Angst in der schwangerschaft

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Ängste in der Schwangerschaft

(Kostia)

Sorgen und Ängste plagen viele Frauen während der Schwangerschaft. Hebamme Petra Welskop erklärt, was werdende Mütter gegen diese Gedanken tun können.

„Wird mein Kind gesund auf die Welt kommen?“ „Wie wirkt sich die Ankunft des Babys auf die Partnerschaft und meinen Beruf aus?“ Und: „Werde ich eine gute Mutter sein?“

Wir haben mit Petra Welskop, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums, darüber gesprochen, welche Sorgen und Ängste Schwangere häufig plagen, wie die werdende Mutter ihnen begegnen sollte und wo sie Rat und Hilfe findet.

netdoktor: Mit welchen Ängsten kommen Schwangere zu Ihnen?

Petra Welskop: Die Schwangerschaft bringt große Veränderungen im Leben einer Frau mit sich. Sich darüber Gedanken zu machen ist ganz natürlich. Manchmal sind das auch Sorgen, selten jedoch wirkliche Ängste. Die meisten Schwangeren sind von Haus aus eher sehr positiv eingestellt, zuversichtlich und optimistisch.

„Ist das Kind gesund?“ ist die zentrale und wichtigste Sorge der Frauen. Sie machen sich auch Gedanken darüber, ob sie eine gute Mutter sein werden, wie sie den Anforderungen als Mutter und im Beruf gerecht werden können und wie sich die Partnerschaft verändern wird.

Wenn die Frau schwanger ist und bereits ein Kind hat, geht es auch oft darum, wie sie ihre Liebe zwischen mehreren Kindern aufteilen kann und ihr erstes Kind nicht vernachlässigt. Sie hofft, dass die Schwangerschaft problemlos verläuft und sie sich um ihr erstes Kind wie gewohnt kümmern kann.

Je näher der Geburtstermin rückt, desto mehr beschäftigt die Frau die Geburt selbst: Wie soll ich das schaffen? Wie ertrage ich die Schmerzen? Was sind das für Schmerzen? Wie wird das sein? Wie möchte ich es? – All diese Fragen beschäftigen die Frau und sie sucht darauf Antworten – bei ihrer Hebamme, im Geburtsvorbereitungskurs, im Freundeskreis.

Wenn die Frau schon einmal geboren hat, dann kann es in dieser Phase auch darum gehen, dass sie bestimmte Erfahrungen der ersten Geburt beim zweiten Mal nicht wiederholen will.

Angstzustände, Albträume, Schlaflosigkeit – wie häufig und wie gefährlich ist so etwas für Mutter und Kind?

Das Schlafverhalten verändert sich bei jeder Frau während der Schwangerschaft. Sie wacht öfter auf, muss auf die Toilette, schläft aber auch schnell wieder ein. Das ist bereits ein gewisses Training für das Leben mit dem Neugeborenen. Auch seine Signale wird sie im Schlaf rechtzeitig wahrnehmen, öfter aufwachen und rasch wieder einschlafen.

Schlaflosigkeit im Sinne von „nicht einschlafen können“ oder „an die Decke starren“ ist keine Begleiterscheinung der Schwangerschaft.

Albträume können hingegen schon vorkommen. Frauen sind in dieser Zeit einfach sensibler, empfindsamer und daher auch anfälliger für intensive Gefühlserlebnisse. Emotionen und negative Erlebnisse aus dem Alltag werden auch im Schlaf verarbeitet und können daher zu wilden Bildern und Albträumen führen. Gefährlich ist das nicht und es schadet auch nicht.

Wirkliche Angstzustände, bei denen die Frau sich verändert und zurückzieht, erlebe ich sehr selten bei Schwangeren. Sie müssen vom Facharzt behandelt werden.

Können anhaltende Angstzustände in der Schwangerschaft auch zu psychischen Erkrankungen führen (z.B. Panikattacken, Depressionen)? Passiert das häufig? Und wenn ja, wieso gerade in der Schwangerschaft?

Nach meinen Erfahrungen als Hebamme passiert das überhaupt nicht häufig.

Wenn vorher schon solche Erkrankungen vorlagen, können diese durch die Schwangerschaft eventuell verstärkt werden, ausgelöst durch die Schwangerschaft aber eher nicht. Die Frau macht sich Sorgen, dass alles passt, dass alles gut geht und in diesem Zusammenhang vielleicht auch, dass alte Angsterkrankungen wieder auftauchen könnten. Als Hebamme achte ich sensibel auf die Vorzeichen und überweise zum Facharzt, zum Psychologen, zum Psychotherapeuten, wenn sich das manifestiert.

Größer als in der Schwangerschaft ist dieses Risiko nach der Geburt. Das rasche Absinken der Schwangerschaftshormone beschert vielen Frauen den sogenannten Babyblues, früher nannte man das „Heultage“. Wenn diese Traurigkeit jedoch längere Zeit anhält, dann braucht die Frau entsprechende fachärztliche Unterstützung.

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Was gilt noch als nachvollziehbare Sorge, was ist bereits krankhaft?

„Ist das Kind gesund?“, „Wie wird es ein?“ und „Schaffe ich das?“ sind ganz normale Fragen bzw. Sorgen. Die ständige Suche nach möglichen Problemen, immer zu überlegen, was nicht passen könnte, würde ich nicht mehr als nachvollziehbare Sorge ansehen. Das kommt in der Schwangerschaft aber recht selten vor, weil Schwangere von Haus aus sehr positiv gestimmt sind, sehr optimistisch. Außer, sie werden von vornherein als Risikoschwangere etikettiert.

Gibt es spezielle Anlaufstellen, die Schwangere bei starken Angstzuständen aufsuchen können? Speziell ausgebildete Hebammen?

Es gibt Hebammen mit Psychotherapieausbildung.

Panische Angst vor einer Fehlgeburt haben nicht viele werdende Mütter.

Bei vorangegangenen Fehlgeburten oder solchen Erlebnissen im engen Freundeskreis kann es allerdings schon eine große Sorge sein. Womit man zum Arzt geht oder abwartet, ist von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Ich meine: Wenn ich mir Sorgen mache und mir nicht selbst weiterhelfen kann, dann sollte ich das abklären. Unbedingt zum Arzt muss man bei einer Blutung.

Das ist normal. Am Anfang der Schwangerschaft sind Frauen oft sehr müde und geruchsempfindlich. Ab dem 4. oder 5. Monat verschwinden diese Symptome, die bisher die Schwangerschaft angezeigt haben. Gleichzeitig ist der Bauch noch nicht sehr groß und das Kind bewegt sich noch nicht so viel. Die Schwangerschaft hat sich etabliert, der Körper umgestellt. Jetzt gilt es, auf den eigenen Körper zu hören. Die Frau weiß zumeist ganz intuitiv, was ihr gut tut. Darauf kann sie vertrauen. Es dauert jetzt auch nicht mehr lange und dann kommen schon bald eindeutig spürbare Kindsbewegungen, der Bauch wächst und all diese Gedanken verfliegen im Nu.

Auch Versagensängste kommen häufig vor („Werde ich eine gute Mutter sein?“). Wie kann man diesen Schwangeren helfen?

Ich sage den Frauen immer: Keine Frau wird als Mutter geboren, jede wächst in diese Aufgabe hinein. Und vieles beim Hineinwachsen in diese Aufgabe passiert ganz von allein und völlig mühelos, zum Beispiel durch das sogenannte Liebeshormon Oxytocin. Dieses Hormon produziert unser Körper während der Geburt, und zwar in solchen Mengen, dass sich im Körper der Mutter mehr Oxytocin befindet als jemals sonst in ihrem Leben. Das bewirkt, dass sie sich über alle Maßen zufrieden, stolz und glücklich fühlt – und mit diesen Gefühlen nimmt sie erstmals ihr Baby in die Arme.

Wie beruhigen Sie Frauen, die panische Angst vor der Geburt oder etwaigen Komplikationen haben?

Gute Vorbereitung auf die Geburt ist für jede Frau wichtig, umso mehr, wenn sie sich große Sorgen macht. Ich empfehle, einen guten Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen. Dabei lernen die Frau und ihr Partner, zu verstehen, was im Körper passiert, was der Geburtsverlauf mit sich bringen kann und auch, was man dafür bekommt. Das stärkt die Frau in ihrem Selbstvertrauen – und genau darum geht es uns Hebammen.

Ich empfehle der Frau einen positiven Umgang mit dem Geburtsschmerz, indem sie sich zum Beispiel sagt: „Ich habe diese Wehe gut geschafft. Sie ist erledigt, sie kommt nicht wieder. Und sie bringt mich und mein Kind der Geburt ein Stück näher.“

Und zu guter Letzt erinnere ich die Frau daran, dass sie nicht allein ist. Ihre Hebamme und ihr Arzt/ihre Ärztin stehen ihr bei, wenn es Probleme geben sollte!

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Autoren:
Dr.med. Kerstin Lehermayr
Medizinisches Review:
Petra Welskop
Redaktionelle Bearbeitung:
Philip Pfleger

Aktualisiert am: 20.11.2014 | 09:40

Interview mit Petra Welskop, geführt am 17. November 2014

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6 Tipps um Angst in der Schwangerschaft zu überwinden (und stattdessen Freude zu finden)

Dies ist ein Gastbeitrag von Ava-Benutzerin Kala Rath, die fünf Jahre lang mit Unfruchtbarkeit kämpfte, bevor sie mit Zwillingen schwanger wurde!

Wie man Angst während der Schwangerschaft lindert

Angst während der Schwangerschaft ist üblich, vor allem, wenn man, wie ich, Jahre damit verbracht hat, sich mit Unfruchtbarkeit zu beschäftigen. Es raubt einem Friede, Freude und kann sogar die Bindung zu deinem Baby erschweren. Wenn ich ganz ehrlich bin, fühlte ich mich erst am Ende des ersten Trimesters mit meinen Zwillingsmädchen verbunden, und selbst dann war ich vorsichtig, nicht zu anhänglich zu werden.

Ich fühlte mich, als würde ich ständig auf das Worst-Case-Szenario warten, und ich hatte so große Angst, dass ich mich wie eine schreckliche Mutter fühlte. Ich erinnere mich, dass ich während des gesamten ersten und auch noch im zweiten Trimester im Wartezimmer der Arztpraxis vor jedem Termin und vor jedem Ultraschall aus purer Panik geweint und gezittert habe. Es gibt keine Möglichkeit, die Angst vollständig zu vermeiden, aber ich kann hier einige der Dinge teilen, die für mich am besten funktioniert haben.

1. Wählerisch sein, wo man sich seine online Zeit verbringt

Wenn man eine lange Geschichte der Unfruchtbarkeit hinter sich hat, ist man wahrscheinlich Mitglied vieler Facebook-Gruppen oder Online-Foren rund um Unfruchtbarkeit. Diese Gemeinschaften sind von unschätzbarem Wert, wenn man versucht, schwanger zu werden. Sobald man jedoch schwanger ist, können sie für die psychische Gesundheit reines Gift sein.

Ich fühlte mich deswegen sehr schuldig, aber ich musste die meisten Gruppen verlassen. Es gab so viele Beiträge über Fehlgeburten und Schwangerschaftsverluste und die ständigen Worst-Case-Szenarien, dass es mich verschlungen hat. Während ich verstehe, dass diese Geschichten jemandem gehören, und während mein Herz für diese Leute schmerzte, verursachte das Hören dieser Geschichten jeden Tag mir eine Menge Stress und verlangte mir einen großen physischen und emotionalen Preis ab.

Jede Geschichte, jeder Kampf und jede Schwangerschaft ist anders. Nur weil jemandem, den man aus dem Internet kennst, etwas Schlimmes passiert ist, bedeutet das nicht, dass es einem selbst passieren wird. Man sollte keine Angst oder Schuldgefühle haben, wenn man sich für eine Weile eine Pause von diesen Gruppen gönnt. Man sollte nicht vergessen, dass man selbst dafür verantwortlich ist, Glück und Zufriedenheit zu finden, während man schwanger ist.

