Asperger syndrom kind

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Bin ich autistisch?

Du fragst dich, ob du autistisch bist. Vielleicht hast du etwas über Autismus gelesen, oder eine Fernsehsendung gesehen, und findest, dass das deine eigenen Erfahrungen beschreibt.

Es ist ziemlich häufig, dass autistische Menschen ohne Autismus-Diagnose durchs Leben gehen. Sie fühlen sich oft irgendwie anders, spüren, dass der Umgang mit anderen Menschen kompliziert ist. Viele lernen, auf ihre eigene Art im Leben zurechtzukommen, auch wenn das oft harte Arbeit ist. Manche sind verheiratet oder leben in einer Partnerschaft, haben Kinder oder eine erfolgreiche Karriere. Andere leben isoliert und haben große Schwierigkeiten im Alltag.

Viele autistische Menschen, die als Erwachsene von Autismus erfahren haben, sagen, dass es ihnen sehr viel bedeutet hat, zu verstehen, warum:

  • warum sie so anders sind
  • warum ihnen manche Sache so schwerfallen
  • warum sie keinen Job behalten
  • warum alles mit Menschen so kompliziert ist
  • warum sie Missverständnisse und blöde Situationen scheinbar magisch anziehen

Als ich erfahren habe, dass ich autistisch bin, hat plötzlich alles Sinn ergeben.

Rica

Wie finde ich heraus, ob ich autistisch bin?

  1. Informationen über Autismus
    Diese Artikel beschreiben Anzeichen von Autismus und könnten interessant für dich sein:
    • Was ist Autismus?
    • Das Asperger-Syndrom
    • Asperger im Erwachsenenalter
  2. Autobiografien autistischer Menschen
    Du kannst Autobiografien autistischer Menschen lesen und sehen, ob du dich darin wiederfindest.
  3. Online-Test
    Hier auf Autismus-Kultur findest du einen Online-Test, der zwar keine Diagnose stellen kann (kein Online-Test kann das), aber anzeigen kann, ob es wahrscheinlich ist, dass du autistisch bist oder nicht. Der Test wurde wissenschaftlich validiert, ist anonym und kostenlos.
  4. Autistische Menschen treffen
    In Selbsthilfegruppen und anderen Treffen kannst du andere Menschen im Autismus-Spektrum treffen und sehen, ob du Gemeinsamkeiten zwischen euch entdeckst. Der direkte Kontakt kann dir einen anderen Eindruck geben als Symptomlisten im Internet, und der Austausch kann interessant sein. In den meisten Gruppen bist du auch ohne offizielle Diagnose willkommen.
  5. Autismus-Diagnose
    Viele Autismus-Websites würden an dieser Stelle schreiben: Eine sichere Antwort darauf, ob du autistisch bist, kann dir nur eine offizielle Diagnose geben. Ich bin nicht ganz dieser Ansicht.

    Meiner Erfahrung nach sind die Selbstdiagnosen autistischer Menschen erstaunlich korrekt und werden im Allgemeinen von Fachkräften bestätigt.

    Gleichzeitig sind sich die Fachkräfte untereinander nicht einig, wer autistisch ist und wer nicht. Es gibt Menschen, die bekamen von einem Diagnostiker gesagt, sie seien sicher nicht autistisch, von einem anderen bekamen sie eine Autismus-Diagnose.

    Besonders Frauen haben es oft schwer, von Fachkräften als autistisch erkannt zu werden. Sie entsprechen oft nicht dem typischen (männlichen) Autismus-Bild. Manchmal sind sie sehr gut darin, soziales Verhalten zu kopieren und normal zu wirken – unter großer Anstrengung. Sie können trotzdem große Schwierigkeiten im Leben haben, und die fehlende Diagnose kann bedeuten, dass sie keine geeignete Unterstützung bekommen.

    Es gibt keine eindeutige, objektive Art, festzustellen, ob jemand autistisch ist oder nicht. Die Diagnose wird anhand von Verhaltensweisen gestellt; Verhalten ist vielfältig und variabel und die Gründe dafür auch.

    Es ist deine Entscheidung, ob du eine Autismus-Diagnose anstreben willst oder ob du mit einer Selbstdiagnose glücklich bist.

    Wenn du über eine Autismus-Diagnose nachdenkst, interessieren dich vielleicht diese Artikel:

    • Fragen und Antworten zur Diagnose
    • So läuft die Autismus-Diagnostik ab
    • Asperger-Diagnose im Erwachsenenalter

Wie geht es mir damit, (vielleicht) autistisch zu sein?

Sich damit auseinander zu setzen, ob man autistisch ist, kann eine anstrengende und belastende Zeit sein. Man denkt viel über das eigene Leben nach, auch über schmerzhafte Erfahrungen, die man lange lieber verdrängt hat.

Mit dem Wissen um Autismus erscheinen die Erfahrungen in einem neuen Licht; das ganze Leben scheint einer Neuinterpretation zu bedürfen.

Viele autistische Menschen wurden ihr Leben lang nicht so akzeptiert, wie sie sind. Sie wurden ausgegrenzt oder gemobbt, oder erhielten gutgemeinte Ratschläge (Geh doch mal mehr auf andere Leute zu!), Ermahnungen (Sitz nicht immer vor dem Computer!) und düstere Prognosen (Wenn du nicht mal ein Referat halten kannst, findest du nirgends einen Job!).

In der Summe führt das zu einem Gefühl der Unzulänglichkeit und verstärkt die Unsicherheit im Umgang mit anderen Menschen.

Zu wissen, dass man autistisch ist, ist oft eine große Erleichterung: Vielleicht hast du dich dein Leben lang falsch und unzureichend gefühlt, und jetzt weißt du, dass du es nicht bist. Du bist einfach nur autistisch.

Du bist nicht gestört. Du bist ganz normal – nicht gemessen an der Durchschnittsbevölkerung, aber normal für dich. Autistisch zu sein ist normal für autistische Menschen, es ist keine Störung und keine Krankheit.

Dein Gehirn funktioniert einfach anders. Es ist nicht deine Schuld, wenn dir etwas einfach nicht gelingt, egal wie sehr du dich anstrengst. Egal, ob es für andere Menschen ganz einfach ist. Wenn der Gang durch den Supermarkt für dich reizüberflutend ist, dann ist das so. Wenn du lieber ein Buch liest, statt auf eine Party zu gehen, ist das vollkommen in Ordnung.

Wenn alles gut läuft, führt das Wissen um Autismus dazu, dass autistische Menschen sich selbst akzeptieren.

Der Weg dorthin führt oft über Umwege und Hindernisse. Autismus wird fast immer in negativen Begriffen beschrieben, die Diagnosekriterien zählen auf, woran es autistischen Menschen alles mangelt, die Diagnose benennt noch einmal sehr spezifisch, woran es dir mangelt.

Ich kenne Menschen, die haben geweint, als sie ihren Diagnosebrief gelesen haben – obwohl sie sich bereits als autistisch verstanden und das gut fanden. Aber es kann sehr hart sein, in einer offiziellen Diagnose zu lesen, woran es einem alles mangelt.

Manche Menschen fühlen sich davon erst recht verunsichert und trauen sich weniger zu als vorher.

Und nicht alles an Autismus ist toll – Reizüberflutung kann sehr unangenehm und erschöpfend sein. Ich finde es für mich wichtig, auch diese Aspekte von Autismus (und mir selbst) zu akzeptieren.

Ich kann nur empfehlen, dieser Auseinandersetzung mit sich selbst und dem eigenen Autistisch-Sein Raum zu geben. Und sich Unterstützung zu suchen, wenn man sie braucht.

Wie geht es weiter?

Wenn du gerade von Autismus erfahren hast, nimm dir Zeit, in Ruhe darüber nachzudenken. Triff keine überhasteten Entscheidungen.

Ich kannte mal einen Autisten, der nach seiner Autismus-Diagnose beschloss, Informatik zu studieren, weil Autisten gut darin sind. Autistische Menschen sind aber sehr unterschiedlich und seine Stärken lagen woanders. Menschen, die ihn kannten, versuchten ihm das zu sagen; er zog es vor, aus Erfahrung zu lernen.

Orientiere dein Leben nicht an einem Klischeebild von Autismus. Du bist einzigartig.

Du musst für sich selbst herausfinden,

  • was dir momentan die größten Schwierigkeiten im Leben macht.
  • welche Lösungen du dafür anstrebst.
  • was dir wichtig ist im Leben.
  • was du brauchst, damit es dir gut geht.

Mit einer Autismus-Diagnose hast du Zugang zu bestimmten Formen der Unterstützung. Welche davon für dich geeignet sind, ist deine Entscheidung.

Wenn du die Episode 1 in diesem Podcast bereits angehört hast, dann weißt du was Hochsensibilität bedeutet.

Und jetzt fragst du dich vielleicht, ob du eher hochsensibel oder doch normal sensibel bist?

Kein Arzt kann dir darauf eine Antwort geben, denn schließlich ist Hochsensibilität keine Krankheit. Der einzige Weg auf diese Frage eine Antwort zu bekommen, sind die verschiedenen Selbsttests, die zum Teil auch im Internet angeboten werden.
Die meisten von ihnen basieren auf den Forschungsergebnissen von Dr. Elain Aron und ihrem standardisierten Fragebogen aus den 90er Jahren.

Inzwischen werden viele Tests mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Intensität der Fragen angeboten. Um dir die Auswahl deines Tests leichter zu machen, habe ich dir hier die ultimative Übersicht zusammengestellt. Du findest jeweils eine kurze Beschreibung zu fast 30 verschiedenen Tests, meist auch mit einer Einschätzung, wie lange der Test dauert und wo die Besonderheiten sind.

Und um dir den wirklich ultimativen Mehrwert zu bieten, findest du auch gleich noch Links zu Persönlichkeitstest aus angrenzenden Themenfeldern wie Hochbegabung, Asperger Syndrom, Enneagramm und MBTI (Myers-Briggs-Typenindikator).

Lerne dich selbst kennen ‒ mit den zahlreichen und faszinierenden Persönlichkeitstests

Ein besonders gründliche Informationsverarbeitung, leichte Übererregbarkeit, emotionale Intensität von Erlebtem und eine hohe sensorische Empfindsamkeit, oft zeigen hochsensible Menschen eine besonders starke Ausprägung ihrer fünf Sinne.

Doch dadurch wird oft auch der Kontakt mit ihren Mitmenschen geprägt. Denn wir fühlen uns anders, nicht zugehörig und leiden dann darunter, bis wir einen Namen für unser Temprament haben: Hochsensibilität.

Zahlreiche empirische Erkenntnisse zu dem Wesenszug der Hochsensibilität liegen bereits vor und die Forschungen sind noch lange nicht abgeschlossen.

Interessant: Die Hochsensibilität kann oft auch in einem engen Kontext mit der Hochbegabung oder dem Asperger-Syndrom stehen. Das Asperger-Syndrom ist übrigens eine Erscheinungsform des Autismus.

Grundsätzlich gilt für die vielfältigen Persönlichkeitstests im Internet, dass sie die eigene Selbsterkenntnis bereichern können. Aber die Testergebnisse sind immer nur auf einen Teilbereich des Lebens bezogen. Sie können nicht dein wunderbares Ganzes feststellen. Also, Persönlichkeitstests gezielt zur Weiterentwicklung einsetzen: ja, aber nicht als wissenschaftliche Beschreibung der ganzen Persönlichkeit betrachten!

Die Reihenfolge der Test ist willkürlich und stellt keinerlei Wertung dar!

Kleiner Tipp: Sei bei der Beantwortung der Fragen ehrlich, dann erhältst du ein aussagekräftiges und realistischeres Ergebnis.

Wie sensibel bist du? ‒ Die Hochsensibel Test bringen Aufschluss

Das oft für den Begriff „Hochsensibilität“ synonym verwendete Wort „Überempfindlichkeit“ ist vielleicht der Grund, warum zahlreiche hochsensible Menschen einen ständigen Kampf mit sich selbst austragen, sich selbst oft als Aussenseiter sehen und versuchen, sich entgegen der inneren Bedürfnisse anzupassen. Denn in unserer Gesellschaft gibt es scheinbar nur wenig Raum für intensive Sinneseindrücke und tiefe Gefühle.

Doch als Gabe, statt als Bürde betrachtet, hat Hochsensibilität viele Vorteile. Die Erkenntnis, einfach hochsensibel zu sein, dem Kind endlich einen Namen geben zu können und zu verstehen, das rund 20% aller Menschen sich sogar ähnlich fühlen, ist für fast alle hochsensiblen Menschen eine riesige Erleichterung.

Die Hochsensibilität Tests dürfen meist nicht als wissenschaftlich valide betrachtet werden, da nur wenige einen Aufbau haben, der auch statistischen Anforderungen gerecht wird. Das ist aber für die eigene Selbsterkenntnis auch nicht unbedingt notwendig.

Wie sensibel bist Du? Finde es mit einem Hochsensibel Test aus der nachstehenden Liste heraus.

  1. Inga Dalhoff stellt auf Ihrer Website zart stark, einen spannenden Test als pdf zur Verfügung. Durch die Beantwortung von rund 30 Fragen mit „selten“, „oft“ oder „immer“ kommt man sehr schnell zu einem klaren Bild, ob man hochsensibel ist und erkennt durch die Fragen auch gleich noch, was die typischen Herausforderungen als HSP sind. (ergänzt am 13.09.2017)

    Zeitaufwand: ca. 10 Minuten

  2. Der Test Sensibel oder hochsensibel, gibt Aufschluss, ob Deine fünf Sinne besonders stark ausgeprägt sind. Die Fragen sind individuell zusammengestellt und leicht zu beantworten. Zum Ausrechnen benötigst Du jedoch ein Blatt Papier und einen Stift. Der Test zum Thema Hochsensibilität ist innovativ, erhebt jedoch keinen Anspruch, auf wissenschaftliche Vollständigkeit.

    Zeitaufwand: ca. 10 Minuten

  3. Der HSP Test auf der Seite von Georg Parlow klärt auf, wie stark deine persönliche Sensibilität ausgeprägt ist. Der Test unterstützt eine unkomplizierte Annäherung an das Thema Hochsensibilität. Ergänzend werden hier das Alter sowie das Geschlecht berücksichtigt. Ein paar Fragen sind etwas schwieriger formuliert. Durch die Feinabstimmung bei den Antwortmöglichkeiten, fällt das Testergebnis sehr konkret aus.
    Ein Klassiker unter den HSP Tests!

    Zeitaufwand: ca. 8 Minuten

  4. Geeignet für alle Personen ab sechzehn Jahren, punktet der Test für Hochsensibilität mit einem Einblick in die vielfältigen Formen der Hochsensibilität. Leicht verständliche Fragen, die in rund zehn Minuten ein interessantes Ergebnis bringen. Auch finden sich Vorschläge, zur positiven Änderung der eigenen Lebensumstände.

    Zeitaufwand: ca. 10 Minuten

  5. Ulrike Hensel hat statt eines Tests mit Punkteergebnis, eine Liste von Fragen zur Selbstreflexion und Selbsteinschätzung als Test „Bin ich hochsensibel?“ veröffentlicht. Für diesen Test benötigst Du Ruhe, damit die Fragen auf Dich wirken können. Es erfolgt keine Beantwortung im eigentlichen Sinne, sondern nur, die Anzahl an Fragen von denen Du Dich konkret angesprochen fühlst, sind für das Testergebnis ausschlaggebend. So erfolgt auch keine Einschätzung deiner Persönlichkeit durch die Autorin, sondern Sie regt zum Nachdenken an.

    Ein Interview mit ihr findest du hier im Podcast.

    Zeitaufwand: ca. 12 Minuten

  6. Die soziale Verhaltenswissenschaftlerin Birgit Trappmann integriert in ihrem Test zur Hochsensibilität nach Aron das Wissen der amerikanischen Psychologin Elaine Aron, die als die Pionierin in der wissenschaftliche Erforschung von Hochsensibilität gilt. Dieser Test ist rasch durchgeführt und dient rein der Erkenntnis, ob du dich als hochsensibel einschätzt.

    Zeitaufwand: ca. 4 Minuten

  7. In dem Test im Magazin „Spiegel“ Wie hochsensibel sind Sie?, sind die Fragen schnell beantwortet. Und wenn Du Dich einmal vertippst? Kein Problem, einfach zurückgehen und die richtige Antwort anklicken. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn neben dem Testergebnis findest Du auch wertvolle Aussagen, wie du deine Chancen nutzt und Risiken erfolgreich umschiffst.

    Zeitaufwand: ca. 15 Minuten

  8. Bin ich hochsensibel? ‒ Der Selbsttest überzeugt durch das schnelle Ergebnis, gesamte Dauer rund sieben Minuten. Bei der Beantwortung der 15 Fragen aber besser nicht vertippen, sonst musst Du nochmals von vorne anfangen.

