Antibiotika für kinder

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Mittel­ohr­ent­zün­dung: Können Anti­bio­tika bei Babys und Klein­kin­dern die Beschwerden lindern?

Mittelohrentzündungen können Schmerzen und Fieber verursachen. Dies kann mit Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden. Ob Antibiotika bei einer Mittelohrentzündung sinnvoll sind, hängt davon ab, welche zusätzlichen Beschwerden ein Kind hat. Antibiotika helfen nur gegen bakterielle Infektionen. Bei Kindern mit bestimmten Symptomen sind sie hilfreich, für alle anderen haben Antibiotika kaum Vorteile.

Forschung zu Antibiotika bei akuter Mittelohrentzündung

Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben nach Studien gesucht, die die Vor- und Nachteile einer Antibiotika-Behandlung bei Säuglingen und Kleinkindern mit akuter Mittelohrentzündung geprüft haben. Sie fanden 13 verlässliche Studien, an denen insgesamt etwa 3400 Kinder teilnahmen. In diesen Studien wurden nach dem Zufallsprinzip jeweils zwei Gruppen gebildet und miteinander verglichen: In einer Gruppe nahmen die Kinder Antibiotika, in der anderen nicht.

Die Wissenschaftler wollten wissen, wie sich Antibiotika nach einem bis sieben Tagen Behandlung auf Fieber und Schmerzen auswirken. Sie untersuchten auch, ob bei den Kindern, die Antibiotika erhielten, seltener Komplikationen auftraten, zum Beispiel eine Beeinträchtigung des Hörvermögens, ein Übergreifen der Entzündung auf das andere Ohr oder eine Ausbreitung auf den knöchernen Warzenfortsatz hinter dem Ohr. Außerdem fragten sie nach Nebenwirkungen.

Antibiotika sind häufig unwirksam

Die Wissenschaftlergruppe stellte fest, dass Antibiotika die Genesung bei vielen Kindern nicht beschleunigen konnten. Die Ohrenschmerzen der Kinder klangen mit Antibiotika innerhalb von 24 Stunden nicht schneller ab als ohne diese Medikamente. Bei einer etwas längeren Behandlung konnten Antibiotika die Schmerzen nur geringfügig beeinflussen. In Zahlen: Nach zwei bis drei Tagen

  • ohne Antibiotika hatten etwa 22 von 100 Kindern noch Schmerzen,
  • mit Antibiotika hatten etwa 15 von 100 Kindern noch Schmerzen.

Mit anderen Worten: Durch die Behandlung mit Antibiotika waren nach zwei bis drei Tagen zusätzlich 7 von 100 Kindern schmerzfrei.

Antibiotika können auch das Risiko verringern, dass das Trommelfell reißt:

  • Ohne Antibiotika riss das Trommelfell bei etwa 3 von 100 Kindern
  • Mit Antibiotika riss es bei etwa 1 von 100 Kindern

Das heißt: Bei etwa 2 von 100 Kindern konnten Antibiotika einem Trommelfellriss vorbeugen. Allerdings ist ein Riss im Trommelfell oft nichts Ernstes. Solche Risse sind meist klein und heilen innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen von selbst ab. Problematischer ist es, wenn das Trommelfell immer wieder einreißt oder ein größerer Riss entsteht.

Antibiotika helfen bestimmten Kindern

Bestimmten Kindern helfen Antibiotika eher als anderen: Dazu gehören Kinder unter zwei Jahren mit einer Entzündung beider Ohren, und Kinder aller Altersgruppen mit eitrigem Ausfluss aus dem Ohr. Beide Symptome weisen auf bakterielle Infektionen hin, die sich mit Antibiotika gut behandeln lassen.

Von den unter zweijährigen Kindern mit beidseitiger akuter Mittelohrentzündung hatten nach drei bis sieben Tagen

  • ohne Antibiotika noch 55 von 100 Kindern Schmerzen oder Fieber,
  • mit Antibiotika nur 30 von 100.

Die Antibiotika konnten also 25 von 100 dieser Kleinkinder helfen.

Sie halfen auch Kindern mit eitrigem Ausfluss:

  • Ohne Antibiotika hatten noch 60 von 100 Kindern Fieber oder Schmerzen,
  • mit Antibiotika dagegen nur 24 von 100.

Antibiotika konnten also 36 von 100 Kindern mit eitrigem Ausfluss helfen.

Nebenwirkungen von Antibiotika

Bei der Frage nach dem Nutzen von Antibiotika muss man immer auch die möglichen Nebenwirkungen betrachten. Antibiotika können Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag hervorrufen. Bei ungefähr 5 von 100 Kindern führten Antibiotika zu einer dieser Nebenwirkungen. Zum anderen trägt die allzu häufige Verwendung von Antibiotika dazu bei, dass sich Keime entwickeln und ausbreiten, die nicht mehr auf Antibiotika ansprechen (resistente Bakterien).

Abwartende Behandlung ist bei den meisten Kindern sinnvoll

Bei den meisten Kindern ist es am besten, zwei bis drei Tage abzuwarten, ob sich die Beschwerden von selbst bessern und dann zu entscheiden, ob Antibiotika eingesetzt werden. Dies hilft, Nebenwirkungen zu vermeiden. Zudem können Schmerzmittel die Beschwerden rascher lindern als Antibiotika. Eine ärztliche Nachkontrolle ist bei dieser Methode des „Beobachtens und Abwartens“ sinnvoll.

Bakterielle Infektionen bei Neugeborenen

Kinderärzte und Frauenärzte prüfen, ob es deinem Baby gut geht.

Bakterielle Infektionen bei Neugeborenen sind überaus gefährlich für dein Baby. Da das Abwehrsystem eines Neugeborenen sich gerade erst entfaltet, ist es noch schwach und anfällig für eine mögliche Ansteckung. Normalerweise zeigen sich bei Kindern und Erwachsenen sehr starke körperliche Anzeichen auf eine bakterielle Infektion. Dies ist nicht durch den Keim bedingt, sondern durch die Antwort unseres Immunsystems. Bei Neugeborenen fehlt diese deutliche Antwort häufig und die Anzeichen einer Ansteckung zeigen sich eher gering ausgeprägt. Darum ist es nicht immer einfach, eine Infektion sofort zu erkennen.

