Aufklärungsbuch ab 4

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Mag.a Gabriele Rothuber

Expertinnenstimme

Mag. Gabriele Rothuber

Was hat „Aufklärung“ mit der Vorbeugung von sexualisierter Gewalt an Kindern zu tun?

Der Großteil der Täter*innen kennen ihre Opfer gut bis sehr gut, kommen aus deren nahen sozialen Umfeld. Das Warnen vor „bösen Unbekannten“ greift hier viel zu kurz, um Kinder zu schützen. Täter*innen nutzen oft die Neugierde und Unwissenheit der Kinder aus („Soll ich dir zeigen, wie das geht?“) oder stellen sexuelle Handlungen mit Kindern als Normalität dar („Das machen alle Nichten mit ihrem Onkel.“)

Gut aufgeklärte Kinder

  • haben Namen für all ihre Körperteile (wenn es nur ein „Da-unten“ gibt, wenn Körperteile tabuisiert werden oder es nur extrem kindliche Wörter hierfür gibt, wird es schwierig, sich jemandem anzuvertrauen)
  • wissen, wo Sexualität „hingehört“ – nämlich zu großen Jugendlichen oder Erwachsenen, wenn beide das wollen
  • werden mit ihren Fragen nicht alleine gelassen
  • sind deshalb früher geschützt: weil sie Übergriffe einordnen und abwehren sowie sich schneller Hilfe nach einem erfolgten Übergriff holen können.

Der eigene „Aufklärungsrucksack“

  • Wann und von wem wurden Sie aufgeklärt?
  • Was haben Sie vermisst?
  • Was lief gut?

Die wenigsten Menschen können sagen: „Es war super – genauso würde ich das auch machen!“ – Aber: man kann es lernen!

Sexualerziehung ist Teil der Sozialerziehung und nicht biologische „Aufklärungsstunde“, die in einem gewissen Alter „absolviert“ wird und die Mensch dann „hinter sich hat“! Sexualerziehung beginnt mit der Geburt – etwa wenn man beim Wickeln die Geschlechtsteile des Säuglings benennt – und sollte ein Begleiten bis ins Erwachsenenalter darstellen.

Man weiß aus der Psychologie, dass alle Kinder in bestimmten Phasen folgende Fragen interessieren (Altersangaben immer ungefähr):

  • ab 3 Jahren interessieren sich Kinder für den Geschlechtsunterschied,
  • ab 4 wollen sie wissen: „wo kommen die Babys her?“ (aus dem Bauch der Mutter),
  • ab 5 „wo kommen sie raus?“ und
  • ab etwa 6 Jahren: „wie kommen sie hinein?“ Viele Kinder stellen diese Fragen nicht direkt, obwohl sie sich mit ihnen beschäftigen – auch hier ist es wichtig, sie zu beantworten.

Leider hören noch immer viele Kinder auf Fragen, die Sexualität betreffend: „Da bist du noch viel zu jung“. Wer würde dann nochmals einen Anlauf wagen, wenn man merkt, dass hier auf Widerstand gestoßen wird? Wenn wir unseren Kindern ihre Fragen nicht beantworten, werden es ältere Jugendliche, Geschwister, die „Neuen“ Medien tun – wahrscheinlich in einer Weise, die nicht mit unserer Wertehaltung übereinstimmt.

Je früher in Familien das Thema Sexualität als völlig normales Thema besprochen werden kann, desto länger kommen Kinder mit ihren Fragen. Wer erst kurz vor der Pubertät darüber zu reden beginnt, darf sich nicht wundern, wenn es für Kinder und Eltern peinlich wird und sie nichts mehr wissen wollen. (Für viele Volksschulkinder ist Pornografie heute der Einstieg ins Thema, nicht mehr das Gespräch zu Hause oder in der Schule).

Je früher Kinder behutsam und altersgemäß aufgeklärt werden, desto einfacher machen es sich Eltern: mit Vorschulkindern zu besprechen, wie die meisten von uns entstanden sind, ist für sie ebenso Wissensvermittlung wie etwa „Warum gibt es keine Dinos mehr?“.
Je weiter Kinder in Richtung Vorpubertät gehen, desto „krampfiger“ und peinlicher wird das Gespräch, wenn vorher keine gute Basis gelegt wurde.

Übrigens:

  • es darf bei dem Thema gelacht werden – es ist lustig für Kinder!
  • es darf sich geekelt werden! Kinder im Volksschulalter würden lieber adoptieren als „das“ zu machen (sie bedauern auch manchmal ihre Eltern, die das etwa dreimal machen mussten, wenn sie 2 Geschwister haben). Stärken Sie Ihr Kind in seinem Gefühl: „Ja, das kann man sich als Kind gar nicht vorstellen, dass das schön ist: das darf auch niemand mit einem Kind machen“!
  • Sie müssen nicht alle Fragen sofort beantworten! Seien Sie authentisch und verschaffen Sie sich Zeit: „Ich muss mir erst überlegen, wie ich dir das beantworte“ oder „mit mir hat niemand über solche spannenden Dinge geredet, ich muss das auch erst lernen“.
  • Bilderbücher sind ein guter Einstieg: lieber zuerst im Buchhandel durchblättern, statt per Versand zu kaufen: Bilder und Werte müssen für Sie passen
  • mit Kindern über Sexualität zu reden bedeutet nicht, über die eigene Sexualität zu sprechen! Wahren Sie Ihre Intimsphäre – und seien Sie so Vorbild: „Das ist was zwischen …. und mir. Aber ich kann dir das gerne allgemein beantworten.“
  • Kinder dürfen ruhig erfahren, dass Erwachsene „das“ nicht nur machen, weil sie Babies wollen, sondern weil es schöne Gefühle macht.
  • es ist Kinder durchaus zumutbar, dass sie erfahren, dass es Erwachsene gibt, die Sex mit Kindern wollen: sie an Stellen berühren, wo das total unangenehm ist, ihnen Fotos / Filme zeigen, wo Leute Sex machen etc. Allerdings sollte zuvor eine liebevolle Aufklärung passiert sein und nicht die Schattenseiten der Einstieg ins Thema.

Noch eine kleine Hilfestellung, wenn es um das Beantworten von Fragen geht: gehen Sie nach dem „Löwe-Prinzip“ vor: was würden Sie antworten, wenn Ihr Kind Sie fragt: „Wo wohnt der Löwe?“: im Zoo, in der Savanne, in Afrika… Punktgenau.

Versuchen Sie, bei Kinderfragen, die die Sexualität betreffen, ebenfalls so zu antworten, statt weit auszuholen und hochwissenschaftlich zu werden – in der Hoffnung, wenn „ich auf den Punkt komme“, hat das Kind bereits das Interesse verloren.

Kinder, die nicht erfahren, dass man über die „Sonnenseiten“ der Sexualität sprechen darf, werden mit den „Schattenseiten“ nicht zurechtkommen.

Literaturempfehlung für Eltern / Bezugspersonen:
„Klär mich auf“ – 101 echte Kinderfragen rund um ein aufregendes Thema: Katherina von der Gathen

Aufklärungsbücher für Kinder und hilfreiche Tipps

Ob körperliche Entwicklung, Entstehung eines Kindes, erste Liebe, Verhütung oder Geschlechtskrankheiten: Die sexuelle Aufklärung ist ein breit gefächertes Thema. Da ist es verständlich, wenn Du bei dem ein oder anderen Punkt unsicher bist, wie und mit welchen Worten Du es Deinem Kind nahe bringen sollst. Vielleicht ist es Dir oder Deinem Kind ja auch unangenehm, über Sexualität zu sprechen. Wenn dem so ist: Mach Dir keine Sorgen. Es ist nicht unbedingt erforderlich, dass Dein Kind ALLE Informationen zur Sexualität direkt von Dir erfährt.

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Aufklärungsbücher unterstützen Eltern und Kinder

Du kannst Deinem Kind Sexualität auch nahe bringen, indem Du es mit gutem und seriösem Informationsmaterial versorgst. Es gibt zahlreiche Aufklärungsbücher, Broschüren und Beratungsangebote, die Dich und Dein Kind bei der sexuellen Aufklärung unterstützen können. Viele dieser Angebote bieten Dir auch Anregungen, zum Beispiel hinsichtlich der Wort- und Themenwahl. Generelle Tipps für Eltern zur Aufklärung von Kindern findest Du übrigens auch in unserem Experteninterview.

