Anzeichen einer frühgeburt

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Frühgeborene

Babys, die vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche (vom ersten Tag der letzten Periode an gerechnet) geboren werden, sind Frühgeburten. 5-10% aller Kinder kommen so früh auf die Welt.

Welche Chancen hat ein Frühchen?

Die ermutigenden Fortschritte im Bereich der intensivmedizinischen Betreuung von Frühgeborenen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass sehr unreife Frühgeborene immer noch eine Herausforderung an die Neugeborenenmedizin (Neonatologie) darstellen. Je früher ein Baby geboren wird und je leichter es ist, umso schlechter sind seine Chancen, ohne medizinische Hilfe zu überleben. Dabei zählt jeder Tag, der noch im Mutterleib gewonnen werden kann! Ob ein Baby in der 25. oder in der 28. Schwangerschaftswoche geboren wird, macht einen gewaltigen Unterschied aus.

Extra

Bericht zur SRF-Sendung Kontext „Frühgeburten: Wie klein ist zu klein?“ vom 16.4.2014.

Experten-Interview mit Renate Hlauschek: „Stillen von Frühgeborenen“

www.fruehgeborene.ch : Känguru – Verein frühgeborener Kinder, frühgewordener Eltern

Und die Risiken bei einer Frühgeburt?

Die meisten Organsysteme von Frühgeborenen sind nicht voll ausgereift und daher noch nicht in vollem Umfang funktionsfähig. Frühgeborene können zum Beispiel ihre Körpertemperatur nicht selbstständig regulieren. Eine Neugeborenen-Gelbsucht tritt bei Frühgeborenen häufiger auf, da ihre Leber noch sehr unausgereift ist und die normalen Bilirubinmengen nicht bewältigen kann. Ihr Immunsystem ist zudem noch zu schwach, um Infektionen erfolgreich zu bekämpfen. Die wertvollen Antikörper, welche die Mutter über die Plazenta an das ungeborene Kind weitergibt, sind noch nicht ausreichend vorhanden. Durch hygienische Massnahmen und wenn möglich Muttermilchernährung, kann man die Gefahr von Infektionen einschränken. Der noch unreife Verdauungstrakt des Frühgeborenen kommt mit dieser Form der Ernährung (evtl. mit Anreicherungen) ohnehin meist am besten zurecht.

Das Gehirn ist noch sehr unreif und seine Blutgefässe noch so zart, dass durch Einblutung oder Minderdurchblutung bestimmte Hirnregionen leicht geschädigt werden können. Als Folge zeigt sich beim Kind dann häufiger eine Cerebralparese, früher oft als spastische Kinderlähmung (zerebrale Kinderlähmung) bezeichnet. Diese schwere körperliche Behinderung ist oft erst nach drei Monaten eindeutig zu diagnostizieren. Während die Cerebralparese bei vollständig ausgetragenen Neugeborenen nur einmal unter 1000 Kindern auftritt, ist sie bei 1500g schweren Frühgeborenen 50 mal und bei 1000 g schweren Frühgeborenen sogar 100 mal so häufig. Bei Kindern, die mit etwa 500 g und nach 25 Wochen Schwangerschaft geboren werden, muss bei einem Viertel der Überlebenden mit einer Cerebralparese gerechnet werden.

Sehr unreife Frühgeborene sind besonders durch eine Schädigung der Netzhaut gefährdet, denn in diesem frühen Stadium ist die Entwicklung der Netzhaut noch nicht abgeschlossen. Eine veränderte Konzentration von Sauerstoff in der Atemluft kann während dieser Phase das Wachstum der Blutgefässe im Auge anregen. Die Adern beginnen dann, unkontrolliert zu wuchern. Tritt aus den Gefässen Flüssigkeit aus, droht den Neugeborenen eine Netzhautablösung (Frühgeborenen-Retinopathie).

Warum Frühgeborene noch nicht gleich nach Hause dürfen

Atmung und Herz-Kreislauf Funktion müssen bei Frühgeborenen gut überwacht werden, damit keine gefährlichen Pausen eintreten. Auch kommt es bei Frühgeborenen durch ihre Lungenunreife und einen Mangel an Surfactant-Faktor häufig zu einem Atemnotsyndrom.

Die intensivmedizinische Betreuung in einem Brutkasten, dem Inkubator, gibt dem Frühgeborenen Schutz und Zeit. Es kann so in Ruhe die Entwicklung, die eigentlich noch im Mutterleib hätte stattfinden sollen, nachholen. Die Eltern werden auf der Intensivstation so viel wie möglich in die Pflege des Kindes mit einbezogen. Eine ganz wichtige Methode ist dabei das sogenannte „Känguruhen“.

Und die langfristige Entwicklung nah einer Frühgfeburt?

Babys, die zwischen der 34. und 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, haben in spezialisierten Zentren (sogenannten Perinatalzentren) inzwischen kaum noch Probleme. Insofern ist Frühgeburtlichkeit heutzutage nicht mehr gleichbedeutend mit Entwicklungsstörung. Allerdings kommen auf die Eltern doch meist schwere erste Jahre zu, in denen ihr Kind oft noch spezielle Betreuung braucht.

Die meisten Frühgeborenen können nach Hause entlassen werden, wenn sie ein Gewicht von mindestens 2000 g erreicht haben. Das ist in der Regel nicht vor dem ursprünglich errechneten Geburtstermin der Fall.

Frühchen – die langfristige Entwicklung

Häufige Fragen zum Thema

Kann ich mein Frühgeborenes im Inkubator streicheln?

Warum wird bei Frühgeburten oft ein Kaiserschnitt durchgeführt?

Sollen Frühgeborene besser später geimpft werden?

Ab wann braucht ein Frühgeborenes nicht mehr in den Brutkasten?

Video

„Unsere Frühchen wurden in der 26 SSW mit einem Gewicht von 380 g und 880 g und einer Grösse von 26 cm und 32 cm geboren.“

Wissen

Koffein stärkt die Lungen von Frühgeborenen

Eine sehr frühe Geburt beeinflusst die Persönlichkeit

Frühgeburt als Ursache für Intelligenzdefekte

Schlechte Chancen für extrem Frühgeborene

Probiotika auch für Frühgeborene

Hautkontakt hilft Frühchen bei Schmerz

Frühgeburt wirkt sich auf das ganze Leben aus

Jüngstes Frühgeborenes aus Klinik entlassen

Unterzuckerung bei Neugeborenen

Newsticker

Musik zur Hirnentwicklung | 02.08.2019

Bei Frühchen, die in den ersten Tagen nach der Geburt spezielle Musik vorgespielt bekommen, zeigte sich in einer Schweizer Studie eine bessere Verknüpfung zwischen zwei Hirnarealen, die für die Verarbeitung von Hörinformationen wichtig ist, als bei Frühchen ohne Musikbeschallung. Das berichtet das Forscherteam um Dr. Lara Lordier von der Universität Genf. Dabei lösten die Klänge der indischen Punji-Flöte, die auch Schlangenbeschwörer verwenden, die stärkste Reaktion bei den Babys aus. Der Komponist Andreas Vollenweider komponierte ausserdem für Harfe und Glockenspiel. Ob beziehungsweise wie sich das Ganze auf die langfristige kognitive Entwicklung der Kinder auswirkt, wollen die Forscher in weiteren Studien untersuchen. Die ersten Kinder in der Studie sind heute sechs Jahre alt.

Ein Wunder von 268 Gramm | 27.03.2019

Kaum mehr als eine Packung Butter wog ein extremes Frühgeborenes im vergangenen August – nun konnte der kleine Junge mit stolzen 3,2 kg aus einem Krankenhaus in Tokio entlassen werden. Damit gilt er als derzeit kleinster überlebender Junge der Welt. Der bisher kleinste überlebende Junge erblickte 2009 in Deutschland mit 274 g das Licht der Welt. Das kleinste Mädchen der Welt wurde – ebenfalls in Deutschland – mit lediglich 252 g geboren. In der Datenbank der Universität Iowa (USA) sind lediglich 23 Säuglinge aufgeführt, die mit einem Geburtsgewicht von weniger als 300 g überlebten. Diese Babys haben eine Überlebenschance von weniger als 50 % – und dies auch nur, wenn sie in einem spezialisierten Perinatalzentrum betreut werden.

Glück hoch fünf | 20.11.2018

An der Uniklinik Münster wurde fünf Jahre nach einer extrem seltenen Geburt von Fünflingen Geburtstag gefeiert. Beim Anschneiden Geburtstagstorte bewährte sich der Geburtshelfer, Professor Walter Klockenbusch, wie damals bei der Hochrisikogeburt. Innerhalb von wenigen Minuten musste er Maria, Melissia, Josefina, Justina und Evelyn zur Welt bringen. Zuvor war es gelungen, die Schwangerschaft bis zur 30. Woche hinauszuzögern. Jeder Tag im Bauch der Mutter zählte für die Entwicklung der Kinder. Ein Team von mehr als 25 Helfern versorgte die Frühchen mit 1040 bis 1270 g Geburtsgewicht auf der Intensivstation. Nicht nur die fünf Mädchen sind heute gesund, auch die Mutter überstand die Schwangerschaft ohne gesundheitliche Probleme – was im Rückblick fast ein Wunder ist. Mehr über Mehrlinge…

Frühchen-Entwicklung | 13.08.2017

Etwa eins von zehn Babys kommt vor der 37. Schwangerschaftswoche als Fühgeborenes auf die Welt – je früher, umso grösser ist sein Risiko, mit einem Hirnschaden ins Leben zu starten. Da ihre Lunge noch nicht vollständig entwickelt ist, können Frühgeborene oft nicht richtig atmen. Zudem können die zarten Blutgefässe, die das unreife Gehirn mit Sauerstoff versorgen, leicht reissen – es kann zu Hirnblutungen und Sauerstoffmangel kommen. Eine von kanadischen Wissenschaftlern entwickelte Methode kann nun Hinweise liefern, ob das Frühgeborene eine geistige oder Bewegungsstörung entwickeln könnte: Ein für das Kind völlig unschädlicher Hirn-Scan (Magnetresonanztomografie, MRI) zeigt bestimmte Veränderungen im Gehirn. Entwicklungsstörungen können so früher erkannt und möglicherweise erfolgreich behandelt werden.

