Baby nuckelt an der brust

Was ist besser – Daumen oder Schnuller?

Ihr Baby nimmt seine Umwelt am Anfang vorwiegend durch die Mundhöhle wahr. Diese Zeit wird auch die oralen Phase genannt – der Mundraum steht im Zentrum der Wahrnehmung und Kommunikation (Sigmund Freud). Atmen, Tasten, Schlucken, Saugen, Lächeln, Kauen, Lallen, Singen und Lachen sind der Beginn der Kontaktaufnahme mit der Umwelt, die Lippenregion, Gaumen, Kiefer, Zunge und die Gesichtsmuskeln sind jetzt von einem ganz besonderen Stellenwert.
Auf Babys hat Daumenlutschen eine beruhigende und ausgleichende Wirkung, viele fangen schon vor ihrer Geburt damit an (es gibt Fotos von am Daumen lutschenden Babys im Uterus). Das Daumenlutschen kann somit ein sehr hilfreicher Weg sein, um mit Anspannung klarzukommen.
Es gibt viele Argumente, Kinder lieber am Daumen statt am Schnuller lutschen zu lassen. Daumen stehen immer zur Verfügung, sie fallen niemals auf die Erde, sind nicht mit potenziell gefährlichen Bändern, die sich irgendwo verfangen können, an der Babykleidung angebracht und die Babys haben sie selbst unter Kontrolle.

Allerdings sehen Zahnmediziner das anders. Sie empfehlen Eltern, ihrem Kind einen Stufensauger/Stufenschaftschnuller zu geben, wenn sich das Nuckeln nicht vermeiden lässt.
Spätestens ab dem 3. Lebensjahr sollten Kinder sich nach Ansicht von Zahnmedizinern das Lutschen ganz abgewöhnen. Denn es beeinträchtigt nicht nur die Zahnstellung bzw. Zahnentwicklung (es kann zum Beispiel ein lutschoffener Biss im Bereich der Vorderzähne entstehen), sondern auch die Funktion der Zunge und die richtige Ausprägung von Schluckgewohnheiten, die wiederum zu Zahnstellungs- und Bißlagefehlern führen könnten.
Die alte Ansicht, dass Kleinkinder ja noch nicht ihre bleibenden Zähne haben und nur ihr Milchgebiss schädigen können, stimmt also nicht mehr.
Es gibt Experten, die meinen, dass Babys, die gestillt werden, von Schnullern verwirrt werden könnten und dann nicht mehr richtig an die Brust gehen. Dennoch scheinen viele Babys prima damit klarzukommen, zwischen Brust und Schnuller zu wechseln. Und wenn ein Baby lutschen will und laut zu schreien anfängt, kann ein Schnuller für Ruhe sorgen.
Hebamme und BabyCenter-Expertin Simone Uth: „Wir verdammen weder Schnuller noch Daumenlutschen. Jede Familie muss für sich einen geeigneten Umgang mit Unruhephasen finden; allerdings sollte der Schnuller nicht bei jedem kleinen Piep „gestopft“ werden. Und wenn schon Schnuller, dann bitte einen der Brustwarze ähnlichen (sieht aus wie ein flachgeklopfter kleiner Finger, also oben und unten gleich).“
Wenn es ans Abgewöhnen gehen soll, sollten Sie keine drastische Lösung wählen, sondern lieber behutsam vorgehen. Es ist keine gute Idee, eine Angewohnheit zu unterbrechen, bevor ein Kind sie von selbst ablegen will. Es ist unwahrscheinlich, dass Sie damit Erfolg haben, und am Ende führt das zu unnötigem Stress und Frustrationen auf beiden Seiten. Andererseits ist da natürlich die Sorge um die Zahngesundheit Ihres Kindes.
Falls Sie also versuchen wollen, das Schnullerlutschen abzuschaffen, sorgen Sie für hinreichenden Ersatz. Helfen Sie Ihrem Kind beim Wechsel auf andere Tröster wie eine Schmusedecke oder ein Kuscheltier. Vielleicht ist es eine gute Idee, erstmal Schnuller freie Stunden auszumachen – zum Beispiel, dass der Schnuller nur noch zuhause benutzt werden darf.

Lesen Sie hier mehr über die Vor- und Nachteile von Schnullern.

Daumenlutschen – Was steckt dahinter?