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Aufklärungsbücher

Im Folgenden findest Du einige empfehlenswerte Aufklärungsbücher, die sowohl von Dir als auch von Deinem Kind genutzt werden können.

Mein erstes Aufklärungsbuch – Aufklärung für Kinder ab 5

Bei „Mein erstes Aufklärungsbuch“Anzeige handelt es sich um einen Sammelband, der Eltern hilft offen und einfühlsam mit ihren Kindern über Liebe, Sexualität und Gefühle zu sprechen. Das hilft Kindern, sich in ihrem sozialen Umfeld besser zurechtzufinden und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Kleine Menschen – große Gefühle: Die sexuelle Entwicklung von Kindern

Dieser Ratgeber ist speziell auf die sexuelle Früherziehung von Kindern ausgelegt und hilft Dir auch den Kleinen gegenüber, bei diesem schwierigen Thema die richtigen Worte zu finden. Darüber hinaus ist „Kleine Menschen – große Gefühle“Anzeige auch für die Aufklärung zum Thema Missbrauch geeignet und daher ein wichtiger Ratgeber zur Prävention.

Von wegen aufgeklärt! Sexualität bei Kindern und Jugendlichen

„Mama, wo kommen eigentlich Babys her?“ – das Buch „Von wegen aufgeklärt“Anzeige gibt mit viel Humor Hilfestellung, wie Du die schwierigen Fragen Deines Nachwuchses zum Thema Sexualität angehst und wie Du Dein Kind richtig aufklärst.

Vom Liebhaben und Kinderkriegen: Mein erstes Aufklärungsbuch

Auch in sexueller Hinsicht brauchen Kinder Antworten auf ihre Fragen. „Vom Liebhaben und Kinderkriegen“Anzeige gibt hervorragende Tipps und Tricks, wie Du die Fragen Deiner Kinder richtig beantwortest und ihnen den richtigen Umgang mit Sexualität schon früh vermittelst.

Körper und Sexualität: Entdecken, verstehen, sinnlich vermitteln

„Körper und Sexualität“Anzeige ist empfehlenswert für Eltern, die nach einem Weg suchen offen und behutsam, aber unmissverständlich, mit ihren Kindern über sexuelle Themen wie Menstruation, Selbstbefriedigung oder Orgasmus zu sprechen. Auch für Kinder und Jugendliche, die sich in Ruhe mit ihrem Körper und ihren Empfindungen auseinandersetzen wollen, ist dieses Buch geeignet.

Alternativen zu Aufklärungsbüchern: Kostenlose Broschüren

Eine gute Unterstützung bei der Sexualaufklärung von Kindern und Jugendlichen bieten auch die zahlreichen, überwiegend kostenlosen Broschüren der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Diese kannst Du über die Internetseite der BZgA bestellen oder downloaden. Hier eine kleine Auswahl:

BZgA Medienpaket

„Dem Leben auf der Spur“: Dieses Paket für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren besteht aus einem Aufklärungsbüchlein, einem ergänzenden Lexikon (Körper ABC) und einer Broschüre, die erklärt, wie ein Kind entsteht.

Wie geht´s – wie steht´s? Wissenswertes für Jungen und Männer

Hier finden Jungen und Männer wichtige Informationen über den männlichen Körper, Sexualität und Verhütung.

Sex´n tipps Broschüren

Sex´n tipps Broschüren gibt es zu verschiedenen Themen, zum Beispiel zu Verhütung, für spezielle Jungen- und Mädchenfragen, für die erste Liebe, zu Wertevorstellungen in der Liebe oder zur körperlichen Veränderung.

Liebevoll begleiten

In dieser Broschüre geht es um die Körperwahrnehmung und körperliche Neugier von Kindern im 1. bis 6. Lebensjahr.

Über Sexualität reden – Zwischen Einschulung und Pubertät

Dieser Ratgeber gibt Eltern wichtige Informationen über die kindliche Sexualentwicklung im Grundschulalter.

Über Sexualität reden – Die Zeit der Pubertät

Dieser Ratgeber informiert Eltern über die Sexualentwicklung in der Pubertät.

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Internetangebote und Beratungsstellen zur Sexualaufklärung

Neben Aufklärungsbüchern und Broschüren bietet natürlich auch das Internet eine breite Informationsbasis. Das ist sicherlich besonders interessant für Jugendliche. Doch Vorsicht: Im Internet kursieren auch viele Fehlinformationen. Seriöse und fachlich korrekte Informationen und Beratung zu Liebe, Sexualität und Verhütung können Du oder Dein Kind auf jeden Fall hier finden:

  • Loveline.de (Jugendportal der BZgA)
  • sextra.de (Projekt von pro familia)

Zudem bieten Beratungsstellen namhafter Träger eine persönliche oder telefonisch erreichbare Anlaufstelle für Eltern und Kinder. Hier einige Beispiele:

  • pro familia
  • Sozialdienst katholischer Frauen (SKF)
  • Caritas
  • Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“ vom Kinderschutzbund (0800/111 0333)

Unsere NetMoms-Produkttipps basieren auf unseren Erfahrungen, Meinungen sowie auf Bewertungen von unseren Nutzerinnen und Testinstitutionen. Sie sind frei von einer Einflussnahme durch Anzeigenkunden oder Affiliate-Partnern. Wenn Du über einen der Links etwas bestellst, bekommen wir eine kleine Provision für die Empfehlung. Wichtig: Du musst deswegen selbstverständlich nicht mehr bezahlen.

Klär mich auf!

Ich habe hier schon öfter über meine Liebe für queere und vielfältige Kinderbücher geschrieben – wonach ich zuletzt immer wieder gefragt wurde, waren Kinderbücher, die sich mit dem Thema Aufklärung beschäftigen. In den letzten Tagen habe ich viel recherchiert und durch einige Bücher geblättert, um euch eine kleine Auswahl vorstellen zu können.

Sehr prägend bei diesem Thema war für mich eine Begegnung mit einer Kundin, die auf der Suche nach einem Kinderbuch war, um ihrem Kind erklären zu können, wo es herkommt – das Kind entstand durch eine Samenspende und wächst bei heterosexuellen Eltern auf. Erst nach langer Recherche fanden wir eine Autorin, die im Kleinstverlag ein Buch anbot, das sich mit dieser Lebensrealität beschäftigt.

Ich empfinde so etwas immer wieder als schade und erschreckend, denn ich bin überzeugt davon, dass es unglaublich wichtig ist, Kinder aufzuklären – und ihnen dafür Bücher vorzulesen, in denen sie sich selbst, ihr Leben und ihre Familie wiederentdecken können.

Ich hoffe, in meinen Vorschlägen werdet ihr vielleicht fündig!

Dieses Kinderbuch erzählt die Geschichte von Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt so, dass sich auch Adoptivfamilien, gleichgeschlechtliche Elternpaare und mit künstlicher Befruchtung gezeugte Kinder darin wiederfinden. Es verzichtet auf alles, was nur bei klassischen Kleinfamilien passt, und zeigt, was wirklich allen Menschen gemeinsam ist. Eine einzigartige Hilfe für die Sexualaufklärung im Vorschulalter.

Altersempfehlung: 4 bis 6 Jahre, erschienen im Mabuse Verlag.

Das ist Lotta. Und das ist Lottas Papa. Aber wie sind die beiden zusammen gekommen? Diese Frage stellen alle Kinder irgendwann. Lottas Papa heißt Tobias, er hat ein glückliches Leben, Freundinnen und Freunde und er möchte ein Kind. Und wie Lotta in seinem Bauch wachsen kann, ist gar nicht so kompliziert, wie manche Erwachsene denken. Ein tolles Buch für alle, die Geschlecht nicht nur zweidimensional und Familie nicht nur als Mama-Papa-Kind denken wollen. Und eines der ersten – oder das erste? – deutschsprachige Bilderbuch, das Transgeschlechtlichkeit thematisiert.

Altersempfehlung: 0 bis 3 Jahre alt, erhältlich bei Fembooks.

