Baby ohne windel

Im zweiten und dritten Lebensjahr ist ein Kind in der „analen Phase“. In westlichen Ländern lernt es in dieser Zeit Stuhl und Urin bewusst zu halten oder abzugeben. Töpfchentraining ist dabei unnötig. Es reicht, ein Töpfchen bereitzustellen und dem Kind zu zeigen, wie man selbst auf die Toilette geht. Wenn das Kind soweit ist, wird es innerhalb weniger Tage von selbst „trocken“. Stolz setzt es sich dann auf sein „Thrönchen“ und fühlt sich wie ein kleiner König. (Text: © Dunja Voos, Bild: © Esther Hildebrandt – Fotolia.com)

Töpfchentraining unnötig

Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo hat in der Zürcher Längsschnittstudie erforscht, wie lange ein Kind braucht, um trocken zu werden. Setzten die Eltern es vor Jahrzehnten noch 10-mal am Tag auf das Töpfchen, so konnten sie behaupten, ihr Kind sei bereits mit ein oder zwei Jahren trocken. Aber sie haben es einfach so oft auf das Töpfchen gesetzt, dass das Kind keine Gelegenheit hatte, in die Windel zu machen, schreibt Largo.

Heute gehen viele westliche Mediziner davon aus, dass das Nervensystem eines Kindes erst mit zwei bis drei Jahren so ausgereift ist, dass das Kind Urin und Stuhl bewusst halten kann. Die „Windelfrei-Bewegung“ (Stichwort „Eliminiation Communication“) sagt jedoch etwas anderes (siehe Beitrag Dreimonatskoliken – haben Windeln etwas damit zu tun?). In der Regel kann zuerst der Stuhl sicher gehalten werden. Die Blasenkontrolle ist für viele Kinder schwieriger. Erst mit etwa fünf Jahren – so die Sicht westlicher Mediziner – sind Kinder in der Lage, Stuhl und Urin so sicher wie ein Erwachsener zu halten. In der Zürcher Längsschnittstudie wurden die meisten Kinder im Verlauf des vierten Lebensjahres nachts trocken (Blasenkontrolle). (Hier sagen erfahrene Mütter der Windelfrei-Bewegung: Bereits Säuglinge werden im Schlaf normalerweise nicht nass.)

Das Kind braucht Respekt und Ruhe

In dieser Zeit benötigt ein Kind besonders viel Respekt, Ruhe und Einfühlungsvermögen. Das Kind „übt“ schon lange das Trockenwerden, bevor es auf das Töpfchen geht. Es versteckt sich hinter einer Ecke, um in Ruhe in die Windel zu machen. Als Erwachsener tut man gut daran, wenn man dem Kind in diesen Momenten Zeit lässt und wegschaut. Denn auch Kleinkinder können sich schon schämen und machen daher lieber unbeobachtet in die Windel. Danach will das Kind oft eine Weile in Ruhe gelassen werden, bevor es zulässt, dass man ihm die Windel wechselt.

Körpergrenzen werden erkannt

Das ein- bis dreijährige Kind erkennt seine Körpergrenzen und beginnt, zwischen „innen“ und „außen“ zu unterscheiden. Der Realitätssinn entwickelt sich. Mit etwa 15 Monaten sagt es zum ersten Mal „Nein“, mit knapp zwei Jahren kommt das „Ich“ hinzu. Festhalten, Loslassen und Kontrolle sind zentrale Themen in diesem Alter.

Zwang und Analität gehören zusammen

Sigmund Freud beschrieb, dass Zwanghaftigkeit eng mit der analen Phase verbunden ist. Zwanghafte Menschen sind häufig ordnungsliebend, sparsam und eigensinnig; sie geben nicht so gerne etwas her. Zuviel Kontrolle über die natürlichen Vorgänge oder über den Willen des Kindes können zu Widerstand, Kampf und Zwang führen. Auch Analität und Aggressivität hängen nach Freud so eng zusammen wie Analität und Sadismus. Unsere Sprache spiegelt den Zusammenhang wider: „Scheiß‘ drauf!“, heißt es.

Wenn Eltern dem Thema Trockenwerden zu große Aufmerksamkeit schenken, reagiert das Kind mit Trotz. Es wird seinen Stuhl so lange halten, bis es an Verstopfung leidet. Die Lösung sind dann nicht verdauungsfördernde Medikamente, sondern die Wegnahme der Aufmerksamkeit. Das Kind braucht die Gelegenheit, in Ruhe in die Windel oder ins Töpfchen zu machen. Kinder müssen meistens dann, wenn sie entspannt sind – zum Beispiel im Spiel oder gleich nach dem Essen.

Geld stinkt nicht

Wie sehr Analität und Macht in unserem Alltag zusammenhängt, wird schon an unserer Sprache deutlich. Geld, Macht und Kot werden unbewusst in Zusammenhang gebracht: Stolz sitzt das kleine Kind auf seinem „Thrönchen“, es ist Herrscher über Geben und Nicht-Geben. Der Dukatenesel scheißt Gold und man sagt: „Geld stinkt nicht“. Unehrenhafte Menschen betreiben Geldwäsche und wollen damit andere „bescheißen“.

