Auf nichts lust

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Depressionen bei Kindern: Keine Lust zum Spielen

Das Spielzeug lässt Ihr Kind einfach liegen. Im Essen stochert es lustlos herum. Abends kann es nicht einschlafen. Es hat vor allem möglichen Angst. Gleichzeitig wirkt Ihr Kind traurig und teilnahmslos. Ist es vielleicht depressiv?

Diese Frage sollten Sie bald klären – nicht erst nach Wochen oder gar Monaten. Gehen Sie mit Ihrem Sprössling zum Kinderarzt. Er wird Ihnen entweder eine Kinderpsychiaterin empfehlen oder raten, noch abzuwarten.

Fachleute sagen, ein Kind ist depressiv, wenn es mindestens zwei Wochen lang traurig, lustlos und oft müde ist. Diese Phasen können sich häufen und sogar Monate oder Jahre dauern. Schon Kleinkinder können unter Depressionen leiden, wie eine Studie am Hamburger Universitätsklinikum belegt: Knapp ein Prozent der Vier- bis Sechsjährigen war depressiv. Die Zahlen entsprechen Untersuchungen aus den USA: Dort waren knapp ein Prozent der Vorschulkinder, zwei Prozent der Schulkinder und zwischen zwei und acht Prozent der Jugendlichen depressiv. Das gilt für alle Schichten.

Depressive Kinder können depressive Erwachsene werden

Je jünger die Kinder sind, desto schwerer ist es, eine Depression zu erkennen. Kleinkinder zum Beispiel schreien und weinen anfangs viel, später ziehen sie sich zurück. Ältere Kinder können hingegen schon über ihre Lustlosigkeit sprechen, sie können aber auch plötzlich aggressiv werden. Möglicherweise ist Ihr Kind depressiv, wenn es:

  • an sich selbst zweifelt,
  • launisch ist,
  • schlecht einschläft oder schlecht durchschläft,
  • morgens lustlos aber abends vergnügt ist,
  • an Selbsttötung denkt.

In vielen Fällen genügt es, wenn eine Kinderpsychiaterin oder ein Kinderpsychologe Ihr Kind psychotherapeutisch betreut. Glauben Sie keinem Hausarzt, der meint, dass sich eine Depression auswächst. Denn die größte Gefahr ist, dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter immer wieder depressiv wird, auch als Erwachsene. Untersuchungen zeigen, dass bis zu drei Viertel der Kinder, die vorübergehend depressiv waren, auch nach fünf Jahren noch Rückfälle erleben. Je jünger die Kinder sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit des Rückfalls.

Warum Kinder depressiv werden, ist noch nicht klar. Sicher ist: Die Veranlagung kann vererbt werden. So werden Kinder, deren Mutter, Vater oder beide Eltern depressiv sind, mit höherer Wahrscheinlichkeit ebenfalls depressiv. Ausgelöst wird die Krankheit beispielsweise, wenn ein Kind die Mutter oder den Vater verliert, wenn es misshandelt wird oder wenn es in der Schule Schwierigkeiten hat. Während einer depressiven Phase liegen verschiedene Hirnbotenstoffe entweder in vermehrter oder verminderter Konzentration vor. Dazu zählen die Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und auch Acetylcholin.

Symptome

Eine Depression bei einem Kind oder Jugendlichen zu erkennen ist gar nicht so einfach – sogar für Ärztinnen und Psychologen kann das schwierig sein. Kleine Kinder können kaum über ihre Probleme sprechen, Heranwachsende trauen sich oft nicht. Umso genauer sollten Sie Ihr Kind beobachten.

Bereits Babys können depressiv sein, vor allem wenn sie ihre Bezugperson verlieren oder wenn sie misshandelt werden. Sie schreien und weinen anfangs viel. Später werden sie teilnahmslos. Die Babys bleiben mager, wachsen zu langsam, greifen, krabbeln und brabbeln später als Gleichaltrige.

Auch Kleinkinder leiden sehr, wenn Mutter, Vater oder eine andere wichtige Person plötzlich fehlen oder sich nicht um sie kümmern. Sie lernen später laufen und sprechen. Sie sind mit den Händen weniger geschickt als ihre Altersgenossen. Sie schlafen schlecht ein und leiden unter Albträumen. Sie essen mitunter zu wenig. Manche Kinder sind sehr anhänglich und jammern viel. Andere sind auffällig teilnahmslos. Manche lutschen exzessiv am Daumen. Einige schaukeln wild vor und zurück, schlagen mit dem Kopf gegen die Wand oder reißen sich die Haare aus.

Rückzug, weil sich niemand kümmert

Sind Kinder im Vorschulalter depressiv, dann sind sie oft sehr ängstlich und launisch. Einerseits können sie in sich gekehrt sein. Sie verlieren die Lust, mit anderen Kindern zu spielen und lernen deshalb erst spät, mit dem Laufrad zu fahren oder am Klettergerüst zu hangeln. Gleichzeitig können depressive Drei- bis Sechsjährige auch sehr aggressiv sein. Sie neigen dann zu Streit und stören das Spiel der anderen. Hinzu kommen Ess- und Schlafstörungen oder Kopf- und Bauchschmerzen. Einige Kinder fangen wieder an, am Daumen zu lutschen oder einzunässen.

Je älter die Kinder werden, desto besser lässt sich die Krankheit erkennen. Depressive Schulkinder sind traurig und ängstlich. Was sie gestern gern getan haben, macht ihnen heute keinen Spaß mehr. Sie denken viel über sich und ihr Leben nach und sind dabei überkritisch gegenüber sich selbst.

Weil sie in diesem Gedankenstrudel so gefangen sind, werden sie unkonzentriert und vergesslich. Dadurch rutschen sie in der Schule ab – und werfen es sich vor. Depressive Schulkinder neigen zu Ess-Störungen; sie essen entweder zu viel oder zu wenig. Sie leiden unter Albträumen, schlafen schlecht ein und selten durch. Der Gedanke, sich selbst zu töten, wird konkreter.

Depressive Jugendliche sind oft unnahbar

Depressive Teenager schwanken zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Was sie heute hellauf begeistert, ist am nächsten Tag schon wieder uninteressant. Die Jugendlichen grübeln, zweifeln an der Welt, sind zynisch und gelangweilt. Sie bleiben in ihrem Zimmer hocken und schließen die Eltern aus. Häufig lassen ihre Leistungen in der Schule nach.

Typisch sind auch Schlaf- und Ess-Störungen sowie Kopfschmerzen. Vor allem Mädchen neigen zu Magersucht oder Fressattacken. Manche Jugendliche versuchen ihre Probleme mit Alkohol und Drogen in den Griff zu kriegen. Erwachsene stören. Jeden Annäherungsversuch empfinden die Teenager als lästig. In ihrer Traurigkeit fühlen sie sich so hoffnungslos und minderwertig, dass ihnen ein Selbstmord wie der einzige Ausweg erscheint. Bis zu zehn Prozent der Jugendlichen versuchen wenigstens einmal, sich selbst zu töten.

Diagnose

Die Stimmung von Kindern und Jugendlichen schwankt: Mal sind sie wütend, mal sind sie traurig. Mal rebellieren sie, mal ziehen sie sich zurück. Mal verweigern sie die Nahrung, mal haben sie plötzlich keine Lust mehr auf ihre Freunde. All diese Situationen sind normal; die Kinder erlernen soziales Verhalten, sie üben, sich abzugrenzen und ihre eigenen Wege zu gehen. Das ist also kein Grund zur Sorge.

Ist Ihr Kind aber häufig traurig, ist es länger als zwei Wochen scheinbar ohne Grund niedergeschlagen und lustlos, dann sollten Sie sich Rat bei einem Arzt holen. Meist wird das der Kinderarzt sein. Er kennt Ihren Sprössling und sein soziales Umfeld oft schon lange und gut. Er kann daher am besten beurteilen, ob die Traurigkeit nur eine Entwicklungsphase ist oder ob sie bereits bedenklich ist.

Der Arzt will wissen, wie Ihr Kind sich verhält

Als erstes wird die Ärztin mit Ihrer Tochter oder Ihrem Sohn sprechen. Zusätzlich gibt es diverse Tests und Fragebögen. Ist Ihr Kind noch klein und sind sich Ärzte und Therapeuten unsicher, ob es depressiv ist, dann beobachten sie es vielleicht einige Tage in der Klinik. Zusätzlich sind Beobachtungen und Einschätzungen aller Personen wichtig, die das Kind regelmäßig erleben. Der Arzt wird zunächst Sie als Eltern befragen, aber auch Erzieher, Betreuerinnen oder Lehrerinnen. Gelegentlich empfehlen Ärzte, ein Tagebuch zu führen: Sie notieren darin, wann, in welchen Situationen und wie oft Ihr Kind jammrig ist oder weint, wann es aggressiv ist oder wann es sich zurückzieht.

Ein Kind kann depressiv werden, wenn:

  • sich die Eltern scheiden lassen,
  • sich die Eltern ständig streiten,
  • jemand in der Familie stirbt,
  • Mutter oder Vater es allein erzieht,
  • ein Elternteil körperlich oder seelisch krank ist,
  • es misshandelt oder vernachlässigt wird,
  • es etwas Schreckliches erlebt hat, etwa einen Unfall,
  • es hochbegabt ist.

Im Elterngespräch wird der Arzt Sie nach Situationen fragen, die für Ihr Kind besonders belastend gewesen sein könnten. Das kann eine Adoption sein, die schwere psychische oder körperliche Erkrankung eines Elternteils oder der Tod einer engen Bezugsperson.

Therapie

Depressionen können Psychotherapeutinnen oder Psychiater heute gut behandeln: In Frage kommen entweder eine Psychotherapie oder Medikamente. Die Therapeuten werden Ihnen eine Behandlung vorschlagen und alles mit Ihnen besprechen – dazu gehört auch, Ihnen zu sagen, wie Sie Ihr Kind während der Therapie unterstützen können.

Die meisten depressiven Kinder und Jugendliche werden ambulant behandelt. In die Klinik sollte Ihr Nachwuchs nur gehen, wenn er schwer depressiv und suizidgefährdet ist. Ein Aufenthalt im Krankenhaus kann auch sinnvoll sein, wenn sich Kinder von belastenden häuslichen oder schulischen Problemen erholen sollen. Bei solchen stationären Therapien kümmern sich Ärzte und Psychologinnen, Sozialarbeiter und Pädagoginnen gemeinsam um die Kinder und Jugendlichen. Das Team stimmt die Therapie auf das Alter, die Interessen und die familiäre und soziale Situation eines Kindes ab.

Psychotherapie heißt: Probleme lösen lernen

Psychotherapien helfen depressiven Kindern und Jugendlichen, sich besser zu verstehen und entspannter mit Stress umzugehen. Sie bauen ihr Selbstwertgefühl wieder auf und unterstützen sie dabei, mit anderen Menschen gut zurecht zukommen und sich dabei wohl zu fühlen. So können die Kinder zukünftig besser mit Problemen, Zweifeln und Fragen umgehen.

Psychotherapien helfen bei leichten oder mittelschweren Depression am besten. Schwer depressiven Kindern helfen solche Verfahren auch, aber Medikamente können den Erfolg in solchen Fällen noch verbessern. Es gibt mehrere psychotherapeutische Methoden, um depressive Kinder behandeln:

  • Kognitive Verhaltenstherapie: Sie geht davon aus, dass unser Denken darüber bestimmt, wie wir fühlen und uns verhalten. Depressive Kinder mögen sich oft selbst nicht und trauen sich wenig zu. In der Therapie lernen sie, sich zu akzeptieren und sich mehr zuzutrauen. Interpersonale Psychotherapie: Häufig lösen Probleme mit Eltern, Geschwistern oder Mitschülern eine Depression aus. Die interpersonale Psychotherapie hilft den Kindern, ihre Rolle zu erkennen und zu verändern, die sie gegenüber anderen spielen. Sie ist der kognitiven Verhaltenstherapie relativ ähnlich, konzentriert sich aber vor allem auf die aktuelle Situation.
  • Familientherapie: Sie geht davon aus, dass ein Kind mit einer Depression auf Probleme in der Familie reagiert. Im Gespräch regt die Therapeutin die Familie an, die Kräfte und Wechselwirkungen im Familienleben aufzudecken und aufzulösen, die das Kind belasten.
  • Klientenzentrierte Spieltherapie: Sie nutzt das Spiel als Mittel, um Gefühle auszudrücken. Die Kinder spielen, ohne dass der Therapeut eingreift. Er spiegelt den Kinder wieder, welche Spannungen, Unsicherheiten, Ängste oder Aggressionen er wahrnimmt. So lernt das Kind, seine Gefühle besser zu verstehen. Und es erfährt, dass es sich entfalten kann und darf.
  • Tiefenpsychologische Therapie: Diese Therapie eignet sich vor allem für ältere Kinder und Jugendliche. Während der Sitzung sprechen sie über alles, was sie gerade denken und fühlen. Dieses so genannte freie Assoziieren kann von aktuellen seelischen Problemen zurückführen zu Gefühlen, die sie in der Vergangenheit erlebten. So können Situationen und Gefühle identifiziert werden, die für die Depression mitverantwortlich sind. Sind die Gründe erst einmal bewusst, können sie besprochen und verarbeitet werden.
  • Mutter-Kind-Training: Sind Säuglinge oder Kleinkinder depressiv, vermuten Fachleute oft eine gestörte Mutter-Kind-Bindung. Die Mutter schafft es nicht, die Gefühle ihres Kindes zu spiegeln: Sie lächelt nicht, wenn das Kind lächelt. Sie macht seine Laute nicht nach, sie ist kein Echo. Das ist aber notwendig, damit das Baby Sicherheit spürt und eine verlässliche Bindung aufbaut. Ohne den mütterlichen Spiegel verkümmert das Kind. Es isst und trinkt nicht mehr. Mutter-Kind-Trainingsprogramme helfen der Mutter, den Kontakt zu ihren Baby zu verbessern.

Die gesetzlichen Krankenkassen und die meisten privaten Krankenkassen zahlen die Kosten für eine Psychotherapie, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Die psychische Störung muss diagnostiziert und der Therapeut zugelassen sein.

Psychiater schlagen nur in besonders schweren Fällen Medikamente vor. Etwa, wenn es dem Kind oder dem Heranwachsenden so schlecht geht, dass eine Psychotherapie zunächst nicht möglich ist. Oder wenn die Psychotherapie scheitert. Medikamente können den Zustand dann zunächst stabilisieren. Arzneimittel sollten aber nicht die einzige Form der Therapie sein, sondern immer Teil einer umfassenden Behandlung.

Als wirksam haben sich Substanzen aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (selective serotonine reuptake inhibitors, SSRI) erwiesen. Sie sorgen dafür, dass ein körpereigener Botenstoff im Gehirn – das Serotonin – wieder in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Serotonin ist für das Gehirn eine Art Glückshormon, die Substanz macht gelöst und versetzt in eine freundliche Grundstimmung. Für Kinder ab acht Jahren ist der Wirkstoff Fluoxetin besonders gut geeignet, für Jugendliche der Wirkstoff Sertralin.

