Baby fruchtwasser geschluckt

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Ein Alarmzeichen: Mekonium im Fruchtwasser

Besteht der Verdacht auf eine fetale Mangelversorgung werden Ihnen Hebamme und Frauenarzt oder Frauenärztin vorschlagen, zunächst die Fruchtblase zu sprengen (Amniotomie), wenn der Blasensprung noch nicht von selbst erfolgt ist.

Dann kann man an der Farbe des Fruchtwassers beurteilen, ob das Baby schon in der Gebärmutter Kindspech (Mekonium) ausgeschieden hat. Normalerweise ist das Fruchtwasser einer Schwangeren klar. Besonders bei sehr langen Geburten (wie durch Wehenschwäche oder Geburtsstillstand), also einer Stresssituation für das Kind mit schlechter Sauerstoffversorgung, wird der Darm weniger durchblutet. Das verursacht verstärkte Darmbewegungen und die Erschlaffung des Schliessmuskels. Ein vorzeitiger Abgang des Darminhalts mit Grünfärbung des Fruchtwassers kann also ein Hinweis sein auf „fetal distress“, d.h. dem Kind geht es nicht mehr so gut.

Mekonium im Fruchtwasser kann aber auch bei Babys beobachtet werden, die nicht unter fetal distress leiden, besonders, wenn sie nach dem erwarteten Termin geboren werden (Übertragung). Ca. 13 % der Babys scheiden während der Wehen Kindspech ins Fruchtwasser aus, aber nur wenige davon leiden wirklich unter einer Mangelversorgung. Immer wieder kommt es vor, dass Babys durch den Stress der Geburt ihren Darm entleeren, der Kopf sich aber bereits im Geburtskanal befindet und so nicht mehr in Kontakt mit dem Mekonium kommt.

Gefährlich wird es erst, wenn das Baby das Kindspech verschluckt oder einatmet. Dann kann es zum Mekoniumaspirations-Syndrom (MAS) kommen – eine gefürchtete Komplikation in der Geburtshilfe. Bei Verdacht auf fetal distress muss deshalb das Fruchtwasser auf Spuren von Mekonium untersucht werden.

Die Risikofaktoren für ein MAS sind:

  • Vorgeburtliche Infektionen des Kindes
  • Vorgeburtliche Wachstumsstörungen des Kindes
  • Fehlbildungen der Nabelschnur
  • Chronische Erkrankungen der Schwangeren, z.B. Diabetes mellitus und Bluthochdruck
  • Zigarettenrauchen, Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum der Mutter

Bei Verdacht auf eine Mekonium-Aspiration wird man zunächst versuchen, so viel Mekonium wie möglich aus Mund und Rachen des Kindes abzusaugen. Meist normalisieren sich Atmung und Muskelspannung hierdurch. Das Neugeborene wird zwar noch weiterhin engmaschig überwacht, kann aber als gesund betrachtet werden.

Ansonsten kann eine Spülung der Bronchien mit verdünntem Surfactant erfolgen, das die Lungenfunktion des Babys unterstützt. In schweren Fällen muss intensivmedizinisch behandelt werden, um Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Belüftungsstörungen der Lunge zu verhindern.

Letzte Aktualisierung : 16-05-17, BH

Geburt: So gefährlich ist Sauerstoffmangel für das Baby

Sauerstoffmangel vor oder während der Geburt ist für ein Baby äußerst bedrohlich, schlimmstenfalls tödlich. Zwar kommt dies dank der intensiven medizinischen Überwachung nur noch bei weniger als drei Prozent aller Entbindungen vor. Dennoch gilt Sauerstoffmangel als häufigste Geburtskomplikation mit Folgeschäden, insbesondere Schädigung des Gehirns.

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Vor allem Frühchen gehören zur Risikogruppe, bei ihnen ist das Risiko 20 für Sauerstoffmangel während der Geburt mal höher als bei voll ausgetragenen Kindern.

Sauerstoffmangel schädigt grundsätzlich alle Organe, doch das Gehirn reagiert am empfindlichsten. Hier sterben am schnellsten Zellen ab, wenn das Blut zu wenig Sauerstoff enthält. Die Schäden reichen von vorübergehenden Problemen, die von alleine wieder verschwinden, bis hin zu schweren Entwicklungsstörungen, Lähmungen und Behinderungen.

Wenn Babys ihre Versorgungsleitung kappen

Für Sauerstoffmangel gibt es verschiedene Gründe. Einer ist, dass die Plazenta das Kind nicht mehr richtig versorgen kann oder sich unbemerkt von der Gebärmutterwand ablöst. Ein anderer Grund ist, dass das Baby selbst die Sauerstoffzufuhr kappt, beispielsweise weil es sich bei einer Steißgeburt auf die Nabelschnur gesetzt hat. Oder sie wickelt sich derart um das Kind, dass die Versorgung unterbunden wird.

„Auf dem Ultraschall kann man das nicht gut erkennen. Oft ist es gar kein Problem, wenn die Nabelschnur sich um den Arm oder den Hals wickelt, solange sie lang und dick genug ist und nirgendwo dauerhaft abgedrückt wird“, erklärt Roswitha Glimm, Hebamme am Theresienkrankenhaus in Nürnberg.

Aber auch Zuckerkrankheit der Mutter, Nikotinmissbrauch, angeborene Herzfehler oder Krankheitserreger sind Risikofaktoren für Sauerstoffmangel beim Ungeborenen.

Die Erfahrung einer Hebamme kann der Technik überlegen sein

Viele glauben, bei einer Schwangerschaft und Geburt könne heute kaum mehr etwas schiefgehen, weil alles kontinuierlich überwacht wird. Es gibt Ultraschalluntersuchungen, Wehenschreiber (CTG), Fruchtwasseruntersuchung, Blut- und Urinkontrollen. Trotzdem bleibt das Austragen und Gebären eines Babys ein natürlicher Vorgang, und manchmal lässt sich die Natur eben nur schwer in die Karten sehen.

Deshalb ist es von Vorteil, wenn eine Schwangere von einer erfahrenen Hebamme betreut wird, die nicht nur den Geräten, sondern auch ihrer Intuition vertraut. „Es gab schon Situationen, in denen anhand der Aufzeichnungen alles in Ordnung zu sein schien und allein mein Gefühl mich gemahnt hat, vorsichtig zu sein. Nicht immer war mein Gefühl richtig, aber so manches Mal wäre es für das Baby ohne diese innere Stimme gefährlich geworden“, sagt Glimm.

Diese Faktoren werden während der Geburt überwacht

Schon die ersten Anzeichen einer Mangelversorgung werden von Hebammen und Ärzten ernst genommen. Grünes Fruchtwasser zum Beispiel deutet auf eine Stresssituation im Mutterleib hin, die dazu führen kann, dass das Ungeborene Kindspech aus dem Darm ausscheidet. Dann besteht die Gefahr, dass es das so genannte Mekonium einatmet.

Abklären lässt sich auch der Sauerstoffgehalt im Blut, zum Beispiel, wenn das Kind im Geburtskanal feststeckt. Dazu wird ein Blutstropfen aus der Kopfhaut des Babys entnommen und untersucht. Kurz nach der Geburt überprüft man den pH-Wert mittels Blutgasanalyse, wobei man Blut aus der Nabelschnurarterie entnimmt.

Ein weiterer Kontrollwert ist der Apgar-Score, bei dem Aussehen, Puls, Reflexe, Muskeltonus und Atmung des Neugeborenen beurteilt werden. Dieser Wert wird eine Minute nach der Geburt sowie in der fünften und zehnten Minute bestimmt. Ein niedriger erster Wert zeigt Einflüsse, die während der Entbindung aufgetreten sind, die späteren Werte deuten auf einen längeren Sauerstoffmangel hin, der innerhalb von Minuten Schädigungen der Nervenbahnen und des zentralen Nervensystems bewirken kann.

