Baby schreit an brust

Ablehnung der Brust durch das Baby (Brustverweigerung)

Wenn das Baby die Brust verweigert, ist schnelle Hilfe erforderlich. (© Kanstantsin Prymachuk)

Es ist sehr beunruhigend, wenn das Baby die Brust der Mutter ablehnt. Je nach dem Zeitpunkt des Problems können der Brustverweigerung unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen. Der folgende Artikel bietet einen Überblick über mögliche Ursachen und zeigt erste Hilfsmaßnahmen auf.

Inhaltsübersicht:

  • Ablehnung der Brust ab dem ersten Anlegen
  • Brustverweigerung in der frühen Stillzeit
  • Ablehnung der Brust nach einer Phase des erfolgreichen Stillens
  • Was tun, wenn das Baby die Brust verweigert?
  • Ablehnung nur einer Brust

Ablehnung der Brust ab dem ersten Anlegen

Gelegentlich tauchen die ersten Schwierigkeiten gleich nach der Geburt auf.

  • Ein Neugeborenes kann „trinkfaul“ und schwach sein, z.B. wegen Erschöpfung nach einer anstrengenden Geburt, wegen Anpassungsschwierigkeiten nach einem Kaiserschnitt oder infolge von Medikamenten, die der Mutter vor oder während der Geburt verabreicht wurden, wie z.B. Schmerzmittel, Narkotika, Wehenmittel oder Medikamente bei einer Schwangerschaftsvergiftung (Gestose). Hinzukommt, dass die Brustwarzen aufgrund von intravenöser Flüssigkeitsgabe während und nach der Geburt ödematös werden, d.h. durch die Flüssigkeit anschwellen und verflachen können, sodass das Baby nicht richtig andocken kann. Bei guten Verläufen ist die Brustverweigerung nur vorübergehend. Ungeduld und das Forcieren des Trinkens können jedoch auch zur dauerhaften Brustverweigerung führen. Es ist weit verbreitet, den Kopf des Babys an die Brust zu drücken oder die Brustwarze in den unwilligen Mund zu schieben, damit das Baby endlich trinkt. Diese Maßnahmen können einen Reflex hervorrufen, bei dem das Baby die Zunge aufwärts gegen den Gaumen schiebt und so das Saugen unmöglich macht. Die sogenannte Brustscheu kann auf diese Weise beginnen. Statt Forcieren empfiehlt es sich, in regelmäßigen Zeitintervallen vorsichtig zu versuchen, den Suchreflex auszulösen (s. auch: Ein schläfriges Baby zum Stillen wecken). Um das Baby mit Nahrung zu versorgen, kann man ihm abgedrücktes Kolostrum mit einem Löffel geben, bis es effektiv an der Brust trinken kann (s. das Video der Standford Universität).
  • Abstoßen von der Brust und Weinen an der Brust bedeuten gerade in der Neugeborenenzeit nicht unbedingt eine Brustverweigerung. Es kann sich viel mehr darum handeln, dass das angeborene Andockverhalten des Babys durch ungünstige Positionierung oder kontraproduktive Interventionen der Erwachsenen durcheinandergerät. Bei aufrechten Stillpositionen (Wiegehaltung, Footballhaltung usw.) kann das Baby seine Stillreflexe nicht einsetzen. Sitzt die Mutter auch noch unbequem und schlecht abgestützt oder ist sie bereits verzweifelt und frustriert, überträgt sich ihre Anspannung auf das Baby. Fäustlinge oder das Festhalten von Babys Ärmchen (z.B. durch Pucken) erschweren das Andocken ebenfalls, weil das Baby seine Händchen zum Andocken braucht. Ideal ist eine stabile, zurückgelehnte Stillposition, bei der das Baby auf dem Bauch der Mutter liegt, ohne, dass es festgehalten werden müsste. Die Wange des Babys soll die Brust der Mutter berühren. Das Baby sucht und formt die Brust mithilfe seiner Händchen und durch das Hochheben und durch Nickbewegungen seines Köpfchens. Es saugt dabei manchmal an seinen eigenen Händchen, bis es schließlich eigenständig zur Brustwarze findet. Durch die zurückgelehnte Stillposition und das Baby-geleitete Andocken beruhigen sich viele Babys und schaffen schließlich das effektive Saugen an der Brust (siehe auch Laid-back-Nursing).
  • Das Neugeborene könnte aber auch krank oder während der Geburt verletzt worden sein. Neben der Untersuchung und Behandlung durch Ärzte können in diesen Fällen Stillfachleute weiterhelfen (siehe z.B. das Stillberaterinnen-Verzeichnis des Still-Lexikons), die Milchbildung der Frau aufzubauen und das Baby zu stillen / füttern. Es kann sein, dass die Milch bei einem kranken Kind vorübergehend oder in manchen Fällen auch während der gesamten Stillzeit abgepumpt werden muss. Obwohl Abpumpen sehr zeitaufwendig und anstrengend ist, ist es dann trotzdem die beste Lösung, um die Gesundheit des Kindes zu fördern. In solchen Situationen wird das Kolostrum zunächst per Hand entleert (mindestens 6-mal am ersten Tag nach der Geburt). Anschließend wird mit einer elektrischen Krankenhaus-Pumpe mit Doppelpumpset täglich 8- bis 12-mal in 24 Stunden für etwa 15 Minuten Milch abgepumpt, um die Milchbildung aufzubauen und aufrechtzuerhalten (mehr dazu im Artikel Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch).

Brustverweigerung in der frühen Stillzeit

Das Ablehnen der Brust ist in der Neugeborenenperiode leider eine häufige Erscheinung. Sie ist meist die Folge von ungünstigen Rahmenbedingungen während und nach der Geburt, welche die Interaktion zwischen Mutter und Kind durcheinanderbringen (s. auch Warum das Stillen häufig nicht klappt).