Diese so genannten Antidepressiva helfen aber nur, wenn sie regelmäßig und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Sie wirken erst nach einigen Wochen. Auch wenn die Symptome abklingen, sollten die Medikamente noch weitere sechs Monate geschluckt werden. Wer sie abrupt absetzt, riskiert ein so genanntes Aktivierungs-Syndrom, das sich in Panikattacken, Schlaflosigkeit oder Aggressionen äußern kann. Eine weitere Gefahr: Obwohl die SSRI gut wirken, erhöhen sie möglicherweise das Suizid-Risiko. Um Selbstmordgedanken zu begegnen, empfehlen Fachleute deshalb immer gleichzeitig eine Verhaltenstherapie.

Bei leichten und mittelschweren Depressionen können möglicherweise Extrakte des Johanniskrauts helfen. Sie werden von Kindern gut vertragen. Allerdings gibt es bisher keine Studien, die belegen, dass die Kräuter bei Kindern auch wirken.

Tipps

Ist Ihr Kind depressiv, sollte die Therapie in der Hand von ausgebildeten Kinderpsychiatern, Kinder- und Jugend-Psychotherapeutinnen oder von Kinderpsychologinnen liegen. Oft sind auch Sozialarbeiter und Sozialpädagogen in die Behandlung eingebunden. Als erste Anlaufstelle sind Erziehungs- und Familien-Beratungsstellen gut.

Ihr Kind kann nur gesund werden, wenn Sie mithelfen. Informieren Sie sich über die Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten. Tun Sie die Krankheit nicht als Phase ab, die sich auswächst – damit schaden Sie Ihrem Nachwuchs.

Hören Sie Ihrem Kind zu, sprechen Sie mit ihm, auch über seine Ängste und Sorgen. Fragen Sie ruhig nach, aber drängen Sie Ihr Kind nicht: Ein Verhör wäre nicht gut, es setzt Ihr Kind nur unter Druck und hilft nicht. Vermeiden Sie gut gemeinte Ratschläge oder Aufmunterungsversuche – sie helfen dem Kind nicht weiter. Nehmen Sie die Gefühle Ihres Kindes stattdessen ernst.

Sie sollten es als Hinweis verstehen, wenn Ihr Kind Selbstmordwünsche andeutet. Das könnte heißen: Ihre Tochter oder Ihr Sohn kann sich nicht vorstellen, so wie bisher weiterzuleben. Der Tod erscheint als einziger Ausweg aus der Misere. Oft ist ein Selbsttötungsversuch ein Hilfeschrei: Ihr Kind braucht mehr Zuwendung und Anerkennung.

Expertenrat

Michael Schulte-Markwort, Leiter der Kinder- und Jugendpsychosomatik am Hamburger Universitätsklinikum, antwortet:
Woran erkenne ich, ob mein Kind depressiv ist? Für die Eltern ist es nicht leicht, eine Depression bei ihrem Kind zu erkennen. Achten Sie auf Stimmungsschwankungen. Ist Ihr Kind traurig? Hat es die Lust an der Schule und seinen Freizeitaktivitäten verloren? Warten Sie nicht zu lange damit, sich Hilfe zu holen. Machen Sie lieber einen Arztbesuch zu viel als einen zu wenig. Insbesondere Suizidgedanken, -äußerungen und -drohungen sollten Sie ernst nehmen und nicht einfach abtun.

Wie gehe ich mit Selbstmord-Gedanken bei meinem Kind um? Spreche ich das an oder vermeide ich das Thema besser?

Unbedingt ansprechen. Ermuntern Sie Ihr Kind, mit Ihnen über seine traurigen und düsteren Gedanken zu sprechen. Was macht Dich denn so traurig? Versichern Sie ihm außerdem Ihre Liebe, Zuneigung und Wertschätzung: Ich möchte aber, dass Du bei uns bleibst. Unterstützung für den Umgang mit dem Thema bekommen Sie auch vom behandelnden Arzt Ihres Kindes.

Wenn ich die Vermutung habe, dass mein Kind depressiv ist, was mache ich am besten?

Gehen Sie als erstes zum Kinderarzt. Der kann die Situation am besten einschätzen, weil er Ihren Sohn oder Ihre Tochter bereits lange kennt. Gegebenenfalls wird er Ihr Kind an einen Kinder- und Jugendpsychiater überweisen.

Müssen depressive Kinder zwangsläufig Medikamente bekommen?

Den meisten Kindern genügt eine Psychotherapie. Damit haben wir wirklich sehr gute Erfolge. Doch selbst wenn der behandelnde Arzt empfiehlt, dass Ihr Kind Medikamente nehmen sollte, müssen Sie sich nicht ängstigen. Die modernen Antidepressiva machen nicht abhängig und sind sehr gut verträglich. In den ersten Wochen der Einnahme sollten Sie allerdings ein Auge auf Ihre Kinder haben: Die Medikament steigern die Aktivität, bevor sie die Stimmung verbessern. Dadurch können Aggressionen – gegen sich selbst und andere – häufiger auftreten.

Wächst sich eine Depression aus?

Eine Depression ist keine Kinderkrankheit, sondern eine behandlungsbedürftige schwere Erkrankung. Sie geht – entgegen der Annahme einiger Ärzte – eben nicht von allein weg. Professionelle Hilfe und Unterstützung sind für die depressiven Kin-der und deren Eltern dringend notwendig.

Welches ist die größte Gefahr bei einer Depression?

Die größte Gefahr besteht darin, eine Depression nicht rechtzeitig oder nicht richtig zu behandeln. Möglicherweise entwickelt sich daraus dann eine Erkrankung, die bis ins Erwachsenenalter anhält. Chronische Erkrankungen wiederum sind häufig von anderen Erkrankungen wie Kopf- und Rückenschmerzen sowie chronischen Darmbeschwerden begleitet. Das schränkt die Lebensqualität mitunter sehr ein.

Forschung

Kinder depressiver Mütter neigen ebenfalls zu Depressionen. Das muss aber kein Schicksal sein, wie eine amerikanische Studie belegt: Wurden die Mütter innerhalb von drei Monaten behandelt, neigen auch die Kinder seltener zu Depressionen, Angststörungen und auffälligem Verhalten.

Die Psychiaterin Myrna M. Weissmann und ihr Team untersuchten 151 Mütter und ihre Kinder. Alle Frauen wurden mit Antidepressiva behandelt. Kurz vor der Behandlung als auch drei Monate danach interviewten einige Teammitglieder von Weissmann die Mütter, andere befragten die Kinder. Das Ergebnis: Vor der Behandlung waren 35 Prozent der Kinder psychiatrisch auffällig. Ihr Anteil sank auf 24 Prozent bei den Müttern, denen es nach der Behandlung besser ging. Die Frauen, die trotz der Arzneimittel weiterhin depressiv waren, hatten auch häufiger seelisch belasteten Nachwuchs: 43 Prozent dieser Kinder waren mittlerweile psychiatrisch auffällig geworden.

Sozial auffällige Kinder: „Unser Kind hat die Familie isoliert“

Danke, es geht uns gut. Wir haben kein behindertes Kind, nein, nicht mal ADHS hat unser Sohn – er kann sich wunderbar konzentrieren – also kein Grund zu jammern. Und trotzdem hat uns Johannes jahrelang an den Rand des Wahnsinns getrieben. Manchmal tut er es immer noch, aber es wird besser. Er ist jetzt neun, und seit eineinhalb Jahren können wir endlich mal durchatmen, können uns umdrehen, ohne befürchten zu müssen, dass er hinter unserem Rücken ein Kind schlägt oder die Einrichtung zerlegt, können wieder anfangen, uns mit anderen Familien zu treffen. Und wir werden sogar wieder eingeladen.
Klingt übertrieben? Ja, das sagen viele, die Johannes nur kurz und oberflächlich erleben: „Das ist doch ein richtiger Sonnenschein, was wollen Sie denn?“, lachten die Rentner aus der Nachbarschaft. Aber dieser Sonnenschein, unser geliebtes Kind, hat uns das Leben oft zur Hölle gemacht.

Soziale Ausgrenzung

Dass unser Kind anders ist, haben wir schon bald nach der Geburt gemerkt, aus Gesprächen mit anderen Eltern. Anfangs denkt man: Das ist normal, dass Babys anstrengend sind. Aber bei Johannes war es immer noch ein Vielfaches extremer, das ist bis heute so geblieben. Ein Kinderarzt sagte uns mal: „So einem Kind müssen Sie alles nicht zehnmal, sondern hundertmal sagen.“
Als Baby schrie er nicht eine Stunde pro Nacht, sondern fünf. Auch tagsüber bekam er Schreianfälle und ließ sich nicht mehr beruhigen. Wir haben uns mit ihm bald in keinen Bus mehr getraut, keinen Laden, kein Café. Später hat er Spielsachen nur dreimal auf den Boden gedroschen und weggeworfen. Und dann eben ständig Kinder geschubst oder geschlagen. Oft gar nicht aus böser Absicht, das war seine Art des „Schulterklopfens“, er fand andere Kinder ja immer toll – sie ihn aber natürlich nicht. Auch sein drei Jahre später geborener Bruder Niklas musste viel aushalten. Eine Freundin mit Kindern sagte ganz offen: „Tut mir leid, aber Johannes ist mir echt zu anstrengend.“ Müttertreffen am Nachmittag, Grillnachmittage oder Zoobesuche – wir wurden nicht eingeladen und mieden solche Veranstaltungen mit der Zeit auch selbst, weil sie furchtbar anstrengend waren für uns. Spielplätze waren jahrelang Horrorterrain. Wie ein Schatten sind wir hinter Johannes her. So wurden wir immer isolierter – moderne Sippenhaft.

Suche nach Antworten

Sieben Jahre waren wir auf der Flucht, denn zu Hause hielten wir es auch nicht aus mit Johannes. Jeden Samstag und Sonntag raus – Ausflüge machen, wandern gehen, Hauptsache, Bewegung. Wir hätten gern mal unsere Ruhe gehabt, aber ohne Programm ging es gar nicht. Am Wochenende oder abends, solange der Junge wach war, hat sich nie einer von uns allein weggetraut. Mal eine Bergtour mit Freunden oder zum Sport? Ging nicht, weil der andere allein das nicht gepackt hätte.
Unsere Gedanken kreisten nur noch um Johannes. Wenn wir geredet haben, dann über ihn. Wenn wir gestritten haben, dann über ihn. Über allem die große Frage: Warum ist er so? Was haben wir falsch gemacht? Hätten wir da mehr Geduld haben sollen, haben wir dort zu barsch reagiert, nicht rechtzeitig Grenzen gesetzt? Man denkt ja immer, wenn man ein Kind mit liebevoller Konsequenz erzieht, es nicht schlägt oder sonstwie misshandelt, Reizüberflutung vermeidet und für einen geregelten Tagesablauf sorgt, dann kann doch nichts schiefgehen, oder? Doch, es kann.

Antriebslosigkeit: Woher sie kommt und was du dagegen tun kannst

Es sind genau zwei Wörter, die ausdrücken, was antriebslose Menschen oft tief in sich empfinden: keine Lust. Keine Lust morgens aufzustehen – am liebsten würden sie den ganzen Tag zu Hause im Bett bleiben. Keine Lust sich mit Freunden zu treffen – für deren Sorgen und Freuden sie gerade kein Ohr haben.

Schön auf den Punkt gebracht hat das Gefühl der Antriebslosigkeit der Singer und Songwriter Clueso:

„Keine Lust aufzustehen, auch wenn der Tag sehr sanft beginnt. Du hälst dich seufzend über Wasser, bis der Horizont verschwimmt. Ein Blick aus deinem Fenster, doch deine Gegend scheint dir fremd.“Gerade in den Herbst- und Wintermonaten ist es normal, dass man sich öfter mal träge, müde und lustlos fühlt und die Antriebslosigkeit über die gute Laune und den Tatendrang siegt. So lange die positiven Tage die Oberhand behalten und die Niedergeschlagenheit nicht als Dauergast einzieht, muss sich niemand Sorgen machen.

Was tun, wenn die Antriebslosigkeit länger anhält?

Doch was, wenn die Antriebslosigkeit doch mal länger anhält und man das Gefühl hat, so kann es nicht weitergehen? „Wichtig ist erstmal zu wissen, dass es sich bei der Antriebslosigkeit bzw. dem Antriebsmangel nicht um eine Erkrankung, sondern um ein Symptom handelt“, sagt Dr. Franziska van Hall, Oberärztin für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie an der Berliner Charité.

Will heißen: Eine längere Antriebslosigkeit kann darauf hinweisen, dass etwas in unserem Körper nicht in Ordnung ist. „Langanhaltende Antriebslosigkeit“, sagt die Expertin, „kann auf einen Infekt, eine Mangelernährung, auf eine Blutarmut oder zum Beispiel auch auf eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen.“

Antriebslosigkeit oder Antriebsschwäche?

Antriebslosen Menschen fehlt die Fähigkeit zur Initiativbildung, sie können sich nicht aufraffen, Sachen anzugehen. Allerdings muss man unterscheiden zwischen einer milderen Form der Antriebsschwäche und einer starken Form des Antriebsmangels. „Bei letzterem können die Betroffenen ihren Aufgaben gar nicht mehr nachkommen, sie pflegen sich nicht mehr, hören im Extremfall sogar auf zu essen und zu trinken“, sagt Dr. van Hall. Wer das bei sich feststellt, sollte sich unbedingt Hilfe holen, entweder bei seinem behandelnden Psychologen oder ganz einfach erstmal beim Hausarzt.

Ist Antriebslosigkeit sowas wie eine Depression?

Direkt Angst haben, dass es sich bei der Antriebslosigkeit um eine Depression handelt, muss man übrigens nicht, denn dafür müssen mehrere Kriterien erfüllt sein. Laut Dr. van Hall unter anderem diese hier:

  • man fühlt sich über einen langen Zeitraum deprimiert oder gereizt
  • man leider unter einem Freudverlust, Dinge, die einem früher Spaß gemacht haben, tun das nicht mehr
  • man zeigt wenig bis gar kein Interesse mehr an seiner Umwelt, an Freunden und an der Familie
  • man leidet unter körperlichen Beschwerden wie Einschlaf- oder Durchschlafstörungen, Gewichts- oder Libidoverlust
  • man hat Suizidgedanken

Mit diesem Selbsttest kannst du herausfinden, ob du gefährdet bist:

Was hilft gegen Antriebslosigkeit?

Wer unter einer leichten, jahreszeitbedingten und/oder nur kurz anhaltenden Antriebslosigkeit leidet, der kann laut Dr. van Hall mit wenigen Tricks erreichen, dass es ihm bald wieder besser geht: „Viel an die frische Luft gehen, die Mittagspause nutzen, um Licht zu tanken und durch etwas Bewegung den Kreislauf in Schwung zu halten, das hilft super!“

Freunde können aus der Antriebslosigkeit heraus helfen

Auch ganz wichtig ist es laut Dr. van Hall, soziale Kontakte zu pflegen, sich aufzuraffen und Freunde zu treffen. Helfen soll es auch, schöne Dinge zu planen, die man dann auch wirklich durchführt: „Es bringt nichts, etwas zu planen, wozu man gar keine Lust hat. Das sorgt nur für schlechte Stimmung.“ Außerdem rät sie zu einer gesunden, ausgewogenen Ernährung und zu regelmäßigen Sporteinheiten.

