Ausschlag am bauch BEI kindern

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Plötzlicher Ausschlag bei Kindern: Welche Krankheit steckt dahinter?

Häufiger Grund für Ausschlag bei Kindern: Infektbedingte Nesselsucht

Auch wenn Ihr Kind keine spezielle Kinderkrankheit hat, kann es im Rahmen einer Infektion unter einem sehr lästigen juckenden Hautausschlag leiden: Unter einer infektbedingten akuten Nesselsucht (Urticaria).

Dabei treten am ganzen Körper juckende, meist auch gerötete Quaddeln auf. Ihr Kind sieht aus, als wäre es in die Brennnesseln gefallen – und genauso juckt es auch! Die Quaddeln können klein sein oder auch zu größeren Placken zusammenfließen. Der Ausschlag kann von Tag zu Tag anders aussehen, weil die Quaddeln wieder abklingen und an anderer Stelle neu auftreten. Eine Nesselsucht kann durch ganz unterschiedliche Faktoren hervorgerufen werden (unter anderem durch Allergien, Kälte, Wärme, Druck), die akute, durch einen Infekt ausgelöste Nesselsucht ist bei Kindern jedoch mit Abstand die häufigste Form. Sie tritt plötzlich im Rahmen von ganz unterschiedlichen Infektionen wie z. B. grippalen Infekten, Mittelohr- oder Rachenentzündungen auf und verschwindet mit Ausheilen des Infekts innerhalb von sieben bis 14 Tagen von selbst wieder.

Vorbeugend können Sie nichts tun. Ein einmaliger Schub einer akuten Nesselsucht kommt bei 15 bis 20 Prozent aller Kinder bis zum 18. Lebensjahr vor. Meist bleibt es bei einer einmaligen Episode. Eine spezielle Suche nach dem Auslöser ist bei dieser Form der Nesselsucht weder erforderlich noch erfolgversprechend. Sollte die Nesselsucht länger als sechs Wochen anhalten, spricht man von einer chronischen Nesselsucht; dann ist die Suche nach der Ursache (z. B. Allergiediagnostik, Suche nach chronischen Infektionen) angebracht.

Als homöopathische Mittel sind häufig Urtica urens oder Apis passend. Sollten diese Mittel den Juckreiz nicht ausreichend stillen, können Sie sich vom Kinderarzt ein so genanntes Antihistaminikum verordnen lassen. Plagt der Juckreiz Ihr Kind vor allem nachts, wird oft das altbewährte Fenistil® verschrieben, das auch müde macht. Ansonsten sind neuere Präparate, die nur selten müde machen, besser geeignet, z. B. Cetirizin (geeignet für Kinder ab einem Jahr, gibt es von verschiedenen Herstellern).

Bei Nesselsucht verstärkt sich der Juckreiz, und es kommen oft neue Quaddeln, wenn die Haut gereizt wird. Daher nach dem Duschen die Haut nur trocken tupfen und keinesfalls rubbeln! Sofern es nicht unbedingt nötig ist, auch besser aufs Eincremen verzichten oder zumindest eine sehr dünnflüssige Lotion nehmen, die sich ohne Druck ganz leicht verteilen lässt.

Diagnosetabelle Ausschlag: So erkennen Sie, was Ihrem Kind fehlt!

Unsere Diagnosetabelle hilft Ihnen, plötzlich aufgetretene Hautveränderungen und Ausschlag Ihres Kindes leichter einzuordnen. Prinzipiell gilt: Wenn Sie sich unsicher sind, der Zustand Ihres Kindes sich verschlechtert und/oder der Ausschlag länger als ein bis zwei Tage anhält, sollten Sie mit Ihrem Kind auf jeden Fall zum Kinderarzt gehen. Das gilt auch, wenn Ihr Kind länger als ein bis zwei Tage fiebertoder über 39 °C Temperatur hat. Ein fieberndes Baby sollten Sie sogar noch am selben Tag untersuchen lassen. Lassen Sie Ihr Kind in jedem Fall vom Arzt untersuchen, denn nur er kann eine korrekte Diagnose stellen!

Aussehen des
Ausschlages
Weitere
Symptome
Wahrscheinliche
Ursache
Erforderliche
Maßnahme
Mit Fieber

Ausschlag großfleckig, teilweise zusammenfließend, also flächig

beginnt hinter den Ohren, dann Ausbreitung auf Körper, Arme und Beine

bildet sich in dieser Reihenfolge auch wieder zurück

zweigipfliger Verlauf: 3 Tage Fieber, Bindehautentzündung mit Lichtscheu und häufig Erkältungssymptome, dann 1 bis 2 Tage Besserung, danach erneuter Fieberanstieg und Auftreten des Ausschlags

Masern spätestens am nächsten Tag zum Kinderarzt (bzw. um Hausbesuch bitten)

kleinfleckiger Hautausschlag, vor allem am Rumpf

Ausschlag oft nur schwach zu sehen, hält maximal 2 Tage an

hohes Fieber über 3 Tage, dann Abfall des Fiebers und Auftreten des Hautausschlags

Dreitagefieber am nächsten Tag zum Kinderarzt

Beginn im Gesicht mit Rötung der Wangen (als hätte Kind gerade eine Ohrfeige bekommen)

bis münzgroße, ringförmige, teils landkartenartige Flecken, besonders an den Armen, aber auch an den Beinen

leichtes Fieber, Kind wenig beeinträchtigt, Gelenkschmerzen möglich (häufig bei Erkrankung von Erwachsenen, also wenn sich Mutter und/oder Vater anstecken!)

Ringelröteln am nächsten Werktag zum Kinderarzt

stecknadelkopfgroße Bläschen, die rasch aufplatzen

im Bereich von Mund und Lippen, an Handflächen und Fußsohlen

leichtes Fieber, Bläschen im Bereich der Mundschleimhaut, eventuell auch Hals- und Bauchschmerzen sowie Erbrechen

Hand-Mund-Fuß-Krankheit am nächsten werktag zum Kinderarzt

stecknadelkopfgroße einzelne Flecken, teils leicht erhaben, also tastbar, oft nur schwach gerötet

Ausschlag beginnt hinter den Ohren und breitet sich dann über den Körper aus

Lymphknotenschwellung am Hinterkopf und im Nacken, leichtes Fieber, Kind wenig beeinträchtigt

Röteln am nächsten Werktag zum Kinderarzt
sich schnell ausbreitende, meist kräftig gerötete Flecken am ganzen Körper

Halsschmerzen, weißlich belegte Mandeln, Lymphknotenschwellung am ganzen Körper (Hals, Achseln, Leisten), Fieber kann hoch sein oder nur mäßig ausgeprägt

Pfeiffersches Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose )

möglichst noch am selben Tag zum Kinderarzt, da auch eine Scharlacherkrankung vorliegen könnte

deutlich geröteter, kleinfleckiger, sandpapierartiger Ausschlag

Flecken können ineinander übergehen, sodass flächige Rötung entstehen kann

typischer „Milchbart“: blasses Dreieck um den Mund

Ausschlag beginnt im Bereich von Hals, Schultern und Leisten und breitet sich auf dem gesamten Körper aus

Halsschmerzen, gerötete Mandeln mit Eiterstippchen, Lymphknotenschwellung seitlich am Hals, Fieber, Himbeerzunge

Scharlach am selben Tag zum Kinderarzt

anfangs etwa stecknadelkopfgroße gerötete Flecken, auf denen sich Bläschen und Pusteln entwickeln, die unter Krustenbildung abheilen

typischerweise sind alle Stadien von Flecken über Bläschen bis Krusten gleichzeitig zu finden

am gesamten Körper, auch behaarter Kopf und Mundschleimhaut sind befallen

Juckreiz, nur mäßiges Fieber Windpocken am nächsten Werktag zum Kinderarzt
Mit Juckreiz und in der Regel ohne Fieber

trockene, gerötete, schuppende, eventuell auch nässende Hautstellen unterschiedlicher Größe, Kratzspuren

am ganzen Körper möglich

Juckreiz schwankend, häufig, nachts besonders ausgeprägt

Fieber bei zusätzlicher bakterieller Infektion (Superinfektion) möglich

Neurodermitis (atopisches Ekzem )

am nächsten Werktag zum Arzt, sofern Erkrankung nicht schon bekannt ist

bei deutlicher Zunahme der Ekzeme ist immer ein Arztbesuch ratsam

gerötete oder weißliche, deutlich tastbare Quaddeln (wie nach Kontakt mit Brennnesseln)linsengroß und größer, teils flächig ineinanderlaufend

am gesamten Körper möglich

starker Juckreiz, Fieber möglich Nesselsucht

sofort Notarzt rufen, wenn gleichzeitig andere allergische Symptome wie Atemnot, Kreislaufschwäche, Erbrechen oder Schwellung von Körperteilen (Lippe, Bereich um die Augen!) auftreten

ansonsten Arztbesuch spätestens am nächsten Tag

unterschiedliche Formen möglich: von flächigen Rötungen, die auf bestimmte Areale begrenzt sind, über Flecken am ganzen Körper bis hin zur Nesselsucht (siehe oben) allergischer Ausschlag, z. B, auf Nahrungsmittel oder Medikamente

sofort Notarzt rufen, wenn gleichzeitig andere allergische Symptome wie Atemnot, Kreislaufschwäche, Erbrechen oder Schwellung von Körperteilen (Lippe, Bereich um die Augen!) auftreten

ansonsten Arztbesuch spätestens am nächsten Tag

mit Eiterpusteln

anfangs Blasen und Eiterpusteln auf geröteter Haut

später honiggelbe Krusten

häufig im Gesicht und an den Händen

oft keine weiteren Beschwerden, bei schwerem Befall erhöte Temperatur bzw. Fieber möglich Eiterflechte

Kratzen unbedingt vermeiden

Kinderarztbesuch am selben oder spätestens am nächsten Tag

Windpocken – Achtung ansteckend!

Windpocken-Viren werden sehr leicht übertragen – fast jeder Kontakt führt zu einer Ansteckung

Hauthelfer / Juckende Haut / Windpocken

Windpocken (Varizellen) sind eine hochansteckende Infektionskrankheit. Am häufigsten kommt sie bei Kindern vor. Deshalb werden Windpocken, genau wie Masern oder Röteln, zu den typischen Kinderkrankheiten gezählt. Die meisten Kinder haben bis zum 14. Lebensjahr unter einer Windpockenerkrankung gelitten.1 Das Gute daran: Wer einmal an Windpocken erkrankt ist, der ist für den Rest seines Lebens gegen diese Krankheit immun.

Im Erwachsenenalter kann es bei einer Ansteckung mit Windpocken zu Komplikationen kommen, während die Krankheit bei Kindern meist harmlos verläuft. Besonders gefährlich sind Windpocken in der Schwangerschaft. Wenn allerdings der Ausbruch der Krankheit in der Kindheit nur sehr leicht war oder sehr früh stattfand, kann man sich wiederholt mit Windpocken anstecken.2

Seit 2004 gibt es eine Empfehlung der ständigen Impfkommission (STIKO) für die Impfung gegen Windpocken bei Kindern und Jugendlichen (Varizellen-Impfung).

Hohe Ansteckungsgefahr bei Windpocken

Windpocken-Erreger sind die Varizella-Zoster-Viren. Sie zählen zu den Herpes-Viren und sind hochansteckend. Die Erreger werden durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Ausatmen, Niesen oder Husten – bei einer Tröpfcheninfektion gelangen die Erreger in die Luft und können so andere Menschen befallen.

Bei der Schmierinfektion ist eine Berührung des Bläscheninhalts der Auslöser für eine Ansteckung mit Windpocken. Im Durchschnitt dauert es 14-16 Tage von der Zeit der Ansteckung bis zum Ausbruch der Windpocken. Diese Zeitspanne nennt man auch Inkubationszeit. Schon vor Auftreten des Hautausschlags sind Windpocken auf andere Menschen übertragbar.
Die Ansteckungsgefahr bei Windpocken hält so lange an, bis die Bläschen vollständig abgeheilt sind.

Krankheitsverlauf Windpocken

In der Regel verlaufen Windpocken unproblematisch. Die Krankheit dauert etwa 3-5 Tage und heilt dann ohne Komplikationen aus. Bei unkomplizierten Windpocken werden lediglich die Symptome therapiert, die Virusinfektion an sich wird nicht bekämpft. Treten Komplikationen auf, muss eine antivirale Therapie erfolgen.

Wissenswert:

Neugeborene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem gehören zur Risikogruppe für einen komplizierten Krankheitsverlauf bei Windpocken. Nach Ausheilung der Windpocken verbleiben die Erreger, die Varizella-Zoster-Viren, in einer Art Ruhestellung im Körper. Zu einem späteren Zeitpunkt können diese Viren wieder aktiv werden. Diese lösen dann allerdings keine Windpocken aus, sondern die sogenannte Gürtelrose (Herpes Zoster).

Symptome von Windpocken

Am Anfang verlaufen Windpocken relativ unspezifisch. Die typischen Windpocken-Symptome wie rote Flecken, Bläschen, Krusten, Juckreiz und meist nur kurzes Fieber setzen erst nach ca. zwei Tagen ein:

  1. bis 2. Tag:

    In den ersten beiden Tagen treten meist nur Fieber und Abgeschlagenheit auf.

  2. bis 5. Tag:

    Der rote, stark juckende Hautausschlag, der charakteristisch für Windpocken ist, entwickelt sich ab dem dritten bis fünften Krankheitstag. Symptome sind kleine, rote Flecken, die sich in Schüben auf dem Körper verbreiten und sich innerhalb kurzer Zeit zu Bläschen entwickeln. Diese sind mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt. Diese Flüssigkeit ist hochansteckend und kann bei einer Schmierinfektion übertragen werden. Die Bläschen jucken stark, platzen auf und verkrusten nach ein bis zwei Tagen.

Weiterer Krankheitsverlauf:

Da sich immer wieder neue Papeln bilden können, befinden sich am ganzen Körper Flecken und Blasen – Hauterscheinungen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien, die man umgangssprachlich auch „Sternenhimmel“ nennt. Der überwiegende Teil der Bläschen bildet sich am Bauch, Rücken und im Gesicht. Es passiert nur selten, aber die Symptome der Windpocken können sich auch an den Schleimhäuten, Mund, Nase, Genitalien und After zeigen.

Juckreiz, Bläschen, Krusten: typische Windpocken-Symptome

Bei Windpocken tritt die Anzahl der Bläschen am Körper des Patienten ganz unterschiedlich auf. Kinder haben weniger Bläschen als Erwachsene. Durchschnittlich liegt die Anzahl der Bläschen bei 250-500. Weitere Windpocken-Symptome können auch noch als Fieber-, Kopf- und Gliederschmerzen und als ein allgemeines Müdigkeitsgefühl auftreten – Symptome, die sich auch schon vor Ausbruch des Hautausschlags bemerkbar machen können.