2. Einen Arzt und eine Klinik finden, denen man vertraut

Ich kann nicht genug betonen, wie wichtig es ist, einen Arzt zu haben, dem man vertraut und der einem Sicherheit vermittelt. Man sollte keine Angst haben, den Arzt oder das Krankenhaus zu wechseln, wenn man das Gefühl hat, dass der Arzt nicht zu einem passt. Man sollte sich wohl dabei fühlen, auch zwischen den Terminen Fragen zu stellen und Bedenken zu äußern. Wenn man je das Gefühl bekommt, dass der Arzt abweisend oder herablassend ist, sollte man einen anderen Arzt aufsuchen. Es gibt kein größeres Gut, als in der Lage zu sein, dem medizinischen Fachpersonal zu vertrauen, das für einen selber und für das ungeborene Kind sorgt.

3. Wenn der Arzt sich keine Sorgen macht, muss man sich auch keine Sorgen machen

Der eigene Körper macht während der Schwangerschaft so viele Veränderungen durch. Jeder einzelne Tag ist anders! Man hat möglicherweise eine Million nörgelnde Fragen, die man während des Arzttermins vergisst zu stellen. Dann, drei Stunden nachdem man nach Hause gekommen ist, fängt man an, jedes Wort, das man gehört hat, zu analysieren und sich zu fragen, ob es etwas gibt, worüber man sich sorgen könnte.

Eine Sache, an die ich mich immer wieder erinnern musste, war: Wenn der Arzt sich keine Sorgen macht, muss ich es auch nicht. Ärzte sind nicht dazu da, etwas zu beschönigen oder einem zu beschwichtigen. Sie sind für die Gesundheit der Mutter und des Babys (oder der Babys) zuständig.

4. Gut darüber nachdenken, ob man ein Ultraschallgerät für zu Hause möchte

Ich weiß, dass Ultraschallgeräte für zu Hause umstritten sind. Ich denke, man kann nur selbst beantworten, ob dies etwas ist, das die eigene Angst lindert oder verstärkt.

Ich persönlich könnte nicht ohne meins leben, obwohl es manchmal meine Angst verschlimmerte, weil ich den Herzschlag nicht finden konnte. Es stellte sich heraus, dass ich nicht sehr gut darin war, Doktor zu spielen. Wann man den Herzschlag des Babys tatsächlich hören kann, hängt von sehr vielem ab: ob man eine Vorderwand- oder eine Hinterwandplazenta hat, in welcher Schwangerschaftswoche man ist, der Lage des Babys, der eigenen Größe und einfach nur vom Wissen, wo das Baby sich gerade befindet, etc.

Am ersten Tag, an dem ich mein Ultraschallgerät bekam, verbrachte ich über eine Stunde damit, — ohne Erfolg — einen Herzschlag zu finden. Ich war am Boden zerstört, und hoffte nur, dass es ein Benutzerfehler war. Nachdem ich ein paar Internetfreunde konsultiert hatte, entschied ich, dass es am besten war, das Ultraschallgerät für ein paar Wochen weg zu stellen und es erneut zu versuchen, sobald meine Schwangerschaft etwas weiter fortgeschritten war.

Sobald man das Baby das erste Mal findet, kann der Herzschlag im Allgemeinen an der gleichen Stelle wieder gefunden werden. Man sollte jedoch nicht beunruhigt sein, wenn man ihn nicht findet, denn Babys bewegen sich viel! Wenn das etwas ist, das einen mehr stresst als zu entspannen, sollte man ein Ultraschallgerät nicht benutzen. Nur man selber kann wirklich entscheiden, ob das etwas ist, das die eigenen Ängste lindert oder nicht.

5. Wissen, dass es normal ist, dass Symptome kommen und gehen

Trotz der Tatsache, dass das Internet oft behauptet, dass eines der Symptome einer Fehlgeburt das Verschwinden der Schwangerschaftssymptome ist, kann es trotzdem während einer gesunden Schwangerschaft passieren. Schmerzende Brüste waren eines meiner stärksten frühen Symptome und ich erinnere mich an einen Tag, als ich rund sieben Wochen schwanger war, an dem meine Brüste überhaupt nicht mehr weh taten. Ich war total hysterisch. Einen Tag später kam der Schmerz wieder, aber nicht so schlimm wie ursprünglich.

Aus Gesprächen mit Freunden weiß ich, dass es wirklich üblich ist, dass die Morgenübelkeit manchmal aufhört, um dann wieder zu erscheinen. Dies kann sehr beängstigend sein, aber die meiste Zeit ist es nichts, worüber man sich Sorgen machen muss.

ALLE meine Symptome schienen sich so zu verhalten. Und die ganze Zeit, in der ich ausflippte, wuchsen meine Babys weiter, so als ob nichts falsch wäre – weil eben nichts falsch war!

6. Nicht erschrecken, wenn das Baby an manchen Tagen weniger aktiv ist

Sobald man anfängt, das Baby zu spüren, ist es das beste überhaupt! Es gab mir so viel Sicherheit, dass meine Babys noch da waren und es ihnen gut ging.

Während der ersten paar Wochen, in denen man das Gefühl hat, dass sich das Baby bewegt, bemerkt man Tage, an denen das Baby für ein paar Tage in Folge super aktiv ist, gefolgt von einem Tag mit wenig Bewegung. Das ist normal und in Ordnung. Die meisten Ärzte lassen einem nicht einmal Babybewegung bewerten, bis man in der 28 Woche ist.

Mein Arzt sagte mir, wenn man wie ich mit Mehrlingen schwanger ist, sollte man nicht anfangen ihre Bewegungen zu zählen, weil es so stressig und schwierig sein kann. Man sollte einfach versuchen, sich ihrer Bewegungen bewusst zu sein, und wenn es irgendeinen Grund zur Besorgnis gibt, einfach den Arzt anzurufen.

***

Während all dies Dinge sind, die mir geholfen haben, meine Schwangerschaft zu überstehen, sind alle Frauen verschieden. Man sollte sich auf das eigene Bauchgefühl verlassen! Wenn man sich zu irgendeinem Zeitpunkt Sorgen macht, und beruhigt werden muss, sollte man sich an seinen Arzt wenden. Man sollte eine eigene Routine finden und sowie kleine Dinge, die einem Freude bereiten, sei es ein warmes Bad, dunkle Schokolade, ein alkoholfreies Getränk, oder sogar Sport machen. Man sollte eine Glücks-Routine finden und sie oft trainieren!

Von Vicky Kummer | Dez 11, 2017 Tags: angst, anxiety, erfahrungen, morning sickness, Schwangerschaft, Symptome

Vicky Kummer

Ängste in der Schwangerschaft – was Frauen umtreibt

Angst vor der Geburt und den Schmerzen zu haben ist ganz normal. Doch nicht nur darum und um die Gesundheit des Kindes machen sich werdende Mütter ihre Gedanken. Viele sorgen sich auch schon während der Schwangerschaft um das, was danach kommt.

„Ich bin schwanger.“ Drei Worte, die Freude – manchmal auch Schrecken – auslösen können, und deren Bedeutung jeder Schwangeren klar machen: Es wird sich nicht nur etwas ändern – künftig ändert sich alles. Und bereits mit Beginn der Schwangerschaft ändert sich vieles: der Körper, die Hormone, die Stimmungen – und die Gefühle, manchmal auch für den Partner oder die Partnerin … alles ganz normal, wenn auch nicht alles ganz einfach zu verkraften. Hinzu kommen die Ängste und Sorgen, die jede Schwangere beschäftigen, über den Verlauf und das Risiko der Geburt, die unbekannten Schmerzen, die auf sie zukommen, und die Gesundheit des Babys. All das belastet viele werdende Mütter während der 9 Monate Schwangerschaft. Und nicht nur das.

Die Liste der Ängste in der Schwangerschaft kann lang sein:

• wie wird das Leben danach, wie sieht der Alltag aus?
• werde ich mein Kind genug lieben?
• und auch noch genug Liebe für meinen Partner/meine Partnerin haben?
• was bedeutet das für meine berufliche Zukunft?
• wie bekomme ich das mit der Kinderbetreuung hin?
• wie kann ich das alles organisieren?
• worum muss ich mich kümmern, welche Behördengänge sind notwendig?
• schaffe ich das alles?
• wie sieht es mit den Finanzen aus, reicht das Geld?
• und nicht zuletzt: Bekomme ich meine alte Figur wieder zurück?

Eine sorgenfreie Schwangerschaft genießen – nicht jede Frau kann das

Nicht für alle Fragen gibt es auf Anhieb Antworten und Lösungen. Aber es gibt eine Vielzahl von Organisationen, die Unterstützung und Hilfestellung anbieten, Ärzte, Hebammen, Psychologen – nicht zu vergessen Familie und Freunde, die der Schwangeren beistehen – und natürlich der Partner bzw. die Partnerin. Wichtig ist vor allem, dass du mit deinen Ängsten nicht allein gelassen wirst und weißt, dass du Hilfe und Antworten auf deine Fragen bekommst.

Keine Panik!

Angst vor der Geburt? Was du tun kannst

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Gefühls- und Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft

Auch wenn man noch gar nichts sieht – jede Schwangere spürt sehr schnell, dass in ihrem Körper etwas geschieht. Der Hormonhaushalt im Körper verändert sich und
bereitet sich darauf vor, neues Leben wachsen zu lassen. Doch nicht nur körperlich verändert sich nun viel, auch die Gefühle und Stimmungen bei Schwangeren sind teilweise extremen Schwankungen ausgesetzt. Sie durchleben oft ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle, Hochs und Tiefs wechseln sich in raschem Tempo ab. Mal ist die Vorfreude, ein Kind zu bekommen, riesig, dann wieder holen sie Ängste und Sorgen, Zweifel und Unsicherheit ein. Dazu gehören kann auch die Tatsache, dass sich die Gefühle für den Lebenspartner/die Lebenspartnerin zeitweise verändern, im Sinne von verschlechtern. Von Frau zu Frau ist die Intensität dieser Gefühlsschwankungen unterschiedlich – gleich ist nur, dass es ein völlig normaler Vorgang ist. Die Angst, sein Kind nicht genug zu lieben, ist dagegen unbegründet. Auch wenn vielleicht manche Ertstgebärende nach einer schmerzhaften Geburt sich erst mit dem kleinen Würmchen anfreunden muss: Die Mutterliebe kommt von selbst, wenn alles gut gegangen ist und einem das kleine große Stückchen vollkommenes Glück auf den Bauch gelegt wird.

Schwangerschaftskalender

8. SSW – Eine Runde Gefühlsachterbahn

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Beratungsstellen für Ängste in der Schwangerschaft

Ein breites Spektrum an Hilfsangeboten findest du sowohl bei kirchlichen, als auch nicht-konfessionellen Stellen, unter anderem bei:

• pro familia
In 180 Beratungsstellen und drei pro familia-Zentren werden Fragen zu Schwangerschaft und Geburt, Veränderungen in Partnerschaft und Familie, Perspektiven für allein Erziehende, Elternzeit, Elterngeld, Kindergeld beantwortet. Für Frauen, die sich nach der Geburt traumatisiert fühlen, gibt es ein spezielles Beratungsangebot.
• die katholische Caritas
klärt in 300 Beratungsstellen über finanzielle, rechtliche und emotionale Fragen auf, auch per Chat oder E-Mail.
• eva, eine evangelische Beratungsstelle für Schwangere
Auch hier geht das Angebot von Gesprächen über persönliche, partnerschaftliche und familiäre Probleme über Fragen zu sozialrechtlichen Ansprüchen, finanziellen Hilfen und Existenzsicherung bis hin zu Familien entlastenden Angeboten.

• Chabad
Im Judentum gibt es eigene Bräuche und Regeln für das Verhalten in der Schwangerschaft. Die Seite informiert zudem umfassend über den jüdischen Alltag.