Verwandte Artikel in diesem Blog:

Dreimonatskoliken – haben Windeln etwas damit zu tun?
Verstopfung (Obstipation) bei Kleinkindern – mehr Zeit lassen
Magisches Denken
Zwangsstörung – Zählen statt fühlen
Zürcher Längsschnittstudie: Die meisten Kinder sind normal
Zwangsstörung: Das Leiden darunter, dass etwas nicht in Ordnung ist

Link:

Largo RH und Jenni OG:
Was verstehen wir unter einer kindgerechten Sauberkeitserziehung?
Kinderärztliche Praxis. 2005, 76: 6-10

Die Kinder der zweiten Studie wurden durchschnittlich 1300-mal weniger auf den Topf gesetzt als die Kinder der ersten Studie.

(Es handelte sich um zwei Studien zur Sauberkeitserziehung. Insgesamt wurden 320 Kinder untersucht. Die Kinder der ersten Zürcher Studie wurden zwischen 1954 und 1956 geboren, die Kinder der zweiten Zürcher Studie zwischen 1974 und 1982.)

Fazit der Studie:

„Ein früher Beginn und eine hohe Intensität der Suaberkeitserziehung beschleunigt die Entwicklung der Blasen- und Darmkontrolle nicht.“ Und: „Das Alter, in dem die Kinder sauber und trocken werden, wird durch die individuelle Reifung bestimmt.“

Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 4.9.2011
Aktualisiert am 24.7.2015

Kurzgeschichten: in die Hose oder Windel machen

Ich wachte auf. Draußen war es noch richtig kalt, doch im Bett herrlich warm und feucht. „Feucht?“ Langsam hob ich meine Decke an und erst einmal kam mir eine Pipi-Duftwolke entgegen. An der gelben Gummihose konnte man nichts erkennen, also schlug ich die Decke komplett zurück und wollte aufstehen. Ich setzte mich auf und bemerkte, wie durchnässt meine Windel war. Da sich alles nass anfühlte, stand ich gleich auf. Mein Kolibri-Gummihosenpacket hing schwer zwischen meinen Beinen. Im Bett sah man am Bettrand zwei große nasse Flecken und in der Mitte des Bettes einen großen Fleck.

Ich war also ausgelaufen. Außerdem fiel mir nun auch meine volle Blase auf, die ernsthaft zu drücken begann. Groß musste ich auch unbedingt mal.

Meine Mutter rief zum Frühstück. Sie kam die Treppe herauf und da ich nicht wusste, was ich machen sollte, sprang ich wieder ins Bett. Ich landete voll auf meinem durchnässten Hintern, so dass wieder etwas Pipi austrat, und in die Gummihose lief.

Im Zimmer angekommen zog meine Mutter die Decke zur Seite und sah natürlich sofort, was passiert war.

„Ich sagte doch, dass du dir deine Windel gut einteilen sollst. Das hast du nun davon.“

„Übrigens steht heute dein Besuch beim Urologen an, der wird überprüfen, ob du wirklich Windeln brauchst, oder ob du immer absichtlich in die Hose machst“

„Was? Vorher wickelst du mich aber noch, oder?“ Fragte ich. „Zum Frühstücken wirst du frisch gewickelt, doch als Strafe dafür, dass du gestern deinen Schnuller abgenommen hast, wirst du heute beim Urologen keine Windel tragen.“

Im Bad sollte ich mich auf den Boden legen und bekam wieder den roten Schnuller in den Mund gesteckt. Meine Mutter zog mir die Gummihose aus, und leerte erst einmal das Pipi aus, bevor sie sie umgedreht zum Trocknen über die Badewanne hing. Aus meiner Windel entströmte ein unglaublich erregender Uringeruch, als meine Mutter die Windel öffnete. Da meine Windel patschnass war, merkte meine Mutter hoffentlich nicht, dass ich feucht wurde. Sie zog mir die Windel aus, trocknete mich mit einer neuen Windel ab, und cremte und puderte mich neu ein.

Auf der Treppe nach unten bemerkte ich wieder den nun stärkeren Harn und Darmdrang.

Zum Frühstück gab es aber erstmal Müsli und einen selbstgepressten Bananensaft.

„Du darfst jetzt noch genau einmal auf die Toilette gehen, bevor wir fahren. Komm dann in dein Zimmer, ich werde dich anziehen.“

Da ich aber noch eine frische Windel anhatte, zog ich es aber vor, lieber in die Windel zu machen. Also lies ich mein Pipi einfach laufen. Es wurde wieder angenehm warm und feucht in der Windel. Ich verschwendete aber keinen Gedanken daran, auch groß in die Windel zu machen.

Wieder im Zimmer angekommen, fragte mich meine Mutter, ob ich denn schon auf dem Klo gewesen sei. Nachdem sie aber meine Windel gelblich verfärbt an mir hängen sah, wusste sie, dass ich nicht mehr auf die Toilette gehen würde.