Wo kommen die Babys her? Muss ich immer mutig sein? Warum weint man manchmal, auch wenn einem nichts wehtut?

Kinder haben viele Fragen und es ist oft gar nicht so einfach, die passenden Antworten zu finden. Dieser Sammelband hilft, mit Kindern ehrlich, offen und altersgerecht über die Dinge zu sprechen, die sie bewegen. Einfühlsame Geschichten rund um die Themen Liebe, Sexualität und Emotionen erleichtern das Sprechen über eigene Gefühle und Erlebnisse. Das hilft Kindern, sich in ihrem sozialen Umfeld besser zurechtzufinden und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Altersempfehlung: ab 5 Jahren, erschienen im Loewe Verlag.

Wie viel Aufklärung brauchen Kinder im Grundschulalter? So viel, wie sie selbst wollen, sagen Fachleute. Und was wollen Kinder wissen? Das sehen Sie auf den handgeschriebenen Zetteln, die in diesem Buch abgebildet sind. All diese Zettel holt die erfahrene Sexualpädagogin Katharina von der Gathen aus einem anonymen Briefkasten, wenn sie mit Grundschulkindern über Körper, Liebe und Sexualität spricht. Unser Block versammelt die wichtigsten dieser Fragen und gibt Antwort – warmherzig und mit viel Gespür für das, was Kinder wirklich wissen wollen.

Altersempfehlung: ab 8 Jahren, erschienen bei Klett Kinderbuch.

Nach „Klär mich auf!“ könnte man denken, es sei alles zum Thema gesagt. Doch weit gefehlt: Die Kinder, mit denen Katharina von der Gathen über Sexualität spricht, werfen immer neue Fragenzettel in den anonymen Briefkasten.

“Wie machen Rollstuhlfahrer Sex?”
“Was ist der Unterschied zwischen Verknallt und Verliebt?”
“Warum heißt es Vögeln?”

Manchen dieser Fragen ist anzumerken, dass die Kinder aus dem Internet einiges aufschnappen, was sie nicht verstehen. Das beschäftigt sie und sie wollen es ganz genau wissen. Wie gut, dass sie hier ehrliche und einfühlsame Antworten bekommen, die sie je nach Bedarf lesen oder überblättern können – und dazu wieder grandios lustige Bilder von Anke Kuhl.

Altersempfehlung: ab 10 Jahren, erschienen bei Klett Kinderbuch.

Heute ist ein wunderschöner Tag. Luzie, Pepe, Seval, Felix und Niki spielen im Garten. Sie veranstalten eine Wasserschlacht, bekommen Puppenbabys, sehen genau nach, ob es Mädchen oder Junge sind und genießen es, sich gegenseitig zu untersuchen. Wenn da bloß Kai nicht wäre, der ihr Doktorspiel stört! Doch schließlich werden sie damit auch fertig. Dieses Bilderbuch begleitet Mädchen und Jungen bei der Entdeckung ihres Körpers, fördert das Vertrauen der Kinder in die eigene sinnliche Wahrnehmung und stärkt ihre Fähigkeiten, sich gegen sexuelle Übergriffe zu wehren. Sexuelle Übergriffe unter Kindern werden in den letzten Jahren stärker zur Kenntnis genommen. Vielfach wissen Erwachsene nicht, wie sie damit umgehen können. Daher wurde dieser kompletten Neubearbeitung ein Ratgeber für Eltern und pädagogische Fachkräfte beigefügt, für das Bernd Eberhardt mit zeichnet.

Altersempfehlung: 4 bis 6 Jahre, erhältlich bei Zartbitter.

Sina, Tim und ihre Freundinnen und Freunde spielen gerne Mutter-Vater-Kind und Doktor. Jedes Kind bestimmt, von wem es untersucht werden will. Alle sind vorsichtig und machen nur, was den anderen gefällt.

Ein Bilderbuch über Zärtlichkeit und Doktorspiele.

Altersempfehlung: 3 bis 6 Jahre, erschienen bei Zartbitter.

Körper und Gefühle, Zärtlichkeit und Sinnlichkeit, Lust und Liebe sind die Themen, um die das neue Buch von Lilly Axster und Christine Aebi kreist. Aus dem Blickwinkel eines Mädchens wird von einer Projektwoche in der vierten Klasse Volksschule erzaählt, in der Sexualerziehung am Lehrplan steht. Dabei werden auf unverkrampfte Weise und ohne Peinlichkeit die vielseitigen Facetten von Sexualität dargestellt, sowie Wünsche, Ängste und Vorurteile durch Bild und Text offen, alltagsnah und lebendig zur Sprache gebracht.

Altersempfehlung: ab 10 Jahren, mehr Infos auf der Homepage zum Buch.

Liebe und Sex sind Themen, die Kinder an der Grenze zur Pubertät brennend interessieren. „Total normal“ erklärt, informiert und regt zu gemeinsamen Gesprächen über den Körper an.

Wie verändert sich mein Körper, wenn ich größer werde? Was passiert bei der ersten Periode oder dem ersten Samenerguss? Wie entsteht eigentlich ein Baby? „Total normal“ sind alle diese Fragen und genauso selbstverständlich, offen und sensibel gibt dieses Buch Antworten auf das, was Mädchen und Jungen schon immer über Sex wissen wollten. Natürlich auch dabei sind aktuelle Themen wie sexuelle Inhalte im Internet und die Vielfalt von Geschlechtsidentitäten.

Altersempfehlung: ab 8 Jahren, erschienen im Beltz Verlag.

“Wie machen das die Tiere?” Das wollen Kinder immer besonders dringend wissen, wenn unsere Autorin Katharina von der Gathen mit ihnen über ihr Buch „Klär mich auf!“ spricht. Sie begann zu forschen und stieß auf einen überwältigenden Reichtum an Verführungskünsten, Liebesspielarten und Familienformen – mehr als genug für ein ganzes Buch. Hier erfahren wir etwas über die Zärtlichkeit der Skorpione und die Brutalität der Bettwanzen, über schaurige Rivalität im Bauch der Hai-Mutter und die liebevolle Fürsorge mancher Tierpapas für ihren Nachwuchs. Von der Vielfalt dieser Beziehungsformen kann der Mensch sich noch einiges abschauen – manchmal auch besser nicht! Anke Kuhl ist an die Illustration so ernsthaft herangegangen wie an ein klassisches Naturkundekompendium. Zugleich bietet das Thema eine ideale Spielwiese für ihren unnachahmlichen Witz. Und die Ausklappseiten („Tierbaby-Schau“, „Penis-Galerie“ etc.) sind ein Fest!

Altersempfehlung: ab 8 Jahren, erschienen bei Klett Kinderbuch.

Das zweite PIXI-Buch des Deutschen Kinderhilfswerkes macht das Kinderrecht auf Schutz vor Gewalt und Misshandlung für 3- bis 6-Jährige verständlich. In einfacher Sprache wird erzählt, wie Kinder selber erkennen, dass es nicht in Ordnung ist, wenn ihnen Gewalt angetan wird. Weder die Eltern noch sonst jemand darf ihnen wehtun.

Altersempfehlung: 3 – 6 Jahre, hier erhältlich.

Ich hoffe, dass das eine oder andere Buch auch für euch und eure Kinder dabei ist – und ich würde mich sehr freuen, wenn ihr meine Auswahl mit eigenen Tipps ergänzen könntet. Es gibt bestimmt noch so viel mehr, dass ich nur noch nicht entdeckt habe.

Wer noch weiter stöbern möchte, der kann das gerne tun: auf meinem Blog gibt es noch Empfehlungen für Kinderbücher über Regenbogenfamilien und außerdem Büchertipps zum Thema trans. Zudem gibt es die Broschüre Himmelblau und Rosarot mit vielen weiteren tollen Büchertipps. Auch auf dem Blog mama-notes gibt es schöne Tipps für feministische Kinderbücher und mehr Diversity in Kinderbüchern.

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Sex erklären: Wie ein Aufklärungsbuch helfen kann

Die Auswahl an altersgerechten Aufklärungsbüchern ist riesig. Aber: Welches Aufklärungsbuch passt zu wem? Wie finden Sie ein Aufklärungsbuch, das in Ihre Erziehung passt? Wir haben drei verschiedene Aufklärungsbücher miteinander verglichen: Hier finden Sie für jedes Kind ein geeignetes Buch.