Kameras statt Hautkontakt | 25.06.2017

Das Universitätsspital Zürich (USZ) testet eine neue Überwachungs-Technologie ein neues Kamerasystem zur Überwachung von Frühgeborenen – mitentwickelt von Forschern der ETH Lausanne. Die hochsensible Kamera kann ohne direkten Körperkontakt aufgrund von minimalsten Veränderungen der Haut die Herzfrequenz messen, z.B. auf der Stirn. Die Technologie überwacht zudem die Atmung auf Grund der Bewegungen der Brust und der Schultern. Sollten die weiteren Tests erfolgreich verlaufen, könnte das neue Kamerasystem dereinst die Hautsensoren ersetzen. Bisher muss das Neugeborene bei jedem (Fehl-)Alarm angefasst und dadurch gestört werden – fast 90 Prozent sind Fehlalarme. Und das führt zu Stress für das Baby und zu unnötigen Einsätzen von Pflegefachleuten.

Winzige Helden | 31.01.2017

Die Allerkleinsten auf der neonatologischen Intensivstation sind eigentlich wahre Helden (die vielleicht später auch die Welt retten). Eine Pflegerin des St. Luke’s Hospital in Kansas/USA entwickelte daraus zu Halloween die Idee, ihre Schützlinge nicht im üblichen Babyweiss zu kleiden, sondern als „Superheroes“, Batman, Wonder Woman, Superman oder Spiderman. Mit Hilfe ihrer Kolleginnen wurden 35 kleine Patienten „eingekleidet“. Das Ganze kam so gut an – bei Eltern, Verwandten, Personal –, dass das St. Luke’s nun prüft, den Superhelden-Look an weiteren Festtagen und regelmässig einzusetzen. Vor allem wurde die Idee über die normalen und die sozialen Medien so oft geteilt, dass sie international beachtet und mancherorts schon kopiert wurde. (Bildquelle: Emmalee Schaumburg)

Frühgeborene Ohren ohne Stress | 06.11.2016

Rauschen, Gluckern, die Stimme der Mutter – das sind die Geräusche, die Ungeborene ab der 16. Schwangerschaftswoche gedämpft im Bauch der Mutter wahrnehmen. Endet die Schwangerschaft zu früh, wechselt auch schlagartig die Geräuschkulisse: Apparaturen piepsen, laute Stimmen reden durcheinander. Frühgeborene sind auf einer Intensivstation der Gefahr von akustischer Überreizung ausgesetzt, was Stress bedeutet. Für die Neonatologie am Inselspital Bern ein Grund, ihre Ohren zu schützen und positive Hörerfahrungen zu fördern. Dort helfen leiseste Inkubatoren (Brutkästen), rhythmische Klänge und die Zuwendung einer summenden Stimme den winzigen Menschen, sich zu entspannen und zu orientieren. Sie atmen mit Musik tiefer und schlafen besser. Die neonatologische Intensivstation will mit Warnsystemen dafür sorgen, Hintergrundgeräusche möglichst niedrig zu halten und so den Stress zu minimieren.

Abpumpen lohnt sich | 05.10.2016

Extreme Frühgeborene, die auf einer neonatologischen Intensivstation behandelt werden, können in der Regel nicht von ihren Müttern gestillt werden. Es ist jedoch möglich, die abgepumpte Muttermilch der Säuglingsersatznahrung beizufügen. Dass sich die damit verbundenen Umstände lohnen, zeigt das Ergebnis einer amerikanischen Studie: Frühgeborene, deren Ernährung in den ersten Wochen wenigstens zur Hälfte aus Muttermilch bestand, hatten beim ursprünglich errechneten Geburtstermin ein grösseres Gehirn (untersucht mit Kernspintomographie). Und je länger die Frühgeborenen mit Muttermilch gefüttert wurden, desto besser war ihr Gehirn entwickelt. Die besondere Zusammensetzung der Muttermilch scheint die Entwicklung des Gehirns besser zu fördern als eine Ersatznahrung.

Jungen sind häufiger Frühgeburten: Jungen haben im Vergleich zu Mädchen ein um 14 Prozent höheres Risiko, zu früh auf die Welt zu kommen. Sie leiden auch eher als frühgeborene Mädchen an Beinträchtigungen wie Lernschwierigkeiten und zerebrale Lähmungen. Wissenschaftler erklären sich dieses Phänomen dadurch, dass Frauen, die einen Sohn erwarten, eher Plazenta-Probleme haben und häufiger an Präeklampsie und hohem Blutdruck leiden. Jungen seien zudem anfälliger für Infektionen, Gelbsucht, Komplikationen bei der Geburt und für angeborene Krankheiten. Im Mutterleib entwickeln sich Mädchen rascher und ihre Lungen und andere Organe sind zur Geburt bereits weiter entwickelt. (swissmom Newsticker, 16.12.13)

Frühchen – zuviel Insulin im Blut: US-Forscher haben in einer Studie mit 1358 Kindern Hinweise für den Zusammenhang zwischen Frühgeburt und einem erhöhten Insulinspiegel gefunden. Die Wahrscheinlichkeit für erhöhte Insulinspiegel war umso grösser, je unreifer die Kinder bei der Geburt noch waren. Bei Frühgeborenen vor der 34. SSW war das Risiko um das 2,05-fache, bei Frühgeborenen in der 34. bis 35. SSW immerhin um das 1,45-fache erhöht. Möglicherweise werden die Grundlagen für Typ-2-Diabetes (sog. Erwachsenenform der sog. Zuckerkrankheit) bereits in der Gebärmutter gelegt. (swissmom Newsticker, 8.3.14)

Schnelle Beatmung: Eine sehr schnelle, aber gleichzeitig ganz flache Beatmung mit etwa 600 Atemzügen pro Minute, die sogenannte Hochfrequenzoszillationsventilation (HFOV), ist die beste Möglichkeit, die Lungen von extremen Frühchen langfristig zu schützen, wie am King’s College London herausgefunden wurde. Die meisten Kinder mit Lungenunreife werden derzeit mit rund 30 Atemzügen pro Minute unterstützt. Analysiert wurden die Daten von 319 Frühgeburten bis in die Pubertät. Die Experten nehmen an, dass die geringere Luftmenge, die in die Lungen gepresst wird, weniger Schädigungen hervorruft als eine konventionelle Behandlung. swissmom-Newsticker, 26.4.14)

Frühchen schielen häufiger: 2–4% aller Kinder schielen in den ersten fünf Jahren, aber bei Frühgeborenen mit Geburtsgewicht unter 2000 g ist das noch sehr viel häufiger. Wird dieser „Strabismus“ nicht frühzeitig entdeckt und behandelt, kann er zu irreversiblen Sehverlusten führen. Um Doppelbilder zu vermeiden, unterdrückt das kindliche Gehirn das übermittelte Bild des schielenden Auges, das es nicht mehr richtig zur Deckung bringen kann. Dadurch bildet sich mit der Zeit auf dem nicht benutzten Auge eine Sehschwäche. Besonders leichte Frühgeborene sollten regelmässig auf eine Augenfehlstellung untersucht und ggf. frühzeitig behandelt werden. (swissmom Newsticker, 1.9.14).

Letzte Aktualisierung : 08-11-19, BH

Frühchen – Chancen, Entwicklung und Spätfolgen

Frühchen sind Babys, die mehr als drei Wochen vor dem errechneten Termin, also vor der 37. Schwangerschaftswoche (37+0), auf die Welt kommen. Auch, wenn die meisten Frühgeburten spontan und unangekündigt geschehen, resultieren sie fast genauso häufig in einem gesunden Baby. Fortschritte in der perinatalen Medizin geben auch Kindern, die sehr früh geboren werden, immer bessere Überlebenschancen.

Frühchen kommen drei oder mehr Wochen vor ET zur Welt.

Weltweit werden jedes Jahr 15 Millionen Frühchen geboren, in Deutschland sind es etwa 63.000. Über 70 % von ihnen kommen nach SSW 34 auf die Welt und sind so weit entwickelt, dass keine medizinischen Folgen wahrscheinlich und kaum Behandlungen nötig sind. Wie gesunde, voll ausgetragene Babys dürfen sie oft direkt mit ihren Eltern nach Hause und können anfänglich durch eine Hebamme oder Kinderkrankenschwester betreut werden. Je früher ein Baby geboren wird, desto wahrscheinlicher sind Risiken und Folgeerkrankungen, deren Chance sich mit einem niedrigen Gewicht weiter erhöht. In vielen Fällen kann hier eine intensivmedizinische Betreuung auf der Frühchenstation gute Chancen für ein gesundes Leben geben, ein Eingriff ist aber gerade bei sehr jungen Kindern nicht immer die beste Wahl.

Frühgeburt – Ab wann, Auslöser, Risiken und Erkennung

Wohl die meisten werdenden Mamas fiebern dem Termin entgegen, ab dem ihr Baby im Falle einer Frühgeburt auch außerhalb des Mutterleibs überlebensfähig ist, denn nicht selten machen wir uns wegen vorzeitigen Wehen, Blutungen und Stress in der Schwangerschaft viele Gedanken. Ab 36+6, also der Geburt am Ende der 36. Schwangerschaftswoche oder eher spricht man von einer Frühgeburt, ab 37+0 also nicht mehr.

