Angst vor der schwangerschaft

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​Warum ich trotz Verhütung panische Angst vor einer Schwangerschaft habe

Seit ich so etwas wie ein Sexualleben habe, habe ich Angst davor, schwanger zu werden. Ich nehme seit Jahren die Pille und verhüte zusätzlich auch so gut wie immer mit Kondom—nicht, weil ich denke, dass ein Kondom der ultimative Schutz vor einem Baby in meinem Bauch ist, sondern weil es auf der materiellen Ebene irgendwie eine Barriere darstellt, die das gefährliche Sperma (im Idealfall) nicht durchdringen kann.

Meine Angst geht so weit, dass ich mir monatlich Schwangerschaftssymptome einrede und wenn mir einmal kurz ein bisschen übel ist, gehe ich sofort davon aus, dass ein kleiner Dämon in meinem Bauch heranwächst. Dann teste ich sofort panisch die Empfindlichkeit meiner Nippel (warum eigentlich?) und obwohl alles genau wie immer ist, denke ich, dass sie womöglich ein bisschen empfindlicher sind als sonst.

Einmal hatte ich eine leicht gelbliche Zunge—von meinem Mundwasser, wie sich später herausstellen sollte. Ich habe so lange die Ursachen dafür gegoogelt, bis ich auf einer von 100 Seiten gelesen habe, dass auch Schwangere manchmal gelbliche Zungen haben und in meinem Kopf war mein Schicksal bereits besiegelt. Selbst dann, wenn ich das ganze Monat über kein einziges Mal Sex hatte, bange ich, wenn die Regel vor der Tür steht und bin erleichtert, wenn sie dann endlich kommt.

Natürlich ist mir klar, dass ich völlig paranoid bin. Und ich weiß auch, dass die Wahrscheinlichkeit, trotz doppelter Verhütung und bei mittelhäufigem Sex schwanger zu werden, sehr gering ist und nur übernatürliches Supersperma meine ängstlichen Eizellen befruchten könnte. Nichtsdestotrotz kehrt der Horror in meinem Kopf jedes Monat wieder und ich werde zum Schwangerschafts-Hypochonder.

Wahrscheinlich liegt meine panische Angst daran, dass ich mir in den nächsten zehn Jahren einfach nichts Schlimmeres vorstellen könnte als ein Kind zu bekommen. Erstens habe ich keinen Freund, dessen Nachkommen ich austragen möchte. Zweitens will ich nach dem momentanen Stand der Dinge und meines Lebens so lang als möglich mein Ding durchziehen und nicht verantwortlich für ein kleines Lebewesen sein, in dessen Leben ich mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann eine traumatisierende Rolle spielen werde. Wenn man Mutter wird, verändert sich alles—der Alltag, die Lebensplanung, der Körper. Und ich bin für nichts davon bereit.

Dr. Sigrun Roßmanith, Fachärztin für Psychiatrie, psychotherapeutische Medizin und Neurologie in Wien schätzt die panische, irrationale Angst vor einer Schwangerschaft so ein: „Man hat Angst vor Wandlung, Angst, die Kontrolle zu verlieren und man weiß auch nicht, was einen bei einer Schwangerschaft erwartet. Es kann auch die Angst davor sein, sich einzulassen und nie mehr los zu kommen und festgenagelt zu sein. Ist man schwanger, ist die eigene Lebensplanung vom Gefühl her vernichtet, weil ein Kind oft mit Unfreiheit verbunden wird. Mit der Schwangerschaft geht eine gewisse Verbindlichkeit einher, man kann nicht nur ,ein bisschen‘ schwanger werden. In uns Frauen ist das tief verwurzelt, dass man dran hängt, wenn man schwanger ist.“

Eigentlich dachte ich, dass es nur mir so geht und sich nur mir allein beim Gedanken an ein Baby in meinem Bauch meine Vagina von innen verschließt. Aber klickt man sich durch diverse Onlineforen, in denen sich Frauen austauschen, merkt man schnell, dass dem nicht so ist und Schwangerschaftsphobie—in der Fachsprache Tokophobie genannt—so einige Frauen quält. Haufenweise schreiben Frauen verzweifelte Einträge darüber, wie sehr sie sich davor fürchten, trotz Verhütung schwanger zu werden, dass sie trotz ausführlicher Hintergrundinformationen ängstlich geblieben sind und dadurch letzten Endes auch ein bisschen die Lust am Sex verloren haben. I Feel You, Sister. Auch Frauen aus meinem Umfeld kennen das Problem. Eine Freundin von mir malt sich die schlimmsten Horrorszenarien aus, wenn sich ihre Tage auch nur ein kleines bisschen verzögern: „Wenn ich nicht sofort zur gewohnten Zeit meine Tage bekomm, male ich mir schon aus, wie ich mich in 50 Grad heißes Badewasser lege, um jeden möglichen Zellhaufen in meinem Uterus abzutöten.“

Auch Dr. Eva Lehner-Rothe kennt dieses Problem aus ihrer Tätigkeit als Gynäkologin, wie sie gegenüber VICE sagt: „Ich kann diese Angst durchaus bei einigen Patientinnen beobachten. Medizinisch ist diese Angst nicht erklärbar—zum Beispiel durch Hormonschwankungen oder ähnliches. Trotzdem verstehe ich diese Angst vor einer Schwangerschaft. Ich glaube, viele haben solche Panik davor, weil es ihnen nicht in ihre Lebensplanung passt, was meiner Meinung nach ein vernünftiger Zugang und immer noch besser als eine ungewollte Schwangerschaft ist. Ich muss aber auch sagen, dass man sich heutzutage schon auf die hormonelle Verhütung verlassen kann. Das werden Sie jetzt wahrscheinlich nicht gern hören, aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nicht.“

Wenn ich ganz rational überlege, kann ich mir die Wahrscheinlichkeit, dass ich in nächster Zukunft ein Baby bekomme (oder genau in diesem Moment schon eines in mir habe, Gott bewahre) so ungefähr ausrechnen. Der Pearl-Index (ein Indikator für die Wirksamkeit von Verhütungsmaßnahmen) der Pille liegt zwischen 0,1 und 0,9. Der Pearl-Index von Kondomen zwischen 0,6 und 12. Da ich diese beiden Methoden kombiniere, geht die Wahrscheinlichkeit, dennoch schwanger zu werden, so ziemlich gegen null. Da Kinderkriegen aber generell ein ziemlich emotionales Thema zu sein scheint, ist es mit dem Nachschlagen von Zahlen auch nicht ganz so einfach abgetan.