Da das Immunsystem eines Babys noch nicht voll arbeitet, kommt es wesentlich häufiger zu einer so genannten systemischen Entzündungsreaktion (SIRS). Hierbei drängt das Abwehrsystem des Körpers das Bakterium nicht am Ort der Infektion zurück, sondern es kann sich über den gesamten Körper ausbreiten. Wird eine Infektion nicht schnellst möglich behandelt, droht ein Kreislaufversagen und Schock.

Im Gegensatz zu Infektionen bei Erwachsenen lässt sich nicht immer die Quelle der Ansteckung ausfindig machen.

Auch ist das Risiko für eine anschließende Gehirnhautentzündung (Meninigitis) deutlich höher als bei älteren Kindern und Erwachsenen und sollte sorgfältig beobachtet werden.

Welche Anzeichen macht eine bakterielle Entzündung bei meinem Baby?

Eine bakterielle Entzündung kann sich sowohl bei dir vor der Geburt zeigen, als auch bei deinem Baby nach der Geburt.

Zeichen einer Entzündung bei der Mutter

Als erster Hinweis lässt sich eine Amnioninfektion bei der Mutter nennen. Ein vorzeitiger Blasensprung spricht ebenfalls für ein erhöhtes Risiko einer kindlichen Infektion. Des Weiteren zählen vorzeitige Wehen und Fieber über 38,5 Grad sowie erhöhte Entzündungswerte im Blut (CRP > 20 mg/dl) während der Geburt zu den Risikofaktoren.

Zeichen einer Entzündung bei meinem Baby

Verändert dein Baby seine rosige Hautfarbe und wird blass und gräulich oder war es erst gelblich und wird nun grünlich? Dann solltest du es genau beobachten. Als weiteres Zeichen verändert eine bakterielle Infektion die Atmung deines Babys: Es kommt zu Atemaussetzern, Atemnot und Stöhnen beim Atmen. Der Puls ist stark beschleunigt (größer als 160 Schläge/Minute) und der Blutdruck sehr niedrig (Hypotonie).

Gerade bei Frühchen gilt es besonders vorsichtig zu sein: Muss dein Kind nach der Geburt beatmet oder künstlich ernährt werden, steigt dadurch ebenfalls das Risiko eine Entzündung.

Ein Frühgeborenes und erst recht ein zum Termin geborenes Neugeborenes gilt für Ärzte so lange infiziert, wie Störungen der Atmung und Stöhnen auftreten.

Als Zeichen einer Infektion mit Beteiligung des Nervensystems gelten ein geblähter Bauch, Trinkschwäche, unterschiedlich warme Beine und Arme im Seitenvergleich, die Unfähigkeit, die eigene Körpertemperatur stabil zu halten sowie Antriebslosigkeit.

Welche Bakterien sind für mein Neugeborenes gefährlich?

Die möglichen Keime, die deinem Baby schaden können, verändern sich mit dem Alter deines Neugeborenen.

Bakterielle Infektion während der ersten drei Lebenstage

Erkrankt dein Baby innerhalb der ersten drei Lebenstage an einer bakteriellen Infektion, so handelt es sich meist um Keime deiner Vaginalflora. Diese hat dein Baby auf dem Weg durch den Geburtskanal oder schon im Mutterleib aufgeschnappt. In Deutschland sind vor allem Streptokokken der Gruppe B und das Darmbakterium E. coli ursächlich für eine Infektion eines Neugeborenen. Streptokokken können bereits durch eine Amnioninfektion oder einen vorzeitigen Blasensprung auffallen. E.coli löst bei Frauen häufig einen Harnwegsinfekt aus. Dieser kann in der Schwangerschaft jedoch ohne deutliche Anzeichen verlaufen. Aus diesem Grund ist ein Abstrich auf Streptokokken und ein Urintest während der Schwangerschaftsvorsorge sinnvoll.

Bakterielle Infektion bei Frühgeborenen

Hast du vor der Geburt deines Frühchens länger als zwei Tage Antibiotika erhalten? Dann steigt das Risiko, dass es sich um andere Keime handelt, mit denen sich bei Baby rund um die Geburt anstecken kann. Das Antibiotikum hat quasi alle sensiblen Bakterien abgetötet und es überwiegen nun resistente Bakterien. Darunter fallen: Enterobacter, Klebsiellen, Pseudomonas oder Antibiotika (Ampicillin) resistente E.coli.

Bakterielle Infektion nach dem dritten Lebenstag

Hast du die ersten drei Tage gemeinsam mit deinem Baby im Krankenhaus verbracht und es kommt jetzt zu einer Entzündung? Dann handelt es sich um eine so genannte nosokomiale Infektion. Das bedeutet, dass die Keime nicht mehr aus deinem Körper entstammen, sondern entweder zur natürlichen bakteriellen Besiedelung deines Kindes gehören oder es sich um einen Krankenhauskeim handelt. In erster Linie zählen dazu in der Regel Hautbakterien wie beispielsweise Staphylokokken.

Wie wird eine bakterielle Infektion bei meinem Kind festgestellt?

Am schnellsten gelingt der Nachweis einer bakteriellen Infektion durch eine Blutentnahme. Das Blut wird im Labor untersucht und auf Veränderungen der Entzündungswerte geachtet. Die Blutuntersuchung sollte zwei Mal an zwei Tagen erfolgen.

Als Marker für eine bakterielle Infektion im Kindesalter gelten das C-reaktive Protein (CRP), sowie Interleukin-6 und Interleukin-8. Das CRP steigt jedoch erst 12-24 Stunden nach einer Infektion im Körper an. Eine frühe Infektion kann also eventuell nicht erfasst werden. Interleukine hingegen sind sofort positiv bei bakterieller Infektion, sinken jedoch bereits wieder nach einem Tag. Aus diesem Grund ist eine Bestimmung an zwei aufeinanderfolgenden Tagen so wichtig.

