtphase einzustimmen. Führt also keine Aktivitäten oder Unternehmungen aus, die euren Nachwuchs aufregen könnten. Denn euer Liebling muss schon den ganzen Tag lang Aufregungen und neue Eindrücke verarbeiten, da braucht er am Abend dann einfach mal ein bisschen Zeit, mit dem Tag abzuschließen und sich zu entspannen. Vermeidet laute Geräusche oder einen anhaltenden Geräuschpegel wie einen Fernseher und schaut auch, dass die Umgebung nicht zu hell und grell ist. Stattdessen könnt ihr vor dem Zubettgehen schon anfangen, das Licht leicht zu dimmen, damit der plötzliche Umschwung von Hell auf Dunkel nicht so anstrengend für Babys Augen ist.

Tipp: Stimmungen der Eltern übertragen sich auch auf das Baby. Versucht also selber zur Ruhe kommen. Wenn ihr selbst entspannt sind, wird auch euer Baby weniger aufgedreht sein. So könnt ihr euer Baby beruhigen.

Müdigkeitssignale erkennen

Um die richtige Zeit für das Ins-Bett-Bringen zu finden, ist es auch wichtig, die Müdigkeitsanzeichen seines Babys kennenzulernen. Denn wird das Baby zu früh ins Bettchen gebracht, wird es nur noch quengeliger und unruhiger. Oder würdet ihr gerne im langweiligen Bett liegen, wenn ihr noch gar nicht müde sind? Andererseits ist es wichtig, das Baby ins Bett zu bringen, wenn es müde ist und nicht zu versuchen, es wach zu halten, weil es vielleicht noch zu früh ist. Denn auch das kann euren Nachwuchs unruhig, zappelig und schlecht gelaunt machen. Da geht es den Kleinen genauso wie uns, wenn uns irgendetwas oder irgendwer vom Schlafen abhält …
Müdigkeitsanzeichen können zum Beispiel ein starrer Blick, ruckartige Bewegungen von Armen und Beinen oder motorische Unruhe sein. Auch wenn sich das Baby am Ohr oder den Augen reibt oder schlicht und ergreifend immer wieder gähnt, signalisiert es: „Hey, ich wär jetzt bereit fürs Bett!“

Tagsüber Bewegung, nachts ein Nest

Ist euer Baby beim Einschlafen sehr aufgedreht bzw. schreit es, könnt ihr es mal mit „Pucken“ probieren. Dabei wird das Baby stramm in eine Decke gewickelt. Das sorgt für Nestwärme und stillt die angeborene Sehnsucht nach Berührung und spürbaren Grenzen wie im Mutterleib. Versucht das das Pucken, lasst euch die Technik allerdings gut von eurer Hebamme oder Ärztin zeigen. Denn falsches oder zu festes Pucken kann auch Schäden beim Baby verursachen.

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Tagsüber solltet ihr hingegen für viel Bewegungsfreiheit sorgen, damit das Baby genug Platz zum Strampeln hat. Denn Bewegung ist auch schon für die Kleinsten wichtig, um sich auszupowern und angestaute Energie abzubauen. Am besten kombiniert ihr das noch mit frischer Luft. Auch das hilft den Kleinen ausgeglichener zu werden.

Geräusche, die das Baby beruhigen

Viele Kinder mögen es, wenn die Eltern ihnen etwas vorsingen oder summen. Auch leise Musik, eine CD mit Meeresrauschen oder eine App mit White-Noise-Funktion, kann Baby beruhigen. Als White Noise bzw. weißes Rauschen bezeichnet man Rauchen in einem bestimmten Frequenzbereich, das ein konstantes Leistungsdichtespektrum hat. Das heißt, der Geräuschpegel des Rauschens bleibt gleich und ändert sich kaum. White Noise wird häufig zur Lärmbekämpfung eingesetzt. Denn Lärm oder Störgeräusche werden subjektiv als weniger laut und störend empfunden, wenn man sie mit weißem Rauschen überlagert. Deshalb empfinden viele Menschen – vor allem Babys – weißes Rauchen als beruhigend und einschläfernd. Dieser White Noise ist übrigens auch der Grund, warum viele Babys sich sofort beruhigen, wenn sie einen Fön, Staubsauger oder einen elektrischen Heizkörper hören. Das immer gleichbleibende Geräusch beruhigt die Kleinen und erinnert sie an das Rauschen des Blutes im Mutterleib.