Auch eine Arbeitskollegin weiß, wie man sich fühlt, wenn man sich permanent vor einer Schwangerschaft fürchtet: „Ich bin natürlich aufgeklärt, aber immer wenn ich meine Tage einen Tag später bekomme, ticke ich total aus, obwohl ich eigentlich ja weiß, dass ich nicht schwanger sein kann. Ich rede mir dann ein, dass ich ein Ziehen im Unterleib spüre und mich glücklicher als sonst fühle—genau die Symptome, die mir meine Schwester während ihrer Schwangerschaft immer beschrieben hat. Und dann beginnt bei mir schon das Kopfkino: Ich mit dickem Bauch; Wie sag ich es meinem Freund, meinen Eltern oder in der Arbeit? Dann male ich mir aus, wie mich mein Freundeskreis langsam verstößt, weil ich nur mehr über Babys rede.“

Dr. Lehner-Rothe rät Frauen, die unter einer irrationalen, panischen Angst vor Schwangerschaft leiden, schlichtweg eine sichere hormonelle Verhütungsmethode zu wählen und auch Entspannungstechniken anzuwenden: „Auch, wenn es abgedroschen klingt—ich rate, auf einem entspannteren Level durchs Leben zu gehen. Bei manchen kann die panische Angst vor einer Schwangerschaft nämlich zu Zwangsneurosen führen. Sie denken an nichts anderes mehr und haben auch keine Lust mehr auf Sex—was die Lebensqualität der Frauen einschränkt.“

Natürlich besteht immer das Risiko, dass etwas schief geht. Dennoch kann es nicht gesund sein, sich permanent selbst zu stressen—vor allem dann nicht, wenn man nach bestem Wissen und Gewissen verhütet. Das soll nicht heißen, dass man das Thema Schwangerschaft auf die leichte Schulter nehmen soll—aber zumindest, dass man sich mit seinen Befürchtungen und Ängsten an der Realität orientieren soll. Und irgendwann kommt ja vielleicht doch die Lebensphase, in der ich mich nicht mehr vor Babys grusele—und bis diese Eventualität eintritt, werde ich wohl noch die eine oder andere Entspannungstechnik anwenden müssen.

Verena auf Twitter: @verenabgnr

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Titelbild: Nadja Tatar | flickr | CC BY 2.0

Tokophobie – die Angst vor der Schwangerschaft

Fast ein Tabu, zumindest aber eine in ihrer Dimension unterschätzte Erkrankung, ist die Tokophobie oder auch Schwangerschaftsphobie. Frauen, die darunter leiden, haben extremste Ängste, schwanger zu werden und ein Kind zu gebären. Aus den unterschiedlichsten Gründen.

Die Angst vor einer Schwangerschaft ist Ärzten und Wissenschaftlern gut bekannt und hat auch einen wissenschaftlichen Namen: Tokophobie, manchmal auch als Gravidophobie bezeichnet. Dahinter steht die krankhafte, manchmal geradezu panische Angst einer Frau davor, schwanger zu werden und ein Kind zu bekommen.

Die Forschungen über dieses Krankheitsbild sind vergleichsweise jung

Im Jahr 2000 untersuchte in einer ersten großen Studie in England Dr. Kristina Hofberg von der Psychiatrischen Klinik Queen Elizabeth 1200 schwangere Frauen. Das erschreckende Ergebnis: Jede Sechste von ihnen hatte eine solche ausgeprägte Angststörung, die weit mehr ist als nur die Angst vor dem Schwangersein und der Geburt. „Es handelt sich um einen pathologischen Terror in seiner extremsten Form, der dazu führen kann, dass Frauen ihr Kind selbst abtreiben, indem sie beispielsweise Alkohol oder Drogen einnehmen oder sich gar selbst in den Unterleib schlagen“, so Dr. Hofberg.

Keine Panik!

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Die Angst vor einer Schwangerschaft hat verschiedene Formen

Dass Frauen, vor allem Erstgebärende, großen Respekt und bis zu einem gewissen Grad auch Angst vor der Geburt haben, ist nahvollziehbar und natürlich. Zu ihrer Angst vor den körperlichen Veränderungen kommt bei vielen Frauen mit Tokophobie die Angst vor der Geburt und den Schmerzen, denen man ausgesetzt wird.

1. Dieprimäre, auch lebenslange Schwangerschaftsphobie gründet sich nicht auf traumatische Erlebnisse, vielmehr sind die Gründe hier: Angst vor Ärztepfusch, die Befürchtung, ein behindertes Kind zu bekommen und der Zweifel, die Mutterrolle erfüllen zu können.

2. Diesekundäre Tokophobie entsteht nach traumatischen Erlebnissen, die etwas mit Schwangerschaft oder Geburt zu tun haben. Das können Bilder oder Filme aus der Kindheit sein, woraus eine panische Angst entstanden ist, schwanger zu werden.

3. Postpartale Depressionen führen häufig ebenfalls zu einer Tokophobie, begünstigt durch Probleme in der Partnerschaft oder durch die Ängste der Mutter, die sich auf die Tochter übertragen haben.

Die Angst vor einer Schwangerschaft kann Panikattacken auslösen

Mögliche Auslöser einer Schwangerschaftsphobie

Tokophobie kommt bei Frauen in jedem Alter vor, und in jeder Gesellschaftsschicht. Die Gründe können sehr individuell sein:

  • die Angst vor der Geburt an sich
  • aktuelle oder überstandene Depressionen
  • traumatische Erfahrungen in der Kindheit durch Bilder einer Geburt
  • traumatische Geburtserfahrungen, etwa eine Totgeburt
  • erlebte sexuelle Gewalt
  • Missbrauch als Kind
  • die Angst, die Eigenkontrolle über den Körper zu verlieren
  • Versagensängste
  • bei manchen Frauen auch der „Horror, ein Lebewesen in sich zu tragen“

Eine Tokophobie kann auch „vererbt“ werden. Frauen, deren Mütter eine Schwangerschaftsphobie hatten, haben ein höheres Risiko, später selbst unter dieser Angststörung zu leiden.

Die Angst vor einer Schwangerschaft und ihre Folgen

13 Prozent der befragten Frauen in Dr. Hobergs Studie gaben zu, dass sie wegen ihrer teils panischen Ängste alles tun, um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Inzwischen wird auch die weltweit steigende Anzahl von Kaiserschnittgeburten zumindest teilweise auf eine übersteigerte Furcht vor der Geburt zurückgeführt. Weitere Folgen sind:

  • Verzicht auf Kinderwunsch
  • doppelte Empfängnisverhütung
  • Sterilisation, auch des Partners
  • völliger Verzicht auf Sexualität
  • Entscheidung für Kaiserschnitt
  • Abtreibung

Es gab auch schon Extremfälle, in denen die werdende Mutter vom behandelnden Arzt verlangt hat, nach dem Kaiserschnitt die Gebärmutter zu entfernen, um jede Möglichkeit einer weiteren Schwangerschaft auszuschließen.