Hatte das Fruchtwasser bei der Geburt deines Babys einen üblen Geruch, statt fruchtig und süß zu riechen? Dann sollten zusätzlich Blutproben für Blutkulturen abgenommen werden. Darüber lässt sich der genaue Keim anzüchten und bestimmen. Kurz nach der Geburt kann ebenfalls ein Abstrich aus beiden Ohren deines Babys Hinweise geben.

Muss dein Baby beatmet werden? Dann ist ein Abstrich aus dem Beatmungsschlauch ebenfalls hilfreich. Ein Keimnachweis im Schlauch sollte jedoch nicht sofort zu einer Behandlung führen, sondern erstmal genau beobachtet werden.

Stellt sich der Verdacht auf einen Harnwegsinfekt sollte der Urin deines Babys untersucht werden.

Wie wird eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) erkannt?

Hegen die Kinderärzte den Verdacht auf eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) sollte dies schnellstmöglich geklärt werden. Denn eine Entzündung der Gehirnhaut kann lebensbedrohlich für dein Baby sein. Die Gefahr, dass dein Baby an einer Gehirnhautentzündung erkrankt, ist umso höher, je später eine Entzündung im Körper erkannt wird und je später die Behandlung mit Antibiotika beginnt. Denn in dieser Zeit hatte der Keim Gelegenheit ins Gehirn vorzudringen.

Gehirnwasser (Liquor) zeigt eine Gehirnhautentzündung sicher an

Um eine Gehirnhautentzündung zu erkennen, ist es häufig notwendig, Gehirnwasser (Liquor) zu untersuchen. Denn eine reine Blutuntersuchung ist nicht eindeutig und liefert keine ausreichenden Ergebnisse. Möglich ist auch der Nachweis des speziellen Keims aus Blutkulturen.

Wie wird eine bakterielle Infektion bei meinem Baby behandelt?

Entscheidend ist: Je früher eine Infektion erkannt wird, je früher sie mit Antibiotika behandelt wird, desto geringer sind die Risiken für dein Baby. Wichtig ist bei einem Neugeborenen, dass es sich um ein relativ breites Antibiotikum handelt, um möglich alle verdächtigen Keime zu erwischen. Cephalosporine, die häufig bei kindlichen Infekten eingesetzt werden, helfen beispielsweise nicht gegen Enterokokken oder Listerien (Keime aus Rohmilch).

Das Antibiotikum sollte so lange gegeben werden, bis der Entzündungswert CRP unter 10 mg/dl fällt. Bei einer Gehirnhautentzündung erhält dein Baby 2-3 Wochen Antibiotika, um sicher zu stellen, das die Entzündung tatsächlich besiegt ist. Bestätigt sich der Verdacht einer Infektion durch die Blutuntersuchung nicht, wird das Antibiotikum nach zwei Tagen abgesetzt.

Mittelohrentzündung

Können Antibiotika bei Babys und Kleinkindern die Beschwerden lindern?

(Comstock Images / Stockbyte / Thinkstock) Eine Mittelohrentzündung klingt mit und ohne Behandlung normalerweise innerhalb weniger Tage ab. Wenn bei Kindern unter zwei Jahren beide Ohren entzündet sind, können Antibiotika die Heilung jedoch beschleunigen. Sie können auch helfen, wenn die entzündeten Ohren Flüssigkeit absondern.

Mittelohrentzündungen können Schmerzen und Fieber verursachen. Dies kann mit Schmerzmitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen behandelt werden. Ob Antibiotika bei einer Mittelohrentzündung sinnvoll sind, hängt davon ab, welche zusätzlichen Beschwerden ein Kind hat. Antibiotika helfen nur gegen bakterielle Infektionen. Bei Kindern mit bestimmten Symptomen sind sie hilfreich, für alle anderen haben Antibiotika kaum Vorteile.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben nach Studien gesucht, die die Vor- und Nachteile einer Antibiotika-Behandlung bei Säuglingen und Kleinkindern mit akuter Mittelohrentzündung geprüft haben. Sie fanden 13 verlässliche Studien, an denen insgesamt etwa 3400 Kinder teilnahmen. In diesen Studien wurden nach dem Zufallsprinzip jeweils zwei Gruppen gebildet und miteinander verglichen: In einer Gruppe nahmen die Kinder Antibiotika, in der anderen nicht.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten wissen, wie sich Antibiotika nach einem bis sieben Tagen Behandlung auf Fieber und Schmerzen auswirken. Sie untersuchten auch, ob bei den Kindern, die Antibiotika erhielten, seltener Komplikationen auftraten – zum Beispiel eine Beeinträchtigung des Hörvermögens, ein Übergreifen der Entzündung auf das andere Ohr oder eine Ausbreitung auf den Knochen hinter dem Ohr. Außerdem fragten sie nach Nebenwirkungen.

Antibiotika sind häufig unwirksam

Die Wissenschaftlergruppe stellte fest, dass Antibiotika die Genesung häufig nicht beschleunigen konnten. Die Ohrenschmerzen vieler Kinder klangen mit Antibiotika innerhalb von 24 Stunden nicht schneller ab als ohne diese Medikamente. Bei einer etwas längeren Behandlung konnten Antibiotika die Schmerzen nur wenig beeinflussen. In Zahlen: Nach zwei bis drei Tagen

  • ohne Antibiotika hatten etwa 22 von 100 Kindern noch Schmerzen,
  • mit Antibiotika hatten etwa 15 von 100 Kindern noch Schmerzen.

Mit anderen Worten: Durch die Behandlung mit Antibiotika waren nach zwei bis drei Tagen zusätzlich 7 von 100 Kindern schmerzfrei.

Antibiotika können auch das Risiko verringern, dass das Trommelfell reißt:

  • Ohne Antibiotika riss das Trommelfell bei etwa 3 von 100 Kindern,
  • mit Antibiotika riss es bei etwa 1 von 100 Kindern.

Das heißt: Bei etwa 2 von 100 Kindern konnten Antibiotika einem Trommelfellriss vorbeugen. Allerdings ist ein Riss im Trommelfell oft nichts Ernstes. Solche Risse sind meist klein und heilen innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen von selbst ab. Problematischer ist es, wenn das Trommelfell immer wieder einreißt oder ein größerer Riss entsteht.