Eine engmaschige Vorsorge bei der Frauenärztin ist der beste Schritt, eine Frühgeburt zu verhindern – dennoch kommen die meisten Frühgeburten unverhofft: 80 % von ihnen passieren spontan, das heißt ohne geplantem Kaiserschnitt oder vorherige Anzeichen. Der Grund einer Frühgeburt ist laut einer WHO-Studie meist unklar. Es ist nicht sicher, ob ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, einzelne Auslöser oder spontane Einflüsse eine Frühgeburt am Ende in Gang setzen. Die folgenden Faktoren erhöhen aber das Risiko:

  • (Unterleibs-)Infektionen

  • Komplikationen während der Schwangerschaft (wie mangelnde Funktion der Plazenta oder Blutarmut)

  • Bluthochdruck

  • Stress

  • psychosoziale Gründe

  • Parodontitis

  • Rauchen

  • Fehlbildung oder Abnomalien beim Baby

Frühgeborene Kinder – was heißt das genau?

Als Frühgeborene werden Babys bezeichnet, die vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche (37+0) geboren werden, ab 37+0 ist ein Baby also kein Frühchen mehr. Rund 9 % der Geburten in Deutschland sind Frühgeburten, die Mehrzahl von ihnen findet im sogenannten späten Frühchen-Stadium nach 34+0 statt. Medizinisch gesehen zählt jeder Tag mehr in Mamas Bauch, sodass Babys, die wenige Tage oder Wochen zu früh geboren werden, bessere Chancen und weniger Risiken ausgesetzt sind als Babys, die entsprechend früher auf die Welt kommen.

Aber auch für euch als Eltern hat die vorzeitige Geburt Auswirkungen. Wo Mediziner und Fachleute von Frühgeburten und Frühchen sprechen, sieht man als Mama nur das eigene Kind – und stellt sich Millionen Fragen, wie bei einer Frühgeburt die Überlebenschancen stehen, was als Nächstes kommt, wie man sein Baby beschützen kann und welche Risiken zu beachten sind. Mitten im Cocktail der Hormone, der Erschöpfung, der Euphorie und der Angst kommen plötzlich Entscheidungen zur Weiterversorgung auf euch zu, die oft sehr schnell und ohne allzu großes Vorwissen getroffen werden müssen. Denn auch, wenn die Wissenschaft immer mehr für frühgeborene Babys tun kann, sind besonders Frühchen, die vor SSW 24 geboren wurden, sehr vielen Risiken ausgesetzt und ihre Überlebenschancen sind noch gering. Frühchen ab SSW 24 haben dagegen häufig gute Chancen und die mit der Frühgeburt verbundenen Risiken schwinden mit jeder Woche. Ab SSW 26 liegt die Überlebensrate frühgeborener Babys bereits bei 80 %.

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Frühgeburt und Überlebenschancen: Wann überlebt ein Frühchen?

Entscheidend für die medizinische Versorgung ist neben einer genauen ärztlichen Untersuchung meist das Alter des Kindes: Offiziell gelten Babys ab SSW 24, also ab 24+0 als überlebensfähig. In vielen Krankenhäusern ist dies der Zeitpunkt, ab dem Ärzte alles dafür tun, es in seiner vollständigen Entwicklung außerhalb des Mutterleibs zu unterstützen. Aber auch jüngere Babys haben immer bessere Überlebenschancen, wenn auch das Risiko von Komplikationen sehr groß ist. Spezialisten auf der Frühchenstation in Frühchenzentren, sogenannten Perinatalzentren, können in einigen Fällen auch früher Maßnahmen ergreifen, diese werden basierend auf medizinischen, ethischen und auch rechtlichen Werten gemeinsam mit den Eltern abgewogen. Ein entscheidendes Kriterium ist auch das Geburtsgewicht. Je niedriger dieses ist, desto geringer sind meistens die Chancen, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen greifen können. Auch das Risiko von Komplikationen wie Infektionen und Organversagen erhöht sich. Die meisten Frühchen haben ein Geburtsgewicht von unter 2.500 g, einige wiegen nur knappe 500 g. Das Risiko von Komplikationen ist ab einem Gewicht von 1.500 g geringer. Frühchen, deren Geburtsgewicht unter 1.500 g liegt, haben auch ein hohes Risiko an bleibenden Beeinträchtigungen.

Frühgeburt von SSW 24 bis 32: Sehr frühe Frühgeburt

10 % der Frühchen, also weniger als ein Prozent der Babys in Deutschland, kommen vor der 32. SSW zur Welt. Sie werden auch manchmal Extremfrühchen genannt. Bei einer Geburt nach der 24. SSW liegen die Überlebenschancen bereits bei etwa 60 %, ab SSW 28 bei 95 %. Ab SSW 30 sinkt auch die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung auf 15 %.

Frühgeburt von SSW 32 bis 34: Mäßig frühe Frühgeburt

Ab SSW 32, also 32+0, sprechen Mediziner von einer mäßigen Frühgeburt. Babys, die in dieser Entwicklungsphase geboren werden, haben kein größeres Risiko einer Behinderung mehr. Ab SSW 34 haben gesunde Frühchen dieselben Überlebenschancen wie Kinder, die voll ausgetragen wurden.

Frühgeburt von 34+0 bis 36+6: Späte Frühchen

Über 70 % der frühgeborenen Babys weltweit werden zwischen SSW 34 und SSW 36 geboren. Babys, die nach 34+0, also nach der der 34. SSW auf die Welt kommen, haben medizinisch gesehen sehr gute Chancen und unterscheiden sich auch vom Aussehen kaum noch von zu Termin geborenen Kindern. Dabei haben auch späte Frühchen oft leichte Anpassungsschwierigkeiten.

Was ist bei frühgeborenen Babys anders?

Bei vielen Frühchen ist die Verdauung noch nicht ausgereift, sodass sie zunächst mit einer Glukoselösung, ggf. über eine Magensonde, ernährt werden, bevor ein Umstieg auf abgepumpte Muttermilch und ein späteres Stillen möglich und die erste Wahl sind. Frühgeborene Kinder haben meist sehr dünne und empfindliche Haut, sodass sie ihre Körpertemperatur nicht eigenständig regulieren und halten können. Ein Inkubator kann hier fürs Erste die Bedingungen in der Gebärmutter simulieren. Auch die Lungenreife ist nicht immer vollständig abgeschlossen, sodass sie sehr unregelmäßig atmen oder zunächst eine künstliche Beatmung brauchen. Frühchen konzentrieren ihre gesamte Energie auf das Wachsen und Gedeihen, Geräusche, Licht und wechselndes Personal können sie noch schneller überfordern. Geschlossene Augen und eine geistige Abwesenheit sind aber kein Zeichen dafür, dass euch euer Baby nicht wahrnimmt: Der enge Kontakt zu euch ist bei Weitem der wichtigste Aspekt der Frühchenversorgung.

Frühchenstation: Erstversorgung durch Intensivmedizin

Auf der Frühchen-Intensivstation in Perinatalzentren können Babys in Inkubatoren beim Heranreifen unterstützt, ihr Herzschlag und ihre Atmung durchgehend überwacht werden. Häufig sind die Kleinen an viele Monitore und Schläuche angeschlossen, die bei der Atmung und Ernährung helfen. Nicht selten sind mehrfache, auch sehr kurzfristige Operationen nötig. Je höher das Level des Perinatalzentrums, umso besser ist hier die Expertise und Versorgung: Level 1 Zentren versorgen im Schnitt alle zwei Wochen mindestens ein sehr junges Frühchen und sind im Umgang mit Risiken und Komplikationen vergleichsweise routiniert.

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Frühchen-Entwicklung: Langfristige Betreuung kann Spätfolgen mindern

Langfristig ist es wichtig zu wissen, dass frühgeborene Kinder im weiteren Leben kaum Einschränkungen haben: Die Mehrzahl der frühgeborenen Kinder entwickelt sich zu gesunden Erwachsenen heran. Laut einer Studie der Stiftung Kindergesundheit waren Frühchen bis 8 Jahren zwar kleiner sind als ihre Altersgenossen, ab 9 Jahren waren aber gesamtheitlich aber keine Entwicklungsunterschiede mehr feststellbar.

Frühchen scheinen generell ein höheres Risiko für körperliche und geistige Defizite zu haben, die Ergebnisse verschiedener Studien sind aber stark gemischt: Eine Studie aus 2004 zeigte bei ca. 31 % der teilnehmenden Fünfjährigen Verhaltensauffälligkeiten, bei 40 % Defizite in der Sprache, über 17 % waren körperlich behindert, rund 14 % geistig. Auch Störungen in der Motorik können auftreten. Ähnliche Studien zeigten Auffälligkeiten in weniger als 6 % der Teilnehmer. Bei den Ergebnissen scheint neben einer qualifizierten Erstversorgung die Frühchen-Nachsorge entscheidend: Es ist wichtig, dass nach der Entlassung aus der Klinik ein Netzwerk aus Kinderärzten, Hebammen und ggf. Spezialisten euer Kind begleitet. Besonders Folgeerscheinungen wie ADHS, Lese-Rechtschreibschwäche und Autismus werden häufig erst in der Kindergarten- und Schulzeit erkannt. Zum Festhalten aller Termine gibt es den Nachsorgepass für Frühchen, alles zum Thema findet ihr hier in unserem Ratgeber.