ANZEIGE

  • Wenn es nicht gelingt, das Baby von Anfang an effektiv und häufig genug anzulegen, dann wird die Milchbildung nicht ausreichend gut in Gang gebracht. Das Baby erhält an der Brust nur wenig Milch und ist dann frustriert und aufgebracht. Die Lösung ist die Optimierung des Anlegens (s. den Artikel Das korrekte Anlegen des Babys), sehr viel direkter Haut-zu-Haut-Kontakt und eine gute Stillunterstützung. Vorübergehend kann abgepumpte Muttermilch oder ggf. Ersatzmilch aus einer Sonde oder mithilfe des Brusternährungssets an der Brust zugefüttert werden, damit das Baby an der Brust nicht frustriert ist. Ein guter Milchfluss an der Brust löst schließlich das Problem (siehe auch den Film von Dr. Jack Newmann ab 25:00 Minuten und den Artikel Die Milchmenge steigern: Wie man mehr Milch bilden kann).
  • Wenn die Mutter zu spät auf den Hunger des Babys reagiert oder das Baby stillen will, wenn es gerade nicht bereit ist, dann kann das Kind beim Anlegen aufgebracht und hektisch sein, weil es schon zu lange nach der Brust schreit oder weil es gegen seinen Rhythmus an die Brust angelegt wird. Auch deshalb ist es sinnvoller, nach Bedarf, anhand der kindlichen Signale zu stillen (siehe auch die Die ersten Anzeichen von Hunger).
  • Eine Ablehnung der Brust tritt typischerweise bei einer Saugverwirrung auf. Oft werden Babys, wenn das Stillen in den ersten Tagen nicht einwandfrei klappt, mit der Saugflasche gefüttert. Aus der Saugflasche läuft die Milch allerdings anders als an der Brust und die Kinder sind anschließend oft nicht mehr in der Lage, an der Brust effektiv zu saugen. Es ist extrem schade, dass alternative Fütterungsmethoden im Gesundheitssystem kaum bekannt sind, obwohl sie nicht schwieriger sind als die Flaschenfütterung. Zur Behebung der Saugverwirrung siehe den Artikel Das Baby von der Flasche an die Brust gewöhnen.
  • Manche Babys können aufgrund von anatomischen Besonderheiten im Mund oder gesundheitlichen Problemen nicht effektiv an der Brust saugen und sind dann ebenfalls frustriert und aufgebracht, wenn sie an die Brust gebracht werden. Zu solchen anatomischen Besonderheiten gehören vor allem das zu kurze Zungenband, zu kurzes Lippenbändchen oder andere Probleme, wie ein asymmetrisches Kiefer oder ein hoher Gaumen. Neben Kinderärzten und erfahrenen Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC können vor allem Logopäden und weitere Saug- und Schlucktherapeuten weiterhelfen. Saugprobleme können auch durch neurologische Unreife des Neugeborenen (z.B. im Falle von Frühgeburten) oder z.B. einen niedrigen Muskeltonus entstehen. Babys mit Reflux, Atmungsproblemen oder angeborenen Anomalien haben ein hohes Risiko für abnormales Saugen.
  • Das Neugeborene kann aufgrund besonderer Brustwarzenformen die Brust nicht erfassen.
  • Das Baby kann die Brust aufgrund einer flach ausgezogenen Brustwarze bei der initialen Brustdrüsenschwellung (Milcheinschuss) oder bei einem Milchstau nicht effektiv erfassen. In einem solchen Fall kann man vor dem Stillen etwas Muttermilch gewinnen, bis der Warzenhof wieder weicher ist und die Brust vom Baby wieder gut erfasst werden kann.

Ablehnung der Brust nach einer Phase des erfolgreichen Stillens

Wenn nach einer Phase des erfolgreichen Stillens das Kind die Brust ablehnt, kann dies vorübergehend oder endgültig sein.