Achtung Narbenbildung

An die typischen Windpocken-Symptomen wie Ausschlag und Bläschen können im späteren Leben Narben erinnern. Denn wenn die Patienten die juckenden Bläschen aufkratzen, können Bakterien eindringen. Die Bläschen entzünden sich, Narben bleiben zurück. Aber in der Regel ist von Windpocken-Symptomen nach Ausheilung der Krankheit nichts mehr zu sehen.

Juckreiz

Juckreiz: Ursachen und mögliche Erkrankungen

Juckreiz (Pruritus) löst das Verlangen aus, die entsprechende Stelle zu kratzen. Die Hautstelle, die juckt, kann normal aussehen, oder aber durch eine (Haut)Krankheit verändert sein. Klingt der Juckreiz nach sechs Wochen nicht ab, spricht man von chronischem Pruritus.

Mögliche Ursachen von Juckreiz sind:

Hautreaktionen und Hauterkrankungen

Hautreaktionen (z.B. auf schnellen Temperaturwechsel) und Hauterkrankungen sind die Hauptursache von Juckreiz. So kann der Pruritus zum Beispiel folgende Auslöser haben:

  • Allergien: Der Kontakt mit der allergenen Substanz führt zur Ausschüttung von Histamin – juckende Pusteln und Schwellungen sind die Folge.
  • Neurodermitis(Atopisches Ekzem): An typischen Hautstellen wie den Armbeugen oder Kniekehlen bildet sich schuppende, juckende Haut.
  • Psoriasis:Bei der Schuppenflechte entwickeln sich besonders am Haaransatz, den Ellenbogen und Knien schuppende, juckende Hautbereiche.
  • Ekzeme und Nesselsucht(Urtikaria): Sie äußern sich typischerweise in Pusteln, Verkrustungen und Pruritus.
  • Pilzinfektion:Ein Befall mit dem Hautpilz Candida verursacht eine juckende Hautrötung, die besonders in den Hautfalten unangenehm riechen kann.
  • Xerodermie:Eine verminderte Talgproduktion lässt hier die Haut trocken und spröde werden. Das löst sehr oft Juckreiz aus.
  • Parasiten: Besonders die Skabies (Krätzmilbe) raubt vielen Menschen durch nächtlichen Juckreiz den Schlaf.
  • Umweltfaktoren:Giftstoffe, die bei einem Insektenstich, durch Pflanzen, Chemikalien oder Parasiten freigesetzt werden, verursachen neben starkem Juckreiz oft auch Schmerzen.
  • Autoimmunerkrankungen der Haut: Beispiele sind das Bullöse Pemphigoid (Bildung von Blasen auf der Haut, v. a. bei älteren Menschen), Pemphigus vulgaris (großflächige, schnellplatzende Blasen, meist beginnend an den Schleimhäuten), Lichen ruber (Knötchenflechte, rötliche Papeln zeigen sich auf der Haut, weiße Streifen auf den Schleimhäuten) sowie die Lichtdermatose (Sonnenallergie, Lichtallergie: Rötungen und juckende Bläschen auf der Haut). Diese Autoimmunerkrankung äußern sich durch verschiedene Symptome, allen gemein ist aber juckende Haut.
  • Altersjucken (Pruritus senilis) und Winterjucken (Pruritus hiemalis): Besonders im Alter entsteht an Oberarmen und Unterschenkeln trockene Haut, die ausreichend gepflegt werden muss, weil sie sonst zu jucken beginnt. Auch ein schneller Temperaturwechsel zwischen kalt und warm im Winter verursacht Jucken.
  • Aquagener Pruritus:Durch Wasserkontakt oder Temperaturschwankungen der Luft kann ein stechender Juckreiz auftreten.
  • Trockene Haut:Schuppende Haut beim Abblättern der Sommerbräune, mangelnde Feuchtigkeit, Duschen oder austrocknende Pflegeprodukte verursachen juckende Haut.

Erkrankungen innerer Organe und Organsysteme

Viele weitere Erkrankungen können ebenfalls mit Juckreiz einhergehen:

  • Nierenerkrankungen:Ein Großteil der Patienten mit einem schweren Nierenversagen, die eine Blutwäsche (Dialyse) erhalten, leidet kurze Zeit nach der Therapie unter starkem, generalisiertem Juckreiz. Die genauen Ursachen sind noch unklar.
  • Lebererkrankungen:Störungen des Gallenabflusses (Cholestase) sowie Leberschäden wie die Leberzirrhose verursachen einen Anstieg des Gallenfarbstoffes Bilirubin. Dadurch kommt es nicht nur zur typischen Gelbfärbung (Ikterus) der Haut und Schleimhaut, sondern auch zu starkem Juckreiz.
  • Schilddrüsenerkrankungen: Überwärmte, juckende Haut tritt bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) häufig auf. Bei der Schilddrüsenunterfunktion ist Pruritus eher selten.
  • Diabetes mellitus: Nervenschäden (Neuropathien) sowie die erhöhte Anfälligkeit für Hautpilzinfektionen können bei Zuckerkranken juckende Haut verursachen.
  • Morbus Hodgkin: Juckreiz am ganzen Körper oder nur im Bereich der Lymphknoten kann dem bösartigen Tumor des Lymphsystems schon Jahre vorausgehen. Der Pruritus gilt hier als Vorzeichen – die Patienten sollten mehrmals im Jahr untersucht werden.
  • HIV-Infektion: Die Abwehrschwäche begünstigt das Entstehen von Hautkrankheiten durch Pilze oder Parasiten, die unauffällig verlaufen, aber mit starkem Juckreiz einhergehen können. Doch auch im Zuge der antiviralen Therapie kann der Pruritus auftreten.
  • Andere Infektionskrankheiten: Windpocken und Masern werden ebenfalls oft von Juckreiz begleitet.
  • Polycythaemia vera: Die Verdickung des Blutes durch übermäßige Bildung an Blutzellen tritt als aquagener Pruritus (Juckreiz nach Wasserkontakt) erstmalig in Erscheinung.
  • Eisenmangelanämie: Eingerissene Mundwinkel, spröde Haare, brüchige Nägel und trockene, juckende Haut sind frühe Anzeichen dieser Form von Blutarmut.
  • Magersucht (Anorexia nervosa), Glutenunverträglichkeit oder eine Mangelernährung können ebenfalls mit Juckreiz einhergehen.
  • Neurologische Erkrankungen: Schäden des zentralen Nervensystems wie bei der Multiplen Sklerose (entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems mit Lähmungserscheinungen und Steifigkeitsgefühl), bei Polyneuropathien (Schädigung der peripheren Nerven, z. B. in den Armen oder Beinen) oder Viruserkrankungen wie dem Herpes Zoster (Gürtelrose) können das juckende Missempfinden auslösen.
  • Psyche: Bei manchen Patienten sind Depressionen, Zwangsstörungen wie der Waschzwang oder Halluzinationen für einen starken Juckreiz verantwortlich.

Es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten, die einen Pruritus verursachen können:

  • Antibiotika
  • Opiate
  • Entzündungshemmer
  • Antimalariamittel
  • Psychopharmaka (zur Behandlung psychischer Erkrankungen)
  • Hormone
  • Diuretika (Medikamente zur Entwässerung, harntreibende Mittel)
  • Zytostatika (Substanzen, die Zellwachstum und/oder -teilung hemmen)
  • Mittel gegen Bluthochdruck
  • Gold (Goldverbindungen kommen bzw. kamen bspw. in der Rheumatherapie zum Einsatz)
  • Blutgerinnungshemmer
  • Retinoide (Abkömmlinge von Vitamin A zur Behandlung von Schuppenflechte und Akne)

Sonstige Ursachen von Juckreiz

  • Hormonschwankungen: In der Schwangerschaft, während des Zyklus oder nach den Wechseljahren (Klimakterium) kann generalisierter Juckreiz auftreten.
  • Krebstherapien: Bei vielen Krebspatienten kommt es infolge der Therapie wie Bestrahlung oder verschiedenen Medikamenten zu juckender Haut.

Der direkte Zusammenhang zwischen einem Tumor und Pruritus ist unwahrscheinlich, auch wenn juckende Haut in der Analregion bei Dickdarm-, Prostata- oder Gebärmutterhalskrebs beschrieben wird.

© istockphoto, nebari

Juckreiz (Pruritus) ist eine Empfindung der Haut, auf die man mit Kratzen oder Reiben reagiert. Die Ursachen, die hinter dem unangenehmen Jucken stecken können, sind vielfältig: So kann Juckreiz unter anderem durch eine trockene Haut, eine allergische Reaktion sowie durch Erkrankungen der Haut oder innerer Organe hervorgerufen werden. Bei bestimmten Erkrankungen tritt Juckreiz am ganzen Körper auf. Er kann aber auch lokal auf bestimmte Körperstellen wie die Kopfhaut oder den Intimbereich beschränkt sein. Lesen Sie hier, was Sie gegen unangenehmen Juckreiz tun können.

Juckreiz – Vielfältige Ursachen

Juckreiz wird häufig durch eine zu trockene Haut oder durch Hauterkrankungen wie Nesselsucht, Schuppenflechte oder Neurodermitis ausgelöst. Ist eine Hauterkrankung die Ursache, treten neben Juckreiz in der Regel auch Veränderungen an der Haut auf. Daneben können auch Überempfindlichkeiten gegen bestimmte Lebensmittel, Medikamente sowie Insektenstiche Juckreiz auslösen.

In seltenen Fällen kann Juckreiz ein Symptom einer inneren Erkrankung darstellen – beispielsweise kann er durch Diabetes, eine Störung der Leber- oder Nierenfunktion sowie Leukämie entstehen. Bei solchen Erkrankungen tritt der Juckreiz ohne Hautveränderungen auf. Dies ist allerdings auch beim sogenannten idiopathischem Juckreiz der Fall, der keinen erkennbaren Grund hat. Oftmals stecken dann psychische Probleme hinter den Beschwerden.

Trockene Haut als Ursache

Eine trockene Haut fühlt sich nicht nur rau und gespannt an, sondern kann auch jucken. Mögliche Ursachen stellen äußere Faktoren wie eine trockene Raumluft oder eine übertriebene Hygiene dar. So können beispielsweise bestimmte Pflegeprodukte die Haut austrocknen. Daneben ist es aber auch möglich, dass innere Ursachen, wie Probleme bei der Fett- und Feuchtigkeitsregulierung, zu einer trockenen Haut führen.

Wenn Sie eine trockene Haut haben, sollten Sie beim Waschen und Duschen auf parfümierte Pflegeprodukte verzichten und stattdessen lieber säureneutrale Produkte verwenden. Cremen Sie die Haut außerdem regelmäßig ein. Am besten geeignet sind rückfettende Lotionen. Achten Sie zudem darauf, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen.

Da sich hinter trockener Haut und Juckreiz auch ernste Erkrankungen verbergen können, sollten Sie sich ärztlich untersuchen lassen, wenn diese Maßnahmen nicht anschlagen.

Hautausschlag und Juckreiz

Tritt Juckreiz gemeinsam mit einem Hautausschlag auf, stecken häufig Hauterkrankungen wie Nesselsucht, Schuppenflechte oder Neurodermitis hinter den Beschwerden. Während sich bei Nesselsucht juckende Quaddeln bilden, treten bei Schuppenflechte gerötete Hautareale auf, deren oberste Hautschicht weiß geschuppt ist. Charakteristisch für Neurodermitis ist ein roter Hautausschlag, der sich rau und schuppig anfühlt.

Neben diesen drei Hauterkrankungen können aber auch Hautinfektionen sowie die sogenannte Knötchenflechte mit Hautausschlag und Juckreiz einhergehen. Bei letzterer bilden sich blau-rote Knötchen, die etwa stecknadelgroß sind und stark jucken. Die Symptome treten besonders häufig an den Handgelenken sowie am Unterschenkel auf. Leiden Kindern unter Hautausschlag und Juckreiz, können zudem typische Kinderkrankheiten wie die Windpocken die Ursache darstellen.

Krätze als Ursache

Die Krätze ist eine Hautkrankheit, die durch Milben verursacht wird. Die Krätzmilben befallen bevorzugt die Bereiche zwischen den Fingern und Zehen sowie die Achseln und den Genitalbereich. Dort graben sie sich in die obere Hornhautschicht ein und besitzen somit ein relativ sicheres Versteck, in dem sie sogar Vollbäder überleben können.

Bei der Krätze kommt es neben einem starken Juckreiz zu einem roten, knötchenförmigen Hautausschlag. Mithilfe einer Lupe lassen sich häufig die Gänge erkennen, die die Milben in die Haut gegraben haben. Meist lässt sich die Erkrankung gut mithilfe von Anti-Milben-Mitteln behandeln, die äußerlich auf die Haut aufgetragen werden.

Allergie als Auslöser

Eine allergische Reaktion des Körpers geht häufig mit Juckreiz einher. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem extrem auf eigentlich harmlose Substanzen und veranlasst, dass im Körper größere Mengen des Botenstoffes Histamin freigesetzt werden. Dieser sorgt dann beispielsweise bei Heuschnupfen dafür, dass Augen und Nase jucken.

Neben Heuschnupfen kann Juckreiz aber auch durch andere Allergiearten – unter anderem durch eine Kontaktallergie – ausgelöst werden. Treten die Beschweren nur lokal an bestimmten Körperstellen auf, sollten Sie überprüfen, ob ein bestimmtes Kleidungsstück – etwa eine Strumpfhose oder eine Uhr – den Auslöser darstellen kann.

Daneben kann Juckreiz auch durch eine Allergie gegen bestimmte Lebensmittel oder Medikamente hervorgerufen werden. Leiden Sie unter Juckreiz, für den es keine offensichtliche Ursache gibt, sollten Sie deswegen immer in Betracht ziehen, dass eine Allergie die Ursache darstellen könnte und einen Allergietest durchführen lassen.

Juckreiz während der Schwangerschaft

Juckreiz ist ein Symptom, das häufig während der Schwangerschaft auftritt. Etwa 20 Prozent aller schwangeren Frauen sind davon betroffen. Es wird vermutet, dass in den meisten Fällen die hormonellen Umstellungen im Körper den Auslöser darstellen. Häufig lassen sich die Beschwerden durch regelmäßiges Eincremen mit einer feuchtigkeitsspendenden Lotion lindern.

Starker Juckreiz, der im letzten Drittel der Schwangerschaft auftritt, kann jedoch auf eine Lebererkrankung – eine sogenannte intrahepatische Schwangerschaftscholestase – hinweisen. Von dieser Erkrankung sind in Deutschland zwar weniger als ein Prozent aller schwangeren Frauen betroffen, trotzdem sollte sie bei starkem Juckreiz ausgeschlossen werden. Denn die Lebererkrankung kann sowohl eine Frühgeburt als auch eine Todgeburt zur Folge haben.

Was tun gegen lästiges Jucken?

Tritt Juckreiz zusammen mit einem Hautausschlag auf, sollten Sie einen Hautarzt aufsuchen und die genaue Ursache abklären lassen. Der Arzt kann Ihnen – wenn nötig – auch geeignete Medikamente verschreiben. Beispielsweise können kortisonhaltige Salben dazu beitragen, den Juckreiz zu lindern.