    Zeitaufwand: ca. 7 Minuten

  9. Das Phänomen, warum manche Menschen intensiver die Reize aus der Umwelt wahrnehmen, ist noch nicht zur Gänze erforscht. Fest steht, dass mehrere Faktoren mitverantwortlich sind. Wie sensibel bist Du? Finde es hier mit dem HSP-Test: Bin ich hochsensibel? in der Online-Ausgabe der Zeitschrift „Brigitte“ heraus. Der Zeitaufwand von ungefähr zehn Minuten lohnt sich.

    Zeitaufwand: ca. 10 Minuten

  10. Um den Test Test: Hochsensibilität von der Open Mind Akademie machen zu können, muss man den Zugangslink zunächst per Email anfordern. Der Anfang des Tests ist besonders beeindruckend, denn dieser enthält eine informative Einführung. Außer dem Testergebnis erhältst Du auch professionelle Strategien, für den bewussten Umgang mit deinen inneren Ressourcen.

    Zeitaufwand: ca. 12 Minuten

  11. Das seit 1974 monatlich erscheinende Magazin „Psychologie Heute“ hat einen interessanten Test als PDF bereitgestellt, mit dem Titel: Wie sensibel sind Sie? Einfach mit Ja oder Nein zu beantworten, erfährst Du nach drei Minuten, ob du dich vielleicht noch intensiver in die Materie vertiefen solltest.

    Zeitaufwand: ca. 3 Minuten

  12. Mit dem Hochsensibilitäts-Test kannst du durch die Angabe weiterer persönlicher Daten, vielleicht auch gleich noch einen passenden Partner finden, denn dieser Test wurde von einer Partnervermittlung kostenlos ins Internet gestellt. Du benötigst rund zehn Minuten für diesen Hochsensibilität Test.

    Zeitaufwand: ca. 10 Minuten

  13. Sind Sie hochsensibel? Bei diesem Hochsensibel Test erwarten Dich kleine Geschichten, in die Du Dich hineinversetzen sollst. Wähle Deine Antworten dementsprechend. Nach Angabe Deiner Email, erhältst Du das Testergebnis zugesendet. Sehr unterhaltsame zwölf Minuten.

    Zeitaufwand: ca. 12 Minuten

  14. Hinter der Website von Black Solution verbirgt sich eine intelligente Persönlichkeit, die das Leben scheinbar mit einer ordentlichen Prise Humor betrachtet. Der Hochsensibilitätstest überzeugt durch die Auswertung mit einem komplexen Punktesystem. Finde bei diesem Test ebenfalls heraus, was Präriehunde mit Hochsensibilität zu tun haben.

    Zeitaufwand: ca. 10 Minuten

  15. Bei dem HSP-Test für Erwachsene: Bin ich hochsensibel? von Oliver Domröse kannst du 35 Fragen für dich mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Die Anzahl der „Ja“-Antworten ergibt dann die Wahrscheinlichkeit, ob du eher hochsensibel bist oder nicht. Deine Reflektion über die gewonnenen Erkenntnisse, können dir bei der Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit helfen.

    Zeitaufwand: ca. 8 Minuten

Asperger Syndrom Test ‒ finde Dein wahres Ich

Das Asperger-Syndrom gehört zu den menschlichen Entwicklungsstörungen, das aber auch Stärken in sich birgt. Es gibt keinen großen gemeinsamen Nenner, außer den ganz allgemeinen „Schwierigkeiten mit sozialen Kontakten“. Besonders für die Betroffenen ist es wichtig festzustellen, das Asperger nicht nur negativ ist, sondern auch gute Seiten hat und Talente dazu gehören.

Wichtig: Das jeweilige Testergebnis ersetzt keine fachmännische Diagnose!

  1. Durch diesen Selbsttest anhand einer Checkliste mit rund 60 typischen Merkmalen von Asperger kannst du schauen, in wie weit das auf dich passt. Es gibt die Theorie, dass die meisten oder sogar vielleicht alle Asperger Autisten auch hochsensibel sind.

    Zeitaufwand: ca. 10 Minuten

  2. Außer dem Autismus-Spektrum-Test für Erwachsene finden sich auch Autismus-Tests für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche. Dieser Asperger Test bietet eine erste Einschätzung. Der Zeitaufwand von rund sechs Minuten lohnt sich. Wurde bei dir keine Form des Asperger Autismus festgestellt, dann probier doch gleich den Hochbegabung Test.

    Zeitaufwand: ca. 6 Minuten

  3. Du hast bereits einen Hochsensibel Test gemacht und möchtest jetzt einen Asperger Syndrom Test machen? Dann empfehle ich dir den Selbstest auf Asperger Syndrom. Nach 50 Fragen erwarten dich noch ein paar persönliche Fragen, bevor Du dein Testergebnis in Händen hältst.

    Zeitaufwand: ca. 15 Minuten

Hochbegabung ‒ Fluch oder Segen?

Die „Besserwisser“ haben es oft sehr schwer, weswegen sie ihr Potential oft hinter mühsam aufgebauten Fassaden verstecken. Schade, denn unsere Gesellschaft wird durch die Menschen, die ihre Hochbegabung einsetzen und der Kultur neue Farben verleihen sehr bereichert. Und gerade deswegen: Mach den Test und lass deine Persönlichkeit strahlen.

  1. Die meisten Intelligenztests sind sehr umfangreich. Für alle Ungeduldigen empfiehlt sich daher dieser Schnelltest. Der IQ-Test enthält alle Fragen, die dich auch bei einem professionellen Intelligenztest erwarten, sodass dein Gehirn in allen Bereichen gefordert ist. Achtung: Zeitlimit von zehn Minuten. Ein konkretes Ergebnis ist die Belohnung.

    Zeitaufwand: max. 10 Minuten

  2. Der IQ-Tester der Süddeutschen Zeitung fordert dich richtig heraus. Der kostenlose online IQ-Test mit Sofortergebnis bietet dir 86 Fragen, die du in 60 Minuten beantworten musst. Eine Unterbrechung dieses Hochbegabung Tests ist nicht möglich, also die Zeit vorab einplanen! Besonders interessant: Dein Testergebnis wird mit dem anderer Teilnehmer/innen verglichen.

    Zeitaufwand: max. 60 Minuten

  3. Fünfzehn Fragen erwarten dich als Mutter oder Vater bei dem IQ-Test: Ist mein Kind hochbegabt?. Nach rund drei Minuten, erhältst du das Ergebnis.

    Zeitaufwand: ca. 3 Minuten

Das Enneagramm ‒ die Typenlehre

Die Wurzeln des Enneagramm finden sich, laut den Experten, bereits in der Antike. Dementsprechend umfassend sind auch die Enneagramm-Tests, die auf esoterischem Wissen basieren. Das Ergebnis dient, falls gewünscht, zur Weiterentwicklung deiner Persönlichkeit. Wissenschaftlich noch nicht anerkannt, sind diese Tests sehr unterhaltsam und informativ.

  1. Bei dem Enneagramm-Tests (kostenlos) hast Du die Auswahl zwischen dem klassischen und einem englischen Test. Die rund fünfzehn Minuten lohnen sich, um herauszufinden: Welcher der neun Typen im Enneagramm bist Du?

    Zeitaufwand: ca. 15 Minuten

  2. Den Selbsttest: Zu welchem Typ gehöre ich?, kannst Du jederzeit unterbrechen und später fortsetzen. Keine Hektik also, bei der Beantwortung der 180 Fragen. Das Ergebnis enthält eine differenzierte Auswertung. Besonders für Fortgeschrittene des Enneagramm interessant.

    Zeitaufwand: beliebig

  3. Dynamiker, Genießer oder Anführer? ‒ Das Magazin „Stern“ bietet einen unkomplizierten Enneagramm Test unter dem Motto: Welche der neun Persönlichkeitstypen im Enneagramm-Test sind Sie? Nach fünf Minuten liegt das Testergebnis vor. Gleich ausprobieren.

    Zeitaufwand: ca. 5 Minuten

  4. Der Enneagramm Test hilft dir mit einem lehrreichen Testergebnis, deine Stärken zu forcieren und dir deiner Schwächen bewusst zu sein.

    Zeitaufwand: individuell

  5. Betrachte deine Seele in einer Art Spiegel, mit dem Enneagramm Typen Test. Nach der Bekanntgabe deines Geschlechts und deines Alters, beginnt der eigentliche Test. Hier erwarten dich 117 Fragen, die mit richtig oder falsch, aber auch sehr differenziert beantwortet werden können. Antworte intuitiv und mit Ruhe, dann erhältst Du ein spannendes Ergebnis.

    Zeitaufwand: sehr unterschiedlich

  6. Als Dein Test tituliert Harald Diehm seine Version des Typentests zur Selbsteinschätzung. Beschreibungen, aus dem Leben gegriffen, benötigen deine Zustimmung (durch stark oder mittel) oder Verneinung (keine). Wann erkennst du dich wider? Was hat in deinem Leben überhaupt keinen Platz? Diesen Test solltest du dir auf alle Fälle gönnen, wenn du Lust auf eine persönliche Veränderung spürst. Plane dazu eine halbe Stunde Zeit ein.

    Zeitaufwand: ca. 30 Minuten

  7. Der Enneagramm Test online: Innere Blockaden selbst erkennen bezieht das Wissen aus dem Feng Shui mit ein. Die wichtige Empfehlung für diesen Test lautet: rasch durcharbeiten. Es erwarten dich 117 Fragen und eine eindeutige Typen-Zuordnung. Die Zeit von rund vierzig Minuten verfliegt im Nu. Und es gilt: Je besser du dich kennst, umso leichter kannst du dein Leben selbst in die Hand nehmen.

    Zeitaufwand: ca. 40 Minuten

MBTI oder der Myers-Briggs-Typenindikator

Der berühmte Schweizer Psychiater C. G. Jung gilt als Begründer der analytischen Psychologie. Die von ihm entwickelten psychologischen Typen werden mithilfe des Myers-Briggs-Typenindikators, kurz MBTI, erfasst.

Das Testergebnis ist wissenschaftlich betrachtet nicht von Bedeutung, dafür beschreibt es umfassend die eigenen Motivationen sowie Entscheidungen und bietet Aufklärung hinsichtlich Lebensstil und Aufmerksamkeit.

Wenn Du einem der sechzehn verschiedenen Typen zugeordnet wurdest, ist dies immer eine Momentaufnahme. Das heißt, bei den MBTI Tests kann das Ergebnis je nach Tagesform wechseln. So kann nach einem Monat ganz ein anderer Typ aktiv bei dir zutage treten.

  1. Der Persönlichkeitstest ist in rund sechs Minuten ausgeführt, dafür enthält das Ergebnis wahrscheinlich so manche Überraschung. Der Herausgeber dieses Persönlichkeitstests setzte sich mit den Erkenntnissen der berühmten Denker aus der Vergangenheit auseinander, nutzte deren Wissen, und bezog dazu auch die innovativen MBTI-Prinzipien und den Kersey Temperament Sorter mit ein. Mach diesen Test auch gemeinsam mit Deinen Freunden/innen und findet heraus, wie gut ihr in der Gruppe miteinander harmoniert.

    Zeitaufwand: ca. 6 Minuten

  2. Besonders attraktiv gestaltet ist der ebenfalls kostenlose MBTI Persönlichkeitstest, bei dem die Beantwortung der Fragen, laut Vorgaben, nicht länger als zwölf Minuten betragen sollten. Also, jetzt heißt es für dich: nicht lange überlegen und intuitiv antworten. Dieser Test hebt sich positiv hervor, weil die Big Five Persönlichkeitsmerkmale, dies ist das Wissen aus der Persönlichkeitspsychologie, integriert wurden. Das bewusste Auseinandersetzen mit deiner Person kann dir neue Wege und Blickwinkel eröffnen.

    Zeitaufwand: ca. 12 Minuten

  3. Der Typentest vom Autor Lars Lorber findet mit nur 5 Antworten in nur rund drei Minuten, welcher von 32 Persönlichkeitstypen bei dir gerade am besten passt. Aus zehn Kästchen, wählst du fünf Kästchen, die deine Emotionen gerade am besten beschreiben. Das Ergebnis basiert ebenso auf den Big Five Persönlichkeitsmerkmalen und wie beim MBTI, werden die Typen mit 4 Buchstaben abgekürzt. Die Erklärung am Ende des Test ist einfach verständlich und liefert Impulse, um sich noch tiefer mit der eigenen Persönlichkeit zu beschäftigen.

    Zeitaufwand: ca. 3 Minuten

Fazit zum hochsensibel Test und dem Überblick an Persönlichkeitstests

Die facettenreichen Persönlichkeitstests im Internet halten viele Überraschungen über das eigene Ich parat. Lerne dich selbst von neuen Seiten kennen und gib Deinem Leben frischen Input!

Neugierig? Dann leg doch gleich los. Aber Vorsicht ‒ macht echt süchtig.

Autismus im Job: Gute Jobs für Autisten

Autismus – früher war das ein Ausschlusskriterium für eine Karriere. Inzwischen sieht das anders aus: Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen haben auf dem Arbeitsmarkt durchaus realistische Chancen, eine richtig gute Stelle zu finden. Vor allem im IT-Bereich sind die Aussichten gut…

Inhaltsverzeichnis: Das erwartet Sie in diesem Artikel

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Autisten: Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Die Zeiten, in denen Autisten im besten Fall in einer Behindertenwerkstatt unterkamen, sind vorbei. Mittlerweile gibt es anspruchsvolle, gut vergütete Jobs für sie.

Und das nicht, weil die Unternehmen plötzlich zu Wohlfahrtsorganisationen mutiert wären, sondern weil speziell Autisten Qualitäten mitbringen, die auf dem Arbeitsmarkt gebraucht werden.

Da gibt es zum Beispiel das Unternehmen Auticon aus Berlin, das bereits über 100 Autisten beschäftigt und als IT-Consultants an andere Unternehmen vermittelt.

Die Referenzliste liest sich eindrucksvoll: Allianz, Siemens, Henkel, Telekom, Infineon stehen da. Das Who’s who der deutschen Wirtschaft bedient sich offenbar längst aus dem Auticon-Pool.

Sogar Glamour-Unternehmer Richard Branson ist schon auf die Berliner aufmerksam geworden. Über die Virgin Group investierte Branson Ende 2016 zusammen mit der gemeinnützigen Stiftung Esmée Fairbairn Foundation in die Londoner Tochtergesellschaft von Auticon.

Einen mittleren sechsstelligen Betrag sollen beide Geldgeber in das Unternehmen gepumpt haben. Das Geld soll vor allem in den britischen Markt investiert werden.

Für Auticon-Gründer Dirk Müller-Remus ist das Ende der Fahnenstange damit aber noch nicht erreicht. Sein neuestes Projekt heißt Diversicon. Der Name ist Programm. Während sich Auticon auf den IT-Sektor spezialisiert hat, soll sich Diversicon breiter aufstellen – und Autisten auch in anderen Berufen und Branchen in den ersten Arbeitsmarkt bringen.

Das Geld für Diversicon sammelte Müller-Remus über die Crowdfunding-Plattform Companisto ein. Derzeit befindet sich Diversicon im Aufbau.

Müller-Remus ist aber keineswegs Monopolist. Auch Software-Gigant SAP hat sich zum Ziel gesetzt, langfristig ein Prozent seiner Arbeitsplätze mit Menschen aus dem Autismusspektrum zu besetzen. Ende 2015 waren nach eigenen Angaben immerhin schon 100 Autisten in acht Ländern beschäftigt, mittlerweile sollen es 120 sein.

Um die Quote noch weiter nach oben zu treiben, richtete SAP im Herbst 2016 sogar einen Bewerbertag aus, der sich speziell an IT-affine Autisten richtete.

Autisten: Rationalität als Vorteil

Natürlich sind Verallgemeinerungen immer heikel, gerade im Autismus ist das Spektrum groß. Es gibt Autismus-Spektrum-Störungen, den frühkindlichen Autismus, den Asperger-Autismus. Autisten sind Individuen mit einzigartigen Merkmalen und Eigenschaften.

Doch lassen sich durchaus einige allgemeingültige Aussagen treffen. Zum Beispiel diese: Autisten treffen Entscheidungen im Gegensatz zu Nicht-Autisten weniger stark auf emotionaler Basis. Das hat erst kürzlich das Londoner King’s College nachgewiesen.

Beispiel: Drücken Sie einem Nicht-Autisten 70 Euro in die Hand, dann zockt er mit dem Geld mit ungleich höherer Wahrscheinlichkeit, wenn er „50 Euro verlieren“ kann und nicht, wenn er „20 Euro behalten“ kann. Die Aussicht, Geld zu verlieren, verstärkt bei Nicht-Autisten den Drang, dieses Szenario aktiv zu verhindern.

Dabei sind beide Szenarien im Prinzip völlig identisch. Einen Autisten hingegen würde dieses Psycho-Spielchen völlig kalt lassen, er würde rein rational entscheiden.