• Geburt im Islam
Hier kann man sich über die Rituale und Gebräuche um Schwangerschaft und Geburt im Islam informieren.

Geburtsvorbereitungskurse bauen Schwangerschaftsängste ab

Alles, was man nicht kennt, macht einem Angst. Die grundlegenden Informationen zum Ablauf der Geburt, die in diesen Kursen vermittelt werden, können viele Ängste nehmen oder abbauen. Und du siehst: du bist nicht allein. Für die werdende Mutter werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen, nur Partner respektive Partnerin müssen einen Betrag von etwa 60 bis 80 Euro pro Kurs zahlen. Es lohnt sich aber, zuvor bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, weil oft auch dieser Betrag übernommen wird.

Geburtsvorbereitungskurse werden angeboten von:

• Krankenhäusern
• Geburtshäusern
• Hebammenpraxen
• freien Hebammen
• einigen Familienbegegnungsstätten

Schwangerschaft

Geburts­vorbereitungs­kurs: Das musst du wissen

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Sorgen macht oft der Blick auf Beruf und Karriere

Auch wenn es heutzutage völlig normal und selbstverständlich ist, dass Frauen einen Beruf ausüben, auch wenn sie Kinder haben – gar nicht selbstverständlich und eine der größten Herausforderungen für eine berufstätige Mutter ist es, ihr Kind gut untergebracht und versorgt zu wissen und sich nicht als „Rabenmutter“ fühlen zu müssen. Kind und Karriere unter einen Hut zu bringen, zählt ebenfalls zu den Ängsten, Sorgen und Nöten, mit denen Frauen während der Schwangerschaft zu kämpfen haben. Bei geldlichen Problemen oder Fragen kann die Stiftung Warentest in den „Finanztipps für junge Eltern“ weiterhelfen: test.de erläutert die legalen Tricks zum Eltern­geld-Antrag.

Baby und Geld

Elterngeld-Rechner: Elterngeld und Elterngeld Plus ganz schnell berechnen

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Viele Frauen machen sich auch Gedanken um ihre Figur

Auch dafür gibt es keinen Grund, sondern hilfreiche Kurse und Übungen: die Rückbildungsgymnastik. Damit werden Bauch- und Beckenbodenmuskeln nach der Schwangerschaft gestärkt. Bereits am ersten oder zweiten Tag nach der Entbindung kann man damit anfangen. Schon in der Klinik zeigen Hebammen oder Physiotherapeuten den jungen Müttern zunächst ganz einfache Bewegungen. Wichtig ist es, jeden Tag zu üben, auch daheim, und wenn es nur wenige Minuten sind. Denn jede Frau will möglichst bald wieder fit sein und ihre Schwangerschaftskilos verlieren.

Schwangerschaft

Rückbildungsgymnastik: Welche Übungen dir jetzt gut tun

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Natürlich hat jede Frau Ängste in der Schwangerschaft, das ist ganz normal. Man darf sich davon nur nicht unterkriegen lassen. Über seine Sorgen und Bedenken zu reden ist zwar nicht immer leicht, aber es hilft ungemein. Und ganz sicher stellst du dann schnell fest: Anderen geht es ja genauso.

EMOTION.DE: Erzählen Sie uns doch kurz von Ihrer Tätigkeit bei pro familia!

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Maren Weidner, 60, berät bei pro familia bereits seit 16 Jahren schwangere Frauen und Paare mit unerfülltem Kinderwunsch.

Bild: Heike Günther

Maren Weidner: Ich bin Ärztin und bei pro familia als Beraterin tätig. Ich übernehme zum einen die Schwangerschaftskonfliktberatung beziehungsweise die Pflichtberatung vor einem möglichen Schwangerschaftsabbruch. Zum anderen betreue ich die Familienplanungsberatung sowie die Beratung von Paaren, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben. Außerdem unterstütze ich Schwangere, die sich im Kontext von vorgeburtlichen Untersuchungen plötzlich mit einem auffälligen Befund konfrontiert sehen und eine Entscheidung finden müssen, wie sie damit umgehen.

Ängste und Zweifel während der Schwangerschaft sind vermutlich ganz normal. Wann kommen die Frauen zu Ihnen?
Das ist natürlich sehr unterschiedlich. Zu uns kommen nicht oder nur sehr selten Frauen, die keine Probleme haben. Es sind vielmehr diejenigen, die zum Beispiel noch gar nicht wissen, ob sie die Schwangerschaft austragen möchten. Die Gründe, warum ein Schwangerschaftsabbruch in Erwägung gezogen wird, liegen in der Partnerschaft, in der Lebenssituation, haben den Hintergrund finanzieller oder individueller psychischer, emotionaler Probleme, liegen manchmal aber auch in der Familiengeschichte begründet.

Mit welchen konkreten Ängsten haben werdende Mütter am häufigsten zu kämpfen?
Eine Schwangerschaft ist, wenn sie erstmal eingetreten ist, eine Situation, die nicht steuerbar ist. Auch dann nicht, wenn sie geplant war. Es passiert etwas Körperliches, das für die Frauen bedeuten kann, dass sie sich dem ausgeliefert fühlen. Da sind die körperlichen Veränderungen, die sie spüren, später aber auch sehen. Außerdem die Sorge: Werde ich dem überhaupt gerecht – der Mutterschaft und dem, was da auf mich zukommt.
Eine Schwangerschaft ist eine gravierende Veränderung einer Partnerschaft hin zu einem Dreieck: Was bedeutet das für die Beziehung? Wo bleibt das Paar als Liebespaar oder geht es erst einmal nur darum, Eltern zu werden? Das sind Aspekte, die Frauen beschäftigen.

Inwiefern spielt es dabei eine Rolle, ob eine Frau ungewollt oder gewollt schwanger ist?
Das spielt meist am Anfang eine Rolle. Ungewollt ist ja das eine, ungeplant das andere. Wenn es eine nicht geplante Schwangerschaft ist, aus der eine angenommene Schwangerschaft wird, können diese Aspekte wichtig sein. Wenn es eine nicht gewollte Schwangerschaft ist und diese Sorgen im Vordergrund stehen, wird sich die Frau vermutlich für einen Abbruch entscheiden.

Wie ist es bei gewollten Schwangerschaften?
Meine Erfahrung aus wirklich vielen Jahren meiner Beratungstätigkeit ist, dass für viele Frauen erst, wenn sie schwanger sind, tatsächlich die Bedeutung spürbar ist, was es heißt, schwanger zu sein und zu bleiben. Oft können sie erst dann die Veränderungen, die damit einhergehen, wahrnehmen. Alles, was an Gedanken vor Eintritt der Schwangerschaft stattgefunden hat, ist wahrscheinlich hilfreich, hat aber nicht unbedingt viel mit der Realität einer tatsächlichen Schwangerschaft zu tun.

Sorgen auch bestimmte gesellschaftliche Erwartungen dafür, dass schwangere Frauen Angst haben?
So selbstverständlich es einerseits heutzutage ist, dass Frauen berufstätig sind, auch wenn sie Mütter sind, so schwierig ist es für einige Frauen immer noch, es sich vorzustellen, beides gut unter einen Hut zu kriegen. Zum Beispiel, weil es finanziell ein Problem ist, sodass sie sich es gar nicht anders vorstellen können als zu arbeiten. Dann haben sie aber die Sorge, wie sie ihr Kind gut unterbringen oder ob sie als Rabenmutter gesehen werden, wenn sie ihr Kind nach dem ersten Jahr Elternzeit in die Betreuung geben.

Wie lassen sich denn solch zermürbende Gedanken wie „Ich werde keine gute Mutter sein“ aus der Welt schaffen?
Als Beraterin bin ich zutiefst davon überzeugt, dass es hilfreich ist, über solche Sorgen zu sprechen. Und zwar nicht nur im Freundes- und Familienkreis, sondern mit jemandem, der aus professioneller Sicht Anregungen geben kann. Ganz andere Fragen stellt und hilft, den Blick zu weiten.

Können Sie mir ein paar Dinge nennen, an denen sich eine werdende Mutter festhalten kann, wenn sich das Sorgenkarussell mal wieder dreht?
Das eine ist, sich zu fragen: Wer ist ein Vorbild für mich? Ist das die eigene Mutter? Ist es vielleicht eine Freundin, die schon ein Kind hat? Oder eine Tante, die genau das vorlebt, was ich mir vorstelle?
Das andere ist, den Partner oder bei Frauenpaaren die Partnerin mit einzubeziehen, der Frau das Gefühl zu geben, sie steht nicht allein da. Frauen, die vermutlich alleinerziehend sein werden, helfe ich dabei, schon in der Schwangerschaft Kontakte zu anderen in vergleichbaren Lebenssituationen zu finden.

Wie versuchen Sie, werdenden Eltern bei finanziellen Ängsten zu helfen?
Diese Beratung machen Kolleginnen von mir. Sie geben ihnen erst mal die Informationen, die es in Bezug auf finanzielle Unterstützung in der Schwangerschaft gibt. Da ist einmal der sogenannte Mehrbedarf, der mit Beginn des vierten Schwangerschaftsmonats beantragt werden kann. Das betrifft Frauen, die geringfügig beschäftigt sind, Hartz-4 beziehen oder noch studieren. Dann gibt es einen einmaligen Betrag, den eine Frau, die in prekären finanziellen Verhältnissen lebt, von der Bundesstiftung Mutter und Kind bekommen kann. Dabei handelt es sich um eine einmalige finanzielle Unterstützung für Umstandskleidung und Erstausstattung. Außerdem gibt es Beratungen zu Eltern-, Kinder- und Arbeitslosengeld.

Was sind die schönsten Momente Ihrer Arbeit?
Wenn Frauen im Laufe eines Beratungsprozesses an irgendeinem Punkt sagen können: ‚Vielen Dank. Nun können wir uns voneinander verabschieden. Jetzt bin ich mit ihrer Hilfe so weit gekommen, dass ich das Gefühl habe, allein weiter zu kommen.‘

Hebammentipp – Ängste 

Unangenehme Träume, Schlafprobleme, Ängste und Unruhe gehören zur Schwangerschaft. Viele Schwangere gehen durch ein Auf und Ab der Gefühle. Einige Schwangere quält das schlechte Gewissen, wenn sie ambivalente Gefühle haben in Bezug auf ihre Schwangerschaft. Diese Gefühle und die Launenachterbahn sind völlig normal und ein Zeichen dafür, dass sich die Seele mit den grossen, zukünftigen Veränderungen beschäftigt. Selbstverständlich haben auch die Hormone einen Anteil an dem Gefühlswirrwarr.

Eine Möglichkeit, das Unterbewusstsein positiv zu beeinflussen, sind ätherische Öle. Düfte wirken auf das Hirnzentrum, das direkt für unsere Emotionen zuständig ist. Lavendel extra, auch Berglavendel genannt, ist das am häufigsten verwendete Öl, um wieder Klarheit in die Gefühle zu bekommen. Auch Rose, Iris und Sandelholz können hilfreich sein. Die Öle sollten in einer 10%igen Verdünnung mit Jojobawachs als Duftparfüm verwendet werden. Probieren Sie aus, welcher Duft Ihnen am angenehmsten ist.

Auch Bachblüten und Homöopathie können helfen. Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme beraten.

In den letzten Tagen ist viel darüber zu lesen, welche unmöglichen Kommentare sich Frauen anhören lassen müssen, wenn sie schwangerschaftsbedingt zunehmen. Das SZ-Magazin titelt „Unguter Hoffnung“ und berichtet, wie sich Schwangere heute allen möglichen Schönheitsidealen unterwerfen müssen. Unter dem Hashtag #alsichschwangerwar berichten Frauen auf Twitter darüber, welche Kommentare sie als Schwangere anhören mussten. Frauen leiden heute in Bezug auf die Schwangerschaft vor allem unter einem: unter Angst.