Aufklärung: Mit dem richtigen Aufklärungsbuch für Kinder klappt es am besten. Foto: Photodisc, Thinkstock.

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Von Anita Stalder

Für Anfänger und Nüchterne: „Wir entdecken unseren Körper“

von Doris Rübel | Ravensburger Verlag, 2012 | ISBN: 978-3-473-32873-4 | Von 4-7 Jahren | Preis: von 18 bis 23 CHF

Mit vielen schönen Bildern und wenig Text ist dieses Aufklärungsbuch sehr gut für eine erste Annäherung an das Thema Körper und Sexualität geeignet. Ein Highlight: Man kann auf jeder Seite etwas aufklappen und schauen, was sich unter Mamis dickem Bauch versteckt. Auf wenigen bunten Seiten werden die wichtigsten Themen des Körpers behandelt: Wo wir herkommen, was der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen ist, warum wir atmen, wozu unser Blut da ist und wie die Sinnesorgane funktionieren. Im letzten Kapitel wird kurz besprochen, welche Gefühle wir haben, was Angst und Wut sind und wer uns tröstet.

Dieses Aufklärungsbuch eignet sich hervorragend für kleine Kinder, die sich in erster Linie für die Körperfunktionen interessieren. Sexualerziehung ist untergeordnet. Wer seinem Kind die Welt gern nüchtern-sachlich und biologisch erklärt, ist damit gut bedient. Für zukünftige Ärzte: In der Sonderausgabe des Aufklärungsbuches ist sogar ein Spielzeug-Stethoskop mit dabei. Weil dieses Werk erklärend ist und an Biologie-Unterricht erinnert, eignet sich das Buch auch gut als Weihnachtsgeschenk.

Aufklärungsbuch für die ganz Kleinen

Für kleinere Kinder von zwei bis vier Jahren gibt es das Junior-Aufklärungsbuch aus der Ravensburger Serie „Wieso, weshalb, warum?“ Viel Bild, wenig Text und spannende Zeichnungen zum Aufklappen: „Das bin ich & das bist du“ eignet sich für neugierige kleine Jungen und Mädchen.

Letztes Mal habe ich Ihnen Aufklärungsbücher für Kinder ab 8 Jahren vorgestellt. Heute geht es weiter mit Büchern für Kinder ab 9 Jahren!

Sie fragen sich jetzt vielleicht, ob es zwischen 8- und 9-jährigen Kindern wirklich so große Unterschiede gibt, dass ein eigener Blogpost notwendig ist. Die Antwort lautet NEIN. Wie bereits mehrmals erwähnt ist es ohnehin notwendig, für jedes Kind individuell zu entscheiden, welche Bücher interessant und geeignet sind und welche nicht. Ich habe mich aber rein aus Gliederungszwecken an die Angaben der Verlage gehalten. Aber klar, die Bücher, die ich Ihnen gleich vorstelle, können auch für jüngere Kinder interessant sein – und die für Kinder ab 8 Jahren eignen sich natürlich auch später noch. 😉

Auch die Themen, die Kinder in diesem Alter in Bezug auf sexuelle Bildung interessieren, sind natürlich sehr ähnlich. Also ja, auch 9-jährige Kinder interessieren sich für die Pubertät, Sexualität, Körper und… die Liebe! 😉

Ein Klassiker.

Ein klassisches Aufklärungsbuch ist Van der Doof, Sanderijn: Wie ist das mit der Liebe?* des Loewe-Verlags. Was einem beim Aufschlagen des Buches sofort auffällt ist die leichte und somit sehr kindgerechte Sprache, die im gesamten Buch verwendet wird, und die schönen Illustrationen, die ganz ohne rosa-blau-Klischees auskommen.

Besonders schön finde ich die sehr offen gehaltene Erklärung von Sex. Meistens wird Sex mit Geschlechtsverkehr gleichgesetzt, was meiner Meinung nach nicht stimmt. Geschlechtsverkehr kann ein Teil von Sex sein, muss es aber nicht. Das Buch erklärt Sex übrigens so:

Sex ist schwer zu erklären, aber es hat mit einem besonderen Gefühl zu tun. Es ist ein gutes, ein tolles und zugleich ein richtig wohliges Gefühl. Dieses Gefühl kannst du auf ganz verschiedene Weisen bekommen.

Auf diese Erklärung folgen viele verschiedene Beispiele angefangen bei eigenen Berührungen über Selbstliebe bis hin zu homo- und heterosexuellen Kontakten. Geschlechtsverkehr als eine mögliche Art des sexuellen Kontaktes wird natürlich auch noch auf kindgerechte Weise erklärt. Schade finde ich hier allerdings, dass die Erklärung des Orgasmus ein wenig so klingt, als wäre er eben ein Muss beim Geschlechtsverkehr.

Die Realität sieht anders aus und die Annahme, dass es einen Orgasmus geben muss, kann später ziemlich Stress machen.

Gut gelungen finde ich das Kapitel über Geschlechterrollen, weil hier gängige Klischees klar angesprochen und als solche enttarnt werden. Ab und zu wird übrigens auch gegendert, allerdings bei weitem nicht durchgängig.

Schade finde ich das bereits oft erlebte Fehlen der Vulva und die Verwendung des Begriffs Schamlippen. Dafür wird aber erklärt und gezeigt, dass sich Mädchen* mit dem Spiegel ihr Geschlecht ansehen können. Auch die körperlichen Veränderungen während der Pubertät werden sehr genau beschrieben, obwohl ich die Aussage „Das (Menstruationsblut) musst du mit einer Monatsbinde in deinem Schlüpfer auffangen.“ sehr unpassend formuliert finde. Die Wahl, ob und welches Produkt hier verwendet wird, obliegt bitteschön jeder menstruierenden Person selbst.

Die Illustrationen sind wie bereits erwähnt sehr gut gelungen, insbesondere, da hier auf Diversität geachtet wird. Es werden sowohl unterschiedliche Körperformen, Haar- und Hautfarben gezeigt als auch eine Person im Rollstuhl.

Trotz meiner Kritik an „Wie ist das mit der Liebe?“ geht das Buch auf viele Themen ein, die in anderen Büchern nicht vorkommen, beispielsweise künstliche Befruchtung und Adoption, Totgeburt, Behinderung, alternative Familienformen und sexuelle Gewalt.

Die Idee, ein Kapitel mit „Wörtern, die mit Sex zu tun haben“ zu verfassen, das eine Art Lexikon darstellt, finde ich prinzipiell gut. Ich frage mich nur, wie die Auswahl der Begriffe zustande gekommen ist. Außerdem finde ich es schwierig, dass AIDS mit „eine tödliche Krankheit“ erklärt wird, weil das ziemlich reduzierend ist. Wie so oft ist auch die Klitoriserklärung nicht ernstzunehmen in diesem Buch, denn auch hier ist sie nur eine kleine Erhebung oder Perle…
Das Lexikon hätte die Möglichkeit geboten, Nichtbinarität, Inter und Trans zu thematisieren, nachdem diese Themen sonst nirgendwo Platz gefunden haben – leider wurde das aber verabsäumt. Vielleicht in der nächsten Auflage? 😉

Trotz so mancher Kritik und Änderungsvorschläge meinerseits finde ich das Buch gut gelungen und empfehlenswert. Ich persönlich würde ein Aufklärungsbuch jedoch nicht in der Du-Form schreiben, weil sich Kinder dadurch direkt angesprochen fühlen und das für manche zu viel sein könnte. Gleichzeitig baut es Kontakt zu den Leser*innen auf und ist sicherlich eine Geschmacksfrage der Kinder.

Das Kunstwerk.