Bonding und Känguruhen sind heilsam für Baby und Eltern

Direkt nach der Geburt ist für die Entwicklung eines Frühchens die Eltern-Kind-Bindung, auch Bonding genannt, laut WHO besonders wichtig. Frühgeborene Babys haben viel wertvolle Zeit in Mamas Körper nachzuholen, sodass intensiver Körperkontakt, bei dem es euch spüren und riechen kann, sehr wichtig ist. Häufiges Stillen nach Bedarf und die Wahrnehmung eures Herzschlags sind sehr heilsam. Das Halten eures Babys auf der nackten Brust wird auch als Känguru-Methode bezeichnet und kann auch für euch Eltern eine heilende Wirkung haben. Auch, wenn euer Baby zunächst im Inkubator ist und das Känguruhen nicht möglich ist, ist der Körperkontakt durch Händchenhalten und Streicheln eine große Unterstützung.

Weiterführende Info und Hilfe

Besteht ein größeres Risiko einer Frühgeburt, ist es wichtig, nach dem besten Perinatalzentrum in deiner Nähe zu suchen. Auch, wenn Frühchen in regulären Krankenhäusern entbunden werden können, ist der weiterführende Transport mit sehr hohen Risiken verbunden und kann so leicht vermieden werden. Über die Webseite perinatalzentren.org könnt ihr die Perinatalzentren in eurer Nähe suchen. Gute Unterstützung für die Zeit vor und nach der Geburt eures Frühchens bietet der Elternkreis für Frühchen unter fruehchen.de und der Berufsverband Das frügeborene Kind e.V. Eltern berichten immer wieder, wie hilfreich der Austausch mit anderen Eltern und Beratungsstellen ist, um das Erlebte zu normalisieren oder einfach, um angestaute Emotionen außerhalb der Familie abzulassen.

Risiko Frühgeburt: Alles zu Ursachen, Symptomen und Behandlungen

Kommt ein Baby vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) lebend zur Welt, dann spricht man von einer Frühgeburt. Das Baby wird als Frühchen bezeichnet. Man unterscheidet die Frühgeburt zudem noch von der frühen Frühgeburt (vor der 34. SSW) und der extrem frühen Frühgeburt (vor der 29.SSW).

Anzeichen einer Frühgeburt: So deutest du die Symptome richtig

Eine Frühgeburt kann sich unter anderem durch vorzeitige Wehen bemerkbar machen. Allerdings ist nicht jede vorzeitige Wehe auch der Start der Geburt. Bereits ab der 20. SSW bereitet sich der Körper mit Hilfe von Übungswehen auf die Geburt vor. Diese sind in der Regel nicht schmerzhaft und äußern sich durch das Hartwerden des Bauches. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft können auch die Übungswehen an Intensität zunehmen.
Den Arzt sollte man in jedem Fall informieren, wenn die Wehentätigkeit länger als eine Stunde anhält, die einzelnen Wehen länger als 30 Sekunden andauern und in einem Abstand von 5-10 Minuten auftreten. In diesem Fall sollte man sich umgehend ins Krankenhaus begeben.
Außerdem kann ein Blasensprung oder eine Blutung auf eine vorzeitige Geburt hindeuten. Auch bei diesen Anzeichen sollte man sofort ins Krankenhaus fahren und sich untersuchen lassen. Oft kann die Frühgeburt noch verhindert werden, wenn sie rechtzeitig erkannt wird.

Wie kann man eine mögliche Frühgeburt behandeln?

Entscheidend für oder gegen eine Behandlung ist, in welcher SSW sich die Frau befindet und wie es dem Baby geht. Denn spätestens ab der 35. Schwangerschaftswoche versuchen Ärzte in der Regel nicht mehr, die Schwangerschaft zu erhalten, sondern lassen die Frühgeburt zu, da das Baby dann vollständig entwickelt und lebensfähig ist.

Wenn der Arzt vor der 35. SSW feststellt, dass das Risiko für eine Frühgeburt besteht, wird man unmittelbar im Krankenhaus aufgenommen und überwacht. Bei vorzeitigen Wehen werden möglicherweise Wehenhemmer eingesetzt, also Medikamente, die die Wehentätigkeit der Gebärmutter unterdrückt. Zudem wird der Frau zusätzlich Bettruhe verordnet, um den Druck auf den Muttermund möglichst gering zu halten.
Ist der Muttermund bereits geöffnet, wird als letzte Lösung eine Zervixcerclage gemacht. Dabei wird mit einem Band der Gebärmutterhals verschlossen, um zu verhindern, dass sich der Muttermund weiter öffnet.

Mögliche Ursachen für eine Frühgeburt

Die Ursachen, die eine Frühgeburt auslösen können, sind nicht ganz einfach zu benennen und komplex. Wer in seiner Schwangerschaft auf Nikotin, Alkohol und Drogen verzichtet und wer Stress meidet, trägt bereits dazu bei, das Risiko für eine Frühgeburt zu verringern.
Aber nicht alle Ursachen, die eine Frühgeburt bedingen können, lassen sich beeinflussen. So können beispielsweise chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck, Infektionen und Veränderungen der Gebärmutter oder Plazenta das Risiko einer möglichen Frühgeburt erhöhen. Auch eine vorangegangene Fehlgeburt oder ein Schwangerschaftsabbruch können das Risiko negativ beeinflussen.
​Wichtig für schwangere Frauen ist, dass sie alle Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt wahrnehmen. So können potentielle Risiken überwacht und minimiert werden.

Wie sind die Überlebenschancen für ein zu früh geborenes Baby?

Die Medizin ist heute so weit, dass sie auch extrem frühe Frühgeburten retten kann. Bereits 2010 gelang dem Klinikum in Fulda ein kleines medizinisches Wunder. Am 07. November wurde das Baby Frieda mit gerade einmal 460 Gramm in der 21. Schwangerschaftswoche geboren. Sie überlebte. Damit war sie nicht nur das jüngste Frühchen Europas, sondern auch der Beweis dafür, wozu die heutige Medizin im Stande ist.

Wie groß die Überlebenschance eines Frühchens wirklich ist, ist immer abhängig von seiner Entwicklung. Je früher ein Kind geboren wird, desto mangelhafter sind Organe wie beispielsweise die Lunge oder die Nieren ausgereift. Auch das zentrale Nervensystem oder der Magen-Darm-Trakt sind noch nicht vollständig entwickelt. Das heißt, je früher ein Kind geboren wird, desto länger und komplizierter ist sein Aufenthalt im Krankenhaus.
Statistisch gesehen, sind Frühchen lebensfähig, wenn sie zwischen der 23. und 25. SSW geboren werden. In Zahlen bedeutet das, dass 67 Prozent der Frühchen überleben, die in der 24. SSW geboren werden. Nur eine Woche vorher sind es nur 53 Prozent.

Was sind mögliche Spätfolgen einer Frühgeburt?

Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder, die vorzeitig geboren wurden, zum Teil körperliche Defizite aufwiesen, dass heißt, sie waren beispielsweise motorisch nicht so weit, wie ihre reifgeborenen Altersgenossen. Statistisch leiden Frühgeborene häufiger an asthmatischen Erkrankungen. Und auch eher an einer Aufmerksamkeitsstörung in Verbindung mit Hyperaktivität (ADHS) oder einer Lernschwäche als Reifgeborene.
Aber all das basiert auf statistischen Werten. Und diese und andere Spätfolgen können auftreten, müssen sie aber nicht.

Quellen:

  • Bundesverband der Frauenärzte e.V.
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
  • Betanet – beta Institut gemeinnützige GmbH

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Frühgeburt: Anzeichen

Letzte Änderung: 27.06.2016
Nächste Aktualisierung von Till von Bracht • Medizinredakteur Dieser Artikel wurde nachNach höchsten wissenschaftlichen Standards verfasst.

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Einige Anzeichen einer Frühgeburt können Sie als werdende Mutter selber feststellen. Das deutlichste Anzeichen einer drohenden Frühgeburt ist das vorzeitige Einsetzen der Wehen . Hier sollte man jedoch bedenken, dass viele Frauen schon frühzeitig sogenannte Vorwehen verspüren. Beobachten Sie daher die Wehentätigkeit. Dauert diese länger als eine Stunde an, kommen die Wehen im Abstand von fünf bis zehn Minuten und dauert eine Wehe länger als 30 Sekunden an, sollten Sie Ihre Hebamme oder Ihren Arzt verständigen und eine Klinik aufsuchen.

Im unteren Teil des Rückens kann außerdem ein Ziehen zu spüren sein und das Gewicht des Kindes kann nach unten drücken. In etwa 30 Prozent der Fälle platzt die Fruchtblase (vorzeitiger Blasensprung). Auch Blutungen können auf eine beginnende Frühgeburt hindeuten.

Bei der Untersuchung durch Arzt oder Hebamme kann außerdem festgestellt werden, ob der Muttermund bereits geöffnet ist. Dies kann auf eine Zervixinsuffizienz hinweisen. Unter einer Zervixinsuffizienz versteht man die Eröffnung und Erweichung des Muttermunds bei gleichzeitiger Verkürzung des Gebärmutterhalses.

Suchen Sie bei den ersten Anzeichen einer drohenden Frühgeburt eine Klinik auf – häufig kann bei einer schnellen Behandlung die Geburt noch hinausgezögert werden!

Schwangerschaft und Geburt

Was kann man tun, wenn sich eine Frühgeburt ankündigt?

(PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Kinder, die deutlich zu früh geboren werden, sind für das Leben außerhalb des Mutterleibs noch nicht ausreichend entwickelt. Wenn eine Frühgeburt absehbar ist, gibt es aber oft noch Möglichkeiten, das Kind vor Risiken zu schützen.

Manche Kinder werden unerwartet und sehr plötzlich zu früh geboren. Meist kündigt sich eine Frühgeburt jedoch durch bestimmte Warnzeichen an. Dann ist es oft möglich, die Geburt noch etwas hinauszuzögern. In dieser Zeitspanne kann man einiges tun, damit das Baby nach der Geburt bessere Chancen hat, zu überleben und sich gesund zu entwickeln. Wichtig ist vor allem die Behandlung der Mutter mit Kortison. Das Medikament trägt dazu bei, dass die Lungen des Kindes schneller reifen.