Nähe zu Mama und Papa kann Baby beruhigen

Mama und Papa ganz nah sein tut Kindern immer gut – und wirkt sich positiv auf die Stimmung der Kleinen aus. Babys beruhigt es, wenn Sie von Mama durch die Gegend getragen werden. Das leichte rhythmische auf und ab hat eine einschläfernde Wirkung auf die Kleinen. Auch Kuscheleinheiten mit Papa helfen Babys ruhiger zu werden. Besonders gerne mögen es die Kleinen, wenn man ihnen sanft über die Stirn streicht. Dafür fangen Sie einfach direkt unter dem Haaransatz an und streichen ruhig mit den Finger zwischen den Augen und über die Nasenwurzel. Das wirkt regelrecht einschläfernd auf viele Babys.

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Noch gut, um das Kind zu beruhigen: Legt euch euer Kleines auf den Bauch und lasst es mitbekommen, wie ihr ruhig und gleichmäßig atmet. Euer Liebling wird diese Ruhe übernehmen und selbst entspannter werden.
Ist das Baby auf dem Arm eingeschlafen, solltet ihr mit dem ins Bett legen noch etwas warten, bis es die Tiefschlafphase erreicht hat und nicht mehr so einfach geweckt werden kann. Ein zusätzlicher Tipp: Das Baby am besten immer mit den Füßen zuerst hinlegen. Wenn ihr es nämlich mit dem Rücken zuerst ins Bettchen legt, könnte es dem Kleinen das Gefühl geben, ins Leere zu fallen. Das beunruhigt das Kleine nur unnötig.
Wenn euer Baby über einen längeren Zeitraum sehr unruhig ist und viel schreit, können auch Regulationsstörungen dahinter stecken. 3-Monats-Koliken oder Fütterstörungen können arg auf Babys Wohlbefinden drücken und es unruhig machen.
Ein oft gegebener Ratschlag, den ihr in solchen Situationen lieber nicht befolgen solltet: Das Baby schreien lassen. Denn: Schreien ist Babys einzige Möglichkeit zu sagen, dass etwas nicht stimmt. Bekommt es auf sein Schreien kein Feedback, kann das schwerwiegende Folgen für das Vertrauen zu Mama und Papa haben.

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ADHS: Anzeichen bei Säuglingen, Kleinkindern und Kinder

Die wichtigsten altersabhängigen Anzeichen einer ADHS

ADHS im Säuglingsalter

Um es vorweg zu nehmen: ADHS lässt sich bei einem Säugling nicht sicher diagnostizieren. Allerdings wurden Zusammenhänge mit Regulationsstörungen herausgefunden, die sich insbesondere durch häufiges, anhaltendes Schreien, schlechtes Schlafen und eventuell auch Probleme beim Füttern bemerkbar machen. Erkrankte Säuglinge haben regelmäßig schlechte Laune und sind über den Maßen unruhig. Auch die Ablehnung von Körperkontakt kann ein Indiz sein – muss aber nicht. In der Regel bestätigt sich nur bei rund einem Drittel der Säuglinge, die diese Symptome an den Tag legen, die ADHS-Vermutung. Alle genannten Signale können auch auf anderes hinweisen:

ADHS bei Kleinkindern

Selbst bei Kleinkindern fällt eine klare Diagnose noch schwer. In der Regel schreien die betroffenen Kinder sehr viel, die Aufmerksamkeitsfähigkeit ist ebenso gering ausgeprägt wie die Lust zum Spiel. Die wesentlichen Symptome für ADHS sind eine ausgeprägte Rastlosigkeit und eine motorische Unruhe. Es lässt sich nachvollziehen, dass die Störung sowohl die Eltern als auch das Kind selbst belastet. Die betroffenen Kinder freunden sich nur schwer mit Gleichaltrigen an und können sich kaum über einen längeren Zeitraum ruhig und allein beschäftigen bzw. auf eine Aktivität konzentrieren.