Oft verschlechtern sich die Herztöne

Bei rund 80 Prozent der Geburten, die per CTG überwacht werden, sinkt während der Wehen die Herzfrequenz des Babys – trotzdem steckt nur selten eine Mangelversorgung dahinter. Aber sicher ist sicher. „Eine erfahrene Hebamme kann aus einem CTG sehr viel herauslesen. Wir wissen zwar oft nicht, warum die Herztöne gerade so schlecht sind“, erklärt die Hebamme, „aber wir wissen, dass es dem Kind nicht gutgeht.“ Dann versucht man es erst einmal mit einem Lagewechsel der Gebärenden oder anderen Methoden. Wenn sich das CTG nicht zum Positiven verändert, wird ein Arzt geholt, die Wehen werden unterbrochen, um den Sauerstoffbedarf des Kindes zu senken und meistens wird ein Kaiserschnitt vorgenommen. „Schließlich will niemand riskieren, dass der Säugling in Gefahr gerät.“

Ein Fehler kann für Ärzte und Hebammen teuer werden

Schnelles Handeln ist, so hart es klingt, ist auch eine Haftungsfrage. Wenn ein Kind eine Behinderung davonträgt und Ärzten oder Hebammen ein vermeidbarer Fehler nachgewiesen wird, müssen die Versicherungen Summen in Millionenhöhe zahlen. Deshalb werden Schwangere in Kliniken bei der Geburt schon fast dauerüberwacht. Nur so lässt sich dokumentieren, dass Ärzte und Hebammen nichts übersehen oder falsch interpretiert haben.

Allerdings gibt die Hebamme zu bedenken: „Es liegt im Interesse der Natur, die Art zu erhalten und deshalb macht sie alles dafür, das werdende Leben zu schützen. Aber auch die Natur ist leider nicht perfekt und weil man eine Schwangere nicht kontinuierlich neun Monate überwachen kann, muss manchmal ein intrauteriner Fruchttod als schicksalhaft angenommen werden. Natürlich fällt das schwer. Aber weder die werdenden Eltern, noch wir Hebammen und Ärzte haben alles in der Hand.“

Kältetherapie kann das Gehirn vor Schäden bewahren

Den meisten Babys, die einen kurzen Sauerstoffmangel erlitten haben, geht es nach der Entbindung wieder gut und langfristige Folgen bleiben aus, beziehungsweise können durch Physiotherapie ausgeglichen werden. Manchmal werden die Kinder noch eine Weile auf der Intensivstation überwacht.

Der Verdacht, dass schon leichter Sauerstoffmangel spätere Entwicklungs- und Verhaltensstörungen zur Folge hat, konnte noch nicht wissenschaftlich bewiesen werden.

Nur selten müssen Ärzte massive Maßnahmen ergreifen, um größere Schäden im Gehirn zu vermeiden. Eine Methode ist Kühlung: Der Körper des Neugeborenen wird für 72 Stunden auf 33,5 Grad abgekühlt und danach langsam wieder erwärmt. Die so behandelten Kinder entwickeln seltener Störungen als die Vergleichsgruppen.

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Kaiserschnitt – Ablauf der Sectio Caesarea

12. September 2019 5 Min.

Bei einem Kaiserschnitt kommt das Baby durch einen Bauchschnitt auf die Welt. Diese Geburtsmethode macht mittlerweile 30 Prozent der Geburten in Deutschland aus. Der Ablauf eines Kaiserschnitts dauert meist weniger als eine Stunde.

Schwangere Frauen und ihre Ärzte entscheiden sich aus verschiedenen Gründen für einen Kaiserschnitt. In der Regel findet dieser geplant statt, sodass beim Ablauf (auch als Sectio bezeichnet) kein Zeitdruck entsteht.

Bereits in den Tagen vor der Operation führt die werdende Mutter ein Gespräch mit dem Gynäkologen und einem Anästhesisten. Dabei können offene Fragen geklärt und die Narkose besprochen werden.

Die Vorbereitung auf den Kaiserschnitt

An dem Tag, der für den Kaiserschnitt gewählt wurde, erfolgen zunächst einige Routineuntersuchungen. Per Ultraschallbild und CTG (Kardiotokografie) überprüfen Hebammen und Ärzte, ob es dem Baby gut geht.

Steht dem Eingriff nichts im Wege, beginnt der Ablauf des Kaiserschnitts mit einigen Standardmaßnahmen: Ähnlich wie bei anderen Operationen sind Körperhaare für die Chirurgen und bei der späteren Wundversorgung hinderlich, sodass in einem ersten Schritt die Schamhaare im Schnittbereich entfernt werden.

Außerdem zieht man der Patientin Thrombosestrümpfe an.

Kaiserschnitt: Vollnarkose oder lokale Betäubung?

Für einen Kaiserschnitt muss die Frau nicht in Vollnarkose versetzt werden. Im Normalfall reicht eine sogenannte Spinalanästhesie aus, bei der mit einer Nadel Narkosemittel in das Rückenmark eingebracht wird. Der Unterkörper der Frau ist danach vollständig betäubt.

Es handelt sich um eine sogenannte Regionalanästhesie. Dazu gehört auch die Periduralanästhesie (PDA), die bei einer vaginalen Geburt als Schmerzmittel verwendet wird. Allerdings braucht man für die Spinalanästhesie weniger Betäubungsmittel und sie wirkt in der Regel schneller.

Bei einem geplanten Kaiserschnitt raten Ärzte eher zur Spinalanästhesie. Wenn gewünscht, kann der Kaiserschnitt auch unter Vollnarkose durchgeführt werden. Die Wahl obliegt der werdenden Mutter.

Ablauf einer Spinalanästhesie

Während der Arzt die Spinalanästhesie legt, sitzt die Frau oder liegt auf der Seite. Mit einer Spezialnadel durchsticht der Anästhesist die Haut auf der Höhe des dritten und vierten Lendenwirbels und spritzt das Narkosemittel in das Nervenwasser. Vor dem Einstich betäubt der Arzt den entsprechenden Bereich am Rücken.

Die Wirkung der Spinalanästhesie beginnt meist in den Füßen und breitet sich dann nach oben zum Bauch hin aus. Anders als bei der PDA ist bei der Spinalanästhesie auch die Bewegungsfunktion blockiert.

Kaiserschnitt: Ablauf im Operationssaal

Der Ablauf des Kaiserschnitts sieht als nächstes vor, dass die schwangere Frau in den Operationsbereich gebracht wird. Hier legt man einen Blasenkatheter und desinfiziert den Bauch. Als letzten, vorbereitenden Schritt spannen die OP-Schwestern einen Sichtschutz. Die Patientin kann dann zwar die Köpfe des OP-Teams sehen, aber nicht den Bauchschnitt als solchen.

Wissenswert: Wenn gewünscht, darf der Vater des Kindes oder eine andere Person dem Ablauf des Kaiserschnitts beiwohnen. Derjenige nimmt dann neben dem Kopf der werdenden Mutter Platz.

Wenn die Narkose voll wirkt, beginnt der eigentliche Kaiserschnitt. Aus kosmetischen Gründen, aber auch wegen der besseren Wundheilung, erfolgt der Schnitt horizontal oberhalb des Schambeines (Symphyse). Zehn Zentimeter Schnittlänge reichen meist aus.

Um die Gebärmutter zu erreichen, müssen verschiedene Schichten an Fett- und Muskelgewebe geöffnet und mit der Hand beiseitegeschoben werden. Diese Technik nennt man Misgav-Ladach-Methode, benannt nach dem Hospital in Jerusalem, wo sie 1994 entwickelt wurde.

Das Vorgehen ist sanfter und schonender für das Gewebe, der Blutverlust geringer. Die Frauen sind dadurch schneller wieder auf den Beinen und die Wunde verheilt besser, als wenn alle Schichten mit dem Skalpell durchschnitten werden.

Das Kind wird geboren

Erst ganz zum Schluss wird die Gebärmutter mit einem weiteren Schnitt quer geöffnet. Dann erfolgt die eigentliche Geburt: Der Chirurg hebt das Kind aus der Gebärmutter heraus und legt es der Mutter oder dem Vater in den Arm.

Die Gebärmutter zieht sich wie bei einer natürlichen Geburt von alleine zusammen und die Plazenta löst sich ab. Der Arzt kann die Plazenta herausnehmen und die Wunde vernähen. Währenddessen begleitet der Partner das Kind zur obligatorischen Erstuntersuchung.