Daumenlutschen bei Babys hat ganz natürliche Ursachen und ist auf einen angeborenen Reflex zurückzuführen. Der Daumen – oder Schnuller – im Mund spendet aber auch Trost und entspannt Ihren Nachwuchs. Wenn Kinder älter werden, verschwindet diese Angewohnheit häufig von ganz allein.

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Probleme für Zähne und Kiefer

Bis zum dritten Lebensjahr gehen vom Daumenlutschen noch keine langfristigen Beeinträchtigungen für Zähne und Kiefer aus. Denn: „Bis zum Alter von drei Jahren kann sich ein verformter Kiefer noch relativ leicht zurückbilden“, erklärt Kieferorthopädin Gundi Mindermann dem Fachportal der Apotheken Umschau „baby-und-family.de“. Sie sollten beobachten, ob Ihr Kind auch im Kindergartenalter noch intensiv und oft nuckelt: Der starre Druck auf Kiefer und Zähne kann zu Verformungen führen. Denn der Daumen drückt die oberen Zähne nach vorne und die unteren nach hinten, was zum sogenannten „offenen Biss“ führen kann. In diesem Fall haben die Zahnreihen beim Zusammenbeißen keinen Kontakt und es entsteht eine Lücke. (Ist Daumenlutschen schädlich für die Zähne oder nicht?)

Ursachen von Daumenlutschen

Bei Babys ist das Daumenlutschen nicht nur auf einen Reflex zurückzuführen, schon in der frühen Entwicklungsphase spendet das Nuckeln Trost und Ruhe. Auch bei älteren Kindern gilt: Als eine der Ursachen für das Daumenlutschen kann psychischer Stress gelten. Kinderpsychiaterin und Psychotherapeutin Annette Streeck-Fischer sagt etwa in der „Welt“, dass Angewohnheiten wie Daumenlutschen beim Aufwachsen grundsätzlich normal sind.

Abgewöhnung: Was können Sie tun?

In vielen Fällen gewöhnen sich Kinder ab dem dritten Lebensjahr das Daumenlutschen von ganz allein ab. Sollte Ihr Nachwuchs auch nach dieser Altersgrenze noch regelmäßig und exzessiv am Daumen nuckeln: Suchen Sie nach Ursachen für möglichen psychischen Stress und machen Sie belastende Einflüsse aus. Ein grundsätzlicher Tipp von Annette Streeck-Fischer: „In einer aufmerksamen und liebevollen Familie geben Kinder ihre Marotten in der Regel schnell wieder auf.“

Es gibt außerdem ein paar Tipps, mit denen Sie Ihrem Kind das Daumenlutschen abgewöhnen können. Sie können einen Nuckelkalender führen, bei dem jeder Tag ohne Nuckeln markiert wird. Überlegen Sie sich eine Belohnung, wenn Ihr Kind eine gewisse Anzahl von Tagen ohne Daumenlutschen durchsteht. Versuchen Sie Ihr Kind aber nicht mit Tinkturen auf den Fingernägeln oder ähnlich rauen Methoden zu zwingen, sich das Daumenlutschen abzugewöhnen. (Wie gewöhne ich meinem Kind das Daumenlutschen ab?)

Viele Ultraschallbilder zeigen: Babys beginnen bereits im Mutterleib damit, an ihrem Daumen oder den Fingern zu nuckeln. Doch woran liegt es, dass Babys auch nach der Geburt sowie jüngere Kinder häufig ihren Daumen in den Mund stecken und ausgiebig daran saugen?

Hier findet ihr alles Wissenswerte über das Daumenlutschen bei Babys sowie Kleinkindern und außerdem erfahrt ihr, in welchem Alter und mit welchen Methoden ihr eurem Schatz das Daumenlutschen am besten abgewöhnen könnt.

Daumenlutschen bei Babys dient dem angeborenen Saugreflex

Der angeborene Saugreflex ist für Neugeborene lebenswichtig. Direkt nach der Geburt stellt der Saugreflex sicher, dass die Neugeborenen trinken können. Sobald Babys Hunger haben, wird der Saugreflex, der für die Nahrungsaufnahme in den ersten Monaten unverzichtbar ist, automatisch aktiviert.