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Symptome der Schwangerschaftsphobie

Die Ängste bei einer Schwangerschaftsphobie äußern sich in seelischen und körperlichen Beschwerden:

  • Schweißausbrüche
  • hoher Blutdruck
  • psychosomatische Kopfschmerzen
  • Verspannungen
  • Atemprobleme
  • Panikattacken

Tokophobie kann man behandeln

Frauen, die solche und ähnliche extreme Ängste vor dem Schwangerwerden haben, sollten sich auf jeden Fall professionelle Hilfe holen. Wie jede Phobie kann auch die Schwangerschaftsphobie therapeutisch behandelt werden. In einer Psychotherapie können die möglichen Ursachen aufgespürt und Möglichkeiten gefunden werden, die Angst zu überwinden. Auch Hypnosen und hypnotherapeutische Entspannungsmethoden können bei der Behandlung sehr erfolgreich sein. Vielen Schwangeren hilft schon allein, sich einer Hebamme anzuvertrauen, die ihnen bei der Bewältigung ihrer Angst hilft.

Überhaupt ist darüber zu reden immens wichtig. Ein großes Problem bei Schwangerschaftsphobien ist es, dass die Angststörung gesellschaftlich kaum anerkannt ist. Viele Frauen trauen sich daher nicht zuzugeben, dass sie nicht schwanger werden wollen, weil sie damit nicht der allgemeinen Vorstellung entsprechen. Doch das darf kein Faktor sein. Es ist selbstverständlich, dass jede Frau selbst über ihr Leben und ihren Körper bestimmen kann. Ein Kinderwunsch kann auch anders, beispielsweise durch Adoption, erfüllt werden. Oder es ergeht dir vielleicht wie der Frau mit Tokophobie, die ungewollt schwanger wurde und darüber in einem Blog schrieb: „Als ich mein Kindchen dann im Bauch zart spürte, fand ich’s schön.“

Psychotest: Bin ich bereit für ein Baby?

Ein positiver Schwangerschaftstest ist nicht für jede Frau ein Grund zur Freude, manche versetzt das sogar in Panik. Eine Tokophobie, die panische Angst einer Frau, schwanger zu werden und ein Kind zu gebären, ist eine immer noch völlig unterschätze Krankheit.

Bisher ist vergleichsweise wenig über die Krankheit bekannt, dabei kommt sie weitaus öfter vor, als wir vermutlich glauben. Die erste große Studie zum Thema Tokophobie wurde im Jahr 2000 von der Psychiatrischen Klinik Queen Elizabeth in Großbritannien durchgeführt. Mehr als 1200 Schwangere wurden untersucht und befragt. Das erschreckende Ergebnis: Fast jede sechste Frau hatte eine ausgeprägte Angststörung, die über die normale Furcht vor einer Geburt weit hinausging. „Es handelt sich um einen pathologischen Terror in seiner extremsten Form, der dazu führen kann, dass Frauen ihr Kind selbst abtreiben, indem sie beispielsweise Alkohol oder Drogen einnehmen oder sich gar selbst in den Unterleib schlagen“, erklärt Studienleiterin Dr. Kristina Hofberg.

Wie kommt es zu einer Schwangerschaftsphobie?

Dass Frauen, vor allem Erstgebärdende, Respekt vor einer Schwangerschaft und einer Geburt haben, ist völlig normal. Schließlich wissen sie nicht, was auf die zu kommt, bis sie es selbst erlebt haben. Vor allem die Schmerzen der Geburt belasten viele Schwangere. Doch wie entwickelt sich daraus eine Schwangerschaftsphobie? Grundsätzlich muss man zwischen drei Formen der Tokophobie unterscheiden:

  1. Primäre Schwangerschaftsphobie: Die Gründe für eine lebenslange Tokophobie sind meist die Angst vor Ärztepfusch, Zweifel, ob man die Mutterrolle erfüllen kann oder die Befürchtung, ein behindertes oder krankes Kind zur Welt zu bringen.
  2. Sekundäre Schwangerschaftsphobie: Meist ist ein traumatisches Erlebnis, welches mit einer Schwangerschaft oder einer der Geburt in Verbindung gebracht wird, der Auslöser für diese Form der Tokophobie.
  3. Postpartale Depressionen können ebenfalls der Auslöser für eine Tokophobie sein. Begünstigt wird es durch Probleme in der Partnerschaft oder wenn die Mutter, die eigenen Ängste auf ihre Tochter überträgt.

Eine Schwangerschaftsphobie äußert sich meist in körperlichen und seelischen Beschwerden wie Panikattacken, Schweißausbrüchen, psychosomatischen Kopfschmerzen und zu hohem Blutdruck.

Was sind die Auslöser einer Schwangerschaftsphobie?

Grundsätzlich kommt eine Tokophobie bei Frauen jeden Alters und in jeder Gesellschaftsschicht vor. Mögliche Gründe können sein:

  • Depressionen
  • die Angst vor der Geburt im allgemeinen
  • traumatische Erlebnisse in der Kindhaut
  • sexueller Missbrauch oder Gewalt
  • traumatische Geburtserfahrung wie eine Fehl- oder Totgeburt
  • Versagensängste
  • ​die Angst davor, die Kontrolle über den eigenen Körper zu verlieren

In gewisser Form ist eine Tokophobie auch erblich. Frauen, deren Mütter eine Schwangerschaftsphobie hatten, haben ein erhöhtes Risiko, ebenfalls unter der Angststörung zu leiden.

Die Folgen einer Schwangerschaftsphobie sind für die Frauen meist verheerend

Während der britischen Studie gaben 13 Prozent der Frauen an, dass sie wegen ihrer teilweise panischen Angst, alles taten, um eine Schwangerschaft zu vermeiden. Der Anstieg der weltweiten Kaiserschnitte wird auch auf die Tokophobie zurückgeführt.

Frauen, die unter der Krankheit leiden, greifen oft zu drastischen Maßnahmen wie etwa Sterilisation, völliger Verzicht auf Geschlechtsverkehr oder Abtreibung. In einem Extremfall soll eine Schwangere sogar von ihrem Arzt verlangt haben, nach der Kaiserschnittgeburt sofort die Gebärmutter zu entfernen, um eine weitere Schwangerschaft auszuschließen.

Wie kann eine Schwangerschaftsphobie behandelt werden?

Wer unter solchen extremen Ängsten vor einer Schwangerschaft leidet, sollte sich auf jeden Fall professionelle Hilfe holen. Denn wie jede andere Phobie, kann auch eine Tokophobie therapeutisch behandelt werden. Während einer Psychotherapie wird den Ursachen auf den Grund gegangen und eine Möglichkeit erarbeitet, die Angst dauerhaft zu überwinden. Hypnose und hypnotherapeutische Entspannungsübungen können ebenfalls helfen, die Phobie zu lindern. Vielen Schwangeren hilft es auch schon, sich ihrer Hebamme oder Frauenärztin anzuvertrauen.