Sie wechseln deswegen schnell von einer Aktivität zur anderen, können aber auch wegen ihrer Unberechenbarkeit häufiger Unfälle verursachen. Schon der Umgang mit den üblichen Werkzeugen zum Basteln stellt häufig ein Hindernis dar, da die fein- und grobmotorische Bewegungskoordination nur gering ausgeprägt ist. In puncto Spracherwerb weichen ADHS-Kinder ebenfalls von einer üblichen Kindesentwicklung ab. Entweder können sie sehr früh sprechen oder sind auffallend spät dran. Nicht zuletzt die Trotzphase, die bei ADHS-Kindern deutlich heftiger verläuft als normal, stellt alle Beteiligten vor eine echte Herausforderung.

ADHS im Grundschulalter

Die Frustrationstoleranz der betroffenen Kinder ist gering, was sich in heftigen Wutausfällen äußert, sollte etwas nicht so wie geplant funktionieren. Allein das ist allerdings kein sicheres Indiz für ADHS. ADHS-Kinder reden gerne und viel, vor allem aber fallen sie mit einer wenig passenden Mimik und Gestik dazu auf. Weitere Symptome können überdurchschnittlich viele Spielunfälle bzw. eine generelle Ungeschicklichkeit sein. Die betroffenen Kinder leiden an den durchaus wahrgenommenen Defiziten – und das schlägt sich oftmals auf ihr Selbstbewusstsein nieder. Da sie ohnehin nur schwer mit Regeln klarkommen, werden sie schnell zum Außenseiter oder zur Nervensäge, die zwar viel redet, aber Aufgaben nur langsam lösen kann. Da sie wiederum den daraus resultierenden Frust nur schlecht verkraften und verarbeiten können, kann daraus ein fataler Kreislauf werden.

Lehrer erkennen ADHS insbesondere daran, dass die Kinder den Unterricht verstärkt stören und sich schnell ablenken lassen. Auch wenn die betroffenen Kinder gar nicht immer zappeln müssen – sie sind doch auffällig. Naturgemäß kommen ADHS-Kinder in der Schule schlechter mit, schreiben oft unleserlich und sind auch in puncto Ordnung eher chaotisch. Nicht selten wird neben ADHS eine Lese-Rechtschreib- oder auch Rechenschwäche diagnostiziert. ADHS ist eine angeborene Störung, die jedoch auch mit außerordentlichen Fähigkeiten einhergehen kann. Hier sind Spezialisten gefragt, die ADHS diagnostizieren können und dann mit den geeigneten Therapien der drohenden Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und Einschränkung sozialer Kompetenzen entgegenwirkt.

ADHS: die häufigsten Symptome je nach Alter

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) macht sich bei Kindern für gewöhnlich schon vor dem sechsten Lebensjahr bemerkbar. Allerdings kann die Störung sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Das sind typische Symptome von ADHS je nach Alter des Kindes.

Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität, Impulsivität – die Kernsymptome von ADHS

Unterschieden werden die drei Kernsymptome Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Die Symptome können verschieden stark ausgeprägt sein. Nicht immer muss gleich von einer Störung ausgegangen werden, sondern erst, wenn ein bestimmtes Maß überschritten ist. Die Grenze zwischen Krankheit und Normalität ist dabei natürlich fließend.

Die Kernsymptome:

  • Unaufmerksamkeit: Das Kind ist leicht abzulenken, es fängt alles an, bringt nichts zu Ende, hat Schwierigkeiten, Anweisungen zu befolgen, macht viele Flüchtigkeitsfehler bei Schularbeiten. Es kann Hausaufgaben nicht in angemessener Zeit erledigen, hat Probleme beim Organisieren von Aufgaben und Aktivitäten, hat wenig Ausdauer bei Arbeit und Spiel, ist oft vergesslich und verliert regelmäßig Sachen, die für Aufgaben und Aktivitäten benötigt werden.

  • Hyperaktivität: Das Kind ist sehr zappelig und immer in Bewegung. Es kann nicht still sitzen und verlässt auch in der Schule häufig seinen Platz. Es redet übermäßig viel und fällt dabei zusätzlich durch seine übertriebene Lautstärke auf.