Sobald die Zunge oder die Lippen die mütterliche Brust oder auch die Flasche berühren, wird zuverlässig der Saugreflex ausgelöst. Und schon direkt nach der Geburt probiert euer kleines Wunder aus, wie es am besten Milch aus eurer Brust saugen kann. Dabei löst das Saugen an der Brust Geborgenheit und Ruhe aus. Gleichzeitig wächst das Vertrauen und die Mutter-Kind-Bindung wird nachhaltig gestärkt.

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Doch nicht nur bei Hunger kommt das Saugen zum Einsatz. Daumenlutschen hat eine ausgleichende und entspannende Wirkung, weshalb euer Liebling, auch wenn er müde ist oder sich beruhigen will, kräftig am Daumen nuckelt. So spendet das Daumenlutschen eurem Kind Trost und Ruhe. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Daumen als Ersatz erhalten muss, wenn die Brust oder die Flasche nicht sofort verfügbar ist.

Als Menschen noch in Höhlen gelebt haben, diente der Saugreflex neben der Milchaufnahme in erster Linie dazu, dass die Kleinen in Gefahrensituationen nicht zu schreien oder zu weinen beginnen. Durch das Nuckeln am Daumen haben sich die Babys beruhigt und waren entspannter. Somit wurde verhindert, dass gefährliche Tiere auf die Höhle und die Menschen aufmerksam wurden.

Bis heute dient der Saugreflex bei Neugeborenen dazu, das Bedürfnis zum Saugen zu befrieden. Wie sie es eben von der Brust der Mama gewöhnt sind. Auch wenn Babys müde oder gestresst sind, sich überfordert fühlen oder neue Eindrücke verarbeiten müssen, wird oft am Daumen genuckelt.

Zudem steht die gesamte Mundhöhle im engen Zusammenhang mit den ersten Wahrnehmungen sowie den ersten Kommunikationsversuchen des Babys. Diese Zeit wird auch orale Phase genannt, in welcher die Gesichtsmuskeln, die Zunge und auch der Gaumen einen hohen Stellenwert in der Entwicklung einnehmen. Denn unter anderem durch Lächeln, Brabbeln und auch durch das Saugen knüpft euer Baby seine ersten Kontakte mit euch und seiner Außenwelt.

Dass Babys gerne und häufig am Daumen lutschen, ist also völlig normal und muss auch nicht von euch unterbunden oder abgewöhnt werden. So wird das natürliche Saugbedürfnis befriedigt und die Kleinen können sich durch diese Angewohnheit selbst und schneller beruhigen.

Meist hören die Kinder im Alter zwischen 2 und 4 Jahren von selbst mit dem Daumenlutschen auf, beziehungsweise nuckeln nur noch bei bestimmten Anlässen, wie zum Beispiel vor dem Einschlafen oder aber auch bei Langweile, an ihrem Daumen.

Gründe für das Daumenlutschen bei Kindern

Hören Kinder mit 3 oder 4 Jahren nicht von alleine mit dem Daumenlutschen auf oder verstärken das Nuckeln sogar noch, liegen jedoch andere Gründe als bei Babys vor:

Besondere Umstände: Veränderungen im häuslichen Umfeld, wie zum Beispiel ein Umzug oder ein neues Geschwisterchen, können zum vermehrten Daumenlutschen führen. Auch der erste Schultag oder Streit zwischen den Eltern sorgt bei Kindern für Aufregung und manchmal auch Angst.

Dieser Zustand ist in der Regel nur vorübergehend und sobald sich der Alltag wieder eingependelt hat, wird euer Sprössling mit dem Daumenlutschen aufhören.

Zu wenig Zuneigung: Gerade sensible Kinder benötigen sehr viel Zuneigung und Zärtlichkeit von ihren Eltern. Deshalb solltet ihr so oft wie möglich gemeinsam kuscheln und so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen.

Ängstlichkeit: Manche Kinder sind übermäßig ängstlich und zudem schneller von bestimmten Situationen und Begebenheiten überfordert. Sprecht euren Kindern Mut zu und stärkt ihnen den Rücken. So wird das Selbstbewusstsein gestärkt und der Drang am Daumen zu lutschen wird weniger.

Verhaltensstörung: In seltenen Fällen kann das verstärkte Daumenlutschen, vorwiegend bei Kindern über 3 oder 4 Jahren, auch auf eine psychische Störung oder eine Verhaltensstörung hindeuten. Wenn ihr euch unsicher seid, solltet ihr vorsichtshalber euren Kinderarzt aufsuchen und mit ihm eventuell über andere Maßnahmen nachdenken.