Über seine Angst zu sprechen, ist der beste Heilungsweg. Da die Schwangerschaftsphobie noch immer ein Tabu-Thema ist, trauen sich viele Frauen nicht, offen darüber zu sprechen, dabei ist genau das existenziell für den Heilungsprozess. Keine Frau muss sich schuldig fühlen, weil sie an der Angststörung leidet. Im Gegenteil, jede Frau sollte selbst über ihr Leben entscheiden können. Ein Kinderwunsch kann sich auch anders erfüllen, beispielsweise durch eine Adoption.

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Tokophobie
Das hilft gegen Angst in der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft ist etwas Schönes, aber sie ist nicht nur schön. Denn sie kann Frauen eine Heidenangst einjagen. Drängende Fragen schwirren dir durch den Kopf wie: Was passiert mit meinem Körper? Was, wenn es Komplikationen gibt? Und wie zum Teufel soll ich eine gute Mutter sein, wenn ich es nicht mal schaffe, die Zimmerpflanze auf der Fensterbank am Leben zu halten?

Aber niemand redet gern darüber, schließlich sollen Frauen sich doch über das „Wunder des Lebens“ freuen. Dabei gibt es sogar einen Fachbegriff dafür: Tokophobie, die Angst vor einer Schwangerschaft, ist ein Tabuthema, unter dem aber viele Frauen leiden. Was dahinter steckt und wie du mit dieser Angst umgehen kannst, erklärt eine Expertin.

Kiefer Pix / .com Wird die Geburt schmerzhaft? Werde ich eine gute Mutter? Solche Fragen beschäftigen viele schwangere Frauen.

Was ist eine Tokophobie?

Tokophobie: Der komplizierte Name dieser Angst leitet sich von den griechischen Wörten toko – Schwangerschaft und phobos – Angst ab. Betroffene haben also Angst vor einer Schwangerschaft, der Geburt und auch vor dem Muttersein. „Einige Frauen leiden schon lange unter dieser Angst und waren deshalb noch nie schwanger, die haben eine sogenannte primäre Tokophobie“, erklärt die Frauenärztin und Psychotherapeutin Natalie Mann-Borchert.

„Wer bereits eine sehr schwierige und traumatisierende Schwangerschaft erlebt hat und deshalb diese Ängste entwickelt, hat eine sekundäre Tokophobie.“ Sie berichtet, dass in den letzten Jahrzehnten immer mehr Frauen davon betroffen sind, bis zu 15 Prozent der Frauen leiden nach ihren Schätzungen unter solchen Ängsten.

Wie erkenne ich eine Tokophobie?

Sorgen und auch Ängste sind vor und während einer Schwangerschaft ganz normal. Auch die Befürchtung, keine gute Mutter zu sein oder das alles nicht zu schaffen. Solche Ängste darfst und sollst du zulassen! Du bist kein schlechterer Mensch oder weniger Frau, weil du das Kinderkriegen nicht als etwas Positives kennengelernt hast.

Wenn diese Sorgen aber dazu führen, dass du eine Schwangerschaft ganz vermeidest oder stark unter solchen Gedanken leidest, rät die Frauenärztin, sich Hilfe zu holen. Denn richtig schwierig wird es, wenn die Tokophobie einem vorhandenen Kinderwunsch im Weg steht.

Warum es ok ist, keine Kinder zu wollen

Kann ich testen, ob ich an einer Tokophobie leide?

Wenn du wissen möchtest, ob du unter Tokophobie leidest, kannst du diesen kleinen Test machen: Überlege dir in einem ruhigen und entspannten Moment, ob du dir vorstellen kannst, ein Kind in deinem Bauch zu haben. Ob du dir vorstellen kannst, es zu gebären. Ob du dir vorstellen kannst, Mutter zu sein.

Hast du dann ein Horrorszenario vor deinem inneren Auge gesehen oder die Fragen mit Nein beantwortet, warst dabei aber insgeheim ein bisschen traurig? Dann kannst du mit einer Vertrauensperson genau über diese Symptome sprechen und schauen, ob eine Angst dich davon abhält, dir den Wunsch eines eigenen Kindes zu erfüllen.

Aber: Wenn du dich bewusst und rational (nicht aus Angst) dagegen entscheidest, Kinder zu bekommen, ist das vollkommen in Ordnung. Lass dir von niemandem in deine Kinderplanung hineinreden, weder von der Angst, noch von der Gesellschaft. Oder von Männern.

Intime Fragen schwangerer Frauen

wavebreakmedia / .com Sprich mit deiner Ärztin, wenn Schmerzen in der Schwangerschaft auftreten. Googeln verstärkt die Sorgen meist noch.

Wie entsteht die Angst vor einer Schwangerschaft?

Ängste und Sorgen können aus sehr verschiedenen Gründen entstehen. Gerade bei so einem komplexen Thema wie eigenen Kindern liegen die Ursachen deshalb oft in tiefen psychologischen Prägungen. Das Mutterwerden wird bewusst oder unterbewusst mit etwas Negativem verknüpft, was du nicht (nochmal) erleben möchtest. Dabei gibt es vor allem drei Gruppen:

  1. Du hast selbst traumatische Erfahrungen gemacht: Vor allem die sekundäre Tokophobie nach dem ersten Kind entsteht durch einschneidende Erfahrungen in der Schwangerschaft. Wenn es Komplikationen gab oder die Geburt sehr schmerzhaft war, kann sich dieses Erlebnis als Trauma verfestigen. Das wird vor allem dann sichtbar, wenn Betroffene eigentlich gern ein zweites Kind möchten, aber zu viel Angst davor haben, dass sich diese Komplikationen wiederholen.
    Durch ein sexuelles Trauma kann auch eine primäre Tokophobie entstehen. „Etwa 12 bis 15 Prozent der Frauen mit derartigen Ängsten haben in der Vergangenheit sexuellen Missbrauch erfahren“, beschreibt die Psychotherapeutin.
  2. Du hast Schwangerschaften als etwas Schlechtes kennengelernt: Die primäre Tokophobie fängt im Gegensatz zur sekundären früher an. „Die Betroffenen haben oft schon als Kind von der eigenen Mutter oder anderen Frauen von schlimmen Erlebnissen gehört und die Schwangerschaft als etwas Negatives oder Bedrohliches kennengelernt“, so die Ärztin. So etwas prägt sich dann ein.
    Dazu kommt, dass Elternschaft (und die damit einhergehende Unberechenbarkeit) scheinbar nicht wirklich in den Zeitgeist passt, in dem ja eigentlich alles möglichst geplant, optimiert und risikoarm sein soll. Wer überall hört, dass Kinder die Karriere und den Körper ruinieren, und es nicht genug Kita-Plätze gibt, verliert schnell den Mut.
  3. Es liegen andere psychische Probleme vor: Manchmal ist die Angst auch ein Symptom für andere psychische Probleme wie Angst- oder Zwangsstörungen. „Ein Kind bedeutet ja immer auch große Veränderungen, dass man vieles nicht voraussehen kann und auch mal die Kontrolle abgibt“, beschreibt die Frauenärztin. Für Menschen, die ohnehin schon mit psychischen Problemen kämpfen, bedroht eine Schwangerschaft das ohnehin schon empfindliche Gleichgewicht, mit dem sie ihren Alltag durchhalten.