  • Impulsivität: Das Verhalten des Kindes ist oft unvorhersehbar, es fasst einen Entschluss und führt ihn sofort aus, ohne an die Folgen zu denken. Das Kind gibt in der Klasse eine unüberlegte Antwort, bevor die Frage vollständig gestellt wurde, es platzt oft in die Spiele anderer Kinder hinein und mischt sich störend in Erwachsenengespräche ein. Es hat ein extremes Bestreben, belohnt zu werden, und braucht viel Beachtung. Charakteristisch ist außerdem das mangelnde Bewusstsein für Gefahren – für sich und andere – und das generelle Problem, das eigene Verhalten zu steuern. Das äußert sich häufig in einer situationsunangepassten Selbstdarstellung.

Es müssen nicht alle Merkmale bei ADHS vorhanden sein

Diese Symptome können auf ein ADS hinweisen, müssen es aber nicht. Es müssen auch nicht alle Symptome vorhanden sein, damit ADHS diagnostiziert wird. Viele ADHS-Patienten haben nur manche der genannten Symptome, diese aber in sehr starker Ausprägung, andere weisen viele Symptome auf, jedoch weniger dominant.

ADHS in den verschiedenen Altersgruppen

Wie sich die ADHS-Symptome schließlich im Verhalten auswirken, hängt auch stark vom Alter des betroffenen Kindes ab. Das sind typische Merkmale und Verhaltensformen bei Säuglingen, Kleinkindern, Schulkindern und Jugendlichen:

ADHS-Symptome bei Babys:

  • häufiges und meist lang anhaltendes Schreien sowie allgemeine Übellaunigkeit
  • Probleme bei Nahrungsaufnahme und Verdauung
  • motorische Unruhe
  • Schlafprobleme
  • Ablehnung von körperlichem Kontakt

ADHS-Symptome beim Kleinkind:

  • ausgeprägte Hyperaktivität
  • unberechenbares Verhalten
  • wenig Ausdauer beim Spielen
  • häufige und starke Trotzreaktionen und Wutanfälle
  • Schwächen beim Hören und Sehen wie auch in der Fein- und Grobmotorik (Entwicklungsverzögerung)
  • oft sehr früher oder auch verzögerter Spracherwerb
  • Probleme im Sozialverhalten, zum Beispiel auch beim Schließen von Freundschaften

Im Kindergarten verstärken sich die Symptome oft. Denn das Kind ist nun mehr Reizen ausgesetzt.

ADHS-Symptome bei Grundschülern:

  • Schwierigkeiten Regeln (in Familie, Schule, etc.) zu befolgen
  • Unterrichtsprobleme: häufiges Stören, wenig Ausdauer, leicht abzulenken, niedrige Frustrationstoleranz, schlechte Schrift und Ordnung
  • Lese-Rechtschreibschwäche, Rechenschwäche, Lernschwierigkeiten
  • Wutanfälle und Aggressionen
  • permanentes und oft überhastetes Reden
  • unpassendes Verhalten in Mimik, Gestik und Körpersprache
  • Ungeschicklichkeit, die häufig zu Unfällen führt
  • Kinder werden oft von anderen gemieden, was wiederum zu einem geringen Selbstbewusstsein und Außenseitertum führt

In dieser Phase wird die Aufmerksamkeitsstörung sehr deutlich. Obwohl sie jedoch schon vorher bestand.

ADHS-Symptome bei Jugendlichen:

  • ADHS in der Pubertät kann zu Ängstlichkeit, Aggression, Depression und Trotzigkeit führen; oft im Zusammenhang mit einem schwachen Selbstbewusstsein und mit Alkohol- und Drogenkonsum sowie Straftaten als Folge
  • riskantes Verhalten, das zum Beispiel oft zu Verkehrsunfällen führt
  • Leistungsverweigerung beziehungsweise „Null-Bock“-Einstellung
  • rebellisches Verhalten
  • Kontakte zu sozialen Randgruppen

Das Potenzial von ADHS-Kindern

Doch die Symptome von ADHS sind nicht in jedem Fall nur negativ. Die Störung kann auch positive Seiten haben und ist oft mit Potenzialen wie Ideenreichtum, Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeitssinn verbunden.

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Mein Baby schreit abends! Das höre ich ganz oft bei meinen Wochenbettbesuchen. Ganz viele Babys haben abends eine Schreiphase. Warum das so ist, weiß man oft nicht, aber es gibt ein paar Tipps, um es dem Baby etwas leichter zu machen.