Das nächste Buch, das ich Ihnen hier vorstelle, ist mit keinem der bisher rezensierten Bücher vergleichbar. Axster, Lilly/Aebi, Christine: DAS Machen? Projektwoche Sexualerziehung in der Klasse 4c. ist nämlich in Wahrheit ein Kunstwerk. Spätestens seit ich einen Workshop bei der Illustratorin des Buches, Christine Aebi, besucht habe, ist mir das klar. Doch auch beim Durchblättern ist die Liebe und Kreativität, die in dieses Buch geflossen ist, sofort erkennbar. Welches Kinderbuch braucht sonst fünf Jahre, bis es fertig ist? 😉

Das Buch ist nicht nur aufgrund der Illustrationen, sondern auch wegen seines Textes nicht mit den bisherigen Büchern vergleichbar, denn es ist eine Geschichte, die manchmal mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet. Und zwar mit Absicht, denn dieses Buch sieht sich selbst nicht als Wissensvermittlung, sondern möchte Gefühle wecken.

In der Geschichte geht es um eine Volksschulklasse, nämlich die 4c, die eine Projektwoche zum Thema Sexualerziehung hatte. Überraschung. 😉

Dadurch eignet sich das Buch übrigens auch als Ideenquelle für Lehrer*innen, die eine Projektwoche planen möchten. Übrigens gibt es auf der letzten Seite ein tolles Beispiel für eine Antwort auf persönliche Fragen durch Kinder. Ich will hier aber nichts vorweg nehmen. 😉

Das Buch vermittelt viele Gefühle, so auch, wie meine Arbeit in den Schulen manchmal aussieht. Es geht näher darauf ein, wie unterschiedlich der Wissensstand von Kindern sein kann und welche Vorstellungen bei Kindern entstehen können, wenn manche Erklärungen abstrakt gehalten sind. So steht im Buch:

Zoltan hat gehört, dass manche Menschen sich dafür extra verkleiden und rollen spielen. Oder Kleider tauschen. Die Illustration zeigt einen Cowboy und eine Prinzessin, die Kleidung tauschen.

Auf einer Doppelseite findet man anonyme Fragen, die die 4c in einen Briefkasten werfen durfte, und die tatsächlich aus der sexualpädagogischen Praxis der Texterin stammen. Die Fragen werden in diesem Buch nicht beantwortet, denn darum geht es hier eben nicht. Deshalb eignet sich „DAS machen?!“ aus meiner Sicht auch nicht als einziges Aufklärungsbuch, sondern ist eine Erweiterung zu den klassischen Aufklärungsbüchern – so sieht es übrigens auch die Illustratorin.
Auf der Website zum Buch findet man nähere Informationen und auch Antworten auf die Fragen, die im Buch abgedruckt sind, damit Erwachsene Kinder beim Lesen des Buches gut begleiten können.

Was mir ganz besonders gut gefällt, ist die Offenheit des Buches in Bezug auf Geschlechter. So teilt die Lehrerin Gruppen in der Klasse nicht nach dem Geschlecht auf, sondern:

Alle, die neugierig waren, wie das wird mit der Regel, und alle, die das nicht interessiert. Alle, die einen Samenerguss haben – werden -, und alle, die das nicht interessiert. Und so weiter…

Zwischendurch wird quasi nebenbei mit Geschlechterrollen gespielt, wenn ein Kind mit rosa Tütü und Penis abgebildet wird. Außerdem ist dieses Buch wohl das einzige Aufklärungsbuch für Kinder, das einen queeren Geschlechteransatz thematisiert: „Es gibt genau genommen so viele Geschlechter, wie es Menschen gibt, das hätten wir nicht vermutet.“ Auch Intersexualität wird genannt, ebenso wie verschiedenste sexuelle Orientierungen.

Wenig überraschend ist vermutlich, dass dieses Buch auch divers ist. Insbesondere die Doppelseite, in der die Kinder thematisieren, was es mit dem Begriff Hautfarbe bei Stiften auf sich hat und dass das verwirrend sein kann, macht das deutlich.

Auch Verliebtsein, Körperwahrnehmung und der Umgang mit Körpergrenzen wird gefühlvoll angesprochen, ohne es mit Worten plump zu erklären. Die Verschiedenheit der einzelnen Klassenmitglieder wird als etwas Schönes und Normales dargestellt.

Sie haben vielleicht herausgelesen, dass ich ein absoluter Fan dieses Buches bin, weil es genau das schafft, was die Macherinnen beabsichtigt haben: Es vermittelt Gefühle, die in anderen Aufklärungsbüchern nur durch Worte angesprochen werden. Einzig das Buchformat finde ich persönlich ein wenig mühsam, weil das Buch schwer zu halten, umzublättern und im Kastl zu verstauen ist. Das ist aber auch schon die einzige Kritik meinerseits und das ist nun wirklich ungewöhnlich! 😉

*Das ist ein Affiliate Link. Durch das Klicken werden Sie direkt zum Onlineshop von Thalia weitergeleitet und bei Kauf des Buches erhalte ich eine kleine Vergütung. Für Sie ändert sich aber nichts! Ich werbe ausschließlich für Produkte, die ich selbst getestet habe und von denen ich überzeugt bin.

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Create your own review gefühls*echt Average rating: 0 reviewsIm Kindergartenalltag hat das Thema Aufklärung einen festen Platz

„Mein Körper gehört mir!“ und „Meine Gefühle sind richtig und wichtig“. Für die Kinder im Kindergarten Arche Noah sind diese Sätze mittlerweile ganz selbstverständlich. Die Einrichtung hat sich Aufklärung und damit auch den Schutz der Kinder vor sexueller Gewalt besonders auf die Fahnen geschrieben; und sollte dabei für viele Andere Vorbild sein. Das Thema geht uns alle an. „Wir wollen unsere Kinder stärken und erreichen, dass sie sich ihre Gefühle bewusst machen“, so Kindergartenleiterin Susanne Noë. Ein großes Ziel.

Hilfe von Profis für mehr Aufklärung

Um dem Ganzen Struktur zu verleihen, hat sich der Kindergarten professionelle Hilfe geholt. Autorin und Präventionsexpertin Sonja Blattmann sensibilisiert gemeinsam mit Geschäftspartnerin Karin Derks Eltern und singt und spricht mit den Kindern über ein Thema, das Viele im Kindergarten noch gar nicht verorten würden, das aber unbedingt schon die Kleinsten angeht. Im Interview mit Kinderleute erklärt die Expertin, warum Aufklärung im Kindergartenalter unbedingt dazugehört und wie kindgerechte Aufklärung aussehen kann.

Kinder aufklären

Interview mit Aufklärungsexpertin Sonja Blattmann

Sonja Blattmann im Interview: Kinderleute: Frau Blattmann, Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit?

Sonja Blattmann: Vor 20 Jahren gab es noch ganz wenig Materialien, die sich spielerisch und angstfrei dem sensiblen Thema sexualisierte Gewalt gewidmet haben. Mein Ziel war es, solche Materialien für Kinder von 4-10 Jahren zu schaffen. Da ich selbst lange im pädagogischen Bereich tätig war, weiß ich wie wichtig ein frühes Angebot zur Persönlichkeitsstärkung ist. Mädchen und Jungen in ihrem Selbstwertgefühl und ihrer inneren Stimme zu stärken, kann zur Entfaltung eines Frühwarnsystems in Risikosituationen beitragen. Ein Kind, das über seinen Körper Bescheid weiß, kann sich besser vor unangenehmen Berührungen und Grenzüberschreitungen schützen. Mein Ziel ist es daran mitzuarbeiten, dass Prävention vor sexualisierter Gewalt und das Wissen und Handeln bei sexuellem Missbrauch und anderen Kindeswohlgefährdungen in allen Bildungsbereichen verankert und als selbstverständlicher Ansatz der eigenen pädagogischen Arbeit im Alltag verstanden wird.

Kindgerechte Aufklärung

Kinderleute: Stichwort Aufklärung: Wieviel sollten Kinder über Sex wissen?

Sonja Blattmann: Mit der Vermittlung von Schutzbotschaften zur Prävention gegen sexualisierte Gewalt ist die Fähigkeit über die eigene Sexualität überhaupt sprechen zu können elementar verbunden. Wenn Sexualität ein Tabuthema ist, gelingt es Tätern oder Täterinnen noch eher mit Schweigegeboten und anderen Manipulationstechniken wie z.B. Schuldzuschreibungen oder Angstphantasien zu arbeiten. Kinder, die eine Sprache für Sexualität haben, ihre Körperteile benennen können, haben klare Vorteile. Mädchen und Jungen, die ihre Sinne, ihr Körpergefühl, ihre kindliche Lust und Neugierde als eine Quelle von Selbstbewusstsein kennenlernen, reagieren aus dem Bauch heraus klarer und selbstverständlicher, wenn ihre Körpergrenzen verletzt werden. Das macht nicht nur selbstbewusst, sondern stärkt auch das Recht auf sexuelle und körperliche Selbstbestimmung. Beides sind Grundlagen und Fähigkeiten, die in Kinder Widerstandskräfte mobilisieren, wenn ihre Grenzen verletzt werden.