Im Stehen öffnete sie die Klebestreifen und die nasse Windel wurde mir abgenommen. Ich bekam eine normale weiße Unterhose, eine enge Jeans und ein Top. Anfangs versuchte ich nochmals zu protestieren, doch ich bekam eine Ohrfeige und damit hatte sich die Sache für meine Mutter erledigt. Nachdem ich ja noch in die Windel gepinkelt hatte, war ich zuversichtlich, den Vormittag beim Urologen trocken zu überstehen.

Als wir losfuhren, bemerkte ich wieder, dass ich ja noch groß auf die Toilette musste. „Darf ich nochmal aufs Klo?“ fragte ich meine Mutter.

„Du hast deine Möglichkeit gehabt, wir fahren jetzt, und damit basta“ gab meine Mutter zur Antwort.

In meinem Bauch rumorte es gewaltig. So fest es ging, presst ich während der Autofahrt meinen Po zusammen, immer mit der Hoffnung, beim Urologen aufs Klo gehen zu dürfen.

Trocken und sauber werden

Der langsame Abschied von der Windel

Bis ein Kind zuverlässig zur Toilette geht, dauert es seine Zeit. Hier einige nützliche Hinweise:

  • Meist geht das „große Geschäft“ schon etwas früher verlässlich ins Töpfchen; die Blasenkontrolle gelingt meist erst etwas später.
  • Nachts dauert es in der Regel etwas länger als tagsüber, bis ganz auf die Windeln verzichtet werden kann.
  • Das nächtliche Einnässen hat nichts mit einem „Zuviel“ an Flüssigkeit zu tun – Ihrem Kind abends nichts mehr zu trinken zu geben, bringt also gar nichts.
  • Auch das Kind nachts aufzuwecken und zur Toilette zu bringen, verhindert lediglich, dass das Bett nass wird. Es wird den Prozess des Trockenwerdens in der Nacht grundsätzlich nicht beschleunigen.
  • Hilfreich kann es sein, zunächst ein Töpfchen neben das Bett zu stellen oder das Licht in der Toilette brennen zu lassen.

Auch wenn es im normalen Alltag meistens schon ganz gut klappt, kann es immer noch ab und zu vorkommen, dass die Hose nass wird – beispielsweise in fremder Umgebung, bei Müdigkeit oder mitten in einem aufregenden Spiel.

  • Warten Sie mit dem Weglassen der Windel, bis Ihr Kind von sich aus keine Windel mehr möchte.
  • In der Übergangszeit empfiehlt es sich in jedem Fall, immer Ersatzkleidung dabei zu haben. Für die Nacht können Sie sich mit einem Matratzenschutz behelfen, damit die Matratze nicht nass wird.

Wenn die Hose in einem ungünstigen Augenblick oder bereits wiederholt an einem Tag nass wird, fühlen Sie sich vielleicht genervt oder enttäuscht. Das ist verständlich und lässt sich vor dem Kind vielleicht auch nur schwer verbergen. Versuchen Sie dennoch, nicht zu schimpfen. Vielleicht können Sie Ihrem Kind vermitteln, dass sie zwar „genervt“ sind, aber so etwas einfach passieren kann und so schlimm nun auch nicht ist.

Es geht auch ohne Windeln!