Der eigentliche Eingriff dauert meist nur 20 bis 30 Minuten. Danach verbleibt die junge Mutter noch zwei bis drei Stunden im Kreißsaal und wird von Hebammen betreut. In dieser Zeit legt man ihr das Kind auch erstmalig zum Stillen an die Brust.

Ein Kaiserschnitt kann Leben retten. Trotzdem ist er für Frauen in armen Ländern und Regionen oft nicht verfügbar, selbst wenn es während einer Geburt zu Komplikationen kommt. In reichen Gegenden jedoch werden offenbar zu viele Kaiserschnitte durchgeführt, die medizinisch gar nicht notwendig wären. Zu dem Ergebnis kommt ein Forscherteam in einer Serie aus drei Studien, die gerade in der Fachzeitschrift The Lancet (Boerma et al., 2018; Sandall et al., 2018; Betrán et al., 2018) veröffentlicht und auf dem Kongress der Internationalen Föderation für Gynäkologie und Geburtshilfe (FIGO) in Brasilien vorgestellt wurden.

Den Untersuchungen zufolge hat sich der Anteil der Kaiserschnitte an allen Geburten seit der Jahrtausendwende fast verdoppelt. Er stieg von zwölf Prozent im Jahr 2000, was 16 Millionen von 131,9 Millionen Geburten entspricht, auf 21 Prozent im Jahr 2015 (knapp 30 Millionen von 140,6 Millionen). Die Zahlen basieren auf Statistiken der Weltgesundheitsorganisation WHO und der UN-Kinderschutzorganisation Unicef. Die Forscherinnen und Forscher bezogen 169 Länder in ihre Untersuchung ein.

Medizinisch notwendig ist ein Kaiserschnitt schätzungsweise bei zehn bis 15 Prozent der Geburten. Häufiger sollte der Eingriff nicht durchgeführt werden, denn er birgt Risiken für Mutter und Kind. Weil die Gebärmuttermuskulatur beim Kaiserschnitt durchtrennt wird, gibt es bei späteren Geburten häufiger Komplikationen. Dennoch liegt die Kaiserschnittrate in manchen Ländern bei mehr als 40 Prozent.

Viele Kaiserschnitte in China und Brasilien

Regional fanden die Autorinnen und Autoren der Studie dabei große Unterschiede. Besonders stark stieg die Zahl der Kaiserschnitte demnach in Südasien: von 7,2 Prozent aller Geburten auf 18,1 Prozent. In weiten Teilen Afrikas hingegen werden Kaiserschnitte – oft aufgrund fehlender Ausstattung der Kliniken – noch immer zu selten durchgeführt, wenngleich ihr Anteil an den Geburten steigt. In West- und Zentralafrika beispielsweise liegt er aktuell bei 4,1 Prozent, in Ost- und Südafrika bei 6,2 Prozent.

In Nord- und Südamerika, der Karibik und Westeuropa gibt es den Studien zufolge nach wie vor zu viele Kaiserschnitte. In Nordamerika liegt der Anteil des Eingriffs an allen Geburten aktuell bei 32 Prozent, in Westeuropa bei 26,9 Prozent, in Lateinamerika und der Karibik sogar bei 44,3 Prozent.

Teilweise führten die Forscher die zunehmende Anzahl der Kaiserschnitte darauf zurück, dass mehr Geburten in Krankenhäusern oder anderen Gesundheitseinrichtungen stattfänden. Zugleich steige der Anteil der Kaiserschnittgeburten in den Kliniken. In Brasilien und China, wo die Rate besonders hoch sei, fänden Kaiserschnitte in der Regel nach risikoarmen Schwangerschaften und bei Frauen statt, die schon zuvor durch einen Kaiserschnitt entbunden hätten. Allerdings fanden die Forscher in den Ländern mit besonders hohen Kaiserschnittraten auch große Unterschiede zwischen einzelnen Regionen.

Schwangerschaft und Geburt verliefen in den allermeisten Fällen komplikationslos, sagte die Leitautorin der Studien, Dr. Marleen Temmerman von der kenianischen Aga Khan University und der belgischen Universität Gent. Doch „der große Anstieg der Zahl der Kaiserschnitte – vor allem in reicheren Umgebungen, aus nichtmedizinischen Gründen – ist besorgniserregend, denn sie gehen mit Risiken für Frauen und Kinder einher“.

Temmerman appellierte an Ärzte, Pflegepersonal, Krankenhäuser und Geldgeber, Kaiserschnitte nur dann durchzuführen, wenn es medizinisch notwendig sei. In ärmeren Regionen hingegen müssten Kaiserschnitte für jede Frau verfügbar werden.

Statistik zu Entbindungen: So viele Frauen entscheiden sich für einen Kaiserschnitt

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Das Statistische Bundesamt hat am Montag Daten zu Entbindungen veröffentlicht. Interessant: Die Geburten verteilen sich auf weniger Kliniken, das heißt, etwas weniger Krankenhäuser führen Entbindungen durch.

Im Jahr 2017 seien in 672 von 1942 Krankenhäusern Geburten begleitet worden, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das entsprach einem Anteil von 34,6 Prozent aller Krankenhäuser. Im Vorjahr hatte der Anteil bei 35,4 Prozent gelegen.

Gestiegen ist hingegen die Zahl der Frauen, die Kinder bekommen haben: Insgesamt entbanden im vergangenen Jahr 762.343 Frauen in einem Krankenhaus. Die Zahl lag damit über dem Niveau von 2016 (761.777). 777.820 Kinder, einschließlich Zwillings- und Mehrlingsgeburten, wurden im Krankenhaus geboren, 937 mehr als im Jahr 2016.

In einem Bundesland viele Geburten per Kaiserschnitt

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Fast ein Drittel aller Entbindungen im Krankenhaus ist im vergangenen Jahr in Deutschland per Kaiserschnitt vorgenommen worden. Die Zahl der Kaiserschnitte blieb aber stabil. Sie lag im Schnitt bei 30,5 Prozent.

In den meisten Bundesländern ging die Rate leicht zurück. Entgegen diesem Trend nahm ihr Anteil in sechs von 16 Bundesländern zu. Im Saarland war die Kaiserschnittrate mit 37,2 Prozent am höchsten. Den niedrigsten Anteil hatte Sachsen mit 24 Prozent.

Die Zahlen der weiteren Bundesländer: In Bayern waren 31,9 Prozent der Geburten Kaiserschnitte, in Berlin 28 Prozent, in Brandenburg 24,6 Prozent und in Hamburg 31,8 Prozent. Auf 32,3 Prozent kam Hessen, Mecklenburg-Vorpommern auf 28,9, Niedersachsen auf 29,3, Nordrhein-Westfalen auf 31, Rheinland-Pfalz auf 33,6, Sachsen-Anhalt auf 30,4, Schleswig-Holstein auf 32,3 und Thüringen auf 26,7 Prozent.

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Andere Geburtshilfen werden deutlich seltener angewandt: Eine Saugglocke wurde bei 5,9 Prozent der Entbindungen im Jahr 2017 eingesetzt, eine Geburtszange lediglich bei 0,3 Prozent.

Lesen Sie auchGewalt in der Geburtshilfe

Noch eine Stunde, dann haben Sie Ihr Baby“, sagt der Chefarzt. Anja Schmidt hat keine Kraft mehr zu warten. Die Angst ist jetzt übermächtig in ihr, sie wünscht sich nur noch, dass es endlich vorbei ist. Zwei Fehlgeburten hat sie hinter sich, Depressionen, Hormonbehandlungen, die Schwangerschaft mit den ständigen Sorgen: Ist das Baby in Ordnung? Warum hat es sich so lange nicht bewegt? Keinen Tropfen Alkohol, keine Tablette hat sie angerührt. Und jetzt die Geburt. Kein Risiko will sie eingehen, wo doch bisher alles geklappt hat.