Bei Juckreiz ohne Hautausschlag sollten Sie zunächst überprüfen, ob Ihre Haut eventuell zu trocken ist. Ist dies nicht der Fall oder werden die Beschwerden trotz sorgfältiger Hautpflege nicht weniger, muss ein Arzt untersuchen, ob eine Erkrankung vorliegt. Ist dies der Fall, richtet sich die Behandlung nach der jeweiligen Grunderkrankung.

Handelt es sich um idiopathischen Juckreiz, können juckreizstillende Medikamente Abhilfe schaffen. Äußerlich aufgetragen werden Lokalanästhetika, die die Reizweiterleitung zwischen den Nervenzellen hemmen. Ebenso können Isoprenalin – ein Wirkstoff aus der Gruppe der Betamimetika – sowie kühlende Salben und Gels mit Menthol oder Kampfer dazu beitragen, den Juckreiz zu lindern. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit einem Arzt, bevor Sie eines dieser Mittel anwenden.

Tritt der Juckreiz großflächig am ganzen Körper auf, kann die Einnahme von H1-Rezeptorenblockern, die die Wirkung von Histamin im Körper hemmen, Linderung verschaffen. Ebenso hat sich bei vielen Patienten eine Therapie mit UVB-Strahlen als hilfreich erwiesen. Ganz wichtig ist, dass Sie auch bei starkem Juckreiz nicht an den juckenden Stellen kratzen. Denn durch das Kratzen kann es nicht nur zu unschönen Kratzspuren auf der Haut kommen, sondern es können auch Infektionen auftreten.

Aktualisiert: 02.09.2016 – Autor: Kathrin Mehner

Juckreiz (Pruritus)

Juckreiz: Ursachen

Hautjucken kann sehr viele unterschiedliche Ursachen haben. Viele Hautkrankheiten gehen mit Juckreiz einher, aber auch im Rahmen von inneren Erkrankungen kommt Juckreiz häufig vor. Nicht zuletzt kann auch die Psyche Juckreiz hervorrufen.

Ein akutes, das heißt nur kurz anhaltendes Hautjucken, das nach spätestens sechs Wochen wieder verschwunden ist, hat meist harmlose Ursachen. Mögliche Auslöser für einen akuten Juckreiz sind Insektenstiche, ein Sonnenbrand, trockene oder warme Luft oder ein Hautausschlag im Zuge einer Kontaktallergie. Hinter einem länger andauernden, also chronischen Hautjucken können sich diverse Ursachen verbergen – allerdings bleiben diese in etwa der Hälfte der Fälle unbekannt.

Mögliche Hinweise auf die Ursache erhält der Arzt unter anderem durch die Ausprägung des Juckreizes. So ist es für den Mediziner wichtig zu wissen, ob der Juckreiz am ganzen Körper oder nur in einem bestimmten Bereich auftritt, ob Hautveränderungen zu sehen sind – zum Beispiel ein Hautausschlag – oder in welchen Situationen der Juckreiz ausgelöst wird. Bei vielen Hauterkrankungen geht der Juckreiz mit entzündlichen Hautveränderungen wie einem Ekzem einher, während das Hautjucken bei vielen inneren Erkrankungen äußerlich meist nicht sichtbar ist.

Nicht immer ist Juckreiz ein Anzeichen für eine Erkrankung. So neigen beispielsweise Personen, die von Natur aus eine eher trockene Haut haben, häufiger zu Hautjucken als andere Menschen. Dies betrifft auch ältere Menschen, da diese häufiger eine trockene Haut besitzen. Die möglichen Ursachen von Hautjucken sind vielfältig. Daher kann hier nur exemplarisch auf einige häufige Ursachen eingegangen werden.

Juckreiz durch entzündliche Hautveränderungen

Hautjucken kann durch entzündliche Hautveränderungen begünstigt werden. Die Ursachen dafür sind zahlreich.

Die Neurodermitis (atopisches Ekzem) zählt zu den häufigsten chronischen Hauterkrankungen. Man vermutet, dass genetische Faktoren im Zusammenspiel mit äußeren Einflüssen die Neurodermitis auslösen. Patienten mit Neurodermitis leiden immer wieder unter trockenen, juckenden und schuppenden Ekzemen, die vorwiegend an Armen und Beinen und am Hals auftreten. Häufig sind auf der Haut Kratzspuren sichtbar – durch das Kratzen wiederum kann sich der Juckreiz bei Neurodermitis noch verstärken und die Ekzeme können sich verschlimmern.

Dass eine Schuppenflechte (Psoriasis) mit Juckreiz verbunden ist, verrät bereits der Name: Der Fachbegriff Psoriasis stammt vom griechischen Wort „psao“ – was so viel bedeutet wie „ich kratze“. Typische Symptome der Schuppenflechte sind eine schuppige, gerötete Haut und starker Juckreiz. Die genauen Ursachen der Schuppenflechte sind noch nicht abschließend erforscht. Fest steht, dass die Veranlagung zur Schuppenflechte vererbt wird.

Die Nesselsucht (Urtikaria) ist eine krankhafte Hautreaktion auf bestimmte Einflüsse. Es gibt verschiedene Formen der Nesselsucht, die durch unterschiedliche Reize ausgelöst werden, etwa durch Stress, Medikamente, Nahrungsmittel, Kälte, Wärme oder Druck. Dabei bilden sich plötzlich juckende Quaddeln, Schwellungen und Rötungen auf der Haut.

Hautpilz (Dermatomykose) entsteht häufig dort, wo es feucht und warm ist – vorwiegend zwischen den Zehen in Form von Fußpilz, aber auch unter der weiblichen Brust, unter den Achseln oder im Intimbereich. Die Haut ist gerötet, schuppt und juckt.

Bei vielen Allergien haben die Betroffenen mit Juckreiz zu kämpfen. Eine Allergie ist eine fehlgesteuerte Reaktion des Immunsystems: Es reagiert übertrieben auf eigentlich harmlose Stoffe aus der Umwelt. Ein allergisches Kontaktekzem (Kontaktdermatitis) entsteht beispielsweise, wenn die Haut mit einem bestimmten Stoff in Kontakt kommt. An der betroffenen Stelle kann sich ein Hautausschlag bilden, sie kann gerötet oder geschwollen sein und es können sich Bläschen oder Schuppen zeigen. Bei Heuschnupfen, einer Allergie auf Blütenpollen, kann ebenfalls quälendes Hautjucken auftreten. Häufig sind die Augen gerötet und jucken, Nase und Rachen jucken und kribbeln. Auch in den Gehörgängen tritt bei Heuschnupfen manchmal Juckreiz auf. Der Juckreiz bei Heuschnupfen entsteht, weil bei dieser Allergie unter anderem vermehrt der Botenstoff Histamin ausgeschüttet wird, der die Nervenenden in der Haut reizt.

Wenn ein Sonnenbrand juckt, ist dies die Folge einer akuten entzündlichen Hautreaktion. Ursache ist eine Verbrennung der Haut durch zu starke Sonneneinstrahlung. In der Regel ist das Hautjucken bei Sonnenbrand aber nur von kurzer Dauer und klingt nach wenigen Tagen ab.

Weitere mögliche Ursachen von Juckreiz mit entzündlichen Hautveränderungen sind unter anderem

  • Befall durch Parasiten, etwa Milben bei Krätze (Skabies),
  • Giftstoffe aus der Umwelt, z.B. von Insekten nach einem Insektenstich oder von Pflanzengift (z.B. Brennnesseln),
  • Infektionskrankheiten wie Windpocken, Masern und Gürtelrose, die mit typischem Hautausschlag einhergehen,
  • Knötchenflechte (Lichen ruber planus), eine entzündliche Hautkrankheit, die sich durch rote oder bräunliche Hautknoten bemerkbar macht,
  • Lausbefall (Pedikulosis) oder ein
  • seborrhoisches Ekzem, eine Hauterkrankung, die meist auf der Kopfhaut zu fettig-schuppenden, begrenzten Entzündungsherden führt.

Juckreiz bei systemischen Erkrankungen

Juckreiz kann auch ein Symptom bei systemischen Erkrankungen sein. Darunter versteht man Erkrankungen, die sich nicht auf einen bestimmten Körperbereich beschränken, sondern die sich auf ein ganzes Organsystem – oder weitgehend auf den gesamten Körper – auswirken. Häufig tritt das Hautjucken dann am ganzen Körper auf und es sind keine äußerlichen Hautveränderungen sichtbar.

Nierenerkrankungen

Zu Juckreiz auslösenden Nierenerkrankungen zählt zum Beispiel eine fortgeschrittene chronische Nierenschwäche. Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten und zu Juckreiz führen, spricht man von einem sogenannten urämischen Pruritus. Wie genau dieser Juckreiz zustande kommt, ist noch unklar. Schätzungen zufolge leidet mehr als die Hälfte aller dialysepflichtigen Menschen an dieser Form des Juckreizes.

Leber- und Gallenwegserkrankungen

Hautjucken am ganzen Körper oder an den Extremitäten kann auf Erkrankungen der Leber beziehungsweise Gallenwege als mögliche Ursachen hinweisen, insbesondere dann, wenn die Gallenflüssigkeit in den Gallengängen nicht richtig fließen kann und sich staut (sog. Cholestase). Die genauen Ursachen dieses sogenannten cholestatischen Juckreizes sind unklar; vermutlich wird er durch das Abbauprodukt Bilirubin ausgelöst, das sich beim Gallestau in der Haut einlagert.

Zu möglichen Juckreiz auslösenden Leber- und Gallenwegserkrankungen gehören unter anderem

  • die primär biliäre Cholangitis (PBC), eine Autoimmunkrankheit, bei der Gallengänge und Lebergewebe geschädigt werden,
  • die primär sklerosierende Cholangitis (PSC), eine seltene Erkrankung, bei der die Gallenwege durch entzündliche Prozesse verengen und vernarben,
  • eine Hepatitis (Leberentzündung) sowie
  • Gallensteine oder Tumoren, die den Abfluss von Gallenflüssigkeit behindern.

Stoffwechselerkrankungen und hormonelle Erkrankungen

Auch Erkrankungen des Stoffwechsels können Juckreiz verursachen. Diabetiker haben häufig eine zu Juckreiz neigende, trockene Haut, zudem können die mit dem Diabetes einhergehenden Nervenschäden zu Hautjucken führen. Darüber hinaus ist die Haut bei Diabetes anfälliger für Pilzinfektionen. Bei Schilddrüsenerkrankungen ist Juckreiz ein häufiges Symptom, etwa bei einer Schilddrüsenüberfunktion. Bei Magersucht mit starkem Untergewicht oder bei Nährstoffmangel kann ebenfalls Juckreiz ausgelöst werden.

Blutkrankheiten und Krebserkrankungen

Juckreiz kann bei manchen Erkrankungen des Blutes auftreten, etwa bei

  • Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel),
  • Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose), einer Erbkrankheit, bei der sich Eisen im Körper anlagert oder bei
  • Polycythaemia vera, einer seltenen krankhaften Vermehrung der blutbildenden Zellen im Knochenmark, insbesondere der roten Blutzellen.

Auch manche Krebserkrankungen können mit Hautjucken einhergehen (sog. paraneoplastischer Pruritus). Beispiele sind Morbus Hodgkin, eine Krebserkrankung des Lymphsystems, und Blutkrebs (Leukämie).

Juckreiz durch psychische Erkrankungen

Juckreiz kann im Rahmen von psychosomatischen und psychiatrischen Erkrankungen vorkommen, so etwa bei:

  • Depressionen
  • Halluzinationen, z.B. bei Drogenentzug oder bei Schizophrenie; ein Beispiel ist der Dermatozoenwahn: Die betroffene Person hat das Gefühl, dass Ungeziefer auf ihrer Haut krabbelt, was mit Juckreiz verbunden sein kann

Juckreiz durch Medikamente

Verschiedene Medikamente können als Nebenwirkung oder in Folge einer Überempfindlichkeitsreaktion ein Hautjucken verursachen. Dies können Medikamente sein wie:

  • Opioide wie z.B. das hustenstillende Codein
  • Blutdrucksenkende Mittel
  • Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure
  • Antibiotika
  • Antimalariamittel
  • Psychopharmaka
  • Medikamente, die das Zellwachstum hemmen (Zytostatika)
  • Hydroxyethylstärke (HAES), ein Stoff, der als Blutplasmaersatz eingesetzt wird

Reagiert eine Person allergisch auf ein Medikament, etwa auf ein Antibiotikum, können sichtbare Hautveränderungen auftreten, ein sogenanntes Arzneimittelexanthem. Manche Medikamente führen indirekt zu Juckreiz, nämlich dann, wenn sie einen sogenannten Gallestau (Cholestase) im Körper auslösen. Zu solchen Medikamenten zählen beispielsweise Chlorpromazin, Captotril oder manche orale Verhütungsmittel.

Juckreiz in der Schwangerschaft & im Alter

Manche Schwangere haben mit Juckreiz zu kämpfen – etwa aufgrund einer Schwangerschaftscholestase, einer unter anderem durch Hormone ausgelösten Störung des Galleflusses; häufig tritt der Juckreiz dann an den Innenflächen der Hände und Füße auf.

Auch können Hautveränderungen im Alter Juckreiz begünstigen. Dies kann etwa vorkommen, wenn die Talgproduktion vermindert ist, sodass die Haut trocken wird.

Hautjucken – mögliche Ursachen

Ursachengruppe

Beispiel

Arzneimittel

Arzneimittelexanthem
Gallestau durch Arzneimittel

Entzündliche Hauterkrankungen

Neurodermitis
Schuppenflechte
Nesselsucht
Seborrhoisches Ekzem
Sonnenbrand

Allergien

Kontaktallergie
Heuschnupfen

Hauterkrankungen durch Parasiten

Krätze
Läuse

Infektionskrankheiten

Gürtelrose
Windpocken
Masern

Nierenerkrankungen

Chronische Nierenschwäche

Lebererkrankungen

Primär biliäre Cholangitis
Leberentzündung (Hepatitis)
Gallengangverschluss

Stoffwechselerkrankungen und hormonelle Erkrankungen

Diabetes mellitus
Schilddrüsenüberfunktion

Krebserkrankungen

Morbus Hodgkin
Leukämie

Erkrankungen des Bluts

Eisenmangelanämie
Eisenspeicherkrankheit

Psychische Erkrankungen

Depression
Schizophrenie

Wie entsteht eigentlich Hautjucken?

Die genauen Ursachen von Hautjucken sind noch nicht abschließend erforscht. Fest steht, dass Juckreiz unabhängig von der Schmerzempfindung entsteht. Forscher gehen davon aus, dass bei einem Juckreiz freie Nervenendigungen in der Haut durch bestimmte Einflüsse aktiviert werden. Diese Nervenendigungen heißen C-Nozizeptoren. Sie befinden sich in der äußersten Hautschicht, der Epidermis, sowie in der direkt darunter liegenden Lederhaut (Dermis). An der Aktivierung der C-Nozizeptoren sind zahlreiche Botenstoffe im Körper beteiligt, insbesondere Histamin und bestimmte Neuropeptide. Unterschiedliche Botenstoffe bewirken dabei auch unterschiedliche Juckempfindungen wie zum Beispiel ein eher brennendes Jucken oder ein stechendes Jucken.