Was ist eine Frühgeburt?

Normalerweise setzen die Wehen nach neun Schwangerschaftsmonaten ein. Dann spricht man von einer Terminschwangerschaft. Eine Termingeburt bedeutet, dass das Kind in der Zeit um die 40. Schwangerschaftswoche herum geboren wird. Manchmal setzen die Wehen aber um Wochen früher ein oder es kommt zu Schwangerschaftskomplikationen, die eine frühere Geburt des Kindes nötig machen. Wird eine Schwangerschaft durch eine Operation (Kaiserschnitt) oder die Einleitung der Wehen vorzeitig beendet, wird dies als „elektive Frühgeburt“ bezeichnet. Setzen die Wehen von allein ein, spricht man von einer „spontanen Frühgeburt“.

Zu den Faktoren, die eine Frühgeburt auslösen können, gehören Infektionen, eine Gebärmutterhalsschwäche oder Probleme mit der Plazenta. Auch Mehrlingsschwangerschaften sind ein Risikofaktor: Etwa die Hälfte aller Zwillings-Schwangerschaften und nahezu alle Drillings-Schwangerschaften enden mit einer Frühgeburt. Oft findet sich allerdings keine Erklärung für das vorzeitige Ende der Schwangerschaft.

Alle vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geborenen Kinder gelten als Frühgeborene. In Deutschland sind das etwa 9 von 100 Schwangerschaften. Da sich der Körper des Kindes zu dieser Zeit noch immer rasch weiterentwickelt, kann jede zusätzliche Woche im Mutterleib für seine Lebensfähigkeit und Gesundheit nach der Geburt einen großen Unterschied bedeuten.

Je nach der Dauer der Schwangerschaft werden drei Gruppen von Frühgeborenen unterschieden:

  • extrem früh Geborene (weniger als 28 Schwangerschaftswochen),
  • sehr früh Geborene (28 bis 31 Schwangerschaftswochen) und
  • mäßig früh Geborene (32 bis 37 Schwangerschaftswochen).

Drei Gruppen von Frühgeborenen

Je unreifer das Neugeborene, umso kleiner und weniger entwickelt ist es. Eine zu frühe Geburt beeinträchtigt vor allem die Atmung des Kindes: Seine Lungen entwickeln sich zwar bereits von Beginn der Schwangerschaft an, sind aber erst nach ungefähr 34 Schwangerschaftswochen soweit herangereift, dass sie eigenständig arbeiten können. Ansonsten gesunde, mäßig früh geborene Kinder haben deshalb auch ein geringeres Risiko für Atemprobleme als „sehr früh“ und „extrem früh“ Geborene.

Woran erkenne ich vorzeitige Wehen?

Frauen, die das Gefühl haben, dass bei ihnen vorzeitige Wehen einsetzen, haben mit dieser Vermutung meist Recht. Sie sollten sich rasch mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt, ihrer Hebamme oder dem Krankenhaus in Verbindung setzen. Vor allem vor Vollendung der 34. Schwangerschaftswoche bedeuten vorzeitige Wehen einen Notfall. Je früher dann eine spezielle medizinische Versorgung beginnt, desto besser kann dem Kind geholfen werden.

An folgenden Hauptzeichen ist erkennbar, dass womöglich vorzeitige Wehen einsetzen:

  • Es sind regelmäßige Kontraktionen zu spüren, begleitet von krampfartigen Schmerzen (Wehenschmerzen).
  • Fruchtwasser geht ab: Das bedeutet, die wassergefüllte Fruchtblase, die das Baby in der Gebärmutter umgibt, ist geplatzt (Blasensprung).
  • hellrote Blutungen: Sie bedeuten immer einen Notfall.

Die Regelmäßigkeit der Kontraktionen ist als Zeichen für vorzeitige Wehen wichtiger als begleitende Schmerzen. Dass sich die Gebärmutter in der Schwangerschaft gelegentlich zusammenzieht (kontrahiert), ist normal. Wenn diese Kontraktionen aber sehr regelmäßig auftreten und nicht wieder verschwinden, könnte es sich um Geburtswehen handeln.

Was kann man bei vorzeitigen Wehen tun?

Es gibt vier wichtige Aspekte, die eine Frau am besten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt bespricht, wenn sie vorzeitige Wehen hat:

  • die Entscheidung über den Entbindungsort: Es kann nötig sein, die Pläne für die Geburt zu ändern und eine Geburtsklinik zu wählen, die möglichst optimale Bedingungen für die Versorgung eines zu früh geborenen Kindes bietet;
  • den Einsatz bestimmter Medikamente (sogenannter Tokolytika), um zu versuchen, die Wehen zu stoppen;
  • die Einnahme von Antibiotika, wenn für Mutter und / oder Kind ein Infektionsrisiko besteht;
  • die Behandlung der Mutter mit Kortison (Fachbegriff: Kortikosteroide), um die Lungenreifung des ungeborenen Kindes zu unterstützen und zu beschleunigen (Steroidbehandlung). Die Gabe von Kortison kann schweren Erkrankungen vorbeugen und das Überlebensrisiko des Kindes erhöhen.
  • die Verringerung körperlicher Aktivität: Je nach Situation kann es sinnvoll sein, sich weniger zu bewegen und viel zu liegen. Manchmal ist auch strenge Bettruhe nötig.

Manchmal können Tokolytika vorzeitige Wehen zum Stillstand bringen, meist können sie die Geburt aber nur für wenige Tage verzögern. Diese kurze Verzögerung macht es aber oft möglich, die Lungenreifung mit Kortison zu beschleunigen.

Was Studien sagen

Nach der Geburt

Nach der Geburt kann ein Wirkstoff namens Surfactant helfen, die Atmung des Kindes zu unterstützen. Unreife Lungen sind „steif“ und können sich nur schwer entfalten, was aber zum problemlosen Ein- und Ausatmen nötig wäre. Surfactant ist eine Flüssigkeit, die ein ungeborenes Kind normalerweise etwa nach der 32. Schwangerschaftswoche selbst in der Lunge produziert.

Wenn ein Baby zu früh geboren wurde, wird es von einem Spezialteam betreut und sorgfältig überwacht. Unter Umständen benötigt ein Frühchen sehr viel Unterstützung, damit es richtig atmen kann, warm bleibt und ausreichend Nährstoffe erhält. Je nachdem, wie unreif das Kind noch ist, kann eine besondere intensivmedizinische Behandlung nötig sein.

Die Zeit, bis ein zu früh geborenes Baby außer Gefahr ist, ist für die Eltern meist voller Ängste und Sorgen. Auch wenn ihr Baby durch Spezialistinnen und Spezialisten betreut werden muss, kann eine Mutter selbst etwas tun: Zum Beispiel kann sie (vielleicht mit Unterstützung) ihre Milchproduktion anregen und Milch abpumpen, damit das Baby damit ernährt werden kann, sobald es Muttermilch verträgt.

Neben aller Sorge um das Kind ist es aber auch wichtig, sich um sich selbst zu kümmern, um sich von der Geburt zu erholen und die damit zusammenhängenden Gefühle und Erlebnisse zu verarbeiten. So gelingt es auch besser, sich möglichst umfassend an der Pflege und Betreuung des Babys zu beteiligen.

Wenn das Frühchen einen Monat alt ist, wird es wahrscheinlich die Größe erreicht haben, die es auch im entsprechenden Schwangerschaftsmonat gehabt hätte: Wurde das Kind beispielsweise nach sieben Schwangerschaftsmonaten geboren, ist es nach einem Monat etwa so groß wie ein ungeborenes Kind nach acht Schwangerschaftsmonaten. Eine Zeitlang wird das Baby also noch kleiner und unreifer sein als zum errechneten Termin geborene Säuglinge. Wie gut es dem Kind gehen wird, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Wenn keine größeren Probleme auftreten, ist es jedoch wahrscheinlich, dass ein Frühchen das Krankenhaus ungefähr zu dem Zeitpunkt verlassen kann, an dem es termingerecht geboren worden wäre.

Quellen

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Haas DM. Preterm birth. BMJ Clin Evid 2011: pii: 1404.

Roberts D, Brown J, Medley N, Dalziel SR. Antenatal corticosteroids for accelerating fetal lung maturation for women at risk of preterm birth. Cochrane Database Syst Rev 2017; (3): CD004454.

Schleußner E. The prevention, diagnosis and treatment of premature labor. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(13): 227-236.

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Schlagwörter: D50, D64, Entbindung, F82, F83, F89, Fortpflanzung und Geburt, Frauengesundheit, Frühgeburt, Geburt, Kaiserschnitt, Kind und Familie, Morgenübelkeit, O09, O26, R11, Regurgitation, Schwangerschaft, Spucken bei Babys, Übelkeit, Übertragung, Z34, Z38 Aktualisiert am 7. März 2018 7. März 2018
Erstellt am 14. März 2008
Nächste geplante Aktualisierung: 2021
So arbeiten wir Autoren/Herausgeber: Institut für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
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Fragen an die Hebamme: Was sind späte Frühchen?

Der „normale“ Geburtszeitraum geht von der vollendeten 37. bis zur 42. Schwangerschaftswoche. Kinder, die drei Wochen vor dem errechneten Termin (aufgrund seiner Ungenauigkeit auch gerne „erratener“ Termin genannt), zur Welt kommen, gelten also nicht mehr als zu früh geboren. Babys, die vor diesem Zeitpunkt geboren werden, nennt man Frühgeborene. Wobei es auch hier noch eine Unterscheidung je nach Schwangerschaftswoche gibt. Denn natürlich gilt: Je früher ein Kind zur Welt kommt, umso schwerer ist der Start. Und umso größer sind die damit verbundenen Risiken.