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Doch seit drei Wochen schon zeigt das Wehenmessgerät unregelmäßige Werte. Ihr Gynäkologe macht sich Sorgen und überweist sie ins Krankenhaus, die Klinik beruhigt und schickt sie wieder nach Hause. Anja Schmidt hat das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Eine spontane Geburt, bei der sie nichts mit ihrem Willen steuern, deren Ausgang sie nicht beeinflussen kann, kommt für sie nicht in Frage. Schon vor Monaten hat sie ihrem Arzt gesagt, dass ihr Baby per Kaiserschnitt auf die Welt kommen soll. Die Unentschiedenheit der Ärzte verstärkt jetzt ihre Angst. Sie will das Baby jetzt, sofort! Endlich liegt sie auf dem OP-Tisch, nackt, mit betäubtem Unterleib. 20 Minuten später ist Max da.

Zehn Wochen danach sitzt die 35-Jährige in ihrem Haus in Hamburg, das schlafende Baby liegt in ihrem Arm. Glücklich sieht sie aus. „Viele haben mich vorher vor einem Wunschkaiserschnitt gewarnt, aber ich hätte die normale Geburt nicht geschafft“, sagt sie. „Das Geburtserlebnis fehlt mir überhaupt nicht, und auf die Wundschmerzen danach war ich vorbereitet. Ich bin einfach froh, dass Max gesund ist.“ Ein Kaiserschnitt, ist Anja Schmidt überzeugt, war für sie der richtige Weg, ihr Kind zu Welt zu bringen.

Knapp jedes dritte Kind kommt in Deutschland heute per Sectio auf die Welt – vor 20 Jahren war es noch nur jedes sechste bis siebte. Dabei gibt es große regionale Unterschiede: 2008 wurden im Saarland 37 Prozent der Babys per Kaiserschnitt geholt, in Sachsen nur 22 Prozent. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind maximal 15 Prozent tatsächlich medizinisch notwendig – zum Beispiel, weil die Wehentätigkeit stoppt, die Plazenta sich vorzeitig ablöst oder die Herztöne des Babys abfallen. Die anderen 15 Prozent haben andere Gründe: eine schwere erste Geburt, Angst vor Schmerzen, möglichen Komplikationen oder Problemen beim Sex durch einen überdehnten Beckenboden. Gründe, die medizinisch nicht zwingend waren für einen Kaiserschnitt.

Warum also entscheiden sich trotzdem so viele Frauen dafür?

Laut Berufsverband der Frauenärzte ist ein wichtiger Grund für die Zunahme der Kaiserschnitt-Geburten, dass schwangere Frauen immer älter werden – entsprechend öfter gäbe es Komplikationen wie Übergewicht oder Bluthochdruck. Ein weiterer Grund sei, dass Neugeborene immer größer und schwerer würden, und es mehr Mehrlings- und Frühgeburten gäbe. „Es gibt aber auch Frauen, die sich aus Angst vor Geburtsschmerzen, dem Verlust der sexuellen Erlebnisfähigkeit durch Dehnung des Geburtskanals oder vor Harn- und Stuhlinkontinenz für einen Kaiserschnitt entscheiden“, bestätigt Maria-Elisabeth Lange-Ernst, die Sprecherin des Verbandes. Auch die Angst der Geburtshelfer vor Regressklagen, die bei natürlichen Geburten deutlich häufiger sind, trage zu steigenden Kaiserschnittzahlen bei. So weit die Meinung der Ärzte.

Katharina Helms, 50, ist Hebamme in Hamburg, seit 24 Jahren. Sie hat einen unverstellten Blick in die Wohn- und Schlafzimmer des Landes und die Seelen der Frauen – und dadurch eine Ahnung, warum der Kaiserschnitt so beliebt geworden ist. „Immer mehr, vor allem jüngere Gynäkologen raten zur Schnittgeburt“, sagt sie. Gesellschaftliche Trends spielten eine Rolle: Angst vor Risiken, mangelnde Erfahrung, Kontrollverlust in einer Zeit, in der alles planbar geworden ist. „Manche Frauen trauen sich eine spontane Geburt nicht mehr zu, weil sie ihrem Körper nicht vertrauen.“ Dazu käme der Druck von außen, dem die Frauen ausgesetzt sind: von Ärzten, Partnern, der Familie, Freunden.

Die Hebamme versucht, den Frauen das Vertrauen in sich und ihren Körper zurückzugeben. Wenn eine Frau zu ihr kommt mit dem Wunsch nach einem Kaiserschnitt, der nicht medizinisch notwendig ist, respektiert Katharina Helms das selbstverständlich. Wenn aber Frauen unsicher sind, welcher Weg der richtige wäre, dann sagt sie: Versuch es auf natürlichem Weg, dein Körper schafft das. Denn der Kaiserschnitt ist nicht zwingend die einfachere Geburt. Die Schmerzen sind auch da, sie werden nur von der Geburt auf die Zeit danach verlagert. Und der Beckenboden dehnt sich schon während der Schwangerschaft, die Geburt macht nur 20 Prozent aus.

Katharina Helms fragt auch: Weißt Du eigentlich, was ein Kaiserschnitt für Dich bedeutet? Dass es eine Bauchoperation ist mit Risiken wie Blutungen und Wundinfektionen? Und sie ist immer wieder erstaunt, wie wenig aufgeklärt die Frauen sind.

Eine norwegische Studie kam zu dem Ergebnis, dass der Geburtsverlauf auch von der Einstellung der Geburtshelfer abhängt: Bei Hebammenbetreuung war die Sectiorate deutlich geringer.
Doch was wollen die Frauen selbst eigentlich wirklich? Nur zwei Prozent der Gebärenden wünschen sich tatsächlich einen Kaiserschnitt, ergab eine Studie der Gmünder Ersatzkasse (GEK) unter 1 400 per Kaiserschnitt entbundenen Frauen. Eine Bremer Studie kam zu demselben Ergebnis. Und in einer Befragung der Universität Osnabrück von 366 Erstgebärenden ohne Risiken gaben 3,8 Prozent der Frauen vor der Geburt eine Präferenz für einen Kaiserschnitt an.

Die Gründe für eine Schnittgeburt sind vielfältig, so vielfältig wie die Frauen, die die Kinder bekommen. Da ist Anja Schmidt mit ihrem Sohn Max, die große Angst vor Komplikationen und Kontrollverlust hatte, und ihre Entscheidung nicht bereut. Und da ist Tanja, 38. Ihr Mann wollte kein Kind, sie wurde ungeplant schwanger. Er setzte sie unter Druck, ihre Tochter per Kaiserschnitt holen zu lassen, sonst würden sie keinen Spaß mehr beim Sex haben. Heute ist das Paar getrennt. Tanja leidet noch immer, kein Geburtserlebnis gehabt zu haben. Oder da ist Barbara, 39. Ihr erstes Kind wurde nach 20 Stunden Wehen per Notkaiserschnitt geholt. Danach hatte sie eine Woche hohes Fieber. Bei ihrer zweiten Schwangerschaft stand für sie sofort fest:

Diesmal wird es ein Kaiserschnitt. Bereut hat sie die Entscheidung nicht. Und da ist Juanita, 33, die aus Brasilien stammt, wo ein Kaiserschnitt als Statussymbol gilt. 84 Prozent der Babys kamen dort 2008 durch einen Schnitt in der Bauchdecke zur Welt. Sie wundert sich über den Druck, den die deutschen Frauen sich machen.

Wer sich näher mit dem Thema Kaiserschnitt beschäftigt, gewinnt den Eindruck, dass es auch eine ideologische Debatte ist. Da sind die Hebammen auf der einen Seite, die Gynäkologen auf der anderen und dazwischen die Mütter. Sie lesen in den Medien, wie einfach und problemlos Prominente ihr Baby per Kaiserschnitt bekommen haben. „Weniger Risiken fürs Kind“, nannten 48 Prozent der Frauen in der GEK-Studie als Vorteil der operativen Geburt. 60 Prozent gaben als Grund für die Sectio den Rat ihres Arztes an.