Aber nicht nur körpereigene Botenstoffe, auch entzündliche Prozesse in der Haut können die Nervenendigungen aktivieren und somit Hautjucken auslösen. Die Nerven leiten die Juckempfindung zum Gehirn weiter. Dort entsteht der Impuls, sich zu kratzen. Das Kratzen bringt eine kurzfristige Erleichterung. Der Grund: Durch das Kratzen entsteht ein Schmerzreiz, der den Juckreiz überlagert. Sobald der Schmerz nachlässt, kehrt allerdings das Jucken zurück, und das häufig in verstärkter Form.

Nesselsucht Hässliche Quaddeln, höllischer Juckreiz

Eine Nesselsucht bedeutet für den Allergologen immer eine Herausforderung. Zum einen, weil sehr viele verschiedene Auslöser für die Symptome infrage kommen, und zum anderen, weil die Erkrankung in unterschiedlichen Formen auftritt. Äußere Reize wie Wärme, Kälte oder Licht können die Haut ebenso reagieren lassen wie hormonelle, virale, bakterielle oder psychische Faktoren. Auch Nahrungsmittel und Medikamente sind häufige Auslöser. Dass die Nesselsucht so komplex ist, mag einer der Gründe dafür sein, warum in etwa der Hälfte der akuten und in zwei Dritteln der chronischen Fälle weder die Betroffenen noch ihre Ärzte herausfinden, was ihre Beschwerden hervorruft.

Dabei ist die Urtikaria, wie Ärzte die Erkrankung nennen, weit verbreitet – Experten halten sie für eine der häufigsten Hautkrankheiten überhaupt: Studien zufolge leidet jeder vierte bis fünfte Deutsche mindestens einmal in seinem Leben unter einer Nesselsucht. Dabei tritt die akute Form mindestens zehn Mal häufiger auf als die chronische und meist in der ersten Lebenshälfte. Schon Kleinkinder können davon betroffen sein. Anders als eine Allergie wie Heuschnupfen tritt die Nesselsucht heute aber nicht wesentlich häufiger auf als vor 30 Jahren.

Da die Nesselsucht sehr unterschiedlich ausfallen kann, wird sie nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt, etwa nach Verlauf und Ursachen:

  • Spontane Nesselsucht. Je nach Dauer wird sie in akute und chronische Urtikaria eingeteilt.
  • Physikalische Nesselsucht. Sie entsteht etwa durch Reibung, Licht, Kälte, Wärme oder Druck.
  • Cholinergische Nesselsucht. Diese häufige Sonderform entsteht, wenn die Körpertemperatur ansteigt. Sie zählt wie die physikalische Nesselsucht zu den induzierbaren Urtikarien.
  • Kontakt-Nesselsucht. Sie tritt an der Stelle auf, an der die Haut einen Auslöser berührt.

Eine der unangenehmsten Krankheiten

Nesselsucht zählt zu den unangenehmsten Hautkrankheiten. Die größte Qual bereitet dabei der Juckreiz – für Patienten ist er oft schlimmer als die manchmal sehr entstellenden Quaddeln. Sie schlafen nicht mehr und können sich kaum auf ihre Arbeit konzentrieren, weil sie sich andauernd kratzen müssen.

Im Extremfall kann es bei einigen Formen der physikalischen Nesselsucht zum Kreislaufschock kommen. Wer unter einer Kälte-Nesselsucht leidet und schon einmal mit Kreislaufreaktionen, Luftnot oder Angioödem auf einen Nesselschub reagiert hat, sollte immer ein entsprechendes Notfallset und eventuell einen Notfallpass dabei haben.

Symptome

Eine Nesselsucht entsteht oft sehr schnell: Innerhalb weniger Minuten ist eine begrenzte Stelle auf der Haut oder der gesamte Körper mit Erhebungen übersät. Je nach Auslöser kann die Nesselsucht sehr unterschiedlich aussehen: Die Hautschwellungen können so klein wie ein Stecknadelkopf oder größer als eine Handfläche sein, weißlich oder rötlich sein, punktuell oder großflächig auftreten. Meist jucken sie stark oder brennen und klingen nach spätestens 24 Stunden wieder ab, ohne Narben oder andere Spuren zu hinterlassen. So ein Schub kann sich über mehrere Tage oder sogar Wochen erstrecken – es kommen dann immer wieder neue Quaddeln nach. Der Grund: Hauteigene Abwehrzellen, sogenannte Mastzellen, setzen den Botenstoff Histamin frei. Der spielt bei der Nesselsucht die entscheidende Rolle.

Patienten mit Nesselsucht leiden oft auch an Angioödemen, eine Schwellung der tieferen Hautschichten. Angioödeme treten bei bis zu zwei Dritteln aller Patienten mit chronischer Nesselsucht auf, meist zusammen mit Quaddelbildung.

Die Brennnessel war Namenspatin

Fast jeder ist schon einmal mit den Härchen einer Brennnessel in Berührung gekommen und hat den darauf folgenden Schmerz erlebt. Von dieser Pflanze leitet sich der umgangssprachliche Name Nesselsucht ab. Selbst in der Wissenschaft war die Pflanze Namenspatin: Brennnessel heißt auf lateinisch Urtica. Daraus wurde in der medizinischen Fachsprache die Urticaria oder Urtikaria.

Brennnesselhärchen sind kleine Röhren, die viele Wirkstoffe enthalten – unter anderem Ameisensäure und Histamin. Bei Berührung bricht die Spitze der kleinen Röhren ab. Das Härchen sieht nun aus wie eine Mini-Spritzenkanüle, die sich durch die Haut bohren und ihre Substanzen injizieren kann. Dann lagert sich Wasser in der Haut ab, die Stelle schwillt an und es entstehen brennende Erhebungen: die Quaddeln.

Diagnose

Da die Krankheit unendlich viele Auslöser haben kann, sind oft nur spezialisierte Hautärzte in der Lage, die einzelnen Symptome einer bestimmten Nesselsucht zuzuordnen. Wichtigstes Zeichen ist zunächst die Quaddel. Die ist bei einer akuten Nesselsucht aber meist schon wieder abgeklungen, wenn der Betroffene beim Arzt sitzt. Tritt die Quaddel häufiger oder in Schüben auf, wird der Arzt versuchen, den Auslöser zu finden, was viel Arbeit erfordert. Mit einem Nesselsucht-Kalender oder -Tagebuch unterstützen Sie ihn bei seiner Suche. Am besten führen Sie eines von beidem mindestens einige Wochen lang.

Welche Diagnoseverfahren Ärzte bei den einzelnen Urtikariaformen einsetzen, erfahren Sie hier:

  • Spontane Nesselsucht
  • Physikalische Nesselsucht
  • Cholinergische Nesselsucht
  • Kontakt-Nesselsucht

Therapie

Der erste Schritt der Behandlung ist, den Auslöser konsequent zu meiden. Jedoch gelingt es nicht immer, den Übeltäter überhaupt zu finden. Und falls dies gelingt, kann es trotzdem schwierig bis unmöglich sein, ihm aus dem Weg zu gehen, etwa wenn es sich um physikalische Reize wie Kälte oder Wärme handelt.

In den meisten Fällen löst der Botenstoff Histamin aus den Mastzellen – das sind körpereigene Abwehrzellen – die Quaddeln aus. Gegen Histamin helfen sogenannte Antihistaminika. Das sind gut verträgliche Allergietabletten, die nicht abhängig machen. Bei einer chronischen Nesselsucht etwa müssen Betroffene die Mittel oft mehrere Monate hindurch regelmäßig einnehmen.

Oftmals ist bei dieser Behandlung die Tablettenmenge höher als auf dem Beipackzettel angegeben. Das liegt daran, dass die Dosierung meist für Heuschnupfenpatienten berechnet ist. Reicht die Standard-Dosis nicht aus, empfehlen Experten ihren Kollegen eine Erhöhung auf das bis zu Vierfache der Menge, um die Nesselsucht zu behandeln.

Reicht auch dies nicht aus, kommt das Medikament Omalizumab zum Einsatz. Das Mittel hemmt IGE, einen wichtigen Aktivator von Hautmastzellen. Das Medikament wird in der Regel alle vier Wochen mithilfe einer Spritze verabreicht – bis zum Verschwinden der Nesselsucht.

Welche weiteren Therapien Ärzte bei den verschiedenen Formen der Nesselsucht einsetzen, erfahren Sie hier:

  • Spontane Nesselsucht
  • Physikalische Nesselsucht
  • Cholinergische Nesselsucht
  • Kontakt-Nesselsucht

Tipps

Die Symptome lassen sich lindern, indem Sie möglichen Auslösern aus dem Weg gehen – sofern Sie diese überhaupt kennen oder dies möglich ist. Daneben helfen auch ein paar Tipps im Alltag, die Erkrankung besser in den Griff zu bekommen.

Expertenrat

Marcus Maurer, Forschungsdirektor an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Berliner Universitätsklinik Charité, antwortet auf Ihre Fragen:

Bei meinem letzten Quaddelschub hatte ich Atemnot und Schluckbeschwerden. Brauche ich ein Notfallset?

Atemnot und Schluckbeschwerden treten bei einer Urtikaria sehr selten auf. Häufiger handelt es sich hierbei um eine allergische Reaktion, bei der auch Quaddeln auftreten können. Notfallsets können Leben retten. Wenn der Hals beim nächsten Mal stark anschwillt und die Atemwege blockiert, schaffen Sie es unter Umständen nicht mehr rechtzeitig in die Notaufnahme. Ihr Notfallset sollte ein flüssiges Antihistaminikum, ein flüssiges Kortisonpräparat und eventuell auch eine Spritze mit Adrenalin enthalten. Sie bekommen das Set von Ihrem Arzt und sollten unter seiner Aufsicht lernen, es einzusetzen. Ein Notfallpass kann ebenfalls sinnvoll sein. In ihm ist vermerkt, unter welcher Form der Nesselsucht Sie leiden – und was im Ernstfall zu beachten ist. So dürfen Patienten mit Kälte-Nesselsucht nur vorgewärmte Infusionen erhalten. Gelangen bei ihnen kalte Lösungen in die Venen, droht ein Schock.

Gibt es eine genetische Veranlagung für Nesselsucht?

Bislang deutet nichts darauf hin, dass die Nesselsucht generell eine erbliche Erkrankung ist. Sind in einer Familie mehrere Mitglieder betroffen, ist das vermutlich Zufall – die Nesselsucht kommt sehr häufig vor. Nur bei der Kälte-Nesselsucht gibt es eine erbliche Form, aber sehr selten: Bisher sind nur etwa ein Dutzend betroffener Familien bekannt.

Hat eine Nesselsucht auch psychische Ursachen?

Derartige Faktoren spielen zumindest bei der physikalischen Nesselsucht in der Regel keine Rolle. Bei anderen Formen hingegen berichten Betroffene immer wieder davon, dass sie einen Quaddelschub hatten, nachdem sie sehr aufgewühlt waren. Mastzellen setzen bei verschiedenen Ereignissen Histamin frei, vermutlich auch bei psychischen. Manche Studien haben gezeigt, dass sich eine chronische Nesselsucht etwa durch den Einsatz von Placebos, Hypnose oder eine Psychotherapie bessern kann.

Entwickeln Menschen mit Nesselsucht häufiger andere Krankheiten?

Das ist nur zum Teil untersucht. Urtikaria-Patienten scheinen häufiger Autoimmunkrankheiten zu haben, insbesondere an der Schilddrüse. Die Gründe dafür sind noch nicht klar. Wenn jemand an Nesselsucht leidet, hat er statistisch gesehen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, eine psychische Erkrankung zu entwickeln, etwa eine Angststörung oder eine Depression. Derartige Stress-Syndrome sind als Folge der Belastung durch die Urtikaria zu werten. Nesselsuchtpatienten leiden nicht häufiger unter Allergien als der Durchschnitt der Bevölkerung. Und sie leiden ebenso häufig unter Infektionen wie andere Menschen. Das Magenbakterium Helicobacter pylori trägt in Deutschland zum Beispiel jeder zweite in sich. Aber nicht jeder reagiert darauf mit einem Quaddelschub. Es scheinen hier zwei Dinge zusammenzukommen: Eine Grunderkrankung und die Neigung, darauf mit einer Nesselsucht zu reagieren.

Sind schon Kinder von Nesselsucht betroffen?

Deutlich seltener als Erwachsene – und wenn, dann meist von der akuten Form. Es gibt bei Kindern weniger Fälle von chronischer Nesselsucht als bei Erwachsenen. Die physikalische Nesselsucht tritt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zum ersten Mal auf.

Ich bin schwanger und leide unter Nesselsucht. Worauf muss ich achten?

Oft bessert sich die Nesselsucht während der Schwangerschaft. Das ist gut so, denn keines der wirksamen Medikamente ist in der Schwangerschaft zugelassen – die Wirkstoffe könnten dem ungeborenen Kind schaden. In der Schwangerschaft dämpft der weibliche Körper das Immunsystem automatisch. Schließlich muss es einen Fremdkörper, das ungeborene Kind, tolerieren. Der Organismus bildet mehr Kortison, das auch die Mastzellen hemmt. Deshalb verläuft die Nesselsucht bei Schwangeren oft weniger stark.

Warum verschlimmert sich die Nesselsucht kurz vor meiner Monatsblutung manchmal?

Mastzellen unterliegen hormonellen Einflüssen – auch denen von Sexualhormonen. Während des Zyklus schwanken diese Hormone stark. Kurz vor der Regelblutung feuern die Botenstoffe die Mastzellen noch einmal richtig an und verstärken so in manchen Fällen eine bestehende Urtikaria.

Manchmal sieht es so aus, als würden die Quaddeln über meine Haut wandern. Kann das sein?

Die Quaddeln sind flüchtig und treten manchmal so schnell nacheinander auf, dass eine verschwindet und gleichzeitig direkt daneben eine neue entsteht. Das kann aussehen, als würden die Quaddeln über die Haut kriechen oder wandern. Tatsächlich ist es so, dass eine Hautstelle eine Pause braucht, bevor sie wieder eine Quaddel bilden kann. In ihrer Nachbarschaft können die neuen Quaddeln aber ungehindert sprießen.

Selbsttest Nesselsucht

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Welche Form der Nesselsucht liegt bei Ihnen vor?