  • Wenn ein Baby in der Neugeborenenperiode gut trinken konnte und die Brustverweigerung erst mit der reichlichen Bildung von reifer Muttermilch einstellt, besteht der Verdacht auf „zu viel Milch“ und einen überschießenden Milchspendereflex (siehe auch den Artikel Zu viel Milch). Die Milch schießt dem Baby nach dem Anlegen kräftig in den Mund. Das Kind verschluckt sich, würgt oder spuckt. Um das Schießen der Milch zu reduzieren, kann die Mutter auf dem Rücken liegend oder mit zurückgelehntem Oberkörper stillen. Die Milch muss dann gegen die Schwerkraft nach oben angesaugt werden und läuft daher nicht so stark (siehe auch „Laid-back-Nursing“ im Artikel Stillpositionen). Manchmal kann es aufgrund des zu schnellen Milchflusses zu einer hartnäckigen Brustverweigerung kommen. Hilfreich ist es in diesem Fall, vor dem Anlegen die Brust gut zu entleeren, weil die Milch dann langsam fließt und vom Kind gut getrunken werden kann. Akzeptiert das Baby die Brust zunächst auch dann nicht, dann kann das Kind vorübergehend mit abgepumpter Muttermilch gefüttert werden. Die Milchbildung muss bei einer solchen Überproduktion gedrosselt werden (siehe den Artikel Zu viel Milch).
  • Auch psychische Ursachen können zur Ablehnung der Brust führen, wie z.B. Reizüberflutung des Kindes durch zu viel Hektik und zu viele Besucher. Wenn die Mutter nervös, angespannt oder unsicher ist, absorbiert das Kind möglicherweise diese Schwingungen.
  • Abnahme der Milchbildung: Mitunter nimmt die Milchbildung trotz gutem Stillstart im Laufe der Zeit ab. Das Baby erhält allmählich weniger Milch an der Brust und auch der Milchfluss wird langsamer. Das Baby wird dadurch zunehmend frustrierter an der Brust und kann sie irgendwann komplett verweigern. Es kann zahlreiche Ursachen für eine abnehmende Milchbildung geben, meistens handelt es sich um eine Begrenzung der Stillmahlzeiten (zu seltenes oder zu kurzes Anlegen, nur eine Seite pro Mahlzeit, ausgiebiger Schnullergebrauch, Stillhütchen usw., siehe auch die Hinweise zum suboptimalen Stillmanagement im Artikel Zu wenig Milch). Mitunter fängt die Mutter an, hormonelle Verhütungsmittel einzunehmen, welche zur Abnahme der Milchbildung führen können (siehe Hormonelle Verhütungsmittel können die Milchbildung hemmen). Auch Saugprobleme seitens des Kindes können dazu führen, dass die Milchbildung längerfristig nicht ausreichend angeregt wird. Bei einem zu kurzen Zungenband und einer damit einhergehenden eingeschränkten Zungenbeweglichkeit ist es schon öfter vorgekommen, dass das Baby in den ersten Wochen noch reichlich Milch bekam und gut zunahm und die Milchbildung zu einem späteren Zeitpunkt abnahm und das Baby die Brust verweigerte (siehe auch den Artikel zum verkürzten Zungenband).
  • Bei einem Stillstreik geht die Brustverweigerung nach mehreren Mahlzeiten oder Tagen vorüber. Es kann dafür verschiedene Ursachen geben, wie z.B. Schnupfen, Mittelohrentzündung, Soor-Infektion, eine Magen-Darm-Grippe oder die Rückkehr der Menstruation bei der Mutter. Manche Kinder verweigern während jeder Monatsblutung die Brust für einen Tag. Stark schmeckendes Essen, wie z.B. Knoblauch oder Pfefferminz, verändert den Geschmack der Muttermilch 8–12 bis zu 24 Stunden nach der Mahlzeit, und kann dadurch auch zur Verweigerung der Brust führen. Genauso ein veränderter Körpergeruch der Mutter z.B. durch ein neues Parfum oder Salbenapplikationen bei wunden Brustwarzen. Auch psychische Ursachen können einen Stillstreik hervorrufen. Solche Fälle wurden berichtet, wenn die Mutter wieder mit dem Arbeiten angefangen hatte, sich für längere Zeit vom Kind getrennt hatte, oder wenn die Mutter das Kind ausgeschimpft hatte, z.B. wenn es zubiss. Die Ursache des Stillstreiks kann nicht immer herausgefunden werden. Leider wird ein Stillstreik oft für ein endgültiges Desinteresse an der Brust gehalten. Wenn der Stillstreik jedoch überstanden wird, kann die Stillbeziehung noch lange beibehalten werden.
  • Ablehnen der Brust ab dem Beikostalter: Mitunter verweigern schon Babys im ersten Lebensjahr die Brust der Mutter endgültig – sie stillen sich vorzeitig ab. Während einige Mütter dieses Verhalten problemlos als natürliches Abstillen seitens des Kindes akzeptieren, trauern andere Mütter der Stillbeziehung nach. Häufig wurden Kinder, die sich so früh von alleine abstillen, zum Einschlafen, nachts und zum Trost nicht gestillt. Diese Kinder haben sich angewöhnt, sich auf andere Weise zu beruhigen, wie z.B. durch Schnuller oder Daumenlutschen. Sie verbinden die Brust nicht mehr mit Trost und Geborgenheit, sondern lediglich mit Nahrungsaufnahme. Wenn sie nach der Einführung von Beikost ihren Hunger und Durst nicht mehr an der Brust stillen müssen, dann verlieren sie das Interesse an der Brust komplett, zumal die Milchmenge und der Milchfluss im Laufe der Beikosteinführung deutlich zurückgehen können, wenn die Brust nur als Mahlzeit und nicht zum Ein- und Durchschlafen sowie zum Trost angeboten wird.
  • Das natürliche, vom Kind gesteuerte Abstillen, bei dem die Brust auch zum Trost und zum Ein- und Durchschlafen unbegrenzt angeboten wird, verläuft sehr langsam und nimmt mehrere Jahre in Anspruch. (Mehr zum Abstillen: Der Abstillprozess, Abstillen: Wie kann ich mein Kind achtsam begleiten? und Die weibliche Brust: Nahrungsquelle, Trotspender oder Lustobjekt?)

Was tun, wenn das Baby die Brust verweigert?

Wenn das Baby die Brust länger als einzelne Stillmahlzeiten hartnäckig ablehnt und auf das Stillen noch angewiesen ist, dann gibt es zwei wichtige Aufgaben: das Baby zu füttern und die Brust zu entleeren. Die regelmäßige Entleerung der Brust ist wiederum aus mehreren Gründen wichtig: Erstens bewahrt dies die Mutter vor Schmerzen und möglichen Milchstaus (und als eventuelle Folge davon Brustentzündungen oder gar Abszess). Zweitens wird auf diese Weise die Milchbildung der Mutter aufrechterhalten und drittens soll das Baby mit der Muttermilch gefüttert werden.

Die Entleerung der Brust kann per Hand oder Pumpe erfolgen, oder aus einer Kombination aus beiden (siehe den Artikel Abpumpen und Aufbewahren von Muttermilch). Die Brust sollte mindestens so häufig entleert werden, wie das Kind trinken würde, während der ersten 6 Monate in der Regel mindestens 8- bis 12-mal in 24 Stunden.