Inhalt

Wie stellt sich so eine Phase des Schreien dar und wie lange dauert sie?

Nachdem Du Dein Baby gestillt hast, will es nicht mehr schlafen. Es wirft seinen Kopf hin und her, zieht die Beinchen an, jammert und will sich nicht ablegen lassen. Wenn Du Dein Baby schon an beiden Seiten gestillt bzw. die volle Flasche gegeben hast und es frisch gewickelt ist, hat es vielleicht einfach das Bedürfnis nach Körperkontakt mit Dir. Das stärkt sein Urvertrauen in sich und in die Welt, wenn Du darauf eingehst. Um Deine Nerven zu schonen haben sich da Tragesysteme oder Tragetücher bewährt. Dein Baby ist bei Dir und gleichzeitig sind Deine Hände frei und Du kannst Dich bewegen. Diese Unruhephase kann sich über zwei bis drei Stunden hinziehen.

Je gelassener Du mit dieser Phase umgehst, desto schneller geht sie vorüber. Es hilft zu wissen, dass das Verhalten Deines Babys normal ist, sodass Du das Weinen nicht persönlich zu nehmen brauchst. Du bist eine gute Mutter mit einem Baby, das gerade verkündet, dass es etwas belastet oder zuviel war oder einfach jetzt nicht mehr alleine im Bettchen liegen mag. Und manchmal, allerdings eher selten, sind es auch die Koliken. Die einzige Sprache die Deinem Kind zur Verfügung steht, ist das Schreien. Es kann nicht sagen, das es gerade ein Geräusch oder eine Geste erschreckt hat oder anderes.

Wie verläuft eine Schreiphase?

Das Schreien stellt sich in Wellen dar, das heißt, Dein Baby weint drei bis fünf Minuten lang am Stück und beruhigt sich dann wieder für ein bis zwei Minuten. Dann kommt die nächste Welle, die schon ein bisschen heftiger ausfällt und danach die dritte Welle, die in der Regel am intensivsten ist. Da lässt Dein Baby noch einmal alles raus, was es belastet. Danach folgen noch weitere Wellen, allerdings werden die immer kürzer und verebben dann so langsam. Leg’ Dein Baby nicht zu schnell danach ab, sondern lass’ es am besten auf oder an Dir einschlafen. Sonst geht alles von vorne los.

Baby schreit abends – Was kann ich tun?

So wenig wie möglich! Je mehr Aktionen (Föhnen, erneutes Wickeln, wieder und wieder anlegen, Temperatur messen, Bauchmassage, Teegabe, etc.) Du veranstaltest, desto mehr überdreht Dein Baby und lässt sich dementsprechend nicht mehr beruhigen.

Wichtig: halte Dein Baby während dieses intensiven Schreien angenehm fest. Das bedeutet, nimm es in die Wiegeposition, Bauch an Bauch, seine Hände sollten auf seiner Brust aufliegen und sich wenn möglich berühren. Das und das Halten der Füßchen wirkt auf die Kinder beruhigend und zentrierend. So können sie schneller wieder zur Ruhe finden. Zusätzlich hilft es offenen Herzens mit Deinem Baby zu reden. Du kannst ihm sagen, das Du da bist, das Du das Weinen hörst, das es ruhig weinen darf, um seinen Stress rauszulassen. Alles was Dir einfällt. Auch, das Du genervt bist und es Dich gerade anstrengt für Dein Baby dazu sein. Jede Mutter kennt den Punkt, wo sie merkt, das ihr das alles gerade zuviel ist. Manchmal hilft auch mitweinen, um den eigenen Stresspegel wieder zu senken. Zudem gibt jede Mutter intuitiv diese „Sch,sch“ Laute von sich, unterbewusst ahmt sie damit die Geräusche der Nabelschnur nach, welches die Babys sehr beruhigt. Dabei solltest Du auf jeden Fall laufen oder Dich entspannt auf einen Gymnastikball setzen.