Autisten seien psychologisch gesehen atypisch, sagt der Psychologe Punit Shah vom King’s College, „aber ihre Beschaffenheit kann auch Vorteile in Situationen bringen, in denen es nützlich sein könnte, nicht dem Herzen, sondern dem Verstand zu folgen.“

Und weiter: „Unsere Arbeit hilft bei der Erklärung, warum autistische Menschen logischere Entscheidungen treffen, weil sie sich nicht so leicht von ihrem Empfinden oder Bauchgefühl beeinflussen lassen.“

Autismus: Ein evolutionärer Vorteil?

Von Außenstehenden wird Autismus nicht selten als Krankheit wahrgenommen, als etwas ganz und gar Furchtbares. Für Wissenschaftler der University of South California hingegen könnte Autismus sogar ein evolutionärer Vorteil gewesen sein.

So etablierte Hirnforscher Jared Reser schon 2011 den Begriff Autism Advantage: Autismus-Vorteil. Seiner These nach hätten einzelne Gene, die für Autismus verantwortlich seien, die Jahrtausende nicht rein zufällig überdauert. Im Gegenteil, sie seien von Generation zu Generation weitergegeben worden, weil sie für ihre Träger vorteilhaft gewesen sein müssen – vor allem in Jäger-und-Sammler-Gesellschaften.

Räumliche Intelligenz, Konzentrations– und Erinnerungsvermögen – in einer Umwelt, in der es wenig soziale Interaktion, dafür aber unstete Nahrungsquellen gab, waren das tatsächlich große Vorteile. Autisten wären demnach die prototypischen Selbstversorger gewesen, die sich aufgrund ihrer Vorliebe für Routinen und Gewohnheiten mit der Jagd und Nahrungssuche weniger schwer getan haben müssen als andere.

Nun hat sich unsere Umgebung mittlerweile verändert. Die Arbeitsplätze sind deutlich interaktiver und kommunikativer geworden. Und dennoch: Die genannten Eigenschaften sind auch weiterhin von unschätzbarem Wert – übrigens auch für Nicht-Autisten …

Autisten: Welche Stärken haben sie?

Der aktuelle Forschungsstand lässt die Schlüsse zu, dass viele Autisten…

  • sehr gründlich und genau arbeiten.
  • exzellent mit Zahlen, Daten, Formeln umgehen können.
  • analytisch-logisch denken.
  • ehrlich sind.

Talente, die auf dem Arbeitsmarkt nicht unbedingt im Überfluss vorhanden sind, aber umso stärker nachgefragt werden.

Im Übrigen handelt es sich nicht ausschließlich um Zahlenmenschen, auch überragende Fremdsprachenkenntnisse oder künstlerisch-musische Begabungen sind unter Autisten (zum Beispiel auch bei Asperger-Autisten) keine Seltenheit.

Ein besonders schönes Einstellungsargument lieferte kürzlich ein Autist, der einen Leserbrief an das Autismus-Blog Ellas Blog schrieb.

„Wenn ich meine Kolleginnen und Kollegen den Tag über so arbeiten sehe und reden höre, stelle ich immer mal wieder verwundert fest, dass ich offenbar nicht nur als Autist eine Besonderheit in unserem Betrieb darstelle. Die Art, wie über den Chef schlecht geredet wird oder man lautstark kundtut, dass man ’schon wieder keinen Bock hat, würde ich mir lieber zweimal überlegen“, schrieb der User namens Daniel.

„Denn ich werde dafür bezahlt, dass ich dort arbeite. Das heißt, dass jemand so viel Vertrauen zu mir hat, dass ich meine Arbeit gut mache, dass er mir sogar Geld dafür überweist. Da ich mich sehr gut kenne und mich manchmal sogar frage, wie ich es schaffe, mich jeden Morgen selbstständig anzuziehen, bewundere ich ihn, wie er meine Fehler tolerieren kann.“ Der Beitrag zeugt von Sensibilität – und muss wie Musik in den Ohren vieler Arbeitgeber klingen.

Nichtsdestotrotz können sich die „typischen“ Vorzüge eines Autisten mitunter auch als Stolpersteine erweisen. Beispiel Ehrlichkeit: Schon im Vorstellungsgespräch kann sie fatal sein, auch im Umgang mit Kollegen können kleine Notlügen die Freundschaft – und den Betriebsfrieden – erhalten.

Ein anderes Beispiel: Nimmt jemand Redewendungen stets wörtlich, könnte er damit im Büro und anderswo Probleme bekommen. Manche Autisten verstehen nur schwer Sarkasmus oder Ironie, können auch keinen Smalltalk.

In Bereichen, in denen man andere Menschen führen, beraten oder lesen muss – zum Beispiel im Personalwesen – sind (längst nicht alle, aber) viele Autisten überfordert.

Welche Jobs gibt es für Autisten?

Typische Einsatzfelder liegen im IT-Bereich, für die Arbeit mit dem Computer sind viele Autisten geradezu prädestiniert. An Tätigkeiten und Jobprofilen bieten sich beispielsweise an:

  • Dateneingabe und Datenbankverwaltung
  • IT-Migration
  • IT-Security
  • Software-Testing und Qualitätskontrolle
  • Big Data und Business Intelligence

Aber: Die aktive Integration von Autisten in den ersten Arbeitsmarkt steht im Prinzip noch ganz am Anfang. Bedeutet: Es gibt eine Reihe adäquater Einsatzfelder, die erst noch entdeckt und freigelegt werden müssen.

Zum Beispiel könnten sich auch Felder wie Qualitätsmanagement, Entwicklung, Design anbieten – und grundsätzlich alle Berufe, die viel mit Recherche oder Analyse zu tun haben.

Was ist Autisten im Job wichtig?

Für Arbeitgeber wichtig: Wie binde ich den autistischen Mitarbeiter ins Team ein? Was muss ich beachten?

Ein Platz im Großraumbüro dürfte beispielsweise nicht unbedingt die richtige Wahl sein, da hier der Lärmpegel hoch und Ablenkungen allgegenwärtig sind. Vielen Autisten sind diese Punkte wichtig:

  • Feste Ansprechpartner bzw. Mentoren
  • Ruhige Arbeitsumgebung
  • Wiederholende Abläufe
  • KEIN Zeitdruck

Asperger-Syndrom: Diese Superstars haben es

Im Silicon Valley gibt es davon im Überfluss. Die Rede ist nicht von genialen Ideen, Startups oder Venture Capital. Es geht um das Asperger-Syndrom. Mark Zuckerberg und Bill Gates wird es nachgesagt, auch Larry Page, sogar dem verstorbenen Steve Jobs.

„Das Asperger-Syndrom unterscheidet sich von anderen Autismus-Spektrum-Störungen in erster Linie dadurch, dass oft keine Entwicklungsverzögerung beziehungsweise kein Entwicklungsrückstand in der Sprache oder der kognitiven Entwicklung vorhanden ist“, so die Definition des Bundesverbands Autismus. „Die meisten Menschen mit Asperger-Syndrom besitzen eine normale allgemeine, in Teilgebieten besonders hohe Intelligenz. Hingegen sind in der psychomotorischen Entwicklung und der sozialen Interaktion Auffälligkeiten festzustellen.“

Genau hier liegt auch das Problem: Asperger kann nicht so einfach diagnostiziert werden wie ein Tumor. Die Grenzen sind fließend, das Spektrum riesengroß. Mit Tests wie dem Adult Asperger Assessment (AAA) und dem Autismus-Spektrum-Quotient (AQ) versucht man, sich dem Phänomen anzunähern.

Das Asperger-Syndrom wird einigen der berühmtesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte zugeschrieben, darunter Denkern und Künstlern wie Einstein, Mozart, Beethoven, Michelangelo, Mark Twain, Thomas Edison, Vincent van Gogh, Charles Darwin und Isaac Newton. Aus neuerer Zeit sind Bob Dylan, Andy Warhol, Woody Allen, Al Gore und Michael Jackson zu nennen, bei denen der Verdacht mehrfach geäußert wurde.

Aber es handelt sich wohlgemerkt um Spekulationen. Auch, weil das Asperger-Syndrom erst im 20. Jahrhundert wissenschaftlich entdeckt wurde. Bei Mozart oder Michelangelo muss man sich daher wohl auf historische Überlieferungen verlassen. Wie waren sie? Wie haben sie sich verhalten? Welche Eigenschaften, Macken oder Ticks hatten sie?

Die Anzeichen aber, dass man Asperger auch mit „Nerd-Syndrom“ oder „Genie-Syndrom“ – oder „Genialer Nerd-Syndrom“ – übersetzen könnte, sie mehren sich.

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Autismus-Test für Kleinkinder

Dieser Autismus-Test kann für Kleinkinder im Alter von 18 Monaten bis drei Jahren verwendet werden. Für Kinder im Alter von 4-11 Jahren verwende bitte den Autismus-Quotient-Test für Kinder.

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Autismus-Symptome bei Babys und Kleinkindern

Der Test testet auf das Autismus-Spektrum; er unterscheidet nicht zwischen Asperger-Syndrom und anderen Formen von Autismus.

Der Fragebogen ist dazu gedacht, von einem Elternteil oder einer vergleichbaren Bezugsperson ausgefüllt zu werden. Der Test ist kostenlos, komplett anonym und wird automatisch ausgewertet.

Bei dem Test handelt es sich um einen sogenannten Screening-Test. Das heißt, der Test stellt keine Diagnose, sondern kann lediglich eine Wahrscheinlichkeit aufzeigen. Je nach Ergebnis und persönlicher Situation kann man über eine weitere diagnostische Abklärung nachdenken.

Der Test heißt “Q-Chat” (Quantitative Checklist for Autism in Toddlers) und wurde am Autism Research Center in Cambridge entwickelt und wissenschaftlich validiert.

Bitte beantworte die folgenden Fragen über Dein Kind. Versuche, jede der Fragen zu beantworten und keine auszulassen.

… oder erkennen könnte. Weil: Nachher ist man immer gescheiter. Hinweise gab es bei unserem Kind nämlich schon in der frühen Kindheit – nur das richtige Ein- und Zuordnen ist für Laien eben nicht einfach. Zudem wird das Asperger-Syndrom (im Gegensatz zu anderen Formen des Autismus) meist erst recht spät diagnostiziert – meist erst im 7./8. Lebensjahr, wenn in der Schule Probleme auftauchen. Das hat auch einen guten Grund: Die Kinder schauen normal aus und sind meist durchschnittlich bis überdurchschnittlich intelligent – und das täuscht über so manche Beeinträchtigung hinweg.

Zwischenruf in eigener Sache:VERLOOOOOSUNG!

Welche Rechte haben Eltern in der Schule – und welche nicht? Darf die Schule dem Kind das Smartphone wegnehmen? Und wenn ja, wie lange? Muss ich die Fahrtkosten für die Klassenfahrt übernehmen – obwohl mein Kind krank geworden ist? Und wie ist das mit dem Recht auf individuelle Förderung in der Schule und der Teilnahme an Fridays for Future? Die Antworten auf diese Fragen + Buch GEWINNEN!
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Erst vor kurzem traf ich eine andere Mutter, mit der ich im Baby-/Kleinkind-Alter gemeinsam eine Eltern-Kind-Gruppe besucht hatte. Sie merkte an:

“Kannst du dich noch erinnern, dass unsere beiden Kinder die einzigen waren, die mit 1,5 Jahre bereits alle Buchstaben kannten?”

In der Tat. Und etwa sieben Jahre später trafen wir uns wieder – bei einem Elterntraining für Eltern mit autistischen Kindern.

So äußerte sich der Autismus bei meinem Kind:

  • Als Krabbelkind blieb er stets innerhalb eines umgrenzten Raumes: Eine am Rasen ausgebreitete Decke (z.B. auf der Liegewiese im Schwimmbad) hat er niemals verlassen. Er wollte mit seinen Knien das Gras nicht berühren. Während alle anderen Mütter permanent hinter ihren Kinder nachlaufen mussten, blieb mein Kind praktischerweise immer bei mir.
  • Auffällige Bewegungen: bei Aufregung flatterte das Kind stark mit den Armen – ganz so als wollte es “abheben”.
  • Geräuschempfindlichkeit: Dem Kind war schon als Kleinkind vieles viel zu laut. Der Besuch eines Kasperl-Theaters war aufgrund der anderen, laut kreischenden Kinder ein absolutes No-Go. Auch heute noch hadert unser Sohn mit Massen-Veranstaltungen in der Schule, wenn hunderte Kinder im Turnsaal lärmen.
  • Alles viel zu spannend: Ins Kino konnten wir erst mit etwa 8 Jahren gehen – davor war ihm jeder Kinderfilm (auch im TV) viel zu spannend. Er begann am ganzen Leib zu zittern und vor Anspannung laut zu kreischen.
  • Das Kind zeichnete kaum Menschen. Ein Familienbild mit Mama, Papa und Geschwisterchen? Fehlanzeige. Wenn, dann zeichnet(e) und malt(e) unser Kind Dinge: Züge und U-Bahn-Systeme, Straßennetze, Häuserpläne, Labyrinthe …
  • Ein Zug als Kuscheltier. Unser Sohn hatte kaum Kuscheltiere – das einzige Ding, das unser Kind als Trostspender mit ins Bett nahm, war “Tschu-tschu”, ein Zug aus Kunstleder. Erst seit sich der kleine Bruder für Angry Birds und Dinosaurier aus Stoff begeistert, erwärmt sich auch der Große ansatzweise für derartiges Getier (ist aber eher Staubfänger als Kuschelgefährte).
  • Spezialinteressen: Bereits mit 1,5 Jahren kannte unser Sohn alle gängigen Automarken und alle Buchstaben. Weiter Spezialinteressen: U-Bahnen und öffentlicher Verkehr, Flaggen, Länder und Berge … Momentan entwirft er mit Hingabe eigene Brettspiele sowie U-Bahn-Netze samt Umsteigestellen zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Gute Sprachentwicklung: Das Kind sprach mit 2 Jahren bereits sehr gewählt und in grammatikalischen korrekten Sätzen.
  • Beeinträchtigtes Temperaturempfinden: mein Kind trägt schon mal ein Langarmshirt und einen lange Hose obwohl es draußen 30° C hat. Umgekehrt kramt er schon mal die kurze Hose hervor, wenn es anderen schon beim Anblick fröstelt.
  • Grobmotorisch etwas unbeholfen: Während andere Kinder am Fußballplatz mit dem Ball tänzeln, schaut das bei unserem Sohn etwas seltsam aus. Nicht, dass er in einem Verein spielt – nein, niemals! Denn:
  • Gruppenaktivitäten sind zuwider: Keine Musikschule, kein Sportverein, Schwierigkeiten schon in der Kindergartengruppe, in der Schule sowieso …
  • Das Kind ist alles andere als kompetitiv – zumindest nicht, wenn es sich nicht 100%-ig sicher sein kann, dass es auch gewinnt. Das erklärt auch, warum ihn keine zehn Pferde in einen Sportverein gebracht hätten.
  • Freundschaften = Fehlanzeige: Das Kind ist sich selbst genug, kann sich hervorragend selbst beschäftigen und es leidet auch nicht daran, dass es keine Freunde hat – siehe auch Hilfe, mein Kind findet keine Freunde! Tipps für betroffene Eltern
  • Gefühle können nicht artikuliert werden: Ist dem Kind mal was über die Leber gelaufen, dann kann er das nur ganz schwer (bis gar nicht) beschreiben und erklären.
  • Das Kind zeigt kaum Mitgefühl: Wenn etwas vorgefallen ist und ein anderes Kind weint, dann sucht unser Kind ganz rasch das Weite. Auch wenn wir Eltern über etwas traurig sind, reagiert das Kind eher verstört und verständnislos.
  • Das Kind war Zeit seines Lebens im Widerstand – er war und ist dagegen, scheinbar aus Prinzip. Autoritäten erkennt er nicht an (es sei denn, die Person hat sich eine “natürliche Autorität” erarbeitet). Sogar bei der Geburt war das Kind anders: Als Sternengucker schaute er in die “verkehrte” Richtung.
  • In der Schule zeigte er sein Können nicht. Die Lehrerin wusste, dass er das Kleine 1×1 “aus dem FF” beherrscht. Gut so, denn mündlich ist aus ihm nichts rauszubringen. Und Schreiben ist ihm ein Gräuel – ein Diktat mitschreiben? Nur “über seine Leiche”!
  • Er fragt nicht um Hilfe, wenn er irgendwo nicht weiter weiß – weder in der Schule noch bei uns Eltern. Dazu ist er viel zu perfektionistisch. Außerdem kann er – wie wir gelernt haben – seine eigenen Bedürfnisse kaum wahrnehmen.

Bei so vielen, relativ klaren Anzeichen, fragt man sich gern:

Warum fiel der ursprüngliche Test negativ aus?