Lesetipp: Weitere Informationen rund um die Themen Depression, Müdigkeit und Erschöpfung findet ihr auf onmeda.de

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Antriebslos: Ursachen, Tipps und Vorbeugung

Wer antriebslos ist, fühlt sich häufig abgeschlagen, lustlos, und ständig müde, hat Schwierigkeiten, sich zu motivieren. Natürlich kann niemand jeden Tag vor Energie sprühen und andere mit seiner positiven Energie anstecken. Wird die Antriebslosigkeit jedoch zu einem dauerhaften Zustand, muss man die Auslöser und Gründe ausfindig machen, um etwas dagegen zu unternehmen. Je länger man dies aufschiebt, desto negativer und nachhaltiger werden auch die damit verbundenen Auswirkungen – sowohl in der Arbeit als auch im Privatleben. Damit Sie etwas dagegen tun können, stellen wir Ihnen die häufigsten Auslöser der Antriebslosigkeit vor und geben Tipps, wie Sie diese überwinden können…

Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel

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Antriebslos Definition: Was bedeutet Antriebslosigkeit?

Antriebslosigkeit ist ein umgangssprachlicher Begriff für eine Antriebsstörung. Unter Antrieb verstehen wir die Fähigkeit und den Willen, zielgerichtet und aktiv Dinge anzugehen. Demnach fehlt antriebslosen Menschen genau das – stattdessen sind sie lethargisch, passiv, schlapp, müde und vergesslich.

Es beginnt schon morgens, wenn man kaum aus dem Bett kommt und zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Tag. Es mangelt an jeglicher Motivation, jede Aktivität gleicht einer Herausforderung und am liebsten würde man einfach mal nichts tun.

In besonders ausgeprägten Fällen kann die Antriebslosigkeit so weit gehen, dass tatsächliche die Lust und Energie für jede noch so kleine und alltägliche Aufgabe fehlt. Dies kann soweit gehen, dass Betroffene wichtige Dinge und auch sich selbst vernachlässigen.

Antriebslos: Ursachen und Symptome

Gerade in der dunklen Jahreszeit ist es völlig normal, wenn Sie ein wenig antriebsloser sind als bei strahlendem Sonnenschein. Vielen Menschen macht das kalte, ungemütliche Wetter zu schaffen und im Dunkeln aufzustehen und nach Hause zu kommen schätzen ebenfalls die wenigsten. Solange eine positive Grundeinstellung überwiegt und die antriebslosen Tage in der Minderheit sind, ist alles im Lot.

Wenn aus der Ausnahme allerdings mehr die Regel wird, sollten Sie genauer hinschauen. Mit 56,1 Prozent sind Frauen im Vergleich zu Männern (43,9 Prozent) deutlich häufiger betroffen. Ein Grund dafür ist, dass ihr Eisenhaushalt häufig durch die Menstruation und Geburten durcheinander gebracht wird. Ebenfalls häufiger betroffen sind ältere Menschen.

Zunächst einmal ist Antriebslosigkeit ein Symptom und keine Krankheit. Die Ursachen dafür, dass Sie sich vielleicht antriebslos fühlen, können sehr vielfältig sein. Die drei Hauptgründe für Antriebslosigkeit sind:

  1. Depressive Erkrankungen

    Antriebslosigkeit ist das Leitsymptom einer Depression. Das kann sich derart äußern, dass antriebslose, depressive Menschen kaum in der Lage sind, alltägliche Handlungen zu verrichten. Selbst Hygiene und Nahrungsaufnahme überfordern sie und können in Extremfällen dazu führen, dass Erkrankte rapide an Gewicht verlieren und verwahrlosen.

  2. Unzureichende Ernährung

    Gerade in den kalten Wintermonaten greifen viele auf fettreiche, süße Nahrungsmittel zurück – die Weihnachtszeit lädt gewissermaßen dazu ein. Eine einseitige Ernährung – wie bei Veganern – kann leider zu Mangelerscheinungen führen und so sind ein Mangel an Eisen, Folsäure oder auch Vitamin B 12 häufig Gründe dafür, warum Menschen antriebslos sind. Die Mangelernährung führt zur Blutarmut, so dass nicht ausreichend Sauerstoff transportiert wird und infolgedessen die Leistungsfähigkeit sinkt.

  3. Andere Ursachen

    Allen voran führen Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion oder auch eine Hashimoto-Schilddrüse häufig dazu, dass Menschen antriebslos sind. Auch Erkrankungen des Gehirns wie etwa Demenz, Schlaganfälle oder eine Hirnhautentzündung können ursächlich für Antriebslosigkeit sein. Neben dem sind einige Medikamente dafür verantwortlich, dass man sich antriebslos und abgeschlagen fühlt.

Antriebslosigkeit: Was tun, wenn die obigen Ursachen nicht zutreffen?

Was aber, wenn Sie antriebslos sind und keiner der genannten Ursachen auf Sie zutrifft? Antriebslosigkeit kann seine Ursache auch im psychosozialen Bereich haben. Das wird vor allem dann deutlich, wenn Menschen ein Trauma erlitten haben, etwa weil sie Opfer einer Gewalttat wurden.

Wer einen schweren Unfall hatte oder einen geliebten Menschen verloren hat, fühlt sich ebenfalls häufig antriebslos. Auch bestimmte Faktoren im Arbeitsleben wirken sich ungünstig auf den Antrieb aus:

  • Falsches Umfeld

    Wir alle umgeben uns gerne mit Menschen, die unsere Interessen und Ansichten teilen, mit denen wir Spaß haben und auf andere Gedanken kommen können. Leider gibt es im Umfeld meist aber auch toxische Zeitgenossen.

    Der Pessimist, der sich dauerhaft und über alles bei Ihnen beschwert, der Choleriker, dessen Wutausbrüche Sie ertragen müssen oder der Nörgler, der an jeder Idee etwas auszusetzen hat. In einem solchen Umfeld kann man fast spüren, wie mit jeder Minute die eigene Motivation nachlässt und der Antrieb schwindet.

  • Großer Stress

    Bis zu einem gewissen Maß kann Stress zu großen Leistungen anspornen und auch motivierend wirken. Ist dieser Punkt überschritten, wird er zum Problem.

    Immer unter Zeitdruck zu stehen, zig Aufgaben gleichzeitig zu managen und das Gefühl zu haben, es niemals allen Anforderungen recht machen zu können, kann zu großer Frustration führen. Plötzlich fühlt man sich nicht mehr in der Lage, überhaupt etwas zu schaffen.

  • Fehlende Ziele

    Ziele motivieren ungemein und sind ein ganz natürlicher Antriebsfaktor. Wenn Sie sich ein Ziel – ob nun ein langfristiges oder auch ein kleineres, das schnell erreicht werden kann – gesetzt haben, werden Sie daran arbeiten, dieses zu erreichen. Fehlt jedoch jegliches Ziel und Sie wissen nicht, in welche Richtung Sie sich entwickeln, ist häufig Antriebslosigkeit die Folge.

    Die Tage ziehen einfach so vorbei, der Alltag hat Sie fest im Griff und eigentlich passiert fast überhaupt nichts, das Sie weiterbringen könnte. Ziellosigkeit führt schnell zu Stagnation, bei jeglicher Ansporn, überhaupt etwas zu unternehmen, verloren geht.

  • Wenig Erholung

    Sind die Akkus leer, braucht jeder die Zeit, um sich zu erholen, wieder zu Kräften zu kommen und einfach mal abzuschalten. Auch chronischer Schlafmangel fällt in diese Kategorie. Fehlt diese Erholung – oder findet nicht ausreichend statt – ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Antriebslosigkeit zuschlägt.

    Zwar kann man alle Reserven mobilisieren, doch irgendwann ist die Erschöpfung zu groß und es fehlt die Kraft, sich noch weiter aufzuraffen. Dies kann in Überforderung und Burnout münden.

  • Ständige Sorgen

    Was passiert, wenn ich meinen Job verliere oder krank werde? Wie sieht es mit der Altersvorsorge aus? Es gibt unendlich viele Dinge in der Zukunft, über die man sich sorgen kann und die einem so schwer im Magen liegen, dass sie auch in der Gegenwart ausreichen, um die Kraft zu rauben.

    Die gesamte Energie wird verbraucht, um sich Worst-Case-Szenarien auszumalen und in Gedanken durchzuspielen – was bleibt ist ein ungutes Gefühl und keine Lust, bei diesen Aussichten irgendetwas zu tun.

Antriebslosigkeit überwinden: So klappt’s

Wer sich dabei ertappt, dass er ständig müde und schlapp, lustlos oder gar vergesslich – kurz: antriebslos – ist, sollte gezielt etwas dagegen unternehmen, um diese Antriebslosigkeit überwinden zu können.

Langes Abwarten führt meist nur dazu, dass es schlimmer wird oder man sich selbst zusätzlich unter Druck setzt, nachdem eine Menge Zeit ungenutzt verstrichen ist.

Um der Antriebslosigkeit den Kampf anzusagen, gibt es verschiedene Wege. Denn so vielfältig wie die Ursachen sind, sind auch die Möglichkeiten, die zu Ihrer individuellen Situation passen müssen. Klären Sie also die Gründe dafür ab, warum Sie sich antriebslos fühlen.

Sind die Ursachen in einer organischen Erkrankung oder einer Depression begründet, ist ein Gang zum Arzt beziehungsweise Psychologen unumgänglich. Hier kann eine Behandlung und Therapie auch mit Medikamenten möglich sein, um beispielsweise den Hormonhaushalt zu korrigieren.

Kennen Sie sich hingegen gut genug um zu wissen, dass es sich eher um eine Lustlosigkeit infolge äußerer Gegebenheiten handelt, haben wir einige Tipps gesammelt, die Ihnen helfen können, die Antriebslosigkeit zu überwinden:

  1. Bewegen Sie sich

    Versuchen Sie, mehr Bewegung in Ihren Alltag zu integrieren. Der Klassiker ist natürlich das Joggen. Nicht jeder ist zum Hochleistungssportler geboren, aber manchmal greifen wir aus Bequemlichkeit auf Dinge zurück, die sich nachteilig auswirken können.

    Nehmen Sie das Fahrrad statt des Autos oder benutzen Sie die Treppe statt der Rolltreppe oder des Aufzugs. Vielleicht reicht die Mittagspause auch für einen kleinen Spaziergang? Der Vorteil ist hier, dass Sie auch ans Licht kommen, was stimmungsaufhellend wirkt. Wenn es in Strömen gießt, können auch ein paar Yogaübungen im Büro helfen.

  2. Entwickeln Sie eine positive Denkweise

    Das ist natürlich viel leichter gesagt, als getan. Die eigenen Gedanken lassen sich nicht auf Knopfdruck ins Positive wandeln. Trotzdem lässt sich daran arbeiten, indem Sie beispielsweise ganz bewusst Ihre Ängste hinterfragen und sich dann dem Guten zuwenden.

    Fokussieren Sie sich auf die Dinge, die Sie gut können, die Ihnen Spaß machen und für die Sie dankbar sind. So können Sie selbst die eigenen Energiereserven wieder auffüllen.

  3. Nutzen Sie Entspannungstechniken

    Es gibt viele verschiedene Entspannungsübungen, zwischen denen Sie wählen können. Entscheidend ist, dass Sie sich wirklich regelmäßig die Zeit einräumen, um Pausen zu machen. Dies hilft nicht nur dabei, die Antriebslosigkeit zu überwinden, sondern schärft auch Ihre Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse.

    Wenn Sie sich Zeit für sich nehmen, lernen Sie die Signale Ihres Körpers kennen und wissen, wann Sie Abstand zu Stress und Druck brauchen.

  4. Sprechen Sie über Ihre Antriebslosigkeit

    Wer unter Antriebslosigkeit leidet, tut dies meist allein und für sich. Er zieht sich mehr und mehr zurück, versucht das Problem zu verschweigen und so zu tun, als sei alles in Ordnung. Das ist es aber nicht und deshalb sollten Sie sich nicht zurückziehen, sondern darüber sprechen. Suchen Sie den Austausch mit Freunden und Ihrer Familie und schildern Sie, was Sie belastet und wie es Ihnen aktuell geht.

    Ein Gespräch hilft Ihnen gleich mehrfach: Zum einen können Sie Ihre Sorgen oder Ängste teilen und Rückhalt finden, dass Sie sich diesen nicht allein stellen müssen. Durch Gespräche können Sie diese sogar mindern. Zusätzlich können die Gespräche direkt gegen die Antriebslosigkeit helfen, weil sie der erste Anstoß sein können, um etwas an der aktuellen Situation zu ändern.

  5. Schreiben Sie Ihre Gedanken auf

    Neben den Gesprächen mit anderen können Sie sich auch selbst mit Ihren Gedanken beschäftigen und so etwas gegen die Antriebslosigkeit unternehmen. Hilfreich ist es, wenn Sie auf einem kleinen Notizblock aufschreiben, welche Gedanken Ihnen besonders häufig durch den Kopf gehen und Sie stark belasten.

    Erst einmal aufgeschrieben, fällt es vielen Menschen leichter, sich nicht mehr ständig den Kopf darüber zu zerbrechen. Außerdem hilft es, einen gewissen Abstand zu den Problemen herzustellen und so ein objektiveres Bild der Lage zu erhalten – wodurch Sie anschließend eine passende Lösung finden können, die sich Ihnen bisher nicht erschlossen hat.

  6. Suchen Sie nach einem Motiv

    Antriebslosigkeit schlägt meist dann mit voller Wucht zu, wenn es keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage nach dem Warum gibt. Warum soll ich meine Energie für diese Aufgabe aufwenden? Mit einem konkreten Motiv und einem Ziel vor Augen, haben Sie immer einen Plan, an dem Sie arbeiten können. Machen Sie sich bewusst, wofür Sie etwas tun und was es Ihnen bringt und Sie werden deutlich mehr Energie verspüren.

  7. Achten Sie auf gesunde Ernährung

    Fettreiche Ernährung macht antriebslos – Vitamine und Mineralien können den nötigen Schwung zurückgeben. Ebenso wichtig ist es, dass Sie auf genügend Flüssigkeit achten. Vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke, auch Smoothies sind mehr Kalorienbombe als Vitaminkick.

    Besser sind Kräutertees oder Wasser. Da sollte für jeden Geschmack etwas dabei sein und gerade bei Tee können Sie kreativ werden und sich Ihr Getränk so zusammenstellen, wie es beliebt.

Diese Tipps sind als Anregung gemeint, um kurzzeitige Phasen, in denen Sie sich lust- und antriebslos fühlen zu überwinden. Sollten Sie sich über einen längeren Zeitraum antriebslos fühlen, dann sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um medizinische Gründe abklären zu lassen.

Antriebslosigkeit vorbeugen: Kann das funktionieren?

Im besten Fall kommt es erst gar nicht zu einer ausgeprägten Antriebslosigkeit, weil Sie entsprechend vorgebeugt haben. Aber geht das überhaupt?

Eine Garantie, dass Sie sich vollkommen vor dem Gefühl der Antriebslosigkeit schützen können, gibt es nicht. Doch Sie können in jedem Fall das Risiko minimieren und vorbeugend handeln. In erster Linie hilft es bereits, wenn Sie bewusst darauf achten, die Ursachen nicht zu fördern.

Heißt konkret: Wenn Sie wissen, dass Sie auf die dunkle Jahreszeit empfindlich reagieren und zu Antriebslosigkeit neigen, suchen Sie gezielt den Weg in die Sonne, verbringen Sie so viel Zeit wie möglich draußen oder investieren Sie in eine Tageslichtlampe.