Leseprobenführung
Ein Geschenk der natürlichen Weisheit
Während die Sonne langsam hinter den Bäumen versinkt, sitze ich mit meiner neuen Freundin in meinem Innenhof und genieße die Wärme. Wir begegneten uns in der vergangenen Woche im Bioladen und verstanden uns auf Anhieb. Sie nahm meine Einladung sofort an. Wir unterhalten uns. Ihre strahlende Schönheit als Schwangere beeindruckt mich tief. Ihr fester, runder Bauch blüht auf,… während das Kind darin heranwächst. Als wir über das Wunder der Geburt und des neugeborenen Lebens sprechen, zeigt sie sich offen und neugierig. Während unseres Gesprächs liegt mein sechs Monate alter Sohn zufrieden in meinen Armen. Plötzlich lenkt mich mitten im Satz ein intuitives Gefühl ab, das meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht.
„Entschuldige mich einen Augenblick“, sage ich zu meiner Freundin. „Der kleine Kerl muss mal Pipi machen.“
Ich überlege, ob ich hineingehe, entscheide mich dann aber dafür, mit ihm ein paar Schritte weiter weg hinter einem Busch zu verschwinden. Ich halte mein Baby in der Hockposition, ziehe seine Hose herunter und sage „Pipi“. Sofort lässt er sein „Bächlein“ laufen. Ich ziehe seine kurze Hose wieder hoch und kehre zu meiner Freundin zurück, um unsere Unterhaltung fortzusetzen.
„Woher wusstest du …? Wie konnte er …? Das ist unglaublich!“, ruft meine Freundin. „Stimmt“, erwidere ich, „und es ist genauso natürlich und normal für mich, wie ihn zu stillen, wenn er hungrig ist.“ „Ich wusste nicht, dass das möglich ist. Erzähl mir mehr darüber“, bittet meine Freundin und rückt näher heran. Als ich ihr von der wunderbaren Wiederentdeckung der natürlichen Säuglingspflege erzähle, beginnt für sie eine Reise in eine immer stärker werdende Bindung zwischen Mutter und Kind.
Die Leute reagieren überrascht, wenn sie hören, dass mein Sohn seit dem vierten Monat keine Windel mehr trägt. Manchmal nehmen sie an, dass er es einfach überall und jederzeit „laufen lässt“ und ich ihm ständig hinterher putze. Oft können sie kaum glauben, dass er seinen Drang bewusst wahrnahm und wir uns darüber verständigen konnten, noch bevor er das erste Wort sprechen konnte. Sogar diejenigen, die mich dabei beobachteten, wie ich auf seine Signale reagierte und er auf meine, meinten gelegentlich kopfschüttelnd, das sei nicht möglich.
Doch es ist möglich. Diese Erfahrung habe ich gemacht. Mütter aus vielen verschiedenen Kulturen aus aller Welt benutzen niemals Windeln. Stattdessen verlassen sie sich auf die gleiche natürliche Verständigung zwischen Mutter und Kind, um ihre Babys zu versorgen und ihr Zuhause sauber zu halten. Nur wenige Menschen erkennen, dass dieses Verhalten auch in unserem Kulturraum möglich ist, was Windeln fast gänzlich überflüssig macht.
Auf der Suche nach einer natürlichen Alternative zu Windeln entdeckte ich, dass Babys von Geburt an ihre Ausscheidungsbedürfnisse kennen. Erstaunlicherweise können sie ihr Bedürfnis ankündigen. Ebenso reagieren sie, wenn sie von ihrer Betreuungsperson danach gefragt werden. Die Einstimmung auf die Ausscheidungsbedürfnisse des Babys führt wie das Stillen auf natürliche Weise zur Mutter-Kind-Bindung und zur Symbiose.
Die Schwangerschaft ist eine magische Zeit, in der Sie Ihre eigene weibliche Schönheit und Kraft zelebrieren können. Sie ist auch der ideale Zeitpunkt, um wichtige Entscheidungen hinsichtlich der Säuglingspflege zu treffen und sich mit der natürlichen Babypflege zu beschäftigen.
Dieses Buch entstand aufgrund der großen Nachfrage vieler Mütter. Sie baten um Unterstützung und Information, damit sie meine Methode der „Natürlichen Säuglingspflege“ erlernen konnten. Auch mir war es wichtig, meine Erfahrungen mitzuteilen, sodass jede Mutter, die der Sache gegenüber aufgeschlossen ist, zumindest von dieser Möglichkeit erfährt. Als ich neben meinem eigenen Erfahrungsprozess zu recherchieren begann, stellte ich fest, dass ich mit meiner Entdeckung nicht alleine war.mehr

Es geht auch ohne Windeln!: Der sanfte Weg zur natürlichen Babypflege – Ingrid Bauer

So fühlt sich ihr Baby besonders wohl! Kinder kommen ohne Windeln auf die Welt. Warum also werden sie dann dort hineingepackt, obwohl es nicht notwendig ist? „Es geht auch ohne Windeln“ – verspricht Ingrid Bauer und macht überzeugend klar, wie dies tatsächlich klappt und welche Vorteile Eltern und Kind dadurch genießen: • Mehr Bewegungsfreiheit • Entwicklung eines intakten Körperbewusstseins • Keine Allergien mehr • Regelmäßige Verdauung • Enorme Geldersparnis • Das oft quälende Sauberkeitstraining entfällt • Der liebevolle und intuitive Kontakt zum Baby wird intensiviert. Auch wenn es manchmal nur mit Windel geht: Eltern, die ihr Kind weitgehend selbstbestimmt aufwachsen lassen, erleben, das es von Anfang an seine Ausscheidungsbedürfnisse steuern kann (!), und lernen, seine Signale zu verstehen. Ein undogmatisches, erstaunliches Buch mit frappierenden Erkenntnissen und überaus praktischen Anregungen, wie Windelfreiheit im Alltag problemlos praktiziert werden kann. Ausstattung: Mit zahlr. Fotos

Windelfrei – so geht’s auch ohne Windeln von Anfang an

Bei der Methode Windelfrei wird davon ausgegangen, dass jedes Baby seine Ausscheidungen prinzipiell kontrollieren kann, aber sich durch den Gebrauch von Windeln abgewöhnt. Umso schwerer soll es dann sein, den Kindern später wieder die Windel abzugewöhnen.

Was ist der Unterschied zum „normalen“ Sauberkeitstraining?

Bei der Methode Windelfrei achten die Eltern auf Zeichen des Kindes und halten es bei Bedarf über Toilette oder Waschbecken ab. In sehr vielen Gegenden der Welt, wie beispielsweise Ostafrika und China, ist Windelfrei seit Urzeiten ganz normal und wird selbstverständlich praktiziert. Es verstärkt die Bindung und die Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Die Eltern achten stärker auf ihr Kind und gehen auf seine Bedürfnisse ein.

Wie merken Eltern, dass ihr Kind auf Toilette muss?