Hilfsmittel gegen Blähungen

  • Feucht-warme Umschläge auf dem Bauch Deines Babys legen, hierzu eignen sich sehr gut Körnerkissen, die Du in der Mikrowelle warm machen kannst. Die Körner enthalten Feuchtigkeit und diese Kombination ist gut bei Koliken. Zur Not tut es auch eine Wärmflasche (50 Grad).
  • Die sogenannte Fliegerposition, das bedeutet, Du legst Dein Baby mit dem Bauch auf Deinem Unterarm ab, der Kopf liegt in der Ellenbogenbeuge und Du umfasst einen Oberschenkel zum festhalten.
  • Laufen, laufen, laufen. Dein Baby braucht die passive Bewegung Deines Körpers, da es selbst nicht eine Runde laufen kann. So lösen sich oft die Koliken.
  • Entfernt auf dem Wickeltisch die Windel und gib Deinem Baby die Chance frei zu strampeln. Du kannst Dein Kind dabei unterstützen, indem Du sanft die Beine Deines Babys anwinkelst, die Knie zeigen nach außen, dann die Füßchen zueinander bringen und das Babybecken kreisen lasst.
  • Unterstützend kannst Du noch sanft die Pobacken Deines Babys vibrieren lassen, das löst oft die Koliken.
  • Als homöopathische Hilfe sind Kümmelzäpfchen (Carum Carvi) von der Firma Wala sehr gut.
  • Auch eine Windsalbe mit ätherischen Ölen eignet sich gut zur Bauchmassage. Wenn Allergien in der Familie sind, dann nur mit einem Öl ohne Duftstoffe den Bauch massieren. Immer im Uhrzeigersinn, in kleinen Spiralen.
  • Bewährt hat sich auch eine Darmkur mit aktiven Bakterienkulturen (z. Bsp. Bigaia Tropfen), welche die Darmflora aufbaut.
  • In der Apotheke gibt es zusätzlich Medikamente (Lefax/ Sab simplex) die Du Deinem Baby geben kannst. Diese wirken physikalisch und zerstören die Oberflächenspannung der Bläschen im Darm.
  • Vermeiden solltest Du, mit dem Thermometer am Po zu manipulieren, da hier immer die Gefahr von Verletzungen besteht und sich Dein Baby eventuell angewöhnt, nur noch mit Hilfe „pupsen“ zu können.
  • Auch wird kein Fencheltee mehr gegeben, da die ätherischen Öle darin, bei größeren Mengen, krebserregend sein können.
  • Bei stärkeren Koliken kann eine Behandlung beim Ostheopathen sehr gut sein.

Achte auf einen entspannten, ruhigen und geordneten Tagesablauf, dies hilft Deinem Baby relaxt zu sein und somit weniger Luft zu schlucken.

Wenn die Unruhephase länger dauert, dann ist es hilfreich, sich mit dem Partner abzuwechseln, um die Nerven zu schonen. Für die Paarbeziehung ist es gut, wenn sich immer nur einer um das Baby kümmert und der andere sich dann zurückzieht. Da Deine Stresshormone in Deinem Körper Limbo tanzen, bekommt sonst meistens der Partner eine gehörige Ladung davon ab.

Tipps, wenn das Baby abends schreit:

  • Herumtragen: Viele Kinder beruhigen sich, wenn sie herumgetragen werden. Manchmal hilft es auch zusätzlich, wenn Ihr eurem Kind etwas vorsingt.
  • Stillen: Auch Stillen ist eine Möglichkeit, das Kind zu beruhigen. Das Nuckeln hilft Deinem Baby, Stress abzubauen.
  • Ruhiger Tagesablauf: Viele Kinder sind von den ganzen Eindrücken des Tages so überfordert. Schreien ist für Euer Baby die einzige Möglichkeit, sich mitzuteilen. Ein ruhiger Tagesablauf kann Eurem Kind helfen, dass es nicht zu viele Eindrücke aufnehmen muss.
  • Pucken: Auch Pucken kann Euer Kind gut beruhigen. Es gibt ihm Halt und Geborgenheit. Mehr zum Pucken könnt Ihr hier lesen.
  • Spazieren gehen: Auch wenn es abends vielleicht schon spät ist, könnt Ihr mit Eurem Baby noch einen Spaziergang machen. Wenn Ihr Euer Kind zusätzlich noch im Tragetuch oder einer geeigneten Trage tragt, wird sich Euer Kind sicher schnell beruhigen und Ihr könnt die Schreiattacke umgehen.
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  • Lexikon der Babysignale

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