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Was überwinde ich meine Schwangerschaftsangst?

Keine Frau ist dazu verpflichtet, Kinder zu wollen. Wenn du aber eigentlich schon irgendwie Kinder möchtest und der Hauptgrund dagegen die Dinge sind, die schiefgehen könnten, kannst du versuchen, deine Angst zu behandeln. „Es gibt zum Beispiel viele sehr gute Frauengesundheitszentren, die sich auch mit solchen Problemen beschäftigen“, so Mann-Borchert. Eine Liste mit einigen Einrichtungen gibt es hier.

Du kannst dich aber auch einer Vertrauensperson öffnen, bei der du das Gefühl hast, auch mal schwach sein zu dürfen. Sei es deine Gynäkologin, dein Partner oder deine Partnerin, eine gute Freundin oder deine Schwester: Oft hilft es schon, die Meinung einer anderen Person zu hören.

Langfristig kann eine Psychotherapie dabei helfen, die Ursachen für deine Tokophobie zu erkennen und zu lösen. Und zwar am besten so früh wie möglich: „Bei Frauen, die solche Ängste während der Schwangerschaft haben, steigt auch die Wahrscheinlichkeit für sogenannte postpartale Depressionen“, warnt die Frauenärztin.

Bei 10 bis 20 Prozent (je nach Studie) der Mütter bleiben wegen dieser auch postnatal genannten Depression die sonst häufigen Glücksgefühle nach der Geburt aus. Oft haben sie das Gefühl, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein, ihr Kind nicht genug zu lieben oder die Schwangerschaft zu bereuen. Das Risiko, dass diese erste Zeit mit dem Baby dadurch belastet wird, kannst du mit frühzeitigen Gesprächen darüber mindern. Du bist mit diesen Stimmungen nicht allein!

So erkennst du frühzeitig eine Depression

wavebreakmedia / .com Entspannungsübungen oder ein Spa-Aufenthalt können helfen, Ängste in der Schwangerschaft zu überwinden.

Was tun bei einer Schwangerschaftspanik?

Während der 9 Monate mit Babybauch kann es passieren, dass dich auf einmal eine Panikattacke überfällt und alle Ängste über dich hineinbrechen. „In so einer Situation kann man im ersten Schritt versuchen, die Atmung zu beruhigen, oder, wenn man aktiver sein will, Entspannungsübungen wie Schwangerenyoga zu machen“, rät Mann-Borchert.

Im nächsten Schritt solltest du dir jemanden suchen, mit dem du reden kannst – sei es, um dich abzulenken, oder um über deine Ängste zu reden. Du musst dich weder für deine Gedanken schämen noch sie alleine durchstehen, lass sie zu und sprich sie aus. Besonders hilfreich ist es, wenn eine Hebamme bereits die Schwangerschaft begleitet. „Viele Frauen denken auch, dass diese Sorgen nicht normal sind und geben sie deshalb nicht zu“, so die Frauenärztin. Einige Sorgen hört sie aber immer wieder und kann sie oft entkräften.

So gehst du am besten mit einer Panikattacke um

Was sind typische Ängste von schwangeren Frauen?

Von den oben erwähnten Fragen, die Frauen in der Schwangerschaft quälen, kennt Dr. Mann-Borchert die meisten. Und natürlich hat sie darauf ein paar beruhigende Antworten.

„Was, wenn das Baby nicht gesund ist?“

Die Angst, ein Baby mit Krankheit oder einer Behinderung zur Welt zu bringen, steigt vor allem mit dem Alter. Aber: „95 Prozent aller geborenen Kinder sind kerngesund, und die Methoden zur Frühdiagnostik werden immer weiter verbessert“, beruhigt die Gynäkologin. Erste, orientierende Untersuchungen zur Gesundheit können heute schon im ersten Schwangerschaftsdrittel durchgeführt werden und eine Hilfestellung geben.

„Ist dieses Ziehen im Bauch gefährlich?“

Wenn du auf einmal Schmerzen im Bauch hast, kommt oft die Panik, dass das Baby in Gefahr ist. „Bauchschmerzen sind in der Zeit aber komplett normal, die Gebärmutter muss sich ja ausdehnen und Platz schaffen“, beruhigt Mann-Borchert. Wenn du dir Sorgen machst, geh zur Hebamme oder zum Frauenarzt. Dort wird dir erklärt, auf welche Warnsignale du achten kannst, auch wenn diese Schmerzen in der Regel nicht gefährlich sind. „Man sollte nur nicht auf eigene Faust nach den Symptomen googlen, das geht nie gut aus“, so die Frauenärztin.

„Die Geburt wird schrecklich.“

Da müssen wir dir nichts vormachen, schmerzfrei wird die Geburt nicht. Durch eine gründliche Vorsorge mit Schwangerschaftsgymnastik, Atemübungen und einer helfenden Hand zum Halten und Quetschen kannst du sie aber deutlich erträglicher gestalten. „Ärzte sind außerdem oft bereit, Kaiserschnitte durchzuführen, weil es das Risiko für Komplikationen enorm senken kann“, sagt die Gynäkologin. Also ja, das wird kein leichtes Unterfangen. Sobald es aber Probleme gibt, können dir die Ärzte im Kreißsaal schnell helfen. Und es gilt: Das haben schon viele andere vor dir geschafft!

„Ich werde eine schlechte Mutter.“

Die Angst, eine Rabenmutter zu werden oder der Verantwortung nicht gewachsen zu sein, ist bei vielen Frauen sehr groß. Vielleicht hilft es aber zu wissen, dass es wie die Rabenmutter auch die Supermutter, die in allem perfekt ist, nicht gibt. Es gibt kein Patentrezept, wie Familie funktioniert, da findet jede seinen ihren Weg.

Du wirst erst nach der Geburt dein Kind und deine Rolle kennenlernen und in sie reinwachsen. Und du musst auch nicht alles alleine stemmen machen. Der Vater vom Kind, deine Familie, deine Freunde, sie alle können dir dabei helfen und dich entlasten.

VGStockstudio / .com Gemeinsam Ängste überwinden: Sprich mit Freundinnen ehrlich über deine Sorgen in der Schwangerschaft.

„Alles wird sich verändern.“

Das stimmt. Aber niemand, der sich für ein Kind entscheidet, will doch, das alles so bleibt, wie es ist, oder? Ja, du wirst ein kleines Bündel bedingungsloser Liebe in den Händen halten und hast auf einmal die Verantwortung dafür. Doch du kannst dich und dein soziales Umfeld darauf vorbereiten und dafür sorgen, dass du trotzdem Zeit und Raum hast, um du selbst zu sein. „Veränderungen sind nichts Schlimmes, es muss nicht alles geplant sein und man darf sich auch mal trauen, dem Leben einfach seinen Lauf zu lassen“, rät die Psychotherapeutin.