Vor der 28. Schwangerschaftswoche spricht man von einer extremen, bis zur 32. Schwangerschaftswoche von der sehr frühen Frühgeburt. Danach handelt es sich um eine mäßig frühe Frühgeburt (Moderate Preterm). Die „späten Frühchen“ (Late Preterm) werden zwischen der 34+0 bis zur 36+6 Schwangerschaftswoche geboren. Die Überlebenschancen der Kinder liegen bereits nach der 28. Schwangerschaftswoche bei über 90 Prozent. Auch die Komplikationsrate nimmt mit dem Alter der Kinder ab.

Wenn ein Baby also nur wenige Wochen oder Tage vor seinem eigentlich Geburtszeitraum zur Welt kommt, ist die Situation sicherlich wesentlich entspannter, als wenn ein sehr kleines Kind mit einem nur geringen Geburtsgewicht zur Welt kommt. So ein spätes Frühgeborenes kommt auch durchaus mit 3000 Gramm oder mehr Geburtsgewicht auf die Welt und unterscheidet sich dadurch zumindest optisch gar nicht so sehr von einem reifen, in Terminnähe geborenem Baby.

Stillprobleme sind gar nicht so selten

Wahrscheinlich wird auch deshalb gerne mal „vergessen“, dass es sich trotzdem um eine Frühgeburt handelt. Es handelt sich um ein Baby, das noch nicht so ganz fertig auf die Welt gekommen ist. So haben die späten Frühgeboren häufig Anpassungsprobleme nach der Geburt etwa in Bezug auf die Atmung, die Temperaturregulation und auch bei der Nahrungsaufnahme. Die Kinder haben auch öfter mal Probleme mit dem Blutzuckerspiegel oder einer verstärkten Neugeborenengelbsucht (Hyperbilirubinämie). Und auch damit verknüpft kommen Stillprobleme bei den späten Frühgeborenen gar nicht so selten vor.

Auch die Saug- und Schluckreflexe sind oft durch die neuronale Unreife bedingt noch etwas schwach. Die Kinder brauchen außerhalb des Bauches einfach noch etwas mehr Zeit, um zu üben, wie sie Saugen und Schlucken gut koordinieren können. Die häufiger auftretende Hyperbilirubinämie sorgt oft zusätzlich dafür, dass die Kinder etwas müder sind und schnell an der Brust einschlafen. Und wenn das Baby dann das Stillen selbst nicht gut genug anregen kann, ist es wichtig, dass die Mütter eine gute Anleitung zum Pumpen bekommen, damit die Milchbildung entsprechend gut stimuliert wird.

Weil die späten Frühchen oft auch schnell an Gewicht verlieren, ist hier häufiger das zusätzliche Zufüttern erforderlich. Und dies sollte idealerweise mit abgepumpter Muttermilch möglichst an der Brust direkt geschehen. Eine dünne Sonde mit Spritze oder ein Brusternährungsset könnten hier zum Einsatz kommen.

Viel Hautkontakt fördert das Stillen

Viel Hautkontakt fördert das Stillen und ist auch für die Wärmeregulation des Babys gut. Oft melden sich die späten Frühchen aber nicht von sich aus, sondern schlafen einfach noch sehr viel. Vieles von dem, was ein reif geborenes Baby von sich aus einfordert, muss bei den späten Frühchen etwas mehr unterstützt werden. Darum ist es wichtig, dass die Mütter eine gute Begleitung und Stillberatung in dieser Zeit bekommen und auch, dass natürlich Gewicht, Ausscheidung und die Anpassung des Babys gut im Auge behalten werden. Oft dürfen Eltern und Kind bereits wenige Tage nach der Frühgeburt nach Hause. Das ist natürlich gut und der beste Ort, um noch ein bisschen „nachzureifen“. Trotzdem sollten Eltern dann auch dort eine gute Unterstützung und Begleitung haben, vor allem wenn bereits in der Klinik Stillprobleme aufgetreten sind.

Und auch die Mütter brauchen etwas mehr Zeit und Raum, um anzukommen, wenn die Schwangerschaft doch plötzlich kürzer war als gedacht. Auch wenn vieles vielleicht zu Hause schon vorbereitet war, so hat der Kopf oft doch erst später mit der Ankunft des Babys gerechnet. Und so groß die Freude über das geborene Baby ist, so sehr vermissen auch viele Mütter die Zeit, in der es in ihrem Bauch gewachsen ist – und die nun so abrupt endete. Auch Vorwürfe, ob man womöglich selbst mit Schuld an der Frühgeburt trägt, müssen nicht selten relativiert werden. Auch hier ist viel direkter Hautkontakt mit dem Baby gut und heilsam.

Die späten Frühchen machen die größte Gruppe der Frühgeburten aus, die generell bei rund neun Prozent bezogen auf alle Neugeborenen liegt. Das ist recht viel, trotzdem wird diese Gruppe bisweilen immer noch ein bisschen „vernachlässigt“, eben weil die Kinder einen äußerlich so stabilen und reifen Eindruck machen. Tatsächlich ist die praktische Unterstützung für Eltern von früher geborenen Kindern oft höher als bei den späten Frühchen. Dies ist mit ein Grund, warum das Stillen in dieser Gruppe oft mit vielen Hürden verbunden ist, wie auch Studien deutlich belegen.

Auch ein bisschen zu früh ist meist einfach doch noch zu früh. Die meisten dieser Kinder hätten einfach idealerweise noch ein bisschen Zeit im Bauch gebraucht. Deshalb sollte auch immer bei einer geplanten Einleitung der Geburt oder einem geplanten Kaiserschnitt vor dem Termin gut abgewogen werden, ob wirklich eine Indikation dafür vorliegt, dass das Baby früher auf die Welt geholt wird. Ein zu früher Start ist immer eine Herausforderung für ein Baby – aber auch eine für seine Eltern.

Frühgeburt: Ursachen, Risiken und Probleme

Heute überleben viel mehr Frühgeborene als noch vor 40 Jahren. Für die medizinische und pflegerische Versorgung von Frühchen gibt es strenge Vorgaben. Der Personalmangel in den Spezialkliniken ist aber aktuell ein Problem.

Geburtsterminrechner – Wann kommt mein Kind auf die Welt?

Geburtsterminrechner
Wann kommt mein Kind auf die Welt?

Marie verfolgt alles um sie herum mit großen Augen. Und wenn ihre Mutter da ist, ist die Welt für sie in Ordnung. Die Einjährige und ihre Mutter Janine Schöneis haben eine ganz besonders enge Beziehung. Als das Mädchen auf die Welt kam – drei Monate vor dem eigentlichen Geburtstermin – wog sie nur 830 Gramm. Für die Familie aus Menden im Sauerland begannen damit bange und intensive Wochen. Inzwischen wiegt sie stolze sieben Kilo, robbt durch das Wohnzimmer und zieht sich an Stühlen hoch.

Frühchen kommen vor Vollendung der 37. SSW zur Welt

Frühchen sind die größte Patientengruppe im Kindesalter: Rund 60.000 Babys pro Jahr kommen in Deutschland vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Die gute Nachricht: Die Überlebensrate der Frühgeborenen ist kontinuierlich besser geworden.

Schwangerschaftskalender – Das passiert nach der Befruchtung

Schwangerschaftskalender
Das passiert nach der Befruchtung

„Es ist total erfreulich“, sagt Wolfgang Göpel, Leiter des Deutschen Frühgeborenen Netzwerks. Das vom Bund geförderte Projekt hat bisher fast 20.000 Frühchen erfasst und bereits über 2.000 von ihnen im Alter von fünf Jahren untersucht. „Die meisten überleben gesund“, betont der Neonatologe vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck.

So ist es auch bei Marie. Mit 2.245 Gramm wird sie nach fast zwei Monaten aus der Klinik entlassen. Regelmäßige Untersuchungen beim Kinderarzt zeigen schnell, dass Marie keine Folgeschäden davon getragen hat. Marie sei zwar ein zartes Kind, sagt ihre Mutter, aber die Entwicklung sei altersgerecht.

Im Jahr 2017 gab es laut Bundesauswertung der Geburtshilfe 773.317 Geburten insgesamt. 66.730 Babys kamen vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt. 11.051 dieser Frühgeborenen hatten ein Geburtsgewicht von unter 1.500 Gramm. Für sie gibt es spezialisierte Krankenhäuser, sogenannten Perinatalzentren. In Deutschland gibt es 310 solcher Krankenhäuser.

Strenge Vorgaben für die Frühchen-Versorgung

In der Frühgeborenenmedizin gibt es dennoch Verbesserungsmöglichkeiten. Forschungsbedarf sieht Göpel vor allem noch bei der Arzneimittelsicherheit. „Wir benötigen mehr Daten, was Nebenwirkungen von Medikamenten angeht“, sagt er. So haben häufig eingesetzte Medikamente möglicherweise langfristig negative Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung. Der Intelligenzquotient lässt sich erst ab einem Alter von fünf Jahren messen.

Für die medizinische und pflegerische Versorgung von Frühchen gibt es strenge Vorgaben, die 2013 noch einmal verschärft wurden. Bundesweit haben die sogenannten Perinatalzentren derzeit Schwierigkeiten, ausreichend Fachpersonal zu finden. Zuletzt hatte die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) berichtet, dass sie in diesem Jahr 298 schwerkranke Kinder aus anderen Häusern nicht aufnehmen konnte, weil es nicht genug Intensivpflegekräfte gibt.