Gleiches gilt für eine gesunde und ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf. Achten Sie auf diese Aspekte, ist Antriebslosigkeit zwar nicht ausgeschlossen, Sie können ihr aber vorbeugen.

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Depressive Verstimmungen – Keine Lust zu gar nichts

Der 43-Jährige verkriecht sich immer öfter in seinem Schneckenhaus. Auch die frühere Unternehmungslust fehlt inzwischen fast völlig: Peter Lauff verabredet sich nur noch selten, und das Ausgehen macht ihm keinen Spaß mehr.

Der Schwung geht flöten

Depressive Verstimmungen kommen meistens auf leisen Sohlen. Schleichend und zunächst kaum merklich legen sie sich wie ein Schleier auf die Seele. Anfangs fällt nur eine verstärkte Müdigkeit auf. Allmählich schwindet dann die Tatkraft, und die Bewältigung des Alltags fällt zunehmend schwerer.

Die Betroffenen erfüllen zwar noch ihre wichtigsten Pflichten: Sie gehen zur Arbeit, quälen sich dort aber mit Mühe und Not durch den Tag. Die berufliche Leistung lässt nach, weil Ideen ausbleiben und die Konzentration schwindet. Auch zu Hause bleibt mit der Zeit immer mehr liegen, weil der Schwung zum Aufräumen, Putzen und Kochen flöten geht.

Die Chemie im Kopf stimmt nicht

Das Risiko für depressive Verstimmungen hat zugenommen. Stress, Überforderung, Mobbing, Existenzängste und Zeitdruck erhöhen die Gefahr, dass es zur körperlichen und seelischen Erschöpfung kommt. Konkreter Auslöser des Stimmungstiefs ist sehr oft ein Schaltfehler im Gehirn:

Das Steuersystem der Gefühle funktioniert nicht mehr, weil das natürliche Gleichgewicht der Nervenbotenstoffe aus der Balance gerät. Vor allem drei Substanzen sorgen entscheidend für unser psychisches Wohlbefinden: Dopamin weckt Lust und Interesse, Serotonin beruhigt und sorgt für Zufriedenheit, und Noradrenalin motiviert, steigert Antrieb und Leistung.

Verdrängen hilft nicht

Betroffene sollten depressive Verstimmungen nicht verdrängen und verheimlichen, sondern von Anfang an sehr ernst nehmen. Um eine Verschlimmerung oder gar den Absturz ins chronische Seelentief zu vermeiden, ist es wichtig, möglichst rasch einen Arzt zu konsultieren. Partner und gute Freunde können helfen, indem sie vor allem zuhören – und immer mal wieder für Ablenkung sorgen.

Wer ins Stimmungstal abzurutschen droht, sollte versuchen, sich möglichst viel Entlastung zu gönnen. Schalten Sie einen Gang zurück, gehen Sie alle Aufgaben Schritt für Schritt an, machen Sie eins nach dem anderen. Behalten Sie möglichst einen regelmäßigen Lebensrhythmus bei: Stehen Sie auf, essen Sie drei Mal am Tag, gehen Sie normal zu Bett.

Reden ist wichtig

Wenn negative Gefühle die Oberhand gewinnen, kommt es darauf an, Überlastungen unbedingt zu vermeiden. Zwingen Sie sich nicht zu Neuem, sondern führen Sie so weit wie möglich nur bewährte und erprobte Tätigkeiten aus. Handwerkliche Arbeit ist dabei eher zu empfehlen als geistige Anstrengungen.

Ganz besonders wichtig ist es, den Kreislauf der negativen Gedanken zu durchbrechen. Gegen das Grübeln hilft Ablenkung: Lauschen Sie Ihrer Lieblingsmusik oder legen Sie eine spannende Hörbuch-CD auf, sehen Sie fern oder versuchen Sie, etwas zu lesen. Bleiben Sie nicht allein; in Gesellschaft kommen Sie auf andere Gedanken. Und können sprechen: Reden Sie über Ihre Gefühle, und lassen Sie wenn möglich auch Tränen zu – weinen hilft.

Licht hebt die Laune

Bewegung gilt als ausgesprochen heilsam. Körperliche Aktivitäten bringen nicht nur den Kreislauf in Schwung, auch die Seele erhält Auftrieb. Dabei kommt es nicht darauf an, besonders sportlich zu sein oder Leistung zu erbringen; Spaziergänge oder eine Radtour genügen völlig. Gehen Sie möglichst täglich an die frische Luft – auch in der dunklen Jahreszeit. Selbst im Winter hebt das Tageslicht die Laune.

Natürliche Mittel können wesentlich dazu beitragen, das Gleichgewicht der Botenstoffe in den Nervenzellen wieder herzustellen. So hellen zum Beispiel hochwertige Johanniskraut-Spezialextrakte aus der Apotheke nachweislich die Stimmung wieder auf. Damit sie die „innere Sonne“ wieder aktivieren können, sollten sie allerdings regelmäßig über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Sie sind nicht allein!

Fast jeder Vierte, der einen Hausarzt aufsucht, leidet an einer depressiven Erkrankung. Die Depression zählt damit zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Laut internationalen Studien erkranken durchschnittlich 17–20% der Menschen im Laufe ihres Lebens an einer Depression. In Österreich leiden gegenwärtig etwa 400.000 Menschen an einer behandlungswürdigen Depression. Allerdings wird nur etwa die Hälfte der Fälle tatsächlich diagnostiziert – und davon wiederum nur ein Viertel entsprechend behandelt. Und: Die Depression schränkt die Lebensqualität mehr ein als andere häufige chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck , Diabetes mellitus oder Arthritis; auch stellen Depressionen weltweit die häufigste Ursache für Erwerbsunfähigkeit dar.

Jeder fühlt anders

Inmitten des Massenphänomens Depression steht der einzelne Betroffene mit seiner Leere, Erschöpfung und Lustlosigkeit. Und sieht sich mit seinem persönlichen Unglück einer Gesellschaft gegenüber, die Selbstverwirklichung, Eigeninitiative und Spaß am Leben zur Verhaltensnorm erhoben hat. An der Aufgabe, aus der Überfülle an Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung die passende zu wählen und aus sich selbst heraus glücklich zu werden, sehen sich viele depressive Menschen gescheitert. Sie bleiben mit dem Gefühl der persönlichen Schwäche, des Versagens und des Ungenügens meist alleine zurück.
Verstärkt wird das Empfinden persönlicher Unzulänglichkeit oftmals ausgerechnet dadurch, dass Freunde oder Bekannte den Betroffenen in guter Absicht dazu auffordern, sich ein wenig „zusammenzureißen“.

Bei der Depression handelt es sich allerdings um eine Erkrankung, die sich nicht einfach mit ein bisschen Anstrengung bewältigen lässt. Auch ist es sinnlos, depressiven Menschen einzureden, ihr Leben sei „objektiv betrachtet“ ja gar nicht so schlimm. Das Gefühl, das eigene Leben nicht meistern zu können, wird dadurch häufig nur verstärkt.

Hilfe ist möglich

Die Hemmschwelle, kompetente Hilfe zu suchen, ist bei vielen Menschen mit Depressionen nach wie vor hoch. Neben der Antriebslosigkeit spielen Scham über den eigenen Zustand, manchmal aber auch Angst vor sozialer Ausgrenzung eine Rolle. Viele Betroffene glauben auch, dass nur sie derartige psychische Probleme haben und ihnen nicht geholfen werden kann – oder soll: Schließlich sind sie vielfach der Meinung, dass sie selbst die Verantwortung für ihren Zustand tragen. Dieses Schuldgefühl und ein mangelnder Selbstwert sind allerdings Teil der depressiven Erkrankung.

Den Betroffenen sollte klar sein, dass es sich bei der Depression um eine weit verbreitete Erkrankung handelt, über die die Medizin heutzutage gut Bescheid weiß und die effizient behandelt werden kann. Bei Anzeichen einer Depression sollte daher professionelle ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden.

Der erste Schritt aus der Krankheit

Auch wenn die gesellschaftliche Stigmatisierung psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren abgenommen hat, gilt der Gang zur Fachärztin oder zum Facharzt für Psychiatrie vielerorts immer noch als Tabu. Viele Kranke vertrauen sich daher zunächst ihrem Hausarzt an und rücken im ärztlichen Gespräch körperliche Beschwerden in den Vordergrund, die durch die Depression hervorgerufen oder verstärkt werden – etwa Schlafstörungen, chronische Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Kopfschmerzen. Allgemeinmedizinern kommt für das Erkennen einer depressiven Erkrankung daher eine Schlüsselrolle zu.

Da viele depressive Menschen aufgrund ihrer Antriebslosigkeit oft nicht fähig sind, einen ersten Arzttermin zu vereinbaren, kann es wünschenswert und wichtig sein, dass Angehörige, Partner oder Freunde die Initiative ergreifen und den Betroffenen begleiten. Erfahrene Ärzte werden dem Patienten Verständnis und Einfühlungsvermögen entgegenbringen, was bereits als hilfreich erlebt wird. In weiterer Folge kann dann gemeinsam die individuell notwendige Therapie festgelegt werden.

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Autoren:
Dr. Matthias Thalhammer
Redaktionelle Bearbeitung:
Dr. med. Lisa Demel

Aktualisiert am: 01.04.2012 | 00:00

Depression. Medikamentöse Therapie. Konsensus-Statement der Österreichischen Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie. CliniCum Psy, Sonderausgabe Jänner 2007

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Die Winterdepression ist eine saisonal abhängige Depression (SAD), die in der dunklen Jahreszeit auftritt.

Hallo Rosana,
umso besser, dass Du den Weg hierher gefunden hast. Hier kannst Du frei darüber reden und wirst Verständnis erleben.
Leider ist dieser Anspruch „Du solltest es nicht übertreiben“ nicht sonderlich hilfreich, um erforderliche Schritte zu unternehmen. Ich hätte einen Vorschlag, der möglicherweise einen Kompromiss darstellen könnte. Es gibt inzwischen Online-Therapien, die hilfreich zu sein scheinen. Ein Mitglied hatte beispielsweise positiv über Selfapy geschrieben:

Zitat von MrsSofa:Ich habe vor ein paar Wochen mit „Selfapy“ angefangen und mir geht es langsam aber sicher etwas besser, Antriebslosigkeit nimmt ab, ich habe wieder mehr Kraft im Alltag, habe seit dem Start des Kurses weniger Einschlafprobleme (Ich leide seit 4 Jahren an depressiven Episoden und Angstzuständen). Mich begeistert es was heute schon alles online möglich ist und dass solche online Therapien anscheinend wirklich helfen. Bevor ich mich dazu entschlossen habe Selfapy zu machen hab ich mich natürlich über solche Programme informiert und nur gutes gehört und gelesen (zb Artikel im Abendblatt und Talkshow Markus Lanz).
(aus dem Beitrag: erfahrungen-mit-online-therapie-selbsthilfe-t24002.html)
Falls das für Dich interessant ist, gibt es dort auch die Möglichkeit zu einem kostenlosen Erstgespräch: https://www.selfapy.de/l/depression. Wahrscheinlich könnte auch eine kurze Recherche zu Online-Therapie-Anbietern sinnvoll sein, um festzustellen, ob ein anderer Anbieter vielleicht noch besser passt. Alternativ (oder vielleicht auch parallel) wäre der Gang zu Deinem Hausarzt sinnvoll. Vielleicht hat er eine Idee oder kennt einen guten Therapeuten vor Ort. All das bedeutet ja noch nicht, dass Du Deiner Familie sofort davon erzählst. Schaue erstmal, was Du für Dich als nützlich erachtest und wenn Du für Dich Sicherheit hast über den nächsten Schritt, dann ist es auch einfacher, mit Deiner Familie zu sprechen. Und Du hast Deinen Freund an Deiner Seite, beziehe auch ihn mit ein und bitte ihn um Unterstützung. Wenn er weiß, worum es geht und wie er helfen kann, ist das sehr nützlich. Und auch hier im Forum kannst Du Unterstützung bekommen. Und wichtig: Lass Dich nicht von einer Diagnose erschrecken, sondern konzentriere Dich auf den Weg da raus.

Ansonsten gibt es natürlich auch eine ganze Reihe an Selbsthilfe-Büchern. Wenn Dich das interessiert, sag gern Bescheid. Was ein guter Startpunkt sein könnte, ist das Buch „Depression ist keine Krankheit: Neue Wege, sich selbst zu befreien“ von Josef Giger-Bütler (https://www.amazon.de/Depression-ist-ke…_1?ie=UTF8).
Wichtig ist, dass Du diese Spirale so früh wie möglich unterbrichst und Dich wieder in die andere Richtung zurück ins Leben bewegst. Das ist vielleicht alles gewöhnungsbedürftig und auch nicht immer einfach, doch jeder Schritt bringt Dich voran und aus der Spirale heraus.
Liebe Grüße
Julia

Keine Lust auf gar nichts – Wenn Kinder depressiv sind

Je älter Kinder werden, umso stärker steigt die Zahl der Depressionen. Zwischen 12 und 17 Jahren gibt es immerhin bereits zwischen drei und zehn Prozent depressive Jugendliche. Die Ursachen sind letztendlich die gleichen wie auch bei Erwachsenen. Psychische, aber auch körperliche Störungen können die Lust am Leben nehmen und eine Depression auslösen.

Warum Kinder depressiv werden

Kinder gehen unbeschwert und lustvoll durchs Leben. Durch tragische Ereignisse in der Familie kann diese Lebenslust extrem ins Gegenteil umschlagen. Stirbt ein Elternteil oder ein anderes enges Familienmitglied, wird das Kind misshandelt oder vernachlässigt, kann dies depressives Verhalten auslösen. Selbst eine Scheidung oder ein kranker Elternteil kann ein Kind dort hineintreiben. Schuldgefühle oder das Empfinden, eine Last zu sein, verstärken die Stimmung zusätzlich. Besonders dann, wenn ein Elternteil selbst depressiv ist, besteht die Gefahr, dass auch das Kind an dieser Erkrankung leidet. Zum einen ist eine genetische Disposition vorhanden, die das Kind für Depressionen anfällig macht, zum anderen können depressive Eltern die Bedürfnisse des Kindes nach Nähe, Zuwendung und Aufmerksamkeit oft nicht erfüllen. Schließlich lernt ein Kind durch Nachahmung und kann eine Depression dadurch als Verhaltensmuster bei Problemen übernehmen. Außerhalb der Familie können neue schwierige Situationen wie ein Schulwechsel oder ein Umzug das psychische Gleichgewicht eines sensiblen Kindes so sehr stören, dass es depressiv wird.