Nesselsucht (Urtikaria) ist eine der häufigsten Hautkrankheiten weltweit. Etwa jeder vierte Mensch ist im Laufe seines Lebens einmal von einer akuten Urtikaria betroffen. Dabei bilden sich rötliche, klar begrenzte, teils juckende Hauterhebungen (sog. Quaddeln) auf der Hautoberfläche.
Sie vermuten, an einer Nesselsucht erkrankt zu sein, weil bei Ihnen in bestimmten Situationen oder auch ohne erkennbaren Auslöser die für Urtikaria typischen Quaddeln auftreten? Dann ermitteln Sie Ihren Nesselsucht-Typ mithilfe unseres Tests.
Oft treten mehrere Urtikaria-Formen gleichzeitig auf. Wenn mehrere Aussagen auf Sie zutreffen, wählen Sie zunächst diejenige Aussage aus, die am ehesten auf Sie zutrifft. Auf der nächsten Seite haben Sie die Möglichkeit, den Test direkt neu zu starten, um eine weitere Antwortmöglichkeit auszuwählen und die Auswertung zu erhalten.
Bitte beachten Sie: Der Test kann die Diagnose durch einen Experten nicht ersetzen!

Nesselsucht beim Kind: Brennender und juckender Ausschlag

Oje, was ist das denn? Auf der Haut deines Kindes bilden sich plötzlich rote Quaddeln, die jucken und brennen. Dahinter steckt vermutlich eine Nesselsucht (lat. Urtikaria). Doch keine Panik, der Hautausschlag verschwindet meist ebenso schnell, wie er gekommen ist.

Eine Nesselsucht tritt im Kindesalter recht häufig auf, in den meisten Fällen als Folge einer allergischen Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel, Medikamente, Tierhaare oder andere Allergene. Der Ausschlag kommt plötzlich und vergeht meist ebenso schnell. Die Nesselsucht ist keine Erkrankung an sich sondern eine Begleiterscheinung, bei der du dir keine allzu großen Sorgen machen musst.

Anzeichen für eine Nesselsucht

Typisch für die Nesselsucht sind die rötlichen Erhebungen, die sich am ganzen Körper bilden können. Sie entstehen durch Flüssigkeitseinlagerungen in der obersten Hautschicht und können stecknadel- bis handtellergroß sein. Diese Quaddeln haben eine klare Kontur und treten in Gruppen oder vereinzelt auf. Manchmal können sich auf den Quaddeln auch weißliche Flecken bilden. Das sieht dann so aus, als wäre dein Kind mit einer Brennnessel in Berührung gekommen – daher auch die Bezeichnung Nesselsucht, beziehungsweise Urtikaria (Brennnessel = Urtica).
Unverkennbar ist eine Nesselsucht aber vor allem daran: Sie brennt und juckt fürchterlich!

Eine Nesselsucht kann kleinflächig oder großflächig auftreten.

So behandelt ihr eine Nesselsucht

Meistens bilden sich die Quaddeln innerhalb einiger Minuten und Stunden ganz von allein zurück. Wichtig ist, dass dein Kind sie nicht aufkratzt. Sonst können schmerzhafte Entzündungen und sogar Narben entstehen. Kurz geschnittene, rund gefeilte Fingernägel helfen. Ist dein Baby betroffen, kannst du ihm Handschühchen anziehen. Auch das Reiben an den juckenden Quaddeln sollte vermieden werden, denn durch die dadurch entstehende Wärme verschlimmert sich der Juckreiz nur noch. Linderung kannst du deinem Kind verschaffen, indem du die betroffenen Hautstellen sanft mit kühlem Wasser oder abgekühltem Kamillentee abwäscht. Außerdem können kühlende Salben und Gels oder eine zinkhaltige Lotion aus der Apotheke den Juckreiz stillen. Ein Hausmittel, das sich auch bei juckenden Insektenstichen bewährt hat, ist Essigwasser, dass mit einem Wattepad vorsichtig auf die betroffenen Stellen getupft wird.

Nesselsucht – wann zum Arzt?

Wenn sich die Symptome der Nesselsucht nicht innerhalb von 24 Stunden zurückbilden, solltest du einen Arzt konsultieren. Er kann bei Bedarf ein Antihistaminikum verschreiben. Ein sofortiger Arztbesuch ist wichtig, wenn dein Kind zusätzlich zu den Quaddeln hohes Fieber entwickelt, ihm schwindlig oder übel wird oder es schlecht atmen kann.

Was tun, wenn die Nesselsucht häufig auftritt?

Meistens lässt sich nicht eindeutig sagen, woher dein Kind plötzlich die Nesselsucht bekommt. So kann es beispielsweise sein, dass dein Kind den Kontakt mit bestimmten Allergenen bis zu einer gewissen Grenze ganz gut verträgt. Erst, wenn diese Grenze überschritten ist, kommt es bei ihm zu einer allergischen Reaktion. Um gezielt herauszufinden, was der Auslöser für die regelmäßig auftretende Nesselsucht ist, kannst du ein Tagebuch darüber führen, was dein Kind isst und macht. Auch der Kinderarzt kann helfen, die Ursache herauszufinden.

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Spontane Nesselsucht: Wenn die Haut plötzlich juckt und Quaddeln bildet

Chronische spontane Nesselsucht – Wenn sich die Symptome nicht bessern

Von einer chronischen spontanen Nesselsucht spricht man, wenn die Symptome länger als sechs Wochen anhalten, was bei etwa zehn Prozent der Betroffenen der Fall ist.2 Bestehen die Nesselsucht-Symptome länger als sechs Wochen, sollte man einen Hautarzt konsultieren.

Die Beschwerden treten entweder täglich oder wöchentlich oder in unregelmäßigen Abständen immer wieder auf – und ein Auslöser kann gar nicht oder nur schwer gefunden werden.

Folgende, oft schwer erkennbare Ursachen können einer chronischen spontanen Urtikaria zugrunde liegen3:

  • Chronische Infekte oder Entzündungsprozesse zum Beispiel im Kieferbereich oder im Darm
  • Reaktion auf Nahrungsmittelzusätze wie Farb- oder Konservierungsstoffe
  • Zudem können auch Reaktionen auf körpereigene Stoffe die Ursache für die chronische spontane Urtikaria sein – man spricht dann von einer autoreaktiven Urtikaria.

Solange ein Auslöser nicht gefunden werden kann, stehen neben einer kausalen Behandlung, effektive Therapien zur Verfügung, um die Symptome der chronischen Nesselsucht so weit einzudämmen, dass die Erkrankten beschwerdefrei ihren Alltag meistern können.

Die Standardtherapie besteht in der Einnahme von Antihistaminika. Wenn diese nicht innerhalb von zwei Wochen zu einer zufriedenstellenden Verringerung der Beschwerden führen, empfehlen die internationalen Leitlinien zur Behandlung der chronischen Urtikaria die Erhöhung der Dosis bis auf das Vierfache.

Bei etwa fünfzig Prozent der Menschen mit chronischer spontaner Nesselsucht hilft auch das nicht ausreichend.

In diesen Fällen sieht die Leitlinie eine Behandlung mit weiteren Medikamenten vor, den sogenannten Biologika.

Diese Wirkstoffe greifen gezielt in das körpereigene Abwehrsystem ein und verhindern eine zu starke Ausschüttung des Botenstoffs Histamin, der für die Ausbildung der typischen Symptome verantwortlich ist.4

Ist der Verlauf der chronischen Nesselsucht besonders schwer, lohnt es sich begleitend mit dem behandelnden Hautarzt systematisch nach einer möglichen Ursache für die chronische Nesselsucht zu suchen.

Ausschlag am ganzen Körper

Ausschlag am ganzen Körper – eine entsetzliche Vorstellung: Über Nacht ist der Körper mit Pusteln, Pickelchen oder Rötungen übersät. Ein Ausschlag kann sich ganz plötzlich am ganzen Körper ausbreiten oder sich über einen längeren Zeitraum hinweg entwickeln. Egal wie und warum – lästig ist dies auf jeden Fall.

Inhaltsverzeichnis

Wie der Ausschlag aussehen kann

Ausschlag am ganzen Körper kann verschiedene Ursachen haben und sollte dringend ärztlich abgeklärt werden. (Bild: kanachaifoto/fotolia.com)

Als Fleck wird jede Farbveränderung in einem umschriebenen Bereich der Haut bezeichnet. Der Fleck liegt auf dem selben Niveau wie die Haut und zeigt auch keine Veränderung der Oberflächenstruktur oder der Konsistenz. Solche Verfärbungen entstehen zum Beispiel durch Durchblutungsstörungen wie eine Gefäßerweiterung. Dies sind Rötungen, die in der Fachsprache als Erythem bezeichnet werden.

Ein Ausschlag kann sich auch in Form von Quaddeln zeigen – häufig in Verbindung mit einer Allergie. Quaddeln sind flächenhafte, weiche Erhabenheiten. Diese können so klein wie eine Stecknadel oder auch viel größer sein. In der Regel entstehen Quaddeln im Rahmen einer allergischen Reaktion – entweder lokal begrenzt oder aber am ganzen Körper. Sicherlich kennen Sie die Quaddelbildung nach dem Kontakt mit Brennnesseln.

Bläschen sind Flüssigkeitsansammlungen. Sind diese größer als fünf Millimeter, werden sie als Blase bezeichnet. Bläschen und Blasen entstehen ebenfalls oft in Verbindung mit einer Allergie oder auch im Zusammenhang mit Herpes und einer Gürtelrose.

Eine weitere Hauterscheinung ist die Pustel. Dieses kleine Bläschen ist mit Eiter gefüllt.

Ein Ausschlag kann sich vielfältigst zeigen. Normen sind hierfür nicht vorhanden. Die Haut kann dabei brennen, jucken, sich schuppen oder sich warm anfühlen. Farbveränderungen in Richtung rötlich, bräunlich oder auch weißlich sind dabei möglich.

Hautausschlag mit Bläschen-Bildung zeigt sich zum Beispiel bei Herpes-Infektionen. (Bild: nengredeye/fotolia.com)

Infektionskrankheiten – Kinderkrankheiten

Die Ursache für einen Ausschlag am ganzen Körper ist häufig eine ansteckende Infektionskrankheit. Ein Arzt ist daher unbedingt aufzusuchen, um die Ursachen zu klären und eine eventuelle Ansteckung zu vermeiden.

Infektionskrankheiten unterscheiden sich durch ihre Art des Ausschlags. Hinzu kommen noch weitere Symptome wie zum Beispiel Halsschmerzen, Fieber, Juckreiz und allgemeines Krankheitsgefühl. Windpocken, Masern, Ringelröteln, Röteln, Scharlach – dies sind Krankheiten, mit denen ein Hautausschlag einhergeht.

Masern

Masern werden durch ein Virus übertragen und sind sehr ansteckend. Leider entsteht der Ausschlag am Körper erst dann, wenn das Kind schon infektiös ist. Zunächst treten Anfangssymptome auf, die an einen grippalen Infekt erinnern: Müdigkeit, Fieber, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, trockener Husten, Schnupfen und Halsweh. Das Gesicht der Betroffenen ist aufgedunsen und häufig kommt eine Bindehautentzündung hinzu. Diese unspezifischen Symptome machen noch keine Masernerkrankung aus. Zeigen sich jedoch bei einem Blick in den Mund der Betroffenen auf der Wangenschleimhaut sogenannte Koplik-Flecken – das sind rote Flecken, die in der Mitte einen weißen Punkt haben, ist dies ein relativ eindeutiger Hinweis.

Nach ein paar Tagen geht das Fieber zurück und es folgt der eigentliche Ausschlag, der sich nach kurzer Zeit über den ganzen Körper ausdehnt. Die roten Flecken beginnen hinter den Ohren und breiten sich nach und nach über Gesicht und Rücken, über Arme und Beine aus. Das Fieber steigt wieder an, teilweise sehr hoch bis über 40°C. Bis zum vierten Tag hat das Exanthem auch die Füße erreicht. Der Ausschlag kann mit Juckreiz verbunden sein. Wenn dann das Fieber wieder zurückgeht, erholen sich Betroffene langsam. Masern ist mittlerweile keine einfache Kinderkrankheit mehr. In schlimmen Fällen wird Gewebe zerstört, das Immunsystem wird angegriffen und Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Hepatitis bis hin zu einer lebensbedrohlichen Meningitis oder Enzephalitis, können die Folge einer Masernerkrankung sein.

Windpocken

Windpocken sind hochgradig ansteckend und gehen mit einem juckenden Hautausschlag am ganzen Körper einher. Das Exanthem besteht aus kleinen Bläschen, die mit der Zeit verkrusten. Bezeichnend für den Windpocken Ausschlag ist, dass verschiedene Stadien gleichzeitig vorhanden sind. Das heißt, frische Bläschen kommen neben bereits verkrusteten vor. Durch Aufkratzen können sich diese Stellen infizieren und Narben zurückbleiben. Die Krankheit wird durch das Varicella-Zoster-Virus übertragen. Auch diese Infektionskrankheit beginnt mit untypischen Symptomen, wie Mattigkeit, leichtem Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Dann erst tritt der typische Hautausschlag mit den juckenden Bläschen auf. Windpocken sind eine Erkrankung, die in der Regel bei gesunden Patienten ohne Komplikationen ausheilt.

Zahlreiche Infektionskrankheiten gehen mit verschiedenen Formen des Hautausschlags einher. Auf dem Bild ist beispielsweise der typische Ausschlag bei einer Windpocken-Erkrankung zu sehen. (Bild: nengredeye/fotolia.com)

Röteln

Röteln sind eine ansteckende Infektionskrankheit, bei der ein Ausschlag am ganzen Körper auftritt. Sie wird durch ein Virus, das sogenannte Rubella Virus, verbreitet und ist eine typische Kinderkrankheit, die allerdings auch Erwachsene befallen kann, die weder geimpft sind, noch die Krankheit durchgemacht haben. Röteln sind hochansteckend und können bei Infektionen in der Schwangerschaft das ungeborene Kind schädigen. Der Ausschlag ist rötlich, fleckig und kann sich über den ganzen Körper erstrecken. Nicht immer sind die Symptome eindeutig, die Erkrankungen kann auch sehr schwach verlaufen.

Scharlach

Scharlach befällt vor allem Kinder im Kindergarten und in der Grundschule. Diese Infektionskrankheit wird durch ein Bakterium übertragen. Sie beginnt mit massiven Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und Schüttelfrost. Bauchschmerzen und/oder Erbrechen sind auch möglich. Der Gaumen und der Rachen sind hochrot und die Mandeln sind entzündet, eventuell weißlich belegt. Die Lymphknoten im Halsbereich sind schmerzhaft vergrößert.

Der typische Scharlach Ausschlag beginnt nach ein bis zwei Tagen und breitet sich in der Regel über den ganzen Körper aus. Dabei entwickeln sich Stecknadelkopf große, erhabene hellrote Pünktchen. Handinnenflächen und Fußsohlen sind davon nicht betroffen. Typisch ist die periorale Blässe, was bedeutet, dass die Wangen hochrot sind und um den Mund herum die Haut blass ist. Nach circa sechs bis neun Tagen verschwindet der Ausschlag. Erst dann schält sich die Haut, vor allem an Handinnenflächen und Fußsohlen. Ebenso typisch für Scharlach ist die sogenannte Himbeerzunge – diese ist zuerst weiß belegt und dann himbeerfarben.