Die Milch sollte dem Kind idealerweise mit einem Becher statt mit einer Saugflasche gegeben werden (siehe den Abschnitt zur Becherfütterung) und zur Befriedigung des Saugbedürfnisses sollte nur die Brust (also auch kein Schnuller) angeboten werden. Es soll immer wieder versucht werden, dem Kind die Brust anzubieten; Wenn die Ablehnung groß ist, kann man durchaus einen Tag Pause machen. Viel Kuscheln an nackter Haut erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby die Brust wieder nimmt. Im Halbschlaf nehmen die Babys die Brust häufig eher an, als im wachen Zustand.

Lehnt das Baby die Brust z.B. aufgrund einer zurückgegangenen Milchbildung längerfristig ab, dann sollte an der Brust zugefüttert werden, z.B. mit dem Brusternährungsset (siehe den Abschnitt Zufütterung an der Brust und den Artikel Das Baby von der Flasche an die Brust gewöhnen). Durch die Änderung des Stillmanagements und/oder die Beseitigung der Ursachen der Brustverweigerung (z.B. bei einem verkürzten Zungenband) kann die Milchmenge wieder gesteigert werden (siehe die Artikel Die Milchmenge steigern und Ein zweiter Stillbeginn (Relaktation)).

Ablehnung nur einer Brust

Es kommt vor, dass ein Kind die eine Brust gegenüber der anderen bevorzugt oder eine Brust vollständig ablehnt. Manche Kinder liegen lieber auf einer ihrer eigenen Körperseite. In einem solchen Fall kann es helfen, wenn bei einem Seitenwechsel das Kind von der einen zur anderen Brust geschoben wird, ohne es dabei um die eigene Achse zu drehen. Es kann aber auch passieren, dass die eine Brust wegen physiologischer Unterschiede mehr Milch produziert als die andere, oder weil die eine Brust mehr stimuliert wird. Eine ungleichmäßige Stimulation kann vorkommen, wenn das Kind nachts immer nur aus derselben Brust trinkt, weil das Kind die Brustwarze an der einen Brust besser fassen kann als an der anderen, oder weil wegen wunden Brustwarzen die Mutter die eine Brust schont (mehr zum Thema im Artikel Unterschiedlich große Brüste in der Stillzeit).

Nach einer Brustentzündung schmeckt die Milch salzig, was ebenfalls zur Ablehnung dieser Brust führen kann. Wenn das Kind in diesen Fällen die eine Brust partout ablehnt, kann man, um einem Milchstau vorzubeugen und die Milchproduktion aufrechtzuerhalten bzw. wieder anzukurbeln, die abgelehnte Seite öfter ausstreichen oder abpumpen und immer wieder versuchen, das Kind dort anzulegen. Nachts, wenn das Kind im Halbschlaf trinkt, ist die Wahrscheinlichkeit höher als tagsüber, dass es auch die abgelehnte Brust akzeptiert.

In einigen Fällen spielt sich die Stillbeziehung derart ein, dass die Frau nur noch an einer Seite stillt und auf der anderen Seite sich die Milchbildung vollständig einstellt.

=> Erfahrungsgemäß reicht eine Brust aus, um das Kind ausreichend zu ernähren.

Allerdings ist es in sehr seltenen Fällen beobachtet worden, dass Wochen oder Monate nach der Ablehnung einer Brust in dieser ein Tumor diagnostiziert wurde. Insofern kann es sinnvoll sein, bei einem Frauenarztbesuch Brusterkrankungen als Ursache auszuschließen.

Quellen:

  • Watson-Genna C: Handbewegungen eines Säuglings während der Brustsuche. Laktation & Stillen 2017;3.
  • Wilson-Clay B, Hoover KL: The Breastfeeding Atlas. LactNews Press, 2013, 5. Aufl.
  • Guóth-Gumberger M: Gewichtsverlauf und Stillen. Dokumentieren, Beurteilen, Begleiten. Mabuse Verlag 2011, S. 89.
  • M. Scheele: Aspekte aus der Stillpraxis; und H. Przyrembel: Die Vorteile der Muttermilch. In Stillen und Muttermilchernährung, Grundlagen, Erfahrungen und Empfehlungen; Gesundheitsförderung konkret Band 3, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.), Köln 2001.
  • Lawrence RA und Lawrence RM: Breastfeeding. A guide for the medical profession. Elsevier, 2016, 8. Aufl., S. 332.

Stillstreik! Wenn dein Baby plötzlich die Brust verweigert

Kaum sind dein Baby und du ein Dream-Team in puncto Stillen, kann es passieren, dass sich dein Baby plötzlich gegen das Stillen zu wehren scheint.

Diese ablehnende Haltung, die meist mit viel Geschrei einhergeht, verunsichert einige Mütter verständlicherweise. Dabei liegt die Ursache meist nicht an der Mutter selbst, sondern es handelt sich oftmals um den sogenannten Stillstreik.

Was ist ein Stillstreik?

Der Stillstreik oder auch Brustschreiphase genannt, tritt bei manchen Babys meist um den 3./4. Lebensmonat ein. Dieses Verhalten ist auf den Entwicklungsstand des Babys zurückzuführen, das in diesem Alter seine Umwelt zunehmend wahrnimmt und die täglichen Eindrücke verarbeitet.

Wie äußert sich ein Stillstreik?

Viele Mütter berichten ähnliche Verhaltensweisen in dieser Phase. Dazu gehören z. B. vermeintlich grundloses Anschreien der Brust beim Versuch das Baby anzulegen, das Baby lässt sich nur schwer oder gar nicht anlegen, es überstreckt sich und macht einen unzufriedenen Eindruck. Außerdem ist es ganz typisch, dass diese Merkmale überwiegend tagsüber auftreten, wohingegen viele Mütter beim Stillen nachts keine Probleme berichten. Diese Tatsache lässt wieder darauf schließen, dass das Baby tagsüber durch äußere Reize von der Stillmahlzeit abgelenkt wird. In der reizarmen Umgebung nachts, holen dann die Kinder die Milchmenge, die sie tagsüber verpasst haben, nach. Somit kann es ganz normal sein, dass dein Baby plötzlich wieder jede Stunde aufwacht und die Brust verlangt.