Es handelte sich dabei um einen Fragebogentest, den nur wir Eltern ausfüllten. Nicht dass wir damals das Ergebnis bewusst lenken oder gar beschönigen wollten – es ist eben nur EINE Sicht. Und gerade wenn es das erste Kind ist, ist man doch etwas überfragt, was nun normal ist – und was nicht.
Und es ist übrigens gar nicht ungewöhnlich, dass Eltern erst eine Odyssee mit sich teils widersprechenden Diagnosen absolvieren müssen …

Ob man Autismus jedoch schon im Babyalter zuverlässig diagnostizieren kann, halte ich persönlich für fragwürdig: Autismus schon im Babyalter behandelbar (science.orf.at) – allerhöchstens vielleicht frühkindlichen Autismus; beim Asperger-Syndrom halte ich persönlich das für ausgeschlossen.

Es gibt Hilfe

Wir waren mit massiven Problemen in der 3. Klasse Grundschule (Volksschule) konfrontiert – das Damoklesschwert Sonderschule hing bedrohlich über uns. Aber wir haben eine fulminante Verbesserung erreicht. Siehe hier: Ist mein autistisches Kind geheilt?

Foto: debowscyfoto,

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Autismus: Das sind die Symptome des Asperger-Syndroms

Um das Asperger-Syndrom existieren viele Klischees. Zum einen werden damit oft Wunderkinder mit besonderer Begabung verbunden. Andererseits wird Betroffenen abgesprochen, ein selbstständiges Leben führen zu können. Doch beides stimmt nicht.

Sie fallen oft schon in der Schule auf und gelten als Sonderlinge oder Egozentriker: Kinder mit Asperger-Syndrom. Während andere Kinder für viele neue Erfahrungen offen sind, sind ihre Interessengebiete oft stark eingeschränkt. Manche interessieren sich für ungewöhnliche Themen wie Rohrleitungssysteme oder Abflugpläne einer Airline, denen sie mit großer Akribie nachgehen.

Von Mitschülern und Außenstehenden werden sie bisweilen belächelt und haben oft Schwierigkeiten, sich zu integrieren. In Gesprächen und Alltagssituationen zeigen Kinder mit Asperger-Syndrom oft unerwartete Reaktionen. Freunde haben sie meist nicht. Ihre schulischen Leistungen sind durchaus normal, können aber auch überdurchschnittlich sein.

Definition: Was ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom ist angeboren und beeinflusst die Entwicklung. Eine allgemeingültige, trennscharfe Definition gibt es nicht. Die britische Psychiaterin Lorna Wing beschreibt das Asperger-Syndrom als Beeinträchtigung

  • der sozialen Interaktion,
  • der sozialen Kommunikation und
  • des sozialen Verständnisses.

Vor allem die Fähigkeit, nichtsprachliche Signale, also Gestik, Mimik oder Blicke von Menschen zu erkennen und auszuwerten, ist beeinträchtigt. Daraus resultiert ein mangelndes Einfühlungsvermögen, das den Umgang mit anderen Menschen erschwert. Gefühle der Mitmenschen können nicht oder nur schwer gedeutet werden. Auch die Einordnung verschiedener Tonfälle bereitet Probleme, Blickkontakt fällt oft schwer.

Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob es als Krankheit oder als eine besondere Variante der menschlichen Informationsverarbeitung eingestuft werden sollte. Im medizinischen Klassifikationssystem ICD ist es als F84.5 gekennzeichnet. Schätzungsweise 0,9 Prozent der Bevölkerung haben das Syndrom.

Was ein Asperger-Syndrom bedeutet

Wichtig sei es, einen Autismus früh zu erkennen, sagt Psychologin Inge Kamp-Becker vom Uniklinikum Marburg. „Sonst gibt es so einen Rattenschwanz von Missverständnissen, so wie Frust, Hänseleien und fehlende Akzeptanz in der Schule, bei der Arbeit und in den Beziehungen“, fügt Prof. Ludger Tebartz van Elst von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum Freiburg hinzu.

Auffälliges Verhalten bei Kindern sollten Eltern immer ernst nehmen, etwa wenn Kinder leicht Wutanfälle bekommen, sich im Miteinander auffallend ungeschickt verhalten oder am liebsten alleine spielen. Häufig weisen die Kinder auch Entwicklungsstörungen auf, wie beispielsweise ungeschickte Motorik.

Symptomatik: Wie erkenne ich das Asperger-Syndrom?

Menschen mit Asperger-Syndrom fällt es schwer, Kontakte zu anderen Menschen zu knüpfen. Sie können nicht angemessen mit anderen kommunizieren oder Kontakt aufnehmen und haben eingeschränkte Interessen. Außerdem ist ein zwanghaftes Festhalten an Wiederholungsroutinen typisch, Aktivitäten werden häufig stereotyp ausgeführt.

Eltern fragen sich, wie sie die Symptome erkennen, die darauf hinweisen, dass ihr Kind das Asperger-Syndrom hat. „Eltern merken zwar meist schon früh, dass ihre Kinder irgendwie anders sind“, sagt Kamp-Becker. „Auffällige Verhaltensweisen werden aber im Kleinkindalter oft noch toleriert.“ Im Unterschied zu Kindern mit frühkindlichem Autismus sind Asperger-Autisten nicht weniger intelligent und haben keine Sprachentwicklungsstörungen.

Gerade weil sich die Sprachentwicklung nicht verzögert, werde das Asperger-Syndrom häufig erst gegen Ende der Grundschulzeit oder noch später festgestellt. Ein Asperger-Syndrom bedeute aber nicht, dass Betroffene zwangsläufig nur einen leicht ausgeprägten Autismus haben oder – wie oft behauptet – hochbegabt sind. Das Asperger-Syndrom fällt aber gelegentlich mit einer Inselbegabung zusammen.

Autisten können Mimik und Gestik nicht verstehen, Gefühlsregungen ihres Gegenübers nicht einordnen. Es fällt ihnen schwer zu erkennen, welche Absicht jemand in einem Gespräch verfolgt. „Das ist eine Fähigkeit, die sich normalerweise etwa im vierten Lebensjahr herausbildet, und die wahrscheinlich viel mit der Vernetzung verschiedener Hirnareale zu tun hat“, sagt Prof. Tebartz van Elst.

Autistische Menschen entwickelten diese Fähigkeit nur eingeschränkt. In komplexen sozialen Situationen sind sie daher oft überfordert. Daraus resultiere wahrscheinlich auch das starke Bedürfnis nach Routinen und erwartungsgemäßen Abläufen oder die intensive Beschäftigung mit Details, erklärt der Mediziner.

Online-Tests und Diagnose durch Psychiater

Es gibt online Tests für Kinder und Erwachsene. Allerdings unterscheiden diese nicht zwischen verschiedenen Formen von Autismus – denn das Autismusspektrum ist breit. Das Ergebnis sollte nur als eine erste Einschätzung gesehen werden. Außerdem kann es bei Resultaten von Autisten und Nicht-Autisten zu Überschneidungen kommen. Doch auch bei der Diagnose durch einen Psychiater ist eine gewisse Willkür nicht auszuschließen, was als Autismus gekennzeichnet wird und was nicht.

Asperger-Autisten in der Schule

Oftmals besuchen Kinder mit dem Asperger-Syndrom normale Schulen. In der Schule fällt es Kindern mit Asperger-Syndrom jedoch häufig schwer, sich an Regeln zu halten. Hilfreich sind alternative Angebote wie Förderstunden. Der Unterricht sollte strukturiert ablaufen, sodass wiederkehrende Rituale den Kindern mit Asperger-Autismus Sicherheit bieten. Ruhepausen und Rückzugsmöglichkeiten sollten gegeben sein, ebenso wie eine reizarme Umgebung. Veränderungen jeglicher Art sollten vorher angekündigt werden. Werden diese Kriterien erfüllt, fällt es Autisten leichter, sich in der Situation zurechtzufinden und wohlzufühlen.

Ursachen für Autismus

Die Ursachen für Autismus sind noch nicht abschließend geklärt. Bei manchen Formen scheinen vererbte genetische Auffälligkeiten zu bewirken, dass die Hirnentwicklung abweichend abläuft bezüglich Anatomie und Funktion. In der Folge funktioniert das Gehirn anders.

Begleiterscheinungen des Asperger-Syndroms

Das Asperger-Syndrom kann zusammen auftreten mit:

  • Depressionen
  • Zwangsstörungen oder zwanghaften Persönlichkeitsstörungen
  • ADHS
  • Tourette-Syndrom
  • Magersucht (Anorexia nervosa)

Unterstützung für Menschen mit Asperger und Angehörige

Als erstes gilt es, das Kind in seiner Besonderheit so anzunehmen, wie es ist. Sie unterstützen Menschen mit Asperger, indem Sie Routinen einüben, Rückzugsmöglichkeiten schaffen und Sozialkontakte fördern.

Menschen mit Asperger-Autismus müssen sehr zeitintensiv üben, was anderen intuitiv gegeben ist: Mimik zu deuten, in Gesprächssituationen zu reagieren, veränderte Alltagssituationen oder Dinge des täglichen Lebens wie Einkäufe zu bewältigen.

Doch der Aufwand lohnt sich, und je früher gezielte psychotherapeutische Maßnahmen beginnen, umso besser lernen Asperger-Autisten mit anderen Menschen umzugehen. Auch das Ausüben eines Berufs entsprechend vorhandener Stärken und Interessen sei wichtig, sagt Tebartz van Elst.

Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter

Erwachsene mit Asperger-Syndrom leben oft zurückgezogen und haben wenige Sozialkontakte. Partnerschaften aufrecht zu erhalten, erleben sie als überfordernd. Doch es gibt auch Asperger-Autisten, denen es gelungen ist, ihre Spezialinteressen beruflich umzusetzen.

Christine Preißmann ist nicht nur eine gefragte Autismus-Expertin, die Fachartikel und Bücher schreibt. Sie ist auch selbst Autistin und ein gutes Beispiel dafür, dass Menschen mit Autismus viel erreichen können. Sie arbeitet als Allgemeinärztin und Psychotherapeutin in einer psychiatrischen Klinik. Dass Menschen mit Asperger-Syndrom ein Studium beginnen und auch abschließen können, komme immer häufiger vor, sagt sie. „Es gibt inzwischen Hilfen. Man kann zum Beispiel einen Studienbegleiter bekommen oder während der Schulzeit bestimmte Nachteilsausgleiche einfordern.“

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Um mehr Akzeptanz zu erreichen, sei es vor allem auch wichtig, ein realistisches Bild vom Autismus zu zeigen – nicht nur den Menschen mit den skurrilen Sonderbegabungen oder das Kind, das schaukelnd in der Ecke sitzt. „Man muss zeigen, dass wir trotz autistischer Störung oft ganz normale Menschen sind, die dabei sein möchten und auch dabei sein können, wenn sich alle ein bisschen Mühe geben“, sagt Preißmann.

Sozialverband VdK Deutschland e.V.

Kinder mit Asperger-Syndrom: Wozu „Hallo“ und „Tschüss“ sagen?

Kinder mit Asperger-Syndrom müssen menschliches Miteinander erst lernen

Bereits bei Kindern im Alter von vier Jahren macht sich das Asperger-Syndrom, eine autistische Störung, bemerkbar. Soziale Rituale wie grüßen, Blickkontakt suchen und anderen Menschen Interesse entgegenbringen, beherrschen Asperger-Autisten nämlich nicht. Bis die richtige Diagnose gestellt wird, vergehen aber oft viele Jahre.

Beim Asperger-Syndrom dauert es manchmal Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Manchmal treten die typischen Eigenheiten bei Kindern erst mit Schuleintritt zutage. | © Foto: Bilderbox.com

Carsten Meinen (Name von der Redaktion geändert) ist kein gewöhnlicher Jugendlicher. Anstatt in seiner Freizeit mit Freunden etwas zu unternehmen, vertieft sich der 18-Jährige in die komplexen Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs. Wenn im Dezember der neue Fahrplan für das darauffolgende Jahr veröffentlicht wird, ist das für ihn wie ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Das 1400 Seiten umfassende Fahrplanbuch des Hamburger Verkehrsverbunds studiert er akribisch. Selbst kleinste Unterschiede zum Vorjahresplan bleiben ihm nicht verborgen. Carsten hat ein außerordentlich gutes Gedächtnis. Und er ist Asperger-Autist.

Mitschüler nicht beachtet

Carstens Mutter Ulrike Meinen (Name von der Redaktion geändert) erinnert sich, dass sein Verhalten erst in der Grundschule problematisch wurde. Er kam zwar gut mit dem Stoff klar und war höflich und angepasst. „Doch er hatte keinerlei Interesse an Gleichaltrigen“, erzählt die Schleswig-Holsteinerin. Ihr Sohn verstand nicht, wozu er zu seinen Mitschülern am Morgen „Hallo“ sagen sollte.

Häufig treten bei Kindern mit Asperger-Autismus diese Eigenheiten erst in der Schule zu Tage. Im Kindergarten fallen Asperger-Kinder nämlich nicht so auf, weil das Sozialverhalten der Kinder erst schwach ausgeprägt ist. „Hinzu kommt, dass die meisten Menschen mit Asperger-Syndrom im Vergleich zu Menschen mit schweren autistischen Störungen normal intelligent sind“, sagt Professorin Christine Freitag, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Klinikum der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Auch die Sprachentwicklung verläuft gewöhnlich. Im Schulalltag jedoch wird von Kindern mehr Selbstständigkeit erwartet. Hier stoßen autistische Schüler schnell an ihre Grenzen, erklärt die Expertin. Ausdrucksformen, wie etwa Ironie oder gegenseitiges Necken, verstehen sie nicht, und soziale Kontakte zu Mitschülern können sie nicht aufbauen. Autistische Kinder werden daher leicht zu Opfern von Hänseleien auf dem Schulhof.

Auch zu Hause war oft die Hölle los, erzählt Ulrike Meinen. Wann immer etwas nicht seinen gewohnten Lauf nahm, bekam Carsten Wutanfälle. Er verstand beispielsweise nicht, warum er im Winter an der frischen Luft Mütze und Schal tragen sollte. Er hatte kein normales Kälteempfinden. Auch ein friedliches Abendessen konnte in einem Fiasko enden, wenn etwa Blumenkohl anstatt Erbsen auf dem Teller lag. Das extreme Verhalten gab den Eltern Rätsel auf. Schulpsychologen und Ärzte wussten auch nicht weiter. Erst mit Unterstützung des Hamburger Autismus-Instituts wurde schließlich beim damals zwölfjährigen Carsten die Diagnose „Asperger-Autismus“ gestellt. „Es war eine große Erleichterung“, sagt Ulrike Meinen. „Endlich konnten wir gezielt helfen.“

Welche sinnvollen Therapien es für Kinder mit Asperger-Autismus gibt, erläutert Professorin Christine Freitag. In Spiel- und Gruppentherapien können die Betroffenen soziales Verhalten lernen. „Wie man teilt, wie man sich begrüßt und verabschiedet, Geben und Nehmen, mit Konflikten umgehen, Freundschaften pflegen – das ist alles eine Sache der Übung“, betont die Expertin. Auch daheim sollte für klare Strukturen gesorgt und einer Reizüberflutung, die autistische Kinder schnell überfordert, vorgebeugt werden.

Gute Perspektiven

Und in der Schule? „Es ist von großem Vorteil, wenn die Schule gegenüber behinderten Kindern tolerant ist“, betont Freitag. Es kann sinnvoll sein, mit den Schulbehörden über eine Sonderregelung für Schulpausen zu sprechen, damit das autistische Kind im Klassenzimmer bleiben darf. Eltern können zudem einen Integrationshelfer beantragen, der das betroffene Kind in der Schule unterstützt. Auch Selbsthilfegruppen sind wertvoll. Im Gespräch mit gleichgesinnten Eltern ergeben sich oft neue Blickwinkel auf die eigene Situation.

„Die Perspektiven für Asperger-Autisten sind gut“, betont Professorin Freitag. Studien aus Schweden weisen darauf hin, dass etwa 20 Prozent der Betroffenen im Erwachsenenalter selbstständig ihren Alltag meistern können. Auch im Berufsleben gibt es Möglichkeiten, etwa dort, wo wenig kommuniziert werden muss und es auf logisches Denken und sehr genaues Überprüfen ankommt.

Dass der 18-jährige Carsten sich für den öffentlichen Nahverkehr begeistert, ist bei Kindern und Jugendlichen mit Asperger-Autismus ein häufig anzutreffendes Hobby, bestätigt Freitag. Für die Betroffenen ist charakteristisch, dass sie ein ganz spezielles Interesse entwickeln. Andere Kinder mit Asperger-Syndrom können fantastisch zeichnen oder kennen sich mit Meteorologie aus. Auf „ihrem“ Gebiet sind sie fast unschlagbar. (ant)

Hintergrund

Autismus ist eine relativ häufige Behinderung. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt der Anteil an autistischen Menschen weltweit bei etwa einem Prozent. Davon wiederum sind rund 20 Prozent vom Asperger-Syndrom betroffen.