Dreitagefieber

Das Dreitagefieber ist eine meist harmlos verlaufende Infektionskrankheit, bei der – wie der Name schon sagt – drei Tage Fieber im Vordergrund stehen. Diese Krankheit befällt vor allem kleine Kinder zwischen dem 6. und 24. Monat. Die meisten Kinder hatten im 3. Lebensjahr bereits Kontakt mit den verursachenden Viren. Das Dreitagefieber zeigt einen klein fleckigen Ausschlag am ganzen Körper, der nach den Fieberschüben auftritt. Oft wird dann erst die Diagnose klar.

Ringelröteln

Ringelröteln zeigen sich mit einem hochrotem Ausschlag, der sich girlandenförmig ausbreitet und nahezu den ganzen Körper befallen kann. Das dafür verantwortliche Parovirus kann lange auf der Haut überleben, da dies sehr stabil ist. Demnach sind regelrechte Epidemien in Kindergärten und Schulen möglich. Ringelröteln können aber auch recht unbemerkt, wie ein grippaler Infekt, ablaufen. Für ein ungeborenes Kind sind Ringelröteln sehr gefährlich.

Pfeiffersches Drüsenfieber

Das Pfeiffersche Drüsenfieber wird durch das Eppstein-Barr-Virus ausgelöst und per Tröpfcheninfektion übertragen. Dieses Virus gehört zu den Herpes-Viren. Die Erkrankung kann ganz unauffällig verlaufen, aber auch ziemlich heftig. Die Betroffenen leiden unter massiven Halsschmerzen, Fieber und geschwollen Halslymphknoten. Die Mandeln sind dabei stark geschwollen und können einen weißen Belag aufweisen.

In circa zehn Prozent der Fälle gesellen sich bakterielle Infektionen dazu. Diese werden in der Regel mit einem Antibiotikum behandelt. Jedoch können bestimmte Breitbandantibiotika eine Überempfindlichkeitsreaktion auslösen und zu einem juckenden Ausschlag am ganzen Körper führen.

Hepatitis

Bei einer Hepatitis, einer Virusinfektion der Leber, kann sich neben Symptomen wie massiver Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Rippenschmerzen und Gelenkschmerzen auch ein juckender Ausschlag am ganzen Körper zeigen. Bei dem geringsten Verdacht, gehören die Betroffenen umgehend in ärztliche Behandlung.

Denguefieber Fieber

Das Denguefieber Fieber ist eine Tropenkrankheit und wird durch den Stich der Tigermücke übertragen. Die Infizierten leiden unter schweren Grippe ähnlichen Symptomen mit massiven Muskel– und Gelenkschmerzen, Ausschlag mit Juckreiz, bis hin zu Blutungen verschiedenster Organe, Kreislaufversagen und Schock. Bei Grippe ähnlichen Symptomen nach der Rückkehr von einer Reise aus Zentral- und Südamerika, Süd- und Südostasien oder Afrika ist Vorsicht angesagt. Eventuell ist der Gang in ein Tropeninstitut nötig.

Nahrungsmittelallergie

Die verschiedensten Nahrungsmittel (zum Beispiel Kiwis, Nüsse, Erdbeeren, Käse, Meeresfrüchte) können Allergien auslösen. Die Beschwerden finden im Verdauungstrakt, im Bereich der Schleimhäute oder auch als Ausschlag, eventuell am ganzen Körper, statt. Ist das Exanthem sehr ausgeprägt und unangenehm, verordnet der Ärzt in der Regel ein Antihistaminikum.

Sonne

Zu viel Sonnenbestrahlung, eventuell noch in Kombination mit einem Sonnenschutzmittel, kann Ausschlag, begrenzt oder auch am ganzen Körper, hervorrufen. Dabei entstehen Quaddeln, Flecken, Bläschen oder Pickelchen. Auch reagiert die Haut häufig mit einem Exanthem auf die Kombination aus Sonne und Einnahme bestimmter Arzneimittel wie zum Beispiel Antibiotika, Entzündungshemmer oder auch Johanniskraut.

Neurodermitis

Wer unter Neurodermitis leidet, hat in der Regel trockene Haut. Auf dieser entwickelt sich wiederkehrender entzündlicher juckender Ausschlag. Bei Kindern sind vor allem Kopf, Gesicht, Rumpf, Windelregion und später dann noch Rückseiten der Arme und Beine betroffen. Bei Erwachsenen kann das Exanthem den ganzen Körper befallen, was jedoch recht selten ist.

Schuppenflechte verursacht einen Hautausschlag, der oftmals an den Streckseiten der Arme auftritt, sich jedoch auch großflächig ausweiten kann. (Bild: Farina3000/fotolia.com)

Psoriasis

Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut, bei der jedoch auch Gelenke und innere Organe befallen sein können. Die Erkrankung ist nicht ansteckend. Die Veranlagung dazu kann vererbt werden. Schuppenflechte verläuft in Schüben, in längeren oder kürzeren, mit vielen oder auch wenigen Symptomen. Bei dieser Erkrankung wächst die Oberhaut rasend schnell. Die neuen Zellen der obersten Hautschicht wandern sieben mal schneller an die Oberfläche als dies normalerweise der Fall ist. Dadurch bilden sich auf der Haut silbrig-weiße Schuppen auf begrenzten entzündlich geröteten Hautbezirken. Sehr selten und nur in schlimmen Fällen weitet sich der Ausschlag auf den ganzen Körper aus. In der Regel sind die Streckseiten von Armen und Beinen, Kopfhaut, Gesäß, Brust und Rücken betroffen. Das Gesicht kann auch davon befallen sein.

Medikamente

Bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten kann als Nebenwirkung ein Ausschlag, eventuell am ganzen Körper, auftreten. Die häufigsten Medikamente, die dieses sogenannte Arnzeimittelexanthem hervorrufen können, sind Antibiotika, Schmerzmittel, Schilddrüsenhormone, Insuline, Impfstoffe, Kontrastmittel, Psychopharmaka und Muskelrelaxantien.

Der Gang zum Arzt

Bei einem Ausschlag am ganzen Körper, ist der Gang zum Arzt zu empfehlen. Vor allem dann, wenn noch Allgemeinsymptome wie zum Beispiel massiver Juckreiz, Fieber, Unwohlsein, Halsschmerzen, Erbrechen oder Ähnliches auftreten. Der Arzt sieht sich das Exanthem genau an und sichert seine Diagnose durch eine ausführliche Anamnese: Wann ist der Ausschlag aufgetreten? In welchem Zusammenhang? Was ging voraus? Welche Begleiterscheinungen gibt es? In den meisten Fällen ist eine Infektionskrankheit Ursache des Ausschlags. Eventuell ist hier zur Diagnose ein Hautabstrich nötig und es werden Antibiotika, Schmerzmittel und gegen den Juckreiz ein Antihistaminikum verordnet – in Form passender Salben oder Gele.

Verändert sich der Ausschlag plötzlich, treten Eiterbildung, Hautblutungen oder gar Geschwüre auf und dies auch noch im Zusammenhang mit einer Reise in die Tropen, so muss unbedingt unverzüglich ein Arzt zu Rate gezogen werden.

Vorsicht – Schock

Eine allergische Reaktion kann im schlimmsten Fall zu einer sogenannten Anaphylaxie, zu einer Schockreaktion, führen. Dazu gehören brennende, juckende Quaddeln, vor allem an den Handflächen und den Fußsohlen, eventuell breitet sich der Ausschlag über den ganzen Körper aus. Darauf folgen Atemnot, Blutdruckabfall, Durchfall, Erbrechen, Herzrasen und Bewusstseinseintrübung. Der Rettungsdienst muss hier so früh wie möglich gerufen werden.

Naturheilkundliche Behandlung

Tritt der Ausschlag aufgrund einer vorliegenden Allergie auf, so ist eine naturheilkundliche Behandlung sehr hilfreich. Im Akutfall kann beispielsweise die Akupunktur helfen. Um sich vor weiteren Allergieschüben und dem damit verbundenen Ausschlag zu schützen, werden unter anderem Homöopathie, Eigenbluttherapie, Anthroposophische Medizin und die orthomolekulare Medizin angewandt.
Bei Nahrungsmittelallergien sollte das auslösende Allergen unbedingt gemieden werden. Eventuell kann nach einer erfolgreichen Therapie das eine oder andere Nahrungsmittel allerdings wieder ohne Probleme verzehrt werden. Bei Ausschlag, der mit Juckreiz verbunden ist, hilft das homöopathische Mittel Rhus toxicodendron. Dies wird auch gerne den Windpocken-Kindern gegeben, damit sie ihre Bläschen nicht aufkratzen. Zusätzlich hilft ein Puder, das Echinacea, Calendula und Quarz enthält. Dieses ist in der Apotheke erhältlich.

Calendulasalbe wirkt entzündungshemmend und unterstützt die Heilung, was bei vielen Formen des Hautausschlags helfen kann. (Bild: GreenArt Photography/fotolia.com)

Heilend und entzündungshemmend wirkt die Calendulasalbe (Ringelblumensalbe). Sie kann auch recht großflächig aufgetragen werden. Hilfreich ist zudem das Aloe Vera Gel. Dies kühlt und lindert den Juckreiz. Ein einfaches Hausmittel stellt das Auftragen von hochwertigem Mandelöl dar, dem ätherisches Lavendelöl hinzugefügt wurde (auf 50 ml Öl 1 – 2 Tropfen ätherisches Lavendelöl). Lindernd wirken kühle Quarkauflagen oder kühle Güsse. Danach sollte die Haut nur leicht abgetupft werden.

Bei Vorliegen von Infektionskrankheiten heilt der Ausschlag im Laufe der Krankheit von alleine ab. Unterstützt werden kann dies durch die Schüssler Salze Nr. 3 Ferrum phosphoricum ( nie bei Fieber > 38,5°C), Nr. 4 Kalium chloratum und Nr. 11 Silicea.

Haut – Spiegel der Seele

Nicht immer kann eine Diagnose gestellt werden, wenn ein Ausschlag am ganzen Körper auftritt. Eventuell sind hier Stress, Trauer, Sorgen oder Ähnliches die Auslöser. Wenn ein Mensch ein Ereignis in seinem Leben nicht verarbeiten kann, kann sich dies über die Haut zeigen – in Form eines Ausschlags. Äußerlich helfen hier Ringelblumensalbe oder Johanniskrautöl. Auch innerlich, in Form von einer Urtinktur, hilft die Ringelblume, da sie seelische Wunden ebenfalls heilen kann. Weitere „Seelenpflanzen“ sind Lavendel, Zitronenmelisse, Johanniskraut und Kamille. Auch die Akupunktur kann Körper und Seele beruhigen und sich somit positiv auf die Heilung des Ausschlags auswirken. Das Schüßler Salz der Wahl ist in diesem Fall die Nr. 5 Kalium phosphoricum. (sw)

Quellen anzeigen Autoren: Susanne Waschke, Barbara Schindewolf-Lensch Quellen:

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen.

Ihr Ratgeber zu Hautausschlag

Ein Hautausschlag oder Exanthem bezeichnet eine akut oder schubweise auftretende Rötung der Haut. Hautausschläge haben zahlreiche Erscheinungsformen und ebenso viele Ursachen. Zu diesen zählen Kinderkrankheiten, Allergien, Unverträglichkeiten gegenüber Medikamenten sowie infektiöse Allgemein-Erkrankungen. ichtig ist die Unterscheidung ansteckender und nicht infektiöser Exantheme.

Hautausschlag-Ratgeber

Kurzfassung

  • Ein Hautausschlag ist eine akut auftretende Rötung der Haut, die auch als Exanthem bezeichnet wird.
  • Exantheme können in Form von Flecken, Quaddeln oder Bläschen auftreten und in Form und Farbe variieren.
  • Die Ursachen eines Hautausschlags reichen von Unverträglichkeiten und Allergien bis zu hoch ansteckenden Infektionen. Als Begleiterscheinungen können Jucken, Fieber, Abgeschlagenheit, grippeähnliche Symptome oder ein beeinträchtigter Allgemeinzustand auftreten.
  • Neben der Blickdiagnose geben auch die begleitenden Symptome Auskunft über die Ursache von Hautausschlägen. Vor allem bei infektiösen Exanthemen ist die Früherkennung von großer Bedeutung.

Was ist ein Hautausschlag?

Ein Hautausschlag oder Exanthem ist eine akute Rötung der Haut. Von einem Hautausschlag können alle Körperregionen – auch die Schleimhäute im Mund – betroffen sein.

Ein Exanthem kann sich in folgenden Erscheinungsformen zeigen:

  • Blass- bis tiefrot, auch in Verläufen, mit hellem oder dunklem Zentrum
  • Mit feinen, mittelgroßen bis großen Flecken, die ineinander übergehen können
  • In Form von erhabenen, ebenfalls ineinander übergehenden Quaddeln
  • Im Zusammenhang mit Bläschen

Wann sollte bei einem Hautausschlag ein Arzt aufgesucht werden?

Einen Hautausschlag sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. In der Frage, ob es sich um ein bakterielles, virales, allergenes oder sonstiges Exanthem handelt, kann der Arzt anhand der Symptome und einer eventuellen Blutuntersuchung für Klarheit sorgen und einer eventuellen Ansteckungsgefahr vorbeugen. Folgende Symptome sollten dem Arzt vorgestellt werden:

  • Hautausschläge bei Kindern
  • Hautausschläge, die von Fieber und/oder Atemnot begleitet werden
  • Plötzlich und heftig auftretende Hautausschläge
  • Juckende, in Schüben auftretende Hautausschläge
  • Sich auffällig verändernde oder auf Blutungen hindeutende Hautausschläge
  • Hautausschläge mit unklaren Ursachen
  • Hautausschläge, die nach einigen Tagen nicht abklingen oder sich weiter verbreiten
  • Hautausschläge, die trotz begonnener Therapie nicht abklingen

In welchen ärztlichen Zuständigkeitsbereich fällt ein Hautausschlag?

  • Arzt für Allgemeinmedizin
  • Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten
  • Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde
  • Dermatologische Krankenhausambulanz

Welche Ursachen/Arten von Exanthemen gibt es?

Die Einteilung von Hautausschlägen (Exanthemen) nach ihrer viralen, bakteriellen oder allergisch bedingten Ursache:

Viral Bakteriell Allergisch
  • Masern
  • Röteln
  • Ringelröteln
  • Dreitagefieber
  • Pfeiffersches Drüsenfieber
  • Röschenflechte
  • Adenoviren
  • Hand-Fuß-Mund-Krankheit
  • Handschuh-Socken-Syndrom
  • Coxsackie-, Echo-, Rota- und Hanta-Virus-Infektionen
  • Gürtelrose, Windpocken sowie weitere durch Varizellen bedingte Krankheiten
  • In Zusammenhang mit hämorrhagischem Fieber (Fieber, das mit verstärkter Blutungsneigung einhergeht wie bei einigen Tropenkrankheiten)
  • Scharlach
  • Staphylokokken-Scharlach
  • Borreliose
  • Toxisches Schocksyndrom
  • Syndrom der verbrühten Haut
  • Syphilis
  • Gonorrhoe
  • Fleck- und Zehntage-Fieber
  • Q-Fieber
  • Katzenkratz-Krankheit
  • Typhus
  • Paratyphus
  • Mykoplasmen-Exanthem
  • Toxoplasmose
  • Listeriose
  • Psittakose
  • Brucellose
  • Reaktionen auf Arzneimittel
  • Kontaktallergien
  • Insektenstiche
  • Lebensmittelallergien
  • Akute oder chronische Nesselsucht
  • Atopische Dermatitis

Wichtig: Der Großteil der Krankheiten, die hinter viralen und bakteriellen Hautausschlägen stecken, ist hoch ansteckend! Dazu zählen die sogenannten Kinderkrankheiten Masern, Röteln, Ringelröteln, Dreitagefieber, Pfeiffersches Drüsenfieber, Windpocken und Scharlach.