„Diese Dinge müssten politisch gelöst werden“, sagt die Präsidentin der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, Ursula Felderhoff-Müser. „Die gesamte Kinderheilkunde ist unterfinanziert.“ In einigen Regionen könnten Perinatalzentren zusammengelegt werden, schlägt die Direktorin der Klinik für Kinderheilkunde an der Universität Essen vor. Dabei sei zu beachten, dass auch die Häuser ohne Perinatalzentren höchster Versorgungsstufe weiterhin genug Geld bekommen.

Was mögliche Ursachen für eine Frühgeburt sein können

In Deutschland gab es 2017 insgesamt 165 Perinatalzentren der Stufe 1 und 46 der Stufe 2. Bei der überwiegenden Mehrheit der Fälle ist die Frühgeburt schon während der Schwangerschaft absehbar und damit planbar. Die Eltern können sich unter anderem mit Hilfe der Internet-Seite www.perinatalzentren.org eine passende Klinik aussuchen.

Ursache für eine Frühgeburt können Störungen an der Plazenta oder Gebärmutter sein. Dem Verband für das frühgeborene Kind zufolge kommen oft körperliche und psychische Gründe zusammen. So machten Stress und Ängste den Körper anfällig für Infektionen und Krankheiten und könnten eine Frühgeburt auslösen. Psycho-soziale Aspekte sollten Hebammen während der Betreuung in der Schwangerschaft noch stärker beachten, meint Ursula Jahn-Zöhrens aus dem Präsidium des Deutschen Hebammenverbandes. „Die Begleitung muss ganzheitlicher gesehen werden.“

Frühchenstation: Kinderintensivpflegekraft Anna versorgt einen kleinen Patienten auf der Kinderintensivstation 67 in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). (Quelle: Ole Spata/dpa)

Länger Elterngeld für Eltern von Frühchen?

Unterstützung benötigen die Eltern auch, wenn sie oft erst Monate nach der Geburt ihr Kind aus der Klinik mit nach Hause nehmen dürfen. Zuvor gab es eine 24-Stunden-Überwachung von spezialisierten Pflegekräften, jetzt sind sie auf einmal allein verantwortlich. „Es geht darum, dass die Eltern Selbstvertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten gewinnen“, sagt Tanja Brunnert aus Göttingen, Sprecherin des Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte für Niedersachsen.

  • Frühgeburt: Wann ein Baby ein Frühchen ist
  • Trotz medizinischer Fortschritte: Darum nimmt die Zahl der Frühgeburten nicht ab
  • Therapiemöglichkeiten: Frühgeburt – Anzeichen erkennen, Risiken vermeiden
  • Frühchen: Die Langzeitfolgen einer Frühgeburt

Der Verband für das frühgeborene Kind setzt sich zudem dafür ein, dass Frühchen-Eltern auch über den 14. Lebensmonat hinaus Elterngeld beziehen können. „Häufig sind die Kinder mit einem Jahr noch nicht so weit, dass sie in eine Kita oder zu einer Tagesmutter können“, sagt Verbandssprecherin Katarina Eglin.

Ungefähr 5 – 10 % aller Kinder sind Frühgeborene, in der Schweiz jährlich etwa 4500. Ein Frühgeborenes ist ein Kind, das mindestens zwei Wochen zu früh, also vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Das Geburtsgewicht der “Frühchen” liegt im Durchschnitt bei weniger als 2500 g.

Immer kleinere und unreifere Babys können durch intensivmedizinische Betreuung überleben. Doch der Preis, den sie zahlen, ist hoch: Zwei Drittel der Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm tragen lebenslange Schäden davon. Oft sind Entwicklungsverzögerungen die Folge. Auch Wortschatz, Seh- oder Hörvermögen können beeinträchtigt werden. In schweren Fällen kommt es auch zu einem Krampfleiden (Epilepsie) oder schweren Hirnschäden.

Eine Frühgeburt kann – grob gesagt – zweierlei Ursachen haben:

  • Die Schwangerschaft wird bewusst und geplant vorzeitig beendet, weil das Kind ausserhalb der Gebärmutter besser versorgt werden kann, z.B. bei Plazentainsuffizienz, oder
  • es setzen vorzeitige Wehen ein, die sich trotz medizinischer Massnahmen nicht mehr verhindern lassen.

Im ersten Fall wird aufgrund einer gravierenden Komplikation während der Schwangerschaft eine frühzeitige Geburt empfohlen, entweder durch künstliche Einleitung der Wehen oder per Kaiserschnitt. In diesem Fall ist eine Frühgeburt also das kleinere Übel für das Kind, ja es kann sogar sein Leben retten.

Im zweiten Fall (der sogenannten spontanen Frühgeburt) setzen vorzeitige Wehen ein. Nur in höchstens der Hälfte aller Fälle kann man die Gründe für solch eine spontane Frühgeburt eindeutig nachvollziehen. Einige bekannte Risikofaktoren, die vorzeitige Wehen und eine Frühgeburt wahrscheinlicher machen:

  • Eine intrauterine Infektion, die durch eine unentdeckte und unbehandelte Vaginal-, Gebärmutterhals- oder Harnwegsinfektion ausgelöst wurde,
  • ein oft durch die Infektion ausgelöster und nicht rechtzeitig bemerkter vorzeitiger Blasensprung,
  • Fehlbildungen der Gebärmutter (z.B. Uterus bicornis, Uterus subseptus)
  • Muttermundschwäche,
  • zuviel Fruchtwasser und vor allem
  • eine Mehrlingsschwangerschaft. Zwillings- und Drillingsschwangerschaften sind für 15% aller Frühgeburten verantwortlich.
  • Weitere Risikofaktoren: Negativ-Stress wie Partnerschaftsprobleme, Existenzsorgen, Bluthochdruck, Rauchen.

Das Alter der werdenden Mutter scheint – zumindest bei guter Schwangerschaftsvorsorge – keine grosse Rolle beim Risiko für eine Frühgeburt zu spielen. Dass sehr junge Schwangere ihre Kinder etwas häufiger zu früh auf die Welt bringen, hat wahrscheinlich eher mit den letztgenannten Risikofaktoren zu tun. Wichtig zur Risikoeinschätzung ist auch die Vorgeschichte: Das Wiederholungsrisiko beträgt bei einer bereits erfolgten Frühgeburt vor der 37. SSW 20 %, vor der 32. SSW sogar 30 %. Je mehr Frühgeburten in der Anamnese, desto höher ist auch das neuerliche Risiko.

Haben die Wehen erst einmal eingesetzt ist es oft schon zu spät, um sie gänzlich zu bekämpfen. Mit wehenhemmenden Medikamenten (Tokolytika) wird versucht, die Geburt herauszuzögern. Das weitere Vorgehen mit stationärer Aufnahme, Wehenhemmung und Gabe von Medikamenten zur Förderung der fetalen Lungenreife wird individuel angepasst.

Frühgeborene sind leichter und kleiner als termingeborene Kinder. Aber auch in ihren Körperfunktionen sind sie meist nicht reif genug, um ohne die medizinische Hilfe, wie sie optimalerweise auf einer Neugeborenen-Intensivstation gewährleistet ist, überleben zu können. Die Prognose ist meist abhängig davon, in welcher Schwangerschaftswoche das Kind geboren wird. Je später in der Schwangerschaft eine Frühgeburt erfolgt und je schwerer das Kind ist, desto besser sind seine Überlebenschancen und auch die Wahrscheinlichkeit auf geistige und körperliche Gesundheit.

Durch die vorzeitig beendete Schwangerschaft, den oft lange dauernden Spitalaufenthalt und die Unsicherheit über die Entwicklung des Kindes sind die betroffenen Eltern grossen Belastungen ausgesetzt. Und diese sind nicht beendet, wenn das Frühgeborene aus dem Spital nach Hause entlassen wird. Oft ist eine mehrjährige Nachbetreuung erforderlich. Der Austausch mit anderen betroffenen Eltern in einer Selbsthilfegruppe kann da Entlastung bedeuten und Mut geben. Der Verein KÄNGURU (frühgeborene Kinder und frühgeborene Eltern) will den Erfahrungsaustausch zwischen betroffenen Eltern ermöglichen, Informationen sammeln und weitergeben, den Kontakts zwischen Eltern und Fachpersonen fördern und die Öffentlichkeit für die Thematik sensibilisieren. Kontakt über www.fruehgeborene.ch

Häufige Fragen:

Ab welcher Schwangerschaftswoche muss mein Baby nicht mehr in den Brutkasten?

Kann es sein, dass man einen Blasensprung gar nicht bemerkt?

Was bedeutet es, wenn der Gebärmutterhals „verkürzt“ ist?

Stimmt es, dass häufige Blasenentzündungen eine Frühgeburt auslösen können?

Senkt gute Zahnhygiene das Frühgeburtsrisiko?

In der 36. SSW habe ich schon recht häufig einen harten Bauch. Sind das Senkwehen? Kommt mein Baby jetzt früher?

Ab wann muss man nichts mehr gegen vorzeitige Wehen tun?

Warum wird bei Frühgeburten oft ein Kaiserschnitt durchgeführt?