Namensgeber dieser autistischen Störung ist der österreichische Kinderarzt Hans Asperger, der bereits in den 1940er-Jahren das Erscheinungsbild der Krankheit beschrieb. Erst nachdem seine Publikationen in den 1970er-Jahren in englische Sprache übersetzt wurden, widmeten sich Experten international dem Asperger-Syndrom, und ein Diagnose-Verfahren wurde entwickelt.

Über die genauen Ursachen der Erkrankung ist wenig bekannt. Experten vermuten eine starke genetische Veranlagung. Jungen sind etwa dreimal häufiger von Asperger-Autismus betroffen als Mädchen.

Asperger Syndrom bei Kindern

Das Asperger Syndrom zählt zum breiten Spektrum autistischer Störungen. Es hat großen Einfluss auf die kommunikativen und sozialen Fähigkeiten der betroffenen Kinder und Jugendlichen und beeinflusst stark deren kognitive und emotionale Entwicklung. Der Asperger-Autismus äußert sich zudem durch z.T. stereotype Verhaltensweisen und ein zwanghaftes Festhalten an Ritualen und täglichen Abläufen. Darüber hinaus zeigen die Betroffenen eine oft eingeschränkte Selbstwahrnehmung und geringes Einfühlungsvermögen in andere Menschen.

Asperger-Autisten verfügen oft über eine hervorragende Intelligenz. Das Asperger Syndrom kann auch in Kombination mit anderen psychischen Störungen wie beispielsweise ADHS auftreten, wobei es dann Überschneidungen bei den Symptomen gibt. Klärung schafft hier fachliche Asperger Diagnostik.
Das prägnanteste Merkmal bei Autismus-Erkrankungen ist, dass die Betroffenen zwar die von ihrer Umgebung ausgehenden Reize sinnlich wahrnehmen, aber nicht richtig verarbeiten, koordinieren und einordnen können. Das heißt konkret: Der an einer autistischen Störung Leidende versteht das Verhalten seiner Mitmenschen nur mangelhaft, kann sich in diese nicht hineinversetzen und verfügt über zu geringe kommunikative Kompetenzen, selbst sein Verhalten daran zu orientieren. Das Ergebnis ist die Entwicklung eines zwanghaft wiederkehrenden, aus der Sicht des Betroffenen möglicherweise „sicheren“ Verhaltens, das immer nach dem ähnlichen Schema abzulaufen hat und relativ wenig flexibel ist.

Mangel an Einfühlungsvermögen

Das Asperger Syndrom ist eine Störung, durch die auch das Selbstwertgefühl der Betroffenen stark in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Sie spüren die Irritationen, die sie in der sozialen Interaktion hervorrufen und erkennen die Grenzen ihrer Kommunikationsfähigkeiten. Das Ausmaß dieser Selbstwahrnehmung ist jedoch sehr unterschiedlich. Es gibt durchaus auch Asperger Patienten, die ihre Grenzen zwar bemerken, dadurch jedoch keinerlei Leidensdruck aufweisen. Dann sind die Behandlungsmöglichkeiten auf Verhaltensebene begrenzt; für Veränderungen muss eine eigene Motivation vorhanden sein.

Kindern mit Asperger-Syndrom soziale Regeln genau erklären

Kinder, die an einer autistschen Erkrankung leiden, müssen die Regeln des sozialen Umgangs mühsam lernen. Das stellt besondere Anforderungen an die Erziehung …

Da sich Autismus-Formen wie das Asperger-Syndrom in erster Linie durch soziale Defizite zeigen, stehen Eltern vor dem Problem, wie sie ihrem Kind soziale Regeln nahebringen können. Deshalb sollten Kinder so früh wie möglich den zwischenmenschlichen Umgang lernen, also wie sie jemanden begrüßen oder verabschieden, wie man sich bei Tisch verhält und worüber sie in der Öffentlichkeit besser nicht sprechen. Angemessener Blickkontakt, Gestik und Mimik gehören auch dazu. Allerdings ist es wegen des fehlenden oder begrenzten emotionalen Einfühlungsvermögens – anders als bei gesunden Kindern – häufig notwendig, sehr genau zu erklären, warum und wie die sozialen Regeln einzuhalten sind. Nur so kann das Kind die Regeln und Strukturen im Rahmen seiner Möglichkeiten lernen. Darüber hinaus sollten Lob oder Konsequenzen stets direkt erfolgen, damit das Kind die Folgen seiner Handlungen erkennen kann. Jedoch sollten Eltern es vermeiden, an zu vielen Themen zugleich zu arbeiten, um das Kind nicht zu überfordern. Das Kind sollte Erfolgserlebnisse haben. Eltern können Sie anfangs Hilfestellungen geben, die sie dann mit der Zeit weglassen.

Das Asperger-Syndrom ist eine kindliche autistische Erkrankung, die sich mit einer schweren Kontaktstörung manifestiert und damit das Familienleben stark belastet. Betroffene Kinder und Jugendliche haben kein natürliches Verständnis für Gefühle, Gedanken und Wünsche anderer. Das drückt sich aus in ihrem Verhalten (Gesten, Mienenspiel, Blickkontakt) und in der Unfähigkeit, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Die Erziehung eines am Asperger-Syndrom erkrankten Kindes ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten, besonders natürlich für die Eltern und die Familie.

Ebenfalls sehr wichtig ist es, andere Menschen, die häufig Kontakt mit dem betroffenen Kind haben, über die Situation aufzuklären: Kinder mit Asperger-Syndrom wirken nach außen oft unauffällig und ihr überraschend schwieriges Verhalten kann Unverständnis und Ärger provozieren, wenn die Mitmenschen nicht eingeweiht sind. Besonders ausführlich sollten Sie mit Erziehern und Lehrern sprechen. Der betreuende Kinder- und Jugendarzt und der Kinder- und Jugendpsychiater können dabei behilflich sein.

Asperger-Kinder

Die auffälligsten Probleme von Kindern mit Asperger-Syndrom liegen im Umgang mit anderen Menschen: Sie finden es schwierig zu verstehen, was andere denken und fühlen. Und sie verstehen oft nicht, wie sie sich verhalten sollen.
Asperger-Kinder sind normal intelligent. Gerade deshalb ist es für ihr Umfeld oft unbegreiflich, dass das Kind manchmal “die einfachsten Dinge nicht versteht”.
Kinder mit Asperger-Syndrom wünschen sich zwar oft, “dazuzugehören” und Freundschaften zu haben. Aber sie haben große Schwierigkeiten, freundschaftliche Kontakte zu knüpfen. In Gruppen sind sie oft außen vor. Sie brauchen Unterstützung, um soziale Kontakte zu knüpfen.
Das Asperger-Syndrom ist gehört zum Autismus-Spektrum.
Wenn du dich fragst, ob dein Kind das Asperger-Syndrom hat, kann dir unser Asperger-Test eine erste Einschätzung geben.

Asperger-Syndrom und frühkindlicher Autismus: Das sind die Unterschiede

Asperger-Syndrom frühkindlicher Autismus
Schwierigkeiten mit sozialer Interaktion große Schwierigkeiten mit sozialer Interaktion
keine Verzögerung der Sprachentwicklung verzögerte Sprachentwicklung, sprechen manchmal gar nicht
normale bis überdurchschnittliche Intelligenz Intelligenz sehr unterschiedlich, oft schwierig zu testen
oft motorische Ungeschicklichkeit keine motorischen Auffälligkeiten
Auffälligkeiten oft erst im Kindergarten- und Schulalter; Durchschnittsalter bei Diagnose: 8 Jahre Auffälligkeiten und Diagnose schon in den ersten Lebensjahren

Merkmale von Kindern mit Asperger-Syndrom

Auf manche Asperger-Kinder treffen viele oder fast alle Punkte dieser Liste zu, auf andere nur ein paar. Jedes Kind ist anders. Diese Liste zeigt, welche Besonderheiten viele Kinder mit Asperger-Syndrom haben – nicht alle.

  • Sie finden es schwierig, Freundschaften zu schließen. Oft werden sie gehänselt oder sogar gemobbt.
  • Sie haben eine verzögerte soziale Reife und soziales Verständnis.
  • Sie haben Schwierigkeiten, ihre Gefühle zu kontrollieren.
  • Sie haben oft ein besonders starkes Interesse an einem bestimmten Thema. Das Interessengebiet kann gewöhnlich oder sehr ungewöhnlich sein.
  • Sie sind detailorientiert, manchmal perfektionistisch und übergenau.
  • Sie brauchen oft Unterstützung mit organisatorischen oder lebenspraktischen Fähigkeiten.
  • Sie haben ein ungewöhnliches Profil von Stärken und Schwächen im Lernvermögen.
  • Sie sind oft tolpatschig und haben eine schlechte Koordination des Körpers oder eine auffällige Haltung.
  • Sie sind sehr empfindlich gegenüber bestimmten Geräuschen, Gerüchen, Geschmäckern, Berührung oder ähnlichem.

Soziale Kommunikation

Soziale Kommunikation ist die Verständigung mit anderen Menschen.

  • Ihre sprachlichen Fähigkeiten sind ungewöhnlich verteilt: Ein Kind kann zum Beispiel einen großen Wortschatz und komplexe Grammatik haben. Gleichzeitig hat das Kind Probleme, ein Gespräch zu führen, und einen ungewöhnlichen Satzrhythmus oder Tonfall.
  • Asperger-Kinder verstehen Gesagtes manchmal wörtlich, auch wenn es ironisch oder sarkastisch gemeint war.
  • Sie haben Schwierigkeiten, implizierte Bedeutungen zu verstehen. Aus der Aussage “Mir ist kalt” leiten sie zum Beispiel nicht die Aufforderung ab: “Mach das Fenster zu.”
  • Sie sind oft die letzten, die einen Witz verstehen.
  • Ihre Art zu sprechen kann monoton, flach und roboterhaft klingen, oder altklug, pedantisch und formal. Manche Kinder klingen, als würden sie zitieren oder eine Rolle in einem Theaterstück spielen.
  • Sie haben Probleme, Gesichtsausdrücke oder Körpersprache zu verstehen. Ein Asperger-Kind bemerkt vielleicht nicht, dass es streng angeschaut wird. Oder es weiß nicht, auf wen oder was sich der strenge Blick bezieht.
  • Der Blickkontakt kann auffällig sein. Vielleicht nimmt das Kind nur selten Blickkontakt auf oder es nutzt ihn nicht zur Kommunikation.
  • Sie finden es schwierig, an den Augen anderer zu erkennen, wie diese sich fühlen.
  • Sie haben Schwierigkeiten mit der Wechselseitigkeit in einem Gespräch: Vielleicht reden sie zu viel oder zu wenig. Oder sie wissen nicht, wann sie dran sind mit Sprechen. Oder sie reden nur über Dinge, die sie selbst interessieren und verstehen nicht, dass ihr Gegenüber das Thema langweilig findet.
  • Sie können lange Vorträge über ihre Lieblingsthemen halten. Aber sie finden es vielleicht schwierig, eine Geschichte zu erzählen. Oder zu erzählen, was sie an diesem Tag gemacht haben.
  • Sie sprechen oft zu laut oder zu leise.

Soziale Interaktion

AdvertisementsSoziale Interaktion ist der Umgang mit anderen Menschen.

  • Kinder mit Asperger-Syndrom haben Probleme zu erkennen, was andere Menschen denken oder fühlen. Sie finden es schwierig, Dinge aus der Perspektive einer anderen Person zu sehen. Deshalb verstehen sie oft nicht, warum Menschen etwas tun. Und sie können schwer vorhersagen, was als nächstes passieren wird.
  • Sie haben Schwierigkeiten zu erkennen, wie es anderen geht, oder wie andere über eine bestimmte Situation denken. Auch dann, wenn das für Gleichaltrige offensichtlich ist.
  • Oft werden sie als unhöflich oder arrogant eingeschätzt. Auch dann, wenn sie versuchen, freundlich zu sein.
  • Sie sind sehr ehrlich. Auch in Situationen, in denen das nicht angebracht ist.
  • Sie brauchen länger als andere Kinder, um zu lernen, wie man andere überzeugt, Kompromisse schließt und Konflikte löst.
  • Oft spielen sie lieber mit deutlich jüngeren oder älteren Kindern, oder bevorzugen die Gesellschaft von Erwachsenen.
  • Sie haben Probleme zu erkennen, wenn etwas peinlich ist. Deshalb verhalten sie sich manchmal unpassend.
  • Sie haben Schwierigkeiten, persönlichen Raum einzuschätzen. Zum Beispiel stehen sie zu nah bei ihrem Gegenüber oder zu weit weg. Manche Asperger-Kinder gehen sehr unbefangen auf fremde Leute zu und fassen diese auch an. Das ist bei Kleinkindern normal, aber spätestens bei Jugendlichen wird es zum Problem.
  • Sie brauchen länger, um soziale Botschaften zu verarbeiten, weil sie dazu Intelligenz statt Intuition verwenden.
  • Soziale Interaktion oder auch die bloße Anwesenheit anderer Menschen laugt sie körperlich und emotional aus. Sie brauchen danach die Möglichkeit, sich davon zu erholen.
  • Erwachsene finden manchmal, dem Kind mangelt es an “gesundem Menschenverstand”.

Gefühle verstehen und ausdrücken

  • Kinder mit Asperger-Syndrom hängen Gleichaltrigen in ihrer emotionalen Reife mindestens drei Jahre hinterher.
  • Sie haben oft einen begrenzten Wortschatz, um Gefühle zu beschreiben. Ihrem Ausdruck von Gefühlen fehlt es an Vielfalt und feinsinnigen Unterscheidungen.
  • Menschen mit Asperger-Syndrom haben ein höheres Risiko, affektive Störungen zu entwickeln. Affektive Störungen sind Stimmungsstörungen: Das Gefühls- und Gemütsleben ist gestört. Dazu gehören z.B. Depression, Angststörungen, Probleme mit der Aggressionsbewältigung und der Kommunikation von Liebe und Zuneigung.

Eines von drei Kindern und Erwachsenen mit Asperger-Syndrom hat eine klinische Depression.

Tony Attwood

Routinen und Spezialinteressen

Manche Kinder mit Asperger-Syndrom bestehen darauf, dass bestimmte Dinge in einer ganz bestimmten Reihenfolge getan werden. Sie sind aufgewühlt, wenn sich daran etwas ändert.
Kinder mit Asperger-Syndrom haben oft Schwierigkeiten mit Veränderungen. Sie mögen es, wenn der Tagesablauf vorhersehbar ist. Wenn der Schulweg an einem Tag anders ist als sonst, kann das ein großes Problem für ein Asperger-Kinder sein. Die Welt ist plötzlich in Unordnung. Der ganze Tag fühlt sich chaotisch an.
Kleinigkeiten können die Welt eines Asperger-Kindes durcheinanderbringen: eine andere Anordnung der Möbel im Flur, ein anderer Teller, neue Schuhe.
Kinder mit Asperger-Syndrom haben manchmal bestimmte Angewohnheiten im Alltag, die andere Menschen nicht sinnvoll finden, die auf das Kind aber beruhigend wirken und helfen, die innere Ordnung wiederherzustellen. Sie berühren vielleicht jeden Zaunpfeiler auf einem bestimmten Weg oder zählen die Autos.
Asperger-Kinder haben oft ein besonders starkes Interesse an einem bestimmten Thema. Das Interessengebiet kann sehr ungewöhnlich sein. Es kann auch eine besonders ausgeprägte Beschäftigung mit einem altersüblichen Interessengebiet sein.

  • Solche Spezialinteressen können sich schon bei Zwei- oder Dreijährigen entwickeln. Sie können sich bei Kleinkindern auf Teile von Gegenständen richten: Zum Beispiel sich drehende Räder eines Spielzeugautos, oder das Ein- und Ausschalten von Lichtschaltern.
  • Später sind die Kinder vielleicht fasziniert von etwas, das kein Spielzeug ist, vielleicht mit einer bestimmten Kategorie von Gegenständen. Vielleicht sammeln sie viele solcher Gegenstände.
  • Dem Sammeln von Gegenständen kann sich weiterentwickeln zur Sammlung von Fakten und Zahlen über ein bestimmtes Thema.
  • Die Kinder bringen sich den größten Teil des Wissens über ihr Interessengebiet selbst bei.
  • Jugendliche haben oft umfassende Kenntnisse in ihrem Spezialgebiet, die über bloßes Faktenwissen hinausgehen. Das Interesse kann sich zum Beispiel auf Elektronik und Computer oder auf Fantasy-Romane richten. Manchmal entsteht auch eine Faszination mit einer bestimmten Person.
  • Die Interessen von Mädchen mit Asperger-Syndrom sind oft unauffälliger. Sie richten sich oft auf Dinge, für die sich auch andere Mädchen interessieren (zum Beispiel Pferde oder Mode). Manche Mädchen mit Asperger-Syndrom richten ihr Interesse eher auf Romane und Geschichten als auf die Sammlung von Fakten.