Weitere Ursachen für Hautausschläge gliedern sich in

  • Rheumatische Exantheme
  • Toxische Exantheme (durch Überempfindlichkeits-Reaktionen ausgelöst)
  • Parainfektiöse Exantheme (im Rahmen von Infektionen auftretend)
  • Autoimmune Exantheme (durch das körpereigene Immunsystem bedingt) wie Schuppenflechte (Psoriasis)
  • Idiopathische Exantheme (ohne erkennbare Ursache) wie Psoriasis vulgaris oder Neurodermitis

Worauf kommt es bei der Diagnose eines Hautausschlags an?

Für die Diagnose eines Hautausschlags sind folgende Kriterien von Bedeutung:

  • Die Blickdiagnose
  • die Anamnese (Erfragen relevanter Informationen und der Vorgeschichte)
  • Die Symptome etwaiger Begleiterscheinungen
  • Eine Differenzialdiagnose, bei der ähnliche Krankheitsbilder vergleichend gegenübergestellt werden

Wichtig: Bei Kindern treten Hautausschläge häufig und mit vielfältigen Ursachen auf. Ein frühzeitiges Erkennen der Exanthem-Erkrankung ist erforderlich, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten und lebensbedrohliche Erkrankungen auszuschließen.

Die Differenzialdiagnose von Exanthemkrankheiten im Kindesalter (Kinderkrankheiten):

Krankheit Hautausschlag Frühsymptome Begleiterscheinungen

Masern

  • Tiefroter, fleckiger Hautausschlag
  • Auch ineinander übergehende Flecken
  • Beginn im Gesicht oder hinter dem Ohr
  • Verbreitung über den gesamten Körper
  • Juckreiz möglich
  • Ausschlag in der Mundhöhle
  • Blassrote Flecken mit weißem Mittelpunkt
  • Bindehautentzündung
  • Fieber
  • Bellender Husten
  • Schnupfen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Evtl. Juckreiz
  • Hohes Fieber
  • Generelle Neigung zu geschwollenen Lymphknoten
  • Zweigipfeliges Fieber mit kurzzeitiger Entfieberung

Röteln

  • Hellrote, mittelgroße Flecken
  • Beginn im Gesicht oder hinter den Ohren
  • Verbreitung über den gesamten Körper
  • Kein Juckreiz
  • Grippeähnliche Symptome
  • Mäßiges Fieber
  • Geschwollene Lymphknoten im Ohren- und Nackenbereich
  • Kein stark eingeschränkter Allgemeinzustand
  • Grippeähnliche Symptome
  • Mäßiges Fieber
  • Geschwollene Lymphknoten im Ohren- und Nackenbereich

Ringelröteln

  • Wangenrötung
  • Netzartig verlaufender Hautausschlag auf Stamm und Extremitäten
  • Milder Juckreiz
  • Kopfschmerzen
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Grippeähnliche SymptomeGeschwollene LymphknotenEvtl. Gelenkschmerzen

Scharlach

  • Blassroter, feinfleckiger Hautausschlag
  • Ausbreitung: Kopf, Hals, Stamm, Extremitäten, vor allem Leistenbereich und Gelenkbeugen
  • Intensive Rötungen in Achsel- und Leistenbereich
  • Plötzlicher Beginn
  • Hohes Fieber
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Starke Abgeschlagenheit
  • Gerötete Wangen mit Blässe im Mundbereich
  • Akute Rachen- oder Gaumenmandelinfektion
  • Geröteter Gaumen
  • Rote Zunge: „Erdbeerzunge“ oder „Himbeerzunge“

Dreitagefieber

  • Blassroter Ausschlag mit feinen Flecken, nur wenige Stunden bis zu drei Tage sichtbar
  • Oft nur im Nacken
  • Auch Verbreitung am Körperstamm
  • Plötzlich auftretendes, hohes Fieber
  • Bei sonst gutem Allgemeinzustand
  • Plötzlicher Fieberabfall
  • Rrasch sich ausbreitender Hautausschlag
  • Rötungen im Bereich des Rachens und Gaumenzäpfchens
  • Evtl. Husten, Schnupfen, Bauchschmerzen und Durchfall

Die Behandlung eines Exanthems hängt von den Ursachen ab und kann folgende Maßnahmen umfassen:

  • Die Erkennung und Vermeidung allergener Auslöser
  • Die Gabe von Antibiotika bei bakterieller Ursache
  • Bei viralen Ursachen erfolgen zumeist symptomatische Behandlungen: Stecken Varicellen dahinter, werden, je nach Form, orale und lokale Therapien angewandt. Das ist beispielsweise bei Gürtelrose der Fall, während bei Windpocken nur die Beschwerden gelindert werden.
  • Die Linderung der direkten Symptome und Begleiterscheinungen wie beispielsweise Juckreiz

Fragen und Antworten

Kann ein Hautausschlag auch bei Erwachsenen auf eine sogenannte Kinderkrankheit hinweisen?

Ja, vor allem Masern können bei nicht geimpften Erwachsenen auftreten und lebensbedrohlich verlaufen. Für Schwangere sind Masern ebenfalls sehr gefährlich.

Besteht ein Zusammenhang zwischen der betroffenen Körperregion und der Ursache eines Hautausschlags?

Ja, das ist bei allen Kinderkrankheiten der Fall. Auch bei Kontaktallergien kann die Stelle des Auftretens des Hautausschlags den entscheidenden Hinweis liefern.

Ist der Hautausschlag bei Schuppenflechte ansteckend?

Schuppenflechte (Psoriasis) zählt zu den Autoimmunerkrankungen und ist nicht ansteckend.

Ist der Hautausschlag bei Neurodermitis ansteckend?

Neurodermitis (atopisches Ekzem) bezeichnet eine schubweise auftretende Hauterkrankung und ist nicht ansteckend.

Quellen

Nesselausschlag (Nesselsucht, Urtikaria)

Kurzfassung:

  • Hautveränderungen können am ganzen Körper einzeln oder in größeren Ansammlungen auftreten. Sie können „wandern“, d.h. die Ausbreitung kann sich innerhalb von Stunden verändern.
  • Nesselausschlag ist der Überbegriff für eine Reihe von Hautveränderungen mit gleichartigem Krankheitsverlauf, Aussehen und Symptomen.
  • Die Ursachen sind oftmals unbekannt. Als mögliche Ursachen für die Entstehung eines Nesselausschlags werden Allergien, Infektionen, Medikamente, aber auch (ganz selten) eine Autoallergie gegen sich selbst genannt.

Informationen auf dieser Seite:

  • Ursachen & Symptome
  • Diagnose
  • Behandlung
  • Prognose & Krankheitsverlauf

Die Quaddeln – so werden die einzelnen Hautveränderungen beim Nesselausschlag genannt – können nur an wenigen Stellen, aber auch am gesamten Körper auftreten und wenige Millimeter bis mehrere Zentimeter groß werden. Außerdem können diese Quaddeln für sich allein stehen, aber auch zu größeren Flächen „zusammenfließen“.

In manchen Fällen verschwinden die einzelnen Quaddeln innerhalb von wenigen bis zu 24 Stunden, kommen aber an anderen (oder möglicherweise auch den gleichen) Stellen wieder, bis die Erkrankung folgenlos abgeklungen ist. Dies kann Tage, allerdings auch Monate oder sogar Jahre dauern – je nachdem, welche Form des Nesselausschlags vorliegt.

„Nesselausschlag“ ist keine exakte Diagnose, sondern ein Oberbegriff für eine Gruppe von Krankheiten, die gleichartig aussehen und sich gleichartig anfühlen. Es handelt sich dabei um eine der häufigsten Hautkrankheiten. Etwa jede fünfte Person ist mindestens einmal im Leben davon betroffen. Dabei ist es nicht nur lästig und subjektiv störend, es kann auch zu einer Schwellung der Lippen und der Zunge kommen, die sich dann im gesamten Gesicht und im Hals ausbreiten kann (Angioödem). Letzteres kann durch die Verlegung der Atemwege zum Ersticken führen.

Symptome eines Nesselausschlags

Abb.:Beispiel für Quaddeln unterschiedlicher Größe. Die meisten Quaddeln sind von einer Rötung der Haut umgeben (sogenanntes Reflexerythem). (© Jürgen Fälchle – Fotolia.com) (© Jürgen Fälchle – Fotolia.com)

Der Nesselausschlag kann durch eine Vielzahl von Reizen ausgelöst werden, die von außen oder innen kommen können. Manche dieser Reize basieren auf einer Allergie, andere sind eher durch Entzündungen, z.B. bei oder nach Infekten, wiederum andere durch physikalische Effekte (Kälte, Wärme, Druck, Anstrengung) hervorgerufen. In vielen Fällen bleibt die konkrete Ursache allerdings ungeklärt, vor allem, wenn es sich um die chronische Form der Urtikaria (Dauer länger als sechs Wochen) handelt. Hier muss man von einer sogenannten Autoallergie ausgehen, bei der der Körper gegen körpereigene Stoffe aktiv wird.

Die im Körper des Patienten ausgelösten Vorgänge, die zum Nesselausschlag führen, sind ungeachtet des Auslösers jedoch weitgehend gleich:
Aus Abwehrzellen des Immunsystems, den Mastzellen, werden Botenstoffe, sogenannte Mediatoren wie Histamin oder PAF (Plättchen-aktivierender Faktor), freigesetzt. Diese erweitern die Blutgefäße der Haut und machen sie anschließend durchlässig für die Blutflüssigkeit. Diese Flüssigkeit tritt dann in die Haut aus, sammelt sich lokal an und führt zu dem sichtbaren Ausschlag (Quaddeln).

In jedem Fall finden sich drei charakteristische Symptome der Quaddeln:

  • Spontane Schwellung der Haut (Millimeter bis Zentimeter), umgeben von einer Rötung
  • Juckreiz oder Brennen an den Stellen der Schwellung
  • Die Quaddeln verschwinden innerhalb von maximal 24 Stunden, ohne irgendwelche Spuren oder Schäden zu hinterlassen (können danach allerdings erneut auftreten).

Was verursacht Nesselausschlag?

Die Zahl der möglichen Urtikaria-Auslöser ist sehr groß, was die Suche nach dem konkreten Auslöser beim einzelnen Patienten oft auch sehr schwierig macht. Die nachfolgend aufgeführten Auslöser stellen eine Auswahl dar und sind nicht nach Häufigkeit gereiht:

  • Allergene (v.a. Nahrungsmittel wie Nüsse, Meeresfrüchte, Schalentiere)
  • Infektionen (Viren, Parasiten oder Bakterien)
  • Innere Erkrankungen (Schilddrüsenfehlfunktion bei Autoimmunthyreopathien, Autoimmunkrankheiten, rheumatische Krankheiten, selten auch Krebs der inneren Organe)
  • Insektengifte (Bienengift, Wespengift, Hornissengift, manchmal auch Stechmücke)
  • Physikalische Einwirkungen (Kälte, Wärme, Sonnenlicht, Wasser, Schweiß, Druck)
  • Medikamente (Antibiotika, ACE-Hemmer, Schmerzmittel)
  • Allergie gegen körpereigene Stoffe (Autoallergie)

Wie wird Nesselsucht diagnostiziert?

Wenn die Haut juckt und Quaddeln bildet, ist die Diagnose in der Regel eindeutig, sodass sie ohne weitere Untersuchungen gestellt werden kann.

Hat der Patient zum Zeitpunkt des Arzttermins gerade keine Quaddeln, hilft eine gute Schilderung des typischen klinischen Bildes zur Diagnosestellung. Ideal wäre es, ein Foto der betroffenen Stellen beim Arztbesuch mitzunehmen. In jedem Fall wird sich eine exakte Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) anschließen, um mögliche Ursachen eingrenzen und eine gezielte weitere Diagnostik durchführen zu können.

  • Wichtig für den Arzt ist zum einen, ob die einzelnen (!) Quaddeln innerhalb von 24 Stunden folgenlos verschwinden, denn es gibt auch Krankheiten, die zwar Quaddeln aufweisen, aber kein Nesselausschlag sind. Hierzu gehört etwa die Urtikaria-Vaskulitis oder das urtikarielle Anfangsstadium des bullösen Pemphigoids, die zur Abklärung eine Hautbiopsie erfordern.
  • Weiters zu erfragen ist die Dauer der Beschwerden insgesamt, wodurch eine akute von einer chronischen Urtikaria unterschieden werden kann. Liegen die ersten Beschwerden weniger als sechs Wochen zurück, ist eine akute Form gegeben. Bestehen die Beschwerden hingegen länger als sechs Wochen, liegt eine chronische Form vor.
  • Des Weiteren werden offensichtliche Auslöser erfragt (Insektenstiche, Infekte, Nahrungsmittelaufnahme), die der Patient auch meist selbst schon verdächtigt.

Sollte sich der Verdacht auf eine akute Urtikaria ergeben, wird nur in Ausnahmefällen eine weitergehende Untersuchung notwendig sein. Diese Ausnahmen sind quaddelnde Reaktionen auf Insektengifte (Biene, Wespe, Hornisse), Arzneimittel (Antibiotika wie Penicilline, Schmerzmittel) oder Nahrungsmittel. In diesen Fällen sollten sich allergologische Testverfahren (IgE-Bestimmung im Blut, Hauttests wie der Prick-Test) anschließen.

Liegt allerdings ein chronischer Nesselausschlag vor, wird der Arzt zuerst die Frage nach physikalischen Auslösern zu beantworten suchen. Dafür wird er den sogenannten Dermographismus testen, d.h. er wird mit einem Glas- oder Holzspatel mit Druck z.B. über die Rückenhaut streichen. Damit kann eine sehr häufige Form des Nesselausschlags, die Urticaria factitia, diagnostiziert werden.

Ferner wird untersucht, ob Kälte, Wärme oder Anstrengung die Quaddelbildung provozieren können.

+++ Eine Diagnosehilfe finden Sie hier +++

Wie wird ein Nesselausschlag behandelt?

Sowohl bei der akuten als auch der chronischen Nesselsucht besteht die Behandlung in erster Linie darin, den oder die möglichen Auslöser zu finden und so gut wie möglich zu meiden.