Die Messung des Scheiden-pH-Werts

Gabe von Progesteron senkt Frühgeburtrisiko

Kaiserschnitt ist bei Frühgeburt nicht schonender

Zunahme der Frühgeburten weltweit

Frühgeburt als Ursache für Intelligenzdefekte

Aufschub des Mutterschaftsurlaubes bei einer Frühgburt

Strikte Bettruhe ist out | 22.07.2019

Körperliche Schonung und Bettruhe – das war bis vor einiger Zeit noch Standard, um eine drohende Frühgeburt zu verhindern. Jetzt sehen die Frauenärzte das nicht mehr so streng. Einerseits gebe es keinen wissenschaftlichen Beweis, dass strikte körperliche Schonung (selbst bei beruflichen Belastungen wie schweres Heben, mehr als sechsstündiges tägliches Stehen oder Schichtarbeit) die Frühgeburtenrate senkt. Andererseits steigt mit der Bettruhe das mütterliche Thromboserisiko, Muskelabbau und Osteoporose können folgen. Man würde eine Patientin zwar arbeitsunfähig schreiben, aber keine strenge Bettruhe mehr empfehlen. Zur Verhinderung einer Frühgeburt wird Tokolyse (Wehenhemmung) und Cortison zur Anregung der fetalen Lungenreifung von der 23. – 34. SSW empfohlen, ausserdem täglich von der 25. – 37. SSW Progesteron intravaginal, wenn die Zervix verkürzt ist auf weniger als 25 mm. Schwangere, die bereits eine Frühgeburt oder einen Spätabort hatten, sollten in dieser Situation eine Cerclage oder ein Zervixpessar erhalten.

Schwer gehoben – Frühgeburt? | 11.06.2019

Zum zweiten Mal schwanger – wie sollen sich Schwangere verhalten, die ihr „grosses“ Kleinkind täglich mehrmals heben müssen? Ab wann ist die Last zu schwer? Im Arbeitsgesetz steht, dass es für Schwangere bis zum Ende des 6. Monats nicht zulässig ist, regelmässig Lasten von mehr als fünf Kilogramm Gewicht oder gelegentlich Lasten von mehr als zehn Kilogramm Gewicht zu heben; ab dem 7. Monat sind auch geringere Lasten untersagt. Ob und welche Folgen drohen, wenn Schwangere trotzdem öfter oder schwerer heben, ist wissenschaftlich nicht belegt. Frauenärzte sehen – im Gegensatz zu früher – heute im Normalfall keinen Zusammenhang zwischen Heben und Frühgeburt. Muss eine Schwangere etwas Schweres heben, sollte sie dazu rückenschonend in die Knie gehen, den zu hebenden Gegenstand oder das Kind nahe an den Körper heranziehen und langsam aufstehen. Dabei den Beckenboden anspannen. So wird Rückenschmerzen und einer Beckenbodenschwäche vorgebeugt.

Ein Wunder von 268 Gramm | 27.03.2019

Kaum mehr als eine Packung Butter wog ein extremes Frühgeborenes im vergangenen August – nun konnte der kleine Junge mit stolzen 3,2 kg aus einem Krankenhaus in Tokio entlassen werden. Damit gilt er als derzeit kleinster überlebender Junge der Welt. Der bisher kleinste überlebende Junge erblickte 2009 in Deutschland mit 274 g das Licht der Welt. Das kleinste Mädchen der Welt wurde – ebenfalls in Deutschland – mit lediglich 252 g geboren. In der Datenbank der Universität Iowa (USA) sind lediglich 23 Säuglinge aufgeführt, die mit einem Geburtsgewicht von weniger als 300 g überlebten. Diese Babys haben eine Überlebenschance von weniger als 50 % – und dies auch nur, wenn sie in einem spezialisierten Perinatalzentrum betreut werden.

Grippe-Impfung | 11.10.2017

Wenn eine schwangere Frau an einer Influenza, der echten Grippe, erkrankt, steigt ihr Risiko für eine Frühgeburt. Bei den Frühgeborenen verursachen die Influenza-Viren und das hohe Fieber oft schwere Lungenentzündungen und einen dauerhaften Gehirnschaden. Aber auch termingerechten Neugeborenen schadet das Influenza-Virus. Nicht überraschend, dass Schwangeren die Grippeimpfung im Herbst besonders empfohlen wird. Denn die Antikörper, die die schwangere Frau danach gegen die Grippe entwickelt, gibt sie auch auf ihr Baby weiter, das so in seinen ersten Lebenswochen mit geschützt wird. Die Impfung kann vor der Schwangerschaft stattfinden oder nach der 12. Schwangerschaftswoche bis in die letzten Wochen vor der Geburt. Sie schadet weder der Schwangeren noch dem Baby, wie zahlreiche Untersuchungen bis ins Schulalter hinein gezeigt haben.

Jedes zehnte Kind wird zu früh geboren: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist in einem Bericht darauf hin, dass jährlich 15 Millionen Kinder als Frühchen auf die Welt kommen – und zu oft nicht überleben. Frühgeburten seien die zweithäufigste Todesursache für Säuglinge nach Lungenentzündungen. In Industrieländern gelten vor allem ältere Mütter, Bluthochdruck und Rauchen als Risikofaktoren. Auch Mehrlinge – oft eine Folge von Kinderwunschbehandlung – tragen zur Zunahme der Frühgeburten bei. (swissmom-Newsticker 4.5.2012)

Starke Übelkeit – seltener Fühgeburt: Die Auswertung von mehr als 2,5 Millionen Geburten zwischen 1969 und 2009 in Norwegen ergab bei 1,4% der Schwangeren die Diagnose „Hyperemesis gravidarum“, also übermässige Schwangerschaftsübelkeit. Das erstaunliche und völlig unerwartete Ergebnis aber war: Auch wenn man Alter, Zahl der bisherigen Geburten und das Geburtsland der Mutter berücksichtigte, zeigte sich, dass diese Frauen seltener ihr Baby vor der 32. Woche als Frühgeburt bekamen. Warum das so ist, soll weiter erforscht werden. Weniger überraschend war, dass die Kinder seltener zu gross und zu schwer geboren wurden. (swissmom-Newsticker, 24.10.2013)

Letzte Aktualisierung : 03-04-18, BH

Frühgeburt erkennen – mögliche Ursachen und Risiken

Frühgeburten können sowohl mit spontaner Wehentätigkeit als auch als geplante Operation vorkommen. © Phattana – Fotolia.com.

Eine Frühgeburt resultiert aus einem komplexen Geschehen, dessen genaue Ursachen immer noch nicht abschließend geklärt sind. Anhand vieler Studien und Untersuchungen hat man einige Faktoren herausgefunden, die im engen Zusammenhang mit einer Frühgeburt stehen.

1. Was versteht man unter einer „Frühgeburt“?

Frühgeburt bzw. vorzeitige Wehentätigkeit definieren sich durch ihr Eintreten vor der vollendeten 37. SSW.

Physiologisch unterscheidet sich die vorzeitige Wehentätigkeit nicht von der Wehentätigkeit am Termin – außer, dass sie zu früh eintritt. Frühgeburten können sowohl mit spontaner Wehentätigkeit als auch als geplante Operation vorkommen.

2. Ursachen für eine Frühgeburt

Viele psychologische, persönliche, soziale und ökonomische Ursachen und Faktoren beeinflussen das Risiko einer Frühgeburt.

2.1. Sozio-ökonomische Faktoren

  • Soziale Schicht
  • Alter der Mutter ( < 18 bzw. > 35 Jahre)
  • Alleinstehend

2.2. Persönliche Faktoren

  • Intimhygiene
  • Sexuelle Aktivität und Kontrazeption
  • Genetik, Stress, Angst
  • Ungesunde Lebensweise der Mutter
  • Rauchen, Drogen, Alkohol
  • frühere Frühgeburten
  • mehr als 2 Fehlgeburten

2.3. Risiken während der bestehenden Schwangerschaft:

  • Mehrlinge
  • Placenta praevia
  • Vaginale Blutung
  • Vaginale Infektionen (z.B. Scheidenpilzinfekion, bakterielle Vaginose, Scheidenentzündung etc.)
  • Harnweginfektion (z.B. Blasenentzündung)

Zwei Ursachen stehen dabei im Mittelpunkt: die Zervixinsuffizienz und die vorzeitigen Wehen. Beides sind eigenständige Probleme, werden aber oft durch eine Entzündung von Scheide und Zervix ausgelöst. Der dritte Faktor ist die Plazentainsuffizienz, die häufig mit einer Frühgeburt endet.

3. Zervixinsuffizienz

Eine Zervixinsuffizienz liegt dann vor, wenn der Verschlussapparat des unteren Gebärmuttersegments nicht ausreicht, um die Schwangerschaft genügend lange zu halten. Oft sind es Bindegewebsschwächen und andere Faktoren, die zu einer Verkürzung und Öffnung des Gebärmutterhalses führen könnten. Mehrlingsschwangerschaften sind aufgrund des höheren Füllungsdrucks ebenfalls ein Risikofaktor für eine Zervixinsuffizienz.

Symptome

Die meisten Frauen bemerken die Symptome nicht. Wenn der kindliche Kopf auf den Gebärmutterhals drückt, verspüren dies die Frauen als „Druck nach unten“. Die Zervixinsuffizienz wird meist im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung entdeckt.

Die Diagnose wird durch die Tastenuntersuchung gestellt. Die Zervix wird nach ihrer Länge, Konsistenz und Stellung in der Scheide beurteilt. Ein wichtiges Kriterium ist die Ultraschalluntersuchung, bei der die Zervixlänge ausgemessen wird.

4. Vorzeitige Wehen

Vorzeitige Wehentätigkeit sind Kontraktionen der Gebärmutter, die einen vorzeitigen Geburtsfortschritt bewirken. Manchmal ist es sehr schwierig zwischen physiologischen Kontraktionen, die der Vorbereitung der Gebärmutter dienen und vorzeitigen Wehen, die zu einer Frühgeburt führen, zu unterscheiden. Zwei, drei Kontraktionen pro Stunde gelten in der 26.-30. SSW noch als normal.

Bedenklich sind Wehen, wenn sie in regelmäßigen Abständen auftreten und als schmerzhaft empfunden werden.

Ursache für Wehentätigkeit

Die Ursachen und die Auslöser von vorzeitigen Wehen sind vielfältig. Folgende Faktoren gelten als Risiken für vorzeitige Wehen:

  • vermehrtes Fruchtwasser
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • zu großes Kind

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