Spezialinteressen haben mehrere Funktionen:

  • Sie machen Spaß.
  • Sie wirken entspannend.
  • Sie helfen, Ängste zu bewältigen.
  • Sie helfen, das Leben vorhersagbarer und (gefühlt) sicherer zu machen.
  • Sie helfen, die Welt zu verstehen.
  • Sie schaffen eine Gegenwelt.
  • Sie helfen, eine eigene Identität aufzubauen.
  • Sie helfen, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und die eigenen intellektuellen Fähigkeiten zu zeigen.

Spezialinteressen können eine Quelle des Vergnügens, Wissen, der Identität und des Selbstbewusstseins sein. Sie können von Eltern, Lehrkräften und therapeutischen Fachkräften konstruktiv genutzt werden.
Solche Interessen können nicht nur der Person mit Asperger-Syndrom nutzen, sondern auch der Gesellschaft: Viele technische und wissenschaftliche Fortschritte, aber auch künstlerische Leistungen entstanden aus einer solchen intensiven Beschäftigung mit einem Thema.

Kognitive Fähigkeiten

Mit kognitiven Fähigkeiten meint man die Fähigkeit zu denken und zu verstehen.

Einige Asperger-Kinder stechen zu Beginn der Schulzeit durch schulische Leistungen heraus, die weiter sind als die ihrer Klassenstufe.
Manche Asperger-Kinder sind hochbegabt, andere haben große Mühe mit schulischen Aufgaben.
Typisches Profil kognitiver Fähigkeiten in der Schule:

  • Die Lehrkräfte erkennen bald, dass das Kind einen besonderen Lernstil hat:
    • Es hat eine Begabung, die logische und physikalische Welt zu verstehen,
    • bemerkt Details,
    • hat ein gutes Gedächtnis und
    • kann Fakten in Systeme einordnen.
  • Viele Asperger-Kinder können sich zwar intensiv in etwas vertiefen. Aber im Klassenzimmer oder einer vergleichbaren Umgebung lassen sie sich leicht ablenken.
  • Wenn sie ein Problem lösen sollen, versuchen sie das hartnäckig auf eine einzige Art und Weise, statt mehrere Herangehensweisen auszuprobieren. Oft haben sie Angst davor zu versagen.
  • Im weiteren Verlauf der Schullaufbahn bemerken die Lehrkräfte Probleme mit organisatorischen Dingen, besonders mit den Hausaufgaben.
  • Viele Asperger-Kinder finden Fächer schwierig, in denen sie verstehen müssen, warum jemand etwas tut. Das betrifft zum Beispiel die Interpretation von Literatur und den Geschichtsunterricht (zumindest in den höheren Klassen).
  • Wenn ein Asperger-Kind in der Schule keine Freunde findet, wird der Erfolg in schulischen Leistungen wichtiger. Denn dieser wird zur Motivation, zur Schule zu gehen. Er wird auch für die Entwicklung des Selbstbewusstseins wesentlich.

Motorik und Koordination

Mindestens 60% der Asperger-Kinder wirken unbeholfen oder tolpatschig. Mehrere Studien haben aber gezeigt, dass fast alle Kinder mit Asperger-Syndrom spezifische Besonderheiten in der Bewegung haben. Bei vielen von ihnen fällt das nicht auf.

  • Die Koordination von Asperger-Kindern beim Gehen oder Rennen kann unreif wirken, und Erwachsene mit Asperger-Syndrom haben oft eine merkwürdige Haltung oder einen steifen, ungelenken Gang.
  • Manche Kinder mit Asperger-Syndrom haben Schwierigkeiten, einen Ball zu fangen, zu werfen oder zu kicken.
  • Lehrkräfte und Eltern machen sich Sorgen über Probleme mit der Handschrift.
  • Manche Sportarten sind davon nicht betroffen, zum Beispiel Schwimmen, Reiten oder Trampolin springen.

Auch wenn es zunächst wenig intuitiv erscheint: Der Grund für die motorische Ungeschicklichkeit liegt in Besonderheiten der Wahrnehmungsverarbeitung. Es gibt einen Sinn für die Wahrnehmung unseres eigenen Körpers: die Propriozeption. Dieser Sinn sagt uns, wo wir uns im Raum befinden und welche Lage unser Körper einnimmt. Wenn wir unseren Körper nicht gut wahrnehmen, sind unsere Bewegungen ungeschickt und wenig elegant.

Wahrnehmung

Augen und Ohren funktionieren bei Asperger-Kindern gleich wie bei anderen Menschen. Aber ihr Gehirn verarbeitet anders, was sie sehen und hören. Sie spüren manche Reize stärker als andere Menschen, und andere Reize schwächer.

  • Solche Reize können zum Beispiel sein:
    • bestimmte Geräusche
    • Berührungen
    • “kratzende” Kleidung auf der Haut
    • grelles Licht, Neonröhren, flackerndes Licht
    • Geschmack und Konsistenz von Essen
  • Es gibt keine richtige oder falsche Wahrnehmung. Aber unsere Gesellschaft ist für nicht-autistische Menschen gemacht. Die stört es meistens nicht, wenn Neonlichter flackern oder Staubsauger brummen. Deshalb ist die Welt für Asperger-Kinder oft zu laut, zu grell oder zu durcheinander.
  • Asperger-Kinder werden in einer Umgebung mit vielen Reizen manchmal überwachsam, angespannt und leicht ablenkbar. Das gilt zum Beispiel für das Klassenzimmer. Dort wissen sie nicht, welche schmerzhafte sensorische Empfindung sie als nächstes überfällt.

Mehr über Wahrnehmungsverarbeitung
Mehr über das Asperger-Syndrom findest du unter:

  • Was ist das Asperger-Syndrom?
  • Die Entdeckung von ‘Aspie’: Was wäre, wenn das Asperger-Syndrom anhand seiner Stärken definiert wäre?
  • Online-Test Autismus-Spektrum
  • Autismus-Merkmale bei Kindern

Psychiatrie, Psychosomatik & Psychotherapie

Was ist das Asperger-Syndrom?

Das Asperger-Syndrom und der frühkindliche Autismus unterscheiden sich im Wesentlichen durch ihre Entwicklung. Die kommunikativen und sprachlichen Fähigkeiten von Kindern mit Asperger-Syndrom sind – im Gegensatz zu Patienten mit frühkindlichem Autismus – in den ersten drei Lebensjahren unauffällig. Erste Schritte zum Selbstständigwerden und die Neugier an ihrer Umgebung sind vorhanden. Die motorische Entwicklung tritt zum Teil verzögert ein.

Diese Form des Autismus wird daher meist erst im Vorschul- oder Schulalter deutlich. Obwohl die Kinder oft durchschnittlich intelligent sind, haben sie häufig in Kindergarten und Schule Schwierigkeiten. Sie weisen eine gestörte soziale Interaktion und stereotype Verhaltensmuster auf – in vielen Fällen aber schwächer ausgeprägt als beim frühkindlichen Autismus. In der Regel zeigen sich diese Auffälligkeiten beim gemeinsamen Spielen mit gleichaltrigen Kindern, an dem Kinder mit Asperger Syndrom entweder kein Interesse haben oder es nach eigenen Regeln spielen wollen, so dass es oft zu Streit kommt.

In bestimmten Wissensbereichen, die das Allgemeinwissen deutlich dominieren, können Personen mit Asperger Syndreom häufig erstaunliche Fähigkeiten, Kenntnisse und Gedächtnisleistungen zeigen (Inselbegabung).

Schüler mit Asperger-SyndromDie Regelschule ist eine Herausforderung

Von Susanne Lohse, Stuttgart

Unterricht an einer Schule in Prenzlau: Kinder mit Asperger-Syndrom sind von den Reizen im Klassenraum oft überfordert. (picture-alliance / dpa / Patrick Pleul)

Kinder mit Asperger-Syndrom wünschen sich vor allem eines: Normalität. Viele von ihnen besuchen deshalb eine Regelschule – und stoßen dort schnell an ihre Grenzen. Doch mit einem Helfer an der Seite kann der Schulalltag gelingen.

Der Rückblick auf ihre Schulzeit löst bei Deborah, Paul und Johannes Nachdenken aus.

Deborah: „Das war unglaublich laut, und sich da zu konzentrieren, ich glaube, das würde jedem schwer fallen und natürlich einem Aspi noch viel schwerer…“

Paul: „Schützen kann man sich sehr schwierig, weil halt so was wie vorbei fliegende Vögel oder Lautstärke, die sind in der Schule einfach immer gegeben.“

Johannes: „Die Regelschulen sind prinzipiell auf Leistung ausgelegt, das ganze Schulnotensystem, was wir haben, dass man einfach nur am Ende des Schuljahres nach den schriftlich fixierten Leistungen beurteilt wird und eben nicht nach sonstigen Leistungen, die man erbracht hat.“

Deborah, Paul und Johannes haben das Asperger-Syndrom, eine Sonderform von Autismus. Ihre Wahrnehmung ist anders als die gewöhnlicher Menschen. Ihr Gehirn kann Reize und Informationen nicht filtern. Eine Landschaft, eine Situation ist wie tausend Puzzleteile auf einmal, die es zusammen zu setzen gilt. Anders als gemeinhin bei Autisten angenommen, sind Asperger normal bis hoch intelligent und sie können sprachlich gut kommunizieren. Dennoch fällt ihnen die Bewältigung des Alltags schwer. Deborahs Mutter Sabine wie auch die Mütter des 13-jährigen Marc und des 17 Jahre alten Pavel, die selbst nicht ans Mikrofon wollten, Gesina und Lisa, erinnern sich, dass ihre Kinder von klein auf anders waren als andere Kinder.

Sabine: „Sie war nie sehr belastbar, einerseits stark und voller Willen und dann auch wieder müde, weil sie sich immer so verausgabt hat. In allem, was sie macht oder tut, gibt sie alles, 300 Prozent…“

Gesina: „Die Grundschulzeit lief für ihn sehr gut ab. In den Vormittagsstunden, wo eben nach Stundenplan unterrichtet wurde und er genau wusste, erst kommt dieses Fach, danach kommt jenes Fach und diese Lehrerin und jene Lehrerin, lief es wunderbar. Schwierig war es eher im Hort, wo es eine offene Gruppe gab…“

Lisa: „Wenn er zuhören kann, nimmt er alles auf und speichert auch, was er da hört. Das Problem ist aber, dass er meistens nicht mal den Satz zu Ende hört, ohne abgedriftet zu sein.“

Über 300.000 Autisten leben in Deutschland

Für Lehrer und Mitschüler stellen Asperger eine große Herausforderung dar. Sie verstehen das Verhalten der anderen Kinder nicht, ihnen fehlt das intuitive Wissen, was Lehrer im sozialen Umgang von ihnen erwarten. Das führt dazu, dass Asperger oft isoliert sind. Mit ihrem auffälligen Verhalten ecken sie schnell an. Hinzu kommt: Kein Autist und auch kein Asperger gleicht dem anderen. Die Schulleiterin Elke Imberi aus Karlsruhe musste das selbst erst lernen.

Elke Imberi: „Zuallererst haben wir die Erfahrung gemacht, dass das Asperger-Syndrom ganz, ganz viele Schattierungen hat, ganz, ganz viele Seiten hat. Von den vier Kindern, die wir an der Schule hatten, glich keines dem anderen. Jedes Kind hatte eine andere Ausprägung und auch einen anderen Schwerpunkt.“

Auf 1.000 Menschen kommen sechs Autisten, sagt die Statistik. Das bedeutet, auf die Bevölkerung von Deutschland hochgerechnet, leben zwischen 300.000 und 400.000 autistische Menschen unter uns. Jeder kennt vermutlich einen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Fachleute schätzen zudem, dass viele, vor allem Aspergerautisten, zeitlebens unerkannt bleiben. Der Psychologe Rolf Seemann leitet in Karlsruhe das Autismus-Beratungszentrum und sammelt seit fast 20 Jahren Daten und Fakten zu Menschen mit Autismus.

Rolf Seemann: „Es gibt sicher eine Dunkelziffer von Menschen mit Autismus, die auch wirklich so durchs Leben kommen und die wir nie sehen. Die das vielleicht für sich wissen oder erahnen, die nie Hilfe brauchen. Die wird‘s auch geben. Dann haben sie sich eine Welt gestaltet, die für sie selbst passt. Das ist dann ja auch in Ordnung so.“

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung und zählt zum Kreis seelischer Behinderungen. Eine Krankheit im Sinne der Krankenkassen ist Autismus nicht. Wegen der Breite der Erscheinungsformen spricht man heute vom Autismus-Spektrum. Die neuen Diagnosekriterien könnten eine Erklärung sein, warum Autismus scheinbar zugenommen hat. Von einer Modediagnose will der Psychologe Rolf Seemann nicht sprechen. Bislang seien noch gar nicht alle Autisten erfasst. Die Psychologin Ulla Mosthaf macht weitere Gründe für die gefühlte Zunahme aus.

Ulla Mosthaf: „Man könnte sich überlegen, dass unsere gesellschaftlichen Bedingungen heutzutage mit dazu beitragen, dass ein Kind, was eine autistische Ausstattung hat, eher besondere Verhaltensweisen entwickelt oder eher problematisch wird oder eher auch leidet an der ganzen Situation. Dadurch, dass es heute sehr vielen schulischen Anforderungen ausgesetzt ist, sehr viele sozialen Fähigkeiten auch von ihnen auch erwartet werden und auch in der Regel der Nachmittag, das Wochenende sehr anspruchsvoll ist, durchstrukturiert, und es selber nicht mehr so viele Möglichkeiten hat, sich zu regenerieren, was vielleicht früher, wo Kinder den Nachmittag oder das Wochenende zur freien Verfügung hatten, eher mal möglich war.“

Die Diagnose als Segen

Wie Autismus entsteht, liegt noch im Dunkeln. In der Diskussion sind Erklärungsmodelle, die genetische Faktoren, das Alter der Eltern sowie andere die Schwangerschaft beeinflussende Umstände heranziehen. Aufnahmen aus der Magnetresonanztomographie zeigen, dass die Nervenzellen im Gehirn von Autisten im Zentrum für Sprache, Kommunikation und soziale Kontakte anders verschaltet sind als bei Nicht-Autisten. Autismus und somit auch das Asperger-Syndrom sind daher nicht heilbar. Ziel einer frühzeitig einsetzenden Therapie ist es dennoch, eine normale Alltagskompetenz zu erlernen. Die Diagnostik machen Kinder- und Jugendpsychiater anhand von beobachtbarem Verhalten. Für Betroffene wie für Eltern bedeutet die Diagnose nicht selten eine Erleichterung.

Sabine: „Einer der emotionalsten Momente meines Lebens…“

Paul: „Die Diagnose war damals für mich ein Segen, weil ich endlich eine Antwort hatte und mir geholfen werden konnte…“

Sabine: „Ich war so erleichtert, weil ich jetzt wusste, was sie ausmacht, dass das jetzt einen Namen hatte. Es war für mich auf der anderen Seite aber auch so erschütternd, indem ich mir so Vorwürfe gemacht habe. Vorwürfe, wie ich meine Tochter 28 Jahre lang unter Druck gesetzt habe und immer versucht habe, sie normal zu machen.“

Die Betroffenen wünschen sich tatsächlich nichts weniger als Normalität. Viele Asperger besuchen deshalb eine Regelschule. Dort allerdings stoßen sie schnell an ihre Grenzen – und die ihrer Umwelt. Zu viel, zu laut, zu unstrukturiert – so ließe sich die Schulsituation aus Sicht der Aperger etwas verkürzt zusammenfassen. Zu verträumt, zu unselbstständig, zu labil die Situation aus Sicht der Lehrer. Die Schulleiterin Elke Imberi und der Sonderpädagoge Jörg Götz-Hege kennen die Konflikte.

Elke Imberi: „Ein Schüler hatte ganz große Probleme, wenn es darum ging, sich in Reihen zum Beispiel aufzustellen, was manchmal im Sportunterricht vorkommt. Der geriet regelrecht außer Fassung, wenn sich jemand plötzlich vor ihn stellte, und seiner Meinung nach unabgesprochen…“

Jörg Götz-Hege: „Dann gibt es eine Menge Unruhe in der Klasse, denn sowohl die Mitschülerinnen und Mitschüler fühlen sich dann oftmals gestört, wie auch eine Orientierung ausbleibt auf den Unterricht.… „

Elke Imberi: „Ein anderer brauchte ab und zu die Ruhe oder es gab Dinge, die bei ihm so praktisch Trigger waren, die so ein Verhalten auslösten. Also Feueralarm oder eine gewisse Lautstärke konnte der überhaupt nicht ertragen. Das hat ihn dann geängstigt und dann ist er zum Beispiel ausgeflippt, fing selber an zu schreien. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus dem eigenen Angstgefühl raus.“

Wann Schulbegleitung Sinn macht

Der Schlüssel zur besseren Beschulung von Aspergern heißt Schulbegleitung. Das bedeutet, das Aspergerkind bekommt einen Helfer an die Seite, der ihn durch den für ihn chaotischen Schulalltag lotst.