Antibiotika helfen bestimmten Kindern

Antibiotika können bestimmten Kindern eher helfen als anderen: Dazu gehören Kinder unter zwei Jahren mit einer Entzündung beider Ohren, und Kinder aller Altersgruppen mit eitrigem Ausfluss aus dem Ohr. Beide Symptome weisen auf bakterielle Infektionen hin, die sich mit Antibiotika gut behandeln lassen.

Von den unter zweijährigen Kindern mit beidseitiger akuter Mittelohrentzündung hatten nach drei bis sieben Tagen

  • ohne Antibiotika noch 55 von 100 Kindern Schmerzen oder Fieber,
  • mit Antibiotika nur 30 von 100.

Die Antibiotika konnten also 25 von 100 dieser Kleinkinder helfen.

Sie halfen auch Kindern mit eitrigem Ausfluss:

  • Ohne Antibiotika hatten noch 60 von 100 Kindern Fieber oder Schmerzen,
  • mit Antibiotika dagegen nur 24 von 100.

Antibiotika konnten also 36 von 100 Kindern mit eitrigem Ausfluss helfen.

Nebenwirkungen von Antibiotika

Bei der Frage nach dem Nutzen von Antibiotika muss man immer auch die möglichen Nebenwirkungen betrachten. Antibiotika können Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag hervorrufen. Bei ungefähr 5 von 100 Kindern führten Antibiotika zu einer dieser Nebenwirkungen. Zum anderen trägt die allzu häufige Verwendung von Antibiotika dazu bei, dass sich Keime entwickeln und ausbreiten, die nicht mehr auf Antibiotika ansprechen (resistente Bakterien).

Bei den meisten Kindern ist es am besten, zwei bis drei Tage abzuwarten, ob sich die Beschwerden von selbst bessern und dann zu entscheiden, ob Antibiotika eingesetzt werden. Dies hilft, Nebenwirkungen zu vermeiden. Zudem können Schmerzmittel die Beschwerden rascher lindern als Antibiotika. Eine ärztliche Nachkontrolle ist bei dieser Methode des „Beobachtens und Abwartens“ sinnvoll.

Quellen

Venekamp RP, Sanders SL, Glasziou PP, Del Mar CB, Rovers MM. Antibiotics for acute otitis media in children. Cochrane Database Syst Rev 2015; (6): CD000219.

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Schlagwörter: H65, H66, H68, H69, Immunsystem und Infektionen, Kind und Familie, Kopf und Nerven, Mastoiditis, Mittelohrentzündung, Ohren, Ohrenschmerzen, Otitis media, Trommelfell, Z23, Z24, Z25, Z26, Z27 Aktualisiert am 24. April 2019 24. April 2019
Erstellt am 3. Juli 2008
Nächste geplante Aktualisierung: 2022
So arbeiten wir Autoren/Herausgeber: Institut für
Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Über die Autoren und das Institut

Antibiotika – was Sie wissen sollten

Antibiotika sind Medikamente, die zur Behandlung von Infektionen durch Bakterien eingesetzt werden. Bei zahlreichen Erkrankungen helfen sie sehr gut, aber nicht bei jeder Infektion sind sie geeignet. In dieser Information erfahren Sie, wie Antibiotika wirken und was Sie bei der Einnahme beachten sollten.

Auf einen Blick: Antibiotika

  • Antibiotika wirken bei Erkrankungen durch Bakterien, zum Beispiel Scharlach. Häufig sind auch Lungen- oder Mandelentzündungen bakteriell bedingt.
  • Bei vielen bakteriellen Erkrankungen lindern Antibiotika schnell Beschwerden und retten manchmal Leben.
  • Antibiotika wirken nicht gegen Erkrankungen durch Viren, wie die meisten Erkältungskrankheiten, Grippe oder Masern.
  • Nebenwirkungen von Antibiotika sind zum Beispiel Magen-Darm-Beschwerden und allergische Hautreaktionen.
  • Verschreibt Ihr Arzt Ihnen ein Antibiotikum, wenden Sie dieses unbedingt wie verordnet an.

Wie wirken Antibiotika?

Antibiotika unterstützen das Abwehrsystem des Körpers dabei, krankmachende Bakterien zu bekämpfen. Notwendig ist dies, wenn Bakterien in den Körper eingedrungen sind und sich vermehren. Dann können sie eine Entzündung auslösen und Organe schädigen. Manche Antibiotika töten die Bakterien direkt ab, andere verhindern, dass sie sich weiter vermehren.

Antibiotika wirken nicht nur gegen krankmachende Erreger, sondern auch gegen nützliche Bakterien, die auf unserer Haut und unseren Schleimhäuten leben. Grundsätzlich gilt daher für den Einsatz von Antibiotika: So oft wie notwendig und so selten wie möglich.

Wann wirken Antibiotika?

Infektionen entstehen am häufigsten durch Bakterien oder Viren. Diese Erreger verursachen unterschiedliche Erkrankungen. Dennoch ist es zu Beginn nicht immer leicht zu entscheiden, ob es sich um eine bakterielle oder virale Infektion handelt, da die Krankheitszeichen ähnlich sein können.
Häufig durch Bakterien verursacht werden zum Beispiel:

  • Mandelentzündung (eitrige Angina)
  • Lungenentzündung
  • Blasenentzündung
  • eitrige Hautentzündungen
  • Hirnhautentzündung

Immer bakteriell bedingt sind Krankheiten wie:

  • Scharlach
  • Zecken-Borreliose
  • Tripper

Bei bakteriellen Erkrankungen ist es oft sinnvoll und mitunter lebensnotwendig, Antibiotika anzuwenden.

Wann wirken Antibiotika nicht?

Es ist wichtig zu wissen, dass Antibiotika gegen Viren unwirksam sind. Zu den Erkrankungen, die durch Viren hervorgerufen werden, gehören zum Beispiel:

  • die meisten Erkältungskrankheiten (Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Fieber)
  • Grippe (Influenza)
  • viele Formen der Darmentzündung (Durchfall)
  • Masern

Gegen diese viralen Krankheiten helfen Antibiotika nicht.