Diagnose Depression

Stimmungsschwankungen gehören zur Entwicklung von Kindern dazu. Wenn Ihr Kind allerdings über längere Zeit schlecht gelaunt, antriebs- und freudlos oder ganz offensichtlich todunglücklich ist, sollte man den Ursachen auf den Grund gehen. Ob eine Depression vorliegt, kann nur ein Arzt entscheiden. Bei folgenden Symptomen sollten Sie diesen aufsuchen und eine Depression entweder bestätigen oder ausschließen lassen:

  • Kinder im ersten Lebensjahr können durch den Verlust einer engen Bezugsperson oder durch eine generelle Vernachlässigung in Depressionen verfallen. Apathie sowie eine verzögerte körperliche und geistige Entwicklung sind hier die ersten Anzeichen.
  • Kleinkinder zwischen einem und drei Jahren können ebenfalls depressiv reagieren, wenn sie vernachlässigt werden oder eine Bezugsperson verlieren. Auch hier ist die Entwicklung in mehreren Bereichen verzögert. Sie lernen später laufen und sprechen, sind allgemein unsicher und feinmotorisch schwach entwickelt. Schlafstörungen, Essstörungen und übermäßige Weinerlichkeit und Anhänglichkeit sind weitere Symptome einer möglichen Depression. Aufmerksam werden sollten Sie vor allem auch dann, wenn Ihr Kind teilnahmslos ist, hospitalistische Züge oder selbstzerstörerische Tendenzen zeigt.
  • Depressive Kinder im Kindergartenalter zeigen gleiche oder ähnliche Symptome wie Kleinkinder auf, zusätzlich sind sie noch auffallend ängstlich und können sich kaum von den Eltern trennen. Sie machen in ihrer Entwicklung Rückschritte, sind nicht neugierig und experimentierfreudig und entwickeln sich dementsprechend kaum weiter. Häufig wird hier das erste Mal das Gefühl nicht geliebt zu werden artikuliert: Keiner will mit mir spielen!
  • Während bei Kleinkindern mehr die körperlichen Entwicklungsverzögerungen auf eine Depression hinweisen, treten im Schulkindalter zwischen sechs und 12 Jahren immer häufiger auch psychische Symptome auf. Die Kinder sind niedergeschlagen, lustlos und ängstlich. Schuldgefühle, übermäßige Selbstkritik, aber auch Konzentrationsstörungen und Gedächtnisstörungen können jetzt beobachtet werden. Depressive Kinder spielen kaum und können sich nicht selbst beschäftigen, andererseits können Sie aber auch extrem zappelig und unruhig sein oder durch aggressives Verhalten auffallen. Immer geht jedoch eine große Freudlosigkeit mit einher. Ab diesem Alter besteht bereits Suizidgefahr.
  • Traurig, grüblerisch, freud- und hoffnungslos. So stellen sich depressive Teenager dar. Sie haben ein sehr geringes Selbstwertgefühl und isolieren sich von der Umwelt. Gerade in diesem Alter ist die Selbstmordgefahr bei Depressionen groß. Laut Schätzungen haben etwa 10% aller depressiven Jugendlichen zumindest einen Selbstmordversuch hinter sich.

Nach der Diagnose

Ist die Diagnose Depression gestellt, dann müssen Eltern erst einmal umdenken. Das Verhalten des Kindes wird jetzt in einem anderen Blickwinkel bewertet. Es ist krank und nicht böse, dumm oder faul, wie man vielleicht vorher insgeheim vermutet hatte. Schuldgefühle mischen sich mit Scham, die emotionalen Belastungen für die Eltern sind groß. Das Wichtigste ist jetzt, dem Kind schnell zu helfen aus der Depression herauszufinden. Je eher dies geschieht, umso früher hat das Kind die Chance, die Stationen seiner Kindheit so zu durchlaufen, dass es sich zu einem gesunden Erwachsenen entwickelt. Professionelle Hilfe vermittelt Ihnen der Kinderarzt. In der Regel werden depressive Kinder ambulant behandelt, wenn keine besonderen Umstände vorliegen. Sollte Ihr Kind allerdings zu selbstzerstörerischem Verhalten neigen, stark suizidgefährdet sein oder sind regelmäßige Medikamentengaben nötig, kann eine stationäre Behandlung nötig werden.

Therapieformen für depressive Kinder

Therapien für Kinder und Jugendliche müssen besonders sorgfältig durchgeführt und abgestimmt werden. Es gibt verschiedene Therapieformen, die Auswahl erfolgt unter Berücksichtigung des Alters und der Entwicklung. Weiterhin wichtig sind die soziale Situation, das Umfeld und auch die Kompetenz von Eltern und Freunden, was die Unterstützung der Therapie angeht. Im Wesentlichen unterscheidet man folgende mögliche Formen:

  • Psychotherapien können entweder als tiefenpsychologisch ausgerichtete Psychotherapie oder Psychoanalyse, als Gesprächstherapie, als Verhaltenstherapie oder als Familientherapie durchgeführt werden.
  • Die Spieltherapie verwendet das Spiel und damit das ureigenste Ausdrucksmittel von Kindern.
  • Bei sehr kleinen Kindern kommen häufig sogenannte Mutter-Kind-Trainingsprogramme zum Einsatz, die den Kontakt zwischen Kind und Bezugsperson verbessern und intensivieren.
  • Medikamentengaben können die einzelnen Therapieformen unterstützen, allerdings sind die meisten Medikamente bisher wenig erforscht. Eine richtige Dosierung und eine regelmäßige längerfristige Einnahme sind hier besonders wichtig.

Haben Sie den Verdacht, dass Ihr Kind depressiv ist, sollten Sie sofort handeln. Denn an jedem Tag, den Sie Ihr Kind in diesem freudlosen Zustand belassen, geht ihm ein Stück seiner Kindheit verloren.

Hast du dich auch schon einmal gefragt: “Stamme ich nun vom Affen oder doch eher vom Faultier ab?”

Aus dem einen oder anderen Grund sind wir alle schon einmal in einer von Faulheit und Lustlosigkeit geprägten Phase festgesteckt. Vom Produktivitäts-Guru bis zum Ottonormalverbraucher haben wir schon einmal Zeiten erlebt, in denen wir uns einfach zu nichts motivieren konnten.

Faulheit kann von einem Fehler in unserem Denken verursacht werden. Ein “großartiger” Artikel würde diesen Fehler jetzt analysieren und eine Schnelllösung bieten. Das könnte die Erde in ein neues Zeitalter der Produktivität versetzen. Hurra!!!

Aber leider habe ich keine Schnelllösung, dafür einige praktische Tipps die ich selbst anwende, um mich hier und da aus meinem faulen Trott zu heben.

Es wird einige Arbeit erfordern, aber ich bin mir sicher, dass alles, was bei mir funktioniert hat, auch bei dir klappen kann.

Fange irgendwo an, egal wo

Wir können uns den Disziplinmuskel als starken Pfeiler vorstellen. Bildlich gesprochen dient uns dieser Muskel, wenn er groß und stark ist, als ein Koloss der Produktivität. Wähle irgendeine der folgenden Tipps oder eine deiner eigenen Ideen aus und fang an!

Wenn du der Idee Tage lang nachgehst, baust du eine Gewohnheit auf. Hast du erst einmal „die Gewohnheit … Gewohnheiten aufzubauen”, wirst du in der Lage sein, Neue zu schaffen. Gewohnheiten aufrecht zu erhalten, erfordert viel weniger Energie, als Neue zu beginnen. Du kannst also immer wieder neue Gewohnheiten zu deinem Leben hinzufügen.

Verwirkliche dich selbst

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt dieses Artikels. Indem du deine Quellen, Gründe und Absichten hinterfragst, bist du in der Lage, alle Hindernisse, die auf deinem Weg auftauchen, zu überwinden.

Wenn du dich hinsetzt und in dich hinein siehst, wirst du all die wunderbaren Dinge entdecken, durch die du dich ambitioniert und erfüllt fühlst. Das wird dich unvermeidbar dazu führen, dich selbst in deinem Leben zu verwirklichen.

Überwinde dich zum Sport

Es muss ja nicht gleich Laufen, Crossfit oder Schwimmen sein. Schon ein Spaziergang kann dein Blut zum fließen und dein Herz zum pumpen bringen, und dein Körper wird sich nach dieser einfachen Bewegung viel jünger anfühlen.

Mit 20 – 30 min pro Tag hast du deinen wöchentlichen Bedarf an Spaziergängen locker erfüllt und es wird gleich einfacher deine Antriebslosigkeit zu überwinden.

Geheimtipp: Hausputz

Wir kommen alle manchmal an einen Punkt, an dem unser Haus nicht mehr wirklich sauber genannt werden kann. Wenn du also beim regelmäßigen Putzen versagt hast, kannst du die 15-Minuten-Regel anwenden, um aus deinem Trott zu kommen.

Such dir ein Zimmer aus und geh nur 15 Minuten lang hinein, um etwas aufzuräumen (z.B. nur den Schreibtisch, nur den Schrank, nur den Boden). Mach den nächsten Tag weiter. In der Zwischenzeit kannst du im Gehen aufräumen, und so wird dein Haus oder deine Wohnung immer ordentlich wirken.

Pflege deine Lesegewohnheiten

Das Beste, was man mit einer fallen gelassen Gewohnheit tun kann, ist, sie langsam wieder aufzunehmen. An diesem Punkt geht es nicht um Menge sondern darum, eine lebenslange positive Gewohnheit beizubehalten.

Alles was du tun musst, ist, dieser Gewohnheit jeden Tag 15 Minuten zu widmen. Zu dieser Zeit wirst du (z.B.: beim Lesen) am wachsamsten sein. Verpflichte dich nur zu 30 Tagen, 15 Minuten jeden Morgen zum Beispiel, und wenn dir deine neue Gewohnheit gefällt, kannst du sie ja ausweiten oder ins Abendprogramm aufnehmen.

Trinke viel Wasser

Zwei Liter Wasser pro Tag zu trinken, lässt jedes Atom in meinem Körper vor Energie springen. Keine zwei Liter Limonade, Kaffee und bestimmt nicht zwei Liter Alkohol.

Es muss Wasser sein

, und ich denke, dass viele Menschen unterschätzen, wie viel sie tatsächlich brauchen, und dass dies ein fundamentaler Grund für ihre körperliche Müdigkeit sein könnte.

Schlafe nicht zu viel

Schlaf kann auch ein Monster sein, das unsere Produktivität angreift. Je mehr du schläfst, desto fauler bist du. Je fauler du bist, desto mehr schläfst du. 7 – 9 Stunden am Tag sind optimal. Alles darüber wahrscheinlich zu viel. Indem wir einige standardisierte Regeln in Form von Gewohnheiten anwenden, können wir aus diesem Teufelskreis ausbrechen.

Erstens, wenn du den Morgenwecker hörst, dann lieg nicht herum und hinterfrage dich selbst, sondern spring aus dem Bett! Geh ins Bad, wasch dir das Gesicht mit kaltem Wasser, hüpfe in dein Gewand, geh Frühstücken, studiere deine To-do-Liste oder schreibe dir deine Gedanken von der Seele. Du brauchst ein Nachmittagsschläfchen? Stell den Alarm auf 20 Minuten und erlaube dir nicht länger als diese Zeit lang zu schlafen.

Iss nichts, was träge macht

Hast du bemerkt, dass mit der Faulheit auch schlechte Essgewohnheiten kommen? Essen, das viel Fett, Zucker und einfache Kohlenhydrate enthält?

Eines, was mir beim Durchbrechen dieses Kreislaufs hilft, ist, einige Regeln auf dem Tisch zu platzieren. 2 Stunden vor dem Schlafengehen nichts essen, außer es ist reines Protein. Zwischen den Mahlzeiten nur Obst und Gemüse als Snacks essen.

Gemüse soll der Hauptgang sein, nicht die Beilage. 3-4 kleinere Mahlzeiten über den ganzen Tag verteilt essen, um Lethargie zu vermeiden. Gesundes Essen versorgt dich mit mehr Energie … ein sicherer Weg um aus der Trägheit zu entkommen.

Vereinfache dein Leben

Überfordert zu sein ist ein wesentlicher Grund dafür, dass wir uns in einem faulen Trott befinden. Was kannst du dagegen tun: Vereinfache.

Wenn du so viele unnötige Ablenkungen wie möglich aus deinem Leben entfernst, wird dein Kopf frei sein und sich auf die Möglichkeit freuen, wichtige Dinge in Angriff zu nehmen.

Begrüße deine Trägheit

Erwäge für einen Moment, dass du wirklich ausgelaugt bist. Körperlich, emotional oder spirituell läufst du auf fast leeren Batterien, wodurch du dich den ganzen Tag träge fühlst. Das ist sowohl verständlich als auch akzeptabel.

Hol die weiße Fahne raus, mach ein Nickerchen, trink etwas, iss etwas Gesundes, mach einen schweißtreibenden Lauf und erinnere dich an Nr. 2 – hinterfrage und denke nach.

Vielleicht kennst du das Problem noch nicht, aber wenn du vorm Spiegel stehst und dir 10 Minuten lang in die Augen siehst, wird eine kleine Stimme ganz genau sagen was das Problem ist. Du musst dir selbst nur zuhören … und dann löse es.

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Kennst du diese Tage?

An denen man sich zu nichts aufraffen kann?

Wo man einfach nur völlig unmotiviert darauf wartet, dass der Tag vorbei geht, in der Hoffnung, am nächsten Morgen mit einer neuen Portion Schwung und Energie aufzuwachen?

Und dabei ärgert man sich die ganze Zeit über sich selbst, weil man ja eigentlich dieses und jenes erledigen müsste… weil der Tag völlig ungenutzt verstreicht… und man seinen Zielen wieder kein Stückchen näher gekommen ist?

Klar, diese Tage kennen wir alle, oder?

Ja!! Ich auch!!! 😉

Aber heute habe ich eine gute Nachricht für dich: Es gibt einen Weg da raus!

Ich verrate dir HIER und JETZT, wie du wieder in Schwung kommst. Und das, ohne bis zum nächsten Morgen warten zu müssen. (Der tendenziell ja auch nicht mit Paukenschlägen und Jubelchören beginnt, wenn wir mal ehrlich sind)

Denn: Du bist deiner Antriebslosigkeit nicht hilflos ausgeliefert!

Du kannst etwas dagegen tun. Und es ist total einfach. Es macht sogar Spaß!

Glaubst du nicht?

Dann check das aus:

Antriebslos war gestern – Jetzt geht’s los!

„Warum eigentlich?“ fragst du dich an solchen Tagen…

Da hast du dich so gefreut, endlich mal jede Menge zu schaffen, weil vielleicht Wochenende ist oder sogar Urlaub… und dann hängst du so rum und kriegst dich für nichts, aber auch GAR NICHTS motiviert…

Zunächst mal – das ist vollkommen normal und passiert JEDEM. Ich springe auch nicht jeden Morgen mit 200% Tatendrang aus dem Bett!

Wichtig zu wissen ist, dass dich solche Tage nicht hinterhältig überfallen, auch wenn es sich so anfühlt. Antriebslosigkeit ist ein Verhalten. DU machst das!

Und schon höre ich den Protest: „Nein, also ich kann ja nichts dafür, es kam einfach so…“

Entspann dich! Tiiiieeeef durchatmen.

Sieh es positiv. Wenn es DEIN Verhalten war, das dich in diesen Zustand gebracht hat, dann kann dich DEIN Verhalten da auch wieder rausholen!

Und das ist die gute Nachricht. Du brauchst nicht auf irgendwas zu warten, das deine Antriebslosigkeit wegzaubert. Du kannst es selbst beeinflussen. Und WIE genau das geht, verrate ich dir hier.

Sei bewusst antriebslos – und überwinde genau DADURCH deine Antriebslosigkeit!


„Wie bitte???“

Ja, richtig gelesen. Um deinen Zustand verändern zu können, darfst du ihn erstmal annehmen!

Denn je mehr du dich über dich selbst ärgerst, desto schlimmer wird es.