Offenbar halten viele Frauen den Kaiserschnitt heute für die sicherste Form der Entbindung. Dass das nicht stimmt, belegt eine Studie der Weltgesundheitsorganisation, in der mehr als 100 000 Geburten in neun asiatischen Ländern ausgewertet wurden: Das Risiko schwerster Komplikationen für die Mutter ist beim Kaiserschnitt fast dreimal höher als bei einer Vaginalgeburt. Wer sein Kind per Kaiserschnitt zur Welt bringt, braucht öfter Bluttransfusionen, muss öfter auf die Intensivstation verlegt werden. Außerdem bestehen die üblichen Risiken wie bei allen Operationen: Narkose – probleme, Thrombosen, Blutungen und Infektionen. Und bei nachfolgenden Geburten kann die Plazenta in die Gebärmutterwand einwachsen oder die Gebärmutterwandnarbe reißen.

Zwar haben spontan geborene Kinder öfter Knochenbrüche, dafür leiden Babys fast doppelt so häufig unter Atemnot, wenn sie per Kaiserschnitt geholt wurden, fanden Forscher der Universität Genf heraus. Zwei von tausend Kindern sterben bei einer geplanten Sectio – doppelt so viel wie bei natürlichen Geburten. Was allerdings vermutlich nicht am Kaiserschnitt liegt, sondern an bereits vorher existierenden Komplikationen.

Oft entscheiden Ärzte sich heute für den schnellen Schnitt – zum Beispiel bei Steißlagen, engem Becken oder anderen Problemen. Bei Silvia Funke, 33, musste bei der Geburt ihres ersten Sohnes wegen eines Geburtsstillstandes ein Notkaiserschnitt gemacht werden. „Ich war zuerst froh, dass etwas passierte und Felix gesund war“, sagt sie heute. „Danach aber hatte ich starke Wundschmerzen und litt darunter, dass ich mich nicht gleich um mein Kind kümmern konnte. Ich fühlte mich fremdbestimmt, war sehr erschöpft, unselbstständig und auf Hilfe angewiesen.“
Als sie im vergangenen Sommer wieder schwanger wurde, stand für sie fest, dass sie eine spontane Geburt versuchen würde. „Ich wollte möglichst schnell wieder fit sein.“ Ihre Ärztin, die Familie und die Hebamme unterstützten sie. „Als Florian da war, war ich unheimlich stolz, es alleine geschafft zu haben“, sagt Silvia Funke.

Viele Frauen, auch das ergab die GEK-Studie, fühlten sich zwar über den Ablauf der Schnittgeburt sehr gut informiert – nicht aber über deren Folgen. Und die können erheblich sein. „Wenn die medizinische Indikation eindeutig dafür spricht, ist der Kaiserschnitt eine sehr sinnvolle und lebensrettende Option“, sagt Katrin Mikolitch, Ärztin und Gründerin des Kaiserschnitt-Netzwerkes. „Aber: Die Anzahl von Patientinnen, die mit lang anhaltenden Auswirkungen ihres operativen Eingriffs zu mir in die Praxis kommen, spricht dafür, dass es einen großen Therapiebedarf für Körper und Psyche nach dem Kaiserschnitt gibt – vor allem, wenn Frauen sich während der Geburt ausgeliefert fühlten.“ Die Operation selber, unsensible Behandlung durch das Klinikpersonal, Kontrollverlust oder Trennung vom Neugeborenen sind ihrer Erfahrung nach Probleme, die bedacht werden müssen.

Auch viele der 162 Frauen, die an dem Buchprojekt „Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht“ teilnahmen, haben negative Erfahrungen mit der Schnittgeburt gemacht, fühlten sich ausgeliefert und als „Versagerinnen“. 44 Prozent sagten, der operative Eingriff habe die Mutter-Kind-Bindung gestört. Und 42 Prozent gaben an, den Kaiserschnitt als Trauma erlebt zu haben. Jede dritte litt nach der Geburt an Depressionen. Von einer Depression nach einer Vaginal-Geburt sind zwischen zehn und 20 Prozent betroffen.

Von den 159 Geburtshilfe-ExpertInnen, die für das Buchprojekt befragt wurden, waren 96 Prozent der Meinung, dass heute zu viele Kaiserschnitte ohne dringende medizinische Indikation durchgeführt würden. Die Gründe: Angst vor der Geburt, gesellschaftlicher Trend, mangelhafte Aufklärung. 81 Prozent der Frauen glauben, ein Kaiserschnitt habe negative Auswirkungen auf das Kind. Ärzte und Hebammen fordern deshalb eine bessere Aufklärung, um traumatische Folgen nach Kaiserschnitt-Geburten zu vermeiden.

Professor Peter Husslein von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien, vermutet, dass es in Zukunft zwei positive Geburtsformen geben wird: die einfache vaginale Geburt und den vorab geplanten Kaiserschnitt. Husslein: „Langwierige Geburtsverläufe und Akut-Kaiserschnitte dagegen müssen selten werden.“ Die Kaiserschnittrate werde weiter ansteigen, glaubt der Gynäkologe.

Katharina Helms findet das bedenklich. „Es ist der Untergang unserer Kultur“, warnt sie, „wenn Frauen nicht mehr an ihre Gebärfähigkeit glauben und sich lieber den Bauch aufschneiden lassen.“

Das findet auch Manuela Göddertz aus Nordrhein-Westfalen, 35. Für sie stand fest: Sohn Robin (drei Monate) wird natürlich geboren, falls es keine Komplikationen gibt. „Ich hatte viel größere Angst vor einem Kaiserschnitt als vor einer Spontangeburt“, sagt sie. Nach 20 Stunden Wehen hielt sie glücklich ihr vier Kilo schweres Baby im Arm. „Die Erfahrung, dass ich meinem Körper voll und ganz vertrauen kann, dass ich die Geburt durchgestanden habe, zeigt mir: Alles andere schaffe ich auch.“ Doch, da sind sich Hebammen und Ärzte einig, muss es die persönliche Entscheidung der Frau bleiben, wie sie gebärt.

Weiterlesen

Caroline Oblasser/Ulrike Ebner/ Gudrun Wesp: Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht (Edition Rieden).

Körper und Geist – Gründe für einen Kaiserschnitt

Natürlich gibt es dringende, medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt, die eine Operation unvermeidbar machen. Von insgesamt 30 Prozent der Kaiserschnitte in Deutschland sind ungefähr die Hälfte medizinisch notwendig. Wenn dein Kind sich nicht umdreht, quer liegt oder du Mehrlinge erwartest, kannst du schon im Vorfeld mit deinem Arzt einen Kaiserschnitt besprechen und dich darauf vorbereiten.

Zu dieser Vorbereitung zählt auch die Entscheidung für die passende Betäubung. Viele Frauen möchten den Verlauf des Kaiserschnitts bewusst mitbekommen und wählen eine PDA – also eine lokale Betäubung des Unterleibs. Eine weitere Möglichkeit ist eine Vollnarkose, die meistens nur in Notfällen eingesetzt werden muss.

Denn manchmal lässt sich ein operativer Eingriff während einer normalen Geburt nicht vermeiden. Wenn die Geburt zum Stillstand kommt, die Herztöne deines Babys sich verschlechtern oder die Plazenta sich vorzeitig löst und starke Blutungen auftreten, muss ein Kaiserschnitt folgen. In diesen Fällen heißt es: ruhig bleiben und den Ärzten vertrauen. Kaiserschnitte sind in allen Krankenhäusern Routine-Eingriffe und völlig normal.

Der sogenannte Wunschkaiserschnitt tritt immer häufiger auf und hängt oft mit einer seelischen Belastung zusammen. Hattest du zum Beispiel eine schwierige erste Geburt oder einfach nur große Angst vor den Schmerzen, liegt eine Entscheidung für einen Kaiserschnitt nahe.

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Hintergrund

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Mythen und Märchen rund um den Kaiserschnitt

Mein Baby bekommt Atemprobleme

Ein hartnäckiger Mythos besagt, dass die Wehen bei einer normalen Geburt das Fruchtwasser aus der Lunge des Babys „quetschen“ würden. Kinder, die keine Wehen erleben, würden also mehr Atemprobleme entwickeln. De facto ist es aber so, dass Fruchtwasser lediglich in den oberen Atemwegen, also im Rachen- und Nasenraum, hängen kann.Dieses Sekret saugt der Arzt nach der Geburt einfach ab. Fruchtwasser ist nicht in den Lungen, sondern wird vom Baby im Mutterleib getrunken und wieder ausgeschieden. Mit dem ersten Atemzug füllen sich die Lungen mit Luft und bis dahin ist das Kind über die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt. Keine Sorge also: dein Kind bekommt immer genug Luft!