Die meisten Antibiotika gelten als sichere und gut verträgliche Medikamente. Trotzdem können sie Nebenwirkungen hervorrufen. Typische Nebenwirkungen sind zum Beispiel:

  • Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen und Übelkeit
  • allergische Reaktionen der Haut wie etwa Rötungen und Juckreiz
  • Scheidenpilz-Infektionen bei Mädchen und Frauen

Bevor Sie Antibiotika einnehmen

Bevor Sie ein Antibiotikum einnehmen, sollten Sie über die Behandlung gut Bescheid wissen. Fragen Sie Ihren Arzt:

  • Warum brauche ich das Antibiotikum?
  • Was sind mögliche Nebenwirkungen?
  • Wie viele Tage lang muss ich das Antibiotikum einnehmen?
  • Wie oft am Tag soll ich es nehmen?
  • Kann ich das Antibiotikum zusammen mit einer Mahlzeit einnehmen oder ist ein Abstand nötig?
  • Beeinflusst das Antibiotikum andere Medikamente, die ich einnehme?

Informieren Sie Ihren Arzt vor einer Antibiotikaeinnahme auch darüber, ob Sie schwanger sind, stillen oder eine bestimmte Unverträglichkeit gegen Antibiotika haben.

Warum Vorsicht bei Antibiotika?

Je häufiger Antibiotika verordnet und eingenommen werden, desto höher ist das Risiko, dass sich widerstandsfähige (resistente) Bakterien entwickeln und ausbreiten. Mehr zu diesem Thema finden Sie in weiteren Informationsblättern: siehe Kasten unten.

Was Sie sonst tun können

  • Halten Sie sich an die vorgegebenen Einnahmezeiten. Dreimal täglich bedeutet zum Beispiel alle 8 Stunden.
  • Nehmen Sie das Antibiotikum so lange ein, wie es Ihnen verordnet wurde. Auch wenn Sie sich bereits besser fühlen, ist es wichtig, die Behandlung fortzuführen.
  • Nehmen Sie kein Antibiotikum, das anderen Personen verschrieben wurde. Geben auch Sie niemandem Ihr Antibiotikum – selbst dann nicht, wenn die Krankheitszeichen sehr ähnlich erscheinen.
  • Manche Getränke verändern die Wirkung bestimmter Antibiotika, zum Beispiel Milch. Nehmen Sie daher ein Antibiotikum am besten mit Wasser ein.
  • Teilen Sie Ihrem Arzt Auffälligkeiten und unerwünschte Wirkungen mit.
  • Es kann hilfreich sein, wenn Sie sich den Namen, die Dosierung, den Zeitpunkt und mögliche Nebenwirkungen aller Antibiotika notieren, die Sie oder Ihr Kind genommen haben.
  • Erwarten Sie nicht, dass Ihr Arzt Ihnen oder Ihrem Kind bei jeder Infektion ein Antibiotikum gibt. Bei Erkrankungen durch Viren hilft es nicht.

Infos zu Antibiotika

Unerwünschte NebenwirkungAntibiotika-Therapien schädigen die Darmflora über Monate

Antibiotika retten viele Leben. Doch sie wirken unspezifisch und töten auch nützliche Bakterien in unserem Körper ab. Sofia Forslund vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin und ihre Kollegen haben nun an Freiwilligen untersucht, wie gut sich die Mikroben nach einem Radikalschlag erholen. Dazu haben sie 12 gesunden Männern einen Mix aus verschiedenen Antibiotika verabreicht. Ein solcher Cocktail wird zum Beispiel dann eingesetzt, wenn sich jemand mit einem resistenten Erreger angesteckt hat, sagt die aus Schweden stammende Sofia Forslund.

„Diese Antibiotikakombination hat fast alle Bakterien im Darm ausgerottet. Doch nach sechs Monaten ungefähr hatte sich die Bakteriengemeinschaft nahezu auf ihr ursprüngliches Niveau eingependelt. Überraschend war, dass die ersten Bakterien, die sich nach der Behandlung wieder ansiedelten, zu ganz anderen Stämmen gehörten, als diejenigen, die wir nach sechs Monaten fanden. In etwa so wie nach einem Waldbrand, bei dem sich ja auch erst ganz andere Pflanzen ansiedeln. Und diese ersten Darmbesiedler waren eher Mikroben, die auch Krankheiten auslösen können.“

Unerwünschte Darmbewohner kehren zuerst zurück

Die Forscher entdeckten in den Bakterien außerdem Stoffwechselprodukte, die eher schädlich sind. Das erkläre, warum viele Menschen nach einer Antibiotikakur Darmprobleme bekommen, so Sofia Forslund.

„Außerdem blieben ein paar Bakterienstämme nach der Behandlung dauerhaft verschwunden. Und von einigen dieser Mikroben wissen wir, dass sie die Darmwand schützen und damit verhindern, dass schädliche Stoffe ins Innere des Körpers gelangen. Es lässt sich also definitiv sagen, dass eine solche Antibiotikabehandlung die Bakteriengemeinschaft im Darm durcheinander bringt. Auch wenn der Darm anschließend wieder besiedelt wird.“

Bei Menschen, die den kräftigen Antibiotika-Cocktail über längere Zeiträume oder wiederholt einnehmen müssen, kann es deshalb zu Problemen kommen, meint Sofia Forslund. Besonders anfällig sind aber Kinder für Störungen. Denn bei ihnen ist die Bakteriengemeinschaft häufig noch nicht so stabil wie bei Erwachsenen.

Bei Kindern leidet die Darmflora stärker

„Das haben wir in einer früheren Studie mit Kindern in einer Tagesstätte in Finnland beobachtet: Antibiotika verzögern die Reife der Darmflora. Allerdings wirken Macrolid-Antibiotika verheerender als Penicillin. Wie stark der Effekt ist, hängt natülich davon ab, wie gut sich Darmflora bei den Kindern schon etabliert hat. Aber ich würde in jedem Fall erwarten, dass Kinder empfindlicher für Störungen sind, als Erwachsene.“

Doch es gibt Möglichkeiten, der Darmflora nach einer radikalen Antibiotika-Kur wieder auf die Sprünge zu helfen: Vor kurzem hat eine Forschergruppe gezeigt, dass eine Stuhltransplantation die ursprüngliche Mikrobengemeinschaft sehr effektiv wieder regenerieren kann. Dazu werden die Bakterien als Stuhlprobe vor der Behandlung entnommen, eingefroren und anschließend wieder in den Darm gespült.