Wovor Schwangere heute Angst haben

Was früher „gute Hoffnung“ war, hat sich heute an vielen Stellen in das Gegenteil verkehrt. Angst macht sich breit unter den Schwangeren: Zunächst vor den ersten drei Monaten und der großen Angst, das Kind zu verlieren in dieser ersten Zeit. Dazu kommt die von vielen Seiten geschürte Angst vor so genannten „Fehlbildungen“ oder „Behinderungen“. Es werden verschiedenste Untersuchungen angeboten und an vielen Stellen auch aufgedrängt – beispielsweise wenn eine Schwangere ein bestimmtes Lebensalter erreicht hat -, die Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten von Behinderungen berechnen. Feindiagnostiker wollen mittels Ultraschall mögliche „Probleme“ erkennen und abbilden.* Schwangere verfolgen ängstlich bestimmte Ernährungspläne aus Angst vor Listeriose oder Toxoplasmose. Wer schon Kinder hat oder mit welchen arbeitsbedingt in Kontakt steht, hat Angst vor einer Infektion mit dem Cytomegalie-Virus oder einer anderen Krankheit. Und als ob das alles noch nicht reicht, gesellt sich nun auch noch die Angst dazu, zu viel zu zu nehmen.

Die oftmals größte Angst: die Geburt

Doch in dieser Aufzählung fehlt noch eine ganz besonders große Angst, die oft erst im letzten Schwangerschaftsdrittel auftritt: die Angst vor der Geburt selbst. Insbesondere Erstgebärende haben sie, diese Angst vor dem Unbekannten, vor der Grenzerfahrung, vor dem, was sie nicht kennen.

Als Geburtsvorbereiterin erfahre ich diese Angst in den Geburtsvorbereitungskursen, aber ganz besonders in der Einzel- bzw. Paarbegleitung, wenn wirklich Zeit und Raum ist, um sich mit dem eigentlichen Bedarf der Vorbereitung auf die Geburt zu beschäftigen. Anatomie und Ablauf einer Geburt sind einfach erklärbar. Doch viel wichtiger sind die Fragen dahinter. „Wann ist der passende Zeitpunkt, um in die Klinik zu fahren?“ steht oft für die ängstliche Frage: „Wenn ich es nun nicht rechtzeitig in die Klinik schaffe, wenn ich nicht medizinische Versorgung um mich habe, was dann? Wie soll nur mein Kind ohne Hilfe auf die Welt kommen?“ Oder die andere Frage nach Möglichkeiten der Schmerzbehandlung: Sie zeigt, welche großen Ängste Frauen vor der Geburt haben, vor diesem unbekannten Ereignis, dass doch auf normalem Weg nicht auszuhalten sein kann.

Wie uns Angst gemacht wird

Natürlich ist es ganz normal, dass wir diese Ängste in uns tragen. Wie auch nicht? Von allen Seiten wird uns heute ja gezeigt, dass Geburt schlimm, schmerzhaft und nicht ohne medizinische Versorgung zu handhaben ist. In Serien und Filmen sehen wir auf dem Rücken liegende, schreiende Frauen, die den Anwesenden fast die Hände vor Schmerz brechen. Schon in Kinderbüchern wird vermittelt, dass Geburten in Krankenhäusern stattfinden müssen und die Sendung mit der Maus zeigt eine Kaiserschnittgeburt unter dem Titel „Vom Glück des Lebens“. Geburt ist in unserer heutigen Gesellschaft eben nicht mehr die „Niederkunft“. Heute wird „entbunden“ – und dies natürlich unter fachlicher Anleitung.

Wir haben kaum positive Geburtsberichte in unserer Umgebung. Wenig Menschen, die von ganz normalen Geburten berichten, d.h. Geburten ohne Eingriffe, ohne Medikamente. Geburten (und das Stillen) sind aus dem Alltag nach und nach verbannt worden. Zeigten früher Bilder oder Steinreliefs wie Sheela-na-gigs Abbildungen von natürlich gebärenden Frauen, haben wir heute solche Bilder nicht mehr um uns. Geburt findet hinter verschlossenen Türen statt. Sie ist unbekannt und dieses Unbekannte macht Angst.

Dazu kommen, wenn wir denn doch Berichte hören, oft schlimme Meldungen von Schmerzen oder Komplikationen. Als ich selbst in meiner zweiten Schwangerschaft einen Geburtsvorbereitungskurs für Mehrgebärende besuchte, waren dort 10 Frauen versammelt, von denen zwei (eine davon war ich), eine normale Geburt hatten. Die anderen erzählten in der ersten Kursstunde von ihren traumatischen Erfahrungen unter der ersten Geburt. Wie sollte man in einer solchen Situation keine Angst vor Geburten bekommen? Wie sollte man nicht denken, dass einem selbst ja auch eine solche Komplikation passieren könnte, wenn dies doch bei fast jeder Frau auftreten würde?

Die Angst selbst beeinflusst die Geburt

Dass Angst die Geburt negativ beeinflusst, ist schon lange bekannt. Grantly Dick-Read, beschreibt bereits 1933 in seinem bekannten Buch „Die natürliche Geburt„, dass Angst den Wehenschmerz verstärkt. Medizinisch erklärbar ist dies durch die Wirkung von Hormonen: Katecholamine (z.B. Adrenalin) verursachen in großer Menge Schmerz, wodurch wiederum mehr Angst entsteht, wodurch wiederum Schmerz entsteht. Dazu hemmt Angst die Entspannung der Schließmuskeln -was unter der Geburt schlimme Auswirkungen hat, weil sich der Muttermund nicht weiter öffnet, sich wieder verengt oder Mütter gegen die fehlende Weitung arbeiten.

Im Gegensatz zu diesen negativ wirkenden Hormonen können Oxytocin und Betaendorphine positiv wirken: Natürliches Oxytocin bringt die Wehen voran, Betaendorphine wirken schmerzlindernd. Dafür sind aber gute Rahmenbedingungen wie Ruhe, Intimität, sensible Betreuung, Freude und Geborgenheit wichtig.

Es ist ein Teufelskreis: Wir hören von schlimmen Geburtserfahrungen und haben deswegen Angst vor der Geburt. Diese Ängste wirken sich unter der Geburt ggf. auf den Geburtsverlauf aus, es sind Eingriffe notwendig. Nach der Geburt wird wiederum von den Komplikationen berichtet, was bei anderen Gebärenden wieder zu Angst führt…

Bin ich „selber Schuld“ an Eingriffen unter der Geburt?

Es hört sich in der Theorie so einfach an: Na dann hab doch keine Angst und dann läuft die Geburt auch gut. Oder, noch schlimmer: Wenn Komplikationen stattfinden, bist Du selber Schuld, denn bestimmt hattest Du Angst und deswegen ist es so gelaufen. So einfach ist das natürlich nicht. Keine Frau geht schließlich absichtlich mit Ängsten in die Geburt. Keine Frau hat Schuld, wenn sie unter der Geburt Ängste verspürt. Keine Frau ist Schuld daran, wenn die Geburt anders verläuft, als sie es sich vorgestellt hat. Viele Ängste sind unbewusst vorhanden. Es können Geschichten sein, die wir irgendwann einmal gehört haben und längst vergessen glaubten. Es ist unser kulturelles Erbe, das zum Tragen kommt. Oft sind es auch Rahmenbedingungen, die nicht stimmen: Häufiger Personalwechsel, fehlende konstante Ansprechpartner, ungenügende Kommunikation oder ganz schlicht: fehlende Aufklärung. Es wird heute zu wenig darauf geachtet, Frauen zu erklären und zu verdeutlichen, wie normal eine Geburt ist und dass der Körper darauf eingestimmt ist, eine Geburt zu meistern. Beispielsweise dadurch, dass sich das Becken natürlich weitet, dass es Hormone gibt, die den Schmerzen entgegen wirken, dass es Positionen gibt, die hilfreich sind in bestimmten Phasen. Es fehlt Aufklärung im Voraus, was viele Situationen erleichtern könnte. Was helfen kann, durchzuhalten. Was einem im Hinterkopf hören lässt: Alles gut, Du packst das. Doch daran ist keine einzelne Frau Schuld. Es ist ein gesellschaftliches Problem, das diese Stimme des „Es wird schon!“ verstummen lässt.

Was wir gegen die Angst tun können

Am wichtigsten ist es, einen Menschen an der Seite zu haben, der Sicherheit ausstrahlt, der da ist, der auf einen eingeht. Eine Beleghebamme oder eine eigene Hebamme bei Geburtshaus- oder Hausgeburt ist ein wahrer Schatz. Im Vorfeld kann mit dieser Vertrauten offen über Probleme und Ängste gesprochen werden. Sie als Fachfrau kann alle offenen Fragen beantworten und Ängste abbauen. In einem Geburtsvorbereitungskurs sollte weniger der Schwerpunkt auf Anatomie und Ablauf gelegt sein, sondern vielmehr auf die natürlichen und körpereigenen Unterstützungsfähigkeiten unter der Geburt, so dass Selbstvertrauen in die Gebärfähigkeit auf- und Angst abgebaut wird. Wer darüber hinaus starke Ängste hat, kann sich auch therapeutisch behandeln lassen.

Doch wie dargelegt, ist die Angst nicht nur ein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem geworden. Wir müssen nicht nur daran arbeiten, jeder einzelnen Frau die Angst zu nehmen, sondern müssen etwas an der Kultur der Geburt verändern. Das beginnt schon bei den Kinderbüchern, bei denen Geburten nicht nur in Klinikroutinen gezeigt werden sollten, geht weiter über das Kinderfernsehen, über das Thema „Geburt“ und „Gebären“, wie es in der Schule behandelt wird. Es geht darum, wie und wann wir mit unseren Kindern darüber sprechen, wie wir die Geburt erlebt haben oder ob wir sie gar an natürlichen Geburten teilhaben lassen. Es geht darum, wie in Serien und Filmen mit Geburt umgegangen wird und wie Zeitungen und Magazine darüber berichten. Und es geht darum, mehr von positiven Berichten zu erfahren, damit wir Geburt wieder als das betrachten können, was es ist: natürlich.

Die Angst verlieren durch positive Geburtsgeschichten

Ina May Gaskin, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, Frauenrechtlerin und Hebamme, beschreibt in ihrem kürzlich erschienenen Buch „Birth Matters – Die Kraft der Geburt„, wie wichtig es ist, dass wir heute mehr positive Geburtsberichte erfahren, dass wir besser aufgeklärt werden über die Geburt, über die Zusammenhänge von Ängsten und störenden Faktoren unter der Geburt mit dem Gebären und darüber, wie normal Geburten einfach sind. Zu der großen Angst vieler Frauen davor, dass sich das Kind in der Nabelschnur einwickeln könnte beispielsweise schreibt sie (S. 21):

Zum Beispiel wird vielen Frauen beigebracht, zu denken, dass es automatisch gefährlich sei, wenn ein Baby mit der Nabelschnur um den Hals vaginal geboren wird, während tatsächlich fast alle Babys mit Nabelschnur um den Hals (vielleicht ein Fünftel aller Geburten) auf sichere Weise vaginal geboren werden können.

Diese und viele weitere Märchen über die Gefahr der Geburt werden von ihr entkräftet. Angereichert mit zahlreichen Geburtsberichten hilft dieses Buch, Geburt wieder in die richtige Position zu rücken und zu zeigen, dass sie ein völlig normaler Vorgang ist, in den eben nicht eingegriffen werden soll, den Frauen ganz von sich aus steuern sollen und der mehr Wertschätzung in unserer Gesellschaft verdient hat, denn:

Wir Menschen sind Hamstern, Nashörnern, Eichhörnchen oder Erdferkeln in unserem Fortpflanzungsdesign nicht unterlegen. Es ist unser Kopf, der uns manchmal die Dinge schwermacht.