„Mein Körper wird nie mehr wie vorher.“

Es gibt angeblich Frauen, die haben nach der Schwangerschaft sofort wieder einen flachen Bauch und feste Brüste. Solltest du dich neben denen schlecht fühlen? Nein! Du bist gerade dabei, Leben zu erschaffen, dein Körper ist ein verdammter Held!

Deine kleinere Blase, die angeschwollenen Füße und dein kugeliger Bauch leisten gerade Schwerstarbeit und versorgen einfach mal so ein zweites Lebewesen in deinem Körper. Du erlebst gerade einen Gipfel deiner Weiblichkeit und dafür hat dein Körper den größten Respekt verdient. Außerdem gibt es nun wirklich wichtigere Dinge als eine Haut ohne Dehnungsstreifen, die gibt es bei allen anderen auch nur mit Photoshop.

wavebreakmedia / .com Lass dich nicht irritieren: Kaum eine Schwangerschaft verläuft völlig ungetrübt von Ängsten und Sorgen.

„Ich bereue es, schwanger zu sein.“

Regretting Motherhood ist das Schlagwort, unter dem momentan das Bereuen der Mutterschaft diskutiert wird. Wenn du dieses Reuegefühl erlebst, bist du auch damit nicht allein. Ein Kind zu haben, ist anstrengend. Immer. Tatsächlich ist die Lebenszufriedenheit bei Eltern mit kleinen Kindern oft geringer als die von kinderlosen Menschen. Später ist es dafür aber umgekehrt, da sind Eltern oft glücklicher als Kinderlose. Es braucht also vielleicht nur etwas Geduld.

Unterstützung von außen, beispielsweise in einem Beratungszentrum, kann dir dabei helfen, dein Leben als Mutter so umzustrukturieren, dass du dich besser selbst verwirklichen kannst. Und versuche immer, dem Vater des Kindes seinen Teil der Alltagsaufgaben zuzuweisen. Er soll nicht nur „im Haushalt helfen“, ihr seid beide Eltern, also wird so gerecht wie möglich geteilt.

Es gibt auch ehrenamtliche Stellen wie den Oma-Hilfsdienst, die dir helfen können. Wenn du einen Teil der Verantwortung abgibst, bedeutet das auch nicht, dass du eine Rabenmutter bist. Mit so einer Entlastung kannst du dir besser Zeit für dich selbst nehmen und die Momente mit deinem Kind dann auch besser genießen.

So findest du den Weg aus einer Lebenskrise

Sich einzugestehen, dass der wachsende Babybauch mehr Angst als Freude bereitet, ist nicht leicht. Aber du bist mit deinen Ängsten nicht allein. Such dir einen Ansprechpartner für deine Sorgen und gehe ihnen auf den Grund!

Tove Hortmann 13.08.2019

Tokophobie: So leiden Frauen unter der Schwangerschaftsphobie

„Kinder sind der wahre Sinn des Lebens!“ – „Erst jetzt fühle ich mich vollständig!“ „Es ist ein echtes Wunschkind.“

Über das Glück schwanger zu sein und Kinder zu bekommen, hören wir viel. Von Freundinnen, der Familie, Bloggern. Wir wissen inzwischen auch, wie sehr Frauen unter ihrem unerfüllten Kinderwunsch leiden. Und dass manche Frauen lieber kinderlos bleiben – oder gar ihre Kinder bereuen, ist auch kein großes Tabu mehr.

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„Es war ein Fehler, Mutter zu werden“

Aber dass auch eine Phobie der Auslöser für Kinderlosigkeit sein kann, dürfte vielen Menschen unbekannt sein. Dabei ist diese Angststörung, Tokophobie genannt, weit verbreitet.

„Das Gefühl, in mir würde ein Alien wachsen“

Auf dem Hebammenblog der Berliner Hebamme und Bloggerin Jana Friedrich beschreibt eine Frau, die unter Schwangerschaftsphobie leidet, was dabei in ihr vorgeht und warum sie die Vorstellung, selber schwanger zu sein „erschreckend“ findet.

„Ich möchte nicht, dass sich mein Körper so verändert. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, diese Veränderungen zu genießen, stolz, gespannt und erfreut sein zu können. Dass sich plötzlich etwas Lebendiges in mir bewegt? Wie könnte ich mich darüber freuen, ohne das Gefühl zu haben, in mir würde ein Alien wachsen?! Klar, es wäre einfach, sich auf die Hormone und den eigenen Körper zu verlassen, aber was, wenn das Aliengefühl bleibt? Was, wenn sich schwanger sein wirklich so ’strange‘ und erschreckend anfühlt wie ich es mir vorstelle?“

Gleichzeitig wünscht sich die Betroffene, sie würde endlich selbst den Kinderwunsch fühlen, den so viele Frauen haben.

Zudem spürt sie, dass ihre Phobie gesellschaftlich kaum anerkannt ist. Die Norm sei die Vorstellung vom weiblichen Körper als Wunder und Lebensspender. Dass jemand diese Aufgabe als beängstigend empfindet, stößt selten auf Verständnis. Die Folge ist, dass die Frauen nicht über ihre Angst sprechen – und sie so oft auch nicht überwinden können.

Tokophobie: Horrorvorstellung Geburt

Zur Angst vor körperlichen Veränderungen, kommt bei vielen Frauen mit Tokophobie die Angst vor der Geburt und den Schmerzen, denen man ausgesetzt wird. Werden Frauen mit dieser Angststörung schwanger, verlangen viele darum nach Kaiserschnitten – eine Untersuchung aus Engalnd und Wales geht davon aus, dass bis zu 7 Prozent aller Kaiserschnitte aufgrund einer Tokophobie durchgeführt werden. Allerdings kann die Vorstellung „am Bauch aufgeschlitzt“ zu werden, erneut Angst auslösen. Im schlimmsten Fall lassen betroffene Frauen das Kind sogar abtreiben.

Jede sechste Frau betroffen

Die erste große Studie zur Schwangerschaftsphobie führte Kristina Hofberg im Jahr 2000 durch. Sie fand heraus, dass jede sechste Frau in Großbritannien von einer Tokophobie betroffen ist – viel mehr, als sie erwartet hatte.

Gegenüber dem Guardian sagte sie über die Ängste der Frauen:

„Es ist ein krankhafter Terror, der in seiner extremsten Form dazu führen kann, dass die Frauen durch ihr Verhalten eine Fehlgeburt riskieren, etwa, indem sie Alkohol trinken, Drogen nehmen oder sich sogar selbst in den Bauch boxen.“

Auch wenn sie das Kind schließlich gesund zur Welt gebracht haben, könnten die Betroffenen noch Jahre lang von den schlimmen Bildenr in ihrem Kopf verfolgt werden.