Ich kann keine Bindung zu meinem Baby aufbauen

Fakt ist, dass bei einer normalen Geburt das Hormon Oxytocin ausgeschüttet wird, das für die Mutter- Kind Bindung verantwortlich ist. Doch keine Sorge: Dieses Hormon wird auch noch nach der Geburt durch das sogenannte Bonding, also den engen Hautkontakt zwischen Mutter und Kind ausgeschüttet. Die körperliche Nähe, das Stillen, die Stimme und der Geruch der Mutter bauen ebenso eine natürliche Bindung zum Kind auf und können bereits in den ersten Minuten nach dem Kaiserschnitt nachgeholt werden.

Einmal Kaiserschnitt – immer Kaiserschnitt

Solltest du dich dieses Mal für einen Kaiserschnitt entschieden haben oder ist eine Operation unvermeidbar, heißt das nicht, dass du zukünftig keine spontane Geburt mehr erleben kannst. In nur sehr seltenen Fällen kann deine alte Narbe bei einer erneuten Geburt reißen, aber meistens ist eine normale Geburt nach einem Kaiserschnitt kein Problem!

Fragwürdiger Trend Hollywood macht’s vor: Mütter essen eigene Plazenta Was im Tierreich so üblich ist, hat sich nun weltweit bei Frauen als neuer Trend entpuppt: Sie verspeisen nach der Geburt die Plazenta. Darunter sind auch namhafte Promis wie Kim Kardashian oder Alicia Silverstone. Eine gesunde oder doch eher fragwürdige Idee?

Quälende Ängste und ernsthafte Sorgen

Die Entscheidungsphase – Kaiserschnitt pro oder contra

Die Angst vor einer normalen Geburt und Schmerzen, ist auf jeden Fall ernst zu nehmen und sollte nicht heruntergespielt werden. Viele Mütter, die es bereits hinter sich haben, brüsten sich gerne mit ihren Geschichten und haben eine diebische Freude daran, dir furchtbare Storys zu erzählen. Lass dich dadurch nicht verunsichern.Sprich am besten mit deinem Arzt oder deiner Hebamme über deine Angst und deine Überlegung, einen Kaiserschnitt vornehmen zu lassen. In den meisten Fällen können dir Ärzte und Hebammen, sowie Akupunktur und ein Geburtsvorbereitungskurs helfen, Vertrauen zu deinem Körper aufzubauen. Denn ein Kaiserschnitt ist immer noch eine Operation mit anschließenden Wundschmerzen, die wohl überlegt sein sollte. Also teile dich mit, lass dich ausführlich beraten und entscheide erst dann.

Die Zeit nach der Geburt – mit dem Kaiserschnitt umgehen lernen

Gerade Frauen, die nicht auf einen Kaiserschnitt vorbereitet waren oder die keine Entscheidungsfreiheit hatten, quält ein schlechtes Gefühl nach der Geburt. Sie haben es „nicht geschafft“. Das sind ernst zu nehmende Sorgen, die du auf jeden Fall mit einem Arzt besprechen solltest. Gerade die Hormonumstellung nach der Geburt macht es oft schwer, rational mit solchen Gedanken umzugehen. Nicht selten haben Frauen dann mit einer Wochenbettdepression zu kämpfen. Sollte es dir so gehen, fass Mut und schaff deine Sorgen und Ängste aus dem Weg, damit du die erste, sehr besondere Zeit mit deinem Baby so richtig genießen kannst!

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Wunschkaiserschnitt: ja oder nein?

In Deutschland werden etwa 30 Prozent aller Babys per Kaiserschnitt auf die Welt geholt, wobei die Gründe für diese operative Geburt sehr unterschiedlich sind. Generell wird unterschieden zwischen geplanten und ungeplanten Kaiserschnitten. Von ungeplanten Eingriffen spricht man dann, wenn es während der Geburt notwendig wird, das Kind operativ, zum Beispiel per Notkaiserschnitt, zu entbinden. Die Entscheidung für geplante Sectios fällt bereits vor dem Geburtsbeginn. In diesen Bereich fällt auch der Wunschkaiserschnitt.

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Gründe für einen Wunschkaiserschnitt

Bei einem Wunschkaiserschnitt entscheidet die Schwangere sich bewusst für eine operative Geburt, ohne dass diese medizinisch unbedingt notwendig ist. Viele Frauen fühlen sich mit dem Finale ihrer Schwangerschaft überfordert. Schmerzen, mögliche Komplikationen, die Gesundheit des Kindes – all das ist unabwägbar. Der Kaiserschnitt hingegen scheint sicher und durch die medizinische Technik kaum riskant zu sein. Die Gründe für die Entscheidung zur Schnittentbindung können somit sehr verschieden und sowohl körperlicher als auch psychischer Natur sein.

  • Sorge um Schädigung des Kindes während der Geburt
  • Weniger Geburtsschmerz
  • Angst vor Geburtsverletzungen
  • Mehrere vorangegangene Kaiserschnitte
  • Angst vor den körperlichen Folgen einer vaginalen Geburt, z.B. Inkontinenz
  • Traumatische Geburtserfahrungen
  • Bessere Planbarkeit

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Trend zum Wunschkaiserschnitt?

Genaue Angaben darüber, wie viele der jährlich durchgeführten Kaiserschnitte Wunschsectios sind, gibt es nicht. Für den behandelnden Arzt ist der Wunsch einer Patientin, ihr Kind per Kaiserschnitt zu entbinden, jedoch meist unproblematisch. In vielen Kliniken werden Kaiserschnitte sogar der vaginalen Geburt vorgezogen, da eine solche operative Geburt schneller und unkomplizierter abgewickelt werden kann und die Krankenkassen für Schnittentbindungen mehr an die Klinik zahlen, als für eine natürliche Geburt. Trotzdem sind reine Wunschkaiserschnitte offiziell eher selten, da die Krankenkassen lediglich die Kosten für medizinisch notwendige Eingriffe übernehmen. Daher ist es keine Seltenheit, dass diese Notwendigkeit vom Arzt bestätigt wird, obwohl sie eigentlich gar nicht zwingend besteht.
Anzunehmen, dass der Großteil der Frauen sich bewusst für einen Kaiserschnitt ohne medizinische Notwendigkeit entscheidet, wäre jedoch falsch. Der Kaiserschnitt ist nach wie vor ein ernst zu nehmender operativer Eingriff, der stets auch von Risiken begleitet wird, über die Du Dich im Vorfeld unbedingt umfassend informieren solltest.

Was spricht gegen einen Wunschkaiserschnitt?

Neben den bestehenden Operationsrisiken gibt es auch noch andere Gründe dafür, dass Du Dir gut überlegen solltest, ob Du Dein Kind wirklich per Kaiserschnitt entbinden möchtest.

Denn durch einen Kaiserschnitt wird das Geburtserlebnis vollkommen verändert. Statt wie bei der vaginalen Geburt den aktiven Part zu übernehmen, bleibst Du beim Kaiserschnitt passiv und die Ärzte und Geburtshelfer übernehmen die „Arbeit“. Es gibt nicht wenige Mütter, die diese Passivität während der Geburt später psychisch belastet. Auch besteht bei einer geplanten Schnittentbindung weniger Spontaneität, was den Zeitpunkt der Geburt angeht. Die letzten Wochen der Schwangerschaft sind daher nicht von der freudigen Ungewissheit begleitet, wann das Ungeborene sich entscheidet, zur Welt zu kommen.