Der richtige Zeitpunkt für Aufklärung: Aufklärung im Kindergartenalter

Kinderleute: Wann ist der richtige Zeitpunkt für Aufklärung?

Sonja Blattmann: Viele Eltern fragen sich, wann sie anfangen sollten mit der „Aufklärung“. Dabei erschweren häufig Bilder aus der erwachsenen Sexualität den Zugang. Es geht bei der Begleitung der eigenen Kindern und deren psychosexuellen Entwicklung jedoch um weit mehr als die pure Wissensvermittlung, wie die Babys in den Bauch kommen und wieder heraus. Deswegen macht es Sinn mit einer sexualfreundlichen Erziehung nicht erst in der Pubertät zu beginnen, sondern sie im Alltag von Anfang an als wertschätzende Haltung zu vermitteln.

Kinderleute: Wie hängt Selbstbewusstsein und sexuelle Selbstbestimmung zusammen?

Sonja Blattmann: Wertschätzung heißt in diesem Fall:

  • Neugierige Fragen der Kinder ernstnehmen und gemeinsam nach Antworten suchen
  • Die Eigenart als Mädchen oder Junge wahrzunehmen und anzuerkennen
  • Neugierde und kindliche Lust als Zeichen von seelischer und körperlicher Gesundheit zu betrachten.

Das stärkt das Selbstwertgefühl eines Kindes mehr als die offene oder unterschwellige Vermittlung, dass Sexualität irgendwie schmutzig oder sogar gefährlich ist. Es gibt neben den persönlichen Antworten auf die vielen neugierigen Fragen der Kinder viele einfühlsame Materialien um über den eigenen Körper und Sexualität ins Gespräch zu kommen.

Zum Beispiel Ihre Bücher: Mein erstes Haus war Mamis Bauch: Eine Geburts(tags)geschichte mit Liedern für Mädchen und Jungen(*Affiliate) oder auch Ich bin doch keine Zuckermaus: Neinsagegeschichten und Lieder(*Affiliate) in denen Aufklärung kindgerecht gestaltet wird.

Kinder vor sexueller Gewalt schützen

Kinderleute: Was können Eltern tun, um die Selbstbestimmung ihrer Kinder zu stärken?

Sonja Blattmann: Kinder, die auch in nahen Beziehungen „Nein“ sagen dürfen, wenn es um Berührungen geht, die ihnen unangenehm sind, fällt es in ihrem gesamten Alltag leichter zu den eigenen Grenzen zu stehen. Sie entwickeln eine Vielzahl an gesunden Widerstandsformen und entwickeln sich trotzdem nicht zu notorischen Nein-sagerInnen. Gerade weil der Widerstand anerkannt ist, besteht eine große Freiheit alles zu genießen wofür es eindeutige „Ja-Gefühle“ gibt. Ein Oma-Kuss schmeckt doppelt so gut, wenn er freiwillig und voller Freude geteilt wird. Kinder lernen im Alltag den Umgang mit Nähe und Distanz. Die Grundlage dazu bilden die eigenen Antennen für Gefühle und Grenzen und das Vertrauen, dass ein selbstbestimmtes Verhalten nicht bestraft wird sondern wertgeschätzt. Sätze wie: „Ich freue mich, dass du es gerade geschafft hast Nein zu sagen und deinem Gefühl zu vertrauen! Das gibt mir als Mama oder Papa ein gutes Gefühl dafür, dass du dich gut schützen kannst.”

Kinder haben Gemeimnisse

Kinderleute: Wie wichtig sind Geheimnisse für Kinder?

Sonja Blattmann: Ab ca. 5 Jahren bekommen Geheimnisse für Kinder einen ganz besonderen Zauber. Sie bedeuten größere Autonomie Erwachsenen gegenüber. Kinder bilden Geheimbanden, haben Geheimverstecke und können ein Geheimnis auch schon mal für sich behalten. In der Prävention gegen sexualisierte Gewalt sind der Schutz vor Manipulation und Geheimhaltungsdruck ein wichtiger Bestandteil; denn Täter und TäterInnen arbeiten natürlich genau mit diesen Strategien. Es ist es wichtig, dass Kinder gute Geheimnisse von solchen zu unterscheiden lernen, die ihnen Druck oder Angst machen. Kinder verstehen den Unterschied aufgrund der unterschiedlichen Gefühle sofort.

Kinderleute: Wie bringen Sie Kindern bei zu entscheiden, welche Geheimnisse sie teilen sollten?

SB: Ein gutes Geheimnis kribbelt im Bauch, ein schlechtes Geheimnis drückt und macht Angst.

Ein gutes Geheimnis will gehütet werden und ist wie ein Schatz. Vielleicht geht es um ein Geschenk oder eine Überraschung, die nicht verraten werden soll. Die Spannung und das Gefühl etwas Besonderes miteinander zu teilen schafft Zusammengehörigkeit und Intimität.

Ein schlechtes Geheimnis macht Gefühle von Angst und Druck und wird als bedrohlich erlebt. In vielen Gewaltbereichen wird von Seiten der Täter und Täterinnen mit Manipulation und Geheimhaltungsdruck gearbeitet. Kinder dürfen wissen, welchen Unterschied es zwischen guten Geheimnissen und Geheimhaltungsdruck gibt. Schlechte Geheimnisse dürfen weiter erzählt werden. Das ist Hilfe holen und kein Petzen! Die Unterscheidung von guten und schlechten Geheimnissen hilft Kindern nicht nur beim Schutz gegen sexualisierte Gewalt, sondern auch in vielen anderen Alltagssituationen wie beispielsweise Mutproben.

Vertrauen schaffen

Kinderleute: Wie können es Eltern schaffen, dass ihre Kinder sich mit ihren Sorgen und Ängsten an sie wenden?

Sonja Blattmann: Wichtig ist die elterliche Zusage dass Kinder alles erzählen dürfen ohne Strafe befürchten zu müssen – egal was ihnen passiert ist oder wo sie mitgemacht haben. Eltern dürfen trotzdem ihre Position beziehen. Sie ist je nach „Geheimnis“ sogar dringend notwendig. Nur so gelingt es Kindern glaubhaft zu vermitteln, dass sie sich mit allem anvertrauen dürfen.

Vertrauen Kinder ein schlechtes Geheimnis einer Bezugsperson an, steht an erster Stelle die Bestätigung, dass es gut und richtig ist über Geheimnisse, die nicht gut tun zu reden. Bei erlebter sexualisierter Gewalt entlastet es die Kinder wenn sie hören, dass sie nicht Schuld sind am Erlebten, sondern die, die die Grenzen übertreten haben. Oft finden sexuelle Übergriffe jedoch auch unter Kindern und Jugendlichen statt. Schnell entwickelt sich aus einem Spiel das im Spaß angefangen hat ein ernstes Szenario. Kinder und Jugendliche befinden sich in solchen Situationen in der Rolle der passiv Ertragenden oder in der Rolle der aktiv Ausführenden. In jedem Fall brauchen sie Hilfe. Den Gesprächsfaden im hektischen Alltag nicht abbrechen zu lassen ist eine hohe Kunst.

Jüngeren Kindern hilft ein Einschlafritual. Nach dem Vorlesen einer Wunschgeschichte wird noch einmal gemeinsam überlegt, was an dem Tag richtig schön war und was auch nicht. Alles was ärgerlich war oder gemein wird in eine Fantasierakete gepackt und mit einem Raketenstart weit weg geschickt.

sexuelle Aufklärung im Kindergarten und in der KITA

Kinderleute: Was sollte im Kindergarten geschehen, um die Kinder zu stärken?