Auch kleine Babys zeigen zumeist sehr deutlich, dass sie müssen. Sie werden beispielsweise unruhig, quäken, docken beim Stillen ab, ziehen die Beine an den Bauch oder schreien. Dies kann natürlich von Kind zu Kind unterschiedlich sein. Die Eltern lernen mit der Zeit, welche Zeichen bei ihrem Baby darauf hindeuten, dass es muss. Reagiert die Mutter oder der Vater dann und hält es ab und sagt dazu ein Schlüsselwort, wie beispielsweise Pipi, so reagiert das Kind häufig, indem es wirklich Wasser lässt. Mit der Zeit kennt das Baby das Schlüsselwort und hält seine Ausscheidungen zurück, bis es abgehalten wird. Als Schlüsselworte werden häufig „Pipi“ und „Kaka“ verwendet, es können aber auch Geräusche, wie beispielsweise das Zischen beim Urinieren, imitiert werden. Es gibt bei den meisten Kindern immer mal wieder Phasen, in denen es besser und Phasen, in denen es schlechter klappt, beispielsweise in Wachstumsphasen oder bei Krankheiten.

Wann kann man mit Windelfrei beginnen?

Der ideale Zeitpunkt, um mit Windelfrei zu beginnen, ist direkt nach der Geburt bis zum dritten oder vierten Lebensmonat des Kindes. Ab dem sechsten Lebensmonat wird es schwierig, mit Windelfrei zu beginnen, da das Kind sich dann meist auf Windeln eingestellt hat und den Eltern keine eindeutigen Signale mehr gibt. Viele Eltern, die Windelfrei praktizieren, kombinieren dies mit dem Tragen von Windeln zu besonderen Anlässen, beispielsweise nachts oder bei Ausflügen.

Was zieht man seinem Baby an, wenn man Windelfrei praktiziert?

Wenn Eltern Windelfrei praktizieren möchten, sollten sie ihrem Baby praktische Kleidung anziehen, die sich schnell ausziehen lässt. Geeignet sind beispielsweise Zweiteiler und Babylegs. Es gibt auch sogenannte Splitpants, die einen Schlitz im Schritt haben, den man auseinanderziehen kann. Völlig ungeeignet sind Bodys und ähnliches, da das Baby, wenn doch einmal etwas daneben geht, komplett umgezogen werden muss.

Welche Gefäße eigen sich?

Prinzipiell eignen sich alle Gefäße, die praktisch sind und vom Kind akzeptiert werden. Das kann das Waschbecken, die Badewanne, die Toilette, ein Töpfchen, eine Waschschüssel oder sonstiges sein. Es gibt viele Möglichkeiten, die auf die jeweilige Familiensituation angepasst werden können.

Was macht man, wenn man unterwegs ist?

Wenn man mit dem Baby länger außer Haus unterwegs ist, kann man prinzipiell genauso Windelfrei praktizieren wie zu Hause. Man kann das Baby beispielsweise über einer fremden Toilette, im Gebüsch oder Straßenrand abhalten. Bei einer längeren Autofahrt kann man dem Baby, wenn man das möchte, sicherheitshalber eine Windel anziehen. Es sollten viele Pausen eingeplant werden.

Wie ist das, wenn das Baby beim Stillen muss?

Viele Babys urinieren während des Stillens. Wenn die Mutter dies bemerkt, kann sie das Kind entweder kurz abdocken und abhalten oder sie hat ein geeignetes Gefäß dabei und hält es ihrem Baby während des Stillens unter den Po.

Welche Vorteile bietet Windelfrei?

Windelfrei bietet viele Vorteile für das Baby, seine Eltern und die Umwelt. Dazu gehören:

  • gute Kommunikation und starke Bindung zwischen Eltern und Kind
  • keine spätere „Sauberkeitserziehung“
  • es werden weniger oder gar keine Windeln gebraucht und/oder weniger gewaschen
  • keine Gefahr einer Windeldermatitis

Die Methode erfordert von den Eltern viel Aufmerksamkeit für ihr Kind. Das Kind wird nicht gezwungen, sondern es wird ihm die Möglichkeit gegeben, zu machen, wenn es möchte. Windelfrei ist Teil der natürlichen Sauberkeitspflege und verbreitet sich immer weiter in Deutschland.

Weiterlesen: Windelfrei – Erfahrungsbericht einer Mutter

Können Babys ohne Windeln trocken werden? In vielen Ländern der Welt gehören Windeln nicht zur Grundausstattung für Babys und Kleinkinder. Die Babys werden kontinuierlich am Körper getragen und zeigen ihre Bedürfnisse durch Unruhe oder Geräusche an. Größere Kinder laufen weitestgehend nackt, oder mit praktischer Kleidung draußen rum und pinkeln „in die Büsche“.
Doch ist das auch in unseren Breitengraden und vor allem in großen Städten praktikabel? Die Windelfrei-Bewegung behauptet: “Ja!“ Ich habe mir mal angeschaut, wie das dann aussieht, und bin zu einem Windelfrei-Treffen gegangen.