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Kaiserschnitt keine leichte Entscheidung

Es ist wichtig zu beachten, dass die Entscheidung für einen Kaiserschnitt nicht leichtfertig getroffen werden sollte. Ist der Eingriff medizinisch nicht notwendig, solltest Du Dir überlegen, aus welchen Gründen Du einen Wunschkaiserschnitt haben möchtest. Hast Du nur furchtbare Geburtsberichte gehört, die die Geburt als einen Höllentrip darstellen? Versuche, mit einer Hebamme Deines Vertrauens über Deine Ängste zu sprechen, höre Dir auch positive Geburtsberichte an und vertraue vor allem Dir selbst. So wirst Du sicher die für Dich richtige Entscheidung treffen.

Der Trend zum Kaiserschnitt und seine Folgen fürs Kind

“Ein wichtiger Grund für die Zunahme der Kaiserschnitte liegt in der Tatsache, dass das Risiko der Schnittentbindung für die Mutter in den letzten Jahren erfreulich abgenommen hat”, sagt Professor Sibylle Koletzko, Haunersche Kinderklinik der Universität München. Früher galt der Kaiserschnitt als großer Eingriff mit gefürchteten Risiken für Blutungen, Infektionen und Thrombosen. Mittlerweile hat jedoch der operative Eingriff seinen Schrecken verloren. “Dennoch liegt die mütterliche Sterblichkeit beim Kaiserschnitt immer noch deutlich höher, als bei der natürlichen Geburt”, betont Professor Koletzko.

Eine große Rolle beim wachsenden Trend zum Kaiserschnitt (medizinisch: Sectio caesarea) spielt das Alter der Mütter beim Kinderkriegen: Immer mehr Frauen bekommen ihr erstes und vielleicht einziges Kind im Alter von über 35 Jahren. Sie haben deshalb den verständlichen Wunsch, bei dieser Geburt “auf Nummer sicher” zu gehen. In China, wo Eltern nur ein einziges Kind haben dürfen, kommt beinahe jedes zweite Kind per Kaiserschnitt zur Welt.

Während sich Geburtshelfer früher nur dann für einen Kaiserschnitt entschlossen, wenn die Gefahren für Mutter oder Kind durch die natürliche Geburt größer waren als die Risiken eines Kaiserschnitts, werden sie heute oft auch auf Wunsch der Schwangeren tätig. In der latein- und südamerikanischen Oberschicht gehört schon lange zum guten Ton, per Kaiserschnitt zu entbinden: In Brasilien liegt die Sectio-Rate bei 46 Prozent, in wohlhabenden Vierteln sogar bei 75 Prozent.

Angst vor Wehen

Auch in der nördlichen Hemisphäre entscheiden sich nicht nur Stars wie Claudia Schiffer und Verona Feldbusch, Victoria Beckham oder Madonna gegen die natürliche Entbindung: Der Gedanke, stundenlange Wehenschmerzen auf sich zu nehmen, erscheint auch vielen anderen Frauen als abwegig. Dabei gibt es heute gute Möglichkeiten, die Wehenschmerzen sehr wirksam zu lindern.

Andere Schwangere möchten ihre Beckenmuskeln nicht den Strapazen einer Geburt aussetzen. Sie fürchten die möglichen Komplikationen einer normalen Entbindung: Die vaginale Geburt kann bei einigen Frauen zu einer Schädigung des Beckenbodens mit belastenden Langzeitfolgen führen.

Eine geplante Schnittentbindung hat überdies für Geburtshelfer und Entbindungsklinik Vorteile: Die Geburt kann zu einem festgelegten Termin stattfinden, niemand muss mitten in der Nacht oder am Wochenende in den Kreißsaal gerufen werden. Für die Krankenkassen aber wird es teurer: Für die operative Entbindung zahlen die Kassen an die Klinik etwa doppelt so viel wie für eine natürliche Geburt.

Fehlende Reize, falsche Keime

Was teurer ist, muss aber nicht auch besser sein, warnt die Stiftung Kindergesundheit. Im Gegenteil, bei einer Schnittentbindung fehlen wichtige natürliche Reize für den Organismus des Babys, was nicht nur in den ersten Lebenswochen zu zahlreichen Gesundheitsproblemen führen kann, sondern auch Risiken fürs spätere Leben mit sich bringt. Die Stiftung Gesundheit nennt dazu Erkenntnisse aus den letzten Jahren:

Der Darm des Babys ist im Mutterleib noch frei von Keimen, er ist steril. Erst bei der Geburt kommt er mit den Keimen der Umwelt in Berührung. Bereits während das Baby den Geburtskanal passiert, werden seine Haut, Nägel und Haare mit nützlichen Mikroben der Darm- und Vaginalflora und der Haut seiner Mutter besiedelt. Die Besiedlung mit diesen Mikroben – darunter Escherichia coli, Enterokokken und Laktobazillen – spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Immunsystems. Die sich nach der Geburt und während der Stillzeit entwickelnde individuelle Zusammensetzung der kindlichen Darmflora bleibt lange relativ stabil.

Soweit die Situation beim spontanen, natürlichen Geburtsverlauf. Bei einem Kaiserschnitt ist das Baby dagegen zu allererst den Hautkeimen des OP-Personals und der Mutter ausgesetzt. Das Bakterien-Spektrum der dadurch entstehenden Darmflora unterscheidet sich deshalb deutlich von dem eines vaginal entbundenen Babys. Die Vielfältigkeit der Darmflora ist deutlich geringer im Vergleich zur natürlichen Geburt. Bestimmte, normalerweise das Baby besiedelnde Bakterien wie Bacteroides- und Bifidobakterien sind deutlich vermindert oder fehlen ganz.

Die möglichen Folgen der Fehlbesiedlung nach Kaiserschnittentbindung im Vergleich zur Vaginalgeburt wurden beispielhaft in der großen GINI-Studie untersucht, die am Studienzentrum an der Universität München von Professor Dr. Sibylle Koletzko geleitet wird. Dabei wurden die Daten von 865 gesunden Babys, die nach der Geburt mindestens 4 Monate voll gestillt wurden analysiert und die Entwicklung der Kinder ein Jahr lang verfolgt.
Beim Vergleich der vaginal geborenen Kinder mit den Kaiserschnitt-Kindern stießen die Wissenschaftler auf überraschend deutliche Unterschiede:

  • Die mit Kaiserschnitt entbundenen Babys hatten im ersten Lebensjahr ein um 46 Prozent erhöhtes Risiko für Durchfallerkrankungen.
  • Ihr Risiko für die Entstehung einer Sensibilisierung gegen Lebensmittel war sogar mehr als doppelt so hoch als nach einer normalen vaginalen Geburt.

Kaiserschnitt-Babys haben außerdem nach ihrer Geburt zwei- bis siebenmal häufiger Atemschwierigkeiten als normal geborene Kinder und müssen deshalb doppelt so häufig auf die Neugeborenenstation verlegt werden.

Geburtsstress – ein sinnvoller Vorgang

Auf dem Weg durch den Geburtskanal wird der Körper des Babys einem immensen Druck ausgesetzt und intensiv massiert. Dieser “Geburtsstress” schadet dem Kind nicht, sondern hat im Gegenteil positive Folgen: Die Lungenflüssigkeit wird wie aus einem Schwamm ausgedrückt, und es werden Hormone und Nervenbotenstoffe ausgeschüttet, welche die Reifung der Organe beschleunigen.

Auf welche Weise ein kleiner Mensch zur Welt kommt, kann sein späteres Wohl und Wehe maßgeblich beeinflussen, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit:

  • Zum Zusammenhang der Kaiserschnittgeburt mit Asthma liegen Ergebnisse aus 23 Studien vor. Danach haben Kaiserschnittbabys ein um etwa 20 Prozent erhöhtes Risiko für Asthma im Kindesalter.
  • Eine Auswertung von 20 Studien in einer sog. Metaanalyse ergab für Sectio-Babys ein um 23 Prozent höheres Risiko, später an Diabetes zu erkranken.
  • Nach einer aktuellen Studie von Professor Annette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung am Helmholtz-Zentrum München ist das Risiko für Kinder zuckerkranker Eltern mit 4,8 Prozent sogar doppelt so hoch, nach einem Kaiserschnitt bis zum 12. Jahr ebenfalls an Diabetes zu erkranken, als nach einer natürlichen Geburt (2,2 Prozent).
  • In Boston verfolgten Geburtshelfer und Kinderärzte die Entwicklung von 1 255 Kindern nach der Geburt. Sie stellten fest, dass der Anteil der übergewichtigen Kinder unter den 284 Kaiserschnitt-Babys im Vorschulalter doppelt so hoch war wie in der Gruppe der Babys nach einer natürlichen Entbindung. Das gleiche Ergebnis erbrachte eine brasilianische Studie mit 2057 Kindern, deren Entwicklung bis zu 25 Jahren verfolgt wurde.