Du hast ja ohnehin im Moment nicht besonders viel Energie. Warum den verbleibenden Rest dann auch noch dazu verwenden, dir selbst Vorwürfe zu machen und dich zu grämen?

Je mehr negative Gedanken du der Antriebslosigkeit schenkst, um so stärker wird sie.

Also akzeptiere erst mal, dass du gerade keinen Schwung hast.

Stell dir einfach vor, dass dein Akku gerade leer ist. Der hat nur noch 5%. Wenn du jetzt mit den 5% lospowerst, dann kommt nicht viel dabei heraus. Und besser wird’s dadurch auch nicht. Gib deinem Akku Zeit, sich aufzuladen. Mach dir einen Tee, meditiere, lass dir die Badewanne ein, lies ein positives Buch… was auch immer. Tu dir Gutes, ruh dich aus und vor allem, genieß es!!!

Betrachte dich selbst voller Liebe und Nachsicht. Niemand macht dir Vorwürfe, außer du dir selbst! Hab Verständnis dafür, dass du diese Pause irgendwie brauchst.

Und immer wenn wieder diese Gedanken „…aber ich muss doch jetzt…“ oder „…aber ich kann doch nicht…“ kommen, stell dir deinen Akku vor! Wie er Stück für Stück auflädt.

Stell dir vor, wie toll es sich anfühlen wird, wenn er voll ist. Wie viel Energie dir dann zur Verfügung steht. Was du DANN alles schaffen kannst!

Wie du wieder ins Handeln kommst


Vielleicht denkst du jetzt gerade: „Aber was, wenn ich dann völlig im Nichtstun versinke?“

Keine Sorge, das wird nicht passieren. Denn sobald du deinen Zustand annimmst, beginnt er sich aufzulösen. Du kommst ganz automatisch in eine bessere Stimmung. Das hast du bloß bisher noch nie erlebt, weil du immer viel zu viel Energie darauf verschwendet hast, dich zu ärgern!

Annehmen bedeutet loslassen!

Du entspannst dich. Und da der Mensch von Natur aus bestrebt ist, sich zu entwickeln und zu wachsen, wirst du nicht für den Rest deines Lebens Tee trinkend in der Badewanne liegen. Versprochen!

Wie geht es nun aber weiter?

Einfach nur akzeptieren und abwarten kann’s ja nicht gewesen sein, Oder?

Richtig.

Wie ich schon sagte, Antriebslosigkeit ist ein Verhalten. Und um sie zu überwinden, verhalten wir uns jetzt mal anders!

Anstatt im Kopf ununterbrochen alles durchzugehen, was wir noch alles erledigen wollten, müssten, sollten… lassen wir das einfach mal alles beiseite.

Wir denken jetzt auch nicht über die ganz großen Ziele nach, die wir ja erreichen wollen und die doch angeblich so mega motivierend sein sollen. Aus dem gegenwärtigen Zustand heraus demotiviert das eher, denn es ist gerade viel zu hoch, viel zu groß, als dass es machbar erscheint. Und weil wir es im Moment für unmöglich halten, fangen wir gar nicht erst an.

Statt dessen tust du etwas Kleines. Eine klitzekleine Sache. Die kann vollkommen unbedeutend sein. Egal. Hauptsache, du tust es!

Hier ein paar Vorschlage:

  • bring die Teetasse in die Küche zurück
  • räume EINE Sache weg, die herum liegt
  • beantworte eine E-Mail
  • ruf jemanden an
  • geh zum Briefkasten
  • mach einen Liegestütz
  • oder zwei…

Komm einfach in Bewegung!

Es spielt keine Rolle, WAS du tust. Es gibt kein richtig oder falsch. Sobald du in Bewegung kommst, bist du schon einen riesigen Schritt voran gekommen.

Und dann: Freue dich!

Feiere dich für das, was du gerade erledigt hast! Sei stolz auf dich, als hättest du gerade den Nobelpreis gewonnen. Mach es nicht klein, denk nicht „Ach das war doch jetzt nichts…“

NEIN! Es war toll! Es war grandios! Du hast dich aufgerafft, du hast etwas GETAN! Du bist wieder auf dem Weg.

„Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt“ heißt es. Und genauso funktioniert es. Du gehst einfach los, machst den ersten kleinen Schritt und dann den nächsten, den übernächsten und immer so weiter.

Einen kleinen Schritt nach dem anderen.

Und nach und nach wirst du spüren, wie es immer leichter wird, wie du immer beschwingter deinen Weg gehst, die Schritte wie von selbst immer größer werden und du sogar irgendwann in einen leichten Trab übergehst.

Und vielleicht… eventuell… willst du dann sogar losrennen! 😉

Insider-Tipps gegen Antriebslosigkeit

Es gibt noch ein paar Insider-Tipps, die die ganze Sache positiv unterstützen:

Tipp 1: Mach den Fröhlichkeits-Fake

Ganz egal, wie du dich gerade fühlst – lächel! Das mag dir anfangs völlig unnatürlich vorkommen, aber dein Gehirn erkennt keinen Unterschied, ob du wirklich fröhlich bist oder nur so tust!

Wenn du lächelst, signalisiert dein Körper deinem Gehirn „mir geht’s super“ und nach einer Weile bessert sich deine Stimmung wie von selbst.

Tipp 2: Geh auf Gedankensuche

Das kann, wie bei dem Handeln, ein ganz kleiner Gedanke sein:

Freu dich, dass die Sonne scheint. (Nimm es überhaupt erstmal wahr!) Oder dass du einen freien Tag hast. Denk an deinen letzten Urlaub oder an den nächsten. Denk an jemanden, der dir gut tut. Denk an den Tee, den du getrunken hast…

Was auch immer.

Du findest einen positiven Gedanken, spürst, wie gut er dir tut und bleibst eine Minute bei diesem Gedanken! Danach suchst du dir den nächsten und hältst auch an diesem wieder eine Minute fest.

Das machst du eine Weile und mit der Zeit ziehen sich die positiven Gedanken gegenseitig an. Dir fällt immer mehr und mehr ein, was dich erfreut und aufheitert. Spüre, wie gut sich das anfühlt! Genieß es!!!

Tipp 3: Hände hoch!

Für die ganz Mutigen unter uns gibt es noch eine Super-Power-Methode mit Sofortwirkung:

Du reißt die Arme empor und tanzt durch den Raum! Ja – es fühlt sich FALSCH an, es sträubt sich alles in dir und du denkst „Ey, lass mich doch in Ruhe mit so ’nem Mist!“ Aber es funktioniert! Es ist das gleiche Prinzip wie beim Lächeln, nur mit noch größerer Wirkung!

Hör nicht auf, nur weil du dich innerlich dagegen wehrst. Tanze 5 Minuten umher und ich versprech dir, deine Stimmung kann gar nicht anders, als dir zu folgen.

Dazu passt natürlich fröhliche und begeisternde Musik.

Tipp 4: Nutz deine Motivationssammlung

Stelle dir in GUTEN Zeiten eine kleine Auswahl an Dingen zusammen, die dich motivieren.

Das kann die eben erwähnte Musik sein… Bilder vom Urlaub oder lustigen Partys mit deinen Freunden. Urkunden oder Medaillen, die du mal bekommen hast und die dich daran erinnern, was du kannst! Artikel oder Sprüche, die dir gut tun.

Oder einfach dein Dankbarkeits-Tagebuch, das du täglich führst.

Probier einfach aus, was dir hilft, in eine bessere Stimmung zu kommen und dann tu es ganz BEWUSST, wenn du mal nicht so gut drauf bist.

Leider neigen wir nämlich dazu, uns im Zustand schlechter Laune nur mit Dingen zu befassen, die uns noch weiter runterziehen. Da darf man dann ganz gezielt gegensteuern. Und dann ist es gut, ein kleines Repertoire bereit zu halten.

Und wie erreiche ich nun meine großen Ziele?

Jaaaa…. große Ziele sind DIE Antriebskraft Nummer 1 in unserem Leben. Ohne Ziel läuft das Leben einfach an uns vorbei.

Grundsätzlich kannst du die antriebslosen Tage in deinem Leben stark reduzieren, wenn du ein Ziel hast, für das du brennst. Dann kommst du viel schneller und viel öfter in Bewegung. Wenn du doch mal ein kleines Tief hast, geht das ziemlich rasch wieder vorbei.

Es ist also wichtig, sein Ziel im Leben zu finden. Nimm dir Zeit dafür. Finde heraus, was dich begeistert und welche Bedürfnisse du hast. Welche Werte dir wichtig sind…

Das ist jedoch ein anderes Kapitel. Das erledigen wir morgen – wenn wir die heutige Antriebslosigkeit überwunden haben…

Oder tanzt du schon? 😉

Wenn dir meine Tipps gefallen haben und du jemanden kennst, dessen Akku gerade rot blinkt, darfst du diesen Artikel gerne weiterempfehlen. Lieben Dank!

Antriebslosigkeit überwinden – Häufige Fragen und Probleme

Hier noch ein paar häufige Fragen und Probleme, die mir bei der Überwindung meiner eigenen Antriebslosigkeit immer wieder begegnet sind:

Ich bin ständig müde und antriebslos – und das über Monate hinweg

Sollte das der Fall sein – und Dir helfen auch die Tipps in diesem Artikel nicht weiter, dann empfehl ich dir, dich mal kurz medizinisch von einem Arzt durchchecken zu lassen. Vielleicht hast du einen Eisenmangel oder dir fehlt sonst ein Vitamin, um optimal funktionieren zu können. Also, schwupp die wupps was Gutes zum Lesen einpacken und dann mal kurz beim Doc vorbeischaun. Schadet nie!

Ich mag einfach nicht joggen und will dennoch was für meine Gesundheit tun

Na, das kennen wir alle. Man weiß, man sollte eigentlich… tut’s dann aber trotzdem nicht. Meine Empfehlung: Gaaaanz einfach und locker anfangen. Anstatt zu joggen, mach einfach nen kleinen Spaziergang durch den Wald. Oder geh ne kleine Runde Schwimmen, wenn dir Joggen zu anstrengend ist. Hauptsache: Du kommst in Aktion und legst los. Selbst der klitzekleinste Schritt ist besser als weiter dazusitzen und nichts zu tun!

Ich habe alles ausprobiert, aber es hat alles nicht geklappt

Ja? Du hast alles probiert? Wirklich? Und wie lange bist du dran geblieben? Einen Tag? Eine Woche?

Bei mir ist es so, wenn ich etwas Neues ausprobiere, dann gebe ich der Sache auch Zeit. Als ich damals zum Beispiel mit dem Meditieren angefangen hab, habe ich mir gesagt „ich probier das jetzt einfach eine Woche lang aus und dann schau ich mal, was sich verändert“. Danach kann ich dann ja immer noch entscheiden, es wieder bleiben zu lassen.

Darum auch an dich:

  1. Gib dir selber Zeit
  2. Behandel dich gut
  3. Und geh in kleinen Schritten voran

Das ist der Weg raus aus jeder Antriebslosigkeit! Versprochen! Let’s go!

Keine Lust auf nichts: Was tun gegen Antriebslosigkeit?

Von René Battmer am 6. April 2016 · 7 Kommentare

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Wer sich immer wieder schlapp und antriebslos, träge, müde oder lustlos fühlt, sollte vor allem eines: Gut für sich sorgen. Es ist wichtig, diese Signale ernst zu nehmen. Oftmals liegen die Ursachen der Beschwerden „nur“ in Schlafmangel und zu wenig Bewegung, einem Eisen- oder Vitaminmangel. Der erste Schritt, sich um sich selbst zu kümmern, sollte zu Ihrem Hausarzt führen, um eventuelle Krankheiten wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion abzuklären. Doch hinter permanenter Antriebslosigkeit und Erschöpfung kann auch eine seelische Erkrankung, zum Beispiel Depression oder ein Burn-out, stecken. Wenn Sie ernsthafte körperliche oder psychische Ursachen ausschließen können, ist jetzt möglicherweise der richtige Augenblick für kleine oder auch größere Veränderungen in Ihrem Leben.

Essen, schlafen, bewegen. Und nichts tun.

Überprüfen Sie Ihre Gewohnheiten. Vielleicht können Sie Ihren Lebensstil zumindest in einigen Punkten ändern. Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten, essen Sie viel frisches Obst und Gemüse und kochen Sie öfter selbst, statt fettiges Kantinenessen oder Fast Food zu sich zu nehmen. Sie können Ihre Mittagspause auch nutzen, um Licht zu tanken. Vermeiden Sie es, abends lange fernzusehen, und achten Sie darauf, wann Ihr Körper Ihnen signalisiert, dass er ins Bett muss. Grundsätzlich sind regelmäßige Schlafzeiten wichtig, um tagsüber fit zu sein und die Müdigkeit zu bekämpfen. Eine sehr hilfreiche App, das eigene Schlafbedürfnis besser zu verstehen und das Optimum aus der Nacht herauszuholen, ist Sleep Cycle. Das „persönliche Schlaflabor“ ist für das iPhone und Android-Handys für je 99 Cent erhältlich, überwacht Ihre nächtlichen Bewegungen und liefert morgens eine Analyse zu Wachzustand, Schlafphasen und Tiefschlaf.

Ein gutes Mittel gegen Antriebslosigkeit ist regelmäßige Bewegung an der frischen Luft. So kommt der Kreislauf in Schwung, Stress wird abgebaut und Erfolgserlebnisse steigern die Laune. Starten Sie mit einem realistischen Ziel und nehmen Sie sich nicht zu viel vor. Vielleicht finden Sie einen Kollegen, mit dem Sie vor oder nach der Arbeit eine Runde laufen können. Während der Arbeitszeit können Sie jede Stunde fünf Minuten intensive Bewegungen bis hin zur Atemlosigkeit machen. So zirkuliert das Blut schneller und die Lungen werden mit Sauerstoff versorgt. Neben einer ausgewogenen Ernährung und gutem Schlaf sind außerdem regelmäßige Auszeiten eine der wichtigsten Energiequellen überhaupt, damit Körper und Geist Kraft tanken können. Das heißt: Tun Sie nicht nur etwas für sich, sondern auch einfach mal gar nichts.

Schnelle Hilfsmittel

Bei einem aktuellen Anfall von Antriebslosigkeit hilft oft schon ein Riegel dunkle Schokolade mit Nusssplittern. Etwas gewöhnungsbedürftig im Geschmack, aber sehr wirksam ist ein Becher heißer Fleischbrühe mit zwei zerdrückten Knoblauchzehen, einer Prise Cayenne-Pfeffer oder einer Chili-Schote, dazu viel Schnittlauch oder Petersilie. Außerdem können Sie der Antriebslosigkeit mit einer einfachen Akupressurübung entgegenwirken: Reiben Sie jeweils mit dem Daumen einer Hand die Spitze des Mittelfingers so fest, bis sich ein Wärmegefühl einstellt. Machen Sie eine kurze Pause und wiederholen Sie die Übung. So aktivieren Sie Energiepunkte, die den Kreislauf beleben. Schnelle Energiespender sind außerdem Äpfel.

Sinnsuche: Was ist Ihnen wirklich wichtig?