Elke Imberi: „Wir hatten auch ein Mädchen, die brauchte manchmal eine Handführung, weil sie auch im feinmotorischen Bereich einfach Schwierigkeiten hatte…“

Jörg Götz-Hege: „Ich denke, Schulbegleitungen sind zunächst einmal notwendig, um sie dann auch sukzessive wieder abzubauen. Also in nicht wenigen Fällen ist das auch gelungen. Aber man muss im Prinzip über die Schulbegleitung den Einstieg finden, um das also schrittweise dann auch wieder abbauen zu können.“

Schulbegleiter gibt es erst seit rund zehn Jahren. Davor schickte man Asperger wegen ihres auffälligen Verhaltens zunächst auf Sonderschulen, also Schulen für Menschen mit einer geistigen Behinderung, später zur besseren Förderung auf Sprachheilschulen oder Schulen zur Förderung emotionaler und sozialer Entwicklung. Viel hängt von der Qualität des Schulbegleiters ab. Die Erfahrungen mit dem Schulbegleiter sind bei Eltern wie auch bei Lehrern unterschiedlich. Was als Hilfestellung gedacht war, entpuppt sich im Alltag leicht als zusätzliches Konfliktfeld. Nicht immer stimmt die Chemie zwischen Lehrer und Schulbegleiter, nicht immer bewilligt der Kostenträger eine ausreichende Zahl an begleiteten Stunden.

Elke Imberi: „Wir sind dankbar, wann diese Kinder mit Schulbegleitung kommen. Aber trotzdem, es ist auch für die Lehrkraft eine neue Situation, wenn plötzlich ein Erwachsener auch immer anwesend ist im Unterricht. Damit muss man auch klar kommen…“

Lisa: „Es hat geholfen, wenn es keine Krankheiten gab. Sobald es an der Schule Krankheiten gab, und das war ja sehr, sehr häufig, mussten die Schulbegleiter irgendwo anders einspringen…“

Gesina: „Es gab da auch wieder Schulhelfer, die dann natürlich als 33. Person in dem Raum saßen, und leider hat halt also der Schulhelfer relativ oft gewechselt.“

Dabei brauchen gerade Asperger Regelmäßigkeit und möglichst wenig Wechsel der Bezugspersonen, kritisieren die beiden Mütter Gesina und Lisa die fehlende Konstanz der Schulbegleiter in der Regelschule. Besonders kompliziert wird es für Lehrer von Klassen mit Aspergerkindern bei außerschulischen Aktivitäten. Elke Imberi:

Elke Imberi: „Das sind wirklich auch die Punkte, die dann unheimlich viel Zusatzarbeit erfordern. Also, ein Schüler hatte besondere Essgewohnheiten. Was muss er dann da akzeptieren, wo ist ein Entgegenkommen, ja? Weil wir wollen ja auch nicht, dass sie immer eine Sondersituation innerhalb der Klasse haben, weil andere Kinder sich schon auch immer an ihnen messen. Ich erinnere mich noch an ein Landschulheim, wo ganz lange nicht klar war, wie wir das lösen können. Es war ein Junge, es war klar, er kann eigentlich nur am Landschulheim teilnehmen, wenn auch der Schulbegleiter in dem Zimmer nächtigt. Auch um den Schulbegleiter zu schützen, musste ich als Schulleitung sagen, so können wir das nicht machen.“

Reizarme Klassenzimmer – auch vorteilhaft für Regelschüler

Außer dem Schulbegleiter sieht das Gesetz eine weitere Hilfe für Menschen mit Asperger vor: den Nachteilsausgleich. Durch dieses Zugeständnis erhält der Asperger beispielsweise mehr Zeit bei Klassenarbeiten, er kann eine mündliche statt einer schriftlichen Prüfung ablegen oder er darf besondere Hilfsmittel wie Computer oder spezielle Arbeitsblätter verwenden. Und doch gingen Pavel und Marc in der Regelschule unter.

Gesina: „Die Schule war jetzt eine ganz normale Schule, wo auch das Klassenzimmer voll war und nicht den Bedürfnissen von Autisten gerecht geworden ist. Also, das Zimmer war viel zu laut. Pavel konnte diese Geräuschkulisse nicht ertragen, konnte auch die vielen anderen Menschen nicht ertragen und hatte weder im Unterricht noch in den Pausen die Ruhe, die er gebraucht hat…“

Lisa: „Er kam oft mit leeren Arbeitsblättern nach Hause und hatte überhaupt gar kein Material, was er lernen konnte. Und dann habe ich mal nachgehakt und hab dann festgestellt, dass er im Unterricht einfach immer abdriftet und nicht mitschreibt, und schon gar nicht mitbekommt, dass er jetzt mitschreiben soll. Also er hat nie wahr genommen, was um ihn herum stattfindet.“

Ganz anders sind die Rahmenbedingungen an der Comeniusschule in Berlin-Wilmersdorf. Hier gibt es eine inklusive Grundschule, jahrgangsübergreifende Kleinklassen, Förderklassen, sowie mehrere Aspergerklassen. Der Klassenteiler bei den Aspergern liegt bei sechs Schülern, die von zwei Lehrern sowie einer weiteren pädagogischen Kraft unterrichtet und betreut werden. Ein Wechsel zwischen den Modulen ist möglich, sagt die Schulleiterin Ulrike Walther.

Ulrike Walther: „In den meisten Klassen sind Teppiche, weil die Kinder auf Geräusche empfindlicher reagieren, aber das ist was, wovon alle Kinder profitieren. Gut strukturierte Unterrichtssituationen, zwischendurch Arbeit in Kleingruppen, mal Arbeit im Teilungsraum. Davon profitieren genauso die Regelkinder. Dass wir hier so viele Abteilungen haben, verstehe ich als Chance, dass wir durchlässig sein können. Wenn wir merken, das ist nicht der richtige Beschulungsort, dann haben wir schon auch die Möglichkeit, zwischen den Abteilungen zu wechseln und nach einem anderen Ort zu suchen. Das muss auch keine Sackgasse sein, auch das kann dann wieder zu einer Reintegration führen.“

600 Kilometer südwestlich von Berlin in Bonn Bad Godesberg liegt die Hebo-Privatschule. Auch sie ist spezialisiert auf Kinder mit besonderen Bedürfnissen wie eben Aspergern. In einem sehr persönlichen Umfeld erfahren die Schüler hier, was es heißt, in der eigenen Besonderheit gesehen zu werden. Wie auf der öffentlichen Comeniusschule in Berlin arbeitet auch die private Hebo-Schule nach einem verhaltenstherapeutischen Ansatz. Alle Lehrer haben eine sonderpädagogische oder therapeutische Zusatzausbildung und schauen genau hin, was die Kinder brauchen. Die pädagogische Leiterin Heide Schmitz weiß, wie frustriert Schüler im ersten Moment sind, wenn sie an ihre Schule kommen.

Heide Schmitz: „Diese Kinder haben eine negative Einstellung zur Schule, weil sie schon viele Misserfolge erlebt haben, und auch das auf der sozialen Ebene oft nicht geklappt hat. Wir versuchen, die Kinder erst mal auch auf einer Beziehungsebene abzuholen, aber auch das gestaltet sich mit autistischen Kindern natürlich etwas schwerer. Deswegen müssen wir da eher in die Verlässlichkeitsstufe gehen – auf allen Ebenen. Ich sage denen dann auch immer, du erwartest ja auch, dass wir im Winter geheizt haben, wir erwarten, dass du pünktlich in den Unterricht kommst. Das ist nicht nur eine Einbahnstraße, sondern wir haben unsere Verpflichtungen und du hast deine Verpflichtungen.“

Auch an der Heboschule sind die Klassenzimmer reizarm eingerichtet, um Ablenkungen möglichst gering zu halten. Bilder hängen so hoch, dass die Schüler ganz bewusst den Blick dorthin wenden müssen. Mit Auszeitkarten können sich Aspergerschüler eine Ruhepause gönnen. Während und auch außerhalb des Unterrichts steht viel Personal zur Verfügung, das Aspergern die Welt von Nicht-Autisten verstehen hilft.

Heide Schmitz: „Das ist echt schwierig, weil die Kinder sich oft subjektiv ungerecht behandelt fühlen, dann führt das meistens zum Konflikt, der Lehrer sagt, du hast dich unmöglich benommen. Das Kind sagt, nein hab ich nicht, die anderen sind doch auch laut. Und dann sagt der Lehrer, jetzt gehst du einfach mal bitte raus. Und dann landen die Kinder bei mir. Und die können mir dann aus ihrer Sicht erzählen, wie ihre momentane Empfindung ist, wie sie das da oben im Unterricht jetzt empfunden haben, und ich kann es nicht korrigieren, weil ich war nicht in der Situation dabei. Das gibt den Kindern erst mal das Gefühl, sie werden ernst genommen in ihren Empfindungen.“

Lernen, was der Gesprächspartner gemeint hat

Geschultes Lehrpersonal weiß, worauf es im Umgang mit Aspergerkindern ankommt. Man kann ihnen nicht einfach ein System überstülpen, für das sie nicht geschaffen sind. Das gilt nicht nur in der Schule. Auch das Gelingen einer Kommunions- oder Konfirmationszeremonie beispielsweise hängt ganz wesentlich davon ab, wie weit sich der Pfarrer auf die Besonderheiten des Aspergerkindes einlässt. Fachwissen zu vermitteln ist das eine, eine Situation zu verstehen – für Asperger etwas anderes. Was hat der andere gesagt? Wie hat er es gemeint? Asperger können nicht in Gesichtern lesen, Blickkontakt zu halten fällt ihnen schwer. Das Gesagte nehmen sie wortwörtlich, Ironie bleibt ihnen fremd. Neben Ruhepausen, einer klaren, einfachen Wortwahl, ist Kommunikationstraining und Selbstreflexion die Grundlage bei der Arbeit mit Aspergern. Konstanze Möbius ist Ambulanzlehrerin in Berlin. In Kindergärten und Grundschulen begutachtet sie auffällige Kinder, empfiehlt bei Bedarf besondere Fördermaßnahmen oder eine Förderschule.

Konstanze Möbius: „Je nach Klassenstufe üben wir mit diesen Kindern und Jugendlichen in Gesprächen zum Beispiel auf den Gesprächspartner einzugehen und nicht nur eigene Interessen zu verfolgen, sondern auch wirklich Bezug zu nehmen da drauf, was der andere sagt.“

Ganz gezielt üben die Psychotherapeutin Manuela Kampe und Ulla Mosthaf vom Autismus-Beratungszentrum in Karlsruhe mit Aspergern. Es ist fast wie das Erlernen einer Fremdsprache, nur auf einer anderen Ebene. Es geht nicht um einzelne Wörter, sondern darum, sie in Beziehung zu setzen zu dem, was der andere gemeint und gefühlt hat.

Manuela Kampe: „Zum Beispiel ist es bei dem Hören so, dass Hören schmerzhaft sein kann für Menschen mit Autismus. Oder auch beim Sehen, dass Lichtreize sehr reflektieren können und sie gar nicht erkennen können, was ist eigentlich die wichtige Information jetzt für mein Gehirn. Und das macht es schwer, die ganze Umwelt in ein sinnvolles Bild zu fassen und somit auch zu erkennen…“

Ulla Mosthaf: „Es ist halt oft ein anderer Humor als den, den wir haben. Das ist dann eben wieder der Boden für Missverständnisse und für Schwierigkeiten. Sie lachen einfach an anderer Stelle, wo wir sagen, hier müsste man jetzt eher still sein oder ein bisschen betreten schauen. Umgekehrt verstehen sie unser Lachen oftmals nicht. Sie versuchen sich dann anzupassen und lachen einfach mit.“

Gerade diese Anpassungsleistung ist es, die das Leben als autistischer Mensch so anstrengend macht, sagt der Psychologe Rolf Seemann. Der Wunsch nach Normalität und Zugehörigkeit ist bei Aspergern groß. Lisa kennt diese Not ihres 13-jährigen Sohnes Marc seit der ersten Klasse.

Lisa: „Er hatte im Prinzip eine Schulzeit ohne je einen Freund oder eine Freundin zu haben, ohne je mal in einer Gruppe aufgenommen zu sein. Das heißt, er war jahrelang einfach alleine und beobachtete aber, wie andere Kinder Freundschaften bildeten und fragte zu Hause, was kann ich denn bloß machen, dass ich das auch schaffe? Und ich konnte ihm da auch nicht helfen.“

Arbeitswelt bietet kaum Platz für „Asperger“

Mit Hilfe von Therapie, geduldigem und geschultem Lehrpersonal, aufgeklärten Mitschülern und einem unterstützenden Elternhaus können Asperger durchaus Freunde finden, einen Schulabschluss machen. Viele schneiden sogar ausgesprochen gut ab, sagen Konstanze Möbius und Heide Schmitz.

Heide Schmitz: „Wir bieten vom Neunerabschluss bis hin zum Abitur alle Prüfungen an, viele dieser Kinder durchlaufen auch mehrere Prüfungen, weil gerade Kinder mit diesen Bausteinen haben oft auch eine Entwicklungsverzögerung und können nicht direkt den Abschluss anstreben, der ihnen eigentlich adäquat gegeben wäre. Dennoch haben wir seit Jahren eine nahezu hundert Prozent Bestehensquote…“

Konstanze Möbius: „Die Schüler und Schülerinnen an unserer Schule bestehen ihre Prüfungen im Schnitt recht gut. Man muss sich natürlich jetzt auch vorstellen, dass sie eine sehr gute Betreuung haben, eine sehr individuelle Betreuung und oft auch mal ein Schuljahr wiederholt haben, nicht aus Leistungsgründen, sondern aus Gründen der psychosozialen Entwicklung und der Reifung, das heißt sie bekommen auch einfach mehr Zeit um sich zu entwickeln.“

Pavel und seine Mutter Gesina, Marc und seine Mutter Lisa haben eine passende Schule gefunden, sind wichtige Schritte gegangen. Die eigentliche Klippe für Asperger aber kommt erst noch: Der Übergang von der Schule in den Beruf. Auch Sabine hofft für ihre erwachsene Tochter Deborah das Beste.

Sabine: „Sie braucht eine Arbeit, die auf sie zugeschnitten ist. Deborah bringt ihre ganze Leistung und nach drei, vier, fünf Stunden ist sie tot.“

Gesina: „Das, was ihm am meisten geholfen hat, war, dass ich mit ihm zusammen das Thema Autismus und die andersartige Wahrnehmung von Autisten mir erarbeitet habe, so dass Pavel selber jetzt sehr gut über sich Bescheid weiß…“

Lisa: „Ich habe mehr Bedenken, was passiert, wenn er diese Schule verlässt. Weil Autisten sehr viel Unterstützung bekommen, und dann plötzlich, wenn sie erwachsen sind, war‘s das. Sie sind ja dann immer noch Autisten…“

Der Autismus bleibt, auch im Leben als Erwachsener. Das macht es schwer, einen Platz im Leben zu finden. Allen Mythen von Inselbegabungen zum Trotz haben Asperger nämlich keineswegs automatisch eine Spezialbegabung. Und ein normales Arbeitsleben, wo Sozialkompetenz immer größer geschrieben wird, in so einer Arbeitswelt ist wenig Platz für Asperger. Glück hat, wer gut mit dem Computer umgehen kann. Der Softwarehersteller SAP in Walldorf beispielsweise hat inzwischen eine eigene Abteilung für Autisten eingerichtet oder die Firma Auticon in Berlin wendet sich ganz gezielt an Menschen mit Autismus. Johannes und Deborah haben ihre Schulzeit hinter sich. Paul steht zurzeit im Abitur einer Regelschule und kommt mit dem Stress mittlerweile ganz gut zurecht.

Paul: „Ich würde gerne BWL studieren, weil Wirtschaft war immer mein Lieblingsinteresse. Allerdings ich hab‘ schon ein bisschen Angst, was danach kommt. Weil es ist natürlich was Neues…“

Johannes: „Ich war vorher schon in der Informatik, der Arbeitgeber kommt uns entgegen, ob das ein Sichtschutz zu anderen Kollegen hin oder auch ein Hörschutz, ein ruhigeres Arbeitsumfeld. Jemand, der diesen Nachteilsausgleich nicht bekommt, der kann in diesem Umfeld, glaube ich, auf Dauer nicht bestehen…“

Deborah: „Ich bin einfach dankbar, ein Teil von dieser Welt zu sein, einfach ein Teil vom Leben. Ich denke vielleicht etwas anders und nehme die Sachen etwas anders wahr, mein Gehirn funktioniert vielleicht etwas anders, aber ich bin immer noch ein Mensch.“

Musik dieser Sendung:
Underwood, Ludovico Einaudi, In A Time Lapse

„Die redaktionelle und inhaltliche Verantwortung für diesen Beitrag liegt bei Pfarrer Reinhold Truß-Trautwein, Senderbeauftragter für Deutschlandradio, Rundfunkarbeit im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP), für den Medienbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.“

Asperger-Syndrom: Symptome

Asperger-Syndrom-Symptome machen sich in der Regel erst nach dem dritten Lebensjahr bemerkbar. Vorher zeigen die Kinder keine Auffälligkeiten, was ihre kommunikativen und sprachlichen Fähigkeiten betrifft. Sie unternehmen auch erste Schritte hin zur Selbstständigkeit und sind neugierig auf ihre Umgebung – ebenso wie Kinder ohne Asperger-Syndrom. Nur die motorische Entwicklung ist zum Teil verzögert, allerdings nicht immer.