Die Stiftung Kindergesundheit stellt fest: Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass die natürliche Geburt einen wichtigen Teil der frühen Programmierung darstellt, dessen positive Effekte die Gesundheit noch viele Jahre später grundlegend beeinflussen können. Ein Kaiserschnitt sollte deshalb nur bei medizinischer Notwendigkeit für die Gesundheit der Mutter oder des Babys vorgenommen werden. Das ist nach einer Schätzung der WHO aber nur bei circa 15 Prozent der Geburten tatsächlich der Fall, also bei weniger als der Hälfte der derzeit in Deutschland beobachteten Zahl.

Wann ist ein Kaiserschnitt wirklich notwendig?

Bei folgenden Situationen kann eine absolute Notwendigkeit für den operativen Eingriff bestehen:

  • Bei Quer- oder Schräglage des Babys;
  • bei einem Missverhältnis zwischen Kopf des Babys und dem Becken der Mutter, zum Beispiel bei einem geschätzten Gewicht des Kindes über 4000 Gramm;
  • wenn die Plazenta (Mutterkuchen) vor dem Muttermund zu liegen kommt;
  • bei vorzeitiger Plazentalösung;
  • bei bestimmten Erkrankungen der Mutter, wie z. B. eine Präeklampsie, HIV-Infektion oder Infektion mit Hepatitis B.

Eine relative Notwendigkeit kann in folgenden Fällen vorliegen:

  • Bei Zwillingen oder höhergradigen Mehrlingen;
  • bei einer so genannten Beckenendlage (Steißlage) bei einer erstgebärenden Mutter;
  • beim Alter der Mutter etwa ab 40 Jahren;
  • bei untergewichtigen Kindern oder Frühgeburten.

Studie: Kaiserschnitt-Langzeitfolgen für Mutter und Kind

Weltweit steigen die Kaiserschnittraten an. In Westeuropa wurden 2016 durchschnittlich 24,5 Prozent der Babys mittels Kaiserschnitt entbunden, in Nordamerika 32 Prozent und in Südamerika 41 Prozent. In Österreich lag die Kaiserschnittrate 2016 laut Statistik Austria bei rund 30 Prozent (15,3 Prozent primärer Kaiserschnitt und 14,2 Prozent sekundärer Kaiserschnitt).

Frauen auch über mögliche langfristige Folgen aufklären

In der Einleitung der Studie stellen die Autorinnen klar, dass ein Kaiserschnitt bei Komplikationen notwendig ist, um das Sterblichkeitsrisiko für Mutter und Kind zu senken. Jedoch würden heute immer mehr Babys mittels Kaiserschnitt auf die Welt gebracht, ohne dass eine medizinische Indikation besteht.

Heute könnten die Risiken kurzfristiger Komplikationen einer Kaiserschnitt-Operation, wie Narbeninfektionen oder Entzündungen, dank der modernen Medizin minimiert werden. So gilt heute ein Kaiserschnitt in westlichen Länder als genauso sicher wie eine normale Geburt. Mögliche langfristige Folgen einer Kaiserschnittgeburt für die Mutter, für das Baby und für eine spätere Schwangerschaft werden jedoch meist weniger oft mit den Frauen besprochen.

Ziel des Forscherteams war, die verfügbare Evidenz der langfristigen Folgen von Kaiserschnittgeburten im Vergleich mit normalen Geburten zusammenzufassen. Verglichen wurde,

  • wie sich die beiden Geburtsarten auf Organe des Beckenbodens der Mutter auswirken,
  • ob Zusammenhänge mit einem späteren Auftreten von Asthma beim Kind bestehen und
  • ob es Zusammenhänge mit Totgeburten bei späteren Schwangerschaften gibt.

Das Forscherteam führte eine systematische Suche in vier wissenschaftlichen Datenbanken durch und wählte 80 Studien aus, die den definierten Qualitätsanforderungen entsprachen.

Die Ergebnisse der Übersichtsstudie

Die Auswertung der Daten von insgesamt knapp drei Millionen Teilnehmerinnen ergab folgende Ergebnisse:

  • Bei einer Kaiserschnittgeburt ist bei einer späteren Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen – Plazenta praevia, Ruptur (Riss) des Uterus oder Totgeburt – statistisch größer als bei einer normalen Geburt.
  • Nach einer Kaiserschnittgeburt ist die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Harninkontinenz, eines Gebärmuttervorfalls oder eines Scheidenvorfalls geringer als bei einer normalen Geburt.
  • Bei Kindern, die mittels Kaiserschnitt auf die Welt gebracht wurden, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie bis zum Alter von zwölf Jahren Asthma und bis zum Alter von fünf Jahren starkes Übergewicht entwickeln.

Die Forscherinnen betonen, dass es zwischen den herangezogenen 80 Studien – 79 Kohortenstudien und eine randomisiert-kontrollierte Studie (RCT) – große Unterschiede gab. Deshalb könne Kausalität nicht klar abgeleitet werden, und die Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert werden.

Laut Medizin-Transparent könnte ein ursächlicher Zusammenhang zwischen dem Kaiserschnitt und späteren gesundheitlichen Problemen nur durch RCTs nachgewiesen werden. Bei dieser Methode wird etwa die Hälfte der Testpersonen zufällig per Los auf eine Behandlungsmethode festgelegt, die andere Hälfte erhält keine Behandlung oder ein Plazebo. Beim Thema Kaiserschnitt wäre jedoch ein strenges Vorgehen nach dieser Methode, das zudem alle relevanten Folgen untersucht, sehr aufwändig und unter Umständen unethisch.

Weitere Informationen:

  • Übersichtsstudie Long-term risks and benefits associated with cesarean delivery for mother, baby, and subsequent pregnancies: Systematic review and meta-analysis (PLOS Medicine)
  • Kaiserschnitt: Prägend für die Gesundheit? (Medizin-Transparent)
  • Kaiserschnittentbindung
  • Schwangerschaft

zuletzt aktualisiert 29.01.2018
Freigegeben durch Redaktion Gesundheitsportal
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Die Kaiserschnittrate nimmt weltweit nach wie vor zu. In Westeuropa wurden 2016 rund 25 Prozent aller Kinder mittels Sectio geboren, in Nordamerika 32 Prozent, in Südamerika 41 Prozent. Österreich liegt nach früheren Anstiegen seit einigen Jahren im Mittelfeld – etwa jede dritte Geburt erfolgt mittels Sectio (siehe Grafik unten).

Viele der Eingriffe seien medizinisch unbegründet, ihre Zunahme hänge auch damit zusammen, dass Frauen über die Vor- und Nachteile nicht ausreichend aufgeklärt seien. Zu diesem Schluss kommen die Autoren einer aktuellen Übersichtsstudie des Spitals Royal Infirmary of Edinburgh, erschienen im Fachblatt Plos Medicine, bei der die Vor- und Nachteile des Kaiserschnitts anhand von Daten von fast 30 Millionen Frauen ausgewertet wurden.

Die unmittelbaren, in der westlichen Welt minimalen Risiken einer Sectio wie Infektionen oder eine Thrombose seien Frauen meist bekannt. Langzeitfolgen würden hingegen mit den Frauen in der Geburtsvorbereitung weniger häufig besprochen. So erhöht sich etwa bei weiteren Schwangerschaften das Risiko für eine Fehl- oder Totgeburt leicht, auch die Gefahr von Problemen rund um die Plazenta, etwa eine Fehllage, Haftungsstörungen oder die vorzeitige Ablösung, steigt. Je mehr Kaiserschnitte bereits vorgenommen wurden, desto höher das Risiko.

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