Wie kannst du den Stillstreik beeinflussen?

Hilfreich ist es, das Baby zum Stillen bewusst aus einer Umgebung voller Reize herausnehmen. Ein ruhiger Raum mit gedämmtem Licht, in dem nur du mit deinem Baby bist, kann manchmal Wunder bewirken.

Sollten diese Tipps bei euch keine Verbesserung bringen, ist es wichtig, andere mögliche Gründe für Unruhe und Weinen vor dem Stillen auszuschließen. Dazu gehören:

  • Hypergalaktie: Manche Mütter haben einen sehr ausgeprägten, schnell einsetzenden Milchspendereflex. Die Milch sprudelt nur so aus der Brust heraus. Dem Baby erschwert dies allerdings die Koordination von Saugen, Atmen und Schlucken und manche Kinder sind dadurch richtig frustriert. Versuche in diesem Fall dein Kind in eher aufrechten Positionen anzulegen. Du kannst auch versuchen in einer nach hinten gelehnten Position das Baby senkrecht auf deinen Bauch zu legen. Manchmal kann die Verwendung von Stillhütchen eine gute Übergangslösung sein.
  • Hypogalaktie: Dies ist das Gegenteil der Hypergalaktie. Der Milchspendereflex tritt verzögert ein. In diesem Fall hilft es vor dem Anlegen mit Wärme zu arbeiten und entweder warm zu duschen oder einen warmen Waschlappen auf die Brust aufzulegen. Zusätzlich kannst du mit Hilfe von Brustmassage den Milchfluss per Hand anregen.
  • Hast du zu wenig Milch? Hast du den Eindruck dein Baby wird nicht satt? Überprüfe die Menge an vollen und nassen Windeln pro Tag. Hat sich etwas verändert? In welchen Abständen trinkt dein Baby wie lange? Nimmt es gut zu? Diese Fragen helfen dir herauszufinden, ob dein Baby weint, weil es Hunger hat.
  • Verwendest du ein neues Duschgel/Parfum? Babys sind sehr geruchssensibel und unbekannten Gerüchen eher abgeneigt.
  • Hast du andere Lebensmittel als sonst gegessen? Manche Babys reagieren sensibel auf bestimmte Nahrungsmittel wie z. B. Milchprodukte und Kohlsorten.
  • Nimmst du Medikamente? Auch diese können den Geschmack der Muttermilch verändern.
  • Zeigt dein Baby Hungerzeichen? Evtl. möchte dein Baby gerade nicht gestillt werden, sondern sehnt sich nur nach Hautkontakt und ungestörter Zweisamkeit.
  • Bist du gestresst? Babys haben ganz feine Sensoren und spüren sofort wenn du unter Stress stehst. Der übertragt sich dann meist auch auf das Baby und es beginnt ein Teufelskreis. Nehmt euch in diesem Fall einmal bewusst aus dem Alltag zurück.
  • Könnte es sein, dass dein Baby zahnt? Das kann sehr unangenehm für die Kinder sein und sie reagieren unruhig und quengelig. Ein kühler Beissring, ein nasser Waschlappen oder ein Zahnungsgel kann helfen.
  • Beruht die Unruhe auf einer unangenehmen Haltung? Eine Behandlung beim Osteopathen könnte helfen.

Gut zu wissen: Während der Stillzeit hast du Anspruch auf die Beratung durch eine Hebamme. Auch der Besuch einer Stillgruppe oder das Hinzuziehen einer Stillberaterin könnte sinnvoll sein. Im Zweifelsfall solltest du immer den Rat eines Kinderarztes einholen, um andere Ursachen auszuschließen!

Fazit: Beim reinen Stillstreik handelt es sich um einen Phase, die auf dem derzeitigen Entwicklungsstand deines Babys beruht. Du als Mama machst alles richtig – es liegt nicht an dir! Diese Phase ist anstrengend aber geht meist genauso schnell wieder vorüber wie sie begonnen hat. Versuche positiv zu denken und freue dich darüber, dass dein Baby seine Umwelt so interessant findet!

Baby will auf einmal nicht mehr an die Brust

Antwort auf:

Baby will auf einmal nicht mehr an die Brust

Liebe Bettina,
für eine Ablehnung der Brust kann es verschiedene Gründe geben, die von einer Saugverwirrung bis hin zu einem Stillstreik reichen können und es lässt sich aus der Ferne nicht feststellen, was nun bei euch los ist.
Bekommt Ihre Tochter die Flasche oder den Schnuller? Wenn ja, könnte eine Saugverwirrung vorliegen.
In jedem Fall sollte ein Kind, das plötzlich die Brust verweigert, vorsichtshalber von der Kinderärztin/arzt angeschaut werden.
Für einen Stillstreik kann es viele Ursachen geben. Bekommt das Baby Zähne? Hat es eine Erkältung oder eine verstopfte Nase, so dass es beim Trinken behindert wird? Hat es Ohrenschmerzen, so dass ihm das Stillen wehtut? Wurde kontrolliert, ob ein Harnwegsinfekt vorliegt? Ist die Mutter aus irgendeinem Grund beunruhigt oder aufgebracht? Babys reagieren auf die Gefühle ihrer Mutter.
Gab es beim Stillen einen unliebsamen Zwischenfall? Wurde zum Beispiel gestillt während das Baby untersucht wurde und ist es dabei erschrocken?
Kurz: Gab es irgendwelche einschneidenden Veränderungen oder besondere Situationen
Manchmal lässt sich die Ursache auch nicht herausfinden und der Streik endet ebenso unvermittelt, wie er begonnen hat.
Bei einem Stillstreik weigert sich das Kind die Brust anzunehmen, es macht sich steif, drückt sich weg, vielleicht saugt es auch an und wendet sich dann ab. Ein Stillstreik kann einige Stunden aber auch tagelang dauern, manche Kinder streiken sogar über ein bis drei Wochen.
Sie können versuchen Ihr Baby anzulegen, wenn es schon sehr schläfrig oder fast eingeschlafen ist. Viele Babys, die sich weigern, an der Brust zu trinken, wenn sie hellwach sind, tun es im Halbschlaf dann doch. Sie können ihm die Brust auch immer wieder anbieten, wenn es wach ist, drängen Sie aber nicht. Manche Babys sind eher bereit zu trinken, wenn ihre Mutter umhergeht statt stillzusitzen. Wenn Sie möchten, dass Ihr Baby wieder an Ihrer Brust trinkt, sollten Sie sich darauf einstellen, sich in den nächsten Tagen fast ausschließlich Ihrem Kind zu widmen. Wenn Sie es viel im Arm haben, zärtlich streicheln und es Sie in einer entspannten Atmosphäre einmal ganz für sich alleine hat, beruhigt es sich vielleicht und lässt sich dazu bewegen, wieder bei Ihnen zu trinken.
Weitere Maßnahmen, die sich bei einem Stillstreik bewährt haben, sind:
o im Umhergehen stillen,
o in der Badewanne oder im Schaukelstuhl stillen,
o im Halbdunkeln stillen,
o im Halbschlaf stillen,
o das Baby mit der Brust spielen lassen,
o unterschiedliche Stillhaltungen ausprobieren,
o alle künstlichen Sauger vermeiden,
o das Baby massieren,
o viel Körperkontakt (Haut auf Haut),
o und ganz wichtig: keinen Stillstress erzeugen, weder bei der Mutter noch beim Kind, Ruhe und Gelassenheit, auch wenn es schwer fällt.
Um Ihre Milchproduktion aufrecht zu erhalten und zu verhindern, dass Ihre Brust übervoll wird, sollten Sie Ihre Milch ausstreichen oder abpumpen. Die so gewonnene Milch können Sie Ihrem Kind mit einer alternativen Fütterungsmethode anbieten, z.B. mit einem Becher. Die Flasche ist in dieser Situation nicht unproblematisch, denn es kann Ihnen passieren, dass sich Ihr Kind dann zur Flasche hin abstillt.
Wenn Sie mir Ihren Wohnort mit Postleitzahl angeben, suche ich Ihnen gerne die nächstgelegene LLL Stillberaterin heraus, die Ihnen die Becherfütterung zeigen kann und Ihnen auch sonst noch weitere Tipps geben kann.
LLLiebe Grüße
Biggi Welter

von Biggi Welter, Stillberaterin am 19.04.2010

Stillberatung

?
Liebe Antje,
das kann viele Ursachen haben. Angefangen bei einem sehr starken Milchspendereflex über Probleme mit dem Zahnen oder Ohrenschmerzen bis hin zu der in diesem Alter oft sehr weit verbreiteten Ablenkbarkeit.
Vorsichtshalber sollten Sie Ihr Kind von der Kinderärztin/arzt anschauen lassen, um eine medizinische Ursache ausschließen zu lassen.
Es kann sein, dass bei Ihrem Baby gerade die Zähne in den Kiefer einschieben und ihm das so große Unannehmlichkeiten beim Trinken verursacht, dass es deshalb immer wieder von der Brust ablässt. Hier kann es helfen, dass Sie seine Zahnleisten etwas massieren und ihm ein (gekühltes) Beißspielzeug anbieten.
Eine andere Möglichkeit ist ein sehr starker Milchspendereflex. Bei einem sehr starken Milchspendereflex hat es sich bewährt, das Baby von der Brust zu nehmen sobald die Milch zu fließen beginnt (legen Sie eine Windel zum Auffangen der Milch hin und vergessen Sie nicht den Saugschluss zu lösen) und erst nach ein bis zwei Minuten weiter zu stillen, wenn der Milchfluss etwas nachlässt. Eine weitere Möglichkeit ist das „Berg-auf-Stillen“. Dazu halten Sie Ihr Baby so, dass sein Kopf, Nacken und Hals höher liegen als Ihre Brustwarze. Beim Stillen mit dem Rückengriff lehnen Sie sich dabei nach hinten, beim Wiegengriff stützen Sie Ihr Baby von unten mit zwei Kissen in Ihrem Schoß und lehnen sich, möglichst in einem bequemen Sessel sitzend, zurück.
Besonders unruhige Babys, die sich an der Brust steif machen und nach hinten überstrecken, können auch gebündelt werden. Beim Bündeln wickeln Sie das Baby gut in eine Decke ein, so dass seine Schultern nach vorne geneigt und die Arme unterhalb der Brust gekreuzt sind. So kann es den Kopf nicht zurückwerfen. Bei manchen Babys bewährt es sich, wenn die Decke unten offen bleibt, so dass die Füße frei bleiben. Wenn Du dein Kind auf diese Weise eingepackt hast, sieht es wie ein „C“ aus, mit dem Kinn auf der Brust und angezogenen Beinchen.
Häufig reicht diese Maßnahme aus, das Baby zu beruhigen und es trinkt dann besser an der Brust. Manche Babys brauchen Halt im wahrsten Sinne des Wortes um weniger zappelig zu sein.
Es gibt auch Phasen, in denen ein Kind extrem leicht ablenkbar sein kann und sich tatsächlich nur noch in einer ganz bestimmten Umgebung stillten lässt. Unter Umständen ist es bei deinem Kind auch solch eine Phase.
Auch einen Wachstumsschub möchte ich nicht ausschließen.
Sie sehen, es kann sehr viele Ursachen geben und ich kann Ihnen wirklich nur ans Herz legen, Ihr Kind von der Kinderärztin/arzt anschauen zu lassen und sich an eine Kollegin vor Ort zu wenden, die euch beide sehen kann und dadurch naturgemäß viel gezielter weiterhelfen kann.
Wenn Sie mir Ihren Wohnort mit Postleitzahl angeben, suche ich Ihnen gerne die nächstgelegene LLL-Stillberaterin raus.
LLLiebe Grüße
Biggi Welter