Wir brauchen keine Angst haben vor dem Gebären. Es ist normal. Es sind Komplikationen möglich und es ist wunderbar, dass wir hier die Möglichkeit haben, dass solche in Notlagen gut aufgefangen werden können. Aber Komplikationen sind nicht der Normalfall. Wir müssen nicht schon vorher Ängste vor etwas haben, was eventuell in wenigen Fällen passieren kann und uns dadurch das größte Ereignis im Leben zerstören lassen: Die Schwangerschaft und Geburt eines neuen Menschen, die auch gleichzeitig die Geburt einer Familie ist.

* An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass es natürlich sinnvoll sein kann, mögliche Erkrankungen und Besonderheiten vorzeitig zu bemerken, damit das Kind eine entsprechende – manchmal lebensnotwendige – Behandlung schnell erhalten kann. Dennoch ist auch anzumerken, dass in vielen Fällen vollkommen normale Schwangerschaften vorliegen, deren Verlauf durch viele Untersuchungen beeinträchtigt wird, wenn sich die Eltern hierdurch unnötig um die gesunde Entwicklung sorgen.

Sie sind schwanger und leiden unter Ängsten oder es fehlt Ihnen nur ein wenig an innerer Ruhe? Damit sollten Sie sich nicht einfach abfinden, ganz im Gegenteil. Denn es ist nicht gut, speziell in der Schwangerschaft, über einen längeren Zeitraum Angst zu empfinden. Wenn Sie ständig unter Ängsten leiden, ist das auch nicht gesund für Ihr heranwachsendes Baby. (Bea et al 2005, Kurki et al 2000) Glücklicherweise gibt es ein großes Angebot an Möglichkeiten gegenzusteuern. Sie können einige Techniken ausprobieren, um zu sehen, welche Ihnen helfen.

Ist es normal, dass ich mich in der Schwangerschaft ängstlicher fühle?

Ja! Schwangerschaft bedeutet, dass nachhaltige Veränderungen im Leben anstehen. So ist es ganz normal, dass Sie phasenweise Angst vor dem Unbekannten haben. (McLeish 2007, NHS Choices 2014c). Zudem verändert sich der Hormonhaushalt bei Schwangeren und bringt deshalb schon ein Gefühlschaos mit sich. All diese Faktoren machen Sie anfälliger für Angst. (NHS Choices 2015). Machen Sie sich Gedanken über:

  • typische Schwangerschaftssymptome und was diese bedeuten
  • die Entwicklung Ihres Babys
  • die Beziehung zu Ihrem Partner
  • Geld

Stimmungsschwankungen wie zum Beispiel Niedergeschlagenheit verschwinden in der Schwangerschaft meist von selbst wieder. Allerdings ist es immer eine gute Idee, alle Sorgen, die Sie beschäftigen, mit Ihrer Hebamme zu besprechen. (McLeish 2007). Sie kann Sie unterstützen und weiß eventuell, was bei Ängsten in der Schwangerschaft gut hilft, damit diese nicht zu viel Raum einnehmen.

Wenn Ihre Sorgen sich zu einem größeren Problem auswachsen

Sorgen werden dann zum Problem, wenn Sie Schwierigkeiten haben, Ihre Gedanken kontrollieren zu können oder wenn sie Sie in Ihrem Alltag beeinträchtigen. (NHS Choices 2014c). Ein Beispiel: Sie vermeiden öffentliche Plätze, da Sie die Ansammlung von Menschen nervös macht und Sie sich Gedanken machen, was die anderen Menschen nun von Ihnen denken.

Ist dies der Fall oder fühlen Sie sich elend wegen Ihrer Ängstlichkeit oder macht Sie die Angst sogar depressiv, dann besteht die Möglichkeit, dass Sie unter einer generalisierten Angststörung leiden.
Die Hauptsymptome einer Angststörung sind:

  • die meiste Zeit nervös und ängstlich zu sein
  • nicht in der Lage zu sein, seine ängstlichen Gedanken zu stoppen bzw. kontrollieren zu können
  • sich viele Sorgen über zu viele Themengebiete zu machen
  • es unmöglich oder schwer ist zu entspannen
  • sich ruhelos zu fühlen
  • es anstrengend ist, mal still bzw. ruhig zu sein
  • leicht reizbar bzw. gereizt zu sein
  • sich ängstlich zu fühlen oder ständig zu denken, dass schlimme Dinge passieren werden
  • (Thomas 2010)

Sie spüren eventuell auch physische Symptome wie:

  • Herzrasen und schnelle Atmung
  • Schwindel
  • starkes Schwitzen
  • Verspannungen, Schmerzen in den Muskeln
  • Taubheit, Kribbeln in den Fingern, Zehen oder Lippen
  • (Ryan 2013)

Manchmal können diese Symptome spontan und sehr intensiv auftreten, ohne ersichtlichen Grund. Dies wird dann als Panik-Attacke bezeichnet.
Falls Sie den Eindruck haben, an einer Angststörung zu leiden, ist es wichtig, dass Sie einen Arzt/eine Ärztin aufsuchen, der/die Sie untersucht und Ihnen, falls notwendig, die richtige Behandlung verordnet (Ryan 2013, NHS Choices 2014c).

Wie kann ich meine Angst besiegen?

Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird mit Ihnen die einzelnen Behandlungsmethoden auf Vorteile und Risiken besprechen. Versuchen Sie, so ehrlich wie möglich zu erzählen, wie Sie sich fühlen, damit Sie die richtige Behandlung erhalten.
Solange die Symptome nicht schwerwiegend sind, wird der Behandlungsvorschlag wahrscheinlich eine Gesprächstherapie sein, um nicht unnötig Ihr Baby zu gefährden (NICE 2014). Gesprächstherapien bieten viele praktische Ansätze, die Ihnen helfen, Ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten.
Falls Sie schon vor Ihrer Schwangerschaft Medikamente gegen Ihre Angstzustände eingenommen haben, kann es sein, dass Ihr Arzt/Ihre Ärztin Ihnen nun rät, lieber mit einer Geprächstherapie (NICE 2014) zu beginnen. Wie auch immer: Bevor Sie die Einnahme Ihrer Medikamente abbrechen, müssen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin sprechen!
Für den Fall, dass Ihr Arzt/Ihre Ärztin eine Gesprächstherapie für sinnvoll hält, hat er sicherlich Kontaktadressen von Spezialisten für kognitive Verhaltenstherapie (KVT) (NICE 2014a).
Es ist wissenschaftlich belegt, dass KVT ein effektiver Weg ist, um Angstgefühle in den Griff zu bekommen (McLeish 2007). Ziel von KVT ist es zu erkennen, wie Ihr Körper und Gehirn auf Stress reagieren, und zu lernen, wie diese Reaktionen verändert werden können, damit Sie sich wieder besser fühlen (BABCP 2012).
Abhängig von Ihren persönlichen Umständen und wie stark Ihre Angstgefühle Sie beeinträchtigen, wird Ihr Therapeut/Ihre Therapeutin Ihnen sagen, ob KVT eine sinnvolle Möglichkeit für Sie ist.

  • Selbsthilfe
    Bei dieser Methode gibt Ihnen Ihr Therapeut/Ihre Therapeutin Informationen und Empfehlungen eventuell auch die Zugangsdaten für einen Onlinekurs, bei dem Sie selbstständig KVT ausprobieren können. Ein Therapeut/Eine Therapeutin wird Sie dabei unterstützen, entweder in einem persönlichen Gespräch oder per Telefon, und wird Ihnen Ihre Fragen beantworten.
  • KVT durch einen Therapeuten geführt
    Diese Art von KVT ist intensiver als die normale Therapieform. Hier nehmen Sie an persönlichen Gesprächen mit dem Therapeuten/der Therapeutin teil. Sie werden versuchen, Ihre persönlichen Trigger-Punkte für Ihre Angst zu finden. Anschließend entwickelt er/sie Strategien, wie Sie besser mit Ihrer Angst umgehen können.
  • (NICE 2014a, McLeish 2007)

Eine andere psychologische Behandlungsmöglichkeit, um mit Angst besser klarzukommen, ist die Entspannung. Der Therapeut/Die Therapeutin zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Muskeln richtig entspannen, und findet mit Ihnen Ihr Trigger-Wort, welches Ihnen hilft, ruhig zu bleiben, wenn Sie ängstlich werden. Zur angewandten Entspannungsmethode gehört jede Woche eine einstündige Sitzung über einen Zeitraum von ein paar Monaten (NHS Choices 2014c).
Diese Behandlungen werden überwiegend von Psychotherapeuten angeboten. Je nach Krankenkasse und der Verfügbarkeit von freien Plätzen kann es sein, dass Sie diese Leistung privat bezahlen müssen. Ihr behandelnder Arzt/Ihre behandelnde Ärztin oder Ihre Krankenkasse geben Ihnen Auskunft und helfen Ihnen weiter.

Was können Sie tun, um Ihre Angst zu lindern?

Egal, ob Sie nur gelegentlich oder öfters unter Angstzuständen leiden: Es gibt viele Techniken, die Sie erlernen können, um Ihre Symptome zu lindern.
Entspannungstechniken
Versuchen Sie jeden Tag für einen Moment bewusst zu entspannen oder besser noch jeden Tag ein paar Mal für eine kurze Zeitspanne. Durch das Training in den Wohlfühlphasen gelingt es Ihnen vielleicht besser, ruhig zu bleiben, wenn Sie das nächste Mal Angst bekommen.
Sie können dabei einfach stillsitzen und sich auf sich auf Ihre Atmung konzentrieren, tiefes Einatmen durch die Nase und Ausatmen durch den Mund. Oder versuchen Sie sich einen schönen Ort vorzustellen, an dem Sie sich wohlfühlen oder hören Sie etwas Musik. Auch ein Entspannungs-Podcast ist eine ideale Methode, um zu starten.
Manchmal ist es hilfreich, bewusst die Muskeln zuerst anzuspannen und dann zu entspannen. Spannen Sie zuerst die Muskeln in Ihren Zehen an und gehen dann langsam nach oben. Beenden Sie diese Übung mit Ihren Gesichtsmuskeln (Mind 2013b).
Eine andere Meditationstechnik nennt sich Achtsamkeit und könnte ebenfalls helfen. Wenn Sie einatmen, dann konzentrieren Sie sich auf Ihr Blickfeld, Geräusche und Geschmack. Kommt ein negativer Gedanke in Ihr Bewusstsein, kämpfen Sie nicht dagegen an. Lassen Sie ihn einfach da und bewerten ihn nicht. Dies ist zu Beginn ziemlich schwer, so dass es wahrscheinlich einfacher ist, sich einem Achtsamkeitstraining in der Gruppe anzuschließen (NHS Choices 2014d).
Finden Sie ein Selbsthilfe-Buch oder einen Onlinekurs
Es gibt eine Vielzahl an verfügbaren Methoden, um mit Angstzuständen klarzukommen. Diese reichen von Meditationsvideos über Onlinekurse und Bücher (NHS Choices 2014a). Ihre Hebamme oder Ihr Arzt/Ihre Ärztin können Ihnen sicherlich Empfehlungen geben. Oder Sie gehen online auf die Suche oder im nächsten Buchladen.
Auch die Büchereien haben Bücher dieser Art zur Auswahl. Fragen Sie doch mal bei Ihrer Bücherei nach.
Regelmäßig Sport treiben
Sanfte Bewegung hält nicht nur Ihren Körper während der Schwangerschaft fit, sondern hilft auch dabei, trübsinnige Gedanken zu vertreiben. Durch die sportlichen Aktivitäten wird Ihr Gehirn angeregt, Botenstoffe auszuschütten, die dafür sorgen, dass Ihre Stimmung aufgeheitert wird (NHS Choices 2014b).
Walken, Schwimmen, Yoga und Pilates sind dafür hervorragend geeignet. Oder vielleicht bietet Ihr Sportverein ein Kursangebot speziell für Schwangere an.
Bewusst essen
Einige Schwangere gaben auch an, dass Ihnen eine Spezialdiät geholfen hat, besser mit ihren Ängsten fertig zu werden. Das könnte daran liegen, dass sich die Stimmung verändert, wenn der Blutzuckerspiegel steigt oder sinkt (NHS 2014b, Mind 2010).
Der Verzicht auf Koffein (200 mg pro Tag sind erlaubt!), Alkohol und Tabak ist sehr wichtig! Abgesehen davon, dass es gesundheitsschädlich für Ihr Baby ist, können diese Stimulanzien Panikattacken (NHS Choices 2014b) begünstigen und Ihnen die Kontrolle über Ihre Ängste erschweren (Mind 2015).
Sprechen Sie über Ihre Gefühle
Wenn Sie mit einer Vertrauensperson reden können, kann das vielleicht auch helfen (Mind 2015). Versuchen Sie, Ihrem Partner oder jemandem aus der Familie zu erzählen, wie Sie sich fühlen. Vielleicht gibt es ja auch Gesprächsgruppen in Ihrer näheren Umgebung (NHS Choices 2014c).
Tagebuch schreiben
Tagebuch zu schreiben, kann Ihnen dabei helfen herauszufinden, was die Ängste bei Ihnen auslösen. Vielleicht wird Ihnen klar, dass Sie immer zur selben Tageszeit ängstlich werden oder immer, wenn eine bestimmte Tätigkeit oder Anforderung bevorsteht. Das Tagebuch hilft Ihnen auch dabei, die Momente festzuhalten, in denen es Ihnen gutging. Daraus können Sie ableiten, was Ihnen hilft (Mind 2015).
Ergänzende Therapien ausprobieren
Es gibt zwar keine Beweise für die Wirksamkeit von begleitenden Therapien während der Schwangerschaft (NICE 2008), jedoch empfanden viele Schwangere diese als sehr hilfreich. Vielleicht mögen Sie es mal auszuprobieren:

  • Massage
  • Reflexzonenmassage
  • Hypnotherapie
  • (Mind 2015)

Aromatherapie, Kräuter-Behandlungen und Bachblüten helfen manchmal bei Angstzuständen (Mind 2015). So ungefährlich sich diese Anwendungen auch anhören, manche sind für Schwangere nicht zu empfehlen. Bevor Sie eine Behandlung beginnen, besprechen Sie diese zuerst mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin (NHS Choices 2014f).

Werde ich mich nach der Geburt weniger ängstlich fühlen?

Die meisten Frauen empfinden nach der Geburt weniger Angst als in der Schwangerschaft (McLeish 2007, NCCMH 2014). Falls Sie vor Ihrer Schwangerschaft keine psychischen Probleme hatten, können Sie davon ausgehen, dass Sie nach der Geburt Ihres Kindes auch wieder weniger mit Ängsten zu tun haben werden (McLeish 2007, Andersson 2006).
Empfinden Sie es nach der Geburt immer noch als schwierig, Ihre Stimmung und Ihre Gefühle zu kontrollieren, dann sprechen Sie mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin. Sie werden Sie beruhigen und Ihnen sagen, dass diese Art von Gefühl zu Beginn des Mutterseins normal ist. Sie können Ihnen gute Ratschläge geben, wie Sie diese Zustände im Griff behalten. Wenn es sich um etwas Ernsthaftes handelt und nicht nur um eine Verstimmung, so ist es gut, wenn es rechtzeitig behandelt wird.
Lesen Sie mehr zu dem Thema Baby Blues und Schwangerschafts-Depression.

Wo kann ich weitere Hilfe bei Angst-Problemen bekommen?

  • Psychotherapeuten-Suche im Netz: PAL Verlagsgesellschaft.
  • Ganz wichtige Internetseite über psychische Erkrankungen rund um Schwangerschaft und Geburt, mit jeder Menge Links zu u.a. Selbsthilfegruppen: Schatten & Licht e.V.
  • Internetseite für Väter mit Problemen rund um Schwangerschaft und Geburt, aber auch Infos für Männer, deren Frauen daran leiden: familienplanung.de
  • Internetseite allgemein über Depressionen: Deutsches Bündnis gegen Depression e.V.
  • Internetseite vom Vivantes Humboldt- Klinikum Berlin: Zentrum für Seelische Frauengesundheit
  • Sehr hilfreich ist auch die Community von BabyCenter. Hier finden Sie Unterstützung von anderen betroffenen Schwangeren und Müttern, die vielleicht das Gleiche durchgemacht haben.

Finden Sie, dass Ihre Emotionen unberechenbar sind, dann können Sie mehr in unserem Artikel Stimmungsschwankung in der Schwangerschaft nachlesen.

Quellen

Anxiety UK. nd. Young people with anxiety.
Andersson L, Sundstrom-Poromaa, et al 2006. Depression and anxiety during pregnancy and six months postpartum: a follow-up study. ACTA Obstetricia et Gynecologica 85:8
BABCP. 2012. CBT: therapy worth talking about. British Association for Behavioural & Cognitive Psychotherapies.
Bea R.H, Van den Bergh, et al 2005. Antenatal maternal anxiety and stress and the neurobehavioural development of the fetus and child: links and possible mechanisms: a review. Neuroscience and Behavioural Reviews. 29:2
Kurki T, Hilesmaa V et al 2000. Depression and anxiety in early pregnancy and risk for preeclampsia. Obstetrics and Gynecology. 95:4
Lee A, Lam S, et al 2007. Prevalence, course, and risk factors for antenatal anxiety and depression. Obstetrics and Gynecology. 110:5
Mind. 2013a. Mind tips for better mental health: panic attacks.
Mind. 2013b. Tips for relaxation.
Mind. 2015. Anxiety and panic attacks: how can I help myself cope?
McLeish J. 2007. Antenatal and postnatal mental health: An NCT Evidence Based Briefing. National Childbirth Trust, Research Evidence Based Briefings
NHS Choices. 2012. Coping with panic attacks. NHS Choices, Live Well.
NHS Choices. 2014a. Stress, anxiety and depression – self-help therapies. NHS Choices, Health A-Z.
NHS Choices. 2014b. Panic disorder – self-help. NHS Choices, Health A-Z.
NHS Choices. 2014c. Generalised anxiety disorder in adults. NHS Choices, Health A-Z.
NHS Choices. 2014d. Mindfulness for mental wellbeing. NHS Choices, Health A-Z.
NHS Choices. 2015. Getting pregnant. NHS Choices, Health A-Z.
NICE. 2008. Antenatal care. Revised reprint December 2010, National Institute for Health and Care Excellence, Clinical guideline 62.
NCCMH. 2014. Antenatal and postnatal mental health: The NICE Guideline on Clinical Management and Service Guidance. National Collaborating Centre for Mental Health, National Institute for Health and Care Excellence, Clinical guideline 192 (evidence).
NICE. 2014. Antenatal and postnatal mental health. National Institute for Health and Care Excellence, Clinical guideline 192.
Reading Agency. nd. Reading Well. The Reading Agency.
Ryan A. 2013. Interventions to reduce anxiety during pregnancy: an overview of research.
Thomas H. 2010. Generalised Anxiety Disorder Assessment (GAD 7).
Vieten and Austin. 2008. Effects of a mindfulness-based intervention during pregnancy on prenatal stress and mood: results of a pilot study. Arch Women’s Mental Health. 11

Tokophobie: Was steckt hinter der Angst vor der Schwangerschaft?

Nicht jede Frau möchte Kinder haben. Und diese Entscheidung sollte auch ihr allein überlassen sein. Es gibt aber auch Frauen, die keine Kinder wollen, weil sie panische Angst vor einer Schwangerschaft haben. Und es gibt Frauen, die wollen eigentlich Kinder, können aber ihre extreme Angst vor einer Schwangerschaft nicht überwinden. Medizinisch spricht man in den letzten beiden Fällen von der Tokophobie, auch Schwangerschaftsphobie oder Gravidophobie genannt, einer Angststörung, die sich in extremer Angst vor einer Schwangerschaft oder Geburt äußert.

Erst im Jahr 2000 wurde die Schwangerschaftsphobie von Kristina Hofberg in einer Studie in Großbritannien genauer untersucht. Ihre Ergebnisse zeigten, dass 13 Prozent der nicht schwangeren Studienteilnehmerinnen so große Angst vor einer Schwangerschaft hatten, dass sie sie bewusst vermeiden oder verschieben. Die Angst bei betroffenen Frauen sei häufig sogar so groß, dass sich die Frauen auch in jungen Jahren sterilisieren lassen und auch ihre Partner zur Sterilisation drängen.

Krankhafte Angst vor Schwangerschaft und Geburt

Für Frauen auf der ganzen Welt ist eine Schwangerschaft mit gewissen Ängsten bzw. Unsicherheiten verbunden. Vor allem Frauen, die ihr erstes Kind erwarten, haben viele Fragen. Dabei spielt oft die Angst vor der Geburt und den damit verbundenen Schmerzen eine Rolle. Diese Unsicherheiten und Ängste sind in einem gewissem Rahmen völlig normal und unbedenklich.
Bei Frauen hingegen, die an einer Schwangerschaftsphobie leiden, ist die Angst vor der Schwangerschaft extrem. „Es handelt sich um einen pathologischen Terror in seiner extremsten Form, der dazu führen kann, dass Frauen ihr Kind selbst abtreiben, indem sie beispielsweise Alkohol oder Drogen einnehmen oder sich gar selbst in den Unterleib schlagen“, so Kristina Hofberg im ‚The Guardian‘.

Woher kommt diese Angst und ist eine Schwangerschaftsphobie endgültig oder kann sie überwunden werden?

Formen der Tokophobie

Medizinisch unterteilt man die Tokophobie in eine primäre, also lebenslange und eine sekundäre, nach einer traumatischen Erfahrung ausgelöste Schwangerschaftsphobie.
Die primäre Tokophobie gründet sich nicht auf traumatische Erlebnisse. Frauen, die darunter leiden, haben Angst vor den körperlichen Veränderungen, auf die sie keinen EInfluss haben. Sie haben Angst vor Ärztepfusch, davor, dass das Kind eine Behinderung haben könnte und auch davor, dass sie als Mutter ungeeignet wären.
Die sekundäre Tokophobie entsteht durch ein traumatisches Erlebnis in der Schwangerschaft oder nach der Geburt. Aber auch verstörende Bilder oder Filme einer Geburt können bereits in der Kindheit eine Schwangerschaftsphobie auslösen.

Ursachen der Tokophobie

Die Angst vor der Schwangerschaft kann in jedem Alter vorkommen. Mögliche Ursachen können sein:

  • traumatische Erfahrungen einer vorangegangenen Geburt
  • traumatische Erfahrungen aus der Kindheit, bspw. durch Bilder einer Geburt
  • Angst davor, ein ‚Lebewesen‘ in sich zu tragen
  • sexueller Missbrauch oder Gewalt
  • Angst vor Kontrollverlust über den eigenen Körper
  • Versagensängste
  • eine postpartale Depression
  • Depressionen

Man kann auch davon sprechen, dass die Angst vor der Schwangerschaft in gewissem Maße erblich ist. Frauen, deren Mütter darunter litten, haben ein erhöhtes Risiko, selbst betroffen zu sein.

Hilfe bei Tokophobie

Die Angst vor der Schwangerschaft wird bisher nicht von vielen Menschen ernst genommen. Und genau deshalb ist der beste Weg, um Hilfe zu leisten, offen darüber zu sprechen. Die Schwangerschaftsphobie ist eine Angststörung. Keine Frau sollte sich schuldig fühlen, wenn sie davon betroffen ist.
Frauen, die unter ihrer extremen Angst vor einer Schwangerschaft leiden, sollten sich unbedingt professionelle Hilfe holen. Ein Psychotherapeut wird den Ursachen der Phobie auf den Grund gehen und daran arbeiten, diese zu lindern.
Wer sich vor dem Gang zum Psychotherapeuten scheut, sollte mit seinem Frauen- oder Hausarzt darüber sprechen. Frauen, die bereits schwanger sind und das Gefühl haben, nicht damit zurecht zu kommen, können sich immer an ihre Hebamme wenden.