Mein erstes Windelfrei-Treffen

Windelfreiberaterin Franzi Karagür vom Blog Einfach klein hat mich zum offenen Treffen eingeladen.
Ich komme im Geschäft „Pikape“ im Berliner Bezirk Pankow an. Im Hinterzimmer und Kursraum laufe ich erst mal gegen eine Wand aus Wärme, Kindergeschrei und unglaublichem Gewusel. Auf dem Boden liegen wasserdichte Matten. Drum herum sitzen cira zwanzig Mütter, mit ebenso vielen Kindern. Die meisten wurschteln schon mehr oder weniger mobil auf den Matten durcheinander. Ein paar wenige sind noch in den Bäuchen versteckt.
Die Stimmung ist gut, aber es ist sehr, sehr laut. Und ich denke: „Wie soll das gehen? Wie will Franzi hier Informationen an die Frauen bringen?“ Aber siehe da: Franzi singt mit allen ein Lied, welches einige Male wiederholt wird und die Kinder ziemlich schnell und staunend verstummen lässt.

Motivation für Windelfrei

Dann geht es los. Alle stellen sich vor und berichten über ihre Erfahrungen, Erfolge und Versuche mit dem Windelfrei-Konzept. Einige Frauen sind noch neu und verfolgen gespannt die Erzählungen. Die Motivationen der Frauen sind sehr unterschiedlich. Einige wollen Müll vermeiden, oder sind wegen Allergien auf Wegwerfwindeln und dann über den Umweg Stoffwindeln zu Windelfrei gekommen. Andere wollen einfach neue (?) Kommunikationswege mit den Kindern ausprobieren. Alle sind sehr experimentierfreudig und ziemlich entspannt.
Manche Frauen haben kleine Töpfchen dabei, auf denen sie die Babys immer mal wieder im Sitzen, Liegen (!) oder im Stehen abhalten.

Minitöpfchen

Es geht gar nicht um eine frühzeitige Sauberkeitserziehung, bekomme ich zu hören, sondern um die Kommunikation mit dem Baby. Säuglinge, und das kann ich nun auch bestätigen, senden durchaus Signale aus, wenn sie müssen. Wenn diese aber nicht beachtet werden, verebben sie allerdings mit ungefähr sechs Monaten wieder.

Windelfrei = nicht ohne Windeln

Damit es schneller geht, haben einige keine Hosen an, sondern nur Babylegs und eine Windel. Ja, richtig gelesen. Die meisten Babys tragen hier Windeln.

Baby mit Babylegs

Windelfrei, lerne ich, bedeutet keinesfalls, dass das Baby wirklich den ganzen Tag ohne Windeln ist, sondern nur, dass man ihm bei Anzeichen, dass es muss, ermöglicht gleich frei zu pinkeln.

Geht Windelfrei nur für „Hausfrauen“?

Nein, es geht für jeden, da Windelfrei in verschiedenen Ausprägungen stattfinden kann. Die Anwendungen sind ganz unterschiedlich. Manche Eltern praktizieren Windelfrei nur am Nachmittag, da die Kinderbetreuung natürlich nicht mitmacht, und das Baby eben nur am Nachmittag zu Hause ist. Manche achten den ganzen Tag auf Anzeichen und halten das Baby jedes mal ab. Und einige lassen ihr Baby fast immer komplett ohne Windel. Aber auch sie verwenden sogenannte Backups. Meist Stoffwindeln oder Trainerhosen, die zumindest verhindern, dass das Baby seine Umgebung permanent nass pischert, oder Schlimmeres. Anne Zietmann ist mit ihrem 9 ½ Monate alten Sohn im Tragetuch ganz mutig „ohne alles“ gekommen und hält ihn nun schleunigst mal wieder auf dem Töpfchen ab. Sie sagt, wenn sie ihren Sohn ganz nah am Körper trägt, klappt es am besten. Anne hat ihre Windelfrei-Erfahrungen in ihrem Blog Trainyabrain dokumentiert. Sie erzählt, dass es am Anfang schwierig war. Der Kleine musste ständig, und sie hat es meistens nicht geschafft, ihn rechtzeitig auszuziehen. Inzwischen sind die Abstände etwas größer geworden, und die Kommunikation eindeutiger.

„Wie wisst ihr, ob eure Kinder müssen?“, fragt eine Mutter. Auch hier sind die Antworten total unterschiedlich. Einige Babys werden unruhig, einige meckern in einer bestimmten Tonlage. Ein kleiner Junge starrt seine Mutter vollkommen konzentriert an, wenn er muss. So als wollte er ihr das per Telepathie mitteilen. Manche Mütter drehen den Schuh einfach um. Sie halten die Kinder nach Gefühl ab, auch ohne Anzeichen und setzen zusätzlich eine Art Signalreiz. Zum Beispiel ein bestimmtes Geräusch (ZZZZZZHHHH), oder einen Kältereiz (Pusten).