Die Brustschimpfphase

Die “Brustschimpfphase” scheint die Erklärung dafür zu liefern, was mir aktuell gerade zwei junge Mütter von ihren beiden Babies schilderten.

Beide Mütter erzählten von Szenen, in denen ihre Babies das Trinken an der Brust schon nach wenigen Schlücken verweigert, laut zu schreien oder schimpfen anfangen, mit dem Kopf gar gegen die Brust stossen oder ihre Nippel mit dem Mund langziehen und sich mit dem Körper von der Brust abrupt abwenden. Kurz darauf weinen sie lange und lassen sich erst nach einer gewissen Weinzeit wieder beruhigen.

Beide Mütter erhielten schon viele Ratschläge, wie z. B. die Folgenden:

  • Milch zuerst ein wenig laufen lassen, damit die Milch nicht zu schnell in den Mund des Babys spritzt.
  • Beobachten, ob das Baby tatsächlich Hunger hat oder einfach nur “Nukkeln” will. Lässt sich mit einem Schnuller rasch herausfinden.
  • Das Baby weinen lassen, herumtragen, mit ihm herumlaufen und an einen ruhigen, eher dunklen ungestörten Ort zurückziehen und es dort noch mal mit Ansetzen probieren: Die Ablenkungsgefahr sei dann viel geringer und das Baby werde weniger mit äusseren Reizen und Informationen überflutet.

Manchmal ist es aber, so denke ich zumindest, hilfreicher, wenn man eine plausible und logischen Grund hat, der nicht auf Tipps und Ratschlägen, sondern auf einer einleuchtenden Erklärung basiert. Dieses Verhalten tritt bei den meisten Babies im Alter von 3-4 Monaten auf.

Laut der österreichisch-britischen Psychoanalytikerin Melanie Klein (* 30. März 1882 in Wien; † 22. September 1960 in London) durchlebt das Baby bereits in diesem zarten Alter seine erste pubertäre Phase. In diese Phase fällt dann auch die “Brustschimpfphase”.

Das Baby nimmt die Brust dann entweder als “gut” oder als “böse” war, je nachdem schimpft es mit der Brust und kämpft so quasi gegen die Brust an. Der Brustschimpfphase ist in der Fachpublikation der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung “Stillen und Muttermilchernährung”, Ausgabe 2011, S.67 ein besonderes Kapitel gewidmet:

“Die meisten Frauen berichteten von Blähungen in dieser Zeit, in der das Kind gerade beim Stillen untröstlich zu weinen anfängt – die “Brust-Schimpf-Phase”, wie es die Psychoanalytikerin Melanie Klein nennt.

Info-Tipp: Interview zur „Brustschimpfphase“

Frauen, die sich damit befasst hatten, empfanden deren Erklärungsmodell besonders entlastend: Das Kind trinkt, setzt ab, weint wütend, will nicht trinken. Statt in Schweißausbrüche, Ratlosigkeit und Wut zu verfallen, regt das Klein’sche Modell zum Verständnis dessen an, dass das Kind nach drei Monaten zu “begreifen” beginnt, dass es nicht mehr eins mit der Mutter ist, sondern die Brust etwas ist, was nicht zu ihm, sondern zur Mutter gehört. Sie kann den Milchquell geben oder entziehen.

Diese traurige Entdeckung setzt das Baby durch das “Anschimpfen” der Brust – wie eine erste Pubertät – selbst in Szene, und auf diese Weise übt es die erste Eigenständigkeit ein. Frauen, die diese Situation – das Kind ist hungrig, trinkt, setzt ab, schreit wütend los, lehnt die erneut angebotene Brust ab – nach diesem Denkansatz verstehen, schaffen es leichter weiter zu stillen. Denn sie verarbeiten das abweisende Gebrüll und Verhalten nicht als Kritik an Milch, Menge, Nippel, Brust, Halteposition oder Stillsituation, sondern als einen ersten Schritt auf dem Weg, das eigene Selbst zu entdecken.

Wenn die Mutter in dieser 3-Monats-Phase jedoch zusätzlich einem besonderen Druck vom Partner ausgesetzt ist, bildet diese Zeit oft den Grund, das Stillen aufzugeben nach dem Motto: “Die Milch hat nicht mehr gereicht. Das Kind hat ja nur noch geweint.“

Mir scheint diese Theorie hilfreich und durchaus bemerkenswert. Verschwende doch bei der nächsten “Brustschimpfattacke” mal den einen oder anderen Gedanken daran und hab Verstädnis für dein Baby, wenn es an deiner Brust tobt. Weitere praktische Tipps findest du zu dem in folgender Broschüre “Hello Baby – Tipps für die Stillzeit”. Ein Interview zum Thema Brustschimpfphase mit der Stillberaterin Nancy Wunger findest du hier.