Deshalb wird das Asperger-Syndrom bei Kindern oft erst im Vorschul- oder Schulalter entdeckt. Die Betroffenen haben Probleme mit sozialen Interaktionen, was sich etwa beim gemeinsamen Spiel mit Gleichaltrigen zeigt. Sie können zum Beispiel die Gedanken und Gefühle ihrer Mitmenschen schlecht nachempfinden und haben große Schwierigkeiten, sich auf andere Menschen und soziale Situationen einzustellen. Es fällt ihnen schwer, den Gesichtsausdruck, die Gestik und den Tonfall anderer richtig zu interpretieren. Sie selbst zeigen oft kaum eine Mimik.

Oft können Kinder mit Asperger-Syndrom auch kein wechselseitiges Gespräch führen. Sie reden, wann sie wollen und über Themen, die sie selbst interessieren, ohne Anpassung an die Zuhörer. Subtile Signale des Gegenübers, zum Beispiel das Thema zu wechseln oder das Gespräch zu beenden, verstehen sie nicht. Oftmals führen Asperger-Autisten auch Selbstgespräche.

Kinder mit Asperger-Syndrom wissen zudem oft nicht, wie man Freundschaften aufbaut. Einige haben allerdings auch gar kein Interesse an sozialen Kontakten und Freundschaften.

Weitere Asperger-Syndrom-Symptome sind ungewöhnliche ausgeprägte Interessen und Kenntnisse, oft in einem eng umgrenzten und teils wenig praxisrelevanten Bereich (Inselbegabungen). Dieses hoch spezifische Interesse kann zum Beispiel dem Schmelzpunkt von Metallen, Batterien oder Kirchtürmen gelten. Die Betroffenen können so auf Interessensgebiet fixiert sein, dass sie (etwa in der Schule) wenig Neugier und Aufmerksamkeit für anderes aufbringen. Aufgrund dieser Aufmerksamkeitsstörung sind Asperger-Syndrom-Kinder oft trotz guter Intelligenz schlechte Schüler.

Außerdem zeigen sich beim Asperger-Autismus manchmal Störungen der Sinneswahrnehmung. So reagieren einige der Betroffenen sehr empfindlich auf bestimmte Gerüche, Geräusche, Oberflächen oder Berührungsreize. Das kann in Alltagssituationen zu einer regelrechten Reizüberflutung für die Betroffenen werden.

Beim Gehen und bei der motorischen Koordination sind Asperger-Autisten oft recht ungeschickt. Auch stereotype Verhaltensweisen kommen vor.

Trotz aller Schwierigkeiten bemühen sich Menschen mit Asperger-Syndrom oftmals, nicht aufzufallen und ihre Probleme der sozialen Kompetenz zu kompensieren. Das kann auf Dauer sehr anstrengend und überfordernd sein und dazu führen, dass sich Asperger-Autisten von anderen zurückziehen.

Kennzeichen des Asperger-Syndroms

Stärken bei Asperger-Syndrom

Menschen mit Asperger-Syndrom weisen auch viele Stärken auf. So setzt bei ihnen die Sprachentwicklung meist frühzeitig ein: Die betroffenen Kindern können oft schon vor dem freien Laufen sprechen. Mit der Zeit entwickeln sie eine sehr ausgefeilte, wandlungsfähige Sprache mit großem Wortschatz.

Außerdem verfügen Menschen mit Asperger-Syndrom meist über eine gute bis überdurchschnittliche Intelligenz. Die oben erwähnten Spezialinteressen und Inselbegabungen können manche in ihrem Berufsleben gut verwerten.

Darüber hinaus ist beim Asperger-Syndrom die Denkfähigkeit oft beeindruckend. Originelle Ideen sowie gute Fähigkeiten zu logischem und abstraktem Denken sind keine Seltenheit.

Aufrichtigkeit, Loyalität, Zuverlässigkeit und ausgepägter Gerechtigkeitssinn werden oft als weitere Stärken beim Asperger-Syndrom genannt. Auf Lob und Anerkennung reagieren Kinder mit Asperger-Syndrom oft motiviert und dankbar.

Übrigens: Dass Sprachentwicklung und Intelligenz beim Asperger-Syndrom in der Regel normal sind, ist ein wichtiger Unterschied zum frühkindlichen Autismus. Das ist eine andere Form von autistischer Störung.

  • Drei Fragen an

    Dr. med. Susanne Reicherzer,
    Neurologin

  • Dr. med. Susanne Reicherzer

    Das Asperger-Syndrom ist eine Unterform des Autismus. „Autismus“ ist eher eine Verhaltensvariante und weniger eine Erkrankung. Um das Verhalten eines Menschen einzuschätzen und zu beurteilen ist eigentlich eine lebenslange diagnostische Begleitung nötig. Es kann daher nur anamnestisch rückblickend im Rahmen einer Diagnostik im Erwachsenenalter auf die kindliche Entwicklung eingegangen werden.

  • Dr. med. Susanne Reicherzer

    Viele für diese Patientengruppe spezifische Verhaltenseigenschaften können auch Vorteile bieten: So findet man bei Menschen, die vom Asperger-Syndrom betroffen sind, häufig Spezialinteressen, die sie auf bestimmten Fachgebieten besonders qualifizieren. Autistische Menschen sind häufig sehr gewissenhaft und verantwortungsbewusst.

  • Dr. med. Susanne Reicherzer

    Am besten gibt man diesen Menschen den Raum, um ihre spezifischen Fähigkeiten sozialadäquat einsetzen zu können. Dies erfordert zum einen Ruhe- und Rückzugsmöglichkeiten, aber auch eine auf sie spezifisch zugeschnittene soziale Einbindung.

  • Dr. med. Susanne Reicherzer,
    Neurologin

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Asperger-Syndrom: Symptome bei Erwachsenen

Die problematischen Verhaltensweisen beim Asperger-Autismus sind bei erwachsenen Patienten oft nicht mehr so auffällig wie im Kindesalter. Allerdings verfügen auch Erwachsene meist über einen grammatikalisch korrekten, geschliffenen Sprachstil und eine detaillierte Erzählweise, die aber kaum zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheidet. Ebenfalls wie bei Kindern kann das Asperger-Syndrom bei Erwachsenen zu einer erstarrten Mimik und dem Vermeiden von Blickkontakt führen. Auf ein Lächeln oder eine humorvolle Bemerkung reagieren viele Betroffene kaum oder gar nicht.

Die mangelnde Empathiefähigkeit bei Asperger-Syndrom beeinflusst auch das Thema Partnerschaft. Die Betroffenen wirken oft kühl und egoistisch. Vielen fällt es schwer, Kontakte mit potenziellen Partnern zu knüpfen. Falls es mit einer Beziehung klappt, fällt es vielen schwer, die Anforderungen des Partners bezüglich intensiver Kommunikation und Anteilnahme zu erfüllen.

Auch auf das Sexualleben kann sich das Asperger-Syndrom auswirken: Manche Betroffenen haben nur ein geringes Bedürfnis nach körperlicher Nähe oder sogar eine Abneigung dagegen. Andere haben durchaus den Wunsch nach Sex, sind in konkreten Situationen aber sehr unsicher, weil sexuelle Intimität sich aus einem intensiven gegenseitigen Empathievermögen ergibt. Nichtsdestotrotz bedeutet das Asperger-Syndrom bei Erwachsenen nicht, dass eine stabile Partnerschaft und das Gründen einer eigenen Familie nicht möglich wären.

Für das Berufsleben kann das Asperger-Syndrom zweierlei Folgen haben: Einige Patienten sind im Umgang mit Kollegen oder Kunden schnell überfordert, ecken mit ihrer sehr direkten, unhöflich wirkenden Art leicht an und können sich kaum flexibel an verschiedene Anforderungen anpassen.

In anderen Fällen wirkt sich das Asperger-Syndrom bei Erwachsenen dagegen vorteilhaft auf die berufliche Entwicklung aus. Nämlich dann, wenn die Betroffenen ihr mit der Störung einhergehendes Sonderinteresse (etwa im Informatikbereich) in ihrer Arbeit nutzbringend einsetzen können. Außerdem können viele Asperger-Autisten dank ihrer oft hohen kognitiven Fähigkeiten gut berufliche und private Ziele umsetzen.

Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)

Menschen mit Asperger-Syndrom können zusätzlich weitere Erkrankungen beziehungsweise Störungen entwickeln, besonders in Krisenzeiten wie Umzug, Umschulung, Pubertät, Geburt oder Tod in der Familie. Am häufigsten handelt es sich dabei um ADHS, Störungen der Motorik, Zwangssymptome, affektive Störungen (wie Depression, Angst), Persönlichkeitsstörungen, aggressives Verhalten und Schlafstörungen. Auch Tics / Tourett-Syndrom, Essstörungen, Stummheit (Mutismus), selbstverletzendes Verhalten und Schizophrenie können den Asperger-Autismus begleiten.

  • vonJuliane Gutmann schließen

Durch die Klimaaktivistin Greta Thunberg kam das Asperger-Syndrom in die Medien – eine Form des Autismus. Hier erfahren Sie alles zu Symptomen und Tests.

„Ohne Asperger wäre das hier nicht möglich“ – Das sagte die aktuell wohl bekannteste Umweltaktivistin in einem Interview. Greta Thunberg setzt sich für die Umwelt ein – und führt die globale Bewegung „Fridays for Future“ an. Dabei begann ihr Engagement für das Klima ganz klein als Organisatorin von Schulstreiks. Dem ZDF sagte die 2003 geborene Schwedin, dass ihre Krankheit – das Asperger-Syndrom – der Grund für ihren Protest ist.

Asperger-Syndrom: Symptome der Kontakt- und Kommunikationsstörung

Auf die Interviewfrage des ZDF, ob es einen Zusammenhang zwischen ihrer Asperger-Erkrankung und ihrem Handeln gebe, sagte die 16-jährige Thunberg: „Absolut! Ich denke, wenn ich kein Asperger hätte, wäre das hier nicht möglich gewesen. Ich hätte einfach weiter so gelebt und gedacht, wie jeder andere auch. Ich sehe die Welt aus einer anderen Perspektive – Schwarz und Weiß“.

Ihrem großen Interesse an Umwelt- und Klimafragen folgten Recherchen und je mehr Thunberg über Klimawandel und menschengemachte Umweltzerstörung erfuhr, desto mehr wollte sie sich dagegen einsetzen. Diesen unbedingten Willen führt Thunberg unter anderem auf ihr Asperger-Syndrom zurück. Es zählt als Entwicklungsstörung zu den Autismus-Spektrum-Störungen (ASS): Unter diesem Dachbegriff werden alle Formen des Autismus zusammengefasst.

Greta Thunberg: Was sie dem Asperger-Syndrom verdankt

Asperger-Betroffene haben häufig bestimmte Spezialinteressen, es fällt ihnen aber oft schwer, emotionale Signale richtig zu deuten und entsprechend zu reagieren. Das „Lesen zwischen den Zeilen“ bereitet vielen Betroffenen Probleme: Das Heraushören und Einordnen eines genervten Untertons vom Gegenüber etwa.

Folgende Symptome sind dem Portal Neurologen und Psychiater im Netz typisch für das Asperger-Syndrom:

  • gestörte soziale Interaktion (Probleme, sich in andere hineinzuversetzen)
  • generell wenig Interesse an anderen Menschen
  • stereotype Verhaltensmuster, teilweise zwanghaftes Festhalten an Gewohnheiten und Ritualen
  • tiefgreifendes Interesse an bestimmten Themen

Asperger-Syndrom und Autismus: Worin liegt der Unterschied?

Alle Autismus-Formen werden zwar unter dem Begriff ASS zusammengefasst, aber der Zeitpunkt der Diagnose der Subtypen variiert in einigen Fällen. Eine Asperger-Störung wird häufig erst im Vorschul- oder Schulalter oder sogar noch später diagnostiziert. Das liegt daran, weil die Symptome eines Asperger-Syndroms häufig schwächer ausgeprägt sind als bei Autismus. Oft fällt deshalb erst im Spiel mit Gleichaltrigen auf, dass etwas nicht stimmt. Typisch für Kinder mit Asperger-Syndrom ist, dass sie entweder kein Interesse am gemeinsamen Spielen haben oder es häufig zu Streit kommt, weil die gängigen Spiel-Regeln von den betroffenen Kindern nicht akzeptiert werden.

Der Oberberg Fachklinik Rhein-Jura zufolge tritt das Asperger-Syndrom häufig mit ADHS, Zwängen und Ticks auf. Doch die Symptome müssen nicht immer gleich bleiben: Im Laufe des Lebens kann sich die Ausprägung der Asperger-Störung verändern, Symptome können zurücktreten oder sich verstärken. Geheilt werden kann die Störung, deren Ursache in den meisten Fällen unbekannt ist, nicht – allerdings gibt es einen erfolgversprechenden Therapieansatz.

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Therapie des Asperger-Syndroms: Wann wird behandelt?

Je nach Ausprägung der Kontakt- und Kommunikationsstörung muss sie nicht zwangsläufig behandelt werden. Etwa, wenn Betroffene in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und keine Probleme haben, Beziehungen zu führen. Haben Menschen mit Asperger-Syndrom allerdings einen großen Leidensdruck, weil sie durch fehlende Anpassungsfähigkeit sehr eingeschränkt sind, kann eine Verhaltenstherapie versucht werden, um die soziale Fähigkeiten zu verbessern. Wichtig dabei ist, dass die Therapie frühzeitig einsetzt.

Diese Informationen ersetzen nicht den Gang zum Arzt. Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie oder Ihr Kind am Asperger-Syndrom leiden, wenden Sie sich bitte an ihren Arzt. Nur dieser kann eine Diagnose stellen und Sie gegebenenfalls an einen Facharzt überweisen.

Menschen mit Asperger-Syndrom: Darum sind sie für die IT-Branche interessant

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jg

FR-Leitartikel: Gegenwind für Greta Thunberg

Diagnose des Asperger Syndroms

Häufige Vordiagnosen oder Symptome eines Asperger-Syndroms sind Entwicklungsverzögerung, ADHS und Zwanghaftigkeit. Erst im Jugendalter geraten die sozialen Defizite stärker in den Fokus, da die Anforderungen der Interaktion mit Gleichaltrigen steigen. Zum Teil werden soziale Phobie oder Zwangsstörungen vermerkt, manchmal überschneiden sich diese Symptome. Zur besseren Diagnose kann neben spezifischen Testverfahren ein stationärer Aufenthalt dazu beitragen, die Alltags- und Sozialfähigkeiten besser einschätzen zu können.
Die Diagnostik gehört in die Hand von ausgewiesenen Fachleuten, denn sie ist sehr anspruchsvoll, da viele andere Störungen differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden müssen. Da es keine eindeutigen Tests und körperlichen Marker (wie z.B. Bluttests) gibt, handelt es sich im Wesentlichen um eine Verhaltensdiagnose. Seit gut zehn Jahren gibt es allerdings mit ADOS und ADI-R diagnostische Instrumente, die in Form von strukturierter Befragung und dem standardisierten Durchspielen von Verhaltenssequenzen die zuverlässige Diagnosestellung sehr erleichtert haben. Die intensive Verhaltenseinschätzung, die nur im stationären Setting möglich ist, bietet uns in der Diagnostik zusätzliche Sicherheit. Trotzdem bleibt es in vielen Fällen oft längere Zeit beim Verdacht auf Asperger-Syndrom, wenn die Symptome und Probleme nicht eindeutig oder nicht stark genug für das Vollbild ausgeprägt sind.
Wissenschaftlich hat sich die Sichtweise hier in den letzten Jahren deutlich geweitet, da man mittlerweile vom „Autismus-Spektrum“ spricht, in dem sich auch viele etwas für die Umwelt auffällige Menschen finden, die die diagnostischen Kriterien nicht klar erfüllen. Da die Störung erst seit sehr viel kürzerer Zeit als vergleichbare Störungen im Fokus von Wissenschaft und Öffentlichkeit steht, dürften auch heute noch viele erwachsene Asperger-Betroffene nicht richtig diagnostiziert sein.

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