In der Regel braucht ihr euch allerdings keine Sorgen zu machen. Redet viel mit eurem Kind, fragt es, warum es so gerne am Daumen lutscht und versucht verständnisvoll zu sein. Wenn das Daumenlutschen nach einiger Zeit nicht sowieso von ganz alleine aufhört, könnt ihr nach einer geeigneten Lösung suchen.

Gefahren von Daumenlutschen bei Kindern

Bei Kindern um die 3 Jahren bildet sich der angeborene Saugreflex in der Regel zurück und es wird gar nicht mehr oder nur noch sehr selten am Daumen gelutscht. Bis dahin besteht auch seitens der Zahnmedizin kein Bedenken, wenn Kinder ab und zu am Daumen lutschen.

Auch wenn ältere Kinder hin und wieder Daumenlutschen ist dies kein Grund zur Sorge. Es ist durchaus normal, dass Kinder in bestimmten Situationen, zum Beispiel vor dem Zubettgehen, in ihre alten Gewohnheiten zurückfallen.

Wird das häufige und regelmäßige Daumenlutschen jedoch auch noch mit 4 Jahren oder gar bis zur Schulzeit beibehalten, kann es unter Umständen zu späteren Zahnfehlstellungen kommen und die Entwicklung des Kiefers negativ beeinträchtigen. Dies kann wiederum zu Probleme beim Abbeißen sowie bei der Lautbildung führen.

Grund für eine mögliche Fehlstellung ist häufig , dass der Daumen beim Nuckeln die oberen Frontzähne nach vorne drückt und dadurch die Gefahr besteht, dass die Schneidezähne schief wachsen. Beißen die Kinder gleichzeitig auf den Daumen, entsteht zusätzlicher Druck, der zu einer Deformierung des unteren Zahnbogens führen kann.

Außerdem kann es passieren, dass sich der Oberkiefer durch das Saugen verschmälert und ein Kreuzbiss der Seitenzähne sowie eine Rücklage des Unterkiefers oder ein Überbiss entstehen. Die Folgen sind oft lange und kostenintensive Behandlungen beim Kieferorthopäden und das Tragen einer Zahnspange.

Neben den Zahnfehlstellungen kann das anhaltende Daumenlutschen auch dazu führen, dass euer Schatz von anderen Kindern gehänselt und aufgrund des Daumenlutschens ausgelacht wird. Viele Kinder ziehen sich daraufhin zurück und es fällt ihnen schwerer Freunde zu finden und Vertrauen zu fassen.

Sanfte Tipps, um eurem Kind das Daumenlutschen abzugewöhnen

Es ist sinnvoll, eurem Kind zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr das oft heißgeliebte Daumenlutschen allmählich abzugewöhnen. Auf den Schnuller hingegen sollte ab dem Alter von 4 oder 5 Jahren verzichtet werden. So beugt ihr Folgeschäden von Kiefer und Zähnen effektiv vor und ihr verhindert, dass euer Kind womöglich von Gleichaltrigen gehänselt wird.

Auf rabiate Entwöhnungsversuche, Bestrafungen sowie Schimpfen solltet ihr auf jeden Fall verzichten. Dies wirkt sich nachteilig aus und kann den Stresspegel des Kindes zusätzlich in die Höhe treiben. Das Daumenlutschen kann sich daraufhin verstärken, weil sich das Kind durch das Nuckeln erst wieder beruhigen muss.

Um angemessen auf das Daumenlutschen reagieren zu können, solltet ihr zuerst herausfinden, in welchen Situationen euer Kind am Daumen lutscht. Beobachtet euren Zwerg genau und versucht den Grund zu ermitteln. Ist euer Kind müde oder hat Angst? Liegt es daran, dass es sich unwohl fühlt oder einfach aufgeregt ist?

Wir haben einige hilfreiche Tipps und Ratschläge für euch zusammengefasst, wie ihr eurem Kind das Daumenlutschen abgewöhnen könnt:

Ruhig und verständnisvoll sein: Eurem Kind hilft es am meisten, wenn ihr Verständnis zeigt und nicht mit ihm schimpft, es ermahnt oder gar bestraft.

Ein ruhiges Gespräch, in dem ihr euch nach dem Befinden eures Schatzes erkundigt, sowie eine große Umarmung und viel Zuwendung werden dabei helfen, dass sich euer Kind entspannt und verstanden sowie geborgen fühlt.