Sonja Blattmann: Weil Kinder im Kindergarten mitten in ihrer emotionalen und sozialen Entwicklung stecken, sind sie besonders empfänglich für die Schutzbotschaften einer präventiven Erziehung. Immer geht es darum Mädchen und Jungen in der Wahrnehmung und im Ausdruck ihrer Gefühle und Grenzen zu stärken. Gute von schlechten Geheimnissen unterscheiden zu können und den Mut zu haben selber zu helfen oder für sich selbst und andere Hilfe zu holen.

Das Ganze mit einer guten Portion Körperwissen, Lebensfreude und Humor. Diese Ansätze können Kinder bereits im Kindergarten stärken. Mit Liedern, Geschichten und einer Vielzahl anderer kreativer Methoden. Prävention funktioniert nur gemeinsam. Dort wo präventive Haltungen vermittelt werden, in der Familie, im Kindergarten, in der Schule, im Verein, in der Kirchengemeinde – können Widerstandskräfte gegen sexualisierte Gewalt wachsen und Kinder erleben mehr Schutz. Deshalb sind alle Institutionen, die mit Kindern leben und arbeiten gefordert entsprechende Schutzkonzepte zu entwickeln. Jedes 12. Kind erlebt nach neuesten Studien Formen sexualisierter Gewalt. Kinderschutz fordert von Anfang an die Verantwortung der Erwachsenen für ein gewaltfreieres Miteinander.

Aufklärungsbuch für Kinder /Aufklärungsbuch Kindergarten

Meine Lieder und Geschichten, unsere Arbeit mit dem MuT-Zentrum, die Arbeit mit den Eltern und die immer wieder erfrischenden Erfahrungen aus der direkten Arbeit mit den Kindern sollen diesen Prozess fördern. Wir als MuT-Zentrum freuen uns immer wieder wenn wir singend mit „In mir wohnt eine Sonne“ von den Mädchen und Jungen empfangen werden und erleben wie stärkend Kinderschutz wirkt.

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Themen zur Aufklärung für 10-12 jährige Kinder (Sexualerziehung)

Inhaltsverzeichnis:

Die Sexualerziehung

Die Pubertät

Die Körpervorgänge bei Menstruation und Schwangerschaft

Die Empfängnisverhütung

Quellenangaben

Sexualerziehung

Präambel:

Früher hatten es die Eltern leichter, da man allgemein der Überzeugung war, Sexualität und sexuelle Bedürfnisse entstünden erst mit der Fortpflanzungsfähigkeit und wurden somit von Eltern ignoriert oder sogar bestraft. Im Laufe der Jahre hat sich zu diesem Thema einiges geändert. Vater und Mutter haben gelernt, dass bereits frühkindliche sexuelle Äußerungen ein Ausdruck der Lust sind und nicht unterdrückt werden sollten, ohne zu wissen, wie sie selbst aufgrund sexualfeindlicher Erziehung mit Hemmungen und Ängsten umgehen können und müssen.

Die Hohe Schule der Aufklärung

Wenn Kinder wissen, wie Kinder gezeugt und geboren werden und dass zur Sexualität Zärtlichkeit und Liebe gehören, dann hat man schon ein gutes Fundament, auf dem Lehrer bei den Jungen und Mädchen im Grundschulalter aufbauen können. Die Kinder schnappen viele unterschiedliche Begriffe aus diesem Bereich auf, können sie aber noch nicht verstehen. Was sind Prostituierte, Zuhälter, Homosexuelle, Lesben, Exhibitionisten etc.?

Von allen Seiten stürzen neue Begriffe auf sie ein. Eltern und Lehrern können den Rat gegeben werden, die Fragen des Kindes nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern sie ernsthaft und sachlich zu beantworten. Denn ein fragendes Kind bemüht sich ja um sachliche Aufklärung. Wenn man als Elternteil eine Frage des Kindes selbst ad hoc nicht beantworten kann, so sollte zusammen mit dem Kind in einem geeigneten Buch nachgeschlagen werden. Spricht man auch über abseitige Themen der Sexualität nicht nur sachlich, sondern auch noch ganz persönlich, hat das Kind die Möglichkeit von Elternseite zusätzlich wichtige Werte zu vermittelt bekommen.

Wenn ein Kind zum Beispiel nach dem Begriff Prostitution fragt, könnte eine mögliche Elternantwort sein: „ Für mich gehört zur Sexualität immer Liebe. Ich liebe deinen Vater, darum schlafe ich auch sehr gern mit ihm. Ich könnte außer mit ihm jetzt mit keinem anderen Mann schlafen. Prostituierte schlafen mit jedem Mann, der dafür bezahlt. Für sie ist Sexualität ein Geschäft, ein Beruf. Mein Beruf, mein Geschäft könnte es nicht sein. Aber das gilt für mich. Andere Menschen können darüber anders denken.“

Wenn es um Fragen nach Lesben und Homosexuellen geht, kommt ein ebenfalls wichtiger Wert ins Gespräch – die Toleranz gegenüber anders denkenden Menschen -. Zur hohen Schule der Aufklärung gehören natürlich auch Antworten auf Fragen nach Verhütungsmitteln, nach Aids, auch nach sexuellen Straftaten und nach Geschlechtskrankheiten. Wer die Werte , die er seinem Nachwuchs gern vermitteln möchte, selbst nicht realisieren kann, sollte sich bei Fragen auf sachliche Antworten beschränken.

Sexualerziehung bedeutetet vor allem, sein Kind in seiner sexuellen Entwicklung einfühlsam zu begleiten, es zum Beispiel nicht durch ständige Tabus oder Verbote zu hemmen oder sogar zu belasten, sondern ihm eine Atmosphäre von Zärtlichkeit, Liebe und Geborgenheit zu geben. Um das leisten zu können, muss man die sexuelle Entwicklung seines Kindes genauestens kennen, denn die elterlichen Reaktionen auf die kindlichen sexuellen Erlebnisse setzen Maßstäbe. Abwehr, Abscheu oder Verbote bauen Hemmungen auf, die möglicherweise lebenslang das partnerschaftliche Verhalten prägen können oder zumindest nur sehr schwer abzubauen sind. Aufklärung bedeutet nichts anderes, als alle Fragen über den sexuellen Bereich zu beantworten wie andere vom Kind gestellte Fragen. Einfühlsame Aufklärung heißt, diese Fragen immer dann zu beantworten, wenn sie vom Kind gestellt werden und zwar nur soweit, wie es das Kind in diesem Moment wissen will.

Sexualerziehung beginnt also nicht erst mit der Geschlechtsreife der Kinder in der Pubertät, wie viele Eltern möglicherweise annahmen, sondern schon ein Baby kann zum Ausdruck bringen, dass es Lust empfindet, wenn Mutter oder Vater zum Beispiel beim Wickeln oder Baden seine Genitalien berührt.

Schon lange bevor die verbale Aufklärung einsetzen kann, werden Kinder in vielen Bereichen ganz natürlich aufgeklärt. Sie beobachten sehr genau, was um sie herum geschieht. Dabei bemerken sie auch, wie Vater und Mutter zu ihrem Körper stehen und was sich beziehungsmäßig und atmosphärisch zwischen den Eltern abspielt. Viele Kinder haben ein gutes Gespür, sind sehr sensibel und kriegen daher meist viel mehr mit, als Eltern glauben.

Während das eine Elternpaar im engen Familienkreis sich sehr locker gibt und ungehemmt nackt durch die Wohnung läuft, zeigt sich das andere Elternpaar seinen Kindern nur mit Kleidung. Beim Duschen wird die Tür vor dem Kind verschlossen. Das Kind erfährt an diesem Beispiel zwei ganz unterschiedliche Botschaften. Das eine Elternpaar zeigt seine Offenheit dem Kind gegenüber und verheimlicht nicht die Liebe und Zuneigung. Das Kind wird oftmals in solchen Familien in die Zärtlichkeit mit einbezogen.

Das andere Elternpaar dagegen wird vermutlich jede Art von Zärtlichkeit für den späten Abend sich aufsparen, wenn das Kind schläft, so dass es wohl wenig davon bemerken wird.