Herzlichst,
Eure Nadja

Links, die Sie interessieren könnten:

  • Haare färben & Dauerwellen in der Schwangerschaft
  • Zahnbehandlungen während der Schwangerschaft möglich?
  • Scheidenpilz in der Schwangerschaft – was tun?
  • Aufbewahren von Muttermilch zu Hause
  • Interview zur „Brustschimpfphase“
  • Korrektes Anlegen des Babys

Wie erkenne ich einen Stillstreik oder die Brustschimpfphase?

  • Das Baby lehnt die Brust ab
  • Es verweigert unter Weinen und mit Unruhe an der Brust zu trinken
  • Es weint, wenn es angefangen hat zu trinken oder direkt danach
  • Das Baby stößt sich von der Brust weg, es sucht, trinkt, schreit wieder, lässt wieder los, weint, sucht……
  • Das Baby wirkt unausgeglichen, erschöpft und unzufrieden

Statt zu hinterfragen, warum das Baby an der Brust schreit, wird es mit „ach, das ist die Brustschimpfphase“ abgetan – so, als wäre es „normal“ und ein Teil der Entwicklung, wo man eben durchmuss. Es wird schon wieder vorbeigehen.

Doch es hat meist einen Grund, warum das Baby an der Brust weint: Vielleicht weil zu viel Milch auf einmal kommt oder weil der Milchfluss nicht in Gang kommt, aber auch Ohrenschmerzen, Zahnungsschmerzen, ein Stillstreik oder Bindungsstörungen können ein Grund sein. Statt das Weinen an der Brust zu bagatellisieren ist es wichtig, den Grund zu finden und dann zu versuchen, das „Problem“ zu lösen.

Was genau das Problem ist, kann eine Stillberaterin vor Ort herausfinden, wenn sie Mutter und Kind beim Stillen sieht. Dennoch reagieren viele Eltern verunsichert, wenn das Kind plötzlich die Brust nicht mehr nimmt oder nach dem stillen noch weint. Das ist ganz klar, denn diese Situation ist neu – für beide. Doch auch irgendwo logisch, denn mit 3-4 Monaten hat das kindliche Gehirn ein neues Entwicklungsstadium erreicht: Es nimmt akustisch und visuell mehr war, es beginnt Laute nachzuformen, die Mimik nachzuahmen und auch die ersten motorischen Entwicklungsschritte setzen ein. Das ist anstrengend und kann das Baby verunsichern. Wenn das Baby dann jedoch an der Brust schimpft und weint glauben viele Mütter, dass sie zu wenig Milch haben und ihr Baby nicht mehr satt wird. Ein Stillstreik ist jedoch kein Grund abzustillen. Wenn du dein Baby nach Bedarf stillst, es genügend volle Windeln produziert und gut zunimmt, dann musst du dir keine Sorgen machen, dass deine Milch nicht ausreicht.

Die Natur hat es so clever eingerichtet, dass deine Milch reicht – solange dein Baby an der Brust saugt und die Milchbildung anregt, wird deine Milch auch genügen. Es ist nur manchmal so, dass dein Baby mehr Hunger hat – dann will es öfters an die Brust. Mit etwa 3 Monaten wirst du feststellen, dass deine Brust weicher ist – keine Sorge, die Milch ist nicht weg. Deine Brust hat sich nur an das Stillen gewöhnt und den Milchbedarf angepasst, sodass das Spannungsgefühl weg ist. Immerhin bist du bei der Geburt darauf ausgelegt, Mehrlinge voll ernähren zu können! Bis ihr euch beide aufeinander eingespielt habt, dauert es einfach ein bisschen. Mit der Umstellung der Brust ändert sich aber auch der Milchfluss, der dann nicht mehr so schnell wie bisher in Gang kommt. Das kann dein Baby frustrieren, denn es muss jetzt lernen, ein paar Mal kräftig zu saugen, bevor die erste Milch kommt.

Was erleichtert die Brustschimpfphase?

  • Am besten ist es, wenn du dein Baby in ein Tragetuch packst und es Bauch an Bauch trägst. So bekommt dein Baby die Möglichkeit, sich von den äußeren Reizen abzuschirmen, wenn es ihm zu viel wird. Die Nähe, die Wärme und dein Geruch vermitteln deinem Baby Sicherheit und Geborgenheit – und genau das braucht es in den schwierigen Zeiten. Signalisiere deinem Baby, dass du es auch in schwierigen Zeiten begleiten und unterstützen wirst, so gut du nur kannst. Diese Zeit gemeinsam durchzustehen fördert auch die Resilienz!
  • Ein guter Trick ist auch, dass du dein Baby kurz bevor es einschläft an die Brust führst. So befindet es sich bereits in einem ausgeglichenen und ruhigen Zustand, der es ihm dann einfacher macht, die Brust anzunehmen.
  • Auch das Stillen im Liegen in einem abgedunkelten Zimmer kann die Stillbeziehung unterstützen.
  • Wechsle auch öfters die Stillposition!
  • Bewahre Ruhe, bleib bei dir und interpretiere das Verhalten deines Babys nicht gegen dich. Es lehnt dich nicht ab und auch deine Milch ist nicht zu wenig.

Ein Stillstreik kann bis zu zwei Tagen andauern und sogar so weit führen, dass das Baby das Stillen untertags komplett ablehnt. Dafür wird es nachts besser klappen, weil weniger Reize auf dein Baby einprasseln.

Es ist nicht notwendig, dass du deinem Baby zusätzliche Flüssigkeit anbietest – die Natur hat es so eingerichtet, dass dein Baby auch für solche Phasen gut gerüstet ist. Nehmt euch in dieser Phase Zeit füreinander, kuschelt euch ins Bett, achte auf eine reizarme Umgebung und haltet durch!

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.