Eine Belohnung in Aussicht stellen: Gibt es etwas, dass sich euer Kind schon lange wünscht, aber weder Geburtstag noch Weihnachten stehen vor der Tür? Vielleicht könnt ihr eurem Kind dann diesen Wunsch erfüllen, wenn er im Gegenzug auf das Daumenlutschen verzichtet. So hat euer Kind eine Motivation und es wird ihm leichter fallen, seine Angewohnheit sein zu lassen.

Und seien wir mal ehrlich: Die Aussicht auf eine Belohnung hilft doch nicht nur bei Kindern!

Ablenkung: Wenn ihr bemerkt, dass euer Schatz seine volle Aufmerksamkeit dem Daumenlutschen widmet, solltet ihr versuchen es abzulenken. Spielt ein Spiel, hört gemeinsam ein Hörbuch, geht raus an die frische Luft oder tobt euch am Spielplatz aus. Während euer Kind beschäftigt ist, wird es auch nicht an das Daumenlutschen denken.

Nuckelt euer Kind vorwiegend zum Einschlafen am Daumen, könnt ihr als Schlafritual ein Gute-Nacht-Lied singen oder eine Geschichte zum Einschlafen vorlesen.

Für Ersatz sorgen: Bietet eurem Kind einen anderen Tröster, wie zum Beispiel ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke, anstelle des Daumens an. So fällt die Abgewöhnung leichter.

Weitere Ratschläge:
Sprecht viel mit eurem Kind und ermutigt es euch seine eventuellen Ängste oder Sorgen mitzuteilen.


Erklärt eurem Kind in Ruhe warum es besser ist, mit dem Daumenlutschen aufzuhören.

Nehmt euch Zeit für euer Kind und unternehmt viel gemeinsam. Dabei ist es egal, ob ihr in den Park oder auf den Spielplatz oder aber zu Hause gemeinsam spielt oder einen Film, mit ganz vielen Kuscheleinheiten, anschaut.


Kleiner Tipp: In dieser gemeinsamen Zeit empfiehlt es sich, das Daumenlutschen zu ignorieren.

Lobt euer Kind, wenn es seit längerer Zeit nicht mehr am Daumen gelutscht hat.

Darauf solltet ihr lieber verzichten

Auf rabiate Methoden, wie den Finger in eine bittere Tinktur zu tauchen, das Überziehen eines Handschuhs oder gar den Schlafanzugärmel zuzunähen, sollte in jedem Fall verzichtet werden.

Diese Entwöhnungsversuche sind für das Kind nichts anderes als eine unnötige Bestrafung und können zudem nicht nur das Daumenlutschen verschlimmern, sondern das Eltern-Kind-Verhältnis belasten.

Daumenlutschen: Harmlos oder schädlich?

Welche Behandlung ein Kind dann braucht – ob ­eine einfache Mundvorhofplatte oder eine komplizierte kiefer­orthopädische Apparatur –, wann damit begonnen wird und wie lange sie dauert, hängt von den Schäden an Zähnen und Kiefer ab. „Wichtigste Voraussetzung für ­eine Therapie ist, dass das Kind das Daumen­lutschen beendet hat“, sagt Widders­hoven. Und das gestaltet sich nicht so einfach, wenn das Daumennuckeln Gewohnheit ist.

Daumenlutschen abgewöhnen: So klappt es

Also, wie abgewöhnen? Einen Schnuller können Eltern verschwinden lassen, den Daumen nicht. Sie können ihn zwar dem Nachwuchs aus dem Mund ziehen, zu einem Machtkampf sollte man es aber nicht kommen lassen. Was jetzt hilft: das Kind und sein Verhalten genau beobachten. Warum nuckelt es gerade? Welches Bedürfnis erfüllt es sich damit? „Ist es traurig, trösten Sie es. Nehmen Sie es in den Arm, und geben Sie ihm die Geborgenheit, die es in dem Moment sucht“, sagt Holger Simonszent.

Steckt sich das Kleine aus Lange­weile den Daumen in den Mund, braucht es eine interessante Beschäftigung. Was auf keinen Fall zu kurz kommen darf: ausführliches Loben, wenn das Kind in einer Stresssituation mal nicht am Daumen lutscht. „Wer gereizt aufs Nuckeln reagiert, provoziert einen Teufelskreis: Die Kritik führt beim Kind zu noch mehr Stress, es lutscht noch mehr, weil es nicht anders damit umgehen kann“, erklärt der Psychologe.