Probiotika können helfen, erwünschte Bakterien wieder anzusiedeln

Einzelne nützliche Mikrobenstämme könnten aber auch über Probiotika wieder angesiedelt werden. Also über lebende Bakterien, die dem Patienten verabreicht werden.

„Eine Kombination wäre das Beste. Bei den Probiotika hängt es vermutlich von jedem einzelnen ab, wie gut diese wirken. Deshalb funktioniert eine Stuhltransplantation mit den eigenen Bakterien wahrscheinlich am besten. Aber natürlich helfen auch so genannte Pre-Biotika, wie zum Beispiel Ballaststoffe, die nützlichen Bakterien wieder im Darm zu etablieren. Es ist also keine dumme Idee, die Ernährung mit Ballaststoffen zu ergänzen.“

Lungenentzündung (Pneumonie)

Es sollte in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung sofort, d.h. auch ohne genaue Kenntnis des Erregers mit einer Therapie begonnen werden, um keine Zeit zu verlieren. Bei einer bakteriellen Lungenentzündung wird ein Antibiotikum gegeben. Bei einer viralen Lungenentzündung hilft ein Antibiotikum zwar nicht; es wird dennoch häufig verschrieben, um einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien (bakterielle Superinfektion) vorzubeugen, aber auch weil bei einigen Erkrankungen bereits Mischinfektionen vorliegen. Wichtig ist, die genauen Einnahmehinweise zu beachten. Wann die Therapie zu beenden ist, entscheidet der behandelnde Kinder- und Jugendarzt aufgrund des Krankheitsverlaufs.

Die Wahl des Antibiotikums erfolgt nach den für die bestimmte Altersgruppe wahrscheinlich auftretenden Erregern. Wird ein bestimmter Erreger nachgewiesen, kann gegebenenfalls das Antibiotikum gezielt darauf umgestellt werden, sofern sich nicht herausgestellt hat, dass Viren für die Erkrankung verantwortlich sind.

Allerdings werden Antibiotika nur dann verordnet, wenn der Arzt aufgrund der Beschwerden des Kindes und seiner Befunde den Verdacht hat, dass dies notwendig ist. Grund sind zunehmende Resistenzen von Bakterien gegen die verfügbaren Antibiotika. Durch einen zurückhaltenden Einsatz von Antibiotika will man sicherstellen, dass sie wirken, wenn sie wirklich notwendig sind. Gestützt wird dieses Vorgehen durch Untersuchungen, die gezeigt haben, dass die meisten nicht schweren Formen der Pneumonie von Kindern im Alter zwischen einem Monat und sechs Jahren durch Viren verursacht werden.
Harmlose Pneumonien bei älteren Kindern werden in der Regel ambulant behandelt. 24 bis 48 Stunden nach Behandlungsbeginn muss das erkrankte Kind allerdings erneut in der Praxis vorgestellt werden, damit der behandelnde Kinder- und Jugendarzt den Krankheitsverlauf und den Behandlungserfolg überprüfen sowie Komplikationen gegebenenfalls frühzeitig erkennen kann. Insbesondere Säuglinge, die jünger als 6 Monate sind, sowie Kleinkinder und Kinder mit schweren Pneumonien oder zusätzlichen Erkrankungen müssen vielfach stationär aufgenommen werden. Auch die Verweigerung der Aufnahme von Nahrung oder Flüssigkeiten sowie Atemnot können Gründe für eine Überweisung ins Krankenhaus sein. Bei stationärer Behandlung wird das Antibiotikum meist intravenös über einen Tropf gegeben.

Das Kind braucht zudem viel Ruhe und Schlaf. Besonders bei hohem Fieber und bei kleinen Kindern sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden und darauf, dass das Zimmer stets regelmäßig gelüftet wird. Frischluft ist wichtig; Zugluft jedoch nicht. Erkrankte Säuglinge dürfen nicht auf den Bauch gelegt werden, da sie sonst als „Bauchatmer“ nicht frei atmen können.
Um dem Kind zusätzlich Linderung zu verschaffen, können schleimlösende Medikamente, Atemgymnastik angewendet und atemwegserweiternde Mittel inhaliert werden. Zudem sind bei stark erhöhtem Fieber (> 39 °C) fiebersenkende Maßnahmen wie Wadenwickel oder auch Fieberzäpfchen sinnvoll. Im Falle einer Unterversorgung mit Sauerstoff bekommen die erkrankten Kinder diesen im Krankenhaus zugeführt. Zudem können dort fehlende Flüssigkeit durch Infusionen ersetzt werden.

Seit Einführung der Antibiotika hat sich die Prognose der bakteriellen Pneumonie entscheidend verbessert. Die Sterblichkeit hat bis auf ein Minimum abgenommen. Auch der Verlauf der Krankheit hat sich verkürzt. Die Temperatur sinkt normalerweise innerhalb von 24 bis 48 Stunden ab, und das Befinden des Kindes bessert sich. Leicht erhöhte Temperaturen können allerdings noch bis zu 2 Wochen weiterbestehen.

Mandelentzündung

Verschwinden Halsschmerzen schneller durch Antibiotika?

(Stockbyte / Thinkstock) Antibiotika können die Beschwerden bei Halsentzündungen im Schnitt um einen halben bis einen Tag verkürzen. Sie können aber Nebenwirkungen haben, zudem macht ein zu häufiger Antibiotika-Einsatz die Bakterien widerstandsfähiger.