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Angst und Depression in der Schwangerschaft besser erkennen

Erstes systematisches Screening und Behandlungsprogramm für psychisch belastete Schwangere in Baden-Württemberg / Konsortium unter Leitung der Universitätsfrauenklinik Heidelberg wirbt 3,4 Millionen Euro für neues Vorsorgeprogramm gegen Depressionen, Ängste und Stress in der Schwangerschaft ein.

Eine Schwangerschaft ist nicht immer nur eine Zeit ungetrübter Vorfreude – selbst wenn ein Wunschkind unterwegs ist. Bis zu 20 Prozent der werdenden Mütter sind Studien zufolge beispielsweise von einer Depression und bis zu 25 Prozent von Ängsten betroffen. Das durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) geförderte Projekt Mind:Pregnancy will Schwangere gezielt auf Störungen der Stimmungslage untersuchen lassen und damit eine Versorgungslücke schließen.

„Programm für mehr Achtsamkeit in der Schwangerschaft“ startet am 28. Januar 2019
„Unter Depressionen, Stress und Ängsten – darunter auch ganz konkreter Angst vor der Geburt selbst – leidet nicht nur die Schwangere selbst. Auch für Kind und Familie ist die Erkrankung eine große Belastung“, erklärt Dr. Stephanie Wallwiener, Projektleiterin und Privatdozentin an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. Am 28. Januar 2019 startet das sogenannte „Programm für mehr Achtsamkeit in der Schwangerschaft“ in ganz Baden-Württemberg, rund 15.000 Frauen können im Rahmen des Projektes versorgt werden. Schwangere, die bei einer der beteiligten Krankenkassen (die Techniker Krankenkasse, die mhplus Betriebskrankenkasse, die über die GWQ ServicePlus AG teilnehmenden Betriebskrankenkassen, die AOK Baden-Württemberg und die BARMER) versichert sind, können sich auf freiwilliger Basis mit einem Fragebogen auf Anzeichen von Depressionen, Ängsten und Stress untersuchen lassen. Zeigt sich in dieser ersten Untersuchung durch den behandelnden Frauenarzt, dass eine schwangere Frau eine starke psychische Belastung hat, wird sie durch Mitarbeiter der an dem Projekt teilnehmenden Universitätsfrauenkliniken Heidelberg und Tübingen kontaktiert und bekommt direkt psychologische Hilfe. Schwangere, die mildere Anzeichen von Störungen der Stimmungslage zeigen, werden eingeladen, an einem onlinebasierten Selbsthilfeangebot zur Achtsamkeit teilzunehmen.

Ein weiterer Grund für dieses bislang in Deutschland einmalige systematische Screening: Die Zahl der Kaiserschnitte steigt seit Jahren stetig an. In Baden-Württemberg wird inzwischen fast jedes dritte Kind auf diese Weise entbunden, obwohl der Eingriff für Mutter und Kind körperlich belastend ist, Risiken für Folgeschwangerschaften entstehen können und die Kinder später ein erhöhtes Risiko für Atemprobleme und Allergien haben. „Es hat sich gezeigt, dass Frauen, die unter Stress, Angst oder Depressionen leiden, sich eher einen Kaiserschnitt wünschen, auch wenn dieser medizinisch nicht unbedingt notwendig wäre“, sagt PD Dr. Stephanie Wallwiener, Urheberin und Projektleitung von Mind:Pregnancy. Ein weiteres Ziel der Maßnahme ist daher, den Schwangeren die Ängste zu nehmen und mehr physiologische Geburten zu ermöglichen.

Weniger Angst und Stress, mehr Selbstvertrauen und Lebensqualität
„Mithilfe des Online-Angebotes werden Schwangere mit Anzeichen für eine psychische Belastung unter anderem im Umgang mit Ängsten und körperlichen Veränderungen geschult. Zudem sollen durch diese Maßnahme das Selbstvertrauen und die Lebensqualität gefördert werden“, sagt PD Dr. Stephanie Wallwiener. Das Angebot besteht aus acht wöchentlichen, ausschließlich digitalen Sitzungen, die sich aus verschiedenen Bestandteilen wie beispielsweise Videos und Arbeitsblättern zusammensetzen. Die Sitzungen können via Computer, Tablet oder über eine Smartphone-App bearbeitet werden. Am Ende jeder zweiten Sitzung senden die Teilnehmerinnen Rückmeldungen zu ihrer psychischen Belastung an die Koordinierenden Stellen der Universitäts-Frauenkliniken. In dem insgesamt über dreieinhalb Jahre laufenden Projekt wird untersucht, ob die mit dem Mind:Pregnancy-Selbsthilfeangebot versorgten Schwangeren weniger depressive Symptome haben als Patientinnen, denen diese Form der Selbsthilfe nicht zur Verfügung steht und ob es möglich ist, mit Hilfe eines derartigen Angebotes die Kaiserschnittrate zu senken.

Besonders wichtig für das Gelingen des Projekts ist die Kooperation mit den niedergelassenen Frauenärzten und hier insbesondere mit dem Berufsverband der Frauenärzte, Landesverband Baden-Württemberg. „Dieses Konzept ist besonders für die niedergelassenen Frauenärzte von Bedeutung und wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit“, erklärt Markus Haist, Vorsitzender des Berufsverbandes der Frauenärzte Baden-Württemberg. Die baden-württembergischen Frauenärzte werden zurzeit gezielt über verschiedene Foren angesprochen. An einer Teilnahme interessierte Praxen können sich ab sofort unter mindpregnancy.de oder direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg registrieren lassen und erhalten im Laufe des vierten Quartals die erforderlichen Unterlagen für die Teilnahme am „Vertrag für mehr Achtsamkeit in der Schwangerschaft“.

Von zu Hause aus Hilfe zur Selbsthilfe bekommen
„Das Programm Mind:Pregnancy schließt eine Versorgungslücke, denn bisher erfolgt keine systematische Erhebung der psychischen Belastung von Schwangeren im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen“, sagt Prof. Dr. Markus Wallwiener, Geschäftsführender Oberarzt der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik. Im Erfolgsfall stellt das onlinebasierte Selbsthilfeangebot eine leicht zugängliche und kostengünstige Maßnahme dar, welche das Auftreten von psychischen Störungen und die Häufigkeit von Kaiserschnitten verringert und von Schwangeren zu Hause und ohne Wartezeiten durchgeführt werden kann.

Durch das Screening und passende Maßnahmen in Abhängigkeit zum Ausmaß der psychischen Belastung lassen sich außerdem ungünstige Auswirkungen auf die geborenen Kinder deutlich verringern. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass sich psychische Probleme in der Schwangerschaft negativ auf die motorische und geistige Entwicklung des Kindes auswirken können sowie mit kindlichen Verhaltensstörungen und ADHS in Verbindung stehen. „Die Datenlage verdeutlicht die Notwendigkeit wirksamer Screening-, Präventions- und Interventionsprogramme, um Hinweise auf psychische Störungen frühzeitig zu erkennen und den betroffenen Frauen Unterstützungs- und Therapieangebote zugänglich zu machen“, so Prof. Dr. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. „Sollten die Projekt-Daten diese Annahmen bestätigen, wäre eine Ausweitung des Screenings im Rahmen der Regelversorgung auf das gesamte Bundesgebiet sinnvoll.“

Partner des Projektes Mind:Pregnancy
Konsortialpartner des Projektes sind das Institut Frauengesundheit Tübingen, die Universitäts-Frauenklinik Tübingen, die Ludwig-Maximilian-Universität München, die Universität Bielefeld, die Abteilung Psychosomatik der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen, die Techniker Krankenkasse, die mhplus Betriebskrankenkasse und die GWQ ServicePlus AG als Arbeitsgemeinschaft von Krankenkassen. Als Partner im Selektivvertrag nimmt der Berufsverband der Frauenärzte teil. Kooperationspartner sind die AOK Baden-Württemberg, die Barmer Ersatzkasse und die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg. Geldgeber für das Projekt ist der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), dem obersten Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Bei erfolgreicher Evaluation könnte das Projekt deutschlandweit und in Abstimmung mit allen an der Schwangerenversorgung beteiligten Akteuren Teil der von den gesetzlichen Krankenkassen übernommenen Regelversorgung werden.

Ansprechpartner

PD Dr. med. Stephanie Wallwiener
Oberärztin

Projektleitung Mind:Pregnancy
Universitätsklinikum Heidelberg
Frauenklinik
Im Neuenheimer Feld 440
69120 Heidelberg

E-Mail: [email protected]

Weitere Informationen im Internet:

PLÖTZLICH HABE ICH ANGST, IMMERZU ANGST | SCHWANGERSCHAFTSWOCHE 34 | BABY BUMP UPDATE

Fotos von Leni Moretti

Schwangerschaftsupdate SSW 34:
Plötzlich habe ich Angst, immerzu Angst.
…und kann mich ihr kaum entziehen!

Ich sitze im Auto und da überkommt sie mich aus heiterem Himmel, eine Panikattacke. Ich bekomme schwitzige Hände, mein Herz schlägt wie wild, ich werde unruhig und letztendlich gipfelt es sich darin, dass mir schwindelig wird und ich das Gefühl bekomme, ohnmächtig zu werden. Mir wird schwarz vor Augen und ich bekomme keine Luft. Wir müssen am Straßenrand anhalten und ich muss mich hinlegen. Da liege ich also, auf dem Fußboden neben dem Auto und nur ganz langsam beruhigt sich mein Puls und mein Kreislauf stabilisiert sich.

Plötzlich habe ich ständig Angst. Angst davor, Entscheidungen zu treffen. Ich bin unfähig. Es fiel mir noch nie leicht, mich zu entscheiden. Also bewusste Entscheidungen zu treffen. Ich handle oft intuitiv und in der Regel bin ich damit immer gut gefahren. Plötzlich fährt mein Kopf Achterbahn, mein Herz rast und ich spüre diese altbekannte Übelkeit in der Magengegend. Ich versuche abzuschätzen, schwanke immer wieder hin und her. Ich bin unfähig für mich, für uns zu entscheiden. Entscheidungen fällen, ich kann es nicht. Selbst die kleinsten Entscheidungen bringen mich an meine Grenzen. Es gipfelt sich immer häufiger in Überforderung und Angst. Angst davor, eine falsche Entscheidung zu treffen. Ich habe plötzlich Angst vor allem. Vor allem aber Angst, mich zu binden. Ich habe Angst zu versagen. Ich habe Angst vor der Zukunft. Teilweise gipfelt sich diese Angst in absurden Gedanken. Plötzlich stehe ich da, schaue meine Kinder an und es überkommt mich eine Panik, die ich kaum in Worte fassen kann. Ich habe Angst, dass sie irgendwann ohne mich sein könnten. So viel Angst, gebündelt, und sie streckt mich fast nieder. Und ich weiß dann oft gar nicht, wie ich ihr begegnen soll. Wie ich sie eindämmen kann. Woher sie überhaupt rührt. Ich würde sie gern wegschieben, sie ausgrenzen und ihr keine Macht geben. Aber das schaffe ich nicht immer.

Sind das die Hormone?, frage ich mich. Warum diese tiefen Ängste, wo sich doch alles sonst so gut und richtig anfühlt. Selten habe ich mich so wohl gefühlt, so gut, so angekommen, so ruhend. Da überrascht es mich und die Frage kommt auf, woher kommen sie und warum sind sie da, diese Ängste. Hat es etwas mit der baldigen Ankunft des kleinen Jungen zu tun? Habe ich Angst vor dem Leben als Mama von drei Kindern? Ist es etwas anderes? Verarbeite ich so die anderen, einschneidenden anstehenden Veränderungen, die uns unmittelbar bevorstehen? Sind es vielleicht zu viele Veränderungen in einer so sensiblen Zeit des Zusammenwachsens? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich diesen Ängsten nicht mehr so viel Macht geben mag. Dass ich wieder versuchen muss, auf meine innere Stimme zu vertrauen. Denn die war bisher immer gut mit mir. Sie hat mir schon so oft den Weg geleitet. Auch in noch so dunklen Tagen. Und dunkel sind die Tage in dieser Zeit ja wirklich nicht. Ganz im Gegenteil. Sie sind voller Kraft und Licht und Liebe. Denn dieses Kind ist ein Zeichen der Liebe. Es ist gewünscht und erhofft und gewollt. Und diese Schwangerschaft ist, neben den beiden Schwangerschaften der Mädchen, für mich das größte Glück. Und obwohl es so ist und ich mir dem bewusst bin, obwohl ich es genau so fühle, ist es nicht immer leicht der Angst zu begegnen.