Alternative zum Daumen: Schnuller oder Schmusetuch

Dass ein Baby seinen Daumen statt eines Schnullers oder einer anderen Nuckel­hilfe nimmt, können Eltern nicht ganz verhindern. „Ich würde es aber versuchen und ihm zum Beispiel Schnuller oder Schmuse­tuch anbieten“, rät Simonszent. Auch Kinderzahnarzt Widders­hoven plädiert für ­eine Alternative: „Anatomisch geformte ­Schnuller verursachen zwar auch Probleme, die sind aufgrund der Schnuller­form aber gleichmäßiger und somit leichter zu behandeln.“

Babys nuckeln an der Brust der Mama. Das ist nicht nur ein süßer Genuss, sondern stärkt auch die Bindung zwischen Mutter und Kind. Daher rührt das ganze Spiel mit dem Daumen. Es ist mit dem Daumenlutschen ein wenig wie mit einer Konditionierung:

  • Das Kind hat ein angeborenes Saugbedürfnis.

  • Wird dieses durch die Mutter befriedigt, kehrt Innigkeit und Wohlfühlen für das Baby ein.

  • Ist die Mutter aber beschäftigt oder ist das Stillen gerade nicht möglich, lutscht das Kind am Daumen, um ein kleines bisschen dieses Gefühls zu bekommen.

Der Jülicher Kinder- und Jugendarzt Dr. Rudolf Weitz weist dabei auf die wichtigsten Dinge hin: In den ersten 1,5 Jahren ist der Mund das wichtigste Wahrnehmungs- und Kommunikationsorgan. Ist dem Kind langweilig oder kann es in einer traurigen Situation nicht mit der Mutter in Verbindung kommen, so lutscht es am Daumen. Normal sei das bis ca. zwei Jahren.

Intensität und Häufigkeit des Daumenlutschens

Schlimm ist dabei keineswegs die Tatsache, dass dein Kind am Daumen nuckelt. Doch die Intensität und die Häufigkeit müssen beobachtet werden. In Ruhezeiten wie beim Mittagsschlaf oder dem abendlichen Einschlafen, ist das Daumenlutschen kein Problem.

Anders ist dies, wenn das Kind dem aktiven Bewegungsdrang das Daumenlutschen vorzieht. Dies übertrifft die normale Häufigkeit und wirkt sich vor allem auf die Stellung der Zähne und die Form des Kiefers aus. Da der Kieferknochen noch sehr weich und formbar ist, kann durch das Daumenlutschen eine Krümmung des Knochens entstehen. Weitaus wichtiger ist das Beobachten für die Zähne. Denn die Zähne können dadurch eine Fehlstellung bekommen und müssen im Jugendalter begradigt werden.

Aber wie abgewöhnen?

Das Daumenlutschen zu vermeiden liegt nicht in der Hand der Eltern. Manche Kinder nuckeln eben gerne am Daumen, andere nicht. Doch das Daumenlutschen abzugewöhnen ist Aufgabe der Eltern. Allerdings nur, wenn es den normalen Zeitraum der ersten zwei Jahre überschreitet. Davor müsst ihr euch keine Gedanken darüber machen.

Hintergrund

Schluss mit Nuckeln Schnuller abgewöhnen: Die 5 besten Tipps Tröster, Besänftiger und Einschlafhilfe – für viele Babys ist der heiß geliebte Nucki der beste Freund. Trotzdem wird es irgendwann Zeit, den Schnuller abzugewöhnen. Wir hätten da ein paar Tipps.

Grundsätzlich ist die Situation, in der das Kind am Daumen lutscht, sehr wichtig. Ist es gerade traurig, musst du es trösten. Nimm es in den Arm und spiele ein wenig mit dem Baby. Ganz wichtig: Nicht gereizt aufs Daumenlutschen reagieren! Wer den Finger aus dem Mund zieht und dabei sauer wird, hat keinen Erfolg, seinem Baby das Daumenlutschen abzugewöhnen. Denn genau in solchen Situationen, wenn die Eltern nicht da sind oder nicht für das Kind da sein wollen, ist der Drang zum Daumenlutschen sehr groß.