Windelfrei in der Nacht

Die meisten Fragen gibt es natürlich zu den Nachtstunden*. Die Kinder, stellen die Frauen gemeinsam fest, zeigen nachts nicht so zuverlässig wie am Tage an, dass sie müssen. Oft ist es schon zu spät wenn die oft sowieso sehr müden Mütter realisieren, dass ihre Babys unruhig geworden sind.
Franzi erklärt: „Wenn ihr Windelfrei betreiben wollt, und die Nachtstunden sind schwierig, bedenkt immer: Schlaf hat Priorität! Wenn es mal wieder nicht geklappt hat, sagt euch: Schlaf hat Priorität! Und wenn ihr es zwar mitbekommen habt, aber ihr wart einfach zu müde zum Aufstehen, erinnert euch: Schlaf hat Priorität.“ Dieses Windelfrei-Mantra kann ich natürlich sofort unterschreiben.
Sowieso bin ich positiv überrascht, wie entspannt die Frauen mit der Windelfreimethode sind. In meinem Kopf hörte sich Windelfrei nach Stress, Dogmatismus und viel Wäsche an.

Mein Fazit

Windelfrei heißt also nicht wirklich immer windelfrei zu sein. Der Name ist ein wenig irreführend. Nichts desto trotz finde ich Windelfrei eine sehr spannende Angelegenheit, die ich jedem empfehlen kann, der Zeit und Muße, sowie das Interesse daran hat, mal einen anderen Weg zu gehen.
Würde ich heute Windelfrei praktizieren?
Der Umweltgedanke gefällt mir sehr gut. Schließlich werden die Windeln, die ein Kind heute trägt, noch 200 Jahre nach dessen Ableben nicht verrottet sein! (Klingt krass? Dann schau dir doch vielleicht den unten verlinkten Artebeitrag** dazu an.)
Auch die erweiterte Kommunikation mit dem Baby finde ich toll. Ich glaube es wäre spannend herauszufinden welches spezielle Signal das eigene Kind sendet, wenn es muss.
Aber das ganze Putzen, Waschen, An- und Ausziehen? Ich glaube ich wäre eine Teilzeit-Windelfrei-Mutter. Ausprobieren würde ich es also mal… und zwar im Sommer! 😉

Buchempfehlungen und Links

Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt euch weitergehend mit dem Thema zu beschäftigen, empfehle ich euch als Einstiegslektüre: TopfFit! : Der natürliche Weg mit oder ohne Windeln.

Wenn ihr Windelfrei bei eurem zweiten Kind anwenden wollt, könnt ihr mit dem Geschwisterchen das Kinderbuch: Baby Lulu kann es schon lesen.

Gute Blogs zu dem Thema sind:

  • Babysohnewindeln
  • Windelfrei
  • Trainyabrain
  • Einfach-klein

* Youtube-Beitrag zum Thema Nachtstunden (6 Minuten)
**Arte-Beitrag „Wickeln, windel, wegwerfen“ (50 Minuten)

Hebammenblog.de gefällt Dir? Für’s Liken & Teilen sag ich Danke! 😉

Hier geht’s zum Newsletter, der Dich alle 2-3 Wochen über neue Artikel informiert…

Als Nicole* zum ersten Mal von der Idee des „windelfreien“ Säuglings gehört hat, war die 34jährige verwirrt. Wie bitte sollte das denn funktionieren? Ein Baby ohne Windel? „Mit meiner fünfjährigen Mia war das Windelwechseln immer ein Drama. Sie hatte Ekzeme und vertrug fast keine gängige Marke. Darum hat mich die Idee, es beim zweiten Kind anders zu probieren, begeistert,“ erklärt sie.

Vor allem im Internet und auch über Bücher informierte sich Nicole in der Schwangerschaft. „Es waren nicht nur abgedreht Ökomuttis, sondern ganz normale Eltern, die das auch ausprobiert haben. Am meisten gefiel mir, dass das Prinzip windelfrei nichts mit trocken werden zu tun hat. Natürlich pieseln Winzlinge, aber mit Zuhören und gemeinsamer Kommunikation geht das Ganze eben auch ohne Windel. Eine tolle Idee.“ Nicoles Mann war zunächst jedoch skeptisch.

Windelfrei von Anfang an: natürlich oder einfach nur anstrengend? (© panthermedia.net, Ulrich Münster)

Heute ist die kleine Katarina vier Monate alt – Windeln trägt sie tatsächlich nicht. „Für mich ist das einfach ein ganz besonderes Miteinander. Nach dem Aufwachen und immer dann, wenn ich ihre Signale sehe und verstehe, halte ich sie über das Waschbecken. Dabei zische ich immer ‚Zssss’, das macht Katie mittlerweile auch.“

Brauchen Babys Windeln?


Nein – Babys brauchen keine Windeln. Davon sind immer mehr Eltern überzeugt. Die so genannte „natürliche Säuglingspflege“ kommt aus den USA. Die Idee dahinter: In vielen Ländern und Kulturen der Welt wachsen Kinder ganz frei von Windeln auf. Die Eltern halten ihr Baby einfach ab. Dazu wird das Kind an den Oberschenkeln gehalten mit leicht geöffneten Beinen. Der Rücken des Babys liegt dabei am Bauch des Erwachsenen. Dabei wird ein ermutigendes Geräusch gemacht und dann gewartet, bis das Kind sein großes oder kleines Geschäft erledigt hat.