Wie wird die Angst ausgelöst?

Verschiedene Faktoren können eine Tokophobie auslösen. Oft geht eine traumatische Erfahrung voraus: Manche Frauen wurden in früher Kindheit von Bildern einer Geburt traumatisiert, andere haben selbst eine traumatisierende Geburt erlebt und haben dadurch die Angststörung entwickelt. Laut Forscherin Hofberg sind auch Frauen, die als Kind sexuell missbraucht wurden, überdurchschnittlich oft betroffen. Bei manchen Frauen spielen auch Versagensängste eine Rolle.
Die Angst kann sich auch „vererben“: Frauen, deren Mütter unter einer Schwangerschaftsphobie litten, haben ein höheres Risiko selbst diese Angst auszubilden.

Was hilft bei einer Tokophobie?

Frauen, die extreme Angst vor einer Schwangerschaft oder Geburt haben und darunter leiden, sollten sich auf jeden Fall professionellen Rat holen. Durch eine Psychotherapie können mögliche Ursachen erkannt und Möglichkeiten gefunden werden, wie die Angst überwunden werden kann.

Und dass es geht, zeigt ein Kommentar einer Leserin unter dem Beitrag auf dem Hebammenblog:

„Ich erinnere mich daran, wie ich in den ersten Wochen einen regelrechten Weinkrampf hatte und mir sicher war, dass ich die Schwangerschaft nicht durchstehen würde und sogar mir die Option offen lassen wollte, diese noch zu beenden … Alles wurde gut. Als ich mein Kindchen dann im Bauch zart spürte, fand ich’s schön.“

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Ammenmärchen – Mythen rund um Geburten und Schwangerschaft:

Wer Sex hat, kann schwanger werden. Egal, ob und mit welcher Methode sie verhütet. Das ist uns Frauen im Prinzip ja schon klar. Also so ganz abstrakt und in der Theorie. In der Praxis mit der Angst, schwanger zu sein, konfrontiert zu werden, ist noch einmal eine ganz andere Sache. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit vor unserem positiven Test. Die Ungewissheit ist das Schlimmste. Und die vielen negativen Auswirkungen, die damit verbunden wären. Diese Angst ist alles andere als abstrakt, sie hemmt Dich in Deinem Alltag und begleitet Dich so lange, bis Du Gewissheit hast.

Dabei muss das gar nicht sein, wenn Du einen kühlen Kopf bewahrst und Dir einen detaillierten Plan zurecht legst, wie Du im Ernstfall vorgehen möchtest.

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Du hast Angst, schwanger zu sein? Ein 3-Stufen-Plan

Wenn Du ungeschützten Geschlechtsverkehr hattest oder eine Panne bei der Verhütung, z.B. weil das Kondom gerissen ist, besteht tatsächlich die Möglichkeit, dass Du schwanger bist. Damit Dich die Angst vor dieser Möglichkeit nicht erstarren lässt, habe ich ein paar Tipps für Dich, wie Du die Tage überstehst, bis Du Gewissheit hast.

1. Unmittelbar nach dem Geschlechstverkehr: Wie wahrscheinlich ist eine Befruchtung?

Unmittelbar nach dem Sex begann sich Dein Kopf zu drehen und die Sorge vor einer Schwangerschaft stieg von Minute zu Minute? Als erstes macht es Sinn, ruhig zu bleiben und zu überlegen, wie wahrscheinlich es eigentlich ist, dass Du schwanger bist. Denn tatsächlich kann unverhüteter Geschlechtsverkehr nur an etwa 5-6 Tagen pro Zyklus zu einer Befruchtung der Eizelle und damit zu einer Schwangerschaft führen.

Diese Tage sind niemals am Anfang oder Ende Deines Zyklus, sondern etwa in der Mitte. Das heißt, die ersten 5 Tage nach Einsetzen Deiner Regelblutung kannst Du immer als unfruchtbar annehmen. Auch die letzten 10-14 Tage im Zyklus, die sogenannte Hochphase, ist unfruchtbar.

Fruchtbare Tage erkennen: An welchen Tagen kann ich schwanger werden?

Angst schwanger zu sein trotz Kondom und Pille

Wenn Du ein Kondom, die Anti-Baby-Pille oder ein anderes hormonelles Verhütungsmittel anwendest, ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft recht gering. Auch, wenn Du die Pille einmal vergessen hast, reicht die Hormondosis in Deinem Körper wahrscheinlich aus.

Allerdings solltest Du Dir bei der Pille oder dem Verhütungsring darüber im Klaren sein, dass eine Blutung während der Pillenpause / Herausnehmen des Rings keine Aussagekraft über eine mögliche Schwangerschaft hat. Dabei handelt es sich lediglich um eine Ersatzblutung. Wenn Du trotz Pille Angst hast, schwanger zu sein, solltest Du unbedingt mit Deinem Gynäkologen sprechen.

Die Pille danach

Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland die „Pille danach“ rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen – früher musste ein Arzt sie verschreiben. Die Pille danach enthält einen von zwei Wirkstoffen, die den Eisprung nach hinten hinauszögern.

Du kannst sie also einnehmen, wenn ihr beim Sex eine Panne hattet. Der Eisprung findet dann später statt und die Spermien, die eventuell in Deinem Körper bis zu 5 Tage lang befruchtungsfähig bleiben, sind bis dahin abgestorben.

Natürlich ist es wichtig, dass Du danach nicht wieder neuen ungeschützten Geschlechtsverkehr hast. Außerdem kann es sein, dass der Eisprung bereits ausgelöst wurde, dann ist die Pille danach unwirksam.

Die Pille danach musst Du möglichst schnell, am besten innerhalb von 12 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr einnehmen.

Manche Präparate kannst Du auch noch 5 Tage später einnehmen, allerdings sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie wirkt, mit jeder Stunde, die Du verstreichen lässt.

Außerdem sollte Dir klar sein, dass die Pille danach nur für Notfälle gedacht ist und keine dauerhafte Verhütungsmethode darstellt.

Der Wirkstoff ist ein gravierender Eingriff in Dein Hormonsystem und zögert Deine reguläre Monatsblutung etwa eine Woche nach hinten hinaus. Das heißt, Du musst im Zweifel auch noch eine weitere Woche warten, bevor Du einen Schwangerschaftstest machen kannst.

2. Die Zeit bis zur Periode überstehen

Danach kannst Du erst einmal nur warten. Denn den ersten Früh-Schwangerschaftstest kannst Du erst kurz vor der erwarteten Regelblutung durchführen. Und auch dann bedeutet ein negatives Ergebnis nicht, dass Du eine Schwangerschaft zu 100% ausschließen kannst, denn Frühtests sind sehr fehleranfällig.