Die Schnullerfee

Bei zu viel Nuckeln könnte eines Nachts auch zufällig die Schnullerfee vorbeischauen. Damit wird dem Kind zwar nicht das Nuckeln an sich abgewöhnt, doch eine Fehlstellung der Zähne wird dank eines Schnullers vermieden.

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Daumenlutschen bei Baby und Kleinkind – normal oder ungesund?

Struwelpeter

Nicht zu allen Zeiten war die Grundhaltung zum Daumenlutschen so positiv. Im Kinderbuch „Struwwelpeter“ des Arztes Heinrich Hoffmann aus dem Jahr 1845 bekommt der Daumenlutscher Konrad zur Strafe für sein Daumenlutschen mit einer Schere beide Daumen abgeschnitten. So grausam diese Bestrafung aus heutiger Sicht erscheinen mag, so deutlich gibt sie die negative Einstellung wider, die Kinderärzte noch vor 100 Jahren zu diesem Thema vertraten. Da dieses Phänomen bei Kindern jedoch schon immer häufig vorkam, wurde dieses Verhalten ab Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr als Krankheit angesehen. Trotzdem wird Daumenlutschen auch heute nach wie vor häufig kritisch betrachtet.

Daumenlutschen und der Saugreflex

Tatsächlich ist Daumenlutschen zunächst keine krankhafte Neigung. Im Gegenteil ist der Saugreflex, der bei Babys das Nuckeln am Daumen verursacht, anfangs sogar überlebensnotwendig. Denn das Funktionieren dieses Reflexes ist unverzichtbar für die Nahrungsaufnahme in den ersten Lebensmonaten. Sofort nach der Geburt muss das Baby wissen, wie es Milch aus der Mutterbrust saugen kann. Daher entwickelt sich der Saugreflex bereits im Uterus, so dass man bereits Föten auf Ultraschallbildern beim Daumenlutschen beobachten kann. Sobald Lippen oder Zungenspitze eines Säuglings berührt werden, löst dieser Reflex Saugbewegungen aus. Führt ein Baby also seinen Daumen zum Mund, liegt es quasi in seiner Natur, daran zu lutschen.

Da das Saugen an der mütterlichen Brust für ein Baby mit Vertrautheit, Geborgenheit und Entspannung verbunden ist, kann das Daumenlutschen beim Säugling, aber auch noch beim Kleinkind, eine Ersatzbefriedigung sein. Diese hat zum Beispiel bei Aufregung oder in fremder Umgebung tröstende und beruhigende Wirkung auf das Kind. Manche Psychologen vermuten sogar, dass das Nuckeln am Daumen für Kleinkinder mit Lustgefühlen verbunden ist, die einer sexuellen Befriedigung gleichen.

Der Saugreflex verschwindet

Um das 3. Lebensjahr herum verliert das Kleinkind langsam den Saugreflex. In vielen Fällen verschwindet damit auch das Daumenlutschen ganz von allein. Bis zu diesem Zeitpunkt wird das Nuckeln am Daumen daher von den meisten Kinderärzten und Psychologen als unbedenklich angesehen. Auch danach muss nicht gleich ein Grund zur Besorgnis bestehen, jedenfalls wenn das Daumenlutschen nur noch gelegentlich auftritt zum Beispiel unter Stress oder vor dem Einschlafen. Nimmt es hingegen nach dem 3. Lebensjahr in seiner Intensität plötzlich zu oder nimmt gar exzessive Ausmaße an, kann dies in der Tat Ausdruck eines seelischen Problems oder einer Verhaltensstörung sein. Meist deuten dann aber auch andere Auffälligkeiten beim Kind darauf hin. Darüber hinaus kann regelmäßiges Daumenlutschen auf Dauer zu schweren Fehlstellungen der vorderen Schneidezähne und des Kiefers sowie Deformationen des Daumens führen.

Schnuller statt Daumenlutschen?

Viele Kinderärzte raten dazu, Babys lieber gleich einen Schnuller zu geben, damit das Kind sich gar nicht erst an den Daumen gewöhnt. Der Schnuller hat den Vorteil, dass man die spätere Abgewöhnung besser kontrollieren kann als beim immer verfügbaren Daumen. Außerdem ist ein Schnuller durch seine weichere Konsistenz und die geringere Krafteinwirkung, die er im Vergleich zum Daumen ausübt, weniger schädlich für Zähne und Kiefer. Allerdings solltest Du Deinem Kind den Schnuller nicht aufzwingen, wenn es ihn hartnäckig wieder ausspuckt. Wenn das Baby keinen Schnuller benötigt, besteht auch kein Grund, es daran zu gewöhnen.