Ein anderes Beispiel zeigt, dass das eine Elternpaar Streitigkeiten, die es in jeder Ehe gibt, nie vor dem Kind austrägt, sondern seine Meinungsverschiedenheiten stets, wenn die Kinder nicht anwesend sind, klären. Das andere Elternpaar hingegen klärt seine Probleme vor den Kindern immer dann, wenn sie auftreten.

Auch sind bei der Problemlösung Unterschiede festzustellen, da die einen dieses sachlich und ruhig, die anderen emotional und teilweise sogar unsachlich tun. Nach Carl Gustav Jung, einem sehr bekannten Psychiater, werden Kinder dadurch erzogen, was die Eltern darstellen, und nicht, was sie reden. Mit anderen Worten hat es wenig Bedeutung für das Kind, wenn Eltern, die sehr gefühlskalt sind, ihrem Kind erzählen, dass Sexualität von Empfindungen geprägt sei, die sich durch Liebe und Zärtlichkeit zwischen Mann und Frau zeigen. Vor allem wenn es sich um noch sehr kleine Kinder handelt, die längere Erklärungen noch nicht verarbeiten können, ist das alltägliche Leben, das die Eltern verkörpern und vorleben, das Fundament des Kindes für das spätere Verhalten dem anderen Geschlecht gegenüber.

Es ist doch nicht verwunderlich, dass Kinder, die keine Zärtlichkeit erfahren haben, diese auch nicht weitergeben können. Wer als Kind erlebt hat, wie sich Menschen, die sich nahe stehen, bei Meinungsverschiedenheiten sich verhalten, wird später in ähnlicher Weise reagieren können.

Doktorspiele – Frühkindliche Sexualität

Vor dem Schuleintritt wird bei fast allen Kindern in der sexuellen Entwicklung ein vorläufiges Reifestadium erreicht. Viele Jungen erleben Gliedversteifungen, die durch Reibung der Kleidung oder auch durch eine gefüllte Blase zustande kommen können. Die dabei entstehenden Gefühle versuchen sie mit der Hand zu verstärken, bis sie ihren Lusthöhepunkt erreicht haben. Der Unterschied des Orgasmus zu einem geschlechtsreifen Mann besteht darin, dass noch kein Sperma ausgestoßen wird. Die Mädchen verhalten sich in ähnlicher Weise und reizen mit der Hand vor allem ihren Kitzler. Bis zum Kindergartenalter haben fast alle Kinder begriffen, dass es Männer und Frauen und Jungen und Mädchen

gibt. Schon ab drei Jahren erproben Kinder ihren Körper, falls sie nicht durch Tabus und Verbote davon abgehalten wurden. Ganz allmählich wird auch der Körper des anderen Geschlechts interessanter und die sogenannten Doktorspiele geben dafür besonders gute Gelegenheit, den Körper des anderen zu erforschen.

Kinder spielen Lehrer und Schüler, Polizist und Verkehrsteilnehmer, Kaufmann und Kunde. Warum also nicht auch Doktor und Patient? So kann das Kind, das den Doktor spielt, auf ganz legitime Weise den Körper eines anderen Kindes untersuchen. Oft stehen Schüchternheit und Scham im Vordergrund, nicht zu wissen, wie man sich verhalten soll, die allerdings nach kurzer Zeit rasch abgelegt werden. Solche Doktorspiele finden meist hinter verschlossenen Kinderzimmertüren statt. Viele Eltern ahnen etwas, wissen aber nicht, wie sie auf diese bestimmte Situation reagieren sollen.

Die Kinderzimmertür zu öffnen, wäre auch nicht die feine englische Art, denn dieses würde ein Eingriff in die Intimsphäre des Kindes darstellen. Vor allem aber kann die heftige Störung durch den Erwachsenen, der wahrscheinlich gleich fordert, sofort dem mit Spiel aufzuhören, zum traumatischen Erlebnis werden, das die spätere Sexualität des Kindes schwer beeinflussen könnte. Sollte ein wichtiger Grund tatsächlich vorliegen das Kinderzimmer betreten zu müssen, dann sollte dieses durch leises Anklopfen geschehen, auch mit der Entschuldigung für die Störung, denn die Eltern wollen ja auch ein Recht auf ihre Intimsphäre haben. Den Kindern sollte dann ein wenig Zeit gelassen werden, um in die Wirklichkeit zurückzukehren.

Eltern sollten wissen, dass die kindliche Neugier der Motor der geistigen Entwicklung ist.

Pubertät

Begriffsklärung

Pubertät heißt die Entwicklungsphase in Deinem Leben, in der Du erwachsen wirst. In dieser Zeit wirst Du körperlich und geistig reifer. Bei den meisten Menschen beginnt diese Zeit mit ungefähr 11 Jahren und sie dauert bis man etwa 18 Jahre alt ist. Mädchen kommen oftmals früher in die Pubertät als Jungen. Es lässt sich aber nie genau vorhersagen wann genau es losgeht und wann diese Phase abgeschlossen ist. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Außerdem verlaufen die körperliche (physische) und geistige (psychische) Entwicklung nicht immer gleichzeitig. So kann es vorkommen, dass zwei gleichaltrige Jugendliche aufeinandertreffen, die in unterschiedlichen Phasen stecken. Während der eine körperlich schon voll ausgereift ist, steht der andere noch am Anfang dieser Entwicklung. Sowohl die „Frühentwickler“ als auch die „Spätentwickler“ müssen sich keine Sorgen machen, beides ist völlig normal. Der Ausdruck Pubertät wurde übrigens von dem lateinischen Wort „pubertas“ abgeleitet. Das bedeutete „Mannbarkeit“; gemeint ist aber die Geschlechtsreife von Jungen und Mädchen. An dieser Stelle wollen wir Dir etwas über die körperlichen Veränderungen erzählen, die in Deinem Körper vor sich gehen.

Wachstum

Zunächst einmal merken die meisten Kinder gar nicht, dass sie in die Pubertät kommen. Die allerersten Veränderungen kann man nämlich nicht sehen, da sie im Körperinneren stattfinden. So ist die erste große Veränderung die Du wahrscheinlich bemerkst, dass Du größer wirst. Die Zellen in Deinen Knochen werden dazu angeregt sich zu vermehren und so werden Deine Knochen länger. Dieser Wachstumsschub wird durch die steigende Menge Hormone ausgelöst, die Du produzierst.

Hormone sind chemische Substanzen, die ganz viele verschiedene Aufgaben innerhalb Deines Körpers haben. Sie werden in Drüsen gebildet und gelangen dann mit dem Blut in die jeweiligen Körperteile in denen sie dann direkt auf die Organe einwirken, sie sozusagen zur Arbeit anregen. Solche Hormone sind auch die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen. So wird das Testosteron im Hoden gebildet und das Östrogen in den Eierstöcken. Mit dem Ende der Kindheit, wenn Du ein bestimmtes Wachstumsstadium erreicht hast, gibt Dein Gehirn den Befehl an Deinen Körper diese Hormone in größeren Mengen zu produzieren.

Von nun an bildet Dein Körper Keimzellen, bei Frauen sind das die Eizellen, bei Männern die Samenzellen. Die Geschlechtshormone sind also in erster Linie dazu da, dass Du Kinder empfangen bzw. zeugen kannst. Sie sind verantwortlich für das Wachstum Deiner Geschlechtsorgane (den primären Geschlechtsmerkmalen), ebenso wie für die sichtbaren (sekundären) Geschlechtsmerkmalen. Zu denen gehören bei den Mädchen die Brüste und die Hüften und bei den Jungen das breitere Kreuz und der Bart. Bei beiden wachsen zudem Achsel- und Schamhaare, das Gesicht wird länger und weniger rundlich und Du bekommst mehr Muskeln.

In Deinen Geschlechtsorganen bildet sich übrigens auch immer eine kleine Menge des jeweils anderen Hormons. Das heißt: Männer produzieren in ihren Hoden auch Östrogen und Frauen in ihren Eierstöcken Testosteron.

Bei Jungen sind Herz und Lunge vergleichsweise größer, sie bekommen mehr Muskeln, haben breitere Schultern und werden insgesamt größer als Mädchen. Das sind die Gründe dafür, dass sie oft stärker sind als Mädchen. Frauen dagegen haben mehr Ausdauer und sie leben im Durchschnitt länger als Männer.

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