Halsschmerzen sind ein häufiger Grund für Arztbesuche – vor allem in der Erkältungszeit. Die Ursache ist oft eine einfache Erkältung, manchmal aber auch eine Rachen- oder Mandelentzündung. Dann kann sich die Frage stellen: Nehme ich ein Antibiotikum ein oder nicht? Die meisten Menschen haben von Antibiotika jedoch keinen Vorteil: Erkältungsbedingte Halsschmerzen werden meist durch Viren verursacht, gegen die Antibiotika nicht wirken. Antibiotika helfen nur Menschen mit einer bakteriellen Entzündung, wie zum Beispiel einer bakteriellen Mandelentzündung. Die meisten Halsschmerzen klingen aber auch ohne eine besondere Behandlung innerhalb einer Woche ab.

Bestimmte Krankheitszeichen können Hinweise geben, ob Bakterien oder Viren die Ursache der Halsschmerzen sind. Fieber, aber kein Husten, geschwollene und belegte Mandeln können auf eine bakterielle Mandelentzündung hindeuten. Um zu klären, ob es sich um Bakterien handelt, kann ein Abstrich aus dem Rachen oder von den Mandeln entnommen und sofort untersucht werden. Dieser sogenannte Schnelltest ist jedoch nicht sehr genau. Etwas genauer ist es, wenn der Abstrich ins Labor geschickt und dort untersucht wird. In der Praxis wird diese Untersuchung aber kaum gemacht, da das Ergebnis erst nach 2 bis 3 Tagen vorliegt. Deshalb werden Antibiotika meist allein aufgrund der Beschwerden verordnet, also „auf Verdacht“. Daher nehmen nicht wenige Menschen Antibiotika ein, die ihnen nicht helfen können, weil ihre Halsentzündung durch Viren ausgelöst wurde.

Nutzen der Antibiotikatherapie

Da man bei der Einnahme von Antibiotika gegen Halsentzündungen also häufig nicht sicher weiß, ob tatsächlich Bakterien der Auslöser sind, stellt sich die Frage nach dem Nutzen der Medikamente. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration werteten insgesamt 27 Studien aus, an denen mehr als 12.800 Personen teilgenommen haben. In den Studien erhielt eine Teilnehmergruppe Antibiotika, eine andere Gruppe nur ein Scheinmedikament (Placebo). Die meisten Teilnehmenden hatten Beschwerden, die auf eine bakterielle Ursache hindeuteten. Für Menschen mit leichteren, vermutlich durch Viren ausgelösten Beschwerden gelten die folgenden Zahlen nicht.

Die Studien zeigen, dass die Einnahme von Antibiotika die Heilung etwas beschleunigen kann:

  • Ohne Antibiotika hatten nach drei Tagen noch etwa 80 von 100 Personen Halsschmerzen.
  • Mit Antibiotika hatten nach drei Tagen noch etwa 55 von 100 Personen Halsschmerzen.

Nach einer Woche zeigte sich:

  • Ohne Antibiotika hatten noch etwa 40 von 100 Personen Halsschmerzen.
  • Mit Antibiotika hatten noch etwa 20 von 100 Personen Halsschmerzen.

Bei einigen Teilnehmenden wurden durch einen Abstrich bestimmte Bakterien nachgewiesen, die eine bakterielle Mandelentzündung auslösen können. In dieser Gruppe war der Nutzen der Antibiotika etwas größer.

Die Studien zeigten zudem, dass die Antibiotika Komplikationen wie zum Beispiel Mittelohrentzündungen vorbeugen können. Auch Eiteransammlungen im Rachen (Peritonsillarabszess) treten wahrscheinlich seltener auf. Solche und andere Komplikationen sind aber bei ansonsten gesunden Personen auch ohne Antibiotika-Behandlung selten. Sie treten bei höchstens etwa einem bis 10 von 1000 Menschen auf, die wegen ihrer Beschwerden ärztlich behandelt wurden.

Eine Antibiotika-Behandlung hat aber auch unerwünschte Wirkungen: Aus weiteren Studien lässt sich schließen, dass bei etwa 10 von 100 Erwachsenen während oder nach der Einnahme von Antibiotika Nebenwirkungen auftreten. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Durchfälle und Hautausschläge. Hinzu kommt, dass sich durch einen übermäßigen Einsatz von Antibiotika auch bei leichten Erkrankungen Resistenzen bilden. Das heißt, dass die Erreger mit der Zeit unempfindlich gegen die Mittel werden. Dadurch können viele ernste Krankheiten nicht mehr so gut behandelt werden wie zuvor.

Schlagwörter: Atemwege, Immunsystem und Infektionen, J02, J03, J04, J35, Kind und Familie, Mandelentzündung, Pharyngitis, Rachenentzündung, Tonsillitis Aktualisiert am 2. Januar 2019 2. Januar 2019
Erstellt am 27. März 2013
Nächste geplante Aktualisierung: 2022
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Antibiotika bei Kindern: Übergewicht, Asthma und Stoffwechselstörungen

Makrolid-Antibiotika bei Kindern: Die Nebenwirkungen

Makrolid-Antibiotika seien bei Infektionen der oberen und unteren Atemwege das Mittel der Wahl, auch bei Kindern. Sie seien bei hoher Erfolgsquote gut verträglich und würden auch nicht zu Resistenzen beitragen – so das Ärzteblatt noch im Jahr 2001. Viele Infos zu den ausschliesslich positiven Eigenschaften der Mittel stammten seinerzeit von einem von Pfizer organisierten Symposium. Pfizer ist einer der Hersteller von Makrolid-Antibiotika.

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Auf anderen Seiten – z. B. bei Infektiologe Dr. D. Hassler – liest man noch heute:

Makrolide sind mit ihrem günstigen Wirkspektrum bei gleichzeitig sehr guter Verträglichkeit vor allem für Kinder reserviert.“ Gleichzeitig steht bereits hier, dass vom breiten Einsatz auch im Erwachsenen-Bereich wegen der alarmierend steigenden Zahl Makrolid-resistenter Stämme eher zu warnen sei.“

Allerdings ist die Bildung von Resistenzen noch nicht der einzige Nachteil dieser Antibiotika.