Medikamente gegen Nesselausschlag

Sind Medikamente ursächlich, müssen diese durch den Arzt (!) abgesetzt und durch geeignete Präparate ersetzt werden. Sind Allergien, wie z.B. gegen Insektengifte (Biene, Wespe, Hornisse), ursächlich, kann eventuell eine spezifische Immuntherapie notwendig werden.

Im Zentrum der medikamentösen Therapie stehen Antihistaminika, die den Juckreiz unterbinden und das Auftreten neuer Quaddeln (weitgehend) vermeiden helfen. Die Wahl wird zumeist auf ein Antihistaminikum der zweiten Generation fallen, da diese neueren Präparate die geringsten Nebenwirkungen aufweisen – sie führen weniger häufig zu Abgeschlagenheit und Müdigkeit.

Für die Behandlung der chronischen Nesselsucht wird ein Ablauf aus drei Stufen empfohlen: Zuerst wird ein Antihistaminikum, das keine müde machenden Auswirkungen hat (nicht sedierend) eingesetzt. Stellt sich kein Therapieerfolg ein, kann als zweiter Schritt die Dosis bis auf das Vierfache gesteigert werden. Weiters kann eine kurzfristige Therapie mit Kortison erwogen werden. Die Behandlung mit Kortison ist nur in Ausnahmefällen eine Option, etwa wenn die Atemwege des Patienten angeschwollen sind. Der behandelnde Arzt kann sich auch für ein anderes Antihistaminikum entscheiden.

Gelingt es dadurch in zwei bis sechs Wochen nicht, die Symptome der chronisch spontanen Urtikaria zu beherrschen, wird eine Therapieumstellung auf Omalizumab empfohlen. Mit Omalizumab kommt es zwar nicht zur Heilung der Nesselsucht, aber die Symptome können unterdrückt werden, solange die chronische spontane Urtikaria aktiv ist. Somit können sich die Symptome bis hin zur Beschwerdefreiheit des Patienten reduzieren. Wenn nach sechs Monaten keine Besserung eintritt, kann eine Therapieumstellung auf Ciclosporin erfolgen.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung der Urtikaria +++

Ernährung anpassen

Bei einer spontanen Urtikaria kann es auch hilfreich sein, Nahrungsmittel zu meiden, die reich an Histamin, dem wichtigen Botenstoff der Nesselsucht, sind. Zu diesen Nahrungsmitteln gehören Fischprodukte, Meeresfrüchte, abgelagerter Käse, Sauerkraut, Tomaten und Wein, um eine wichtige kleine Auswahl zu nennen. Außerdem wird empfohlen, auf Alkohol zu verzichten.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose für die akute Form des Nesselausschlags ist ausgezeichnet, da dieser selbstlimitiert ist. Sollte er allergisch bedingt sein, ist die Prognose ebenfalls sehr gut, wenn die Auslöser vermeidbar sind bzw. eine spezifische Immuntherapie durchgeführt werden kann (Insektengifte).

Bei der chronischen Form sind rund 50% der Patienten nach sechs Monaten ebenfalls beschwerdefrei, allerdings leiden etwa 10% noch viele Jahre später an immer wiederkehrenden Quaddeln. Hier muss der Einsatz von Antihistaminen bzw. Omalizumab der Beschwerdedauer entsprechend angepasst werden.

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Stand der medizinischen Information: Mai 2019

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Nesselsucht (Urtikaria)

Ursachen: Was sind die Ursachen der Nesselsucht (Urtikaria)?

Die Nesselsucht (Urtikaria) bezeichnet eine Gruppe von Hautkrankheiten, die als Reaktion auf Infekte, Umwelteinflüsse oder im Rahmen von Allergien und Unverträglichkeiten auftreten. Charakteristisch bei der Nesselsucht sind blassrote oder rot umrandete Hauterhebungen – sogenannte Quaddeln (Urticae) – und ein starker Juckreiz.

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Man unterscheidet zwei Formen der Nesselsucht:

  • Akute Nesselsucht: Die Quaddeln erscheinen recht plötzlich auf der Haut. Auslöser sind häufig Infekte oder Medikamente, meist bleibt die Ursache aber unbekannt. Bei rund 15 bis 20 Prozent der Menschen tritt im Laufe ihres Lebens einmal eine akute Nesselsucht auf. Meist verschwinden Quaddeln und Juckreiz binnen ein bis zwei Tagen.
  • Chronische Nesselsucht: Der Hautausschlag besteht über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen. Die juckenden Quaddeln können sich entweder kontinuierlich neu bilden, oder kurzzeitig zurückgehen und wieder aufflammen (chronisch-rezidivierender Verlauf). Bei chronischen Formen der Nesselsucht ist es wichtig, auslösende Faktoren zu ermitteln, um die Symptomatik einzudämmen.

Die Ursache der Nesselsucht ist eine überempfindliche Reaktion auf einen oder mehrere Reize. Dies äußert sich darin, dass der Körper vermehrt Histamin und andere Mediatorstoffe ausschüttet, die auf der Haut Rötungen und kleine Wassereinlagerungen (Ödeme) auslösen. Die Folge sind juckende Erhebungen auf der Haut – die für die Nesselsucht typischen Quaddeln.

Für die Urtikaria kommt eine ganze Reihe von Auslösern infrage. Häufig reagieren Menschen, die zu Nesselsucht neigen, auf mehrere Auslöser. Folgende Faktoren spielen bei der Nesselsucht oft eine Rolle:

  • Nahrungsmittel, gegen die eine Allergie (zum Beispiel Nüsse) oder eine Unverträglichkeit (zum Beispiel Farb- oder Konservierungsstoffe) besteht
  • Medikamente, gegen die eine Allergie (zum Beispiel Penizillin) oder eine Unverträglichkeit (zum Beispiel Azetylsalizylsäure) besteht
  • Infektionen mit Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten
  • Autoimmunerkrankungen

Etwa 15 bis 20 Prozent der Nesselsucht-Betroffenen leiden unter einer sogenannten physikalischen Urtikaria. Das bedeutet, die Haut reagiert auf bestimmte physikalische Reize wie Wärme (Wärmeurtikaria), etwa beim Anfassen heißer Gegenstände oder Haare föhnen, oder Kälte (Kälteurtikaria), zum Beispiel bei kaltem Wind oder in kühlem Wasser.

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Eine bekannte Form der physikalischen Nesselsucht ist die Lichturtikaria, welche durch bestimmte Lichtfrequenzen ausgelöst wird. Im Volksmund wird das Phänomen, wenn sich nach einem Sonnenbad großflächige Quaddeln bilden, oft als „Sonnenallergie“ bezeichnet. Die Nesselsucht tritt auch oft in Form einer Urticaria factitia auf. Hier zeigt die Haut sich überempfindlich gegen Scherkräfte wie Kratzen, Reiben oder Scheuern. So bilden sich oft genau entlang von Kratzspuren linienförmige Quaddeln.

Eine Sonderform der Nesselsucht ist die Schwitzurtikaria (cholinergische Urtikaria), welche durch eine Erhöhung der Körperkerntemperatur ausgelöst wird. Die für diese Form der Nesselsucht typischen Quaddeln treten beispielsweise nach emotionalem Stress, körperlicher Anstrengung, Fieber, einem heißen Bad oder dem Verzehr scharfer Speisen auf.

Beschwerden: Wie äußert sich die Nesselsucht (Urtikaria)?

Die erste Beschwerde bei der Nesselsucht ist ein starker Juckreiz, gefolgt von geröteten Erhebungen auf der Haut – den für Nesselsucht typischen Quaddeln. Eine häufige Begleiterscheinung sind tiefe Hautschwellungen (Angioödeme).

Die Quaddeln können klein oder großflächig verteilt sein und in verschiedenen Formen und Mustern vorkommen. Oft sind sie rosa oder weiß und besitzen eine rote Umrandung. In ihrem Aussehen und der Schwellung erinnert die Nesselsucht an den Ausschlag, der bei Berührung einer Brennnessel entsteht. Daher leitet sich die Bezeichnung Urtikaria von dem lateinischen Wort urtica (= Brennnessel) ab.

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Als besonders belastendes Symptom der Nesselsucht empfinden viele Betroffene den intensiven Juckreiz. Anders als bei den meisten Hauterkrankungen reiben Menschen mit Nesselsucht eher die juckenden Hautstellen, statt sie zu kratzen.

Tiefe Hautschwellungen begleiten in etwa der Hälfte der Fälle die Nesselsucht. Nur zu zehn Prozent treten diese sogenannten Angioödeme allein auf. Lippen, Augenlider, Kinn, Zunge oder Genitalien schwellen binnen Minuten stark an und rufen eventuell Spannungsschmerzen hervor.

Diagnose: Wie wird die Nesselsucht (Urtikaria) diagnostiziert?

Die Nesselsucht selbst kann ein Arzt anhand des Hautbilds und der beschriebenen Symptome relativ schnell und sicher diagnostizieren. Schwieriger ist es, die Auslöser und somit die genaue Form der Nesselsucht herauszufinden.

Wichtig ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt, in dem geklärt wird, in welchem Zeitraum welche Urtikaria-Symptome auftreten. Bei der chronischen Nesselsucht spielt es eine große Rolle, ob Quaddeln und Angioödeme im Tages- oder Wochenverlauf unterschiedlich stark erscheinen und ob es schon zuvor Urtikaria-Phasen gegeben hat. Oft ist es sinnvoll, ein Tagebuch zu führen, in dem man die Symptome und mögliche Auslöser wie Ernährung und Medikamente dokumentiert.

Besteht über längere Zeit ein Nesselsucht-typischer Ausschlag ohne erkennbare Ursache, ist es ratsam, dass der Arzt neben der körperlichen Untersuchung verschiedene Laborwerte prüfen lässt. Bei einer Blut-Untersuchung kann er Hinweise auf Infektionskrankheiten und bestimmte Immunreaktionen finden. Auch ein Allergietest kann bei einer chronischen Nesselsucht sinnvoll sein.

Besteht der Verdacht, dass eine Unverträglichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel oder deren Bestandteile die Nesselsucht auslöst, ist es ratsam, für einige Wochen eine spezielle Diät einzuhalten. Dabei werden typische Auslöser – sogenannte Pseudoallergene – vorerst vom Speiseplan gestrichen. Bessern sich die Urtikaria-Symptome, kann man sie nach und nach wieder einführen. So lässt sich der Auslöser der Nesselsucht in der Regel gut diagnostizieren.

Physikalische Formen der Nesselsucht diagnostiziert der Arzt mit sogenannten Provokationstests. Beim Verdacht auf eine Kälteurtikaria wird die Haut zum Beispiel mit kaltem Wasser oder Eiswürfeln in Kontakt gebracht. Bei einer möglichen cholinergischen Urtikaria unterzieht sich der Betroffene dagegen einem Anstrengungstest oder nimmt unter medizinischer Aufsicht ein heißes Bad.

In einigen Fällen bleibt der Auslöser der Nesselsucht trotz allem unklar. In diesem Fall spricht man von einer idiopathischen Urtikaria.

Behandlung: Wie kann die Nesselsucht (Urtikaria) behandelt werden?

Eine akute Nesselsucht klingt meistens von alleine noch am selben Tag oder binnen weniger Tage ab. In diesem Fall ist keine weitere Behandlung notwendig. Liegt ein erkennbarer Auslöser vor, sollte man diesen entfernen beziehungsweise weglassen. Wenn Quaddeln und Juckreiz länger als einen Tag bestehen, können Medikamente wie Antihistaminika gegen die Symptome der Nesselsucht eingesetzt werden, in schweren Fällen mit tiefen Schwellungen verschreibt der Arzt Glukokortikoide wie Kortison.

Für die Behandlung einer chronischen Nesselsucht ist es ratsam, die genaue Form der Urtikaria zu diagnostizieren, um den individuellen Auslöser vermeiden zu können. So kann man trotz Nesselsucht dauerhaft beschwerdefrei leben, wenn man eine bestimmte Diät einhält (z.B. ohne Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln) oder den Wirkstoff eines Medikaments meidet, der die Urtikaria auslöst. Bestehende Infektionen sollten diagnostiziert und behandelt werden.

Wenn die Ursache der Nesselsucht unbekannt bleibt oder nicht zu vermeiden ist, helfen meist Medikamente aus der Klasse der Antihistaminika, um die Symptome zu bekämpfen. Diese Wirkstoffe werden häufig gegen Allergien eingesetzt; sie blockieren das körpereigene Histamin, den Hauptauslöser für Quaddeln, Juckreiz und Angioödeme. Meist sind moderne Antihistaminika das Mittel der Wahl, da sie nicht so müde machen wie die älteren Generationen.

Ergänzend können spezielle Cremes und Salben, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Polidocanol, bei Nesselsucht Linderung verschaffen. Glukokortikoide wie Prednison werden bei der chronischen Nesselsucht nur kurzfristig eingesetzt. Ist eine Allergie Auslöser der Nesselsucht, kann auch eine Hyposensibilisierung sinnvoll sein.

Prognose: Wie ist die Prognose der Nesselsucht (Urtikaria)?

In den meisten Fällen handelt es sich um die akute Form der Nesselsucht. Diese hat eine gute Prognose: Innerhalb weniger Stunden oder Tage, spätestens allerdings nach sechs Wochen klingen Juckreiz und Quaddeln ab. Oft führt der individuelle Auslöser später nicht mehr zu Urtikaria-Symptomen.

In einigen Fällen geht die akute Nesselsucht in eine chronische Form über, das heißt, sie besteht länger als sechs Wochen. Hier hängt die Prognose stark davon ab, ob ein Auslöser auffindbar ist. Kann dieser vermieden werden, bleiben auch die Symptome aus. Ist eine Infektion die Ursache der Nesselsucht, zum Beispiel ein Befall mit dem Magenkeim Helicobacter pylori, klingen wenige Tage oder Wochen nach dessen Behandlung auch die Urtikaria-Symptome ab.

Vor allem aber bei unbekanntem Auslöser (idiopathische Urtikaria) kann es über Monate und Jahre hinweg immer wieder zu Nesselsucht-Schüben mit Quaddeln kommen. Im Durchschnitt dauert die chronische Nesselsucht drei bis fünf Jahre an, die aber von symptomfreien Tagen und Wochen unterbrochen werden.

Vorbeugung: Wie kann man der Nesselsucht (Urtikaria) vorbeugen?

Grundsätzlich lässt sich der Nesselsucht nur schwer vorbeugen. Die Auslöser sind vielfältig und individuell sehr verschieden. Somit ist nicht vorhersehbar, ob die Haut auf einen bestimmten Reiz mit Urtikaria-Symptomen reagiert.

Bei einer bestehenden chronischen Nesselsucht kann der Betroffene neuen Schüben vorbeugen, indem er die diagnostizierten Auslöser vermeidet. Dazu kann der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Medikamente gehören. Bei physikalischer Urtikaria sollte man sich vor UV-Strahlung, kaltem Wind oder anderen Auslösern schützen, damit die Nesselsucht nicht erneut ausbricht.

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