Baby Bump Update,
Schwangerschaftswoche 34

Wie weit bin ich?

Heute ist wieder Wochenwechsel, hallo Schwangerschaftswoche 34. Das geht hier jetzt aber extremst schnell. Letzte Woche Freitag war noch die Hebamme da und wir haben das Aufklärungsgespräch geführt. Jetzt heißt es nur noch, ein paar Dinge besorgen und dann auf den Jungen warten.

Hallo Dickbauch, Gewicht?

Mein Bauch ist laut Hebamme nur um 2 cm Umfang gewachsen. Gar nicht so viel. Dabei habe ich das Gefühl, dass ich nur noch aus Bauch bestehe. Die Nächte werden beschwerlich, liegen ist nicht bequem und ich finde oft keine gute Position. Was mir aktuell wirklich hilft und ich könnte ehrlich nicht ohne leben: Meine Stillkissen, die ich als Lagerungskissen nutze. Schon bei Mimi waren sie Gold wert und jetzt tun sie wieder ihren Dienst.

Letzte Woche Freitag hatte ich mich gewogen, da lag ich bei 78,8 kg. Ich hatte also ein wenig abgenommen. Denn ein paar Tage zuvor hatte ich schon knapp 80 kg. Vermutlich Wasser an den heißen Tagen. Ja, und seitdem stand ich nicht mehr auf der Waage.

Umstandsmode?

Es ist nichts neues dazugekommen. Allerdings überlege ich, mir noch einmal ein Teil zu kaufen. In viele meiner Schwangerschaftsteile passe ich nicht mehr. Gerade die Kleider sind ein wenig schwierig. Obwohl es sich um Umstandsmode handelt, sind sie dann am Bauch vorne oft zu kurz. Wie kann das sein? Irgendwie ärgerlich. Kennt das jemand?

Neuzugänge für das Baby?

Der Geschwisterwagen kam nach längerer Wartezeit endlich an und ich konnte ihn abholen. Ihr glaubt ja gar nicht, wie aufgeregt ich war. Und dann stand ich da im Laden, hatte den Wagen vor mir und war ganz selig. Wie aufregend. Bald hab ich drei Kinder. Der Gedanke allein, absolut irre, irre schön.

Wir haben so lange überlegt, ob wir einen Geschwisterwagen benötigen oder ob nicht einfach so ein Geschwister-Board ausreicht. Aber Mimi schläft noch unheimlich viel im Kinderwagen. Ich bin viel mit ihr draußen und wenn zu Hause nichts geht, dann geht oft nur der Kinderwagen oder das Auto. Auch werde ich unter der Woche wieder viel allein sein. Da war der Geschwisterwagen dann doch die beste Idee. Jetzt steht er aufgebaut in unserem Flur und ich bin ganz aufgeregt. Es wird ernst.

Gestern Abend räumte ich ein wenig die Kleidung in der Babykommode und im Kleiderschrank zurecht. Das hat mich unheimlich glücklich gemacht. Ich dachte, wir hätten gar nicht wirklich viel. Falsch gedacht. Anscheinend hat sich über die Monate doch einiges gesammelt. Was mich aber am meisten freut: Vieles können wir doch von Mimi noch nutzen. Decken, Schnuffeltücher, Bodys, usw.

Habe ich Schwangerschaftsstreifen?

Ja, es werden auch mehr. Aber ich pflege weiter fleißig von außen und innen.

Wie schlafe ich? Schlafverhalten?

Eigentlich schlafe ich recht gut. Zwar fühle ich mich morgens nicht wirklich erholt, aber ich schlafe. Ich muss nachts sogar selten hoch. Meist nur einmal. Ich finde, das ist gut und im Rahmen.

Mein schönster Augenblick der Woche

Irgendwie war diese Woche der Wurm drin. Ich muss wirklich überlegen, was wohl der schönste Moment der Woche war?! Es war für mich einfach nur viel zu heiß und dementsprechend schlecht ging es mir. Irgendwie lief vieles nicht rund und als krönender Abschluss unser gefluteter Keller mit dem Verlust. Mir fällt es schwer, da einen wirklich besonders schönen Moment zu finden. Ich war diese Woche einfach nur viel geschafft, gestresst und traurig. Aber dennoch gibt es im Alltag so viele schöne Momente. Wie ein kleines Tochterkind, das einen morgens anstrahlt. Oder mein großes Ferienmädchen und die Zeit, die wir zusammen verbringen durften.

Gab es diese Woche einen Schreckmoment?

Nachdem ich den Freitag wirklich schlimm Migräne hatte, abends dann die Nachricht erhielt, dass unser Keller seit dem Vortag unter Wasser stehen würde – habe ich mich körperlich sehr übernommen. Das merke ich jetzt. Wir haben bis in die Nacht hinein geräumt und versucht, noch etwas zu retten. Wir haben den kompletten Samstag von den ganz frühen Morgenstunden an weiter gearbeitet. Das hat sich in starken Übungswehen gezeigt. Deshalb ruhe ich heute. Ich mache nicht wirklich viel. Habe den Vormittag im Bett verbracht, war nur kurz draußen und liege jetzt wieder.

Verspüre ich Kindsbewegungen?

Reichlich. Unser kleiner „Dirty Harry“ ist ein kleiner Karate-Bub. Verrückt, wie sehr sich der Bauch verformen kann.

Habe ich Heißhungerattacken?

Ich habe ständig Hunger. Erdbeeren, Himbeeren, Wassermelone – im Wechsel. Ach ja, und Eis.
Seit ein paar Tagen habe ich ausserdem Lust auf etwas Fleisch. Verrückt. War das doch bisher so gar nicht meins. Ich hab bisher nicht nachgegeben. Aber mir wäre danach.

Habe ich Abneigungen gegen gewisse Lebensmittel, Gerüche oder ähnliches?

Auch dieses Mal, nein.

Gibt es erste Geburtsanzeichen?

Henry meinte Freitag, nachdem er mich die Woche nicht gesehen hat, der Bauch hätte sich etwas abgesenkt. Ich selbst kann das nur schlecht beurteilen. Aber Henry hat da meist ein sehr aufmerksames Auge.

Irgendwelche Symptome?

Die Woche war schwierig. Kreislauf wegen der Hitze, dicke Beine, dicke Hände, Rücken. In dieser Woche habe ich dann dank der extremen Hitze wirklich gemerkt: Ich bin hochschwanger. Puh. Was bin ich froh, dass es sich abgekühlt hat.

Ich bin im übrigen immer unglaublich müde. Ständig. Ich habe das Gefühl ich bin rein gar nicht mehr leistungsfähig und das nervt mich dann zum Teil sehr.

Bauchnabel, rein oder raus?

Ich führe ein sehr angespanntes Verhältnis zu meinem Bauchnabel. 😉

Aktuelle Stimmung?

Ich bin erschöpft und irgendwie auch ein wenig traurig. Aber das geht vorüber. Darüber nachdenken, dass diese Schwangerschaft bald ein Ende hat, möchte ich auch nicht wirklich. Denn diese Schwangerschaft war bisher wirklich schön. Es fühlt sich so gut an, angekommen zu sein. Und irgendwie würde ich diesen Zustand gern noch etwas festhalten. Wisst ihr, was ich meine?

Ganz liebe Grüße an euch,
Eure Janina

Angst und Depression in der Schwangerschaft: Probleme früher erkennen

Während und nach einer Schwangerschaft erleben viele Frauen ein Auf und Ab der Gefühle. Dabei können Traurigkeit oder Angst so stark zunehmen, dass sich eine ernsthafte Depression daraus entwickelt. Dazu gehört nicht nur eine gedrückte und niedergeschlagene Stimmung, Interessenverlust und Antriebslosigkeit, sondern auch übermäßige Selbstzweifel, Schuldgefühle und Schlafstörungen. Bis zu 20 Prozent der werdenden Mütter sind Studien zufolge von einer Depression und bis zu 25 Prozent von Ängsten betroffen. Nun soll das durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) geförderte „Programm für mehr Achtsamkeit in der Schwangerschaft“ (Mind:Pregnancy) Schwangere gezielt auf Störungen der Stimmungslage untersuchen lassen und damit eine Versorgungslücke schließen.

Neues Vorsorgeprogramm startet Ende Januar

Am 28. Januar 2019 startet das neue Pilotprojekt in ganz Baden-Württemberg. Rund 15.000 Frauen können im Rahmen des Projektes versorgt werden. Schwangere, die bei einer der beteiligten Krankenkassen (Techniker Krankenkasse, mhplus Betriebskrankenkasse, AOK Baden-Württemberg, BARMER und die über die GWQ ServicePlus AG teilnehmenden Betriebskrankenkassen) versichert sind, können sich auf freiwilliger Basis mit einem Fragebogen auf Anzeichen von Depressionen, Ängsten und Stress untersuchen lassen.

Zeigt sich in dieser ersten Untersuchung durch den behandelnden Frauenarzt, dass eine schwangere Frau eine starke psychische Belastung hat, wird sie durch Mitarbeiter der an dem Projekt teilnehmenden Universitätsfrauenkliniken Heidelberg und Tübingen kontaktiert und bekommt direkt psychologische Hilfe. Schwangere, die mildere Anzeichen von Störungen der Stimmungslage zeigen, werden eingeladen, an einem onlinebasierten Selbsthilfeangebot zur Achtsamkeit teilzunehmen.

Psychische Probleme der Mutter belasten auch die Kinder

„Mithilfe des Online-Angebotes werden Schwangere mit Anzeichen für eine psychische Belastung unter anderem im Umgang mit Ängsten und körperlichen Veränderungen geschult. Zudem sollen durch diese Maßnahme das Selbstvertrauen und die Lebensqualität gefördert werden“, so Dr. Stephanie Wallwiener, Projektleiterin und Privatdozentin an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. In dem insgesamt über dreieinhalb Jahre laufenden Projekt wird untersucht, ob die mit dem Mind:Pregnancy-Selbsthilfeangebot versorgten Schwangeren weniger depressive Symptome haben als Patientinnen, denen diese Form der Selbsthilfe nicht zur Verfügung steht.

„Das Programm Mind:Pregnancy schließt eine Versorgungslücke, denn bisher erfolgt keine systematische Erhebung der psychischen Belastung von Schwangeren im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen“, sagt Prof. Dr. Markus Wallwiener, Geschäftsführender Oberarzt der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik. Durch das Screening und passende Maßnahmen sollen sich auch ungünstige Auswirkungen auf die Kinder verringern lassen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass sich psychische Probleme in der Schwangerschaft negativ auf die motorische und geistige Entwicklung des Kindes auswirken können sowie mit kindlichen Verhaltensstörungen und ADHS in Verbindung stehen.

Bei Erfolg bundesweites Screening möglich

„Die Datenlage verdeutlicht die Notwendigkeit wirksamer Screening-, Präventions- und Interventionsprogramme, um Hinweise auf psychische Störungen frühzeitig zu erkennen und den betroffenen Frauen Unterstützungs- und Therapieangebote zugänglich zu machen“, so Prof. Dr. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. „Sollten die Projekt-Daten diese Annahmen bestätigen, wäre eine Ausweitung des Screenings im Rahmen der Regelversorgung auf das gesamte Bundesgebiet sinnvoll.“

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