Überzeugte Windelfreianhänger erklären, dass Babys früh ein natürliches Bedürfnis haben, trocken und sauber zu sein. Und dies zeigten sie sehr früh in sensiblen Phasen. Sie weinen oder machen ein Geräusch bevor sie ausscheiden. Wenn Eltern aufmerksam genug sind, können sie sehen, dass ihr Kind sich erleichtern möchte.

Das Abhalten lernen Eltern zusammen mit ihrem Kind am leichtesten direkt in den ersten drei Monaten nach der Geburt. Wenn Säuglinge in diesem Alter gemerkt haben, dass keiner auf ihre Signale reagiert und sie eine bequeme Windel umhaben, verlieren sie die Fähigkeit, ihre eigenen Ausscheidungsbedürfnisse mitteilen zu können.

Entscheidend für eine windelfreie Erziehung ist ein enger Körperkontakt, Stillen nach Bedarf und gemeinsames Schlafen im Familienbett, um die Signale des Kindes möglichst gut wahrnehmen zu können – so jedenfalls die Theorie.

Vor- und Nachteile

Die Vorteile der windelfreien Erziehung sind der enge Kontakt, die intensive Kommunikation und die Bewegungsfreiheit des Kindes.
Natürliche Säuglingspflege bedeutet, dem Kind zuzuhören und auf seine Bedürfnisse einzugehen. Das Kind erlebt viel Hautkontakt zu den Eltern und eine größere Bewegungsfreiheit ohne dickes Paket zwischen den Beinen. Umweltschonend und kostengünstig ist diese Variante auf jeden Fall.

Gleichzeitig ist es natürlich sehr zeitintensiv, auf die kleinsten Signale zu achten, nicht immer kommuniziert das Kind eindeutig und natürlich geht auch etwas daneben. Gerade unterwegs oder bei kaltem Wetter ist daher immer viel Wechselwäsche oder eben doch eine Notfallwindel oder eine spezielle „Trainerhose“ (mit Verstärkung im Schritt) nötig. Windelfreie Kinder werden am besten im Tragetuch transportiert, denn dies kann unkompliziert gewaschen werden.

Ein weiterer Nachteil ist auch, dass die gängige Babywäsche oft sehr unpraktisch ist (Strampler, Latzhosen, Bodies). Besser sind Unterhose und Unterhemd und Zweiteiler (Hose und Pulli statt Anzug).

Und noch etwas ist nicht immer einfach: Viele reagieren eher ablehnend und skeptisch auf Eltern, die ihr Kind ohne Windeln erziehen möchten. Auch Nicole hat das erlebt: „Meine Familie fand das unmöglich. Sie meinten, ich würde das Kind zu früh drangsalieren und auf ein Pöttchen setzen. Dass es nicht um das Trockenwerden bei der natürlichen Säuglingspflege geht, haben sie einfach nicht begriffen. Und klar, manchmal ist es auch unangenehm, wenn etwas daneben geht und nicht nur das Tragetuch, sondern auch meine Klamotten etwas abkriegen. Aber das passiert nur selten.“

Welche Signale senden die Kinder?

Die Signale sind von Kind zu Kind und selbstverständlich von Alter zu Alter anders. Neugeborenen werden unruhig und zappelig, kneifen die Beine zusammen oder docken beim Trinken besonders eifrig ein. Oft suchen sie intensiven Blickkontakt

Ältere aktive Babys berühren ihre Beine, setzen sich ganz plötzlich aufrecht hin, krabbeln weg, halten im Spiel inne und suchen ebenfalls den elterlichen Blickkontakt. Später krabbeln die Kleinen meist alleine zu ihrem Töpfchen, machen durch die erlernten Geräusche auf sich aufmerksam oder strecken die Arme aus wenn man sie fragt, ob sie müssen. Die meisten windelfreien Kinder sind um den ersten Geburtstag herum zuverlässig sauber und zeigen ihren Eltern auch nachts ganz deutlich, dass sie müssen.

Wie funktioniert der Alltag?
Neugeborene werden über dem Waschbecken abhalten oder über einem speziellem kleinen Töpfchen („Asia-Töpfchen“). Wenn die Babys größer sind, können sie auf ein Töpfchen gesetzt werden oder auf die Toilette.
Nachts sollten sie sie auf einer Bettschutzeinlage oder einem dicken Handtuch – am Anfang im elterlichen Bett schlafen. Um nachts auch abhalten zu können, empfehlen sich Babynachthemden.

Der Alltag mit einem windelfreien Baby unterscheidet sich vor allem durch den sehr engen und intensiven Kontakt, davon sind die Anhänger überzeugt.
Doch natürlich gibt es auch Eltern, die diese Methode zunächst für sich wählten und dann doch nicht praktisch fanden. Auch solche Eltern kennt Nicole: „Für uns ist das Ganze toll. Meine Freundin hat es auch probiert, aber hat sich total unter Druck gesetzt gefühlt. Ich denke, dass muss einfach jede Familie für sich entscheiden. Zurück zur Windel kann man ja immer finden. Ich würde jedenfalls jedem empfehlen, es zunächst ohne Windel zu versuchen. Denn ich finde, dass diese natürliche Kommunikation einfach unbeschreiblich schön ist.“

*Namen von der Redaktion geändert

About the author

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.