Nebenwirkungen für Kinder, auch wenn die stillende Mutter Antibiotika nimmt

Zu den Makrolid-Antibiotika gehören Wirkstoffe wie Azithromycin, Clarithromycin, Erythromycin etc. Problematisch ist nicht nur, wenn Säuglinge diese Mittel selbst einnehmen müssen, sondern auch, wenn die Mutter die Antibiotika nimmt, da sie über die Muttermilch ans Kind weitergegeben werden. Manche dieser Antibiotika – z. B. Erythromycin – dürfen sogar in der Schwangerschaft verordnet werden. Die Folgen könnten dänischen Forschern zufolge katastrophal sein.

Risiko für Pylorusstenose steigt unter Antibiotika

Im Jahr 2014 veröffentlichte das Team rund um Marie Lund aus Kopenhagen eine Studie, die zeigte, dass Säuglinge, die mit den genannten Antibiotika in Kontakt kamen, danach häufig unter sog. Pylorusstenosen leiden. Wenn Babys – so Lund – mit den genannten Antibiotika behandelt würden (in den ersten 13 Tagen ihres Lebens), dann erkrankten sie 30-mal häufiger an Polyrusstenosen. Ältere Säuglinge erkrankten nach einer Antibiotika-Therapie immerhin noch dreimal häufiger.

Bei einer Pylorusstenose besteht eine Verengung zwischen Magen und Zwölffingerdarm. Die Nahrung kann daher vom Magen nicht ordnungsgemäss in den Darm weitergeleitet werden. Betroffene Kinder erbrechen viel, sind ständig hungrig und unterernährt. Das Problem muss schliesslich operativ behoben werden.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen durch Antibiotika im Säuglingsalter

Auch ist längst bekannt, dass die frühe Gabe von Antibiotika im Säuglingsalter mit einem erhöhten Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen im Zusammenhang steht, genauso mit Asthma und Übergewicht. Man geht davon aus, dass der Grund für dieses erhöhte Risiko die schädliche Wirkung der Antibiotika auf die Darmflora ist. Antibiotika reduzieren die Darmbakterien nicht nur zahlenmässig, sie sorgen auch für eine verminderte Vielfalt der probiotischen Stämme.

Professor Willem de Vos von der University of Helsinki führte zu diesem Thema eine Studie mit 142 Kindern zwischen 2 und 7 Jahren durch. Sein Team untersuchte, wie häufig die Kinder in ihrem Leben Antibiotika bekommen hatten und wie sich dies auf ihre Darmflora auswirkte. Auch überprüften die Forscher mögliche Zusammenhänge zwischen der Antibiotikaeinnahme und Asthma sowie dem BMI (ob die Kinder also übergewichtig waren). Veröffentlicht wurde die Studie im wissenschaftlichen Fachmagazin Nature Communications.

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An der Darmflora sieht man, wie oft ein Kind Antibiotika bekam

Es zeigte sich, dass man schon an der Darmflora eines Kindes ablesen konnte, wie oft es in der Vergangenheit Antibiotika bekommen hatte. Antibiotika reduzierten die Zahl der probiotischen Bakterienstämme (die Diversität) und verlangsamten die – während des Wachstums des Kindes – normalerweise einsetzende Entwicklung der Darmflora.

Besonders die Darmflora jener Kinder, die innerhalb der vorangegangenen zwei Jahre Makrolid-Antibiotika erhalten hatten (z. B. Azithromycin oder Clarithromycin), unterschied sich stark von einer Darmflora antibiotikafreier Kinder. Je weniger Zeit seit der letzten Antibiotikaeinnahme verstrichen war, umso grösser waren ausserdem die Anomalien der Darmflora.

Die Darmflora benötigt mehr als ein Jahr, um sich von Antibiotika zu erholen

Es scheint, als brauche die Darmflora nach einer Antibiotikagabe mehr als ein Jahr, um sich wieder zu erholen. Erhält ein Kind jedoch in seinen ersten Lebensjahren mehrere Antibiotikagaben, dann hat die Darmflora gar nicht die Zeit, sich zwischendurch vollständig zu erholen“, so Wissenschaftlerin Katri Korpela, die die vorliegende Arbeit für ihre Doktorarbeit nutzte.

Dank Antibiotika: Mehr Asthma, häufiger Übergewicht

Der Einsatz von Makrolid-Antibiotika führte zu Veränderungen der kindlichen Darmflora, die man bislang von Menschen mit Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen kannte. Kein Wunder entdeckte man auch bei den Kindern insbesondere in jener Gruppe viele Übergewichtige, die in den ersten beiden Lebensjahren Antibiotika erhalten hatte. Auch litten die Kinder häufiger an Asthma, wenn sie mehrmals in ihren ersten beiden Lebensjahren Makrolid-Antibiotika erhalten hatten.

Genauso konnte das finnische Forscherteam zeigen, dass Makrolid-Antibiotika die Entwicklung von Resistenzen fördern können. Denn gerade bei jenen Kindern, die diese Antibiotika erhalten hatte, konnte man die entsprechenden Resistenzen nachweisen.

Penicilline schienen einen schwächeren Einfluss auf die Darmflora – sowohl auf ihre Zusammensetzung als auch auf ihre Funktionstüchtigkeit – zu haben als Makrolid-Antibiotika“, erklärte Korpela. Am besten wäre es jedoch, Antibiotika generell zu meiden und ihren Einsatz nur auf wirkliche Notfälle zu beschränken.

Weitere bekannte Nebenwirkungen von Antibiotika auf die Darmflora von Kindern hatten wir bereits hier beschrieben:

  • Kinderrheuma durch Antibiotika
  • Antibiotika erhöhen Allergierisiko bei Kindern

Besser für Kinder: Probiotika nehmen!

Wenn ein Kind Antibiotika nehmen muss, empfiehlt sich in jedem Fall, vorbeugend parallel zur Antibiotikaeinnahme und auch einige Zeit darüber hinaus ein Probiotikum zu geben. Sprechen Sie Ihren Kinderarzt darauf an oder fragen Sie Ihren Apotheker.

Informationen zu Kinderprobiotika bzw. wie man die Darmflora von Kindern aufbauen kann, finden Sie hier: Darmflora bei Kindern aufbauen

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