Job, Partnerschaft, Freizeit − möglicherweise sind Sie unzufrieden mit Ihrer aktuellen Gesamtsituation. Um herauszufinden, was genau Sie antriebslos oder sogar unglücklich macht, können Sie sich folgende Fragen stellen: Was ist mir wirklich wichtig? Habe ich dafür ausreichend Zeit? Möchte ich etwas verändern? Wenn ja, was konkret? Welche realistischen Möglichkeiten habe ich?

Leiden Sie unter Antriebslosigkeit im Job, scheint Ihnen die Motivation oder sogar Begeisterung für Ihre Tätigkeit verloren gegangen zu sein. Dann sollten Sie überlegen, wie Sie sich neu motivieren können. Vielleicht hilft Ihnen ein Coaching oder eine Weiterbildung, um wieder neuen Schwung zu finden. Falls es Ihnen an Wertschätzung mangelt, sollten Sie unbedingt das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen. Vielleicht haben Sie auch das Gefühl, bereits alles erreicht zu haben. Dann hilft ein neues, konkretes Ziel, auf das Sie in einer bestimmten Zeit hinarbeiten können.

Manchmal hilft es bereits, sich selbst herauszufordern und eine Aufgabe in einer bestimmten Zeit zu erledigen, um sich dann dafür zu belohnen. Eine weitere Möglichkeit, Antriebslosigkeit im Job zu bekämpfen, besteht darin, einen optimalen Zyklus von Arbeit und Entspannung zu entwickeln. Sie können die gesamte Aufgabe in kleinere Schritte aufteilen und diese nach und nach abarbeiten. So können Sie sich eher aufraffen und überwinden. Nach einer erledigten Teilaufgabe nehmen Sie sich für drei bis fünf Minuten eine Auszeit. Schon diese kurze Zeit hilft, sich auf die noch anstehenden Aufgaben zu konzentrieren.

Wenn all diese kleinen Maßnahmen nicht fruchten, sollten Sie über größere Veränderungen nachdenken: Auf Teilzeit umsteigen? Eine längere Auszeit vom Job nehmen? Oder es ist an der Zeit, ernsthaft über einen Jobwechsel nachzudenken.

Waren Sie schon mal so antriebslos, dass Sie sich im Job zu nichts mehr motivieren konnten? Was war Ihre Lösung, um wieder zufrieden zu werden? Ich freue mich auf Ihre Erfahrungsberichte.

Ein kurzer Wortwechsel, und die Stimmung zwischen Teenagern und Eltern ist am Tiefpunkt – mal wieder. Damit das Zusammenleben mit Jugendlichen nicht zum täglichen Kampf gegen den Frust wird, erklärt Erziehungsexpertin Monika Czernin, wieso sich viele Eltern und Jugendliche über die gleichen Probleme streiten.

1. Vereinbarungen gelten neuerdings offenbar nur für eine Seite: die Eltern. Die Jugendlichen hingegen finden es völlig in Ordnung, nie zur abgemachten Zeit daheim zu sein. Mutter und Vater können schon froh sein, wenn sie über die Verspätung informiert werden. Dabei scheint Wahrheit zu einem recht dehnbaren Begriff geworden zu sein.

Eltern irren, wenn sie davon ausgehen, dass ihr Kind mit seiner Unpünktlichkeit einen Machtkampf gewinnen will. Jugendliche haben einfach andere Prioritäten: „Lieber sollen sich die Eltern daheim ärgern – ein Ort, der in dem Moment für Jugendliche auf dem Mars liegt – als dass sie vor ihren Freunden schlecht dastehen, weil sie als einzige so früh gehen müssen“, erklärt Monika Czernin. Zudem vergessen Jugendliche beim Entdecken der Welt die Zeit. Sie denken nicht jede halbe Stunde an zu Hause.

Eltern können ihren jugendlichen Nachwuchs nicht mehr kontrollieren oder erziehen. Sie können nur an die Verantwortung der Jugendlichen appellieren: „Ich kann dich nicht mehr beschützen, wenn du aus dem Haus gehst, du bist nun selbst für dich verantwortlich.“ Gleichzeitig können sie Tochter und Sohn auf Gefahren aufmerksam machen, etwa darauf, dass sie nicht mehr sicher fahren oder rechtzeitig reagieren können, wenn sie betrunken mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Wichtig sind überzeugende Argumente. Eltern können mit den Jugendlichen praktische Überlegungen diskutieren und dabei klarmachen: Es geht um deine Sicherheit und nicht um das Einhalten irgendeiner Regel. Dann mag es sogar sinnvoll sein, dass der Jugendliche länger ausgeht, wenn er dafür nicht allein mit der Bahn heimfahren muss, sondern gemeinsam mit Freunden.

Lasst mich doch in Ruhe! Warum Söhne schwieriger sind

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„Es wird ein Junge!“ Diese Nachricht löst nicht bei allen werdenden Eltern Begeisterungsstürme aus. Klar, dass das Baby gesund auf die Welt kommt, steht natürlich an erster Stelle, aber wenn sie es sich aussuchen könnten, dann doch gern ein Mädchen. Nach einer Umfrage der Zeitschrift Eltern wollen 64 Prozent der werdenden Eltern lieber ein Mädchen, 36 Prozent einen Jungen.

Jungen haben vielerorts einen schlechten Ruf. Schon in der Kita sind sie als Raufbolde verschrien, bei ihnen wird häufiger ADHS diagnostiziert, in der Schule haben die Mädchen sie vom Leistungsniveau überholt, und wenn sie dann erst in die Pubertät kommen… Aber sind Jungen wirklich schwieriger und das Leben mit ihnen anstrengender geworden? Viele Eltern sind ratlos. Nicht zufällig verzeichnet der Markt für Erziehungsratgeber zum Thema Jungen gute Wachstumsraten. Jetzt ist ein neues Buch auf dem Markt: „Jungen brauchen klare Ansagen“ von Reinhard Winter. Der Pädagoge, der seit mehr als 20 Jahren in der Jungenforschung und -beratung arbeitet, kennt die Entwicklungsphasen von Jungen wie kaum ein anderer.

Reinhard Winter, der selbst eine 22-jährige Tochter und einen 19-jährigen Sohn hat, rät in der Erziehung von Jungen zu einer klaren Haltung, Durchhaltevermögen und einer guten Portion Entspanntheit. Damit ließe sich sogar die Pubertät überstehen. Eltern müssten eine Führungsrolle in der Beziehung einnehmen, die allerdings nichts mit autoritären Erziehungsideen zu tun hat. Warum Eltern heute so unsicher sind, warum Jungen anders ticken als Mädchen und warum die Pubertät heute so schwierig erscheint, all das erklärt Reinhard Winter im Gespräch mit Annette Kuhn.

Berliner Morgenpost: Haben es Jungen-Eltern schwerer als Mädchen-Eltern?

Reinhard Winter: Nein, beide Geschlechter haben gleichermaßen leichte und schwierigere Seiten. Allerdings stehen Jungen in der Gesellschaft seit einigen Jahren mehr im Fokus und werden sehr kritisch betrachtet. Das führt in der Tendenz dazu, dass Eltern eher bemitleidet werden, wenn sie einen Sohn haben. Und wenn es Eltern nicht gelingt, eine klare Position zu ihrem Kind aufzubauen und eine Führungsrolle einzunehmen, fallen die Konflikte mit Jungen spätestens in der Pubertät oft heftiger aus als mit Mädchen. Das alles macht es Eltern nicht leicht.

Warum brauchen Jungen dann mehr Führung als Mädchen?

Das liegt vor allem an Ihrem Männlichsein. Es gibt schon körperlich Impulse, die Jungen mehr in die Freiheit streben lassen als Mädchen. Und wenn es einen starken Drang in Richtung Freiheit gibt, braucht es ein starkes Gegengewicht, bis die Jungen in der Lage sind, die Dinge irgendwann allein zu steuern. Jungen suchen auch diesen Halt. Sie konkurrieren mit dem Vater, wollen sich mit ihm messen und dabei geht es immer um die Frage: Kannst du mich noch führen oder kannst du es nicht mehr? Dieses Gehaltenwerden ist für die Jungenpsyche ganz wichtig. Außerdem spielen Männlichkeitsbilder, die in der Gesellschaft verankert sind, eine wichtige Rolle. Dem Jungen wird vermittelt: Versuche, einen guten Status zu haben, versuche, deine Position zu verbessern. Das probiert er dann auch mit Erwachsenen.

Wenn Jugendliche einfach nur noch „kp“ haben

Wie Eltern die Pubertät überleben

Führung, klare Haltung – das klingt nach Autorität. Eltern wollen mit ihren Kindern eher ein Miteinander erleben und nicht von oben herab erziehen, wie es noch ihre eigenen Eltern taten.

Klares, liebevolles Führen hat mit autoritärem Verhalten, mit elterlicher Macht, Gewalt, Unterdrückung oder mit Disziplinierung nichts zu tun. Es geht nicht um Autorität der Autorität willen, sondern um liebevolles Führen – weil es ein Bedürfnis von Jungen ist. Eltern müssen den Jungen klare Orientierungen geben, damit sie selbst irgendwann Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen können. Das hat viel mit Werten, mit der Haltung und mit Kontakt zum Jungen zu tun. Aber dabei zeigen Eltern oft eine große Unsicherheit. In vielen Gesprächen, die ich mit Eltern führe, beobachte ich: Sie sehen die Notwendigkeit von Führung, wissen aber nicht, wie sie das umsetzen sollen. Sie wollen harmonisch mit ihren Kindern umgehen, wollen sie vor leidvollen Erfahrungen bewahren und haben Angst davor, zu streng, zu rigide zu sein. In ihrer Unsicherheit bremsen sich Eltern und nehmen sich immer weiter zurück, wenn es zu Konflikten kommt. Das führt aber dazu, dass die Größenfantasien bei Jungen ins Kraut schießen, weil sie zu wenig Halt bekommen und kein Gegengewicht haben.

Ist es nur die Angst zu streng zu sein, die Eltern von einer klaren Haltung abhält?

Ich beobachte auch eine spezielle Gespaltenheit bei vielen Eltern. Einerseits wird es ihnen schnell zu viel, wenn der Sohn sich danebenbenimmt, andererseits sind sie gleichzeitig stolz, wie stark er sich aufführt, weil er nicht angepasst ist. Wenn ein kleiner Junge zum Beispiel die Szenerie am Esstisch dominiert, sind die Eltern zwar genervt, gleichzeitig freuen sie sich aber auch an dem kleinen Racker. Da kann die Botschaft an den Jungen nicht klar sein, wenn er den Stolz in den Augen der Eltern sieht, aber gleichzeitig ihren Ärger wahrnimmt. Was stimmt jetzt? Dann muss er eben noch eins draufsetzen, um eine klare Reaktion auf sein Verhalten zu bekommen.

Führt das dazu, dass Jungen heute mehr Auffälligkeiten zeigen, oder empfinden wir das nur so?

Beides. Bei einem Teil der Jungen haben die Auffälligkeiten tatsächlich zugenommen, weil die Lebenssituationen schwieriger geworden sind. Söhne, die schwierige Lebensphasen wie die Trennung der Eltern durchmachen, oder solche, die langzeitarbeitslose Eltern haben oder die in Armut leben, reagieren darauf öfter impulsiv. Mädchen leiden unter schwierigen Lebenssituationen genauso, nur agieren sie ihre Probleme oft eher nach innen aus. Aber auch unsere Sensibilität hat zugenommen. Kleine Auffälligkeiten, wie eine körperliche Rempelei, werden dramatisiert. Das Bedürfnis nach Halt und Orientierung wird weniger gesehen, Jungen werden lieber als problematisch stigmatisiert. Viel zu schnell werden dann zum Beispiel Diagnosen wie ADHS gestellt.

Wie wirkt es sich aus, wenn Eltern keine klare Haltung gegenüber ihren Söhnen einnehmen?

Wenn die Eltern die Führung ganz aus der Hand geben und die Jungen machen, was sie wollen, wird es schwierig. Daher ist es wichtig, dass Eltern vorher eine stabile Beziehung aufbauen, die sich dann in der Pubertät bewährt, wenn die Konflikte naturgemäß heftiger werden. Dazu gehören ein guter Kontakt und ein respektvoller Umgang miteinander.

Viele Eltern merken aber erst, wenn der Junge in der Pubertät ist, dass etwas nicht richtig läuft. Ist es dann zu spät?

Nein, es ist nie zu spät. Auch dann kann eine gute Beziehung aufgebaut werden. Aber wenn man erst in der Pubertät damit anfängt, kostet das mehr Zeit und ist mit großem Engagement verbunden. Wichtig ist in jedem Fall, dass sich die Eltern mit entwickeln: Dass sie auf eine andere Ebene kommen und die Dinge mit dem Sohn anders klären als vorher. Man muss sich an einen Tisch setzen und verhandeln. Klar ist aber, dass die Eltern dabei ihre Führungsrolle bewahren, dass sie nicht aufgeben und die Verantwortung nicht plötzlich, sondern Schritt für Schritt an den Sohn abgeben.

Es ist aber gar nicht so einfach, mit einem pubertierenden Jungen zu reden. Antworten – wenn es denn überhaupt welche gibt – fallen oft einsilbig aus. Gespräche überhaupt empfinden viele Jungen als Strafe.

Aber das führt nicht daran vorbei, dass zwischen Eltern und Jungen gesprochen werden muss. Wir können ja nicht kommunikationslos werden, nur weil die Jungen keine Lust haben zu reden. Und wenn man mal durch die Unlust hindurch ist, ist der Erfolg eines Gesprächs durchaus groß. Wenn man zum Beispiel in einem Dauerkonflikt zu einer gemeinsamen Lösung gefunden hat, fühlt sich ja auch der Junge wohler, denn er leidet ja genauso unter ständigen Streitereien. Allerdings gibt es für ein Gespräch günstigere und ungünstigere Situationen. Manchmal sollten Eltern auch einfach akzeptieren, wenn ihre Söhne nicht oder nicht so viel reden wollen. Es muss ja nicht alles ausdiskutiert werden. Und schon gar nicht sollte man Grundsatzgespräche in einer aufgeladenen Stimmung beginnen. Da schaukeln sich die Dinge schnell hoch und führen zum Streit. Eltern sollten dann unbedingt aussteigen und die Angelegenheit später klären, wenn der Ärger verraucht ist.

Noch etwas bringt Eltern auf die Palme: Die Antriebslosigkeit vieler Pubertierenden, die oft auch zu einem Einbruch der schulischen Leistungen führt. Müssen Eltern das als notwendige Entwicklungsphase ertragen?

Das Abhängen gehört zur Pubertät dazu. Sie schluckt viel Energie und andere Sachen sind wichtiger als Schule, vor allem die Gleichaltrigen. Deshalb ist es oft nicht leicht, einen 14- oder 15-Jährigen zum Lernen zu bewegen. Aber sehen wir es mal anders: Diese Unlust hat auch ihr Gutes. Sie spiegelt ja ein Problem unserer Zeit. Die Jungen grenzen sich damit von den Eltern mit ihrem Dauerstress und Leistungsdruck ab. Sie zeigen, was sie bei den Eltern vermissen: Gelassenheit und Zuversicht in die Zukunft. Eltern denken schnell: Wenn er jetzt seine Vokabeln nicht lernt, dann macht er später ein schlechtes Abitur und wird abstürzen. Der Junge demonstriert mit seiner Haltung, dass es noch anderes im Leben gibt. Diese Botschaft sollten Eltern wahrnehmen. Natürlich hat das Abhängen eine Grenze, denn irgendwann geht der Anschluss verloren und die Dinge lassen sich nicht mehr aufholen. Aber es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie sich doch bei den meisten Jungen gerade noch rechtzeitig die Eigenmotivation entwickelt und sie die Kurve bekommen. Sie haben dann beides: ein entspanntes Leben und den Abschluss, das ist doch gut!