Die Tage, bis Du einen richtigen Test durchführen kannst, können darum sehr lang sein. Versuche, in dieser Zeit nicht jedes kleine Ziepen Deines Körpers als mögliches frühes Schwangerschaftsanzeichen zu deuten. Alle dieser Symptome sind sehr unsicher und können immer auch andere Ursachen haben. Manche davon hattest Du vielleicht sogar schon immer, aber hast nie darauf geachtet.

Aber was kannst Du stattdessen tun?

Verständnis und konstruktive Vorschläge haben meist gute Freunde oder Dein Partner. Vielleicht sind Deine Sorgen schon ein ganzes Stück kleiner, wenn er ganz entspannt im Falle einer tatsächlichen Schwangerschaft reagiert? Vielleicht stellt ihr sogar fest, dass ihr euch eigentlich ein Kind wünscht?

Was Du auf keinen Fall tun solltest:

In Facebook-Gruppen oder Foren posten. Denn hier bekommst Du wenig hilfreiche Antworten, stattdessen musst Du zum Teil mit Beschimpfungen oder Vorwürfen rechnen. Es sei denn, Du hast eine Community, die Dich wirklich kennt und konstruktive Vorschläge bringt. Dann kann der Austausch mit anderen auch sehr beruhigend wirken.

Versuche außerdem, in dieser Zeit nicht zu viel allein zu sein, sondern unternimm etwas mit Freunden, Familie, oder lenk Dich mit Arbeiten ab. Meistens bewirkt Grübeln nur, dass die Angst wächst.

Allerdings hilft es manchmal, dir den „schlimmsten aller Fälle“ vor Augen zu halten. Also Dir die Frage zu stellen, was wäre das Schlimmste, was passieren würde? Denn auch für den Fall, dass Du tatsächlich schwanger bist, gibt es viele Lösungsmöglichkeiten.

Wenn Du es nicht willst, musst Du ein Kind nicht selbst aufziehen – oder es nicht alleine aufziehen, selbst, wenn Dein Partner Dich nicht unterstützt. Oft würden Großeltern jederzeit aushelfen und auch eine Adoption kannst Du in Betracht ziehen.

So oder so: Das Leben geht immer weiter, mach Dir das klar.

3. Möglichst früh testen

Nichts ist schlimmer als Ungewissheit. Deshalb warte nicht länger ab, als nötig. Wenn Deine Periode tatsächlich ausbleibt, geh in die Drogerie oder Apotheke und besorge einen Schwangerschaftstest. Wenn Dir das unangenehm ist, kannst Du den Schwangerschaftstest auch online bestellen.

Wenn Du trotz negativem Schwangerschaftstest immer noch Angst hast, schwanger zu sein, geh zum Gynäkologen. Er kann wenige Tage nach Ausbleiben Deiner Regelblutung einen zuverlässigen Schwangerschaftstest anhand der Blutwerte durchführen.

Ständige Angst, schwanger zu sein: Schwangerschaftsphobie

Bei vielen Frauen gibt es gar keinen konkreten Anlass für Sorge, sondern sie haben dauerhafte, phobische Angst vor einer Schwangerschaft. Man spricht dann von einer Schwangerschaftsphobie oder Tokophobie. In Fachkreisen unterscheidet man zwischen einer primären (lebenslangen) und einer sekundären Schwangerschaftsphobie nach einer traumatischen Schwangerschaft oder Geburtserfahrung.

Angst vor der Geburt ist sehr verständlich und weit verbreitet. Viele Ratgeberbücher zu Themen wie „Schmerzfreie Geburt“, „Selbstbestimmte Geburt“ oder „Hypnobirthing“ beschäftigen sich damit. Aber es gibt auch eine Angst, schwanger zu sein.

Diese Angst vor einer Schwangerschaft kann bei kinderlosen Frauen krankhafte Züge annehmen. Diese kann so weit gehen, dass Frauen, die eigentlich einen Kinderwunsch haben, diesen verdrängen, verschieben oder gänzlich aufgeben. In einer britischen Studie von Kristina Hofberg im Jahr 2000 betraf das 13% der kinderlosen Frauen.

Die Angst bei einer generellen, also primären Angststörung bezieht sich einerseits auf die enormen Veränderungen des Lebensstils und die Angst vor der Verantwortung, die ein Kind bedeutet. Dem fühlen sich viele Menschen nicht gewappnet.

Gleichzeitig haben Frauen Angst vor dem Fremdgefühl, vor der körperlichen Veränderung und den Vorgängen, die sie nicht aufhalten können. Sie möchten nicht hilflos in den Spiegel sehen, während sich ihr Körper unaufhörlich verändert, erweitert, ihnen die Kontrolle entgleitet.

Diese generelle Angst und Abneigung gegenüber einer Schwangerschaft ist gesellschaftlich ein Tabu. Denn Schwangerschaft, Kinder und das weibliche Geschlecht gehören quasi untrennbar verbunden – weil von der Natur so vorgesehen. Frauen mit einer übertriebenen Angst, schwanger zu sein, behalten diese Angst darum oft für sich und fühlen sich irgendwie fehl am Platz. Sie sehen, wie andere Frauen sich über Schwangerschaften und Geburten freuen und verstehen nicht, warum es ihnen nicht so geht. Oft spielen dabei auch Erlebnisse aus der Kindheit oder Ängste der eigenen Mutter eine Rolle.

Wenn Dich das Thema stark belastet und Du eigentlich einen Kinderwunsch hättest, solltest Du Dich in psychologische Behandlung begeben. Bei einer sekundären, also durch ein Trauma im unmittelbaren Zusammenhang mit einer Schwangerschaft ausgelösten Tokophobie, ist eine Behandlung ebenso unterstützend. Allerdings ist es einfacher, diese Angst vor einer Schwangerschaft auch im Kreise der Familie zu besprechen und aufzulösen. Manchmal hilft da auch einfach die Zeit.

Schwangerschaft sicher vermeiden

Wenn Du Dir sicher bist, dass Du keine Kinder möchtest und darum ständige Angst hast, schwanger zu sein, macht es vielleicht Sinn, Deine Verhütungsmethode zu überdenken. Solange Du Dich im fruchtbaren Alter, also vor den Wechseljahren, befindest, kannst Du in jedem Zyklus schwanger werden.

Die einzige Möglichkeit, das zu verhindern, ist der vollständige Verzicht auf Geschlechtsverkehr während der fruchtbaren Tage (vlg. NFP-Verhütung) oder eine Sterilisation.

Natürliche Verhütung: Meine Erfahrungen mit der symptothermalen Methode nach NFP

Weiterhin gelten die gängigen hormonellen Verhütungsmethoden als sehr sicher, haben allerdings auch einige unerwünschte Nebenwirkungen, über die Du Dir vorher ausreichend Gedanken machen solltest. So kann die Einnahme der Pille Deine Stimmung und Gesundheit negativ beeinflussen.

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