Lesetipp: Zum Thema Schnuller lies auch unsere folgenden Beiträge:

  • Schnuller, ja oder nein?
  • Schnuller füs Baby, was beim Kauf beachten?
  • Schnullerbabies

„Unser vier Monate alter Sohn schreit die ganze Nacht und lässt sich durch nichts beruhigen. Eigentlich findet er nur beim Stillen in den Schlaf. Das führt dazu, dass ich die Nacht über dauerstille und selbst kaum schlafe. Was können wir tun?“

Die kleinen Dauernuckler können eine Mutter ganz schön an ihre Grenzen bringen. Was können Sie tun, wenn Ihr Baby zu dieser Spezies gehört? Zunächst einmal gilt es natürlich abzuklären, ob ein körperliches Problem dahintersteckt. Hat das Kind vielleicht Hunger und muss sich deswegen nachts vermehrt Nahrung holen? Nimmt es ausreichend zu? Hat es Schmerzen und braucht das Saugen als lindernde Maßnahme? Diese und ähnliche Fragen können Sie mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Kinderarzt besprechen und sollten das auch tun, wenn Sie selbst unsicher sind, wo das Problem des kleinen Schreihalses liegt.

SCHLECHTE GEWOHNHEIT

In den meisten Fällen handelt es sich allerdings um eine Gewohnheit, die sich im Laufe der Zeit eingespielt hat. Das Kind hat sich an die Beruhigung an der Brust gewöhnt und fordert dies vehement ein. Es gilt also eine Gewohnheit liebevoll abzutrainieren und durch andere zu ersetzen.
Zunächst einmal würde ich einem Baby mit einem starken Saugbedürfnis einen Schnuller anbieten. Bei vielen dauert es eine ganze Zeit, bis sie diese Beruhigungshilfe wirklich verstehen und akzeptieren, bleiben Sie also dran!
Der zweite wesentliche Ansatz zur Verbesserung der Situation besteht darin, die Kleinen nicht mehr an der Brust einschlafen zu lassen, sondern kurz bevor sie einschlafen, ins Bett zu legen, sodass sie diesen Wechsel bewusst wahrnehmen. Ein Kind, das an der Brust einschläft, spürt in Leichtschlafphasen, dass es nun woanders liegt, und wird wach, um zu kontrollieren, ob Mama oder Papa noch da sind. Meist fordern sie in dieser Situation dann den Ausgangszustand wieder ein – sie wollen also wieder an die Brust.

SATT WERDEN

Im Alter von vier Monaten ist es normal, dass ein Säugling nachts noch Nahrung braucht. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind wirklich eine vollständige Mahlzeit zu sich nimmt und nicht nur so lange an der Brust nuckelt, bis der erste Hunger gestillt ist. Dazu kann es nötig und hilfreich sein, sich hinzusetzen, auf die Uhr zu schauen (damit Sie bei der nächsten Beschwerde Ihres Nachwuchses wissen, wann er das letzte Mal etwas zu trinken bekommen hat) und wenn möglich beide Brüste anzubieten. Achten Sie auch tagsüber darauf, dass Ihr Kind sich wirklich satt trinkt. Ab einem Alter von drei bis vier Monaten lassen sich viele Kinder so leicht ablenken, dass sie am Tage nur wenig trinken und sich den Rest in der Nacht holen. Ziehen Sie sich mit einem solchen Kind zum Stillen in eine reizarme Umgebung zurück.
Manche Kinder wollen nach einigen Monaten auf dieser Welt allerdings auch schon etwas „Richtiges“ essen. Achten Sie auf Reifezeichen, die darauf hinweisen, dass der erste Brei fällig ist. Was diese kleinen Menschen brauchen, wenn sie weinen, ist auf jeden Fall die Nähe einer engen Bindungsperson! Ob Sie die Brust als Beruhigungshilfe einsetzen, oder ob die Brust einzig und alleine zur Nahrungsaufnahme dient, das ist eine der vielen Entscheidungen, die jede Mutter für sich treffen muss – besser: darf!

Martina Parrish ist Hebamme und Stillberaterin und arbeitet in der Hebammenpraxis Fokus Leben in Berlin.

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