Die Pubertätskonflikte sind nicht neu. Kinder haben in dieser Zeit schon immer gegen ihre Eltern aufbegehrt. Was hat sich verändert?

Die Aufgaben und Themen der Pubertät sind die gleichen geblieben. Es ist ein Bedürfnis von Pubertierenden, ihren eigenen Weg zu finden. Vielleicht ist es aber schwieriger geworden, sich von den Eltern zu lösen. Wenn Eltern reaktionär und autoritär sind oder sich rigide verhalten, dann ist es leichter, sich von ihnen abzusetzen. Heute aber müssen Jugendliche heftigere Register ziehen. Die Eltern sind oft nicht mehr so weit weg, sie hören die gleiche Musik und tragen die gleiche Kleidung. Da ist es viel schwieriger, sich an ihnen abzuarbeiten. Die Jugendlichen müssen von ihrem Verhalten, ihrem Stil und Geschmack her ein Stück mehr ins Extrem gehen und versuchen, damit heftigere Konflikte zu provozieren, um zu markieren: Ich bin nicht wie du. Viele Eltern legen auch Wert auf ein harmonisches Familienleben. Manche Eltern-Sohn-Konflikte haben sich deshalb aus der Familie hinausverlagert. Jungen leben die Konflikte mit Ersatzfiguren aus, mit Lehrern, teilweise auch mit der Polizei. Ich höre immer wieder von Polizisten, dass sie von Jugendlichen für Dinge angegangen werden, die sie eigentlich mit ihren Eltern ausmachen müssten.

Das ist ja absurd. Eltern hoffen, dass die Pubertätsjahre leichter werden, wenn sie nicht so einen großen Abstand zu ihren Kindern haben. Aber dann ist offenbar das Gegenteil der Fall.

Für die Eltern-Kind-Beziehung ist es nicht gut, wenn Eltern versuchen, Freunde ihrer Kinder zu sein. Das ist ein völlig unklares Verhältnis. Sie sind Eltern. Auch in der Pubertät muss erkennbar sein, wer in der Beziehung führt, wer erwachsen ist. Sonst bleiben die Jugendlichen selbst diffus. Oder sie gehen immer weiter, um endlich eine klare Grenze zu spüren. Gerade Eltern, die sehr harmonisierend ist, bekommen das oft deutlich zu spüren.

Gibt es in der Pubertät Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen?

Ja sicher, in der Pubertät geht es viel um den Körper, und die sind verschieden. Außerdem geht es bei den Jungen um die Auseinandersetzung mit dem Männlichsein und bei Mädchen mit dem Weiblichsein. Das ist vielleicht die Lebensphase, in der sich die Geschlechter am weitesten voneinander entfernen. Aber Pubertät kann mit Mädchen genauso anstrengend sein wie mit Jungen, nur agieren Mädchen anders. Das Mädchen zeigt vielleicht eher ein beleidigtes, genervtes Gesicht oder beginnt zu weinen, der Junge knallt Türen, brüllt herum oder schmeißt Sachen durch die Gegend. Im Konsumverhalten, zum Beispiel was Alkohol anbelangt, haben Mädchen längst aufgeholt, auch weil die Spielräume, die Mädchen heute bekommen, viel weiter sind. Die Risikobereitschaft ist bei Jungen allerdings deutlich größer. Sie agieren ihre innere Spannung viel häufiger als Mädchen über waghalsige Aktivitäten, Extremsportarten oder Mutproben aus. Sie probieren sich dabei aus – das ist gut! – aber sie überschätzen sich dabei oft, und das kann zum Problem werden.

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Pubertät ist vermutlich nur eine Ausrede

Dauert die Pubertät heute länger?

Die körperliche Entwicklung ist relativ gleich geblieben, sie setzt nur etwas früher ein, dabei sind die Bandbreiten aber sehr groß. Allerdings erstreckt sich die Jugendphase über einen längeren Zeitraum, besonders weil die Bildungsverläufe heute länger geworden sind. Aber ein Teil dieser Entwicklung findet dann ja außerhalb der Familie statt, oder sollte es zumindest. Es ist schon gut, wenn Eltern ihre Kinder irgendwann motivieren auszuziehen. Es fördert auch das Erwachsenwerden, wenn Jugendliche das Nest, den Schutz des Elternhauses verlassen und ihre restliche Pubertätsentwicklung woanders ausleben.

Jungen zog es früher viel schneller nach draußen als heute, wo das Hotel Mama eine bequeme Option ist. Und Eltern begleiten ihre Kinder ja oft bis ins Studium hinein.

Ich finde diese Entwicklung problematisch, wenn Eltern den Jungen bis ins Erwachsenenalter hinein den Turnbeutel hinterher tragen und Fürsorglichkeitsmuster bestehen bleiben, die in die Kindheit gehören. Dann können die Jugendlichen ihr eigenes Leben nicht in die Hand nehmen. Die Jugendphase dient doch gerade dazu, dass Kinder lernen, ihren eigenen Weg zu gehen, und das müssen Eltern auch zulassen. Gerade Jungen sind oft geschickt darin, sich die Eltern als Servicepersonal zu halten. Das hilft ihnen aber nicht. Was sie brauchen, ist das Vertrauen der Eltern. Sie sollten ihnen das Gefühl vermitteln: Du machst das schon, ich begleite dich auf deinem Weg, aber ich muss nicht mehr jeden Schritt kontrollieren und über alles Bescheid wissen. Und dazu gehört auch, ihm die Verantwortung für sein Leben zu überlassen, einschließlich des Scheiterns.

Wieso aber fällt Eltern dieses Loslassen heute so schwer?

Als Eltern noch drei, vier Kinder hatten, konnten sie sich gar nicht so auf ein Kind fixieren, wie es heute der Fall ist. Kinder stehen heute überhaupt viel stärker im Mittelpunkt, viele Eltern sehen sie als einen Teil von sich. Darum ist es für Eltern eine schmerzhafte Erfahrung, wenn sie spüren, dass sie für ihre Kinder eine immer geringere Rolle spielen. Sie halten dann oft umso stärker an dem Kind fest. Spätestens in der Pubertät müssen sich Eltern aber fragen, welche anderen Fixpunkte es noch in ihrem Leben gibt und sie müssen ihre Rolle als Eltern überdenken. Viele stürzt das in eine Krise. Oft auch deshalb, weil durch die heute verbreitete späte Elternschaft die Pubertät mit eigenen Lebenskrisen zusammenfällt, mit beruflichen Sinnkrisen oder bei Frauen mit dem Beginn der Wechseljahre. Die Fragen an das eigene Leben müssen sich in diesem Alter auch Menschen ohne Kinder stellen. Aber Eltern schieben dann gern alles auf die Pubertät und weichen damit einer Auseinandersetzung mit der eigenen Person und den eigenen Themen aus.

Sie haben selbst einen 19 Jahre alten Sohn. Was war für Sie die schwierigste Erfahrung?

Schwer zu bewältigen war das Gefühl, vom Sockel gestoßen zu werden. Lange war ich für meinen Sohn der tolle große Mann, und das erfüllt einen Vater natürlich mit Stolz. Auf einmal wurde ich dann aus dieser starken Identifikation ausgeschlossen. Das muss man erst einmal verarbeiten, das war eine echte Krise. Pubertät ist eben auch für Eltern eine harte Zeit, in der sie viele Lernprozesse durchmachen, und das gilt auch für mich. Aber hinterher den Stolz wieder neu zu spüren, von der neuen Position aus, das ist auch wieder etwas sehr Schönes. Und dafür hat sich diese Krise allemal gelohnt.

Zum Weiterlesen: Reinhard Winter: „Jungen brauchen klare Ansagen“, Beltz Verlag, 16,95 Euro

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Die Pubertät

Auch Beziehungskrise und Liebskummer gehören zur Pubertät! – Foto: © Markus Bormann

Die Pubertät beginnt mit ca. 11 Jahren und begleitet den Tennager bis er ca. 15 Jahre alt ist. In dieser Zeit gibt es immer wieder neue Situationen für den Teenager mit denen er zurecht kommen muss. Aber auch für die Eltern ist es eine oft schwierige Zeit. Wir geben hier zahlreiche Tipps, damit Sie die Pubertät gemeinsam gut überstehen.

Pubertät ist wenn die eigenen Kinder zu Fremden werden

Folgende Situation spielt sich mehrfach täglich in Teenager – Familien ab:

Pubertätsprobleme beginnen bei Mädchen meist im
Alter von 10 oder 11 Jahren – Foto: © ChrilieStock

Jan kommt von der Schule heim und wirft den Rucksack mit Schwung in die Ecke. „Wie war’s denn so in der Schule“, fragt die Mutter. Zur Antwort bekommt sie: “ Hm, ging so.“ Die Mutter gibt nicht auf: „Gab es etwas interessantes?“. Jans prompte Antwort: „Nö. Aber ich hau‘ dann mal ab“. „Wo willst du denn hin?“ fragt seine Mutter. „Na weg!“. Leicht genervt geht die Mutter in die nächste Runde des Fragespiels: „Wohin ist weg?“. Jan steht bereits in der Wohnungstür und ist im Begriff diese zu schließen: „Zu Freunden.“ „OK, wer sind deine Freunde denn?!“ „Kennst du eh nicht…“ tönt es noch schnell und Jan ist weg.
Das Schicksal der Mutter ist es, dass ihr Sohn sich in der Pubertät befindet. Eltern haben dann oft das Gefühl, ihr Kind entfremde sich von ihnen. Gerade fügte es sich noch so harmonisch in den Familienalltag ein und ganz plötzlich hat man das Gefühl, einen launenhaften Rebell zum Kind zu haben, dessen einzige Lebensaufgabe es sei, seinen Eltern zu widersprechen und deren Lebensauffassung in Frage zu stellen.
Lesen Sie auch: Was kostet ein Teenager?

Pubertätsprobleme kann man lösen

Fakt ist, dass sich der Pubertät niemand entziehen kann. Sie ist größtenteils genetisch festgelegt und jeder muss sich durch diese Zeit der Veränderung bewegen. Dem Einen gelingt dies besser als dem Anderen. Dennoch vollzieht sich immer der gleiche Vorgang. Bereits mit ca. neun Jahren beginnt das Gehirn erste Botenstoffe auszusenden, und im Alter von ca. 11 Jahren wird den Eltern spätestens bewusst, dass sich ihre Kinder in der Pubertät befinden. Komplexe biochemische Vorgänge vollziehen sich im Körper des Kindes und das Ergebnis ist, dass sich die Produktion von Geschlechtshormonen im Organismus erhöht. Beim Jungen ist dies Testosteron, beim Mädchen handelt es sich um Östrogene. Sie bewirken die Geschlechtsreife des Menschen. Die Pubertät (lat. die Mannbarkeit) ist also die Zeit des Körpers auszuwachsen. Die sexuelle Reifung vollzieht sich sehr zum Schrecken der Eltern, obwohl sie gern ihr kleines, nettes und liebevolles Nesthäkchen behalten wollen. Wer denkt als Elternteil schon gern daran, dass das eigene Kind eventuell sexuelle Wünsche entwickeln könnte. Dummerweise muss jeder dieser Tatsache in die Augen sehen. (Mehr über die Sexualentwicklung von Kindern)

Erziehung während der Pubertät

Eltern mit ihrem Beschützerinstinkt möchten natürlich ihr Kind vor allem Negativen bewahren, obwohl auch dies zum Erwachsenwerden hinzugehört. Teenager hingegen testen ihre Grenzen erneut aus. Dies bedeutet die Trotzphase, die das Kind als Kleinkind im Alter von zwei Jahren hatte, scheint sich irgendwie zu wiederholen, nur eben schlimmer. Die heranwachsenden Jugendlichen fangen an, Situationen und Soziales zu hinterfragen. Sie entwickeln eigene Standpunkte, die zwar nicht immer vernünftig zu sein scheinen, aber für sie unumstößlich sind. Pubertierende versuchen sich ganz klar von den Eltern abzukapseln, zum Beispiel durch das neu gestalten des eigenen Zimmers, durch ihre Sprache oder den bewussten Ausschluss der Eltern am eigenen Sozialleben. Obwohl sie sie gerade in diesen anstrengenden Jahren zwischen 11 und 15 doch ihre Eltern so dringend brauchen, um ihren eigenen Platz im Leben zu finden. Und genau da liegt der Knackpunkt. Wie schafft man es als Eltern, diesen schmalen Krad zwischen Loslassen und Behüten zu bewältigen? Machen Sie sich bewusst, dass ihr Kind nur durch Fehler die eigenen Stärken und Schwächen erkennen wird. Sie haben den Grundstein der Familienbande bereits vor der Pubertät gelegt und ihrem Kind gezeigt, was richtig und was falsch ist. Trotzdem wird es sich besonders egoistisch verhalten. Es wird versuchen sich mehr Freiräume im Familienalltag zu erkämpfen. Das Kind seine eigenen Fehler machen zu lassen heißt aber nicht, keine Grenzen zu setzten. Sie sind in diesen Jahren wichtiger denn je. Der Einfluss von Cliquen, Alkohol und Rauchen oder Tattoos und Piercings ist kaum aufzuhalten. Geben sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter auch die Möglichkeit, Fehler wieder gut zu machen, und setzen sie die Grenzen nicht zu eng. Haben Sie jedoch das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, dann suchen Sie besser eine Familienberatung auf. Professionelle Hilfe steht Ihnen dort zu Verfügung. Teenager wenden sich auch oft an die Telefonseelsorge.

Das Erwachsen werden ist nicht leicht

Wenn Sie versuchen, sich Ihrem Kind mit Hartnäckigkeit aufzudrängen, wird es sich immer weiter von ihnen distanzieren. Zuhören und da sein, wenn man gebraucht wird ist die bessere Lösung. Verantwortungsvolle Eltern beginnen auch rechtzeitig mit der sexuellen Aufklärung ihrer Kinder, denn Pubertät heißt auch, die erste ernsthafte Liebe wird kommen: Mit all ihren Konsequenzen. Ist ihr Kind schon mittendrin in der Geschichte, kann es schon zu spät sein. Achten Sie dann auch auf die Privatsphäre Ihres Kindes!

Nun sollten Eltern loslassen lernen

Die Abnabelung der eigenen Kinder macht Eltern arg zu schaffen. Ihnen wird bewusst, dass die eigene Pubertät ja noch gar nicht so sehr lange her ist und damit erkennen sie auch das eigene Älterwerden. Sie sind besonders in der Zeit der Pubertät müde und überfordert. Wahrscheinlich sind die eigenen Kinder nicht weniger überfordert mit der neuen Situation und ihren Gefühlen. Doch beide Parteien müssen da durch. Auch wenn die eigenen Kinder in den Augen ihrer Eltern immer Kinder bleiben werden, stehen sie einem doch irgendwann als Erwachsener gegenüber und spätestens dann ist die schwierige Zeit so halbwegs vergessen und ein gewisser Stolz der Eltern auf das eigene Kind macht sich breit.
Text: C. D. / Stand: 02.02.2020

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